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WÖRTERBUCH

DER DEUTSCHEN KAUFMANNSSPRACHE

AUF GESCHICHTLICHEN GRUNDLAGEN

MIT EINER SYSTEMATISCHEN EINLEITUNG

VON

ALFRED SCHIRMER

STRASSBURG

VERLAG VON KARL J. TRÜBNER

1911

Meinem Vater, dem Kaufmann Emil Schirmer,

zum Dank für seine treue Hilfe.

Vorwort.

Das vorliegende Wörterbuch beabsichtigt, den von den bisherigen Wörterbüchern mehr oder weniger vernachlässigten Wortschatz der deutschen Kaufmanns- sprache in seiner Reichhaltigkeit vorzuführen und seine geschichtliche Entwicklung zu untersuchen. Es behandelt als Kaufmannssprache in engerem Sinne nur die Aus- drücke, mit denen der Kaufmann den geschäftsmäßigen Betrieb des Güteraustausches in allen seinen Einzelfunktionen benennt : ausgeschlossen bleiben also alle Ausdrücke, die den Fabrikationsweg angehen, alle Benennungen von Waren, femer alle Namen von Münzen, Maßen und Gewichten, sowie die rein wissenschaftlich -national- ökonomische Terminologie.

Auch bei dieser Abgrenzung ließ sich Vollständigkeit nicht erreichen: von den Ableitungen und Zusammensetzungen wurden nur die gangbarsten und wirklich eine begrifiüche Einheit bildenden aufgenommen, auch von Fremdwörtern fanden nur die allgemein gebräuchlichen, nicht aber seltene Spezialausdrücke einzelner Branchen oder Handelskreise Aufnahme, und von heute veralteten Ausdrücken wurden nur solche behandelt, die in bestimmten Perioden der deutschen Handelsgeschichte von größerer sachlicher oder sprachlicher Bedeutung gewesen sind. Besonderer Isach- druck wurde auf die Sammlung der umgangssprachlichen Bestandteile, namentlich auch der Scherz- und Spottausdrücke der heutigen Kaufmannssprache gelegt. Man vergesse nicht, daß das vorliegende Buch weder ein kaufmännisches Sachwörterbuch noch ein handelsgeschichtliches Repertorium, sondern zunächst nur eine wort- geschichtliche Untersuchung ist, die alle sachhchen Angaben viehnehr erst aus zweiter Hand zur Verständlichmachung der sprachlichen Vorgänge bezieht. Eine Einsicht- nahme in die angeführten handelswissenschaftlichen oder handelsgeschichtlichen Werke ist deshalb, um ein exaktes Bild des wortgeschichtUchen Zusammenhangs zu gewinnen, nicht minder nötig, als die ergänzende Vergleichung des in den zitierten lexikographischen Vorarbeiten niedergelegten Belegmateriales.

Wegen aller weiteren methodologischen Fragen verweise ich auf Kapitel I bis HI meiner Schrift „Zur Geschichte der deutschen Kaufmannssprache'- (Diss. Leipzig 1911), der auch die Einleitung zu diesem Wörterbuch entnommen ist.

Die Anregung zu der vorliegenden Arbeit verdanke ich Herrn Prof. Herman Hirt -Leipzig, der sie, ebenso wie Herr Geh. Hofrat Prof, Ed. Sie vers -Leipzig, während

Yl Vorwort

ihrer Entstellung mit hilfsbereitem Interesse dcauernd begleitet hat. Bei der Zu- sammeusteUung der Quellen unterstützten mich in liebenswürdigster Weise: die Herren Geh. Hofräte Prof. W. Stieda-Leipzig und Fr. Kluge -Freiburg, Herr Prof, H. Simonsfeld-München, die Verwaltungen der Universitäts-, der Stadt-, der Han- delskammer- und der pädagogischen Zentral- Bibliothek zu Leipzig, der Kgl. BibHo- theken zu Dresden und Berlin und der Bibliothek des Germanischen Museums in Nürnberg, vor allem aber Herr Oberlehrer Dr. B. Penndorf (Staatslehranstalten Chemnitz), der mir mit seinen handels^^issenschaftüchen Kenntnissen unermüdhch aushalf und auch die Mühe einer Korrekturlesung des Ganzen nicht scheute. Herrn Prof. P. Schwarz-Leipzig verdanke ich die Erklärung der hebräischen Ausdrücke, meinem Kommihtonen G. Kloeke aus Haarlem die der holländischen Wörter.

Ferner habe ich den zahlreichen Eedaktionen von Fach- und Tageszeitungen zu danken, die meinen Aufruf zur Einsendung von umgangsspracliMchen Beiträgen abdruckten, besonders aber den vielen freundlichen Einsendern kürzerer oder län- gerer Wortlisten, denen ich im Drange der Arbeit leider nicht immer schriftlich zu danken in der Lage war, und von denen ich als Einsendern besonders brauchbarer oder umfangreicher Beiträge den Herren Dr. A. Götze -Freiburg, Dr. L. Pereis - Heidelberg, Serdnaroberl. Wagner f -Leipzig, cand. phil. A. Bergmann-Waldheun und L. Mühlhausen-Kassel, sowie den Herren Kaufleuten W. Hübner und Otto A. Blume in Leipzig, A. Türkheim und Leop. Abraham in Hamburg, 0. Hellwig- Charlottenburg, M. Kalinka-Königsberg, J. Köppitz-Sonderburg, Ad. Richter- Rudolstadt und Heinr. C. Engel-Wiesbaden auch unter Namensnennung zu danken nicht unterlassen möchte. Freuen würde es mich, wenn die Lektüre dieses Wörter- buches noch recht zahlreiche ergänzende Beiträge zur Folge hätte.

Herrn Dr. H. Schulz-Freiburg danke ich dafür, daß er mir die Benutzung der 3. Lieferung seines Deutschen Fremdwörterbuches durch Zusendung des Korrektur- abzugs ermöglichte, Herrn Dr. P. Nolte, daß er mir den seiner im Quellenverzeichnis genannten Dissertation zugrunde Hegenden Zettelapparat zur Verfügung gestellt hat.

Siegmar -Chemnitz, hn August 1911.

Dr. Alfred Schirmer.

Quellenverzeichnis.

In dieses Verzeichnis sind nur die im Wörterbuch häufiger henutzlen, mit kursiv gedrucktem Stichwort zitierten Quellenschriften aufgenommen, während nur gelegentlich herangezogene Quellen an der betr. Stelle mit ihrem vollen Titel zitiert sind. Letzteres gilt besonders von Werken der schönen Ldteratnr, die, wenn sie nicht ins Quellenver- zeichnis aufgenommen sind, in der Original-Ausgabe benutzt sind. Zu diesem Verzeichnis sind die Quellenanfzählongen und -bespreehungen der Einleitung zu vergleichen.

Die Belege im Wörterbuch sind nach der Seitenzahl zitiert, eine andere Zitierungsweise (Kapitel, Paragraph, Vers) ist bei dem betr. Beleg stets vermerkt; Spaltenzitiening ist nur da angewandt, wo die betr. Quelle ausdrücklich nach Spalten zählt.

Die den Belegen vorgesetzten kursiv gedruckten Ziffern bezeichnen das Ursprungajahr des betr. Belegs, bezw. das Erscheinungsjahr der Quelle.

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XE

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Z f d P h = Zeitschrift für deutsche Philologie.

Z f d W = Zeitschrift für deutsche Wortforschung

Z H R = Zeitschrift für das gesammte Handels- recht.

Zschr. Hambg. Gesch. = Zeitschrift des

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(aus dem HoU. des M. ä Felde übersetzt).

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Abkürzungen.

a. a. 0. = am angeführten Ort. AbL = Ableitimg. Adj. = Adjektiv. ahd. = althochdeutsch, alem. = alemannisch, allg. = allgemein. Anm. = Anmerkung, arab. = arabisch, aram. = aramäisch. Art. = Artikel. Bed. = Bedeutung. Beitr. = Beiträge. bei = belegt. bes. = besonders. betr. = betreffend. bezw. = beziehungsweise. B - 0 = Bankordnung. dergL = dergleichen, dial. = dialektisch, ebd, = ebenda, eig. = eigentlich, engl. = englisch, f., Fem. = Femininum, f., ff. = folgende Seite(n). fig. = figürlich, in büdlicher Anwendung. franz. = französiscL gebr. = gebraucht, gebräuchlich, gew. = gewöhnlich, griech. = griechisch.

hans. = hansisch (d. h. in der mudd. Kauf- mannssprache der Hansezeit üblich), hd. = hochdeutsch, hebr. = hebräisch, hg. = herausgegeben. hoU. = holländisch. itaL = italienisch. Jhdt. = Jahrhundert, jüd. = jüdisch. Kap. = Kapitel lat. = lateinisch, m- = mittel-

m., Mask. = Maskulimmi. Ma. = Mundart, md. = mitteldeutsch, mhd. = mittelhochdeutscL mlat. = mittellateinisch, mndd. = mittelniederdeutsch, mndl. = mittelniederländisch. M - 0 = Markt- oder Messordnung, mod. = modern, n., Neutr. == Neutrum, ndd. = niederdeutsch, ndl. = niederländisch, nhd. = neuhochdeutsch, nordd. = norddeutsch. obd. = oberdeutsch. omd. = ostmitteldeutsch, österr. = österreichisch. Pl(ur). = Plural, rom. = romanisch. S. = Seite.

SB = Sitzungsberichte. Schwab. = schwäbisch. schweiz(er). = schweizerisch. s. d. = siehe dieses. Sing. = Singular, spez. = speziell. Subst. = Substantiv südd. = süddeutsch. s. V. = sub voce (unter dem Wort). i s. v. w.. s. V. a. = so viel wie (als), u. 0., u. ö. = und oft, und öfter, uispr. = ursprünglich, usw. = und so weiter. V. = Vers, vgl. = vergleiche. Wb. = Wörterbuch, wmd. = westmitteldeutsch. W - 0 = Wechselordnung. zB., z. B. = zum Beispiel. Zschr. = Zeitschrift. Zus. = Zusammensetzung(en).

Einleitung:

WORT- UND STILGESCHICHTE DER DEUTSCHEN KAUFMANNSSPRACHE.

Man vergleiche zn den angeführten Wörtern die betr. Artikel des Wörterbuches.

Die nachstehende Einleitung ist eine Wiederholung der Kapitel 4 10 meiner Dissertation „Zur Geschichte der deutschen Kaufmannssprache" (Straßburg, Trübner 1911).

Kapitel 1.

VON DEN ANFÄNGEN BIS ZUM ENDE DER AHD. PERIODE.

Literatur: ^

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Von einem eigentlichen Handel in u r g e r m. Zeit wissen wir nicht viel. Die herrschende Form der Hauswirtschaft veranlaßte höchstens gelegentliche Tausch- geschäfte, deren Spuren wir an der Hand prähistorischer Funde allerdings in Deutsch- land bis in die jüngere Steinzeit zurückverfolgen können (Schrader, ReaU. 328), wer aber die Träger derartiger Austauschbeziehungen waren, wissen wir nicht. Auf jeden Fall sehen wir in der Sprache kaum einen Reflex dieser Vorgänge : eine urgerm. Terminologie des Handels gibt es nicht. Gewiß können wir einige spätere deutsche Handelsausdrücke in etymologische Beziehungen zu Wörtern anderer idg. Sprachen setzen (z. B. Kram, feil, seilen usw., vgl. Schrader, Reall. 329 ; Hirt, Etym. 271), doch fehlt den außergermanischen Entsprechungen zmneist schon die bestimmte Anwendung auf den Handel.

Die ersten sprachlich verfolgbaren Spuren von Handelstätigkeit bei den Ger- manen werden gebildet durch einen Passivhandel, ausgeübt von römischen Kauf- leuten, die in stärkerem Maße wohl erst seit dem Beginn unserer Zeitrechnung in das Innere des Landes vordrangen (Schrader, Reall. 417 f. ; K 1 u g e in Pauls Grdr. I 328 ; Schrader, Handelsgesch. 82 ff.). So ist es verständlich, daß einige der gewöhnlichsten Handelswörter aus dem Lateinischen entlehnt sind : früli übernommen wurde wohl das gemeingerm. kaufen (got. kawpön, ahd. Icoufen, koufön) aus lat. caiipo eig. 'Schenlvwirt*, vielleicht auch 'Marketender* der römischen Grenzlegionen (Schrader, Handelsgesch. 88 ff. ; W e i g . - H i r t

1, 1011 f.) ; etwas jünger ist wohl ahd. mangäri, mhd. manger, menger 'Händler* aus lat. mango, das einen Händler bezeichnet, der seine schlechten Waren heraus-

XVI Einleitung: Wort- imd Stügeschichte der deutschen Kaufmannssprache.

putzt (oft in Zusammensetzungen wie 'kornmanger, vischmenger, s. N o 1 1 e 60 64 ; vgl, neuengl. chcese-monger. iron-monger{y)) ; Zoll aus teloneum über vulgärsprachl. foJmieunL Zins aus census ; Markt (ahd. merkdi, markät) aus lat. mercatus (dazu selten ahd. merze *Ware* aus lat. rmrx, mercis) ; Speicher (ahd. spicMri) aus lat. s^pkarium ; kosten (mhd. kosten, spätahd. kosta *Kost(cn)*) aus rora.-lat. co{n)stare. Vielleicht entstammt auch Pfand (ahd. phant) dem lat.-rom. pannus *Tuch' (F e h r 7 ; dazu Pfmnig?). Ferner kamen durch den Verkehr mit römischen Kaufleuten lateinische Bezeichnungen für Münzen (z. B. dieses selbst, ahd. muniz{a) aus moneta, dazu ahd. munizäri ^Geldwechsler*), Gewichte {Pfund aus pondo, Unze aus unciä) und zalilreiche Waren (z. B. Wein, Essig, Pfeffer) ins Deutsche.

Wo im besonderen die Berührung mit den Kömern und die Übernahme dieser Lehnwörter stattfand, ist schwer zu sagen, zumal die Aufnahmezeiten dieser wenigen Wörter über melirere Jahrhunderte verteilt sind. Am naheliegendsten scheint das Vordringen der römischen Händler vom Ehein her, wie denn z. B. auch für die Übernahme von mangäri der Mittel- und Niederrhein in Frage kommt (Schröder in d. Zschr, f. dtsch. Altert. 44, 229, Anm. 2). Ob daneben der alte Verkehrsweg, der, letzten Endes von Byzanz her, donauaufwärts führte, sprachhchen Austausch vermittelte, ist unsicher (ahd. müta *Maut* zu got. möta ; {P)fragner zu griech. 7:paY}iaT£uo!xai?, s. Kluge in Paul u. Braunes Beitr. 35, 152 ff., Wb. 308, 349).

Zu diesen Entlehnungen traten nun noch einige Ausdrücke heimischer Herkunft, z. B. feil(i) Verkäufüch*, sellan 'übergeben, verkaufen*, kram 'taberna' (dazu krämäri ^Krämer*) (vgl. Nolte 73 ff.), wehsal 'Tausch, Handel* (dazu wehsa- lari 'Händler, Geldwechsler*), lihan 'leihen*, werd 'Kaufpreis*, werd 'geltend, käuf- lich für*, wandelunga 'commercium*, wantal 'negotium*, gelt 'Leistung, Zahlung*, erst später 'Münze*, von geltan 'erstatten, bezahlen*, wuochar 'Gewinn, Zinsertrag*, dazu wnochiräri (die Bedeutungsverschlechterung trat erst als Folge der kirch- lichen Zinsverbote ein), scaz 'Münze, Geld*, dazu scazon 'Gewinn ziehen* usw.

Fügen wir hierzu noch einige Ableitungen und Zusammensetzungen wie kouf- man, koufäri, firkoufen, kouflih, järmarket (spätahd.), zoUantuom 'ZoU*, zollanäri, zinshaft, zinsan, zinsäri, so dürfte damit der ahd. kaufmännische Wort- schatz im wesentlichen erschöpft sein ; denn für alle kompHzierteren Vorgänge fehlen die Bezeichnungen, da die Sache fehlt, oder da diese, wenn sie vorhanden war, sich der Umgangssprache entzog und wie bei der Ausstellung von Urkunden über erfolgten Besitzwechsel oder bei der Wirtschaftsführung über umfangreichere geisthche oder welthche Anstalten in lateinischer Sprache ausgedrückt wurde.

Kapitel 2.

DIE MHD. ZEIT (BIS ETWA 1400).

Lebhafter wurde der Handelsverkehr in Deutschland erst nach Anbruch des zweiten Jahrtausends unserer Ära, als die Geldwirtschaft die Naturalwirtschaft abgelöst hatte und Handel und Gewerbe sich in den aufbühenden Städten zusammen-

Kap. 2. Die luhd. Zeit (bis etwa 1400). XVII

zogen. Jetzt beginnt auch allmählich die Herausbildung einer deutsehen Termino- logie für die einzelnen Funktionen des Handels. Eigentlich kaufmännische Quellen sind zwar auch für diese Zeit noch kaum vorhanden, da Aufzeichnungen geschäft- licher Natur, soweit solche bei der herrschenden Schreibunkenntnis überhaupt statt- fanden (vgl. Gut. Gerhard V. 1187 f.), zumeist immer noch lateinisch geschahen, und da bei der vorübergehenden Bedeutung dieser Dokumente so gut wie gar nichts auf uns gekommen ist. Erst gegen Ende des 13. Jhdts. tauchen in den städtischen Urkundenbüchem deutsche Dokiunente auf, die auf kommerzielle Dinge Bezug haben ; auch die Kap. 7A erwälmten Sammlungen von Schulte und Simons- f e 1 d reichen in ihren ältesten Stücken noch in diese Periode, Femer berichten einzelne Städtechroniken gelegentlich von kaufmännischen Dingen ; besonders tut dies die Nürnberger Chronik von Ulman Stromer (hg. Chron. d. dtsch. Städte Bd. 1) vom Ende des 14. Jhdts., die Angaben über Zoll-, Gewichts- und Geld Verhält- nisse, über den Handelsgebrauch an den wichtigsten Plätzen und statistische Nach- richten über Warenpreise und Handelsereignisse enthält. Die Augsburger Chronik des Kaufmanns Burkard Zink (Chron. Bd. 5) fällt ihrer Abfassungszeit nach in das 15. Jlidt. Über den Handel der Städte am Bodensee orientieren Urkunden, die M 0 n e in der Zschr. f. d. Gesch. d. Oberrheins 4, 3 66 abgedruckt hat. Auch die Gewerbe- und Zunftordnungen, die J. B a a d e r in seinen Nürnberger PoUzei- ordnungen aus dem 13, bis 15, Jhdt. (Stuttgart 1861) und J. Bruckerin seinen Straßburger Zunft- und Polizei-Verordnungen des 14. und 15. Jhdts. (Straßburg 1889) herausgegeben haben, fallen zum Teil in diese Periode. Was an literarischen Quellen aus mhd. Zeit in Betracht kommt, findet sich bei N o 1 1 e a. a. 0. mit zahlreichen Verweisen ; erwähnenswert ist, daß wir aus dieser Periode schon eine dichterische Verherrlichung des Großkaufmanns haben, die freihch die Berufs- tätigkeit des Helden nur streift, den Guten Gerhard Rudolfs von Ems (um 1225—30; hg, von M, Haupt 1840).

Der mhd. kaufmännische Wortschatz findet sich bei L e x e r und der speziell bayrische, der durch die Bedeutung von Handelsstädten wie Regensburg, Nürnberg usw. für diese Periode wichtig ist, bei S c h m e 1 1 e r einigermaßen gebucht.

Zur Charakterisierung der mhd. Kaufmannssprache führe ich etwa folgende Wörter an :

abekoufeu, abelösen (Zins ablösen), abrechnen, abeslän (^abziehen ; mi Preise fallen*), anlegen (Geld zu Gewinn), anslän ^veranschlagen*, bar, barschaft, bezaln, borgen, borg, bürgen, bürgschaft, diener (Handelsdiener), dult (Jalir- markt), erlegen, erloesen (Gewinn erzielen), geleite, geleitsbrief, geleitsgeld (drei sehr wichtige Dinge für den mittelalterlichen Kaufmann bei der Unsicherheit der Straßen), gelten 'kosten', geselleschaft 'Handelsgesellschaft*, gesten 'kosten', gewelbe oder gadem 'Kaufladon', gewinnen, gewin, gewantsnider 'Tuch(groß)- händler', gewanthüs, gotespfenninc 'Draufgeld', gülte 'Zins', hantgelt, houpt- guot, bouptsumma 'Kapital', hocke, hucke oder hocker 'Höker*, innemen, konf (man) sehatz 'AVare', koufmanschaft 'Handel', auch 'AVare', koufslagen 'einen Handel durch Handschlag abschließen', koufhüs, koufherre, laden, ladunge.

Schirme r, Eaufmannsspraclie. \)

XVni Einleitung: Wort- und StUgeschichte der deutschen Kaufmannssprache.

litkonf *Gclöbnistnmk beim Abschlüsse eines Kaufes* (zu ahd. lid 'Obstwein' ; nhd. Leikauf, daneben auch winkouf), phenden, phantbrief, pfenwert *Ware*, reiten, reehenen, riuwekouf *Reukauf , schult, schuldic, schulden, schulden- aere, schultbrief, selpschol, selpschuldener, schranne *Verkaufstisch*, stechen ^tauschen', stich 'Tausch', fifslän, ütkoufen, underkouf 'Zwischenhandel', under- köufer, -köufel 'Zwischenhändler, Makler', underphant, üzgeben, üzsniden 'Tuche im einzehien verkaufen', üzvüeren 'Waren exportieren', verladen, verlegen 'Geld auslegen', versetzen 'verpfänden', verstechen 'vertauschen', vertriben 'ver- kaufen', verrechenen, verreiten, fürkouf 'Vorwegkauf, Aufkauf, dazu fürköufer, -köufel, Wechsel 'Handel', später auch schon in der heutigen Bedeutung, wider- kouf 'Rückkauf, wolveile, zil 'Zahlungstermin' usw.

Auch Fremdwörter dringen früh ein : das Latein der städtischen Kanz- leien, wo man Kauf- und Schuldverträge aufsetzen ließ, vermittelt die Aufnahme von Wörtern wie quitt, quittieren, quittanz, quittbrlef, rente (aus mlat. renda), dazu reuten, verrenten, Datum, Register, pro, facit, dedit. Summa, Summa Summarum, Nota, minus, Kopie, Privilegium usw.

Der Handelsverkehr mit Italien wird sprachlich bezeugt durch zwei vielge- brauchte Bezeichnungen für ital.-roman. Kaufleute (Geldwechsler) : Lumpart, eig. 'Lombarde' (daraus später Lombard 'Leihhaus', heute 'Pfandschein' ; vgl. auch Ortsbenennungen wie Lornbardshrücke in Hamburg und Lomhardstreet in London) und Kauwerzin, eig, Einwohner von Cahors in der Provence ; ferner durch einige frühe ital. Fremdwörter wie Gant 'Versteigerung', heute südd. 'Konkurs' (aus ital. incanto von lat. in quantum 'wie hoch ?', Ruf des Auktionators), Bollette 'Zollschein' (ital. hoUetta), Kargo, Karg, ein Gewicht, gerbelieren, garbelieren 'Unreinigkeiten aus einer Ware aussondern' (altital. garhellare), Tara 'Gutgewicht' (ital. tarn, aus dem Arab.), viell. auch Grempler 'Kleinhändler, Trödler* zu grempe(l)n aus ital. comprare 'kaufen' (über *cro7npare, s. Kluge, Wb. 180 ; X o 1 1 e 87), die gegen Ende des 14. Jlidts. zuerst auftreten, doch ehe wir mit diesen itahenischen Ent- lehnungen eine neue Periode der Kaufmannssprache beginnen, müssen wir der äußerst reichhaltigen selbständigen Terminologie gedenken, die inzwischen auf niederdeutschem Gebiet geschaffen worden war.

Kapitel 3. DIE MNDD. KAUFMANNSSPRACHE DER HANSA.

Für die Zeit des Hansahandels, der ersten Epoche deutschen Großhandels, vom 12. bis 15. Jhdt., fließen die Quellen sehr reichlich (s. S t i e d a , Handels- gesch. 10 f.). Wir haben zunächst das Hansische Urkundenbuch (bearb. von K. Höhlbaum u. a., Halle 1876 ff.), das in bisher 10 Bänden lateinische und deutsche Urkunden von 975 ab gibt und im 3. Bande S. 533—586 ein Glossar von Feist und in den späteren Bänden Sachregister enthält ; daneben haben wir die Hansa- rezesse (hg. von Waitz, Koppmann u. a., 1870 ff.), ferner bieten die städ-

Kap. 3. Die mndd. Kaufmannssprache der Hansa, XTX

tischen Urkunden- und Schuldbücher Quellenmaterial, und zahlreiche Einzel- dokumente sind in den Hansischen Geschichtsblättem, den Hansischen Geschichts- quellen, der Zeitschrift des Vereins für hamburgische Geschichte, der Zeitschrift des Vereins für Lübeckische Geschichte und Altertumskunde abgedruckt. Aber während alles dies zumeist amtliche Dokumente über Handelsangelegenheiten sind, haben wir auch direkt geschäftliche Aufzeichnungen : das Handlungsbuch des Rostockers Johann Tölner aus den Jahren 1345 50, noch ganz lateinisch geführt (hg. v. IC Koppraann 1885), das von Hermann und Johann W i 1 1 e n b 0 r g aus Lübeck (hg. v. C. M o 1 1 w o 1901), in den Jahren 1346 60 schon vorwiegend deutsch geschrieben, das des Hamburgers Vicko von Gel- der s e n (hg. V. H. Nirrnheim 1895, mit gutem Glossar), das von 1377 ab zumeist deutsch geführt ist. Dann haben wir die von 1399—1434 laufenden Handels- rechnungen des Deutschen Ordens (bg. v. C. Sattler 1887), die, ganz deutsch geführt, durch die Handelstätigkeit des Ordens in Flandern frühzeitig manchen romanischen Ausdruck belegen. Am Ende der Epoche steht das Memorial des Lübecker Krämers Hin rieh Dunkelgud aus den Jahren 1479 1509 (hg. V. W. Mantels ). Auch Handelsbriefe haben wir : schon von etwa 1350 ist uns ein allerdings lateinisch gescliriebener Geschäftsbrief aus Thom überliefert (Zschr. f. Preuß. Gesch. u. Landesk. 4, 430 ff.) ; Geschäftsbriefe aus den Jahren 1409 37, die zwischen deutschen Kaufleuteu in Venedig und Brügge hin und her gingen und schon einige italienische Fremdwörter aufweisen, hat "W. Stiedain seinen Han- sisch-Venetianischen Handelsbeziehungen (1894) veröffentlicht, bremische aus den 40er Jahren des 15. Jhdts. H. S m i d t in den Hans. Gesch. -Bl. 1874, 51 74, andere W. Stein, Handelsbriefe aus Riga und Königsberg von 1458 u. 1461 (ebd. 1898, Ö7 ff.). Der dritte Band von G. Steinhausens Deutschen Privatbriefen des Mittelalters (Berlin 1898 ff.), der die Handelsbriefe umfassen soll, ist leider noch nicht erschienen.

Die allgemeineren Kaufmannsausdrücke sind bei S c h i 1 1 e r - L ü b b e n , Mndd. Wb. gebucht.

Die Elrforschung der Verkelirssprache des Hansagebietes bildet ein Problem für sich. Denn diese deckt sich durchaus nicht mit der intern ndd. Sprache, wie sie uns beispielsweise in fest lokalisierten mndd. Literaturdenkmälern entgegentritt. Viehnehr zeigt ihr Wortschatz und, wenn auch in weit geringerem Grade, ihre Laut- form, die Tendenz, eine gemeinverständliche Geschäftssprache für alle die Länder herauszubilden, die der Hansahandel berührte. Den Ausgangspunkt bildet das Mndd., dies aber berührte sich einerseits mit demmndl. Sprachgebiet, wo einige der Zeutral- plätze des hansischen Handels lagen und wo die deutschen Kaufleute zum Teil in statthchen Kolonien ansässig waren, auch, wie in Brügge, eigene Korporationen hatten, anderseits mit dem md. Sprachgebiet des Deutschordenslandes, wo gleichfalls eine äußerst lebhafte Handelstätigkeit bestand, ferner bildeten sich bald deutsche Handelsniederlassungen in Skandinavien, England und Rußland. Dieses weitver- zweigte Handelsnetz einte nun das gemeinsame Band der Hansa, alle diese Orte mit ganz verschiedener Lokalsprache traten in lebhaften geschäftlichen und amt-

XX Einleitung: Wort- und Stilgeschichte der deutschen Kaufmannssprache.

liehen Verkehr miteinander, und Handeltreibende der verschiedensten Herkunft wirkten nebeneinander an den Mittelpunkten und auf den Hauptverkehrsstraßen dieses großen Gebietes. So ist es begreiflich, daß überall Austauschs- und An- passungsbeziehungen im Wortschatz eintraten, daß z. B. der deutsche Kaufmann in Holland zahlreiche niederländische Ausdrücke in seine Rede mischte, daß die hansischen Kaufleute in Bergen oder in Nowgorod eine bestimmte lokale Termino- logie herausbildeten, die nun auch im Verkehr mit den Hansebrüdem in den nieder- deutschen Städten in Anwendung kamen. Daher ist es zumal bei den Fremdwörtern oft schwer zu sagen, ob wir sie als tatsächhch ins Ndd. eingedrungen bezeichnen können, oder ob ihre Verwendung nur auf holländischen Einfluß zurückzuführen ist, wie dies bei einigen schon die Form beweist (z. B. das häufige oUigacü). Eine große Anzahl lat.-rom. Fremdwörter lassen sich lange, ehe ihre Verwendung in Deutschland üblich wird, im Mndl. nachweisen, so daß wir für sie nicht direkten Übergang vom Franz. ins Deutsche, sondern Vermittlung durch das HoU. anzu- nehmen haben, so z. B. bei Arrest, arrestieren (meist {ar)rostament, {ar)- Tosteren, Akzise, hantieren (aus altfranz. hanter), leveren ^liefern*, Profit, profit- lich, Kontor (meist mndd. mndl. cuntor, wegen des o in der Endung wohl eine Ent- lehnung aus dem Pikardischen), Pareele Tosten, Partie', Rest, ^venture *Risiko% cumpenie 'Handelsgesellschaft' usw. Eine hoU. Entlehnung ist auch das Wort Makler {makeler, meTceler), das aUmähüch die deutsche Bezeichnung underköper *Unterkäufer' verdrängt.

Betrachten wir nun, um möglichst die einheimische Handelsterminologie des deutschen Hansagebietes kennen zu lernen, die bodenständig niederdeutschen Quellen, soweit sie von jenen internationalen Strömungen unbeeinflußt bheben, so finden wir zunächst, daß der hansische Kaufmann für seine Aufzeichnungen bis zur Mitte des 14. Jhdts., sowohl in den noch ohne jedes buchhalterische Prinzip geführten Ge- schäftsbüchern wie in seiner Handelskorrespondenz, durchweg die lateinische Sprache benutzte. Dieses Latein ist natürhch sehr mittelalterlich unrein ; die gebräuchlichsten Wörter der Umgangssprache, für die der ungelehrte Kaufmann keine lateinische Entsprechung wußte, wie slagdok 'Einschlagtuch', mndegeld 'Kran- geld', wigeld 'Unkosten', halla, tunna usw. sowie die Bezeichnungen der Waren setzt man einfach in ihrer deutschen Form oder notdürftig mit lateinischer Endung versehen in den lateinischen Text, oder man übersetzt „eine Tonne Pelzwerk" mit „unam tunnam cum opere", „Schönwerk" (eine Pelzart) mit „pulchrum opus", oder es heißt da „6 schiU., quos mansit mihi debitus" (die er mir schuldig büeb).

Bei dieser Untermischung von Latein und Deutsch versteht es sich, daß man umgekehrt, als man zum Deutschschreiben überging, alte bequeme lateinische Formeln nun auch in den deutschen Kontext herübemahm : so z. B. dedit, per- solvit, debet ; facit, das man auch mit macht oder tut übersetzte ; valet, restat (danach auch ein deutsches Verbum resten gebildet) ; Nota ; Summa ; item (womit man jeden neuen Buchungsposten und jeden Briefabschnitt einleitete; vgl. neuengl. an ifem 'ein Posten'); per, pro ; Datum; Termin (us); Register; tenetur 'er ist schuldig', das sogar häufig in der erstarrten Formel „de ys uns tenetur 35 ducaten" vorkommt.

Kap. 3. Die mndd. Kaufmannssprache der Hansa. XXI

Weiter aber bildet sich gegen Ende des 14. und im Anfange des 15. Jhdts. eine reichhaltige deutsche Terminologie heraus, zu deren Charakterisierung ich nenne :

afbreken ^abziehen', afköpen, afrekenen, afslan, balle(n), betalen, be- tallnge, gesiebte (in der Bed. Vista. in Wechseln, wohl eine Übersetzung), gods- penninc, hovetgod, hövetstol 'Kapital', inköpen, köpenschop, kopschat, kop- slagen, köpmannsgüd, merke oder teken 'Handelszeichen', dazu merken und töknen, matschoppie 'Gesellschaft', nederlage oder stapel 'Warenniederlage' (dazu Stapelgeld 'Warenniederlagsgebühr'), overmaken 'übermachen, übersenden', over- wisen 'überweisen*, pack(en), rekenen, rekensehop, rekeninge, schult, schuldig, schultbök, tunne, wessel und wesselbref, wäre, wrak 'schlecht' (von der Ware, dazu wraken 'schlechte Ware aussortieren' und wraker), winkop (entsprechend dem obd. Leikauf), ferner die häufigen Handelsausdrücke mit euer sameden band d. i. auf gemeinschaftliche Rechnung, to beder gewin uude Verlust, samkopes verkopen 'im Ganzen, en gros', das sendeve (unsich. Herkunft), eine Axt Kom- missionsgeschäft, und vor allem die Bezeichnung Hansa selbst, die aber im heutigen Sinne erst im 14. Jhdt. auftritt (dazu Hansestadt).

Ein eigentlicher kaufmännischer Stil, der sich deutlich als solcher von dem allgemeinen abhebt, ist in dieser Periode noch kaum herausgebildet, nur beim Ein- tragen der Buchungsposten, für Schuldverschreibungen und Wechsel und für Anfang und Ende der Briefe bilden sich allmählich stereotype Formeln heraus. Um eine kleine Probe des Briefsstiles jener Epoche zu geben, drucke ich hier ein paar Handels - briefe im Auszuge ab, zunächst jenen klassischen lateinischen des Johannes S t e i n w e g aus Thorn von etwa 1350 (s. o. S. XIX) :

Sororio suo dilecto Gotconi dicto de Monte Johannes Stenwech amiciciam suam cum Salute !

Tue dileccioni cupio fore notum, quod ego tibi transmisi cum Lemmeconi militi XII f rusta cere et I tunnam cum opere et I tunnam cum Unen et cum slagedoch ; et de predictis bonis nullum naulum neque vindegelt dedi, sed dedi predicto Lemmeconi Yz marcam ad ungelde. Item scias, quod in predicta tunna cum opere invenias in tercia l^a II frusta auri ; videlicet I frastum ponderabat in Thorun VII marcas et VII Vo scotum, et continebat in Thorun XXII ^2 karate; item aliut frustum ponderabat in Thorun VII marcas minus ^ o fertone, et continebat in Thorun XXII ' i karate et ' 2 grane. Item noverit tua dileccio per presentes, quod tibi etiam transmisi cum Tliilemanno Schultliinc in cogone suo XXV frusta cere . . . Item rogo te diligenter, quatinus cum predictis bonis facsias, sicut tibi bene confido causa servicii mei et causa servicii matertere tue hoc haput te in omnibus cupio deservire, quia ego spero me tecum bene expedire. Item rogo te, dum predicta bona per dei graciam transveniunt vel si per dei graciam versus Flandriam transvenerunt, ut hoc mihi rescribas scicius ut poteris. Gera solvit in Thorun XVIII marcas minus fertone; cuprum molle VIII scotos; cuprum purum V scotos; opus ruf f um Rutenicum et Masovis XVI marcas, et non invenitur .... Item rogo te, si per dei graciam predicta bona transvenerunt et si veniat, quod omnes vendideris, que commutare proponis, tunc peto mihi talem thiringe emere, sicut tibi prius scripsi, videUcet XL copelen borileken et inter pannos Poprenses terccius saturus viridus et sextus saturus blancus. Vale in Christo ! Liteza scripta feria sexta ante vigiüam sancte crucis. Temporalia omium bonorum mihi peto demandari ac statum terrarum. Si aliqua volueris, que facere potero, mihi precipias confidcnter.

(Adresse:) Gotconi de Monte litera detur in Brugis in hospicio Johannis Rubiet.

XXn EinleiUing: Wort- und Stilgeschichte der deutschen Kaufmannssprache.

Als Beispiele des deutschen Briefstiles des 15. Jhdts. fülire ich zwei Geschäfts- briefe an, den ersten vom Jahre 1409, von Venedig nach Brügge geschrieben (gedruckt bei S t i e d a , Hans.-Venet. Haudclsbez. 121), den anderen vom Jahre 1458 (ge- druckt Hans. Gesch.-Bl. 1898, 93). Wegen eingehenderer Mitteilungen über den kaufmännischen Briefstil im Zeitalter der Hansa verweise ich auf G. S t e i n h a u s e n , Geschichte des deutschen Briefes I, 68 ff . ; \X. S t i e d a , Zur Charakteristik des kaufmänn. Privatverkehrs in Lübeck während des 15. Jhdts. (Zschr. d. Ver. f. Lüb. Gesch. 6, 200 ff.) ; B, P e n n d o r f , Die historische Entwicklung des kaufmänn. Briefstüs (Deutsche Handelsschul-Lehrer -Zeitung 1909, Heft 42, 43, 45, 46, 48).

Hyldebrant Venckynhusen zu Brügge sal der bref, detur haec lyttera. Mynen vruntlyken grut thovoren. Wetet leve Hyldebrant, dat ich juwe breve wol vomomen han alz dat gy my hebben overkoft 1000 ducaten und wen dyt manet

ut is, so mot ich de 1000 ducaten wedder utgheven Item so syn de schepe

kernen myt der bomwulle und hebben ghebrocht 3400 seke bomwuUe; und se hebben naghelaten wol 600 seke, de se nicht ghevoren mochten. Und ich en kan ju noch nycht screven enkede wo de wulle wert geldende, wente se is noch nycht upme lande. Und ich hope de wulle sol alz wol veyle werden, alz se langhe je gheweset ys . . . Und leve Hyldebrant, yt is en underkoper to Brügge, de het Francysco Bonecardo, de ys uns tenetur 35 ducaten Venedyer, de latet ju gheven. Und Peter hadde ys myr befolen, dat he se myr gheven solde; nu is er wechtoghen, dat ych es nycht en wosste und ich hope, oft God wyl, dat ut unser selschop sal alz gud en selschop wer, ak men balde in Dudeschenlande sal fynden. Item han ich de 1000 ducaten wol untfanghen, God sy ghelovet. Nycht mer dann screven myr juwen wyUen, da wyl ich gerne na don dat besste, dat ich mach. God sy myt ju. Valete in Christo.

Ghescreven 25 dage in marzo.

Peter Karbon der Junghe in Venedyen.

Dem ersamen Hans van dem Pelle in Lubecke.

Mynen denst myt vermoghe alles gudes. Wetet, Hans van dem Pelle, gude vrunt, datik juu sende in schipper her Hermen Meygherlstukke wasses, datweychtlS punt. Item noch 4 last assche, de last steyt 8 mark. Item noch 15ballyten, de stan 13 1/2 lychten gülden. De ballyten schal juuantwer[den] de gute knechHenk. Item de assche ys ghemerketmyt juu merken und dat was ys merket myt mynen merken. Dyt ys et al, dat ik juu nu sende up desse tyd. Item ik vormode my, dat ik juu werde senden en schipp efte 2 myt holte, j^ycht mer up desse tyd, dan vele gude nacht.

Ghescreven des dinxdahge na des hylg he lych dages 58.

Peter Man.

So interessant nun die hansische Kaufmannssprache an sich ist, so kommt sie doch als Vorfahr im Stammbaum der heutigen Kaufmannssprache nicht in Be- tracht. Diese geht vielmehr, wie das folgende Kapitel zeigen wh*d, auf die obd. Handelsterminologie des späteren Mittelalters zurück. Die hansische Handels - spräche verging mit dem Niedergang des hansischen Handels und vom 16. Jhdt. ab übernimmt der deutsche Norden mehr und mehr die Terminologie des kommer- ziell überlegenen Südens. Doch vermochte der Hansahandel wenigstens einige ndd. Ausdrücke in den Wortschatz der neuhochdeutschen Kaufmannssprache einzu- führen : im 15. Jhdt. drangen hantieren und Ware ins Obd., später Profit, Makler, Fracht, Stapel, Bodmerei und Kladde.

Kap. 4. Die Kaufmannssprache des obd.-südeuropäischen Handels im 15. und 16. Jhdt. XXTIT

Kapitel 4. DIE KAUFMANNSSPRACHE DES OBD.-SÜDEURO- PÄISCHEN HANDELS IM 15. UND 16. JHDT.

Schon seit dem 13. Jhdt. hatten die süddeutschen Städte lebhafte Handels- beziehungen zu Italien ; nainenthch wurde Venedig, das der früheren "Welthandels- metropole Konstantinopel den Rang ablief, die wichtigste Bezugsquelle des deutschen Kaufmanns für alle östlichen Produkte. Schon 1228 wird das später so berühmt gewordene deutsche Kaufhaus an der Rialtobrücke in Venedig, der Fondaco dei Tedeschi, erwähnt. Der lebhafte Großhandel, der sich nun in Regensburg, Nürnberg, Augsburg, Uhn, Konstanz, Basel und anderen süddeutschen Städten entwickelte, bildete eine mnfassende Handelsterminologie heraus, die eine Unmenge Fachaus- drücke ohne weiteres aus dem Itahenischen herübemalmi und die Grundlage unserer heutigen Kaufmannssprache wurde.

A. Die Quellen^).

Eine Fülle von Dokumenten erheUt uns diese Handelsbeziehungen zu Italien : A. Schultes Geschichte des mittelalterlichen Handels und Verkehrs zwischen Westdeutschland und Itahen (1900) und H. Simonsfelds AVerk über den Fondaco dei Tedeschi in Venedig (1887), sowie die städtischen TJrkimdenbücher der in Betracht kommenden Orte geben zahlreiche Urkunden, die freiüch wegen ihrer amthchen Natur nur gelegentlich rein merkantile Ausdrücke aufweisen. Auch die Städtechroniken (mit Glossaren von M. L e x e r u. a.) sowie die schon oben genannten Zunft- und Polizeiverordnungen gehen auf -den eigenthchen Handels- betrieb nur wenig ein. Von der Wende des 14. zum 15. Jhdt. haben wir ein Regens - burger Geschäftsbuch von R u n t i n g e r , von dem F. E b n e r in den Verhandl. d. Hist.Ver. v. Oberpfalz u. Regensbg. 45, 131 151 leider nur ganz kurze Proben mitgeteilt hat, dagegen besitzen wir einen Abdnick des Handlungsbuches des Ulmer Kaufmanns Ott Ruland aus den Jahren 1443 58 (hg. v. H a s s 1 e r 1843), das freiüch von der neuen italienischen Tenninologie noch nicht viel zeigt. Auch ein italienisch-deutsches Sprachbuch aus dem Jahre 1424, ein Sprachführer, wie wir heute sagen würden (hg. v. 0. B r e n n e r in Bayerns Mundarten 2, 384 ff.), kommt hierfür nicht in Betracht, zmnal es nur die alltäghchsten Marktgespräche behandelt. Dagegen versetzt uns das Reiserechenbuch des Hans Keller, des Handlungs- reisenden von Ludwig Rottengatter in Ulm, über seine Reisen nach Venedig, Bozen und Genua von 1489/90 (lig. v. B r u d e r i. d. Zschr. f. d. ges. Staatswiss. 1881, 831 ff.) mitten in die neue Geschäftssprache hinein, vor allem aber zeigt das Tage- buch des Welserschen Faktors Lucas Rem aus Augsburg aus den Jaliren 1494 bis 1541 die ganze Fülle der neuen itahenischen Ausdrücke und gibt uns das Bild eines rastlosen Weltkaufmannes, dessen Tätigkeit sich zwischen Augsburg, Venedig,

0 S. S t i e d a , Handelsgesch. 21. 25 ff.

XXIV Einleitung: Wort- und Stiigeschichte der deutschen Kaufmannssprache.

Mailand, Lyon, Holland, Spanien, Portugal, ja selbst Nordafrika, den Azoren und den Capverdisclien Inseln abspielte (hg. v. B. G r e i f f 1861). Dann zeigt uns die Inventur der Fugger von 1527 (lig. v. J. Strieder 1905), A. S c h u 1 1 e s Fugger in Rom (1904) und R. Ehrenbergs Zeitalter der Fugger (1896 ; modernisiert leider die Zitate) den weltumfassenden Betrieb und die allesbeherrschende Geld- macht dieses berühmten Augsburger Hauses. Auch einige Briefsammlungen aus dieser Zeit geben Ausbeute : 17 Geschäftsbriefe an M. B e h a i m von 1441 ff. stehen bei T li, Mayer, Der auswärtige Handel des Herzogtums Österreich im MA. (1909), S. 189 200 abgedruckt, den kultiu-geschichtlich äußerst interessanten Brief- wechsel von PaulusBehaim aus Nürnberg während seiner Lehrjahre in Krakau von 1533—36 hat J. K a m a n n in den Mitt. f. Gesch. d. Stadt Nürnberg 3, 72 ff., Briefe an den Lübecker Matthias Mulich vom Jahre 1523 Wehrmann in der Zschr. f. Lüb. Gesch. 2, 296 ff. herausgegeben. Auch das Haushaltbuch des Nümbergers Anton Tucher von 1507 17 (hg. v. W. L o o s e 1877) und die B eh aim sehen Wirtschaftsbücher von 1487 ff., die Kam an n in den Mitt. f. G. d. St. Nürnbg. 6, 57 ff. und 7, 39 ff. abgedruckt hat, enthalten, wenn sie auch nicht direkt kaufmännischen Inlialts sind, doch manchen Handelsausdruck. Von den Kaufmannsbüchern des Hamburger Hauses H o e p aus den Jahren 1553/4 hat Ehrenberg leider nur kurze, aber immer noch ergebnisreiche Proben mitgeteilt (Zschr. d. Ver. f. hamb. Gesch. 8, N. F. 5, 138 ff). Weniger kaufmännisch gefärbt ist das Rechenbuch der Basler Buchdrucker Froben u. Episcopius (hg. v. R. W a c k e r n a g e 1 1881) und das fast nur Titel von verkauften Büchern ent- haltende Meßmemorial des Buchhändlers Michael Härder vom Jahre 1569 (hg. V. Kelchner u. Wülcker 1873). Über den deutschen Buchhandel von 1564 ff. unterrichtet auch G. Schwetschkes Codex nundinarius Germaniae (1850).

Zwar zeithch schon ins 17. Jhdt. fallen der von E h r e n b e r g in der Zschr. d. Ver. f. hamb. Gesch. 10, 1 16 abgedruckte Brief eines hamburgischen Faktors der Welser von 1611, die wohl gegen 1615 abgefaßte Beschreibung der Handelsreise und Schuldhaft des Manlichschen Faktors Ulrich Krafft aus Augsburg (hg. V. H a s s 1 e r 1861), deren Handlung, von größtem stofflichen Interesse und höchst fesselnd erzählt, in die letzten Jahrzehnte des 16. Jhdts. fällt, und die nicht weniger interessanten Briefe Jürgen Kai ms aus der Lehre in Hamburg an seine Mutter in Braunschweig aus den Jahren 1623 30 (hg. v. H. M a c k in der Z. d. V. f. h. G. 10, 41 116). Ich führe sie in diesem Kapitel an, weil sie sprachhch näher zu dem 16. Jhdt. als zu dem beginnenden Schwulst des siebzehnten stehen.

Über die Geschichte des Postwesens orientieren H. Stephan, Geschichte der preußischen Post (1859) und B. Faulhaber, Gesch. der Post in Frankfurt a. M. (1883), letztere Darstellung mit zahlreichen Urkunden.

Aus Italien, besonders wiederum aus Venedig, der „hohen Schule der deutschen Kaufmannschaft", kam uns gegen Ende des 15. Jhdts. die moderne Buchführung, die wir ja heute noch die itaüenische nennen. Das epochemachende Werk des ge- lehrten Mönches Luca Paccioli *Summa de Arithmetica, Geometria, Pro-

Kap. 4. Die Kaufmannssprache des obd.-südeuropäischen Handels im 15. und 16. Jhdt. XXV

portioni et Proportionalita*, das 1494 zu Venedig erschien und eine genaue, ita- lienisch geschriebene Darstelhmg der doppelten Buchhaltung gab, fand in Deutsch- land bald Bearbeiter. JohannGottliebin Nürnberg schrieb 1531 sein *Teutsch verstendig Buchhalten für Herren und Gesellschafter* (üniversitätsbibl. Leipzig) und 1546 sein *Z\vey künstliche und verstendige Buchhalten* (Germ. Mus. Nürnberg) ; Henricus Grammateus fügte seinem zuerst in Wien 1518 erschienenen Rechenbüchlein 1544 ein 'Buchhalten durch das Zornal, Kaps und Schuldbuch* bei (Germ. Mus. Nümbei^) (ähnlich enthält auch Kaltenbrunners Rechenbuch von 1565 einen kurzen Abriß der Buchhaltung) ; 1549 gab Wolfgang Schweicker in Nürnberg sein*Zwifach Buchhalten sammt seinem Giorual* (Germ. Mus. Nürnberg) und 1570 Sebastian Gamersfelder in Danzig sein *Buchhalten durch zwey Bücher nach Italianischer Art* heraus (Stadtbibl. Danzig). 1585 faßte der Nürn- berger Rechenmeister Johann Neudörffer die Kunst des Buchhaltens gar in Reime, die als Begleittext zu der schönen Holzschnittafel J o s t Ammans *Die Allegorie von dem Handel* erschienen (reprod. Huttier 1878. G. Hirth o. J.). Weitere Buchhaltungswerke sind die ziemhch ausführ- lichen von Ambrosius Lerice, einem Genueser, der 1606 und 1610 ein zweibändiges *Buchhalten nach rechter Italienischer Arth und Weise* zu Danzig verfaßte (Stadtbibl. Danzig), und die *Kurtze Doch gründ- liche vnd Aigenthche beschreibung eines Ordentlichen rechten Buchhaltens* von Nikolaus Wolff (Nürnberg 1610) (Germ. Mus. Nürnberg). Ferner gab LorenzMeder 1558 in Nürnberg ein *Handelbuch* heraus, das die Geschäfts - Usancen und Waren der wichtigsten europäischen Handelsplätze beschreibt (E^L Bibl. Dresden, Germ. Mus. Nürnberg).

Die Fülle des durch diese Quellen gegebenen Belegmateriales wird noch ver- mehrt durch die zahlreichen Rechenbücher des 16. Jhdts., die ihre Beispiele zum großen Teil dem Kaufmannsleben entnehmen. Schon das älteste, bei Petzen- Steiner in Bamberg 1483 gedruckte deutsche Rechenbuch, das vielleicht einen Ulrich Wagner zum Verfasser hat (Unikum der Zwickauer Ratsbibliothek ; benutzt in einer photogr. Reproduktion der Leipziger Pädag. Zeutral-Bibl.), hat zumeist kaufmännische Exempel, ebenso Johann Widmanns 'Behende und hübsche Rechenung auff allen Kauffmanschafften*, das 1489 bei Kachel- ofen in Leipzig erschien (Stadtbibl. Leipzig ; Günther, Wiogendr. d. Leipz. Samml. 1251). Im 16. Jhdt. wurden dann zahkeiche Rechenbücher, die die Be- stimmung für den kaufmännischen Unterricht meist schon auf dem Titel tragen, herausgegeben. Besondere Ausbeute an Kaufmannsausdrückon ergaben die von Bosch ensteyn (Augsburg 1514), Jakob Köbel (Oppenheim, 3. Aufl. 1518), Henricus Grammateus (Wien 1518), Adam Riese (Frankfurt 1522 u. 1574), ChristoffRudolffvon Jauer (Straßburg 1525 u. 1548), Johann E y s e n h u t (Augsburg 1538), Johann Obers (Augsburg 1545). W 0 1 f f H 0 b e 1 (Nürnberg 1563), K a 1 1 e n b r u n n e r (Nürnberg 1565), Simon Jakob (Frankfurt 1565), JohaunOtto (Leipzig 1579). PetrusApiauus (Frankfurt 1580), BrandanusDaetri (Hamburg 1602), AntoniusNeu-

XXVI Einleitung: Wort- und Stilgeschichte der deutschen Kaufmannssprache.

d ö r f f e r (Nürnberg 1616) und Christian Müller (Leipzig 1640). Exem- plare von fast sämtlichen genannten Rechenbüchern besitzt die Leipziger Pädagog. Zentral-Bibhothek.

Weit weniger Ausbeute liefern die deutschen Briefsteller, von denen wir schon aus dem 15. Jhdt. einige haben. Sie geben zwar Fonnulare zu Kaufbriefen und Ver- trägen, Schuldscheinen und Quittungen (vgl. B. Penndorf, Die kaufmänn. Korrespondenz als Unterrichtsgegenstand ün MA. Deutsche Handelsschul-Lehrer- Zeitung 1908, Nr. 41. 42), aber ihre Sprache ist kanzleimäßig-archaisch und enthält kaum einen der modernen kaufmännischen Ausdrücke. Daher konnten nur wenige Belege entnommen werden aus dem 1484 bei S o r g in Augsburg gedruckten *For- mulari* (Üniv.-Bibl. Leipzig ; G ü n t h e r 121), dem ^Formulare und Tütsch Retho- rica* von Heinrich Gessler (Straßburg 1506), dem ^Spiegel der wahren Rhetorik* von Franz Biederer (Straßburg 1509), der 'Rhetorica und Formu- lare teutsch* von AlexanderHuge (Tübingen 1528), dem *Kiirtzen Formular- und Kanzleibüchlein* von Mauritius B r e u n 1 e (Augsburg 1546) und dem 'Formular vnd volkomHch Notariat -Buch* von Abraham Sauer (Frankfurt 1580). (Alle auf der Leipz. Univ.-Bibl. vorhanden.)

Auch in der schönen Literatur jener Zeit spielt der Kaufmann eine bedeutende, frelich meist wenig vorteilhafte Rolle. Die meisten in Frage kommenden Stellen aus den Oster- und Fastnachtsspielen, aus Brants Narrenschifi, Murners Schehnen- zunft, aus Geiler von Keisersberg, aus Luther, aus Jörg Wickrams Rollwagen- büchlein, Paulis Schimpf und Ernst, Kii'chhofs Wendunmuth, aus Hans Sachs, Jakob Ayrer und Johann Fischart hat M. R. Kaufmann in seiner Dissertation über den Kaufmannsstand in der neueren Literatur (Bern 1908) S. 9 36 zusammen- gestellt (vgl. auch dens. in den Grenzboten 1910, Nr. 42, S. 110-121). Auch N o 1 1 e a. a. 0. S. 93 95 stellt einige literarische Quellen für diese Zeit zusammen. Auf das Kaufmännisch-Sachhche geht von allen diesen Quellen fast nur Luther näher ein in seiner Schrift *Von Kaufshandlung und Wucher* (Weim. Ausg. Bd. 15, Bd. 6) (vgl. dazu S c h m o 1 1 e r in der Zschr. f. d. ges. Staatswiss. 16, 461 716). Vom Ende des 16. Jhdts. haben wir einige humoristisch-satirische Gedichte, die das bunte Leben und Treiben der Frankfurter Messe schildern (hg. v. Kelchner in den Mitt. d. Ver. f. Gesch. u. Altert, in Frankf. 6, 317 ff.) ; in diesen tauchen auch einige jüdische Ausdrücke zum erstenmal auf.

B. Sprache und Stil.

Der kaufmännische Wortschatz, den wir aus den genannten Quellen belegen können, ist äußerst reichhaltig. An deutschen Ausdrücken treten uns schon früh im 15. Jhdt. entgegen :

abziehen (von einem Betrag), Aufwechsel (statt des späteren Agio), Aus- schuß, ausstehen (von Geldforderungen), dazu Ausstand (später meist Außen- stände), austun (von bezahlten Schulden), bestellen (Briefe und Waren), dar- leihen, einbringen (Außenstände), einlösen. Einnehmen und Ausgeben (so

Kap. 4. Die Kaufmannssprache des obd.-südeoropäischen Handels im 15. und 16. Jhdt. XXVTT

meist als Überschriften im Kassabuch, später Einnahme und Ausgabe), Geld- brief, handeln (und wandeln), Handel, Händler, Handlung, hantieren, hau- sieren, Kaufbrief, Kaufgeld, Kaufladen, Kaufmannsgut, Kaufsumme, Kasse- buch, Laden, Lager (meist leger, geleger), liefern, lösen (Gewinn aus einer Ware), nachlassen (an einem Preise). Rechenbuch, ünkost(en), überschlagen, Über- schlag, verschleißen, Verschleiß, Verschreibung, Ware (aus dem Xdd.j.Weehsel- brief, Wechselbank, Wochenmarkt, wiederverkaufen, zahlen, Zahlung. Etwas später, zum großen Teile bald nach 1500 belegt, treten dazu : abgehen 'verkauft worden', abschreiben (von jemandes Konto ; Gegensatz : zuschreiben), an (vor Debetposten bei Buchungen), befrachten, beschließen (die Rechnung, später abschließen), Auszug (von Rechnungen), Börse (nach dem Haus der Bankiersfamilie van der Burse in Brügge), Buchhalter, Buchhalten, Buchhaltung, fallen (von Preisen), Frage (Nachfrage nach einer Ware), Geheim- buch, Haderbuch *Kladde', Handkauf 'KleinverkauP, Handelsmann, Handels- stadt, Hauptbuch, Kapsbuch *Warenbuch' (unsicherer Herkimft, auch Capus), Kaufschilling, Kunde (meist in der Zusammensetzung Kundmann), kaudem •Kleinhandel treiben*, Preis (in der heutigen Bedeutung erst gegen Ende des 16. Jhdts.), sacken und packen, Sicht (in Wechseln), Soll und Haben (meist Soll und Soll haben, Debet und Kredit erst etwas später), steigen (von Preisen), Storger und Marktschreier, Treu und Glauben, überbieten 'überteuern*, über- schreiben, übei'weisen, übermachen, übervorteilen (daneben vervorteilen), Um- schlag 'Umsatz*, umschlagen, verfallen (von Wechseln), vortragen (auf ein neues Konto, dazu Vortrag), vorschießen, vorstrecken.

Vor allem aber ist diese Epoche des aufblühenden Welthandels charakterisiert durch die massenhafte Übernahme von Fremdwörtern. Ihre Herkunft ist nicht immer genau anzugeben ; weitaus am meisten stammen sie aus dem Italie- nischen, das seit etwa 1450 die ganze Fülle seiner Handelstemiinologie unserer Sprache leiht. Aber sehr oft ist die Lautform dieser Fremdwörter durch Kontamina- tion mit den gleichfalls bekannten lateinischen, französischen, im 16. Jhdt. bis- weilen auch spanischen Formen beeinflußt, so daß man oft nur allgemein romanischen ürspnmg angeben kann. Französischen Ursprungs ist das spätmhd. liefern, ferner Paket. Mehr dem Amtslatein des 15./16. Jlidts. entstammen : akzeptieren (einen Wechsel), Arrest, Auktion, Benefiz(ium), datieren, Defekt, expedieren, Finanz, Folio, Formular, disponieren, Hypothek, Interesse 'Zinsen*. Inventar(ium), inventieren, Junior und Senior (hinter IS'amen), kalkulieren, Kaution, kolla- tionieren, konfiszieren, Konsul, Kontrakt, Manual, 3Iemorial, .Monopol, negoziieren, Negozium, Obligation, offerieren, per, pro, plus, Portion, pro- testieren (einen Wechsel), Rate, Salär (früher Salarium), salarieren, signieren, Taxe, Termin.

Rein italienischer Herkunft sind außer den schon oben S. XVIII genannten Entlehnungen des 14. Jlidts. : im 15. Jhdt. belegt : adi 'am Tage* (vor jedes Datum gesetzt), Bank (in der Bedeutung 'Wechslertisch' schon früher, in der heutigen Be- deutung unter Einfluß des ital. batico und meist auch in dieser Fonn), Baratt(o)

XX^III Einleitung: Wort- und Stilgeschichte der deutschen Kaufmannssprache.

'Tausclüiandel* (in nichtkaufmännischer Bed. schon mhd.), dito, Faktor (itaL fatiore). Fusti ^Unreines einer "Ware* (eig. Stiele, spez. von Nelken), Giornal-Jornal (später dafür franz. Journal), Kollo ^Warenpack* (heute meist Kolli, eig. plur.), Konto, Konterbande (urspr, in ital. Fonn contrahando), netto, per resto, per cento (danach heute noch österr, Perzent), daneben pro cento, Muster (aus ital. mostra). Post(en) (aus ital. posta). sporko (so noch heute österr. statt des etwas jüngeren brutto), usw.

Nach 1500 treten dazu noch folgende Wörter: Akkord ^Vergleich' (anfangs in der Fonn accoräo). Avis(o), Avisbrief, avisieren, Bankier (anfangs ßa^ic/i^ero), Banke- rott, Bilanz, Debito und Kredito, Debitor und Kreditor, brutto, Deposito (dazu Depositogeld), Falliment, fallieren, Kapital (anfangs in der ital. Form Cavedale), Kassa, Kassier(er), Konnossament ^Seefrachtbrief*, Konsort *Teilhaber*, korrent (dafür später fi'z. kurant), Kontokorrent, largo und Larghezza (zur Bezeichnung des Geldübcrflusses an einem Orte, Gegenteil stretto und Strettezza), primo, medio und ultimo (zur Bezeichnung von Monatsanfang, -mitte und -ende), passato (zur Bezeichnung des vergangenen Monats), Prima, Sekunda usw. (zm' Bezeichnung der Exemplare eines ^Yechsels), Numero, ordinari (später ordinär), Provision(e), Risiko, saldieren, Saldo, Partida (Posten, später frz. Partie), Spagat 'Bindfaden*, Sensal 'Makler*, Sensarie 'Maklergebühr*, Sorte, sortieren, skontrieren 'ab- rechnen*, Skontro, Transit(o), ritorno (später dafür frz. retour), Yaluta, valu- ieren, Vista 'Sicht* (meist noch in der Formel Lettera vista), per parte, Conto a parte usw.

Obgleich die Handelsbeziehungen zu Italien im 16. Jhdt. bereits anfingen nach- zulassen, setzte sich die Einfuhr itaUenischer Fremdwörter doch bis ins 17. Jhdt. hinein ungemindert fort, besonders gefördert durch kaufmännische Lehrbücher, die italienische Vorbilder nachahmten. Ja, man kann sagen, daß die stärkste Unter- mischung der deutschen Kaufmannssprache mit italienischen Ausdrücken in eine Zeit fällt, wo der deutsch-italienische Handel längst seine Bedeutung verloren hatte. So finden wir mn 1600 oder wenige Jahrzehnte nachher häufig die Wörter: Agio, Amico 'Geschäftsfreund*, Assekuranz und assekurieren (im 16. Jhdt. dafür seku- rieren), Avanzo (daneben bald fi'z. Avance 'Vorteil*), bianco (daneben die Kreuzung blanco), Cambio 'Wechsel* (dazu zahlreiche Zusammensetzungen wie Cambio conmiune, mercantile, di ricorsa, Ricambio), costi 'dort* (viel gebraucht, dazu das adj. costig), Danno (daneben das heutige Danmo, beeinflußt dmxh lat. dam- niim), Delkredere 'Bürgschaft*, Diskonto, Diskredito (daneben Mißkredit), a drittura 'geradeswegs, direkt*, Fierant 'Meßbesucher*, firm, franko, frankieren, Giro, girieren, in Grosso (später frz. en gros). Indosso, indossieren, Indos- sament (später auch frz. endossieren, Endossament), Kurs (urspr. Corso). Obligo, Pari, Police (urspr. in der ital. Fonn polizza), Porto, Prokura, Rabatt(o), Rimesse, Riskontro, riskontrieren, Skonto, Solawechsel, Sortiment, spedieren, Spe- dition (dazu mit franz. Endung Spediteur), Spesen (schon ün 15. Jhdt. in Süddeutsch- land Speise in dieser Bedeutung), Strazze, Transport(o) 'Übertrag*, Tratte, tras- sieren, Uso usw.

Kap. 4. Die Kaufmannssprache des obd.-südeuropäischen Handels im 15. und Iti. Jhdt. XXIT

Ja, einige italienische Ausdrücke konnte ich gar erst nach 1700 belegen (doch kann es sich hier auch um verspätete Belege liandeln): Firma, Inkasso, Manko, Limito, Ristorno, ristornieren *einen Fehler gegenbuchen* (daneben verkürzt Storno, stornieren), Skadenz(a) *Verfal]zeit^ Snpporto ^Verzugszinsen*.

Interessant ist, daß einige italienische Fremdwörter sogar die Lautform ihrer engeren Heimat zeigen: wir finden im 16./17. Jhdt. häufig die venezianischen For- men Zomäl (statt toskan. giomale), Lazo (mit verwachsenem Artikel, statt Agio), auch die in Deutschland im 16. Jhdt. viel gebrauchten italienischen Formen der Monatsnamen czener und czugnio (statt gennaro, giugmo) sowie die Form zenzero statt gengeio *Ingwer' zeigen den besonderen Einfluß der Handelsstadt an der Adria.

Wohl beachten müssen wir, daß die französische Form, in der wir einige aus dieser Zeit stammende Kaufmannswörter heute gebrauchen, erst im 17./18. Jlult. an die SteUe der älteren italienischen getreten ist: so Journal statt Giornal oder Zor- nal, courant statt des im 16. Jhdt. allein üblichen corrent, Couvert statt Copert, Partie statt Partida, die Bilanz (nach frz. Za halance) staXt des früher häufigeren der Bilanz (ital. il hilancio).

Die starke Beteiligung Süddeutschlands bei der Aufnalime der italienischen Fremdwörter zeigt sich noch heute darin, daß einige dieser Wörter wie Sparko, Spagat, Gant, BoUette, Skadenz, Sensal oder Formen wie Kassa, Polizze fast nur noch in Süddeutschland und Österreich gebraucht werden.

Auch einige arabische Handelsausdrücke haben wir in dieser Zeit, aller- dings durch die zweite Hand des Italienischen, ins Deutsche aufgenommen : sicher arabisch sind Magazin, Bazar, Tarif, Tara, Fondaeo, Karawane, vielleicht auch Aval ^Wechselbürgschaft*, Havarie, Trafik (oder zu lat. transficere?). Natür- lich sind auch zahlreiche Namen von Waren östlicher Provenienz arabischen Ur- sprungs.

Zu beachten ist femer, daß bisweilen neben der Aufnahme des Fremdwortes der Gebrauch eines diesem nachgebildeten „Übersetzungslehnwortes" (s. Singer in der Zschr. f. dtsch. Wortforsch. 3, 220 ff., 4, 125 ff.), das oft sogar ur- sprünglich häufiger gebraucht w^urde als das fremde Grundwort. So haben wir Glauben, eher d\?>KTedü, Glaub{n)er oder Gläubiger vor und neben Kreditor, im 16. Jhdt. sagt man Lauf, wofür erst im 17. Jhdt. Kurs eintritt, ebenso Läuff -Zettel statt des späteren Kurszettels, statt netto sagte man meist lauter, neben Discredito steht Miß- kredit, ziehen neben trassieren, und WecJisel und Rechnung sind in zahlreichen Ver- bindungen Bedeutungslehnwörter der fremden Ausdrücke Cambio imd Conto ge- worden.

In dieser Zeit bildete sich auch ein eigener K a u f m a n n s s t i 1 heraus, dessen Kennzeichen Kürze selbst auf Kosten der Sprachrichtigkeit ist ; das Tagebuch Lucas Rems büdet ein gutes Beispiel solchen Wortgeizes. Feste Formeln für Eingang und Schluß der Briefe werden allgemein üblich : der Kaufmann ist der erste, der das Absendungsdatum vom Schluß an den Kopf des Briefes rückt und mit dem ital. adi einleitet, dann setzt er „Meinen freundlichen Gruß zuvor", später im 16- Jhdt. das ergebenere „Meinen willigen Dienst zuvor", bald kommt dann die

XXX Einleitimg: Wort- und Stilgeschichte der deutschen Kaufmannssprache.

Anrede mit „Euer Edlen" oder „Euer Gestrengen" auf, und die Schlußformel, frülier ein einfacher Gruß, wird umfangreicher und gezierter. Ferner setzt der Kauf- mann über jede Seite seines Buches, über jeden Brief ein Jesus oder Jesus Maria, Im Namen Gottes oder ähnliche fromme Formeln, bisweilen sogar ganze Bibel- sprüche oder Gebete, im 16. Jlidt. kommt dann das aus Itahen übernommene Laus Deo auf, das auch auf keinem Wechsel und keinem Kontoauszug fehlte (wovon dann später die Redensart kam:,, einem ein Laus Deo zuschicken" für *mahnen*), und gegen Ende des 16. Jhdts. beginnen die Frachtbriefe : „Im Namen Gottes geladen!" und schließen: ..Damit geleite es Gott der Vater, Sohn und heilige Geist! Amen" (S t e i n h a u s e n , Kaufmann 62). Auch 'Sprachdummheiten* wie „Euer Jüngstes" für „Euer letztes Schreiben" finden sich schon in jener Zeit.

Zur näheren Charakterisierung des Stils verweise ich wieder auf dieS. XXIIge- nannten Schriften von Steinhausen (bes. I, 68 ff., 140, 159) und Penndorf. Weiter gebe ich einige Beispiele :

Zunächst einen Brief von 1443 aus Leipzig, wohl den ältesten erhaltenen Leip- ziger Handelsbrief, den P e n n d o r f a. a. 0. Nr. 45, S. 531 reprodu- ziert hat :

Meinen willigen dienst zu aller czeit czuvor. über herr, wisset daz der hering hyncz wider auffschlecht, man helt in jeczund hy auS vj ald schok, man kan ein 100 kawm hin aus zewgen vmb vij guld. So hatt er czu stetin auch j guld. ausgeschlagen ; es mocht kamen, er wird in kürcz mar geldes hir gelten wann da aussen czu nürenberg. Item über herr dy xx guld. dy jch euch schuldig pin an dem piper den mein Schwager veitt an dem hering von euch nam dy wil jch euch guthch weczalen auff das heyUgtuom [Markt in Nürnberg] unczogenMch. Auch mein jch in kürcz was hin aus senden von fisch als pald etwas czu kumet, es ist aber nichtz verbanden hy wann waxs daz helt man auff xxviij ald schoken vnd auch ein ort myn. Ich hab sein auch. So weiss ich nicht, waz es da aussen tutt, jch mein es hy czu verkauffen. Item Über herr kont jr enperen ij sak pyper auff pfingsten dy einbint meim schwager veitten, so wil jch euch daz gelt auff dy czeit guthch weczalen. Ir habet mir dy iiij sak czu teur angeschlagen vmb vj schiUing. Ich kan nicht czukumen. Dann weit ir meim schwager veitten waz tun von meinen wegen, so verteuret mich nicht. Älit vil gutter nacht, datum czu hpczig am montag WoKgang leynein

vor prisca virginis jm xhij jar. mitpurger czu lipczig.

Weiter ein Schuldschein vom Jahre 1466 (bei Simonsfeld I, 281) :

Ich Hanns Gruber purger zw Nurmberg bekenne für mich und all mein bruder das ich redüch schuldig pin herren Jachomo Moresini für wollen 274 duc. 6 g.; dy selbigen 274 duc. 6 g. gelobe ich zw bezaUn halb auff dy gaUie und das ander halbtail auff dy nave dy Zennaro nechst körnend ; und durch merer Sicherheit hab ich gemacht disse geschrift mit meinner hannt und dar auf gedruckt mein petschaft.

Geben 1466 adi 14 Febr.

Femer einen Wechsel vom Jahre 1528 (bei Strieder 10, Anm.) :

Laus deo 1528 adi 24 jener zu Rom, Lieber herr Cristoff Herwart. Ditz allain umb willen wölt außrichten und bezaln auf disen ersten commissionbrief Hannsen Pfeyl von Ulm ducaten neunhundert und sechzig in gold. Nenüich für ain ducaten naintzig crutzer in mintz alles nemhch ducaten 960 für yettüch ducaten krutzer 90 ist. Sovil hat mir hie vergnügt Hans Pfeyl von Ulm, die verrechne ich dem herr Cristoff

Kap. 4. Die Kauf raannssprache des obd.-südeuropäischen Handels im lö. und 16. Jhdt. XXXT

Herwart in meiner rechnung für einnemen. So Ir di zalt nempt zwifechtig quitanzen von Ime. Damit sey die gnad gottes mit unns allenn. Amen.

NoSerus Stebenhaber, Christoff Herwärts diener zu Augspurg.

Weit mehr der heutigen Form des W e c h s e 1 s ähnelt dagegen schon ein bei Neudörffer, Arithmetik (1616) S. 75 abgedruckter :

Laus Deo 1599 adi 10 Jenner in Antorff.

Per fl. 1300 ä 65 kreutz.

Ehren veste / fümeme / günstige hebe Herren / euch geUebe auff diesen meinen ersten Wechselbrief (a uso) zu bezahlen dem Hans N. uimd mitverwandten & etc. Gulden dreyzehnhundert/ jeder zu 65 kreutzer, den werth allhie von Peter Hochen empfangen. Hiermit was euch heb / den Gnaden Gottes befehlend.

Oder gar einer von 1609 (bei Lerice II B 2a):

Laus Deo, adj 2. Januarij Anno 1609 in Amsterdam. ^ 300 a gr 98 Jedes Pfund.

Ersamer Freundt Hans Wiedermann / ein Monat nach Sicht diesen meinen ersten Wechselbrieff sol E. L. zahlen an Peter Winst/Pfundt Dreyhundert a groschen Acht und neunzig Pohlisch für jedes Pfundt/für die Werth hie empfangen von Herman Eider. Vnd stellet es auff die Rechnung wie der Avissbrieff meldet. Damit Gott be- fohlen. E. L. G. Freund

Dieser Brieff ist acceptiert. Jacob Jantzen.

Die italienischen Fremdwörter in reichem Maße zeigt ein Brief, den Marx F u g g e r im Jahre 1571 an seinen Agenten Jakob Mayr in Antwerpen wegen Er- öffnung eines Kredits für Anton Meiting schrieb (P e n n d o r f a. a. 0. Nr. 48,

S. 562):

Laus deo 1571 Adi 27 martzo zu Augspurg. Mein freundhch Gmß zuvor, heber Jacob mayr, Diss mein schreiben allein, Deni- nach Anton Meiting gesinnt, daniden zu Antorf dem Adelgaiss seine Sachen zu Conti- nuiren, wie Ir dann zuvor wisst, so ist er auch willens, sein aig Namen pendieren Zu lassen, Demnach sich aber die ferias in Spana so seltzsam anlassen, vnd in ein solch Zerritthchkeit khomen, dz ainer gleich selbst nit wissen kan, wann in sein gellt gefeilt, so erfordert sein nottdurft, Zuzeitten gelt auf seine leut hinein zu wexel zunemen, damit nun er, Meitting, ainen Einganng vnd Reputation seiner wexlen machen kundt, hat er mich gebeten, euch beuelch zugeben, dz Ir im faal es die notturfft erfordern wurdt, dess Adelgeiss dritte oder vierte Wrlbrief wollet sottostruieren biss in ain 1500 y stark successiuamente, Dieweill ich dann verhoff die vorige Creditos seien nun mer all com- phert so hab ich inn diss sein begern auch nit wölln abschlj^en, vnnd werth der sache, also wiss Recht zu thun. Damit sei Gott beuollien. Mars Fugger.

Auch eine Buchungsprobe, aus dem Journal des G am ersfelder sehen Buchhaltungswerkes von 1570 entnommen, wiU ich geben :

Cassa barschafft sol /An Capital oder heuptgut mein Christoff Vnuer-

dorbens / das ich auff dato meines handeis anfang bar habe fl Polnisch fl 3360

Lundisch tuch sol / An Capital 2 Ballen No. I 7 Lasur 6 Rot 4 Blawe /

No. 2 19 Lasur 5 Rot 2 Blawe. Kost ein tuch fl 32'2/thut fl 1072 15

Roggen sol / An Capital 24 Last a fl 24^4 / Ugt im Lewen speycher bey

dem Theerhof/thut . fl 594

Saltz sol/ An Capital 32 Last Browasisch Saltz/ rechene ich die last wie jetzt kauff gangkbar/ nenüich vmb fll7 hgt im Raum in der zwerch- gassen nach dem Langenlauff / thut fl 544

XXXII Einleitung: Wort- und Stügeschichte der deutschen Kaufmannssprache.

Kapitel 5.

DIE KAUFMANNSSPRACHE DES 17./18. JHDS. (BIS ETWA 1775).

Die durch das Entdeckungszeitalter verursachte Verschiebung des Welthandels nach Spanien und Portugal, die Entwicklung des holländischen und bald auch des enghschen Kolonialhandels, sowie die pohtische Ohnmacht der deutschen Reichs- gewalt führten gegen das Ende des 16. Jhdts. den deutschen Handel zu einem ziem- lich tiefen Stand. Der 30jährige Ejieg drückte ihn noch mehr herab, und fast nur Hamburg und Bremen zeigten im 17./18. Jhdt. aufblühende Handelstätigkeit als Vermittler der lebhaften enghschen Ein- und Ausfuhr. Der übrige deutsche Handel aber, am Absatz eigener Produkte im Ausland auch durch das besonders in Frank- reich konsequent durchgeführte Merkantilsystem gehindert, kam seit dem Zeitalter des Sonnenkönigs melir und mehr unter den Einfluß der französischen Mode- und Galanteriewarenfabrikation (daher noch heute die zahheichen franz. Waren-, Farben- und Musterausdrücke des Modewarenhandels), und wie alle Kreise, so begann auch der Kaufmann der Zopfzeit, oder der „Negoziant", wie er sich jetzt nannte, seine Sprache mit französischen Ausdrücken zu überschwemmen und sie durch massen- haften Gebrauch von Fremdwörtern und geschraubten Redensarten von der ge- meinen Umgangssprache abzuheben.

A. Die Quellen.

Aus dem 17. Jhdt. sind uns zahlreiche Wechsel- und Bankord- nungen überhefert, die freihch, wie dies bei der langsam sich wandelnden Amts- sprache verständhch, von den ä la mode-Wörtern noch nicht viel zeigen. Ich nenne z. B. die Alte BoznerMess- und Wechsel-Ordnung von 1635, die Hamburger Banco-Ordnung von 1639, die Nürnberger Banco- und Wechsel-Ordnung von 1654, die Frankfurter Wechsel-Ordnung von 1666, die Leipziger Wechsel-Ordnung von 1682 und die Leipziger Banco-Ordnung von 1699, die man am bequemsten im 2. Bande des 1733 in Leipzig erschienenen Wechselhandbuches 'Der in allen Fällen vorsichtige Banquier* (Univ.-Bibl. Leipzig) findet (einige auch bei 1712 Sperander, Sorgfältiger Negotiant und 1716 Marperger, Beschreibung der Banquen). Zahlreiche Statuten und Doku- mente zur Geschichte der Banken gibt auch H. v. Poschinger, Die Banken im Deutschen Reiche (Bd. I : Bayern 1874 ; Bd. H : Sachsen 1877). Urkimden zur Gründungsgeschichte der ersten deutschen Überseehandelskompagnie, der Brandenburgisch-Afrikanischen Kompagnie, die der Große Kurfürst nach dem Vor- bild der Holl.-Ostind. Kompagnie von einem Holländer organisieren ließ, hat R. S c h ü c k im 2. Bande seines Werkes 'Brandenburg -Preußens Kolonialpohtik unter dem Großen Kurfürsten* (1889) herausgegeben. Reich an Ausdrücken des Seehandels und äußerst fesselnd zu lesen sind die Briefe, die der Hamburger Büi'ger-

Kap. 5. Die Kaufmannssprache des 17./18. Jhds. (bis etwa 1775). XXXTTT

meister Johann Schulte in den Jahren 1680-85 an seinen in Lissabon eta- blierten Sohn geschrieben hat (hg. v. E. M., Hamburg 1856). Gegen die Fremdwort- sucht der Kaufleute kämpften die Briefsteller der Puristen an : der *Teutsche Secre- tarius* von Harsdörffer (1658), Overheides *Teutsche Schreibkunst* (1657) (Kgl. Bibl. Dresden) und des Spaten (Stielers) *Teutsche Sekre- tariats-Kunst* (1673 f.) (Stadtbibl. Leipzig) geben Listen kaufmännischer Fremd- wörter samt Verdeutschungen und Musterbeispiele von Geschäftsbriefen und Handels- dokumenten, aus denen sich freilich immer noch zahheiche Fremdwörter belegen lassen. An handekwissenschaftUchen Darstellungen aus dieser Zeit nenne ich : G. N. S c h u r t z' Buchhalten (Nürnberg 1662), desselben *IS[eu eingerichtete Material-Kammer* (mit Buchhalten) (ebd. 1672) (Stadtbibl. Leipzig), J. P. Z u - b r 0 d t s aus dem HoU. übersetzten ^Unterricht der "Wechselhandlung* (Frankfurt 1669) (üniv-Bibl. Leipzig), J. J. Bechers Tolitischer Diskurs* (1668) (ebd.), der zahheiche Probleme des Handels diskutiert, das viel benutzte Werk von Jacques Savary *Le parfait n^gociant*, das 1676 französisch und deutsch (*Der vollkommene Kaufmann*) in 2 Bänden in Genf erschien (Univ. -Bibl. Leipzig), femer Nicolaus Dibberns Hjründhche Besclireibung des sog. Italiänischen- Kaufmännischen Buchhaltens* (Kopenhagen 1692) (Kgl. Bibl. Dresden), dann im 18. Jhdt. die zahlreichen langatmigen Traktate des *Königl. Polnischen und Chur- Sächsischen Hof- und Commerzien-Rats* Paul Jacob Marperger, z. B. seine ^Beschreibung der Messen und Jahrmärkte* (Leipzig 1711), ^Beschreibung der Banquen* (1716), 'Montes Pietatis, oder Leyh-, Assistenz- und HüMs -Häuser* (1715), Trobierstein der Buchhandlung* (1717), 'Der allzeit fertige Handels-Correspondent* (1717), *AVohlunterrichteter Kaufmanns-Jung* (Xürnbg. 1715) usw. Ferner ergab sich Ausbeute aus Speranders (Gladovs) 'Sorgfältigem Xegotiant und Wechsler* (1710. 1712), G. G. Heynes 'Mit Nutzen klüglich handehden neuen Handelsmann* (1725), J. F. S t ä p s' 'Fertigem und hinlänglichem Unterricht vor Handels -Beflissene* (1748) und J. G. Schneiders 'Itahenischer doppelten Buchhaltung* (1775). Nach 1700 erscheinen auch mehrere kaufmännische Kon- versationslexika, z. B. 1712 das 'Handlungs-Lexicon* von Johann Hübner, 1722 das von Adrian Beier, 1721 (^1748) Jablonskis 'Allgemeines Lexicon der Künste und Wissenschaften*, dann 1741 43 die fünfbändige 'Allgemeine Schatz- kammer der Kaufmannschaft* (unter der Leitung von L u d o v i c i ) , 1752 56 die fast ebenso umfangreiche 'Eröffnete Akademie der Kaufleute* von C. G. L u d o - V i c i in Leipzig, und Jacobssons 'Technologisches Wörterbuch* (8 Bände 1781 95). Doch ist bei der Benutzung dieser Quellen Vorsicht geboten, denn ihre Verfasser sind keine Kaufleute, sondern vielbelesene Gelehrte, die außerdem die vorangegangenen Arbeiten ungeprüft ausschreiben, so daß sich oft ganz veraltete Ausdrücke immer mit denselben Erklänmgen durch aUe diese Wörterbücher hin- durchziehen ; zalilreiche sinnentstellende Schreibfehler (z. B. fast stets Nachsicht statt nach Sicht) zeugen dabei von ihrer Unkenntnis des praktischen Lebens und außerdem buchen sie aus ihrer Büchergelehrsarakeit heraus eine Menge lateinisch- griechischer Ausdrücke, die der Kaufmann jener 2feit sicher nie gebraucht hat.

Schirm er, Kaufmannssprache. C

XXXIV Einleitang: Wort- und Stilgeschichte der deutschen Kaufmannssprache.

An nichtfachlichen Quellen kommt für jene Zeit nicht eben viel in Betracht, vgl, darüber K a u f m a n n a. a. 0. S. 36 60. Ich nenne dazu noch W y n k e 1 - m a n s 'Christlichen Kaufmanns-Spiege? (1652) (Kgi Bibl. Dresden) und das amü- sante 'Betrugs-Lexikon* von Georg PaulHoenn (1721), das alle Betrügereien der Welt ziu- warnenden Absclireckung aufzählt und natürlich auch dem Kaufmann ein gerüttelt Maß davon zumißt.

Wenig brauchbar für meine Zwecke war das Fremdwörterbuch des 17. Jhdts. von KlaraHechtenberg (1904), da es nur die Form der Fremdwörter gibt, auf ihre Bedeutung aber gar nicht eingeht.

B. Sprache und Stil.

Ich nenne zunächst einige wichtigere deutsche Ausdrücke, die im 17. Jhdt. häufiger belegt sind: abnelunen 'abkaufen*, Abnehmer, anweisen, Anweisung, Aus- und Einfuhr, auszahlen, billig (vom Preise), eintreiben (von Außenständen), Geber und Nehmer (von Wechseln), Kladde (ndd. Ursprungs), Frachtbrief, Klipp- kram 'Handel mit Kleinwaren*, Klitterschuld 'kleiner Schuldposten*, Last (in der Buchhaltung : einen Posten zu jemandes Last schreiben), Nachfrage (nach Waren), unter den Hammer kommen (dazu zuschlagen, Zuschlag bei der Versteigerung), Probe (von Waren), schleudern 'unter dem Selbstkostenpreis verkaufen*, Tab(u)- letträger, -krämer (Hausierer), Trödel, Trödler, überteuern, umsetzen, Umsatz, Übertrag 'Transport', tilgen (auch abtilgen, von Schulden) usw.

Erst nach 1700 konnte ich belegen : absetzen 'verkaufen*, Absatz, Ausschlags- verkauf, Aussclmitt(waren) (heute meist Schnittwaren), buchen (nach dem engl, to hooh?), Ellenwaren 'Schnittwaren*, Kurzwaren, (auf) räumen (alle Waren aus- verkaufen), Schleichhandel, die Preise (in die Höhe) treiben, usw.

Xun zu den Fremdwörtern. Ich erwähnte schon, daß der Kaufmann dieser Epoche die Unbedeutendheit seines Handels durch eine bombastische Fremd- wortfülle zu bemänteln sucht. Die Herkunft dieser Fremdwörter ist nicht immer genau anzugeben : in bunter Mannigfaltigkeit wechselt der Strom der italienischen Terminologie, der sich erst jetzt in voUer Breite über die deutsche Kaufmannssprache ergießt (vgl. die Erstbelege oben S. XXVIII f.) mit der Flut der französischen Aus- drücke, was auch in einzehien Wörtern vielfach zu Formvermischungen, zu Kontami- nationen itaL und franz. Formen führt.

Meist in französischer Form treten auf : schon im 17. Jhdt. : ä 'zu* (vor Preisen, aber schon im 16. Jhdt. ital. a), adressieren, Adresse, Agent, Ap- point 'Abschnitt, Wechsel*, Artikel (urspr. Posten in Warenrechnungen, dann 'Ware*), assortieren, Assortiment, Billet, Courtage 'Maklergebühr*, dekour- tieren 'abziehen*, Effekten 'Wertpapiere* (frz. les effets, beeinflußt durch das Lat.), effektuieren, emballieren, Emballage, Fabrik, fabrizieren, Faveur, Fonds, fournieren, Galanteriewaren, Garantie, hazardieren, Kapitalist, Kargaison *Ladung*, Kommandite, Kommis, Kommissionär, comptant (daneben älter ital. contante), Korrespondent, Manufaktur, manufakturieren, Negoziant, Ordre,

Kap. 5. Die Kaufmannssprache des 17./18. Jhds. (bis etwa 1775). XXXV

Provenu 'Ertrag*, prompt, Rembours, remboursieren, retour, retourneren, riskieren, roulieren 'umlaufen* (vom Geld), Trafik usw.

Dazu kommen nach 1700 noch : Abandon 'Rechtsabtretung* und abandon- nieren (ca. 1770, dazu unfrz. Abonnent), Affiche, Arbitrage 'Vorteilsberechnung*, As80ci6, Bijouteriewaren, en bloc, Brouillon oder Brouillard 'Kladde*, Charte- partie (oder etwas älter Certepartie) 'SchiSsmietvertrag*, deballieren 'auspacken', Dessin 'Muster*, en gros, en detail, dubiös (von unsicheren Außenständen) Entre- pot, Entrepreneur, Entreprise, Eskompte 'Abzug*, eskomptieren, Etikett, ex- portieren, Exportation, importieren, Importation, Kabotage 'Küstenliandel', kolportieren, Kolporteur, Perte '(Kur3)verlust*, au Porteur (auf Inhaberpapieren), Produkte (nach les produits), reell, refüsieren, Saison, solid, Surplus 'Über- schuß*, zirkulieren (vom Geld) usw.

Auch Übersetzungen kommen vor : Kreditbrief für lettre de cr^dü, Respekttage 'Fristtage bei der Zahlung eines Wechsels* für jours de repit, auch Kommerzienrat ahmt wohl einen Conseüler de Commerce nach, und Lieferant hat eine frz. Endung bekommen.

Doch der Kaufmann des 17./18. Jhdts. hatte auch eme große Vorliebe für das Lateinische, das seinen Warenrechnungen und Frachtbriefen eine höhere Weihe zu geben schien. Er redet gern von seinem Negotium, vom Commercium, vom Stylus Mercantilis, von Emporium, Valor, Socius, Parere ('kaufmänn. Gut- achten*), Error, Älterumtantum (100% Gewinn), Interusurium 'Zwischenzins*, Pro-, Mono- imd PohjpoUum usw., und die Flexion aller Fremdwörter wird möglichst lateinisch gegeben. Dauernd geblieben sind in lateinischer Form, die aber nur bei Kanzlei- und Rechtsausdrücken für lateinische Herkimft beweisend ist : Bonität (von Münzen), chirographarisehe Forderung, deklarieren, deponieren, Salvo Errore Calculi [S. E. C), Immobilien und 3Iobilien (aus immohilia und mobilia bona), konform, Komplementarius 'GeseRschaftei-*, Konkurs (aus concursus cre- düorum 'Zusammenlaufen der Gläubiger*, wie heute engl. Run), Konjunktur, konsumieren, Kontingent 'Pflichtanteil*, liquid, liquidieren, Moratorium 'Frist für einen Gemeinschuldnei-*. post- und pränumerando, präsentieren (einen Wechsel), prolongieren (einen Wechsel), Qualität, Quantität, Quantum, Quote, Regreß, Rekurs, in solidimi (dazu solidarisch), solvent und insolvent, Sozius, Spezies, Status, subhastieren, Subhastation, zedieren, Zession.

Aus dehita activa und passiva wurden Aktiv- und Passivschulden übersetzt, daneben kamen bald Aktiva und Passiva auf.

Der kräftig aufblüliende Handel der Niederlande vermittelte die Aus- drücke Aktie (die holl. Fonn des lat. actio 'klagbarer Anspruch*, in der heutigen Bed. zuerst bei der Gründung der HoU.-Ostind. Kompagnie mi Jahre 1602), dazu Aktionist (später dafür frz. Aktionär), Dividende, femer Refaktie 'Abzug für beschädigte Ware*, Leckage 'Rinnverlust bei flüssigen Waren' (eine holl. unfranz. Bildung), Maskopei 'Handelsgesellschaft*, Kavelinge 'die einzelnen Posten bei einer Versteigerung*, Lotterie, Niete (holl. niet 'nichts*), puik, piick 'gut* (davon unser heutiges piekfein) und das Gegenteil wrak, brack 'schlecht*

c*

XXXVI Einleitung: Wort- und Stilgeschichte der deutschen Kaufmannssprache.

(spez. von der Qualität der Heringe). Auch Preiskurant ist wohl eine Nachbildung des älteren holl. prijs eurant (franz. prix courant ^laufender Preis*).

Der kaufmännische Stil dieser Periode zeigt den ganzen Schwulst des h la mode-Stils, der in den nüchteraen Dokiunenten des Handels natürlich uni so gespreizter wirkt. Die Höflichkeitsfomieln werden bis zur Albernheit übertrieben und erreichen an Servilität das Äußerste. So beginnt ein Brief vom Jahre 1670 : „Woll Edler, Gestrenger, Großgünstiger und Gebietender Herr, Streng und Gütl., meines unterthenig gehorsamb wiUig Dienst möglichster Fleiß jederzeit bereit zu- vor" und schließt : „Euer Streng und Güte Unterthenig und Gehorsam Diener" (P e n n d 0 r f a. a. 0. Nr. 48, S. 563). Auch die Unsitte, das "Wort ich auszulassen, reißt jetzt ein, und das empfangene Schreiben seines Geschäftsfreundes bezeichnet man ehrerbietig als 'Euer geehrtes Letztes*, *Euer Angenehmes', *Euer Geliebtes oder 'Euer Wertestes'.

Ich gebe wieder einige Stilproben (vgl. Steinhausen, Brief II, 178 ff. und' P e n n d 0 r f a. a. 0.).

Zunächst ein Antwortschreiben auf die Anzeige einer Geschäftseröffnung vom Jahre 1749 (bei Schiebe, Kaufiii. Correspondenz 1869, S. 84 abgedruckt).

Frankfurt a. M., den 24. Mai 1749. Hochgeehrter Herr !

Aus dero Sehr angen. vom 19. Finiente ersehe mit Lieb, dass sich E. E, ent- schlossen haben, ein eigenes Negotium für sich selbst unter dero eigenen Nahmen zu errichten, gleich wie ich nun zu diesem Neuen Etablissement von herzen gratuhre und zu allen dero Unternehmungen guten Evento und Gottes reichen Segen aufrich- tigst apprecire, also bleibe für annectirte dero Höflichste dienst Offerten Schönstens verbunden, mit versiecherung dass bey vorfallenden Incontrj nicht ermanglen werde zu dero favori zu ricorriren; Hingegen exhibire E. E. meine gleichfallss BereithwiUige dienste Bestens und Lasse mir angenehm fallen, wenn in zu Kunft ein beyderseits nützL Carteggio zwischen uns errichtet und pr. continuo fortgepflantzet werden könne. Begleithende zudehm ende apede diesses Preiss Courr. Meiner führenden waaren zu Belr. dero Specolation, worauf geneigte Befehle Erwarthe.

Bei Costigem Hm MoUinger habe ein Fass extra Schöne veritabL florentinische Violwurz stehen welches gel Besichtigen zu Lassen, anständigen Falss erlasse Solche ä Rthlr, 27 hiergenommen, oder daferne Sie nicht da propprio dienen, und E, E. könten dafür obigen Preiss obteniren, so ersuche solches von gedachtem Freund Pr.mio Conto nur zu Beziehen, demnechst darüber Baldige verKauff Rechnung zu ertheilen und So davon mehrers Begehrt wird. So habe alliiier noch 1 Fass von ca. 8 Ctr. zu dero diensten womit Schhesslichen in gewärthigung des eigentUchen nach dienstL risalutation unter Göttlicher Genaden Erlassung stets verharre

E. E. D. W. D. Johann Daniel StädeL

Wie dieser Stil sogar in Privatmitteilungen von Kaufleuten überging, zeigt ein Brief eines Kaufmannslehrhngs an seinen Vormund, den schon S i n a p i u s als Kuriosum in seinen Kaufmännischen Heften 1780, S. 91 abgedruckt hat :

Insonders hochgeehrtester Herr ! Liebwerthester Herr Vormund ! Befindende mich seit einiger Zeit dero Angenehmen beraubt, als wollte mich hiermit nur nach Dero und liebwerthesten Angehörigen Wohlsein erkundigen. Was

Kap. 6. Die Kaufmannssprache der Gegenwart (vom Ende des 18. Jhdts. bis heute). XXXVII

mich anlangt, so befinde ich mich wohl, wird mir angenehm sein, von Deroselben ein Gleiches zu vernehmen. Da ansonsten die heiligen Ferien mir nächstens etwas Respiro ertheilen werden, als wollte Denselben avisiren, dass ich auf Costi zu kommen gedenke, wo mit Deroselben das Weitere mündlich zu reden mir vorbehalte.

Nach schönster Salutation göttlicher Obhut empfohlen verharrende

Ew. Edlen dienstwilliger Diener N.

Der Herr Vomiund, wohl kein Kaufmann, verstand den Brief falsch, meinte, seinem Mündel seien seine Briefe gestohlen worden, und riet ihm, dieselben besser aufzubewahren, glaubte, die Feiertagsreise solle auf seine Kosten (costi *dort*) geschehen, und verbat sich mit Rücksicht auf seine vielköpfige Familie einen so kostspieligen Besuch.

Ich gebe noch einen Frachtbrief von 1756 (bei Steinhau seu, Kauf- mann 104) :

Mayntz den 24. Jan. 1756. HochgeEhrter Herr In Göttlicher Begleitung sende E. L. durch Hr. Frantz Spohn die hierunter ßpecificirte Güther, wovon nach wohl conditionirter Liefferung die darbey notirte Fracht zu bezahlen, und darmit laut aviso zu verfahren geüeben. Der Höchste ver- helffs in salvo, deme empfohlen verbleibe

E Ew. Dr Franz Michael Cremer. 1 Küst Candis No. 1 Jn ord: f rächt.

Kapitel 6.

DIE KAUFMANNSSPRACHE DER GEGENWART (VOM ENDE DES i8. JHDTS. BIS HEUTE).

Etwa seit dem Ende des 18. Jhdts. setzt eine neue Blüteperiode des deutschen Handels ein, begünstigt durch die Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Staaten, die einen selbständigen deutschen Überseehandel ermöglichte, begünstigt durch die Niederlage des französischen Handels und Gewerbes während der Revolution und der langen Kriegsjahre, machtvoll gefördert und zu seiner heutigen Größe gehoben vor allem durch den Industrialismus, die Verwendung von Maschinen (besonders der Dampfmaschine) und die ungeheure Beschleunigung und Verbüligung des Güter- transportes. Mit diesem neuen Aufschwung des HandcL? erneuerte sich auch die Kaufmannssprache : zahlreiche neue Ausdrücke, die sich namentüch auf Börsen- verkehi" und Exportgeschäft beziehen, kommen auf. Die Fremdwortehifuhr ist nicht bedeutend (vielmehr geraten zahheiche alte itahenische und französische Aus- drücke in Vergessenheit), seit der Mitte des 19. Jlidts. bringt der Welthandel eine Anzahl engUscher Ausdrücke herein.

A. Die Quellen.

Am Eingang der Epoche stehen einige modern gedachte kaufmännische Lehr- bücher : J. H. J u n g s ^Gemeinnütziges Lehrbuch der Handlungswissenschaft*

XXXYIII Einleitung: Wort- und Stilgeschichte der deutschen Kaufmannssprache.

(Lpzg. 1785), J. B e c k m a uns 'Anleitung zur Handlungswissenschaft* (Göttingen 1789). J. G. Busch s 'Darstellung der Handlung* (Hamburg 1792) und J. M. L 6 u c h s ' 'System des Handels* (Nürnberg 1804). Durchaus neuzeitliche Ausdrucksweise zeigen J. C. S i n a p i u s ' 'Fragmente aus dem Gebiet des Handlungswesens* ('Kaufmännische Hefte*) (Altona 1780/81), desselben 'Briefe für Kauflcute' (Hamburg u. Lpzg. ^1782) sowie sein 'Lesebuch für Kaufleute* (ebd. 1783). Den kaufmännischen Briefstil in neuzeitlicher Sachlichkeit und frei von dem alten Schwulst lernen wir kennen aus Aug. S c h i e b e s 'Auswahl deutscher Handelsbricfe* (Grimma 1837), seiner 'Correspondenz in überseeischen Geschäften* (Lpzg. 1845) und sehier 'Kaufmännischen Correspondenz* (zahk. Aufl.). 1861 kam das Allgemeine Deutsche Handelsgesetzbuch heraus, das, wie dies bei amtUchen Pubhkationen natürhch, nicht gerade viel Erstbelege neuer Wörter, aber doch manchen Ergänzungsbeleg liefert. Dagegen ist für die neuesten Ausdrücke und Schlagwörter des Börsen- und Aktienwesens das Buch von Otto G 1 a g a u 'Der Börsen- und Gründungsschwindel in Berhn* (Lpzg. 1876 ; Zusammen- fassung von Artikeln aus der Gartenlaube) eine ganz ausgezeichnete Fundgrube. Gute Berücksichtigung der Temiinologie des modernen Bank- und Börsenwesens bietet auch GeorgObst 'Geld-, Bank- und Börsenwesen* (Lpzg., 6. Aufl. 1910). Sonst haben wir mit dem Belegen in dieser Periode leichte Arbeit : eine große Anzahl meist vortrefflich gearbeiteter und ziemHch lückenloser kaufmännischer Wörterbücher läßt das Aufkommen neuer Ausdrücke deuthch erkennen. Ich benutzte J. F. Berghaus' 'Handbuch für Kaufleute* (2 Bde., Münster u. Osnabrück 1796/7) und desselben 'Taschenwörterbuch für Kaufleute* (Lpzg. 1800), beide noch etwas im alten Fahrwasser segehid, dann aber des vortreffUchen Leipziger Handels - Schuldirektors August Schiebe 'Kaufmännisches Handwörterbuch* (Lpzg. 1833), desselben 'Universal-Lexikon der Handelswissenschaften* (3 Bde., Lpzg. u. Zwickau 1837/9), dann Carl Courtin s 'Encyclopädisches Handbuch für Kauf- leute* (Stuttgart 1836), C. F. E d 1 e r s 'Terminologie des Kaufmanns* (Berhn 1841), Ludolph Schleiers 'Contor-Lexikon* (Lpzg. 1844), das von H. B r u t z e r u. a. herausgegebene polyglotte 'Wörterbuch der Handels- und Geschäftssprache* (Stuttgart 1867), C. F. JNF o b a c k s 'Allgemeine Encyclopädie für Kaufleute* (Lpzg.^^ 1859) und das Verzeichnis der Terminologie in Maier-Rothschilds 'Hand- buch der gesamten Handelswissenschaften* (Stuttgart 1879 ; II, 381—420). Auch die Fremdwörterbücher (Campe 1801, 1813 ; P e t r i 1806 u. ff. ; H e y s e 1807 u. ff.) unterstützen beim Datieren der Fremdwortaufnahmen, bleiben aber einerseits häufig ungebührhch lange hinter der lebenden Sprache zurück und schleppen ander- seits längst veraltete Ausdrücke von Auflage zu Auflage mit weiter. Seit den 80er Jahren haben wir dann verschiedene Pubhkationen des Allgemeinen Deut- schen Sprachvereins zur Kaufmannssprache : 1889 das Verdeutschungs- buch 'Der Handel* (bearb. v. K. Magnus, 2 Abteil., später in ein Heft zusammen- gezogen, 31902), femer die beiden Preisarbeiten über 'Kaufmannsdeutsch* von A. Engels und F. W. E i t z e n (1905) und ün Zusammenhang damit die ganz ausgezeichneten Bücher seines sprachlich wohhnformierten Mitgliedes, des Ham-

Kap. 6. Die Kaufmannssprache der Gegenwart (vom Ende des 18. Jhdts. bis heute). XXXTX

burger Großkaufmanns F. W. E i t z e n ^Wörterbuch der Handelssprache, Deutsch- Enghsch* (Lpzg. 1893), ^Fremdwörter der Handelssprache, verdeutscht und er- läutert* (Lpzg. 1894), 'Verkehrsdeutsch und verkehrtes Deutsch* (Lpzg. 1903) und Adalbert Silbermanns Schrift 'Die Sprach Verderbnis im deutschen Handelsstande* (Berlin 1906). Auch einen Versuch, die Kaufmannssprache etymolo- gisch zu behandeln, kann ich nennen : Hans Strigl (Prof. a. d. Handelsschule in Wien) stellt in seiner populär gehaltenen Broschüre 'Kaufmännische Ausdrücke sprachgeschichtlich erläutert' (Wien 1909) an der Hand der bekannten Wbb. einiges etymologisches Material für die wichtigsten Kaufmannsausdrücke (meist Fremd- wörter) zusammen.

Zur Inventarisierung des kaufmännischen Wortschatzes der Gegenwart diente mir, außer meiner persönlichen Kenntnis desselben und der unterstützenden Be- ratung zahlreicher kaufmännischer Bekannten, vor allem die eingehende Lektüre der Handelsberichte der wichtigsten Tageszeitungen und kaufmännischen Fachzeit- schriften. Verbunden wurde damit ein ausgedehnter Umfrage verkehr in kaufmänni- schen Kreisen, der teils durch Fragebogen, teüs durch Aufrufe in den kaufmännischen Fach- und Verbandsblättern und den wichtigsten Tageszeitungen geschali und der namentlich für das in Kap. 7 skizzierte Wortmaterial reichliche Unterlagen schaffte. So hoffe ich wenigstens für die Gegenwart die hochgespannten Forderungen, die HermannPaulin den SB. d. phü. Kl. d. K. Bayr. Akad. 1894, 53 an die Wort- forschung stellt, einigermaßen erfüllen zu können.

Was an literarischen Quellen für diese Periode in Betracht kommt, findet sich außer bei K a u f m a n n a. a. 0. S. 61 89 zusammengestellt in Paul Bornsteins Aufsatz 'Der Kaufmann im Spiegel der neueren Dichtung-* (Zschr. f. Handelswissen- schaft u. Handelspraxis 1911, Febr. Aprü, Beiblatt). In Betracht kommen etwa : für den Anfang einige Aufsätze aus Justus Mosers 'Patriotischen Phantasien* (geschr. 1767 81), einige Kapitel aus Goethes 'Wühehn Meister*, dann J. J. Engels trefflicher Kaufmannsroman 'Herr Lorenz Stark* (1795 in den Hören), der 'Mein Besuch in Frankfurt* überschi'iebene Abschnitt aus Hauffs Memoiren des Satan (1826), der das Leben der Frankfiu-ter Juden und ihre Börse schüdert, einige Kapitel aus I m m e r m a n n s Epigonen (1836), auch aus Heinrich Heine manches (Franz. Zustände, Lutetia, Briefe aus Berlin, Memoiren) ; dann der bedeutendste aller Kaufmannsromane, GustavFreytags 'Soll und Haben* (1855) (dazu ConradAlbertis törichte Fortsetzung 'Schröter & Co.', 1892) ; weiter Friedrich Spielhagens 'Sturmflut* (1877), eine Schilderung der Gründerjahre, sowie dessen Novelle 'Ultimo* (1874), Max K r c t z e r s 'Buch- halterin* (1893) und 'Der Mann ohne Gewissen* (1905) und aus der neusten Zeit Theodor Duimchens Roman aus der Gründerzeit 'Bruch* (1904), femer Thom. Manns Lübecker Patrizierroman 'Die Buddenbrooks* (1901), Rudolf Herzogs Fabrikantenroman 'Die Wiskottens* (1905) und der Reederroman 'Han- seaten* (1909), ebenso wie Gustav Frenssens ungleich bessserer 'lüaus Hinrich Baas* (1909) den Hamburger Handel verherrlichend, der gleichfalls in Ham- burg spielende Roman 'Ein königlicher Kaufmann* von Ida Boy-Ed (1910) ;

XL Einleitung: Wort- und Stilgeschichte der deutschen Kaufmannssprache.

weiter Edw. Stilgebauers alberner *Börsenkönig* (1907), Hanns von Z 0 b e 1 1 i t z* ^Arbeit' (1904) und als neuester Typ zwei "Warenhausromane : R o b. S a u d e k s das Kaufmännische ganz ausgezeichnet gebender Roman 'Dämon Berlin' (1907) und Margarete Böhmes *Wagmus* (1911). Den Reisenden- jargon gibt ausgezeichnet die Humoreskcnsammlung *Seme Majestät der Reisende* von M 0 r i t z L 0 e b (Stuttgart o. J.) wieder, zahlreiche Jargonausdrücke enthält auch die von Felix Schloemp zusammengestellte Blütenlese kaufmännischer AVitze 'Der tolle Koffei-* (München 1910), und den jüdischen Geschäftsjargon kann man aus 'Moritzchens Tagebuch' von E. K o 1 m a r kennen lernen.

B. Sprache und Stil.

Vom Ende des 18. bis etwa zur Mitte des 19. Jhdts. treten folgende Ausdrücke neu auf: schon vor 1800: Gewinn abwerfen, andienen 'notifizieren, mitteilen' (urspr. mu- von A^sekuranzsachen, jetzt allgem.), anschaffen 'decken, bezahlen' und Anschaffung, Ausstellung ('Zurschaustellung'), begeben (von Wechseln), sich bessern 'höhergehen' (von Kursen), beziehen 'einkaufen' (daneben anfangs einfaches ziehen), decken 'bezahlen' und Deckung, gehen 'abgehen' (von Waren), nachnehmen (einen Betrag), Reitsvechsel, Wechselreiterei, versteigern, Ver- steigerung, Zwischenhandel, Papiergeld, Staatspapiere; nach 1800 : abstoßen 'forciert verkaufen', abwickeln (Geschäfte), Anstellung 'Offerte', ausverkaufen, Ausverkauf, einlagern, entlasten, 'gutschreiben', Kellerwechsel (betrügerischer Wechsel). Schnittwaren, Kolonialwaren, konkurrieren, Konkurrenz, Konkur- rent und spekulieren, Spekulant und Spekulation erhalten ihre heutige Be- deutung.

An französischen Fremdwörtern dringen um diese Zeit ein : Allonge 'Anhang zu einem Wechsel', Annonce, annoncieren, Bon, Bordereau 'Sortenzettel*, Branche, Chef 'Hanalungsinhaber' (statt des älteren Patron), dechargieren 'ent- lasten' und Decharge, Defizit (eine alte lat. Buchungsfonnel des Franz.), Devisen 'Wechsel auf ausländische Plätze', domizilieren 'einen Wechsel an einen bestimmten Platz zahlbar machen', emittieren 'ausgeben' (von Anleihen und Aktien), Expert 'Sachverständiger* und Expertise 'Warenbegutachtung', Industrie (in seiner heutigen Bedeutung), Industrieller, kulant, Kulanz, konvertieren 'den Zinsfuß eines Papieres ändern', Kupon, pekuniär, Promesse 'Zwischenlos', Prospekt(us), reali- sieren 'zu Geld machen', Reklame, Report 'Kostgeld', Routine, Talon 'Zins- leiste, Erneuerungsschein', Tantieme 'Gewinnanteil', Volontär 'freiwilliger Hand- lungsgehilfe' u. a.

Aus England kommen früh : Partner, Banknote (1774), Jobber, Stock 'Fonds', chartern, Scrips 'Zwischenscheine'. Schwindler, Standard 'Riclitmuster*, Patent, patentiert, Bond 'Schuldverschreibung', Clearing-house 'Abrechnungs- stelle', Lloyd (urspr. der Name eines von SchiSsmaklern besuchten Londoner Caf6- hauses), Konsols (verkürzt aus consolitcUed annuities), Scheck, Scheckbuch, Code, Limit; auch Bonus 'Gewinnüberschuß', ex (im Exportverkehr : eine Ware ex

Kap. 6. Die Kaufmannssprache der Gegenwart (vom Ende des 18. Jhdts. bis heute). XTJ

Steamer N. N. kaufen) und via *über* (vor Transportleitvennerken) sind trotz ihrer lateinischen Form englischer Herkunft.

Ferner wären an englischen Entlehnungen, die zum Teil erst in neuester Zeit stattfanden und meist durch den sich vielfach englischer Korrespondenz be- dienenden Exporthandel vermittelt wurden, zu nennen : die Qualitätsbezeichnungen good, first rate, superior, fine, average, regulär, middling, low, fair merchan- table, Single, mixed; ferner Supply ^Vorrat*, visible Supply, Store, Steamer, Cash, Cash down 'bare Kasse', Typ(e) *Xormalmuster*, Order; femer die Mode- ausdrücke Fashion, Fancyartikel (älter frz. Phaniasieartikel), Novelty, Modern Style und zahlreiche Warenbenennungen ; weiter Run 'Ansturm der Gläubiger auf eine gefährdete Bank*, managen, Manager, Safe 'Stalilkammer, Bankschließfach*, Trick (Reklametrick), Limited *G. m. b. H.*, und aus Amerika stammen Bucketshop *Winkelbank*, Corner 'Schwänze* (an der Börse). Ring, Pool, Trust, Boom, Humbug, smart, Business, Selfmademan, Telegramm. Auch Scheck ist eine amerikan. Form (engl, cheque).

Sonst wären an Neubildungen der jüngsten Zeit zu nennen : Krach (1873), Gründer, Schaufenster, Warenhaus, Auskunftei (1889), Ist- und Sollbetrag, Übersee (ohne Artikel, z. B. Export nach Übersee, unsere Fihale in Übersee), drahten (nach engl, to ivire), kabeln {to cahle) ; Kartell und Konzern 'Ring*, Kon- fektion 'Bekleidungsgewerbe* (dazu Konfektionär, Konfektioneuse), textil, Pauschale (eine aus Österreich stammende hybride Bildung), Fusion 'Geschäfts - Verschmelzung* u. a.

Namenthch aber zeichnet sich das 19. Jhdt. durch die Ausbildung der modernen Börsenterminologie aus, deren meiste Ausdrücke wir schon in den ersten Jahrzehnten antreffen : Baisse, Hausse, Contremine 'Baissepartei*, Contremineur, Baissier, Haussier, Differenzgeschäft, Fixer 'Leerverkäufer, Baissier* und fixen ungedeckt verkaufen* (entstanden aus : auf fixe Lieferung verkaufen), Kulisse ^Außenbörse* (spez. in Paris), dazu Kulissier 'inoffizieller Makler*, Nochgeschäft, Meinung 'Begehr für eine Ware*, Bewegung 'Nachfrage*, placieren '(Werte) unter- bringen*, kotieren 'den Kurs festsetzen* und Kote, Stellage, Stellgeschäft, Prämiengeschäft, Schwänze 'Leerkauf des Marktes*, Decouvert 'Stückemangel*, Deport, deportieren, Report, reportieren, in Kost geben (urspr. ein scherzhafter Ausdruck, heute allgemein für reportieren). dazu Kostgeld, Deroute oder Panik, Vor- und Xachbörse, glattstellen, Reprise 'Kursaufbesserung', Tip, und wie die Fachausdrücke alle heißen, die für den Outsider zu erklären hier doch unmöglich ist. Bald entwickelt sich im Börsenverkehr sogar eine förmliche Geheimsprache, die Knappheit mit einem fast orientalischen Büderreichtmn verbindet. Der Börsen- bericht (Kurszettel kommt schon 1592 vor) bezeichnet jetzt die Tendenz oder Stimmung als belebt, lebhaft, flott; flau, schleppend, träge, matt, leblos, lustlos; als stetig, stramm, willig; er nennt gesuchte Waren angenehm, begehrt, beliebt, gefragt; er unterscheidt, ob die Ware greifbar (disponibel), sichtbar oder noch schwimmend ist ; er redet davon, daß die Preise anziehen, steigen oder klettern, daß sie sich halten oder sich versteifen, oder aber daß sie zurück-

XLn Einleitung: Wort- und Stilgeschicbte der deutschen Kaufmannssprache.

gehen, naeligeben, abbröckeln, abwärts tendieren, weichen, gedrückt oder geworfen werden. Weiter redet er von Russen, Türken und Japanern, die im Preise stiegen, und meint damit die Anleihen der betreffenden Länder, da heißt es „Amerikaner bekundeten eine feste Haltung", mit Lombarden bezeichnet er die Anteilscheme der Osterreichischen Südbahu, Kaffern sind südafrikanische Minen- werte, „Laura stark begehrt" soll heißen, daß nach Anteilen der Laurahütte starke A'achfrage war, „Gedrückt sind Röhrenkessel Dürr" bedeutet, daß der Kurs der Aktien der betreffenden Röhi-enkesselwerke herabging, „Wanderer (Aktien einer Fahrradfabrik), die vorher gehtten hatten (= im Preis gefallen waren), sind einiger- maßen erholt", „Niedriger sind italienische Bahnen, wogegen Gotthard(-Bahn- geseUschaft) anzogen", „Mais bheb still" (= ohne Nachfrage), „Schmiedeeisen ist leblos" (= ohne Umsatz), „Baumöle kletterten", „In Lidigo ist wenig Umgang, ostindischer besonders bleibt träge", „Schiffahrtsaktien befestigten sich um Bruch- teile", „Roggen begegnete strammer Nachfrage", „London meldet lustlose Haltung, der Geldmarkt versteift sich", „Es hen'scht eine fühlbare Geldknappe" und was dergleichen Wendungen, die dem Laien hiunoristisch vorkommen, mehr sind (vgl. P 1 u t u s 1905, Heft 52, S. 990 f.).

Der kaufmännische Stil dieser jüngsten Periode hat sich von dem Schwulst der vorangegangenen zmn großen Teile befreit und ist, wenigstens in den allerletzten Jahren, zumal ün Großhandel, vorbildlich kurz und sachlich geworden. FreiUch hat er auch heute noch eine große Zahl zum Teil sprachwidriger Eigen- heiten, an denen viele Kaufleute, trotz der heute äußerst lebhaften sprachhchen Aufklärung an kaufmännischen Unterrichtsanstalten und in zahheichen Schriften und Zeitungsartikeln, wie an einem alten Standesabzeichen zäh festhalten. Es sind dies vor aUem die vielgebrauchten erstarrten Formeln, die, zum großen Teil noch aus dem 17./18. Jhdt. stammend, wegen der Bequemhchkeit ihrer stereotypen An- wendung kaimi auszurotten sind. Doch sind die Beispiele, die in tendenziösen Darstellungen der Kaufmannssprache ziu* Charakterisierung der Schwächen des Kaufmannsstiles meist angeführt werden, arge Verallgemeinerungen. Nur unter diesem Vorbehalt zitiere ich einige der schlimmsten : etwa einen Briefanfang wie den folgenden : „Bekenne mich zum Empfang Ihres geschätzten Gestrigen und teüe ich Ihnen (die Inversion nach und hat man treffend die Berufskrankheit des Kaufmanns genannt) antworthch desselben höfl. mit, daß ich Ihnen in der frag- lichen Angelegenheit in ehester Bälde ausführhch näher treten werde" oder einen Schluß wie „Bejahendenfalls würden wir Ihnen sofort mit la. Referenzen und sonstigen Details an die Hand gehen und empfehlen wir uns Ihnen in Entgegen- sehung Ihrer gefl. Rückäußerung hochachtungsvollst . ." oder Entgleisungen wie „Ihr Jüngstes in Händen haltend, beehre ich mich Ihnen zu erwidern" oder „Ich werde den Stock (Vorrat) für Sie festhalten (reservieren)". Solche Albernheiten hat man wohl mit der Parodie verspottet „In Ihrem Allerwertesten vom 12. 3. a. c. erwähnen Sie einen dunklen Punkt, den ich mir vorbehalte, bei meinem demnäch- stigen Dortsein eingehendst mündhch zu berühren". Auch eine Blüte des Reklame- stils sei angeführt (Engels, Kaufmannsdeutsch 76) : „Selbst frühzeitig ergraut.

Kap. 6. Die Kaufmannssprache der Gegenwart (vom Ende des 18. Jhdts. bis heute). XLIQ

versuchte zu meiner Verzweiflung die höchstgepriesensten Haarfärbemittel, bis nach jahrelangem Ringen ein unvergleichhch wunderbares Mittel entdeckte, das leicht anwendbar, Haarboden reinhaltend, Kopf und Bart natürlicher Farbe in lebendigster Jugendfrische sofort unvergängUch wiederherstellte und ganz vergessen läßt, jemals ergraut gewesen zu sein."

Auch die Fremdwortfülle geht zurück, nicht zum mindesten dank der unermüd- lichen Tätigkeit des Allgemeinen Deutschen Sprachvereins und seiner Freunde. Ein Satz wie der von E i t z e n , Kaufmannsdeutsch 83 angeführte „Per Abendpost remittieren wir Ihnen unter eingeschriebenem Couvert Connosse- ment in triplo, Assecuranz-Certificat und offizielles Inspections-Attest über per Steamer N. N. verladene Waren, welche Dokumente Sie nur gegen promptes Accept

der ihnen attachierten, dagegen valedierenden Tratte La , de M ,

an die Trassaten : aushefern wollen" ist heute schon nicht mehr gut möglich.

Fertisprecher gilt schon fast allgemein für Telephon, versichern für assekurieren, Reiiigewinn für Nettoprovenu, postlagenid für Poste restante, frei für jraiiko usw. Eine Anzahl alteingebürgerter Fremdwörter (wie Kontor, Giro, Fabrik) wird sich freilich kaimi beseitigen lassen (sind sie doch auch für den Sprachfroscher eigenthch eine Art erhaltenswerter Kulturdenkmäler). Außerdem ist geltend zu machen, daß die vorgeschlagenen Verdeutschungen nicht immer genügen : Prokura ist z. B. nicht gleich Handlungsvollmacht im Sinne des Gesetzes, Kassageschäft ist etwas ganz anderes als Kassengeschäft, Zahlsiellenwechsel deckt sich nicht mit Domizilwechsel und franko und frei bedeuten z. B. im Leipziger Börsenverkehr zweierlei Versendungs- arten.

Anhang: Schutzmarken- und Initialkurzwörter.

Anhangsweise seien hier zwei spraciüiche Erscheinungen der Gegenwart eiTS'ähnt, die dies um so eher verdienen, als sie aus allem Herkommen der Wortbildung heraus- fallen. Es sind dies die Schutzmarkenwörter und eine Gattung, die ich Initialkurzwörter nennen vAW. Beide Arten spielen in der Kaufmanns- sprache der letzten Jahre eine ganz bedeutende Rolle und smd zmn Teil auch in die Umgangssprache gedrungen (vgl. eine Henry Claij, eine Flasche Veuve Cliquot, ein Glas Sinalco, ein Mercedes (Automobil), ein Kodak, der Ärnheim (Geldschrank)).

Als Schutzmarkenwörter bevorzugte man früher antike, französische, eughsche usw. Namen, die freilich bisweilen sprachliche ünkorrektheiten aufwiesen ; ich nenne z. B. Ariston Heureka, Non Plus Ultra, Veni Vidi Vici, Zentrum, Matador, Continental, Dernier Cri, Mode de Paris, Premier, Diamant, Merkur. Herkules, Mars, Apollo, Diana und so sämtUche antike und germanische Gottheiten und Helden der Reihe nach durch. Zigarren erhielten spanische, Zigaretten orientalische Namen ; je interessanter und phantastischer ein Wort klang, desto heber. Daneben benannte man, wie heute noch, die Produkte mit dem Namen ilires Fabrikanten : der Blüthner, eine Görzkamera, oder taufte sie nach irgendeiner Berülmitheit : Bis- marckJieri)ige. Seltener waren schon gut deutsche Namen : Reichstinte, Wanderer- fahrräder, Adler automobile. Dann erfreute sich vorübergehend die Mode der Lnpe-

XTiTY Einleitung: Wort- und Stilgeschichte der deutschen Kaufmannssprache.

rative großer Beliebtheit : Koche mit Gasl Schmücke Dein Heiml Schlafe patentl Wasche mit Luftl (vgl H. Meyer, Rieht. Berhner' 188).

Seit den 90er Jahren aber begann man dann, zum Teil unter dem Zwang des Warenzeichengesetzes, das bereits geschützte Namen zur Bezeichnung eines ähn- lichen Produktes nicht zuließ, reine Phantasienamen zu bilden, zunächst meist mit Benutzung antiker Sprachelemente, dann aber auch mit frei erfundenen Wörtern, alles unter bizarrster Mischung der Wortelemente und Bildungsarten. Entscheidend war nur die äußerliche Klangwü*kung : je auffälliger, desto besser. Harmlos waren noch Kosmodont, Kaloderma, Kalodont, Eubiose, Biosan, Härnatogen, Eutrichol, Odol, schmerzhafter für den Philologen, aber nicht weniger beliebt, sind Automors, Krügeroi, Reinolit, Touristol, Erdal, Nüancin, Habyl, Frostalin. Die Fülle dieser sich ständig mehrenden Warennamen zeige ein Verslein aus dem U 1 k (Zschr. d. Allg. D. Sprachver. 1910, Nr. 5) :

Dalli, Solo, Wuk, Usona, Minimax, Manoli, Milka,

Cobu, Sahna, Tet, Urbiii, Eine, Protex, Pixavon,

Automors, Palmin, Palmona, Glättolin, ViteUo, Gilka, Kaladont, Kaol, Kosmin, Kaloderma, Syt, Birkon,

Kios, Barbolin, Sanella, Bedag, Dermophil, Chasalla,

Rizinol, Laxin, Odol, Byrolin, Benzol, Bovril,

Puro, Agfa, Ray, KombeUa, Pli, Pneumatador, Penkala, Hag, Hapag, Mal-Kah, Javol. Oxo, Koh-i-noor, Persil, Si-Si, Ni-o-ne, Aurora, Velotrap, Purgen, Dextrin, Mondamin, Sinalco, Mohra, Lüttitin und Meschuggin.

Als Initialkurzwörter bezeichne ich jene akrostichischen Bildungen, wie sie zuerst ^) wohl in England auftraten (7&ea für Imperial British East Africa). Zuerst fanden sich bei uns (außer Abkürzungen wie A.-G., 0. m. i. H.) wohl die im Exporthandel vielgebrauchten englischen Lieferungsbestimmungen cif und foh (d. h. cost, insurance, freight und free on hoard). Solche Vorbilder wurden bald nachgealmit, indem man langatmige Fh-mennamen in ein handhches Kurzwort zusammenzog : Hapag statt Hamburg-Amerikanische Paketfahrt-Aktien-GeseUschaft, Bedag statt Berliner Elektrizitäts-Droschken A.-G. (auch das Gefährt heißt in Berlin so, in Ham- burg heißen Firma und Wagen natürhch Bedag), ferner Mulag 'Motor- und Last- wagen A.-G.'. Tiag *Tapeten-Industrie A.-G.', Bamag, Framag und zahlreiche andere -ags ; ferner Agfa 'Aktiengesellschaft für Anilinfabrikation', Bamf 'Breslauer Aktien- Malz-Fabrik' : neben der Abkürzung der Firma gewinnt man so ein neues schützbares Markenwort. Auch Ausstellungen kürzten sich so ab : IIa 'Internationale Luftschiff- fahrt-AussteUung' (1909), Giga 'Große Internationale Gartenbau -Ausstellung' (1908), Damuka 'Deutsche Armee-, Marine- und Kolonial-AussteUung* (1907). Interessanter wird dieser Wortbildungssport noch, wenn man ein wirkhches Akrostichon erzielt : Fiat- autorrwbüe aus 'Fabrica Italiana di Automobili Torino', Siam 'Societä Itahana di

^) Aus früherer Zeit könnte ich höchstens das bekannte frühchristl. Symbol (■/!)•!); = 'iTjaoü; XpwTo; Osoj 'j'tö; acutrjp anführen. Darauf aufmerksam mache ich, daß auch die Studenten- sprache (B. V.,S.C.) und die Juristensprache (56?^., 5(55., ZPO, TfO.) solche Abkürzungen kennt.

Kap. 7. Kaufmannswelsch ond Kaufmannsschelten. XLV

Automobili Maritimi* oder Augur ^Ausstellung umfassend Geschäftsausstattung und Reklame* (sie! Berlin 1908). Auch ein Romantitel dieser Bildungsart existiert schon: der Warenhausroman von M. Böhme '^Wagmus^ (1911) bedeutet die Abkürzung der Firma *Warenhaus-Aktien-Gesellschaft Müllenmeister und Sohn*. Ähnhch gebildet ist auch der Name der Hakatisten (aus Hansemann, Kennemann und von Tiedemann), der russischen Partei der Kadetten (Konstitutionelle Demokraten) und Bildungen wie Wotanlampe (Glühlampen mit Fäden aus einer Legierung von Wolfram und Tantal) oder Osram (Legierung von Osmium und Wolfram).

Zu erwähnen wäre als kaufmännische Sondersprache auch noch die sogenannte Codesprache, die aus einer Anzahl von Phantasiewörtem besteht, die in keiner Sprache vorkommen und von denen jedes einen ganzen Satz bedeutet, dessen Wortlaut man in einem sog. Code oder Telegraphenschlüssel in den gangbarsten Kultursprachen angegeben findet. Der Zweck dieser Einrichtung ist Kostenersparnis beim Telegraphieren. Was sich mit den Sätzen der Codewörter- bücher nicht ausdrücken läßt, fügt man einfach in einer lebenden Sprache (un über- seeischen Geschäftsverkehr meist enghsch) zwischen die Codewörter ein oder hängt bestimmte Buchstaben an diese an, die z. B. Preise oder Zahlen ausdrücken. So heißt z. B. chincaglia hoth serefolio nach einem der gebräuchhchsten Codesysteme : *The conditions accepted as altered ; both September shipment*, auf Deutsch *Wir sind mit der Änderung der Bedingungen einverstanden ; beide Kommissionen sind im September zu verschiffen*. Von einer eingehenderen Behandlung dieser Code- sprachen kann ich hier absehen, da es sich ja hierbei nicht imi eine wirklich ge- sprochene Sprache, sondern nur lun konventionelle Festsetzungen ohne sprach - geschichthche Entwicklung handelt.

Kapitel 7.

KAUFMANNSWELSCH UND KAUFMANNS- SCHELTEN.

Ein eigenthches Kaufmannswelsch hat sich infolge des geringen Zusammen- gehörigkeitsgefühls des weit verzweigten und stark differenzierten Kaufmanns- standes nicht entwickelt ; wenn man von der S. XLI f. skizzierten Börsen- spräche absieht, sind es nur eine geringe Anzalil von Wörtern, die etwas Argot- mäßiges an sich tragen. Die in Kluges Rotwelschem Quellenbuch S. 434 491 dargestellten Krämersprachen mit stark rotwelschem Einschlag werden nur auf räumhch sehr begrenzten Gebieten von Hausierern der niedersten Gattung gebraucht und sind daher der Kaufmannssprache im allgemeinen gänzlich fremd.

Aus älterer Zeit haben wir an Argotausdrücken der Kaufmannssprache nicht viel, da solche Wörter der schriftlichen Fixierung begreiflichenveise meist entgehen. Die zahhreichen Wörter für ^betrügen* gehören nicht nur auf das Konto der Kauf- leute : schon mlid. ist bescheißen, alt sind auch rnpfen (1596), anschmieren (1609), anhängen (einem schlechte Ware, 1615, heute meist aufhängen, daneben

XL^T Einleitung: Wort- und Stilgeschichte der deutschen Kaufmannssprache.

aufhalsen, aufschnallen, aufsatteln, an-, aufdrehen, anschnacken), beschum- meln (1754). schneiden, leimen, übers Ohr hauen u. a. Sonst finden wir schon früher : Ladenhüter (eine Übersetzung von frz. garde-botitigue oder garde-jnagasin), daneben früher auch Ladensitzer, heute auch Lagerhüter oder (südd.) Hammel, (nordd.) Parter; pofel, bavel 'schlecht* (von der Ware), heute der Bowel, südd. Bavel 'alte verlegene AVare, Ladenhütei-*, dazu ausboweln 'die Bowels ausverkaufen*; Ramseh, ramsehen, Ramschware (unsicherer Herkunft, gilt heute ebenso wie das unerklärte Bowel als jüdisch), Spottgeld, spottbillig, schleudern 'allzubillig verkaufen', Schleuderpreise, versilbern 'zu Gelde machen* (schon üu 15. Jhdt., früher aber ohne scherzhaften Beischniack), Krämerlatein 'die Preisauszeichnung der "Waren mit Chifiern* (im 18. Jlidt.)^), Krebs 'Ketoursendung* (spez. im Buch- handel). Schund (Schundware), Schandpreis, auf einer Ware sitzen bleiben 'sie nicht los werden*, Wechselreiterei, Reitwechsel, Kellerwechsel u. a.

Von heute übhchen Argotausdrücken nenne ich : belämmern, beschuppen, beschuppsen, reinlegen, hochnelmien, einseifen, lackieren für 'betrügen, über- vorteilen' ; gerissen, gewiegt, gewieft, gehängt, gesiebt, gewürfelt, aufge- weicht, abgekocht, ausgekocht, abgebrüht, mit allen Hunden gehetzt, mit allen Wassern gCAvaschen als nicht immer tadelnde Bezeichnungen des 'smarten* Geschäftsmannes ; abschnappen, abspringen (von Reflektanten, die auf ein Ge- schäft nicht eingehen) ; wacklig, faul, oberfaul, schief von Fmnen, die auf der Kippe stehen, denen der Pleitegeier schon auf dem Dache sitzt (diese Bedeutung von Pleitegeier ist eig. nur eine volkstümliche Umdeutung, urspr. bedeutet -geier s. V. w. 'Geher*, es ist wohl eine jüdische Bildung) ; fertig, futsch, kaput, kapores, verkracht, pleite für 'bankerott*; Bankrutsch, Krach, Buckel, Pleite für 'Ban- kerott*; umwerfen, umkippen, umschmeißen, umschlagen für 'Bankerott machen'; der Konkurs wird auch gern mit einem Todesfall verglichen : die letzte Ölung nennt man die letzte Zahlungsfrist, die man einem Schuldner bewilMgt, die an einem Konkurs beteihgten Gläubiger nennt man Leidtragende, den Konkurs- verwalter nennt man in Stettin Leichenkommissarius und einen Laden, in dem schon verschiedene Inhaber Pleite gemacht haben, nennt man in Berlin Erb- begräbnis, wie man auch ein mit Hypotheken überladenes Haus, das bei der Ver- steigerung die Hypotheken nicht völlig deckt, einen Hypothekenfriedhof nennt ; weiter nenne ich salzen oder pfeffern 'eine Rechnung zu hoch ausstehen'; in einer Ware machen 'darin arbeiten', dazu Macher, Hauptmacher (der leistungsfähigste

^) Daneben ist Krämerlatein auch eine andere Bezeichnung für die Eenese-Flick genannte von Kluge, Rotw. Qaellenb. 446 ff. mitgeteilte Hausierersprache. Eine andere Art ,, Krämerlatein" ist es, wenn sich heute in Ladengeschäften die Verkäufer gewisse Mitteilmigen, die das Publüami nicht wissen darf, machen, indem sie sich die Anfangsbuchstaben der betr. Worte zurufen, als wäre es eine Preisauszeichnung oder eine Fabrikmarke. Am häufigsten sind: D. L. M. 'Das Luder maust' (um auf Ladendiebe aufmerksam zu machen) (engl, entspricht two pounds ten, d. h. have two eyes upon ten fingers), E. K. 'eine Klafte' (Kundin, die lange wählt und nichts kauft), P. L. 'Pleite', d. h. hier wird wohl kein Geschäft zustande kommen, P. R. 'Prämie', sagt der Chef zum Verkäufer, wenn Aussicht vorhanden ist, einer Kundin einen Ladenhüter aufzuschwatzen, L. A. W. (hebr. 'nein'), sagt man in jüdischen Klreisen, wenn man jemandem mitteilen will, daß er ein bestimmtes Geschäft nicht machen soll.

Kap. 7. Kaufmanns welsch und Kaufmannsschelten. XLVU

Lieferant in einer Branche) ; Schlager (für ein besonders konkurrenzfähiges Muster), Meßschlager; reißender Absatz; Schinutzkonkurrenz; schieben, Schiebung, Schieber (alle für bestunmte betrügerische Geschäftsmanöver ; urspr. gaunerische Ausdrücke) ; eine Bilanz frisieren *sie durch ungenaue Einstellung der Posten vorteilhafter erscheinen lassen', querschreiben, volkstümhch für *(einen "Wechsel) akzeptieren*, dazu sächs. Quergusche für 'Wechsel* (den man wegen seiner Form wohl auch Handtuch oder wegen seiner Größe ZwölfzöUer nennt) ; von einem Menschen, der ein saures Gesicht macht, sagt man gelegentüch, er macht ein Gesicht wie ein protestierter Wechsel ; fein-fein nennt man einen guten Zahler, das Gegen- teil davon ist ein fauler Kopp oder ein unsicherer Kantonist, einer, der sich wo- möglich gar schon einige Male durchmanifestiert hat (den OSenbamngseid ge- leistet hat) ; eine erste Kraft nennt man einen tüchtigen Angestellten ; Knochen- mühle nennt man ein Geschäft, das die Angestellten ausnutzt, Lehrlingszucht- anstalt ein solches, das aus Sparsamkeit vorwiegend Lehrlinge beschäftigt ; Lauf- geschäft ist ein Geschäft ohne feste Stammkimdschaft, wo viehnehr jeden Tag andere Laufkunden verkehren ; Tippel oder Klafte (s. u.) nennt man Kundinnen, die nichts kaufen ; solche, die durch langes Auswählen die Verkäufer ungebührhch abhalten, nennt man auch Schruzen oder Sägen; Seeleute und Orientalen nennt man Kunden, die nichts kaufen, sondern sich die Ware nur einmal ansehen und sich orientieren wollen (verhüllend dafür auch Marinekundschaft; auch Warschauer, d. 1. War-Schauer, sa^ man dafür) ; Anreißer nennt man Juden, die die Leute am Ärmel in den Laden zu ziehen versuchen (heute meist %., auch Anreißertum, Ärmelausreißergeschäfte); Schlittenfahrer sind eine Art Betrüger im Export- geschäft, die ständig ihre Adresse wechseln ; Strohmann oder Handlanger nennt man eine vorgeschobene Person bei Geschäften, wo der eigentliche Geldgeber unbe- kannt bleiben will ; Pinscher, Krutscher, Butiker nennt man einen kleinen Kauf- mann ; Animierbankier, Animierbank, eine Bank, die den 'kleinen Sparern* das Geld abnimmt, indem sie sie zu gefährhchen Börsenspekulationen verleitet ; Sand- bank, eine Bank, bei der man mit seinem Kapital leicht 'aufs Trockene* kommt usw. Besonders reich an originellen Ausdrücken ist auch die Sprache der Ge- schäftsreisenden, doch beziehen sich diese Ausdrücke auch oft auf nicht- kaufmännische Dinge (z. B. Matratzmverleiher für Hotelier, Brustbild fahren für 4. Klasse, Saucen- oder Begaitungszug für einen Zug, der dem Reisenden gestattet, am Sonnabend abend nach seinem Wohnort zu fahren, ohne seine Rcisetätigkeit zu verkürzen). Ich nenne an Jargonausdrücken der „Reiseonkels" etwa : auf Tour gehen 'auf die Reise*, auf der Landstraße liegen 'auf Tour sein*; Kunden kapern, Opfer suchen für 'Kunden suclun'; 3Iustersarg, Yerdrußkasten, Seufzerkasten, Sorgenschachtel, Bettelsack, Rasierzeug (mit dem man die Kunden „einseift") für den Musterkoffer ; Schularbeiten machen 'den Reisebericht an die Firma abfassen*; als Schneider abziehen 'nichts verkaufen*; der Gruß an seinen Kollegen von der Konkurrenz ist ,, Brechen Sie Hals und Beine" und als Wahlspruch wird ihm boshafterweise nachgesagt ,,Wenn es unser Chef doch nur mal ein Viertel- stündchen so gut hätte wie wir das ganze Jahr!"

XLVin Einleitung: Wort- und Stilgeschichte der deutschen Kaufmannssprache.

Zum Kaufmannswelscli gehören auch die hebräischen Ausdrücke, die durch die starke Teihiahme jüdischer Kreise am Handel, zum Teil schon seit melireren Jahrhunderten, in die deutsche Kaufmannssprache eingedrungen sind. Schon alt sind schachern, Schacher, Schacherei; Rebbes, Rebbach *Gewinn'; Schmu, beschmuen; mogeln, Dalles. Jünger sind Pleite 'Konkurs*, aber auch *nicht zustande gekonnnoncs Geschäft'; macholle, mechuUe 'bankerott*; Klafte (eig. „Hündin") 'Kundin, die nichts kauft*; Tippel (eig. „Abfall"), dasselbe be- deutend, auch 'nicht zustandegekomnienes Geschäft*; ferner sind heute auch außer- halb jüdischer Kreise zum Teil bekannt Timief („Scheiße") für 'schlechte Ware*; Szore, Schore 'Ware*; Mezzie 'ein gutes Geschäft, eine günstige Gelegenheit'; Medinegeier 'Landhausierei-*, Mokmngeier 'Stadthausierer*; Kapruse, Kaprusche 'Eing, Vereinigung von Händlern*, Kaprusche machen 'ein Geschäft gemeinsam machen*; Schammes („Diener") 'Prokurist, zweiter Chef*, Unterschammes 'erster Konimis*, Schlattenschammes 'Lehrhng*, mießer Kaune 'schlechter Käufer* u. a. In intern jüdischen Kreisen, besonders in Hessen, Westfalen, Ostpreußen, Posen, auch in Berlin, sind natürlich noch zalik-eiche weitere hebräische Ausdrücke üblich, doch berücksichtige ich diese, als nicht zur deutschen Kaufmannssprache gehörig, nicht.

Die Kauf mannsschelten gehören zwar eigenthch als nicht vom Kauf- mann selbst gebraucht nach meiner Definition (S. V) nicht in diese Darstellung ; aus praktischen Gründen und weil manche Schelten auch von einzelnen Gattungen von Kaufleuten auf andere angewandt werden (vgl. die zum Teil scheltenartigen Ausdrücke auf S.XLVII), darf ich sie wohl hier anschließen. Einen großen Teil derselben verzeichnet H. Klenz in seinem Scheltenwörterbuch (1910), ohne indeß nur gelegentüch (z. B. Mterarisch) gebrauchte Schelten von allgemein üblichen genügend zu scheiden.

Aus älterer Zeit haben wir : Pfeffersack (1536), wie der Kitter den Kaufmann, der dieses Liebhugsgewürz des Mittelalters einführte, nannte (daneben auch Feigen- sack, heute in Anlehnung an diese Ausdrücke wohl auch Eaffeesack); Fugger für einen wucherischen Geldmann (oft bei Luther u. a., auch ins Flämische, Wallo- nische, Spanische gedrungen) (ähnlich heute Rothschild für einen sehr reichen oder aber ironisch einen sehr armen Mann) ; Adi Laus Semper wurde im 17. Jhdt. gelegent- üch der Kaufmann nach der oben S. XXIX f. genannten Brief eingangsformel genannt ; Gadembube(1676), Ladenhengst (1711), Kauf büchse (1668), Junker von der Ellen schalt man schon in früheren Jahrhunderten den Verkäufer ; auch Budensitzer, Krüh- oder Krutkramer, Pfennigkrämer, Haderlump kommen früher als Schelten vor.

Heute smd üblich : Koofmich (urspr. berlinerisch) ; Merkurs jünger; ferner für Manufakturist : Ellenreiter, EUenjud, Kattunfritze, Kattunritzer, Laken- riter, Resterfritze, Lappenonkel, Lappländer, Plünnenriter, Tügjud (plattd.), Hammelmacher, Kluftenhändler, Kluftier, Kaliko; für Materialwarenhändler : Heringskrämer, Käsekrämer, Käshöker, Käsedressierer, Pfefferdütler, Ko- rinthenkacker oder -schiter, Rosinenstengel, Zibebenhengst (österr.), Schub- lädlezieher, Trankonditer, Tütchenkrämer, Hiringshingst; für Ladendiener, Verkäufer : Heringsbändiger, Heringsfritze, Hiringsgriper, Sardellenbändiger, Laden Jüngling, Ladenpinscher, Ladenschwengel, Ladelschupfer (österr.),

Kap. 7. Kaufmannswelsch und Kaufmannsschelten. IL

Pudelhupf er (österr., Pudel ^LadentafeP), Thekenhopser (westmd., ITieke *LadeQ- tisch*), Sirups Jüngling, Sirupskommis, Sirupshengst, Duddebabbcher, Tüten- kleber, Tütenklebrich, Kartonathlet; für Kommis, Kontorist : Schwung, Schwengel, Bureauschwung, Gummi, Komiker (Umgestaltungen von Kommis), Schniepel, Bureauquispel, Kontorknüppel, Bauchhalter (statt Buchhalter), Schemelreiter, Tintenschlecker, Tintenkuli, Schmierfiesel, Pfengbogen- kratzer, papierener Tagelöhner, Erwerbsproletarier, 90-3Iark-Kommis; für Lehrling Stilt oder Moritzchen; füi- Chef Alter, Vater, Bonze, Oberbonze oder Polier; für den Lehrling oder Kommis, der die Portokasse führt, ein Amt, das leicht zu Veruntreuungen Anlaß gibt : Portokassenverwalter, Portokassenkavalier, Portokassenjüngling, Portokassenrendant, Mitglied des Portokassenvereins; für den Geschäftsreisenden: Musterreiter, Musterkartenreiter, Probenreiter (die Geschäftsreisenden waren früher tatsächUch beritten), Reiseonkel, Reizender, Musterbub (südd.), Probenhändler, Chausseeassessor, Eisenbahnreferendar, Spesenfritze, Order jäger, Pleitenonkel, Pro visions Jäger, Klinkenputzer, Sucher, Land- und Wiesenhopser, Hausierer, Kofferlümmel, Kilometermesser, Streckenarbeiter, Erwerbsrüpel oder für einzelne Branchen Garnfritze, Spinnrat, Ölfritze, Ölhengst, Shoddylord, süßer Junge (Reisender in Schokolade und Zuckerwaren) usw. ; Tigerer (ein Pforzheimer Lokalausdruck für den Reisenden, der die fremden Einkäufer im Hotel aufsucht, ein kleiner Fabrikant, der keinen solchen Vertreter hat, tigert selber) ; für Stadtreisender : Stadtlatsch, Jagdhund, Pflaster- treter; für den Hausdiener : Loofkeule, Besorger der laufenden Geschäfte, Friedrich; für Verkäuferin : Ladenbienchen (sächs.), Ladendunsel, Ladenlady; füi- Probierfräulein : Mantillenstengel (veraltet), Gelbstern (ein gelber Stern bezeichnet in der Konfektion die iSomialblusenweite). Mannequin (pariscrisch) ; für Maschinenschreiberin : Tippfräulein, Tippdame, Tippteuse (wohl nach Steno- typistin ^Kontoristin, die maschinenschreiben und stenographieren kann*), Tipp- julchen, Tippmieze, Maschinenfräulein, Klapperschlange; fiu- Kassiererin : einnehmendes Wesen; für Geschäftsführer : Geschäftsverfühi'er; für den Schaufensterdekorateur : Hochstapler; für den Empfänger in Warenhäusern : Parterreakrobat oder Schieber; für einen kleinlichen geizigen Kaufmann : Küm- melspalter, Erbsenzähler, Kaffeebohnenzerbeißer, Pfennigfuchser; für Geld- verleiher und Wucherer : Abwüi'ger, Blutsauger, Halsabschneider, Kehlab- schneider, Räuber und 3Iörder, Jude, Vampyr, Krawattenmacher, -fabrikant (Krawatte = ^Strick zum Hängen') ; fiU- Kapitalist : Kuponschneider, Divi- dendenschlucker; ferner Dividendenschinder für einen nur auf die Erzielung recht hoher Dividenden hinarbeitenden A.-G. -Direktor ; Sanitätsrat für einen Bankmann, der im Sanieren verfahrener Unternehmungen gewandt ist (z. B. Spitz- name B. Dernburgs) ; Konzertzeichner im einen Börsenspekulanten, der sich an der Zeichnung für eine neu aufgelegte Anleihe lebhaft beteiligt, aber nur um durch raschen Wiederverkauf bei der dadurch verursachten Kiu-ssteigerung die Kurs- diöerenz zu verdienen, der also so schnell ,, zeichnet" wie die bekannten Konzert - Zeichner in den Varietes.

Schirmer. Kautmannssprache- d

Wörterbuch.

A.

ä *zu', im 16. Jhdt. aus dem Franz. (und Ital. ?) entlehnt: 1540 Rem 41: So hab ich von prinio Aug. 1538 bis primo März 1540 gemelt gelt zuo zins haben ligen a 5 pro Co.; seit dem 17. Jhdt. häufig vor Wert- und Maßangaben: 1616 ^eudörffer 69: 450 Goldgulden ä 20 patzen. Weitere Belege von 1648 ff. s. Schulz 1. Älter ist an Stelle des Fremdwortes zu {1399 Sattler 3: czu 15 sc. di ele. 1452 MG- Nürnig 2,74: 300 quadcrstein, ein quader zu 12 dn.) oder für (1400 Sattler 101: dye tunne vor 5 fr. 1490 MGNürnbg 6,68: die eilen für ein fl.).

ab, in Lieferungsbedingungen, zB. *EngHscher Anthrazit zu 18 Mk. per Tonne ab Ladekai Hamburg* oder ^Sämtliche Preise verstehen sich per 100 kg ab Waggon Breslau*, d. h. einschließlich aller Spesen bis zu dem genannten Abnahmeorte, Im 19. Jhdt. aufgekommen (1844 Schleier 5).

Abandon m. 'Abtretung der Rechte auf ein versichertes Schiff oder Schiffs - gut an den Versicherer, seitens des Versicherten*, aus dem Franz. entlehnter See- handelsausdruck {1712 Eübner 2); auch die Nebenfonnen Abandonnierung {1796 Berghaus 1, 3) und (veraltet) Abandonnement {1741 Schatzk. 1, 10: = 'Güterab- tretung bei Konkursen*; 1833 Schiebe 1). Dazu abandonuieren {1741 a.a.O.) *das Besitzrecht abtreten*, an der Börse (Präniiengeschäft) 'auf Liefenmg bzw. Abnahme der Effekten verzichten; zahlen*.

abbezahlen, s. abzahlen.

abbrechen 'abziehen, kürzen (an einer Rechnung)*, heute selten {1893 Eitzen D-E 2), früher häufiger, z. B. 1523 Mulich 324: Item yk hebbe 10 merk kregen van Elseben Berken vor dat gele flcewel [=gelben Samt], vor de eleu 4 merk, se wolde my yo wat af brcken, so sede yk er, gi hadden my so befalen, yk scholdet nycht anders gewen. 1558 Meder 45 b: Vn sie wollen an einem Sterling Fein Silber abbrechen Vs von einem Kanal /das ist zuuil. 1668 Overheide 97: defalcim . . abbrechen.

abbröckeln, moderner Börsenausdruck: 'die Preise, Kurse bröckeln ab* = gehen leicht, langsam zurück: 1876 Glagau XXXVI: Dieselben [Kurse] bröckehi jedoch schnell wieder ab. Dazu Abbröckelung der Kurse.

Abenteuer, mittelalt. für Risiko, s. d.

abfallen : 1876 Glagau 5: Natürhch mußten dabei [bei dem Eisenbalmbau] Mil- lionen abfallen, nicht nur für ihn [Strousberg], sondern auch für seine Verbündeten und Helfershelfer.

Bchirraer, KaufmanDssprachc. 1

2 abfertigen abheben

abfertigen 'absenden*, bes. postalisch, z. B. 1604 Faulhaber 27: Alle Montag, Mittwochen und Freytags Morgens zu 7 Uliren wird hierauß eine Post nach Colin und den Niederlanden abgefertiget. 1743 Schatzk. 5, 10 von Geld- und Waren- sendungen. — Dazu Abfertigung : um 1615 Kraß 114. 1637 Faulhaber 69. Abfertigungsschein : 1796 Berghaus 1, 4.

abflauen, von der Börse, s. flau.

Abfuhr f., von Gütern: 1711 Marperger MJ 1, 52: die Abfuhr der in der Meß gekauSten Waaren; 53: Ab- und Zu-Fuhr der Waaren.

abführen, von Zinsen, Geldern = 'bezahlen*: 1674 Stieler Sekr. 209: welche ]N'. X. fl. ich uf bevorstehende Messe danckbarlich zu bezahlen und abzuführen, bey Treu und Glauben versprochen. vgl. DWb 1, 42. Dazu Abführung : 1699 Leipz. B-0 5 {1716 Marperger BdB 280): Von Abführung derer Zinsen.

abgeben 1. Verdeutschung für trassieren: 1672 Schurtz M-K b3b: Von Nürn- berg auf Antorff verhält sichs wann ich gerne auf dahin abgeben wolte, so er- kundige ich mich diu-ch die Sensalen was für Nehmer vorhanden seyn. 1796 Berghaus 1, 4: abgeben, s. v. w. trassiren. Dazu Abgabe 'Tratte' und Ab- geber 'Trassant* (beide 1844 Sehleier 6. 1893 Eitzen D-E 4). 2. 'verkaufen': 1844 a.a.O.; dazu Abgeber 'Verkäufer*, ebd., und Abgabe 'Verkauf* (alle drei in der mod. Börsensprache viel gebr.); ferner Abgabelust, Abgabedruck (in Börsen- berichten) = 'Verkaufslust* usw.

abgehen 1. 'sich vermindern, abgezogen werden*, vom Gewicht oder Preis ^); dazu Abgang 'Abzug* -). 2. Abgang = 'Abfall* ^). 3. abgehen 'verkauft werden*'*); dazu Abgang 'Verkauf* 5); selten abgängliche Ai'tikel = 'kurante, gangbare Artikel*.^)

Belege: 1. 1420 Zingerle 175: Summa des obgeschriben koren vnd facit 5 marck 3 lib. 7 gr., dar an gend ab

3 ster wäycz, facit 65 gr. 1483 Petzen- steiner cap. 10: Item 1 sack [Pfeffer] wigt

8 c V9 vn 16 ^ . . vn geet für de sack ab 8i/,j$(. 1489 Keller 839: das sol an siner schuld abgen. 2. 1429 Zingerle 78: Des ersten Tramyner wein, die hett Lienhart die Wochen, als sie sprachen, vberslahen für 17 fuder, die hat man sider müssen abziehen in anderr fas, also das da abgangk ist nu etlichen. 15ö8 Meder 41 b : Man mag auch wol 3 oder 4 fl. pro Centner rechnen für abgang. Dann solche wahr sehr außlauöt;

9 b: Abgang für staub 2^. 1622 Am-

man-Neudörffer, Ged.: Von Ab- oder Zu- gang der Cassa. 1752 Ludovici 1, 59: Abgang an einer Casse. 3. schon im 15. Jlidt., s. Heyne'^ 1, 16. 4. 1558 Meder 1 a: ob die Wahren . . wol oder vbel ab- gangen sind. 1629 Kahn 95: Daß er saget, daß der hoppe allhier nicht viel ab- gehet. — 1691 Siieler 624. 5. 1669 Zu- brodt, Vorr. : wegen . . schlechten VerkauS oder Abgang der Wahren. 1691 a. a. 0. 6. 1676 Savary 1, 567: ob man schon nichts dann gute und abgängliche Wahren zu kauöen, sich fest vorsetzet . . bekomt man dennoch . . Ladenhüter. 1893 Eitzen D-E 4: „abgäugliche", besser: courante Artikel.

abhandeln, s. DWb 1, 54. Heute bes. in der Bed.: vom Preise abhandeln, 'abdingen, feilschen*: 1774 Adelung 1,44: abhandeln. An dem geforderten Kauf- preise durch Bieten und Wiederbieten einen Erlaß erhalten, vulg. abdingen. Wir haben noch zehn Thaler abgehandelt.

abheben 'auszahlen lassen*, z. B. Geld von der Bank abheben, Zinsen, Divi- denden abheben {1893 Eitzen D-E 6): 1877 Spielhagen, Sturmflut 2, 248: Giraldi hat vor einer Stunde die letzten 50 000 von den Warnowschen Geldern abgehoben ;

abkaufen abnehmen. 3

älter ist einfaches heben : 1483 Petzensteiner cap. 13 : der ander [Gesellschafter] legt 30 fl. [ein] vnd vber 5 monet hebt er sein gelt wyder. 1699 Leipz. B-0 6 § 2 {1716 Marperger BdB 281): die Zinsen vom Capital heben. vgl. DWh 4, 2, 730.

abkaufen, spätmhd.: 1335 Hans. U-B 2,254: afkopen .. holt, dat man us afkoft; 1392 ebd. 5, 48: abekawften. 1434 Mones Zschr. 32, 91: damit ainer oder mer zinse abkouft wäre. 1596 Messgedichte 320: kaufft mir ein gut par BriUen ab. vgl. Schi-Lü 1,27. Dazu selten Abkaufen 1676 Savary 1,89: die Ab- käuffer. 1712 Sperander 80: Abkaufifor.

abklappern, auch abkleppern, abkloppen, vom Reisenden, *die ganze Gegend abklappern* = nach Aufträgen absuchen, umgangssprachl., s. Meyer, Berl. 3. ^ Müller-Fr. 5.

abladen 1. Gegenteil zu aufladen, z. B. Güter von einem Wagen; späthmhd. ^).

2. im Seehandel: *Güter zur Weiterbeförderung in ein Schiff verladen'-), heute (eig. sprachwidrig) = *verladen, verschiffen* ^). Dazu Ablader 1. 'einer, der Waren ablädt; Speditionsarbeiter, Packer'"*); 2. modern, bes. im Exporthandel = 'Verlader, Verschiffer' °). Abladung 'Verladung, Verschiffung*; auch 'verladene Ware* «).

Belege: 1. 1404 Hans. U-B 5, j Eysen abzuladen. 2. 1800 Berghaus 332. 327: welcher von den Pruschen koufluthen ! 3. 1836 Courtin 11: abladen, Waaren an sin gewant dor abeladen wil, der sal das Bord liefern und einschiffen. 1893 Eiizen thun undir dem koufhuse. 1523 Mulich D-E 7: abladen .. consigniren, verschiffen. 321 : als doch de wagen to Lunborch nu ge- 4. 1800 a. a. 0. 5. 1836 a. a. 0. meinlyck dar äff laden ; 325 : ob es [das 6. 1893 a. a. 0. Gut] dar abgeladen wer. 1558 Meier 7 a: I

ablagern 'Waren auf dem Lager liegen lassen*, bes. von Flüssigkeiten, Wein, zur Klärung: 1836 Courtin 12. Daher 'abgelagerter Wein, abgelagertes öl* {1836 a. a. 0.).

ablassen 1. 'verkaufen': 1836 Courtin 12: Wollen Sie mir von dieser Partie Reis 2 Fässer ablassen ? 2. 'nachlassen', am Preis, 1836 ebd. Älter in beiden Bed. ist einfaches lassen.

ablaufen, 'Waren ablaufen lassen* = versenden {1752 Ludovici 1, 78).

abliefern : 1692 Dibbern B 1 a: Wahre, so auff Lieferung verkaufft, abliefern.

Ablieferung : 1778 Moser 1, 263.

ablösen 'Zins oder andere Leistungen aufhören machen', spätmhd. ^). Dazu Ablösung 2), ablöslieh 3), etwa gleichalt, jünger ablösbar^).

Belege : 1. 1404 Sattler 195: Do sal i Formular i 98 a: die obgeschriben. K gul- her uns von czinsen 26 sc, als lange bys din zinß wider ze käuffen ati abzelesen in das her is abegelösit; 1410 ebd. 54: S^o mark fünf jaren. 2. 1477 Brucker 435: die abe- czinses, 12 mark vor eyne m. abeczulosende. i lösung (der) zinse. 1565 Simon Jacob 47 a:

1437 Mones Zschr. 32, 120: diß fuder wie vil er gclts zur Ablösung [des Zinses] win zins ist mier abgelöst. . mit 300^5!^ h. [geben muß. 3. 1537 Rem 62: 1 11. ewisjen

um 1460 Städtechron. 5, 134. 1484 \ und 5 «. ablöslichon zins. 4. s. DWb. 1,^75.

abnehmen, 'Waren abnehmen' = abkaufen: 1722 Beier 4: Kunteu und Ab- käuffer . . welche beständig und in Menge ihre Wahren abnehmen. Dazu Ab- nehmer 'Abkäufer, Kunde': 1674 Stieler Sehr. 196: Die Karraasin Lacken hab ich nicht höher ausbringen können, da gleichwol alle Mittel versucht worden / Gott

1*

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gebe zu den restirenden drey halben auch Abnehmer. 1722 a. a. 0.: Abnehmer . . Kunten und Abkäuffcr. Abnahme ^Verkauf : 1893 Eitzen D-E 9: Abnahme finden [von Wai-en] = verkauft werden, „gehen".

abonnieren, gegen Ende des 18. Jhdts, aus dem Franz. entlehnt, spez. von Zeitungen: Belege von 1773 S. bei Schulz 2. Dazu etwa gleichzeitig entlehnt Abonnement n. und (unfranz. Neubildung) Abonnent m. (älter Abonnierter = franz. ahonne), Belege a. a. 0. Abonnementspreis : 1889 Sprachver. 7.

abrechnen 1. 'abziehen, kürzen', mndd., spätmhd. ^). 2, 'die Rechnung abschließen', frühnhd. 2). Dazu Abreehnimg, selten in der ersten Bedeutung (z. B. *in Abrechnung bringen'), häufig in der zweiten (= Rechnungsablegung) 3).

Belege: 1. 1371 VicTco 42: Dedit ' pfen. 2. um 1470 TucJiers Baumeister-

buch 242: wie oft ich mit den smiden und slossem abgerechent hab. 1487 MG- Nürnhg 6, 66: Item 1487 .. hab ich als dinck mit meister Ulrich Hübsch, maier bey dem neuen spital, abgerechnet. 3. 1527 Fuggerinventur 109: laut der abrechnung. 1672 Schurtz M-K c 1 b: nach richtiger Ab- rechnung.

17 mark minus 2 ß, dar ik afrekende (u. ö.= defalcare). 1399 Saitler 6 f.: Ouch zo bot der treczeler dem grosscheffer abege- slagen 30 mark und 8 sc. Dys abe gerechent zo blvben dy herren dem grosscheffer schol- dyg 1130 mark und 414 sc. 1522 Riese 60 a: Item, einer dinget einen arbeyter 30 tag, wenn er arbeyt so gibt er jm siben pfenning / So er aber fyret / rechnet er jm ab fünff

abrichten 1. veraltet = 'entrichten, bezahlen*, s. DWb 1, 90. 2. = 'ab- senden', als kaufmänn. Sprachunart oft getadelt und im Verschwinden : 1782 Sina- pius Briefe 90: die Waare aber seiner Zeit an den Herrn in Hamburg für uns abzurichten 1893 Eitzen D-E 10: abrichten, absenden.

Abruf, ganz modern, „auf Abruf", „Abruf gekaufter Ware": 'Anweisung zur Absendung eines Einzelpostens von einem auf allmähliche Lieferung abgeschlosse- nen Gesamtquantum einer Ware'; dazu einen Posten abrufen.

abschlagen 1. trans.: 'an einer Rechnung abziehen', mhd., nmdd. i), heute ungebr. 2. intrans. : 'im Preise fallen', etwa gleich alt.^). Dazu Abschlag 1. 'Ver- ringerung einer Schuld, bes. durch Abzahlung' 3), dazu modern Abschlagszahlung^), Abschlagsquote, Abschlagsdividende und auf Abschlag = a conto ^). 2. 'Preis- rückgang' ^), dazu heute Zus. wie Preisabschlag, Diskontabschlag usw. vgl. aufschlagen.

Belege: 1. Lexer 1, 5. Schi-Lü 1, 36. 1370 Vicko 42: unde de korthinge [= Fehlmaß des Tuches] is afgesclaghen. 1396 Sattler 381: Hirv^an sla ik af dat vorscreven ungelt. 1483 Petzensteiner cap. 10: i^ü sol du für holcz abschlahen ye für 1 lagel 28 i^. 2. Lexer, Schi-Lü a. a. 0. 1411 Stieda E-V 127: dat werch is hir ser afgheschlaghen. 1439 Städtechron. 5, 161, Anm. 3. 1443 Mayer 198: [Pfeffer] gilt yczund pey 40 ducaten, aber wirt

bezallung der suma gelts. 1668 Overheide 320: 142 Tahler 18 gr. welche in Abschlag seiner Rechnung angenoromen. 4. 1841 Edler 3. 5. 1782 Sinapius Briefe 51: Belieben Sie unterdessen auf Abschlag Livres 10 000 unsertwegen in gewöhnlicher Sicht bey dem Herrn in Paris zu beziehn. 1867 Brutzer 15: Auf Abschlag . . ä compte. 6. 1482 Dunkelgud 354: Dar en sal nen grot affslach äff komen. 1602 Daetri 275: Nu besorget he sick eines groten äff Schlages,

absiahen. 3. Lexer 1, 13. 1493 Vogt vorkofft derwegen den Weiten. 1616 Schonen 14: in affslages syner scholt. 1510 j Neudörffer 113: Nun kommt dieselbige wahr Schulte, Fu^ger 2, 20: in abslage und zu j in abschlag.

abschließen 1. 'die Rechnung abschließen' (= saldieren) i), früher häufiger beschließen 2) oder schließen 3). 2. 'einen Kauf- oder Lieferungsvertrag ab-

abschnappen abstoßen. 5

schließen'*), heute kurz: „mit dem Importeur (auf) 1000 Kilo Kaffee abschließen", ,,ich habe meinen gesamten Jahresbedarf mit der ]S'orddeutschen BaimiwoUspinnerei (ab)geschlossen". Dazu Abschluß 1. ^Beschluß der Bücher* °), früher Beschluß '). 2. *Lieferungs-, Kaufvertrag*; „bedeutende Abschlüsse in BaimiwoUe", modern ').

Belege: 1. 1775 Schneider, Einl. 10: 1905 Herzog, Wiskoitens 250: [sie] schlössen [damit] die Gasse revidirt und abgeschlossen . . mit Wilhelm Wiskotten für grössere werden kann. 1781 Jacobsson 1, 17: die Warenposten ab. 5. 1781 a.a.O.: Ab- Handlungsbücher abschliessen. 2. i52i i schluss einer Rechnung. 1795 Engel 21: Rem 16: half Ich Ir rechnong beschliessen. der jährliche Abschluss der Handlungsbücher. 1549 Schweicker,YoTT. 2 a: das Haubtpuch 6. 15. JliM Brucker 283: bescUusz irer zu besciiliessen. 3. 1712 Sperander 148: ; jorrechnunge. 1490 Keller ^SAd: Beschluss die Rechnungen zu schliessen. 4. 1845 [der reclmung. 1712 Sperander 172: Be- Schiebe Corr. 119: den Kauf einer Ladung | schluss der Bücher. 7. 1909 Herzog, guten trockenen Zuckers zu 2 $, bis zum ; Hanseaten 81 : die Abschlüsse mit den ^la- 10. Juni zu Hefem, mit ihnen abzuschließen, j schinenwerkstätten.

abschnappen, abspringen, von Reflektanten: *von einem beabsichtigten Kauf abstehen' ; miigangssprachlich.

abschneiden, den Kredit: 1804 Jean Paul 6, 371 (Kürschner).

Abschnitt, Verdeutschung für Afpoini {1833 Schiebe 2) und für Kupon {1893 Kitzen D-E 12).

abschreiben *auf jemandes Konto in Kredit setzen, gutschreiben': 1327 Fugger- inventur 104: am hauß; wanns verkauft wirt soU dasselbig gelt an Gotschalckh Hurtz conto in pösen schulden abgeschrieben werden. Modern = *einen jährlichen Prozentsatz für Amortisation von einem Schuldkapital, zweifelhaften Aussen- ständen oder für Abnutzung des Inventars abziehen'. Abschreibung : 1676 Savary 1, 501: die Abschreibung der "Wahre auf! dem Factura - Buch. 1876 Glagau 121: Die Bilanz für 1874 schließt mit einem Verlust von 328 000 Thalern, entstanden durch „Abschreibimgen" [auf BauländcreienJ.j

absenden, bes. kaufmänn.: 1668 Overheide 346: Ich habe gestern bey der Winser Fuhr abgesand 3 Fässer Garn. Dazu Absender : 1741 Schaizk. 1, 27.

absetzen 1. *die Münze in ihreni Wert verringern', bes. im p. pf. pass. ab- gesetzt^), heute ungebr. 2. *Waren verkaufen' 2). Dazu Absatz 1. von der Münze, veraltet ^). 2. 'Verkauf *). dazu Absatzgebiet ^), oft auch sinnwidrig Absatzquelle (nach Bezugsquelle).

Belege: 1. Lexer 1,5. 1385 \ Moser 1, 227: 10000 Stück dergleichen Städtechron. 1, 241: daz man ir [Münze] iht , Tücher im Jahre absetzen. 1793 Jacobsson ab setz. 1597 Messgedichte 350: Darinn ! 5, 14. 3. 1712 Sperander, Reg.: Absatz die Reichsmüntz wird geschätzt, Die böse [ und Steigerung einiger Müntz-Sorten. Sorten ? abgesetzt. i6ö2 Dae^n"' 215: äff- 4. 1741 SchaUk. 1, 28 {=1793 a. a. 0.): gesettede Seelandische'Daler. )1691 Stieler | Absetz-Waaren, Absatz der Waaren. 681. 1765 Morris, Junge:Goethe 1, 91. 1 1778 Moser 1, 184. 5. 1S62 bei Ladendorf 2. 1725 He'jne, Tit.: wo^diese blaue Farbe [ 339. wieder mit Nutzen abzusetzen. 1778 1

Absonderungsrecht {1804 Leiwhs 455) = ju^ separationis {1822 Poschinger I, 3. Lief., Beil, p, 46: Separationsrecht), bei Konkursen das Recht der Ausschei- dung nicht zur Masse gehöriger Waren.

abstoßen, bes. ün Börsenverkehr: *eilig, forciert verkaufen*: 1836 Courtin 19: Waaren abstoßen. 1844 ScUeier 8 von Schulden und W\iren.

g abtragen adi.

abtragen 'tilgen, bezahlen': 1506 Gessler IIb: den [costen] allen sanipt dem houptgüt sollen vnnd wollen wir jnen bctzaln, widerkeren, vßrichten vfi abtragen damit sie begnügt. s. Lexer 1, 6. Abtragung: 1605 Blümcke 235: abtragung deroselben [imkostung].

abundant 'reichlich vorhanden, viel angeboten', als Börsenausdrtick, von Geld oder Papieren 1S79 Maier-R. 2, 382, heute seltner, aus dem Franz. : 1692 Dihhem, Gloss.: abundant, überflüssig, voll, häuffig, reichlich.

Abwärtsbewegung 'Fallen der Kurse', mod. Börsenausdruck, s. Äufwärts- leicegung.

abwerfen 'Gewinn bringen, ertragen', seit dem 17,/18. Jhdt. s. DWb 1, 152.

1797 BergJiaus 2, 225: Meine Untern elmiung wirft 25 Procent ab.

abwickeln, „Geschäfte abwickeln" = 'erledigen, zu Ende bringen': 1841 Edler 5.

1905 Herzog, Wiscottens 394. Auch von Schulden = 'bezahlen': 1879 Maier-R. 2, 382. 1893 Eitzen D-E 16: abwickeln, liquidiren. Dazu Abwickelung, früher = 'Erledigung': 1837 Schiebe Ü-L 1, 352: die außergerichtliche Abwickelung von Insolvenzen; jetzt = 'Bezahlung, Liquidation': 1893 a. a. 0. Häufig Monats-, Ultimoabwickelung.

abzahlen, seltner abbezahlen: 1563 Frohen 70: abtzalten. um 1615 Krafft 114: vnsere schulden . . Abzuzalen. 1696 MessgedicMe 379: Der elffte accordirt, der zwöLöte abbezahlt. Heute abzahlen meist = 'eine Schuld ratenweise tilgen': 1778 Moser 2, 103: [So] zahlet er [Schuldner] in leichten unmerklichen Terminen ab. 1836 Courtin 20: Er hat mir ein Drittel seiner Schuld abgezahlt. vgl. DWi 1, 156. Dazu Abzahlung : um 1615 Krafft 277. 1635 Bozner W-0 § 10 {1733 Banquier 2, 78): Abzahlung der Schulden. Heute fast immer = 'Abschlags- zahlung': 1885 Stinde, Farn. Buchholz 2, 70: auf Abzahlung. 1893 Eitzen D-E 16: auf Abzahlung oder Abschlag, in Baten. Davon mod. Abzahlungsgeschäft {1893 a. a. 0.).

abziehen 'an einer Rechnung, einem Preise kürzen', frühnlid. ^); dazu Abzug -);

abzüglich, z. B. ., abzüglich Spesen" {1893 Eitzen D-E 1). Seltener Abzug =

'Absatz, Verkauf ^).

Belege: 1. 1444 Ruland 16: ltem\ Neudörffer 61: mit abzug 9 per cento von daran hab ich im abzogen. . . 1489 Keller \ der Schuldsumma. 3. s. DWh 1, 160. 842: dass soUent wir dem gebistorfer an 1712 Sperander 29: wann kein Abzug in semer rechnung abziehen. 2. 1562 Frohen \ Waaren ist. 1903 Eitzen Verk. 47: ,, Abzug 51: Darann gadt ab der abtzugk. 2616 finden" hieße natürlicher „verkauft werden".

a. c. = anni currentis 'laufenden Jahres': 1590 Schivetschke XHI: dieses lauf- fenden 90. Jars. 1748 Verzeichn. 4. : a. c. anni currentis, dieses laufenden Jahres.

Achse, „auf der Achse" = 'zu Wagen': 1484 Zingerle69: ob aber gut auf der agx gen Uenedig gieng. s. DWh 1, 163. Heute meist per Achse : 1833 Schiehe 3.

auf einer Achse 'ohne Umladung' : 1844 Schleier 12.

adi, um 1400 aus ital. a di 'am Tage' entlehnt, vom 15. bis zur Mitte des 17. Jhdts stets vor Datumsangaben (auch die Monatsnamen im 16. Jhdt. oft in ital. Form): 1409 Stieda H-V 123: adi 25. merzo [in einem deutschen Brief]. 1481 Rem 5: Adj. 14 decemb" 1481 freytag nachtz; u. ö. 1523 Mulich 324: Laus deo 1523

Adresse Agio. 7

jar adi 26 Januarij. 1544 Grammateus Klb: Adi am ersten des Jenners. 1781 Jacobsson 1, 29.

Adresse f. 'Wohnungsangabe ^)\ Briefaufschrift' ^), im 17. Jhdt. aus dem Franz. entlehnt. per Adresse 'bei, mit Briefen von'^). Dazu adressieren *an jem. richten; mit der Aufschrift verschen', im 17. Jhdt. aus dem Franz. ^). Dagegen erst im 18. Jhdt. die Zwitterbildung Adressat m. 'Empfänger* (lat. Endung -at) ^).

Femer Adreßbuch, im 19. Jhdt.«), älter Adreßkalender ^); Adreßkarte 'Geschäftskarte'®); Adreßkontor, -bureau 'Auskunftei, Stellennachweisbureau' ^) heute selten.

Belege: 1. um 1675 bei Eechtenberg gekommenen Fässeis mit Geld im Beisein 9, 1698 n. bei Schulz 8 belegt. 2. 1733 der Adressaten Werner und Hassel vorzu- Banquier 1, 474: die Uberschrifft auff einem nemen. 1836 Cmirtin 27. 6. 1823/4 Brief auch eine Addresse genannt. Schulz E. F. Liueh, Adreßbuch der Stadt Magde- 8. 3. 1844 Schleier 15. 4. 1611 Welser- bürg [Titel]. 7. Belege von 1779 ff. bei faktor 8: die begerte Huett [= Haut, Fell] . . , Schulz 8. 8. 1844 a. a. 0. 9. 1711 Juan Suel El Moqo p. Lixbona adressiem. Marperger MJ 1, 390: ein sogenanntes Belege von 1643 ± s. Schulz 8. 5. 1761 Meß -Adreß -Conto ir. 1894 Eüzm 5: Faulhaler 166: die Eröffnung eines .. an- ; x\dressbureau.

Affiehe f. 'Anschlagzettel', im späteren 18. Jhdt. aus dem Franz. entlehnt ^), heute durch Plakat verdrängt. Älter ist das aus dem Kanzleilatein stammende affigieren, später (unter Einfluß von Affiehe) äff ichieren 2). s. Schulz 12.

Belege: 1. 1741 Schatzk. 1, 79: Finger darbey affigirt. 1620 Schuetschke Affiehe, heisst in Franckreich ein Zettel, den . VIII, Anm. 13: beygefügten Catalogum . . man an öffentl. Orten anschlaget. 1796 publice affigiren lassen. 1801 Campe 137: ßcrgiÄaw« 1,21: Affiehe, d. Anschlagszettel. , affichiren, ankleben oder anschlagen. 2. 1607 Faulhaber 6: die abgeschlagenen i

Agenda f. 'Merkbuch, Schreibtafel' (aus franz. -lat. agenda 'das zu Tuende'): 1741 Schatzk. 1, 88.

Agent m. 'Vertreter', schon mn 1600 polit. = 'Unterhändler eines Fürsten' {Schulz 12), kaufmänn. = 'Vertreter* seit dem Ende des 17. Jhdts. häufiger ^). Dazu Agentur f. 'Vertretung'; Geschäftslokal eines Agenten, im 19. Jhdt. mittels der lat. Endung -ur{a) gebildet-); daneben österr. Agentie f. ^).

Belege: 1. 1610 Lerice II A 2 b: Agenten oder Mackler; 365: die Agenten des Factom %Tind agenten. um 1615 Krafft Banco. 1692 Dihherr,CAoss.: Factor . .Ein 206: agentj oder factom; 256: durch sein , Agent, Lieger. 2. 1837 Schiebe ü-L 1, 11. agento. 1676 Savartj 2, 353: AVechsels- 1 Schulz 13. 3. 1894 Eitzen 6.

Agio n. 'Aufgeld', im 15./16. Jhdt. dafür ^Äufwechser (s. d.), zunächst von etwa 1600 ab laso, lazo^) (= venezian. a^o mit präfigiertem Artikel), später aggio^), laggio3)(= aggio 'Bcquemhchkeit; Aufgeld' -f Artikel), seit etwa 1650 vorwiegend lagio'*), daneben bald das seit etwa 1725 allein übliche Agio^). Das Geschlecht, früher zwischen m. und f. schwankend, ist seit dem 19. Jhdt. neutral.

Belege: 1. 1610 Wolff Cla: Laso/ 2. Lief.. Beil. p. 35: laggio abzuziehen. das heist vnd ist ein auffgab/oder auff- 1672 «Sf/i ur/- 3/ -A' c 3 b: Laggio oder Lazo, Wechsel auffs gelt. 1616 Neuäörfjer 211: [ Aufgeld. 4. 1654 bei 1716 Slarperger BdB mit gleichem Laso. 1657 hzohvi Schuh 13. \ 169: Wechsel-Lagio. 1669 Zuhrodt 1:

2. 1635 Bozner M-0 § 1 {1733 Banquier \ des lagio. 5. 1669 ebd. 145: i. per cento 2, 67): Geldter von einem Marckt zum an- vor den agio. 1712 Sperander, Reg.: deren, und Aggio davon. 1669 Zuhrodt Lagio, Agio oder Aufgeld. s. Schulz 13. 343: der aggio. 3. 1648 Poschinger i, j

8

Agiotage Akquit.

Agiotage f. *Börseiispiel; Wucher mit Wertpapieren', dazu Agioteur m. und agiotiereu, im 18. Jlidt. aus dem Franz. entlehnt (dort im Anf. des 18. Jlidts. aufgekommen, s. Ehreiiberg, Fugger 2, 309. Hatzf.-D. 1, 53): 1733 Banquier 1, 474: Agioteur, einer der große Interesse nimt, ein Wucherer. 1743 SchatzJc. 5, 145: Agiotage; x\gioteur. 1781 Poschinger I, 3. Lief., Beil. p. 7: mit diesen Unsern neu creirten Bank-Noten einiges Commerce zu treiben, zu agiotiren oder zu markten.

ä joiir sein *auf dem Laufenden sein*: 1833 Schiehe 6: ä jour, bedeutet in der Buchhaltung, daß alles bis auf den Tag eingetragen ist.

Akkord m., im 16. Jhdt. aus ital. accordo, franz. accord entlehnt in der Bed. 'Vergleich, Vertrag*, bes. *außergerichtUcher Vergleich im Konkurs* i); dazu im 19. Jhdt. die Bed. *Stücklohnvertrag*, bes. im Akkord arbeiten 2) (Gegen- satz: im Stundenlohn) (davon Akkordarbeit, -lohn). akkordieren Vereinbaren, (sich) vergleichen*, im 16. Jhdt. aus dem Franz. entlehnt ^). Modern Umgangs - sprachl. oft Akkordstörer *Konkursbeteüigter, der durch Nichtanschluß einen außergerichtl. Akkord verhindert und dadurch eine oft ungünstigere Masse- ausschüttung herbeiführt*.

Belege: 1. 1527 Fuggerinventur 79: Kunig von Portugal ain acordo [Bed.?, = Schuldvertrag?]. 1597 Messgediehte 361: Kanst da besser rahten dein Sachen, Für dich ein gut Accordi [mit den Gläubigern] machen, Dass du bstehst ein Bidermann, Niemand dich darumb schelten kan. um 1615 Krafft 216: mitt meinen Widersachern [= Gläubigern] einen güetlichen aCordo treffen; 374: \Tiser Accordo. 1616 Neu- dörffer 232: Daran zahlt er par 38 949 fl / der Best vemiög deß Accords / zu end des fünfften Jahrs / doch ohne Zinß. 1635 Bozner W-0 § 12 (1733 Banquier 2, 79): Und so ein Falherter mit seinen Creditom . . sich be- gehrte zu vergleichen, und die zween Drittliail derselben . . mit ihme sich werden ver-

und beständig verbleiben und die übrigen . . zu gleichem Accord, ungeacht sie nit gern concurriren [= teilnehmen] weiten . . dannoch nit änderst, als wann sie freywillig darein consentirt, und den Accordo unterschriben hätten, gehalten werden. 2. vgl. 1752 Ludovici 1, 197 f.: accordiren, lieisst auch über eine Arbeit, oder eine Handwerkswaare in Ansehung des Lohns, oder der Sache und des Preises, einig zu werden suchen, und folglich tractiren, hernach wirklich schliessen: als welcher Scliluss der Accord heisst. in Akkord arleiten 1820 bei Schulz 18 belegt. 3. vgl. Schulz 18. 1596 Messgediehte 336: Mit den Gleubigern zu accordieren. 1611 Weherfaklor 14: mit denselben [Schiffern] acordieren. Belege gUchen haben, solle der Vergleich gültig von 1642^. s. Schulz 19,

akkreditieren 'empfehlen^), beglaubigen 2), Kredit verschaffen oder gewäh- ren^)', im 17. Jhdt. aus dem Franz. entlehnt. Dazu Akkreditiv n. ^) (neben älterem Kreditiv^)) 'Einführungs-, Beglaubigungsschreiben; Guthabeneröffnung*.

Belege: 1. 1699 Leipz. B-0 1, § 1 {1716 Marperger BdB 269): redliche, accre- ditirte und angesessene Leute. 2. 1844 Schleier 11: accreditirte Copie. 3. 1782 Sinapius Briefe 56: Unsere Freunde, die Herren in Hamburg, werden mich bey Ihnen um circa 15 000 Gulden Banco accre-

ditirt haben. 1796 Berghaus 1, 11: accre- ditiren . . irgend einem . . einen gewissen . . Credit verschaffen. 4. 1833 Schiele 3: Accreditiv, 5. 1603 Blümcke 101 : Damach Brambach übergeben der Hanse Creditiff. 1607 bei Weig. 1, 1144 belegt.

akquirieren 'erlangen*, ün 16. Jhdt. aus dem Kanzleilatein entlehnt, s. Schuh 20, kaufmänn. spez. 'Aufträge sammeln*, jung. Dazu Akquisiteur m. 'Kundenwerber; Stadtreisender* {1894 Eüzen 4), heute viel gebraucht, bes. Annoncenakquisiteur u. a.

Akquit n. 'Quittung*, aus dem Franz. {1741 Schatzk 1, 54), heute höchstens noch südd. in der Quittierungsf ormel per (pour) acquit. 1741 a. a. 0. : par

Aktie Aktivhandel. 9

acquit . . dass man unter seine Unterschrifft diese Worte setze: Poiir acquit. 1796 Berghaus 1, 12: per acquit. Dazu selten Akquit ä caution *Bürgschaftssehein' {1844 Schleier 13); akquittieren 'quittieren' (1748 Verzeichn. L 1894 Eüzen ^). Aktie f. ^Anteilschein', im 17, Jhdt. aus ndl. actie entlehnt ^): 'bei der Gründung der HoUänd.-Ostind. Compagnie 1602 erhielten die Teilhaber eine actie i/n de com- pagnie, d, h. ein Kecht [vgl. lat, actio 'klagbarer Anspruch'] auf alles, was den Teil- habern nach der Gesellschaftsverfassung zustand, insbesondere Anteil am Unter- nehraergewinn' (Ehrenherg, Fugger 2, 329. ZHR 50, 383 ff. Beitr. z. Wb. d. deutsch. Rechtssprache (1908), 77 83). Im 17. bis 18. Jhdt. neben Aktie die franz. - lat. Form Äction nicht selten 2). Modern Prioritäts- oder Yorzugsaktien 3), Stammaktien^); alte und junge Aktien^); schwere (leichte ) Aktien 'die über (unter) Pari notieren', s. schwer, leicht; ferner Industrieaktien ^), Elektrizitäts- aktien usw. Dazu Aktionär m., im 18. Jhdt. '), aus franz. actionnaire {1723 bei Hatzf.-D. 1, 33), neben älterem Aktionist, nach dem Ndl. *). Aktiengesell- schaft, im 19. Jlidt. *). daneben im Anfang auch Aktienverein 1°) (oder ein Unter- nehmen, eine Fahik auf Aktien); Aktienkapital, im 18. Jlidt. ^),

Belege: 1. 1647 Schuck 2, 3: dieser ! theilscheine 2. od. der 3. Ausgabe. 6. 1844 Brandenburgischer Compagnien actien . . die j ^c/iZeier 13. 7. 1752 Ludovici 1,236: actien der Niederländischen Compajnüe ; j Actioniste, oder Actionaire. 1772 Simon, 1687 ebd. 2, 307. 310: Actien. 1692 Dilhern \ Bilanzen der Akiienges. (1886), 27: die Ver- Gloss.: Actien Ost-Indischer Compagnie. | theiiung des Gewinns unter die Actionairs. 1709 Hüiner K-L 15: Actie; 16: die Actien \ 1785 Jung 392: Aktionär. Beleg von steigen oder fallen. 1716 Marperger BdB 1 1775 bei Schulz 21. 8. ndl. Belege von 26: die Handlung mit Actien; 35: Actien- \ 1642 und 1688 s. Ehrenberg, Fu^ger 2, 333 f.

Handel. 1781 Jacobsson 1, 28: Actien, Antheilzettel. 2. 1651 Schuck 2, 26: Ver- kaufung der Actionen; 1686 ebd. 2, 282

1692 Schuck 2,427: ein Haupt-Actio- niste; 428: Actionisten; 1698 ebd. 2,475: kein Actionist oder Participant. 1778

Actiones der Compagnie; 1688 ebd. 2, S29:\ Moser 3,299: Actionisten. 9. vgl. 1716 eine Action in dieser Compagnie ; u. ö. j Marperger BdB 222 : Banquen . . , die theils 1727 Hübner 25: Actien, Actions. 27P5 | nicht lange bestanden, theils zu einer sehr Jacobsson 5, 23. 3. 1867 Brutzer 200: gefallenen Actien -Handlung geworden; 370: Prioritätsactie. 1889 Sprachver. 46: Prio- Actien-Banquen. 1833 Schiebe 4: Actien- ritätsactie = Vorzugsactie. 4. 2567 ; Gesellschaft. 10. iSff4*S'c/i/e/er 13: Actien- Brutzer 225. 5. 1876 Glagau 114: „junge gesellschaft, Actienverein, 1855 Freyiag Actien" zu emittiren. 1894 Eitzen 77: i 1,165. 332: Actienverein; 334: Actienge- junge Actien, neue Antlieilscheine; An- ' Seilschaft. 11. 1783 Sinapius Leseb. 263.

Aktiva pl. 'Guthaben, ausstehende Forderungen', im 18. Jhdt. ^) aus lat. dehita activa ^) gekürzt (entsprechend deutsch Aktivschulden, im 17, bis 18. Jhdt. ^). Dazu Aktivvermögen 'wirkhches Vennögen''*); AkÜMnasse 'wirklich vor- handenes Vermögen bei Konkursen' °). vgl. das Gegenteil Passiva.

Belege : 1. 1733 Banquier 1,473: 1— 2. 1691 Stieler 1939. 3. 1674 Stiekr Activa, sind Schulden, so ich an einen an- 'Sekr. 169: Activ und Passiv Schulden. dem zu fordern. —i775 »Sc/inetder.Einl. 16: Beleg von 1773 bei Schulz 22. 1794 Schuld und Gegenschuld, Activa und Fas- * Poschinger I, 3. Lief., Beil. p. 15: aus- siva genannt. 1827 Poschinger I, 3. Lief., ! stehende Activ-Forderungen. 4. 1833 Beil. p. 32: [die Kreditkasse, welche] mehr Schiebe 4: Activa, Actiwermögen. 5. 1841 Actien als Passiven besitzt. vgl. Schulz 22. Edler 9.

Aktivhandel 1. 'Selbsthandel' (von Angehörigen des eigenen Volkes besorgt) ;

2. 'Ausfuhrhandel' (der die Handelsbilanz aktiv macht), morkantilist. Begriff des

IQ akzeptieren amortisieren.

18. Jhdts., Gegensatz Passivhandel: 17S3 Sinapius Leseh. 17: Actifhandel. 1792 Busch 1. 159: Activ- und . . Passiv-Handel.

akzeptieren 'einen ^Yechsel annehmen* {acceptieren in allg. Bed. als Kanzlei- wort aus lar. acceptare schon im 15. Jlidt., s. Weig. 1, 34), in kaufmänn. Bed. seit der Mitte des 16. Jlidts. i). Dazu Akzeptation f. 'Annahme eines Wechsels* ^), auch Akzeptierung^), etwa gleich alt; erst hu 19. Jhdt. Akzept n. 'Annahme- vermerk; akzeptierter Wechsel**); ferner im 16. Jlidt. Akzeptant m. 'Annehmer eines Wechsels* ^) und um 1700 akzeptabel 'annehmbar, gut*, von Wechseln ').

B e 1 e g e : 1. 1556 Neumann 201 : die- weile er den wexelbrieff acceptireth vnde angenommen. 1558 Meder 53 a: darnach acceptirt man die Wexelbrieff. 1577 Neu- mann 152, Anm. 184: seinen wechselbrieff von 160 pfimd acceptiren. 1611 W eiser - faktor 8: das mein WexelbrieSlein behör- lich geaceptieret und bezalt werden möge. 2. 1605 Neumann 184: dieselbe dritte Persone ist in Krafft der Acceptation schul- dig, den Wechselbrieff zu bezahlen. 1611 Weiserfaktor 14: ebenfalls behörliche Acep-

tation [des Wechsels] zu thon. 1716 Mar- perger BdB 328: ein Wechsel-Brieff welcher . . wegen Nicht -Acceptation protestiret wor- den. — 3. 1577 Neumann 211: acceptirunge des wechscibrieffes. 4. 1833 Schiele 2. 5. 1577 Neumann 208: den acceptanten [des Wechsels] ; 1605 ehd. 185 : ehe und zuvor der Acceptant denselben [Wechsel] bezahlet. 1621 Poschinger I, 2. Lief., Beil. p. 14: der acceptant. 6. 1692 Dibiern, Gloss.: accep- tabel, annehmlich . . wird sonderlich von guten Wechsel-Briefien verstanden.

Akzise f. 'Waren-, Verbrauchssteuer*, schon um 1300 aus mlat. accisia {Ducange 1, 46) (eig. 'Kerbholzeinschnitt*) entlehnt, s. Weig. 1, 34. 1434 Saitler 521: acxzize. 1464 Hans. Ü-B 9, 26: axsise. 1580 Bürgerspr. Wismar 361: tolle, accise undt havengeldt. Daneben früher oft die aphäretischeF orm zzse: 1427 Bürgerspr. Wismar 317: dat men gheve van der tunne beres . . 2 ß for tzise; 1430 ehd. 323: dominis tziseheren. 1457 Hans. Ü-B 8, 413: solutionem vulgariter czisa dictam. vgl. Zeise = Eathaus in Jena. Aus der Bed. 'Zolleinnehmestelle* für Akzise geht die provinz. (md.) Eedeusart hervor „es geht wie auf der Alvzise zu", d. h. sehr lebhaft {Müller-Fr. 12).

Alleinhandel : 1783 Sinapius Leseh. 52. vgl. Monopol.

Allonge f. 'Anhang an einen WechseP, um 1800 aus dem Franz. entlehnt: 1800 Berghaus 342.

Alter m., spöttisch für Sclief (auch franz. le vieux in diesem Sinne), allgemein verbreitet: 1893 Kretzer, Buchhalterin 39: „Aber ich bitte Sie! Wie soll ich ihn denn nennen?" erwiderte Hoff. „Um ,Alter' zu sagen, ist er noch zu jung, ,Chef klingt mir zu prosaisch."

ambulant 'umherziehend*, bes. ambulanter Händler 'fliegender Händler*, im 19. Jhdt., i^. Schulz 29. Älter ist das heute wenig gebr. Ambulant m. 'nichtautori- sierter Winkelmakler*: 1743 Schatzk. 5, 264: Ambulant, wird zu Amsterdam von den Mäklern oder Wechselagenten gesaget, die vor dem Stadtrathe keinen Eid abgeleget haben. 1902 Sprachver. 9: Ambulant = Winkehuakler, Pfuschmakler.

amortisieren '(Schulden) tilgen, heimzahlen*; in der heute seltenen Bed. 'ein Dokument, eine Schuldurkunde für ungültig erklären* um 1800 aus franz. amortir entlehnt, zuerst meist auch in dieser Form i). Älter ist das aus dem Juristen- lat. stammende mortifizieren (s. d.), das heute die ältere Bed. von amorti{si)eren

an Anfangskurs. 1 1

Übernommen hat. Dazu Amortisation (älter auch Amortissement) 'Tilgung*-), dazu Amortisationskasse, ^) Amortisationsfonds*); amortisabel 'tilgbar*. s)

Belege: 1, 1800 Berghous 344: , sen. 1855 Freytag 1, 33: dann zahlen Sie amortiren, einen Wechsel oder Schuldschein, i ein halbes Procent an die Landschaft, und der verlohren gegangen, . . für ungültig er- i durch das halbe Prozent wird noch amor-

klären. — 1801 Campe 149: amortiren, oder amortisiren, tilgen, für nichtig erklären. 1819 Poschinger I, 3. Lief., Beil. p. 35: so werden , . diese [abhanden gekommenen] Ur- kunden durch öffentliche Zeitungen auf Kosten des Eigenthümers amortisirt. 1841 Edler 14 f.: amortiren oder amorti- siren, auch mortificiren, heisst tilgen, ver- tilgen, für nichtig erklären, löschen und wird gebraucht 1. für die gerichtliche Un- giltigkeitserklänmg eines verloren gegan

tisirt das Capital. 2. 1752 L/udovid 1, 609: Amortissement. 1778 Moser 2, 104: mit einem Fond d'amortissement (dagegen 106 übersetzt: eine allmählige Tödtung des Ca- pitals). 1801 Campe 149: Amortissement oder Amortisation, Tilgung und Tilgungs- schein . . Eine Amortissementskasse ist eine Tilgungskasse, d. i. eine zur Schuldentilgung angelegte Kasse. 1877 Spielhagen, Sturm- flut 1, 243: Amortisation, das heisst Tilgung der Schulden. 3. 18SS Schiebe 6: Amor-

genen Wechsels oder sonstigen wichtigen tisations-Casse, Tilgimgscasse. 4. 1873 Documents; 2. von der Loskaufung von Zin- i Eeyse 40. 5. 1889 Sprachver. 10,

an = *per*, vor Waren-, Geldposten usw., bes. bei Buchungen: um 1409 Stieda H-V 163: 6192 dueaten an wäre an schulden und an redem gelde; eid. oft: an wessel; an flameschen gelde u. a. 1549 Schiceicker, Vorr. 6 a: schreib also /Für Cassa// An Cauedal; B 5 b: An Cassa gab ich jm auff gut reitung; u. ö. 1841 Edler 15: An bezeichnet in der Buchhaltung bei dem Namen eines Contos soviel als Haben oder Credit. Im mod. Börsenverkehr kurz „An Sie" und „Von Ihnen" zur Bezeichnung von 'Verkauf* und 'Kauf*: 1876 Glagau 306: Herr Cohn, der sich noch immer an unserer Seite befindet, macht plötzlich gegen das Männchen eine Wendung und spricht: „50 000 (Thaler) von Dmen!" Nun braucht der Andere blos zu ant- worten: „An Sie!" und das Geschäft wäre rechtsgültig abgeschlossen. Danach bisweilen Angeseliäft und Vongeschäft (getadelt 1903 Eitzen Verk. 53).

anbei, bei Briefbeilagen usw., 1731 im DWh 1, 292 belegt.

anbieten 1) trans. = 'offerieren*, 2) 'das erste Gebot bei Versteigerungen tun* (selten); beide DWb 1, 295. Dazu Anbot (veraltet) oder Angebot in beiden Bed.: 1752 Ludovici 1, 653: Anbot; 689: Angebot. 1836 CouHin 39: Angebot, Anbot. Das erste Gebot . . (bei öffentl. Versteigerungen) . . jedes Preisanerbieten. Modern oft Angebot und Nachfrage (an der Börse: Brief imd Geld, s, d.): 1893 Eitzen D-E 29. Beleg aus Lassalle s. Hey^ie 1, 86. Dazu modern Überangebot.

anbringen 'verkaufen* (vgl. unterbringen): 1652 Wynlcelman bb: solche Waaren, die an den Plätzen, da Handel und Wandel hingeht, am schatzbarsten können angebracht werden. 1782 Sinapius Briefe 38: wie hoch feines gelbes Bleichwachs jetzt bey Ihnen anzubringen seyn könnte.

andienen, urspr. im Seeversicherungswesen 'die erfolgte Havarie eines Schiö'es dem Versicherer mitteilen* {1792 Busch 2, 71. 1836 Courtin 38). Dazu An- dienung: 1792 a. a. 0. : Sind schon Documente über den Schaden da, so begleiten sie diese Andienung. Heute andienen und Andienung allg. 'die Lieferungsbereit- schaft einer Ware erklären, offerieren*, bes. im Getreidc(termin)liandel; vgl. 1909 Frenssen, Klaus Hinrich Baas 196: Andienung = Offerte.

Anfangskurs, mod. Börsenausdruck = '■Eröffnungskurs'.

12 Angabe anleihen.

Angabe 'Handgeld', schon mhd. angäbe {Lexer 1, 69), daneben Angift f. {DWb 1. 354); heute beide verdrängt durch Angeld {1672 iui DWb 1, 345 belegt) oder das zumeist gebr. Handgeld (s, d.).

angenehm 'gesucht, begehrt', von Waren, bes. in Börsenberichten, doch heute seiteuer: 1792 Busch 1, 145: Noch vor 30 Jahren wai-en in einem großen Teil Deutsch- lands nur alte Rosinen angenehm. 1836 Courtin 40: Angenehm, wh'd von Waaren . . gesagt, die gesucht werden. 1855 Freytag 1, 9: wenn der Zucker als angenehm notirt war.

angreifen, urspr. 'durch symbol. Berührung mit der Hand in Besitz nehmen' {ScM-Lü 1, 91), dann übertragen 'verbrauchen, ausgeben' von Geld {Lexer 1, 59) und Kapitalien: 1509 Biederer 89 b: so würd ich von stund üwer gült (myn vnder- pfand) nach lut myns houptbrieffs angryffen verganten \Tid verkouffen. Dazu angreifbar, bes. negativ: unangreifbares Kapital {179i Poschinger I, 3. Lief., Beil. p. 15).

Angstklausel: der Vennerk „ohne Obligo", „ohne Gewährleistung" beim Indossament: 1910 Obst 48.

Animo n. 'Kauflust, Nachfrage', mod. Börsenausdruck (aus dem Ital.): 1879 Maier-R. 2, 383. Weit älter ist animieren (allg. z. B. 1514 Schulte, Fugger 2, 116; 1601 ff. Schub 35), kaufmänn. bes. animiert 'lebhaft, zur Spekulation aufgelegt' {1879 a. a. 0.), zur Charakterisierung der Börsenstimmung {1876 Glagau 295). Ganz mod. smd die Bezeichnungen Animierbank(ier) = 'Winkelbank(ier), Bucket- shop (s. d.)'; in Berlin auch scherzhaft Animierstube für eine Depositenkasse.

ankaufen: 1778 Moser 1, 37: alle Häute, welche jährlich in Ostfriesland und hiesigen Gegenden fallen, anzukaufen; s. DWb 1, 378; sich ankaufen 'sich Grund- besitz erwerben': 1691 Stieler 939. Dazu Ankauf: 1565 Simon Jacob 142 a: so doch der vnkosten an einem jeden erkauften gut eben so wol außgelegt Hauptgut ist, als das so man ankauffs darumb gibt. 1691 a. a. 0. Dazu Ankaufspreis, ■summe {1839 Eitzen D-E 32).

ankommen 'zum Abschluß eines Geschäfts kommen': 1845 Schiebe, Corr. 94: Bis jetzt hat man zu dem oben angegebenen Preise nicht ankommen können. 1893 Eitzen D-E 33: billig ankommen . . nur zu hohem Preise ankommen.

anlegen, von Kapitalien, 'gewinnbringend veI'^venden', schon mhd. ^). Heute, bes. umgangssprachl, allg. = 'ausgeben, bezahlen' 2), z. B.: „so viel, oder einen so hohen Preis möchte ich für diese schlechte Qualität Zucker nicht anlegen." ~ Dazu Anlage 'Anlegung; angelegtes Geld' % ferner Anlagekapital *) ; Anlagewerte ^} usw.

Belege:!. Lexer 1, 60. 1400 Satt- ler 106: Item so sy wir schuldig Lüdeken RudoLff unserm dyner 30 mark, dy sülle wir ym anleegen. 1444 Ruland 16: 200 reynisch

2. 1844 Schleier 26: anlegen, von Preisen: diese bezahlen. 3. 1691 Stieler 1114: An- lage . . Geltanlage. 4. 1716 Marperger BdB 41: Anlags -Capital. 1876 Glagau 154:

gülden, die sol ich ilim anlegen zu gwin und j Anlage-Capital. 5. 1893 Eitzen D-E 33: Verlust. 1505 Rem 8: ward das gelt und Anlagepapier, guot in Specerei m India angelegt. I

anleihen, selten: DWb 1, 400; Heyne 1, 102. Dazu Anleihe 'Anleihung;

angeliehenes Geld', im 18. Jhdt. ^) neben älterem, heute wenig gebr. Anlehen n. ^)

anliefern anschlagen. 13

aufkommend. Zahlreiche Zus., z. B. Anlehensschuldner, -gläubiger; bes.

häufig: Staatsanleihe 3), Reichsanleihe.

Belege : 1. 1789 Beckmann 65: die um vorbeschehene Anlehen merklich schul- Anleihen grosser Summen für ganze Staaten dig sei. 1508 Simonsfeld 1, 361f.: ain an- oder ihre Fürsten. 2. schon ahd. analehan lehen zu unnserm furgenomen Komzug. {Graff 2,124). Lexer 1,75. 1506 MG- 3. 1846 Häne 6,627: in assyrisch-baby- Nünibg 5, 44: daß die K. K. Maj. . . Euch Ionischen Staatsanleihen.

anliefern, z. B. Waren an den Dampfer, heute im kaufmänn. Stil oft statt ^liefern' überhaupt gebr. (getadelt 1903 Eüzen Yerk. 69); ebenso Anlieferung.

annoncieren *in einer Zeitung bekannt machen*, gegen Ende des 18. Jhdts. aus dem Franz. entlehnt, s. Schulz 36. Dazu Annonce f. {1795 bei Weig. 1, 67. 1826 Hauff 2, 1, 155), später verdeuthchend Zeitungsannonce {1865 Freytag 1, 317). Dazu Annoncenbureau *Bureau zur Vermittlung von Annoncen usw.*: 1873 Eeyse 50.

Annuität f. *Zeitrente*, im 18. Jhdt. aus franz. annuite engl, annuüy ent- lehnt: 1778 Moser 2, 98: in England, wo man ebenfalls nur Renten oder Annuiteten hat; 1786 ebd. 4, 268: die in England üblichen Annuitäten. 1796 Berqhaus 1,31: Annuitäten, oder Zeitrenten.

annullieren *für nichtig erklären*, Juristenwort aus lat. annullare, im 16. Jhdt. entlehnt: Schule 36. Kaufmänn. häufig von gegebenen Orders = ^widerrufen*: 1845 Schiebe Corr. 15: Die Einkauf sordre auf Caöee wird annullirt.

anrechnen: 1691 Stieler 1564. Anrechnung, s. Heyne 1, 109.

Anreißer, mod. Jargonausdruck, urspr. 'Händler, der die Kunden am Ärmel in den Laden zieht*, auch Ärmelausreißer, spez. als Brcslauer Lokalausdruck (vgl. Ärmelausreißergeschäft : Sombart in der Neuen Rundschau, Mai 1910, 604). Jetzt meist übertragen 'aufdringlicher Kundenfänger*; dazu Anreißertum, An- reißerei 'Kundenfang*, anreißen 'Kunden kapern*; Anreißermanieren, alles in tadelndem Sinne. Frülier in ähnl. Bed. anrufen (auf Jahnnärkten: 1836 Cour- tin 45) oder abrufen {1722 Beier 5).

anschaffen, im 18. Jlidt. aufgekommene Verdeutschung für 'remittieren, über- senden* (von Geldbeträgen): 1733 Banquier 1, 486: ich werde dem Herrn zu Tilgung meiner Tratta den nöthigen Fond i. e. das nöthige Geld anschafien. 1800 Berghaus 345: anschaffen, im Wechselhandel Rimessen einkaufen. Dazu das gebräuchlichere Anschaffung 'Rimesse*: 1782 Sinajnus Briefe 32: [belieben Sie] mir den Belauf mit Banco Älk. 3235: 12 ß gutzuschreiben. Ich sehe der versprochenen Anschaffung ruhig entgegen. 1833 Schiebe 7 : Rüncsse . . Anschaffung. 1903 Eitzen Verl: 62: Auch mit ,, Anschaffung" statt „Zahlung" wird man sich außerhalb der Kaufmann- schaft schwerlich befreunden. Bes. Anschaffung machen (od. e r - h a 1 1 e n ) f ü r {1893 Eitzen D-E 38).

anschlagen 'schätzen, taxieren*, spätmhd. ^), heute zurückgetreten hinter veranschlagen. Dazu Anschlag 'Schätzung*, etwa gleich alt-); heute häufig in Zus. wie Kosteuanschlag 3); ferner Toranschlag,

Belege: 1. Lexer 1, 62. 1404 wellen. 1443 Mayer 199: Ir habt mir dy Sattler 231: als wir die vorgeschrebene sney- j 4 seck zu teur angeschlagen. 1489 Keller demöl mit in ansluejcn, die wir kowffen I 835: ain ross .. dass schlug min herr an %-ff

14 anschmieren anweisen.

121 o Duck. DWb 1, 443. 2. Lexer 1, 77. Rem 19: Copia des anscWags, so Ulrich 1418 Steinhausen, Brief 1,71, Anm. 2: ; Honolt und ich Inen adi 22 Ottobrio beschaid Wass er dez bedarS. daz leihe im, den an- i über Antorffer rechnong schicket. 3. 1808 slag will ich hye mit im machen. 1517 | Campe 2, 1023.

anschmieren, umgangssprachl. „einem eine Ware anschmieren" = 'aufliängen* : 1609 Sommer K7b: Die Wandschneider \nid WoUhcndler sollen die Wolle den annen Tuchmachern thewer anschmieren. 1876 Glagau 51: die Actien . . dem Publikimi anzuschmieren. Heute meist „einen anschmieren" = ^übervorteilen* : 1905 Kretzer, Mann ohne Gewissen 177 (Ullst.): Wir sind ja schön angeschmiert worden mit dem Terrain. vgl. ndl. aansmeren {Wb. d. ndl. Taal 1, 326). Dazu Anschmierung : 1826 Hauff 2, 1, 141.

anschreiben ''Waren auf Kredit geben', bes. vom Schenkwirt, seit dem 15. Jhdt. belegt DWb 1, 449. 1444 Städtechron. 5, 100, Anm. 2.

Ansicht, Waren „zur Ansicht" senden, mod. ; dazu Ansichtssendung, bes. im Buchhandel {1907 Saudek, Dämon Berlin 196); Ansichtslager (1901 F. v. Zobel- tüz, Papiere)ie MacM 1, 152).

Anstandsbrief *Aufschubschreiben, Moratorium*, zu Anstand Trist' {DWb 1, 474): 1674 Stieler SeJcr. 221. 1709 Eühner K-L 80. Heute selten.

anstellen 'offerieren', und Anstellung 'Offerte': 1844 Schleier 27: Anstellung, ein dem Kaufmann eigenthümlicher Ausdruck für die Offerte einer Waare nach Mustern oder Beschreibung und zu festgesetzten Preisen und Conditionen; anstellen, auf solche Weise anbieten. Häufig mod. Preisanstellung 'Kostenanschlag'.

Anteilschein, Verdeutschung für AUie: 1807 Campe 1, 189.

antizipieren 'früher, vor der Zeit zahlen', allg. = 'vorwegnehmen' im 16. Jhdt. entlehnt {Schulz 39), in dieser Bed. auch kaufmänn. im 17. Jhdt. i); seit dem 18. aber XJmkehrung der Bed. in die kaufmänn. heute allein übhche 'vorauszahlen' 2), wohl verursacht durch das vom Empfangenden wie vom Zahlenden gebrauchte anti- cipando^). Dazu Antizipation f. 'Vorausbezahlung'^).

Belege: 1. 1616 Neudörffer 235: i Zeit leisten. 1894 Eitzen 9: anticipiren

Item einer ist über 11 Monat zu erlegen schuldig 3000 Taler. Wieviel soll sein Cre

früher zahlen. 3. 1709 Eühner K-L 81: anticipando Geld bekommen. 173S a. a. 0.

ditor anticipim, damit er den Rest übers | jemand anticipando bedienen, ist eines Com- Jahr (wie es begert) erlege? 1692 Dibiern 1 mittenten Commission, ehe seine Gelder ein- A3b: [wenn man] ausstehende Schulden j gangen, effectuiren, und das darzu erforder- vor der Zeit anticipiret. 1712 Hübner 560. i liehe vorschiessen. 1844 Schleier 28: an-

2. i7.3'3 5a)i^Mi>r 1, 475: anticipiren, vor- ticipando, im Voraus. 1894 Eitzen 9: schiessen. 1793 Jacobsson 5, 76. 1833 anticipando . . Anticipando- oder Anti- ScMebe 7: anticipiren, vorgreifen, einen Vor- zipationszahlung. 4. 1833 Schiebe 7. schuss auf Waaren, eine Zahlung vor der I

antrv'ortlich, adv., viel gebrauchte Kaufmannsfonnel zur Einleitung eines Antwortschreibens, im 19. Jhdt. 1903 Eitzen, Verk. 50: ..Antworthch" sucht man im Grimm und bei andern Sprachmeisteni vergeblich. Es ist kaufmänn. Erzeug- nis. — Aber DWb 1,511: antwortüchen, adv. (17. Jhdt.).

anweisen, jemandem eine Zahlung anweisen, Übersetzungslehnwort von kanzleisprachl assignieren (s. d.) ^); daneben veraltet verweisen 2) und beweisen ^).

Dazu Anweisung 4) (daneben älter Verweisung s). Zus.: Zahlungsan- weisung 6), Geldanweisung '), Postanweisung ^). vgl. überweisen.

anzahlen Arrangement.

15

Belege: 1. 1616 Neudärffer 68: Item einer hatte zu empfangen 785 fl, 14 ß. die werden jhme von seinem Debitore am Marckt angewiesen bey vier Kauffleuten. 1674 Stieler Sekr. 223: assigniren, überweisen, anweisen. 2. bes. mndd. : Schi-Lü 5, 507. 1523 Mulich 321: Item de 400 mark. .

2, 78. 1676 Savary 1, 243: Hingegen wann die Ordre „den Werth empfangen" in sich hält, würcket es so viel als eine übergab oder Anweisung. 1672 Schuriz M-K c3a: Assignation, An- oder Überweisung. 1712 Sperander 12: Zahlung durch Anwei- sung. — 5. 1507 Schulte, Fugger 2, 15: durch

hebbe yck en vorwysset vp her Hinrick j ein Verweisung auff das Jubileumgelt. Kerckrinck, so dat he"^dar betalt ys. 3. bes. i 6. 1703 bei 1716 Marperger BdB 225: der-

gleichen richtige Zahlungs -Anweisungen auS dem Banco. 7. DWh 4, 1, 2908. 8. DWb 7,2021: Beleg von 1879.

mndd.: Schi-Lü 1, 323 f. 1374 Vicko 52: Des heft he my bewiset 30 mark to Johan Vrobosen,u. ö. (lat. da.[üT demonstrare,z. B. 14, vgl. Gloss. 168). 4. 1635 bei 1733 Banquier

anzahlen *a conto zahlen, eine Abschlagszahlung machen', DWh 1, 523 (o. B.). 1867 Brutzer 34: anzahlen . . payer ä compte. Anzahlung : 1893 Eitzen D-E 45: Anzahlung, Abschlagszahlung, Rate, Vorschuß. In anderer Bed. beide bei 1807 Campe 1, 196.

anziehen, Börsenausdruck, von Preisen und Waren, = ^steigen*: 1833 Schiehe S: anziehen, im Preise, ün Curs steigen; daher: dieser Artikel hat angezogen. 1845 Schiehe Corr. 294: dass die Preise dort anziehen, während sie hier etwas gedrückt sind.

Appoint m. 'Abschnitt, Stück, Wechsel', aus franz. appoint^), neben älterem ital. Apunto -); ferner veraltet per apunto, par appoint trassieren *zur Ausgleichung* ^), auch per netto apunto, par net appoint^).

Belege: 1. 1743 Schätzt ö, 374: Appomt . . bedeutet eine Summe, welche den Saldo einer Rechnung machet. 1833 Schiehe 8: Appoint . . Abschnitt. 1867

meine Forderung auf den letzten Heller trassiren, und also die Rechnung völlig Saldiren. 1785 Jung 390: Wird aber per Appoint trassirt. 1796 Berghaus 1,39:

Brutzer 34: Appoint, kleiner Wechselab- 1 Par ä point, oder per appunto zu trassiren, schnitt, 2. 1672 Schurtz M-K b4b:iheisst den völligen Saldo einer Rechnung Aponto oder netto Saldo; . . diesen Aponto I entnehmen. 4. 1833 Schiehe 91: per netto meinetwegen zu remittiren. 1859 .Vofeacfc i appoint abmachen, heisst: einen Rechnungs- 126: Appoint oder Appunto. 3. 7733 1 posten rein durch Wechsel abthun. Banquier 1, 475: per apunto trassiren, heist, ;

arbeiten, vom Geld, = 'Zinsen bringen': 1909 Herzog, Hanseaten 388: Jedes Kapital, das nicht arbeitet, ist ein Fluch für seinen Besitzer. vgl. müßig.

Arbitrage f. 'Vorteilsberechnung, Wertabschätzung' (bei Wechseln, Effekten), im 18. Jhdt. aus dem Franz. entlehnt^); dafür im 16. Jhdt. ital. camhio arhitrio (Ehrenherg, Fugger 1,93). Dazu häufig Arbitragerechnung-); Arbitrage- geschäft»); ferner mod. (unfranz.) Arbitrageur ^). Changearbitrageur 'Ange- stellter, der den Wert fremder Sorten und Effekten zu berechnen hat'.

Belege: 1. vgl. 1712 Sperander 31: Femer seynd auch in Wechseln die arbitri sehr subtil; 32: Arbitration; 163: Arbitri in Wechseln zu calculiren. 1733 Banquier 1,475: Arbitrage. 1741 Schatzk. 1,243: Arbitrage, ist in dem AVechsel-Negotio eine Art von Speculations-Handlung. 1781

Arrangement n. '(außergerichtl.) Akkord, gütlicher Vergleich', bei Insol- venzen, Konkursen; dazu sich arrangieren: 1S41 Edler 18: Arrangement .. der Vergleich mit den Gläubigern im Wege der Güte . . oft gleichbed. mit Accord; arran-

Jacohsson, 1,65. 2. 1781 a.a.O.: Arbi- tragerechnung, eine Art Rechnung, die Wechselkurse über verschiedene Plätze zu berechnen, um zu untersuchen, wo am meisten Vortheil oder Schaden heraus- komt. 3. 1844 Schleier 30. 4. 1894 Eitzen 10.

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Arrest assekurieren.

giren . . einen Vergleich schließen, accordiren. 1874 Spielliagen, Ultimo 453: ich würde mich . . mit meinen Gläubigern zu arrangiren gewußt haben. Nur an der Wiener Fondsbörse hat Arrangement die Bed. ^Abrechnung, Abwickelung* (seit 1882 bezeugt 1903 Meyer K-L 3, 244).

Arrest m. 'gerichtliche Beschlagnahme*, alter Jurist. Ausdruck aus mlat. arrestum {Ducange 1, 413), schon im 15./16, Jhdt. entlehnt^); häufig in der Ver- bindung „mit Arrest belegen", oder „Arrest anlegen" % heute durch Beschlag (s. d.) verdrängt. Dazu arrestieren, hansisch schon im 14. Jhdt. ^) (daneben unter mndl. Einfluß im 15. Jhdt. hansisch rostiere^i, auch rostament häufig) oder franz. arretieren*) 'mit Beschlag belegen*. Selten Arrestatorium n. 'öffenthcher Aufruf der Gläubiger bei einem Konkurs, Konkursverfügung* (aus lat. mandatum arrestatorium), auch offener Arrest^).

Belege: 1. Weig. 1, 86. Belege | steren.) 1360 ebd. 3, 235 (Köbi): wert von 1521 S. s. Schulz 51. 1506 Gessler j sache dat sy oft yrre ennygen yemant an- 56 b : Entschlagimg des arrest. 1621 \ spreche oft arrestierde zu Coln in onser stat Poschinger I, 2. Lief., Beil. p. 13: ZwöIStens i umb eynche sayche of scholt. 1404 Sattler soll vf die Jenige gelder die in Bancho liegen, ; 264: alze die schyff gearrestiret woren in einiger arrest nicht verstattet werden. ] Flanderen. 1406 Hans. U-B 5, 386: die 1629 Kalm 89: so weite ich allhier wol einen { arrestinmge des schiffes. um 1615 Krafft arrest thun auf das gelt. 2. 1674 Stider \lib: dj haben vnserer herren hab vnd gutt

AUes verarestieren . . lassen. 4. meist in der Bed. Verhaften', von Personen, Belege von 1714 e. bei Schulz 52. 5. 1800 Berg- haus 349 : Arrestatorium . . auch offener Arrest.

Sehr. 218: meine Güter und Vermögen mit Arrest beschlagen. 1748 Jablonski 71: Güter werden mit Arrest belegt und in be- Bchlag genommen. 1800 Berghaus 349: Arrest auf Wechsel legen. 3. (mndl. 1281 Hans. U-B 1,306: niemens . . goed . . arre-

Artikel m., in der Bed. 'Abschnitt eines Vertrags* als Kanzleiwort schon spät- mhd. {Lexer 1, 98); erst gegen Ende des 17. Jhdts. in der Bed. 'Handelsgegenstand, Ware' ^), Bedeutungsentlehnung von franz. article. Der Bedeutungsübergang wui'de vermittelt durch die Zwischenbed. 'Posten in Warenrechnungen* 2), Dazu zahl- reiche Zus.: Stapel-, Haupt-, Nebenartikel usw. 3).

Belege:!. 1676 Savary 1, 579: dann offtmahls kan man die Gelegenheit, wann man auff eine oder andere [Ware] gar zu sehr hält, vom Preiß des Einkauffs nicht weichen, oder auff einigen Articklen gar zu verliehren, sich resolviren will. 1782 Si- napius Briefe 28: dass ich es beym Einkauf der dahin gehörigen Artikel an keinem Fleisse habe fehlen lassen. 1796 Berg- haus 1,43: Auch die Verschiedenheit der

1826 Hauff 2, 1, 155. 2. 1752 Ludoviä 1, 922: Also saget man z. E. diese Eechnung besteht aus so viel Artikeln in Debet, und aus so viel Artikeln in Credit . . in meinem Inventario beläuft sich der Artikel der Sarschen von Aumale auf so und so viel. 3. 1844 Schleier 32: Artikel, Waare. Man unterscheidet: Eni- und Ausfuhr-, courante (gangbare) und incourante (ungangbare), Börsen-, Haupt-, Neben-, Stapelartikel usw.

Waarensorten werden Artikel genannt.

assekurieren 'versichern*, um 1600 aus ital. assicurare entlehnt, anfängUch nur von der Versicherung von Schiffen gebracuht^). Dazu Assekuranz f. 'Ver- sicherung*, aus ital. assicuranza^)\ Assekuradeur m. 'Versicherer*, aus ital. assi- curadore, unter Fonnbeeinflussung durch das Franz. ^). Im 16. Jhdt. statt dieser Formen einfaches sekurieren, Sek u ranz, Sekurador*); im 17./18. Jhdt. sind franz. Nebenformen nicht selten^). Jüngere Neubildungen sind Assekurat m. 'Versicherter' *), Assekurant m. 'Versicherei-* (neben Assekuradeur

assignieren assortieren.

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tretend)') und das heute ungebr. Assekuration (^Ässehiranz)^). Zahlreiche

Zus.: Feuerassekuranz u. a. ^); Assekuranzkasse, -gesellsehaft"); Assekuranz-

poliee"), Assekuranzprämie ^-). vgl. reassekurieren.

Belege: 1. 1662 ff. assecuriren bei I ich jm geben sol fl. lYo pro C^nto für assu- Schulz 55 belegt. 1668 Overheide 88: j rantz; u. ö. 1652 Schuck 2,47: Schiffe assecuriren, versichern, 2. 1611 Welser- und Guet bei anderen Leuten zu verassu- ■faktor 15: umb ein Camer von Assiguranza riren; 1689 ebd. 2, 346: Assuranz. 6. 18il anzurichten. 1668 Overheide 299: Asse- \^ Edler 20. 7. 1662 bei Schulz 55 belegt, curantz, Versicherung. 1692 Schuck 2, 1692 Dihiern, Gloss. : Assecuratores, oder 420: See-Assecurantien. 3. 1611 Welser- 1 Assuratores, Assecuranten und Asserenten, /afc^or 7: den Assiguradoren. 1672 Schurtz diejenigen so Versicherung .. leisten. M-K c 3 a: Assecuratores, die jenigen so Ver- 8. 1668 Overheide 88: Assecuration, Versiche- sicherung leisten. 1733 Banquier 1,475: rung. 1709 Hühner K-L 112: Assecura- Assecurateur. 1793 Jacobssonb, 101: Asse- üon, Asseurance, ein See-Contract. curirer, Assecuradeurs, Assecuranten. | s. Schulz 55. 9. 1768 Brandasseciirations- 4. 1517 Rem 31: Hab mit Seguriem etlich , ca^se bei Schulz 55. 1778 Moser 1,257: fil gelt gewonnen. 1558 Meder 21 a: das \ Schif- und Brandassecurations -Gesellschal- Schiff zu Securiern; IIa: Securantz; 26a:|ten. 1781 Siruipius K-H 111: Feuei- Fracht und Securantza; 24 a: der Securator. I Assecuranzen. 1841 Edler 19: Lebens-. 1672 Schurtz M-K c3b: secoriren, vorher Vieh-, Feuer-, Strom-Assecuranzen. bezahlen. 5. 1570 Gamersfelder B6a: 10. 1781 Jacobsson 1,71: Assekuranzkom- solches gut hat mir obgedachter Franciscus \ pagnie. 11. 1712 Sperander, Reg. Banawer gen Lisabona verassurirt . . / dauon i 12. 1781 a. a. 0.

assignieren 'anweisen* (vgl. d.), aus lat. assignare {Ducange 1, 447), seit dem 16./17. Jhdt. häufig^), heute hinter anweisen zurücktretend. Dazu Assig- nation f. 'Anweisung' 2) ; selten Assignant m. *Anweiser' 3), Assignat m. 'Ange- wiesener*^) und Assignatar m. 'Anweisungsempfänger' ^). Vorübergehend um 1800 herum Assignaten pl. (franz. assignats), franz. Papiergeld, von der National- versammlung 1790 ausgegebene Anweisungen auf die Ilsationalgüter, 1796 wieder eingezogen.

Belege : 1. 1639 bei 1712 Sperander \ K-L 113. 3. 1712 Sperander 17: Assig- 165: assigniren. 1668 Overheide 298:[nant. 1752 Ludoi-ici 1,991: Assignant, assigniren, überweisen. 1669 Grimmeis- ■■ Ausgeber der Assignation. 4. 1733 Ban- hausen, Simpl. 404 (Keller). 1712 Hübner ' quierl, 475f.: AssignatusCreditor; Assignatus 126: assigniren, anweisen, ist unter Kauff- 1 Debitor. 1793 Jacobsson 5,101: [der] leuten sehr gebr. 2. 1621 Poschinger I, j Assignirte. 1800 Berghaus 353: Assig- 2. Lief., Beil. p. 13: alle assignationes, scon- natus; 354: Assignirter Schuldner. 1837 tro vnd bezahlungen. 1654 bei 1716 Mar- 1 Schiebe U-L 1, 68: Assignat. 5. 1703 bei perger BdB 164: sich einiger Assignation und 1716 Marperger BdB 229: a Debito des An- Uberweisung an den dritten Mann zu be- ! weisers, und a Credito des Assignatarii. dienen. 1678 Schuck 2,75: die Bezah- 1 2733 a. a. 0. : Assignatarius. 1837 a. a.O.: lung der Assignationen. 1709 Hübner \ Assignatar.

assortieren 'aussondern; versehen mit*, im 17. Jhdt. aus dem Franz. über- nommen^), häufig assortiert, wohlassortiert-). Dazu Assortiment n. 'Aus- wahl'3).

Belege:!. 1676 Savary 1, 463: wird ; tirtes Lager. 3. 1676 Savary 1, 565: For- aiso ein groß Capital [, um] mit allerley j mular eines Assortiments-Memorials zur Ein- Zeug assortirt zu seyn erfordert. 1727 ! kauffung der "Wahren. 1796 Berghaus Hühner 162. 1748 Verzeichn. 12: assor-|l,62: Assortiment, der Vorrath aller Arten tiren, aussondern. 2. Belege von 1727 ff. 1 von Waaren, die der Kaufmann besitzt. s. Schulz 55. 1836 Courtin 61 : wohl assor- ]

Schirmer, Kaufmannssprache. 2

18

assoziieren aufkaufen.

assoziieren, refl., *sich vereinigen*, in allg. Bed. schon iin späteren 16. Jhdt. ^), später auf die kaiifniänn. Bed. *sich zu einem Konipagniegeschäft verbinden* be- schränkt, -). Dazu im 18. Jhdt. aus dem Franz. Associ6 m. ^Teilhaber' ^).

Belege: 1. 1597 Simonsfeld 1, 414 associiren, sich zusammen gesellen, in Com-

pagnie und Gesellschaft einlassen. 3. 1752 L/udovicil, 999: Associe, s. Compagnon. Schulz 56.

(Danzig): Weill aber wir uns e. e. iezo thött- lich zu associren. . geneigt. 2. Beleg von 16S3 s. Schub 56. 1712 Hübner 127:

aulbringen, ein Kapital: 1876 Glagau 49: die „ersten Zeichner", welche das Actiencapital von 1 200 000 Tlialer aufbringen.

aufgeben 'bestellen*: 1844 Schleier 49: aufgeben, auftragen, bestellen, beor- dern. — 1903 Loeh, Seine Majestät der Reisende 61: Ich habe vor zehn Minuten meinen ganzen Saisonbedarf in Blusen aufgegeben. Dazu Aufgabe ^Bestellung*, häufig: „laut oder nach Aufgabe'" {1893 Sitzen D-E 53).

Aufgeld *Agio*: 1553 Hoep 179: deß hefftt he my datt upgeltt, alß up eynenn iderenn Daler eynenn stuver, alßof ortt gegeven. 1640 Müller 341 : vnd der Wechsler begehret 50 Thaler Auffgeld. 1672 Schurtz M-K c3b: Laggio oder Lazo, Auf- geld. — s. DWl 1, 656. Ln 15./16. Jlidt. galt in dieser Bed. Äufwechsel (s. d.), während Aufgeld die heute seltene Bed. 'Handgeld* hatte: Beleg von 1440 s. Germ. 18, 259.

aufhängen 'einem Waren aufnötigen, die er nicht will, oder die nichts taugen* ^),

älter anhängen 2); auch aufhalsen 3), aufschnallen*), veraltet auf satteln 5) ;

ferner aufschwatzen oder anschwatzen ^) ; nordd. andrehen, aufdrehen'), auch

anschnacken ^).

Belege: 1. 1778 Moser 1, 204: Das | böse Wahren nicht mit tausendterley süssen Pfund Zinn, was die Tyroler [Hausierer] j und betrieghchen Worten einem wissen auff- den Landleuten aufhängen, hält über drey 1 zusatteln (vgl. DWb 1, 718). 6. 1711 Mar- Viertel Bley. 1867 Brutzer 40: aufhängen I perger MJ 1, 179: so betrieget doch endlich (Jemanden eine Waare). 1885 Sünde, die meisten der äußerhche Schein, so daß

Farn. Buchholz 2, 71 : [die] Leier, die ihnen für 30 Mark aufgehängt worden war. vgl. DWl) 1,662. 2. 1615 Messgedichte 368: Mancher eim sein faul Wahr anhangt.

1711 Marperger MJ 1,397: eine Partey uimützer Waaren anhängen. 1724 Hoenn 212: den Käuffem ein solches [Stück Zinn- werk] . . in zu hohen Preiß anhängen. 3. DWl 1, 660. 1876 Glagau 68: Der Be- sitz dieser Gesellschaft besteht aus einem Sandplatz, der ilir für 230 000 Thaler auf- gehalst wurde. 4. 1893 Eiizen D-E 60.

5. 1659 Garzoni 625: Dann erstlich wird man wenig Kauffleuthe finden, welche jhre

sich ethche einen vermeynten köstlichen Purpur, hohe Dignitäten und Ehren-Char- gen anschwätzen und belieben lassen [Alle- gorie vom Jahrmarkt der Welt]. 1778 Moser 1, 220; 222: die sich etwas von seiner Waare aufschwatzen läßt. 1893 Eitzeyi D-E 39: Jemandem Waare anschwatzen. 7. andrehen s. Meyer Berl. 7. 1906 Bier- haum, Prinz KuckuJc 1,315: So hast Du mich, 0 Jeremias, einmal um eine Kap der guten Hoffnung [Briefmarke] gebracht, die dreimal so viel wert war, als die Mexiko, die Du mir dafür aufdrehtest. 8. 1910 Boy-Ed, Königl. Kaufmann 26.

aufkaufen: 1404 Sattler 15: Item habe wh* in den spichern legen 262 leste und 11 scheflel rocken, die Petir Komer dor uffgekouft hat. 1491 Brucker 332: fruchte uf zukoufen. 1515 Eulenspiegel, 35. hist. : beschlussen dz sie die war alle vff kaufien wollten. 1524 Luther 15, 305. Dazu Aufkauf : 1837 Schiebe U-L 1, 75. Aufkäufer : 1748 JaUonski 84: Aufkäuffer, Fürkäuffer . . der eine waare . . auf Wiederverkauff einkaufft.

aufladen —Auftrag.

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aufladen, schon mhd. {Lexer 2, 1695). Dazu Auf lader Tackknecht*: 1712 Hübner 137: Auflader seynd diejenigen Arbeits-Leute, welche der Kaufmannschaft mit auf- und abladen ihrer Güter bedienet sind. Vgl. die humorvolle Schilderung der Riesen der Aufladerinnung, bes. ihres Obersten Sturm bei G. Frei/tag, Soll und Haben (z. B. 1, 90 ff.).

auflegen, von Anleihen, = ^emittieren': 1876 Glagau 16: der Reichskanzler legte dieselbe [Anleihe] zu dem sehr bescheidenen Course von 88 auf; 64: weshalb die Actien auch zum Course von 110 aufgelegt wurden.

aufmachen 1. ein Konto, eine Rechnung = ^eröffnen' ^). 2. = 'ausstatten*, von der Ware, ^) wohl Übersetzungslehnwort des engl, to make up. Zu letzterem Aufmachung 'Ausstattung; Packung* 2).

Belege: 1. 1833 Schiebe 10: auf- [ die Aufmachung'derselben verwendet wurde, machen, eine Rechnung, in der Buchhaltung, 1893 a. a. 0. : Aufmachung, Ausstattung,

Packung; in hübscher Aufmachung. 1907 R. Stern, Export-Technik 39: Eine geschmack- volle Aufmachung fördert den Vertrieb . . der meisten Artikel ganz wesentlich.

eine Rechnung Jemand eröffnen. 2. 1893 Eiizen D-E 57: aufmachen, aufputzen. Heute oft: „elegant aufgemacht" usw. 3. 1845 Schiebe Gorr. 50: Die schöne Qualität der Waare, sowie die große Sorgfalt, die auf

aufnehmen 1. „Gelder aufnehmen" = 'auf Borg nehmen'^) {= 'erheben*, von Steuern usw. schon mhd.: Lexer 2,1697; mndd.: Schi-Lü 5, 118 f.). 2. „einen Wechsel aufnehmen" (oder ,,gute Aufnahme bereiten") = lionorieren, interve- nieren* 2). Dazu Aufnahme^).

Belege:!. 1517 Rem 19: das gelt . . j 49: aufnehmen . . emen Wechsel, der Noth zuo wexel aufnehmen. 1558 Meder 69 b: ! leidet, interveniren. 1893 Eiizen D-E 58: Schaff, das man das geld zu Venedig auff- Aufnahme bereiten, gute Aufnahme, emer neme auff Wechssei gen Rom. 1629 Kalm \ Tratte. 3. 1794 Poschinger I, 3. Lief.,

Beil. p. 13: die . . erforderliche Kapital -Auf- nahme,

89: Hinrich Ederß hat mir berichtet, daß die stat Lübeck gelt aufnimpt und gibt 6 zum hundert jerhch. 2. 1844 Schleier

aufschlagen, Gegenteil zu abschlagen (s. d.) 1. trans. 'den Preis erhöhen*, schon mhd, {Lexer 2,1702), heute dafür ,,mit dem Preis aufschlagen" i). 2. intrans. *im Preis steigen*, ebenfalls schon mhd. {a. a. 0.) % Dazu Aufschlag 1. z. B. „ein Aufschlag von 10% auf den Einkaufspreis", vgl. mhd. üfslac 'Auflage, Abgabe* (Lexer 2, 1717 f.), noch heute südd., z. B. „Mehlaufschlag" 3). 2. 'Preiserhöhung* *).

Belege: 1. Heyne 1, 189 f. DWb , hoppe noch will aufschlagen. 3. 1558 1,724. 178UJacobssm 1,85. 2. um' Meder %h: alle;^Maut und Auffschlag [= 1411 Stieda H-V 161: ünde peper slat up Impost] 13 ß. 1748 Jahlonshi 86: Auf-

schlag, alles was auf ein-, aus- und durch- gehende waaren und guter geschlagen . . wird . . als zoll, mauth, licent, accis; . . Aufschlag oder Impost . . 4. vgl. DWb 1, 722: Beleg aus H. Sachs.

und af und was upgheslagen up 60 ducaten de kargo [Gewicht], nu slat er alle^dage wedder af und ghelt hyr 57 V2 ducaten de kargo. 1443 Mayer 198: Wisset, daz der herung hyncz wider auffschlecht, um 1465 Slädtechron. 5, 154. —1629 Kalm 95: daß der

Aufschrift, Verdeutschung für Brief adresse: 1691 Stieler 1925.

Aufsichtsrat 'Verwaltungsrat einer Aktiengesellschaft*: 1861 Ällg. Deutsches Handelsgesetzbuch, Art. 175 ff. Selten = 'Mitglied des Aufsichtsrates*: 1876 Glagau 27. 52.

Auftrag 'Bestellung, Order*: 1782 Sinapius Briefe 33: Beehren Sie mich mit Diren fernem Aufträgen, 1836 Courtin 66: Auftrag , . gleichbed. mit: Commission,

9*

20 aufthun ausführen.

Bestellung. Der Kaufmaiin sagt nie „auftragen", sondern stets „Auftrag geben oder erteilen (auf eine Ware)". Dazu Auftraggeber {1844 Schleier 49) und Aiiftraguelmier {1893 Eitzen D-E 62).

auf tun, sich *sich etablieren*, urspr. „einen Laden auftun oder aufmachen": 1855 Freytag 2. 359: daß ich . . mich nicht am hiesigen Platz in derselben Branche aufthun konnte.

Aufwärtsbewegung der Preise, Gegenteil Abwärtsbewegung, häufig in Kursberichten; modern: 1893 Eitzen D-E bl: Auf- und Abbewegung(en) der Preise; 63: AufiA-ärtsbewegung.

Aufwechsel, veraltete Verdeutschung für Agio, bes. im 15./16. Jhdt. übhch (heute Aufgeld): Lexer 2, 1719. 1370 Städtechron. 5, 423: do für haben wir geben 600 ^ dn. wirtzpurger und für den ufwechsel an den wirtzpurger an jedem pfunt 8 dn. 1401 Passauer Maut 162: noch bin ich den aufwechsel auf 1300 ^ schuldig auf yetz phunt 6 den. macht 32^4^ den. um 1468 Städtechron. 5, 155. 1490 Keller 844: gewechselt zu rafenspurg 20 guldn zu 2 d. vff den guldn thut vffwechsell . . H. 17. 1563 Froben 71: Der auffwexell amb Franckf orter gelt.

Augenauswischen 'übervorteilen*, umgangssprachl., lokal (österr.).

Auktion f. 'Versteigerung*, im 16. Jhdt. aus lat. audio {Ducange 1, 477) ent- lehnt, s. Schulz 62. Älter dafür südd. Gant (s. d.). Dazu auktionieren i), meist verauktionieren 'versteigern* ^) und Auktionator m. 'Versteigerer, Lokahichter* ^). vgl. Subhastation, Versteigerung, Ausruf.

Belege: 1. 1684 bei Schulz 63. | Waaren verauctioniren. 3. {1712 Eühier

1692 Diblern, Gloss. : auctioniren . . dem meistbietenden eine Wahre verkaufen. 1836 Courtin 62. 2. Belege von 1700 ö. bei Schulz 63. 1716 Marperger BdB 52:

134: Der Ausruffer . . wird . . auch Auctio- narius genannt). 1727 Hühner 169 L : Auctionator. 1844 Schleier 49: Auctio- nator, Auctionarius," Ausrufer.

Ausbeute 'Gewinn, Ertrag*, urspr. nur von dem Ertrag eines Bergwerkes (Belege aus dem 16. Jhdt s. Weig. 1, 116; Veith, Bergwb. 37); seit dem 18. Jhdt. allg. von Handelsunternehmungen: 1785 Jung 392: wenn die Ausbeute (Dividende) beträchtlich wird, so vermehrt sich der Werth einer Aktie. Dazu modern aus- beuten und Ausbeutung als Übersetzungen von exploitieren und Exploitation (s. d.), z. B. „die Ausbeutung eines Patents".

ausbringen 'verwerten, reaMsieren*, selten {1893 Eitzen D-E 66).

Ausbund, nach DWh 1,840 f. urspr. ein Kaufmannsausdruck: 'außen auf das Warenstück gebundener Probeabschnitt* (vgl. Schauende, mit ähnl. Übertragung), aber nur in übertragener Bed. 'Muster, Schönstes, Bestes* zu belegen: seit dem 16. Jhdt. s. a. a. 0.

ausführen 'Waren exportieren*, seit dem 14. Jhdt. i); daneben früher ver- führen 2). Dazu Ausfuhr f. 'Export* 2); ferner Ausfuhrware^), Ausfuhrgut s), Ausfuhrzoll®), Ausfuhrhandel') usw. vgl. exportieren; einführen.

Belege: 1. 1348 Mollwo, Alt. liib. \ eres sulves schepen; 1404 ehd. 5, 317: bogen- Zollrollen 95: De sin gut ute der stat voren I holtz usczufuren . . wäre uszufuren. um let. 1384 Hans. Ü-B 4, 334: Vortmer so 1400 Städtechron. 1, 101. 1442 ebd. 5, 180, moghen se [= Kaufleute] ere ghüd in unde Anm. 1. 2. BWl 12, 359. 3. 1367 ut vören mid ander lüde schepe efte mid | Hans. U-B 4, 84: so schal dhe uthvöre des

ausgeben auslegen. 21

kömes verboden wesen. 1561 Maaler Commissionen auf Russische Ausfuhr-Waa- 40 b. 1676 Savary 1,793: Zoll vor die ; ren. 5. vgl. 1833 Schiebe 43: Exporten, Außfuhr aus dem Königreich, und Einfuhr ' Ausfuhr-Artikel. 6. (1676 Savary 1,41: in Spanien. 1844 Schleier 53: Ausfuhr Ein- und Ausgangszölle.) 2536 Courtin 69: 1. der Act des Exportirens, wie 2. die aus- Ausfuhrzoll. 7. 1785 Jung 69. geführten Waaren. 4. 1792 Busch 1, 118: :

ausgeben, Geld ausgeben, schon mndd., spätmhd. ^); dazu Ausgabe *aus-

gegebenes Geld' -), oft als Überschrift in Rechnungsbüchern gegenüber Einnahme ^),

älter meist Ausgeben und Einnehmen*). Ausgabebuch 5).

Belege: 1. Schi-Lü 5, 153. DWb in Einnahm und Außgab. 1733 ebd. 1, 5: 1, 867. 1331 Hans. U-B 2, 225: dat se dat alle Ausgaben und Einnahmen. 4. 1401 ghelt wolden utgheven. 1353 Wittenborg Passauer Maut 162: über das innamen . . 21: na der rekeninge gaf ic ut . . 1388 , und über das awsgeben. um 1470 Tucher, Städtechron. 1,276. 1404 Sattler 35: '^ota.\ Baumeisterbuch 242: die rechnung des auß- myn herre bisschof . . tenetur 334 mark ] gebens. 1489 KeUer 836: Summa vssgeben 10 sc, das wir vor in usgegeben haben. I diss blats thut luter Duck. 1851. 1506 1489 Keller 835: Wass ich vfi diss Heiss MG Nürnbg 6, 97: Das außgeben meinß ussgeben hab. 2. spätmhd. s. Lexer 2, ! sunß Fritz Behaimß de anno 1506. 1544 2040. 1489 Keller 840: Hienach M^et \ Grammafeus I7b: Conto Außgeben /Ein- min vssgabe. mndd. ütgift s. Schi-Lü 1 name. 5. 1781 Jacobsson 1, 98. 5, 154. 3. 1621 bei 1733 Banquier 2, 294: '

ausgefuchste Preise, *sehr herabgedrückte Preise, die keinen Verdienst lassen', auch gehängte, ausgeknietschte, ausgekochte Preise, Beerdigungspreise.

ausgleichen ^saldieren': 1793 Jacobsson 5, 123.'— 1833 Schiebe 10: ausgleichen, soviel als saldiren. Dazu Ausgleich oder Ausgleichung : 1782 Sinapius Briefe 75: "Wir entnehmen dagegen heute, zur Ausgleichung dieses Postens . . 1893 Eüzen D'E 70: Ausgleich, Saldirung. Dazu Ausgleichswechsel {1893 a. a. 0.), Aus- gleichsquittung, Ausgleichsfonds usw.

auskaufen *einem Kaufmann seinen ganzen Warenvorrat, sein ganzes Lager abkaufen' {1836 Courtin 70): 1691 Stieler 939: er hat ihn auf einmal ausgekauft, omnes merces suas aversione emit. In anderer Bed. ('ein Recht käuflich ablösen') schon mhd. : Lexer 2, 2025.

auskehren 'auszahlen', provinziell und selten {1893 Eüzen D-E 71), auch „einen Saldo auskehren" = 'ausgleichen'. Dazu Auskehrung.

Auskunftei f., 1889 von W. Schimmelpfeng in Berlin zur Bezeichnung seines kaufmännischen Informationsbureaus als Ersatz des älteren Auskunftsbureau in Anlehnung an Kauffahrtei gebildet, im Anfang häufig verspottet und von philo- logischer Seite bemängelt, aber rasch populär geworden, so daß es heute die alte Bezeichnung verdrängt und sogar einige Analogiebildungen wie Kaufmännische Detektei entwickelt hat. 1901 F. v. Zabeltitz, Papierene Macht 2, 27: eine besondere „Auskunftei".

Ausläufer: 1855 Freytag 2.355: den Ausläufer der großen Schnittwaaren- handlung.

auslegen 1. Waren zum Verkauf auslegen, schon mhd. ^). 2. Geld auslegen = 'verlegen, vorstrecken' 2). Dazu Auslage 1. ausgelegte Ware; Ort zur Auslegung der Waren' ^) ; 2. 'ausgelegtes Geld'^).

22 ausleihen Ausschlag.

Belege: 1. Lea-cr 2, 2025. DWl 1,' Dunkelgiid 358: Item do blef my Hans 907, um 1350 ZfdPh 19, 46: so hatten ; Meyer schuldych, dat ik vor cm utlede. al vremde kouflude yre ry che koufnianschaf I i672 Schurtz M-K b3b: dann wann ich uys gelacht iip deme velde. 1353 Hans. \ hinein remittire / und das Geld paar außlege. U-B 3,483: Gheste . . scholen cre kremerie 3. 1752 Ludoviä 1, 1087: Auslage, ist nicht utleggen noch updon to verkopende an den Buden oder Läden . , der Ort, wo des virdaghes. 1615 Messgedichie 368: sie ihre Waaren zur Schau auslegen. 1885 Dann geht ein'jeder,- [Kaufmann] ins Losa- Sünde, Farn. BuchJiolz 2, 77. 4. 1782 ment, Vnd legt sein Wahren auss behendt. Sinapius Briefe 71: Haben Sie die Güte. . 2. Schi-Lü 5, 160. DWh 1, 907. 1376 dem Schiffer seine erweislichen Auslagen FtVA-o 91 : also dat Alerd unde Wolder hebben an Zöllen usw. zu vergüten, malk [jeder] uteleght 30 mark. 1479

ausleihen : um 1615 Krafft 7 : [alle Pferde] sind gehn Zurcach vff denselbigen Jarmarcktt Aui3gelüien worden. 1745 Mones Zschr. 54, 594: von allen ausley- henden Kapitalien; 595: der Wucherer und Ausleyher .. Geldausleyhungen.

auslosen und Auslosung (beide 1807 Campe 1, 316), kaufmänn. bes. als Börsen- ausdruck von der Auslosung von Staatspapieren {1893 Sitzen D-E 73).

auspacken : 1691 Stieler 1408 : die Wahren auspacken. Selten Auspackung {1807 Campe 1, 319) und Auspacker {1893 Eitzen D-E 74).

ausrufen 'zum Verkauf ausrufen', s. DWb 1. 941. 1561 Maaler 45 a: Auß- rüfien / Ein ding das feil ist offenthch aufschlahen oder außrüffen . . Feygen Auß- rüffen. 1691 Stieler 1629. Dazu Ausruf und Ausrufer {1561 a. a. 0.), beide früher häufig = 'Auktion* und 'Auktionator*: 1561 a.a.O.: Das Außrüffen / Wil niemands mer geben. Auctio. 1725 Preuß. Jahrb. 116, 125: dass über 14 Tagen eine starke Parthey Frantz-Brantwein im öffentlichen Ausruf zu alle Preisen stehet verkauft zu werden. 1844 Schleier 55: Ausruf, Ausrufer, s. Auction. Ndd. öfters Ausmünder statt 'Ausrufer': 1603 Baasch 3, 67: Ausminder 'Auktionator*. 1691 Stieler 1309. 1793 Jacohsson 6, 791.

ausschießen 'schlechte Ware aussondern', schon spätmhd. ^). Dazu Aus- schuß 'Abgang, Ausgesondertes', 15. Jhdt. ^).

suchen, ob er etwas außschiessen mag/ vber allel^Gerbelur [= Unreinigkeit]. 2. 1447 Ruland 29: 24 puntl gut und 2 püntl ausschuss. 1833 Schiebe 11: Ausschuss; Ausschusswaare.

Belege: 1. von Münzen: Lexer 2, 2029. DWb 1, 949. mndd. ütscheten s. Schi-Lü 5, 169. 1553 Eoep 165: [ausser- dem] hefft he my uthgeschatenn, welcheß he nicht hebben wolde, twe buenteÜ [Flachs]. 1558 Meder 26 a: Nachmals sol er ver-

ausschlachten, Baustellen us"w. = 'aufteilen und möglichst gewinnbringend verkaufen': 1876 Glagau 190: [die Baugesellschaften] schlachteten Baustellen aus; 124: er trieb die Baustellen-Ausschlachterei und den Baustellen-Handel en gros. 1877 Spielhagen, Sturmflut 2, 102: die Wamowschen Güter . . werden ausgeschlachtet und verschachert werden. Dazu die Schelte Güterschlächter (entspr. lat. sec- tores bonorum), s. Klenz, Scheltenwb. 92.

Ausschlag 'Gutgewicht', urspr. Ausschlag des Wagbalkens: 1792 Busch 1, 170 weü jeder Krämer, wenn er im kleinen verkauft, seinen Käufeni einen kleinen Aus- schlag geben muß. 1879 Maier-R. 2, 385: Ausschlag, stilles Gutgewicht . . Ge- wichtsvergütung. — Dazu Ausschlagsparer als Kaufmannsschelte bei 1575 Fisch- art, Gargantua {DWb 1, 954).

ausschneiden austreten.

23

ausschneiden 'Tuch im einzehien verkaufen*, seit dem 11/15. Jhdt. i).

Dazu Ausschnitt m. 'Kleinverkauf von Tuch usw., SchnitthandeP (s. d.)^) und

veraltet Ausschnitter *Au??chnitthändler*3); Ausschnittrv'aren 'Schnittwaren'*).

Belege: 1. Uxer 2, 2031. {1Z%0 2. 15Z0 bei ^dq. 1, 124. 1111 Marperger Hans. Ü-B 3,277: tuch . . sniden). um .3/ J 1, 73: Aus -Schnitt in Seiden- und Cram 1400 Vogt Schonen 87: Oeck soe en sal geen Waaren haben. 3. auszschneider aus dem koepman want edder linewant utsnyden by 15. Jhdt bei Lexer 2, 2046 belegt. Nolte 67. der eilen. 15. Jhdt Baader 129: das er,— 1792 Busch 2, 215: Freilich haben in- sie [Tuche] ye mit der elen nicht außsneide ländische Manufacturen grosse Feinde an noch verschneiden sol; 132: verkawö und den Krämern und Ausschnitten!. 1844 ausschneidung wuUeins und seideins gewants. 1 <5cÄZeter 55: Ausschnitthändler. 4. 1833

1472 Hans. Ü-B 10, 50: Doch scholen Schieie 11. se der lakene by der elen nicht uthsnyden. \

ausschreiben: 1856 Freytag 1,83: es sind große Eichenlieferungen ausge- schrieben.

ausschütten, auch auswerfen {1876 Glagau 276), modern, von der Verteilung der Dividende an die Aktionäre. Dazu Ausschüttung, Dividendenausschüttung.

Außenhandel 'Handel mit dem Ausland': 1893 Eitzen D-E 11. 1909 Frenssen, Klaus Einrich Baas 222. Gegensatz Binnenhandel (s. d.).

äußerst 'sehr billig': 1867 Brutzer 51: der äußerste Preis . . das Äußerste thun [ =möglichst billig verkaufen].

ausstehen 'unbezahlt, fällig sein* (von Forderungen), spätmhd. i); daneben auch außenstehend). Dazu gleichalt Ausstand 'fällige Forderung', bes. im pl. Ausstände ^), heute häufiger Außenstände *). ausständig 'noch nicht bezahlt' *).

Belege: 1. 1469 Hans. U-B 9, 443: Item noch hefft de coupman in alden schulden uytstaende na mholde eynre obligacien . . 20 ftf. 1471 Tuchers Baumeisterinich 305: sovil . . noch unbezalt außstünd: 242: an

[Gläubigem] fürgang habe / sondern jrem außstand nach/\Titer sich selbs/mit der bezalung gleiche bürd tragen sollen. 1597 Messgedichte 363: Ich wollt euch fleissig han gebetten, Ob jhr mir jetzt den Ausstand

außstenden schulden. 1509 Simonsfeld \ hetten Richtig gemacht, so köndt ich dann 1, 376: ir ausstend schulden von inen ein- 1 Ein ander mal widerumb was thon. 1695 zubringen. 1597 Messgedichte 360: Dem Poschinger I, 2. Lief., Beil. p. 82: Ruck-

und Ausstände. 4. 1807 Campe 1, 336: Aussenstand, -stände. 1845 Schiebe Corr. 38: dass ihre Aussenstände nicht eingehen. 5. 1471 Tuchers Baumeisterhuch 305: becza- lung außstendigs zins. 1533 a. a. 0. : dise vnd ander lang ausstendig schulden. s. DWb 1,983.

der viel Gelt hat stehen auss. 2. 1405 Simonsfeld 1, 140: und daz im die überigen 12 ducaten noch außensteen süUen. 1533 Scheurl 2, 145: an den 3700 gülden, so im nahent ailf iar ausngestanden. 1795 Engel 39: alle aussenstehenden sichern Schulden. ^.üzstant: Lexer 2, 2047. —DWl 1, 982. 1548 Rudolf! B 4 b : Das keyner vnter jn |

ausstellen 1. einen Wechsel usw. ausstellen^); 2. Waren zur Schau, zum Ver- kauf ausstellen 2). Dazu Ausstellung in erster ^) und zweiter Bed. *). zu letzterer heute zahlreiche Zus.: Kunst-, Industrie-, Gewerbe-, Weltausstellung usw. Aussteller 1. eines Wechsels^); 2. 'Beschicker einer Ausstellung'*).

Belege: 1. 1691 Siieler 2144: Qvit- , Heyne 1, 250. 3. 1712 Sperander 4: Aus- tung ausstellen. 1716 Marperger BdB 125: j Stellung der Acceptation. 4. s. DWb 1, 987. So offt ein Banquier . . an jemand einen 5. 1775 Schneider, Einl. 8: Aussteller des Wechsel ausstellet. 1795 Engel 72. 2. j [Wechsel-]Briefes. 6. 1884 Stinde, Farn. 1807 Campe 1,343: Waaren ausstellen. —\Buchhoh 1,23.

austreten 'sich insolvent erklären', veraltet: 1674 Stieler Sehr. 217: Eines aus- getretenen Schuldners Bitte um Erteilung eines sichern Geleits. 1680 Johann

24 austun Aval.

Schulte 10: AUiie sein dieser tage Albert Prigge vnd sein Compagnon Gramkow auß- getreten vnd kompt Berend Fleyen wittib aufi 12 000 Rthlr, daran feste. 1844 Schleier 55: austreten, sich insolvent erklären; Austritt, Insolvenz; provinziell. Auch Ausstand bisweilen; um 1615 Krafft 18.

austun 'einen Schuld-, Buchungsposten löschen*: Lexer 2, 2034. 1404 Satt- ler lOG: Wyssentlich sy, das wyr haben by Herman Hüxer unserm leger 100 mark, dy entpfyng her von Johannes Dalysch, deme haben wyr sy usgethaen. 1549 Schweicker D 3 a: \Tid thue die post im Giornal zu der rechten handt mit eim strich aiiß. Heute seltner ist austun in der Bed. *Geld ausleihen*: Schi-Lü 5, 144 f. 1570 Gamersf eider A5b: Geld auff Zins außgethan. 1602 Daetri 181: wo vehl Hönetstoels muth he -v^ 3^ Maenthe vthdohn, dath he 7 mark 14 ß Renthe be- käme ?

ausverkaufen, im 19. Jhdt. : 1836 Courtin 76: Ausverkaufen. Seine sämmtlichen Waarenvorräthe zu ungewöhnlich billigen Preisen anbieten, in der Absicht, damit gänzlich aufzuräumen. Dazu Ausverkauf : 1867 Brutzer 52. 1885 Stinde, Farn. Bucliholz 2, 78: reeller Ausverkauf. Heute oft Totalausverkauf {1894 Eüzen 159), Räumungs-, Inventurausverkauf.

Auswahlsendung ^Ansichtssendung': 1905 Herzog, Wiskottens 418.

auswerfen 'einen Rechnungsposten, einen Betrag ansetzen*: 1549 Schweicker, Yorr. 4 a: Man wirfit die summa des gelts nit hinauß, wie im Giornal; 5 a: der ge- brauch [, den Betrag in fl ß h] zu endt der partida oder posten hinauß zu werffen. 1672 Schurtz M-K a 3 a : ich specificire die Waar in Debet und wirffs in eine Post hinaus. 1752 Ludovici 1, 1106: auswerfen, wird in Rechnungen von den Ziffern oder Zahlen gesaget, die man auf den Rand derselben besonders setzet. 1844 Schleier 55: auswerfen, einen Betrag summarisch anführen. vgl. Heyne 1, 258.

auszahlen : 1603 Neumann 184, Anm. 234: der, so das Gelt ausgezalet. 1691 Stieler 2251. Auszahlung : 1683 Schuck 2, 172: Auszahlung der Interessen. Auszahler: 1668 Overheide 313: wie dann der Auszahler wiederum zu dem Seinigen gelangen [kann].

auszeichnen *die Waren mit Preisen bezeichnen*: 1893 Kretzer, Buchhalterin 95: die Fabrikate . . von denen die werthvolleren mit Preisauszeichnungen versehen . . waren.

ausziehen 'Rechnungsposten usw. aus einem Buche ziehen*, frühnhd. ^); Über- setzungslehnwort des kanzleisprachl, lat. extrahere; dazu Auszug = 'Extrakt* 2) ; davon Rechnungsauszug^), Kontoauszug. vgl. extrahieren.

Belege: 1. 1527 Fuggerinventur öl: Ist durch mich Antoni Fugger außzogen unnd alles gestellt auf ultimo December des auß- geenden 1527ten jares. 1795 Engel 59:

. . nach laut seins außzugs, so er mir herauß geschickt hat. 1549 Schweicker, Vorr. 3 b : Pargelt m der Wexelpanck / des S. schencken laudt seines außzugs. 1610 Wolff A5a:

zog Rechnungen aus. 2. 1531 Gotlieb ein kurtzer Extract oder Außzug. 3. 1833 A4a: es sey im puch oder durch außzüge; ' *Sc/iieöe 11.

Aval m. (pl. Avale) 'Wechselbürgschaft*, etymologisch unsicher, entweder zu

lat. ad vallem 'zu Tal*, d. h. 'untenstehend* (von der Unterschrift), oder von arab.

Avance avertieren. 25

JiaioäU *Kette; Wechsel' (vgl. R. Grasshoff, Die suftaga und hawäla der Araber;

ein Beitrag zur Gesch. des Wechsels. Diss. Königsberg 1899; S. 70 S.). Im 17. Jhdt.

aus dem Ital. ins Deutsche gedrungen^). Dazu avalieren * Wechselbürgschaft

leisten* 2) und selten Avalist 'Wechselbürge' ^).

Belege: 1. 1676 Savary 1, 17: die- in Wechselsachen eine Art der Bürgschaft

jenigen / welche jhre Ordre / avallo genennt / oder Caution. 1833 Schiebe 11: Aval,

auf die Wechselsschein der Ordre oder dem Wechselbürgschaft. 2. 1712 a.a.O.:

Inhaber zahlbar setzen; 359: die welche jhr dann der Commis avallirt. 1752 Ludovici

aval darunter setzen. 1711 Mar perger MJ 1, 1020: avaliren . . semen Aval auf emen

2, 14: ihren Aval unter Wechsel-Briefe Wechselbrief . . setzen. 3. 1903 Meyer

setzen. 1712 Sperander 55: Avallo. K-L 2, 194. 1793 Jacobsson 5, 134: Aval, Avallo, heisst

Avance f. 'Vorteil, Gewinn; Steigerung'^), seltener in der Bed. ^Vorschuß* 2), im 17. Jhdt. aus franz. avance entlehnt, daneben älter ital. Avamo ^). Dazu avan- cieren, seit dem 17. Jlidt. **), heute höchstens noch = 'steigen', z. B. „die Kurse avancierten bis Mittag etwa 3 sh. 9 d."

B e lege: l.i647(5cÄMffc 2, 7: Zahlung discontiert, das ist, seinen Creditom per

fünfhundert pro cento d'avance. 1668 avanze auszahlt. 1859 Noha^k 161:

Overheide 299: Avance, Gewin / Vorteil. Avance, Vorschuss, Vortheil, Xutzen.

i66P ZM^ro(i^ 10: wo rm die avance bestehet.— 3. 1635 Bozner W-0 § 11 (1733 Banquier

1712 Hübner 133: Avance, Avanzo, heisset 2,79): der Avanzo. oder Überrest. 1733

also bey den Kaufleuten der Gewinn. Banquier 1,476: Avanzo, überschuss.

1844 Schleier 55: Avanz . . Überschuss, Ver- 4. 1669 Ziibrodt 10: Einer will mit seinem

dienst. 1889 Sprachver. 23: Coursavance = geld was avanciren. 1692 Dibbeni. Gloss.:

Preissteigerung. 2. 1674 Stieler SeJcr. 223: avanciren, gewinnen, verdienen. 173S

Avance, Avanzo, Gewinn, Vorteil, Vorschuss. a. a. 0. : avanziren, vorschiessen, auslegen. 1676 Savary 1, 451: weiln er die 1000 fr.

Aventurhandel, bes. GroßaventurhandeP), ist 'diejenige Art von Handel,

zu dem jemand (Aventurier 2)) durch den Großaventureikontrakt 3) ein Kapital

unter der Bedingung erborgt, daß er es, wenn das Unternehmen mißglückt, nicht

zurückzuzahlen braucht, und dafür Waren kauft, um solche an überseeischen Plätzen

den Konsumenten zu verkaufen*. (1904 Meyer K-L 8, 361). Heute kaum noch gebr.

Belege: 1. 1692 Dibbem B 2 a: Handel. 2. 1793 Jacobsson 5, 134 Wenn man Geld auff Groß-Avantur gibt; 1796 Berghaiis 1, 69. 3. 1782 ebd. 2, vgl. G 2 b. 1792 Busch 1 . 279 : Grosaventur- 155.

average, good average, 'mittel', 'gute Mittelware', im 19. Jhdt. aus Eng- land entlehnte Qualitätsbezeichnungen, bes. im Kaffeehandel: 1894 Eüzen 14.

Aversum n., Aversal- oder Aversionalsumme 'Bauschsumme; Abfindungs- summe', aus dem Juristenlatein: 1796 Berghaus 1, 70: Aversione . . in Bausch und Bogen. 1836 Courtin 78: Aversional-Quautum, Aversional-Summe. 1873 Eeyse 92: Aversional- oder Aversal-Quantum, oder -Summe, auch Aversum . . Ausgleichssumme. Abfindungssumme.

avertieren 'benachrichtigen', im 17. Jlidt. aus dem Franz. entlehnt^), dazu Avertissement n. 'Benachrichtigung' 2). bes. 'buchhändlerische Anzeige"), heute veraltet.

Belege: 1. Hechtenberg 11. 20. Hoenn, Vorr.: Avertissiment. 3. Belege 1712 Hübner 24: advertiren. 2. 1688 von 1739 n. s. Schul: 66. Schuck 2, 332: Advertissement. 1730

26

inisieren Bank.

avisieren 'benachrichtigeu*, im 16. Jhdt. aus ital. awisare entlehnt ^). Dazu Ayis m. * Anzeige* 2), daneben älter, aber heute veraltet, Aviso (aus dem Ital.)^). Xicht selten Kebenformen wie Advis{o), advisieren (anlatinisiert)*). Avisbrief, seit dem 16. Jhdt. ^).

Belege: 1. Belege aus dem 16. Jhdt. s. Schulz 67. 1611 Weiserfaktor 6: so ich ^ol in kundtschafi't will bringen und den Herren seiner Zeit avisieren. 1616 Neu- dörffer 74: Item ein Factor in Antorff avi- sirt seinem Herrn zu Venedig, daß ... 2. 1733 Banquier 1, 474: Adviso, avis geben. 1800 Berghaus 340: Advis, s. Avis. 3. 1558 Meder 26 b : Vnnd bey zeyt Auitzo per Flandern schreyben. 1605 Neumann

185: bey dem Wechsel-Briefe aviso und Befehl bekommen. 1610 Wolff K3a: lauts aviso. 4. 1668 Overheide 298: Adviso. 1669 Zubrodt 129: advisiren; 133: advis. 1674 Stieler Sekr. 186: Advis Brief. 18U Schleier 15: advisiren od. avisiren. 5. 1577 Neumann 209: auise briefi; 211: des auisebrieffs. 1610 Lerice IIB2a: der Awißbrieff.

B.

B, auf Kurszetteln = *Brief' (s. d.), d. h. zum beistehenden Preise angeboten: 1796 Berghaus 1, 71: Auf den Courszetteln heisst B. Briefe. Gegensatz: Geld (G) (s. d.). Bo. = Banko (s. d.), z. B. TMler Bo.: 1752 Ludovici 1, 1864. Btto. = 'brutto' (1796 a. a. 0.).

Baisse f. Treisfall, Kursrückgang', im 19. Jhdt. aus dem Franz. entlehnt^); häufig ä la baisse spekulieren 2). Dazu Baissier m. 'Baissespekulant; der auf das Fallen der Kurse spekuliert' ^). vgl. das Gegenteil Hausse.

Belege: 1. 1836 Courtin 82: Baisse befassen, nennt man Baissiers. 1894 Eitzen

14: Baissier, Tiefspeculant. 1883 Baisse- spekulant bei Schulz 70.

. . das Sinken der Preise. 2. 1836 ebd. 31: a la baisse specuhren. 3. 1836 ebd. 31: Leute, die sich mit solchen . . Speculationen