„ rss ar eh Min Fabat dh E- \ f Mn . Re Nr, Kein r} ß ‘ N j ala, aatlr le ne Bz N ErH Area a nt win | 4 ri N A era } « en A Jam Fk un ar ” 4 ’ “ Ben RER . b ı x ’ 2 }' Bach y AR, Aue «. 2 \ ERTL ETER win TEPTTErTT IE ET ern | ’ { b "As N 2 | Ag Ur Ha ‘ Maag Bahr L PRREICH b ihre nn al ’ ' ‚ ] LFIET . ji H IEFAN DIR ’ ’ " (13 Ai EL re wi 4, M ’ hir ) ih) “ ' an ‘ ’ ‘ BiThı, N \ u 4 ‘ t D UreRg N ! IR ' H LIEIT TEN ET POUND 136 al? N Hair BIN Ai Föhn ieh ERBEN Ama ” 5 ‚ u} zu Yaıata 1 .’ wie Ir Au hd ELHELZE PURTIEH 02 y nk y a KRTRIREIRITIU I TE, IN, AN [hl M hy \ FRHARN RM „ ik A u M. ne ' A f ‘ ß ” Jr RL. f ' } Hr Hin IE AIR Wi N Hu ORT Hat) hr AHNR E ar ER Zu) Na un n n 2: ! art Ä vi 1 w. 1 0 j j yı 7,1 KRHE iu ! Hr y He MEH} f ’ ‘ | DEITREUTT", nit! FE allen) N u ! [ER FT IE) AUTERERUETTERERT asbıd, .. [r2} N LI AO PER u Di" Li 20 Bu PIE ELEN sin 4 aut "nie [LER DI EEE Eu AN EE 4: [ECHTE EEE EEE HEILER TE BOTEN ik IRA BR R REIN RG PERL FORUM vn Ir td 39 IKRUSR N EN "bil ie K Nur Ü BUTAFL, jasr KRRENEN Hit Rh DUEA TE ELF Er ET RES ELTENTELAT IE] u Ki Mr Ri. an a ‘ HRTEER yaon Ku v seh ELERFUNE Hionle “ art \ DAL EREIER CHEF ale INELENEN ve Kor \ Hl Kl Da Are nt un Ne akalar ife BENHULDIERT, A a SAN h. N a ns BRTEU EIER EI ZUCDG “ en ' HONSNG haha ada “ KUNDEN EINSRSHNN HANSI REINER Ron Y ur BREI BO EETEIT ELEND SIE BARIELFUTUTLIRAEZE DIEBE} oe sh # DEN EL SGETTRITEL TI “ DERFAER LEER IE N Ar sunriehr Ban } EURSFUFEN A} LEUTE ELITE N IL ELLERD? ra lalung j at RT Pete ame! EIa tasten dern mine vröı,tn [BRELLITEPE RT \ N feng ERRESTDEN tr vr ı Du ef FIoE kN hun Kuhn, KELHR Ada A a ea 1. ni FRESELIRSE, IE Aa rs ee De Tara [Data ErE] t ’ ö » Yanys Hal [4 Aal Ei AETIIEL FETT Saale 4 1er ken ale he ARENA FOR en Hy AN nie ’ ran Fi 4 Nr vroac ' “ N IB D EUER! 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DE ABLE RE BE BEE SER BU u, An RUE HPRRRTNUN ZUR N FRRIT eh au Bine Ai KEISS * Ha HIRRAL HEART Di ' ' 2 + DL BREI IIERTEEITE TE EEE FE} FE TEEE EL FITENN tin ih BREIRGZUELELSUERELER 20 ELDRN, y weh mm win lermien N Pins horen then RER PEISTUREICR a br sr Bamyne g " vu“ 5 ENEIETEL TEEN STE N t Am 9) Ga ARE EEE ! 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BRAUMÜLLER, BUCHHÄNDLER DES K. K. HOFES UND DER K. AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN. 1855. a! 4 #1 £ INHALT. Sitzung vom 3. Juni 1855. v. Littrow, Nachträgliche Mittheilung bezüglich der in den Sitzungen vom 18. Jänner und 22. März d.J. vorgelegten Arbeiten des Herrn Dr. €. Hornstein über die Bahn der Calliope SURKENES Grunert, Über eine geometrische Aufgabe, mit besonderer Rücksicht auf die Bestimmung der Stillstandspunkte oder Stationen der um die Sonne sich bewegenden Weltkörper . — Über eine astronomische Aufgabe N : Auszug aus einem Briefe des Professors, Hofrath Wöhler in Göttin- gen, correspondirenden Mitgliedes der kais. Akademie der Wissenschaften, an den Vorstand des kais. Hof-Mineralien- CGabinets,. P. Partsch . ..2... B Schafarik, Über die Cyanverbindungen des Platins ; Kner, lIchthyologische Beiträge. (Mit 6 Tafeln.) . Sitzung vom 14. Juni 1855. Hr. A. v. Pelzeln, Assistent am k. k. zool. Cabinete, übergibt im Namen des w.M., Dr. K. M.Diesing die Beschreibungen und Abbil- dungen von 19 Arten Trematoden für die Denkschriften der kais. Akademie der Wissenschaften ER BANN = Hyril, Über die accessorischen Kiemenorgane und den Darmcanal der Elupeaceen sn ERITREA ARE OS S CASNSEERR - Heckel, Neue Beiträge zur Kenntniss der fossilen Fische Österreichs Sitzung vom 21. Juni 1855. Rochleder, Chemische Notizen RICO SO RESEE N. LEERRES ER WORT: Zantedeschi, Nuovo Elettroscopio per le due elettrieitä d’ influenza. (Con 1 tavola.) I EANINS Wedl, Über das Herz von Menopon Halli) mit 1 Tafel.) Verzeichniss der eingegangenen Druckschriften RN Tabellarische Übersicht der Witterung in Österreich im Monate Mai. (Mit 2 Tafeln.) Sitzung vom 5. Juli 1855. Nachricht von dem Ableben des correspond. Mitgliedes, Herrn Prof. Dr. Franz Adam Petrina L8 CNC GORERNEEDE SEEN RR Ace: Haidinger,, Vereinfachte Methode der graphischen Winkelmessungen kleiner Krystalle: ..r' or..." Ss MB BAREAE ROBRRREIFTR — Die Formen des Kalichloreadmiates . Seite 537 - 92. 163 163 166 169 171 173 181 187 187 189 VI Schiefferdecker, Bericht über die vom Verein für wissenschaftliche Heilkunde in Königsberg in Preussen angestellten Beobachtungen über den Ozongehalt der atmosphärischen Luft und sein Ver- hältniss zu den herrschenden Krankheiten. (Mit 15 Tafeln.) v. Waltenhofen, Entwurf einer Construction der Luftpumpe . Fitzinger, Bericht an die kaiserl. Akademie der Wissenschaften über die von dem Herrn Consulatsverweser Dr. Theodor v. Heuglin für die kaiserl. in zu Schönbrunn mitgebrachten lebenden Thiere . ; Sitzung vom 12. Juli 1855. Fenzl, Bericht über Dr. Joseph Lorenz’s Abhandlung, betitelt: Die Stratonomie von Aegagropila Sauteri . Zantedeschi, Ricerche sulla contemporaneitä del passaggio delle opposte eorrenti elettrichein un filo metallico. Memoria Il. (Con 2 tavole.) Boue, Über die Quellen- und Brunnenwässer zu Vöslau und Gainfahrn. (Mit 1 Tafel.) Me Marcus, Der Antigraph (Gegen- oder Verkehrfzbiehden)ir Sitzung vom 19. Juli 1855. Der Secretär zeigt an, dass der österreichische Reisende , Herr Dr. Karl Scherzer, welcher vor Kurzem aus Central-Amerika zurück- gekehrt ist, von dort eine Sammlung von Naturalien mitgebracht und der Akademie zum Geschenke gemacht hat. 5 Gintl übergibt der Classe ein versiegeltes Packet zur Wahrung seiner Prioritäts- und Eigenthumsrechte ot RL, Wöhler, Analyse der Meteorsteine von Mezö-Madaras in Siebenbinuen Zeusehner, Über die Verbreitung des Löss in den Karpathen zwischen Krakau und Rima-Szombat . Fitzinger, Vortrag über eine neue Katzen-Art ( Felis Rolioperdemn (Mit 1 chromolithographirten Abbildung.) cube le SALE Wedl, Über das Nervensystem der Nematoden. (Mit 1 Tafel.) Kner, Über ein neues Genus aus der Familie der Welse, Siluroidei. (Mit 2 Tafeln.) 8 bee Türck, Beobachtungen über Verminderung der Pulstr equenz bei neural- gischen Anfällen und über den Rhythmus solcher Anfälle . . Hauer, Karl Ritter v., Über neue Verbindungen des Chlorcadmiums mit basischen Chlormetallen. II. EN Je. 0, 100 Verzeichniss der eingegangenen Druckschriften . - - . . Tabellarische Übersicht der Witterung in Österreich im Bf: 1855. (Mit 2 Tafeln.) Sitzung vom 4. October 1855. Zenger, Über die Messung der Strom - Intensität mit der Tangenten- Boussole .. alliilealermel kaktnn ana ab = ee ee Hlasiwetz, Über Rutinsäure und Quereitrin.. . . — Über das Phloretin ee er yaae ee Glocker, Neue Beobachtungen über das Vorkommen des Stilpnomelans v. Littrow, Über den Zusammenhang von Flecken und Protuberanzen der Sonne... ce... engen Del eh keskeh euere ne > ae Diesing, Zwanzig Arten von Cephaloecotyleen . Filipuzzi, Della Paraflına . 2 eos — Analisi del carbone fossile di Cludinico in Carnia BARN 254 257 27% 282 284 284 284 288 295 298 313 317 331” 355 361 375 382 401 411 A2k A25 A40 Sitzung vom 11. October 1855. Osnaghi, Analyse des Mineralwassers zu Galdhof bei Selowitz in Mähren Scherfel, Analyse des Schmökser Mineralwassers . a efelter hie Haidinger, Vergleichung von Augit und Amphibol nach den Hauptzügen ihrer krystallographischen und optischen Eigenschaften Sitzung vom 18. October 1855. Zwei Schreiben des Herrn Prof. Zejszner in Krakau an das w.M., Herrn Dr. Boue in Wien . Russegger , Bericht über das am 30. Schlember 1855 Abel gegen 9 Uhr stattgefundene Erdbeben ae ICE LAN Seun su Reihe v. Schauroth, Übersicht der geognostischen Verhältnisse der Gegend von Recoaro im Vicentinischen. (Mit 1 Karte und 3 Tafeln.) Czerınak, Physiologische Studien. III. Abtheilung. (Mit 1 Tafel.) Hornstein, Opposition der Calliope im Jahre 1856 Hörnes, Über einige neue Gastropoden aus den östlichen Alpen Beigel, Über Auftreibung und Bersten der Haare, eine eigenthümliche Erkrankung des Haarschaftes. (Mit 1 Tafel.) Wahlen . ß ET N RN Verzeichniss der eingegangenen Du kecften - Mr Beh Tabellarische Übersicht der Witterung in Österreich in den Monaten Juli und August. (Mit 4 Tafeln.) 11 | | lin Tel CR h DNA: a a He REN Van De yinks u 1 NUR HN al An IR li BR 5 3 el N N er I deine äh " ae Mr Fe TRRKA. re gl r a Lie: BR ah l vn era wo Hr # Br | A ie Ani BSH aan Bi ua a a ee eg A \ INA ale Busch m } ya NER a 5 I Ian; OT: N 1: a EL ; j SITZUNGSBERICHTE KAISERLICHEN AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN. MATHEMATISCH-NATURWISSENSCHAFTLICHE CLASSE. XVIL. BAND. 1. HEFT. JAHRGANG 1855. — JUN. w ‘ re N vr JEReA HERIFCR er er NE R IF SITZUNG VOM 8. JUNI 1855. Das w. M., K. von Littrow theilt mit Bezugnahme auf die in den Sitzungen vom 18. Jänner und 22. März d. J. vorgelegten Arbeiten des Herrn Dr. C. Hornstein über die Bahn der Cal- liope die Unterschiede mit, welche bei der eben eingetretenen neuen Sichtbarkeit dieses Asteroiden zwischen der Hornstein’- schen Ephemeride und der Beobachtung an hiesiger Sternwarte gefunden wurden. Beobachtung — Rechnung. a 1855. Mai2%2... + 5535 — 25:0 ee as SE 96.8 Solche Übereinstimmung der Vorausberechnung mit der Wirk- lichkeit lässt bei einem noch so wenig beobachteten Himmels- körper nichts zu wünschen übrig; die Abweichungen sind so klein, dass es zum Behufe der Aufsuchung des Planeten nicht einmal nöthig ist, die von Herrn Hornstein in dem ersten der oben angeführten Aufsätze gegebene Methode zur Verbesserung der Ephemeride zu benützen. 1 A Grunert. Eingesendete Abhandlungen. Über eine geometrische Aufgabe, mit besonderer Rücksicht auf die Bestimmung der Stillstandspunkte oder Stationen der um die Sonne sich bewegenden. Weltkörper. wi Von dem ce. M. J. A. Grunert. Die Aufgabe, mit deren Auflösung ich mich in diesem Aufsatze beschäftigen werde, ist folgende: Wenn zwei Curven im Raume gegeben sind, in denselben zweiPunktevon soleher Beschaffenheit zu finden, dass, wenn ınan durch diese PunkteBerührende an die beiden Curven legt, diese Berührenden sich schneiden, und die Entfernungen ihres Durehschnitts- punktes von den beiden Berührungspunkten in einem gegebenen Verhältnisse zu einander stehen. Die Astronomen wissen, dass auf dieser Aufgabe lediglich die Bestimmung der sogenannten Stillstandspunkte oder Stationen der die Sonne umkreisenden Weltkörper beruhet, wenn man für das in Rede stehende Verhältniss das Verhältniss der Geschwindigkeiten der Erde und des betreffenden Planeten oder Cometen setzt, worüber man unter anderen astronomischen Lehrbüchern besondersB ohnen- berger’s Astronomie, Tübingen 1811, $. 90 und $. 99 nachsehen kann. Nach Keill(Introduetio ad veram Astro- nomiam, Oxoniae 1718, pag. 239) hat zuerst Johann Bernoulli die Bestimmung der Stillstandspunkte der Planeten auf das obige geometrische Problem zurückgeführt, ohne dasselbe jedoch zur Bestimmung der Stationen selbst anzuwenden, was zuerst Halley gethan zu haben scheint. In den meisten astronomischen Lehr- büchern findet sich nach elementaren Methoden der Fall behandelt, Eine geometrische Aufgabe. 5 wenn die Bahnen der Erde und des Planeten als zwei in der Ebene der Erdbahn liegende eonecentrische Kreise und die Geschwindigkeiten beider Weltkörper als constant oder die Bewegungen in ihren Bah- nen als gleichförmig angenommen werden. Die allgemeinen Glei- chungen, welche zu der Auflösung des obigen geometrischen Problems führen, sind aber noch nieht angegeben worden. Die Ent- wiekelung und Aufstellung dieser allgemeinen Gleichungen ist daher der nächste Zweck dieser Abhandlung. Dann werde ich mittelst dieser allgemeinen Gleichungen den vorher erwähnten Fall der Stationen behandeln und seine Auflösung auf Formeln zurückführen, die theilweise noch nicht bekannt sind und, wie ich glaube, auf beson- dere Eleganz Anspruch machen dürfen. Was mir aber für die Wis- senschaft von besonderem Interesse zu sein scheint, ist die Bemer- kung, dass sich auch der allgemeinere Fall, wenn man zwar wie vorher die Erdbahn und die Planetenbahn als kreisförmig und die Geschwindigkeiten als constant oder die Bewegungen als gleich- förmig, aber die Bahnen nicht beide in die Ebene der Erdbahn fallend annimmt, also die Neigung der Ebene der Planetenbahn gegen die Ebene der Erdbahn gehörig berücksiehtigt, mit fast gleicher Leich- tigkeit wie der vorher erwähnte speeiellere Fall nach meiner Methode behandeln und auf ganz eben so elegante Formeln zurückführen lässt. Um diesen Aufsatz nicht zu sehr auszudehnen, habe ich mich für jetzt mit der Behandlung der beiden vorher erwähnten Fälle begnügt, werde aber späterhin vielleicht auf diesen, wie es mir scheint, mehr- fach interessanten Gegenstand zurückzukommen mir erlauben. l. Die Gleichungen der beiden gegebenen Curven im Raume wollen wir im Allgemeinen durch y=f(2),z2=F (=) udy=/f (x), 2=F, (2) bezeichnen. Werden nun die gesuchten Punkte dieser beiden Curven durch (uvw) und (w, v,w,) bezeichnet, so dass der erste dieser beiden Punkte der ersten, der zweite der zweiten Curve angehört, so haben wir die Gleichungen: v=f(u,w=F(u)udv = fi (u), w = F, (u). 1) 2) 3) 4) 5) £} Ö Grunert, Die Gleichungen der in den Punkten (uv w) und (u, v, w,) an die beiden Curven gelegten Berührenden sind nach den Lehren der analytischen Geometrie: dv dw Yan en v— u), z—w— 7 (2 — u) und dv, dw, y—-—u => I (2 — u), 2? — w = am u). Sollen diese Berührenden, wie die Aufgabe verlangt, sich schneiden, so muss bekanntlich die Bedingungsgleichung dv ad d d Fe a. d d d d a (er 5.) ((e ua a m) stattfinden, welche man leicht auf die folgende Form bringt: dv dw, dw dv, dw dm — au), ann Es —ı er) dv dv, n — (w—wı,) — u nn) Bezeichnen wir nun die Coordinaten des Durchschnittspunktes der beiden Berührenden durch x, y, 2, so müssen, natürlich unter der Voraussetzung, dass die vorstehende Bedingungsgleichung erfüllt st, diese drei Coordinaten aus den vier Gleichungen 3) bestimmt werden. Zur Bestimmung von x erhält man aus diesen Gleichungen durch Subtraction: dv dev, dv dv, vo -(- — —)2—(u u ) du du, du du,’ (dw dw,ı dw dw, u — » = (— — —)e— (u — — u —); du du, du du,}’ - also: A An 0) dv x du an I = dv dv; 2 du du; w dw vw - wt-fu — — u — du, L,— > dw dwı Eine geometrische Aufgabe. folglich: — vw — (u — u — i du On Nun d d ; ® v 6 du du ) d w GC —- U dw dw, du du und: (u u) & vo —ve — (u — u) — 1 1 2 pen d d : A bnane 7) du du w du X — U = dw d wı du du yz) von den Die Quadrate der Entfernungen des Punktes (x beiden Berührungspunkten (u » w) und (w, v, w,) sind (e — u” + (y— ev) +(2 — w)? und @—- u? + Wu)” +@— m)» 2)‘ und also nach 3): Eh (u) f ee R dvy2 dw?) (eu) 14 ee |; und da nun nach den Bedingungen der Aufgabe diese beiden Entfer- nungen zu einander in einem gegebenen Verhältnisse, welches wir durch :pı bezeichnen wollen, stehen sollen, so muss la ar 2? Pa = @—W1+ HN oder: e(e— u) 1 +) +) ze | = 1 (@— | 142) + N also: u (2 — ol +( —i +) - hl: 8) 9) Ss Grunert, oder: ul — u. +( au nn el =) u) du, a, AR ee dw N I We (u) eh sein. Führen wir jetzt in diese Gleichung für & — u und x — u, ihre Werthe aus 6) und 7) ein, so erhalten wir die beiden folgenden Gleichungen: ja +09 Ver + MM | UN an) Ulm, (u ua u) A z I - En f je Be, a + a 0; en {m in - WEN Her . oder, wie man nach leichter len ander: 1 ni Ve RAT ee Si oe Ver " V+)+H + "Vır@y Co) Diese beiden Gleichungen und die vier Gleichungen 2) reichen zur Bestimmung der sechs Coordinaten v4, v, w und ,, v,, w, der beiden gesuchten Punkte hin, und lösen also unser Problem im All- gemeinen auf; dass man aber auch eine der in Rede stehenden sechs Gleichungen durch die Gleichung 4) ersetzen könnte, versteht sich von selbst und braucht wohl kaum noch besonders erinnert zu werden. Wenn die beiden gegebenen Curven in einer Ebene, die wir als Ebene der xy annehmen wollen, liegen, so reichen die beiden Gleichungen y=f@),y=-h(@) zu ihrer Charakterisirung hin, und es ist nun allgemein 2 = 0 für beide Curven, also auch » = 0 und w, = 0. Daher sind die Eine geometrische Aufgabe. 9 Gleichung 4) und die zweite der Gleichungen 8) identisch erfüllt, so dass man jetzt also zur Bestimmung der vier Coordinaten «, v und 4, , v, nach dem Obigen nur die drei folgenden Gleichungen hat: u A a — ha): y| 1+(&) =Vı+ (2) en PZ \ 1 (2) au ze Daher ist die Aufgabe im vorliegenden Falle been und man wird also in diesem Falle immer den einen der beiden Punkte (u v) oder (w, vı) in der ersten oder zweiten Curve willkürlich annehmen können, wodurch die erste oder zweite der drei Gleichun- gen 9) erfüllt wird, und die beiden Coordinaten des andern Punktes dann mittelst der beiden anderen der drei Gleichungen 9) bestimmt werden müssen. 1. In den astronomischen Lehrbüchern hat, wie schon in der Ein- leitung erwähnt worden ist, der Fall mehrfache Behandlung gefun- den, wenn die beiden gegebenen Curven zwei in der Ebene der x y liegende concentrische Kreise sind. Nehmen wir den gemeinschaft- lichen Mittelpunkt dieser beiden Kreise als Anfang der & y an, und bezeichnen die Halbmesser der beiden Kreise durch r und r,, so haben wir die beiden Gleichungen: | u? —- ve — r2, u? -. vn: aus denen sich: ® "40 = 0m Fuzi - 2 also: dv u dv, u Tr folglich: a rl 1+(2) ie -5 14) - 5-5 2 2 ®, ® ergibt. Haben nun v» und v, gleiche Vorzeichen, so ist: Vı+@)- 2. Vi) +2: Ü % 9%) 10 Grunert. haben dagegen v und v, ungleiche Vorzeichen, so ist: 4-2 Minkalmag; en indem man die Vorzeichen immer so nimmt, dass die Quadratwurzeln positiv werden. Im ersten Falle führt die dritte der Gleichungen 9) zu der folgenden Gleichung: ur .__ ur == 7 2— OH vv, vv Fur: 9 u— u, T u Tr ee 1 im zweiten Falle dagegen führt die dritte der Gleichungen 9) zu der folgenden Gleichung: ur ur VO anch vv ®vı === uU —Uu 1 Mi m so dass man also im Grunde doch nur die Gleichung ur, __ ur } as KT: ® — dv, vv 93 u — uU ET N Tr za Ei a hat, auf welche wir daher im Folgenden auch nur unser Augenmerk richten wollen. Leicht bringt man diese Gleichung auf die Form: v—v, ulu—u,) 9 v.— u, (u —u,) 3 Str | ze also auf die Form: en (Wr un -vu)= Fahr (uw tun? — um vu) folglich auf die Form: un (rum — vu) tar (n?— um -vu)—=(0, eine Gleichung von sehr eleganter Gestalt. Aus dieser Gleichung ergibt sich sogleich: % vv, vv, LTE LıT, A T- Prıt Pur und da es nun in dem vorliegenden Falle zweier concentrischer Kreise vu TvVu =[trtrı offenbar ganz gleichgiltig ist, wo man in dem einen der beiden gegebenen Kreise den willkürlich anzunehmenden Punkt hin verlegt, so wollen wir u, =(), v, = r, setzen, wodurch wir mittelst der obigen Gleichung sogleich e er t4 7 er, tbır Eine geometrische Aufgabe. erhalten. Weil aber u? — r? — v? st, so ist, wie man leicht findet: 2 U (ur, +24 r)* also: u” = 5 (ur, tur) 11 (r —ve)(r+v) „e ale er nr) 9 N en) Daher haben wir für w, v die beiden folgenden Systeme zusam- menstimmender Werthe: v(e— 1?) (1? — 1? er +4 r u +r ( N) 1 I A, a a | MI TRITT er tpır und Ve? — u?) (nn? — r? er —wr a Cr ) Bu Re BT NN a Kal, Die Möglichkeit des Problems erfordert, dass das Produet (ke? — u?) (ri? — r?) eine positive Grösse sei. Aus 1. ergibt sich leicht im Allgemeinen: ( ) bmsır D— ie DU oma 1 1 a Ü — — & dv, du du, doN dv; dvı,\ dv OU Ed u ) du) du du, du, Yy —= 5 dv dv du dus folglich für «, Mittelst leichter Rechnung findet man aber: Ir —r? a er) er, tur und hat daher nach dem Obigen für x, y die be obigen entsprechenden Systeme von Werthen: iden folgenden, den v2 Grunert. M Pr und x m Unze In Ba also im Grunde nur das eine Rn v= + ne in u A natürlich jetzt ohne weitere Beziehung der Zeichen zu den Zeichen in den obigen Werthen von ı, v. Bezeichnen wir die Entfernung des Punktes (x y) von dem gemeinschaftlichen Mittelpunkte der beiden gegebenen Kreise durch R, so ist R?= x° + y°, also, wie man leicht findet: 2y,2 2 y2 R zZ N RTLE === 5 Sun ee Das Quadrat der Entfernung der beiden Punkte (wv) und (w, ©, ) von einander ist (v— um)? + (v — u®?= w#®+ ( — rn)? nun ist, wie man leicht findet: eG? = nr) Ü) — Yı — Paar AT also nach dem Öbigen: w + w— nn)? = woraus sogleich u + (e— r,)?= a — 14°) r? (r,° — r?) + 2? (nr? — r?)? (er; #Bı r)? i Mr) er erre (er, pr)” oder er, +bır u? + (v — r,)? = (rn? — r?) —— ( ) ee, oder, wenn wir die Punkte (« v) und (u, v,) respective durch Pund P, bezeichnen: pe. a ae er, ELır folst. Bezeichnen wir den gemeinschaftlichen Mittelpunkt der beiden gegebenen Kreise durch S, so ist natürlich Spy USB in. Eine geometrische Aufgabe. i3 Bezeichnen wir nun ferner die an den beiden Punkten P und P, liegenden Winkel des Dreieckes PSP, durch E und E,, so ist bekanntlich SD — — — B 2.PP,.8 2r.PP, PP? +SP?:—-SPp?® PP?+r?— 1 cos Eı = =; 2.PP,.SP, 2r,.PP, aber nach dem Obigen: PP: + r?— r’= + PP?+ nr? — r— also, wie man sogleich übersieht: fa (1° — r? er, Zpır un el 7 GE er, Mr N) ne u any ren ur E Hirt Gr 2) Diese Formeln noch weiter zu redueiren, ist nicht zulässig, weil man sich dabei nicht würde versichert halten dürfen, dass die Vorzeichen der beiden Cosinus richtig bestimmt bleiben; allerdings aber übersieht man auf der Stelle, dass BC m) er? — er : N ee 0) BE mi ist. Bemerkenswerth ist auch die aus den vorhergehenden Formeln sich unmittelbar ergebende Proportion: cos E? —= cos Ei? = cos E:cos EL = F Mm :P. Sehr leicht erhält man ferner: 2 2 rn ® a 2 ( en )? snB2 1 Teoshp2 — = par ner? 3 GE E er?— mtr: also, weil die Sinus der 180° nicht übersteigenden Winkel E und E, immer positiv sind: 2 2 e ee RR N) = —, Br? — mir? 2 2 : p Pa smE, =TrT V. =; 297 6) DJ ’ 2 pr sinE?=1— cos E?= 1A Grunert. woraus die sich auch ganz von selbst verstehende Proportion sin BE :\sin Er = sy :r folst. Endlich erhält man aus dem Vorhergehenden auch unmittelbar die beiden folgenden sehr einfachen Formeln: Wo) rn? Wu) r® u) el) Bezeichnen wir den an dem Punkte S liegenden Winkel des Dreiecks PS P, durch S, so ist bekanntlich SPP ISP?- PP? "tr? PP? tang E? = ‚ tang Ei? = cos SS = — — R 2.8P.SPp, Arr, es ist aber, wie man leicht findet: Ar LEE de 72 + 14° — De — arr ae er, Pr Tr also: MEER UN Cost ein er, Er woraus sich leicht er ei) Ale m also ang nn (er + m rı) ergibt. In der Theorie der Stillstände der Planeten setzt man das Ver- hältniss f:fı dem Verhältnisse der Geschwindigkeiten zweier in concentrischen Kreisen in einer Ebene sich gleichförmig bewegen- den Planeten, von denen der eine gewöhnlich die Erde ist, gleich. Sind nun T und 7, die Umlaufszeiten dieser Planeten, so ist irn 2rıır nr Nm m. das Verhältniss der Geschwindigkeiten, also p: pa -:prhen 1% folglich Be ne I Te. Nach dem dritten Kepler’schen Gesetze ist aber 112.273 — 14°: 1%, ot Eine geometrische Aufgabe. 1 also nach dem Vorhergehenden: 2 % B Pa . — pl. m? 72? 0) ns T : 11 9 woraus ra? mr nern !r oder pa =Vr:Vr folgt. Also ist nach dem Obigen: (2 — 7?) Vr V r,Yr, £rVr r,Yr, 4rVr [2 —- 7) 0, Yrı FrVr)’ u [12 — 1?) Vr, V r,VYr, #rVr s ee aa er @r 2) Nav) folglich eos h- = cossBr2cos MH — EV :Vn. Setzt man der Kürze wegen r,Vr, +rVr 2 r? — r Be Yr V K 5 Vr, V K c0S = = n/a COS — m NEN. En EN EN. = r,VYr, FrVr ; K r,Vr, * rVr Diese Formeln sind zwar etwas weitläufig; wollte man dieselben aber weiter vereinfachen, so würde man Gefahr laufen, dass die Vorzeichen der Cosinuse nicht richtig bestimmt blieben. In der That sind diese Formeln, welche bis jetzt unter der vorhergehenden Ge- stalt noch nicht bekannt waren, die einzigen, welche eine ganz unzweideutige Berechnung der Winkel E und E,, die in der Astro- nomie bekanntlich die Elongationen der betreffenden Planeten von der Sonne genannt werden, gestatten; keine andere der bis jetzt in den astronomischen Lehrbüchern vorkommenden Formeln ist dies zu leisten im Stande. Leicht ergibt sich mittelst des Obigen auch: (r, — r) rı? (r, — r) r? . 1 N . 1 sın E? NM er E,? FUN og ae TIERE T,? — rd 14° ud oder: ; eig . r? sın E? — = sın EB? = een rtrn, tr? 16 Gizun/eunit: also: 14 | 1: -„ sın DL — sin E= —ı- Fe > Ve +trr +r2? Vr? + Ehe Ba welche Formeln es aber unbestimmt lassen, ob die Winkel X und Z, spitz oder stumpf sind. Leicht erhält man nun auch: en) N) ‚cos H’-= cos BE? — — 5 ER; BE III folglich: r r? tang EE =— — — , tang Ei? = — — 3 al I (er +n) oder: .) (2). al DH Aal, r\ R tang E* — „., tang E?’= ns al a r 71 woraus sich ohne Beziehung der oberen und unteren Zeichen auf einander rı r tang E= + en tang EL = + a ergibt, und die oberen oder unteren Zeichen zu nehmen sind, je nachdem die betreffenden Winkel spitz oder stumpf sind; ob aber das Erste oder das Zweite der Fall sei, darüber liefern natürlich diese Formeln gar keine Entscheidung, so einfach dieselben auch an sich sind; eine solche Entscheidung liefern nur die oben von mir gegebenen, bis jetzt noch nicht bekannten Ausdrücke von cos E und cos E,, welche freilich weitläufiger sind. Die vorhergehenden Aus- drücke von fang E und tang E, sind die, welche bis jetzt allein in den astronomischen Lehrbüchern vorkommen; ihre erste Erfindung scheint Keill (a. a. 0. S. 236) zu gebühren, wie auch Delambre in seiner Astronomie theorique et pratique, Tom. II, pag. 8 bemerkt. Endlich erhalten wir aus dem Obigen noch zur Bestimmung des Winkels S die folgende ganz allgemein giltige Formel: T Vr, ERTA Vr Se ee zT Vr Tj Vr, Eine geometrische Aufgabe. 17 Aus dieser Formel ergibt sich: (49) Hr; FVn r,VYr, £rVr j N 2) VDE 2 cosi S ri abe EOE She vr, ya 2 smı®—=1—cosS—= also: A N RE Yr, FVr mo rue 7 Vr, +Vr’ oder: (Vr, SE Vr)? mer nr tang > lad ‚und folglich, weil tang 4, $ immer positiv ist: ve T Vr)® tang:S = re > tr wo es nicht verstattet ist, die Quadratwurzel aus dem Zähler wirk- lich auszuziehen, eben desshalb, weil, wie schon erinnert, tang iS immer positiv sein muss. Auch ist, wie man leicht findet: Gr REN LEN Wa (HYr, & r Vr)® Will man praktisch ohne alle Zweideutigkeit rechnen, so scheint mir dabei das folgende Verfahren das einfachste zu sein. Man berechne ‚S mittelst der Formel oder: tang!S = Re wobei nie eine Zweideutigkeit bleiben kann. Dann kennt man E+ E = 180° — S$. Weil nun in dem Dreieck PSP, die Winkel E und E, den bekannten Seiten r, und r gegenüber stehen, so weiss man, welcher von denselben der kleinere ist, und dieser Winkel ist jederzeit spitz, kann also immer mittelst einer der beiden Formeln: [9 Sitzb. d. mathem.-naturw. Cl. XVII. Bd. I. Hft, 18 Grunert. ri r tangE==+ JAN IET EAN ‚tngnEb== 1+ ai in denen für spitze Winkel die oberen Zeichen zu nehmen sind, gefunden werden, worauf man dann auch den andern der beiden in Rede stehenden Winkel leicht ohne Zweideutigkeit findet, weil man nach dem Obigen die Summe E+ E, dieser beiden Winkel kennt. r I. Wir wollen nun zwei aus demselben Mittelpunkte mit den Halbmessern r und r, beschriebene Kreise betrachten, deren Ebenen unter einem gewissen Winkel gegen einander geneigt sind. Den semeinschaftlichen Mittelpunkt der beiden Kreise nehmen wir als Anfang der xyz an, ihre gemeinschaftliche Durchschnittslinie soll die Axe der &, und die Ebene des mit dem Halbmesser r; beschriebenen Kreises soll die Ebene der &y sein. Bezeichnen wir dann den 180° nicht ünpersteigenden Winkel, welchen die Ebene des auf der positiven Seite der Ebene der xy liegenden Theils des andern mit dem Halbmesser r beschriebenen Kreises nach der Seite der positiven y hin mit der Ebene der xy einschliesst, durch :; so sind die Gleichungen der beiden Kreise offenbar für den einen: 2 IL y2 I 22 72 2 ytangı oder: ®?+y+2?2=r%, ysni—zcosi—=(: und für den andern: a 2 Daher haben wir zwischen den gesuchten Coordinaten u, v, w und %,, %,, w, Jetzt die folgenden Gleichungen: u —+ v0 + w® — r?, v sini — wcosi—0 und U? + ®° —— a wı = 0. Aus diesen Gleichungen erhält man durch Differentiation: dv dw dv dw u — — —=I(, — sin i— — cosi=0 u a und dv, dw, ——l, — =. Ki du, du, Also ist, wie man leicht findet: Eine geometrische Aufgabe. 19 5 : SER ucosi-+ (v cost? + w sin i) a u 2 5 dw u sind (v cosi + w sin) — — 0 u und folglich: dv u cosiV dw u sin i BSENN SL ERRRTEN — NE DER ERTTNRR TEE woraus sich vn 2/4 a u + (v u - 2 un u du (v cosi + wsini) ergibt. Nun ist aber u? + (vcosi + w sin i) — u? + 02 -+ w? — v2 (1 — cos 1?) — we (1 — sin i?) + 2vw sin i cos — u? +0? + w? — (v2 sin ? — 2vw sin i cos i+ w* cos i?) — u? + v2 + w? — (v sin i— w cos i)®, . . .) . . .> vcosit-wsini du vcosi+ wsinti also, weil nach dem Obigen „| + v” + w=r?, vsni — wcosi—=0 ist: u + (vcosi ft wsin ii) = r}, folglich: dv\2 dw 2 = 1 — —|[ ——, au br) Ü ( (v cosi + wsini)® Ferner ist nach dem Öbigen: dv, u dw 0 du, an v du, en also: dv? dwı2 uw? -v,° N 1 ae DD.) BEL re Re N “ © | a" G | ON: v” Hiernach erhalten wir nun zuvörderst nach I. 4) die folgende Gleichung: | usini u usini la u = er U) an en veost-wsini mv vcosi + wsimi u cosi u ee vcos?T + wsın? v oder: = (u— u) un sni+ —v) uv, sini — w |uv, cosdi — u (vcosi + wsin it, welche man leicht auf die Form : 0 = u (u + w?) sin «i—u (wu + 9%?) sin i+ uvo, sin i — w (um — vu) cos i, 9% 20 Grunert. oder auf die Form: = u (W + v2 +w) sn i—u (wmw?+ u?) sin i + v (uv, — vu) sini —w (uv, — vu) cos ti, also auf die Form: 0 = {u (u? + v2 + w?) — ulm? + v2)! sini (uw, — vu) (v sin i — w cos i), folglich wegen der Gleichungen : +” + w=r, uw? + u? =ır? vsni—wcosi—), auf die äusserst einfache Form: ur? — ur —0 bringt. Wenn man jetzt die beiden Gleichungen I. 8), mit Rücksicht auf den vorliegenden besonderen Fall durch einander dividirt, erhält man die cn dvı ae an an VEN N dvı = Vı+(2) ) ) Weil man nun nach dem Ka mit Beziehung der oberen und unteren Zeichen auf einander entweder 2, dw 2 dv r Vır — | Wi. \=-+- Im el) Tveoositwsini + De oder: Bm Vırzı = Tr, VH@)Ha)- Here) an du vcositwsini setzen muss, so erhält man im ersten Falle: v— vo, er,ucosiFt ru, N er, usini und im zweiten Falle: v — vo, pr, uweositpru, wo er, usini hat also im Grunde doch nur die eine Gleichung: v—v, pr,ucosiFp,ru DR pr, u sini f folglich die Gleichung: pr uw—v,) sini— pr, uwcosi= + urwu, oder die Gleichung: priu(v sin i— w cos i) — ur, uv, sini= F urwu, Eine geometrische Aufgabe. 21 was, weil v sin i—w cosi— ist, auf die höchst einfache Gleichung rw sını= 4 —— Pı%ı i a priuv, sni= + furwu, oder führt. Weil bekanntlich w= v tang i ist, so wird vorstehende Gleichung: pu R rv cosı= + B a er und wir haben daher jetzt die folgenden Gleichungen: u LER er, u : Bir‘ } == y-—H csı= + cos ı, en dv CH kırı welche wegen ihrer Einfachheit jedenfalls sehr bemerkenswerth sind. Aus der Gleichung “+” - w=r? erhält man, weil w = v tang i ist, folglich: wW+ vu” sece®—=r}, also, weil nach dem Obigen r® | Y u— u. 0— 5 — v, cos? Y, KıTYı ist: 4 2 2 r ur A 5 ul - zu? sece®coso®—r:, 1 kıTr folglich: | wru? + er?v?=m?r 4, Verbindet man hiermit die Gleichung uU? Sr vw —r®% indem man sie unter einer der beiden folgenden Formen schreibt: 102 rı?ı? ru? 11? u? — u? Yı En are u? a? 12 42 — pı? y2 11°5 so erhält man durch Subtraction dieser Gleichungen auf der Stelle; (u? 14? — m? r?) u? = (u? — 1?) 2 (u? 14? — m? r?) ur — mn? (n?—1r?); also: (a? — mu®)r;® Br ea): >= 0% (Ale —— e 2,2 2 rer u? Gas Sch Le y® und verbindet man nun hiermit die folgenden, aus dem Obigen sich unmittelbar ergebenden Gleichungen: 2» Grunert. 3 ya kr 2 u-—Ut=ı vı cos ?ı; r4” PırYı . er Re \ w=vtangı = + © sun as wu: al so sieht man, dass alle sechs Coordinaten bestimmt sind. Auf ähnliche Art. wie in II., auch alle dort eingeführten Bezeich- nungen hier beibehaltend, betrachten wir nun wieder das Dreieck PSP,, indem wir unser Augenmerk hauptsächlich auf die Bestim- mung der an den Punkten P, P,, S liegenden Winkel E, E,, 8 dieses Dreiecks richten. Zuerst ist PP? = (u— u) + —u)?+ (w—wı) uw + v2 + w? + u? + u? — um — vv r? 4 17? — ?2uu — ?vv, | r? ln Ä — na on 2 vi? cost r fa T } 2 (e? — 1°) r?r,® %upı rr, (17° —r? { A ( 1") a rrrr (Cr , IS ane SEN. EN a ni KA woraus sich nach leichter Rechnung: PP: Be wer? + mr? F 2upırrı cosi a le also: | 293 222 n ap Ve a r, + Bir? F Pupırrı cosi ! Be ergibt. Hieraus erhält man ferner leicht: ———_ url — r) (ur Fer, cos i) Dat 0, 22 222 2 a Tyi 2er, (rn? —r?) (er, # nur cos i) 2 A \ PP? + rn T N ae : und weil nun bekanntlich | PP? r? —r? PP?+r?— nr cos 2 Los 1 2r.PP, 2 ist, so ist: BE Mor —r)(pır Forjeos i) BE N Ba Rs Er? )er ?+e127? F Aupırrjcosi) ED Bl ?’—r?)(er Fpıreos a a su = REFEE I per — kr? (r ?—r?)(edr?+p®r? F 2a rrjcosi) Eine geometrische Aufgabe. 25 welche Formeln eine weitere Abkürzung nicht gestatten, weil, wenn man sich dieselbe erlauben wollte, die Zeichen von cos E und cos E, nicht richtig bestimmt bleiben würden. Aus den vorstehenden Formeln ergibt sich aber: rl? — rt) (Hr Fer, cos i)” cos E? = > 2 NEN (er? 24 rn) (een der m 2upırr cos i)' Bau 2) Wr + Bin cos 0)” { (er? — 2) Wer? + mer? # 2upırr, cost) also, wie man hieraus ferner leicht findet: c0S E}:? = ro: (ur, F pr eos? — m? (wur F ur, cos i)2} sin E? = er? wur) (er? 4er? 2epırr, cos i)’ . v2 {u® (u r, Frıreosi)’— m’ (mir Fer, cos ö)* sin E? = — — er? mr) er? + mr? F 2upırr cost) Es ist daher auch jetzt, wie es sein muss: sin E: sin EL = 1, :!rT; dagegen ist jetzt: cos E?: cos E?= m? (mr Fprı cosi)?:p? (urı Fur cosi)®, welches für © = 0 in: cos E? : cos Ei? = m? : u? übergeht; auch ist nach dem Obigen: cos E: cos E, = m (ur F pri cosi) :u(prı F Mr cost), folglich für <= 0: cos E: cos E, = u (ur Ferı):p(erı Flur) — Fa len Far)inten Fr). also: cos E:cosE,kL = Fu:f: ganz eben so wie wir schon in Il. in diesem Falle gefunden haben. Durch Division erhält man aus den vorhergehenden Formeln sogleich: | tang E? = nr? je? (er, 5 en r Do a (vr a BD ‘2 Br? n° — r) (ur Fer; cos)” tang Ei? = zu (u ea par eos i)" — u wrF U c0s Du; er Gr? — r?) (er, Fey r cos i)” Weil | 9 und, wie man leicht findet: % y \ 2A Gruuert. ü R —, priler +, r, cosi) -yuı r (ur, + ur cosi 2 tr2—PB:—=2rr, ı( ana - 2 Pı (A = #r ) Ber — 4° Tr” ist, so ist: er, (ert pr, cost) — ur (vr, + ur cost) ae 2 Ken cosS = E) oder auch: (Be ed)rrı = u (ar ri), cos 2m. 2 _ 2 »% In csoS = 9 woraus: (1?—r?) for (er, F fr cos? — m? (er Fer, cos i)%} (vr)? — 1? r?)? sin S? — D also ferner: Lang St Ge je? vr, Fureosi)’ — e’(mur Fer, cos Di jur; (ur ur, eosi) —mır(£ır,; er cos i)} 2 folst. Weil 2sinıS?—=1— c0sS, 2cos!S®?—=1-+ cos S ist, so ist auch: Gm) (2 (er, Fr eosi) + m (er Fer eosi)f BER lt ii (r,+r) Suter; Fpuresi)— mı(pır Fer, cos id & 1 Sen . 2 Se u Ku Da 9 2 sın! S? — also: r, —r eler, Frıreosi) + pr, (pır Fer; cost sy „er, Ban rl ,+r een Fmreosi)—m(ur ter; cost) oder: tang iS ER V% mL ; p? r tur + Rn (r + rı) cosi I, n+4r ern mr Fem(r—r,)cosi Setzt man: du Kurt ur, cost kB Br Fpırcosi’ tang 0 — so ıst: r, _r 1-+Ttang oO ige Ve ‚A ee rı +r 1-— tang 9 also: tang 45 = v: zr - tang (45° + 9); 1 und weil nach dem Obigen: Eine geometrische Aufgabe. 25 on furl Fpırcosi)® taug ER — ur; en N r,° — 1° (eu (Bir Fer, cosi) ee nn r er (pır F er, cosi)® I Pan er (ler; Fir cosi)® ist, so ist: m 24: cos 9? — sin 0°? tang E® = cot 9% — 1) = Sn Re J r?—r? ( ) r?—r? sin: ° r? Te cos 0° — sin 0? tang E? = 1 — tang 9%) = — . ——; 2: r?— 1? ( 90) r?—r? cos O* ; also: 2 2 5) rj c0520 Y c0s?20 tang EE = —— . — fano, Ba en an. g r?—r? sin 0?’ 7 r?—r? cos 0%’ oder: mE c0s20 r? c0320 tang E* = tang Ei? = (Hr) (+7) sin®9’ (Hr) tr) eos 8% - Wenn man S$ mittelst des obigen, eine Zweideutigkeit nicht zulassenden Ausdrucks von fang 1/, Sberechnet hat, so kennt man auch E-+ E, = 180° — $, und da man nun auf dieselbe Art wie in Il. immer leicht beurtheilen kann, welcher von den beiden Winkeln E und Z, der kleinere, also spitz ist, so lassen sich mittelst der obigen Formeln für tang E®? und tang E,* offenbar auch E und E, ohne Zweideutigkeit bestimmen. Wie in II. könnte man nun auch jetzt wieder in allen obigen Formeln für die Verhältnisse 1? : zu? und a: u respective die Ver- hältnisse r, :r und Yr, : V r einführen; der Kürze wegen will ich mich aber damit begnügen, dies nur in einigen dieser Formeln zu thun. Unmittelbar erhält man nämlich: VYr rVr Fr, Vr,.cosi ng H = u. , ng VYr, nYrıFrtr.cosi tang 1), 8 N — gan (45° + a I 72 IE: I > TA cos 20 er BEN : ang t (r, —r)(rı +r) sin 0? 2 20 fang E4? r cos Rz, —r)(r} + r) cos 62 ’ a Ser 26 Grunert. Diese Formeln, bei denen man nur noch zu beachten hat, dass EZ E, ist, je nachdem r, 2 r ist, woraus sich also immer sogleich ergibt, welcher der beiden Winkel E und E, spitz ist, dürften die bequemste numerische Rechnung gestatten, wenn man zugleich, was natürlich von besonderer Wichtigkeit ist. die Rechnung ohne alle Zweideutigkeit führen will. Leicht ergeben sich aus dem Obigen auch die folgenden Formeln: M le) rıısin aa Go Te Irung 3 an .\? 1 1 r8? Ir? F®rr,Vrr,.cosi r, (r + r,) r3 sin i* u NE DU BONES EONNRLAA SSR". 2 r? + rr, +r,° ! 3 3 I 1 1 v3 tLy3F%rr,Vrr .cosi und: i 14° rr, (r + r,) sin i° U — Van N a a vr +rr 1 3 dl = .\ 1 1 r? Hr? F2rr,Vrr,.cosi u . Q [en rr, (r + rı) sin 5 AN 1 1 sin Et = {1 TE a a rn? F2rr,Vrr,.cosi Diese Formeln zeigen, dass man, wenn man näherungsweise ti —= 0 setzt, also die Neigung der Ebenen der beiden Bahnen gegen einander vernachlässigt oder als verschwindend betrachtet, nur um Grössen der zweiten Ordnung fehlt. Um den Gebrauch meiner Formeln an einem Beispiele zu zeigen, wähle ich den Mercur. Nach Bohnenberger, a. a. 0. S. 300 und 301 ist für diesen unteren Planeten: r; = 1,0000000 r = 0,3870981 i= 70'974 1 — r = 0,6129019 1+r = 1,3870981 log r — 0,5818211 — 1 logyvr = 0,1939106 — 1 | log. ıvr = 0,58173817 — 1 rvyr= 0,2408417 log cosi = 9,9961483 — 10 cost = (0,9925407 ryr — cost = —(0,7516990 rYyr-+ cosi= 1,2333824 log (rV r.cos ’ — 0,3784800 — 1 rvr.cosi = 0,2390452 1—ryYr.cosi= 0,1609548 1+4rYr.cosi= 1,2390452 Eine geometrische Aufgabe. 2a 0,7516990 0,7609548 1,2333824 1,2390452 — vr Ä tang 0 = Vr. wo der erste Werth für die oberen, der zweite für die unteren Zeichen gilt. Obere Zeichen. log 0,71516990 0,8760430 — 1 | ogoyr = 0.193106 —1 0,6699536 — 1 log 0,7609548 = 0,8813589 — 1 log tang 6 = 9,1885947 — 10 9 = — 31° 34' 30" 0 4° +0 = 13° 25: 30” 0 log(1—r) = 0,1873909 — 1 log tang (45° + 0) = 9,3775911 — 10 0,1649820 — 1 log (1+r) = 0,1421072 0,0228748 — 1 2) 0.511437 —1 logtang4S = 9,51143%74 — 10 18 — 17° 59: 1%" % Ss’. W3b188) ab“ E+E=180 -S—= 144° 1!34'6 zer, HB spitz. log. ı® = 0,1756422 — 1 log cose20 = 9,6548081 — 10 0,8304503 — 2 log (i—r) = 0,18713909 — 1 log (i+r) = 0,1421072 log. cos ®& = 0,8609036 — 1 0,7904017 — 1 0,8304503 — 2 0,7904017 — 1 0,0400486 — 1 2) 0,5200843 —1 28 Grunert. log tang EL = 9,5200245 — 10 E = 18° 19! 20” 2 EB = 14 126 EK—= 15 ra 7 Untere Zeichen. log 1,2333824 = 0,0910977 log vr = 0,1939106 — 1 0,8850083 — 1 log 1,2390452 = 0,0930871 log tang 0 = 9,1919212 — 10 0 =. u3d4616 0 41-0 — 76° 46: 16” 0 log (1—r) = 0,1813909 — 1 log tang (45°-++ 0) = 10,6287846 — 10 NARIaTT log(1+r) = 0,1421072 0,2740683 2) 0,1370342 logtang:S = 10,1370342 — 10 Id — 53° 53: 30" 8 S—=- 10747: 9"6 E+E = 180 —S — 72° 12: 50" 4 u >r,H, spila. log. r: = 0.1756422 — 1 log cs?20 = 9,6488849 — 10 0,8245271 — 2 log (1 —r) = 0,1813909 — 1 log(1-+r) = 0,1421072 log . cos ® = 0,3589996 — 1 0,1884977 — 1 0,5245271 — 2 0,7884977 — 1 0.0360294 — 1 2) 0,5180147 — 1 Eine geometrische Aufgabe. 29 logtang EE = 9,5180147 — 10 E = 18° 14: 35" 9 Ba or Yorls0ar Boll EN! Noch will ich endlich bemerken, dass die aus dem Öbigen bekannten Formeln: w—m?) rı® a le) eng Wi e0r err?— p4?r [} er U} “ = vcosı,w= + - v, sın ı r kı'Yı Kırı zur Bestimmung der Coordinaten «, v, w; u, v,, wı, wenn man für die Verhältnisse #? :,° und g:zu respective die Verhältnisse r, :r und Yr;, :Yr setzt, die folgende Gestalt annehmen: Dı 5 er) I ra R+rn+r? r= i r ERURN. r el 0 E02008, 0% —, vV=-+tpv sın ı —., AR r, 1 r, [AR = 0; Herr v. Littrow, dem ich den vorhergehenden Theil dieser Abhandlung mitzutheilen mir die Freiheit genommen hatte, war so gütig, mich auf einen Aufsatz von Herrn Raabe in Zürich über die Planeten-Stillstände im XII. Bande der Annalen der Wiener Sternwarte ') aufmerksam zu machen und mir abschriftlich mitzutheilen,, der mir bis jetzt ganz unbekannt geblieben war. In diesem schönen, sehr lesenswerthen Aufsatze, durch dessen Mitthei- lung Herr v. Littrow mich sehr erfreut und zu besonderem Danke _ verpflichtet hat, hat Herr Raabe das Problem der Planeten - Still- stände ganz aus dem astronomischen Gesichtspunkte in sehr allge- meiner Weise behandelt, indem ich in der vorliegenden Abhandlung den Gegenstand mehr als eine bemerkenswerthe geometrische Auf- gabe, die zu vielfachen weiteren Untersuchungen Veranlassung geben, und namentlich jüngeren Mathematikern zu zweckmässigen Übungen empfohlen werden kann, aufzufassen mich bemühte, was von mir 1) Dem wesentlichen Inhalte nach auch abgedruckt im Crelle’schen Journale. Bd. Il. 30 Grunert. auch schon durch die diesem Aufsatze gegebene Überschrift ange- deutet worden ist. In der Abhandlung des Herrn Raabe interessirte mich vor- züglich der Umstand, dass das Endresultat, nämlich in den von Hrn. Raabe gebrauchten Zeichen, die Formel: tang (v—w-+k) = (1—vf) Virf = so wie eigentlich auch alle übrigen in dieser Abhandlung entwickel- ten Gleichungen und Formeln , von der Neigung der Ebenen der beiden Bahnen gegen einander ganz unabhängig sind, ein Umstand, auf den Herr Raabe nicht besonders hingewiesen hat. Herr Clau- sen in Dorpat, der das in Rede stehende Problem auch vor- zugsweise aus dem astronomischen Gesichtspunkte in Crelle's Journal der reinen und angewandten Mathematik, Band VI, S. 408, behandelt hat, ist auf dieselbe Unabhängigkeit seiner Formeln von der gegenseitigen Neigung der beiden Bahnen geleitet worden, und hat diesen Umstand auch besonders hervorge- hoben. Die von mir im Vorhergehenden entwickelten Formeln hängen dagegen sämmtlich von der Neigung der Ebenen der beiden Bahnen gegen einander ab. Ich gestehe, dass mir dieser Umstand zuerst auffallend war, dass mich aber der, namentlich durch seine Einfachheit ausgezeichnete Aufsatz des Herrn Raabe auch sogleich übersehen liess, welches der Grund dieser Erscheinung ist. Ich habe nämlich, in Übereinstimmung mit allen mir zu Gebote stehenden astronomischen Werken, namentlich in Übereinstimmung mit den in der Einleitung zu diesem Aufsatze genannten Astronomen, mein Augenmerk vorzugsweise auf die Bestimmung der sogenannten Elon- gation gerichtet, da diese für eine von der Erde aus zu beobachtende und durch Beobachtung zu constatirende Erscheinung wohl auch das eigentlich massgebende Element, und desshalb von allen früheren Astronomen gleichfalls lediglich ins Auge gefasst worden ist. Die Elongation, ebenso wie die sogenannte Commutation (S)), hängt in der That von der Neigung der Ebene der beiden Bahnen gegen einander wesentlich ab, wie meine im Obigen entwickelten 1) Herr Raabe hatzwar die Commutation auch ins Auge gefasst, aber nur für wirk- lich verschwindende Neigungen, was natürlich nicht hierher gehört. Eine geometrische Aufgabe. 31 Formeln aufs Deutlichste zeigen. Dagegen hängt die von Herrn Raabe entwickelte Grösse tang (u—w-+-k), wo u und « die soge- nannten Argumente der Breite für den Planeten und die Erde und %k die Länge des aufsteigenden Knotens der Planetenbahn bezeichnen, von der Neigung der Ebenen der beiden Bahnen gegen einander gar nicht ab, was jedenfalls ein sehr bemerkenswerther Umstand ist. Natürlich musste es für mich sehr interessant sein, zu unter- suchen, ob dieses Resultat, in welchem jedenfalls zugleich auch ein sehr bemerkenswerther geometrischer Satz ausgesprochen ist, sich auch aus meinen Formeln, ohne Rücksicht auf die Beziehung der- selben zur Astronomie, ableiten lasse, was, wie ich jetzt zeigen werde, allerdings ohne besondere Schwierigkeit möglich ist, so dass also die von mir angestellte Untersuchung mit Herrn Raabe’s Ent- wickelungen sich in der schönsten Übereinstimmung befindet, und wir daher hier wieder ein sehr lehrreiches Beispiel vor uns haben, wel- ches zeigt, dass in vielen Fällen aus verschiedenen Gesichtspunkten angestellte mathematische Untersuchungen, — jede für sich, — zu eigenthümlichen an sich bemerkenswerthen Resultaten führen können, die aber dann zuletzt doch wieder sämmtlich im schönsten Einklange mit einander stehen und zu einem Ganzen sich vereinigen lassen. Ich habe oben, in Bezug auf das dort näher charakterisirte Coor- dinatensystem der © yz, die Coordinaten der beiden Punkte (uvw) und (2, v, wı) oder, weil w, = 0 wı —P ist (w, v, ), auf die hier alles ankommt, bestimmt. Ich will nun den Winkel, welchen die von dem Anfange der Coordinaten (der Sonne) nach dem Punkte (wv w) (dem Planeten) gezogene Gerade mit dem positiven Theile der Axe der & (der Knotenlinie der Planetenbahn) einschliesst, durch ® bezeichnen, ‘indem ich diesen Winkel von dem positiven Theile der Axe der x an nach der Seite der positiven 3 hin von 0 bis 360° zählen werde. Eben so will ich den Winkel, welehen die von dem Anfangspunkte der Coordinaten (der Sonne) nach dem Punkte (x, v,) (der Erde) gezo- gene Gerade mit dem positiven Theile der Axe der & (der Knoten- linie der Planetenbahn) einschliesst, durch ®@, bezeichnen, indem ich diesen Winkel von dem positiven Theile der Axe der x an nach dem positiven Theile der Axe der y hin von 0 bis 360° zählen werde. Dann hat man, wie leicht erhellen wird, die folgenden ganz allgemein giltigen Formeln: 32 GAmURnBeNTED: U=r00s8sd, v=ersn®@cosi, w=rsn d sini und u4=1r 0088. uU =n sn Dı: Also ist (2) \ Y — = lang ® cosı, — —=tang Oı U U, und daher: lang @ — lang ®, vu, —uv, cost tang (@ — ®ı) = 1 + lang @ lang @, TR vv, +uu, cost Nun haben wir aber im Obigen gefunden: . Tr v=H vı Cosi, Kırı so dass also: er \ pr U dı COST, v0 — aan AA vum =+H vı vı Cost; folglich nach gehöriger Substitution, wie man leicht findet: eruvı Fit ud tang (® — ®ı) = Erv, vı 3 Pı Tı vu, ist. Ferner haben wir oben gefunden : y? u— — uU, 1° also: 2 r? uv, —= — MU; uu = U U» en ru 1 1 woraus sich, in Verbindung mit dem Vorhergehenden, nach leichter Rechnung: Bi (er, Faur)umv, tang (® — ©ı) = ee ergibt. Endlich haben wir oben gefunden: a) 2 2 2 2 el) \ Ur? 3 9 vd, n 2% ® 2 md pr Pı r also ist, wie man nach einigen leichten Verwandlungen findet: a ae u"), a Ba i . “ L Eine geometrische Aufgabe. 38 und folglich: tang (® — ®ı) = —— —— . ——, Kr, zer Yı Tr“ wo nach den vorhergehenden Ausdrücken von 4? und v,? offenbar 9 er)? also auch fang (@—%,), von der Neigung © der Ebenen der beiden Bahnen gegen einander ganz unabhängig ist, welches Resultat jeden- falls ein besonderes Interesse darbietet. Weil, ohne Beziehung der Zeichen zu den früheren Formeln I IENDR a Ma 3 = NE) 2,72 kıTı. N u ©, EN (- Bi \\ ve. Een) BEN £ Ka 2a frz? ist, so hat man nach dem Vorhergehenden für tang (@—@ı) die folgenden Ausdrücke: V(w? TpagE 4?) Gi r?) Be Am RUE Kur zur Sa V(v? — N) Kr, zer tang (© Tem: ı) = Setzt man hier wieder für u, &, wie früher respective Yr,, Yr, so erhält man: ar Nee DIOR ne, en ENT SITE DIGLEZDN eh 11 Vr Er Vr, : was man, ohne bestimmte Beziehung der Zeichen zu den Zeichen in den vorhergehenden Formeln, auch so zu schreiben berechtigt ist: (Ne # Y, Vr + Vr, ; (nn —r)Vr £r r,V/r + rVr, tang (© FEN ©) So tang (® — ©) = Für r,=1 werden diese Formeln: (—r) VYi+r | a7: (1+Yr) ’ Ad-r)vYi+r Yr.(i +Vr) tang (® — ©) = Sitzb. d. mathem.-naturw. Cl. XVII. Bd. I. H£t, 3 34 Grunert. Eine geometrische Aufgabe. oder: +aFm VIEL, f I+r _ Ar) V zur was der Form nach vollständig mit dem von Herrn Raabe gefun- denen Endresultate übereinstimmt. Es ist also, wie schon erinnert, allerdings fang (DB —®ı) von der Neigung unabhängig, wogegen die sogenannte Commutation und Blongation, auf welche letztere es in astronomischer Beziehung bei diesem, eine von der Erde aus zu beobachtende und durch Beobach- tung zu eonstatirende Erscheinung betreffen den Probleme hauptsäch- lich und vorzugsweise ankommt, von der Neigung der Ebenen der beiden Bahnen gegen einander abhängen, wie’ die von mir oben für diese Elemente entwickelten Formeln auf das Deutlichste zeigen, und auch wohl, als der Natur der Sache vollständig entsprechend, von vorn herein erwartet werden konnte. tang (® — B®ı) = Grunert. Über eine astronomische Aufgabe. 35 Über eine astronomische Aufgabe. N. Von dem e.M. J. A. (runert. Unter den verschiedenen Problemen, zu deren Auflösung die Theorie der Bewegung der Planeten um die Sonne Gelegenheit gibt, ist jedenfalls die Aufgabe: Aus zwei Vectoren, derDifferenz der entsprechen- den wahren Anomalien und der Zeit, welche auf die Beschreibung dieser Differenz der beiden wahren Anomalien verwandt worden ist, die Elemente der Bahn zu bestimmen, welche sich nicht auf die Lage der Bahn im Raume beziehen eine der wichtigsten. Desshalb haben auch mehrere der berühmte- sten Mathematiker und Astronomen, z. B. Euler in der Theoria motuum planetarum et cometarum, Berolini 1744, sich mit der Auflösung dieser Aufgabe beschäftigt; insbesondere aber hat Gauss derselben einen nicht unbeträchtlichen Theil seines berühmten Werkes gewidmet, die Auflösung durch besonders dazu berechnete . Tafeln zu erleichtern gesucht und eine grosse Anzahl sehr merk- würdiger Relationen zwischen den bei dieser Aufgabe zur Betrachtung kommenden Grössen entwickelt. So schwer es auch allerdings zu sein scheint, einem solchen Werke noch etwas Wesentliches von einiger Bedeutung hinzuzufügen, so glaube ich doch, dass einige bis jetzt übersehene merkwürdige Relationen, auf welche ich bei Gelegenheit einer grösseren Arbeit über die Bewegung der Planeten und Kometen um die Sonne zufällig gekommen bin, und eine auf dieselben gegründete Auflösung der in Rede stehenden so ungemein wichtigen Aufgabe, die ich im Folgenden entwickeln werde, der Auf- merksamkeit der Astronomen und Mathematiker nicht ganz unwerth 9% (1) (2) 36 Grunert, sein dürften. Was die von mir gefundene Auflösung der Aufgabe an sich betrifft, so erlaube ich mir im Allgemeinen zu bemerken, dass ich dieselbe, nach den Ansichten, die ich mir nun einmal über die Auflösung soleher, der Natur der Sache nach nicht anders als durch Näherung zu lösenden Aufgaben gebildet und bereits an verschiedenen Orten ausgesprochen habe, so geben werde, dass dabei von einer Grösse ausgegangen wird, von welcher man aus bestimmten theoretischen Gründen weiss, dass sie zwischen zwei bekann- ten, möglichst nahe bei einander liegenden Grenzen eingeschlossen ist, worauf dann ferner die Auflösung ganz nach der Methode der successiven Näherungen ausgeführt wird, wie dieselbe aus der Algebra bei der Auflösung der numerischen Gleichungen durch Näherung bekannt genug ist, und hier um so weniger näher erläu- tert zu werden braucht, weil ich nachher das anzuwendende Ver- fahren durch ein ganz ausgerechnetes Beispiel in vollständiges Licht zu setzen hoffe. Was die im Folgenden gebrauchte Bezeichnung betrifft, so würde es, schon der leichten Vergleichung wegen, jeden- falls zweckmässig gewesen sein, dievon Gauss gebrauchten Zeichen auch hier in Anwendung zu bringen; wegen der Verbindung jedoch, in welcher diese Abhandlung mit der oben erwähnten grösseren Arbeit über die Berechnung der Bahnen der Planeten und Kometen steht, die ich späterhin zu publieiren hoffe, habe ich es vorziehen zu müssen geglaubt, die von mir in dieser grösseren Arbeit gebrauchten Zeichen hier beizubehalten, weil sonst eine spätere Beziehung auf die vorliegende Abhandlung nicht, oder wenigstens nur mit Unbequem- lichkeit möglich sein würde. | Dem zufolge wollen wir die grosse und kleine Halbaxe und den Parameter der Bahn respeetive durch a, 5 und p; die beiden gege- benen Vectoren durch r,r, ; die beiden entsprechenden wahren Anomalien durch v, v,, und die beiden entsprechenden excentrischen Anomalien durch «, u, bezeichnen; ausserdem soll wie gewöhnlich Var Bd [4 gesetzt werden. Dies vorausgesetzt, haben wir nach der allgemeinen Theorie der Bewegung der Weltkörper um die Sonne zuvörderst die beiden folgenden ganz allgemein gültigen Gleichungen: CH r=al(l-—ecosu), n=a(l-—ecos w); Über eine astronomische Aufgabe. a7 aus denen durch Subtraction und Addition sogleich 7, — r = —dae (cos u — cos u) — 2ae sin! (uw — u) sn! (w-+ u), 2a — ae (cos wu + cos u) 2a — ?2ae cos! (wm — u) cos! (u + u); nn +r | also, wenn wir der Kürze wegen 2—=1(m—n),y=i(lu tu) @) setzen, r, —r = 2ae sin © sin y, (4) r, tr =?2a(1—e cos & cos y) erhalten wird. Ferner ist nach einer aus der Theorie der Planeten - Bewegung bekannten Formel: cosu—e CO U = ————, 1—e cos u also: 1 e)(1 — cos u re Lina 1—ecosu 1-.e) (1 cos u ee len 2 1-—eecos u oder nach bekannten goniometrischen Formeln: u — EL 1— es u 1-e le 1 712° eos 202 — cos 4 u2; 1—ecosu folglich, weil nach 2) r 1—ecosu=- a ist: Ä (1+e)a , (1 -—e)a sın „02 — sn !ur, .cos.v2— _ cos! ur Y Tr Offenbar ist immer gleichzeitig 0 = 2 1800, 0 Zr 31808 und 180° < u < 360°, 1800 < » < 360°; (3) (5°) (6) (7) 38 Grunert. also gleichzeitig I Im u < 0,0 an, um und mb 909< wir u < 180%, 90°< 1» < 180°; so dass also sowohl sin 3 u und sin z v, als auch cos zu und cos 3v stets gleiche Vorzeichen haben, und daher nach dem Obigen in völliger Allgemeinheit ° . 1 e [49 1 FIBRT e a sin yo — sinyu VAFI«, cos} v — cosju VAZ9®, Tr r und natürlich ganz auf dieselbe Weise . . a a 1—e)a sın3 u = sın lu N De » cosivy = 0083 WU yaıe 1, 2A ist. Aus diesen Gleichungen ergibt sich: sin! (vu —v) = sin! vı cosiv — cost vı siniv | : avi—e avi—e? — sın z U) 0083U— ——— - — 008,41 C0OS,U rrı rr avi—e , = ——— sin: (u — u), cos! (un —v) = cos!v, cos4v + sin! vo, sini v (1—e)a ü j (1-+e)a — cosılı Cosiu — 1 suis SU SU Vrr, Vrr, 74 ea — ——— cos! (m — u) — — cos! (u + U); Vrr, Vrr, also, wenn wir o=} (m —v) setzen, wo, weil bei der aufzulösenden Aufgabe die Differenz der wahren Anomalien als bekannt angenommen wird, © eine bekannte Grösse ist: sinoVrr, aVi-—e:2. sin x, cosOVrr, — a (cos x — e cos y). Weil die absoluten Werthe von O= +{v, —v) und «= 3(u —u) offenbar nie grösser als 180° sind, so folgt aus der ersten dieser beiden Gleichungen, dass O und &, also auch „ —v und u — u, immer gleiche Vorzeichen haben. Über eine astronomische Aufgabe. 39 Nach der ersten Gleichung in 7) und der ersten Gleichung in A) ist: sine Vrr, avi— e& also nach gehöriger Substitution des Werthes von sın x in die zweite Gleichung: ea 11 7 r R » sm y= -—— sn = z 9 2aesınz (—r) NM N. (8) 2esnOVrr, Ferner ist nach der zweiten Gleichung in 7) und der zweiten Gleichung in 4): sıny = cs 09V rr = a(cos ©—e cos y), nn tr=?2all—ecoszcosy); also durch Division: eos O Vrr, cos x — e cos y r, +r 2(ll—ecoszcosy) (9) Bestimmt man nun aus dieser Gleichung cos x, so erhält man nach leichter Rechnung: 2cosO VYrr, te(r, +r) cosy WEI nu} r, tr+?2ecos 9 cosyVrr, also, wie sich hieraus ferner leicht ergibt: ([ +r—2%cosOVYrr,)(1-—ecosy) 1— cos = = > r, +r+?%ecosO cosyVrr, 00 ne N LT en een). r +r+%ecos0cosyVrr, { folglich: EN (rr +r—2%cos O Yrr,) A —ecos y) j r, tr+%ecosdcosyVrr, i ee (r, +r+2cos O0 Vrr,) (l +ecos y) (10) ET NEE N To NE EB r, tr+?2eceos O0 osyVrr, und hieraus ferner: tr —2cosO Yrr, 1-ecosy tangi 2? = DEN AL tr +%cos0 VYrr, 1teecosy (11) (13) (14) (15) (16) AV Grunert. oder, wenn wir der Kürze wegen r tr—?ReosOVrr, ® C ec GET ERRRGR TRTORE TIEREN FOR TE TNIOG TOR WERTET) r, tr+®2eos@QYVrr, wo, was wohl zu beachten ist, C blos von den gegebenen Grössen r, 73; O abhängt, und insofern also als eine constante Grösse zu betrachten ist, setzen: 1—ecosy tang ti &?® = Ü ———. I: 1-+ecosy Weil, wie man leicht findet, r, +r— 2 cos 0 Vrr, = (vr —Vr)? cos40° + (Yrı + Vr)® sini 0%, „tr+2co9V rr, = (Yrı +Vr)?cosi 9?+ (Yr, —YVr)? sin 4 0: ist, so ist C offenbar eine positive Grösse; und weil e kleiner als die Einheit, der absolute Werth von e cos y also offenbar um so mehr kleiner als die Einheit ist, so ist auch der Bruch 1—ecos y 1-+ecos y stäts positiv. Die excentrischen Anomalien « und «, übersteigen 360° nicht, also ist der absolute Werth von # = (uw — u) nicht grösser als 180°, folglich der absolute Werth von +2 —=+(u, — u) nicht grösser als 90°, und fangz = x hat daher immer gleiches Vorzeichen mit 20, also mit «, — u, folglich nach dem Obigen mit v, —v oder ©. Daher ist nach 13) i 1—eeosy b) ig — „Vu a zu. 1-+ecosy indem man in dieser Formel das obere oder untere Zeichen nimmt, je nachdem das gegebene v, — v oder © positiv oder negativ ist. Wenn man % cos Vr r] Cost San m ae een setzt, so ist C=tangzw?, VC=tang zw. Weil rn +r—2V rn = (vn — Yr) Über eine astronomische Aufgabe. A1 ist, soist 2 V rr, Zr-+r,, und daher gewiss der absolute Werth des Bruches auf der rechten Seite der Gleichung 15) nicht grösser als die Einheit, so dass sich also der Winkel » in der That mittelst die- ser Gleichung immer bestimmen lässt; man muss w stäts positiv und nicht grösser als 180° nehmen, damit fang =w jedenfalls positiv werde, was wegen der Gleichung vC=tangiw erforderlich ist. Wir wollen jetzt die Zeiten, welchen die beiden Vectoren v,r;, die wahren und excentrischen Anomalien », v, und a,«, entsprechen, durch 7, T, bezeichnen, und wollen von jetzt an voraussetzen, dass T, grösser als 7’ sei, so dass also die Grössen r,, v,, ı, einer späteren Zeit als die Grössen r, v, w entsprechen, wobei die Zeiten T und 7, von einem beliebigen Zeitmomente an gerechnet sein mögen. Dann wird jedenfalls die Zeit, welche der Planet gebrauchte, um von der wahren Anomalie v zu der wahren Anomalie v, überzu- gehen, durch die Differenz 7, — T dargestellt, und da diese Zeit bei unserer Aufgabe als bekannt angenommen wird, so wollen wir die- selbe durch das einfache Symbol x bezeichnen, also = NT, —T setzen. Ferner wollen wir durch £ und {, die Zeiten bezeichnen, welche von dem Zeitpunkte an, wo der Planet zunächst vor dem Zeitpunkte, wo er die wahre Anomalie ©, hatte, durch das Perihelium ging, bis zu den Zeitpunkten, wo er die wahren Anomalien v» und v, hatte, verflossen sind. Ist dann zuerst O=:(v, —v) positiv, also v, >v, so kann der Planet offenbar nicht während des Zeitinter- valles r durch das Perihelium gegangen sein, und es ist daher in diesem Falle, wie man sogleich übersehen wird, t, > f und a nn Tu. Wenn dagegen O=: (v, —v) negativ, also , 1, was ungereimt ist, und konnte nun aus einer sorgfältigen, an sich übrigens ganz einfachen Betrachtung der obigen Formeln, die ich der Kürze wegen hier nicht weiter erläutern will, leicht schliessen, dass überhaupt nicht zwischen —1 und + 0,1 liegen könne, wesshalb (34) AS Grunert. ich für ww neun blos positive Werthe zu setzen mich für berechtigt hielt. Ich setzte daher » = + 0,2 und = 0,3 und fand: w — 0,2 w + wu? — e? = — 0,0008121 w = (0,3 w: + wı? — e: — — 0,04815592. Wenn nun auch die Werthe von »°®—+ w,?— e? einen Zeichen- wechsel noch nicht darboten, so zeigte sich doch hier schon, dass der genaue Werth von w nahe bei 0,2 liegen müsse. Desshalb hielt ich mich für berechtigt, indem ich 02 A= — 0,0008121 b = 0,3 B = — 0,0481535 setzte, einen neuen Näherungswerth von w nach der bekannter Formel: a—h a—b w=4— zu berechnen, wodurch ich w = 0,1982846 erhielt. Hieraus ergab sich ferner: w?® + w? — e® = + 0,0001061, so dass ich jetzt hatte: | w = 0,1982846 w? + wi? — e®? = + 0,0001061 w = 0,2000000 w2 + w,? — e® = — 0,0008121 und daher nun ein Zeichenwechsel gefunden war. Für a = 0,2000000 A = — 0,0008121 b = 0,19828%46 B— - 0,0001061 berechnete ich einen neuen Näherungswerth von ww nach der schon vorher angewandten Formel: a—b a—b A=b — A—B A-—-B “ w= 4 — und fand: w = 0,1984828 w2 + 1? — e?® = + 0,0000001, also schon hier fast ganz genau eine Übereinstimmung bis zur siebenten Decimalstelle, woraus man sieht, wie genau und sicher die obige Rechnung zum Zwecke führt. Über eine astronomische Aufgabe, 49 Zugleich findet man bei dieser Rechnung Dur 0 10.,34..1,98 x —= 80,8',. 3,96 und: e?: = 0,0601812 log a = 0,4224429 — 1 log w = 0,2977229 — 1 log wı = 0,1588851 — 1, so dass also ww positiv, ww, negativ ist. Weil nun nach dem Obigen w ; w,; OR NR, also cos y positiv, sin y negativ ist, so endigt sich y im vierten Qua- dranten, oder liegt zwischen 270° und 360°. Dies vorausgesetzt, findet man y am leichtesten aus der Formel tang y = EN w nämlich . an 782400222098: Also ist we 200 2200.52. 18,97 ae a) wovon die Resultate bei Gauss nur um wenige Secunden verschieden sind, wobei ich, wie schon oben bemerkt, nochmals erinnere, dass der von mir angenommene Werth von © nicht ganz genau mit dem Werthe dieser Grösse bei Gauss übereinstimmt. Ieh will nun noch eine Reihe bemerkenswerther, dem grösseren Theile nach noch nicht bekannter Relationen entwickeln, die bei den vorhergehenden Rechnungen auch von Nutzen sein können. Aus der ersten der beiden Gleichungen 7) ergibt sich unmittelbar sin Oo Vrr, | a7 snaeyl_e (35) In der Gleichung 8), nämlich in der Gleichung sy ar he 2esneVrr, ist ganz von selbst die Forderung enthalten, dass r—n)vIZze” (merntd-e) — N 2esinOyyr, ke&rr, sin 0 Sitzb. d. mathem.-naturw. Cl. XVII. Bd. I. Hft. [ (36) (37) 50 Grunert. oder (nn —r?(1-e) <4e:rr, sin 0: sei. Es muss also sein: (r — r)? ) Vgl. darüber Liebig’s Jahresbericht f. 1849, p. 301—303. 60 Schafarık Seit jener Zeit sind über die Platineyanverbindungen keine ausführlicheren Untersuchungen bekannt geworden, welche geeignet gewesen wären, die eben exponirten Differenzen vollständig auf- zuklären. Wertheim veröffentlichte 1850 eine kurze Notiz über einige Alkaloide, worin er auch Analysen von Platineyanverbindungen solcher anführt (namentlich von platinblausaurem und chlorplatin- blausaurem Chinin), jedoch ohne die Eigenschaften und Darstellungs- weise seiner Producte zu beschreiben !). Gerhardt bereitete sich das Kaliumplatineyanür nach der von Quadrat empfohlenen Methode, und fand für dasselbe bei der Analyse die Zusammensetzung PtCy, K-+3H0, also ganz dieselbe wie bei dem Salze von Gmelin 2). Zu demselben Resultate (Identität von Quadrat's und Gmelin’s Kaliumsalze) gelangte auch Professor Scehrötter; er fand im ersteren 5143 pCt. Platin + 2043 pCt. Kalium, im letzteren 51:64 pCt. Platin + 20:00 Kalium. Die Mittheilung darüber findet sich in einer interessanten Note, worin Schrötter nachweist, dass die Zusammensetzung der Quadrat’schen Salze im Grunde um nichts sonderbarer sei als die der metallischen Doppeleyanüre über- haupt, und dass alle bekannten Doppeleyanmetalle auf die zwei Typen nMCy und M, Cy, reeurriren 3). Ausser dem schon Angeführten möchte nur noch die Arbeit von Buckton chemisches Interesse haben, indem derselbe darin eine merkwürdige Isomerie zwischen Platosammonium- platineyanür und Diplatosammoniumeyanür nachweist®). Auf physicalischem Felde gaben diese strittigen Verbindun- gen unserem trefflichen Mineralogen und Physiographen Herrn Haidinger Gelegenheit, ein ganz neues Capitel der Optik, die Lehre von den Körperfarben, scharfsinnig zu begründen, während uns Herr Schabus über die Krystallformen dieser wundervollen Körper nicht minder exacte und werthvolle Informationen verschaffte. Ich war zu derselben Zeit, wo Quadrat seine Arbeit vollendete (Herbst 1847), in Redtenbacher’s Laboratorium als Anfänger beschäftigt, ich sah die schönen Salze vor meinen Augen entstehen und theilte die Freude des Entdeckers — den ich mit wahrem und 1) Liebig, Ann. LXXII, 211. 2) Laurent und Gerh., Comptes-rend. 1850, p. 146. 3) Sitzungsb. d. Wiener Akad. mathem.-naturw. Cl. II, p. 320— 321. (1849.) 4) Liebig, Ann. LXXVII, 328—338. Über die Cyanverbindungen des Platins. 61 lebhaftem Vergnügen meinen Freund nennen darf — wenn ein neues Salz zum ersten Male anschoss. Ich wusste, dass Knop und Schne- dermann den Anfang einer zweiten Reihe von Cyanplatinverbin- dungen entdeckt hatten, von der sie jedoch nur zwei Glieder, das kupferrothe Kalium- und das ganz ähnliche Ammoniumsalz, unter- suchten. War es wohl Wunder, wenn ich, sobald ich überhaupt an selbstständige Arbeiten denken durfte, darauf losging, die von Knop und Schnedermann begonnene Reihe ebenso auszufüllen wie es Quadrat mit der Gmelin’schen gethan, und vielleicht ebenso schöne, ebenso merkwürdige Verbindungen zu entdecken? Schon im Jahre 1849 machte ich Versuche in dieser Richtung, die jedoch durch äussere Verhältnisse unterbrochen wurden; im Jahre 1850 — 1851 arbeitete ich bei meinem Freunde Professor Quadrat zu Brünn; meine Berufung an die böhmische Realschule zu Prag und die vielen damit verbundenen neuen Geschäfte unterbrachen mich wieder auf lange Zeit, so dass ich erst jetzt im Stande bin einen Theilmeiner Arbeit vorzulegen. Was nun den Plan dieser letzteren betrifft, nur so viel: Es war wohl ursprünglich meine Absicht, nur die Knop’schen Unter- suchungen weiter zu führen, da es mir bei Beginn meiner Unter- suchungen gar nicht einfiel, die Resultate der Quadrat’schen Arbeit im geringsten in. Zweifel zu ziehen; als ich jedoch später mit der Literatur des Gegenstandes näher bekannt wurde, entschloss ich mich den ganzen Gegenstand vorzunehmen und einer Revision zu unterziehen. Überflüssig däuchte mir dies nicht, denn im Gebiete der induetiven Wissenschaften entscheiden Wahrscheinlichkeiten, und wären sie noch so gross, nichts gegen Thatsachen; fanden sich Quadrat’s Formeln bei einer neuen Untersuchung — natürlich vorgenommen mit der nöthigen Umsicht — bestätigt, so waren sie richtig, mochten sie auch noch so wunderlich aussehen. Diese Revision der Quadrat’schen Zahlen macht nun den Gegenstand vorliegender Abhandlung aus. Ich bemerke ausdrücklich, dass derselbe bei mir nur eursorischer, nur Nebenzweck war; die Hauptsache blieb mir immer die genaue Untersuchung der so interessanten, durch Knop’s und Schnedermann’s Arbeit angedeuteten, Reihe von Sesqui- eyaniden und Bicyaniden. Es mag mich dies entschuldigen, wenn ich etwa im vorliegenden Aufsatze nicht genug auf Einzelheiten eingehe; immerhin hoffe und wünsche ich, meine Arbeit möge genügend befunden werden, den Gegenstand zu erledigen. Die zweite Abtheilung 62 Schafarik. meiner Arbeit, die ich in kurzer Zeit folgen lasse, wird die merk- würdigen Verhältnisse der Sesquieyan- und Dieyanverbindungen des Platins erörtern, wie ich sie, zum Theil Knop’s und Schneder- mann's Andeutungen folgend, gefunden habe. Doch muss ich, noch bevor ich zu den einzelnen Verbindungen übergehe, einen Gegenstand erwähnen, der sie alle gleichmässig betrifft: die analytischen Methoden, deren ich mich bediente. Leider fand ich keine Methode, die auf alle nachfolgenden Verbindungen mit gleich gutem Erfolge anwendbar gewesen wäre. Bolleyt) hat vor nicht langer Zeit eine Methode beschrieben, Doppeleyanverbindungen durch Erhitzen mit einem Gemische aus schwefelsaurem und salpeter- saurem Ammoniumoxyde zu analysiren, die er bei Ferroceyanverbin- dungen ganz gut befand. Ich habe sie vielmals, leider immer vergebens, angewendet: die merkwürdige Beständigkeit der Platineyanverbin- dungen zeigt sich darin, dass aus ihnen durch Bolley’s Methode nur Platineyanür ausgeschieden wird, das dann äusserst schwer zu ver- brennen ist; bei Baryum-, Strontium- und Caleiumverbindungen ist sie ohnedies unanwendbar; reines salpetersaures Ammoniumoxyd scheidet, schmelzend, nur Platineyanür aus; bei stärkerem Erhitzen verbrennt zwar auch dieses, aber stossweise und mit solcher Heftig- keit, dass Verlust nieht zu vermeiden steht. Ich habe mir nach Umständen geholfen, und die Chemiker mögen urtheilen, in wie weit meine Methoden Vertrauen verdienen. Kaliumplatineyanür. L. Gmelin stellte dieses Salz dar, indem er ein Gemenge von Platinschwamm und entwässertem Blutlaugensalz längere Zeit in selinder Schmelzhitze erhielt, die Masse auslaugte und das gebildete Platineyansalz vom unzerlegten Blutlaugensalz durchs Krystallisiren trennte. Hierauf zeigte Knop, dass es sich viel bequemer auf die Weise darstellen lasse, dass man Platinchlorür mit Cyankalium zusammen- bringe, wobei Chlorkalium entsteht (PtC| + 2KCy = KPtCy, + KÜ)). Ebenso fand Knop, dass man diese Verbindung sehr rein erhält, wenn man frisches (hydratisches) Platineyanür — bereitet aus 1) Bolley, über die Analyse der schwer zerlegbaren Cyanverbindungen. Liebig, Ann. LXXX, pag. 234. nn 2 rn Über die Cyanverbindungen des Platins. 63 unreinem Kaliumplatineyanür durch heisses Vitriolöl und Auswaschen mit heissem Wasser — in Cyankaliumlösung einträgt. Namentlich letztere Methode gibt ein treffliches Präparat. Endlich bereitete Meillet ?) dasselbe Salz aus Platinchlorid und Cyankalium, wobei jedoch doppelt so viel Cyankalium verbraucht wird als bei Knop’s Methode und überdies viel mehr Chlorkalium nebst anderen Salzen die Mutterlauge verunreinigen hilft. Ich habe das fragliche Salz sehr oft Male nach allen drei Methoden bereitet, ich habe Hunderte von Grammen auf einmal unter den Händen gehabt, glaube daher aus Erfahrung Folgendes sagen zu dürfen. Die Methode von Meillet verdient gar keine Empfehlung. Die Methode von Knop ist jedenfalls die bequemste, denn sie gestat- tet in einem Tage bedeutende Mengen Salz (bis zu mehreren hundert Grammen) chemisch rein zu erhalten, nur muss man Folgendes be- achten: Vor Allem muss das Platinchlorür frei von Chlorid sein, sonst bekommt man dunkelbraune Salzlaugen, die ein sehr gefärbtes, schwer zu reinigendes Product geben ?). Ferner ist jede Spur anderer Metalle aus den Platinspänen sorgfältig auszuziehen, ehe man sie auflöst, denn einmal zu Cyaniden geworden, hängen solche Begleiter dem Kaliumplatineyanür hartnäckig an. Endlich ist ein bedeutender Über- schuss von Cyankalium zum guten Krystallisiren unentbehrlich; man übergiesse also nicht [wie Knop und Schnedermann 3) rathen] Platinehlorür mit Wasser um Stücke von Cyankalium hinein zu werfen, bis alles gelöst ist— ichbekam einmal aufdiese Art aus 140 Grammen Platinchlorür, das noch Chlorid enthielt, fast nur Kaliumplatinchlorid, sondern man bereite sich eine concentrirte kalte Lösung von Cyanka- lium, giesse davon in ein Becherglas ab und setze nun unter stätem Schwenken messerspitzenweise Platinchlorür hinzu; dasselbe löst sich rasch und vollkommen, die Flüssigkeit wird sehr heiss; zu rasches Einbringen von Platinchlorür ist zu meiden. Will sich das Platinehlorür nieht rasch lösen, so setzt man Cyankaliumlösung hinzu. Auf diese Weise bekam ich fast immer klare oder nur wenig trübe Lösungen, die beim Abkühlen ganz erstarrten. Der Brei wird auf ein Filter gebracht und möglichst entwässert, die Lauge wird durch Kochen mit Vitriolöl 1) Meillet, Nouveau Journ. de Pharm. III, p. 444. ?) Lieber möge das Platinchlorür überhitzt sein, also etwas Platin eingemengt halten, 3) Erdmann, Journ. XXXVII, 461. 64 Schafarik. zersetzt, wobei sich gelbes gallertartiges Platineyanür ausscheidet. Das abgetropfte Salz ist nach 2- bis Smaligem Umkrystallisiren zur Analyse bereit. Ich habe, wie auch Quadrat, immer Liebig’sches Cyankalium verwendet, wobei nur zu achten, dass es nicht Rhodan- kalium halte, was sehr dunkle Salzlaugen gibt. Um das aus der Mutterlauge erhaltene Platineyanür in Kaliumsalz zu verwandeln, kocht man es mit Wasser aus, filtrirt es ab (leider geht es sehr stark durchs Filter durch), übergiesst es mit wenig heissem Wasser und gibt vor- sichtig reines Cyankalium hinzu, bis alles gelöst ist; die Lösung ist klar und nahezu farblos, sie gibt gleich bei der ersten Krystallisation treffliches, fast chemisch reines Product. Die Methode von Gmelin ist leider umständlich und im Grossen unanwendbar ; zu optischen Ver- suchen sollte man (glaube ich) das Salz immer nach derselben bereiten, denn der Auszug der Schmelze ist vollkommen farblos; mischt man denselben mit gleichviel Alkohol von 80%, und filtrirt nach 24 Stun- den (um Blutlaugensalz zu scheiden) ab, so gibt die Lösung freiwillig verdampfend Krystalle, deren Trichroismus so rein und auffallend ist (namentlich das milchige Blau), dass sie neben den Krystallen der Knop'schen Salze fast grünliehblau, die letztern mehr gelb aussehen, Die krystallographischen und optischen Eigenschaften des Salzes sind so bekannt, dass ich nichts hinzuzufügen habe; nur habe ich bemerkt, dass die Axenfarbe des Salzes eigentlich ein blasses bräun- liches Kirsehroth ist (wie schwefelsaures Manganoxyd). Ich sah dies besonders deutlich an Krystallen, die sich aus einer Lösung von 200 Grammen Salz beim Abkühlen gebildet hatten und gegen 2 Millimeter dick waren; die gewöhnlichen Krystalle sind zu dünn, um diese Beobachtung zu gestatten. Das Gmelin’sche Salz ist bereits von L. Gmelin, Rammels- berg, Quadrat und Schrötter mit übereinstimmenden Resultaten analysirt worden, ich habe daher nur die Salze analysirt, welche nach den beiden Methoden von Knop erhalten werden und von denen das erste nach Quadrat Pt, Cy,ı K,+ 22 aq ist. I. 1:615 Grm. Salz nach der ersten Knop’schen Methode bereitet (nur zweimal umkrystallisirt) verloren in 24 Stunden über Schwefelsäure 0152 Grm. —=9'41 pCt. !), ferner bei-+-100°C. 1) Das einfach gewässerte Sal, welches durch Wasserentziehung aus dem dreifach gewässerten entsteht, ist kreidig, undurchsichtig und blass lillafarben , dabei Über die Cyanverbindungen des Platins. 65 getrocknet 0:051 Grm. — 3:16 pCt. (zusammen 12:57 pCt.), und endlich bei + 180°: C. noch 0:001 Grm. = 0:06 pCt. ; zusammen 0'204 Grm. — 12:63 pCt. Dieselbe Menge Salz, mit Schwefelsäure durchgeglüht, gab 1:379 Grm. Pt+ KO.SO, —= 85:39 pCt. Die Masse wurde zerrieben und mit verdünnter Salpetersäure ausgekocht; es blieben 0'720 Grm. Platin = 44:58 pCt. Somit verbleiben 0:659 Grm. KO.SO,;, entsprechend 18:29 pCt. Kalium. II. 2:052 Grm. Salz nach Knop’s zweiter Methode (Pt Cy gelöst inKCy), nur einmal umkrystallisirt, verloren über Schwefelsäure 0:186 Grm. = 9:06 pCt.,bei+100°C. 0:074 Grm. —=3:61 pCt., zusammen 0°260 Grm.—=12:67 pCt., bei 200° noch 0:004 Grm, — 0:20 pCt.; im Ganzen 0'264 Grm. = 12:87 pCt. Dieselbe Menge Salz gab 1'752 Grm. Pt + KO.S0O, (= 85:38 ®/,) und 0:7705 Pt = 44:59 pCt. Daher verbleibt KO.SO, = 0'837 Grm. entsprechend 18:28 pCt. Kalium. Man sieht, dass beide Salze fast genau dieselben Resultate gaben, wiewohl das erstere nach Quadrat K,Pt, Cy,ı +22H0, das zweite nach Gmelin, Knop, Rammelsberg PtCy, K--3H0 ist. Auch ist bei beiden die Menge Pt-+KO.SO, der theoretischen (85-71 pCt. nach KPtCy,+3aq gerechnet) so nahe als möglich. Il. 2:360 Grm. Salz nach Knops erster Methode (noch einmal aus verdünntem Alkohol krystallisirt) verloren im Ganzen 0:311 Grm. = 13:18 pCt. Wasser. 1705 Grm. desselben Salzes (wasserfrei) gaben 1'665 Grm. Pt-+K0.SO, = 97:65 pÜt. (nach K Pt Cy, 97-90 pCt.), davon waren 0'875 Grm. —= 51:32 pCt. Platin, wesshalb 0:790 Grm. KO.SO; entsprechend 20:77 pCt. Kalium. Die Resultate sind nun wasserfrei: Berechnet: Gefunden: Berechnet: > ee nn KPiCy, K,Pt,Cy;1 Pt 99 = 52-11 51.32 A95 = 48:77 = — _ 2866 = — K 39 = 20-53 20:77 234 — 23:05 190 1015 behält es die Form der ursprünglichen Krystalle. Bei und über +100°% C. werden die Krystalle orangefarb. Sitzb. d. mathem.-naturw. Cl. XVII Bd. I. Hft. 5 66 Schafarik. Gewässert: Berechnet: Gefunden : Berechnet: > el ‘ KPtCy, + Aq + ?aq K,Pt,Cy,, + 2?aq Pt 99 = 456% 4458 — 44:59 495 — 41-11 ( 2B—=- — 236 — — K 39 = 1797 18:29 — 18:28 234 —= 1944 Ag so ae) 1300, SAL AEnBHhN. “lern IN Br ee gg, 9.211123 9:06,12 87 13-18 189 — 15:70 ST 1209 Aus den angeführten Analysen geht nun, glaube ich, unleugbar hervor, dass das fragliche Salz unter allen Umständen der Formel KPtCy, 4 HO+ 2HO entspricht; ich habe zwar in Nr. IT und II um 1 pCt. zu wenig Platin gefunden (offenbar, da das Salz noch nicht genug gereinigt war), aber immer noch ist die Abweichung von Quadrat’s Formel zu gross, um diese als zulässig erscheinen zu lassen. Ich zog das Durchglühen mit Schwefelsäure dem Glühen mit Salmiak vor, da man bei ersterem wenigstens jederzeit erkennen kann, ob und was für einen Verlust man erlitten hat, namentlich wenn man (wie ich) den Tiegel während des Verjagens der Säure nicht mit seinem Deckel sondern mit einem Uhrgläschen zugedeckt hält. Beim Glühen mit Salmiak erfährt man erst nach Beendigung der Analyse, ob mit den Massen Salmiakrauch, die aufsteigen, nicht auch Chlorkalium und Platin entwichen sind. Die Methode von Bolley fand ich leider auch hier nicht praktikabel. Natriumplatineyanür. Dieses Salz habe ich nur einmal dargestellt. Krystallisirtes reines Baryumplatineyanür (nach Quadrat's Methode bereitet) wurde in wenig heissem Wasser gelöst, mit einem Überschusse von Glaubersalzlösung vermischt, nun das 10fache Volumen einer Mischung von gleichviel Äther und Weingeist zugesetzt und nach mehrstündigem Absitzen filtrirt. Die klare Lösung zuerst an der Luft, dann im Vacuum über Schwefelsäure verdampft, verwandelte sich bis auf den letzten Tropfen in schöne farblose lebhaft glasglänzende Prismen von etwa S Millimeter Länge und 1 Millimeter Dicke. Sie wurden ganz wie die vorige Verbindung analysirt. IV. 1:6533 Grm. Krystalle verloren bei + 100° C. 0:225 Grm. — 13:61 pCt. Wasser, bei + 210° C. noch fernere 0-004 Grm. — 0-24 pCt.; zusammen also 0'229 Grm. = 13:85 pCt. Wasser. Über die Cyanverbindungen des Platins. 67 Dieselben gaben mit Schwefelsäure geglüht 1'395 Grm. Pt-+Na0.SO, = 84:37 pCt. (die Formel PtNaCy,-+3aq erfordert davon 84:58 pCt.). Darin waren 0:804 Pt=48:62 pCt., folglich 0591 NaO. SO; — 11:58 pCt. Natrium. Berechnet: Gefunden: Berechnung nach Quadrat: PtCy,Na + 3Ag. Pt,Cy;,Na, + 25HO Bw — 9 49:25 48-62 495 — 4227 gel- — 1m 2 — Na = 23 — 1144 11:58 135 — 11:78 Ag= 27 — 13:43 13-85 252 — 21-50 201 DEZE Ammoniumplatineyanür. Dieses Salz bereitet Quadrat durch Vermischen von Kalium- platineyanür mit überschüssigem schwefelsaurem Ammoniumoxyde, Eindampfen der gemischten Lösung und Ausziehen der trockenen Masse mit einem Gemische von Äther und Alkohol. Es lässt sich auch auf die Art erhalten, dass man Baryumplatineyanür löst und mit einem Gemisch von kaustischem und kohlensaurem Ammoniak fällt; das Filtrat liefert langsam verdampfend bis zum letzten Tropfen schöne Krystalle. Letztere Methode empfiehlt sich dadurch, dass das Baryumsalz wegen seiner grossen Krystallisirbarkeitleicht vollkommenrein zu erhalten ist; bei der Methode von Quadrat können immer Spuren von Kalium- salzen mitgenommen werden. Indess erhält man nach beiden Methoden ein Präparat von gleicher Schönheit, bestehend aus tief eitronengelben bis zu 50—80 Millimeter langen, aber immer nur dünnen Prismen, die meistens strahlig divergiren und jenen prächtigen blauen Flächen- schiller, der allen gelben Salzen dieser Gruppe eigen ist, in hohem Grade zeigen. Die Axenfarbe dieses Körpers habe ich noch nicht beobachten können. Das Salz braucht etwa eine seinem Gewichte gleiche Menge kalten Wassers zur Lösung, von absolutem Alkohol noch weniger, es krystallisirt daher nur durch Verdampfen. Lässt man sehr concentrirte Lösungen dieses Salzes, die mit Ätzammoniak versetzt wurden, im Wasserbade verdampfen, so bilden sich darin farblose durchsichtige Nadeln mit demselben prächtig lasurblauen Schiller, der dem gelben Salze eigen ist; wie man sie jedoch aus der Flüssigkeit nimmt, werden sie alsbald gelb. Knop, der diese y% 68 Schafarik. Erscheinung zuerst sah, erklärt sie durch Wasserverlust !), ist also der Ansicht, dass die weissen Krystalle mehr Wasser enthalten als die selben; Quadrat?) dagegen ist der Meinung, die gelbe Färbung sei durch Verlust an Ammoniak bedingt, wofür allerdings seheinbar der von Quadrat beobachtete Umstand spricht, dass die an der Luft gelb gewordenen weissen Krystalle in einer Atmosphäre von Ammoniakgas wieder weiss werden, was auch mit solchen Krystallen geschieht, die schon ursprünglich gelb waren >). Ich habe aber noch einen Umstand entdeckt, der mich auf die Spur einer andern Erklärung brachte. Bringt man eine abgewogene Portion frischer, glänzend gelber, durchsichtiger Krystalle unter eine Glocke mit Ätzkalk, auf den man Ätzammoniak getropft, so werden die Krystalle bald rein weiss, aber trübe, und wiewohl vollkommen trocken, erleiden sie doch einen merklichen Gewichtsverlust (von 4—5 pCt.). Diese Erscheinung widerspricht offenbar der Erklärung von Knop. Bringt man nun diese weiss gewordenen Krystalle an die Luft, so werden sie (wiewohl nur langsam) wieder gelb, stellt man sie aber über Schwefelsäure, so bleiben sie weiss. Letzterer Umstand schliesst offenbar die Erklärung von Quadrat aus, denn über Schwefelsäure müsste doch offenbar Ammoniak leichter verloren gehen als an blosser Luft. Ich glaube folgende Erklärung geben zu dürfen: das gelbe durchsichtige Salz ist PtCy, (NH,) + 2Aq, das weisse Salz, welches aus ammoniakalischen gesättligten Lösungen anschiesst und in welches die gelben Krystalle in einer Ammoniak-Atmosphäre übergehen, ist PtCy, (NH,) + Ag. Dass das gelbe Salz in einer Ammoniak- Atmosphäre, obwohl weiss werdend, nieht Wasser aufnimmt sondern abgibt, zeigt der Gewichtsverlust und das Trübwerden; die Wasser- entziehung erfolgt offenbar dureh die mächtige Affinität des trockenen Ammoniaks zum Wasser. An der Luft zieht natürlich das durch Ammoniak halb entwässerte Salz sein zweites Wasseratom wieder an und wird gelb, was über Schwefelsäure nicht geschehen kann, daher es da weiss bleibt. Bei 100° verlieren beide Salze, das gelbe und das weisse, ihr Wasser, jedoch nicht vollständig, was erst bei etwa !) Knop, Erdm. Journ. XXXVI, p. 469. ?) Quadrat, Wien. Sitzb. d. math.-naturw. Cl. II, p. 15. ?) Dass die weissen Krystalle auf blaues Lakmuspapier gelegt, dieses beim Gelb- werden röthen, habe ich nicht beobachtet. Über die Cyanverbindungen des Platins. 69 150° geschieht, und sind nun beide schön milchweiss oder perlfarbig. Wenn das Salz beim Trocknen eine braune Farbe annimmt, wie Quadrat angibt und ich auch öfters beobachtet habe, so sind daran nur die Verunreinigungen des käuflichen Äthers und absoluten Alko- hols Schuld. Das reine Salz wird, wie gesagt, schön milchfarbig ; löst man es in diesem Zustande in absolutem Alkohol und lässt die Lösung im Vacuum über Vitriolöl verdampfen, so schiessen am Rande des Gefässes Krusten von strahlig gruppirten farblosen Nadeln an, die am Ende das ganze Gefäss mit einem Netze überziehen, und einen trefflichen violettlich-milchigen Schein zeigen, aber an der Luft sehr rasch gelb werden. Ob diese Krystalle etwa wasserfreies Ammo- niumplatineyanür sind oder aber das weisse Salz PtCy, (NH,) + Ag, welches durch Ammoniakdampf aus dem gelben entsteht, habe ich aus dem genannten Grunde nicht entscheiden können, will jedoch trachten diesen Umstand zu eruiren. Meine analytischen Resultate sind folgende: V. 1:105 Grm. lufttrockene gelbe Krystalle verloren bei + 100°C. 0:099 Grm. Wasser = 8:96 pCt., bei + 200° €. noch 0:012 Grm.; im Ganzen also 0:111 Grm. = 10:05 pCt. Dieselbe Quantität Salz hinterliess geglüht 0577 Grm. Platin = 52:22 pCt. Berechnet man diese 0:577 Grm. Platin auf das wasserfreie (bei 200° getrocknete) Salz, so entsprechen sie 58:05 pCt. (Das Salz wurde beim Trocknen bräunlich, es waren grosse dicke Krystallkrusten vom Rande.) | VI. 0:961 Grm. Krystalle, die in einer trockenen Ammoniak-Atmo- sphäre weiss und trüb geworden waren, verloren binnen 24 Stun- den über Schwefelsäure 0:028 Grm. —= 2:91 pCt., bei + 100° C. fernere 0:010 Grm., bei + 210° C. noch 0011 Grm.; im Ganzen also 0:049 Grm. = 5:10 pCt. Dieselbe Quantität Salz gab geglüht 0537 Grm. = 55:88 pCt. Platin. Auf das wasserfreie Salz bezogen, entsprechen diese 0:537 Grm. Platin = 58-88 pCt. Es dürfte wohl dem mit den Eigenschaften unserer Verbindun- gen weniger Bekannten gewagt erscheinen, eine Verbindung, die als Platineyanür mit Ammoniumeyanür betrachtet werden mag, bei + 210°C. zu trocknen; doch ich habe mich überzeugt, dass das Salz selbst bei + 250° C, getrocknet unverändert bleibt, indem es in Wasser gelöst wieder die glänzenden gelben Prismen anschiessen v Sehafarik, lässt. Erst über + 300° C. zerfällt es in Platineyanür und entwei- chendes Ammoniumeyanür. Die Vergleichung mit den Formeln steht also: ‚Berechnet: Gefunden: Berechnet: NH,PtOy, (NH, )sPtzCy4 PL 995858 58:05 — 58:88 495 — 5568 (y =52 = 3077 —_ 286 —= 32:17 NH, = 18 — 10:65 = 108 — 12-15 169° 889 Berechnet: Gefunden : Gefunden: u u NH,PtCy, + aq NH,PiCy, +?%aq Bin — 199 — 155,02 55'88 99 — 52:34 52:22 y = — Bu B— — = NH —18— — = 3— — = ag 97 05:04 510 18 —= 963 10:05 178 18% Bariumplatineyanür. Die Darstellung dieser schönen Verbindung habe ich sehr oft unternommen, und zwar nach verschiedenen Methoden, jedoch immer mit gleichem Erfolge, d. h. mit Erlangung von Producten, die alle von Quadrat angegebenen Eigenschaften besassen. Schon im Jahre 1849 konnte ich Herrn Sectionsrath Haidinger Krystalle dieser Verbindung mittheilen, nach Quadrat’s Methode bereitet, an denen Messungen gelangen, zu denen die früheren Krystalle nicht hingereicht hatten. Quadrat stellte das Salz durch Kochen von Kupferplatin- eyanür mit Ätzbaryt und Abscheidung des überschüssigen Baryts mit Kohlensäure dar. Ich habe auch bedeutende Quantitäten des Salzes durch Sättigung von Platineyanwasserstoff mit kohlensaurem Baryt bei Siedehitze dargestellt, und zwar zu wiederholten Malen, ohne an dem erhaltenen Präparate einen Unterschied von dem Quadrat'schen finden zu können, etwa mit Ausnahme einer lichter gelben Farbe; doch auch dieser Umstand ist sicher nur zufällig, da einestheils auch bei Quadrat’s Methode (wie mich vielfache Erfahrung lehrte) nicht immer ganz gleich aussehende Producte resultiren, anderntheils ein- mal durch Sättigung von Platinblausäure, die noch etwas Schwefel- kupfer suspendirt enthielt, mit kohlensaurem Baryt Krystalle erhalten wurden, die sich durch eine tiefe glänzende bräunlichgelbe Farbe auszeichneten, bei welcher der zeisiggrüne Axenschimmer fast ganz Über die Cyanverbindungen des Platins. 11 zurücktrat, dagegen der blaue Flächenschiller, complementär gehoben, besonders hervortrat. Den sonstigen Eigenschaften des Salzes, wie sie Quadrat gefunden, habe ich nichts besonderes hinzuzufügen. Beim Erwärmen auf + 100° C. wird das Salz schön bräunlich-oran- senfarben und undurchsichtig, wobei es genau die Hälfte seines Wassers verliert, der blaue Schiller aber bleibt. Schon über Schwefel- säure verliert es langsam diese erste Hälfte seines Wassers. Bei + 140° bis + 150° C. verliert es alles Wasser und wird rein weiss mit einem Stich ins Grünliche, oder mit schwachen indigoblauen Strei- fen durchzogen. In diesem Zustande ist es äusserst empfindlich gegen Feuchtigkeit, und muss bedeckt rasch gewogen werden; angehaucht läuft es sofort mit der tiefsten Feuerfarbe an. Die Analysen machte ieh zum Theil nach der Methode von Quadrat, nämlich durch mehr- maliges Ausglühen mit Salpetersäure, Zerreiben des Rückstandes von Baryt und Platin, Auskochen mit verdünnter Salpetersäure, Abfiltriren des Platins und Fällen des Baryts mit Schwefelsäure. Diese Methode gibt nur bei grosser Vorsicht annähernde Resultate, denn erstens deerepitirt das vorläufig für sich verglühte Salz beim Befeuchten mit Salpetersäure und Glühen immer mehr oder weniger heftig, indem der Kohlenstoff durch das Barytnitrat verbrennt; nur bei sehr geräu- migen Tiegeln ist Verlust zu vermeiden 1); zweitens ist der Glührück- stand auch nach heftigem Glühen nie Platin und Baryt (wie man sich durch Wägen überzeugen kann, wo man immer mehr findet, als dem entspräche), sondern zum Theil Platinoxydbaryt. Desshalb darf man nicht mit Salzsäure auskochen, weil sich Platinoxyd lösen könnte, andererseits muss man befürchten, durch Säuren nicht allen Baryt auszuziehen. Dennoch weichen meine auf diese Art angestellten Versuche von der Quadrat’schen Formel Pt, Cy,, Bas + 22HO weit genug ab, und nähern sich der Formel Pt Cy, Ba + 2HO + 2HO hinlänglich, um letztere weitaus wahrscheinlicher zu machen. Das aus Platinblausäure bereitete Salz analysirte ich durch Fällen mit kaustischem und kohlensaurem Ammoniak, Abfiltriren, Waschen und Glühen des kohlensauren Baryts und Eindampfen des Filtrats im Wasserbade zur Trockne, worauf der Rückstand (Ammoniumplatin- eyanür) möglichst ohne Verlust in den Platintiegel gebracht und geglüht das Platin ergab. 1) Auch ist der Verlust desto grösser, je grössere Quantitäten man zur Analyse nimınt. 12 vll. vl. IX. X. XI. Vir Scehafarik. Die analytischen Resultate sind nun folgende: 0.8515 Grm. ausgezeichnete Krystalle nach Quadrat berei- tet (in dessen eigenem Laboratorium zu Brünn) verloren bei + 200° C. 0-1245 Grm. — 14:62 pCt. Wasser. Dieselben gaben mit Salpetersäure geglüht und ferner nach obiger Angabe behandelt 03225 Grm. = 37:87 pt. Platin und 0:379 Grm. BaO. SO,, entsprechend 26-24 plt. Baryum. 2-952 Grm. Salz nach Quadrat (andere Bereitung) in kleinen aber reinen Krystallen verloren bei+100°C. 0'216 Grm. — 7'32 pCt., bei + 165° C. 0'208 Grm. = 7:04 plt.; im Ganzen daher 0:424 Grm. — 14:36 pCt. Wasser. Die Analyse durch Glühen mit Salpetersäure ging trotz aller Vor- sicht verloren. 2735 Grm. von der vorigen Substanz gaben bei + 170°C. 0394 Grm. — 14-41 pCt. Wasser und 1'035 Platin = 3784 pCt. Die Baryumbestimmung ward durch einen Unfall vereitelt. . 2:5825 Grm. (schöne lichtgelbe Krystalle aus Platineyanwasser- stoff und kohlensaurem Baryt bereitet) gaben bei + 100°C. 0:190 Grm. = 736 pCt., bei-+ 190° C. 0:180 Grm. = 6:97 pCt. Wasser; im Ganzen 0:370 Grm. — 14:33 pCt. 25785 Grm. desselben Materials gaben bei + 100° C. 0.185 Grm. = 7:17 pCt., bei + 190° C. 0:182 Grm. = 7:06 pCt. Wasser; im Ganzen also 0:367 Grm. — 14:23 plt. 2:854 Grm. desselben Produetes wie X und XI gaben durch Fällung mit Ammoniumoxyd und Carbonat, Filtriren, Eindampfen und Glühen 1:104 Grm. Platin = 38°68 pCt. Der kohlensaure Baryt wog 1'0965 Grm., entsprechend 26:78 pCt. Baryum. Die Vergleichung mit der Theorie steht nun also: Berechnet nach Quadrat: Berechnet: un ——_ Tr 7 A ——t Ba,Pt,Cyy, + 22HO BaPtCy,+2H0 + 2Aq Di — AUS 55:55 99 — 38:67 Ba = 414 — 29:72 69 — 26:95 HO = 198 = 14.21 n — Mn 1393 | us a 256 Über die Cyanverbindungen des Platins. 76a} Gefunden : Gefunden; —— a a) Salz nach Quadrat. b) Salz aus HPtCy,. 37-37 — 37-84 | . 38:68 2624 2674 7-04 sen | nn 14 m u 36 — 1441 7:36 14:33 — 14:23 717 Ich glaube diese Zahlen, wenn auch gewiss in geschickteren Händen grösserer Genauigkeit fähig, reichen wohl hin zu zeigen, dass unser Salz unter allen Umständen der Formel Pt Cy, Ba- 2HO + 2Agq. entspricht. Da das Baryumplatineyanür von allen hierher gehörigen Verbin- dungen am leichtesten krystallisirt (es braucht bei + 16° C. nach Quadrat 33 Theile Wasser zur Lösung), so dient.es wohl am zweck- mässigsten, um sich die übrigen Salze schnell und rein zu bereiten, indem man eine abgewogene (uantität desselben durch eine genaue äquivalente Menge des betreffenden Sulfates oder Carbonates fällt, und das Filtrat ohne weiters zum Krystallisiren hinstellt. Ich habe auf diese Art immer Lösungen erhalten, die, bis zum letzten Tropfen ver- ‚dunstend, reines Salz hinterliessen. Nur ein lästiger Theil ist bei der Bereitung des Baryumsalzes, nämlich das vollständige Auswaschen des Kupferplatineyanürs, welches bei nur einigermassen grösseren Quantitäten (über 100 Grammen) wegen der schleimigen Beschaffen- heit dieses Productes wochenlang dauert. Decantiren geht nicht an, weil sich der betreffende Körper nur aus Salzlösungen klar setzt, in reinem Wasser aber immer zum grossen Theile suspendirt bleibt. Ich habe direet aus Kaliumplatineyanür die Baryumverbindung auf folgende Weise in kürzester Zeit ganz rein erhalten. Man löst das Kaliumsalz in möglichst wenig kaltem (oder mässig warmem) Wasser und fügt zuerst (unter Vermeidung übermässigen Erwärmens, was Platineyanür ausscheiden würde) eine äquivalente Menge reiner Schwefelsäure (auf 100 Salz 23 Säurehydrat) und dann das’ 10fache Volumen starken (80procentigen) Alkohol hinzu; Zusatz von etwas Äther befördert die vollständige Fällung des Kalisulfates. Man stellt die Mischung auf einige Stunden in kaltes Wasser; das schwefelsaure Kali setzt sich fast gänzlich ab, die abfiltrirte Flüssigkeit wird auf 1/, abdestillirt, mit Wasser vermischt und kochend mit kohlensaurem Baryt gesättigt. Das Product ist vollkommen rein, denn die Spuren TA Schafarik. von Kalisalz, die der Alkohol aufnimmt, bleiben vollkommen in der Mutterlauge. Schon Quadrat fand, dass aus Kaliumplatineyanür ver- mittelst Weingeist und Schwefelsäure ziegelrothe zerfliessliche Nadeln erhalten werden, ohne jedoch zu erkennen, dass diese Platineyan- wasserstoff sind. Strontiumplatineyanür. Quadrat erhielt dieses Salz durch Kochen der Kupferverbin- dung mit Strontianwasser in gelben Blättehen, die beim Erhitzen blaugrün, hernach gelbroth wurden; eine Analyse stellte er nicht an. Wir werden gleich sehen, dass die von Quadrat gesehene Form dieses Salzes nicht seine gewöhnliche ist. Als ich mich schon vor längerer Zeit vergeblich bemühte, durch Vermittlung des Kupfersalzes das schöne kupferrothe Salz, welches Knop für Kaliumplatinsesqui- eyanid bestimmte, L. Gmelin aber für Dieyanid hält, in die entspre- chenden Baryum-, Strontium-, Caleium- u. s. w. Verbindungen zu überführen, ganz so wie Quadrat beiden Cyanürverbindungen that, erhielt ich durch Kochen des schön grünen Niederschlages, den das kupferrothe Sesquieyanid in Kupfersalzen gibt, mit unzureichendem Strontianwasser ein Salz in grossen milchweissen, perlglänzenden Krystallblättern, das ich ohne weiteres für Strontiamplatinsesqui- eyanid nahm, da das Monoeyanid nach Quadrat gelb sein sollte; als ich jedoch reinen, aus Kupferplatineyanür bereiteten Platineyan- wasserstoff mit kohlensaurem Strontian kochend sättigte und die Lösung im Vacuum über Schwefelsäure verdampfen liess, sah ich zu meinem nicht geringen Erstaunen grosse dicke Tafeln anschiessen> ganz von der schönen Milch- oder Perlfarbe des vermeinten Cyanids, welches nun freilich als Cyanür sich erwies. Jene grossen Krystalle waren im Vacuum vollkommen milchfarben, an der Luft nahmen sie bald durch und durch einen zarten violettlichen Ton an. Bei einer zweiten Bereitung in viel grösserer Quantität, jedoch mit nicht ganz reinem Platineyanwasserstoff, erhielt ich eine Masse Krystalle von mehr prismatischem Habitus und gelblicher Farbe, jedoch mit violet- tem, milchigem Schimmer in axialer Richtung; aus der Mutterlauge dieser letzteren Krystalle (welche offenbar eine wiewohl geringe Menge Strontiumrhodanür enthielt, da sie mit eisenhaltigem Bittersalz gefällt, nach einiger Zeit lichtblutroth gefärbt wurde) schossen im Exsiceator noch zahlreiche, vollkommen farblose, durchsichtige Über die Cyanverbindungen des Platins. 7) Krystalle an, die in axialer Riehtung schönen rothvioletten Milchschein zeigen, und in ihrer Gestalt ganz der gewöhnliehsten Arragoniteom- bination (Prisma, Doma und verticales Pinakoid) gleichen, daher wohl orthorhombisch sind. Es ist daher das Strontiumplatineyanür ohne Zweifel in reinem Zustande wasserhell; dass es sich mir meistens in trüben Krystallen zeigte, ist um nichts sonderbarer als das Eintreffen derselben Erscheinung (bald wasserhelle, bald trübe Krystalle) bei so vielen anderen Salzen. Endlich bereitete ich das Salz auch durch Kochen von Kupferplatineyanür (aus Kaliumplatin- eyanür und Kupfervitriol) mit Strontianwasser, und erhielt wieder (wie aus dem Cyanidsalze) weisse perlglänzende Blätter. Nur bildete sich mir im letzten Falle ringsherum eine Kruste undeutlicher gelber Krystalle, die jedoch, auf Papier gelegt, über Nacht weiss wurden, so dass ich nicht einmal bestimmen konnte, ob das gelbe Salz mehr oder weniger Wasser enthält als das weisse. Wahrscheinlich begünstigt der kleine Überschuss von Strontian, der im letzten Falle selbst bei Anwen- dung vonKohlensäure zurückbleibt, die Bildung eines andern Hydrates. Die schönen milchfarbigen oder auch durchsichtigen Krystalle aller angeführter Bereitungen werden über Schwefelsäure im Exsic- eator binnen 24 Stunden prachtvoll purpurviolett, wie eine Lösung von übermangansaurem Kali, und nehmen zugleich einen goldgrünen metallischen Öberflächenschiller an; diese Veränderung ist jedoch nur oberflächlich, denn an freier Luft nehmen die Krystalle in wenigen Tagen wieder vollkommen ihr früheres Ansehen an. Auch eine Lösung des Salzes in heissen Gefässen umgeschwenkt, überzieht diese mit violettpurpurner, goldgrünglänzender Kruste. Ohne Zweifel entspricht dieser Farbe eine eigene Hydratationsstufe, und bei genügendem Material nebst etwas Geduld dürfte es gelingen, sie in Krystallen zu erhalten; ich will dies später nachholen, wenigstens den Wasser- gehalt des purpurnen Salzes bestimmen. Bei + 100°C. wird das Salz durch und durch trüb und nimmt eine tiefe Orangenfarbe an, tiefer als das trockene Baryumsalz, zugleich übergeht der goldgrüne Flächen- schiller in einen lasurblauen. Bei 4 150° wird das Salz weiss und wasserfrei, ist jedoch wie das Baryumsalz unter denselben Umständen so empfindlich gegen Feuchtigkeit, dass es, angehaucht, im Momente schwärzlich purpurfarben anläuft. Die Analyse geschah, wie (zum Theil) beim Baryumsalz, dureh Fällen mit Ammoniumoxyd und Carbonat, Wägen des Niederschlages 76 Schafarik. und Glühen des eingedampften Filtrates. Die analytischen Data sind folgende: XII. 2208 Grm. lufttrockenes Salz, aus Platineyanwasserstoff berei- tet, in grossen milchweissen Tafeln, verloren bei + 100° C. 0:258 Grm. = 11:68 pCt., bei + 215° C. 0:180 Grm. — 8:16 pCt.; im Ganzen 0'438 Grm. —= 19-84 pCt. Wasser. XIV. 2:103 Grm. von derselben Bereitung blieben über Nacht bei bedecktem Tiegel im Exsiccator, und waren Morgens mit einer zarten, prachtvoll purpurvioletten Haut von goldgrünem Metall- glanze überlaufen. Eine Partie dieser veränderten Krystalle in ein Röhrchen mit gut schliessendem Korke gefüllt, war Tags darauf wieder violettlich-milchfarben und vom früheren Glanze. Obige 2'103 Grm. verloren bei + 240° C. 0:393 Grm. — 18:69 pCt. Wasser. Die Analyse wie gesagt; Platin ging verloren. SrO CO, wog 0:652 Grm. — 18:43 pCt. Strontium. XV. 1:596 Grm. Salz von anderer Bereitung, etwas gelblich und feucht, gab bei + 100° €. 0206 Grm. — 12:91 pCt., bei —+ 200° ©. 0:113 Grm. = 7:08 pCt.; im Ganzen 0:319 Grm. — 19:99 pCt. Wasser; ausserdem 0:650 Grm. Platin = 40:73 pCt. XVI. 19585 Grm. Salz nach Quadrat bereitet, entliessen bei + 100°€. 0:231 Grm. = 11:79 pCt. , bei+220°C. 0:1545 Gm. — 7:89 pCt.; im Ganzen 0:3855 Grm. — 19:68 pCt. Wasser. Das Platin wog 0:800 Grm. — 40'85 pCt.; der kohlensaure Strontian wog 0°6015 Grm. = 18:26 pCt. Strontium. Berechnet > Gefunden : m Km u SrPtCy, +2H0+3Ag. Pt —= 9 — 4:25 40-85 — 40:73 Ve) ae, Ss = M4— 18:33 18:26 — 18:43 | 210 —18 — AN Muh | N Ks 3Ag = 7 — 1125 I a ae — 18:69 240 Da Quadrat das vorstehend beschriebene Salz nicht analysirt hat, so kann auch kein Vergleich zwischen seiner Formel und meinen Resultaten stattfinden, ausser wenn man meine Zahlen auf wasserfreies Salz reducirt. Über die Cyanverbindungen des Platins. var In Nro, XIV entsprechen die 2:103 Grm. Krystalle 1'710 Grm. wasserfreien Salzes; daraus wurden erhalten 0652 Grm. SrO. CO, entsprechend 22:62 pCt. Strontium in wasserfreiem Producte. In Nro. XV gaben 1'596 Grm. Krystalle 1277 wasserfreies Salz, darinnen 0°650 Grm. Platin, entsprechend 5090 pCt. desselben. In Nro. XVI gaben 19585 Grm. Krystalle 1375 wasserfreies Salz, davon resultirten 0:800 Grm. Platin — 50:86 pCt. des wasser- freien Salzes und 0:6015 Grm. SrO. CO, = 22:75 pCt. desselben. Der Vergleich steht nun also: Studer Nach SrPtCy, Nach Sr,Pt,Cy, | Ba 99 — 50207 50:86 — 50:90 495 — 41:37 Gere — — 286... Sr — 44 —= 22:56 22:62 — 2275 264 — 25°26 195 1045 Gewiss merkwürdig ist der Reichthum dieses Salzes an verschie- denen Hydratationsstufen; mit Bestimmtheit kann man wenigstens vier derselben annehmen: eine gelbe, blauschillernde, die Quadrat erhielt, und ich wenigstens zu Gesichte bekam; die farblose mit violettem axialem Scheine, hier analysirt und beschrieben; die pur- purne mit Goldglanze; die orangenbraune mit blauem Schiller (bei 100°). Sicherlich müsste es bei hinlänglichem Material gelingen, alle in Krystallen zu erhalten. Caleiumplatineyanür. Auch dieses bereits von Quadrat beschriebene und analysirte Salz habe ich sowohl nach der Quadrat'schen Methode (aus Kupfer- platineyanür und Ätzkalk) als auch durch Sättigung von Platineyan- wasserstoff mit kohlensaurem Kalk dargestellt. Ich muss gestehen, dass ich letzterer Methode, was Schnelligkeit und Reinheit betrifft, den Vorzug gebe, namentlich da man sich — wie oben beim Baryum- ı salze gezeigt worden —.den Platineyanwasserstoff direct aus Kalium- platineyanür durch Schwefelsäure und Weingeist so rein darstellen kann, als er überhaupt nur zu dieser Operation nöthig ist. Als ich eine beträchtliche Quantität, nach der zweiten Methode bereitet, in einer tiefen Schale verdunsten liess, erhielt ich, ausser gelben Kry- stallkrusten, die ringsum den Rand bedeckten, am Boden eine Anzahl prächtiger Krystalldrusen, bestehend aus concentrisch gruppirten "Ss Schafarik. Prismen von nahe 25 Millimeter Länge, an Schönheit des Trichroismus dem Baryumsalz wenig nachgebend, nur mit mehr grünlichem Grund- ton als letzteres. Die farbigen Säume an Gegenständen gesehen, durch die Prismenkanten dieses und noch mehr des Baryumsalzes, schienen mir sehr breit und lebhaft, doch mag ieh — da hier nur Messungen Werth haben — nichts bestimmteres darüber aussagen. Das nach Quadrat dargestellte Salz bildete Krusten, locker zusammengewebt aus schwefelgelben oder bräunlichgelben Nadeln; doch erhielt ich aus Platinblausäure ähnliche Produete, wesshalb der Unterschied als zufällig zu betrachten sein wird. Bei +100°C. wird das Salz blassrosenroth, bei +150°C. weiss und wasserfrei. Eine concentrirte Lösung des Salzes, auf heissen Flächen rasch verdampfend, gibt ihnen einen tiefrosenrothen Überzug; durch Abdampfen der gesättigten Lösung etwas unter 4 100° C. dürfte wohl die rosenrothe Verbindung (Ca Pt Cy, + 2HO) in Kry- stallen zu erhalten sein. Die gelbe Verbindung ist Ca Pt Cy, +2HO + 3Ag. Man sieht, dass die Formeln des Strontium- und Caleiumsalzes genau eorrespondiren. Darauf bezügliche krystallographische Untersuchun- gen dürften von Interesse sein. Die Analyse wurde ganz so durch- geführt wie beim Strontium- und zum Theile beim Baryumsalz. XVII. 2:005 Grm. lufttrockene Krystalle (aus Platineyanwasserstoff bereitet) gaben bei+100° C. 0:2635 Grm. = 13:14 pCt., bei 220° €. 0:158 Grm. = 7'88 pCt. Wasser; im Ganzen also 04215 Grm. — 21:02 pCt. Dieselbe Quantität Salz gab 0:905 Grm. Platin — 45:14 pCt. und 0°4575 Grm. CaO. CO, — 9:13 pCt. Calcium. XVII. 2:100 Grm. Salz derselben Bereitung gaben bei + 100° C. 0:274 Grm. = 13:05 pCt., bei + 200° C. noch 0:163 Grm. — 7716 pCt. Wasser ab; im Ganzen daher 0'437 Grm. — 20:81 pt. Ca0.CO, wog 0485 Grm. — 9:24 pCt. Caleium. XIX. 17285 Grm. Salz nach Quadrat bereitet gaben bei +100°C, 02315 Grm. — 13:39 pCt., bei + 215° C. 0.181 Grm. — 1:58 pCt.; im Ganzen also 0:3625 Grm. = 20:97 pCt. anWasser. Der kohlensaure Kalk wog 0'403 Grm., entsprechend 9:32 pCt. Caleium, das Platin wog 0:786 Grm. = 4547 pÜt. Über die Cyanverbindungen des Platins. 19 Die Zusammenstellung der Resultate mit der Theorie lautet nun also: Berechnet: Gefunden: Berechnet nach Quadrat: nt N Tl CaPtCy,+2HO +3Agq Ca,Pt,Cy,, + 27HO Pt = 99 — 45-83 4547 — A514 495 — 43°27 a2 — — 256 — 035 220 —13,9:26 9.13 — 9:32 — 9:24 120 — 10:49 HO—=183—= 8:33 71:58 1:58 7-76 ! Na ei) a An BB u a “En aka | BA 216 1144 Magnesiumplatineyanür. Bei den ausgezeichneten Eigenschaften dieser Verbindung schien es mir von Interesse, ihre Zusammensetzung so scharf als möglich zu bestimmen, um keinen Zweifel übrig zu lassen. Leider ist mir dies nieht gelungen, wie man unten sehen wird, ohne dass ich jedoch den Grund anzugeben wüsste. Dies ist um so unange- nehmer als gerade hier in Quadrat's Zahlen Versehen vorgefallen sein müssen, die aus den gedruckten Daten nicht zu erklären sind. Ich habe das Salz oft und auf alle mögliche Arten bereitet, zur Analyse auf folgende Art: Reines krystallisirtes Baryumplatineyanür (Substanz Nr. VIII und IX) wurde in Wasser gelöst, mit einem kleinen Überschuss von Bittersalz gefällt, die abgeklärte Flüssigkeit verdampft und der Rückstand mit absolutem Alkohol, dem etwas Äther beigemischt war, extrahirt. Der Auszug wurde verdampft, der Rest in Wasser gelöst, die Lösung filtrirt und im Vacuum über Vitriolöl verdampft. Ich erhielt die bekannten prachtvollen Krystallrinden (tetragonale Prismen mit Endflächen und seltenen Flächen der Nebenpyramiden) mit etwa 2 bis 4 Millimeter dieken Krystallen. Die Sättigung von Platin- cyanwasserstoff mit kohlensaurer (nicht kaustischer) Magnesia bei Siedehitze gibt ganz genau dasselbe Product wie das Fällen von Baryumplatineyanür mit Bittersalz oder das Eindampfen von Kaliumpla- tineyanür mit Bittersalz und Extrahiren mit Alkohol; analysirt habe ich zwar die Verbindung nicht, aber Aussehen, Verhalten und theore- tische Gründe erlauben keinenZweifel; Quadrat fand das so gebil- dete Salz blässer roth als das nach ihm bereitete, fast nur rosenroth; ich fand es im Gegentheil in allen Farbentönen tiefer, namentlich das heitere Goldgrün des Quadrat'schen Salzes war bei dem Platineyan- wasserstoff-Product dunkel metallisch-grünblau. s0 Schafarik. Löst man das scharf entwässerte Salz in heissem absolutem Al- kohol(wozu ziemlich viel erfordert wird ), so krystallisirt beim Abkühlen ein die ganze Flüssigkeit erfüllendes Gewebe zarter, weisser atlas- slänzender Fasern; bei Luftzutritt werden sie bald gelb und ziehen sich endlich zu karminrothen goldglänzenden Krystallkrusten zusam- men. Löst man das trockene Salz in so viel Alkohol, dass beim Ab- kühlen nichts krystallisirt und lässt es auf einer flachen Schale in war- mer trockener Luft verdampfen, so erhält man dünne eitronengelbe Tafeln oder vielmehr Blätter mit schön blauem Flächenschiller;; sie sind rectangulär und charakteristisch fächerförmig gruppirt. Ich erhielt diese Verbindung oft, ohne jedoch für die Analyse zu sorgen; in letz- ter Zeit, da ich zur Analyse derselben schreiten wollte, war es mir unmöglich sie zu erhalten, offenbar in Folge feuchterer Luft (ich hatte die Krystalle immer im Winter in stark geheiztem trockenem Zimmer bekommen). Offenbar entsprechen die eitronengelben Blätterbünde jener gelben Masse, in welche sich das rothe Salz bei etwa +50— 40°C. verwandelt, während jene asbestartigen Nadeln Mg PtCy, + 2HO sind — dasselbe Salz, in welches sich die rothen Krystalle bei +100° C. verwandeln. | Quadrat fand in seinem Salze 18:69 pCt. Krystallwasser (bei +100°C. entweichend) und 14:57 pCt. Hydratwasser (erst in hoher Temperatur schwindend), zusammen daher die bedeutende Menge von 393'26 pCt. Wasser. Zugleich aber gibt er die Formel Mg, Pt; Cyıı + SHO-+ 11Aq. welche, wie sich Jedermann durch Nachrechnen überzeugen mag, nur 16°70 pCt. Wasser entspricht, aber 48°34 pCt. Platin verlangt, 5 pCt. mehr als der: Wirklichkeit entspricht. Um 33 pCt. Wasser zu finden, müsste man die Formel Pt,Cy,, Mg,+47HO nehmen, welche 83'15 pCt. Wasser aber nur 38:80 pCt. Platin gibt, von letzterem also 5pÜt. zu wenig. Ich vermag diesen Widerspruch nicht zu lösen und gebe nun meine Resultate. XX. 1'419 Grm. schöne lufttrockene Krystalle verlorenbei+ 100°C. 0.259 Grm. —= 18:25 pCt. Wasser, bei + 235°noch 0100 Grm. —1:05 pCt.; im Ganzen also 0:359 Grm. —=25'30 pCt. (Das Salz wird bei +30— 40°C. schwefelgelb, bei +100°C. blass- rosenroth, fasst weiss, bei200° orangefarbig.) Das entwässerte Salz wurde für sich im bedeckten Tiegel geglüht, wobei ich XXI. IX. Über die Cyanverbindungen des Platins. s1 durch das Uhrglas, welches ich absichtlich zum Deckel nahm, sah, wie das Salz mehrere Minuten lang im lichtrothglühenden Tiegel sich kaum veränderte, spndern erst beim Ablegen des Deckels wie Zunder verglomm. Der Rückstand wiederholt mit Salpetersäure befeuchtet und geglüht, wog 0°%615 Grm. — 53:66 pCt. ; nach der Theorie folgt für Pt Cy, Mg+2HO0-+5 Agan Pt + MgO — 52:66 pCt. Die Masse wurde gerieben, mit ver- dünnter Salpetersäure ausgekocht und aus der Flüssigkeit die Magnesia als Phosphat bestimmt. Pt wog 0:617 Grm. — 43-48 pCt.; PO,.2MgO wog 0'380 Grm., entsprechend 5°79pCt. Magnesium. 1:797 Grm. minder deutliche lufttrockene Krystalle gaben bei + 100° C. 06-332 Grm. = 18-48 pCt., bei + 235° C. noch 0-116 Grm. = 6°45 pÜt.; im Ganzen also 0'448 Grm. — 24.93 pCt. Wasser. Sie wurden gelöst, das Magnesium mit phosphorsaurem Natron, Salmiak und Ammoniak gefällt, das Filtrat mit viel Salmiak eingedampft, geglüht und der Rück- stand mit Schwefelsäure ausgekocht, um dem Platinschwamm alle Phosphate zu entziehen. Pt wog 0:790 Grm.=43-96pCt., PO,.2MgO wog 0'460 Grm. — 5:53 pÜt. Magnesium. 1:6185 Grm. reine Krystalle verloren bei+ 240° C. 0-4265 Grm. — 26:35 pCt. Wasser; daich immerfort die angezeigten 33 pCt. Wasser suchte, so trocknete ich noch einmal 3 Stunden lang bei | +300°C. — Das Salz blieb unverändert, verlor aber auch nicht ein Milligramm mehr. Die obige Portion zuerst für sich verglommen, dann wieder- holt und sehr vorsichtig mit Schwefelsäure geglüht, wog 1'158 Grm. — 11:55 pCt. Die Formel MgPtCy, + 2H0 + 5Aq verlangt Pt-1 Mg0.SO, = 70:35 pCt. Das Platin durch Kochen mit angesäuertem Wasser abge- sondert wog 0'702 Grm. —= 43'537 pCt. Die pyrophosphorsaure Magnesia wog 0'401 Grm. = 5°36 pCt. Magnesium. XXI. 1'122 Grm. ausgesuchte Krystalle (lufttrocken) entliessen bei + 100°C. 0:207 Grm. = 1845 pCt. bei + 240° C. weitere 0:093 Grm. — 8:29 pCt. Wasser; im Ganzen 0'300 Grm. — 2674 pCt. Sitzb. d. mathem,-naturw. Cl. XVII. Bd. I. Hit. 6 82 Schafarik. XXIV. 0'4835 Grm. der grössten und reinsten Krystalle verloren bei +-100°C.0:0885 Grm. —=18:30 pCt., bei +240°C. 0:0465 Grm. — 9:62pCt.,im Ganzen daher 0:135 Grm. — 27:92 pCt. Wasser. Die Zusammenstellung der Zahlen ist nun folgende: Berechnet: Gefunden: Me&PtCy,;, +2HO +5Agq Bi 997 — 73:01 4348 — 4396 — 43:37 52 — 23:01 579 — 5933 — 5:36 Me12 0 sol 7:05 645 8:29 — 26:35 110, — 118 — lar87 as an u A—=s5— 199 18°25 18:48 1845 — 2179 236 — 100.00 Berechnet: m Ten MgPtCy, + 6HO 99 — A562 12 — 25:53 18— 830 | e — 16:59 a 217 = 100.00 Man sieht: die Platin- und Magnesium-Bestimmungen harmoniren mit der ersten Formel, nur die Wassergehalte sind zu klein; redueirt man aber die Platin- und Magnesiummenge auf die jeweilige Menge wasserfreien Salzes, so findet man Berechnet: Gefunden : MePtCy, (in der Ordnung wie oben) Mg,Pt,Cy,, 9— 60%4 58:21 — 58:56 — 58-89 495 — 58:03 52— 3190 286— 33:53 12, 10.36 175 — TA6 — 728 TR—= 844 163 — 100:00 853 —= 100.00 Der Magnesiumgehalt stimmt gut mit der ersten Formel, der Platingehalt weicht aber constant ab, nähert sich sogar der eompli- cirteren Formel. Ich kann den Fehler weder in meinen Methoden noch in meinen Operationen finden und werde wiederholte Unter- suchungen anstellen, um diese Differenz verschwinden zu machen. Übrigens zeigt der Ursprung aus einem Salze, das evident die Zusam- mensetzung BaPtCy, 4+4AHO hat, hinlänglich, dass die Formel des Magnesiumsalzes keine andere sein kann, als die vorangestellte; Über die Cyanverbindungen des Platins. 83 auch hat Baumert aufLiebig’s Veranlassung zwei Analysen des wasserfreien nach Quadrat bereiteten Salzes gemacht, welche 60-51— 59-81 Pt und 7:38— 7:28 Mg ergaben !). Herr Sectionsrath Hai dinger hat in den Sitzungsberichten der kais. Akademie der Wissenschaften (math.-naturw. Cl. II, 20—24) eine Notiz über Magnesiumplatineyanür gegeben, wonach unter besonderen ungekannten Umständen neben den karminrothen goldgrünglänzenden quadratischen Prismen noch andere hexagonale Nadeln von morgen- rother Körperfarbe und blauem Flächenschiller erhalten werden. Er gab später diesem Körper den Namen Aurorit. Ich habe diesen Kör- per nie so deutlich erhalten wie er dort beschrieben ist, sondern nur spurenweise, und auch das nur dann, wenn ich das Magnesiumsalz durch Eindampfen von Kaliumplatineyanür mit Bittersalz zur Trockne und Extrahiren mit Ätheralkohol darstellte; bei Darstellung des Magnesiumsalzes durch Fällung von Baryumplatineyanür mit Bittersalz erhielt ich den fraglichen Körper nicht. Ich habe allen Grund zu ver- muthen, dass derselbe ein Doppelsalz von Kalium- mit Magnesium- platineyanür ist; aus einer gütigen Mittheilung von Herrn Professor Schrötter weiss ich, dass die hier abgehandelten Salze zahlreiche Doppel- ja Tripelverbindungen unter einander eingehen, über die wir wohl interessanten Mittheilungen von ihm entgegensehen dürfen. Kupferplatineyanür. Diese Verbindung entsteht jedesmal, so oft zu einer aufgelösten Platineyanür-Verbindung eine Kupfersalzlösung hinzugesetzt wird, in Gestalt eines voluminösen, bald blaugrünen, bald gelbgrünen Nieder- schlages, der sich aus einer, überschüssiges Kupfersalz enthaltenden Flüssigkeit binnen 24 Stunden ganz klar absetzt, aber nach mehr- maligem Decantiren und Aufgiessen von reinem Wasser in letzterem sich fein vertheilt, ohne selbstnach längstem Stehen vollkommen abzu- sitzen, so dass man zum Filtriren seine Zuflucht nehmen muss, welches aber bei nur einigermassen grösseren Quantitäten wochenlang dauert (wenn man nämlich bei überschüssig zugesetztem Kupfersalz so lange auswäscht, bis Reagentien das Filtrat nicht mehr verändern), da der Niederschlag fast noch mehr als Thonerdehydrat eine feste gelatinöse 1) Liebig’s Ann. LXV. 250. 6 * SA Sehatfarik. Schicht am Papiere bildet. Beim Trocknen schrumpft er ausseror- dentlich zusammen, zerspringt und verwandeltsich in glänzende, seharf- kantige Fragmente von sattem Gras- bis Lauchgrün, welche aber zer- rieben ein matt berggrünes Pulver geben. Das Salz hält hartnäckig hygroskopische Feuchtigkeit zurück, wie alle metallischen Doppel- eyanüre (Berlinerblau z.B.) undmuss zur Analysebei +150bis 180° C. getrocknet werden. In verschlossenen Gefässen bis zum Glühen erhitzt wirdestiefer grün, dann braun und verliert Cyan, welches ent- weichend mit schöner gelbgesäumter Purpurflamme verbrennt. Das entweichende Gas hat einen äusserst stechenden und angreifenden Geruch. Der Rückstand verglimmt bei Luftzutritt zu einem schwarzen Pulver (wohl Platin und Kupferoxyd). Dieses Pulver mit Salpeter- säure gekocht, gibt an selbeKupfer ab und Platinschwamm bleibt zu- rück, doch haben mich mehrfache Versuche überzeugt, dass es auf diese Weise fast unmöglich ist, alles Kupfer auszuziehen. Wieder- holtes Abrauchen von Salpetersäure über dem verglommenen Pulver und Glühen des Restes, wie es Quadrat that, zerstört zwar wohl alle und jede Spur von Cyanür (oder Paracyanür), aber macht den geglüh- ten Schwamm so compact, dass er weder vom Tiegel zu trennen ist noch an kochende Säuren alles Kupfer abgibt. Ich fand am besten die fein geriebene und gewogene Substanz in möglichst dünner Schicht auf einer flachen Platinschale zuerst bei gelinder Hitze verglimmen zu lassen, sie dann in der Muffel (bei sehr vorsichtigem Zuge) stärker und anhaltend zu glühen und endlich mit saurem schwefelsauren Kali zu chmelzen. In Wasser suspendirt und mit Chlorgas behandelt wird die Verbindung sehr langsam angegriffen, wobei glänzende grüne Krystalle entstehen, die ich in meiner zweiten Abhandlung als Kupfer- platinchloroeyanid beschreiben werde. Mit Schwefelsäurehydrat eine halbe Stunde gekocht bleibt das Salz ganz unverändert, mit Schwefel- und Salpetersäure ebenso. Ich bemerke übrigens besonders, dass ich zu meinem Kupfersalze Kaliumplatineyanür nahm, das nach Quadrat’s (vielmehr Knop’s erster) Methode bereitet und nur einmal umkry- stallisirt war, daher der Formel Pt; Cy,. K, entsprechen sollte. XXV. Ein Versuch, das Salz nach Quadrat’s Methode zu analy- siren, gab von 0°607 Grm. Substanz 0:3398 Grm. Platin = 55:98 pCt. XXVI. 1'002 Grm. Substanz verbrannt und mit Bisulphat geschmol- zen, gaben 0:542 Grm. Platin = 54:09 pCt. Über die Cyanverbindungen des Platins. 35 Berechnet: Gefunden : BESCREERIREHNLIEAN: CuPtCy, Cu,Pt,Cy;ı Pt = 99 — 5410 (55:98) — 54:09 495 — 50:87 0 52 — 28:1 —_ 286 — 2940 Cu=3—= 17%) = 192 — 1973 183 — 10000 973 —= 100:00 Die vollkommene Übereinstimmung der zweiten Analyse mit meiner Formel ist natürlich Zufall. Die schöne lasurblaue Verbindung, die aus dem Kupfersalze durch wässeriges Ammoniak entsteht — gewässertes Ammoniocupram- mon-Platineyanür — zu analysiren, hieltich nach Knop und Quadrat für überflüssig, um so mehr, da auch Quadrat in ihr CuPtCy, und nicht Cu; Pt, Cy,, annimmt. Ich fand übrigens das Kupfersalz in neutralen und nicht allzu sauren Flüssigkeiten so unlöslich, dass ich es immer benütze, um den zahlreichen Mutterlaugen verschiedener Krystallisationen die Spuren von Platineyanüren bequem und einfach zu entziehen. Bei Gegenwart von Barytsalzen u. dgl. nimmt man natürlich Kupferchlorid oder Nitrat zur Fällung. Die gesammelten Vorräthe von Kupfersalz verarbeitet man am besten zu Baryumsalz, da dieses so leicht krystallisirt. Quecksilberplatineyanür, Die Auflösung des Kaliumplatineyanürs gibt mit Sublimatlösung- einen weissen, mit salpetersaurem Quecksilberoxydul einen anfangs weissen, jedoch bei steigendem Zusatz von Reagens erst gelb, dann grün, zuletzt schön blau werdenden Niederschlag, der in der Flüssig- - keit tief gefärbt ist, beim Abfiltriren und Trocknen smaltenblau wird, aber durch heisses Wasser immer blasser blau werdend, endlich eine graue Farbe annimmt. Schon Döbereiner lehrte uns diese Erschei- nungen kennen und erklärte sie richtig dadurch, dass er die weisse Verbindung für Quecksilberplatineyanür, die blaue für dasselbe + sal- petersaurem Quecksilberoxydul nahm, welches letztere jedoch durch heisses Wasser ausgezogen werden kann. Rammelsberg's Analyse hat später die Ansicht Döbereiner's über das blaue Salz vollkommen bestätigt, denn er fand für das blaue Salz die Formel 5 Pt Cy, Hg —+-Hg, 0.NO, + 10H0 ?). Das weisse Salz, welehesDöbereiner zur Darstellung des Platineyanürs benützte, ist, wenn ich nicht irre, noch 1) Rammelsberg, Pogg. Ann. LXXIN, 117 und Erdm. Journ. XLI, 184. Ss6 Schafarik. nicht analysirt worden, denn Quadrat fand, dass beideSalze, das weisse sowohl als das blaue, beim Trocknen zersetzt werden, indem Queck- silberkügelehen an den Wänden des Trockenapparates ansublimiren. Ich für meinen Theil fand, dass das blaue Salz, erhalten mit Queck- silberoxydulnitrat, durch Waschen mit heissem Wasser, wenn auch Schwefelwasserstoff die Waschwässer nicht mehr bräunt, nicht ganz vom Nitrate befreit werden kann. Das Salz bleibt immer blaugrau, was namentlich beim Trocknen zum Vorschein kommt. Setzt man das möglichst ausgewaschene Salz zerrieben auf einer flachen, mit einer Glasscheibe zugedeckten Schale in dünner Schichte einer Temperatur von + 200° bis 250° C. aus (im Sand- oder Luftbade), so wird das Salz allmählich schneeweiss, und die Glasplatte beschlägt mit feinen Quecksilberkügelchen. Streift man diese ab, wenn das Salz ganz weiss geworden, und erhitzt nun beliebig lange bei gleicher Temperatur fort, so erscheint kein Beschlag mehr. Über + 300° C. bräunt sich das Salz schwach, doch ohne seine Zusammensetzung zu ändern, wie mich Analysen lehrten. Gibt man das so bereitete, vollkommen trockene Salz in einen mit einem Uhrgläschen bedeckten Platintiegel und erhitzt langsam bis zum Rothglühen, so sieht man Quecksilberdampf das Glas beschlagen, aber bald verschwinden, während Cyan entflieht, durch Geruch und Flamme erkennbar; dabei wird das weisse Salz zu gelbem Platineyanür, das mitten im mässig rothglühenden Tiegel minutenlang unverändert bleibt und erst bei lichter Rothgluth unter Cyanverlust zu einer schwarzen Masse wird, die an der Luft rasch zu Platinschwamm verglimmt. Quadrat hat das Salz nicht analysirt, schliesst aber folgender- massen: Da das Kaliumsalz K, Pt, Cy,, = 5KPtCy, + KCy ist, so müsste jedenfalls in der Flüssigkeit nach Ausfällung mit über- schüssigem Quecksilberoxydulnitrat Cyanquecksilber vorhanden sein, wenn der Niederschlag nicht Hg, Pt, Cy,,, sondern Hg Pt Cy, wäre; er konnte aber kein Cyanquecksilber finden. Man sieht, wodurch die Argumentation bedingt ist. Ich habe mein Salz aus der Kaliumver- bindung Nr. I bereitet und wie oben behandelt. Das Salz war weiss, eine zweite Bereitung blassbräunlichgrau. XXVI. 0'464 Grm. weisse Substanz gaben 0:178 Grm. Platin — 38:56 plt. XXVII. 0715 Grm. graue Substanz gaben 0'284 Grm. Platin — 39.72 pÜt. Über die Cyanverbindungen des Platins. 87 XXIX. 0:7359 Grm. graues Salz gaben 0:2925 Grm. Platin — 39-55 pCt. Berechnet: Gefunden; Berechnet: Hg PtCy, Hg,Pt,Cy;4 Pi7 99) = 3944 38:36 — 3972 — 39:55 495 —= 35:68 == 207 236 — 2071 Hg —100 —= 39:84 600 —= A345 251— 100.00 1381 — 100:00 Über die Zusammensetzung beider vorangehenden Salze, des Kupfer- und des Quecksilbersalzes, ist noch Folgendes zu bemerken. Quadrat führt ausser seinen Analysen, welche ihm die Formel Cu, Pt, Cy,, und Hg, Pt, Cy,, stützen helfen, auch noch den Umstand als Beweis für erstere Formel an, dass, bei der Zerlegung des ersten der beiden Salze durch Schwefelwasserstoff, Schwefelkupfer und Platinblausäure gebildet werde, zugleich aber Blausäure, am Geruche erkennbar, entweiche. Ich habe zwar diesen Umstand nicht beobachtet, doch dürfte wohl neben Schwefelwasserstoff der Geruch ein unsicheres Reagens auf Blausäure sein ; stringenter scheint mir folgende Conelu- sion. Nach der Formel müsste die Menge der entwickelten Blausäure doch nicht ganz unbeträchtlich sein (28 pCt. trockene Säure); nun weiss man aber, dass Blausäure in einer mit Schwefelwasserstoff gesättigten Flüssigkeit nicht die Luft berühren kann, ohne Rhodan- wasserstoff zu geben, wie die Vauquelin’sche Blausäure (aus Hg Cy und SH) beweist; es müsste also ein aus dem Salze Cu, Pt; Cy,ı oder Hg; Pt, Cy,, dargestellter Platineyanwasserstoff nebst den daraus bereiteten Salzen wohl immer Rhodanmetall enthalten. Ich aber habe äusserst oft Platineyanwasserstoff bereitet und nie bei reinen Mate- rialien Rhodanreaction gefunden; so oft sie stattfand, zeigte sie auch das Kaliumplatineyanür, aus dem das Kupfersalz bereitet war. Ich glaube dieses Argument ist, obwohl seeundär, doch nicht werthlos. Platineyanür. Dieser Körper wurde zuerst von Döbereiner durch sehr gelin- des Glühen von Quecksilberplatineyanür in verschlossenen Gefässen als gelbgrünes, gegen Reagentien äusserst indifferentes Pulver dar- gestellt. Knop und Schnedermann zeigten, dass man ihn auch durch Erhitzen von wasserfreiem Kaliumplatineyanür mit Quecksilber- chlorid erhalten kann, was am Ende auf die Methode von Döbereiner s8 Schafarik. hinausläuft; wichtiger ist eine zweite von denselben aufgefundene Darstellungsweise dieses Körpers. Das auf trockenem Wege bereitete Platineyanür ist in Reagentien, namentlich in Cyanürlösungen voll- kommen unlöslich, kann also nicht dazu dienen, Doppeleyanüre zu bereiten. Kocht man dagegen Kalium- oder Ammoniumplatineyanür längere Zeit mit Vitriolöl, so scheidet sich ein feurig orangengelber, schwerer, gelatinöser Körper aus, der in der Flüssigkeit, in der er gebildet wurde, ganz unlöslich ist, und gut aus derselben absitzt, in reinem Wasser jedoch sich so fein vertheilt, dass man eine Lösung zu haben glaubt, auch äusserst schlecht sich filtrirt. Dieser ist in Cyan- kalium, Ammonium u. s. w., leicht löslich und gibt so ein Mittel, sehr reine Salze darzustellen. Von kochendem Vitriolöl wird er erst nach längerer Zeit unter Entwickelung schwefeliger Säure verändert (oliven- grün gefärbt). Doch hält er immer etwas Kalisalze hartnäckig zurück, die auf keine Weise zu entziehen sind. Trocken (er schrumpft ganz unglaublich zusammen) bildet er glänzende, rothbraune, zersprungene Massen, wie Aloöharz oder Schellack, von orangebraunem Pulver. Döbereiner fand in seinem Präparat 78— 79 pCt. Platin, Knop in dem seinigen etwas über 76 pCt. Quadrat analysirte beide Producte und fand in beiden nur resp. 71:7 und 72-8 pCt. Platin, was zunächst der Formel Pt, Cy; entspräche, woraus dann folgen würde, dass dieser Körper ein Sesquicyanid, das Cyanür aber noch nicht dargestellt wor- den sei, wiewohl dem der Umstand widerspricht, dass er in Cyan- kalium gelöst wieder Kaliumplatineyanür gibt. Ich habe das Knop’sche Produet mehrfach dargestellt, und zu- gleichnoch eine andere Methode benützt, nämlich anhaltendes Erhitzen von reinem Ammoniumplatineyanür auf etwa + 300° C. im Sand- bade. Die gelben Krystalle werden anfangs rein weiss (wasserfrei), dann erst fangen sie an gelb zu werden, wobei ein leichter betäubend- stechender Dampf (Cyanammonium) entweicht. Zuletzt bleiben schöne schwefelgelbe Pseudomorphosen von Platineyanür zurück, die noch stärker erhitzt bei Luftzutritt verglimmen und deutliche Pseudomor- phosen von Platinschwamm nach Ammoniumplatineyanür zurücklassen. Auch beim Kochen von Platinblausäure mit Salpetersäure ent- steht sehr reines Platineyanür, nebst anderen Produeten, wovon jedoch erst in der nächsten Abhandlung gesprochen werden soll. XXX. 0298 Grm. aus Kaliumsalz durch Schwefelsäure, zuletzt mit Weingeist gewaschen, daher beim Trocknen porös und Über die Cyanverbindungen des Platins. 89 locker gelb geblieben, liessen 0'230 Grm. Platin = 77-18 pCt. XXX. 1-434 Grm. von anderer Bereitung (rothbraune glänzende Masse, Pulver orangenbraun) gaben 1'084 Grm. Platin = 15:59 pCt. XXXIL 1'232 Grm. aus Knop’schem kupferrothem Ammoniumpla- tinsesquieyanide durch mehrstündiges Einkochen mit verdünn- ter Schwefelsäure bereitet, nass feurig eitrongelb, trocken hornartig, matt rothbraun, liessen 0'927 Grm. Platin = 15:24 pÜt. XXX. 0763 Grm. aus Knop’schem kupferrothem Kaliumplatin- sesquieyanide durch Kochen mit Vitriolöl ausgeschieden, anfangs schön orangen-, dann unter Entwickelung von wenig schwefeliger Säure olivenfarben geworden, gaben 0:575 Grm. Platin = 16'36 pÜt. Dieser Körper wusch sich leicht aus, setzte sich aus reinem Wasser gut ab und lief nicht durch das Filter; in Cyankalium gelöst, gab er ganz reines Kaliumplatincyanür. XXXIV. 04425 Grm. aus Ammoniumsalz durch Rösten bei 4 300°C. bereitet, gaben 03365 Grm. Platin = 76:00 pCt. Das Salz hielt nach späterer Untersuchung etwas Chlorcaleium. Bei reinem Ammoniumsalz muss das erhaltene Cyanür wohl den normalen Platingehalt geben. Berechnet: Gefunden: mm mt N Pt,Cy; Pt,Cyu 18 = 7194 891 7570 7524 — 7559 — 76:05 — 76:36 — 77-18 18= 2826 2836 — 2430 — 276 — 100:00 1177 — 100:00 Berechnet: Pt,oCyaı PtCy 99 — 77:59 II—E7I2V 286 — 2241 26 —= 20:80 1276 — 100.00 125 = 100.00 Man sieht, dass meine Resultate das Knop'sche (76—77 pt. Pt.) bestätigen. Wollte man zu jeder Analyse eine Formel aufstellen, man müsste wohl ein Dutzend Platineyanüre annehmen; alle obigen Producte sind offenbar Cyanür mit 79-20 pCt. Platin, verunreinigt durch variable Mengen unauswaschbarer Beimengungen. 90 Schafarik. Schluss. Da ich zu den Angaben Quadrat's über den Platineyanwasser- stoff in analytischer Beziehung nichts nachzutragen wüsste, und die Beschreibung seiner verschiedenen merkwürdigen Derivate, die ich aufgefunden habe, so wie die des Aluminiumplatineyanürs und des prachtvoll krystallisirten Bleiplatineyanürs der nächsten Abhandlung vorbehalten will, so schliesse ich hiermit meine Mittheilung, deren Zweck und Richtung ich hoffentlich gleich zu Anfang genug deutlich angegeben habe, um kein Missverstehen befürchten zu müssen. Nur will ich noch kurz meine Ansicht über die vorliegenden Verbindun- gen resumiren, und einige einschlägige Bemerkungen in Betracht ziehen. Quadrat hält in seinen Abhandlungen fest, dass zwei ver- schiedene Reihen von Platin-Doppeleyanüren bestehen, davon die eine M, Pt, Cy,ı die andere M Pt Cy, zur Zusammensetzung habe, und gründet seine Überzeugung theils auf seine Analysen, theils auf die Thatsache, dass er die aus Platineyanwasserstoff erzeugten „ein- fachen“ Platineyanüre nicht nur chemisch, sondern auch physicalisch different von den „zusammengesetzten“ denen der ersten Reihe fand. Ich habe, wie der Leser aus dem Vorhergegangenen genugsam erkannt haben wird, beide Argumente geprüft; ich habe die Quadrat'’schen Verbindungen theils nach seinen Methoden, theils aus Platinceyan- wasserstoff dargestellt und keine grösseren physicalischen Differenzen gefunden, als sie bei Salzen verschiedener Darstellungen nach der- selben Methode vorkommen; ich habe die Analysen von beiden Arten Salzen nach verschiedenen Methoden wiederholt, und dabei Resultate erhalten, die zwar zum Theile weniger mit meinen Formeln stimmen, als Quadrat’s Analysen zu seinen Formeln (wovon die Schuld in der doch nicht ganz leichten Reindarstellung dieser Verbindungen, liegen mag), aber doch jedenfalls genügen zu zeigen, dass für die von mir untersuchten Salze die Formeln, die ich gebe, die richtigen sind, während sie sich mit den Quadrat’schen durchaus nicht vertragen. Nur noch einen Umstand will ich berühren. In der angeführten Notiz von Quadrat (Liebig’s Annalen LXV, 151) berichtet er, in seinen Salzen Schwefeleyanverbindungen gefunden zu haben, und erzählt zugleich, aus den Mutterlaugen der Baryum- und Magnesiumverbin- dungen krystallisirten zuletzt andere farblose Salze, die in Alkohol viel leichter löslich sind. Diese Verbindungen sind mir nie vorgekommen, Über die Cyanverbindungen des Platins. 91 und ich glaube, dass sie nichts als Baryum- und Magnesiumrhodanür waren, bedingt durch einen Schwefeleyangehalt des gleich ursprüng- lich angewendeten Cyankaliums, wie er bei Pottasche, die Kalisulphat hält, unvermeidlich ist. Fällt man Kaliumsalz, das mit solchem Cyan- kalium bereitet, daher mitRhodankalium verunreinigt ist, durch Kupfer- vitriol, so ist dem Kupferplatineyanür natürlich Kupferrhodanür bei- gemengt, und beim Kochen mit Baryt oder Magnesia wird dieRhodan- verunreinigung auf beide letztere übertragen. Beim Arbeiten mit reinen Materialien erhielt ich nie eine Rhodanreaction. Mögen nun eompetente Richter entscheiden, ob wirklich die von mir dargestellten Verbindungen identisch mit den Quadrat'schen seien, oder ob doch nicht unter Umständen Salze von der Formel M, Pt, Cy,, entstehen, wiewohl ich letztere nach den Methoden, die ihr Entdecker angegeben, nicht erhielt. Auch wenn das erstere der Fall sein sollte, was wohl meine Überzeugung ist, so wird doch das Verdienst ihres Entdeckers als solcher nicht geschmälert, und namentlich der Physiker wird die schönen Krystalle des Magnesium- salzes nie ansehen, sei es zum Vergnügen, sei es in wissenschaftlicher Absicht, ohne sich dankbar an Jenen zu erinnern, der uns ihre Dar- stellung zuerst gelehrt. 92 KiinTenr:- Tehthyologısenhne. Deriraaıe Von dem ce. M. Dr. R. Kner. I. Über die Gattungen Aspredo und Chaca C. V. aus der Familie der Welse (Siluroidei). (Mit VI Tafeln.) Obwohl ich meine im vorigen Jahre begonnenen Untersuchungen über die Gattungen Callichthys und Doras früher zum Abschluss brachte als jene über die oben genannten, glaube ich doch die Ergeb- nisse der letztern vorausschicken zu müssen, da sich diese Gattungen noch näher den Panzerwelsen (Loricaten s. Goniodonten) anreihen. Namentlich gilt dies von der Gattung Aspredo, jedoch nur zum Theile, denn Valenciennes lässt auch eine Art mit ihr vereinigt, die zu wesentliche Verschiedenheiten zeigt, um diese Verschmelzung ferner als gerechtfertigt erscheinen zu lassen. Es ist dies Aspr. verrucosus Val. oder Bloch’s Platystacus verrucosus. Das kais. Museum besitzt aber nicht nur diese in mehren wohlerhaltenen Weingeistexemplaren, sondern auch eine zweite ihr nahe verwandte Art; aus der nachfol- genden Beschreibung beider Arten wird sich die Nothwendigkeit ihrer Trennung von der Gattung Aspredo ohne Mühe herausstellen. Früher scheint jedoch nöthig, die Eigenthümlichkeiten der letztern näher ins Auge zu fassen. Als Ähnlichkeiten, durch welche sie an die Gattung Loricaria mahnt, sind zunächst hervorzuheben: die Totalform des Kopfes, der platt gedrückte Leib, der in einen langen dünnen Schwanz endet, der halb unterständige Mund, welcher von papillösen Lippen und ähnlichen Bartfäden umgeben wird, die wenig strahlige weit vorne stehende Rücken- und die in einen Faden auslaufende Schwanzflosse; die Gegenwart eines Porus .lateralis und in skeletlicher Hinsicht namentlich die oberen in eine continuirliche Platte vereinigten Dorn- fortsätze. — Dagegen unterscheidet sich Aspredo wesentlich von Loricaria (abgesehen von der völlig nackten Haut) : durch Packete von Sammtzähnen in beiden Kiefern; äusserst kleine überhäutete Ichthyologische Beiträge. 93 Augen ohne Augenspalte, sehr enge Kiemenöffnung, einen nach aussen und innen gezähnten Brustflossenstachel, eine sehr lange, vielstrahlige Afterflosse, und Vorhandensein einer Schwimmblase. Das kais. Museum besitzt drei Arten der Gattung Aspredo, deren Beschreibung ich jedoch, obwohl sie schon seit Bloch bekannt ist, von einer Art ausführlicher geben zu dürfen glaube, da sie einerseits mehre bisher unbeachtet gebliebenen Punkte umfasst und anderseits geeignet scheint, das Bild der nachfolgenden Gattung in um so schärferen Umrissen hervortreten zu lassen. Die zu beschreibende Art ist Aspredo sexcirrhis C. Val. wahr- scheinlich synonym mit Platystacus cotylephorus, welchen Bloch auf Taf. 372 abbildet. — Die Totalgestalt ist sehr gestreckt und nieder- gedrückt, besonders der Schwanz länger und dünner als selbst bei Loricaria. Die Entfernung vom Schnauzenrande bis zur Dorsale beträgt nur %, der Totallänge, jene aber bis zur Kiemenöffnung hievon beiläufig nur die Hälfte oder etwas weniger als 1/, der Gesammtlänge, die grösste Breite vor den Brustflossen 1/, dieser Länge, die grösste Höhe am Vorderrücken nicht die Hälfte der Breite. — Die äusserst kleinen blos unter der Haut durchschimmernden Augen stehen gleich weit von einander, wie vom Schnauzenrande ab, nämlich nahezu 3 Diameter. Die Breite der Mundspalte beträgt weniger als !/, der grössten Breite; der Mund ist halbunterständig, Ober- und Zwischenkiefer ragen bedeutend über den unteren vor, der an sich wenig entwickelt, nur eine sehr schmale Binde äusserst feiner Sammtzähne trägt, während auf den Zwischenkiefern grössere Gruppen von solehen stehen, und hinter denen ein kurzes Gaumensegel quer ausgespannt ist. — Die Narinen sind klein, die hintere eben. so weit vom Auge wie vom Schnauzenrande entfernte stellt eine einfache Spalte dar, und ist von der vorderen ein kurzes Röhrchen bildenden und nahe am Schnauzenrande gelegenen durch ein gewölbtes, über- häutetes Nasenschildchen getrennt. Die Eckbarteln reichen bis gegen die Kiemenspalte zurück, die zwei dem Unterkiefer nahe stehenden sind die kürzesten, die beiden weiter zurück vor der Kiemenstrahlen- haut befindlichen von mittlerer Länge. Der Oberkopf ist wie der ganze Fisch nackt- und glatthäutig; hinter jedem Auge erhebt sich aber eine Knochenleiste, zwischen denen die sehr grosse Stirnfon- tanelle liegt, und die nach hinten in einen medianen Kiel sich ver- einigen, der scharf abgestutzt vor dem Stützknochen der Dorsale 94 Kner endet. — Die Kiemenspalte ist sehr enge und nur an der Kehlseite vor der Brustflossenbasis geöffnet. Die Platten (elaviculae) des Pectoralgürtels sind in der Mittellinie am breitesten, die beiderseits nach rückwärts laufenden Hörner desselben reichen aber nur bis zur halben Länge des Pectoralstachels und ebenso weit auch der über der Brustflosse liegende, gleichfalls spitz endende Humeralfortsatz dieses Gürtels. D.1/4,P.1/6 (9), V.1/5,A.56 — 580.9. Der breite und flach gedrückte Pectoralstachel reicht bis zu den V. zurück und ist derart völlig überhäutet, dass seine stumpfe Spitze noch von einem breiten Hautlappen überragt wird; durch die Haut werden auch seine Zähne überdeckt, die am äusseren Rande nach hinten, am inneren nach vorne gekehrt sind. Die Dorsale ent- springt im Beginne des 2. Viertels der Totallänge, ihr erster und längster Strahl ist ungetheilt aber biegsam, der letzte der kürzeste; ihr gegenüber stehen die V., deren längste Strahlen (der 2. und 3. getheilte) nur wenig kürzer als die der Dorsale sind. Nahe hinter ihnen liegt die Analöffnung und die Genitalpapille. Die nahe hinter letzterer beginnende Anale reicht bis zur Basis der Caudale und besitzt fast gleichlange Strahlen, unter denen nur die letzten bedeu- tend kürzer werden. Der Schwanz läuft sehr zugespitzt aus und der obere Lappen der Caudale endet wie bei Loricaria in einen längeren Faden, sie ist aber im Ganzen wenig entwickelt, denn mit Einschluss des Fadens beträgt ihre Länge nur ?/, der grössten Kopfbreite. Längs der Dorsalseite des Schwanzes erhebt sich vom Ende der Dorsale bis zur Caudale eine Hautkante, welche durch die oberen Dornfortsätze gestützt wird, die hier wie bei Loricaria in eine conti- nuirliche dünne Platte verwachsen sind. — Der Porus lateralis ist sehr deutlich, aber weit zurück genau unter der Spitze des Humerus- fortsatzes befindlich. — Die Seitenlinie verläuft in 1/, Höhe und stellt kleine dieht gedrängte Papillen dar; über und unter ihr verlaufen aber am Schwanze ähnliche Reihen, als wäre die Seitenlinie mehr- fach. Am Vorderrücken und den Seiten des Rumpfes stehen ebenfalls zahlreiche Wärzchen, jedoch mehr regellos, der Oberkopf zeigt deren nur zerstreute und zwar längs des Verlaufes der Kopfcanäle als Mündungen derselben. — Bloch’s eitirte Abbildung zeigt die ganze Bauchseite bis hinter die Analgrube mit fadigen Anhängseln besetzt, welche in triehterförmige Näpfe enden (Filamenta cum cupulis) ; Ichthyologische Beiträge. 95 Valeneiennes vermuthet, sie seien blos den Weibchen zu einer bestimmten (Fortpflanzungs-?) Zeit eigen; sie fehlen unsern Exem- plaren gänzlich, die sich offenbar ausserhalb der Parungszeit befanden, und deren Erhaltungszustand übrigens nähere Angaben über den innern Bau und namentlich die Sexualverhältnisse nicht gestattet. Nur folgende Punkte liessen sich ermitteln. Der Magen bildet einen grossen Sack, der Darm mehre nach rechts gelegene Windungen und geht in einen weiten Afterdarm über; die Leber ist gross, mehrlappig, die Schwimmblase symmetrisch in eine rechte und linke Hälfte einge- schnürt, in der Mittellinie fest an die Wirbelsäule gewachsen, das breite Querstück der Nieren legt sich am hinteren Ende derselben zwischen ihre Schenkel hinein. Die Färbung der Spiritusexemplare erscheint gleichmässig bräunlieh, die Seiten des Rumpfes und Schwanzes sind mit dunklen Wolken und Fiecken besetzt alle Flossen braun, nur die Basis der Anale an der vorderen Hälfte weisslich mit breitem braunem Saume, die hintere Hälfte aber ganz braun. Totallänge des grösseren Exemplars 93%, W. Z. — Fundort: Surinam. Die beiden anderen Arten sind: Asp.tibicen Temm., durch ihre aufstehenden Nasaldornen leicht kenntlich, und Asp. laevis, von der ich nur folgende Merkmale anführe: der Mund ist völlig unterständig, indem die breite Schnauze 1," lang übergreift, und von 8 Barteln und sehr grossen seitlichen Lippensegeln umgeben; der Kopf ist gänzlich nackt, aufstehende Nasendornen fehlen, der Bauch erscheint durch kurze Cotyli stellenweise zottig. Ein Porus lateralis fehlt, da der grosse gewölbte Humeralfortsatz ein breites, bis an den Bauch herabreichendes und in die Clavicula übergehendes Schild darstellt. Gattung: Bunocephalus m. (Hügelkopf. ) Die von Valeneiennes nochder Gattung Aspredo beigezählte Art: Platystacus verrucosus Bloch, Tab. 373, Fig. 2 unterscheidet sich als eigene Gattung, zu der vorstehende Bezeichnung gewählt wurde, durch folgende Merkmale: Vorderrücken höher, Schwanz kürzer und höher als bei Aspredo, Haut durchaus warzig, Oberkopfund Rückenmitrundlichen Höckern, Afterflosse wenig strahlig. 96 Kner. Diese Gattung steht zu Aspredo in einem ähnlichen Verhältnisse wie die Hypostomen zu den Loricarien, die Totalgestalt ist weniger niedergedrückt und gedrungener, namentlich aber der Schwanz kürzer, und ein Caudalfaden fehlt. — Sie wird im kais. Museum durch folgende zwei wesentlich verschiedene Arten vertreten. 1. Art. B. verrucosus m. Syn. Platystaeus verrucosus Bl. — Aspredo verrucosus C. Val. Die Entfernung von der Schnauze bis zum Stützgelenke der Dorsale beträgt 1/, der Totallänge, jene bis zur Kiemenspalte ist aber 71/,mal in derselben Länge enthalten; die grösste Breite vor den Brustflossen ist — !/, der Totallänge, die grösste Höhe am Buckel vor der Dorsale nahezu — !/, dieser Länge oder der halben Entfernung der Dorsale vom Schnauzenrande. — Die Mundspalte ist endständig, nicht weit, ihre Breite beträgt nur '/, der grössten Breite; beide Kiefer sind mit länglichen Gruppen äusserst feiner Sammtzähne besetzt, der Unterkiefer wird nur wenig von dem etwas längeren Zwischenkiefer überragt. Eine wahre freie Zunge fehlt, Unter- und Obergaumen sind nackt und glatt behäutet. Die Eckbarteln reichen bis an die Basis der Brustflosse zurück, die zwei hinter der papillosen Unterlippe stehenden sind sehr kurz und dünn, die beiden weiter zurück an der Kehle befindlichen doppelt so lang. — Augen äusserst klein, 5 Diameter von einander entfernt, 3 vom Schnauzen- rande, 1 von der hinteren Narine; die vordere nahe am Mundrande stehende Nasenöffnung ist in ein kurzes Röhrchen verlängert. Die Kiemenspalte stellt wie bei Aspredo nur ein enges Loch unterhalb der Brustflossenbasis vor. Der Oberkopf erscheint, so wie die Seiten des Vorderrumpfes durch aufstehende Knochenhöcker und Leisten hügelig. Die beiden vordersten Höcker begrenzen jederseits das Auge vorne und hinten; drei grössere Hügel stehen längs der Mitte des Hinterhauptes hinter einander und beiderseits derselben erhebt sieh eine Längsleiste, weiter zurück ein medianer ziemlich scharfer Kiel, der gegen die Dorsale steil abfällt, warauf dann das Stützgelenk dieser Flosse sich wieder rasch erhebt. Auch der Schultergürtel bildet über den Brust- flossen knorrige Erhabenheiten und dehnt sich nach hinten über der Peet. in einen spitzen (Humerus-) Fortsatz aus, hinter welchem etwas höher jederseits noch ein runder Knorren (Fortsätze des grossen Wirbels?) sich erhebt. Nach unten bildet der Schulter- Ichthyologische Beiträge. 97 gürtel zwei breite in der Mitte durch Nath verbundene Brustplatten (elavieulae), die nach rückwärts in spitz endende Fortsätze auslaufen, welche bis unter den Anfang der Dorsale reichen. Alle diese Uneben- heiten sind aber von der theils fein, theils grosswarzigen Körperhaut überdeckt, welche auch die Stützen der Dorsale und selbst den ganzen Stachel der Pect. sammt dessen Zähnen überkleidet. D.5,.P.1/5,V:A'. 6.6.10. Die Dorsale entspringt etwas vor halber Körperlänge, ihr erster und biegsamer Strahl ist nur wenig kürzer als der zweite und längste, der mit jenen der gegenüber stehenden V. gleichlang ist. Der Pectoralstachel ist flach gedrückt, am äusseren und inneren Rande mit nach vorne gekrümmten derben Zähnen besetzt, die unter der am Ende des Stachels sich in einen stumpfen Lappen verlängernden Haut durchschimmern; ihr erster getheilter ist mit dem Stachelstrahle gleichlang und reicht bis an die V. zurück. Die Anale steht weit von der Aftergrube entfernt und besitzt viel längere Strahlen als die D. und V., der zweite und dritte sind unter ihnen die längsten, der erste nur wenig kürzer. Die Caudale ist 51/;mal in der Gesammtlänge enthalten, somit fast so lang als der Peetoralstachel und fächerförmig abgerundet, d.h. ihre mittleren Strahlen am längsten. — Die Haut ist besonders an den Seiten des Rumpfes mit zahlreichen grösseren, konischen Papillen besetzt, die längs des Seitencanals eine dicht gedrängte Reihe derart bilden, dass die Seiten des Schwanzes dadurch wie gekielt erscheinen. Am Ende des Schwanzes sind Höhe und Breite desselben einander gleich und sein Querschnitt fast kreisrund. Der Porus lateralis bildet eine halbmond- förmige Spalte zunächst hinter der Brustflossenbasis. Die Grundfarbe ist hell bräunlich mit dunklen Wolken und Flecken, besonders längs des Seitencanals; Dorsale, Anale und Caudale sind gleichmässig dunkelbraun oder nur an den Strahlen gefleckt, P. und V. heller durch dunkle Flecken wie gebändert. Über den. inneren Bau vermag ich nur folgende vereinzelte Notizen anzugeben. Die an der Wirbelsäule festgewachsene Schwimm- blase nimmt den grössten Theil der Bauchhöhle ein; Druckfeder- apparate konnte ich nicht wahrnehmen. Auffallend ist die Weite des Diekdarms; der Dünndarm macht drei nicht spirale Windungen, eine grosse Harnblase ist vorhanden und zwar nach links geneigt, da der Afterdarm rechts verläuft. Sitzb. d. mathem.-naturw. Cl. XVII. Bd. I. Hft. ri 98 Kner. Das kais. Museum besitzt drei Exemplare, von denen das grösste A, das kleinste weniger als 2 W. Z. lang ist. Fundort: Barra do Rio negro. 2. Art. B. hypsiurus, m. — Taf. I, Fig. 1. Schwanzseitlichcompress, höheralsbreit,oben und unten eine stumpfe wellenförmig unebene Schneide bildend; Dorsale mit nur zwei Strahlen. Die Entfernung von der Schnauze bis zum Stützknochen der Dorsale ist 31/, — /, mal, jene bis zur Kiemenspalte 61/,mal in der Totallänge enthalten, die grösste Breite vor den Brustflossen 31/,mal ; die grösste Höhe am Höcker der Hinterhauptleiste vor der Dorsale beträgt die Hälfte der grössten Breite. Die Totalform ist daher mehr depress (namentlich bei dem jüngeren Exemplare) als bei der vorigen Art; und die Höhe des Schwanzes sogar bedeutender, als jene am Hinterhaupte, denn selbst an der Basis der Caudale ist sie noch 61/,mal in der Totallänge enthalten. In der Breite der Mundspalte, den Augen, Narinen, der Zahl und Beschaffenheit der Barteln und in Bezahnung stimmt diese Art nahezu mit verrucosus überein ; nur enthält der Unterkiefer eine sehr schmale Binde kurzer Sammtzähne, der Zwischenkiefer aber jederseits eine längliche und mindestens dreimal breitere. — Die Kiemen- spalte stellt auch hier einesehr enge Öffnung an der Unter- seite dar; die Kopfhöcker zeigen aber eine etwas abweichende Anordnung. Das vorderste Paar hält die Mitte des Schnauzenrandes besetzt, der bei B. verrucosus zwischen dem Auge und der hinteren Narine vorkommende Höcker fehlt, dagegen erhebt sich über dem Auge ein stärkerer Buckel und hinter diesem jederseits in gleichen Abständen und in divergirender Richtung noch drei ähnliche. Die medianen Leisten und Höcker des Hinterhauptes bis zur Dorsale sind weniger erhaben, da überhaupt die Gestalt mehr flach gedrückt erscheint. Auch der Schultergürtel ist schwächer entwickelt und namentlich reichen die Hörner der Brustplatten (clavieulae) nicht so weit zurück wie bei der vorigen Art. D „2, B...1/5,V.1/5,A. 3.0.3. Die Dorsale steht vor den V., im Beginne des zweiten Drittels der Gesammtlänge, ihre beiden Strahlen sind sehr kurz aber gleich- lang. Der Pectoralstachel reicht zurückgelegt nur oder nicht einmal Ichthyologische Beiträge. 99 bis unter die Dorsale, sein Aussenrand ist glatt, der innere der Länge nach mit ziemlich starken geraden Zähnen besetzt, aber wie bei verrucosus überhäutet; seine Länge wird vom angrenzen- den getheilten Strahle etwas übertroffen. — Die V. entspringen in halber Körperlänge, ihr erster und kürzester Strahl ist ungetheilt. Die Analgrube iiegt nahe hinter ihnen, fast genau in halber Total- länge; die beiden ersten Strahlen der Anale sind einfach, der erste am kürzesten, die folgenden drei nur wenig kürzer als jene der V.Die Caudale ist viel kürzer als bei verrucosus, 61/,mal in der Totallänge enthalten, übrigens gleichfalls fächerförmig abgerundet. Die Wellen- linie, welche die obere und untere Schwanzkante bilden, rührt, so wie die Höhe des Schwanzes selbst von den stark entwickelten oberen und unteren Dornfortsätzen her, deren jeder rundlich endet, und die zwar nicht wie bei Loricaria und Aspredo in eine continuirliche Platte verschmolzen, aber gleichfalls an einander stossend und durch Bänder vereinigt sind; die oberen sind gleich hinter der Dorsale stark entwickelt, die unteren erst hinter der Anale. Die Hautbedeckung ist wie bei verrucosus, dessgleichen die Seitenlinie und der Porus lateralis. Letzterer scheint mir hier ganz deutlich in einen Luftsack zu führen, der unter dem Humerusfortsatz liegt; mindestens gelang es mir bei dem grösseren Exemplare mittelst eines Tubus durch den ziemlich grossen halbmondförmigen Porus Luft einzutreiben, durch welche ein abgegrenzter Raum unter dem Humerusfortsatz blasig ausgedehnt wurde, und die bei angebrachtem Drucke wieder durch den Porus entleert werden konnte, aus dem sie in Bläschenform austrat. Ich fürchte um so weniger, das Eindringen der Luft auf künstlichem Wege befördert zu haben, als ich dasselbe - Resultat auch bei kleineren Exemplaren dieser und der vorigen Art erhielt (wenn auch zufolge der Kleinheit der Spalte nicht jedesmal), und als mir überdies das Vorkommen eines eigenen Muskels auffiel, der, ausser Zusammenhang mit dem System der seitlichen Rumpf- muskeln und jenem Luftsacke aufliegend, schräg nach ein- und rück- wärts verläuft '). 1) Vielleicht gelingt es mir in der Folge bei Untersuchung der grösseren Siluroiden- Gattungen, die sich gleichfalls durch weite Port laterales auszeichnen , die Bedeutung derselben und ihre Verhältnisse näher auszumitteln. Ob hier in der That hydrostatische Apparate, wahre zur Verringerung des specifischen Gewichtes url 100 Kner. Die Färbung erscheint wie bei verrucosus, nur bedecken hell- gelbe Flecken ziemlich regulär die Seiten des Rumpfes und Schwanzes längs der Seitenlinie, die Anale ist schmal weiss gesäumt, die Grund- farbe der Caudale weisslich und nur in der Mitte braun gefleckt oder grösstentheils braun mit weisslichem Saume; die Kopfbuckeln sind meist ebenfalls heller gefärbt. Totallänge des grösseren Exemplares 6”, des kleineren 21/,". Fundort: Rio branco. Gattung. Chaca. Cuv. Val. (Brachystacus v. d. Hoev.) Charakter: Kopf sehr plattgedrückt, fast gleich- breit, Mund- und Kiemenspalte weit, die 2. Dorsale und 2. Anale mit der spitz auslaufenden Caudale in eine peripherische Flosse verschmolzen. Diese merkwürdige Gattung mahnt zugleich an mehrere Familien, an Pediculati, Cottoiden und Siluroiden, und steht doch so eigenthümlich da, dass sie wohl in jeder Familie eine Ausnahm- stellung einnimmt. Die meiste Verwandtschaft zeigt sie allerdings noch mit Siluroiden, entfernt sich aber jedenfalls zu weit von der Gattung Sisor, um sie etwa, wie von Valenciennes geschieht, mit dieser zunächst in Verbindung bringen. Das Vorkommen eines starken Brust- und schwächeren Rücken- llossenstachels, die beide durch ein Gelenk sperrbar sind, der depresse Kopf, die weite Mundspalte mit Sammtzähnen in den grossen Zwischenkiefern, die Eckbarteln, die kleinen Augen und bezüglich des inneren Baues: der weite Magensack, der Mangel von Blinddärmen und die an der Wirbelsäule befestigte grosse Schwimmblase sind als vorzügliche Übereinstimmungen mit andern Siluroiden hervor- zuheben. Bisher ist diese Gattung nur in einer einzigen Art bekannt, die von Ham. Buchanan zuerst aufgefunden, und in seinem Werke über die Ganges-Fische beschrieben wurde. Die nachfolgende Beschrei- bung enthält allerdings manchen Beitrag zur genauern Kenntniss der- dienende Luftsäcke vorliegen, in denen die Luftregulirung etwa durch die Bewe- gung der Brustflossen und die Contractionen des erwähnten inneren Muskels erfolgen würde, kann vorläufig nur als eine Möglichkeit bezeichnet werden. Ichthyologische Beiträge. 101 selben, mag aber mehr noch als Anregung zu ferneren Untersuchungen und Beobachtungen dieses interessanten Fisches dienen. Art: Chaca lophioides C. Val. pl. 451. Syn. Platystacus chaca, Ham. Buch., Brachystaeus chaca, van der Hoev. Die Entfernung von der Schnauze bis zur 1. Dors. beträgt mehr als 1/; der Totallänge; jene bis zum Brustflossenstachel ist in letz- terer 31/,mal enthalten und gleicht nahezu der grössten Breite vor den Brustflossen; die grösste Höhe vor der 1. Dors. und die Breite (Dicke) des Rumpfes zwischen den V. kommen nur einer halben Kopf- breite nahe. Der Mund ist endständig und nimmt die ganze Breite der Schnauze ein, die schon zwischen den Eckbarteln fast eben so gross wie am Brustflossengürtel ist, so dass die Seitenränder des Kopfes nahezu parallel verlaufen. Der Unterkiefer ragt bedeutend über den obern Mundrand vor; den grössten Theil des letz- tern nehmen die grossen Zwischenkiefer ein, doch tragen auch die Oberkiefer zeitlich zur Bildung desselben bei; aber nur Unter- und Zwischenkieferäste, die beide in der Mitte getrennt sind, tragen Bin- den von feinen Sammtzähnen. Am äusseren Rande der Zwischenkiefer sind diese am breitesten, jene des Unterkiefers reichen dagegen wei- ter nach rückwärts. Die Eckbartel entspringen aus einer breiten Hautfalte, die Oberkiefer sind nieht zu Bartelknochen umgebildet. Hinter der Zahnbinde ist oben ein kurzes Gaumensegel quer ausge- spannt; Gaumen- und Zungenbein sind zahnlos, an letzteres setzt sich eine die ganze Breite der Mundhöhle einnehmende kurze, aber völlig freie Zunge an, deren Rand in der Mitte leicht eingebuchtet ist. — Die Augen sind kaum stecknadelkopfgross, dünn überhäutet, seitlich gestellt, 8 Diameter von einander, 41/, vom Oberkieferrande entfernt. Die hintere, ein kleines längliches Loch bildende Narine, steht der Medianlinie und dem Schnauzenrande näher als dem Auge und ist an ihrem vorderen Rande von aufstehenden, äusserst kurzen und einfachen Tentakeln umgeben, die vordere Narine ragt am Schnauzenrande als kurzes Röhrchen empor. — Die Kiemenspalte ist weit, aber nur vor und über der Brustflossenbasis fast bis zur Höhe des Seitencanals offen, die Kehlseite geschlossen. — Von den wie bei Aspredo und Bunocephalus gestellten vier Barteln an der 102 Knern. Kehle sind sehon die vorderen länger als die Eekbarteln, werden aber von den weiter zurück hinter den Mundwinkeln stehendennoch an Länge übertroffen. Überdies verlängern sich die meist flachen zahlreichen Wärzchen der nackten Haut namentlich an der Schnauze und den Seiten des Kopfes zu kurzen Zotten und Fäden, durch welche besonders das Weibchen sich auszeichnet. 1.D. 1/4. (8), B1/A.V.6 1 A0 ı Die 2.Dors. beginnt etwas hinter halber Totallänge, hat blos unge- theilte, aber weiche Strahlen, die nach rückwärts an Länge zunehmen und unmerklich in die Caudale übergehen, deren mittlere Strahlen die längsten sind. Die 2. Anale, deren Basis um die Hälfte kürzer als die der 2. Dors. ist und die auch ungetheilte aber niederere Strahlen besitzt, geht ebenfalls in die Caud. über. Vor ihr durch einen kleinen Zwischenraum getrennt steht die 1. A., deren gleichfalls ungetheilte Strahlen an Länge jene der 2. A. übertreffen; sie entspringt etwas weiter zurück als die 2. D. Der dreikantige Stachel der 1. D. ist viel kürzer als die folgenden weichen und gegenseitiggleichhohen Strahlen. Die eigenthümliche, sicher nicht zwecklose Form des breiten löffel- förmig ausgehöhlten Peetoralstachels, der an Länge von den angren- zenden weichen Strahlen übertroffen wird, ist aus Fig. 6 am besten ersichtlich. — Die V. entspringen unter dem Ende der 1. D. und rei- chen bis zu Anfang der 2. zurück; ihre Strahlen sind die längsten von allen Flossen. Die Analgrube und Sexualpapille liegt zwischen ihnen, weit vor der A., erstere genau in 1/, Totallänge. Die Haut ist am Rumpfe besonders zwischen den beiden Dors. bis gegen die Bauchseite herab mit grössern und kleinern Wärzchen dicht besetzt, von denen letztere in regulären Querlinien angeordnet sind. Der in halber Höhe verlaufende Seiteneanal wird bis zum Beginn der 2. D. durch eine aus gedrängt stehenden Knötchen zusammengesetzte Linie angedeutet, die aber am Schwanze unterbrochen ist und zuletzt ganz aufhört; ein Porus lateralis ist nicht aufzufinden. — Männchen und Weibchen zeigen äusserlich keine auffallenden Unterschiede. — Die Grundfarbe erscheint dunkelbraun, mit schwärzlichen Punkten und Flecken besäet, die auch zum Theile an den Flossen und selbst den Barteln sichtbar sind. Totallänge des Männchens 41/,, des Weibehens 4’. — Fund- orte: Borneo und Neu-Guinea. Ichthyologische Beiträge. 103 Bezüglich des innern Baues muss ich mich blos auf Mittheilung einzelner Angaben beschränken. Was zunächst das Skelet betrifft, so verweise ich auf die beigegebenen Abbildungen (Fig. 2—5) mehrerer Theile desselben und glaube nur in Betreff der übrigen noch folgende Punkte hervorheben zu dürfen. Die Zahlder Kiemenbögen beträgt 4, die der Kiemenstrahlen 7 ; rippenlose Wirbel sind 25, rippentragende 4 vor- handen und nur letztere mit queren oder vielmehr dachförmig nach ab- wärts geneigten Fortsätzen zur Anheftung der Rippen versehen. Die obern Dornfortsätze sind durchwegs breiter als die untern, alle aber frei, die an den Bauchwirbeln am höchsten und breitesten, jene, über welchen die 1. Dor. steht, spalten sich oben gabelig und dienen als Stützen für diese Flosse, indem sie dadurch eine Einfalzung für selbe bilden. Die beiden ersten vor und unter dem Beginne des Dors. lie- genden Rückenwirbel breiten sich seitlich und aufwärts in gewölbte Knochenplatten aus, die ein Dach über die Höhlung bilden, welche zur Aufnahme des Vordertheiles der Schwimmblase dient. Diese knö- cherne Decke der Schwimmblase grenzt beiderseits bis an den Schul- tergürtel; nach oben wird sie durch den langen spiessförmigen Stütz- knochen der D. überdeckt, welcher mit seiner stumpfen Spitze an den Medianfortsatz des Hinterhauptes sich anlegt. Auch der Schulter- gürtel ist mächtig entwickelt und eigenthümlich gebildet, namentlich bezüglich desGelenkendes derClavieula und der langen gebogenen an das Hinterhaupt sich anlegenden Omolita (os suprascapulare). In Betreff der Zähne ist noch zu erwähnen, dass sie nicht auf den Kie- ferrändern festgewachsen sind, sondern nur auf Knötchen aufsitzen, leicht abfallen und mehr einen kurzborstigen Überzug (dentes villosi) als knochenharte Zähne darstellen. Den ganzen vorderen Raum der durch ein Pericardium und Diaphragma abgeschlossenen Bauchhöhle nimmt beiderseits die mehr- lappige Leber ein, deren nach links gelegene Gallenblase mit ihrem Ausführungsgange in die Pförtnergegend des Magens mündet. Der Magen ist gross museulös, liegt genau in der Mittellinie und reicht bis zum Querstück der Niere zurück; der stark eingeschnürte Pylorus liegt links, von da läuft das ziemlich weite Duodenum nach vorne bis zur Leber, bildet in der Medianlinie abermals eine Einsehnürung, nach welcher der Dünndarm beginnt, der nach rechts umbiegt, dann in ge- rader Linie zurückläuft und als Afterdarm sieh abermals verdickt. — Das Quer- oder Mittelstück der Niere liegt auf dem hinteren Ende der 104 Kner. grossen bis zur Leber reichenden Schwimmblase, aus der mir deut- lich ein dünner, ziemlich langer Ausführungsgang in die Cardiagegend des Magens zu münden scheint. Die ansehnlich grosse Harnblase liegt links. — Die schmalen Samendrüsen der Männchen verlaufen unter den Seitentheilen der Nieren und vereinigen sich erst unmittelbar vor der Genitalpapille. Die beiden Ovarien der Weibchen stellen kurze, aber ziemlich dicke geschlossene Säcke vor mit sehr ungleich grossen Eiern und münden in einen weiten gemeinsamen Eigang. Besondere Erwähnung verdient endlich die völlige Verschliess- barkeit des Schlundes durch einen wahren Sphincter oesophagi, der so kräftig wirkt, dass kaum eine punktgrosse Vertiefung den Eingang in die Speiseröhre bezeichnet und rings um diese die Falten der Schleimhaut radienartig auslaufen. Dieser Schliessmuskel stellt wohl nur eine höhere Potenz der den Schlundkopf der Speiseröhre über- haupt ringförmig umgürtenden Schichte quergestreifter Muskeln vor, ist mir aber in dieser Ausbildung sonst nirgends bekannt. Es wird durch ihn ein Verschluss ermöglicht, der vielleicht jenen bei Krokodi- len noch übertrifft und doch von dem Segei dieser völlig sich unterschei- det. Dass eine so auffallende Einrichtung in einer teleologischen Be- ziehung mit der Lebensweise dieser Fische stehen muss, ist klar; dass hiemit auch die enorme Weite der Mund- und Kiemenhöhle und wohl auch die eigenthümliche Form des schaufelartigen Brustflossenstachels in Einklang stehen werden, ist wahrscheinlich, das „wie“ muss jedoch unbeantwortet bleiben, so lange über die Lebensweise dieses Fisches nicht mehr bekannt ist, als Buchanan und Valenciennes dar- über angeben. Ersterer sagt, er ähnle hierin dem Uranoscopus und Platycephalus, seiaber auch Teich- und Sumpfbewohner und letzterer fügt bei: „Dies wolle wohl ausdrücken, er halte sich im Schlamme auf, um auf Beute zu lauern.“ — Trocknen diese Sümpfe vielleicht öfters aus und zwingen etwa den Fisch, sich tiefer einzugraben und längere Zeit ohne Nahrung auszuhalten ? Möglich, ob aber wirklich, muss vor der Hand dahin gestellt bleiben. Erklärung der Abbildungen. (Taf. I.) Fig. 1. Bunocephalus hypsiurus, m. (Fig. 1, a) «a Kopf von oben. Fig. 2. Schädeldecke von Chaca lophioides. a. divergirende, bis zum oberen Schnauzenrande reichende Fortsätze der Stirnbeine, zwischen und unter welche sich die eonvergirenden Stielfortsätze der Zwischenkiefer, Fig. 3, einschieben; 5 Stirnfontanelle; e Hinterhauptspitze, an deren Basis Ichthyologische Beiträge. 105 jederseits die Omolita (os suprascapulare) dsich anlegt; d’ unteres Gelenkende der Omolita, das der durch die Ausbreitung und Verschmel- zung der ersten Winkel gebildeten knöchernen Decke der Schwimmblase aufliegt, und mit den andern Knochen des Brustflossengürtels sich ver- bindet; e Stützknochen vor dem ersten sehr kurzen Dorsalstachel. Fig. 3. Die beiden Zwischenkiefer in natürlicher Lage von oben gesehen, « con- vergirende Stielfortsätze derselben. Fig. 4. Ansicht der linken Olavieula von unten, «a stielartiger Fortsatz derselben, der schief nach aufwärts steigend an die Innenfläche der scapula sich anlegt. Fig. 5. Seitenansicht der Clavieula, die sich nach hinten in einen oberen « und unteren 5 Ast theilt, letzterer lenkt sich an den Peetoralstachel ein, von a geht ein Verbindungsast e nach abwärts ab. Fig. 6. Äussere Seitenansicht des rechten Peetoralstachels; der obere zahn- tragende Rand stellt eine schmale schiefe Fläche vor, darunter die nach aussen stark gewölbte löffel- oder schaufelförmige Aushöhlung des Stachels sich befindet. Il. Zur Systematik der Gattung Callichthys Linn. Die Gattung Callichthys, durch ihren knöchernen Hautpanzer für den ersten Anbliek den Zoricaten zunächst stehend, erweist sich in jeder anderen Beziehung derart von ihnen verschieden, dass sie zu- sammen wohl nicht in eine natürliche Familie vereinigt werden können. Ungleich näher ist sie den Siluroiden verwandt, obwohl auch ihre Vereinigung mit diesen manche Bedenken erregt. — Der Mund ist endständig und parallel dem Unterkiefer bereits die grosse Kehl- falte vorhanden, welche die echten Welse, namentlich unseren Szlu- rus glanis auszeichnet, und die den Loricaten fehlt. Dessgleichen stimmen sie auch bezüglich der verkümmerten, jedoch nicht zu Bartel- knochen umgebildeten Oberkiefer mit jenen überein. Ein vorderes Mundsegel mangelt, ein hinteres ist aber vorhanden, jedoch klein und in der Mitte meist tief eingebuchtet; der Zwischenkiefer ist zahnlos, der Unterkiefer trägt jederseits eine längliche Gruppe äusserst feiner, spitzer und festsitzender Zähne. Die Pupille ist rund; nackte Stellen zwischen den Scheitel- oder Stirnschildern, Fonta- nellen und zwar bald einfache, bald zwei hinter einander liegende sind auch hier, wie für alle Silurorden, bezeichnend ; die Nasenlöcher sind in einfache Grübchen eingesenkt; ein Porus lateralis fehlt allen Arten, ebenso eine Schwimmblase. Der Magen ist rundlich, der Darm 106 Kner mehrfach gewunden, ohne aber so zahlreiche Umgänge wie bei Loricaten zu bilden. Hoden und Eierstöcke sind paarig, letztere stellen geschlossene Säcke dar. Bezüglich der übrigen Geschlechts- unterschiede erlaube ich mir, auf meine früheren Mittheilungen in den Sitzungsberichten der k. Akademie der Wissenschaften im Juni- hefte 1853 (XI. Band) hinzuweisen. — Auch in skeletlicher Hinsicht schliesst sich diese Gattung den Siluroiden an. An der Wirbelsäule eines Skeletes von C. asper zähle ich bis zum fächerförmigen Caudal- wirbel und mit Einschluss des ersten mit dem Hinterhaupte verwach- senen 26 Wirbeln, von denen 9 Rippen tragen. Obere und untere Dorn- platten an der Wirbelsäule fehlen. Der Brustflossengürtel ist ziemlich schmal, aber derbknochig, seine beiden Hälften in der Mittellinie durch grobe Nath verbunden; der nach abwärts gewölbte Bauch- flossengürtel bildet längs der Mitte einen Kiel, ist nach oben ausge- höhlt, sein Hinterrand jederseits in ein dreieckiges Stück auf- und vorwärts gebogen. Der starke, beiderseits in einen nach vorne gekrümmten Querfortsatz auslaufende Stützknochen (interepineux) der ersten Rückenflosse, zeichnet wie auch Valenciennes bemerkt, diese Gattung insbesondere in skeletlicher Beziehung aus. — Die Schlundknochen sind mit spitzen Hechelzähnen in einfacher Reihe besetzt. Valenciennes gibt nur drei Kiemenstrahlen an, jedoch steht bei meinem Skelete mit dem vordersten noch ein dünner und kürzerer appendiculärer Strahl in Verbindung. In Betreff aller übrigen, hier nicht eigens berührten Verhältnisse verweise ich auf die beson- ders gelungene allgemeine Beschreibung dieser Gattung in der Histoire des poissons. Die verschiedenen Arten lassen sich, wie schon Valeneiennes andeutet, in zwei Gruppen vereinigen; in solche mit nackter und mit beschilderter Brust. Die Zahl der letzteren scheint über- wiegend zu sein, wenigstens gehören von den vier Arten des kais. Museums, die hier beschrieben werden sollen, drei dieser Gruppe an. Dass Valenciennes’ zehn Arten wohl auf eine kleinere Zahl zu redueiren sein werden, dürfte aus dem zur Genüge hervorgehen, was ich (l. ec.) bezüglich des Umstandes hervorhob, dass die Sexual- unterschiede von selbem nicht als solche beachtet und zum Theile als Artunterschiede aufgefasst wurden. Aus der Gruppe von Callichthys-Arten mit nackter Brust besitzt das kais. Museum verlässlich nur die Ichthyologische Beiträge. 107 1. Art: C. asper C. Val. Auch habe ich zu Valenciennes’ Beschreibung (Tom. XV, p. 302 et seq.) nur weniges hinzufügen. — Der Durchmesser des Auges beträgt 1/, der Kopflänge, der gegenseitige Abstand der Augen fast 6 Diameter; das Auge erscheint daher etwas grösser, dessgleichen die Körperbreite, die Höhe aber geringer als Valeneiennes angibt. Das obere Bartel ist meist kürzer als das untere, reicht aber gleich- wohl bis hinter die Kiemenspalte zurück, doch scheint die Länge der Barteln überhaupt variabel, indem bei einigen (Männchen) das obere länger als das untere ist. Die einfache Fontanelle ist klein und kreis- rund, der Brustflossenstachel länger und stärker, indem er fast bis zu den Bauchflossen zurückreicht; die Anale zeigt um einen Strahl mehr, mithin 1/6, wenn der erste sehr kurze und mit dem zweiten gleichfalls ungetheilten verwachsene dazu gezählt wird, und eben so hat die Dorsale 1/7 Strahlen, wenn der erste gleichfalls sehr kurze ungetheilte als Stachelstrahl gerechnet wird; ihr erster Glieder- strahl ist einfach, der letzte bis zur Basis getheilt und daher doppelt scheinend. Seitenschilder zählt man in oberer Reihe 26. Der Verlauf der Kopfeanäle ist über dem Deckel bis zu den Augen durch runde Poren sehr deutlich, als Seitenlinie sind aber nur über dem Schulter- gürtel ein Paar einfache Mündungen sichtbar, welche ober- und unterhalb von einem hellen Punkte an jeder Seitenschiene eingesäumt werden. — Die Färbung erscheint gleichmässig braun, nur der Schwanz hie und da dunkler gefleckt, von den Flossen sind blos die erste Dorsale und Caudale ziemlich dicht mit kleinen schwärzlichen Punkten besetzt. Die 8 — 6” langen Exemplare des kais. Museums stammen von Para Rio, Surinam und Bahia und erweisen sich durch die schon früher (l. e.) von mir angegebenen Merkmale theils als Männchen, theils als Weibchen. Die eben daselbst ausgesprochene Vermuthung, dass Cal. luevigatus V al. nur ein Männchen von Asper sein dürfte, und dass Linn&'s Citate zu seinem Callichthys (in der 13. Ausgabe des Syst. naturae), nämlich nebst Gronov auch Maregravi Brasil. 151 und Seba II, Tab. 29, Fig. 13 sich auf diese Art beziehen, glaube ich auch jetzt noch festhalten zu müssen 1). 1) Dagegen bezieht sich Catesby’s Cataphraetus (mit 6 Bartfäden und einfacher seit- licher Schilderreihe) offenbar auf einen Doras, wie dies bereits auch Valen- ceiennes anerkannt. 108 Kner Die folgenden drei Arten gehören der Gruppe mit beschil- derter Brust an; unter ihnen finden sich die beiden Arten ©. thoracatus und laevigatus V al. vor, worüber sowohl die Beschrei- bung, wie auch die Vergleichung mit den Abbildungen, trotz ihrer geringen Genauigkeit keinen Zweifel überlassen. Ich beschränke mich daher bezüglich derselben gleichfalls nur auf Angabe einiger abweichender Messungsverhältnisse und auf den näheren Nachweis der Geschlechtsunterschiede. 2. Art: Cal. thoracatus €. V. pl. 443. Von dieser Art bewahrt das kais. Museum vier Spiritus-Exemplare aus Surinam, von denen zwei darunter, das grösste über 5’ lang, Männchen, die beiden anderen Weibchen sind. Aus Valenciennes' Text und Abbildung geht hervor, dass sein ihm zur Verfügung gestandenes Individuum ein Männchen war. — Die grossen Augen, die Zahl der Seitenschilder, die der Flossenstrahlen, die Färbung, namentlich die dunkle Verticalbinde in halber Länge der abgestutzten Schwanzflosse, stimmen völlig auf unsere Exemplare. Der Augen- diameter ist etwas über 7mal in der Kopflänge enthalten, der Abstand beider Augen von einander beträgt aber nur 5 Durchmesser; die Fontanelle ist gross und länglich (über einen Augendiameter lang). In allen diesen Punkten unterscheiden sich die Geschlechter durchaus nicht von einander. Dagegen sind bei Männchen die Brustplatten viel grösser und stossen fast ihrer halben Länge nach an einander, der starke, dieke Brustflossenstachel reicht mit seiner einwärts gekrümmten weichen Spitze mindestensbis zur halben Länge der Bauch- flossen, somit auch fast bis unter das Ende der ersten Dorsale und ist an seinem Innenrande nicht gezähnelt; die Genitalpapille ragt penisartig weit vor. — Bei den Weibchen stossen die viel kürzeren und schmäleren Brustplatten nicht einmal vorne an einander, vielmehr bleibt eine ziemlich breite Stelle inmitten nackt, nach hinten divergiren sie aber noch mehr und lassen den grössten Theil des Vorderbauches frei, um die Ausdehnung desselben durch die reifen Eier zur Fortpflanzungszeit möglich zu machen. Der Pectoralstachel ist kürzer als die folgenden getheilten Strahlen, reicht nur bis zum dritten Schilde der unteren Reihe und selbst die längsten weichen Strahlen erreichen nicht die Basis der Bauchflossen; der Innenrand des Pectoralstachels ist gezähnelt, wie bei €. laevigatus Ichthyologische Studien. 109 und Zongifilis V al., die Genitalpapille kurz; der hintere und längere Bartfaden reicht über die Basis der Ventrale hinaus, wie dies Valen- ciennes von seinem ©. longifilis angibt. — Während dieser Forscher die hier angeführten Sexualunterschiede als solche nicht erkannte, legte er dagegen der Rauhigkeit der Schilder, der Zahl der unpaarigen, dachziegelartig an der Rückenfirste liegenden Schildchen zwischen der ersten und zweiten Dorsale und zwischen letzterer und der Cau- dale, ferner der Länge der Barteln u. s. w. einen systematischen Werth bei, den sie nicht besitzen, da alle diese Verhältnisse variabel und nicht geeignet sind, verlässliche Artunterschiede abzugeben. 3. Art: Cal. laevigatus C. V. — d’Orbigny, Voy. dans ’Amer. merid. pl. V, Fig. 2. Das in d’Orbigny’s Reisewerk abgebildete Individuum ist ein weibliches und auf ein solches passt auch Valenciennes’ Beschreibung, welche auf zwei im kais, Museum aufbewahrte Spiritus- Exemplare von 7’ Totallänge völlig stimmt. Sie sind als Weibchen schon äusserlich durch den kurzen, nach innen gezähnten Brustflos- senstachel, nicht zusammenstossende Brustplatten und sehr kleine Genitalpapille kenntlich. Übrigens zeichnet sich diese Art allerdings durch Glätte der Seitenschilder aus, die nur am Rande äusserst fein sezähnelt sind, und von denen die obere Reihe blos gegen den Rücken, die untere gegen den Bauch durch Grübehen uneben er- scheinen. Die Stirnfontanelle ist schön elliptisch und noch grösser als bei der vorigen Art. Der Durchmesser der ziemlich grossen Augen beträgt 1/, der Kopflänge, ihr gegenseitiger Abstand fast 5 Diameter. Die Poren der Kopfeanäle sind deutlicher und weiter zu verfolgen, als bei den übrigen Arten. Der eine Ast verläuft über dem Auge gegen die Stirnfontanelle, mündet daselbst mit einem Porus, setzt dann über die Nasengrube fort, so dass noch neben der vorderen Narine eine Mündung sichtbar ist; der Canal selbst schimmert in seinem ganzen Verlaufe unter den glatten, lichten Kopfschildern durch und seine Poren liegen meist in Grübchen derselben eingesenkt. Der zweite Hauptast steigt hinter dem Auge und vor dem Deckel zur Kehle herab, und mündet daselbst in der nackten Haut mit drei grossen Poren. Als Seitenlinie setzt sich der Canal eine längere Strecke als bei den anderen Arten fort, indem er bis unter das fünfte Schild der oberen Reihe durchschimmert und an den daselbst einge- 110 Kner. buchteten Rändern derselben mit einfachen -Röhrehen mündet. In oberer Reihe zählt man 24, in unterer 23 Schilder. Die Zahl der unpaarigen Schildehen längs der Rückenfirste ist variabel, die Caudale seicht gablig eingeschnitten, gleichlappig. Die Strahlenzahl der Flossen und deren Dimensionsverhältnisse stimmen mit den Angaben von Valenciennes überein. Der längere Bartfaden reicht bis zur halben Länge des Pectoralstachels, dessen Zähnelung am Innenrande zwar fein, aber deutlich ist. — Alle Exemplare (auch mehrere aus- gestopfte) sind hellbräunlieh grün und ungefleckt; Natterer gibt ihnen den Provinzialnamen Tamboata. Dass Cal. subulatus V al. wahrscheinlich nur das Männchen dieser Species sein dürfte, darauf machte ich schon in meiner früheren Mittheilung (I. ce.) aufmerksam. 4. Art: Cal. sulcatus, m. Diehier zu beschreibende Art ist vielleicht mit C. longifilis V al. synonym, doch lässt die unzureichende Beschreibung, die sich grössten- theils auf unverlässliche oder allen Arten zukommende Eigenschaften bezieht, eben so wenig ein entscheidendes Urtheilzu, als die ungenaue Abbildung Guerin’s von Cal. longifilis auf pl. 53. Valeneiennes beschreibt als ©. longifilis offenbar nur ein Weibchen und gibt auch eine von unserem sulcatus zum Theile abweichende Strahlenzahl der Flossen an; sollten aber beide vielleicht dennoch als gleichartig sich herausstellen, so schiene selbst dann räthlich, die Artbenennung longifilis fallen zu lassen, da die überhaupt variablen Barteln durchaus nicht länger als bei anderen Arten sind. Dagegen zeichnen sich unsere Exemplare vor allen durch ein Merkmal aus, das dem Scharf- blicke eines Valenciennes sicher nicht entgangen wäre, wenn es sich auch bei seinem €. longifilis vorfinden würde, und namentlich desshalb glaube ich selbe vorläufig als unbeschriebene Species ansehen zu dürfen. Die grossen Schulterschilder (humerauz) zeigen nämlich hinter den Brustflossen eine ziemlich tiefe Längs- furche, die zur theilweisen Aufnahme der Pectoralstrahlen beim Zurücklegen der Flosse dient und bei allen anderen Arten vermisst wird, auf sie bezieht sich die vorgeschlagene Artbezeichnung. — Die Kopflänge beträgt '/, derKörperlänge und kommt fast der Kopfbreite und der grössten Höhe vor der Rückenflosse gleich. Die Augen sind gross, im Durchmesser von 1/, der Kopflänge, ihr gegenseitiger Ichthyologische Beiträge. 111 Abstand ist = A Diametern. Form und Grösse der Stirnfontanelle erweisen sich besonders hier als veränderlich, indem sie bei einigen Exemplaren klein und fast kreisrund, bei anderen grösser und elliptisch erscheint. Das hintere Mundsegel ist ziemlich entwickelt und in zwei Lappen getheilt; das längere, untere Bartel reicht bis gegen oder über die Basis der V. zurück, variirt aber bei Männchen und Weibchen an Länge. 1.D. 1/7, A. 1/5, P. 1/8, V. 1/5, €. 14. Der erste Strahl der Dorsale ist an der Basis breit und nahezu nur 1/, so lang als der folgende und längste, der letzte bis zur Basis gablig getheilt, daher scheinbar doppelt; die Höhe der Flosse kommt ihrer Länge fast gleich; sie entspringt im Beginne des zweiten Drit- tels der Totallänge und zwischen ihr und der zweiten Dorsale kommen neun Seitenschilder der oberen Reihe zu liegen ; die Zahl der unpaarigen Schilder an der Rückenfirste schwankt wie überall. Der letzte und kürzeste Strahl der Anale ist ebenfalls bis zur Basis in zwei gespalten, der erste nächst ihm der kürzeste, der zweite bis vierte am längsten ; die mittleren Strahlen der abgerundeten Caudale sind etwas länger als die Endstrahlen. In Hinsicht der Bezahnung, Zahl und Rauhigkeit der Rumpfschilder u. s. w. steht diese Art dem C. thoracatus zunächst. Die Färbung scheint charakteristisch. Alle nackten Hautstellen sind weisslich hell, aber mehr weniger dicht und regelmässig mit schwarzbraunen Punkten und Flecken besetzt, dessgleichen die Brustplatten, Rumpfschilder und alle Flossen, der Oberkopf zeigt nur dunkle Wolken; die Schwanzflosse ist an der Basis hell, hierauf folgt eine verticale, breite, schwarze Binde, sodann ein helles Band und zuletzt ein schmaler schwarzer Saum. Die Färbung variirt übrigens an Intensität, Grösse und Zahl der Flecken und Punkte, nur an der Caudale und der nackten Unterseite ist sie constant. Männchen und Weibchen zeigen auch hier die früher erwähnten Unterschiede; erstere einen langen, nicht gezähnten Pectoralstachel, grössere, einander genäherte Brustplatten und eine bis 1/,” lange Genitalpapille, letztere einen kurzen nach innen gezähnten Pectoral- stachel, kleinere von einander abstehende Brustplatten und eine kurze Sexualpapille. Das kais. Museum bewahrt acht Exemplare in Weingeist von 4 — 6” Totallänge aus Riobranco und Marabitanas; einige tragen 112 Kner. noch von Natterer ihnen angehängte Zettel mit der Angabe des Geschlechtes, die in der That mit meinen Ergebnissen stäts über- einstimmt. Was die von Valenciennes angeführten übrigen Arten mit Brustplatten betrifft, so fehlen die beiden Arten: Cal. punctatus und barbatus jedenfalls dem kais. Museum; für die erstere ergibt sich dies aus der Vergleichung mit den Abbildungen von Bloch, Taf. 377 und d’Orbigny, Amer. merid. V, Fig. 1, und letztere wäre durch die spitze Schnauze mit steifem Barte ohne Zweifel auf den ersten Blick zu erkennen. Ihr Vorkommen verdient desshalb besondere Erwähnung, da durch sie die Gruppe der Schnurbartträger hier ebenso vertreten wird, wie dies durch mehrere Arten bei den Lori- carinen und Hypostomiden der Fall ist. Il. Zur Systematik und Charakteristik der Gattung Doras. Die von Lace&pede aufgestellte Gattung Doras steht, wie ich bereits in meiner Mittheilung über die verschiedenen Formen ihrer Schwimmblase hervorhob (in den Sitzb. der kais. Akademie, Juniheft 1853), den echten Siluroiden noch näher, als die Gattung Callichthys und gehört zu den artenreicheren Gattungen jener grossen Familie. Dieser Reichthum an, zum Theile sehr auffallend verschie- denen Arten verleitete mich auch anfänglich zur Ansicht, selbe könn- ten nicht füglich in ein Genus vereinigt belassen werden. Als ich sie aber seither einer genaueren Prüfung und Vergleichung unterzog, erkannte ich, dass eine Trennung derselben in zwei oder mehrere Gattungen mit Consequenz eben so schwierig durchzuführen sei, als sie bei flüchtigerer Betrachtung leicht und sogar nothwendig zu sein schien. — Zwar sagt schon Valeneiennes: Diese Fische theilen sich nach derForm des Mundes in zweiGruppen ; bei der einen ist er endständig und trägt in beiden Kiefern breite Binden von Sammtzäh- nen; bei der andern ist die Schnauze konisch verlängert, der Mund unterständig und nur im Unterkiefer mit kleinen Zahngruppen besetzt. Gleichwohl vermiedaber ValeneiennesdieTrennungbeiderGruppen in verschiedene Genera und dies wie ich glaube mitRecht. Denn alle Eigenschaften, die sich zu unterscheidenden Gattungsmerkmalen zu eignen scheinen, erweisen sich zuletzt als unverlässlich. Nur in Ichthyologische Beiträge. 113 folgenden stimmen alle Arten überein undiich glaube sie daher als Merk- male in den Begriff oder Charakter der Gattung Doras aufnehmen zu dürfen. Diese Merkmale sind: Zwei Eek- und vier Unter- lippenbarteln, längs des Seitencanales eine Reihe von Schildern mit einem nach rückwärts gerichteten Haken, Hinterkopf und Vorderrücken von einem knöchernen Helme bedeckt; der Stachelstrahl der Brustflosse am äusseren und inneren Rande gesägt, weit hinter der Dorsale eine stachellose Fettflosse, Anale mehrstrahlig als die Dorsale. Nachdem ich die erwähnten Merkmale hiemit als die einzig ver- lässlichen hervorhob, erübrigt zunächst der Nachweis für obige Behauptung, dass alle übrigen Eigenschaften variabel und daher als solehe unbrauchbar seien. Vergleicht man zwei so entfernt stehende Arten wie z. B. D. armatulus und carinatus NVal., dann möchte man sich allerdings zu einer Trennung derselben in zwei Gattungen versucht fühlen und noch grösser erscheint die Kluft, wenn man z. B. die hier beschriebenen beiden Arten D. lithogaster und lipophthalmus neben einander hält. Dass jedoch selbst so grosse Differenzen durch Zwi- schenglieder vermittelt werden und höchstens geeignet sind, Art-, nicht aber Gattungsunterschiede abzugeben, mag aus nachstehenden Betrachtungen erhellen. Was zuerst die Lage des Mundes betrifft, so wird dieser Schon bei kurzschnauzigen Arten, wie D. fimbriatus, punctatus, hume- ralis u.a. halb unterständig und nicht minder geht die konisch zu- gespitzte Form der Schnauze, wiesie bei D. carinatus und lipoph- thalmus ihren Höhenpunkt erreicht, durch Zwischenformen, wie D. humeralis und d’Orbignyi in die breite, stumpfe Form von D. armatulus, lithogaster u. a. über. — Der theilweise Mangel von Zähnen kann gleichfalls nicht als durehgreifendes Merkmal zur Unterscheidung von Gattungen benützt werden; so ist z. B. bei dem stumpfschnauzigen D. brevis der Zwischenkiefer völlig zahnlos, beim spitzschnauzigen D. carinatus dagegen bezahnt; ferner fehlen bei unserem Exemplare von D. niger in beiden Kiefern Zähne, während hin- wieder D. d’Orbignyi deren oben und unten trägt. — DieE ckbarteln sind zwar bei den meisten Arten mit kurzer Schnauze und endstän- digem Munde einfach, bei jenen mit konisch zugespitzter Schnauze und unterständigem Munde aber halb gefiedert und bei ersteren die Sitzb. d, mathem.-naturw. Cl. XVII. Bd. I. Hft. 8 114 Kner. Barteln des Unterkiefers bis zur Basis frei, bei letzteren dagegen in ein hinteres Mundsegel verwachsen, jedoch besitzt z.B. der stumpfschnau- zige D. fimbriatus gefiederte Eckbartel und ein Segel, während bei D. d’Orbignyi letzteres fehlt und die Lippenbarteln bis zur Basis frei sind. Nicht minder erweisen sich die Narinen und die Ausbildung der Suborbitalknochen als Unterscheidungsmerkmale unbraueh- bar und dessgleichen die Augen; denn die nackte Haut um diese und die bei D. lipophthalmus so ausgezeichneten, meniscusförmigen Fetthautpolster finden sich im minderen Grade schon bei anderen Arten vor und ihre Entwickelung erscheint um so stärker, je schwä- cher Kopfschilder und Helm ausgebildet sind. — Dass die Beschil- derung überhaupt ebenfalls bei Individuen einer Art bedeutend varliren kann, davon liefern z. B. jene von D. brevis Beweise. Ein offenbar mit den ‚übrigen gleichartiges Exemplar zeigt einen anders geformten Humerusfortsatz, schwächern Helm, kleinere Seitenschilder und keine Spur frei aus der Haut vorragender Brustplatten, die übri- gen bilden aber in allen diesen Punkten zu jenem Individuum vermit- telnde Übergänge !). Auch die Zahl der Seitenschilder, noch mehr aber jene der unpaarigen vor der Caudale schwankt innerhalb gewisser Grenzen, die jedoch nach den bisherigen Erfahrungen noch allerdings nicht festzu- stellen sind. Das Gleiche gilt von der Form dieser Schilder. Zwi- schen den ausgezeichneten Kammschildern, d.h. jenen hohen und schmalen mit geradlinigem, gezähnelten Hinterrande, wie deren z. B. D. cataphractus, stenopeltis u.a. besitzen und den echten Schmet- terlingsschildern wie bei D. murica und dorsalis, kommen nicht blos bei anderen Arten Übergangsformen vor, sondern selbst bei einem Individuum zeigen die Schilder verschiedene Form. — End- lich gestatten auch der Knochenstrahl der Dorsale, die Fettflosse, die Lage der Analgrube, das Vorhandensein oder der Mangel eines Porus lateralis und wie schon früher (l. e.) erwähnt, auch die Form der Schwimmblase nicht, darnach eine Trennung in zwei oder mehrere Gattungen vorzunehmen. 1) Öfters fehlen stellenweise die Seitenschilder gänzlich, ohne dass sie etwa zufällig abhanden gekommen wären. Wie überhaupt Mangel oder Vorhandensein solcher Hautgebilde, wenn sie für sich allein als Artunterschiede benützt werden, trügerisch sein können, davon gibt namentlich auch die Art Gasterosteus aeuleatus (Stich- ling) ein Beispiel, indem sie hiernach fälschlich in die beiden Arten: @. trachurus und leiurus zersplittert wurde. _ Ichthyologische Beiträge. 115 Nach allem Gesagten scheint es demnach gerathen , sämmtliche nachfolgende Arten in einer Gattung beisammen zu lassen und selbe nur in eine möglichst natürliche Reihenfolge zu bringen. Indem ich hiemit dies versuche, reihe ich die stumpfschnauzigen Arten mit Zäh- nen in beiden Kiefern, ohne hinterm Mundsegel und mit freien unge- fiederten Barteln, zunächst an einander, lasse hierauf die vermittelnden Formen mit stumpfer Schnauze, halb unterständigem Munde und gefie- derten Eckbarteln folgen und zwar unter diesen zuerst solche, die Zähne in beiden Kiefern besitzen, sodann jene, die deren im Zwischen- kiefer ermangeln und schliesse mit den langschnauzigen, für welche vielleicht der Gattungsname Oxydoras gewähltwerden könnte, wenn anders die Aufstellung einer Gattung zu rechtfertigen ist, welche blos auf ein einziges Merkmal basirt und selbst dann nicht scharf zu be- grenzen ist. — Lässt man aber die Gattung Doras auch unzersplittert, so fällt doch die Parallele auf, welche zwischen ihr und den Loricaten besteht, indem die spitzschnauzigen Arten mit Unterlippensegel den Loricarinen, die stumpfschnauzigen ohne Segel sich den Hypostomiden parallel gegenüberstellen und namentlich durch die Art D. lithogaster die Gruppe der ganz gepanzerten Hypostomen vertreten wird. Letzt- genannte Art dürfte auch vielleicht am besten an die Spitze der stumpf- sehnauzigen Doraden zu stellen sein, doch beginne ich vorläufig die Reihe derselben mit D. armatulus, als einer derjenigen Arten, die Valeneiennes gleichsam als typische voranstellt und ausführlicher beschreibt. Eine völlig natürliche Gruppirung scheint überhaupt aus mehreren Gründen derzeit noch nicht möglich. Eine solche verhin- dert schon der Umstand, dass viele Arten in zu wenigen Exemplaren vorliegen, um den Umfang der Species daraus beurtheilen zu können, ferners sind die Geschlechtsunterschiede noch unklar. Auffallender Weise sind von manchen Arten blos Weibchen, von anderen blos Männchen vorhanden und da bei verwandten Gattungen wie z. B. Cal- lichthys so auffallende Geschlechtsunterschiede vorkommen, so läge die Vermuthung nahe, ob nicht auch hier Ähnliches stattfinde. Jedoch ist dies wenigstens nicht wahrscheinlich, da das kais. Museum von mehreren Arten sowohl Männchen als Weibchen besitzt und diese keine haltbaren äusseren Sexualunterschiede zeigen. Eher steht zu vermuthen, dass Altersunterschiede von Bedeutung sein dürften, doch erlaubt auch hier der Mangel genügend zahlreicher Exemplare sehr differenter Altersstufen vor der Hand keinen bestimmten Nach- 116 Kner. weis. — Aus allen diesen Gründen lässt sich demnach bisher nicht bestimmen, ob und welche Arten in der Folge etwa aus dem Systeme wieder zu streichen wären, und es muss sogar dahin gestellt bleiben, ob nicht eine oder die andere bereits bekannte Art hier als neu beschrieben wird; denn der völlige Mangel an naturgetreuen Abbildun- gen und die Flüchtigkeit, mit der manche Arten beschrieben sind, machen diese Entscheidung wenigstens so lange unmöglich, als nicht die Original-Exemplare selbst oder diese mit guten Abbildungen ver- glichen werden können. Den meisten nun folgenden Beschreibungen der 18 Arten des kais. Museums, welche ich als solche einstweilen anerkenne, füge ich daher zu diesem Behufe naturgetreue Abbildungen bei, mit Ausnahme jener, über deren Gleichartigkeit mit Valenciennes’'schen Species kein Zweifel sein kann. Von den zehn in der Hist. des poissons aufgeführten Arten finden sich aber zweifellos in unserem Museum nur die fünf nach- stehenden vor: D. armatulus, cataphractus, dorsalis, carinatus und niger, die übrigen fehlen entweder wirklich oder sind mindestens nach so ungenügenden Beschreibungen, wiesiez. B. von D. Hancocktund crocodili vorliegen, nicht herauszufinden; jedenfalls fehlt auch eine Art, die, wie D. Blochii einen Stachelstrahl an der Fettflosse besitzen würde, eine Angabe, die wohl überhaupt nur auf einemIrrthume beru- hen dürfte. Beschreibung der einzelnen Doras-Arten des kais. Museums. 1. Art: D. armatulus C. V. Diese in der grossen Ichthyologie nebst D. costatus gleichsam als typisch vorangestellte Art zeichnet sich durch feine, kurze, nach rückwärts gelegte und ihrer Länge nach festgewachsene, gerade Sta- cheln aus, welche die ganze Oberfläche aller Seitenschilder bedecken und durch die der hintere Rand fein gezähnelt erscheint. Die grössteHöhe vor der Rückenflosse gleicht der Breite daselbst und ist so wie die Kopflänge 43/,mal in der Totallänge enthalten. Die grösste Breite überhaupt fällt aber zwischen die Basis der Brustflos- sen und diese ist nur 3°/,mal in der Gesammtlänge enthalten; die Entfernung der Schnauzenspitze bis zur Dorsale beträgt mehr als 1/; der Totallänge. Die Schnauze ist scharf abgerundet, die endständige Mundspalte weit; Zwischen- und Unterkieferäste tragen ihrer ganzen Ichthyologische Beiträge. 117 Breite nach Binden sehr kurzer, spitzer Zähne. Die Eckbarteln reichen über die Basis der P. hinaus, die äusseren des Unterkiefers sind nur wenig kürzer, die zwei mittleren aber bedeutend; eine Spur eines Se- gels findet sich nur unter den Eekbarteln inForm einer umgeschlagenen Lippe vor. — Der Durchmesser des Auges beträgt 1/, der Kopflänge, der Abstand der Augen von einander 2Diameter und kommt dem vom Schnauzenrande gleich; die Augenhöhle ist völlig abgegränzt, kreis- rund, die Fontanelle ziemlich klein, länglich oval, das vorderste Suborbi- talschild,das ich hier fortan als Subnasalschild bezeichne, ist aufstehend und am Rande fein gezähnelt. Hinter der Fontanelle erhebt sich das Hinterhaupt in eine über den Helm bis zur Dorsale reichende stumpfe Firste, der Helm setzt sich am Rücken bis unter den zweiten Dorsal- strahl fort; der Humerus endet in eine Spitze unter dem Stachelstrahl der Dorsale, ist doppelt so lang als hoch und nahe seinem unteren Rande mit einemabgerundeten, fein bezähneltenKiele versehen. Die tiefe Bucht zwischen Helmfortsatz und Humerus ist nur theilweise nackt, theilweise aber inselförmigvonden ersten rudimentären Seiten- schildern ausgefüllt. — Der Knochenstrahl der P. reicht bis gegen dieV. zurück, ist der längste und stärkste aller Flossenstrahlen und wie bei allen Arten am äusseren Rande mit nach hinten, am inneren mit nach vorne gerichteten derben Zähnen besetzt; die zwischen diesen aus- gespannte dünne Haut setzt sich über die Spitze des Stachels in einen Lappen fort. Die Dorsale entspringt im zweitenDrittel der Totallänge, ihre Basis kommt einer 1/,, ihre grösste Höhe fast einer ganzen Kopf- länge gleich; ihr schwach nach rückwärts gebogener Stachelstrahl ist von vorne bis zur Spitze gezähnt, nach hinten aber blos an der oberen Hälfte und mit wenigeren, schwächeren Zähnen besetzt. ' Die etwas hinter halber Körperlänge entspringenden V. reichen zurückgelegt bis zur Analgrube; die Anale steht der Fettflosse gegen- über, die ziemlich kurze (*/, der Kopllanee betragende) C. ist tief gablig eingeschnitten. Die Anzahl der Seitenschilder beträgt 29, alle sind ungleich höher als breit, das vorderste reicht vom Helme bis zum Humerus; von der Gegend über der Analgrube nehmen sie bis zur C. bedeu- tend an Grösse ab. Alle sind längs des Seitencanales mit fast gleich starken, rückwärts gebogenen und compressen Haken besetzt, die an den vorderen Schildern unter, an den hinteren aber in oder über der halben Höhe derselben liegen, und an den Caudalschildern relativ 118 Kner. grösser erscheinen. Brust und Bauch sind nackt, dessgleichen die Rückenfirste zwichen der ersten und zweiten Dorsale, hinter letzterer liegen aber, wie hinter der Anale einige (3—5) unpaarige, rauhe Schildehen, die allmählich in die Stützstrahlen der Caudale übergehen. Hinter der Basis der Peect. ist ein einfacher Porus lateralis deutlich sichtbar ; der Seitencanal mündet mit einfachen Röhrchen unter und hinter jedem Haken in einer Einbuchtung jedes Schildes. Die Färbung ist nach Natterer sowohl bei lebenden, wie bei Spiritus-Exemplaren dunkelbraun, ein hellgelbes Band beginnt über dem Auge und zieht längs der Hakenreihe der Seitenschilder bis an das Ende der Caudale; ein minder deutlicher heller Streif läuft längs der Rückenfirsie bis zur Fettflosse, die untere Hälfte der Dorsale ist gleichfalls hell, die obere schwärzlich gefärbt. Die Unterseite des Kopfes, die Basis des Humerus und der Knochenstrahl ‚der Pect. sind ebenfalls lichtgelblich oder weisslich, die nackte Brust- und Bauch- haut dunkelbraun, die Iris ebenso gefärbt mit hellgrauen Punkten. Männchen und Weibchen unterscheiden sich äusserlich nicht; die paarigen, geschlossenen Eiersäcke letzterer reichen nach vorne bis zur Leber und vereinigen sich hinter dem Ende der Schwimmblase in einen weiten gemeinsamen Ausführungsgang. Die Schwimmblase nimmt den grössten Theil der Länge der Bauchhöhle ein und ist wie bei Cyprinoiden in eine vordere grössere und hintere spitz auslau- fende kleinere Abtheilung eingeschnürt, übrigens ohne Appendices (l. e.Fig.6). DieNieren stehen durch eine quere über der Einschnü- rung oder dem Halse der Schwimmblase wegsetzende Brücke in Ver- bindung (Hufeisenniere), die beiden Harnleiter münden in eine kleine, links gelegene birnförmige Harnblase. Sämmtliche Exemplare wurden von J. Natterer in der Pro- vinz Matogrosso zwischen 15 und 17° südl. Breite aus den Flüssen Guapor& und Paraguay gesammelt, differiren in Grösse zwischen 21/, bis 8" und führen den Provinzialnamen Botoado und in der Sprache der Guanas „Corome“. 2. Art: D. dentatust m. — Taf. III, Fig. 3. Die Art D. costatus konnte ich unter allen Exemplaren des kais. Museums mit Sicherheit nicht auffinden, vielleicht fällt sie wirklich mit D. armatulus zusammen, da Valenciennes selbst beide „so ähnlich findet, dass man sich versucht fühlen könnte, sie blos für ver- Ichthyologische Beiträge. 119 schiedene Alterszustände zu halten, “ vielleicht aber entspricht derselben das hier abgebildete und zu beschreibende Exemplar. D. costatus soll sich durch rauh gekörnte hobe Seitenschilder (Kammschilder) und tief eingeschnittene Schwanzflosse auszeichnen. Die weiteren Angaben lauten: Kopflänge bis zur Kiemenspalte — 1/, der Total- länge; die vordere, ein kurzes Röhrchen bildende Narine liegt. am Rande der Oberlippe, die Stirnfontanelle ist klein, oval, die Suborbi- talknochen sind wie der Helm und die Seitenschilder rauh. Der Hu- merus endet in eine Spitze, ist viermal so lang als hoch, rauhkörnig, mit einer Leiste versehen und erstreckt sich bis unter den Dorsalstachel. Die Länge des Pectoralstachels beträgt Y%, der Total- länge; die Fettflosse bildet eine lange, nach hinten in eine Spitze erhöhte Falte. Die zwei in der Bucht zwischen Helm und Humerus liegenden ersten Seitenschilder sind klein, die folgenden 32 drei bis viermal höher als breit. Hinter der Fettflosse und Anale liegt bis zur Caudale eine Reihe von 7—8 unpaarigen Schildchen, Die Strahlen- zahl der Flossen D.11/7,:A. 41, P.,1/775, 8.19 .C:1% und die Färbung ist wie bei D. armatulus. — Unser fragliches Exem- plar steht nun allerdings in Totalhabitus und Färbung dem D. armatulus sehr nahe, unterscheidet sieh aber durch mehrere Merkmale, nament- lich durch breite Binden, relativ grössere Zähne in beiden Kie- fern (besonders im Zwischenkiefer), durch geringere Höhe der Seiten- schilder und die Bewaffnung dieser mit gebogenen Häkchen (nicht wie bei D. armatulus mit geraden Nadeln), die aber gleichfalls der Länge nach auf der Fläche der Schilder angewachsen sind, so dass nur ihre rückwärts gekrümmten Spitzen frei vorstehen; auch ist die Zahl dieser Häkchen auf den einzelnen Schildern kleiner, als die geraden Nadeln bei D. armatulus. In vieler Hinsicht, wie namentlich in Form des Humerus, in Zahl der Seitenschilder, der Flossenstrahlen, der meisten Messungsver- hältnisse, der Färbung u. s. w. stimmt aber dieses Exemplar so nahe mit D. costatus überein, dass es vielleicht wirklich dieser Art ange- hört. Doch kann diese Vermuthung nur unter Zweifeln ausge- sprochen werden. Die grösste Höhe vor der Dorsale ist gleich der Kopflänge und 51/;mal, die grösste Breite zwischen der Pectorale aber nur 41/,mal in, der Totallänge enthalten. Die abgerundete Schnauze ist schmäler als 120 Kinse'r. bei D. armatulus, die Eckbarteln reichen bis an das letzte Drittel der Länge des Brustflossenstachels, die äusseren Lippenbarteln bis zur Basis desselben, die inneren sind noch um die Hälfte kürzer, alle frei und fadenförmig. Der Abstand der grossen Augen von einander beträgt 11/,, jener von der Schnauzenspitze nicht ganz 2 Diameter; die Sub- orbitalknochen bilden nur einen sehr schmalen unteren Augenrand, das vorderste oder Subnasalschild ist aber gross, aufstehend, radial gefurcht und am oberen Rande scharf gezähnelt; die Fontanelle bedeu- tend grösser als bei D. armatulus und über i Augendiameter lang. Der beiderseits stark abgedachte Helm bildet vor der Dorsale eine fast schneidende Kante und endet zu beiden Seiten mit einem nach abwärts gerichteten hakenförmigen Fortsatze. Der Humerus ist, wie dies Valeneiennes von D. costatus angibt, viermal solang als hoch, endetin eine Spitze, diebis unter das zweite Seitenschild reicht und ist der Länge nach gefurcht, sein oberer und unterer Rand bildet eine vorspringende gezähnelte Kante. Kopfschilder, Deckel, Helm und Scapula erscheinen durch Furchen rauh gekörnt. — Die Zahl der Seitenschilder beträgt 31, sie sind durchwegs bedeutend niedriger als bei D. armatulus und nehmen besonders gegen den Schwanz an Höhe ab; die beiden ersten stossen nach oben an den Helm, reichen aber nach unten nicht bis zum Humerus; das dritte gleichfalls noch bis zum Helm sich erhebende ist das höchste von allen (es übertrifft die halbe Kopflänge), von ihm an nehmen die folgenden an Höhe derart ab, dass die letzten Schwanzschilder kaum mehr 1/, so hoch als jenes sind. Die Haken sämmtlicher Seitenschilder sind aber fast gleich gross, stark compress und fast unter einem rechten Winkel nach rückwärts umgebogen. Von ihrer Basis laufen radienartig nach auf- und abwärts die erwähnten Leisten aus, die am Rande dann mit freier gekrümmter Spitze als Nebenhäkchen enden und vorzüglich am dritten Seitenschilde und den folgenden 6—8 deutlich sind, deren Zahl aber an den Schwanzschildern derart abnimmt, dass zuletzt nur ein solches Häkehen über und unter dem Haupthaken am Rande vorragt. — Hinter der Fett- und Afterflosse liegen einige flache unpaarige Schildehen, welche in die dornähnlichen Stützstrahlen der Caudale unmerklich übergehen; der nackte Rücken zwischen der Dorsale und Fettflosse ist nicht abgerundet, sondern gekantet, D. 16. A. 10, pP 7 m 7017 Ichthyologische Beiträge. 127 Der Stachel der vor dem zweiten Drittel der Totallänge ent- springenden Dorsale reicht lange nicht bis zur Fettflosse zurück und ist auch kürzer als der folgende weiche Strahl; die Basis der Flosse erreicht nur ?/,, ihre grösste Höhe aber 1:/, der Kopflänge. Der Knochenstrahl der Pectorale reicht bis unter das Ende der Dorsale und an die Basis der Venale, diese nicht ganz bis zur Anale, letztere aber bis zur Caudale, welche tiefgablig eingeschnitten und im Ver- gleiche zu D. armatulus stärker entwickelt ist, indem die Endstrahlen des oberen etwas längeren Lappens eine Kopflänge übertreffen. Die Knochenstrahlen der Dorsale und Pectorale sind wie bei der vorigen Art vor- und rückwärts sägeförmig gezähnt; ein ziemlich grosser einfacher Porus lateralis ist vorhanden. Hauptfarbe an der Oberseite braun, am Bauche heller; die breite lichte Binde längs der Hakenreihe der Seitenschilder fehlt, und die Haken sind mit den Seiten gleichfärbig braun, hinter jedem in der Einbuchtung des Schildes ist ein schwarzbrauner Fleck bemerk- bar, wie deren auch die nackte Bucht zwischen Helm und Humerus zeigt; über jeden Caudallappen läuft eine schwärzliche Längsbinde, so dass die Ränder und Mitte dieser Flosse licht bleiben. Das einzige 51/,” lange Spiritus-Exemplar stammt aus Surinam und erweist sich durch Ovarien mit unreifen Eiern als Weibchen. So viel sich über die theilweise ausgeschnittene Schwimmblase noch urtheilen lässt, scheint sie einfach und ohne Appendices zu sein und würde somit auch einen Art-Unterschied von D. armatulus darbieten. 8. Art: D. affinis, m. — Taf. II, Fig. 1. Die nun folgende Art steht gleichfalls den vorigen noch nahe, zeichnet sich aber durch sehr breite Brustplatten aus und einen längs gefurchten, weder vor-, noch rückwärts gezähnten Dorsalstachel. — Stirn und Helm sind abgerundet, nicht gekielt, alle Kopfschilder rauh, die Fontanelle ziemlich klein, länglich, die Suborbitalknochen bilden nur eine schmale Leiste. Die Augen sind ziemlich gross, ihr Umfang kreisrund, ihr gegenseitiger Abstand beträgt etwas über einen, jener vom Schnauzenrande keinen ganzen Diameter. Der obere Augenrand ist nicht aufstehend, das Sub- nasalschild äusserst fein gezähnelt. Die Eekbarteln reichen bis ‚an die Spitze des Humerus, das äussere Paar am Unterkiefer ist nur wenig kürzer, das innere aber kaum halb so lang. Die 25—26 Seiten- 122 Kner. schilder sind grösstentheils überhäutet, so dass nur die Haken derselben frei bleiben, über und unter welchen noch mehrere Reihen von Nebenhäkchen wie bei der vorigen Art den Rand jedes Schildes besetzt halten. Das erste Seitenschild nimmt fast die ganze Höhe zwischen Helm und Humerus ein und besitzt keinen Haken. Ein Porus lateralıs fehlt. D. 1/6, A. 12, P. 1/5, V. 7. Der blos längs gefurchte Dorsalstachel ist kürzer als jener der Pectorale, welcher hinter die Spitze des Humerus und bis über die Basis der Ventrale zurückweicht und wie gewöhnlich am äusseren und inneren Rande gesägt ist. Die Caudale ist schief abgestutzt, der obere Lappen etwas länger als der untere, vor ihr liegen, weder hinter der Anale, noch Fettflosse, unpaarige Schildchen. In Färbung steht dieseArt dem D. armatulus nahe, die Rücken- seite ist braun, der Bauch hell, beide aber dunkelbraun gefleckt, längs der Hakenreihe der Seitenschilder eine helle Binde, alle Flossen dunkel gefleckt. Die Caudale zeigt an der Basis eine dunkle Vertical- binde, hierauf eine breitere lichte, dann wieder eine dunklere. Der Saum der Flosse ist gefleckt. Alle noch mit Eingeweiden versehenen Individuen erweisen sich als Weibchen, deren geschlossene Eiersäcke theils reife und grosse, theils noch unentwickelte sehr kleine Eier enthielten. Beide Eileiter münden in einen kurzen gemeinsamen Ausführungsgang hinter dem After und von der Urethra, von letzterer durch eine dünne Hautbrücke getrennt. Die Schwimmblase ist einfach, ohne Appendices. Noch sehr junge Exemplare von nur 11/, Zoll stimmen bereits in allen wesentlichen Punkten mit älteren überein. Die Brustplatten, die Sägezähne des Pectoralstachels, die Haupthaken der Seiten- schilder sind verhältnissmässig nieht schwächer wie bei Alten ent- wickelt, nur die Flächenausdehnung der Lateralschilder ist geringer und die Nebenreihen von Häkchen fehlen noch, dagegen sind die Zähnchen an der Längsleiste des Humerus schon ausgebildet und das aufstehende Subnasalschild grösser, gröber gezähnt; Ventrale und Anale noch schwach, die Caudale aber bereits gut entwickelt, ihr oberer Lappen deutlich länger, die Fettflosse relativ nicht grösser als bei Erwachsenen; ein Porus lateralis fehlt gleichfalls, die Bauch- seite ist noch ungefleckt. Ichthyologische Beiträge. 123 Die grössten unter den 11 Spiritus-Exemplaren des kaiserl. Museums zeigen nur 41/, Zoll Totallänge. Fundort: Rio branco und Guapore. 4. Art: D, asterifrons Heck. Mserpt. — Taf.Il, Fig. 2. Steht der vorigen Art jedenfalls zunächst und stimmt mit ihr in vielen Punkten überein, unterscheidet sich aber namentlich durch stark aufstehenden oberen Augenrand, schmälere und kürzere Brustplatten vorne fein gezähnten Dor- salstachel und anders geformte Schwimmblase. Die Länge von der Schnauzenspitze bis zur Dorsale ist gleich 1/; der Totallänge, die grösste Breite vor den Brustflossen kaum geringer. Der ganze Helm äusserst rauhkörnig und grubig, längs der Mitte eine Kante bildend, die sich hinter der hier grossen Fon- tanelle gablig theilt. Die Wangen nackt, die Suborbitalknochen kaum als rauhe Linie angedeutet, der Augenring nach vorne nicht geschlos- sen, indem das Subnasalschild ziemlich weit vorne liegt; letzteres ist breiter und stärker als bei D. affinis, aufstehend und längs seines fast horizontal liegenden Randes grob gezähnt. Die Stirn zwischen den Augen ist zufolge des aufstehenden oberen Augenrandes concav. Die grossen Augen stehen kaum einen Diameter vom Scehnauzen- rande, etwas über einen von einander und nicht ganz zwei vom Rande des Schultergürtels (hinter welchem die nackte Seitenbucht liegt) ab. Der endständige Mund ist im Zwischen- und Unterkiefer bis gegen die Mundwinkeln mit schmalen Binden feiner Sammtzähne besetzt. Die Eckbarteln reichen bis an das zweite Drittel des Brustflossen- stachels, die äusseren halb so weit, die inneren sind noch um die Hälfte kürzer. Zahl der Seitenschilder 24—25; ihre Form wie bei D. affinis, über jedem Haupthaken liegen an den vorderen Schildern fünf, weiter zurück drei und am Schwanzende nur ein Nebenhaken, unterhalb auch an den vorderen Schildern blos zwei Nebenreihen, von denen die obere zugleich mit derHauptreihe beginnt und bis zum vierten letzten Schilde zurückreicht, die untere aber erst über der Analgrube anfängt und vor den Stützen der Caudale aufhört. Die Brustplatten sind zum Theile überhäutet, ihre nach hinten auslau- fende Spitze um die Hälfte kürzer als jene des Humerus, der bis über die halbe Länge des Pectoralstachels und bis unter die weichen Strahlen der Dorsale zurückreicht. D. 1/6, A. 11—12, P. 1/6, V. 7. 124 Kner. Der Stachelstrahl der Dorsale ist fünf- (fast sieben-) kantig, nur vorne kurz und fein gezähnt, mit jenem der Pectorale fast gleich lang, völlig gerade, und reicht zurückgelegt bis zur kurzen Fett- flosse. Der längs gefurchte Pectoralstachel ist säbelförmig gekrümmt, nach aussen und innen wie überall mit derben Sägezähnen besetzt, seine Spitze reicht bis zur Genitalpapille zurück. Die Anale entspringt etwas vor der Fettflosse, die Caudale ist schief abgestutzt und wie bei D. affinis der obere Lappen etwas länger; der Rücken hinter der Dorsale bis zur Caudale nackt, breit und abgerundet, längs der Mittel- linie gefurcht; hinter der Fetiflosse, deren Basislänge grösser als ihre Höhe ist, liegt nur ein breites, gefurchtes Schildehen, worauf sogleich die zahlreichen Stützdornen der Caudale folgen, ein gleiches findet an der Basis des unteren Caudallappens Statt. Ein Porus late- ralis fehlt auch hier. Die Rückenseite ist dunkel, schwärzlich gefleckt, Kehle weiss- lich, Brust und Bauch hell mit braunen Flecken, alle Flossen licht mit dunklen Flecken, die zum Theile Querbinden bilden, insbesondere erstrecken sich deren 5—6 über den Stachelstrahl der Pectorale. Unter 12 Exemplaren, die das kais. Museum in Spiritus aufbe- wahrt, sind auffallender Weise 11 davon Männchen. Ihre paarigen Hoden reichen bis unter die Spitze der Brustplatten und vereinigen sich in einen kurzen, hinter dem Mastdarme verlaufenden gemein- samen Ductus, welcher an der hier deutlich durchbohrten kurzen Genitalpapille mündet; sie sind von derselben Form wie bei allen übrigen Arten, und wie sie Fig. a von D. lipophthalmus zeigt. Die Schwimmblase (l. e. Fig. 4) bildet eine Übergangsform zu den abgetheilten und endet in ein einfaches Blinddärmehen ohne Appen- dices. Bei dem Umstande, dass zwischen dieser und der vorigen Art in vielen Punkten Übereinstimmung herrscht und alle untersuchten Exemplare von D. affinis als Weibchen, hier aber fast alle als Männchen sich erweisen, drängt sich die Vermuthung insbesondere auf, ob die allerdings bedeutenden Differenzen nicht etwa blos Sexual- unterschiede sein könnten, doch darf ihr füglich nicht Raum gegeben werden, da das weibliche Unieum von D. asterifrons sich mit Aus- nahme der Ovarien durchaus nicht von den Männchen unterscheidet, und ich überhaupt, wie früher erwähnt, bei keiner Art von Doras äussere Geschlechtsunterschiede auffinden konnte. Ichthyologische Beiträge. 125 Totallänge der grössten Exemplare kaum über 4 Zoll. Fundort: Barra do Rio negro und R. Guapore. 5. Art: D. Heckelii, m. 1) — Taf. II, Fig. 4. In Form des Helmes, der Augen, Subnasalschilder, Mundstellung, Zahnbildung, wie auch bezüglich der Seitenschilder und einiger anderen Punkte steht dieses Unieum dem affinis gleichfalls nahe, ist aber auch ein Weibchen, daher nachfolgende Unterschiede nicht als sexuale und wohl eben so wenig als Altersverschiedenheiten ange- sehen werden können. Die Länge von der Schnauzenspitze bis zur Dorsale beträgt nahezu 1/; der Totallänge, ist nur wenig grösser als der Abstand des Dorsalstachels von der Fettflosse; die grösste Breite zwischen den Pectoralen ist gleich i/, der Totallänge, die grösste Höhe bedeutend geringer. Die Augenspalte erscheint länglich, indem die Suborbital- schilder beiderseits, namentlich aber nach vorne, einen ziemlich grossen Ausschnitt bilden; jedoch auch ohne diesen ist der Diameter des Bulbus selbst so gross, dass er dem gegenseitigen Abstande beider Augen gleicht. Die Entfernung des Auges vom Schnauzen- rande beträgt 1?/,, von jenem der nackten Bucht hinter dem Schulter- gürtel 21/, solche Durchmesser. Der obere Rand steht nicht auf, die ansehnlich grosse Fontanelle reicht fast bis an das Subnasalschild, welches $ -förmig, lang gezogen, nach vorne an Breite zunimmt und am frei aufstehenden Rande fein gezähnelt ist, die übrigen Suborbitalknochen sind rudimentär. — Der Helm ist mehr abgerundet als stumpf gekielt zu nennen, der Mund nimmt die ganze Breite der allerdings ziemlich schmalen Schnauze ein; Zwischen- und Unterkiefer sind mit breiten, sehr feinen Zahnbinden besetzt. Die Eckbarteln reichen bis über das erste Drittel des Pectoralstachels, die äusseren des Unterkiefers bis an das Ende der Brustplatten, die innerennicht völlig bis an das Mittelstück des Brustgürtels, der schmal und grösstentheils überhäutet ist. Deekelstücke, Wangen und Seiten der Schnauze sind nackt bis zu den Eckbarteln. Die stumpfe Spitze des Humerus, dessen grösste Höhe nur 1, seiner Länge beträgt, reicht bis hinter das zweite Seitenschild, er ist längs 1) In Heckel’s Manuscripten ist diese Art als D. Hancocki bestimmt, von der sie sich aber schon allein durch A. 12 unterscheidet; meine Angabe über die Forın der Schwimmblase 1, e. Fig. 7 bezieht sich daher auf diese Species. 126 Kner. gefurcht und rauh, zeigt aber einen kaum bemerkbaren, nur durch etwas stärkere Rauhigkeiten angedeuteten Längskiel. Zahl der Seiten- schilder: 29; alle sind derart überhäutet, dass nur die Haupt- und Nebenreihen von Haken, welche sich wie bei der vorigen Art vor- finden, frei vorragen. Jedes Schild springt aber über und unter dem Haupthaken dornartig vor, ist daselbst am breitesten und bildet somit den Übergang zu den echten Schmetterlingsschildern, wie diese bei anderen Arten vorkommen. Blos die beiden vordersten Schilder sind ihrer ganzen Höhe nach gleich schmal, und zwar beträgt ihre Breite kaum 1/; der Höhe; das erste vom Helme bis zum Humerus reichende ‚Schild zeichnet sich allein durch Mangel eines Hakens und blose Rauhigkeit aus. D. 1/6, A. 12, P. 1/6, V. €. 20. Der Pectoralstachel reicht bis zur Ventrale, der starke und völlig gerade Dorsalstachel ist nur am Vorderrande bis nahe zur Spitze fein gezähnt, kommt an Länge dem ersten weichen Strahle gleich und reicht bis nahe zur ziemlich grossen Fetiflosse zurück. Unter den Strahlen der Anale sind der fünfte bis siebente die längsten, der erste der kürzeste. Der obere Lappen der schwach eingebuchteten Caudale ist länger als der untere. Rücken breit, abgerundet, ohne Furche, bis zur Caudale nackt, so auch die ganze Unterseite und der Raum zwischen Anale und Caudale. Statt eines Porus lateralis sind tiefe Gruben bemerkbar. Rücken bräunlich, Unterseite hell gefärbt, die Brust zum Theile, der Bauch aber dicht braun gefleckt und fein punktirt, dessgleichen die Peetorale, Ventrale, Anale und Caudale, die nackte Haut am Deckel und in der Bucht; weniger deutlich Rücken, Seiten, Dorsale und Fettflosse, Oberkopf und Helm aber völlig ungefleckt. Das einzige in Weingeist aufbewahrte Exemplar stammt aus dem R. negro, besitzt 6” 8" Totallänge und erweist sich als Weib- chen. Die Schwimmblase ist abgetheilt, ohne Appendices. 6. Art: D. cataphraetus C. V. Die in Heekel’s Manuscript vorläufig als D. polyramma bezeichneten Exemplare glaube ich mit Recht als die genannte Art anzuerkennen , mindestens stimmen sie in Strahlenzahl, Färbung u. s. w. mit dem von Valenciennes aus dem Leydener Museum Ichthyologische Beiträge. 1 27. beschriebenen völlig überein; und ebenso scheint D. drunescens, Sehomb. davon nicht wesentlich verschieden. Der Mund ist endständig, die schmalen Zahnbinden des Zwischen- und Unterkiefers nehmen fast die ganze Breite der Mundspalte ein; alle Barteln sind frei und lang, die Eckbarteln reichen bis zur Spitze des Humerus und selbst die inneren und kürzesten noch bis zum Brustgürtel. Die Augen sind klein, ihr Abstand von einander beträgt 21/,—3, vom Schnauzenrande 4, von jenem der Kiemenspalte 6 Dia- meter. Stirnfontanelle klein, länglich eirund, das aufstehende Sub- nasalschild fein gezähnelt, Stirn und Helm gewölbt, ohne Andeutung eines Kieles. Der Humerus trägt eine einfache Längsreihe dünn stehender, gerader und grober Dornen, die Brust ist bei beiden Geschleehtern nackt, indem die Brustplatten völlig überhäutet sind. Die Zahl der Seitenschilder schwankt zwischen 25—28, sie sind hohe, aber derart von Haut überdeckte Kammschilder, dass nur die fast geraden Haupthaken und Nebendornen am Rande vorragen; von letzteren zählt man über der Hakenreihe 6— 3, unter ihr 4—2. Alle Exemplare zeigen einen grossen Porus lateralis. D. 1/4, A. 9, P. 1/4 u. s. w. Der Pectoralstachel ist wie immer nach aussen und innen gesägt, der Dorsalstachel dreikantig, vorne undan den Seitenkanten gezähnt, nach rückwärts aber nicht; die Caudale ist abge- rundet, die Fettflosse lässt durchaus keinen Strahl wahrnehmen. Grundfarbe bräunlich, längs der Reihe der Haupthaken zieht jederseits eine helle Linie und eine gleiche längs der Mitte des Rückens bis zur Schwanzflosse. Alle Flossen zeigen auf lichtem Grunde bräunliche (nach Valenciennes röthliche) Flecken; die Fetiflosse ist weiss gesäumt. | Das kais. Museum besitzt Männchen, Weibehen und Junge, die aber keine wesentlichen Unterschiede darbieten, nur scheint bei Weibchen die Bewaffnung etwas stärker, die Stacheln der Pectorale und Dorsale länger, der Deckel rauh, während er bei Männchen überhäutet ist; bei ganz jungen sind die Nebenreihen der Dornen noch nieht deutlich vortretend. — Die Schwimmblase ist bei Allen einfach, fast so breit als lang, und ohne Appendices (siehe |. e. Fig. 1. unter dem Namen D. polygramma). Fundorte: Rio Guapore und Barra do Rio negro. 128 Komet, 7. Art: D. dorsalis C. V. — Guerin, Tab. 52, Fig. 2. Es unterliegt wohl kaum einem Zweifel, dass die hier zu beschrei- benden Exemplare mit D. dorsalis Val. gleichartig sind, doch schei- nen einige nähere Angaben nöthig. — In Hinsicht der breiten Zahn- binden im Zwischen- und Unterkiefer, der völlig freien, ungefransten Barteln, wie auch des aufstehenden, am Rande gezähnelten Subnasal- schildes und der zu einer sehr schmalen Leiste verkümmerten Subor- bitalknochen schliesst sich diese Art den vorhergehenden an, nähert sich aber bezüglich der Bildung der Augen und des Umstandes, dass ein grosser Theil der Seiten-, der Kopfschilder und des Helmes überhäutet sind, vielen der folgenden Arten. Die Totalgestalt ist gestreckt, die Entfernung vom Schnauzen- rande bis zur Dorsale gleich der vom Beginne dieser Flosse bis zur Fettflosse und gleich 1/; der Totallänge. Der Kopf ist breit, die Schnauze stumpf, die grösste Breite hinter der Kiemenspalte gleich der Länge des Kopfes. Die Augen stehen 11/, Diameter vom Schnau- zenrande, 21/,—?/, von der nackten Bucht hinter dem Schultergürtel und 11/,—?/, von einander entfernt. Mit Ausnahme des oberen, nach vorne scharf vortretenden knöchernen Augenrandes und der äusserst schmalen Suborbitalleiste ist die Umgebung des Auges nackthäutig, die Augenspalte nicht kreisrund, sondern vor- und rückwärts winklig ausgezogen. Die Wangen und grossentheils auch die Deckelstücke und der Helm sind überhäutet, letzterer namentlich an seinem hinteren gegen die Seiten absteigenden Fortsatze. Hinter der sehr grossen und langen Fontanelle ist der Helm bis zur Dorsale derart gekielt, dass zwei sehr nahe parallele Leisten zwischen sich eine Furche lassen. Die nackte Bucht zwischen Schultergürtel, Helm und Seiten- schildern ist gross, der Humerusfortsatz aber kurz und schmal, er reicht kaum bis unter die Dorsale und über die Hälfte des Brust- flossenstachels zurück und endet, allmählich sich verschmälernd, in eine einfache scharfe Spitze; seine Oberfläche ist rauh, aber weder gefurcht, noch gezähnelt. Die Eckbarteln reichen fast bis zur halben Länge des Peetoralstachels zurück, die äusseren Lippenbarteln sind kaum halb so lang, die inneren noch mindestens um die Hälfte kürzer. Die Zahl der Seitenschilder beträgt 17, wenn das erste verkümmerte mitgerechnet wird; das zweite ist von allen das grösste. Die vorderen sind echte Schmetterlingsschilder, alle aber nur mit den stark eom- pressen und rückwärts gekrümmten Haupthaken besetzt, deren Ichthyologische Beiträge. 129 Grösse an den Schwanzschildern zunimmt. Die in der Medianlinie des Rückens liegenden unpaarigen Schildehen, auf welche die Art- benennung sich bezieht, sind unverlässlich; während eines unseres Exemplare deren allerdings zwischen der Dorsale und Fettflosse und beiderseits vor der Basis der Caudale zeigt, erscheint am andern Exemplare die ganze Rückenfirste nackt mit kaum punktgrossen Andeutungen von Schildchen. D. 1/6, A. 14 u. s. w. !) Die Stacheln der Pectorale und Dorsale enden in einen Haut- lappen, und sind, wie auch Valenciennes bemerkt, mit weniger zahlreichen, aber gröberen Zähnen vor- und rückwärts besetzt, als andere Arten. Der Pectoralstachel reicht nur bis an das Ende der Dorsalbasis zurück. Die Ventrale stehen fast unter der Mitte des Raumes zwischen der Dorsale und Fettflosse und reichen zurückgelegt bis zur Analgrube, die hier sehr nahe der Anale liegt (viel näher als bei anderen Arten, woselbst sie meist der Ven- trale genähert ist). Die Fettflosse steht dem hinteren Ende der Anale gegenüber; die Caudale ist tief gablig eingeschnitten, gleichlappig ; ihre längsten Strahlen kommen dem Stachel der Pectorale und Dor- sale fast gleich. — Die ganze Unterseite ist nackt, der Porus late- ralis sehr deutlich, dessgleichen der Seitencanal, dessen Mündungen mit abwärts laufenden Nebenästen in der nackten Seitenbucht und am Kopfe besonders gut sichtbar sind. Die Genitalpapille ist lang, das Geschlecht aber unbestimmbar; die Schwimmblase (l. e. Fig. 9) abgetheilt, mit zum Theile fingerförmig verästelten Appendices behängt. Färbung: Rückenseite einfärbig bräunlich, Bauchseite hell und so wie alle Flossen ungefleckt. Die beiden Exemplare von 7 Totallänge stammen von Parä Rio. 8. Art: D, murica Natt. Mserpt. Diese schon von Natterer und Heckel (in deren Manu- seripten) als neu betrachtete Art scheint in der That mit keiner andern mir bekannten übereinzustimmen, 1) Guerin’s Abbildung zeigt in der D. 1/5 und in der A. blos 11 Strahlen, doch ist sie überhaupt ungenau und wenig brauchbar. Sitzb. d. mathem.-naturw. Cl. XVIL Bd. I. Hft. 9 130 Kner. Durch den endständigen Mund, der im Zwischen- und Unter- kiefer breite Zahnbinden trägt, freie, ungefranste Barteln, das auf- stehende, am Rande gekerbte Subnasalschild und durch die Zähnelung des Rücken- und Brustflossenstachels schliesst sie sich den bisher betrachteten Arten an; durch die Schmetterlingsform der Seiten- schilder mit einfacher Hakenreihe aber zunächst der vorhergehenden Species. Die Mundbildung erinnert ganz an Silurus glanis; die weite Mundspalte nimmt die ganze Breite der abgerundeten Schnauze ein und ist in beiden Kinnladen bis zu den Mundwinkeln mit breiten, ununterbrochenen Binden von Sammtzähnen fast gleicher Länge und Stärke besetzt. Die langen, fadenförmigen Eckbarteln reichen bis zur Spitze des Humerusfortsatzes, die vier Unterlippenbarteln sind ebenfalls frei, fadenförmig, die äusseren halb so lang als die Eck- barteln, die inneren noch um die Hälfte kürzer. DasAugeistkleiner als bei allen übrigen Arten, sein Diameter beträgt kaum 1/,; der Kopflänge (ohne Helm); es steht 41/, Diameter vom Schnauzen- rande, fast 10 von der Kiemenspalte und nahezu 7 vom anderen Auge entfernt. Die Suborbitalknochen sind breit, rauh, dessgleichen das Subnasalschild, welches langgestreckt, hoch und am aufstehenden Rande gekerbt ist. Der Schnauzenrand und die Gegend um die hinteren Narinen, die Augen und Wangen sind nackt, die Deckelstücke aber rauh beschildert, dessgleichen der ganze Hinterkopf und Helm. Die lange und schmale Fontanelle läuft nach vorne in eine Furche aus; die mässige Wölbung des Hinterhauptes geht am Helme in einen schwachen, stumpfen Kiel über. Die Länge von der Schnauze bis zur Dorsale ist 31/,mal in der Totallänge enthalten; der schmale, dornähnliche Humerusfortsatz reicht bis hinter das erste Seitenschild und endet spitz; der nach den Seiten absteigende Ast des hinteren Helmendes ist kurz; Helm, Humerusfortsatz und Seitenschilder schliessen sich nicht an einander an, in die nackte Bucht hinter dem Schultergürtel bleibt vielmehr ein weiter Eingang über. Die Zahl der Seitenschilder beträgt links 28, rechts 27; sie zeigen vom vierten angefangen Schmetterlingsform und nehmen so wie die stark compressen, rückwärts gekrümmten Haken gegen den Schwanz an Grösse derart zu, dass unter der Fettflosse die grössten zu liegen kommen; das dritte Seitenschild ist zwar das höchste (indem der über dem Haken liegende Theil nach aufwärts stark verlängert ist), aber Ichthyologische Beiträge. 131 schmal und noch nicht von Schmetterlingsform, das erste Schild allein ist ohne Haken, aber wie auch alle folgenden rauh und mit niederliegenden kurzen Dornen besetzt. D. 1/6, A. 12, P. 1/10, V. 1/6, C, 18 (ganze und jederseits 13 Stützstrahlen). | Der Knochenstrahl der Dorsale ist der längste von allen Flos- senstrahlen und am vorderen Rande der ganzen Länge nach dicht und fein gezähnt, nach hinten nur an seiner oberen Hälfte; der flache, aber sehr breite und starke Stachel der Pectorale (deren grosse Zahl getheilter Strahlen auffällt) 1) ist dagegen am äusseren und inneren Rande stark sägeförmig gezähnt, er wird vom ersten getheilten Strahle an Länge übertroffen. Die Ventralen entspringen hinter dem Ende der Dorsalbasis unter dem neunten und zehnten Seitenschilde und sind die kleinsten aller Flossen. Die Anale ist stark entwickelt, ihr erster Strahl äusserst kurz, der fünfte bis neunte sind die längsten und fast gleichlang mit jenen der Ventrale. Caudale halbmondförmig eingeschnitten, gleichlappig, ihre längsten Strahlen erreichen aber nicht Kopflänge. Die Fettflosse ist mässig gross, rautenförmig, der breite, abgerundete Rücken völlig nackt, eben so die ganze Unterseite; die Analgrube liegt auch hier näher der After- als Bauchflossen. — Bemerkenswerth ist die eigenthümliche Ver- diekung und Verknöcherung der gegliederten Strahlen, die besonders bei der Caudale, zum Theile auch bei der Anale, weniger aber bei den Ventr. und der Dors., dagegen gar nicht bei den Pect. stattfindet. Sie werden nämlich mitunter zu dieken soliden Knochen, die nur gegen die Spitze noch Theilung und Gliederung wahrnehmen lassen. Dieselbe Verknöcherung findet sich auch bei mehreren anderen Arten, jedoch nirgends sonst ist mir eine ähnliche Ossifications- tendenz weicher Gliederstrahlen bekannt. — Übrigens zeigt auch die nacktscheinende Haut hier Neigung zur Ablagerung von Knochen- kernen; in die Haut des ganzen Rückens und der Seiten sind nämlich ziemlich dicht und regulär längliche kleine und dünne Knochenkerne 1) Während die Strahlenzahl der Brustflossen gewöhnlich innerhalb einer Gattung wenig differirt, zeigt sie bei Doras im Gegentheile je nach den Arten bedeutende Unter- schiede, namentlich grössere als die Dorsale, welche doch sonst durehschnittlich für die Charakteristik brauchbarer sich erweist. 9* 132 Kner. eingesenkt, als ob kurze Stacheln unter der Haut lägen, und durch welche sie mit länglichen Unebenheiten warzig besetzt erscheint !). Über die Färbung im frischen Zustande fehlen in Natterer’s Notizen alle Angaben, an dem getrockneten Exemplare ist nur zu erkennen, dass Rücken und Seiten mit äusserst feinen schwarzen Punkten sparsam besäet sind, deren aber an allen Flossen fehlen; sämmtliche Knochenschilder und Flossenstrahlen erscheinen weiss- lich. Das von Natterer gesammelte Exemplar misst 20” Totallänge, stammt von Cujaba, wird von ihm mit dem Provinzialnamen Botoado und überdies als Männchen bezeichnet. 9. Art: D. lithogaster Heck. Mserpt. Diese ausgezeichnete Art vertritt unter den Doraden die Gruppe der völlig gepanzerten, welche bei den Hypostomiden so zahlreich repräsentirt wird, ganz allein. Sie dürfte zwar, wie Heckel sich zu erinnern glaubt, bereits bekannt und beschrieben sein, da wir sie jedoch nirgends auflinden können, so behalte ich vorläufig obige jedenfalls gut gewählte Artbenennung bei. Während sie durch ihre dichte Bedeckung mit dicken Knochenschildern einzig dasteht, schliesst sie sich durch endständigen Mund mit breiten Zahnbinden oben und unten, und freie, ungefranste Barteln den echten Dorasarten und zwar zunächst der vorhergehenden an. Inwieferne diese complete Beschilderung als Artunterschied mit Verlässlichkeit anzusehen ist, lässt sich beim Mangel genügender Erfahrungen über diese Fische und nach dem in einer früheren Note Gesagten im Voraus wohl nicht angeben. Der Mund nimmt die ganze Breite der halbkreisrunden Schnauze ein, der Zwischenkiefer trägt eine breitere, der Unterkiefer eine schmälere Binde grober Sammtzähne; die Eckbarteln reichen kaum bis zum Deckel zurück, die äusseren Kinnbarteln sind noch um die Hälfte kürzer, jedoch länger als die inneren. Das Auge ist mässig klein, 3 Diameter vom Schnauzenrande, 41/, vom andern Auge und etwas über 5 von der Kiemenspalte entfernt und beiläufig 8‘/,mal in der Kopflänge enthalten. Die Suborbitalschilder bilden einen breiten 1) Ähnliches findet auch bei der Gattung Cottus Statt, an welche namentlich die kleinen Doras-Arten überhaupt mehrfach erinnern, als wären sie die Stellvertreter Jener Gattung in Südamerika. Ichthyologische Beiträge. 133 Knochenring, und das vorderste oder Subnasalschild, welches durch eine Hautbrücke von den hinteren getrennt ist, ist besonders gross und stark gewölbt, am Rande aber nicht gezähnelt. Die lange und ziemlich breite Stirnfontanelle wird rings von sehr rauhen Schildern umgrenzt. Stirn und Hinterhaupt sind flach, erst der Helm erhebt sich bis zur Dorsale und bildet einen stumpfen Kiel. Die Länge von der Schnauze bis zur Dorsale beträgt nahezu 1/, der Totallänge, jene des Kopfes bis zur Kiemenspalte ist aber 41/, bis 5mal in der Kör- perlänge enthalten. — Mit Ausnahme des rauhen Deckels sind übri- gens die Seiten des Kopfes, so wie Kehle und Brust nackt, doeh ent- hält auch hier die Haut mehr weniger zahlreiche Knochenkerne von länglicher Form eingesenkt, die oberflächlich als rauhe Längslinien vortreten. Kiemenstrahlen zähle ich jederseits 7, von denen der innerste sehr kurz ist. Der kurze und schmale Humerusfortsatz reicht nur bis zur halben Länge des Pectoralstachels, ist rauh, aber weder gefurcht, noch gekielt und endet in eine rundliche Spitze. Längs des Seitencanals zählt man nur eine Reihe von 16—17 Schil- dern, die erst am Schwanze deutliche Schmetterlingsform annehmen; das zweite derselben ist das höchste und schliesst sich oben unmit- telbar an ein grosses Schild an, welches beiderseits längs der Dorsal- basis liegt. Die 3—4 ersten Schilder sind nur gekielt, erst vom . vierten oder fünften angefangen erheben sich die Kiele zu Dornen, die gegen das Schwanzende am grössten werden und sich durch Dicke und eigenthümlich faserige Structur vor allen Dornen und Haken anderer Dorasarten auszeichnen, indem sie dadurch wie gefranst oder gefiedert erscheinen. Den Rücken hält eine mediane Reihe starker, erhabener und stumpf gekielter Schilder vom Ende der Dorsale bis zur Caudale besetzt, deren Zahl jedoch zwischen 8 und 11 schwankt. Eines derselben, das gegenüber der Anale liegt, erhebt sich über die anderen und lässt in der Furche seines nach hinten steil abfallenden Kieles die Fettflosse erkennen, deren Haut sich (bei einem Exemplare) auch noch in einer tiefen Furche des folgenden Schildes fortsetzt. Hinter der Fettflosse liegen noch drei mediane Schilder, die sich unmittelbar an die Stützen der Caudale anreihen. Den Raum zwischen den unpaaren Rücken- und Seiten- schildern nehmen kleinere, irreguläre, schuppenförmige Knochen- platten ein, ähnliche schieben sich zwischen die unteren Flügeln der Seitenschilder und bis an den Fortsatz des Humerus ein, 134 Kner. und ebenso halten deren die ganze Unterseite von der Gegend zwischen der Brustflossenbasis angefangen bedeckt. Sie sind meist länglich, aber irregulär und ungleich gross, gegen die Mitte des Bauches oft verdickt erhoben und der Länge nach fast gekielt. Die Mitte des Bauches nehmen grössere, zum Theile unpaare Schilder ein, und namentlich liegt ein solches, nach hinten spitz endendes vor der Analgrube, deren nächste Umgebung allein nackt ist und die sehr nahe vor der Anale sich befindet. Zwischen letzterer und der Schwanzflosse liegt wieder eine mittlere Reihe von drei grossen stumpf gekielten Schildern. Endlich sind in der nackten Bucht zwischen Helm und Humerus mehrere kleine Schildehen inselförmig zerstreut. — Ein Porus lateralis fehlt; kleinere Knochenschilder reichen unmittelbar und ganz in den Winkel zwischen Humerus und Pectoralbasis derart hinein, dass keine nackte Stelle frei bleibt. D,.1/6, A. 13, P. 1/8, V.-1/6, C. 17. Der Knochenstrahl der Pectorale und Dorsale ist vor- und rück- wärts grob und stumpf gezähnt, ersterer, der längste aller Flossen- strahlen, aber mit dem ersten getheilten gleichlang. Die Dorsale beginnt über dem Ende des Humerusfortsatzes; die Anale enthält neun getheilte weiche Strahlen und vier ungetheilte, von denen der letzte der längste und stärkste ist; die Ventralen sind die kürzesten von allen Flossen, reichen lange nicht bis zur Analgrube zurück und stehen der Mitte des Raumes zwischen Dorsale und Fettflosse gegen- über; die Caudale ist kurzstrahlig, kaum eingeschnitten und gleich- lappig. Die Verknöcherung der getheilten Strahlen der Caudale und | Anale ist beinahe so stark wie bei der vorigen Art. Über die Färbung lässt sich nach unseren trockenen Exemplaren nur angeben, dass an der dunkleren Rückenseite hie und da mehr minder grosse schwärzliche Flecken bemerkbar sind, die Bauchseite aber weisslich und wie auch alle Flossen ungefleckt erscheint. Natterer gibt als Provinzialnamen Vacu an und bezeichnet beide Exemplare als Weibehen. — Fundort: Forte do Rio branco. Totallänge 34 und 35 1%, Zoll. 10. Art: D. fimbriatus, m. — Taf. III, Fig. 5. Corydoras loricatus, Heek im Mserpt. Diese Art vermittelt die echten Doras-Arten mit den nachfol- genden; sie hat mit jenen den Totalhabitus, die Zahnbinden in * Ichthyologische Beiträge, 135 Zwisehen- und Unterkiefer und die kreisrunden Augen, mit letzteren die in ein kurzes Segel verwachsenen Kinnbarteln, welche so wie die freien Eckbarteln gefiedert sind, und die halb unterständige kleine Mundspalte gemein. Da aber die Verwandtschaft mit den vor- hergehenden Doraden noch stärker vortritt als mit den folgenden, so dürfte sie ihnen anzureihen sein. Die Schnauze ist stumpfspitzig, der Umkreis fast parabolisch und bis zu den Deckelstücken nackt, die längliche Stirnfontanelle geht in die nackte Schnauze über, die Suborbitalknochen sind völlig ver- kümmert und auch ein aufstehendes, gezähneltes Subnasalschild fehlt. Die Augen sind gross, ihr Durchmesser ist A41/,mal in der Kopflänge enthalten, ihr gegenseitiger Abstand beträgt 1/,, jener vom Schnauzenrande 11/, Diameter. Der obere Augenrand steht nicht auf. Bei der Enge der Mundspalte bleibt im Zwischen- und Unter- kiefer nur wenig Raum für die überdies nicht gedrängt stehenden äusserst feinen Zähnchen. Das Hinterhaupt erhebt sich gegen den Helm zu bedeutend, letzterer erscheint beiderseits stark abgedacht und dadurch in der Mitte fast gekielt. Die gefransten oder vielmehr halb gefiederten Eckbarteln reichen bis hinter die Peetoralbasis zurück, die vier des Unterkiefers sind kurz, aber fast gleichlang und an ihrer Basis in ein kurzes Lippensegel verwachsen. Der Fortsatz des Humerus läuft nicht in eine Spitze aus, sondern wird nach hinten fast noch breiter (höher), endet abgerundet, und zwar wegen der grossen Ausdehnung des ersten Lateralschildes vor diesem. Die Zahl der Seitenschilder beträgt 29—30, sie sind sämmtlich hohe, am Rande dünn gezähnelte Kammschilder mit einfacher Hauptreihe von Dornen längs des Seitencanals, der sich hier vom Schulter- gürtel bis zur Schwanzflosse deutlich verfolgen lässt. Das erste Seitenschild ist das grösste von allen, sowohl was Höhe als Breite betrifft, namentlich verbreitert sich seine unterhalb der Seitenlinie liegende Hälfte derart, dass es bis an das Ende des Humerus und an die Brustplatten angrenzt, die hier von der Brust unter einem Winkel (eine scharfe Kante bildend) sich nach aufwärts an die Seiten fort- setzen; nach oben stösst das erste Seitenschild ebenfalls bis an den Helm. Nächst dem ersten ist die untere Hälfte des zweiten Lateral- schildes am längsten und breitesten, vom dritten angefangen nimmt die Breite und Höhe der Seitenschilder gleichmässig bis zur Schwanz- flosse ab; beikeiner anderen Art reichenaberdiebeiden 136 Kner. ersten Seitenschilder so weit an die Bauchfläche hinab und sind so breit wie hier. Der abgerundete Rücken zwischen der Dorsale und Fettflosse ist nackt; vor den Stützstrahlen der Caudale liegt oben und unten nur ein grosses, breites Schild- chen; die ganze Bauchseite ist mit Ausnahme der breiten, halbmond- förmig nach rückwärts gebogenen Brustplatten nackt; ein Paar Exem- plare zeigen einen wirklichen Porus lateralis, die anderen nur eine tiefe Grube daselbst; die Analgrube liegt nahe den Bauchflossen. D.1/6,. BD 1/8 NER AIR Der Knochenstrahl der Dorsale und Peectorale ist beiderseits gezähnt, ersterer wird noch von einem spitzen Hautlappen überragt und reicht zurückgelegt nicht bis zur Fettflosse; der bei allen Exemplaren gleichlange und starke Brustflossenstachel reicht bis über die Basis der Ventrale hinaus, letztere reichen nicht bis zur Anale zurück, diese aber bis an die Basis der Caudale, welche tief gablig eingeschnitten und gleichlappig ist. Färbung, Rücken, Seiten, Hinterbauch und Unterseite des Schwanzes nebst allen Flossen braun mit schwärzlichen Flecken und Punkten, dessgleichen die Eckbarteln schwärzlich, die Lippenbarteln heller, Kehle, Brust und Vorderbauch weisslich. Zwei auf ihr Geschlecht untersuchte Individuen erwiesen sich als Weibchen mit unreifen Eiersäcken, die Schwimmblase ist einfach, kurz und breit, rings mit zahlreichen seitlichen Appendices behängt, die von fettähnlicher Masse umhüllt sind; siehe l. c. Fig. 2. Das kaiserliche Museum bewahrt vier Exemplare in Spiritus von 4%, bis gegen 5 Zoll Totallänge, sie stammen aus dem Rio Guapore. 11. Art: D. punctatus, m. — Taf. VI, Fig. 10. Corydoras brevis Heck. Msept. Gleichfalls ein Übergangsglied mit halb unterständigem Mund, Zähnen in beiden Kiefern, halb gefiederten Eck- und in ein kurzes Segel verwachsenen Lippenbarteln. Die grösste Höhe vor der Dorsale übertrifft kaum die grösste Breite zwischen der Pectoral-Basis, und letztere kommt der Länge des Kopfes (bis zur Kiemenspalte) fast gleich; der Umkreis der Schnauze ist stumpf parabolisch, das Auge gross, fast kreisrund, Jedoch nur in seiner oberen Hälfte halbkreisförmig von rauhen Kopf- schildern begrenzt, indem die verkümmerten Suborbitalschilder über- Ichthyologische Beiträge. 1 31 häutet und wie die ganze Schnauze bis zu den hinteren Narinen und seitlich bis zu den Deckelstücken nackt erscheinen. Der Diameter der Augen ist kaum über vier Mal in der Kopflänge enthalten, ihr Ab- stand vom Schnauzenrande beträgt nicht ganze 2, von der vorderen Narine 1, von der Kiemenspalte 1:/, , ihr gegenseitiger 1%, Dia- meter. Die Stirne zwischen den Augen ist daher breit und zugleich flach, erst vom Hinterhaupt erhebt sich der Helm bis zur Dorsale ansteigend und einen sehr stumpfen Kiel bildend. Die lange Fonta- nelle geht nach vorne in die nackte Schnauzenhaut über, welche auch das Subnasalschild überkleidet. — Die Mundspalte nimmt fast die ganze Breite der allerdings schmalen Schnauze ein und wird rings von fleischigen Lippen umgeben , der Unterkiefer wird von dem oberen ziemlich weit überragt und daher der Mund halb unterständig; die Eckbarteln reichen niemals bis zur Kiemenspalte, sind meist viel kürzer und seitwärts mit 3—4 Nebenästen behängt (halb gefranst); die Unterlippe bildet ein kurzes papillöses Segel, von welchem die kurzen aber fast gleich langen Lippenbarteln sich loslösen , deren Länge und Zahl übrigens variabel ist (allermeist zwar A, öfters jedoch 5—6). Der fast rudimentäre Zwischenkiefer trägt wenige, äusserst kleine kaum spür- und sichtbare Zähnchen, die leicht völlig übersehen werden könen, die des Unterkiefers bilden jedoch stäts eine deutliche schmale Binde. | Der Humerusfortsatz endet vor dem ersten Seitenschilde unter dem Beginn der Dorsale breit und schief abgestutzt, und bildet an seinem unteren Rande eine nicht gezähnelte Längsleiste. — Die Zahl der Seitenschilder beträgt 28—29, sie sind schwach, niedrig und mit Ausnahme der beiden ersten fast alle gleich hoch und breit, jedoch nehmen die sehr compressen Hauptdornen gegen den Schwanz an Grösse zu, die Ränder aller sind mit geraden Zähnchen dünn besetzt. Das erste Seitenschild ist zwar das höchste, aber so schmal und zufolge des unter ihm breit endenden Humerusfortsatzes über der folgenden Reihe gestellt, so dass auch sein kleiner Hauptdorn bedeutend höher liegt. Wegen der Kleinheit der Seitenschilder bleibt übrigens der grösste Theil der Seiten über und unter ihnen nackt. — Die Brustplatten sind an ihrer Nathverbindung überhäutet, ihre breiten, nach hinten gerichteten Hörner liegen aber frei und reichen mit stumpfer Spitze genau bis unter das Ende des Humerusfortsatzes. D.1/6, P. 1/7, V.1/6, A. 13. 138 Kner. Die Dorsale entspringt vor halber Körperlänge, ihr Stachel- strahl ist stets kürzer als jener der Peetorale, der etwas über die Basis der Ventrale zurückreicht ; beide Stacheln sind übrigens vor und rückwärts gesägt. Die Ventrale entspringen unter dem Ende der Dorsale, die Analgrube liegt unmittelbar zwischen und hinter ihrer Basis, somit weit von der Anale entfernt, jedoch bereits hinter halber Totallänge; die Anale reicht bis an die ersten Stützstrahlen der Cau- dale zurück, ihren ersten Strahlen gegenüber steht die kleine Fett- flosse; die Caudale ist kurzstrahlig , schwach eingebuchtet , die beiden gleichlangen Lappen abgerundet; der ziemlich breite Rücken zwischen Dorsale und Fettflosse nackt, unpaare Schildehen an der Basis der Caudale fehlen , oder vielmehr sie nehmen sogleich die Form von Stützstrahlen an. — Ein Porus lateralis fehlt. Färbung. Rückenseite bräunlich, die ganze Unterseite weiss- lich und ungefleckt, jene aber und namentlich die Seiten bis unter die Lateralschilder mit schwärzlichen Flecken oder Punkten geziert, dessgleichen alle Flossen mit Ausnahme der Ventrale und Anale. Das kaiserliche Museum besitzt 17 Exemplare, darunter die meisten in Spiritus aufbewahrt, von 3—5 Zoll Totallänge, aus Mato- grosso und Rio Guapore. Alle, die ich noch auf ihr Geschlecht unter- suchen konnte, erwiesen sich als Weibehen. — Die Schwimm- blase lauft rückwärts in zwei nach vorne umgebogene Hörnchen aus und ist ohne Appendices; siehe 1. ce. Fig. 5. 12. Art: D. brevis, m. — Taf. VI, Fig. 11. Corydoras brevis, Heck im Msrept. Diese auffallend kurze und hohe Art schliesst sich der folgenden Gruppe durch völligen Mangel an Zähnen im Zwischenkiefer noch näher an und wäre unbedenklich ihr beizuzählen, wenn sie nicht die kurze und stumpfe Schnauze noch den vorhergehenden Arten nahe brächte. Die Totalgestalt ist sehr gedrungen, indem das Ende des Helmes fast bis zur halben Körperlänge zurückreicht, die grösste Höhe daselbst übertrifft auch etwas eine Kopflänge, bis zur Kiemenspalte gerechnet, die Breite an dieser ist hingegen fast um ein Drittel geringer. Das sehr grosse Auge ist fast kreisrund, der Höhendurch- messer, kaum kürzer als der quere, und beträgt nahezu ein Drittel der Kopflänge; das Auge steht vom Schnauzenrande weniger als Ichthyologische Beiträge. 139 anderthalb, vom hinteren Scapularrande einen Diameter und eben so weit vom anderen Auge entfernt, die Suborbitalknochen sind ver- kümmertundüberhäutet, dessgleichen die schmale, rundliche Schnauze bis hinter die Narinen und die Wangen bis zum Deckel nackt, das kleine Subnasalschild ist nicht aufstehend, die Stirne zwischen den Augen flach, die lange und schmale Fontanelle nach vorne geschlossen, hinter ihr erhebt sich der Helm in einen ziemlich scharfen Kiel. Der vom hinteren Ende des Helmes abwärts steigende Ast reicht mit seiner Spitze an die Seiten herab und legt sich an das hinter ihm hinaufreichende erste Lateralschild an. Die ziemlich kleine Mund- spalte ist halb unterständig, im rudimentären Zwischenkiefer fehlt jede Spur von Zähnen und selbst im Unterkiefer bilden sie nur eine schmale Linie und sind öfters kaum sichtbar. Die Unterlippe verlän- gert sich in ein ziemlich grosses Segel, das mit vier kurzen durch Papillen zottigen Barteln besetzt ist, auch die Eckbarteln sind relativ kurz und halbgefiedert oder gefranst. Der Humerusfortsatz ist ziemlich breit, nach unten gekielt und schief von vorne nach rückwärts abgestutzt, so dass er unter dem ersten Lateralschilde mit schwach gezähnter Spitze endet. Die Zahl der Seitenschilder beträgt 29— 30, ihre Höhe nimmt gleichmässig gegen die Schwanzflosse ab, ist jedoch auch vorne nicht bedeutend, mit Ausnahme des ersten, dessen oberer Flügel bis an den Helmfort- satz stösst und zugleich der breiteste von allen ist; ausser der Haupt- reihe von Dornen, die alle fast gleich gross, stark, eompress und nach rückwärts gekrümmt sind, zeigt noch jedes Seitenschild am Rande vorragende Nebenreihen kurzer Dornen und zwar je nach der abnehmenden Höhe der Schilder beiderseits des Haupthakens vier, drei, zuletzt zwei und am Ende des Schwanzes fehlen die Neben- reihen gänzlich. In der grossen nackten Bucht zwischen Helm und Schultergürtel liegen inselförmig zwei rudimentäre Schildchen, jedoch bedeutend höher als die Reihe der Seitenschilder. Bei der unbedeu- tenden Höhe der letzteren bleibt der grösste Theil der Seiten des Rumpfes und Schwanzes nackt und ebenso fehlen auch unpaare Schildehen am Rücken und zwischen After- und Schwanzflosse, dess- gleichen erscheint die Mitte der Brust (wie der ganze Bauch) nackt, da die schmalen Brustplatten blos an ihrem hinteren, kaum über die Basis der Peetorale zurückreichenden Ende nicht von Haut überdeckt sind; ein Porus lateralis ist nicht wahrzunehmen. D. 1/6, P. 1/7, V.7, A. 13—1A. 140 Kner. Die Dorsale entspringt fast in halber. Körperlänge, ihr Stachel- strahl ist wie jener der Peetorale vor- und rückwärts gesägt und von auffallender Länge, indem er bis über den Beginn der Fettflosse zurückreicht und mit dem Peetoralstachel gleiche Länge besitzt. letzterer reicht zurückgelegt über die Basis der Ventrale hinaus bis zur Analgrube, die am Ende des zweiten Drittels der Körperlänge und weit vor der Anale liegt. Die Fettflosse ist hier bedeutend gross, indem sie der Anale gegenüber entspringt, mit dieser eine fast gleich lange Basis hat und auch nur wenig niederer ist; auch die Caudale scheint stäts stark entwickelt, tief gablig eingeschnitten und gleichlappig zu sein, doch sind die Spitzen der Strahlen bei allen Exemplaren abgebrochen. Färbung. Rückenseite gleichmässig röthliehbraun ungefleckt, Bauchseite hell weisslich, alle Flossen ungefleckt, nur die weichen Strahlen der Pectorale, Ventrale und Anale dunkler gefärbt, Dorsale, Caudale und Fettflosse meist ganz hell. Das kaiserliche Museum besitzt 8 Exemplare in Spiritus, zwi- schen 4—5 Zoll Totallänge, von Natterer in Barra do Rio negro gesammelt; alle, bei denen sich noch das Geschlecht ermitteln lässt, erweisen sich als Weibchen. — Die Schwimmblase läuft wie bei der vorigen Art in zwei Hörnchen aus, ist aber mit Appendices behängt,, welche von fettähnlicher Masse umhüllt sind; siehe l. ce. Fig. 8 (im Texte fälschlich Fig. 6). 13. Art: D. humeralis, m. — Taf. IV, Fig. 6. Corydoras humeralis Heck. Mserpt. Diese Art zeichnet sich schon durch ihr eigenthümliches Profil aus, der Umriss des Kopfes bildet nämlich sowohl in horizontaler, wie verticaler Ansicht einen fast gleichen, ziemlich schmalen Spitz- bogen, indem die grösste Höhe vor der Dorsale der grössten Breite gleich kömmt und das Profil der stumpfspitzigen Schnauze nur bis hinter die Augen bogenförmig ansteigt, dann aber bis zur Dorsale fast geradlinig verläuft. Die Seiten der Schnauze gehen mit abgerundeter Kante in die Kehlfläche über. — Die grösste Höhe (und Breite) beträgt '/, der Totallänge, die Entfernung des Dorsalstachels von der Schnauzenspitze nahezu 1/, derselben. Das Auge ist gross, fast kreisrund, sein Durchmesser beträgt %/, der Kopflänge (bis zur Kie- menspalte gerechnet), der gegenseitige Abstand kaum 1'/,, jener Ichthyologische Beiträge. 141 vom Schnauzenrande 2Diameter. Die überhäuteten Suborbitalknochen bilden nur eine sehr schmale Leiste; Wangen und Schnauze bis hin- ter die Narinen sind nackt, ein freies Subnasalschild fehlt, die vor- dere Narine ist eben so weit von der hinteren, wie diese vom Auge entfernt, jeneliegt aber dem Schnauzenrande ziemlich nahe, dieoberen Augenschilder stehen nicht auf, die Stirnfontanelle verlängert sich nach hinten in eine bis ans Ende des Hinterhauptes reichende Furche; von ihrem Ende setzt sich der Helm mit stumpfem Kiele fort. Bei- derseits dieses Kieles bemerkt man hier noch eine kleinere ovale Fontanelle, die bei keiner früheren Art vorkömmt. — Die halb unter- ständige Mundspalte ist enge, der Zwischenkiefer zahnlos, der schmale Unterkiefer trägt feine, aber sehr wenige Zähnchen. Die halbgefie- derten oder gefransten Eckbarteln reichen bis unter das Auge, die vier gleichlangen und durch Wärzchen zottig aussehenden Barteln der Unterlippe sind an ihrer Basis in ein kurzes Segel verwachsen. Der Humerusfortsatz verbreitert sich derart, dass seine grösste Höhe der halben Länge desselben gleichkommt; fast pflugscharförmig endet er mitstumpfer Spitze unter dem ersten Seitenschilde, dieKörperhaut unter ihm und hinter der Basis der Pectorale zeigt zwar keinen einfachen Porus lateralis, ist aber siebartig von zahlreichen, nur äusserst dünn überhäuteten Löchern durchbohrt (eribrum pectorale). — Die Zahl der Seitenschilder beträgt 32; das erste, obenan den absteigenden Ast desHelmes, unten an den Humerusfortsatz anstossende ist das höchste, aber in seinem Mittelstücke zugleich das schmalste und ohne Haken, alle folgenden sind schief gestellte mässig hohe und schmale Kamm- schilder mit schwachem Hauptdorne und mehreren Nebenreihen am Rande vorstehender Spitzen; ihreHöhe (die kaum 1/, der Körperhöhe hinter der Dorsale beträgt) bleibt sich bis unter die Fettflosse ziem- lich gleich, nimmt aber dann bis zum letzten am Schwanzende rasch ab, dagegen werden daselbt die Hauptdornen absolut länger und stärker. — Die nackte Bucht zwischen Humerus und Helm ist schief herzförmig, in ihr liegen 2—3 rudimentäre Schildehen oder viel- mehr blosse Knochenkerne. Der ziemlich schmale Rücken und die ganze Untenseite sind nackt, da die Brustplatten ganz von Haut über- deckt sind. 91/6, Pe1/SeNa "Ar ac. Der Knochenstrahl der Dorsale und Pectorale ist vor- und rückwärts gezähnelt, beide fast gerade und gleichlang, erstere reicht lange nicht 142 :Kner. bis zur Fettflosse zurück, lezterer aber bis an die Basis der Ventrale und ist beinahe nochmals so lang als der Humerusfortsatz, die Fettflosse steht der mässig entwickelten Anale gegenüber und ist gleich hoch als lang; am wenigsten ausgebildet sind die Ventr., die kaum über die nahe hinter ihnen (im Beginne des letzten Drittels der Körperlänge) liegende Analgrube zurückreichen; die Caudale ist gleichlappig, tief eingeschnitten. "ärbung: Rücken und Seiten röthlich braun, einfärbig, Bauch- seite weisslich, der ganze Fisch sammt Flossen ohne Flecken und Punkte. Die beiden Spiritus-Exemplare des kaiserlichen Museums von 5” Totallänge stammen aus Barra do Rio negro und sind Weibchen; bei einem derselben füllen die grossen Eisäcke den grössten Theil der Bauchhöhle aus. — Die Schwimmblase ähnelt jener von D. (lori- catus) fimbriatus, ist nicht abgetheilt, aber länglieher und rings mit zahlreicheren und längeren Appendices behängt, als bei irgend einer Art; sie münden theils einzeln in die Blase, theils mittelst diekerer Stämme, die sich dann dendritisch verzweigen. 14. Art: D. (Oxydoras) stenopeltis, m. — Taf. IV, Fig. 7. Corydoras stenopeltis, Heck. Mserpt. Mit dieser Art beginnt eigentlich die Reihe jener Doraden, die auch Valenciennes als eigene Gruppe hervorhebt, welche sich durch konisch verlängerte und nicht niedergedrückte Schnauze (nebstbei durch Mangel von Zähnen im Zwischenkiefer) auszeichnet, aber bei ihm nur die beiden Arten D. carinatus und niger umfasst. Die Totalgestalt erscheint gestreckt, da die grösste Höhe am Hinterhaupt nur der Breite vor den Brustflossen gleichkommt und die konisch zugespitzte Schnauze nur bis zwischen die Augen rasch auf- steigt, von da an aber der Helm bis zur Dorsale nur wenig mehr sich erhebt. Die Kopflänge (bis zur Kiemenspalte) beträgt etwas über 1/, der Körperlänge, der Abstand der Schnauzenspitze von der Dorsale aber 1/; der Totallänge ; der Durchmesser der grossen fast kreis- runden Augen ist = '/, der Kopflänge (bis zur Kiemenspalte), ihr Abstand von einander etwas mehr als !/,, von der Schnauzenspitze 11/, Diameter. Die Seiten des Kopfes sind bis zum Deckel und die Schnauze bis zwischen den Augen nackt, die Suborbitalknochen bil- den nur eine sehr schmale rauhe Leiste, ein aufstehendes Subnasal- Ichthyologische Beiträge. 143 schild fehlt ; die hintere grössere Narine liegt nahe dem Auge, die vordere gleich weit von diesem wie von der Schnauzenspitze ent- fernt. Die längliehe Stirnfontanelle wird seitlich von parallelen Lei- ‚sten begrenzt, die gegen das Hinterhaupt convergiren und zwischen sich eine bis zur Dorsale sich hinziehende schmale Furche lassen. Jederseits des durch diese Furche getheilten stumpfen Kieles ist an der abgedachten Seitenfläche des Helmes noch wie bei der vorigen Art eine längliche Seitenfontanelle siehtbar. Der halb unterständige. Mund ist klein; bei zwei Exemplaren sind Zwischen- und Unter- kiefer völlig zahnlos, bei einem dritten aber wenige spitzige Zähnchen nur in ersterem sichtbar. Die an der Aussenseite gefiederten Eckbarteln reichen bis hinter die Brusiflossenbasis, die vier gleiehlangen Unterlippenbarteln sind kurz, durch Papillen zottig und an der Basis verwachsen. Der absteigende Ast des Helmes ist kurz, da das erste Seitenschild weit hinaufreicht, der ebenfalls nicht bedeutend entwickelte Humerus- fortsatz endet unter dem 1. Seitenschild mit stumpfer Spitze und ist ungekielt; in der nackten Bucht über ihm liegen flache, rauhe, ziemlich grosse Schildehen.— Die Zahl der Seitenschilder beträgt 35 — 86, ‚alle stehen mit Ausnahme des ersten schief nach vorn geneigt, sind schmale Kammschilder, mit kleinen aber an Grösse sich gleich blei- benden Haupthaken und mehreren Nebenreihen kleiner Dornspitzen über und unter jenen, durch die der Rand gezähnelt erscheint und durchwegs so hoch, dass sie den grössten Theil der Seiten, des Rumpfes und Schwanzes bedecken. Ausgezeichnet ist diese Art durch 9»—6 breite und flache unpaare Schilder, welche die Mitte des Rückens zwischen der Dorsale und Fettilosse besetzt halten und denen gegenüber ähnliche (aber schmälere und winkelig gebrochene) zwischen der Analgrube und Afterflosse liegen; dagegen fehlen solche Schildehen vor den Stützstrahlen der Caudale. Übrigens ist die ganze Unterseite nackt, und auch an den Brustplatten überhäutet. — Ein einfacher Por. lateralis ist hier sehr deutlich sichtbar. D. 1/6, A. 13 — 1A u. s. w. Der Stachelstrahl der Dorsale und Pectorale sind fast gerade und gleichlang und zwar = 1 Kopflänge bis zu Ende der Kiemen- spalte; beide vor- und rückwärts gesägt, die weichen Strahlen der Dorsale nehmen an Länge derart rasch ab, dass während der erste noch fast mit dem Stachelstrahl gleiehlang ist, die Höhe des letzten 144 Kner. nur 1/, hiervon beträgt. Der Pectoralstachel reicht nur bis zur Basis der Ventrale zurück, letzterer bis zum drittletzten Analschilde, da auch hier die Analgrube zwischen den Bauchflossen (zu Anfang des letzten Drittels der Körperlänge) liegt. Die Strahlen der Anale reichen bis zu den Stützen der Caudale, die ihr gegenüber stehende Fettflosse ist länger als hoch; die im Ganzen kleine Caudale ist tief gabelig eingeschnitten, der untere etwas längere Lappen endet spitz, der obere abgerundet. Färbung: Rückenseite hellbraun, Seiten- und Bauchfläche weisslich ohne Flecken und Punkte, auch alle Flossen einfärbig mit Ausnahme eines schwarzen Saumes an der Dorsale, der vom Ende des ersten Strahles bis zur Spitze des dritten sichtbar ist. — Die beiden Exemplare von 4” Totallänge, erhielt das kais. Museum durch Natterer aus dem Rio negro. Die Form der Schwimmblase ähnelt jener von D. humeralis, nur endet sie zugespitzter und trägt weniger zahlreiche Appendices. 15. D. (Oxydoras) carinatus C. V. Syn. Silurus carinatus Lin. — Doras oxyrrhynhus, Humb. Als diese Art glaube ich ein 8” langes Weingeist-Exemplar des kais. Museums anerkennen zu dürfen, es bietet so viele Überein- stimmungen, dass an der Gleichartigkeit beider wohl nicht zu zweifeln ist, obwohl es in einigen anderen Punkten wesentlich verschieden scheint. Zu diesen gehört vor Allen das Vorhandensein von Zähnen im Zwischen- und Unterkiefer, von denen dieser kleine Packete, jener allerdings nur wenige und sehr kleine, aber durch ihre bräunlichen oder weingelben Spitzen schon mit freiem Auge sicht- bare Zähnchen trägt. Valenciennes gibt dagegen von seinemS. ca- rinatus an, er besitze im Zwischenkiefer gar keine Zähne. Ich glaube jedoch trotz dieser Angabe an der Gleichartigkeit mit unserem Exem- plare nicht zweifeln zu dürfen, da die Zähnchen des Zwischenkiefers bei ihrer Kleinheit entweder übersehen werden oder vielleicht seinem trockenen Exemplare wirklich fehlen konnten und alle übrigen Ver- hältnisse, die Valenciennes angibt, völlig übereinstimmen. Ich beschränke mich daher hier theils darauf, diese hervorzuheben, theils die Beschreibung durch Angabe solcher Eigenthümlichkeiten zu ergänzen, die von jenem Forscher unbeachtet blieben. Die Dimensionsverhältnisse der Kopflänge und Breite zur Länge und Höhe des Körpers sind fast genau dieselben wie sie Valen- Ichthyologische Beiträge. 14 5 ciennes angibt. Die stark zugespitzte Schnauze mahnt ganz an manche Mormyrus-Arten, der unterständige Mund und die zottigen in ein Segel verwachsenen Barteln des Unterkiefers, so wie die queren Gaumensegel in der Mundhöhle erinnern dagegen an Loricarinen. Die Eckbarteln reichen bis zu den Kiemenspalten und tragen nach aussen und oben 10 —12 Seitenäste, von denen die näher der Spitze ge- legenen einfache Fäden darstellen, jene der Basis des Bartels nahe entspringenden aber selbst wieder durch längliche Papillen wie halb gefiedert erscheinen. Das Auge ist auffallend gross und sein oberer Rand von einem dieken, fetthautähnlichen Augenlide bedeckt; sein Durchmesser ist 3 /,mal in der Kopflänge enthalten, der Abstand von der Schnauze beträgt 21/,, vom andern Auge aber nicht einen ganzen Diameter; die Stirn ist daher schmal, die dazwischen liegende Fontanelle reicht bis hinter die Augen. Der Kopf ist grössten- theils nackt, der Helm klein, sein Kiel längs der Mittellinie durch eine Furche getheilt, sein gegen die Seiten absteigender Ast und die Scapula sind schmal, der Humerusfortsatz aber breit und lang (er reicht bis unter den 3.— 4. Strahl der Dorsale), nach hinten convex abgestutzt und längs gefurcht. — Die Zahl der Seitenschilder beträgt 89, sie sind zwar durchgängig schmal und niedrig, aber fast von Schmetterlingsform, indem ihr ausgeschnittener und gezähnelter freier Rand über- und unterhalb des Haupthakens noch einen grössern Nebendorn trägt; die Grösse der Schilder und Haken nimmt gegen den Schwanz allmählich ab. D. 1/6, A. 11, P. 10. Der Knochenstrahl, sowohl der Dorsale als Peetorale, ist vor und rückwärts gesägt, ersterer an sich länger als letzterer, trägt über- dies an der Spitze noch einen Hautlappen; der Peetoral-Stachel reicht kaum bis zu den Ventr. zurück, die Fettflosse ist länger als hoch, die Caudale ziemlich kurz (1/, der Totallänge), tief gablig eingeschnitten und gleichlappig. Die schiefen Linien über und un- ter der Reihe der Haupthaken, welche Valenciennes angibt, sind an der nackten weichen Haut daselbst sehr deutlich; der Rücken zwischen Dorsale und Fettflosse ist in der Mittellinie gefurcht und wie die ganze Unterseite völlig nackt. Die Analgrube liegt weit vor der Anale zwischen den Ventr, und zeigt eine durch- bohrte Genitalpapille. Die Bucht zwischen Helm und Humerus ist gleichfalls völlig nackt; die Haut unterhalb des letzteren zeigt nicht Sitzb. d. mathem.-naturw. Cl. XVII. Bd. T. Hft. 10 146 Kner. nur einen grossen Porus peetoralis, sondern überdies ein langes drei- eckiges Sieb (eribrum) mit zahlreichen grossen Löchern, Die Färbung ist, wie Valeneiennes angibt, ander Rückenseite gleichmässig braungelb, am Bauche silberig, ohne alle Flecken und Punkte. Unser Exemplar stammt aus Surinam und ist ein Weibchen mit unreifen Eiern, die Schwimmblase gross, einfach, ohne Appendices. 16. Art: D. (Oxydoras) niger ©. \V. Ein getrocknetes Exemplar von 15” Totallänge repräsentirt ohne Zweifel den Corydoras edentulus Spix, Tab. V, oder D. Hum- boldtii Ag., somit den echten D. niger V al. Abbildung und Beschrei- bung stimmen derart mit unserm Exemplare überein, dass eine aber- malige vollständige Beschreibung hier unnöthig wäre. Er ähnelt dem D. carinatus sehr, der Helm ist aber grösser, stumpf gekielt und so wie die Deckelstücke rauhkörnig ; die Fontanelle sehr lang und schmal, die rauhen Stirnschilder reichen bis weit vor die Augen; vor den hinteren Narinen steht ein rauhes am Rande gekerbtes Subnasalschild auf, wovon bei carinatus keine Andeutung sich findet; das Auge ist viel kleiner, die Mundbarteln, obwohl stark eingetrocknet, konnten jedoch nie so zottig wie bei der vorigen Art gewesen sein; beide Kiefern erscheinen in diesem Zustande zahnlos. Die Zahl der Seiten- schilder beträgt 34, und nur hierin findet sich eine bedeutende Ab- weichung von D. niger, für welchen Valenciennes die Zahl von 20 angibt; übrigens sind sie von Schmetterlingsform, werden am Schwanze höher, und die Haken daselbst stärker; in der nackten Bucht zwischen Helm und Humerus liegen drei rudimentäre rauhe Schildehen; der Humerusfortsatz ist an seiner Basis hoch, dacht sich allmählich nach hinten spitzendend ab und trägt einen schwachen Längskiel. Rücken und Unterseite sind völlig nackt; Strahlenzahl der Flossen, Bau derselben und alle übrigen Verhältnisse stimmen völlig mit den Angaben über D. niger, namentlich auch die sehr lange aber niedere Hautfalte, die sich am Rücken statt der Fettflosse zeigt. Die Gliederstrahlen der‘ Caudale sind hier fast so stark ver- knöchert wie bei D. murica und lithogaster. Das von Natterer gesammelte Exemplar stammt aus Cujaba, trägt den Provinzialnamen Focinho de porco und ist als Männchen bezeichnet. Ichthyologische Beiträge. 147 17. Art: D. (Oxydoras) lipophthalmus, m. — Taf. V, Fig. 8. Corydoras ophthalmus Heck. Mserpt. Diese Art zeichnet sich eben so sehr durch die sonderbare Bildung des Auges wie durch die schwache Beschilderung aus, steht aber übrigens den vorhergehenden Arten nahe. Die Schnauze ist stark zugespitzt und eompress; das Profil steigt von der Schnauzenspitze bis zur Stirn zwischen den Augen rasch an, erreicht aber daselbst seine grösste Höhe und läuft dann fast geradlinig bis zur Dorsale. Die grösste Breite vor der Pectorale kommt dieser Kopfhöhe fast gleieh, die Entfernung von der Schnauzenspitze bis zur Dorsale beträgt 1/; der Totallänge (bis zu Ende der Stirn- fontanelle 1/,). Hinter der Dorsale fällt der Rücken gleichmässig bis zur Caudale ab und die Totalgestalt ist daher sehr gestreckt. Die grösste Höhe vor der Dorsale beträgt kaum 1/, der Körper- oder 1/, der Totallänge. — Das Auge erscheint durch einen vorderen und hinteren meniscusförmigen Fetthautpolster derart eigenthümlich und vergrössert, dass sein verticaler Durchmesser kaum die Hälfte des horizontalen ausmacht. Letzterer ist 21/,mal in der Kopflänge (bis zur Kiemenspalte gerechnet) enthalten, ersterer über 5'/,mal; das Auge steht von der Schnauzenspitze etwas mehr als zwei, vom anderen und vom Scapularrande aber nur einen kleineren Durchmesser ab. Nach hinten bildet den Fettpolster eine Duplicatur, welehe den hinteren Rand der Augenhöhle überdeckt und gleich diesem halbkreisförmig ist, der vordere Meniscus verlängert sich aber, endet in einen spitzen Augen- winkel und geht ohne eine Duplieatur oder Einfalzung zu bilden, unmittelbar in die nackte Kopfhaut über; die Augenspalte hat daher eine längliche Birnform , deren Spitze nach vorne gerichtet ist. Schnauze, Stirn und Wangen sind völlig nackt, auch die verkümmer- ten Suborbital- und Nasalschilder, blos ein Theil des Deckels ragt frei aus der Haut vor. Die Fontanelle nimmt fast die ganze Stirn- breite zwischen den Augen ein und wird beiderseits nur von einem schmalen Saume rauher Kopfschilder begrenzt; sie endet zugespitzt ziemlich weit hinter den Augen. Die hintere Narine liegt dem Auge sehr nahe, die vordere zwar einen kleinen Augendiameter davon ent- fernt, aber gleichfalls noch näher jenem als dem Schnauzenrande. Der ganze Helm ist sehr schwach entwickelt und grossentheils selbst überhäutet; der Mund halbunterständig, der Zwischenkiefer rudi- mentär, völlig zahnlos, die schmalen rechtwinklig abgestutzten Unter- 10* 148 Kner. kieferäste tragen kleine Gruppen fast mikroskopisch feiner Zähnchen mit braunen Spitzen, die fleischige Oberlippe geht in die nach aussen gefiederten Eckbarteln über, die mitunter bis zur Kiemenspalte rei- chen. Die vier Kinnbarteln sind kurz, gleichlang, durch dicht stehende längliche Papillen zottig und an der Basis in ein Segel verwachsen, welches seitlich mit einer breiten Falte an die Eckbarteln sich fortsetzt. Die Seapula ist blos am Winkel der Kiemenspalte nieht über- häutet, der Humerusfortsatz nur doppelt so lang als hoch, nach hin- ten breit und schief abgestutzt. Die Zahl der Seitenschilder beträgt 87—388, sie sind durchaus schwach entwickelt, niedrig, namentlich die vorderen, bei welchen fast nur die Haupthaken und ein Theil der Ränder mit ihren flachen Nebendornen aus der Haut vorragen, am Schwanze werden sie deutlicher, höher, die Haken stärker und ihre Form mehr schmetterlingähnlich. Eine abgeschlossene Bucht zwischen Helm und Humerus fehlt hier, indem sowohl der absteigende Ast des Helmes wie das erste Seitenschild überhäutet ist und auch der Humerus nicht bis an letzteres reicht. Der grösste Theil der Seiten, so wie der abgerundete Rücken und die ganze Unterseite sind demnach nackt, auch fehlen unpaarige Schildchen vor beiden Caudallappen. D. 1/6, P. 1/9, V. 1/6, A. 12, C. 17. Der Knochenstrahl der D. und P. ist vor- und rückwärts gesägt, beide aber nach vorne ungleich schwächer, der Dorsalstachel ist von allen Flossenstrahlen der längste, seine Länge gleich dem Abstande des hinteren Augenrandes von der Schnauzenspitze, er ist völlig gerade und nahe seiner Spitze noch durch einen zugespitzten Hautlappen verlängert; nach hinten ist die Rückenflosse sehr schief abgestutzt, so dass die letzten Strahlen drei- bis viermal niederer als die ersten sind. | Nächst dem Stachelstrahle der D. ist jener der P. der längste und reicht bis an die Basis der Ventrale zurück. Die Analgrube liegt letztern sehr nahe und weit vor der Anale, welche der Fettflosse gegenüber steht und die kürzesten Strahlen unter allen Flossen besitzt. Die Caudale ist tief, über die Hälfte eingeschnitten, gleichlappig, an beiden Lappen abgerundet; die nahe vor ihr stehende Fettflosse ist klein aber höher als lang. — Alle Exemplare zeigen unter dem Humerusfortsatze eine dreieckig siebartig durchlöcherte Stelle, dienur Ichthyologische Beiträge. 149 mit durchsichtig dünner Haut überdeckt ist und überdies einen wahren Porus pectoralıs. { Färbung. Gleichmässig braunröthlich, nur Kehle, Brut und Bauch bis zur Analgrube weisslich, der ganze Körper und alle san ungefleckt und ohne Ränder. Das kais. Museum besitzt vier in Spiritus aufbewahrte Exemplare bis zu 71, Totallänge, alle aus dem Rio negro und sämmtlich als Männchen durch ihre halb gefiederten Testes erkennbar, deren Aus- führungsgang vor der Harnblase verläuft (Fig. 10 «& in natürlicher Grösse). — Die Schwimmblase (l. e. Fig. 3) ist länglich, herzförmig, einfach, mit zahlreichen Appendices behängt, besonders zu beiden Seiten des Vorderendes, wo die knorpeligen Knöpfehen der da- selbst knieförmig eingebogenen Arme des Druckfederapparates sich anlegen. 18. Art: D. (Oxydoras) d’Orbigny Kröyer!) — Taf. V, Fig. 9 Diese Art steht vor allen anderen dieser Gruppe durch die Klein- heit der Augen ausgezeichnet da, ist aber sehr schwer in eine natür- licheReihenfolge mit ihnen zu bringen, da sie übrigens Merkmale ver- schiedener Arten in sich vereinigt. —DasProfil steigt bis zur Dorsale gleichmässig an, so dass daselbst die grösste Körperhöhe sich befin- det. Die Kopflänge bis zur Dorsale beträgt nicht ein volles Drittel der Totallänge. Schnauze, Wangen- und Deckelstücke sind überhäutet, der Helm erscheint nicht körnig rauh, sondern durch erhabene Linien uneben. Die grosse und längliche Stirnfontanelle wird bis zu ihrem vorderen Ende von schmalen Stirnschildern eingesäumt und setzt sich wie bei D. stenopeltis als sehr schmale Furche bis zur Dorsale fort. Die sehr kleinen Augen sind glatt überhäutet (ohne Einfalzung), die Augenspalte länglich, der Abstand der Augen von einander beträgt fast 3 Diameter, vom Schnauzenrande 4 und eben so viel von der Kiemenspalte; die Suborbitalknochen sind verkümmert der Ramus supra- und infraorbitatis des Kopfeanals aber sehr deutlich; die beiden Narinen weit von einander entfernt, ein vorstehendes Subna- salschild fehlt. Die Mundspalte ist ziemlich breit, halb unterständig, Lappen- und Kinnbarteln sind durch Papillen zottig, letztere aber bis 1) Heckel eitirt in seinem Manuseript diesen Autor, glaubt aber selbst, es beruhe dieses Citat nur auf einer mündlichen Mittheilung Kroyer’s, eine Abbildung oder Beschreibung dieser Art ist mindestens nicht aufzufinden. 150 Knen. zur Basis frei, nieht in ein Segel verwachsen, gleichlang, die äusserst fein gefransten Eekbarteln reichen nicht bis zur Kiemenspalte, sehr feine Zähne stehen im Zwischen- und Unterkiefer. — Der mässig grosse Humerusfortsatz bildet ein ungleichseitiges Dreieck, dessen längere Kathete sich mit der Basis unter einen spitzigen Win- kel schneidet. Die Zahl der Seitenschilder beträgt 29; sie sind von Schmetterlingsform, mit einfacher Hakenreihe und wenig gezähnelten Hinterrändern versehen und durchaus ziemlich niedrig aber fast gleich hoch, erst am Ende des Schwanzes werden sie niederer, während jedoch die Haken auch hier noch gleich stark bleiben. D. 1/6, A. 12. Der Dorsalstachel ist kurz , stark , säbelförmig gekrümmt, vor- und rückwärts grob gezähnt; jener der P. übertrifft den vorigen an Länge, reicht aber auch nur bis unter das vierte oder fünfte Seitenschild und folglich bei weitem nicht bis an die V. zurück, er ist schwächer gebogen, aber gröber gezähnt als der Dorsalstachel. Die Basis der V. ist fast fettflossenähnlich, ihre ersten Strahlen namentlich sind völlig über- hüllt. Die Caudale ist gleichlappig, tiefgablig eingeschnitten, ihre End- strahlen mit dem Pectoral-Stachel fast gleichlang. Der hinter der Dor- Sale rundliche Rücken erhebt sich vor der Fettflosse keilartig und geht unmerklich in diese über, deren Basis dadurch sehr lang erscheint; hinter ihr fällt der Rücken gegen dieCaudale stark ab und ist daselbst mit einer Reihe flacher, unpaarer Schilder besetzt, die immer kleiner werdend, in die Stützen des oberen Caudallappens übergehen; das gleiche findet an der Unterseite zwischen Anale und Caudale Statt. -— Die Aftergrube liegt der Anale etwas näher als den V., die nur mit ihren längsten Strahlen bis zu ihr reichen. Rücken und Bauch- seite sind übrigens nackt; ein einfacher kleiner Porus lateralis ist vorhanden. Färbung. Rücken hellbräunlich, Seiten’und Bauch weisslich, Dorsale und Caudale sind deutlich dunkel gefleckt. Das einzige Spiritus-Exemplar deskais. Museums stammt aus dem Rio de la Plata und ist ein Männchen; die Schwimmblase abgetheilt und ohne Appendices. Merkwürdig ist die enorme Ausdehnung des - Magens und die massenhafte Fettablagerung in der Bauchhöhle, wel- che dieses Exemplar als wahren Dickbauch erscheinen lässt und die, da mir Ähnliches noch bei keinem Fische vorkam, wohl nur als krank- hafter Zustand sich deuten lässt. Das Erfülltsein des Darmeanals mit Ichthyologische Beiträge. 151 Schlamm und Sand, das sich hier wie bei anderen Spiritus-Exemplaren vorfindet, zeigt, dass sich diese Fische ihre Nahrung vorzüglich aus schlammigem Grunde holen; ihr mehrfach gewundener Darm und die schwache, zum Theile mangelhafte Bezahnung sprechen in gleicher Weise dafür, dass sie sich nicht vom Raube grösserer Thiere nähren. II. Über die Siluroiden-Gattungen Plotosus, Saccobranchus, Trichomy- cterus 0. V. und Pareiodon nov. gen. Das Interesse, welches das Studium der grossen Siluroiden- Familie gewährt, wird insbesondere dadurch erhöht, dass vielleicht bei keiner andern Familie dieser formenspottenden Ülasse eine grössere Mannigfaltigkeit überrascht, und gleichwohl jede Gattung durch ganz besondere Eigenthümlichkeiten als eine wahrhaft natürliche systema- tische Einheit, von den übrigen streng geschieden und doch wieder durch vielfache Fäden mit ihnen verbunden erscheint. Nur sind freilich die Fäden oft schwer herauszufinden, die zum nächsten Ver- bindungsgliede führen. So ist dies namentlich auch mit den drei oben zuerst genannten Gattungen der Fall, über deren Familien-Verwandt- schaft zwar kein Zweifel bestehen kann, deren Anreihung aber an ihre wahrhaft nächst verwandten Glieder allerdings schwierig ist. Was zunächst die ostindische Gattung Plotosus betrifft, so über- gehe ich die ausführliche Beschreibung derselben, da die in der Histoire des poissons enthaltene ohnehin zu den gelungensten dieses grossartigen Werkes gehört, und will mich hier nur auf die Bespre- chung solcher Verhältnisse beschränken, welche auf die systematische Stellung derselben Bezug haben, und nächstdem auf die Erörterung einiger Eigenthümlichkeiten des Baues, die zwar theils schon bekannt, allein in ihrer Deutung noch räthselhaft sind, theils aber auch solcher, die ich noch nirgends erwähnt finde. Die Gattung Plotosus steht scharf abgegrenzt von den übrigen Stiluroiden da: durch die grosse Ausdehnung ihrer unpaarigen peripherischen Flossen, die eigenthümliche Bezahnung des Vomer und das räthselhafte dendritische Organ hinter der Genitalpapille. Die völlig nackte Haut, der Mangel eines Helmes, der lange, stark compresse Schwanz, die dem Unterkiefer parallele tiefe Kehlfalte, die verkümmerten Oberkiefer, die schwachen Stacheln der Rücken- und Brustflosse bringen sie den echt typischen Welsen 152 K ın\eir. nahe; die acht Bartfäden um den Mund, die weite Kiemenspalte u. s. w. theilt sie mit vielen anderen Siluroiden. Hier sollen zunächst nur die angeführten charakteristischen Merkmale und einige andere Verhält- nisse näher betrachtet werden, und zwar beziehen sich die folgenden Angaben insbesondere auf die, wie es scheint, am häufigsten vorkom- mende Art: Plotosus lineatus. Die bald hinter der ersten wenig strahligen Dorsale im zweiten Drittel der Totallänge beginnende zweite Rückenflosse bildet mit der abgerundeten Caudale und der Anale eine continuirliche, den grössten Theil des Leibes umspannende Flosse, die an der Bauchseite unmit- telbar hinter dem dendritischen Organe endet, ohne aber damit in Zusammenhang zu stehen. Unter den übrigen Flossen sind die weichen Strahlen der Dorsale und Pectorale gleichlang, ihre Stacheln aber um vieles kürzer; jener der Dorsale ist vorne und hinten mit nach abwärts gerichteten Zähnen besetzt, jener der Peetorale mit nach vorwärts sehenden, beide Stacheln sind aber überhäutet und an der Oberfläche durch schiefe Linien gefurcht. Die halb unterständige Stellung des Mundes wird durch das Überragen der fleischigen Ober- lippe bedingt, welche so wie die untere zahlreiche Radialfalten und Papillen um den Mund bildet. Die von diesen überdeckten Zähne des Zwischen- und Unterkiefers sind konisch, stehen in 2—3 nicht gedrängten Reihen und sind ungleich gross, die der vorderen Reihe am grössten. Sowohl im Zwischen- als Unterkiefer erhebt sich hinter der letzten Zahnreihe eine ihr parallele Schleimhautfalte, deren Rand mit rundlichen Wärzchen besetzt ist und das Ansehen gewährt, als stände hier noch eine Zahnreihe. Der breite Vomer trägt ebenfalls eine dreifache Reihe ähnlicher Zähne, die nur stumpfer, zum Theil selbst abgerundet (Pflasterzähnen ähnlich) erscheinen und unter denen ein unpaariger, mittlerer in der hintersten Reihe sich durch Grösse vor den übrigen auszeichnet. Rings um die Zahnbinde des Vomer stehen ebenfalls Reihen von Schleimhaut- papillen, die bei flüchtiger Betrachtung auch für Zahnreihen ange- sehen werden können und von denen namentlich die hinter dem Vomer befindlichen die Form länglicher Pflasterzähne annehmen. Alle diese Wärzchenreihen dürften wohl mit einer Geschmacksfune- tion betraut sein. Die das Zungenbein überkleidende Haut ist dagegen völlig glatt und eine frei vorragende Zunge fehlt. Die Narinen sind äusserst klein, die hintere an der Basis der oberen oder Nasenbarteln, Ichthyologische Beiträge. 153 die vordere amRande der Schnauze befindlich. Die acht Bartfäden sind nahezu gleichlang, ihre Länge übrigens variabel. Die Kiemenspalte reicht an der Kehlseite bis zum Isthmus, nach oben und hinten weit über die Brustflossenbasis bis zur Höhe des Auges. Letzteres ist im Vergleich zu vielen anderen Siluroiden gross; der gegenseitige Abstand der Augen beträgt 21/,, jener vom Schnauzenrande etwas über 2, von der Kiemenspalte 3 Diameter. In Betreff des mehrfach erwähnten dendritischen Organs hinter der Genitalpapille habe ich der in der Histoire des poissons enthal- tenen Beschreibung desselben nur wenig beizufügen. Es kommt bei- den Geschlechtern zu und tritt mittelst eines sehnigen Stieles aus einer eigenen., frei in die Bauchhöhle führenden Öffnung hinter der Urogenitalpapille hervor. Alsbald theilt sich der sehnige Stiel in zwei Hauptstämme, die sich weiter verzweigend zu einer Quaste von Hautläppchen ausbreiten. Dieses Organ erhält hiedurch eine formelle . Ähnlichkeit mit den äusseren Kiemenbüscheln der perennibranchiaten Amphibien, mahnt aber in jeder Hinsicht zunächst an ähnliche Quas- ten, die bei Blennien vorkommen, daselbst aber zum Theile als Geschlechtsunterschied auftreten 1) und dann nur den Männchen eigen sind, auch nicht auf einem eigenen aus der durchbohrten Bauch- wand vortretenden Stiele aufsitzen, sondern vielmehr mit den ersten Stacheln der Anale in Verbindung stehen. Innerhalb der Bauch- wandungen verläuft, wie auch Valenciennes beschreibt, der seh- nige Stiel eine kurze Strecke ungetheilt und schief nach vorwärts und spaltet sich dann in zwei Wurzeln, die sich an die Enden des letzten, keine Rippen mehr tragenden Bauchwirbels anheften. Dieser Wirbel ist dadurch ausgezeichnet, dass die Enden seiner nach abwärts gerichteten Fortsätze durch ein queres Knochenplättchen, wie durch eine Brücke verbunden sind, so dass zwischen dieser und dem Wirbel- körper ein kurzer Canal, gebildet wird, in welchem die grossen Gefässe verlaufen. An allen vorhergehenden Bauchwirbeln fehlt diese Querverbindung der unteren Bogenschenkel und somit auch der hiedureh gebildete Canal zum Durehgange der Gefässe; die Quer- 1) Prof. Hyrtl gibt in seinen Beiträgen zur Morphologie der Urogenitalorgane der Fische (Denkschr. d. kais. Akad. d. W. 1850, 1. Bd.) an, dass bei Blennius gattoru- gine beide Geschlechter dieses Fransenorgan besitzen , dagegen finde ich es bei der Süsswasser-Species Bl. eagnota nur als Attribut der Männchen. 154 Kner brücke jenes Wirbels scheint demnach einzig den Zweck zu haben, dem Stiele des dendritischen Organs als Stützpunkt zu dienen. Über die physiologische Bedeutung dieses Organs enthalte ich mich jeder Meinungsäusserung und glaube, dass nur Beobachtungen an lebenden Thieren hierüber Aufschluss geben können. Zu den bereits von Valenciennes angeführten Daten über die Splanchnologie dieser Gattung ist ebenfalls nur weniges beizu- fügen. Von besonderem Interesse erscheint namentlich der schon jenem grossen Forscher bekannte Umstand, dass die zwar geräumige Bauchhöhle doch nicht allein die Eingeweide aufnimmt, sondern vorne beiderseits Seitenbuchten bildet, welche von grossen Lappen der Leber ausgefüllt werden. An das hintere Ende dieser Lappen und von ihnen durch Peritoneum als Scheidewand getrennt, stossen andere drüsige Gebilde (Renes succentur), die aber bereits ausserhalb der Bauchhöhle liegen. Bei der folgenden Gattung Saccobranchus wie- derholt sich diese Eigenthümlichkeit, wie Prof. Hyrtl zuerst an ihr beobachtete (s. Sitzungsberichte der kais. Akad. der Wiss. 1853, XI. Bd., 2. Hft.), in ähnlicher Weise, und dieser Umstand scheint mir in der That sehr für die nahe Verwandtschaft beider Gattungen zu sprechen !). Die Hoden der Männchen stellen schmale bandartige Streifen vor, die am inneren Rande feinlappig eingeschnitten sind und vor der Genitalpapille sich in einen gemeinsamen Ductus vereinigen; sie ähneln jenen der Gattung Doras und liegen zu beiden Seiten der langen Harnblase, deren Urethra sich auch bis zur Urogenitalpapille verfolgen lässt. Die Ovarien der Weibchen, deren Valenciennes keine untersucht zu haben. scheint, stellen schmale geschlossene Säcke vor, die weiter nach vorne als die Harnblase reichen und sich ebenfalls in einen gemeinsamen Ausführungsgang vereinigen, der in die Geschlechtspapille eintritt. Die Mündungen an letzterer konnte ich bei dieser Art ebenso wenig wie Valenciennes mit Sicherheit erkennen, und namentlich nicht, ob ein einfaches oder doppeltes 1) Als etwas Auffallendes glaube ich erwähnen zu dürfen, dass unter den Exem- plaren des kais. Museums mehrere und zwar meist Weibchen, von verschiedenen Fundorten stammend, sich mit einem Prolapsus intestini recti vorfinden, der bei einem Individuum sogar in eine mehr als zoll-lange Darmumstülpung überging. Mög- lich, dass dieser Zustand erst im Momente des Todes sich einstellt, dass er aber hier nicht selten und leichter als bei anderen Fischen eintreten mag, scheint in der Weite des Anus und der geringen Fixirung des Darms mittelst einer nur sehr zarten Mesenterialfalte begründet zu sein. ) Ichthyologische Beiträge. 1 55 Ostium (für Harn- und Sexualstoffe) vorhanden sei. Bei einer andern Art (Pl. canius) sah ich aber ganz deutlich, dass die Spitze durch- bohrt ist, und durch Compression der Bauchwände liess sich Fluidum in die Basis der Papille eintreiben, welches sodann unter Ereetion der letzteren an der Spitze hervortrat. Männchen und Weibchen zeigen übrigens keinerlei äussere Geschlechtsunterschiede. Der bei allen Exemplaren sichtbare Porus lateralis stellt zwar nur ein sehr kleines rundes Loch über der Pectoralbasis dar, doch gelingt es, Luft in denselben einzublasen und wieder durch ihn zu entleeren. Das Skelet, welches ich leider nur von einem kleinen Exemplare untersuchen konnte, zeigt gleichfalls einige erwähnenswerthe Eigen- heiten. Die Schädelknochen bilden eine zusammenhängende Kapsel, eine wahre Fontanelle fehlt, indem zwischen den vorderen Stirnbeinen zwar eine grosse längliche Vertiefung vorhanden ist, die aber einen dünnen, knöchernen Boden besitzt; Suborbitalknochen fehlen. Die Oberkiefer sind zu Bartelknochen umgebildet; vor ihrem Gelenkende erhebt sich ein dreieckiges Nasenbeinchen; die Unterkieferäste hän- sen in der Mitte nur durch Bänder zusammen, Deckelstücke sind blos zwei entwickelt, Kiemenbögen vier ; der erste derselben ist mit längeren dornförmigen Hechelzähnen besetzt, die folgenden mit kurzen geraden in einander greifenden Zähnchen. Die unteren Schlundknochen tragen nebst einer Reihe von längeren spitzen noch eine zweite von fast mikroskopisch kleinen Zähnen, an den oberen Schlundknochen stehen etwas stärkere Hechelzähne in 11/, Reihen. — Die Zahl der Kiemen- strahlen beträgt jederseits 12, die der Brust- und Bauchwirbel mit Einschluss des „grossen“ Wirbels ebenfalls 12, doch scheint letzterer, wie sich aus seinen drei quer abstehenden Fortsätzen (Apophysen) schliessen lässt, wohlaus der Verwachsung von drei Wirbeln hervorzu- gehen. Der zweite und dritte auf diesen folgende Wirbel bildet bei- derseits der Dorsalstützen einen aufstehenden Dornfortsatz (Mahnung an Loricarien), die Dornfortsätze der hierauf folgenden sechs Wirbel sind bereits einfach; vom siebenten angefangen beginnt die zweite Dorsale. Rippentragende Wirbel zähle ich sieben, Schwanzwirbel 45, alle mit langen, dünnen, oberen und unteren Dornfortsätzen versehen, der letzte nicht fächerförmig verbreitert. Unter der vorderen; Apophyse des grossen Wirbels fand ich linkerseits zwei kleine Knöchelchen hinter einander gelagert, die an das Hinterhaupt angrenzen und wohl als Gehörknöchelchen zu deuten sein dürften, rechterseits gingen sie 156 Kner. beim Skeletiren dieses kleinen Exemplars verloren. Der Brustflossen- gürtel ist kräftig, die durch Nath verbundenen breiten Brustplatten (clavieulae) liegen aber tief von Haut und Muskeln überdeckt. Die Bauchflossen sind ausser Zusammenhang mit dem übrigen Skelete und nur an dünne flache Beckenknochen eingelenkt, deren jeder vorne in zwei Spitzen ausläuft. Von einer zweiten Art, von der das kaiserliche Museum zwei Männ- chen aus Borneo in Spiritus aufbewahrt, und ein trockenes nahe an 2' langes Exemplar besitzt und die ich für P. caniusBucha n.halte t), will ich hier nur solche Differenzen anführen, die ich in der Hist. des poissons nicht angegeben finde. Kiefern- und Vorderzähne sind stumpfer, namentlich letztere fast kugelige Pflasterzähne, die eine aus drei Reihen bestehende halbmondförmige Gruppe bilden, und unter denen die der letzten Reihe die grössten von allen Zähnen sind. Die längliche hintere Narine liegt weiter als bei lineatus vom Nasenbartel entfernt, die vordere steht als kurzes Röhrehen am Schnauzenrande auf. Das dendritische Organ ist bedeu- tend kleiner, die Genitalpapille dagegen grösser, und ihre Spitze hier ganz deutlich durchbohrt. Die Hoden sind nicht lappig eingeschnitten, sondern von schmaler ganzrandiger Bandform. Der Darm macht vier rechts gelegene Biegungen , bevor er in den weiten geraden After- darm übergeht; die Leberlappen der Bauchhöhle sind kürzer, die Seitenbuchten der letzteren beginnen weiter nach vorn als bei löneatus. Der Porus lateralis ist auffallend gross, man sieht durch ihn in den Hohlraum hinein und gewahrt in dessen Wandung am Grunde ein drüsiges Gebilde eingesenkt (dasselbe fand ich nachträglich auch bei Plot. lineatus und Bunocephalus). Bemerkenswerth ist endlich noch die starke Entwickelung des Seitencanals oberhalb der Brustflossen, von welchem dünne gebogene Seitenröhrchen sich nach abwärts fortsetzen, und die noch stärkere Ausbildung der Kopfeanäle, welche über die Deckelstücke und bis über den hinteren Augenrand lange, zum Theile sich verästelnde Seitenzweige senden; am Oberkopf sind diese Canäle undeutlich und nur die Porenreihen sichtbar. 1) Ein drittes ganz gleichmässig auch an der Bauchseite und den V. schwärzlich gefärbtes Exemplar in Weingeist lässt unsicher, ob es etwa nur Farbenvarietät sei, oder vielleicht Plot. unieolor K. & v. H. vorstelle. Ichthyologische Beiträge. 1 57 Was die systematische Stellung der gleichfalls indischen Gattung Saccobranchus oder Heteropneustes anbelangt, so reiht sie Valen- ciennes zwischen Heterobranchus und Plotosus ein, und es scheint dieser in der That ihr geeignetester Platz zu sein, da namentlich, wie schon erwähnt wurde, die Eigenthümlichkeit der Seitenbuchten der Bauchhöhle sie der Gattung Plotosus zunächst bringt. Um jedoch zu zeigen, wie sie sich gleichwohl auch von letzterer wieder wesent- lich unterscheidet, erlaube ich mir statteiner weitläufigen Beschreibung nur folgende Punkte hervorzuheben. — Der stark depresse kleine Kopf ist mit flachen, rauhkörnigen Schildern bedeckt, die nur eine grosse vordere Stirnfontanelle frei lassen und am Hinterhaupte in drei Spitzen (die interparietale und jederseits eine seitliche) auslaufen. Zwischen diesen drei Spitzen bildet der Rand des Helmes beiderseits eine halb- mondförmige Einbuchtung, in welche man durch einen Einschnitt in den darunter liegenden Luftsack gelangt, der bis zur Dorsale zurück- reicht. Die gleichlangen Kiefer sind mit Sammtzähnen besetzt, die Oberkiefer rudimentär, die Augen ziemlich gross, fast senkrecht stehend. Die Narinen verhalten sich wie bei Plotosus: Ausser den Nasenbarteln kommen noch zwei unter einander stehende an jedem Mundwinkel und eins jederseits am Unterkiefer vor, alle acht fast von gleicher, übrigens variabler Länge; die Kiemenspalte reicht bis zum Isthmus. Die Brustflossen besitzen einen mässig starken Stachel, der wie bei Plotosus gefurcht ist, dessen Zähnchen jedoch am äusseren Rande kaum sichtbar vorstehen; der nur sechsstrahligen Dorsale fehlt ein Stachel. Eine mächtige Entwickelung zeigt dagegen die Afterflosse, bezüglich derer diese Gattung an Aspredo mahnt, indem sie unter dem Ende der D. beginnt, fast ®/, der Totallänge einnimmt und bis zur Caudale reicht, ohne aber in sie unmittelbar überzugehen. Die von Haut nicht überdeckten Brustplatten sind breit, in der Mittellinie durch Nath verbunden, der ganze übrige Leib nackthäutig. Von einem Porus lateralis ist keine Spur; die Seitenlinie wenig markirt, mit Ausnahme ihrer vordersten Partie, woselbst der Seitencanal an Weite zunimmt und mit einfachen Poren oder sehr kurzen nach rückwärts geneigten Nebenröhrchen mündet, die aber nur gegen die Bauchseite zu abgehen. Unter den seitlichen Spitzen des Helmes geht er in den Kopfeanal über und zeigt daselbst die grösste Weite; am Kopfe lässt sich der Verlauf der Canäle mit Ausnahme einzelner Poren an den nackten Deckelstücken und Wangen 158 Kner. nicht weiter verfolgen. —- Die Sexualöffnung bildet bei Weibchen eine längliche Spalte, bei Männchen liegt sie an der Spitze der ziemlich langen konischen Papille. Die Seitenbuchten der Bauchhöhle liegen weiter vorne und sind viel kleiner als bei Plotosus; fernere Unterschiede von diesem bieten der vielfach gewundene dünne Darm und die grosse Harnblase. Dagegen besitzt Saccobranchus ebenfalls am Rande lappig eingeschnittene paarige Hoden, welche fast die ganze Länge der Bauchhöhle einnehmen und den hinter (über) ihnen befindlichen gleichfalls langen Nieren anliegen. Ungleich sehwieriger noch als die beiden vorhergehenden ist die südamerikanische Gattung Trichomyceterus im Systeme einzu- reihen. Diese Schwierigkeit anerkennt auch Valenciennes, indem er sie gleichsam nur als Anhang zu den Siluroiden stellt und früher sogar geneigt war, sie mit Cobitis in eine Gruppe zu vereinigen. Allerdings ist eine oberflächliche Ähnlichkeit zwischen beiden bezüg- lich der Totalform und namentlich der Barteln und Flossenbildung nicht zu bestreiten; auch wird jeder Ichthyolog fühlen, dass die Gattung Cobitis und ihre nächsten Verwandten eine exceptionelle Stellung in der Familie der Cyprinoiden einnehmen; dennoch ist die Verwandtschaft zwischen Trichomyeterus und Cobitis zu gering, um sie etwa in eine Gruppe zusammenstellen zu dürfen, daher auch Valeneiennes mit Recht von seiner früheren Ansicht abkam. Trichomycterus erweist sich als echter Siluroid: durch depressen Kopf, indem die grösste Höhe des Fisches über den Bauchflossen seiner grössten Breite vor den Brustflossen gleichkommt; durch end- ständigen Mund mit nur wenig überragendem Oberkiefer, durch schmale Binden von Sammtzähnen im Zwischen- und Unterkiefer, verkümmerte Oberkiefer, die an die Mundwinkel zurückgedrängt jeder- seits zur Anheftung der Eckbarteln dienen (sie sind somit auch hier Bartelstützen und nicht blos Fortsätze der Lippen wie bei Cobitis). Von den Eekbarteln zieht sich gegen den Unterkiefer eine breite Hautfalte herab, die sich zum Theile (bei unserem Männchen) in ein kurzes Bartel verlängert. Die Unterkiefer selbst sind bartellos, dagegen erheben sich am Aussenrande der vorderen Narine jenen des Mundes ähnliche Barteln von variabler Länge und sogar unsym- metrisch (bei unserem Männchen ist mindestens das rechte viel Ichthyologische Beiträge. 159 länger und stärker als das linke und gibt hierin den Eckbarteln nichts nach). Die den meisten Siluroiden zukommende Kehlfalte ist hier relativ schwach und seicht, die Kiemenspalte weit, nach vorne bis zum Isthmus geöffnet, nach hinten und oben bis zur Höhe des oberen Augenrandes. Nicht minder bezeichnen ihn als Siluroiden die kleinen überhäuteten Augen, die Nacktheit der Haut und der Mangel eines Suboperculum. Die spitzen Dornen und Zähnchen, mit denen die Oberfläche der übrigen Deckelstücke besetzt ist, und die aus der dicken Kopfhaut wie ein wieder nachwachsender Bart vor- ragen, erinnern dagegen insbesondere an viele Loricaten, mit denen diese Gattung auch den Mangel einer Schwimmblase theilt. Dass ihr Zähne am Vomer, den Gaumenbeinen und der Zunge fehlen, dess- gleichen ein Porus lateralis hat sie mit mehreren Siluroiden gemein. Dagegen unterscheidet sie sich durch den Mangel einer Fettflosse von sehr vielen, durch den eines Stachelstrahles in der Rücken- und Brustflosse von den meisten und durch das Fehlen einer Seiten- linie von allen mir bisher genauer bekannten Siluroiden; eben so sind die zahlreichen obern und untern Stützstrahlen der Schwanzflosse, die man als mit ihr verschmolzene zweite D. und A. deuten könnte, und die von sieh durchkreuzenden Run- zeln durehzogene Haut dieser Gattung eigenthümlich !). Männchen und Weibchen unterscheiden sich schon äusserlich leicht von einander, indem erstere eine Penis ähnliche , durchbohrte Genitalpapille besitzen, letztere eine von wulstigen Rändern umgebene Grube (vulva), in deren Centro die vertiefte Sexualmündung liegt 2). Eierstöcke und Hoden scheinen unpaarig, bestehen aber beide aus unsymmetrisch entwickelten und mitsammen versehmolzenen Hälften. Die Eierstöcke sind geschlossene Säcke, von denen der linke, viel längere und grössere, die ganze Länge derBauchhöhle einnimmt, und bis an den Leberlappen anstösst, wäh- rend der rechte ungleich kürzer, und wohl auch desshalb weniger 1) Dass die Runzeln durch ein maschiges Gewebe bewirkt werden, welches unter dem Mikroskope aus mit öliger Flüssigkeit gefüllten Zellen besteht, wie Valenciennes angibt, konnte ich an unseren Exemplaren nicht untersuchen. 2) Ob auch noch andere äussere Sexualunterschiede constant sind, wie z.B. die stärkere Bedornung der Deckelstücke und die längeren Nasenbarteln , durch welche unser Männchen sich auszeichnet, ist bei dem Umstande, dass von jedem Sexus nur ein Exemplar vorliegt, wohl nicht mit Sicherheit zu behaupten, 160 K.n:er. entwickelt ist, da an dieser Seite der Darmeanal verläuft und zwar zwei Windungen bildet, bevor er in den geraden Afterdarm übergeht. Beide Övarien unseres Weibchens strotzten von Tausenden kleiner Eier, die aber nach der turgescirenden Vulva und der starken Ausdehnung des Leibes zu schliessen, zum Absetzen reif waren. — Auch von den beiden verschmolzenen Hoden nimmt der linke längere Lappen die Länge der Bauchhöhle bis zur kurzen Leber ein, der rechte kürzere reicht nur bis zur ersten Curvatur des Darms zurück und überdeckt diese Partie desselben. Die beigegebene Fig. 1 zeigt die Form der Testes in Fig. 1. natürlicher Grösse und bei Eröffnung der Bauchhöhle in normaler Lage. Eine ähnliche Asymmetrie der &----- Sexualorgane findet auch bei der Gattung Mormyrus Statt; Prof. Hyrtl gibt in seinen Beiträgen zur Mor- phologie der Urogenitalorgane der Fische (I. e.) die a Beschreibung und Abbildung der Ovarien von Morm. oxyrhynchus, von denen gleichfalls das linke stark ausgebildet ist, das rechte aber völlig rudimentär bleibt und nur wie eine Knospe des andern sich ausnimmt. Völlig verschieden verhält sich dagegen in dieser Hinsicht die Gättung Cobitis, bei welcher eine der- Testes Trichomy- artige Asymmetrie der Sexualorgane nicht vorkömmt, eteri punctulati : h R 5 a) linker, b)rechter Und wodurch die trennende Kluft zwischen ihr und nn Trichomycterus nur noch grösser erscheint. gemeinsamer Aus führungsgang. Die Arten, welche das kais. Museum von dieser Gattung besitzt, sind: Tr. punctulatus C. V. Fem. und graciks; ein drittes als Pygidium dispar. Tsehudi oder Trich. areolatus? Val. bezeichnetes Exemplar halte ich nur für das Männchen von Tr. punctulatus. ur Dagegen unterscheiden sich zwei in Spiritus aufbewahrte Exem- plare, die von J. Natterer schon im Jahre 1830 gesammelt und ein- gesendet wurden, trotz ihrer Übereinstimmung mit Trichomyeterus in Totalform, Flossenbildung, Bezahnung des Deckels und Zwischen- deckels u. dgl., so bedeutend im äusseren und inneren Bau, dass ihre Trennung und Aufstellung als eigene Gattung wohl gerechtfertigt erscheinen dürfte. Indem ich als Gattungsnamen Pareiodon (Wangen- zahn) und als Artbenennung microps vorschlage, glaube ich dadurch die verwandtschaftlichen Verhältnisse ziemlich gut zu bezeichnen. Ersterer soll die nahe Verwandtschaft mit Trichomycterus aus- Ichthyologische Beiträge. 161 drücken, letztere dagegen andeuten, dass diese Gattung ein Über- gangsglied zu Cetopsis darstelle. Die Totalgestalt (Fig. 2) ist lang gestreckt, und mahnt allerdings an Cobitis-Arten ; der Rumpf ist fast walzenförmig, und nur wenig höher als breit. Die Kopflänge, bis zum Rande des Deckels gerech- net, beträgt 1/; der Totallänge, die grösste Körper- höhe 1/, derselben; die Rückenflosse steht 41/,, die Analgrube 5 Kopflängen von der Schnauze entfernt. Den endständigen Mund umgeben jederseits nur zwei kurze Eckbarteln, die nahezu gleichlang, nicht bis zum Zwischendeckel zurückreichen; die dicken, wulstigen Lippen sind dicht mit kurzen Papillen bedeckt. Die breiten Zwischen- und Unter- kiefer tragen eine einfache Reihe flacher Schneidezähne mit convexem Rande, die nur mit letzterem aus den Zahnileischfalten hervor- ragen ; Gaumen und Zunge sind zahnlos. Die kleinen, N von der Kopfhaut überdeckten Augen liegen drei IN ihrige Durchmesser von einander, zwei vom Sehnau- zenrande und fast sechs vom Opereularrande ent- fernt. Die hinteren Narinen stehen ein Diameter entfernt genau zwischen ihnen, die vorderen im glei- chen Abstande von diesen und dem Schnauzenrande. Der Zwischendeckel ist mit 5 — 6 geraden anliegen- den relativ starkenDornen besetzt, welche wie jene des weiter zurück und höher liegenden halb- kreisrunden Opereulum allein aus der dieken Kopf- haut vorragen. Die Kiemenspalte ist eng. beginnt erst unterhalb des Deckels und reicht auch nur wenig tiefer hinab, als der vor ihr befindliche Zwischen- deckel, sie ist somit an der Kehle selbst völlig geschlossen und über diese läuft quer nur eine as schwache Hautfalte. eiese D. 9, A.%, P.6 (1/5), V.5, €. 17 (ohne Stützstrahlen). Die Stellung und übrigen relativen Verhältnisse der Flossen sind aus der beigegebenen Abbildung am besten ersichtlich. — Der Verlauf Sitzb. d. mathem.-naturw. Cl. XVIT. Bd. TI. Hft, 11 162 K ner. Ichthyologische Beiträge. des Seitencanals ist vom Schwanzende bis zum Vorderrumpfe nur als Furche bemerkbar und mündet nicht durch Poren, blos eine kurze Strecke hinter dem Deckel lässt er sich als ziemlich weiter Canal erkennen, und die Haut über und unterhalb desselben ist mit Tuberkeln und Röhrchen irregulär besetzt, die hie und da Spalten und Poren bilden; gerade über dem Ende der zurückgelegteu Brustflosse steht ein konisch zugespitzter häutiger Zapfen jederseits wie ein kurzer Sporn ab. Der Porus lateralis ist zwar etwas kleiner als bei Cetopsis, aber ganz deutlich, er bildet nach innen einen wulstigen Rand und die auskleidende Haut der Höhlung, in welche er führt, zeigt in seiner Umgebung drüsige Structur. In der Analgrube sind drei gesonderte Mündungen leicht wahrnehmbar, und zwar die vordere als Anus, die mittlere als Sexual- und die hintere an der Spitze einer kurzen Papille befindliche als Urethralmündung. — Von inneren Organen sind nur die Ovarien und Harnblase noch vorhanden; erstere stellen ziemlich kurze paarige, aber unsymmetrische Säcke vor, von denen der linke durch Grösse und Länge sich auszeichnet, zwischen beiden liegt die weite Harnblase. Darmeanal und Leber fehlen, doch scheint, nach Haut- resten zu schliessen, eine kurze Schwimmblase vorhanden gewesen zu sein. Die Färbung erscheint an der Rückenseite grau, an Seiten und Bauch heller, weisslich mit einem Stich ins Röthliche, eben so alle Flossen; Flecken, Streifen oder Punktzeichnungen u. dgl. fehlen gänzlich. Die dieke, schuppenlose Haut erinnert übrigens durch rauhes, körniges Ansehen und Anfühlen an Squaloiden. Beide aus Borba (?) stammenden Exemplare sind Weibchen von 5’ Totallänge. Die beifolgende Abbildung (Fig. 2) gibt somit die natürliche Grösse. Mara, sche Beiträse. ° Jchtlivolosi Kner. Gi nn, jur) 3 E u TI erei Sitzungsb.d.k.Akad.d.W.math.naturw. CI XVD.Bd.tHeft.1855. a a Aa u 2 a init IR /Surnwen [A N) Taf. I. a » an \ IN Fr N $ v { Aus d.kk. Hof. Staatscruck ETET sb.d.k.Akad.dW math.naturw.Cl AVILBd 1.Heft 1855. SG WEG % 7 EIISER nt rat, FIR ent, #00 =E S id Ka > ; ED erg I - ar ee Tr 5 J ! N H N 7 |; ) mir er G / ZEEREIN J \ W222 de äh EHE: ” EEE AS tr L 92 Y£ N \ N N N ‚Aus d.kk.Hofır. Staatsäruckerer. Sitzungsb.d.k.Akad.d.W.math.naturw. CIXVILBA4 Heft.1855. Kuer. Jehthyolosische Beiträge. '. Tarııya —n ec- cl eele Pe Wrrinnrnm .sernf LE HUN ia © KEHRDNR N Uli 1 N | Aber er tal EHE LIU DTZATSATUCKEr 27 AUSi Sitzungsb.d.k.Akad.d.W.math.naturw. CIXVIBd.1Heft. 185 u LAT; #18 IR) 225 f Tr 0 A a Ta äge. Jchtliyologische Beitr Kner. ee HZ 1 ET ne Ze Th 1 a ie ah nd NANT a ee Rn hip‘ \ 3 PS. = \ SS sb.d.k.Akad.d.W.math.naturw. CLAVILB d.1.Heft.1655. NOSSON IR 3 SSESS 6 o Sitzun Taf.V. age > « Kner. Jchthyolosische Beitr Ausdk.kHot.u.Staatsdricckerer. Sitzungsb.d.k.Akad.d.W.math.naturw. (1 XVI.BL.Hett.185%. ER, h N N AHe Hi ! hu) h f { J ji u Br hs iu nal, a ah I W bar, U Si } N | RR! ’ DUrLAT OR | REN, RU » un { an . r NY „ i a) y \ h Diesing. Über 19 Arten Trematoden. 163 SITZUNG VOM 1A. JUNI 1855. Herr August von Pelzeln, Assistent am k. k. zoologischen Cabinete, übergibt im Namen des wirklichen Mitgliedes Dr. Karl Moritz Diesing die Beschreibungen und Abbildungen von 19 Arten Trematoden für die Denkschriften der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften. Die dargestellten Arten sind: Diplostomum grande, Hemistomum clathratum, H. cordatum, H. pedatum, Monostomum liguloideum, M. Cymbium, M. constrietum, M. Hippocrepis, M. spirale, M. echinostomum, Distomum Lancea, D. orbiculare, D. dimorphum. D. Clava, D. rude, D. obesum, D. serratum, D. annu- latum, D. incrassatum. Vorträge, Über die accessorischen Kiemenorgane und den Darmcanal der Clupeaceen. Von dem w. M. Prof. Hyrtl. (Auszug aus einer für die Denkschriften bestimmten Abhandlung.) Die vergleichend anatomische Untersuchung der Clupeaceen lehrte, dass bei einigen Gattungen derselben ein accessorisches Kiemenorgan vorkommt, welches mit der bei Heterotis von mir neu- lich beschriebenen Kiemenschneecke einige Ähnlichkeit besitzt. Es findet sich dasselbe in seiner einfachsten Form bei Clupa- nodon aureus, als eine einfache sackförmige Ausstülpung der oberen Rachenwand, welche durch einschmalesKnochenplättehen des oberen Gelenkstückes des vierten Kiemenbogens gestützt wird. 11* E £} 7 . D . 164 Hyrtl. Über die accessorischen Kiemenorgane Bei Kowala albella wird diese Ausstülpung länger, und krümmt sich in horizontaler Ebene etwas nach einwärts. Bei Chatoössus chacunda und Meletta thryssa ist die Einrol- lung des verlängerten Rachendivertieulum noch bedeutender, macht aber nicht mehr als anderthalb Windungen. Eine museulöse Kapsel umgibt das Ganze, und verleiht ihm eine ovale, von oben nach unten etwas comprimirte Gestalt. Zugleich bekommt das Organ eine breite Knochenplatte zur Stütze, welche dem vierten Kiemenbogen (oberes Stück) angehört, und durch einen breiten, muldenförmigen, nach ein- wärts gebogenen Knorpel vergrössert wird. Bei einem 10 Zoll langen Exemplar von Meletta thryssa betrug der Querdurehmesser des gesammten Organs einen halben Zoll, der Längendurchmesser 9 Linien. Die an der concaven Seite des dritten und vierten Kiemenbogens aufsitzenden Kämme setzen sich an der inneren Oberfläche der äusseren Wand des Organs als zwei durch eine Vertiefung von einander getrennte Reihen paralleler Leistchen fort. Nerven besitzt das Organ bei weitem nicht in jenem Grade, wie es bei Heterotis bemerkt wurde ; — sie sind im Gegentheil spärlich zu nennen. Dagegen lässt das Verhältniss der zu- und abführenden Gefässe auf eine respiratorische Verwendung des Organs, und somit auf seine Bedeutung als Kiemenlabyrinth schliessen. Bei Sardinella anchovia ist der Schneckengang 1 Linie weit, aber mit sehr dicken (musculösen) Wänden versehen. Bei Gonostoma javanicum, von welchem nur ein Skelet vorlag, ist die knöcherne Platte des vierten Kiemenbogens absolut am grössten, an ihrer concaven Fläche mit einer Leiste versehen, welche wieder Querleistehen absendet, so dass der innere Bau des fraglichen Organs ein zelliger sein wird. Das accessorische Organ fehlt bei folgenden Geschlechtern und Arten: Il. Osteoglossum formosum C©. \. Albula Bonanus La e. . Notopterus Bontianus ©. \. Rogenia alba C. \. Megalops atlantieus C. \. Koilia Dussumieri C. \V. Elops saurus L. Clupea harengus und Clupea latulus 1. SEES und den Darmceanal der Clupeaceen. 165 9. Harengula sprattus C. \. 10. Engraulis atherinoides C.\. Zweifelhaft bleibt es, da nur trockene Skelete zur Untersuchung vorlagen, bei Pellona Lechenaultü, Alausa tyrannus und Hyodon claudalus. Ich sage darum zweifelhaft, weil diese Arten, am oberen Gelenkstück des viertenKiemenbogens eine mehr weniger entwickelte Knochenplatte besitzen, welehe allerdings eine Tragstütze des frag- lichen Organs abgeben könnte, aber auch bei anderen Clupeen, welche constatirt kein accessorisches Organ besitzen (wie Alaus«a Pilchardus und Engraulis brevifilis), wahrscheinlich blos als Muskel- fortsatz vorkommt. Ferner enthält die Abhandlung nähere Angaben über die Ver- dauungsorgane, insbesondere die Zahl und Gruppirung der Appen- dices pyloricae, bei den eben genannten Gattungen der Clupeen. Meletta und Chatoessus haben einen dicken, fleischigen Muskelmagen, wie Heterotis. Clupanodon hat einen mit 12 Längenreihen konischer, harter Höcker besetzten Schlund. Bei Alausa, Sardinella und Harengula mündet der spiral gedrehte Ductus pneumaticus wie bei Clupea (nach Cuvier) in das hinterste zugespitzte Magenende, welches nahe am After liegt. Unmittelbarer Zusammenhang von Schwimmblase und Magen, per anastomosim, ohne Ductus pneumaticus, kommt bei Elops und Kowala vor. — Die Zahl der Appendices pyloricae variirt von O bis mehrere Hunderte. Sie fehlen gänzlich bei Megalops atlanticus. Hyodon und Kowala besitzt nur Eine dieke kurze Appendix pylo- rica, Notopterus (wie Heterotis) zwei ansehnlichlange, Koilia acht. Merkwürdig ist, dass Alausa vulgaris 77, Alausa Pilchardus nur 1 Appendices hat, wovon vier im Kreise um den Pylorus, drei der Länge nach am rechten Darmrande stehen. Clupea harengus besitzt 24 lange, ungetheilte Appendices, Elops 9 Büschel von 15 — 24. Meletta und Chatoesus besitzen sehr zahlreiche Appendices, welche am Pylorus in einen dichten Haufen zusammengedrängt stehen, im Verlaufe des Dünndarms aber auf kleinen, Haustra ähnlichen Buchten des Darmrohrs büschelförmig auf- sitzen. Einen vollkommen kugelrunden Magen, mit sehr nahe zusam- mengerückten Pylorus und Cardia, hat Koilia. 1 66 Heckel. Neue Beiträge zur Kenntniss Neue Beiträge zur Kenntniss der fossilen Fische Österreichs. Von dem w.M., Custos-Adjuneten J. Heck el. (Auszug aus einer für die Denkschriften bestimmten Abhandlung.) Der Inhalt dieser Beiträge betrifft zuerst die Ganoiden-Familie der Pyenodonten, worüber der Verfasser bereits in dem Märzhefte der Sitzungsberichte 1854 Bericht erstattet hatte. Darauf folgt eine, in die grosse Familie der Clupeoiden gehörende Gruppe, die Chirocentri Nalenc., wobei nachgewiesen wird, dass die ersten Fische dieser Gruppe, aus welcher heute nur noch die einzige Species Chirocentrus Dorab lebend vorkommt, bereits in den oberen Schichten der Jura aufgetaucht haben und von Agassiz, der sie für Ganoiden hielt, in seine Gattung Tihryssops gestellt wurden. Diese Chirocentri erhalten einen Zuwachs von zwei fossilen Arten, deren eine zugleich die neue Gattung Thryssopterus bildet, während die andere der schon früher aufgestellten Gattung Chirocentrites angehört. Die Species Chirocentrites vewillifer, aus den bituminösen Kreide-Schichten desKarstes, zeichnet sich vorzüglich durch ihre hohe Rückenflosse und Thryssopterus Catullii vom Monte Bolca, nebst den runden Rippen und den einfach schief nicht stufenförmig geschnittenen Gliederstrahlen, durch nur sieben Kiemenstrahlen und sehr lange nur fünfstrahlige Brustflossen aus. Die Elopi, welche ebenfalls eine kleine Gruppe derselben grossen Clupeoiden-Familie bilden, werden ferner mit einer, drei neue Arten enthaltenden Gattung Zlopopsis n ob. vermehrt, die sämmtlich mit dem Chirocentrites vexillifer , denselben Karst- Schichten entnommen sind. Elopopsis Fenzlit hat einen 23 Wirbel lan- gen Kopf; grosse spitzkonische an der Basis eomprimirte Zähne ; Wirbel mit einer Seitenleiste und langen Neurapophysen; 21 Strahlen in der Rückenflosse. Elopopsis dentex hat einen 17 Wirbel langen Kopf; durchaus konisch spitze, grosse Zähne; Wirbel mit einer Seitenleiste und kurzen Neurapophysen; 15 Strahlen in der Rückenflosse. Elopopsis microdon hat einen 24 Wirbel langen Kopf mit gebogener Stirne; viele kleine spitzkonische Zähne; Wirbel mit zwei Seitenleisten; lange Neurapophysen; 15 Strahlen in dem Rückenflosse. der fossilen Fische Österreichs. 167 In dem Originale des, in der Ittiologia veronese Tab. 65, Fig, 3, unter dem falschen Namen Chaetodon rostratus abgebildeten Fisches wird ein, unter die Theutyes gehöriger neuer Acanthurus erkannt, der den Namen seines Besitzers, Acanthurus Canossae erhält; sich von den beiden bereits bekannten fossilen Arten, Acanthurus tenuis und ovalis Agass. durch seine grosse Ähnlichkeit mit dem jetzt lebenden Acanthurus scopas Cuv. Val. unterscheidet und wahrscheinlich wegen des vorgeschobenen Mundes den italienischen Namen Pappa-Mosche erhalten hatte. Hierauf folgt eine neue Scomberoiden -Gattung mit einer Species, Carangodes cephalus genannt, aus den eocenen Schichten des Monte Bolca. Sie steht der Gattung Carangopsis Agass. am nächsten, hat wie diese keinen liegenden Dorn vor der Rückenflosse, noch freie Dornen vor der Afterflosse, unterscheidet sich aber von derselben ausser einem gestreekteren Körper, mit einer grösseren Anzahl abdominaler Wirbel (15 anstatt 10) durch eine kurze mitten- stehende Rückenfiosse, deren niederer stachelstrahliger Theil mit den nachfolgenden hohen Gliederstrahlen an der Basis zusammen- hängt; ferner durch die Stellung der Bauchflossen die vor den Brust- flossen unter der Kehle sitzen, was unter Scomberoiden mit getheilter Rückenflosse ohne Flösschen nur bei den übrigens weit verschie- denen Gattungen Kurtus und Apolectes vorkömmt. Die untergegangene Percoiden-Gattung Smerdis Agass. hinter- liess in den eocenen Schichten des Ofner Bloksberges eine noch unbekannt gebliebene Species Smerdis budensis. Sie sieht dem Smerdis pygmaeus Agass. am ähnlichsten, unterscheidet sich aber von allen bisherigen Smerdis-Arten durch eine grössere Anzahl weicher Strahlen in der zweiten Rückenflosse wie durch weit mehr Stützenstrahlen in der Schwanzflosse. Die Percoiden- Gattung Lates Cuv., von welcher zwei noch lebende und vier urweltliche Arten gekannt sind, erhält den Zuwachs einer fünften Art, die als Zeichen der Hochachtung den Namen des verehrten Mitgliedes Herrn Custos Partsch trägt und aus dem Grobkalke der Wiener Gegend herrührt. Sie ist dem Lates macrurus Agass., der ebenfalls aus dem Grobkalke, aber aus der Gegend von Paris herstammt, am meisten ähnlich, hat aber einen kürzeren Schwanzstiel und eine nur ganz flach gerundete Schwanzflosse. 168 Heckel. Neue Beiträge zur Kenntniss der fossilen Fische Österreichs. Ein von Graf Münster beschriebener und abgebildeter Fisch Notaeus Agassizü, aus derselben Localität des Wiener Grobkalkes, machte eine neue Beschreibung und Abbildung nothwendig, wobei die unriehtige Stellung dieses Fisches unter die Gattung Notaeus nachgewiesen wird. Notaeus selbst, oder vielmehr dessen einzige bisher gekannte Species Notaeus laticaudus Agass., gehört nicht den Teleostiern, sondern den Ganoiden an, unter welchen sie nebst dem vermeintlichen Cyprinoiden, Cyelurus Agass. mit der jetzt lebenden Gattung Amia Linn. zusammenfällt. Münster’s Notaeus Agassizü ist aber ein wahrer Labroide und gehört in die Gattung Labrus. Eine zweite Species dieser Gattung aus denselben Schichten, Labrus parvulus nob. ist dem Labrus Agassizii ähnlich, hat aber einen kürzeren Körper als dieser, nur 22, nicht 34 Wirbel und blos 4, nicht 15 Stachelstrahlen. Die Stellung dieses >/, Zoll langen Fisches, die nur in einem ziemlich unvollständigen Exemplare vorliegt, ist übrigens, da sie mit Sieherheit nicht nachgewiesen werden kann, hier nur als eine provisorische zu betrachten. Den Schluss macht eine neue interessante Cataphracten-Gattung, die sich zwischen den oft so sonderbaren Formen der Scorpaenen und Cottoiden einreiht. Sie stammt ebenfalls aus dem Grobkalke des Leitha-Gebirges und erhielt den Namen Ofenopoma. Als Haupt- Charaktere derselben werden angegeben: Ein spindelförmiger Rumpf mit einem etwas breiten Kropfe; schmale Leisten oder Dornen auf den Stirnbeinen; ein kammförmig gezähnter Vordeckel; fünf Kiemen- strahlen; nur halb so viele abdominale als eaudale Wirbel, deren letzter in zwei Fächerplatten endiget; eine lange Rückenflosse, die weniger Stachel- als Gliederstrahlen enthält; eine kurze mittenstehende Afterflosse mit drei Stachelstrahlen und vor den Brustflossen unter der Kehle ansitzende Bauchflossen. Rumpf, Deckelstücke, Wangen sind 'beschuppt und die Schuppen fein gezähnt. Die einzige Species heisst Ctenopoma Jemelka, nach ihrem gegenwärtigen um die Wissenschaft verdienten Besitzer, Med. Dr. Jemelka in Ödenburg. Rochleder. Chemische Notizen. 1 69 SITZUNG VOM 21. JUNI 1855. Eingesendete Abhandlungen. Chemische Notizen. Von dem w. M., Med. Dr. Friedrich Rochleder. Vor zwölf Jahren habe ich mit Herrn Heldt eine Methode beschrieben, die Chrysophansäure aus der Parmelia parietina dar- zustellen. Diese Substanz hat dadurch an Interesse gewonnen, dass Schlossberger und Döpping sie in der Rhabarberwurzel auffanden. Da ieh unlängst vom Herrn Professor Schroff in Wien 25 Pfund Parmelia parietina erhielt, um daraus Chrysophansäure darstellen zu lassen, glaubte ich keine unnütze Arbeit zu machen, wenn ich eine bequemere Darstellungsmethode für diesen Körper ausmitteln würde. Schlossberger und Döpping haben die Chrysophansäure ebenfalls mit vieler Schwierigkeit aus dem Rheum dargestellt, die Ausbeute war keine grosse. Die in den folgenden Zeilen beschriebene Methode, welche ich durch Herrn Brem in meinem Laboratorium ausführen liess, liefert schneller und bequemer die ganze Menge Chrysophansäure, welche in Flechten oder den Wurzeln von Rheum enthalten ist. Man zieht mit sehr schwachem Weingeist, dem etwas Ätzkali- lösung zugesetzt ist, die Parmelia parietina oder die gepulverte Rhabarber aus, seiht die Flüssigkeit durch Leinen, presst den Rück- stand aus, filtrirt die Flüssigkeit und leitet einen Strom gewaschener Kohlensäure hinein. Den entstandenen Niederschlag filtrirt man von der Flüssigkeit ab, löst ihn in 50 pCt. Weingeist, der mit etwasKali- hydrat versetzt ist, filtrirt von dem ungelöst gebliebenen Antheile ab und fällt das Filtrat durch etwas Essigsäure. Der Niederschlag 170 Rochleder. Chemische Notizen. wird auf einem Filter gesammelt, in siedendem Weingeist gelöst und die Lösung heiss filtrirt. Das Filtrat mit Wasser gemischt, gibt Chrysophansäure in Form von rein gelben Flocken, die durch Umkrystallisiren aus Alkohol vollkommen rein erhalten werden. Es gelingt auf diese Art, eine grosse Quantität Chrysophansäure aus Rheum darzustellen, und die übrigen Bestandtheile des Aheum auf diese Weise frei von Chrysophansäure zu erhalten. Diese Methode wird es möglieh machen, sich leicht zu über- zengen, ob das sogenannte Lapathin, das Rumiein und vielleicht auch das Plumbagin mit der Chrysophansäure identisch sind oder nicht. Ich habe ferner unterstützt, von den Herren Dr. Schwarz und Kawalier, eine Untersuchung der Blätter, Rinde und Früchte von Aesculus Hippocastamnum ausgeführt, deren Resultate ich der k. Akademie nächstens vorzulegen die Ehre haben werde. Ich war dabei genöthigt, die Caincasäure so wie das Saponin und die Chinovasäure mit in die Untersuehung einzubeziehen. Ich habe den von Fr&my für Saponin erklärten Stoff der Rosskastanien als einen eigenthümlichen Stoff erkannt, der aber zum Saponin und zur Caincasäure in einem bestimmten Verhältnisse steht. Ich habe die Beziehungen zwisehen dem Stoff der Früchte und den Bestandtheilen der Rinde und Blätter aus- gemittelt. Ich habe zwei Gerbsäuren, die eine in der Rinde, die andere in den Blättern, krystallisirt erhalten, ebenso das Äseulin einer nochmaligen Untersuchung unterworfen, die richtige Formel desselben festgestellt, und die Farbstoffe untersucht, die aus dem Äseuletin hervorgehen, so wie die Produete, welehe durch Einwir- kung von Alkalien aus Äseulin und durch Einwirkung von Säuren. auf die Gerbstoffe entstehen, ausgemittelt und eine Anzahl homologer Substanzen erhalten, die sich als echte Farbstoffe anwenden lassen. In einer folgenden Abhandlung werde ich die Resultate mit- theilen, welehe eine begonnene Untersuchung der Gährung des Ross- kastanienmehles und der Blätter in verschiedenen Perioden der Vegetation, so wie der Wurzelrinde der Kastanien geben. Zantedeschi. Nuovo Elettroscopio per le due elettrieitä d’influenza. 171 Nuovo Blettroscopio per le due elettrieita d' influenza. Del Prof. Francesco Zantedeschi. (Con I tavola.) (Vorgelegt in der Sitzung vom 18. Maäi 1855.) Macedonio Melloni tento di eomprovare, che nei fenomeni d’in- duzione, 1’ elettrieitä omologa & la sola libera e dotata di tensione, e@ che la elettrieitä eontraria € sempre dissimulata. Nella mia Memoria sull’ origine della elettrieita at- mosferiea e sulla induzione elettrostatica dei con- duttori solidi isolati, che fu pubblieata nel fascicolo 11° Anno 1° dell’ Ateneo Italiano (15. settembre 1854), manifestai la mia contraria dottrina a quella dell’ illustre Fisico Ita- liano, e mi riservava ad altro tempo di pubblicare i miei risultamenti. Ora che veggo discussa tra Fisiei Ja nuova dottrina, ceredo tornar utile alla seienza pubblicare il mio elettroscopio, col quale rendo evi- dente l’esistenza delle tensioni libere delle due opposte elettrieitä indotte od attuate; e la ragione, per la quale negli esperimenti di Melloni apparve la sola elettrieita omologa. Sopra labase KK’ sono collocate verticalmente e parallele fra di loro due pile di Zamboni coi poli isolati e disposti inversamente in modo, che al positivo dell’ una risponde il negativo dell’ altra, e vice- versa, come & indicato dalle leitere P, N; P', N. Fraipoli di queste pile insiste verticalmente un’ asta d’ottone terminata da ambe le parti da una sfera dello stesso metallo DD’, che & perfettamente isolata. In b, 5’ sono sospese, come si pratica negli elettroscopii, due pagliette, le quali non toccano l’asta metallica, che in c, €‘. Esse vengono a rispondere alle due placche polari UT, UT. Altre due pagli- uzze sono sospese in a, a, che non toccano l’asta che in vv‘. Le due pile, mediante i sostegni LM, EE' possono essere allontanate o avvicinate all’ asta intermedia , senza che perdano il loro paral- lelismo. Ora disposto il tutto convenientemente, se alla sfera D si avvi- eini un corpo elettrizzato positivamente la pagliuzza b’e' s’innalza e si porta al polo positivo P, mentre la pagliuzza be rimane verticale, 172 Zantedeschi. Nuovo Elettroscopio per le due elettricitä d’ influenza. o in stato naturale apparente o di equilibrio, per ritrovarsi fra due forze opposte ed uguali. Nel caso che le due forze dello stesso nome fossero disuguali potrebbe accadere un qualche moto, senza pero por- tare eonfusione nei risultati sperimentali. Il movimento dell’ una della due pagliuzze e l’equilibrio dell’ altra dipende dalla distanza, alla quale sono collocate le pile e dalla loro energia polare. Nell’ atto stesso che la pagliuzza d’ c’ si solleva, s’innalza ancora la pagliuzza av’ portandosi al polo negativo della pila NV, mentre la pagliuzza av, rimane in stato apparentemente naturale, come la ch superiore. I movimenti impertanto delle due pagliette d’c' ed «a’v’ dimostrano, che le due specie di elettrieitä negativa 0 resinosa, positiva o vitrea sono libere e sensibili ai due poli opposti della pila. Ugualmente sono evidenti i fenomeni delle due elettrieitä indotte od attuate, avvieinando alla sfera D un corpo elettrizzato nega- tivamente. Ma in questo caso si sollevano le pagliuzze dc, ed av; e rimangono vertieali d’c' ed av’. E questo movimento dimostra, che & positiva be, e negaliva av. In futti e due i easi, le opposte elettrieita sono libere, ne vi ha mai la,supposta dissimulazione della elettrieita di nome contraria. Sostituita all’ asta DD’, V’asta HGFCD, impiäntata sopra l’iso- lante BA, e portante le due pagliuzze sospese in D, G, i fenomeni, che si manifestano sotto la forza attuante sono in ambe le pagliuzze dello stesso nome. Col corpo inducente positivo, tutte e due le pagliette appariscono positive; e col corpo inducente negativo, tutte e due le pagliuzze appalesano un’ elettricitä negativa. In questa disposizione dell’ apparato elettroscopico, & impedito lo spostamento della elettrieitä, onde apparisca quella di nome con- trario. E il easo analogo a quello di Melloni, che gli fece eredere, che l’elettrieita di nome contrario si dissimuli intieramente. Con questo mio elettroscopio si rendono evidenti tutte le leggi dell’ elettrieita d’influenza. | Col sistema delle due sole pagliuzze, abbiamo indotta !’elettri- cita positiva, tutte e due le pagliuzze si portano al polo negativo; quindi si searicano, e tolta atmosfera attuante, si slaneiano al polo positivo, acceusando cosi il loro stato elettrico negativo. Anzi pud, ac- cadere che le pagliuzze perdano parte della loro elettricitä attuata, sotto l’influenza dell’ atmosfera premente, senza, che avvenga fra le Zantedeschi. Nuovo HKlettroscopio per le due elettrieita d’influenza. Aus d.k.k. Hof-u. Staatsdricckerei. Sitzungsb. d.k. Akad. d.W. math. naturw. CI.XVI.Bd. 1.Heft. 1850. v f Ki; # Y k 1} \ \ ei DW EN } | | ARTE) "F im en x # , h & P. un! ‚ ? AN a Y } ! MR WU 1 Kata ’ ra “ X Rn hi n rim £ k ei n 4 j 7 fi a" re IN Kun y nh ’ ad “ * "x \ % . 9 AN me ARTE A) | h IR HEN { IRRE ni A: < Ge ne di j eh as LAS a a a a KR DAR AL Una Yan Ve MEER LÜNEN BR Re 0 ara i } h I j “ N ’ Be \ y i TR 7 “ 2 A 4 he { Mu ö se f ni i f f h (m N 7] ! EI TRE AT Kl Bol) , Wedl. Über das Herz von Menopon pallidum. 173 pagliette ed i poli aleun eontatto, il che, & dimostrato dalle eletri- eita opposte, che accusano, al togliersi l’atmosfera del corpo attuantie. Col sistema delle quattro pagliuzze, messa in comunicazione la sfera D’ colla terra e sottoposta all’ influenza dell’ atmosfera positiva la sfera D e successivamente interrotta la comunicazione di D’ col suolo, e sottrato D all’ influenza dell’ atmosfera elettrica, la paglietta b' c‘, siporta al polo positivo, e cosi pure la paglietta «'v’, mentre le altre due dc, av rimangono immobili o quasi immobili. Il che di mostra che tutta l’asta DD‘ & negativa. Il fenomeno si appalesa in- versamente con un’ atmosfera attuante negativa. Le dimensioni dell’apparato dipendono della grandezza delle pile Zamboniane. Quelle usate de me erano della lunghezza di dodiei centimetri e del diametro di due crescenti. Vortrag Über das Herz von Menopon pallidum. ‚Von dem ce. M., Prof. Dr. 6. Wedl. (Mit I Tafel.) Seitdem Malpighi das längs dem Rücken der Insecten ziehende Gefäss entdeckte und als grosse Pulsader beschrieb, haben sowohl ältere Entomotomen wie Svammerdam, Bonnet, Lyonet u. A. als auch neuere, wie Joh. Müller, Herold, Carus, Straus- Durkheim, Burmeister (Allgemeine Entomologie S. 164) die Ansicht festgehalten, dass der vom Kopf bis zum After den ganzen Leib durchdringende Canal das einzige Gebilde sei, was von blutfüh- renden Organen bei den Kerfen sich vorfinde und für dessen arterielle Beschaffenheit seine regelmässigen Contraetionen und Expansionen sprechen. Straus-Durkheim (Considerations generales sur l’anatomie comparde des animaux articules, p. 345 u. f.) nennt jenes arterielle Gefäss das Herz der Inseeten. Ganz im Einklange mit dieser Ansicht steht jene von C. Th. v. Siebold. Er sagt (Lehr- buch der vergleichenden Anatomie der wirbellosen Thiere, S. 607): Das sehr wenig entwickelte Blutgefäss-System der Inseeten besteht aus einem gegliederten contractilen Rückengefässe (vas dorsale) 174 Wedi. und aus einer nach dem Kopfe hingerichteten Aorta. Ersteres voll- zieht die Funetion des Herzens, während letztere das Blut von dem Herzen in den Körper hinausleitet. Ebenso sieht er wie Straus- Durkheim die durch die Klappen des Rückengefässes hervorge- brachten Gliederungen als Herzkammern an, deren Zahl sehr unbe- ständig sei, doch scheinen achtHerzkammern ziemlich verbreitet vor- zukommen. Verschieden von dieser ausgesprochenen Anschauung und unklar ist jene von Milne-Edwards (Verfahren der Natur bei Gestaltung des Thierreichs, deutsche Übersetzung seiner im J. 1851 unter dem Titel: Introduction a la zoologie generale, pre- miere partie zu Paris erschienenen Schrift, p. 50). Es heisst daselbst: Die Luft-Kerbthiere besitzen weder Schlagadern, noch eigentliche Venencanäle, und das Blut vorantreibende Organ, statt die Form eines weiten zusammenziehbaren Behälters zu haben, ist nur dureh ein dünnes Gefäss vertreten, dessen Schläge nur schwache Wellen des in den weiten Räumen der Umgebung befindlichen Dal ungs- stoffes in Bewegung zu setzen vermögen. C. Bergmann und R. Leuekart (Vergl. Anatomie u. Physio- logie, $S. 172) sehen wohl das Rückengefäss der Insecten als Herz an, vergleichen jedoch die Gliederungen des Gefässes nicht mit den Herzkammern der Wirbelthiere, da die hineinragenden Klappen niemals eigentliche Scheidewände bilden, sondern blos zum Ver- schliessen der Seitenöffnungen dienen. J. van der Hoeven (Hand- buch der Zoologie, nach der zweiten holländischen Ausgabe, S. 248) meint, das weitere Stück des Rückengefässes erinnere an das Herz der übrigen Thiere. Wesentlich in demselben Sinne, d. h. das Rücken- sefäss der Inseeten als Centralorgan des Gefäss-Systems ansehend, fasst sich J. Vietor Carus (System der thierischen Morphologie, p. 135). H. Trosehel und Ruthe (Handbuch der Zoologie, vierte Auflage, vv. Wiegmann's Handbuch, S. 271) sagen, dass bei den Insecten ein Herz, das diesen Namen verdiene, kaum vorhanden sei. Gegen die Allgemeinheit des Ausspruches, dass nämlich das Rückengefäss der Inseeten als Herz zu betrachten sei, sprechen die Beobachtungen, welche ich an mehreren Repräsentanten aus der Familie Mallophagae, der Ordnung der Aptera angehörig zu machen Gelegenheit hatte. Ich muss gleich eingangs erwähnen, dass ich das bezügliche Material der Güte des Herrn Heinrich W. Schott, Direetor der k. k. Menagerie zu Schönbrunn, verdanke. Über das Herz von Menopon pallidum. 175 Ich wendete meine Aufmerksamkeit auf den hintersten Abschnitt des Rückengefässes, und bin zu der Überzeugung gelangt, dass hinter letzterem ein selbstständiges Herz liege, das sowohl hinsichtlich seiner Structur als auch seiner energischen Thätigkeitsäusserung Verschiedenheiten von dem Vas dorsale zeigt. Ich will mich bier hauptsächlich auf das Herz von Menopon pallidum beschränken, einem sehr lebhaften Ektoparasiten, der in dem Gefieder des Haus- huhns sehr häufig seinen Wohnsitz aufgeschlagen hat. Menopon pallidum, dessen mittlere Grösse 2 Millimeter in der Länge, ®/, Millim. in der grössten Breite beträgt, eignet sich, wie schon sein Name andeutet, wegen seiner Blässe (die Chitinhülle hat eine blassgelbliche Färbung) zu Untersuchungen für das durch- gehende Licht. Auch kömmt noch der Umstand gut zu Statten, dass jüngere kaum 1 Millim. im Längendurchmesser haltende Individuen eine sehr zarte, farblose Chitinhülle haben und die hintersten Glieder des Bauchtheils von Menopon pallidum sich namentlich durch ihre geringe Ausdehnung in die Tiefe auszeichnen. Das Herz liegt in der Mitte des achien oder vorletzten Gliedes gegen die Rückenfläche hin. Seine Gestalt nähert sich der kugeligen (s. die beiliegende Abbildung C) und schliesst einen Hohlraum ein, der nach vorne und rückwärts mit einer Öffnung versehen ist. Es besitzt einen parenchymatösen Theil, der beiderseits in Form eines Kugelsegmentes erscheint (e, e) und aus einer feinen Molekül- masse besteht; dieselbe lässt wenigstens keine weitere formelle Ele- mentar-Analyse zu. Von der inneren Oberfläche des parenchymatösen Theiles entspringen zackige Verlängerungen (f; f), die an die Papil- larmuskeln des Wirbeltbierherzens erinnern, und in ungemein zarte, dem Auge entschwindende fadenartige Sehnen auslaufen; dieselben inseriren sich allem Anscheine nach au dem mittleren membranö- sen Theile des Herzens, der zwischen den beiden parenchymatösen Kugelsegmenten liegt. Höchst wahrscheinlich bestehen einige Reihen von Papillarmuskeln. Es zeigt sich nämlich ein Gitterwerk von Fäden bei der Systole des Herzens gegen dessen innere Oberfläche. An der Aussenseite des parenchymatösen Herztheiles inserirt sich beiderseits ein auf einer breiteren Basis aufsitzendes Bündel von straffen Fasern (d, d), das sich gegen die äussere Haut hin verliert und als rechts- und linksseitiges Aufhängeband des Herzens bezeichnet werden kann. 176 Wedı. Nach vorne zu steht das Herz nicht in unmittelbarem Zusam- menhange mit dem sogenannten Rückengefässe (A), das an seiner Insertionsstelle in das Herz eine ampullenartige Anschwellung zeigt (B). Diese, offenbar analog dem Bulbus Aortae, hat eine diekere Wandung (db, 5) als das Vas dorsale, das wie gewöhnlich an seiner inneren Oberfläche mit Klappen (a, a!) versehen ist; hingegeu ist die Wandung beträchtlich dünner als jene des eigentlichen Herzens. An beiden Seiten des Bulbus befindet sich ein schief aufsteigendes, straffes Faserbündel, das ich als rechts- und linksseitiges Aufhänge- band (c, c) des Bulbus aortieus bezeichnen will. Ein gleichartiger, flaschenartiger Ansatz, wie nach vorne, befin- det sich an dem Hintertheile des Herzens (D). Auch hier sind die Wandungen beträchtlich dünner geworden (g, g) als im Herzen. Zu beiden Seiten dieser hinteren Ampulle bemerkt man Verlängerungen (h, h), über deren Beschaffenheit ich nieht ganz ins Klare kommen konnte. Ein klappenartiges Spiel schien mir in einigen Fällen an den Insertionsstellen dieser Verlängerungen (h, h) vor sich zu gehen, jedoch war es mir unmöglich, dieselben weiter zu verfolgen, und ich möchte sie daher einstweilen nur problematisch als die beiden Haupt- venen anführen, wonach eonsequenter Weise die hintere Ampulle (D) als Bulbus venosus gelten würde. An dem hintersten Abschnitte des letzteren erscheint eine Reihe von kurzen, straffen Fasern (ti), die wohl nur als ligamentös angesehen werden können und schon an dem nach rückwärts abgerundeten Aftergliede befestigt sind (F, F), während das Herz, wie gesagt, in dem achten Bauchringe (E, E) liegt. Der Längendurehmesser von der Einmündungsstelle der Aorta (wie ich das Vas dorsale jetzt nennen will) in den Bulbus arteriosus bis zum hinteren Ligament (?) des Bulbus venosus beträgt an Thieren mittlerer Grösse nahezu 0-1 Millim., also ein 1/,, der ganzen Länge des Thieres, die Dieke des parenchymatösen Theiles des Herzens jederseits 0:014—.0:016 Millim. ohne Einschluss der Papillarmuskeln. Die Pulsationen des Herzens, die schon mittelst einer starken Loupe deutlich wahrgenommen werden können, erfolgen mit einer grossen Energie und Regelmässigkeit. Bei lebhaften Individuen, welche von dem lebenden Wohnthiere aus dem Gefieder weggenom- men wurden, zählte ich 112—120 Herzschläge in der Minute, wäh- rend dieselben auf 56—-52 herabsinken, wenn das Wohnthier einen Über das Herz von Menopon pallidum. 1 oder einige Tage abgestorben ist, wobei diese Federnfresser auch an Asilität ihrer Bewegungen in Folge des Verlustes von animalischer Wärme einbüssen. Die Contractionen und Expansionen des Herzens geschehen in transversaler Richtung, so zwar, dass die beiden parenchymatösen Kugelsegmente einander genähert und von einander entfernt werden. Beträgt der Querdurchmesser des Herzens bei dessen Systole 0:054 Millim., so steigt er bei der Diastole auf 0:072 Millim. Die zacken- förmigen Papillarmuskeln und deren Sehnen erhalten bei der Systole eine schräge Richtung nach vorn und rückwärts, während letztere bei der Diastole eine quere wird; insbesondere wird dies an den fadenartigen Sehnen ersichtlich. Die seitlichen Aufhängebänder des Herzens (d, d) werden bei dessen Systole gespannt. Eine Verän- derung in der Substanz des Herzens konnte ich bei dessen Bewe- gungen nicht ermitteln. Synchronisch mit der Systole des Herzens erfolgen auch die Contractionen des Bulbus arteriosus und venosus. Ermattet jedoch der Herzschlag, so lassen sich kleine Zeitunterschiede zwischen letzteren und ersterer noch beobachten. Nebenliegende Organe, wie feine Tracheenzweige oder ein zufällig angelagertes Harngefäss, erleiden von den Herzstössen eine passive Bewegung. Die Abschnürungen der Aorta (Vas dorsale) geschehen, wie dies sattsam bekannt ist, in auf einander folgenden Zeiträumen von rück- nach vorwärts, so dass die erste Abschnürung zunächst dem Bulbus arter. in a die nächste in «' erfolgt. Dabei ist hervorzu- heben, dass diese absatzweisen Verengerungen des Gefässes nicht mit jener Energie und Präeision vor sich gehen, wie die Contrac- tionen des Herzens. Die Lage der Aorta ist nicht so fixirt, dass sie nicht ebenso wie das eine oder andere Harngefäss dann und wann einige pendelartige Bewegungen in der Leibeshöhle erfahren würde, welche wohl durch die Contractionen der Leibesringe hervorgebracht werden, alse passiver Natur sind. Die Lage des Herzens kann wohl insoferne eine Veränderung erleiden, als die hinteren Leibesringe gestreckt oder gegen die Bauchfläche angezogen werden können, wodurch im letzteren Falle die Curve des Rückens eine stärkere wird, allein eine seitliche, passive, pendelartige Schwingung ist nicht zulässig, da das Herz theils durch das hintere, am Bulbus ven. befindliche unpaarige Band (i), theils durch die seitlichen Sitzb. d. mathem.-naturw. Cl. XVII. Bd. I. Hft. 12 178 Wedi. Aufhängebänder am Herzparenchym (d,d) und am Bulbus art. (e,c) fixirt ist. | Die Blutflüssigkeit ist farblos und enthält keine suspendirten Elementartheile. In der hinteren Leibeshöhle habe ich wohl spindel- förmige, zeitweilig in pendelartige Schwingungen versetzte Körper gesehen, deren Bedeutung mir jedoch unklar geblieben ist; für etwaige Köpfe von Samenfäden sind sie zu gross. | Bei der zu wählenden Untersuchungs-Methode ist vor Allem festzuhalten, dass das Thier sehr empfindlich gegen den Abgang von frischer Luft ist; es stirbt, mit einem Uhrglase selbst nur wenige Minuten bedeckt, ab. Legt man das Thier auf die Rücken- fläche in irgend eine Flüssigkeit, so hat dies alsogleich den Erstickungstod zur Folge, da die Stigmata bekanntlich gegen den Rand des Rückens am Abdomen sich befinden. Ist die Flüssigkeitssehichte im Verhältnisse zur Dieke des Thieres zu hoch, so bäumt sich letz- teres bei der Bauchlage aus Luftmangel auf und geht gleich zu Grunde, sobald die Flüssigkeit über den Rücken des Bauchtheiles überschlägt: Ist das Thier abgestorben, so lassen sich selbst nicht mehr die Um- risse des Herzens und der Aorta erkennen. Die zur Untersuchung nöthige Fixirung des Thieres bewirkt man dadurch, dass man blos die hintersten Glieder des Abdomen, von einer Flüssigkeit umspült, mit einem Deckglase bedeckt, während die übrigen Bauchringe, der Brusttheil und Kopf über den Rand des Deckglases frei hervorragen. Freilich muss hiebei die Dieke des letzteren der Resistenz der Chitinhülle adaptirt werden, denn ein etwas zu starker Druck bringt alsbald eine Intermission und gänz- lichen Stillstand der Pulsationen des Herzens hervor. Als umspülende Flüssigkeit wählte ich Glycerin oder Terpentinöl, da hiedurch eine grössere Transparenz erzweckt und die bei längerer Beobachtung störende Verdunstung vermieden wird, wie dieselbe z. B. beim Gebrauche des Wassers erfolgt. Junge, kaum 1 Millimeter lange Indi- viduen von Menopon pallidum vertragen den Druck selbst eines sehr feinen Deckglases auf ihren hinteren Leibesabschnitt nicht mehr, ohne dass die Herzbewegungen sistirt werden. Es ist daher am räth- lichsten, solche wegen der Transparenz zur Beobachtung sehr deut- liche Exemplare aufeiner sehr dünnen Schichte von Glycerin oder Ter- pentinöl frei herumkriechen zu lassen und die Perioden, wo das Thier zur Ruhe kömmt, für die Beobachtung abzuwarten. Die vom todten a ee ee Ge re" nam Über das Herz von Menopon pallidum. 179 Huhne abgenommenen Individuen haben viel von ihrer Agilität ein- gebüsst und ermatien um so eher. Es lässt sich wohl zur Fixirung des Thieres Copallack, eine weingeistige Lösung von Schellak, Gummilösung u. dgl., jedoch, wie mir schien, mit weniger Vortheil anwenden. Es versteht sich wohl von selbst, dass nieht selten Hin- dernisse der Beobachtung entgegentreten, wohin die nicht seltenen Fäcalmassen im Mastdarme, zuweilen der Fettkörper oder eine unvor- theilhafte Lage des Thieres, bei den Männchen die rothbräunlich tingirte hornige Scheide des Penis zu rechnen sind. Durch die Beobachtungen an Menopon pallidum auf die Exi- stenz eines Herzens aufmerksam gemacht, habe ich mich auch von dem Vorhandensein des letzteren bei anderen den Philopteriden ange- hörigen Repräsentanten überzeugt, so bei Lipeurus variabilis aus dem Gefieder des Haushuhns, bei Goniodes Colchici vom Silber- fasan, bei Docophorus atratus vom Steinraben. Die Pulsationen des Herzens lassen sich aber hier nicht mehr bei durchgehendem, son- dern nur bei auffallendem Lichte wegen der Pigmentirung der Chitin- hülle wahrnehmen. Der präeiser ausgesprochene Rhythmus in den intensiveren Contractionen eines unterhalb des achten Gliedes pulsiren- den Körpers lassen keinen Zweifel übrig, dass dasselbe das Herz sei, wenn es auch nicht gestattet ist, dessen Grenzen nach rückwärts genau zu umgehen. Die angegebenen Beobachtungen haben es nun festgestellt, dass bei mehreren dem Genus Philopterus (Nitzsch) angehörigen Reprä- sentanten hinter dem von den Entomotomen als Rückengefäss bezeich- neten und von vielen als Herz angesehenen Organe ein rhythmisch intensiv pulsirender Körper sich befinde, der das eigentliche Herz vorstellt. Da es überdies mit keiner Wahrscheinlichkeit anzunehmen ist, dass den benannten Insecten vor den übrigen ein Prärogativ in dem Besitze eines Centralorgans des Gefäss-Systems zukomme, so folgert sich die Aufforderung, weitere Forschungen in Bezug auf die etwaige Existenz eines Herzens bei Repräsentanten aus den verschie- denen Ordnungen der Insecten anzustellen. 180 Wedl. Über das Herz von Menopon pallidum. Erklärung der Abbildung. A. Aorta (vas dorsale autorum), a erstes Klappenpaar, a’ zweites Klappen- paar. B. Bulbus arteriosus: bb Dicke der Wandung desselben, ce seitlich abge- hende Aufhängebänder. C. Das einkämmerige Herz, dd seitliche Aufhängebänder des Herzens, e e parenchymatöser Theil des Herzens, ff zackige, mit fadenartigen Sehnen in dem mittleren häutigen Theile des Herzens endigende Verlängerungen des Herzparenchyms. D. Bulbus venosus (?), 99 dessen Wandung, Ah die beiden Hauptvenen (?), ti hinteres, unpaariges Band des Bulbus venosus. . Achtes Glied des Abdomen. . Afterglied. >> Wedl. Herz von Menopon pallidum. Aus d.k.kHbf u.Staatsdruckerei. Sitzungsb. d.k.Akad.d.W. math. naturw. CI.XVIIBd. (Heft. 1855. Y Fr Mt Ar Lip) \ . I urn f Verzeichniss der eingegangenen Druckschriften. 181 VERZEICHNISS DER EINGEGANGENEN DRUCKSCHRIFTEN. (JUNI.) Akademie, k. preussische, der Wissenschaften. Monatsbericht April, Mai. Annalen der Chemie und Pharmacie. Herausgegeben von Wöhler, Liebig und Kopp. Bd. 94, Heft 1. Annales des mines. IV. Serie, Table des matieres. Annuaire de l'institut des provinces de France. 1855. (3 Exempl.) Anzeigen, Oöttingifche, gelehrte. 1854. Archiv für schweizerische Geschichte. Bd. 10. Berlin, Universitätsschriften aus dem Jahre 1854. Bonnewyn, Henri, Notice sur la Spigelie anthelmintique. Liege, 1854; 8% — Memoire sur le Tartrate Antimonieo-potassique, Tartrate de Potasse et d’Antimoine ou Emetique. Auvers 1851; 8% — Memoire sur [’histoire et les maladies du Solanum tuberosum. Tirlemont 1851; 8% Gotta, Bernh., Deutfchlands Boden, fein geologifcher Bau und defjen El iekungen auf das Leben der Menfien. Leipzig 1854; 8% Flora. 1855. Nr. 1—12. Sörfter, Chrift., Allgemeine Bauzeitung. Jahrgang 20, Heft A. Gefhihtshblätter aus der Schweiz. Herausgegeben von Kopp. Br. I, Heft 1. (2 Exemplare.) Gesellschaft, k. sächsische, der Wissenschaften. Abhandlungen der philolog.-hist. Classe. Bd. Il, Bogen 27 — 34. — Berichte über die Verhandlungen der philolog.-hist. Classe. 1854, Nr. 1—6. 1855, Nr. 1, 2. s ”. ın "oc » 1 52 Verzeichniss der Gesellschaft, physiealisch - medieinische, in Würzburg. Ver- handlungen. Bd. V, Heft 3. Göttingen, Universitätsschriften aus dem Jahre 1854. Greifswald, Universitätsschriften aus dem Jahre 1854. Gualandi, Michelangelo, lettera e risposta di Andrea Tessier intorno agli artisti Giov.Gherardini, Ugo da Carpi et France. Marcolini. Venezia 1855; 8% Hauer, Franz Ritter v., und Foetterle, Franz, geologische Über- sicht der Bergbaue der österreichischen Monarchie. Wien 1855; 4% Heidelberg, Universitätsschriften aus dem Jahre 1854. Heusler, A., der Bauernkrieg von 1655 in der Landschaft Basel. Basel 1854; 8% Jahrbuch, neues, für Pharmacie ete. Band III, Heft 1 — 3. Sahresbericht des Marien-Vereined zur Beförderung der Fatholifchen Miffton in Eentral-Afrifa. Nr. 4 Wien 1855; 8% Journal, the astronomieal. Vol. IV, No. 6 —9. Kiel, Univerfitätäfchriften aus dem Jahre 1854. Knabl, Nihard, der angebliche Götter-Dualismus an den Votivfteinen zu Videm und Aquilefa gegen den neueften Behauptungs-Verfuch wiederholt in Abrede geftellt. Grab 1855; 8% Kokscharow, Nicolai von, Materialien zur Mineralogie Russlands. Mit Atlas. Bd. I, Lief. 1— 15. St. Petersburg 1853; 8% Krabbe, Otto, die Univerfitat Noftof im 15. und 16. Sahrhundert. Bd. I. Noftof 1854; 8% Kupffer, A. T., Compte-rendu annuel ete. de l’observatoire physique central. 1853. St. Petersbourg 1854; 4% Lancet, nederlandsch. Serie I, Nr. 5—8; Serie III, Nr. 1— 4. Lanza, Frane., Dall’ antico palazzo Diocleziano in Spalato. Disp. 1, 2. Trieste 1855; 4% Lazari, Vine., Relazione di Andrea Gritti oratore straordinario per la Rep. di Venezia al Sultano Bajezid II. Firenze, 1854; 8% — Promissione diEnrico Dandolo, Doge di Venezia (Giugno 1192). (Append. allo Archivio Storico Ital.) Leipzig, Universitätsschriften aus dem Jahre 1854. Malvezzi, Gius., Intorno l’influenza della malattia delle uve sul pagamento dei fitti e dei livelli. Venezia 1855; 8% — Sulle ease d’Industria. Venezia 1855; 4°, eingegangenen Druckschriften. 18 > Malvezzi, Gius., Rapporto della commissione instituita per istudiare e riferire sulla possibilita di fondare in Venezia una societä pel patronato dei carcerati e liberati dal carcere (s. I. et d.); 4° Memorial de Ingenieros. Anno IX, No. 12. Mittheilungen aus dem Gebiete der Statistik. Jahrg. II, Heft 8. Mocenigo, Alvise, Doge, commissione data a Luigi Giorgio ecec. Venezia 1855; 8% | Münster, akadem. Schriften aus dem Jahre 1854. Nachrichten von der Öeorg-AuguftssUniverfität und der F. Gefellfchaft der Wiffenfchaften zu Göttingen. Jahrg. 1854. Ne gsri, Girolamo, Discorso sulla concesione di Maria. Tratto da un ceodice Mss. posseduto dal Car. Em. Cicogna. Venezia 1855; 8% Owen, Rich., Prineipes d’Osteologie compar&e ou Recherches sur l’ Archetype et les Homologies du squelette vertebre. Paris 1855; 8% Ä Piria, R., Sulla Populina. s. Il. et d.; 8°. Programm des Öymnafiums U. &. zu Hermannftadt, für das Schuljahr 1853/54. (2 Exempl.) Quetelet, sur la relation entre les temperatures et la durde de la Vegetations des plantes. (Acad&mie de Belgique , Bulletins. Vol. XXI.) Reichsanstalt, geolog. Jahrbuch, V. Heft; 4% Repertory of patent inventions and other discoveries and improve- ments in arts ete. No. 145 — 146. Robin, Edouard, Preeis element. de chimies generale ete. Part I, 1. Paris 1854; 8°- — Mode d’action des Anesthesiques par inspiration. Paris 1852; 8% — Loi nouvelle regissant les differentes proprietes chimiques. Paris 1853; 8% Rostock, Universitätsschriften aus dem Jahre 1854. Scheerer, Th., über die Krystallform und die chemische Zusam- menstellung einiger Eisenhofen-Schlacken (s. 1. etd.); 8% Schur, Ferd., Sertum florae Transilvan. Hermannstadt 1853; 8% Soeiete Imp. et centr. d’Agrieulture. Bulletin, Serie II, T. 10. Societe geologique de France. Bulletin, T. XII, No.8—11. Soeiete Linneenne de Normandie. M&moires 1824— 1828; 8% 1829 —1853; 4% Paris 1825/53. 184 Verzeichniss der eingegangenen Druckschriften. Society, chemical, quarterly journal. No. 26, 28, 29. Sprenger, A., A Catalogue of the Arabie, persian and -Hindu’sta’ny manuseripts of the libraries of the king of Oudh. Caleutta. Vol.I, 1854; 8% Stummer, Iof., Bildlihe Darftelung der Gefchichte der ausfchl. priv. Kaifer-Ferdinandg-Nordbahn, vom Beginn ded Betriebes bis zum abgelaufenen Jahre. Wien 1855; Fol. Sugenheim, Sam., Sefchichte der Entftehung und Ausbildung des Kirhenftaates. Leipzig 1854; 80% Thierarznei-Institut, k.k., Vierteljahrsschrift für wissenschaftl. Veterinärkunde. Bd. VI, Nr. A. Trausch, Jos., Chronicon Fuchsio Lupino-Oltardinum, sive Annales Hungariei et Transsilvan. Vol. 1, 2, Coron. 1847/48; 40 Vereeniging, natuurkund. in Nederländsch Indie. Tijdschrift. Vol. II, Aflev. 7. Verein für vaterländische Naturkunde in Würtemberg. Jahreshefte. Bd. XI, Heft 1. Berein für fiebenbürg. Landeskunde. Archiv. Heft 3. (2 Erempl.) Berein, hiftor. für Steiermarf. Mittheilungen. Heft6, Sahresberiht 1854. Verein, hessischer, für Geschiehts-u. Landeskunde ete. 1854. Nr.4. Verneuil, de, et Loriere de, Tableau des altıtudes, observees en Espagne pendent l’ete de 1853. Paris 1854; 8% | Villa, Ant., Notizie intorno al genere Melania. Milano 1855; 8% — ÖOsservazioni entomologiche, durante l’eclisse del 9 Ottobre 1847. Milano; 8% — Intorno all’ helix frigida. Pavia 1854; 8% — Comparsa periodica della efimere nella Brianza. Milano 1847; 8°. Visiani, Roberto de, di due piante nuove dell’ ordine Bromeliacee. Venezia 1854; 4% — delle benemerenze de Veneti nella Botaniea. Venezia 1854; 4% Wagner, Georg, Die Wüftungen im Großherzogthum Heffen. Darmftadt 1854; 8% Weisse, Max., Sternbedeckungen und Mondsterne, beobachtet auf der k. k. Sternwarte in Krakau. Krakau 1855; 8% Wietersheim, E. v., Gedächtnissrede auf Se. Maj. Friedrich August, König von Sachsen. Leipzig 1854; 4% Zantedeschi, Frane., Telegrafo delle stazioni e delle locomotive delle Strade ferate. Venezia 1855; 8% SITZUNGSBERICHTE KAISERLICHEN AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN. MATHEMATISCH - NATURWISSENSCHAFTLICHE CLASSE. XVII. BAND. II. HEFT. JAHRGANG 1855. — JULI. \ 1 Ü fl IN ARME, { A \ ’ } B { J 0 3 N A i WEI N N BE ) Jert, TA j j PASMEIREAN MLRHRRE RL | TI N = ln \ a al RR a) N N La vn 3 Rah A Y N Ede N . \ EN N) | EN B D2 b R LEN DER: f ha N A t j Dr ER X IN“, | RER A N hut Ask BANN we ale U Aa AN u R \ U. \ Ak, Hu „ fs \ ” Te { r j ul S N Va LH R ni fi NR . f \ N y Y Wine, RS Br Ki h \ “ } VW N | - j { y t f 3 x ET i h fr, AL N rear BIEh CE es, 2 , ‘ h 4 N 4 LEE \ ae rn 1 \ ' Fir | 7 18% SITZUNG VOM 5. JULI 1855. Der Secretär theilt die betrübende Nachricht von dem Ableben des correspondirenden Mitgliedes, Herrn Prof. Dr. Franz Adam Petrina mit, welcher am 27. Juni d.J. zu Prag, inFolge eines orga- nischen Herzfehlers im 55. Lebensjahre verschieden ist. Eingesendete Abhandlungen. Vereinfachte Methode der graphischen Winkelmessungen kleiner Krystalle. Von dem w. M. W. Haidinger. Als einen Zusatz zu der Mittheilung vom 5. October 1854 1?) bitte ich um Erlaubniss, der hochverehrten Classe die folgende Ver- einfachung der Methode darzulegen. Sie ist im Grunde nur eine Modification derselben, aber doch viel einfacher in der Anwendung. Man klebt den zu messenden Krystall dergestalt auf eine Spiegelglasplatte, dass die Kante, welche gemessen werden soll, senkrecht auf der breiten Fläche derselben steht. Diese Platte legt man nun auf das Blatt Papier, auf welchem der Winkel aufgetragen werden soll. Man hat es früher mit einer Linie versehen, mit deren Richtung die Projection einer der Krystallflächen nach der andern zur vollständigen Übereinstimmung gebracht wird. Man wählt eine ganz ebene Auflage, sehr glattes Papier und zieht die Linie mit einer Reissfeder recht schwarz mit Tusch und von der Breite etwa einer halben Linie oder eines Millimeters, so dass man 1) Sitzungsberichte, Band 14, Seite 3. 13* 188 Haidinger. Vereinfachte Methode d. graph. Winkelmessungen kleiner Krystalle. nach Umständen den Parallelismus auf weissem oder auf schwarzem Grunde vergleichen und beurtheilen kann. Man kann auch bereits früher mit Linien vorbereitetes Papier auf dasjenige Papier aufkleben, auf welches man die Messung projiciren will. Hat die Glasplatte die Gestalt eines etwa drei Zoll langen und zwei Zoll breiten Lineals, so kann man eine der längern Seiten sogleich als Richtschnur nehmen, und an derselben in den zwei Stellungen Linien auf das Papier ziehen, welche denselben Winkel mit einander einschliessen müssen, wie die Projeetion des Kantenwinkels auf dem Papier. Wie immer aber auch die Glasplatte gestaltet sei, so wird man doch gewiss an einer Seite dersel- ben wieinFig.1 ein Lineal AB fest anlegen können, ohne dass es kippt, und entlang der Seite AB zieht man nun eine Linie auf das Papier: Fig. 1. Fig. 2. In der zweiten Stellung, Fig. 2, ist diese Linie AB noch übrig, aber die Glasplatte mit dem Krystall und das neuerdings fest an der Platte anliegende Lineal hat man nun in eine verschiedene Lage gebracht, in welcher man entlang der Seite CD wieder eine Linie auf das Papier zieht. Die beiden Linien AB und CD schneiden sich in M unter demselben Winkel, welchen die Kante m m’ des Kıystalls besitzt. Man kann nun den Winkel BMD mit einem Transporteur messen, oder man kann durch ein auf BM oder DM gefälltes Loth ein rechtwinkliges Dreieck verzeichnen, in welchem man die beiden Katheten als Radius und Tangente von einem Massstab abnimmt und dann fang BMD berechnet, oder man sticht aus dem Mittel- punkte M von den Linien gleiche Theile mit dem Cirkel ab, z. B. BM und DM, verbindet sie durch eine gerade Linie, und halbirt diese. Dann hat man aber auch durch Vergleichung eines Mass- stabes fang '/, BMD. Oder man kann unmittelbar, wie es Herr Haidinger. Die Formen des Kalichlorcadmiates. 189 Grailich erwähnte, als wir die Methode besprachen, den Winkel für den Radius MB = MD, durch die Sehne B D ausgedrückt, in einer Sehnentafel aufsuchen. Man wird in allen diesen Fällen um so genauere Ergebnisse haben, als man mehr Aufmerksamkeit in jeder Phase des Vorgangs beobachtet. Namentlich sollte der Tisch ganz eben, und das Papier glatt sein, man sollte die Linie mit einer Reiss- feder und Tusch ziehen, und die Lineale müssen vollkommen gerad- linig sein. Ob die zwei Seiten des Lineals parallel sind, daran ist nichts gelegen, man könnte vollkommen gute Projectionen erhalten, wenn man sich eines Dreiecklineals bediente, nur eines ist unerläss- lich, die Seiten müssen vollkommen geradlinig sein. Die Methode ist auch sehr gut für Messung der ebenen Winkel anwendbar, wie sie bei starker Vergrösserung durch Mikroskope sich darstellen. Die Formen des Kalichlorcadmiates. Von dem w. M. W. Haidinger. Zu den schönsten der Krystalle, welche der k.k. Herr Hauptmann Karl Ritter von Hauer im verflossenen Sommer dargestellt, gehören ohne Zweifel die nach der Formel 2KaCl + CdCl zusammengesetzten, von wasserlosem Chlorkalium-Chloreadmium. Es sind dies flache Rhomboeder von nahe 120°, combinirt mit jenem sechsseitigen Prisma, welches die Seitenkanten abstumpft, R.co Q, Fig. 1. Diese Abstumpfun- gen sind oft nur ganz schmal, oft Fig. 1. sind auch wohl die Rhomboeder ganz ohne Veränderung. Sehr häufig sind auch Zwillingsbildungen mit paral- leler Axe wie Fig.2. Doch sind sehr oft die zwei Individuen von unglei- cher Grösse, so dass kleinere Kry- stalle nach diesem Gesetze nur an diegrösseren angewachsen erschei- nen. Die Symmetrie ist so augen- — fällig, dass man niehtanstehen sollte. sogleich das rhomboedrische Kry- stallsystem” zu erkennen. Nichts Bo- Lau 190 Haidinger. Die Formen des Kalichloreadmiates. desto weniger fand mein hochverehrter Freund, Herr Professor Rammelsberg, den Kantenwinkel so nahe = 120°, dass er für die Grundform das regelmässige Granatoid annehmen zu müssen glaubte 1). Als ich dies in der Mittheilung sah, erschien es mir zu auf- fallend, als dass ich nicht gewünscht hätte zu untersuchen, ob diese so ausgesprochene rhomboedrische Symmetrie doch gar keine Bedeutung haben sollte. In der That polarisirten die Krystalle in der Herapathit- zange die ich Herrn Professor von Nörrenberg verdanke, schon wenn man Rhomboeder, ein bis zwei Linien dick, ganz ohne weitere Vorbereitung dazwischen nahm, das Licht mit den lebhafte- sten Interferenzfarben der Ringe, man konnte leicht grosse Theile der Ringe unterscheiden, nebst den dunkelrothen Kreuzen, da die Zange das dunkelste Roth noch hindurchliess. Eine Platte senkrecht auf die Axe geschliffen, zeigte das vollkommene Ringsystem, von dem Kreuze durchschnitten. Die doppeltbrechende Kraft ist sehr schwach, so dass bei schon ansehnlicher Dicke der Platten die Ringe noch sehr gross sind. Vermittelst der Kreuzung mit der feinen Glimmerplatte, von einer Viertelwelle Undulation zeigten sich die zwei dunklen Punkte senkrecht gegen die Richtung der Ebene der Axen der Glimmerplatte gestellt, gaben also den Charakter der optischen Hauptaxe des Kali- chloreadmiates positiv, wie Quarz. Die Doppelbrechung ist so schwach, dass bei einem der Hauptaxe parallel geschliffenen Prisma von 57° die Bilder nicht getrennt erschienen. Übrigens war dann das Minimum der Abweichung = 20° 30’ daher sin (Y, 57° + 200 30) sin 490 TI sin (4,379) Tann Bei einem Versuch graphischer Messung der Axenkante erhielt ich für die zwei anliegenden Winkel aufdem Papier 1190 44’ und 60° 10 dessen Supplement —= 119° 50’ ist, Mittel = 119° 47’; durch Spiege- lung 60° 14’ also Supplement = 119° 46’. Das Grössenverhältniss der Axe a=Yy 1-115 gibt angenähert 1190 48°. Es mögen demnach, bis auf Genaueres, folgende Constanten, krystallographisch und optisch für die Species vorgeschlagen werden: Form rhomboedrisch; Grundgestalt 2 = 119° 4A8'.Axea— vi Combination 2 oo Q. Zwillingskrystalle gruppirt parallel den Flä- chen & A. 1) Sitzungsberichte der kaiserlichen Akademie u. s. w. Band 15, Seite 35. Schiefferdeeker. Über den Ozongehalt der atmosphärischen Luft ete. 191 Strahlenbrechung nach einer Hauptaxe, deren Charakter positiv ist. Die beiden Exponenten = 1'582, und nicht vor der vierten Decimalstelle von einander verschieden, jedenfalls der Exponent für den ordentlichen Strahl kleiner als der Exponent für den ausser- ordentlichen, oder w < e. Vollkommen farblos. Bericht über die vom Verein für wissenschaftliche Heilkunde in Königsberg in Preussen angestellten Beobachtungen über den Ozongehalt der atmosphärischen Luft und sein Verhält- niss zu den herrschenden Krankheiten. Von Dr. W. Schiefferdecker. (Mit 15 lith. Tafeln.) (Gelesen in der Vereinssitzung am 30. Mai 1854.) Im Februar des Jahres 1852 beschloss der Verein für wissen- schaftliche Heilkunde in Königsberg, hauptsächlich angeregt durch den damals inHenle und Pfeufer's Zeitschrift gedruckten Vor- trag des Prof. Schönbein: „Über einige mittelbare physiologische Wirkungen der atmosphärischen Elektrieität“, umfangreiche Beob- achtungen über diesen Gegenstand zu machen. Zu diesem Zwecke bildete sich eine eigene Section für Ozonometrie, deren erste Auf- gabe es war, den Plan zu diesen Beobachtungen zu entwerfen. Es wurde demnach vorgeschlagen und von dem Vereine angenommen, dass vorläufig für ein Jahr Beobachtungen über den Ozongehalt der atmosphärischen Luft in Königsberg und seinen Umgebungen ange- stellt und genaue Tabellen über alle acuten Krankheiten geführt werden sollten, damit aus der Vergleichung beider sichere Schlüsse über den positiven und negativen Einfluss des Ozongehalts der Luft auf die Entstehung und Verbreitung gewisser Krankheitszustände gemacht werden könnten. Die Ozonbeobachtungen sollten von den Mitgliedern der Section, die Krankentabellen von allen ärztlichen Mitgliedern des Vereins gemacht werden. Der Vorsitzende der Section für Özonometrie erstattet in Folgendem Bericht über diese durch 12 Monate, vom 1. Juni 1852 bis ultimo Mai 1853, angestellten Beobachtungen. 192 Schiefferdeeker. Über den Ozongehalt der atmosphärischen Luft I. Der Ozongehalt der atmosphärischen Luft. l. Meihode der Beobachtung. Die einzige und bis jetzt allgemein angewendete Methode zur Ermittelung und Bestimmung des Ozongehalts der atmosphärischen Luft bestand darin, dass man mit Jodkalium-Stärkekleister getränkte Papierstreifen in der Luft aufhing, und aus dem Grade ihrer Färbung auf die Höhe des Ozongehalts schloss. Schönbein hat zur quan- titativen Bestimmung eine Farbenscala angegeben, in der die ver- schiedenen Nüancen von Weiss bis zum dunkeln Violet in 11 Stufen getheilt sind, die mit Zahlen von O bis 10 bezeichnet werden, und es möglich machen, durch eine Zahl den jedesmaligen Ozongehalt zu bestimmen und zu notiren. Allerdings wissen wir nicht, welchen Gewichtsverhältnissen die einzelnen Farbenstufen entsprechen, aber wir erlangen auf diese Weise wenigstens bestimmte Verhältniss- zahlen, die mit einander verglichen werden können. Um die Königsberger Beobachtungen mit andern und namentlich mit den von Schönbein angestellten vergleichen zu können, und jeden Zweifel über die Gleichheit des Apparates zu beseitigen, wurden für unsere Beobachtungen die Ozonometer aus Basel ver- schrieben, wo der Buchbinder Buergy dieselben nach Schön- bein’s Angaben verfertigte. Bei der Ausführung der Beobachtungen richteten wir uns genau nach der den Ozonometern beiliegenden Gebrauchsanweisung. Es wurden die mit Jodkalium-Stärkekleister getränkten Papierstreifen an verschiedenen Orten in der freien Luft ausgehängt, nach 12 Stunden in Wasser getaucht und ihre dadurch entstehende Farbe mit der Farbenscala verglichen und notirt. So wurden in 24 Stunden 2 Beobachtungen gemacht, eine Tages- und eine Nachtbeobachtung. Im Sommer wurde der Tag von 6 Uhr Morgens bis 6 Uhr Abends, die Nacht von 6 Uhr Abends bis 6 Uhr Morgens gerechnet. Im Winter wurde statt der 6. Stunde die 7. gesetzt. Um die Papier- streifen gegen Sonne und Regen zu schützen und zugleich ihre Ent- führung durch den Wind zu verhindern, wurden kleine Behälter von Zinkblech angefertigt, die aus drei Seitenwänden und einer dach- förmigen Decke bestanden. Die Seitenwände waren möglichst viel durchbrochen, damit die Luft und der Wind freien Zutritt hätten, das Dach war dicht, damit Sonne und Regen abgehalten würden. und sein Verhältniss zu den herrschenden Krankheiten. 193 In der Mitte des Daches war ein eiserner Haken angebracht, auf dem der Papierstreifen befestigt wurde. Überdies wurden Schemate zur Aufzeichnung der Beobachtungen gedruckt, damit nicht etwa durch unzweckmässiges Durcheinanderschreiben der Zahlen Irrthümer veranlasst würden. Jede solche Tabelle umfasste einen Monat. Diese Tabellen mit Tag- und Nachtbeobachtungen wurden gesammelt und dann die aller Stationen zusammengestellt, daraus die täglichen und monatlichen Mittel für jede einzelne Station und für alle zusammengezogen. Um diese Zahlenreihen mit anderen vergleichen zu können, welche sich auf meteorologische und Krankheitsbeobachtungen bezo- gen, mussten dieselben einer Reduction unterworfen werden. Die letzt- genannten Beobachtungenbeziehen sich nämlich auf den ganzen Tag, der von Mitternacht bis Mitternacht gerechnet wird, während die Ozon- beobachtungen sich immer nur auf 12 Stunden beziehen, die nicht mit Anfang und Ende des gewöhnlichen Tages zusammenfallen. Zu diesem Zwecke wurden die Zahlen der Tagbeobachtung mit der Hälfte der vorhergehenden und der Hälfte der folgenden Nacht zusammen- gezählt. Diese Zahlen bilden die Grundlage für die meisten der nachfolgenden Betrachtungen. Sie finden sich in Tabelle IV— VI. Es betheiligten sich an diesen Beobachtungen 8 Mitglieder des Vereins und ausserdem hatte Herr Gutsbesitzer Busolt auf Louisen- wahl die Güte, 9 Monate hindurch solche Beobachtungen für uns anzustellen. Von diesen 9 Personen wurden Beobachtungen an 12 ver- schiedenen Orten gemacht, 9 innerhalb der Stadt und 3 ausserhalb. Die verschiedenen Beobachtungsstationen sind folgende : A. In der Stadt ?). I. Station in der Altstadt (im unteren Theile der Stadt am Fusse der Höhe). Der Ozonometer hing gegen W. in einem geschlossenen und verbauten Hof 15’ hoch über dem Boden. Beobachtet wurde durch alle 12 Monate. 1) Die Stadt Königsberg liegt unter dem 540 42’ 50-4” N. B. und 180 9/ 43” 0. L. von Paris, gegen Westen 6 Meilen, gegen Norden 4 Meilen von der Ostsee und 1 Meile vom frischen Haff entfernt. Sie wirdihrer ganzen Länge nach von einem Flusse durchströmt, so dass die eine Hälfte der Stadt zu beiden Seiten des Flusses in der Niederung, die andere auf der nördlichen rasch ansteigenden Höhe liegt; der untere Theil der Stadt ist so niedrig, dass er mitunter theilweise überschwemmt wird, 194 Schiefferdeeker. Über den Ozongehalt der atmosphärischen Luft II. Station in der hinteren Vorstadt (im niedrigsten Theile der Stadt). Der Ozonometer hing gegen W. in einem offenen Hof 15’ hoch über dem Boden. Beobachtet wurde durch alle 12 Monate. III. Station auf dem Münzplatze (im oberen Theile der Stadt). Der Ozonometer hing gegen O. in einem Garten am Schloss- teich 20’ hoch über dem Boden. Beobachtet wurde in den Monaten October, November, December 1852; Jänner, Februar, März, April, Mai 1853. IV. Station in der Junkerstrasse (im oberen Theile der Stadt). _ Der Ozonometer hing gegen W. an einer dem Winde sehr ausgesetzten Strassenecke 15’ über dem Boden. Beobachtet wurde in den Monaten Juni, Juli, August, September 1852, doch sind nur die Beobachtungen für die letzten beiden Monate vollständig. V. Station in der Drummstrasse (im oberen Theile der Stadt). Der Ozonometer hing gegen W. in einem Hofe 10’ über dem Boden. Beobachtet wurde in den Monaten Juni, Juli, August, Sep- tember, October, November, December 1852; Jänner, Februar 1853. Vollständig sind die Beobachtungen aber nur für Juni, Septem- ber, December, Jänner, Februar. VI. Station auf dem schiefen Berg (im oberen Theile der Stadt). Der Ozonometer hing gegen O. in einer engen Strasse 15’ über dem Boden. Beobachtet wurde in den Monaten Juli, August, Septem- ber 1852. VII. Station in der Münzstrasse (im oberen Theile der Stadt). Der Ozonoieter hing gegen O. 12’ hoch in einem am Schloss- teich gelegenen Garten. Beobachtet wurde im November, December 1852; Jänner, Februar, März, April, Mai 1853. Davon sind die Beobachtungen im April unvollständig. VII. Station in der Königsstrasse (im oberen Theile der Stadt). Der ÖOzonometer hing gegen N. in einem Garten 5’ über dem Boden. Beobachtet wurde in den Monaten Juni, December 1852; der obere liegt etwa 60 bis 70 Fuss über dem Spiegel des Stromes. In der oberen Stadt befindet sich der 47 Morgen grosse Schlossteich, ein stagnirendes von Gärten umgebenes Wasser. und sein Verhältniss zu den herrschenden Krankheiten. 195 Jänner, Februar, März 1853. Davon waren die Beobachtungen im Juni unvollständig. | IX. Station in der Königsstrasse (der vorigen Station gegenüber). Der Ozonometer hing gegen S. in einem Hof 5’ über dem Boden. Beobachtet wurde im April und Mai 1853, doch sind nur die Beob- achtungen für den letzten Monat vollständig. B. Ausser der Stadt. X. Station in Sprechan (einige 100 Schritt von der Stadt entfernt und etwa 50’ über dem Spiegel des Flusses). Der Ozonometer hing nach N. 20’ über dem Boden. Beobachtet wurde im Juli, August, September 1852. Davon sind nur die Beobachtungen im August vollständig. XI. Station in Louisenwahl ?) (in der Nähe der vorigen Station). Der Ozonometer hing unter einem grossen Baume im Garten 5’ über dem Boden in OÖ. Beobachtet wurde in den Monaten October, November, December 1852; Jänner, Februar, März, April, Mai 1853, jedoch nur im April ununterbrochen. XII. Station in Cranz (Seebad an der Nordküste von Samland). Der Ozonometer hing gegen N. nach der See zu 15’ über dem Boden. Beobachtet wurde vom 15. Juni bis 20. September 1852. Wie sich aus dem Vorstehenden ergibt, besitzen wir leider nur für 2 Stationen vollständige Beobachtungen für alle 12 Monate, von den andern nur für einzelne Monate. Die unvollständigen Beobach- tungsreihen sind aber, da es sich hier meist um Berechnung von Mittelwerthen handelt, ganz unbrauchbar. Ganz abgesehen davon, dass es überhaupt für die Berechnung der Mittelwerthe wünschenswerth gewesen wäre, sie immer aus möglichst vielen Beobachtungsreihen zu ziehen, tritt durch jene Unvollständigkeit der Übelstand ein, dass für jeden Monat eine ver- schiedene Zahl von Beobachtungen vorliegt, und auch jedesmal Beobachtungen von verschiedenen Orten. Da nun aber, wie sich aus den oben erwähnten Tabellen ergibt, der Ozongehalt der Luft an versehiedenen Stellen der Stadt verschieden ist, so sind die Mittel - werthe in den verschiedenen Monaten nicht aus gleichnamigen 1) Die Station X und XI liegen in einer Gegend, welche „die Hufen“ genannt wird. 196 Sehiefferdecker. Über den Ozongehalt der atmosphärischen Luft Elementen berechnet, und daher, strenge genommen, nicht zu einer Vergleichung geeignet. In dem niedrig gelegenen Theile der Stadt befinden sich nur 2 Beobachtungsstationen, gerade diejenigen, auf welchen constant durch alle 12 Monate beobachtet worden ist, während die in dem höheren Theile alle nur für einzelne Monate brauchbar sind. Es konnten benützt werden für den Monat Juni 3 Beobachtungsreihen v.d. Stationen 1. Il. V. Juli 3 3 ae % 1. 11. VI. August A ! A 5 1. I. IV. v1. September 5 % Ehen, \ 1.1. IV. V. 1. October 3 5 Kr % 1.11. M. November 4 a Ae $ 1. I. III. VII. December 6 ” ie 4 1.11. 11.V. VII. VM. Jänner 6 u BR „ LMM.V. Vo. VI. Februar 6 N De ” 1.11. II. V. VII. VID. März 5 ä u R 1. I. I. VII. VI. April 3 A N 0 el I. Mai 5 „ u „7: TEN. Demnach sind nur die Mittelwerthe für die Monate December, Jänner und Februar aus denselben Beobachtungen berechnet. Wie später gezeigt werden wird, sind die in verschiedenen Stadttheilen gleichzeitig beobachteten Zahlen sehr abweichend von einander; nur ausnahmsweise stimmen alle oder mehrere überein, oft sind sie ganz entgegengesetzt. Nun ist es immer misslich, Mittel aus Zahlenreihen zu ziehen, die sehr von einander abweichen, es liess sich aber nieht umgehen, denn zur Vergleichung mit den sonstigen physiealischen Veränderungen der Atmosphäre und mit dem Auftreten bestimmter Krankheitsformen musste eine für die ganze Stadt geltende Zahlenreihe gefunden werden. Übrigens bieten die Beobachtungen, die unmittelbar vor der Stadt gemacht wurden, trotz ihrer Unvollständigkeit eine Controle für die städtischen. Die täglichen Mittelwerthe für Königsberg finden sich in den Tabellen Nr. IV— VII; sie sind für alle späteren Rechnungen und Zeichnungen benutzt, und aus ihnen sind für manche Zusammenstellungen wieder fünftägige und monatliche Mittel berechnet. und sein Verhältniss zu den herrschenden Krankheiten. 197 Was nun die Methode der Beobachtung betrifft, so ist ausser Zweifel, dass die von Schönbein angegebenen Ozonometer für die qualitative Untersuchung als äusserst sicher und empfindlich anzusehen sind, für die quantitative Bestimmung aber, auf die es hier gerade ankommt, lassen sich sichere Resultate nicht erwarten. Für's erste ist die Eintheilung der violeten Schattirung in 10 Theile, wie die Baseler Ozonometer sie enthalten, eine ganz willkürliche und ungleichmässige. Es sind einzelne Stufen der Farbenscala kaum von einander zu unterscheiden, während andere sehr weit von einander stehen; überdies stimmen die Farbensealen verschiedener Ozono- meter nicht ganz unter einander überein. Wenn dies nun schon bei den Apparaten aus einer Fabrik der Fall ist, um wie viel leichter werden solche Verschiedenheiten sich einstellen, wenn Farbenscalen von verschiedenen Beobachtern an verschiedenen Orten nur nach der Beschreibung gemacht werden. Auf diese Weise erhalten die Zahlen bei verschiedenen Beobachtern eine verschiedene Bedeutung. Sodann ist die Farbe, welche das Jodkalium-Stärkepapier an der Luft und durch nachheriges Befeuchten bekommt, durchaus nicht immer violet oder blau, sondern oft röthlich oder bräunlich, so dass es mitunter sehr schwierig wird, zu entscheiden, welcher-Farbenstufe der Tabelle der gefärbte Papierstreifen entspricht. Ein anderer Übelstand ist der, dass, wenn ein solches Reagens- papier 12 Stunden lang in der Luft hängt, das Ozon nicht in der ganzen Zeit gleichmässig auf dasselbe einwirkt, sondern häufig eine in den ersten Stunden vorgebrachte Veränderung sich später nicht steigert, obgleich der Ozongehalt der Luft sieh vermehrt, ja, dass häufig eine schon entstandene Färbung später wieder ausbleicht. Wir haben zu diesem Zwecke besondere Versuche angestellt. Es wurden an 10 Tagen des Mai d. J. auf der Station I, 2 Papierstreifen in einem Behälter aufgehängt, von denen der eine (5) von 8 Uhr Morgens bis 8 Uhr Abends hängen blieb, der andere («) dagegen an 5 Tagen um 4 Uhr, an 3 Tagen um 2 Uhr, an 1 Tage um 12 Uhr und an 1 Tage um 12 und 4 Uhr herausgenommen und durch einen andern ersetzt wurde. Die Resultate dieser Versuche sind in der nachfolgenden Tabelle zusammengestellt: 198 Schiefferdecker. Über den Ozongehalt der atmosphärischen Luft 5|& < | 2 S a| a| 8 = S s| »|8 ere® R= Sul5= R= Datum =e|> = Datum e|ls < 5 N R A R 5 R ES ES ES > > {eo} > a It | wo (eo) S (ot u Er Eu eo) Den 2. Mai RER 0/21 Den10.Mai a |1 0 DE 12 bı1 0 Na RER a|ıi 3/0 e|1 A b |A Sa a LAN an 4 dar Pd, a|5 3/0 b |1 0 b|5 ce |\5 5 DL aı2 320.10 512 EN ne 0 b|ı2 . 12 b|8 0 PL DEINEN, a|6 0 cH8& 6 b |6 1 la a 0 u a a|\6 7 b|ıoO 0 b|’6 8 eı7 5 US A, a|ı“7 [UM a VRR a IL) 1 b|7 % b |0O 1 PRNSAN a|o 0 e I6 3 b |0 [DI] a ie DE al) 0 e | 2 1 b |oO 0 ce |\6 4 Es ergibt sich daraus, dass derjenige Papierstreifen, welcher den ganzen Tag gehängt hat, constant eine geringere Reaction zeigt, als die beiden anderen zusammengenommen, ja gewöhnlich geringer als einer der andern. Man kann also annehmen, dass ein der Luft aus- gesetzter Papierstreifen nach 6 bis 8 Stunden die Fähigkeit verliert durch Ozon affieirt zu werden, und dass die in ihm schon entstandene Färbung wieder zerstört werden kann, und sogar sehr häufig ver- ändert oder ganz zerstört wird. Dass diese Erscheinung nicht in einer zufälligen Verschieden- heit der präparirten Papierstreifen ihre Ursache hat, wird erstens schon durch ihre Constanz bewiesen, ausserdem aber auch durch directe Versuche. Vom 2. bis zum 15. Mai wurden auf der ersten Station zwei Papierstreifen in einem Behältniss von 8 Uhr Abends bis 8 Uhr Morgens der Luft ausgesetzt, vom 12. — 15. auch bei Tage und in allen 19 Beobachtungen war die Reaction beider Streifen gleich, wie ebenfalls aus der obigen Tabelle hervorgeht. Ferner sind gewisse Zustände der Atmosphäre von grossem Einfluss, nicht auf die Entstehung von Ozon, sondern auf das Zustande- kommen einer geringeren oder stärkeren Reaction. Ein grösserer Feuchtigkeitsgrad der Atmosphäre erleichtert — wie später noch ee ea und sein Verhältniss zu den herrschenden Krankheiten. 199 specieller gezeigt werden wird — die Reaction und erzeugt eine stärkere Bläuung, ohne dass man anzunehmen berechtigt ist, dass der Ozongehalt ein grösserer sei, als an einem Tage, wo die Luft trocken ist und eine schwächere Reaction auftritt. Sodann hat der Wind einen bedeutenden Einfluss auf das Zustandekommen der Reaction. Je mehr Luft nämlich an dem Papierstreifen vorübergeht, desto intensiver wird die Färbung werden, weil jedes vorüber- getriebene Volum Luft sein Ozon an denselben abgibt, während an einem windstillen Tage nur ein sehr kleines Quantum der stagni- renden Luft mit dem Reagenspapier in Berührung kommt und darauf einwirken kann. Es wäre daher sehr wünschenswerth, eine genauere Methode bei diesen Beobachtungen anzuwenden, die es ermöglichte den Ozon- gehalt eines bestimmten und stäts gleichen Volums Luft quantitativ zu bestimmen. Am einfachsten scheint uns dieser Zweck erreicht zu werden, wenn man einen Aspirator anwendet und ausserdem die von Schönbein angegebene titrirte Indigolösung. Allerdings würden dadurch die Beobachtungen viel mühsamer und zeitraubender und für den beschäftigten praktischen Arzt kaum ausführbar werden, man würde dadurch aber auch zu sicheren Bestimmungen gelangen. Uns war es bis jetzt nieht möglich Versuche dieser Art anzustellen, wir müssen uns daher vorläufig darauf beschränken, die weniger sicheren Resultate der mit dem Schönbein’schen Ozonometer gemachten Beobachtungen zu benutzen. 2. Der Ozongehalt der Atmosphäre an verschiedenen Orten. Es war von vornherein wahrscheinlich , dass der Ozongehalt der Luft an verschiedenen Orten verschieden sein werde, ja dass selbst sehr nahe gelegene Örtlichkeiten in dieser Beziehung Ab- weichungen zeigen würden, nicht nur desshalb, weil die Bedingungen zur Bildung des Ozon variiren, sondern auch, weil die jenen Stoff zerstörenden Effluvien nicht an allen Orten in gleicher Menge gebil- det werden. Wenden wir uns zuvörderst zu den Beobachtungen, die innerhalb der Stadt Königsberg gemacht worden sind, so sehen wir, dass dieselben grosse Differenzen zeigen. An keinem Tage sind. die Zahlen auf allen Stationen gleich, sehr häufig sehen wir die grösst- möglichste Verschiedenheit, Und zwar sind die Zahlen bald auf der 200 Sehiefferdeeker. Über den Ozongehalt der atmosphärischen Luft einen, bald auf der andern Station grösser, so dass die täglichen Beobachtungen grössere Differenzen zeigen als die monatlichen Mittel. Ziemlich eonstant sind die Zahlen der Stationen I und II, die im unteren Theile der Stadt lagen, kleiner, als die der höher gelegenen Stationen, am kleinsten die der Station I, die im engsten Theile der Stadt sich befand. Auf dieser finden wir häufig mehrere Tage hinter einander keine Spur von Ozon, was auf den andern nur ausnahms- weise vorkommt. Die Tabelle VIII enthält sämmtliche monatliche Mittel der ver- schiedenen Stationen und dient als Beleg für die oben ausgesprochene Behauptung. Es wäre wünschenswerth gewesen, die Jahresmittel der einzelnen Stationen zu vergleichen, doch ist dies wegen der Unvoll- ständigkeit der Beobachtungen nicht möglich. Auf den Stationen I und II, die allein vollständige Beobachtungen aufzuweisen haben, sind die Jahresmittel 6°0 und 8:6. Um zu sehen, ob die beobachteten Zahlenreihen auf verschiede- nen Stationen in irgend welchem constanten Verhältniss zu einander stehen, wurden auf der Tafel I graphische Darstellungen der Zahlen- reihen für die Monate Juli, August und December gemacht, aus denen man erkennt, dass zwar an einzelnen Tagen ein gleichmässiges Steigen oder Fallen vorkommt, im Allgemeinen aber kein eonstantes Verhältniss stattfindet. Wenden wir uns nun zu den Beobachtungen, die ausserhalb der Stadt gemacht wurden , so sehen wir zuvörderst, dass sowohl auf den Stationen X und XI als auch am Seestrande der Ozongehalt der Luft viel weniger Schwankungen unterworfen und zugleich viel grösser ist als in der Stadt. Die Tabelle VII enthält die wenigen vollständigen Beobachtungen, die ausserhalb der Stadt gemacht sind, und wir sehen, dass die monatlichen Mittelzahlen fast doppelt so gross sind als in der Stadt. — Dabei stimmen die Zahlen in Sprechan und in Cranz vielfach überein, obgleich die Orte 4—5 Meilen von einander liegen und der letztere unmittelbar am Seestrande. — Um diese Übereinstimmung darzustellen, wurden auf der Tafel II graphi- sche Darstellungen der Monate Juli, August und September gegeben, auf denen auch die Königsberger Mittelwerthe gezeichnet sind, und es lässt sich nicht verkennen, dass auch diese häufig den ausserhalb der Stadt beobachteten Zahlen entsprechen. und sein Verhältniss zu den herrschenden Krankheiten. 201 Eben so wenig als die Nähe der See einen besonderen Einfluss auf den Ozongehalt der Atmosphäre zu haben scheint, sehen wir einen solchen durch andere Gewässer ausüben. Auf den Stationen II und VII hingen die Papierstreifen dieht am Ufer eines stagnirenden und häufig genug stinkenden Teiches und man hätte von vornherein einen sehr geringen Ozongehalt an jenen Stellen erwarten können ; doch zeigen gerade jene Stationen sehr hohe Zahlen. Überhaupt dürfte es schwer sein die Einflüsse zu erkennen, welche die verschie- dene Ozonreaction an naheliegenden Orten hervorbringen. So hin- gen auf den beiden letztgenannten Stationen Ill und VII, welche ‚nahe an einander liegen, die Ozonometerstreifen unter ganz gleichen äussern Umgebungen nach derselben Himmelsrichtung, und dennoch war die Ozonreaction an beiden Orten oft sehr verschieden, wie namentlich aus der Tafel I zu ersehen ist, auf der eine graphische Darstellung der Ozonreaction beider Stationen im Monat December gegeben ist. Noch auflallender ist folgende Beobachtung: auf der Station I wurde einige Tage hindurch, vom 9. bis 15. Mai, auch an der Vorderseite des Hauses in einer engen Strasse ein Papierstreifen aufgehängt und es zeigte sich die Reaction hier ganz abweichend von der auf der hintern Seite des Hauses, wo der Papierstreifen über einem Hofe hing (siehe die oben im Text gedruckte Tabelle, in der ce den an der vorderen Seite des Hauses ausgehängten Papierstreifen bezeichnet). Während die mittlere Ozonreaction auf der gewöhnlichen Beobach- tungsstelle in diesen 7 Tagen nur 1°5 war, fand sich auf der andern Seite 9:0. Und doch waren die beiden Beobachtungsorte nur etwa 30’ von einander entfernt, der eine gegen O., der andere gegen W., gleich hoch über dem Boden, der eine über einer engen Strasse, der andere über einem engen gepflasterten Hof. Aus dem Obigen geht nun zur Genüge hervor, dass ÖOzon- beobachtungen namentlich in Städten an verschiedenen Stellen gemacht werden müssen, um daraus mittlere Werthe berechnen zu können, während eine einzelne Beobachtung durchaus nicht maass- gebend für die ganze Stadt sein kann. Wollte man, um gleich- mässigere Resultate zu erlangen, diese Beobachtungen ausserhalb der Stadt oder auf hohen Punkten in derselben, z.B. auf hohen Thürmen, machen, so würde man nicht den Ozongehalt der Luft kennen lernen, welche die Bewohner einathmen und welche möglicherweise die Quelle ihrer Erkrankungen sein kann. Sitzb. d. mathem.-paturw. Cl. XVII Bd. Il. Hft. 14 202 Schiefferdecker. Über den Ozongehalt der atmosphärischen Luft 3. Der Ozongehalt der Atmosphäre bei Tag und bei Nacht, Schon frühere Beobachter, namentlich Dr. Gröger in Mühl- hausen, kamen zu dem Resultate, dass der Ozongehalt der atmo- sphärischen Luft Nachts grösser sei als bei Tage. Wenn wir die in den Tabellen I bis Ill notirten Zahlen betrach- ten, so fällt es gleich in die Augen, dass durchschnittlich der Ozon- gehalt bei Tage geringer ist als bei Nacht, deutlich und durch Zahlen ausgedrückt tritt dieses Verhältniss hervor, wenn man die monatlichen Mittelzahlen von den einzelnen Stationen zusammenstellt, wie dies - in der Tabelle IX geschehen ist. Allerdings finden sich einige Abweichungen von der allgemeinen Regel. Es sind in der genannten Tabelle zusammen 53 monatliche Mittelwerthe verzeichnet, darunter ist bei 8 die Tageszahl grösser als die Nachtzahl, in einem Fall sind beide gleich, in allen übrigen die Nachtzahl mehr oder weniger grösser als die Tageszahl. Unter den 8 abweichenden Beobachtungen beträgt viermal die Differenz nur 01, einmal 1:6 und zweimal 1°9. Dabei treffen die drei letzten auf eine Station (V.) und zwar auf drei hinter einander folgende Monate December, Jänner, Februar, so dass man wohl die Einwirkung localer Einflüsse als Ursache dieser Abweichung anneh- men könnte. Übrigens fallen die 8 abweichenden Zahlen auf 6 ver- schiedene Monate und zwar Sommer- und Wintermonate. Bei der grossen Mehrzahl der Beobachtungen, nämlich $/, derselben, sind die Nachtzahlen grösser als die Tagzahlen, und zwar schwankt die Differenz zwischen 0-1 bis 1:7, einmal ist sie sogar 2'3. Was die ausserhalb Königsberg angestellten Beobachtungen anbetrifft, so finden wir in ihnen dasselbe Verhältniss, leider aber sind diese Beobachtungen nur für 4 Monate vollständig, einmal in Sprechan, einmal in Louisenwahl und zweimal in Cranz. Die Diffe- renzen schwanken zwischen 0°8 und 1:6. Nehmen wir statt der einzelnen Stationen die monatlichen Mittelwerthe von allen, so findet sich in diesen keine Ausnahme von der allgemeinen Regel. Diese Zahlen sind in der Tabelle X zusam- mengestell. Wir sehen in der ersten Reihe die Königsberger Mittelwerthe, in der zweiten die Beobachtungen von Sprechan und Louisenwahl, in der dritten die aus Cranz. Constant ist der Ozon- gehalt bei Nacht grösser als bei Tage; die Differenz variirt von 0-1 ee ee ee vr ee und sein Verhältniss zu den herrschenden Krankheiten. 203 bis 17, ersteres im Februar, letzteres im Mai, im Mittel ist Differenz 0-7. Dieses Mittel wird überstiegen in den Monaten August, Septem- ber, October, November, April und Mai, während die andern 6 Monate unter dem Mittel bleiben. Es hängt also die Grösse der Differenz nicht constant von der Jahreszeit ab, wenngleich sich ergibt, dass sie am geringsten in den Wintermonaten, grösser im Sommer, am grössten im Frühjahre und Herbst zu sein scheint. Die Zeiehnung III veranschaulicht das Verhältniss der Königsberger Mittelwerthe für den ganzen Tag, und für Nacht und Tag besonders. 4. Der Ozongehalt der Atmosphäre in verschiedenen Jahreszeiten. Schönbein spricht auf Grund seiner Beobachtungen wieder- holt die Behauptung aus, dass der Ozongehalt der Luft im Winter grösser sei als im Sommer. Er erklärt diese Erscheinung dadurch, dass erstens überhaupt die durch genuine und voltaische Elektrieität bewerkstelligte Ozonbildung um so reichlicher ausfällt, je niedriger die Temperatur ist, und dass zweitens im Winter von der Oberfläche der Erde weniger Ozon verschluckt wird als im Sommer, weil dann weniger oxydirbare Materie mit der Luft in Berührung kommt. Betrachten wir nun die Mittelwerthe, die Maxima und Minima für die 12 Monate, wie sie aus unsern Beobachtungen hervorgehen und in der Tabelle XI zusammengestellt sind, so finden wir die An- gabe Schönbein’s im Allgemeinen bestätigt. Das Mittel aus den 12 Monaten beträgt 8:1. Diese Mittelzahl finden wir im Mai, sie wird überschritten in den Monaten October, December, Jänner, Februar, März, April; die übrigen 5 Monate erreichen sie nicht. Am höchsten ist der Ozongehalt der Luft in den Monaten Februar, März, April, am niedrigsten im Juli. Die Maxima und ‘Minima ver- halten sich den Mittelwerthen ziemlich analog, wenn auch einzelne Abweichungen vorkommen; so findet sich im März das höchste Maxi- mum und der höchste Mittelwerth, das geringste Maximum dagegen im Juli, der auch den geringsten Mittelwerth zeigte. Dagegen fällt das grösste Minimum in den Februar, das kleinste in den November. — In Cranz sind abweichend von den Königsberger Zahlen der Mittel- werth und das Minimum im Juli grösser als im August. Schönbein sah in der Kälte des Winters die Hauptursache für den grössern Ozongehalt der Luft. Wir haben der Tabelle XI die Mitteltemperaturen der Monate beigefügt und ersehen daraus, dass der 14* (A Sechiefferdeeker. Über den Ozongehalt der atmosphärischen Luft März, der den höchsten Ozongehalt zeigte, auch die niedrigste Tem- peratur gehabt hat, doch fallen die 3 Monate deren Ozongehalt der höchste war, nicht mit den 3 Monaten zusammen deren mittlere Temperatur unter 0% gewesen ist. Es hat vielmehr der April, dessen mittlere Temperatur -+ 288° war, einen höheren Ozongehalt als der Jänner, dessen mittlere Temperatur — 0'49° gewesen ist. Da- gegen hat allerdings der Monat Juli bei niedrigstem Ozongehalt auch die höchste Temperatur. — Die Mitteltemperatur der 12 Monate ist + 5770, dies Mittel wird überschritten in 5 Monaten, und in den- selben 5 Monaten bleibt auch der Ozongehalt unter dem Mittel oder erreicht es nur. In den 7 Monaten, deren Temperatur unter dem Mittel bleibt, übersteigt der Ozongehalt das Mittel mit Ausnahme des Monats November. Wir können also für die 12 Monate, die unsere Beobachtungen umfassen, das Gesetz aussprechen, dass der Ozongehalt der Luft im umgekehrten Verhältniss zur Temperatur steht. Nehmen wir auf die Jahreszeiten Rücksicht, so fällt der höchste Ozongehalt in den Winter und Frühling, der geringste in den Sommer. Die schon angeführte Zeichnung Ill gibt eine Darstellung dieses Verhältnisses. Prof. Wolf in Bern gibt in dem schon angeführten Aufsatze in Poggendorff’s Annalen eine Übersicht des mittleren Ozongehalts der 12 Monate des Jahres 1853. Auch er kommt zu dem Resultate, dass der März den höchsten, der Juli den geringsten Ozongehalt zeigt, und dass überhaupt im Winter und Frühling der Ozongehalt am grössten ist. Abweichend dagegen von unserer Beobachtung findet er für die Herbstmonate einen geringeren Ozongehalt als für die Sommermonate, suchte indess diese von vorneherein auffallende Erscheinung durch die ungewöhnliche Witterung des Jahres 1853 zu erklären. Eine Zusammenstellung der W olf’schen Resultate mit den unsrigen findet sich in der Tabelle XII. 9. Einfluss der meteorologischen Verhältnisse auf den Ozongehalt der Luft. Die meteorologischen Beobachtungen, welche in den Tabellen IV bis VII enthalten sind und den folgenden Betrachtungen zu Grunde liegen, sind uns gütigst mitgetheilt von Herrn Prof. Luther, der in Königsberg seit vielen Jahren diese Beobachtungen für das Ber- liner Bureau macht. und sein Verhältniss zu den herrschenden Krankheiten. 205 A. Die Temperatur und der Ozongehalt der Luft. Was die monatlichen Mitteltemperaturen und ihr Verhältniss zu den mittleren monatlichen Ozonwerthen betrifft, so haben wir das darauf Bezügliche schon in dem vorigen Abschnitte mitgetheilt. Wenden wir uns nunzu den täglichen Schwankungen der Temperatur und des Ozongehalts der Luft, so finden wir hier kein festes Verhält- niss ausgesprochen. Da es schwer ist sich aus Tabellen eine Vor- stellung von diesem Verhältnisse zu bilden, so haben wir in der Tafel IVeine graphische Darstellung desselben für die Monate Juli, August und September gegeben. Allerdings fallen mitunter bedeu- tende Steigerungen des Özongehalts mit plötzlichem Sinken der Temperatur zusammen, indess bemerkt man auch oft das Entgegen- gesetzte, so dass es nicht möglich ist, ein Gesetz zu erkennen. B. Der Barometerstand und der Ozongehalt der Luft. Was die täglichen Schwankungen anbetrifft, so lässt sieh hier ebensowenig als bei der Temperatur ein Gesetz erkennen. Die schon angeführte Zeichnung IV enthält auch eine graphische Darstellung des Barometerstandes für die Monate Juli, August und September, und ersehen wir daraus, dass zwischen dem Ozongehalt der Luft und dem Barometerstande kein constantes Verhältniss besteht. Betrachten wir die monatlichen Mittelwerthe, wie sie in der Tabelle XIII zusam- mengestellt sind, so sehen wir, dass die Schwankungen des Ozon- gehalts durchaus nicht mit denen des Barometers übereinstimmen. Der mittlere Barometerstand für die 12 Monate ist 28” 0:15”; unter diesem Mittel bleiben die Monate Juni, October, November, Deceiber, Februar, April, die andern Monate übersteigen dasselbe mehr oder weniger. Dieses Resultat widerspricht der Angabe von Wolf, wonach in Bern bei niedrigem Barometerstande der Ozon- gehalt grösser als bei hohem gewesen ist. C. Die Feuchtigkeit und der Ozongehalt der Luft. In der Tabelle XII finden wir die mittlere Feuchtigkeit für die 12 Monate zusammengestellt, und es fällt in die Augen, dass dieselbe in den kalten Monaten grösser ist als in den warmen. Das Mittel ist 80:6; es wird überschritten in den Monaten October, November, December, Jänner, Februar, März, April, während die übrigen 206 Schiefferdecker. Über den Ozongehalt der atmosphärischen Luft 5 Monate mehr oder weniger darunter bleiben. Es fallen also im Allgemeinen die 7 Monate mit der grössten Feuchtigkeit zusammen mit den 7, die den grössten Ozongehalt zeigen. Doch sind die Monate November, December, Jänner die feuchtesten, während der Ozon- gehalt am grössten ist in den Monaten Februar, März, April, so ist also das Steigen und Fallen des Ozongehalts nieht völlig proportional mit dem Steigen und Fallen der Feuchtigkeit. Was die täglichen Schwankungen anbetrifft, so haben wir, um eine deutliche Anschauung von dem Verhältniss zu gewinnen, für 9 Monate, nämlich für Juli, August, September, Oetober, November, December, Jänner, Februar und März, graphische Darstellungen des Özongehalts der Luft und der Feuchtigkeit gemacht (siehe die Tafeln V, VI, VII). Aus ihnen kann man ersehen, dass allerdings eine grosse Übereinstimmung zwischen dem Ozongehalt und der Feuchtigkeit besteht, die aber doch häufige Ausnahmen erleidet, so dass es von vornherein wahrscheinlich wird, dass hier noch irgend ein anderes Moment mitwirke, welches einen störenden Einfluss aus- übt. Wir werden später auf dies Verhältniss noch zurückkommen und die Aufklärung desselben versuchen. D. Regen und Schnee und ihre Wirkung auf den Ozon- gehalt der Luft. In den Tabellen IV bis VII sind die Regentage mit R, die Schneetage mit S bezeichnet. Ausserdem ist in der Zeiehnung: VII eine graphische Darstellung des Ozongehalts der Luft für die Monate Juli, October und December gegeben, und zugleich sind die Regentage mit Punkten, die Schneetage mit Ringen (°) bezeichnet. Es scheint daraus hervorzugehen, dass der Ozongehalt der Luft weder durch Regen noch durch Schnee verändert wird, denn wir finden in den sehr regnerischen Monaten October und December die grössten Schwankungen im Ozongehalte, und im Juli den höchsten Ozongehalt gerade an Tagen, an denen es nicht regnete. Prof. Schönbein gibt wiederholt an, dass bei Schneefall die Reaction auf Ozon eine sehr starke wäre und erklärt diese Erscheinung dadurch, dass Schneefälle stäts mit sehr merklicher elektrischer Erregung der Luft verbunden sind, die ihren Hauptgrund in dem Zerbrechen der Schneeflocken haben soll. Nach unsern Beobachtungen ist ein constantes Steigen des Ozonometer bei und nach Schneefällen nicht zu bemerken. und sein Verhältniss zu den herrschenden Krankheiten. 20% Auch Prof. Wolf kommt durch seine Beobachtungen zu dem Resultate, dass der Ozongehalt der Luft durch Regen und noch mehr durch Schnee gesteigert werde. Er hat, um dies zu zeigen, den mittleren Ozongehalt an schönen Tagen, an Regentagen und an Schneetagen berechnet und kommt dadurch zu folgenden Zahlen: Ozongehalt an schönen Tagen 4'86 N „ Begentagen 11:40 5 „ Schneetagen 14-15. Wir haben dieselbe Methode angewendet, und für jeden Monat den mittlern Ozongehalt für schöne Tage, Regentage und Schneetage berechnet. Es finden sich diese Zahlen in der Tabelle Nr. XIV zu- sammengestellt. — Wir ersehen daraus, dass mit Ausnahme des Monats November die Ozonreaction an Regentagen immer grösser ist als an schönen Tagen. Schneetage sind in 7 Monaten vorgekom- men und in 4 derselben ist die mittlere Ozonreaetion geringer als an Regentagen, in 3 grösser, dagegen ist sie mit Ausnahme des Monats März immer grösser als an schönen Tagen. Nehmen wir die Mittel für alle 12 Monate, so erhalten wir fol- gende Zahlen: Ozongehalt an schönen Tagen 6°9 ei „ Hegentagen 8:9 3 „ Schneetagen 10:1. Wir kommen also, wenn wir die jährlichen Mittelwerthe ver- gleichen, zu demselben Resultate, wie Prof. W of, nur sind die Diffe- renzen in unsern Zahlen nicht so gross. E. Der Wind und der Ozongehalt der Luft. In den Tabellen IV— VI ist die Richtung und Stärke des Windes für jeden Tag angegeben und man ersieht leicht, dass die Riehtung desselben im Allgemeinen ohne allen Einfluss auf die Ozon- bildung ist. A priori könnte man annehmen, dass die Richtung des Windes insofern einen Einfluss ausüben müsste, als die ausgehängten Papierstreifen besonders von dem Winde getroffen werden, der aus derjenigen Himmelsrichtung kommt, nach welcher sie hängen, dass also z. B. ein Reagenspapier, das auf der Ostseite eines Hauses hängt, besonders durch den Ostwind affieirt wird. Um diesen möglichen Einfluss zu veranschaulichen, ist auf der Zeichnung XI eine graphische Darstellung gemacht, in der die tägliche Windesrichtung 208 Sehiefferdeeker. Über den Ozongehalt der atmosphärischen Luft für den Monat Februar angegeben ist, und zugleich die mittleren Ozonwerthe von 2 Stationen die nach O., und 2 die nach W. gelegen sind. Man bemerkt aber nicht, dass die Ozonometer auf der Ostseite besonders bei Ostwind, die auf der Westseite besonders bei West- wind verstärkte Reaction zeigen. Prof. Wolf in Bern hat durch Berechnung der Mittelwerthe gefunden, dass durchschnittlich die Ozonreaction bei Westwind am höchsten ist; seine Zahlen sind folgende: NO. NO. ©. S. S. SW.W.N.W. 84 6:8 9-4 12.2 Bei unseren Beobachtungen lässt sich eine solche Reihe nicht berechnen, weil bei uns der Wind an einem Tage gewöhnlich so oft wechselt, dass für viele Tage eine bestimmte Windesrichtung gar nicht angenommen werden kann. Was die Stärke des Windes anbetrifft, so hat sich heraus- gestellt, dass durchschnittlich die Ozonreaction mit der Stärke des Windes steigt. An stürmischen Tagen ist die Reaction fast immer eine sehr bedeutende gewesen, an windstillen Tagen eine geringe. Auf der Zeichnung VII ist für die Monate Juli, October und December die Stärke des Windes graphisch dargestellt und lässt sich daraus nicht verkennen, dass durchschnittlich mit der Steigerung des Windes auch eine Steigerung der Ozonreaction einzutreten scheint, und umgekehrt. Da die Windstärke einen Einfluss auf die Ozonreaction ausübt, und wir dasselbe schon früher bei der Feuchtigkeit gesehen haben, jedes dieser Momente allein aber inseinen Wirkungen nicht ganz con- stant ist, so haben wir versucht, eine Zahlenreihe aus Windstärke und Feuchtigkeit zusammen herzustellen, und auf den Zeichnungen VII bis X diese Zahlenreihe gleichzeitig mit der Ozonreaction graphisch darzustellen. Es ist dies für die Monate Juli, August, September , October, November, December, Jänner und Februar geschehen. Aus dieser Darstellung ist unschwer zu ersehen, dass die beiden genannten Linien auffallend übereinstimmen und nur selten Abweichungen zeigen, so dass wir das Gesetz aussprechen können, die Ozonreaction ist im Allgemeinen proportional einer Zahlenreihe, die aus der Windstärke und aus der Feuchtigkeit der Luft zusammengesetzt ist. Hiebei müssen wir uns aber die Frage aufwerfen, ob die durch Windstärke und Feuchtigkeit gesteigerte Ozonreaction wirklich einer und sein Verhältniss zu den herrschenden Krankheiten. 209 gesteigerten Ozonbildung entspricht, oder ob vielmehr durch jene Momente nur die Einwirkung des Ozons auf das Reagenspapier erleichtert wird. Letzteres scheint uns das Wahrscheinlichere, denn durch den Wind wird mehr Luft mit dem Reagenspapier in Berührung gebracht und kann sein Ozon an dasselbe abgeben, durch die Feuch- tigkeit aber, die sich dem Papier mittheilt, wird jedenfalls die Ein- wirkung des Ozons auf den Jodkalium-Stärkekleister erleichtert. F. Die Gewitter und ihr Einfluss auf den Ozongehalt der Luft. In den Tabellen IV bis VII sind die Gewitter durch Stern- chen (*) bezeichnet. Es kamen in den 12 Monaten auffallend wenig Gewitter vor, nämlich im Juni 2, August 2, September 2, in allen übrigen Monaten keines, also nur 6 im ganzen Jahre. Schönbein gibt an, dass Gewitter stäts eine bedeutende Steigerung des Ozongehalts der Luft hervorrufen. Wir sehen nach unseren Beobachtungen nur zweimal eine deutliche Steigerung der Özonreaction an dem auf das Gewitter folgenden Tage hervortreten. Das Gewitter am 24. Juni brachte eine bedeutende Steigerung am 25. Juni hervor, das am 11. September eine Steigerung am 12. Sep- tember. Die andern 4 Gewitter übten keinen merklichen Einfluss auf die Ozonreaction aus. Es wäre nun noch sehr wünschenswerth, den Ozongehalt der Luft mit der Luftelektrieität zu vergleichen, leider aber werden in Königsberg keine Beobachtungen über Luftelektrieität gemacht, und wir müssen daher auf diese Vergleichung verzichten. Überblicken wir nun noch einmal die Resultate, zu denen die Königsberger Beobachtungen über den Ozongehalt der Luft und ihre Vergleichung mit anderen meteorologischen Beobachtungen geführt haben, so lassen sich dieselben in folgender Weise kurz zusammen- fassen: 1. Die von Schönbein angegebene Methode zur quantitati- ven Bestimmung des Ozongehalts der Luft ist schon ihrem Prineip nach nicht zuverlässig und wird ausserdem noch durch meteorologische Verhältnisse, vorzüglich durch Wind und Feuchtigkeit, unsicher gemacht. . Der Ozongehalt der Luft ist an verschiedenen Stellen einer Stadt durch locale, nieht näher zu bestimmende Verhältnisse as) 210 Sehiefferdeeker. Über den Ozongehalt der atmosphärischen Luft 11. “12. 13. so verschieden, dass eine einzelne in einer grösseren Stadt gemachte Beobachtungsreihe durchaus unzuverlässig ist und dass die aus mehreren gleichzeitig an verschiedenen Stellen derselben Stadt angestellten Beobachtungen gezogenen Mittel- werthe auch nur annähernd richtig sein können. . Der Ozongehalt der Luft ist an einem ausserhalb der Stadt gelegenen Punkte constant grösser und weniger wechselnd als innerhalb derselben. . Die Nähe des Wassers, sowohl die der See als die eines stagnirenden Teiches, übt keinen merklichen Einfluss auf die Ozonreaction aus. . Der Ozongehalt der Luft ist in der Nacht grösser als bei Tage. . Der Ozongehalt der Luft ist in den kalten Monaten grösser als in den warmen. . Die täglichen Temperaturschwankungen üben keinen eonstan- ten Einfluss auf die Ozonreaction aus. . Dasselbe gilt von den Schwankungen des Barometerstandes. . Die Feuchtigkeit der Luft befördert die Ozonreaction. . Regen und Schnee üben einen Einfluss auf die Ozonreaction aus, der zwar nicht ganz constant ist, aber doch in den jähr- lichen Mitteln so hervortritt, dass der Özongehalt an Schneetagen grösser als an Regentagen, und an diesen wieder grösser als an schönen Tagen ist. Der Wind wirkt je nach seiner Stärke befördernd auf die Ozonreaetion, die Richtung des Windes dagegen hat keinen Einfluss darauf. Die Ozonreaction ist in ihrem Steigen und Fallen proportional einer Zahlenreihe, die aus der Windstärke und dem Feuch- tigkeitsgrade der Luft zusammengesetzt ist. Gewitter bewirken mitunter eine plötzliche Steigerung des Ozongehaltes der Luft. Diese Resultate beruhen auf den Beobachtungen eines Jahres, und verhehlen wir uns nicht, dass mehrjährige Beobachtungen die- selben wohl in manchen Punkten modifieiren könnten. und sein Verhältniss zu den herrschenden Krankheiten. 211 I. Der Ozongehalt der Luft und sein Verhältniss zu den herrschenden Krankheiten. Wir kommen jetzt zu demjenigen Theile des Berichtes, der für den Arzt der wichtigste ist und der erst die wahren Resultate der Gesammtbeobachtungen enthält. Über das Verhältniss des Ozons zu den Krankheiten besitzen wir, wie schon in der Einleitung angege- ben wurde, bis jetzt keine sichern Beobachtungen. Schönbein gibt wiederholt an, dass er in Basel bemerkt habe, wie bei hohem Ozongehalte der Luft viele katarrhalische Krankheiten herrschten, und dasselbe bestätigt Spengler für Roggendorff. Ausserdem soll nach Schönbein ein englischer Arzt, Dr. Hunt, behauptet haben, dass während einer Choleraepidemie die Luft kein Ozon enthalten habe. Aus vielen theoretischen Gründen und einigen von Schön- bein angestellten Experimenten war es überdies wahrscheinlich geworden, dass der Ozongehalt der Luft auf die Entstehung und Ver- breitung mancher Krankheiten bald einen positiven, bald einen nega- tiven Einfluss ausüben könne. Um über diese Verhältnisse zu einem wirklich sichern Resultate zu gelangen, wurden in den genannten 12 Monaten von den meisten ärztlichen Mitgliedern des Vereins genaue Krankenlisten geführt. Es waren zu diesem Zwecke gedruckte Schemata vertheilt, in denen alle acuten Krankheiten der Reihe nach angeführt, und zugleich die Einriehtung getroffen war, dass an jedem Tage die beobachteten Fälle notirt werden konnten. Jede Tabelle war für einen Monat berechnet und sollten nur diejenigen Fälle eingetragen werden, bei denen sich der erste Erkrankungstag genau ermitteln liess. Aus diesen einzelnen Monatslisten wurde dann eine einzige, alle Beobach- tungen umfassende zusammengestellt. Es wäre für unsern Zweck sehr wünschenswerth gewesen, wenn wir eine Zusammenstellung sämmtlicher in der Stadt vorgekommenen Erkrankungsfälle hätten benutzen können, eine solche liess sich aber nicht beschaffen, und wir haben nur die Beobachtungen einer ver- hältnissmässig kleinen Zahl von Ärzten zur Disposition. Da sich indess unter diesen das städtische Krankenhaus, die Klinik und Poli- klinik und die Hälfte der Armenärzte befinden, so können wir wohl annehmen, dass wir wenigstens die Hälfte der in Königsberg vorge- 212 Schiefferdeeker. Uber den Ozongehalt der atmosphärischen Luft kommenen acuten Erkrankungen für unsere Zwecke haben benutzen können, und dass wir daher nicht anstehen dürfen, unsere Zahlen als maassgebend für die Bestimmung des herrschenden Krankheits- eharakters zu betrachten. Leider sind indess auch diese Beobachtun- gen nicht von allen Mitgliedern für alle 12 Monate gemacht, namentlich fehlen für die letzten 3 Monate das städtische Krankenhaus, die Poliklinik und einer der Armenärzte, so dass diese Monate für sichere Schlüsse nicht zu benutzen sind. Es sind in den ersten 9 Monaten im Ganzen 5.418 acute Erkran- kungen notirt worden, nämlich: im Juni 1852 0. 20... 00 008 „ Juli NUT 2 1 a „ August EAN RU RARNON BRIAN) „september u 0%. u. 2.0.00 02.0998 „ October N 2 Nr „November: u... 0... ua „December 0... . 0... 008 „Jänner: 1833... 0.000 020265 „ Februar N N a le ke Dazu kommen noch für Märzı1859° a De April „ IA a N.) len EL elio: Da diese Monatstabellen wegen der vielen Rubriken keine Über- sicht gewährten, so wurden aus ihnen andere berechnet, in denen die Krankheiten zu grösseren Gruppen vereinigt und immer 5 Tage zusammengezogen wurden. In den Monaten mit 31 Tagen enthält die 6. Rubrik immer die Summe für 6 Tage, im Februar die für 3 Tage. Diese Zahlen finden sich in den Tabellen XV und XVI für alle 12 Monate. Diesen Tabellen sind zugleich die mittleren Ozonwerthe für die einzelnen fünftägigen Perioden und die Maxima und Minima des Ozons beigefügt. In der Tabelle XVII sind die Summen für die ganzen Monate mit den mittleren monatlichen Ozonwerthen zusam- mengestellt, und ausserdem noch dieselben Krankheitsgruppen in ihrem procentlichen Verhältniss hinzugefügt. und sein Verhältniss zu den herrschenden Krankheiten. 213 In allen diesen Tabellen sind besonders angeführt: 1. die Summe sämmtlicher Erkrankungen, 2. die Summe der Brust- und Hals-Krankheiten, 3. die Fälle von Pneumonie und Pleuritis, 4. die Krankheiten der Respirations-Schleimhaut, 5. Morbillen, 6. Scar- latina, 7. Variolae und Varicellae, 8. die Rheumatismen, 9. Typhus und gastrische Fieber, 10. Intermittens, 11. Diarrhöe, 12. Cho- lera, 13. die sonstigen Krankheiten. Um eine noch leichtere Übersieht zu gewähren, sind in der Tabelle XVII die Krankheitsgruppen noch mehr zusammengezogen, und sowohl ihre absoluten Zahlen als auch ihre procentlichen Werthe nach den Monaten mit den Ozonwerihen zusammengestellt. — Den angeführten Tabellen entsprechen die graphischen Darstellungen auf den Tafeln XI — XV. Wenden wir uns nun zuvörderstzur Betrachtung der beobachteten Krankheiten, so sehen wir, dass in den 12 Monaten mehrere und theilweise ihrem Charakter nach entgegengesetzte Krankheiten mehr oder weniger gleichzeitig geherrscht haben. — Entzündliche Brust- krankheiten und Katarrhe sind durch die ganze Zeit beobachtet worden, sie waren besonders vorherrschend im November, Decem- ber, Jänner und Februar. Dessgleichen herrschten Typhus und gastrische Fieber ununterbrochen, doch fand bei ihnen eine unge- wöhnliche Steigerung im August und September Statt, mit einem auffallenden Maximum in der Mitte des August. Ziemlich gleichzeitig damit wurden Wechselfieber beobachtet, die ebenfalls im August und September am häufigsten vorkamen, und im September ihr Maximum erreichten. Ausser diesen bei uns ununterbrochen in wechselnder Ausbrei- tung herrschenden Krankheiten wurden folgende als epidemische beobachtet. Die grösste Ausdehnung hatten die Masern; sie traten Ende August auf, verbreiteten sich allmählich bis Ende October, dann herrschten sie bis Ende November in einer ganz ungewöhnlichen Ausdehnung, nahmen rasch ab, und verschwanden Mitte Jänner. Nach den Masern war der Ausdehnung nach die bedeutendste Epidemie die der Cholera. Sie begann mit dem September, erreichte in der Mitte dieses Monats ihr Maximum und hörte Mitte November auf. Gleichzeitig mit der Cholera herrschten Diarrhöen in grosser Ausdehnung. Sie begannen schon im Juli sich ungewöhnlich zu ver- breiten, erreichten mit der Cholera gleichzeitig ihr Maximum und D1A Schiefferdeeker. Über den Ozongehalt der atmosphärischen Luft ete. sanken mit dem Aufhören der Letzteren auf denjenigen Grad von Häufigkeit, wo man sie nicht mehr als Epidemie betrachten konnte. Noch zwei exanthematische Krankheiten herrschten in geringe- rem Grade; beide begannen mit dem Nachlass der Maser-Epidemie. Die Pocken erreichten ihr Maximum im Jänner und nahmen dann allmählich gegen das Frühjahr hin ab, der Scharlach nahm gegen den Frühling zu, und fällt nur mit seinem Anfang in die Monate December, Jänner und Februar. Wäre nun die Behauptung von Schönbein richtig, dass das Ozon eine positive Wirkung auf die katarrhalischen Krank- heiten und eine negative auf die miasmatischen (Intermittens, Typhus, Cholera, Diarrhöe) ausübt, so hätte der Ozongehalt sein Maximum in der von uns beobachteten Zeit im November, sein Minimum im September haben müssen, diese Monate zeigen aber gerade einen ziemlich übereinstimmenden mittlern Ozongehalt. Werfen wir noch einen Blick auf die vorliegenden Zeichnun- gen, so sehen wir, dass durchaus keine Beziehung zwischen irgend einer Krankheit und dem Ozongehalt der Luft aufzufinden ist. Auch plötzliche bedeutende Steigerungen des Ozongehaltes wirken durchaus nicht auf die Entstehung katarrhalischer Krank- heiten der Respirationsorgane befördernd ein, wie dies aus den Tabellen XV und XVI, welche die Maxima und Minima des Ozons enthalten, zu ersehen. Wir gewinnen daher aus unsern Beobachtungen, deren Um- fang hinreichend gross war, um sichere Schlüsse zu gestatten, das Resultat, dass zwischen dem Ozongehalt der atmosphärischen Luft und. der Entstehung und Verbreitung der Krankheiten keine Beziehung aufzufinden ist. Dieses rein negative Resultat hat uns bewogen, nach Ablauf von 12 Monaten die Beobachtungen einzu- stellen. Tabellen 215 Über den Ozongehalt der atmosphärischen Luft TA- Abends 6 Uhr Morgens 6 Uhr ‚MT "oO IA uones » uoreIg uoneIs uoneIg woyeIg uorreJg SM U Ser er N Tee SE Et ER ar N er N ESTER SEE NEE VE ET RIESE Kr es „ STSTITSTISTSFISIHHT STETTEN ATI SIED ESTER IENZEST TOT STEH TEE ED or ee N Gt ES ER ES Een En VE SE SEN TE ME BER EERN oo N nn a m m 9 Ta N Tr co N N a a aan m nn no Ta 5, + + . E >» So ro =» @ Wo N Taa Ta en oa a oT Tan TR ST M I uvoneJs 2 . Si 0 20 DD mm Ten. er Cm Or era ee er ET er NEE SEE NS Eines BEE SSH BE SCH Be ar En Eee Sr EEE Ca EN En fe) > a a 20 oO IA wonelS = == a eT, a [n) 2 SH "M A uoneIg a a 1) = ET er Ser Je „EEE > Ber 1. 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Abends 7 Uhr Morgens 7 Uhr Abends 7 Uhr Morgens 7 Uhr 116 138 160 129 140 . 1137 146 164 100 157 4 ‘mM I uorre}s (==) Qi (=>) [an I nD ei DD ei SS Er) care "M II voggg SIITSIIIIOIEIIIISESTSH PIE FEN! uo1le}S So oa N m oO m a7 Su a pn o uole4g SO 1 28 2 © S S SI ren IRA cn uoe4S oO rı2 r 9% % vr, oo an — voeIg SESMELDEIUTSIISIENIISEISELA IE SULE SHE AT uoneIg > a er Er Fe %es D nn © 2% N 2 TT 8 © m 2 m N. oO N 9 9 . 156/160 95]Summa 159 I>. 79 N ID Be ın 123 114 128 - 1191 123 194 103 185 165 1131 Summa wong TESTSEITE S 3 [=) Q=) 2% >) voneIg > oo eo N x oo N NN oO mr, ma oo vo mr N nn Ss oo N oa N NN 2 SS SS Ho © uoyeIg AUT oa NSS TTS SS TAT TAT RS Ba Tora Tea Tea ne vonzIs. 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D + * + + + . ‘ Über den Ozongehalt der atmosphärischen Luft Schiefferdecker. 20 2 TA- Abends 7 Uhr Morgens 7 Uhr Abends 7 Uhr Morgens 7 Uhr ZMETZUONELS "M Ir vonegs "Oo. IX uoyeJs "MI uoners ZMEITZUOTLEIS "oO IA uone3s s0ZIURuUoHErS IX wonels "MI vonug "M II vous "M A vous "0 IIA ons "0 III voneg "N IIIA voneg Oo IX wong "M I uoneg "M II vonels MA uone}S "O IA uoyers u017%IS "N IIIA IX uones uoneJg nn m © Te re Dr mn 2 98: 2: oe «2 Tr 2 Sa na N 2 NN SO SO HH SB COS LH Tr N 2 TEE TEE BEE BERN EN ns ARENA EEENE 29 a Fe UT AFTSTATRTRDT IC ini TG SE DE IE IE EEE EEE IE EEE FE DIESER EERSEISNECHTET 1 STE Se 5 FE SE 0) — 22 a nn Er} nn oo nn oa oa N 8 © LT EL „ Ser 1 ES > Bose N er — u 2 —i —i ee I oTer} I EMTEC EN FEN EHE) ee) Ce Ko) a FASTEN ES) m m Pe ee VRR or FE ol Tor WEEte SIE.) 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BELLE Il. SR RT OHSTIENIESITEDESESIESTFTTISTE STEHE ERS DES BEE To BI 0 nina een TG vous PR ART TTTAEODEDFSEN ER ETOEOTISEEDSAIDFEELFEIERMELATSILEIE SITES SEES EESENESEEER > = uoeIs 2 ETUI SEITE DELETE IF EEE TAT EAN NEEDIFE TE ENERTEFETIREReHEmeRmEC =) uonreJS un u u un u nn a N u en u 5 CI IEIEE IT SEE er era ıta oa ntn = uorreJS De vo ee er ne SE m un Ye ne rn a en er Is! SE EIER IN FR EICHE SITES Fo Gene eN ch ee < uorIeIS er Dr ra un Er OFEN RSTLLOFENSIETESFICONEISOLE TON ERDE TED TREO uore4g wong EOS ESETEIFSE STERNE FEN EE SE STE SERIES ee Bo BEE ERS ren wen wong Sr LIED EIFTD TI EFF I EIZTI LIEF TI FCH SICHERT ICH Ersee C0 Sao CO aa HEERES SEIIEREESEISTENEERErSERrSEI EDER SEE SET DEINES SIT ee Fer a Ten uUolJeIS nm DER FIEDLER Teer ID EIERN od lan Bel Gr) uUorJeIS -— — Morgens 6 Uhr voneIs wong ENTE NT ERAE IDEE IDEE au II ST OH a ea a nn nn I Be — I m MOL u, EL. > Ba er N 2 a aQ a a IESTROFTIIIIISETIIESIESIESE SE FAT IST oma II IRIEEENTESTEITESTESHE SEE SE uoneIg RN OTRISERTRNNTOEH EEE DEFENDER OB DEREN Fan EEE EETOEETCOHED TE 2 uogeyg > ISO FIT CI SETS STE ro SEE Fear BroresTeT es EEE R=En uoreIg Jo} . n DIT SCHEITERTE our SIERe Ego TREO NEE Er = uoreIs = © nn So ©. Na a NOS nn 2 SS aaa nn a aa a nam = voyeIs = u 7 DEITTEDESTEDIESTESTDEEDETZESER TERN SEES IE OO ESSEN SE Eon See Smen Ser uoneIs ma RIFF DE TOD FH TSF AI 3 N m Oo oO nn nn nn en nn N AN [en a N IE SEN OTESTEDTEATET ET EICHE ELDER O TEE SE BEL Em == E00 FEN SE Seo WESER SIECMLIETZIER uone4g uonwgg voneIg S Sr WED ed aaa ae uoNegg UI IE NTSC I TTS GIIONE SOFT Sn ON Sen Morgens 6 Uhr uonegg o —i DIESES SIRESESEIIERSIERTESER DT ECCENEN ERS ITSTSITTDI ES ID ISIS ER EEE u01J%IS — — me — — NE EEE ee IE SERIES NETT ER ee ee — -— ke Ba 2 BEE Bee a 26 27 28 29 9]Summa « 85 . 1163 d. pr. 222 Schiefferdeceker. Über den Ozongehalt der atmosphärischen Luft TA- Juni 1852. Barometerstand. . = 28 |. 28.| 28 | 28 | 28.) 28.128 | 27 | 20 20 |, Zu zener 1:82| 2:83| 2-73] 1:97| 1-16| 0:81) 1-21) 0:45] 9-80) 6:85] 8°48| 9-88] 8:72| 9-12 Thermometerstand}10°70|11:60.13°00 13°37111 43 13:13113°77 1443| 16°13115°30/13°90/14-07|12-0711°23 Feuchtigkeit . . .|65°1 162-5 62:8 | 59:8[75°9 |77°:5 [79:3 18352 |74°6 |80:8 |78:1 |80:6 1849 |80.9 Regen und Schnee] R. R. — — _ = | I R. R. R. R R. x : - | SW- - - Windesrichtung. .| NO |O-N | O |0-N 0-NO| N N |IN-NO| NO Sr an Ei W Nr Stärke des Windes| 1—2| 1—2| 1—2|2—1|1—2| 1 il 1|1—2 112-1 1 |1-22 1 Ozongehalt d. Luft auf StationI W.| 7° Ve W.lg le 5° = PS o -I o ==} =) > PS o s se TE W. im Mittel 2. XI.N. Juli 1852. Barometerstand 25 2 28 28 »8 28 0-55) 2-32| 3-47) 2:96 1:39| 0-98) 1:39] 1-68 Thermometerstand|14-85,13°20115-40113°40 16-80|17-57|17-37114-90116-13 Feuchtigkeit . . .166°8 |70°0 1662 [75°3 70-6 |67-3 \62-9 165-9 |66°6 155.4 Regen und Schnee| R. R. —_ R. _ — — — e- —- Windesrichtung. | W| W | W | W Ar NW Re RN Stärke des Windes] 3—1| 2—1| 1—2| 3—1 1—2|1—2 1 Ozongehalt d. Luft auf Station I W.| 60 | 65 | 55 110-5 10 | 30 1-5 Bi VI ©.| 95 1115 !65 | 7-5 45 | 9-0 50 ale. 1 W.|35|#0|160|35 60 | 35 40 imMittell 63 | 73 | oo | 71 38 | 51 35 XEH NAT. ! P { 11-0 11-5 9-5 =, RIEN.412-5 11:02)12>52013-5 14-0 |14-0 1-5 August 1852. 37 127. 27 1.22%) 27.271. 22|0,27.| 27 1. 200 2m 111-96,10-79 10-39) 9-43) 9-96.10-00 7-9010°50110-49| 7-68] 9:61111°26| 9-90110-54 Thermometerstand] 14-07 14:87|15°47|15-77\15-3714-97/16°67/16°30 18-57|17°93|13°9714°17/13:07113°30 Feuchtigkeit . . .58:6 1682 |69-8 167-8 1785 |7&1 |80:9 1714 [604 |70:5 |84:0 1812 89-4 179-9 Kesenzund Schnee) BP, |, |, — | ER. nr nn. — /Ra| Ro m lo ; : _ NW- - | NW- Windesrichtung. .[NO-N| N-W N 0 |0-W| © (0) w | 0-8 F Bi S-SO /N-NO| O-W Stärke des Windes! 2—4 | 1—2|2—1| 1 1—2 1 1 2—1| 1 1—2| 2 1 1 1 Ozongehalt d. Luft Barometerstand . auf StationI W.| 35 35 7045 5>o|10| #0 |90|30|!95 90/60 175 | 75 »„». 1 0. 3-0 | 3-0 | 30|0|75 | &o 100 | 55 | ro 12-0 111-5 | 50 1120 | 95 a, we |>-ol-0ol#+35155|135|80|55 10 | 35 | 25 | 7o 125 105 „». WW so|l25 165 | 8&0| 95 | 7-5 1120 | 80 | 20 | 7-5 112-0 | &0 110°0 111-0 im Mittell 32 | 32 136 |55168|30|85 | 70|32|81| 87165 1105 | 96 Bar X N.|ı1-0 10-0 14-0 112-0 1150 112-0 1160 114-5 | 70 115-5 117°5 1140 1185 115-5 » » XI N.41-5 111-0 12-5 | 9:0 [12-5 110-0 Jji#o0 [13-5 | 9:0 12-0 114-5 113-5 113-5 11155 und sein Verhältniss zu den herrschenden Krankheiten. 223 BELLE I. 5 | 16,17 Ba 27 2, | 20.1728. 1 028 | 2% 2e27 2821772871, 28 | 28 || 28 | 2 sıı >27 | or as 28 | 28 ara or 287 os ar 1-27| 0:65] 0-46 0:77) 1:50| 2-53| 1-2810-13110-23 0-59] 1-18| o-1111-91)11-88| 0-29) 0-42 11-18 14-87115:63 15:57 |12-63|11°53|112:57|14°27| 16-201 15-43 14-83|14-93| 14-47 |14-70|14-47114-13 13-67 15-83 62-0 1631 162-3 67-9 167-1 63-5 164-1 164-9 175-7 |63-6 \71-5 [74-4 |69-6 163-0 \65-0 |76-2 [75-6 BE nl ln ns | an len Sn, ne nl es dle as iz R. No-N| N- |H-No|NO-N|no-N! o-N |no-0 O-N| NW 2: NO-0| NO |NO-0| 0-N | O-N No- W N | A a er Nw INV- N SS ENNSW ol 12 4 1 1 121393 2, Ko 2 0/)50|25|)15/125/130/50/)25|145 |45 185 |1301|15| 05 | 00 | 30 1105 20|45155|80|55|35 | 05 110.5 | &0 | 55 | 30 | 0-0 | 0:0 | 30 | 7-0 110-5 [10-0 40|00|30)50/|50/|50/ 20/50/75 |70|55|45 | 80|25)40| 10 | 25 23|31)63 | # 43|38/|25/60|66 |56 |56 | 25 | 31| 20 | 36 | 46 | 76 9:5 111-0 [12:5 13:0 12-0 112-5 1100 |11°0 116-0 [13:0 113:5 113-0 112-5 112-5 [13-0 |14-5 [150 13:5 112-0 |11:0 \15°0 112-5 12-5 110°0 112-0 115-5 113-5 113-5 113-5 111-5 [11-5 [13-5 114-0 [13-5 2 2287728217282) 28|0|28 |,23 28 28 ve 2811,.280 281728277287 728321028 1146| 0:29] 2:23] 3-44 2:84| 0:86) 0:21| 1:35| 2-16] 2-83] 2:55] 0:94 3°44| 6:30) 5°89| 3-10] 1:63 13:20] 13:60 1477143311597 17°70|17°20|14°53|12-87 10: 47 \10-97|11°50, 1285| 12-27|12-03)14-70 13:70 194 1752 1785 1777 1677 [714 |76°0 |79-3 167-0 |57-9 |62°3 [81-9 181-7 681 [68-1 1741 86% R. R R. -|i-| -| -| -| -| —| | R R. R. — || — Ö- W- W- S-WInw| W Ino | NO |0-W| NO | NO |NO-NINO-N| O0 [0-50|0-N0|) 0 0 |0-NO|yw. 1 1 |1-—2| 1 |1-2/1—2| 2 2 [1—2| 2—1| 1 1 1 1 1 1 1 55|00|30|25|05|100|135|35|120|30|40|25|05|35| 60 | 40 | 2:0 65 | 80 105 | 45 1001001 20|120105|05 1201/1051051 35 | 30 | 50 | 60 “0750|50|)60|)55 165 ,50)45 115 |20|20)45 | 25|60| 35 | 30 | 30 0150| 90 |170|45|70 120 | 85165 | 75|1|60 | 25 | 60 | &0 | 5-5 | 60 [10-5 20 729176:8) | 5-0. | 2:6 | 3:3 | 5:6 | 4:6 | 2:6 | 3:2: 35 | 25| 23152 | A545 |'5:3 15:5 114-5 [13:0 112-0 1100 13:0 1150 115.5 1140 |13°0 11:0 112-5 |15-5 13-5 |11°5 1120 1155 12:0 |11:0 113:0 112-0 112-5 [11-5 1135 115-5 114-0 112-5 110-5 1120 1135 113-0 [120 114-0 [15-5 PPAN Schiefferdeeker. Über den Ozongehalt der atmosphärischen Luft September 1852. 28 28 28 1:98] 3:94 4770| 4:57| 4:22| 3-93| 4-22 37 28 | 28 | 28 425| 4°20| 1:78, 8-14, 5-98| 7°75| 9-13 Barometerstand.. . Thermometerstand]14-5713-60|13:67\13-93)13-70/13-57,12-33\13-10.11-87\11:30 12-87 10-13) 8-83| 8-53 Feuchtigkeit . . .|742 [70:6 |83-3 |72-6 \69-1 61-7 \67-:5 \73-5 |73-5 170-4 177-2 i76-1 \23-5 75-4 Regen an Schnee] — |, R. en Pen — — — — SR. R. R. R. Windesriehtung. .|0-SO so 0 0 | NO |0-N0)0-NO Stärke des Windes] 1—2| 2—1| 1 1 1—2| 1 1 Ozongehalt d. Luft NO |0-NO[O-NO| O-W| SW | SW | SW 1 1 1 1 |3—4| 3—4| 4—2 auf Station! W.| 15 | 15 | 20/05 | #0 |0-0 | oo | oo | 20 | 30 | 7-0 1140 14-0 10-5 » ». 10/20/25 |115|120/|320/0o5|20|2o0|20| 2-5 | 55 13-0 140 12-5 » » uwl|ıo|l25l0o5|35 | 120135 20125 |20|143 | S 13-5 13-5 | 9-0 »» wwlas Iso) o|lzol zrols0ol65|l65 73 | #3 |11-0 12-5 10-5 14-0 »». vWwl30olı5125| 30/35 125 |35l0o5 loo| 13 | #5 j1a-s l13-5 12-0 im Mittell 24 | 22 | 25 | 32 | 37 | 2.3 | 2.6 | 21 | 27 | 2:6 | v-ı 13-1 112-5 14-0 » » XI 0.115 [10-5 113-5 |11-0 112-5 11-0 12-5 l13-0 l13-5 105 | . zer » » XI N.|11:0 [10-0 |12-0 114-0 112-0 |13:0 113-0 14-5 13-5 110-3 14-3 13-0 15-0 11-5 Barometerstand 238 ı 28.1 2841028 Thermometerstand |10-13 vn 713 9: ” 797 | 9:53 8:03) 5°43| 5-53] 5-77) 4:00| 4-33| 5-40| 5-40 Feuchtigkeit . . .|73-3 |70-8 [69-9 |85-0 80 77-6 772 |84:0 184.4 |89-8 1867 182-0 187-0 |86-9 Regen und Schnee| — j > & W- Windesrichtung. .|SO-S sw | SW Ozongehalt d. Luft auf Stationl W.| 1:5 N „uns 1 WENN6:O im Mittel] 55 : Se RIO: 15 ee November 1852 as\ as| as | 28 | 28 | as | 28 28! ar | er | ar | ar | ar | Baromeierstand...| 35] 3.79] 0:39] 4-44 2a2! 4.131 3-49, 1:05| 6:91) 85011 51 oma Thermometerstand| 1-47| 0-20| 2-53| 6-27! 3-60 2-57| 0-13) 5-13 6-30! 0-33 _0-30|-0:87|_3-40 -6-07 Feuchtigkeit .. .|s6-8 |83-0 (83-6 [92-4 89-7 [88-4 [89-1 91-8 |79-9 183-9 |79-6 77-6 [80-6 84-3 Regen und Schnee| S. | R. | R. | R. R. | R. S. | OR. | OR. RSS Sms: S. Windesriehtung.. .| © | 0 jo-sol sw | |n-o!| o | 9, | W | vw o-w! 5 |w-s| so .n NW sw |Nnw NW 1 Stärke des Windes] 1— 2—1| 1 1 |2—1| 2 2 3 |8—1[|1—2]1—2| 1 1 Ozongehalt d. Luft auf Station W.| 8:0 1130 | 40 | 15 | 30 110-5 1165 | 7-5 120 |65 | &o 115 | 70 | 73 » „» I 0.120 1110 | 35 | 1-5 | 50 [13:0 113-5 13-0 [14-0 [14-5 11-0 114-0 13:0 112-5 » » VE 0.115 1105 | 85 | 1-5 | 7-5 [10:0 116°5 |10-5 [13-0 [15-0 111-5 115-0 135 | 7-5 » „» 11 W.[10:0 1100 | 9:0 | 40 | 55 111-5 [14-5 116-0 [16-0 [13-5 10-5 13-5 901. 4:0 » „» VII N.| 85 112-5 120 | 00 | #20 115 1120| 70|30|95 |55 I 60 |80 | 7-5 im Mittell10-4 [11-4 | 72 | 1-7 | 51 111-3 114-5 10-8 [12-0 11-8 | 88 12-0 101 | 7-8 » » XI 0.165 115-0 |12-0 113-5 118-0 » . ; 18:0 117-0 1175 [150 und sein Verhältniss zu den herrschenden Krankheiten. BELLE V\. 223» RC 1 ern = m m m m 0 om w DC O090 m 7. 7 0° 9- 9. 8 2 x 0 IAKIOoTO m m RS = 27 | 27 6871087 28 | 28 22 | 23 27 | 27 | 28 11:66 11:54] 4-40 10:80 8:95| 8:70 78:0 1824 |76°0 ; R. R. SW-ı W- W | SW 2—3| 2 —1 13°5 140 6:5 13°5 02 13°0 10:0 13:0 9:5 112-0 114 1112 145 |16°0 BR N28 28 24 | 25 28 | 28 3525| 543 10:57| 9:53 86:7 188% BR. R. 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Sn eh. o|/o|so wi SW nn 0) 0 | so |S-W |N-NO Se 0-S0 S 0 ,S0-0 1 1 1 1 a oT 1 1 2 a BR 105 125 145 100105 | 20 | 10110105 |05 | 05 | 25 12-0 | 30 | 20 | 00 125/65 | 20 | 35 180 115 |50|65 | 50 1#5 1155 1%0 105 | #5 | 25 | 00 30 85135 | 20 17590/000005 | 80 1r0 | 95 1105 | 30 | 00 | 00 2500| 00 103 150 |90|25 | ro| 30 11-5 | 0 | 35 105 | &0 | 00 | 00 11-0 125 | 7000/00 |15 |6&o| 80 11ro0 A1ro 112-0 | 0 130 | 20 | #5 | 05 030780 | 323-6 | 98 | 66 | 29.) 33 | 31 | 9:0 9:6 | 6 115 | A1 | 18 | 04 15:5 160 100 14-5 1185 18-5 160 1-5 |13°0 155 1170 116-5 115-5 1155 113-5 110°5 | 226 Schiefferdeeker. Über den Ozongehalt der atmosphärischen Luft TA- f[213[sl5[olz|so[win|mfalu December 1852. 2 2 20. 02% a 27 28 il, ZI RS 2-52|11°53111°09/11-91/10:12| 8-78111-31| 1-22] 7-52/10-:66| 3:12 Thermometerstand | 3:90) 4:60! 3:80) 2-67| 2:87 3:87| 0:80/-1:93| 1:80 3:50 2:80) 2:20 Barometerstand . Feuchtigkeit ... 93.2 2 1929 186°3 189.4 196-0 189-4 89:9 188:9 1948 192-3 1858 [89-9 Regen und Schnee| R. R. R. Reo Be Bell Re S. S. R. | Ba —_ Windesrichtung. .IS0-0| so | sw || | w | Nr | io | so | my Is-so s-So Stärke des Windes| 1 12197202 1 |2—-1| 1 [1-22 —1) 1 1 Ozongehalt d. Luft auf Stationl W.| 20 | 25 | 0:5 110°5 12:0 |11°0 | 30 [12:0 | 50 | 0:5 | 50 30 Ey, VW. #5 11:5 1420 42-50 9:5 | :9:0206:52)1,.9:02107205 Dane 925 60 »„. » VI N] 55|1|25 100|#0|75| 05 | 35 1155 | 60 | 20 [105 1135 | 85 | 90 » » MM 0.05|%#0 1145 1145 [10:5 160 | 85 1350 |55 |20| 10|5|20] #0 „VIE 0.) 0:5 | 3:5 11:0 |13:0 110-0) 15:0 | 8:0) | 957) 9:0.) 2:5276:0 | 8:07 08:05 022 »„ I W.| 20 | 35 1120 [140 | 80 | 7.0 |11:5 |11°0 |111°0 | &5 |12°0 |13:0 [11:0 | 65 im Mittel 2:0 | #5 | 9:5 1114 | 95 | 99 | 68 116 |66 | 26 | 71|1|93, 90 | 55 Jänner 1853. Barometerstand 28 | 28 | 28 | 28 | 28 | 28 | 28 | 27 | 27 | 28 | 27 | 27 | 27 | 20 | | 3:15 #56| 3:36] 2-63| 1-90) 2:28| 1-73)11-35|10-72| 0-40] 9-84) 833] 4-81| 299 Thermometerstand| 3:23| 1-93| 1:07| 0-40) 0:43|-0-:17|-2-47|-3°20|-1:07| 1:60| 1:83) 2:40] 3659| 1:57 Feuchtigkeit . . #919 89:7 \90:0 |91°5 |88:6 |88°2 86:5 182-3 1852 1940 192-7 |90-9 |90°0 |85°8 Regen und Schnee| R. ee | on — | — | R R. R. R. R. | { s- |sw- 3 Windesrichtung. .| uw | S | S |sw |s-no| so | o lo-so| so n = 1 Stärke des Windes| 1—2 1 1 1 41 |1—2| 2 |2—1| 1 Ozongehalt d. Luft auf StationI W.| 7:0 1120 | 25 100 |00|00)20|)95 | 35 | 1:5 | 7O 1155 [20:0 | 35 »»..7W.85:95| 90] 45 | 30 20 | 55 | 60) 3:0712-.07|17:0711607 2:07 E20 ».» Vi N.| 60 | 90 J100 | 1°5 | &0 | 9:5 [11-5 110.5 | 70 | 90 1150 10:5 | 9-5 | 8:0 » ». 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Luft aufStation I W.| 90 | 80 110-0 110 |13:5 114-5 |120 | 35 | 20 | 65 | 90 | #5 |15:0 [15-5 » ».vw.60o|95 115 105 | 75 | #5 | 35 | 55 | 65 | 80 11-5 13:0 145 j13-5 »„ » VIE N.125 | 85 | 90 | &0 100 | 75 11:5 | 8:5 [12:5 | 7-5 |12:0 10:5 [14-0 |14-5 »» 1m 0.85 [130 1120 [12-0 12-5 |125 | &5 |15:0 17-0 15:0 |11-0 |12:0 [17:0 18:0 »„.» vı.0.!90|15| 60 | 50 [110 |1%0 11-5 | 85 12:5 | 80 |12:0 13:5 [16:0 14-0 » » 1 w|10|60/95|80|75|65| 25 | 95 125 105 13:5 | 9:5 112-0 140 im Mittel) 7:6 | 77 | 9:6 | 91 10-3 | 95 | 82 | 84 10:5 | 92 j11-5 |10-5 |14:6 1149 |) » » molies has]. ao as]. 1. [We Een zn | | und sein Verhältniss zu den herrschenden Krankheiten. 22% BELLE VI. 20 | 21 | 22 | 23 | 24 27128129 | 30 | 31 Zr a BIO Ad 28 BEAT 2% 9:78 SA1| 7753| 8:86 4 ; 3:66.10:10|) 2-99|10° -01 10:90| 9:65/11°45 0-85) 2:00] 4:87| 3:97] 0: 1'935 /-0:73 —2:10| 1° 83 4:07| 6°07| 3:57 92:0 90-1 1863 192-7 Ä 833 74:8 ; 1 |87:9 87.1 |92-7 R. R. , 2 . BIN 27 | 28 | 28 8:22] 9-16| 9-94 11- : ’ ; 9.84 1: ; 1 ‘6: 3Ad| 3:32 -0:80|/-1:30/-3°73 |-8° { 97 —2:10 -0°83 ; : —1'97)-0:27| 182-5 185°9 |88°6 ; : 0 86:0 186°3 89:0 1953 84° 92:2 [89-8 S. S. . S. u 5: R. 2, S-SO |SO-0| 0 0) 1 1 2, 12-5 [10°5 105 |75 | 50 15:0 5 112-5 12-5 0 |140 10:5 0 11:0 12:5 ‘> 112-5 11:8 ‘0 111°0 15°5 ) m ou owwr. ee SER ECHTE ER ES guaaossukdäan woudsussxk ee 27027271907 1127| v27 | var mar 2 62 27 8:23) 7:94 75811076 9-83] 5°37| 646.10°78| 7°07| 4:78 6°76| 7°97| 8:62| 9-81 3:43 -2:87|-2:73|-6°67|-5°33 -1°77|-1:33)-3°20|-3°10|-1°93|-8°53|-2:33|-3-30|-0:03 82:9 193-4 1842 |82:8 87:8 93:9 191-0 77-6 1864 |86°2 |79:8 1842 |89-7 182-4 S. S. S. — + — 1118. S. S. S. — | 8. S. S. S. Ss0-S sw | SW| 0 /0-NO so |sw S0-S SO-0|S0-0 0-S0/0-S0| SO | SW 3—2|2—1)| 1 | 1-3) 2—1) 1—2) 2—1|2—-3 2—1| 2 2 1 2 |1—2 35 | 45 | 60 | 50 135 1120 | 80 | 35 113-5 114-5 | 90 | 75 110-5 | 90 10-5 1135 10:5 | 70 | 9:5 |411°0 12-0 111-5 111-5 [13-5 10-5 110-0 113-0 10-0 13:0 [12-0 | 9:0 112-0 14:0 [10:0 113-0 110-5 1150 [145 | 90 12-0 |10°0 | 65 2 5 12:0 1145 13-0 [145 16:0 |15°5 160 15:5 1165 |14°0 |13°0 1135 155 113-5 & | 13:0 [14-5 [14:0 [11:5 113:0 |13°0 11:0 12-5 11-5 1120 | 9:5 11-5 1155 10-5 N : 12:5 115°5 14140 [11-5 112-5 |14°5 [13-0 13-0 113-5 |13°5 |11°0 |13°0 16:0 [13-0 : 10:7 [12:4 |11:0 |10:2 13:0 112-6 112-1 11:0 113-5 \140 110-3 [11-2 13-4 110-4 e - 228 Schiefferdeeker. Über den Ozongehalt der atmosphärischen Luft März 1853. R' os | ar|l ar | as | as| as| as as| 28 | as | as | a8 | 28 | 28 Barometerstand. .| 5.46! 9:50] 9-89) 1-45| 2-27| 2-19| 3:57) 3:82) 5-53] 6-67) 6-49| 3:00) 1-11| 2-58 Thermometerstand|-1°47| 0:03 -0:63 -3°97 -1:67|-0:031-0:07| 0143| 1271-060) 0°30| 0:83| 0'33|-8:33 Feuchtiekeit . . .[81-2 1967 |s#ı |s3-2 82-1 \s0-3 |s6-5 \so-3 \sı-5 \s3-7 |89-8 |89-0 188-9 |66-9- Regen und Schnee] — R. R. — S. R. — — — — | R. R. — Windesriehtung.. .| %" |no-o|s-so| sw |so-s| &, |°) o-so| o | no | | | w No-N Stärke des Windes] 1—2| 2 |ı-22—1|3—1) 2 | ı |2-1l2—ı1 ı Jı2ı 2) 2 | 2 Ozongehalt d. Luft auf StationI W.| 7:3 112-5 10-0 | 90 ro | so | 35 |93 |#5 | #0 | 30 I1#0 18-5 10-5 » „ vu n.ls-s 12-0 105 | 75 | so hos |s5 |vo | 75 |25 | 73 1140 18-5 145 » m o.ı3o J1s5 1#o 10 14-5 \1#o 12-5 | 90 120 10-5 13-0 17-5 18-5 114-5 >» vr 0.115 [13:0 10-0 \10-0 110-0 10-5 10-3 | 80 | 75 | &0 | 8:0 13-0 18-5 |12-10 >». Irw.|li2:0 l1#o | 95 |12-3 \13-0 113-0 112-0 113 | 65 10 145 liro 17-5 112-5 im Mittelli1-8 [14-4 10-8 110-6 \11-3 112 | 94 | 90 | 0 | 72 | 92 151 18-3 |12-8 >». X 0.165 | 80 |i6&o 170 16-5 16-3 170 113-5 15-0 16-5 117-5 118-0 April 1853. as| ar | ar\| as | 28 | as | ar | 27 | a7 | a8 | 28 | ar | a7 | 28 Barometerstand. .| .33110-02111-90| 0-87) 1-22! 0:55| 9-63| 7-33110-45| 1-27| 0:34! 9-73/10-05) 0-22 Thermometerstand| 1:07| 2:73, 0:93| 0:53) 1-23] 2-33] 3:53] 3-00! 2:93] 0'83|-0:67| 0:67/-0:40/-1:20 Feuchtigkeit . . .|86-1 |86:8 1100:0,96-8 \90-9 |90-6 [93-5 |91-3 |89-3 |s5-9 76:9 75-0 72-4 179-3 Regen und Schnee| R. | — |R. | R |R | RR | R|R|R| —- | —- | —|S. Windesrichtung. . ni o so-o un |so | o |o-s| sw N NIN ne n N Stärke des Windes] 2 2 2 2 ae le a |) 2 1 Ozongehalt d. Luft auf Station I w.|13-5 | 0 11-5 \10-0 110-3 11-5 | 90 | s3 | vo 120 | #0 | 33 | 3:0 | 03 >» » ro.liss j1#5 |130 \is-3 113-5 115-5 160 175 1155 1160 114-5 112-5 115-0 116-5 >» ». iw.l1os 100 173 163 [150 135 170 \1r-5 110-5 j1#-3 12-0 12-5 111-5 12-5 im Mittell13-1 110-8 14:0 1130 |13-0 113-3 140 14-5 10 141 to | 95 | 98 | 98 >» xrolrs 1170 183 183 17-5 1170 19:0 20-0 \18-0 16-0 17-0 16-0 |15-5 [16-0 | Mai 1853. sl 2aslaal all a | Barometerstand . .| 2.99] 1-70] 0-59! 0-01111-58|10-01| 7-61 Thermometerstand|10°50|12-63112-07| 6°73| 433] 4:60) 7-90 Feuchtigkeit . . .|70°4 1757 |86°4 |91°0 |917 |8%4 [76°3 A-2708 Regen und Schnee] R. — | — | R|R R. | R. R. Windesrichtung. .| O0 | 0-N |O-NO Eu Sa N-W| SO Stärke des Windes] 1 |1—2| 1 |1—2| 1—2| 1—2| ?—1 Ozongehalt d. Luft auf StationI W.| 05 | 00 | 00 |95)20|15| 60 a RS. 5:5 | 76:5 118507] 72507173502 18:02 12:5 „.,„.M 0.90 |75113:0) |16:5 11655 112-5|10:0 „ars 91°0:| 8:07178:011:0:021157571257113:02 785 „5 TEW.| 16:5 117725) 11402] 72:59 1255711300 12:5 im Mittel] 59 | 5°9 | 84 | 9:8 1101 | 9:7 | 9-9 „5, XL 0.155 155 1160)1651140217-0 | und sein Verhältniss zu den herrschenden Krankheiten. 229 BELLE VW. 15 | 16 17 | 185 | 19 | 20 28028 | 28 1wAcL. 2a 27 22 1028 2:99| 2:50) 0:64 0:39| 1:96, 2:28.10-37| 8:72110:28 9-42) 9:23] 1:67| 417| A44| 1:60] 2145 1 -9:40/-9:17|-8:33|-7°50 -6°20 -2°83 -3°20 -2:93 |-3°13 -8°67|-3°90 -5°40 4:03 -—5°90 2:67 -0:57| 0° 70:2 70:7 1659 1725 [788 [77-5 91°0 1879 821 1838 1762 |782 1854 |85:0 |86°5 85:8 189-8 —|—- | —- |. S. — | —-| |. S. S. — | SW- N- Ss- | 0- NW- as as | a8 | 28 > 15 | 45 1100 1150 1130 | 60 | 50 1125 | 65 1120 111:0 |10°0 | 1- : 9:0 111-0 115-5 16°5 116°0 [13:5 113°0 1155 [11-5 115°0 [13-5 |13°0 |11- 12-0 14:0 |15°5 |15°0 12:0 111:0 13:5 1155 1165 145 145 125 1130 13:5 |15°5 [15° ; 10:5 1105 [10:5 110.0 | 80 | 9:0 14:5 1160 |12:5 [11-0 [12:0 |10°0 |135°0 113-0 |14°0 10:5 [12:5 13:0 1130 112-5 |13°0 [12-5 1105 | 8:5 : ’ 5 110:7 1127 1128 1130 | 9:8 113-1 14:0 15:0 |15°5 { ; ; S > . ? 5 1145 1155 116°5 118-0 118-0 1180 BON 20 2 28 28 Zar ir. Zul 0:28) 0:66 1:67,11-62 11:11) 0-1610:72/10°25| 9-31110°76| 0-01111°58 1133/1049 1174 1:31 -1°43/-0:63| 0:13) 0:60, 0:97| 2:50) 3:27) 440) 670| 4-53| 4:57| 6:77 9-23] 9:93] 8:63| 8:80 69-8 1707 81:5 1744 |88:7 842 |882 |73°8 784 190% |79°6 |91-9 1941 |79:8 82:0 78:8 S. S. S. —ı |7S: S. BR. R. — BR. RE NIR. Sc: Rarleks R. 2 | 1—2| 1—2 1—3| 2—1| 1—2| 1—2)2—1| 1 |1—2 112—1 1 |2—1 1 28 | 27 4:62 4-14) 2:20.11-93111-12) 0:65 1-94 2:08) 2:55| 4417| 3:76) 2-12] 0-91 493, 4:37) 3:87, 7:33] 7°30| 7-67 8-87) 8:83 827| 8-43110-93112-30|14°33 624 60:1 167:9 1643 |73:1 80-6 692 640 |73-1 1622 59-8 157:3 |60-6 z 2. em iR. |) sn | N N N [INO-NIN-NO N-O NO-NNO-N| N INO-N| O |0-S0| O | 0-S | O-N |0-S0/0-NO 2 |2—1| 1 |1—2 1 [1—2|1—2|1—22—3) 1 |2—1|1-3]/2—1 1 6015513005105 105 10/35 135 115 |20|80|50|50|60 | 05 | 0-0 12:0 | 60 | 7:0 [10:5 10:5 | 9:5 10:5 1105 11:0 100 | 80 |65 165 |65 | 65 | 20 | #0 220 1115 1141-0 145 | 85 130 | 80|1|75 |60 |55 | 35 |35 |20 ,20|65 | 55 | 35 95 | 90 110-0 | 9:5 1110 110195 | 85 190/55 20|30/50/|60 165165 | 50 12:0 11.0 11:0 111-0 | 70 11:0 100 | 80 105 80|50|70|)2-0|25 135 | 60 | 65 10:7.| 86 | 54 | 92 | 73 90 | 78176 | 80|61 145 |56 |45 142 | 58 | A5 | 38 . 15:0 [14:0 1140 |14°0 116°0 15-5 |15°5 1140 113°5 111-5 10-5 | 9:0 111-5 [12-5 13:0 ; 230 Sehiefferdeeker. Über den Ozongehalt der atmosphärischen Luft TABELLE VII. | Ozongehalt der Luft an verschiedenen Orten. Ort der Beobachtung Septem- Novem- | Decem- August ber |Petober | or ber: Jänner | Februar A. In der Stadt. Stein FW 2 ee 3:92 359 P 6.2166 372 06:9 8 eg oo | a EWR... | 50 ae ae oe 85 re | 9 70 ae | 92 FE Or, 96 | 97 94 | 96 |1e-1 |12-0 J1r6 | 94 Se We ne : 7A | 9-3 ee ee AN WEISE ie 6-3 za a Eu 02825 59541 | 69 ee, e ; NIE 0 See 8-0 | Dan Da ae 8-6 EAN NSS ee : : : Ä 72 | 94 [109 [115 |. ENT Ser : a 77 B. Ausserhalb der Stadt. | | | Stan EL EN er... . 113-5 : | ; Ser PEN DIES ee: | : einer, a nr | ea 231 und sein Verhältniss zu den herrschenden Krankheiten. SXI 7:70-8,6-.8|8-8 "N IHA r-710-819-8,6-8|6-& ; OIA 84-8 F-.%|0-8 OIA 3:0[8-8 - - MA 8.819-9|7-.8|0.7 "MAI 7-8141-8/9-9/0-8/0-2/0-2 F}- G.37|7-91-718-917-7&-84-%76-% OU 6:8/8-81%-8/6-9|9-8|8-9 %-%|&-817-818-9|18-8.%-7|9-8.6-%|8-%|0:7 8-6 8-% 4-0 4-%|9-6|8-& "MI 8.018-.%|8-%8-8 894-7 1-£14-3 0-8 6-8|1-2|9-8,6-% 4:8 8-2 8-8/0-%/6-:118-119-% 8-7 ]8°% "Mr uone)s = DD og Sungydegoag A9P AO IE a9uurf -qwoAoN | 199090 |'qwaydag | ysnony ‘In d9p IEy9FUozg "XI YTIaaVL 232 Schiefferdeeker. Über den Ozongehalt der atmosphärischen Luft TABELLE X\. Ozongehalt der Luft. In Königsberg Aufd. Hufen (St.X u. XI) | In Cranz (Station XII) Net | Tag | Pite- | Nacht | Tag | Die- | Nacht | Tag | Pite- renz renz renz Juni 1852 | 3°0 | 2-5 | 0:5 ; \ h Juli a 270012: 170:6 ; : 8 2. 5300 August h: 321 22 ı 1:0 74 1:63 | 1-3 |6200, 5,80 0025 September „, 4.0 | 322217028 5 i ; 2 ® . October 2 45 | 37 | 0:8 November ,„, 4AA| 35109 December ” 4481| 43|05 Jänner 1853 | 47 | 43|0%A Februar & 55| 54 | 041 März s 5.95175.6.10.0.73 \ April A 6-05 29 0131 85890 Mai u 43:09 229 a1 \ im Mittel | 44 | 3>7| 07] | | | | TABELLE X. Auf den Hufen In Königsberg Station X und x1) | In Cranz (Stat. XII) . in 24 Stunden ( omsstunden ) in 24 Stunden Mittlere Tempe- ratur mum |mum mum | mum mum | mum Juni 1852 | 5-5 110-1/1-6 : 3 +14'23 Juli a 48| 8:0 2-0 . h . | 43-1'15°5,10-0| +15°33 August 5 5:2 10:5/2:3 [13-5 18:5 7-0] 12-4 15°5 9°:0| +14 77 September „ 7.113.121 h : . - : +10:94 October 2 8-2 |14-1|2-3 ; + 3:83 November s 7:5114-5| 0-1 171293 December „, 9-2 15-.6| 2-0 + 2-15 Jänner 1853 | 8:8 [12-9| 3-1 — 6:49 Februar 4 10:9 114-9] 76 — 2:72 März " 11:2 18-3 7-2 2 \ i — 3:01 April r 10-8 1145| 6-3 | 16-7 20-014-5 + 2:88 Mai n 8-1 111-9] 3-8 nal : ; | + 9-51 im Mittel 8:1118:30 12]7 nr e| + 5:77 TABELLE XII, Duni)... September. 68 December. 9°3 ul October. .5°2 Jänner .. 9A Auoust er zei November. 52 Februar. .13°0 Sommer. .6°& Herbst . .5°73 | Winter. . 10:57 | Frühling . 12:93 In Königsberg pro Juni 1852 bis Mai 1853. Ye et September . 7-1 | December. 9:2 | März. . ul ne, LE October .. ...8.2, Jänner .., 9,8 Bäpzil2ge August. . .5 November. . 75 Bebruar.. . 10-9 | Marz Sommer . „5° Herbst. „276° ] Winter...) .9°3 | Früblme. 1050 und sein Verhältniss zu den herrschenden Krankheiten. 233 TABELLE XI. Ozongehalt der Luft, Barometer-, Thermometerstand und Feuchtigkeit. Ozongehalt der Luft in Königsberg in 24 Stunden Mittlerer Mittlerer Barometer- | Thermome- stand terstand Mittlere Feuchtig- Mittel | Maximum Minimum Juni 1852 5:5 10-1 16 Juli L 48 8.0 2.0 August 4 52 10°5 23 September „ 71 13-1 21 October h 82 141 23 November „ 7-5 145 0.1 December „ 92 15°6 20 Jänner 1853 88 12-9 3-1 Februar 5 10°9 14:9 76 März e 11'2 18-3 72 April 8 14°5 63 Mai u 1 11°9 3:8 Mittel 1 18.3727 ,0.777728770715571 TABELLE X. Die Veränderungen des Ozongehalts der Luft durch Schnee und Regen. Zahl der Mittlerer Ozongehalt der sehönen Schnee- schönen \ K Schnee- Tage Regentage ine Tage Regentage a September. . . Be Betober.. . : November. . . December. . . anne on... ©. Pxe Eehruar. :.. . . ars vDvDeaoanrı oO a» nn Sm onosn uno om 5 Se a OS Sr ee — Sitzb. d. mathem.-naturw. Cl. XVII Bd. II. Hft. 16 DIA Schiefferdecker. Über den Ozongehalt der atmosphärischen Luft TA- Der Ozongehalt der Luft und die herrschenden Krankheiten in den pre) 3) 7} u er E4 a Ha EB > 2 Fe as) 3 E = | = |5 3 = &0 = 3 ler) bar) > la) = ei ar) ar) en = B > ; e f 5 = ar) E E = « > . .n © 3m © ler) E 3% — =< . . =} — a ar or) . o — {or} . [e=} ın - | | | | ın De] | | Er} T | el N a esse Tel lie Bl. —i De) - - | a a — le) — a — be} Mittlerer Ozongehalt d. Luft 671671 50| 2#1| 66 | 66| 4 6° MaXImUmERT ee leke s8| 78| S6| 76 1101| S3| 73) 5 85 | Vılyalllın are oo 33 3: 32 rs =} = Summe der Erkrankungen . Summe der Brust- und Hals- un ES krankheiten. . ...» Pneumonie und Pleuritis . 2 Krankheit der Respirations- Schleimhaut . . .:.» 12 Morbillenn Een elte i Scarlatina 2... - Üre 1 Variolae und Varicellae 2 Rheumatismus. . » . +» =» 4 Typhus und Febris gastriea 25 Intermittentes . . 2... ® 29 Diarchoen. er. nun 22 Cholenasp ano rer ie . . 8 Sonstige Krankheiten . . Der Ozongehalt der Luft und die herrschenden Krankheiten in den 1.—5. Decemb 6.—10. Decemb. 11.—15. Decemb. 16.— 20. Decemb. 31.—25.Decemb. 36.—31.Decemb. 441.—15. Jänner 21.—25. Jänner 1.—5. Februar 6.—10. Februar 1.—5. Jänner 6.—10. Jänner 16.—20. Jänner 26.— 31. Jänner ea EEE TEEEEEIERET EISREREIRT TRIERER REES WESER Mittlerer Ozongehalt d.Luft | 73 | 75 | 7-3 | 10:5 12-5 10:2 | 65| 62 |10#| 96 1111| 92] 88 | 91 Maximum. 2.0... . Prıs |11-6 | 93 | 13-0 | 15-0 | 15-6 | 10-0 | 78 |13-1 [11-4 | 12-2 129 10-3 |10°5 Minimun . 2.2.0.0... 2:0| 2:6| 55 | 62 | 8:2] 6:8 | 3141| 3838| 85| 79| 97) 65] 76 | 82 Summe der Erkrankungen. [113 |110 [101 | 96 |104 | 79 92 | 61 | 52 | 90 | 78 | 92 | 66 | 76 Summe der Brust- und Hals- krankheiten. . . .°. 34 35 28 31 25 21 25 230 Pneumonie und Pleuritis . 5 A 5 4 Krankheit der Respirations- [6 x [e'e) RS [e >) Er) &© [er) [0 0) 43 | 33 | 33 | 24 | 36 7 Schleimhaut . .»...»- 29 31 23 27 20 13 21 12 15 35 27 25 17 23 Morbillene rasen. 29 17 19 9 17 10 6 6 3 2 2 fi | Scarlatnaseu see s 1 1 ° 1 1 1 1 4 6 3 1 2 Variolae und Varicellae. . 5 4 12 AN A2 A 8 6 | 14 5 6 3 || Rheumatismus. ”. » ».. 5 8 7 8 8 7 P} A 2 6 2 3 3 Typhus und Febris gastrica las) 9 E10 > 997137710 5 Ü 3 8 6 A Intermittentes. . 2.2...» 4 | 10 7 7 7 9 8 [A 2 7 3:1 Az a Dianchoene tee 9 12 10 11 7 8 6 2 % 7 6 | 14 4 3 Oholeraresn se a 5 : ö . . 6 % P ö . ° . Sonstige Krankheiten. . . 14. | damıı67 | 210217.15 9 | 14 | 10 4 | 12 7) 12 1 M0 722 und sein Verhältniss zu den herrschenden Krankheiten. 235 BELLE XV. Tonaten Juni, Juli, August, September, October, November 1852. 11.—15. August 16.—20. August 21.—25. August 26.—31. August 6.—10. October 11.—15. October 16.—20. October 21.—25. October 26.— 31. October 6.—10. Novemb. 11.—15.Novemb. 16.—20. Novemb. 21.—25.Novemb. 26.—30.Novemb. 1.—5. Sept. 6.—10. Sept. 1.—5. October 1.—5. Novemb. 11.—15. Sept. 16.—20. Sept. 21.—25. Sept. 26.—30. Sept. ‚82 4#4| 3:9 | 4-0) 2:8] 2-4 110-4 [10-7 1100| 58| 9-3 110-6| #-8| 95 | 77 | 7-3] 7-2 12°0| 93] 6°2| 5-5| 5-0 10:5] 68 | 3-6| 5-3] 3-7| 27 13-4 112-5 |11-9| 7-9 [12-3 |14-1 | 73 [14-0 |11-0 12-6 |11°4 14-5 [12-0 | 9-8| 9-6 |11-5 60| 2:6| 2:6| 2:3] 22] 2-1| 71| 78] 63 | 2-5| 51] 90) »3| 36| 31| #3] 1-7 10:8] 7°8| 3-4| 2-9| 0-1 104 | 90 | 97 | 86 [146 J174 Jıs2 [200 1159 |132 T164 [138 [134 T102 T 92 Tı22 1129 159 [132 [144 [120 | 93 12 7 8 6/20 123) 19| 16 | 14 | 11 | 397 | 32 | 22 | 23 |ı7 | 22 | a2 | 33 40 | 39 | AA | 25 31 3 2 3 1 5 5 3 4 2 4| 13 5 6 4 5 6 5 3 4 4 7 | 4 6 19 | 18 | 14 | 13 | 10 351523,1,4192 7192 17.1 13.1172 3621. 28,272 7352 1020 18 4| 4 3 5 3 | 11 5,14 |14|23| 22|148 | 20 | ı3 | 26 | 39 | 42 | 63 | as | 55 | 35 30 . . - . 2 WE . 5 1 . . & 1 . 5 Bi. 2 ee 2 ao . 1 . 1 4 3 2 P) b) 2 del . 6 4 2 5 6) 1 1 b) 3 3 5 bi) b) 3 4 3 4 aI37|31231 28123 | 27 12a las | alJıaol11lıa 10 6 7|14| 10 9 7, 1 12 DEZE EN EEE En EErnErn Eu E 7| 12 |16 | 17 6 5 8 6 15 710 | 19 | 15 | 27 126 |as | 52 |s8 |as | 25 | 22 las | ı7r 10 19 | 17 84#197|.1521010 7 1 4 . . 2|.7/21/26)4|47|42129|4|20!3)|) 14 6 fe) U 7 3 # . 3 | 10 8710.92 117 9 | 11 | 10 | 12 sa] 3ELLE XVI. onaten December 1852, Jänner, Februar, März, April, Mai 1853. r 11.—19. Kebrua 16.—20. Februar 25. Februar 26.—28. Februar 1.—5. März 6.—10. März 11.—15. März 16.—20. März 21.—25. März 26.— 31. März 1.—5. April 6.—10. April 11.—15. April 21.—25. April 26.— 30. April 1.—5. Mai 6.—10. Mai 11.—15. Mai 16.—20. Mai Mai Mai 21.— 21.—25. 26.—31. 41118 [12-1 |11-6 111-7 | 8-9 [12-9 [10-6 [13-3 |12-2 l13-1 l13-4 | 9-6 11-5) 83] 9»1| 8-4] 9.3 10-1] 8-5 6:8| 5°6 #9 113-0 114-0 | 13-4 [14-4 [11-2 |18-3 |11°7 [14-7 [13-1 115-0 114-5 10-1 113-0 110-3 10-0 110°1/10-3 [11-9 | 9-2| 8-0) 3-8 5 111-0 [10-3 10-4 [10-6 | 7°2| 9-2) 9-6 [11-2] 9-8 10-8 [11-0 | 9-1 9.6] 63) 85] 5-9| 82| 7°A| 7-3| 2-51 3-8 8195 | 89 | 37 | 60 | 45 | 52 | 44 | a5 | 64 | 58 | 61 | 63 | 0 A4 \ 54 | 26 | 29 | 34 | 37 |36 | 21 4 | 27 13411220 | 141122 8|11|13|16 | 13 | 12 | 14 | 12 | 38 4 5 8| 11 | 14 BAa| 5 3 6 4 4 % 4 7 3 6 1 9 6 2 1 2 4 4 7 2 ei 5 lu al 5 ul sl sl ala na 2.1 a i oben a A. 1% it) 2). | na aa al . oeuliade. 5a 2al ı)lalala sea la | ua Sud 2 aa al al. )2|) | Balearen a 1 Bl 6 5 la 5 9) al 95a el alas s|ıa EZ EEE EZ EZ ZI EI EZ EI Er EIE EDEN ETE ET EETZETRETBETT ET a a) 5. 2| a) a aaa el an 1 ati und sein Verhältniss zu den herrschenden Krankheiten. » fferdecker Über den Ozongehalt der atmosphärischen Luft ER eflerde . y77 Schi TA- PperLE XV. Der Ozongehalt der Luft und die herrschenden Krankheiten in den | znaten Juni, Juli, August, September, October, November 1852, er Ozon — [7 [7 [7 ” “ DI [7 o © o n x 5 1:1: |sls18s|21s[&12|2)2 12/28 |8jE 88 = = =l=|2|2 2,51) .3 Se] NE 5 a ea Ban le s„l8|2|2|2|= |8|°® =|=|$B|2 Banea|l2|2|.1: 18181212122 12|8|72 218 2 Be eheHn = las rn ee lesıejeis|sjejnle|ls|e sine | ı|ı% Se Sl el IS ala |R In | De I Te er ler | 5 | Seen |. | en Bela lie 1 J Sen er nella al Ural Bor 3 ale aS|8|-|® slz|2|=|s ||| |8 |< ls | FI SI 8 | | | F JS IR JE q = 7 a = 5 3:8] 24 10-2 110-7 [10-0 | 3:8) 9:3 10:6 | #8| 95 | 7°7| 7:3] 7-2 12-0] 93| 62] 3:3] 3: . 4 44| 3:9| 40 93] 62] 5+5]| 8:0 Mittlerer Ökongehult du Luft 6: ” 6856| 53 37] 27 ist tes [no] Folinsjirı| malirolınolinolira liasliro| 98] 6113 a ar a 7% o% 26 2er il rel es] 25| Silo] 2] soll #3] ir fies] rs| 32|0|01 tk 1 : 105 | 70197186 1126 172 Jıs2 200 j159 1132 Tioz [138 T13% Tio2 T 92 Tı22 Tta9 Ti59 T132 Trar 1120 7 98 Summe der Erkrankungen . f Summe der Brust-und Hals- 14 2) 7 6|20| 23 | 19 | a6 | 14 | 11 | 27 | 32 | 24 | 23 | ı7 | 22 | a2 | 33 | ko | 39 | ax | 95 krankheiten. „.» » +» + 2 3|ı3| 2 3 1 5 5 3 4 2 4 \ 13 5 6 A 7) 6 5 3 [3 % 7 Pneumonie und Pleuritis Krankheit der Respirations- 12 olalcıs/4Wjas| as 13 |10| 9/23 |19 | 419 | 17 |as | 17 | 36 | as | 37 | 35 | a0 | ıs Schleimhaut «en. Aalslsiajaı| 5sj1ajılas|22|ıs|20|ı3 |26| 30 | Ar |os | as | 55 | 33 | oo Morbilln. „ve. ++ «* 1 1 ? e 5 E 2 R = 1 ö ö Ö a 1 ‘ R N Scarlatinn » SE 2 t DE EIA 12% 2 2 5 D 1 B 1 3 3 4 3 3 2 5 bh Variolae und Varicellae . » A ala 6 A 2 5 5 1 1 4 5 3 13 5 3 1 F} 4 3 A Rheumatismus i E EUR 25 ga | 37 | 33 | 23 | 28 | 23 | 27 24 19 |13 | 21 J)ı0o |11 | ı2 | 10 6 7 | 12 | 10 9 "| Urn nOh MARS EEREN" 233 | lol an a0 | si lar a6 a7 lan las as | a6 Ja2 as | m la2 Jac la | 6| Hl sl re a ne 2 Pa ET ET IE CE 3 A TC ET 77 EHE TS Tr ET ES I Ta TOD BE OD Be 1 Zu BES FE EEE Cu I NEN LEI De I, lol, lalelalalaleolal2eolsliu| oe 7 a ale a Se sIW3lu| slao|a Jar | a Ja Jo |ı2 | s|a2 |ı2 | a0 | s| 6 | o/lı2| s| a Sonstige Krankheiten . » ; TA- BELLE XVI. 9 R Der Ozongehalt der Luft und die herrschenden Krankheiten in den Äfonaten December 1852, Jünner, Februar, März, April, Mai 1853. Zara & sls]: Ei slal:3l8|s:|5 & &| 3.5 EB SER ER == = |® 3 © Fr E7 7 E} o 18 ı8 18 dei a = 'E 5 SE E = Bet va Ha am s|2ljalals|a x I= |& |« s|2|2|2|2|23|jE|%|2|2|°%|„|23]2|2 22 SE REN en S lebe So] ee ee ee | Pr = | | | | | ae] | | = | | | 1% | | je ale ı en! aa el a EEE) [7 3) BUT a) El TEE re a le Bl un! age Sg a Ex SER ae ae | Ele le es ln E s| 91 En = Mittlerer Ozongehalt d.Luft | 73 | 7-5. | 7-3 | 10-5 |12-5 |10°2 & 2 als Battle ltolitz| 8:9]12:0 110-6 13-3 J12-2 [13-1 J134| 96 J11-5| 85] 91] 82] 9:3]101 | 85] 6:8| 5-6 ee Re . [ua [ars | 08 |13:0 [15-0 [486 |10:0 | 78 [as [una |122 [129 [OR | ‚& 13:0 14:0 |13:4 14 |41-2 [18-3 \11°7 |14-7 13-1 [15-0 114-5 10-1 |13-0\10-3 |10-0 [10-1 110-3 |11-9 | 9-2) 8:0) B-8 Minimum... .0. 120] %6 6:8 _ 0511:0110:3 [10:4 10:6 | 7:2 | 9:2] 9:6 |11-2| 9:8 10-8 [11-0 | 91 | 9:6] 63] 85) 59] 82] 72] 73] #8] 3:8 S 7 P g N Summe der Erkrankungen. |113 |110 [101 | 96 [104 | 79 92 | 61 | 52 | 90 188 %| 89 60 | 45 | 52 | a2 | a5 | 6% | 58 | 61 | 68 | 60 | A& | 52 | 26 | 29 | 34 | 37 | 36 | 21 Summe der Brust- und Hals- | Krankheiten. 2.2» 34 | 35 | as | sı | 25 | 2ı | 25 | 20 | 22 | 43 | 383 aeaeae | Bulalılajmujualıela| A| 5| sa Jar 8 Pneumonie und Pleuritis . Bel za Ballet: 5 8 4 8 7 8 6 Ba el ll oa a ae er Krankheit der Respirations- Schleimhaut 2...» 9 | sı | 23 | a7 | 20 | 13 | 21 | 12 | 15 | 35 | 27 3 ee aloe las) Sa 3 ae Morbillen. 2... Er 29 | 17 | 19 | 9 | 17 | 10 6 6 3 2 |» % An | _ 1 1 la SoRnlRtinkn ren er ee neile ® 1 1 1 1 dolce: Aa Zeimpe il 2| 5 3 Soll Fl Du Aue Variolae und Varieellae.. | 5| s| al oJe| ala] a| s| 65|4|55 >, 50 er Seas ae f Rheumatismus. % 2... BES, (ER 8 8 7 2 4 2 6 2 "1 2a er er 1 6 Sa ee on ec an \ au N . . » 3 s . - - . a a ARE elalslalelsllslele alolefafeleneel: eu a ; 9 12 10 1 7 8 nr 2 5 7 6 11 4 5/1413 | 12 | 10 | 20 25 | 20 | 21 | 28 | 26 | 13 | 16 9/47 | 11 |19 | 13 | 12 BEI = 33° Bea) 5a al a2 ale al a Ohalaratsn RP en 5 ö E 5 . . . 5; . Sonstige Krankheiten... | 14 | 11 | 16 | 15 | 13 1 »|12| 7 | 4 Bl" ze OR ; g 5) 1 9 | 14 0 BI 6/4 | 1 EIS RB ET TE ge ee a an a sa a Te ee 16* 236 Schiefferdecker. Über den Ozongehalt der atmosphärischen Luft TABELLE XVII. Der Ozongehalt der Luft und die herrschenden Krankheiten. Ozon- Mittlerer gehalt der Luft Maximum . . . Minimum Summe der Er- krankungen.. . Summe d.Brust-u. Halskrankheiten Pneumonie und Pleuritis . . Krankheiten der Respirations- Schleimhaut . Morbillen Scarlatina . . . Variolae und Va- rieellae.. ...... Rheumatismus . Typhus und Febris gastrica Intermittentes Diarrhöen . . . Cholera . \ Sonstige Krank- heiten . . . Auf 100 El kungen kamen: Brust-und Hals- krankheiten.. . Pneumonie und Pleuritis . Krankheiten der Respirations- Schleimhaut Morbillen . . . Scarlatina . . . Variolae und Va- ricellae. . . . Rheumatismus . TyphusundFebris gastrica Intermittentes Diarrhöen . . . Cholera . Sonstige Krank- heiten. 2% 54 108 42 358 98 39 September November December Mai 603| A465) 451| 310| 340 5941| 993] 752) 797 103! 145| 223| 172] 176| 167) 78 8 29) 31) 41] 39] 29) 27 135 124 82! 60 -3119°2/27 91285137 °8137°0]25 1/24 °1124°5 0) 4:9] 3°6| 5°1| 8-8) 8:6) 9-2] 7°9110-9 rs ” Ne) Noo DD [0'o) SS SU SU) are w— „wow vu wow ES Ro 00 a w LAK Ker) = & ao DIE} Ze) IS AT x DEN E RS HS 00 Ne O0 u soo IE OD um zum. va moon x IRnoS Se») SU SI 00x oo 51135112916 °0114°1111°7| 7°6 ESP YOHZ PETAND Manyen peu mp pay ap assunzug sin ini — = | Sgogsgiuoy uı NENTEIN uauopanyps.daA ue nf Top EUSFUOZO 1b 1 uoneig pwonerg na voneis I voneis ze APTTICHEN HZ PETAND Manjeu peut mp penyapigssunzug weis Iruoneig = a in “IAOQSSIUOY UL apfarg Vauopamosaar Ur any Lop TEyeguozo nauones I uogeig "Tser quradal Aruonelg rumes Tauones juoneig TsgT many ruonens TAuoneig puoneng Zug nf ER ür AU HEN EUR, lan BE TE EL SENAT ARTHUR BI TOISJENIPSWEIQ n-Jog 4X pP sny 'eeg) YOHz PEUAYT) Mangeu em MP peyyy p gedunzug v ET SES Be ul! 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Morbillen . . . Typhus u. Febris gastrica Intermittentes Diarrhöen . . . @nalera.n.... .. Sonstige Krank- heiten . . . Auf 100 Erkran- kungen kamen: Brust- und Hals- krankheiten . . Morbillen BD: Typhus u. Febris gastriea Intermittentes Diarrhöen . . eholera. . ..... Sonstige Krank- keiten... 3a 7. 98 6 5 58 64 59, 24 178 151 105 2 72 m DW DD oOSQ290O0 nes) N = >) © are September November December Februar -0126-8/31:7/30°5/24-5 251 238 Waltenhofen. Entwurf einer Construction der Luftpumpe. Von Dr. Adalbert Edlem v. Waltenhofen, k. k. Professor der Physik an der Innsbrucker Universität. Die Unvollkommenheiten, mit welchen die Kolbenventile der gewöhnlichen zweistiefligen Ventil-Luftpumpen so häufig behaftet sind und deren oft missliche Correction in soferne auch umständ- lich ist, als sie die Zerlegung des Apparates erheischt, stören und beeinträchtigen die Leistungen nicht selten so sehr, dass man dafür durch die sonstigen Vorzüge und Bequemlichkeiten solcher Luft- pumpen durchaus nicht entschädigt ist. Es ist allerdings nicht zu verkennen, dass die erwähnten Übelstände nicht immer den Kolben- ventilen allein zur Last fallen, indem sich insbesondere auch die allmähliche Abnützung der Stopfbüchsen geltend macht, doch kann diesfalls meistens, wenn auch bisweilen mühsam, mit sicherem Erfolge für geraume Zeit abgeholfen werden. Diesen Verhältnissen gegenüber hat die gewöhnliche zweistief- lige Hahn-Luftpumpe den anerkannten Vorzug einer dauerhaft exacten Steuerung; bei dem Umstande jedoch, dass die dabei unvermeidlichen erschütternden und lauten Bewegungen häufig auch unwillkommen sind, war ich veranlasst, auf dem Wege geeigneter Modifieationen der gewöhnlichen zweistiefligen Ventil-Luftpumpe zu einerConstruetion der Luftpumpe zu gelangen, bei welcher die Kolbenventile beseitigt sind und der luftdiehte Schluss überhaupt mit möglichster Unabhängigkeit von Klappenventilen hergestellt ist. Unter den verschiedenen Formen, in welchen ich diesen Gedanken ausführbar fand, dürfte das im nachstehenden Entwurfe vorgeschlagene Steuerungssystem den wichtigsten Anforderungen am besten ent- sprechen. Diese Construction der Luftpumpe, welche den luftdichten Schluss ohne Kolbenventile hauptsächlich durch konische Zapfen und Stopfbüchsen herstellt, und nur einfache, leicht zugängliche Klappen- ventile in untergeordneter Verwendung mitwirken lässt, ist der zunächst beabsichtigte Gegenstand der vorliegenden Mittheilung, und besteht Entwurf einer Construction der Luftpumpe. 239 in den aus der folgenden Darstellung ersichtlichen Abänderungen an der gewöhnlichen zweistiefligen Ventil-Luftpumpe, welche bei jedem der beiden Stiefel vorzunehmen sind. Anstatt der Stöpselstange geht ein in gleicher Weise mit einem solehen Stöpsel versehenes eylindrisches Rohr mit bedeutender Rei- bung durch die Stopfbüchse eines massiven Kolbens, welcher also ohne Ventil. ist. Dieses Rohr hat an seinem unteren Ende, unmittelbar über dem daselbst befestigten Stöpsel, eine oder mehrere Seiten- öffnungen, durch welche beim Niedergange des Kolbens die durch den Stöpsel vom Reeipienten abgesperrte Luft zunächst in das Rohr und sofort in die Atmosphäre ausgetrieben wird. Dasselbe Rohr geht ohne Reibung durch den Deckel des Stiefels und hat an seinem oberen Ende, also ausserhalb des Stiefels, eine Vorrichtung, durch welche es oben geschlossen oder geöffnet ist, je nachdem der Kolben aufwärts oder abwärts geht; der Stiefel saugt daher wenn der Kolben aufwärts geht aus dem Recipienten. Die besagte Vorrichtung am oberen Ende des besprochenen Rohres hat folgende Einrichtung. Am oberen Theile der Luftpumpe, in welchem sich das zur Bewegung der Kolbenstangen dienende Zahnrad befindet und durch welchen die Kolbenstangen hindurch sehen, ist ein Ansatz mittelst Schrauben befestiget und in diesen ein vertical abwärts gerichteter, nach unten convergirender konischer Zapfen eingeschraubt, welcher genau in die konisch ausgebohrte obere Mündung jenes Rohres passt und geeignet ist, dieselbe vollständig luftdicht zu schliessen. Dieser Zapfen ist gerade über jenem Rohre und in dessen konische Mündung hineinreichend, so angebracht, dass seine Axe mit der Axe des Rohres zusammenfällt, und dass er dasselbe schliesst, wenn es um einige Millimeter aus seiner tiefsten Stellung gehoben wurde. Auf diese Art wird das Rohr durch die Kolbenbewegungen, wie die Stöpselstange der gewöhnlichen Ventil- Luftpumpe, durch einen kleinen Spielraum auf- und abgeschoben, und es kann dieser Spielraum nach Erforderniss abgeändert werden, indem der so eben beschriebene Zapfen verschraubbar ist. Um das Ein- dringen der äusseren Luft auch in dem Momente zu verhindern, in welchem die Öffnung im Stiefelboden und die obere Rohrmündung gleichzeitig offen sind, wenn nämlich die Kolbenbewegung umgekehrt wird, ist das Rohr in hinreichender Höhe über dem Deckel des Stiefels und unter der Stelle bis zu welcher der Zapfen beim Schiessen 2AO Waltenhofen. in dasselbe reicht mit einem daselbst eingeschalteten Klappenventil versehen, welches sieh nach unten schliesst und nach oben öffnet, und zunächst nur als Hilfsventil für den eben angegebenen Zweck zu dienen hat. Dieses Ventil hat eine möglichst einfache Construction und ist überdies, indem es sich ausserhalb des Stiefels befindet, leicht zugänglich. Der innere Durchmesser der in das Rohr eingeschalteten eylindrischen Büchse, welche die Klappe enthält, ist grösser als der äussere Durchmesser des Rohres. Um zu vermeiden, dass die am unteren Rohrende angebrachten Seitenöffnungen verstopft, z. B. durch Schmiermittel verlegt werden, hat die Stopfbüchse an ihrem unteren Ende eine kleine Erweiterung, welche eben hinreicht, jene Seiten- öffnungen bei der tiefsten Stellung des Kolbens zu schützen. Die so eben beschriebene Construction der Luftpumpe scheint mir den Vorzug zu haben, dass die dabei in Anwendung gebrachte Rohr- steuerung in Bezug auf Präeision, Vollständigkeit und Dauerhaftigkeit des luftdichten Schlusses mehr verspricht, als Kolbenventile gewöhn- lich leisten, zumal vorkommende Unvollkommenheiten des bei der Rohrsteuerung vorhandenen Hilfsventils wegen dessen untergeord- neter Verwendung weniger in Anschlag kommen, und wegen dessen Anordnung am Apparate viel leichter beaufsichtigt und beseitigt werden können, als dies bei einem Kolbenventile der Fall ist. Anderer- seits gestattet die Rohrsteuerung auch die an der Ventil-Luftpumpe schätzenswerthe ruhige Bewegung und nach Massgabe der Voll- kommenheit der Hilfsventile auch die Anwendung des Babinet’schen Hahnes. Der durch das Rohr vergrösserte schädliche Raum dürfte eine den meisten Zwecken genügende Verdünnung nicht unmöglich machen. Einen Voranschlag aber über den numerischen Betrag der zu erwartenden Verdünnung könnte ich mir selbst bei genauer Kenntniss der relativen Grösse des schädlichen Raumes nicht erlauben, weil die Erfahrungen mit Luftpumpen offenbar nicht verkennen lassen, dass die relative Grösse des schädlichen Raumes selbst mit Berücksichtigung der zum Öffnen des Ventils erforderlichen Spannungsdifferenz nicht einmal ein beiläufiges Mass des thatsächlich erreichbaren Verdün- nungsgrades gewährt, indem dieser als ein von der Vollkommenheit des Schlusses abhängiger Theilbetrag des nach jenen Grössen berech- neten Verdünnungsmaximums, direete Versuche erheischt. Das rechtzeitige Schliessen und Öffnen der oberen Rohrmündung hätte sich mit Verzichtleistung auf die Anwendbarkeit desBabinet’schen Entwurf einer Construction der Luftpumpe. >41 Hahnes auch ohne Hilfsventil durch einen verschiebbaren Zapfen oder durch einen kleinen Hahn bewerkstelligen lassen, wobei mittelst einer Hebelvorrichtung der leere Gang der Kolbenstange zu benützen gewesen wäre, welcher derselben durch einen entsprechenden Spiel- raum ihres unteren Endes nach Erforderniss gestattet werden kann, und ich hatte mich auch mit den Einzelheiten eines solchen Mechanis- mus beschäftigt, indem es ursprünglich meine Absicht war, diese Luftpumpe ohne Anwendung irgend eines Klappenventils zu Stande zu bringen; ich unterlasse es jedoch in die betreffenden ausführlichen Beschreibungen einzugehen, weil mich das Streben nach einem ein- fachen und dauerhaft verlässlichen Steuerungssysteme und andere Rücksichten auf praktische Zweckmässigkeit bestimmt haben, die im vorliegenden Entwurfe dargestellte Construction beizubehalten. Die Ausführung habe ich eingeleitet, und weil ich die zweck- dienliche Brauchbarkeit des Apparates nicht bezweifle, trage ich kein Bedenken, den Entwurf desselben vorläufig mitzutheilen, mit Vorbehalt nachträglicher Ergänzungen, durch Zeichnungen und Detailangaben, deren Feststellung erst nach gemachten Erfahrungen an der Zeit ist. Die Erfahrung wird namentlich die Zweckmässigkeit gewisser Dimensionsverhältnisse zu prüfen haben, z. B. bezüglich des Rohres, dessen innerer Raum dem Stiefel gegenüber einerseits hinsichtlich der erreichbaren Verdünnung als schädlicher Raum und anderseits hinsichtlich der erforderlichen Ausströmungsgeschwindigkeit der Luft massgebend in Rechnung kommt. Auch gewisse Einzelheiten der technischen Ausführung und der Behandlung der Ventile und Kolben erwarten noch die Versuchsprobe, insbesondere bezüglich der Materialien und der Schmiermittel. 2A2 Fitzinger. Bericht über die vom Hrn. Dr. Heuglin für die Vortrag. Bericht an die kaiserl. Akademie der Wissenschaften über die von dem Herrn Consulatsverweser Dr. Theodor v. Heuglin für die kaiserliche Menagerie zu Schönbrunn mitgebrachten lebenden Thiere. Von dem w. M. Dr. Leopold Fitzinger, Custos-Adjuneten am k. k. zoologischen Hof-Cabinete. Ich glaube dass es für die geehrte Classe von Interesse sein dürfte, einen kurzen Bericht über die eben so schöne als reichhaltige Sammlung lebender Thiere entgegen zu nehmen, welche der kaiserliche Consulatsverweser zu Chartum, Herr Dr. Theodor von Heuglin, dem die wissenschaftlichen Anstalten unseres Vaterlandes schon so manche wichtige Bereicherung zu verdanken haben, auf seinen Reisen im Sudän in Abyssinien, Kordofän, Nubien und Ägypten zu Stande gebracht und an die kaiserliche Menagerie zu Schönbrunn überbracht hat. Diese Sammlung, welche jener schönen und so gerne gesehenen Anstalt zu einer wahren Zierde gereicht, und ihr nicht nur eine nam- hafte Vermehrung zuführt, sondern auch eine nicht unbeträchtliche Anzahl von Arten, welehe sie bisher noch nicht besessen und darunter selbst mehrere, welche bis jetzt noch niemals lebend nach Europa gebracht wurden, enthält 34 verschiedene Arten von Säugethieren, 6 Arten Vögel und 10 Arten von Reptilien. Unter den Säugethieren finden wir aus der Ordnung der Affen 6 verschiedene Arten in 8 Exemplaren, und zwar: 1) den höchst seltenen Nestor .(Semnopithecus Nestor. Bennett), einen der schönsten und zierlichsten Schlankaffen, der bisher nur ein Mal in einer Menagerie Englands lebend gezeigt wurde. Herr Dr. Heuglin hat diesen Affen, dessen Vaterland bis jetzt unbekannt war, auf seiner Rückreise aus dem Sudän in Ägypten käuflich an sich gebracht, wohin er angeblich aus Hinter - Indien gebracht worden war; kaiserliche Menagerie zu Schönbrunn mitgebrachten Thiere. 2AZ 2) zwei junge Exemplare der behenden, durch ihren weissen Backenbart ausgezeichneten graugrünen Meerkatze (Cercopithecus griseo-viridis. Desmarest), aus dem Sennaar, welche bei den ” 62&_& 2° 8,70. Arabern im Sudän Abellandj a in Kairo aber Nis-näs lu heisst; 3) zwei Exemplare der schönen rothen Meerkatze oder des Patas (Cercopithecus ruber. Geoffroy), aus Kordofän, der im Sudän den Namen Abellandj el-achmar ee e führt; 4) ein junges 21/, Jahr altes Männchen des noch so wenig bekann- ten und selbst in den naturhistorischen Museen des Festlandes für eine Seltenheit geltenden Erd- oder Löwen-Pavians (Theropithecus Gelada. Isid. Geoffroy), des Dschellada der Abyssinier, aus den Gebirgen von Simehn in Abyssinien, in einer Höhe von S000— 10,000 Fuss über der Meeresfläche. Es ist dies das erste Exemplar dieses Thieres, das lebend nach Europa kam, und um so interessanter als man diese Affenart im jugendlichen Zustande, wo sie noch jener charakteristischen Mähne entbehrt, die beim erwachsenen Thiere so wie beim Löwen reichlich über Kopf und Schultern fällt, bis jetzt nicht kannte; 5) ein erwachsenes Weibehen und mitteljunges Männchen des Anubis (Oynocephalus Anubis. Fr. Cuvier et Geoffroy), aus dem Sennaar, einer Affenart, welche lange mit dem Hundskopf-Pavian (Cynocephalus Papio. Fr. Cuvier et Geoffroy), verwechselt wurde und so wie alle Paviane von den Arabern mit dem Namen Girt >> belegt wird; und 6) ein noch sehr junges Männchen eines Pavians von der Küste des rothen Meeres in Abyssinien, das ich für das junge Thier des grauen Pavians (Cynocephalus Hamadryas. Latreille), betrachten zu dürfen glaube. Die Ordnung der Halbaffen, welche überhaupt in Menagerien nur äusserst selten vertreten ist, findet auch hier nur in einer einzigen Art einen Repräsentanten. Es ist dies der seltene Mongus (Lemur Mongoz. Linne), von Madagaskar, eine Maki-Art, die Herr Dr. Heuglin in Kairo käuflich an sich brachte, und welche sich durch ihr liebliches Wesen und ihre ausserordentliche Zahmheit auszeichnet. DAA Fitzinger. Bericht über die vom Hrn. Dr. Heuglin für die Am zahlreichsten stellt sich in dieser Sammlung die Ordnung der Raubthiere heraus, von welcher sieh 14 verschiedene Arten in 16 Exemplaren vorfinden. Diese sind: 1) der ägyptische Wolf (Canis variegatus. Cretzschmar),aus Ägypten oder der Dib u der Araber, eine höchst merkwürdige, zwischen unserem Wolfe und dem ägyptischen Schakale stehende Art, welche die ihr angeborene eigenthümliche Scheu noch nicht abgelegt hat und zum ersten Male durch Herrn Dr. Heuglin lebend nach Europa gebracht wurde; 2) zwei noch ziemlich junge Exemplare des Nilfuchses (Vulpes nilotica. Desmarest), oder des Abü Schom e9% >) der Araber aus Ägypten, welche sich eben zu verfärben beginnen ; 3) Männchen und Weibchen des überaus seltenen und selbst in seiner Heimath im lebenden Zustande so schwer zu erhaltenden Ohrenfuchses oder Fennek (Megalotis Zerda. Illiger), aus den Sand- wüsten von Fajüm in Mittel-Ägypten, der auch bei den Arabern den Namen Fennek 5 führt. Auch dieses Thier ist bis jetzt noch nicht lebend in Europa gesehen worden und gehört selbst in den europäischen Museen zu den grössten Seltenheiten. Es zeichnet sich von allen ihm verwandten Thieren durch die eigenthümliche Bildung seines Kopfes und seiner grossen Ohren aus, und bietet hierin grosse Ähnlichkeit mit gewissen Fledermäusen dar; 5) ein altes Weibchen der gestreiften Hyäne (HAyaena striata. Zimmermann), oder der Dabba a der Araber, aus Ägypten mit zwei vor 8 Monaten in Kairo geworfenen Jungen, die, obgleich sie nicht mehr saugen, sich fortwährend fest an die Mutter anschmiegen, und dieselbe nur wenn sie gefüttert werden und selbst da nurungerne und auf kurze Zeit verlassen, um sogleich wieder zu ihr zurückzu- kehren. Herr Dr. Heuglin hat dieses Thier, welches in neuerer Zeit vielfältig nach Europa kam und daher keineswegs zu den Seltenheiten gehört, vorzüglich der beiden Jungen wegenmitgebracht, da dadurch nun festgestellt ist, dass die Hyäne nicht, wie man bisher angenommen hatte, immer nur ein einziges Junges zur Welt bringe; 5) der afrikanische Gepard (Cynailurus guttatus. Wagn er), von den Arabern Fächad W genannt, aus dem nördlichen Kordofan, kaiserliche Menagerie zu Schönbrunn mitgebrachten Thiere. 245 ein Thier, welches bisher nur selten in Menagerien gesehen wurde; 6) ein Männchen des noch selteneren afrikanischen Jagd-Gepard (Cynailurus Soemmeringü. Rüppell?), von den Steppen der Kaba- bisch im Süden der Bajuda-Wüste, ein Thier, das bis aufdie neueste Zeit mit der vorigen Art verwechselt wurde, obgleich es selbst die Araber unter der Benennung Fächad gebelli A as von derselben zu unterscheiden wissen. Höhere Beine, dunklere Färbung, ein an der Spitze etwasbuschiger Schwanz und dieschwächereRückenmähne sind die Unterschiede, welche diese Art deutlich von der vorigen abtren- nen. Dieses schöne Thier, welches Herr Dr. Heuglin jung auf- gezogen, ist auch durch den hohen Grad von Zähmung merkwürdig, welchen es erlangt hat; denn es lässt sich nicht nur allein selbst von jedem Fremden berühren und mit sich spielen, ohne dabei auch nur eine Spur von Falschheit oder Unwillen zu beweisen, sondern man kann es auch frei, so wie den zahmsten Hund umhergehen lassen; 7) ein junges Exemplar des seltenen Karakal (Lyn® Caracal. Desmarest), aus Kordofän, oder des Om-rischäd Se 3) n der Ara- ber, der bis jetzt nur in sehr wenigen Menagerien auf dem Festlande von Europa zu sehen war; 8) zwei schöne Exemplare der Civette oder afrikanischen Zibeth- katze (Vivera Civetta. Schreber), aus Abyssinien, die in der Amhara-Sprache Äner, bei den Arabern aber Miskieh XL. heisst; 9) zwei Exemplare der zierlichen senegalischen Genette (Genetta a Fr. Cuvier et Geoffroy), oder der Got’-sobäth “ &5 der Araber aus Sudän; 10) der ägyptische Ichneumon oder die Pharaonsratte (Herpestes Pharaonis. Desmarest), aus Ägypten, bei den Arabern unter dem Namen Nems Dr bekannt; 11) der gestreifte Ichneumon (Herpestes taenionotus. Smith), „0 oder der Göttne Lb5 der Araber, aus Kordofän, welcher bisher irrigerweise mit dem Zebra-Ichneumon (Herpestes Zebra. Rüppell)» 2A6 Fitzinger. Bericht über die vom Hrn. Dr. Heuglin für die verwechselt wurde, sich von demselben aber durch den ocherfarbenen Bauch und den Mangel des weissen Längsstreifens auf demselben unterscheidet; 12) ein jung aufgezogenes Exemplar von bewundernswerther Zahmheit des höchst seltenen weisslichen Ichneumons (Ichneumon albescens. Isid. @eoffroy), aus Berber, von den Arabern Abu Wudän ol; z) genannt. Dieses überaus seltene Thier, welches sich bis jetzt nur in sehr wenigen Museen befindet, ist das erste, welches lebend nach Europa kam. An diese dem wilden Zustande angehörigen Raubthiere schliessen sich noch zwei, heut zu Tage blos noch als Hausthiere bekannte Arten an, und zwar: 13) ein Weibchen des ägyptischen Windhundes (Canis lepora- rius aegyptius. Mihi), oder der Egyptian Greyhound von Hamilton Sınith, aus dem Sennaar, welcher bei den Arabern den Namen Kelb-el-seid Sb ug führt. Diese seltene klimatische Varietät des grossen, aus der Levante stammenden Windhundes (Canis lepora- rius. Mihi), welche sich auf geographische Verbreitung der Art gründet und der einzige Hund ist, dessen sich die Araber zur Jagd bedienen, zeichnet sich durch ausserordentliche Zartheit des Baues, hell isabellgelbe Färbung und eine fünfte Afterzehe an den Hinter- füssen aus. Endlich 14) ein Weibchen des afrikanischen Jagdhundes (Canis sagax africanus. Mihi), vom Bahr el abiad unter dem 7. Grade nördlicher Breite; höchst merkwürdig als Original-Race der Neger vom weissen Flusse, und unverkennbar eine klimatische, gleichfalls auf geogra- phische Verbreitung gegründete Varietät des europäischen Jagd- hundes (Canis sagax. Mihi). Es ist dies das erste Exemplar, wel- ches lebend nach Europa kam. | Beide Hunde befinden sich aber gegenwärtig nicht mehr in der kaiserl. Menagerie zu Schönbrunn, da der Windhund auf allerhöchsten Befehl nach Lachsenburg kam, der Jagdhund aber vom Herrn Oberst- Jägermeister an den Hof-Jäger zu Lainz zur Benützung abgegeben wurde. Die Abbildungen, welche ich von diesen interessanten Hunden anfertigen liess, gedenke ich gleichzeitig mit meiner grösseren Arbeit über die Racen des zahmen Hundes zu veröffentlichen. kaiserliche Menagerie zu Schönbrunn mitgebrachten Thiere. DAT Die Ordnung der Nagethiere bietet nur 2 Arten in 7 Exemplaren dar, nämlich: 1) das gemeine Stachelschwein (Hystrix eristata. Linne), aus Kordofän, welches bei den Arabern den Namen Abu-Schohkh +) gi y) führt, in einem grossen, wahrhaft prachtvollen Exemplare, mit vortrefflich erhaltenem Kopf- und Nackenbusche, wie man es nur selten sieht; und 2) sechs Exemplare der alexandrinischen oder Dach -Ratte (Mus tectorum. Savi), von den Arabern Fär „lb genannt, aus Ale- xandria, welche allenthalben in Ägypten und Nubien, so wie in den Häfen des rothen Meeres in grosser Anzahl vorkommt, und ohne regelmässig in Erdgängen zu wohnen, sich zwischen dem Holzwerke in Häusern und den Rippen der Schiffe verbirgt. Durch Schiffe ist sie auch nach Europa, und zwar sowohl nach Griechenland als nach Italien eingeführt worden und hat sich daselbst weiter durch ganz Dalmatien und sogar bis nach Kroatien verbreitet. Die vom Herrn Dr. Heuglin mitgebrachten Exemplare sind durchgehends Albinos, da einige vollkommen weiss, einige dagegen nur weiss gefleckt sind. Die Ordnung der Wiederkäuer endlich ist durch 11 verschiedene Arten in 27 Exemplaren vertreten. Diese sind: 1) ein erwachsenes Weibchen einer neuen, noch unbeschrie- benen und zum ersten Male lebend nach Europa gebrachten gros- sen Antilopen-Art, welche Herr Dr. Heuglin mit dem Namen grosshörnige Wasser -Antilope (Adenota megaceros. Heuglin), belegte, vom Bahr el abiad, unter dem 7. Grade nördlicher Breite. Diese schöne, mit den drei bis jetzt bekannten Arten jener Gat- tung, nämlich mit Adenota Kob, forfex und Leche nahe verwandte Art zeichnet sich nicht nur durch die abweichende Färbung, sondern auch durch das mächtige Gehörn aus, welches dem alten Männchen eigenthümlich ist, dem Weibchen aber, so wie allen Arten dieser Gattung gänzlich fehlt. Die schönen Bälge alter männlicher Thiere, welche sich in der vom Herrn Dr. Heuglin mitgebrachten, für das kaiserl. zoologische Museum bestimmten reichen Sammlung von Säuge- thieren und Vögeln befinden , beurkunden unwiderlegbar die Neuheit der Art; 2AS Fitzinger. Bericht über die vom Hrn. Dr. Heuglin für die 8) ein Weibchen der thebaischen Ziege (Hircus thebaicus.Mihi), aus Ägypten, oder des Ans Re der Araber, ausgezeichnet durch den weit vorstehenden Unterkiefer und die langen hängenden Ohren; 9) zwei alte Männchen und vier Weibchen sammt einem männ- lichen Jungen des schönen afrikanischen oder Mähnen-Schafes (Ovis africana. Linne) vom Bahr el abiad, das bei den Arabern unter dem Bu a Namen Haruf gebelli au 9, > bekannt ist; und 10) ein Widder einer neuen, bisher noch nicht in Europa gese- henen Schaf-Art, welche in Ober-Ägypten und Nubien als Hausthier gehalten wird, und für welche ich den Namen Assuan-Schaf (Ovis syenitica. Mihi), gewählt habe. Der überaus stark gewölbte Nasen- rücken, der bis zum Boden reichende Schwanz und die reichliche Wolle des Vliesses, unterscheiden diese Art hinreichend von allen übrigen bis jetzt bekannten Arten von zahmen Schafen. Die Krone der ganzen Sammlung ist aber ein nur im wilden Zustande vorkommendes Thier, nämlich: 11) der höchst seltene Kaffern-Büffel (Bubalus Caffer. Gray), aus Süd-Kordofän, der Gosch der Abyssinier oder der Djamüs-el- LE) chäla MEI ; er der Araber. Von diesem prachtvollen Büffel, der noch niemals lebend aus Afrika herüber kam, und bis jetzt auch noch in keinem europäischen Museum als Balg aufgestellt ist, brachte Herr Dr. Heuglin ein 21/,jähriges Weibchen, das er schon als ganz junges Kalb erhielt, nachdem die Mutter von demselben weggeschos- sen worden war, und liess es bei den Baggära oder den Hirtenvöl- kernin Süd-Kordofän mitten unter zahmen Hornviehheerden aufziehen, wodurch sich auch die grosse Zahmheit erklärt, die dieses sonst so wilde Thier erlangte, und die es bis jetzt wenigstens in voller Ungeschmälertheit erhalten hat. | Die Vögel-Sammlung zählt 6 Arten in 7 Exemplaren. Diese sind: 1) der sehr seltene braune Aas-Geyer (Neophron pileatus. G-- - Gray), von Chartum, von den Arabern Rächema a,>=, genannt; 2) der bisher zum ersten Male lebend nach Europa gebrachte ul, Adler (Aguila rapax. Temminck), oder der Saggr el ärnab .,r = mo en der Araber, aus dem Sudän; kaiserliche Menagerie zu Schönbrunn mitgebrachten Thiere. 2A9 3) zwei noch junge, ungefähr zweijährige Exemplare einer Adler-Art vom Bahr el abiad, welche zur Gattung des Gaukel-Adlers (Helotarsus. Gray), gehört, die die Abyssinier mit der höchst bezeichnenden Benennung Hevei Semmei, d. i. „Himmels-Affe“ bele- gen, eine Art, von der sich aber bis jetzt noch nicht mit Bestimmt- heit sagen lässt, ob sie dem Helotarsus ecaudatus, fasciatus oder leuconotos angehöre, da die Charaktere, welche diese nahe verwand- ten Arten von einander unterscheiden, dermalen noch nicht hinrei- chend ausgesprochen sind; 4) der prachtvolle Kreisch-Adler (Haliaetus vocifer. Cuvier), oder der Abu Tok Ip der Araber, ebenfalls vom Bahr el abiad und das erste Exemplar, welches lebend nach dem Continente kam; 5) der afrikanische Marabu (LZeptoptilos erumenifer. Gray), [0 . 7 von Chartum, der bei den Arabern den Namen Abü Sen ins) 5») führt; und 6) das grüne Sultanshuhn (Porphyrio aegyptiacus.Heuglin), G 5 von den Arabern Tik ıı genannt, vom Menzaleh-See im Delta von Ägypten, eine neue, bisher mit dem blauen Porphyrhuhn (Por- phyrio antiguorum. Bonaparte), verwechselte Art. Von Reptilien sind 10 verschiedene Arten in 33 Exemplaren in dieser Sammlung vorhanden gewesen. Leider sind in der Zwischenzeit einige derselben zu Grunde gegangen, und wird dieses Loos auch in kurzer Zeit einen grossen Theil der übrigen treffen, da es für diese überhaupt schwierig zu erhaltenden und einer besonderen Pflege bedürfenden Thiere bis jetzt in der kaiserl. Menagerie zu Schönbrunn noch an den hierzu unum- gänglich nöthigen Räumlichkeiten gebricht. Die mitgebrachten Arten waren folgende: 1) der ägyptische Stachelschwanz (Uromastix spinipes. Mer- rem), der Dabb Sal der Araber, aus Ägypten, in einem sehr grossen, prachtvollen Exemplare; eine rücksichtlich ihrer Form höchst merkwürdige, durch den dornigen Schwanz und die düstere Färbung leicht kenntliche Art aus der Ordnung der Erdläufer unter den breit- züngigen Eidechsen; Sitzb. d. mathem.-naturw. Cl. XVII. Bd. II. Hft. 1% 250 Fitzinger. Bericht über die vom Hın, Dr. Heuglin für die 2) zwei prachtvolle Exemplare der grossen, durch die eigen- thümliche Form ihrer Hörner ausgezeichneten Algazelle oder Säbel- Antilope (Ory& leucory&. Blainville), oder des Wachsch el er a 0 p » >» 71 . Bagger a a der Araber, aus Kordofän; 8) die herrliche Mendes-Antilope (Addax nasomaculatus, Wagner), aus der lybischen Wüste. welche die Araber in Nubien mit dem Namen Akas sisil, die arabischen Magrabiner im Westen hingegen mit dem Namen Bagger el Wadi s>l)l 5 belegen; 4) ein altes Weibchen des höchst seltenen arabischen Stein- bockes oder Beden (Capra arabica. Mus. Vindob.), aus den Bischarin-Gebirgen östlich von Nubien, von den Arabern Beden On .. ER . . O&s, in Ägypten aber Tetal \& genannt. Dieses schöne Thier, von welchem die kaiserl. Menagerie kürzlich auch ein ganz junges Männehen, welches selbst dermalen noch von einer Hausziege gesäugt wird, durch Herrn Custos-Adjuneten Frauenfeld vom Sinai erhielt, hatte sich während der Gefangenschaft. mit einem pracht- vollen Bocke der Whydah-Ziege (Hircus reversus. Mihi), vom weissen Flusse bastardirt, und am 8. Juni ein männliches Junges geworfen, das theilweise der Mutter gleicht. Hieran schliessen sich als Hausthiere der Afrikaner: 5) ein stattlicher Bock der Whidah-Ziege (Hircus reversus Mihi), vom Bahr el abiad in Ost-Sudän, sammt einem jungen, mit der Zwerg-Ziege (Hircus depressus. Mihi) gezeugten Bastarde; 6) ein alter Bock, vier Weibchen und zwei Junge der niedli- chen Zwerg-Ziege (Hircus depressus Mihi), ebenfalls vom Bahr el abiad ; 7) Männchen und Weibehen sammt dem Jungen einer offenbar neuen, noch unbeschriebenen und zum ersten Male nach Europa gebrachten Ziegen-Art, für welche ich wegen der grossen Ähnlichkeit, die sie in der Färbung und zum Theile auch in der Zeichnung mit der gemeinen Gazelle hat, den Namen Gazellen-Ziege ( Hircus Gazella. Mihi), in Vorschlag bringe. Auch diese Art ist vom Bahr el abiad und wird eben so wie die vorige von den Arabern mit dem Namen Eray83 - Ans gebelli Je is belegt: kaiserliche Menagerie zu Schönbrunn mitgebrachten Thiere. >51 2) der ägyptische Mauer-Gekko (Ascalabotes aegyptiacus. Mihi), aus Ägypten, welcher an feuchten dunklen Orten, zwischen Felsen, auf Mauern und in Grabesgewölben lebt und so wie alle zur Ordnung der Wandkletterer gehörigen Reptilien sich mit bewunde- rungswürdiger Schnelligkeit und Sicherheit auf den glattesten Gegenständen, ja selbst auf Fensterscheiben bewegt, bereits aber eingegangen ist; 3) zwei Exemplare der überaus schönen, durch ihre zierliche Zeichnung und den Glanz ihrer Schuppen ausgezeichneten, vollkom- men unschädlichen thebaischen Walzenschlange (Clothonia thebaica. Mihi), aus Ägypten, die beide gleichfalls schon zu Grunde gingen; 4) fünfzehn zum Theile sehr grosse und lebensfrische Exem- plare der berüchtigten ägyptischen Brillenschlange (Uraeus Haje. - s 5 - 6-2 6. - Wagler), der Häje al oder Näscher ‚| »\> der Araber, aus Ägypten, eine der giftigsten Schlagenarten, welche einst bei den alten Ägyptiern geheiliget war und häufig auf ihren Denkmälern erscheint. Es ist dies dieselbe Schlangenart, mit welcher die ägypti- schen Priester schon zur Zeit von Moses dem Pharao ihre Künste zeigten und das Wunder Aaron’s zu profaniren sich erfrechten, indem sie ihren Stock in die Schlange und dann wieder die Schlange in ihren Stock verwandelten; ein einfaches Kunststück, das auch heut zu Tage noch von den arabischen Gauklern häufig in Anwendung gebracht wird, und nur auf einem Drucke in den Nacken beruht, in Folge dessen die Schlange in eine Art von Starrkrampf verfällt; 5) drei Exemplare der überaus giftigen ungehörnten Wüsten- Viper (Gonyechis Cerastes Cleopatrae. Mihi), aus Ägypten, welche man allgemein für diejenige Art betrachtet, mit welcher sich einst Cleopatra vergiftete ; 6) drei Exemplare der durch ihre bunte Zeichnung ausgezeich- neten, aber höchst giftigen Pfauen-Wüsten-Viper (Echis Pavo. Reuss), aus Ägypten, deren Biss unfehlbar tödtlich ist; 7) drei Exemplare der eben so gefährlichen Pyramiden-Wüsten- Viper (Echis pyramidum. Reuss), weiche sich durch ihre schöne röthliche Färbung leicht von der vorigen unterscheidet; | 8) zwei sehr grosse, wahrhaft prachtvolle Exemplare der selte- nen senegalischen Landschildkröte (@eochelone senegalensis.Mihi), or 252 Fitzinger. Bericht über die vom Hrn. Dr. Heuglin für die aus Kordofän, welehe so wie alle Landsehildkröten bei den Arabern den so bezeiehnenden Namen Abu Gätta al d. i. „Vater des Deckels“ führt; 9) zwei Exemplare der zierlichen algierischen Landschildkröte (Chersus mauritanicus. Mihi), aus Ägypten, welehe auch durch die ganze Berberei verbreitet ist, und sich durch den beweglichen hinteren Lappen des Brustschildes auszeichnet; und 10) endlich, ein sehr schönes und grosses Exemplar der äusserst seltenen und bisher nur ein Mal lebend nach Europa gekommenen ägyptischen Klauenschildkröte (Aspidonectes aegyptiacus. W agler), G- 00 2 An R oder der Tirse asJ\ der Araber, aus dem Nil, welehe leider schon wenige Stunden nach ihrer Ankunft in Folge des Land-Transportes zu Grunde ging. Eine Zusammenstellung der vom Herrn Dr. Heuglin mit- gebrachten lebenden Thiere ergibt im Ganzen 50. Arten in 99 Exemplaren. Hierunter befinden sieh nieht weniger als 12 Arten, nämlich 10 Säugethiere und 2 Vögel, welche bisher zum ersten Male entwe- der nach Europa überhaupt, oder mindestens auf das Festland unseres Welttheiles gebracht wurden und unter diesen wieder 4 völlig neue, noch unbeschriebene Arten von Säugethieren. Viele andere höchst merkwürdige Thiere sind während der langen Reise und der Überwinterung in Ägypten zu Grunde gegangen; so das ausser seiner Heimath noch nie lebend gesehene äthiopische Erdferkel(Orycteropus aethiopicus) und das eben so wenig gekannte grossschwänzige Schuppenthier ( Phatages Temminckii) aus Kordofän, die schöne Arab-Antilope (Gazella Soemmeringü) und die schlanke spiesshörnige Gazelle (Leptoceros Cuvieri) aus dem Sennaar, eine neue, noch unbeschriebene und mit der rothrückigen Meerkatze (Cercopithecus pyrrhonotus) nahe verwandte grosse Affenart aus Darfür, das Männchen der grosshörnigen Wasser-Antilope (Adenota megaceros) vomBahr el abiad und des arabischen Steinbockes ( Capra arabica) aus Nubien, der äusserst seltene Stelzen-Geyer ( Gypogeranus serpentarius), mehrere noch unbestimmte Antilopen-Arten und dergleichen mehr. Wer nur einigermassen mit den Mühen und Beschwerden einer Reise durch unwirthbare Gegenden und insbesondere durch die kaiserliche Menagerie zu Schönbrunn mitgebrachten Thiere. 253 Wüsten bekannt ist, wo Entbehrungen aller Art oft selbst dem Ein- zelnen die Erhaltung schwierig machen, der wird Herrn Dr. Heuglin gewiss seine Bewunderung nicht versagen, eine so grosse Anzahl lebender Thiere aus den entferntesten Gegenden von Afrika und selbst aus dem Innern jenes noch so wenig bekannten Welt- theiles, nach dem Festlande von Europa gebracht zu haben. Der rastlose Eifer, womit Herr Dr. Heuglin die Einsammlung der Thiere betrieb, die Sorgfalt, welche er auf ihre Pflege verwandte, um sie am Leben zu erhalten, die Schwierigkeit in der Herbeischaf- fung ihrer Nahrungsmittel und vollends die Hindernisse und Gefahren bei deren Transportirung auf einer langen Stromfahrt, über die weit ausgedehnten Katarakte des Nils und mitten durch die gefahrdro- henden Klippen von Wady Halfa, dies Alles beweiset, mit welchen grossen Anstrengungen und namhaften Opfern die Ausführung dieses Vorhabens verbunden gewesen sein musste, dessen glückliches Gelin- gen nicht nur unsere Bewunderung erregt, sondern uns auch lebhaft auffordert, Herrn Dr. Heuglin für die vielen Mühen und Beschwerden seiner zur Ehre der Wissenschaft und unseres Vaterlandes geleisteten Dienste, unsere Anerkennung im vollsten Masse auszusprechen. 254 Fenzl. Bericht über Dr. Joseph Lorenz’s Abhandlung: SITZUNG VOM 12. JULI 1855. Bericht über Dr. Joseph Lorenz’s Abhandlung, betitelt: Die Stratonomie von Aegagropila Sauteri. Von dem w. M., Prof. Dr. Fenzl. Den Gegenstand zu dieser Abhandlung 1) lieferten dem Ver- fasser die seltsamen kugeligen Lagerverfilzungen der als Aegagropila Sauteri Kützing (der sogenannten Seeknödeln) bekannten Süss- wasseralge aus dem Zeller- See im Salzburgischen, welche er an Ort und Stelle näher zu beobachten Gelegenheit fand. — Nach einer kurzen, die nähere Bezeichnung des Ausdruckes „Stratonomie“ betreffenden Einleitung und Mittheilung der geschichtlichen Notizen über die in Rede stehende Alge wendet sich der Verfasser der Schilderung ihrer Standortsverhältnisse und Verbreitung in jenem See zu und bezeichnet hierauf die wichtigsten Formen der Lager- bildung, welche man daselbst zu beobachten Gelegenheit hat. Alle lassen sich nach seinen Erhebungen auf fünf Hauptformen: die lose grössere kugelige und kleinere elliptische oder walzliche, auf verschieden gestaltete oder polymorphe, auf angeheftete und in Schöpfehenform isolirte zurückführen. Nach genauer Angabe der Localverhältnisse, unter welchen die eine oder die andere Form vorherrschend auftritt, schildert er die Beschaffenheit des Lager- geflechtes jeder einzelnen derselben und verfolgt die verschiedenen 1) Dieselbe wird im X. Bande der Denkschriften der kaiserl. Akademie der Wissen- schaften erscheinen. Der Seeretär. Die Stratonomie von Aegagropila Sauteri. 255 Veränderungen und Wachsthumsverhältnisse der einzelnen Stämm- chen und Äste dieser verfilzten Lager, welche sie bei fortschreitender Entwickelung mit der Zeit erleiden. Eine besondere Aufmerksamkeit widmet er hierbei der Art der Isolirung ganzer zusammenhängender Zellreihen von dem Mutterstamme, der Art der normalen und abnormen Bildung ihrer Äste, wie den Wachsthumsgesetzen, welche sie hier- bei einzuhalten pflegen oder einzuhalten genöthigt sind. Alle diese Verhältnisse werden theils durch schematische, theils nach der Natur getreu entworfene Abbildungen erläutert. Von besonderer Wichtigkeit erscheint dem Herrn Verfasser zunächst die Filzlagerbildung der angehefteten Formen wie die Art ihrer Befestigung an den verschiedenen Unterlagen, als Steinen, faulem Holze und Muschelgehäusen. Als eine eigenthümliche und für die Fortpflanzungs- wie für die Bildung der verschiedenen Lager- formen charakteristische Weise hebt er das Einbohren der jüngsten Vegetationsspitzen in weiche Unterlagen hervor und führt durch die Art ihrer weiteren Entwickelung den Beweis, dass die losen kugeligen und elliptischen Formen dieser Alge keineswegs einem Losreissen und Abrollen der angehefteten ihre Entstehung verdanken, wie man seither sich dieselbe zu erklären pflegte. | Die freien, durch Isolirung ganzer Stamm- und Astpartien aus sowohl kugeligen als angewachsenen Lagern hervorgehenden Büschel- formen oder Schöpfehen werden nun einer genauen Untersuchung unterzogen, und durch sie der Nachweis geliefert, wie durch Zusam- menschlemmung mehrerer isolirter lebenskräftiger Stämmchen die Verfilzung und Ausbildung der grösseren isolirten Formen stattfinde. Die allmähliche Erfüllung des inneren Raumes dieser letzteren mit Schlamm, ihr verschiedenes Verhalten zum Wasser in verschiedenen Tiefen und die Art der Lappenbildung an manchen derselben finden nebenher ihre ungezwungene und natürliche Erklärung. Aus der Art und Weise der nach bestimmten Normen sich herausbildenden Ver- schlingung der Verästelungen dieser Stämmchen und ihrer Verände- rungen, welchen sie mit der Zeit unterliegen, werden die regelmässi- gen schalen- und zonenartigen Schichtenbildungen im Innern der grossen Filzkugeln als nothwendige Folgen der Vegetation nach- gewiesen und gezeigt, dass selbe nicht für die vollendetsten Typen der Gestaltbildung jener Alge, im Gegentheil nur als Durchgangs- formen zu anderen weit einfacheren anzusehen seien und dass ihre 256 Fenzi. Bericht über Dr. Lorenz’s: Die Stratonomie von Aegagropila Sauteri. Bildung hierbei wesentlich von bestimmten Verhältnissen des See- grundes abhängt. Nach Entwickelung aller auf die Stratonomie dieser Alge sich beziehenden Vegetations-Erscheinungen und damit im ursächlichen Verhältniss stehenden Localverhältnisse geht der Verfasser auf die Entwickelung der jüngsten Stände aus den Sporen über. Indem er sein lebhaftes Bedauern darüber ausspricht, dass ihm die gemessene Dauer seines Aufenthaltes an Ort und Stelle nicht erlaubte, diesem Theile der Entwickelungsgeschichte dieselbe Aufmerksamkeit zu schenken, wie den stratonomischen Verhältnissen dieser Alge, gibt er behufs später anzustellender Untersuchungen doch auch das hierauf Bezügliche so vollständig an, als seine Beobachtungen reich- ten und das hierzu geeignete Material mit Sicherheit erkennen liess. Als Resultat seiner diesfallsigen Erhebungen bemerkt derselbe: dass die Zoosporen nicht blos die Endglieder der Fäden, sondern auch hinter diesen liegende Zellen füllen und durch Berstung der Wandung austreten; dass trotz ihrer lebhaften Bewegung nach dem Austritte aus der Zelle sich kein Flimmerapparat an ihnen erkennen lasse und der rothe sogenannte Augenpunkt fehle, dafür aber durch einen dunkeln, fast schwarzen Fleck ersetzt sei. Auf faulem Holze auf- liegend treiben die untergesunkenen Zoosporen Schläuche in das aufgelockerte Gewebe; nicht aufliegende keimende kamen dem Ver- fasser nie zu Gesicht. Ausser den Zoosporen beobachtete derselbe einigemal noch andere an den schlammigen Wandungen älterer Individuen aufsitzende kleine Schläuche, welche jenen keimenden Zoosporen ganz ähnlich sahen, jedoch einen andern Inhalt als diese zeigten. Letzterer bestand aus 1—3 honigbraunen, scharf begrenz- ten, wenig punktirten navieularienartigen Körperchen, die 8&—10mal grösser als die wahren Zoosporen sein mochten. Ihr Austreten konnte zwar beobachtet werden, nicht so aber ihr weiteres Verhalten. Es wäre daher möglich, dass auch hier wie bei manchen anderen Süss- wasseralgen, z. B. den Spirogyren, zweierlei Sporen vorkommen. Zum Schlusse, die wichtigsten an Aegagropila Sauteri erhobe- nen Thatsachen zusammenfassend, glaubt der Herr Verfasser zu folgenden Aussprüchen sich berechtigt: Die Fäden eines entwickelten Lagers dieser Alge entspringen von keinem gemeinsamen Punkte; die Form rundlicher Ballen ist keineswegs die allgemeine endliche; dergleichen Ballen waren nie Zantedeschi. Ricerche sulla contemporaneitä del passaggio delle opposte ece. 957 als solehe angewachsen und konnten daher auch nie losgerissen worden sein; die Entwickelung der verschiedenen Formen des Filz- lagers hängt endlich wesentlich von äusseren Momenten ab. Die losen Ballen entwickeln sich aus isolirten zusammengeschlemmten Lagerstämmchen, deren Äste sich verfilzen und dann radial von einem nur idealen Mittelpunkte aus sich verzweigen. Die Zoosporen bilden bei dem Keimen zunächst angeheftete Stämmchen und Lager. Durch Ausfaulen einer oder mehrerer Zellen aus der Reihe der übrigen Dauerzellen isoliren sich einzelne oder mehrere zu einem Büschel (Schöpfehen) verflochtene und werden abgestossen. Solche Schöpfchen sind die Anfänge der verschiedenen freien Lagerbildungen. Letztere, mit der Zeit von innen nach aussen durch Ausfaulen hohl werdend, zerfallen in Lappen, welche, noch lebenskräftige Enden besitzend, auf dieselbe Art wie die Schöpfehen zu neuen Lagern auswachsen, Eingesendete Abhandlung. hicerche sulla contemporaneüü del passaggio delle opposte correnti elettriche in un filo metallico. Memoria II’ del Professore Francesco Zantedeschi. (Con II tavole.) (Vorgelegt in der Sitzung vom 26. April 1855.) Gli argomenti, che, in mia sentenza, comprovano la contempo- raneita o il sineronismo del passaggio delle opposte correnti in un solo filo conduttore comune a due eircuiti chiusi ed isolati, sono desunti: | 1° dalla trasmissione delle forme telegrafiche o dei dispacei; Io dagli effetti galvanometrici; 10 dagli effetti luminosi e calorifiei; IV® dagli effetti ehimici; V° dagli effetti fisiologiei. Le conelusioni di questi argomenti ho ereduto necessario, in un modo compendioso e sommario, o in un modo aforistico, di renderle ‘ 7 . . . . 258 Zantedescehi. Ricerche sulla contemporaneitä del passaggio di pubblieo diritto, perche@ i Dotti, che si oecupano della presente vicerca veggano |’ estensione delle mie investigazioni, e le possano prendere in disamina nei loro studii tanto teorici, che sperimentali, non avendo altro intendimento, che il progresso della seienza e le utili applicazioni alle quali dobbiamo noi tendere con tutti i nostri sforzi. In questa seconda memoria mi ristringo a presentare all’ Im- periale Accademia |’ analisi delle prove desunte dalle forme telegra- fiche, e dagli effetti galvanometriei, luminosi e ealorifiei. In parte la presente Memoria racchiude lo sviluppo analitieo de’ fatti pubblieati nella precedente (Atti delle adunanze del- I. R. Istituto Veneto; Adunanza del 22 Gennajo 1855, Sul simultaneo passaggio delle correnti opposte sui eireuiti metalliei ehiusi ed isolati dalla terra, e delle loro differenze coi eireuiti misti delle linee aereo —telluriche in relazione alla telegrafia elet- trica); e in parte comprende dei nuovi fenomeni, che sono i lumi- nosi ed i calorifiei. | Io ho fatto appello, non lo dissimulo, al mondo scientifico, per- che non mancano dotti franchi e leali, che preferiscono tuttavia i fattı della Natura alle teorie degli uomini; ma amo ancora, che i miei stu- dii rimangano registrati nei volumi degli Atti di eotesta celebre Imperiale Accademia delle seienze alla sapienza della quale ho l’onore di presentarmi. | | Il primo argomento, a dimostazione della simultaneita del passag- gio delle opposte correnti sul filo ecomune ai due eireuiti & tratto dalle forme telegrafiche. Il 27 ottobre 1854 ho osservato, come esposi nella mia I? Memo- ria, che attraverso ilmedesimo filo si trasmettono in direzione opposta; dispaceci telegrafiei eon tutta preeisione, ossia la forma telegraüica, o la durata delle onde elettriche, non viene sensibilmente alterata. Da questo fatto, che fu riconoseiuto da varii fisiei, verissim o e bello, ne dedussi la conseguenza del simultaneo passaggio delle opposte correnti in un modo analogo a quello che presentano molte- pliei fenomeni della natura, de’ quali ridonda 1’ acustiea preci- puamente. (uesta deduzione non parve rigorosa, necessaria, legittima ad aleuni fisici, e pensarono, che in un modo diverso potesse rendersi delle opposte ceorrenti eleltriche in un filo metallico. 259 “ragione dell’ osservata trasmissione dei dispacei in direzione opposta. lo pure non fui sempre della stessa sentenza. Nel 1840 io ammetteva, che nell’ incontro delle eorrenti elettriche avvenisse un fenomeno analogo a quello, che aceade nell’ urto meccanico de’ corpi, da cui ne deduceva o la somma nel caso, che le correnti avessero a cam- minare nel medesimo senso, o la differenza nel caso, che avessero a camminare in senso opposto. lo pure nell’ esperimento del 27. otto- bre 1854 per il contemporaneo passaggio delle opposte correnti pro- posi tre ipotesi, della sovrapposizione dei piccoli moti, della propa- gazione di moti per ranghi molecolari longitudinali, o di efflussi late- rali di materia, qualunque ne fosse la sua natura. Io diedi la prefe- renza alla prima ipotesi, come di sopra ho gia detto. Que’ fisiei, che non ammisero la contemporaneitä del passaggio delle opposte correnti, si divisero in varie sentenze. I Redattore del Cosmos, attenendosi all’ipotesi che due pulsazioni non possono giammai dirsi contemporanee, ammise, che il passaggio delle opposte correnti fosse successivo; e credette potersi render ragione della trasmissione delle forme telegrafiche per opera diqueste correnti, senza pero farsi carico di quello, che sarebbe accaduto nel caso della contemporaneitä delle pulsazioni. L’ ipotesi del Redattore del Cosmos che almeno in parte sem- brava prestarsi alla spiegazione dei fenomeni delladoppia eorrispodenza telegrafica nel easo delle correnti discontinue, fu trovata intieramente insuffieiente allorche una delle eorrenti era continua e l’altra dieonti- nua. Conobbe il Redattore del Cosmos l’impotenza della sua ipotesi alla spiegazione degli effetti in questo secondo caso, e percid si ridusse da se stesso al silenzio, dichiarando pubblicamente di non volere piü entrare nella discussione di questo argomento. Parve ad altri poter imaginare, che nell’ incontro sul filo comune delle opposte correnti avvenisse una specie di rimbalzo, come accade nell’ urto de’ corpi elastiei. Questa ipotesi nell’adunanza del 22. Gennajo del 1855 dell’I.R. Istituto Veneto fu messa innanzi dall’ onorevole Collega Bellavitis, efu ancora indicatada qualche fisico, come ho dalla mia corrispondenza epistolare. Ma io soggiunsi essere tale ipotesi piuttosto ingegnosa che ' vera, avvegnacche debba essa, per essere ammessa, valere ugualmente pei fili corti, che pei fili lunghissimi comuni ai due eireuiti chiusi. Il che non viene dall’ esperienza verificato. Pei fili di una maggior 260 Zantedeschi. Ricerche sulla contemporaneitä del passaggio resistenza non accade piü il fenomeno della doppia corrispondenza telegraficat). Trovata insuffieiente anche questa terza ipotesi, taluni si limita- rono a dire come il Soret, che le opposte correnti non eircolino sul filo comune, ma che per le vie degli attigui regolatori, vadano a ris- pondere ai poli negativi delle due pile. Altri in quella vece hanno dichiarato, come il Serpieri, di non saper dire che cosa avvenga preceisamente sul filo comune ai due eireuiti; ma pero hanno affermato che tutto avvenga come se le correnti passassero insieme. Nessuna ipotesi impertanto delle adotte, & suffieiente alla spiega- zione di tutti i fenomeni da me osservati. E pereio mancano del carat- tere filosofico essenziale per essere ammesse. E il dire, che le due opposte correnti non si scaricano attraverso il filo comune, o che in esso avvenga, come se le opposte correnti passassero insieme, € un negare ed un asserire gratuito in un modo oscuro e misterioso, ma non & dare la soluzione della dibattuta questione in un modo positivo e razionale. Si puö ripetere, egli & vero, col Nobili, che ogni filo di cor- rente & obbligato a seguire un cammino separato, come dimostra l’os- servazione delle due apparenze contrarie, la positiva ela nega- tiva, le quali non possono mai coesistere nel medesimo luogo. Ma la mia dottrina non ammette la coesistenza nel medesimo luogo di due opposte correnti, come di sopra ho dichiarato, ma la coe- sistenza di due opposte correnti in parti distinte del medesimo filo. E le esperienze stesse del Nobili fatte in seno dei liquidi non valgono per veruna guisa ad abbattere i miei esperimenti siccome quelli, che sono istituiti in condizioni essenzialmente diverse. E il Nobili stesso non fu pienamente sodisfatto delle fatte ricerche, volendo pure a tempo migliore ritornare sullo stesso argomento. Se io dovessi per susseguenti risultamenti abbandonare la dot- trina del simultaneo passaggio delle opposte correnti sul filo comune ai due eireuiti, direi che nel caso di correnti uguali ed opposte, il 1) I Nuovo Cimento ammettendo che non possa generarsi corrente senza la neutralizzazione delle due opposte elettricitä , affermd, essere impossibile che sul medessimo filo si generino due opposte correnti simultanee. Ammesso il prineipio io non trovo l’impossibilitä della neutralizzazione delli opposti stati elettriei sul medesimo conduttore. A due a due li stati opposti possono combinarsi, come riconobbero ancora De la Provostaye e Desins. delle opposte correnti elettriche in un filo metallico. 261 filo comune non si ritrova in istato naturale, ma in una econdizione elettro - statica; che verrebbe a stabilire il fondamento del fatto della doppia corrispondenza, o della corrispondenza multipla attraverso un filo comune a’ piu eircuiti chiusi. Il filo comune potrebbe essere ora il conduttore della minore ed ora della mag- giore resistenza. Concetto che io applicai alla costruzione del mio Telegrafo a doppia corrispondenza con un solo filo communicante colla terra. Ma coll’ uso dei telegrafi alla Morse, io non poteva esplorare l esistenza delle correnti derivate, dalle quali avrei potuto trarre qualche nuovo argomento che avesse a spargere della luce sulla discussa questione intorno alla contemporaneitä del passaggio delle opposte correnti sopra una stesso filo. A questo scopo ho costrutto il mio Telajo, che ho deseritto nella mia Prima Memoria. Io non ripeterö qui i miei esperimenti, che feci coll’ uso degli seandagli magnetici, e le deduzioni che ne trassi. Solo osservero, che taluno potrebbe oppormi, che i fatti osservati sono fenomeni di casi speciali, che potrebbero ricevere una spiegazione diversa da quella che loro diedi, e che pereiö le illazioni, che ne trassi non sono neces- sarie o rigorosamente legittime. Sia pure, anche tutto questo dato e non Concesso per vero, € pero un fatto costante, che non ammette eccezione, che i quattro aghi magnetiei sottoposti ai fili dei due circuiti non conservano precisa- mente la loro deviazione, allorche si toglie o si restituisce la comuni- cazione dei due circuiti col file comune. Allorche l’ago sottoposto al filo comune & a zero gradi, all’atto della interruzione, tutti e quattro gli aghi diminuiscono la loro devia- zione; e all’ atto dello ristabilimento della eommunieazione tutti e quattro gli aghi acerescono la loro deviazione. Il filo comune adun- que non puo essere in questo caso in stato naturale. Non accade cosi, allorch& l’ ago sottoposto al filo comune, ha una declinazione oceidentale od orientale. Allo ristabilirsi della comuni- cazione dei due circuiti col filo comune, aumenta la declinazione di quei aghi, che appartengono a quel eireuito, l’elettromotore del quale fa prevalerela declinazione dell’ ago sottoposto al filo comune, e per contrario diminuisce la declinazione di que’ aghi che sono sottoposti all’ influenza dell’ elettromotore dell’ altro eireuito. I > . . . . 262 Zantedeschi. Ricerche sulla contemporaneitä del passaggio fenomeni succedono inversamente all’ atto, che s’ interrompe la comunicazione del filo comune eoi due eireuiti. N filo comune adunque esereita un’ influenza sulla distribuzione dell’ elettrieo ne due eircuiti, come & dimostrato dai eangiamenti delle declinazioni degli aghi in direzione opposta, i quali di piü possono conservarsi deviati ne’ due eircuiti con gradi diversi, come accade ancora nel caso, che |’ uno sia indipendente dall’ altro. Di quest’ ultimo fatto si puö rendere ragione dieendo, che 0 tutte e due le opposte correnti passino senza turbamento sensibile, attra- verso il filo comune, o che ne passi soltanto la differenza loro, in ragione della differenza delle due pressioni opposte, o delle reeiproche tensioni delle due eorrenti nel loro punto d’ incontro. La qual risposta varrebbe nella supposizione, che l’incontro delle due correnti accadesse nel medesimo luogo, ma nell’ ipotesi, che il loro incontro accadesse in punti distinti o in ranghi molecolari distinti del medesimo filo eomune, come io penso, e come ancora superiormente ho detto in risposta alla dottrina del Nobili. Ma & egli poi vero, che attraverso il filo comune passi la sola differenza, come fu da qualche fisico seritto ? No certamente, eome l’esperienza mi ha costantemente dimostrato. — Delle numerose mie investigazioni, io mi limitero a riferire i seguenti risultamenti siecome queili, che furono piü e piü volte ripetuti con effetti uniformi e costanti. Disposto il mio tetajo, come & rappresentato nell’ annessa figura, che & la IV* della mia tavola unita alla prima Memoria colla disposi- zione diversa degli apparati elettromotori e coll’ aggiunta degli aghi inLeT, mi sono assicurato che le deviazioni degli aghi, per una stessa corrente, fossero preceisamente di un ugual numero di gradi. lo chiusi il eircolo in O, ed in A@, con un elemento alla Bunsen da ciaseuna parte, I’ uno de’ quali ho potuto mantenere eostante per tutto l’inter- vallo delle mie esperienze, mentre |’ altro successivamente resi piu attivo coll’ aggiunta di alcune goceiole d’ acqua acidulata con acido solforico, che mediante un cannellino di vetro poteva versare nel vaso dello zineo. In eiascun esperimento aspettai sempre, che gli aghi si fossero ridotti immobili, econ una leggiera scosserella cercai di vincere lo stato d’inerzia, onde avessero ad obbedire anche alle piü piccole variazioni dell’ energia della pila. Ridotto I’ apparato in tali condizioni, io diedi incominciamento a’ miei esperimenti: colla pila O, gli aghi in S ed Z deviarono di 120 30’ delle opposte eorrenti elettriche in un filo metallico. 263 Colla pila in AG, gli aghi in ? e 7 deviarono di 18°. La decli- nazione in Q fu di 14°, occidentale. La declinazione adunque dedotta non avrehbe dovuto essere che di 5°, 30’ mentre la deelinazione osservatä fu di 14° Ridotta |’ azione della pila in O costante colle declinazioni in S ed Z di 12°, portai quella della pilain A@ a 20°; la declinazione oceidentale dell’ ago in Q si portö a 19°. La declinazione dedotta avrebbe dovuto essere di 8°, el’ osser- vata fu di 15°. Colla pila in O, conservate costanti le declinazioni degli aghi in Sed Z di 12°, ed aceresciuta I’ energia della pila AG, da avere dagli aghi %, 7 la declinazione di 24° la declinazione ocei- dentale dell’ ago in Q si portö a 20° oceidentale. La declinazione dedotta avrebbe dovuto essere di 12°, ed in quella vece la declinazione osservata fu di 20°, occeidentale. Nel sequenteprospetto io presento la serie di dodiei oservazioni. Colla pila O, declinazioni di S ed Z 12° 30’ Colla pila AG, declinazione di Re T180. | FE Colla pila in O, declinazione di S, L 12°. ann Declinazione in Q dedotta, osservata, Colla pila AG, declinazione di 2 e 7 20°. = Colla pila in O, declinazione di Sed L12°. Colla pila AG, declinazione di R, 7 240. Colla pila in O, declinazione di S, L 12°. dedotta, osservata, oceidentale. dedotta, osservata, 120 200 occidentale. 160 250 Colla pila in AG, declinazione di R, 728". occidentale. Si noti che i gradi 25 furono prossimamente. Colla pila in O, deelinazione di S, L 12°. dodotie, errien Colla pila AG, declinazione di R. T 32°. Anche qui il numero 30° fu in via prossimativa. Colla pila in O, declinazione in S, L 12°. Be nn Colla pila in A@ deelinazione in R, T 36°. ( oceidentale. Colla pila in O, declinazione in S, L 12°. Colla pila in A@, deelinazione in R, T 40°. Colla pila in O, deelinazione in 8, L 12°, Colla pila in A@, deelinazione in, T 44°. | Colla pila in O, deelinazione in S, L 12°. dedotta, | \osseryata, occidentale. dedotta, osservata, 280 350 oceidentale. dedotta, osservata, 320 380 oceidentale. . . . . . 36° An Colla pila in AG, deelinazione in RB, T 48°. ( oceidentale. Colla pila in O, deelinazione in S, L 12°. Colla pila in AG, deelinazione di, 752°. dedotta, osservata, 40° 45° oceidentale. 264 Zantedeschi. Ricerche sulla contemporaneitäa del passaggio Colla pila in O, declinazione in S, L 14°. dei N Colla pila in AG, declinazione in R, 715°. ( oceidentale. Ridotta l’azione in Q perfettamente a zero, si trovarono i quattro aghi S, L, R, Ta 14° precisamente. La condizione adunque di uguaglianza galvanometrica & indicata dallo zero dell’ago in Q sottoposto al filo comune, ossia allorquando si osserva, che l’ago in Q & a zero, si puo dedurre l'uguaglianza di declinazione in tutti gli aghi sottoposti ai due sistemi. Dall’insieme poi di tutti questi esperimenti e da molti altri che io feci nell’ intervallo di ecinque e piü mesi, ne’ quali ho coltivato questo argomento, raccolsi ciß, che ebbi a pubblicare sino dal 27. ottobre 1854, e che ebbi a ripetere per vario modo in altri miei seritti; 1° Je azioni galvanometriche di ciaseun eircuito prese separatamente, si conservano inalterate anche nel caso del loro simultaneo concorso. Le esperienze furono estese da 12° fino a 52°. 2° Sotto il filo comune non si ha deviazione gal- vanometrica, allorche& le decelinazioni degli aghi ne’ due ceireuiti sono uguali. 3° Sotto il filo comune vi ha deviazione galvano- metrica allorche le decelinazioni nei due cireuiti sono ineguali. 4° La deviazione galvanometrica sotto il filo ceo- mune enelladirezione della corrente prevalente. 5° Questa pero nonreppresanta tuttaintiera linten- sitaä delllazione, che appare nel eircuito prima e dopo del reciproco incontro delle correnti sul filo comune. | 6° La grandezza dell’azione galvanometrica sotto il fillo comune & sempre maggiore della diffe- renza della intensitäa elettromagnetica delle due correnti. | Ma non ho potuto fino ad’ ora intravedere legge alcuna nei rapporti delle quantita occultate nel filo comune, che in rela- zione alla telegrafia ho chiamato linee di oceultazione. 7° Le eorrenti derivate, che si osservano nei suc- cessiviscandagli, allorch& una sola pila &appli- eo delle opposte correnti elettriche in un filo metallico. 2365 ceata in 0, od in AG, mentre laltro eirceuito € ehiuso metallieamente, non dimostrano aleuna influenza sulle deviazioni galvanometriche, allorch& simultaneamente sono applicate le due pile, che mandano in direzione opposta le loro correnti sul filo eomune. I gradi indicati dagli aghi S, L, R, T nella precedente tabella rimasero costanti col- l’ azione successiva di ciascuna pila e coll’ azione simultanea di tutte due. Frale leggi superiormente raccolte ve ne sono quattro preeipua- mente, le quali ricevono pronta e perfetta spiegazione nella sentenza del simultaneo passaggio delle due correnti elettriche attraverso il filo comune, senza che patiscano perturbamento sensibile, e nella dottrina opposta non trovo ragione sufficiente, anzi ritrovo delle contradizioni negli osservati costanti fenomeni. Cosi nel caso, che l’ ago sottoposto al filo comune & a zero, e che le declinazioni dei quattro aghi ne’ due eircuiti sono uguali, ri- pugna nella sentenza opposta alla mia, che le declinazioni dei quattro aghi diminuiscano, all’atto d’interrompere la continuita del filo comune, e viceversa che le declinazioni dei quattro aghi aumen- tino, nell’ atto di ristabilire la confinuitä del filo comune; avvegnache se attraverso il filo comune non passa filo aleuno di corrente, debba essere assolutamente indifferente il lasciarlo, o il toglierlo. Nella dottrina opposta alla mia, nel caso d’inegunglianza delle azioni galvanometriche delle due correnti, non dovrebbe passare che la differenza delle due azioni opposte; ma l’esperienza mi ha costan- temente dimostrato, che rimane sensibile sul flo comune una quantitä sempre maggiore della differenza. L’eccesso da due gradi crebbe nelle mie esperienze fino a7°, senza dimostrare regolaritä alcuna eolle differenze galvanometriche suceessivamente osservate nei due eireuiti. Il qual fatto dimostra, che le azioni galvanometriche sono effetti di condizioni speciali della materia comune, prodotte dalle eorrenti elet- triche; eome la dilatazione & una disposizione diversa degli aggre- gamenti molecolari originata dal calorieo; nell’ uno e nell’ altro caso vi sono dei salti e delle irregolaritä. Ugualmente nella dottrina opposta a quella del sineronismo, non visarebbe ragione suffieiente per rendere ragione dell’uguaglianza delle azioni galvanometriche prima e dopo il punto di coneorso delle opposte Sitzb. d. mathem.-naturw. Cl. XVII. Bd. II. H£t. 18 k] r . . . . 266 Zantedeschi. Ricerche sulla eontemporaneitä del passaggio correnti, non vi sarebbe ragione sufficiente dell’uguaglianza delle azioni galvanometriche in eiaseuno dei due eireuiti eolle correnti suecessive e@ colle correnti simultanee opposte. Questa perfetta uguaglianza di effetti non ispiegabile, che nella dottrina che eiaseuna corrente percorre la via del proprio eireuito, senza che nell’ incontro sul filo eomune, soggiaciano a perturbamenti, a distruzione, nelle loro direzioni od intensita. La deelinazione galvanometriea, che manifesta l’ago sotto- posto al filo comune ai due eireuiti, e un effetto del lavoro meccanico, che le due simultane e correnti producono nella materia comune. Non direi impertanto, come serisse il Pouillet, che sul filo comune le due correnti producano deimovimenti propriia ciascuna diloro, considerate separatamente. L’esperimento, che fece collapila termoelettrica € inge- gnoso; ma non parve a fisici legittima la eonseguenza che ne dedusse. (El&mens du Physique, T. I", pag* 624, Paris1853.) Tuttavia i Signori De la Provostaye, e Desains ebbero a serivere: „Ciö che si sa sulla teoria delle pile, e questa esperienza ingegnosa (di Pouillet), sembrano provare che in tutti i casi, le correnti coesistono, si SoVrap- pongono senza modificarsi, e che allorquando pajono distruggersi, si deriva da questo, che i loro effetti identiei in natura, sono in dire- zioni differenti, e s'annunziano reciprocamente come due forze, che si fanno equilibrio. (Comptes Rendus de l!’Academie des sciences de Paris, T. XXXVI, pag. 749, an. 1853. Note sur un fait relatif ä ’&chauffement d’un fil de metal par les courants &electriques, par M.M.F. DelaProvos- tayeet P. Desains.) La teorica impertanto, che io esposi nei miei seritti, in base di esperimenti che mi appartengono, & ancora la teorica di Pouillet di Moncel, Masson, diDe la Provostaye e di Desains. Ma i Signori De la Provostaye e Desains non soddisfatti delle ipotesi de’ fisici sulla natura delle correnti voltiane, sul loro modo di azione, eredettero opportuno non di accrescere il numero delle ipotesi, ma di aumentare quello dei fatti fondamentali, che una teoria per essere esatta, dovrä pure sotto di s® comprendere e spiegare. E questa via, che io ho costantemente seguita, e sulla quale ho sempre cercato di mettere alla prova le dottrine dominanti delle seuole. Io amo di riferire a verbo i nuovi esperimenti proprü di De la Provostaye e di Desains, che aveva pure ricordati in altri miei serittiÄ, perche da essi io sono partito nelle mie nuove ricerche, e delle opposte correnti elettriche in un filo metallieo. 267 perche chi si studia di malignarmi, nelle sue ordinate inesattezze non trovi materia ad offendermi nel cospetto del pubblico. Allorch& un filo di platino della lunghezza di 15 & 20 centimetri & mantenuto all’ incandescenza per la corrente di una prima pila co- stante A. se si venga a far passare una seconda corrente uguale e in direzione contraria, mettendo due de’ suoi punti «', B’ in contatto coi eonduttori, ehe congiungono i due poli di un altra pila B della mede- sima forza della prima, lo spazio intermediario « ß del Silo di platino cesserä immediatamente di essere incandescente, e si potra ancora toccare con un dito senza provare alcuna sensazione di calore apprezzabile. Al contrario le due estremitaä aa’ e Bß’ si troveranno portate ad una temperatura di molto piü elevata di prima. Che se si abbia allora ad invertire la direzione della pila ZB, sara al contrario la porzione «ß del filo che acquisterä una temperatura elevatissima mentre che le porzioni estreme ««’', Bß" cadranno ad una tempera- tura piü bassa.“ L’esperienza puO essere ancora istituita in maniera, che la renda, se e possibile, piüu parlante ancora. Due fili di platino del medesimo diametro e presso a poco della stessa lunghezza sono portati all’ ineandescenza da due pile formate da un medesimo numero di coppie e sensibilmente uguali. Questi due fili appariscono identiei fra di loro, ed i fenomeni calorifiei, che manifestano non hanno alcuna relazione sensibile colla direzione pro- pria delle correnti, che li attraversano.“ „Niente v'ha qui, per conseguente, che richiami l’azione di una eorrente sopra un’ ago calamitato, azione che ha una direzione deter- minata, e che cangia di senso col senso della eorrente stessa. Un filo e arroventato, e sempre alla stessa maniera, da due correnti inverse uguali che lo atraversano successivamente.“ „Frattanto, se nella nostra esperienza si avvicinino i due fili di platino incandescenti, e che si applichi l’uno contro l'altro, si otten- gono dei risultamenti completamente differenti secondo la loro orien- tazione relativa. In una delle posizioni la parte commune si estingue prontamente, e le parti esteriori acquistano un piu grande splendore. Nella posizione relativa inversa, & direttamente il contrario che si osserva.“ „Egli & benstabilito, che se due correnti uguali, capaei di far arroventare separatamente un filo di platino, vi comminino simul- 187 2 68 Zantedeschi. Ricerche sulla contemporaneitä del passaggio taneamento in direzioni opposte, l’ineandescenza ed ancora linnalza- mento di temperatura, dispariscono tosto, i loro effetti si sommano al contrario, se si propagano nella stessa direzione.“ „Dei fenomeni, soggiungono in Nota gli Autori, perfettamente analoghi si presentano nelle azioni chimiche. Si decomponga del- l'aequa in tre voltametri A, B, C, collocati in uno stesso eireuito, le quantita di gaz sviluppate sono uguali in eiascuno di loro. Ma se si tocchi con uno dei reofori di un altra pila uguale alla prima un punto compreso fra A e B, e col secondo reoforo un punto compreso fra becC, allora lo sviluppo, o s’arresta in BD, e diviene piü rapido in AeC, o siradoppia in B, e diminuisce in Ae 0.“ „Per non oltrepassare i limiti delle esperienze, proseguono gli autori, noi dobbiamo fermareiqui. Tuttavia ne sara permesso di far osservare, che questi fatti sembrano inconciliabili colla teoria, che risguarda lo sviluppo del calorico come dovuto alla riunione dei, fluidi di nomi contrarii. Niente infatti impedisce ai quattro fluidi uguali di combinarsi due a due nella parte comune del eireuito, e di produrre in tutti i casi una elevazione di temperatura sempre la stessa, qual- unque sia la direzione dell’ una delle correnti.“ Dieiamo infine, senza entrare nei piü grandi detagli, che se questi fatti non possono essere preveduti dalla teoria di Ohm, non ei sembrano pero che sieno opposti, e che le idee che lo hanno guidato nelle sue ricerche sulle correnti, sono ancora quelle che si accordano insieme ai risultati della esperienza, che noi abbiamo avuto l’onore di sottoporre. M’ineresce di non trovare nella Nota dei due Fisiei Francesi tutte le condizioni delle loro esperienze, come il diametro e la lun- shezza precisa del filo, la temperatura rispetto a quella dell’ aria ambiente, le pile usate ed il loro numero ed il grado areometrico dei liquidi. Condizioni tutte, che influiscono sui risultamenti sperimentali. L’incandescenza pero nei loro esperimenti fu limitata al filo inter- mediario «ß, e alle due estremitu «a’, BB’ non osservarono, che delle variazioni di temperalura, in piü, quando le due correnti eammina- vano in direzione opposta; e in meno, quando comminavano nella stessa direzione. E allorquando nei loro esperimenti sostituirono i due fili di platino, colle correnti dirette nel medesimo senso, nella parte comune ottennero un’ incandescenza maggiore che nelle parti esteriori, e colle correnti dirette in senso opposto, la parte comune delle opposte correnti elettriche in un filo metallieo. 269 si estinse prontamente, e le parti esteriori acquistarono un piü grande splendore. Vengo ora ad esporre i risultamenti, che mi appartengono, coi particolari delle mie esperienze. Le pile, delle quali feci uso, furono due, l'una alla Grove di 10 elementi, delle dimensioni ecomuni, quali suol costruire Dubosceq- Soleil, l’altra alla Bunsen di 19 elementi, delle dimensioni medie quali suole costruire Ruhmkorff; tutte e due furono caricate con acido nitrico di gradi 47 B, e con acqua acidulata con acido solforico dle grado 12 B. La temperatura dell’aria delle sala era di + TOR. Il filo di platino era nella parte intermediaria «ß della lunghezza di 7 centimetri, e ciascuna delle quattro estremita aa’, aß’, BP", Ba” era della lunghezza di 3 centimetri, non comprese le parti che pesca- vano nel mereurio. Ed il diametro del filo di platino era di mezzo millimetro eirea. I fili polari, o reofori erano di rame del diametro di un millimetro e mezzo, e della lunghezza di 60 centimetri. Il tutto era disposto, come & reppresentato nella Figura Il. della tavola. Colla sola pila alla Grove ebbi l’incan descenzaal bianco, di tutto il file B'«ßP", e colla sola pila alla Bunsen non aveva che l’incandescenza del filo intermediario «ßB al rosso incipiente sub oscuro. E colle due correnti dirette in senso opposto, l’incan- descenza del filo intermediario «ß per gradi successivi si ridusse al calor osceuro, che portö in aleuni minuti secondi un termometro a mercurio da 7% a 270 Reol solo contatto del suo bulbo eol filo, e ’ineandescenzaalbianco delle due estremita «9, BB rimase inalterata, per quanto si pote giudicare dalla costanza della sensazione avuta. Nelle altre due estremita « «’ Ba” non si pote ravvisare traceia di luce, ne variazione di temperatura. Sostituendo al filo quattriforcato, o biforcato ai due suoi estremi « ß, due fili di platino dello stesso diametro, e delle stesse dimen- sioni e mantenuti nelle loro parti intermediarie a contatto per tutta la lunghezza di 7 centimetri, colle correnti opposte delle due pile, ebbi nelle parti interne o attigue dei due fili intermediarii una incan- descenza maggiore, e nelle parti esteriori un’incandescenza minore. Nelle quattro estremita non ho potuto osservare differenza aleuna dall’essere successive, o simultanee le due correnti opposte. Io non deciderö, se la maggiore incandescenza osservata nelle parti attigue dei due fili fosse un effetto dovuto unicamente & riflessioni lumi- 270 Zantedeschi. Ricerche sulla eontemporaneitä del passaggio nose, a minore dispersione di calorico, a partieipazione di tempera- tura del filo piü incandescente al filo meno incandeseente. E un fatto perö ad ogni modo ben dimostrato, che nelle parti interne dei fili intermediarii lineandeseenza luminosa erebbe e non diminul, senza che si potesse osservare variazione alcuna nelle quattro estremita. Ancor qui la costanza degli effetti luminosi, o calorifiei alle quattro estremita risponde perfettamente alla costanza degli effetti galvanometriei ne’ due eircuiti prima e dopo dell’ incontro delle opposte correnti sul filo comune, alla costanza delle declinazioni galvanometriche ne’ due eircuiti tanto colle correnti successive che colle correnti simultanee opposte. Anche il taglio del filo intermedia- rio rispose perfettamente alle variazioni dei fenomeni galvanometrici. Allorch& ne’ due eircuiti le declinazioni erano differenti, p. e. 120 e 52°, all’interrompersi del filo comune, diminuiva la deelinazione di 52, ed aumentava quella di 12. Parimenti vidi accadere nei feno- meni d’incandescenza. Reso tutto il file B"ß«P’ incandescente al bianco colla pila alla Grove, e verificato che la sola pila alla Bunsen non rendeva incandescente al rosso oscuro che la parte intermediaria del filo, mentre le due estremita «aa, B«” rimanevano perfettamente oseure, io feci agire simultaneamente in direzione opposta le due pile, ed osservato, che la parte intermediaria «ß si era resa oseura, che le due estremita ß” 8, «ß’ si mantenevano incandescenti al bianco, e le altre due estremita Ba”, aa’ si conservavano perfettamente oscure, feci tagliare il filo intermediario Bx e tosto l’ineandescenza delle estremita 3'«, "PB diminul, e si rese visibile al medesimo grado quella delle altre due estremita B@’, «a. Essa era in tutte e quattro le estremita alrosso eiliegia sudante 1). In generale si chiami con F, F’ i valori delle forze delle due eorrenti nei due cireuiti; con E, E le due forze elettromotriei, con A la resistenza del filo intermediario, e con X la resistenza ridotta che ineontra la eorrente F, e con X’ la resistenza ridotta che incontra la corrente F’, e secondo le note teorie di Volta e di Ohm si avra: E A+N E' m I 1) Questi fenomeni d’incadescenza variano, secondo che varia la differenza d’intensitä della due pile. delle opposte ceorrenti elettriche in un filo metallico. 2 711 E fatto —F'=9; eXM’=NX siavıa u B-=Et Dan ET E posto E=E, si riduce — d — Dee RU E posto E > E' e chiamando con D la ditlferenza. BR D ee NY e nell’ ipotesi, che attraverso il filo comune passino le due opposte correnti, senza perturbarsi, si avrä per ciascun eircuito corrispon- dente: E en FIRE. / E’ UERT o—=N. Ma nell’ ipotesi che 9 sia uguale a zero, perche le due opposte correnti rimbalzano, e vengano a costituire le due pile una sola batte- ria voltaica, si avra: E E' Fer pe ee u V V e pereid quando E=E anche F=F’; sar& quindi 2E 2E E ee “ A 2X r Si hanno impertanto nell’ ipotesi, che l’ago sottoposto al filo congiuntivo sia a 0° =. che possono accadere due casi, nell’ uno de’ quali le due opposte cor- renti uguali passino attraverso il filo comune, senza perturbarsi ed allora in ciascun eircuito, l’intensitä reometrica & rappresentata da E a (2 Nel secondo easo l'intensitä reometriea & indieata da E F= —: (2) N 212 Zantedeschi. Ricerche sulla eontemporaneitä del passaggio E nel easo della disuguaglianza delle opposte correnti da D F—-F — ey (3) Sarebbe rappresentata l’intensitä dell’ azione reometrica del filo comune; E ne’ due eireuiti si avrebbe; E nen, (4) E In queste formole io mi riferisco alle dimensioni del mio telajo. La prima, quarta e quinta formola rappresentano esattamente i valori sperimentali. Non cosi pero rappresentano i valori sperimen- tali la seconda, e la terza. L’ipotesi impertanto del rimbalzo delle due uguali opposte correnti, o del passaggio della differenza fra le due opposte correnti, dal filo comune sono dimostrate insussistenti dall’ esperienza. Io non ho parlato dell’ ipotesi dell’ estinguimento delle due opposte correnti, perche in un modo evidente viene smentita dalla sussistenza delle deviazioni galvanometriche ne’ due eireuiti. Per vedere la perfetta corrispondenza con quanto ho affermato, si confrontino i valori di queste formole coi risultamenti sperimentali di sopra ottenuti. Posto 9 = 0, e che le due uguali opposte correnti attraversino, senza perturbarsi, il medesimo filo comune la formola al numero (1) indica, che le declinazioni galvanometriche ne’ due cir- euiti devono essere uguali. Questo risultamento teorico & pienamente confermato dalla legge sperimentale esposta al numero secondo con queste precise parole: sotto il filo comune non si ha devi- azione galvanometrica, allorch& le decelinazioni degli aghi ne’ due circuiti sono uguali. La formola al numero secondo, che esprime l’ipotesi del rimbalzo delle due uguali opposte correnti, annunzia, che le due pile sono costituite in batteria, e che non v’ha che una sola corrente I’ inten- sita della quale ha un valore maggiore di eiaseuna delle due uguali opposte correnti prese separatamente Infatti in questo caso del rimbalzo si ha E en Zantedeschi. Ricerche sulla contemporaneita del passaggio delle SET opposte eorrentt elettriche in un filo metallieo. Su = BAR >, Fr z= " ES SS RER R Dee [£ Y DRIR ra Aus Lk.k.Hof-u. Staatsdruckerei, Sitzungsb. d. k, Akad. d.W. math. naturw. €. NVILBd %.Hett. 1855. " Hi ? NER AR | W; u At ei Mr | PR At haar HR BER | | hi # | OB AN, Hi ON v | “ ’ \ ß ß Da Br N I « ” i [2 l . A An > \ . % h) ’ 0 KR ‘ ” ‚1 \ 1> j 5 L Y AR N, P ) fi Y { N \ ln N [o0 1 i r \ D, Y v % “ Pin, Bi { 1 dr) cH ie Wire: 2 x i“ % . « u wi Ä x a “ Y f - ’ & % ' f r * Pi % 4 h r e Al ” j N tn n = / n an. r f f 1 ‚le iR, * D r i 4 ‘ I ’ ei re - ’ r 1 3 Mi tr 5 4 g 1 £ “ re Ber am br ei DR EN 19 oa = £ vr . Ü ur N E 28 RE nn! RR RR REN TUN 2 es Re K gr, Br £ 3 ee K R J = R ’ 2 ri u. .. i , = R 3 R \ N ze = Pz % I ) - 5 - j f ; i » R ei EWR % - kernel g x D te SE Mae 10% ER a a antedeschr. Ri ı ib: I 2 icerche sulla contemporaneita del passagsio delle opposte correnti elettriche in un filo metallico. Tat.ıl EEFEEEFIEISITLINLIE Aus Ik HofacStaatsänuckeret Sitzumgsb. d.k.Akad.d.W. math.naturv. CEXVILBA?. Heft. 1855. SE ze } 1 MER EHEN, Rod num 7 ar een 5) N DATA TED 1 Dee 3 dell " delle opposte eorrenti elettriche in un filo metallico. 273 e nel caso del libero passaggio si ha F F= ———. AHN D e ercio ove were ep Pe, Ma l’esperienza che ho di sopra riferita dimostra che costituendosi le due pile in batteria eol taglio del filo eomune le declinazioni; degli aghi ne’ due eircuiti diminuscono, e che pereio F di viene minore di F u 100 E vero che la diminuzione non giunge ad un grado; ma perd & costante; e costantemente si ha aumento al ristabilirsi della interrota eomunicazione col flo comune. La formola al numero terzo, D er stabilisee che nel caso d’ineguaglianza delle due opposte cor- renti non si abbia sul filo comune che la differenza. Ma una serie di numerosi esperimenti mi ha dimostrato che l’azione galvanometrica sul filo comune € sempre maggiore della differenza come & stabilito nella legge sesta, nella quale ho seritto: la grandezza dell’ St azione galvanometrica sotto il filo comune & sempre m maggiore della differenza delle intensita elettro- magnetiche delle due correnti. La formola al numero quarto E er AH e cosi pure la quinta F= IV dedotta dalla precedente ricevono conferma rispetto all’ intensitä delle azioni galvanometriche, ma non rispetto al modo col quale si conserva; avvegnache fu dimostrato insus- sistente il valore teorico della terza formola. La legge T', che stabilisce costanti i valori di Fed F', & espressa cosi; le azioni galvano- metriche di eciascun ceireuito prese separatamente si eonservano inalterate anche nel caso del loro simul- taneo conecorso. L’ esperienza impertanto e la teoria si accordano nello stabilire la contemporaneita del passaggio delle opposte correnti sopra un filo 2aTıA Bo u. conduttore comune a due eireuiti chiusi ed isolati, senza che patisecano perturbamento veruno. Degli altri argomenti tratterd in una terza Memoria. Io ho amato in questi esperimenti di avere compagno e di valermi della eooperazione del Sig. Dottore Ingegnere Luigi Borlinetto assis- tente alla cattedra di fisica in questa I. R. Universitä al quale rendo pubbliecamente la mia riconoscenza. Vorträge. Über die Quellen- und Brunnenwässer zu Vöslauund Gainfahrn. Von dem w. M., Dr. A, Boue. (Mit I Tafel.) Im Gebiete der Vöslauer Gemeinde unterscheidet man die Ebene, den Hügel und den Berg. In ersterer wird der Tegel durch eine ziemlich mächtige (21/, — 3 Kl.) Ablagerung von Schotter überdeckt, dessen Mächtigkeit gegen NW, etwas abnimmt. Der Hügel besteht aber gänzlich aus Leitha - Conglomerat, selten mit grossen Austern- Fragmenten. Die dicken Schichten neigen sich gegen SO. und ihre Mächtigkeit mag wohl ungefähr 20 Klafter betragen. Dieses Gestein umsäumt das Gebirge und erhebt sich bis zu einer Höhe von unge- fähr 150 bis 170 Fuss über die Ebene, indem es zu gleicher Zeit auf dem Abhange des Gebirges eine mehr oder weniger deutliche Art von Abhang-Absatz verursacht und im Dorfe Vüslau ein eigenes kleines Vorgebirge zusammensetzt, das ein Plateau von 15000 bis 14000 Quadrat-Klaftern bildet. Die Höhe des letzteren schwankt zwi- schen 50,60 und 80 Fuss, jenachdem man den südlichen den sogenannten Hügel, oder den nördlichen oder nordwestlichen Theil ins Auge fasst. Die Häuser von Ober-Vöslau sind auf dieser Anhöhe vertheilt und dazwischen läuft in einer Vertiefung die Strasse nach Gainfahrn. Ehe man die Grenze der Gainfahrner Gemeinde betritt, bemerkt man, dass das Conglomerat-Plateau sich gegen SW. rasch senkt, was schein- bar meistens daher kömmt, dass der südliche und südwestliche Theil Über die Quellen- und Brunnenwässer zu Vöslau und Gainfahn. , 275 jener Schichten längs einer Spalte etwas niedergesunken zu sein scheinen. Die jetzige Schiessstätte liegt in dem oberen Theile dieser Spalte. Das mit Fichten und Eichen bewaldete Gebirge besteht aus mittlerem Flötzkalke mit Petrefacten, sowohl am Sandberg als im Krautthale. Auch befindet sich darin jene bekannte Dolomitbreceie, die oberhalb Gainfahrn als Sand stark ausgebeutet wird. Dieses letztere Gestein bemerkt man nur auf der südlichen Seite des Vös- lauer Berges, sowohl in der jetzt so gross gewordenen Sandgrube als im Walde zwischen dieser und Ober-Vöslau. Doch findet man es auch in der Gemeinde Gainfahrn, namentlich erstlich auf dem, dem Walde südlich vorliegenden kahlen Plateau, im sogenannten Gemeindeberg, den man jetzt wieder mit Kiefern bewal- det, dann in den Weinbergen nordwestlich der Gainfahrner Kirche; wahrscheinlich unterteuft das Gestein dieselbe, denn man bemerkt es wieder in dem geräumigen Keller des Kaufmanns Hegger, der aus den Zeiten der Tempelritter herstammen soll und theilweisse nur natürliches Gewölbe hat. Ist das Flötzgebirge ganz wasserlos, so ist sein Fuss, so wie jener des Vorhügels sehr reich an Quellen. Alle letzteren so wie die Thermalquelle haben scheinbar ihren Ausfluss an der Grenze der Flötz- und tertiären Gebilde. Da nun in dem Orte Gainfahrn die Dolomitbreccie zu Tage steht oder nur mit einer geringen Mäch- tigkeit von tertiären Kalkbreeeien bedeckt ist, so ereignet es sich, dass die Brunnen nur 2 oder 3 Klafter tief sind, indem die reichsten Quellen selbst am Tage ausfliessen und die bekannten Kressigteiche später den kleinen Thal-Bach bilden, der sich im Friesischen Garten zu Vöslau mit demjenigen der Therme vereinigt; drei Mühlen in Gainfahrn und Vöslau werden dadurch in Bewegung gesetzt, und besonders ist dieses der Fall mit der grossen Quelle des vortrefl- lichen kühlen Wassers beim Wirthshause, genannt die Steinplatte. Von der andern Seite, dader schwarze Boden des unteren Theiles des Gain- fahrner Thales alle Anzeichen eines ehemaligen Sees oder wenigstens Morastes an sich trägt, so werden die Wässer durch diese thonige Schicht aufgehalten oder verlieren sich wenigstens nicht so leicht in der Erde wie auf den Schoiter-Haiden von Unter-Vöslau. Dieses so wie die Kressig-Teiche machen den unteren Theil Gainfahrns ungesund und verursachen im Frühling und Herbst die gewöhnlichen kalten 276 Boue. Fieber, von denen Vöslau verschont bleibt. Am Fusse des Vöslauer Hügels ist namentlich auch Wasser in Überfluss und selbst in östli- cher und nordöstlicher Richtung, zwischen der trockenen Haide und dem Hügel, findet man einige nasse Wiesen, wo man nicht bauen kann. Quellen, wie in Gainfahrn, gibt es aber da nicht. Das Wasser ver- liert sich im Schotter und wird scheinbar von dem tieferen Tegel auf- gehalten. Doch selbst da müssen Spalten es noch tiefer führen, denn sonst würde man sich nicht erklären können, warum man auf dem Bahnhofe bis 40 Klafter bohren musste, um Wasser, dann aber im Überflusse zu finden. Doch da dieses Wasser sehr schwefelig war, wurde der Brunnen verschüttet. Diese Vertheilung des Wassers, verbunden mit dem Ablauf des Thermal-Wassers, macht, dass in Unter-Vöslau die Brunnen alle sehr wenig Tiefe haben und man daselbst keine tiefen Keller gra- ben kann. Das Wasser der Brunnen ist trinkbar, obgleich fast aus- schliesslich nur Seihwasser des Teiches oder des Baches. Aber im südöstlichen Theile von Unter-Vöslau, ganz am Ende der nach dieser Gegend sich senkenden tertiären Conglomeratmasse, fliesst aus den Felsen unter der Chaussee eine sehr reine Quelle. Dasselbe Wasser ist auch in den Brunnen im Wirthshause zum Jägerhorn und in eini- gen Häusern daneben. Da zu einem angenehmen ländlichen Aufenthalte besonders Wald, frische Luft und schöne Aussicht gehören, so wurde nach und ' nach das tertiäre Plateau mit Häusern übersäet und Ober-Vöslau kam in Flor. Doch da stellte sich gleich die Schwierigkeit des Wasser- zuflusses ein, eine Schwierigkeit, die wahrscheinlich die Grösse Ober-Vöslaus beschränken und ganz gewiss wenigstens seine Aus- breitung noch höher im Gebirge unmöglich machen wird. Im südlichen Theile des Plateau, im sogenannten Hügel, sind Brunnen am leichtesten zu errichten, und ihre Tiefe ist selbst unbe- deutend in den Häusern am südlichen Fusse des Hügels, aber ihr Wasser ist nur ein Seihwasser des Gainfahrner Baches. Auf jener Anhöhe wird es schon schwieriger, da man Conglomeratschichten durchbrechen muss, und das Brunnenwasser ist nicht überall gut. Im Kettischen Garten gibt es selbst ein mit Hydrothion stark geschwän- gertes Brunnenwasser, indessen haben die Brunnen am westlichen Ende des sogenannten Hügels bei Herrn Max, Rummel und vorzüglich bei Herrn Brenner ein sehr gutes frisches Wasser. Über die Quellen- und Brunnenwässer zu Vöslau und Gainfahrn. 277 Etwas weiter westlich liess ich im Jahre 1842 einen 12 Klafter tiefen Brunnen im Conglomerate aussprengen und fand nebst einigen Petrefaeten, wie Austern, ein gutes, sehr kaltes Wasser, aber wir hatten in einer Tiefe von ungefähr 4 Klaftern eine Masse von grauer mergeliger Molasse mit einigen Muscheln, Pinnen u. s. w. und Eisen- kies durchfahren, unter welcher einiges Wasser ausfloss (S. Bull. Soe. geol. d. Fr. 1842, B. 13, S. 67). Diese letztere Ader ist wahrscheinlich die Ursache, dass unser gutes Wasser durch einen gewissen Gehalt an Schwefelwasserstoff, vorzüglich zu gewissen Zeiten und nach anhaltenden Regen etwas verdorben wird. Einen Beweis, dass die erwähnte Molasse nur eine grosse von NW. nach SO. sich erstreckende Niere im Conglomerat ist, gaben uns die Brunnen unserer nächsten Nachbarn, der Herren Rummel und Weiss. Sie sind auf derselben Linie, nicht einmal 20 Klafter von uns entfernt, nicht ganz so tief und beide haben gutes Wasser. Nach diesen Erfahrungen war es wirklich ein Wagestück von uns, als wir im Jahre 1843 einen Brunnen in Ober - Vöslau am Saume des Waldes auf der südlichen Seite der oben angezeigten Spalte graben liessen. Er wurde über 18 Klafter tief in dem dichten tertiären Conglomerate ausgesprengt. Bemerkenswerthes wurde nichts gefunden, ausser ziemlich tief im porösen Gesteine kleine Ablagerun- gen von unreinem Brauneisenstein und vorzüglich einige ziemlich grosse Knochen, wie es scheint von Schildkröten, deren Zellen-Gewebe in das sogenannte Eisenerz übergegangen war. Das Wasser war gut, rein und ziemlich kühl, doch über die niedrige Temperatur von 71/, bis 8 unseres andern Brunnens gegen den Fuss des Berges. Es scheint in - sehr geringem Masse eisenhältig wie viele Wässer in Vöslau. Das Gelingen unseres Unternehmens schien für die Bewohnbar- keit des Ober-Vöslauer Conglomerat-Plateaus zu entscheiden. Jetzt wurde rings um uns häufig gebaut, Gainfahrn und Vöslau sollten bald Eins sein, kein Platz im Gebirge war zu hoch geschätzt, um ein Haus errichten zu können. Einige Leute dachten selbst an das hohe Plateau des Gemeinde-Berges, von wo aus man Neu- stadt sieht. Der erste der neben uns baute, Herr Schenk, grub einen Brunnen, bekam aber nur laues Wasser in einer Tiefe von ungefähr 20 Klaftern und auf der nördlichen Seite der schon erwähn- ten Spalte. Er fand eine grosse mit Stalactiten bekleidete Aushöh- ‚lung. Dieses verfehlte Ziel hemmte die Baulust jedoch keineswegs 2718 Boue. und man errichtete mehrmals Häuser, ehe man den Brunnen grub; aber keiner dieser neuen Brunnen lieferte gutes Wasser, ausser der sogenannte Gemeindebrunnen neben dem Schulhause. Dieses letzte Wasser war selbst lange Zeit mit Hydrothion geschwängert und istdoch endlich durch das viele Schöpfen rein geworden, ohne aber beson- ders kalt zu sein. Dieser Theil des Conglomerat-Plateau ist der einzige, wo sandige Schichten ihn überdecken. Je näher man die Brunnen am Thermal-Teiche anlegt, je sichererist man nur laues Wasser zu bekom- men. Je weiter man auf dem Plateau gegen N. seinen Brunnen gräbt, je weniger tief wird er sein, weil das Plateau sieh hier senkt, und je mehr Wahrscheinlichkeit ist vorhanden, dass man wenigstens ein trink- bares, wenn auch nicht sehr kaltes Wasser bekommt. Im Gegentheile, je näher man auf dem Plateau gegen S. oder gegen die Spalte gräbt, je wahrscheinlicher ist es, dass man schlechtes, ungeniessbares oder im besten Falle nur laues Wasser erreicht. Doch auf der Gemeinde- Haide, nördlich von Vöslau, braucht man nur durch den Schotter zu graben, um Wasser zu finden; esstelltsich da dasselbe Verhältniss wie in dem ebenen Theile von Unter-Vöslau zwischen dem Bahnhofe und dem Hügel dar. Doch wenn in letzteren Brunnen der Zufluss nur vom lauen Teich-Bach herstammt, muss in den andern das Wasser von unterirdischen Quellen herkommen, oder wenigstens, wenn man es auch vom Teicheableiten wollte, muss es einen viel längeren unter- irdischen Lauf haben und darum leichter die ursprüngliche Wärme einbüssen. Es gibt jetzt in Vöslau ungefähr 53 bis 54 Brunnen und Quellen, namentlich in Ober-Vöslau 2 gute Brunnen und 8 mit schlechtem oder wenigstens lauem Wasser. Nördlich von diesem Plateau findet man 5 Brunnen mit ziemlich gutem Wasser, und auf der Haide 4 oder 5 Brunnen mit mittelmässigem Wasser. Östlich unter dem Plateau sind 6 gute Brunnen und eine Quelle und weiter östlich $S—9 Brunnen mit Teichwasser. Südlich unter dem sogenannten Hügel werden 6 Brunnen durch Gainfahrner Bachwasser gespeist, und auf dem Hügel gibt es 7 Brunnen, unter denen der südlichste sehr mit Schwefelwasserstoff geschwängert ist, indem die andern schlechtes oder nur sehr mittelmässiges Wasser haben. Endlich bestehen jetzt südlich vom Plateau fünf Brunnen, unter denen einer schlecht ist, und zwischen dem Plateau und dem Hügel fünf mehr oder weniger gute Brunnen. | Über die Quellen- und Brunnenwässer zu Vöslau und Gainfahrn. 279 So weit waren wir in unserer unterirdischen Hydrographie, als voriges Jahr mein Nachbar, Herr Biber, Dolomitsand-Lieferant, einen Brunnen an einem Punkte des Berges graben liess, der 35 bis 40 Fuss höher als unser oberer Brunnen und fast in der Mitte zwischen uns und der Flötzkalkwand liegt. In dieser Arbeit wurde nur im tertiären Conglomerat gesprengt, nach 22 Klaftern zeigten sich Porositäten im Gesteine oder der sogenannte Wasserstein der Brunnenleute und endlich Wasser. Doch da der Zufluss zu gering schien, wurde noch weiter bis 24 Klafter gegraben. Aber die letzte Klafter geschah gänzlich in einem ganz andern Gestein, nämlich in einer Abwechslung von Schichten, eines thonigen schwarzen Mergels und eines dichten grauen Kalkmergels oder unreinen Kalk- steins. In diesen petrefactenreichen Gesteinen fand ich unter- einander folgende Muscheln: 1. eine mittelmässige grosse gefal- tete, der Ostrea Marshii nahe stehende Auster; Emmerich nannte sie 0. Haidingeriana; 2. viele Brachiopoden, vorzüglich Spirifer Münsteri Dav., dann auch Terebratula gregaria Suess. und vor- züglich auch 7. Grestenensis Suess., doch die T. cornuta S. von Enzersfeld suchte ich vergebens. Endlich kommen darin noch Peecten biasinus Nist. und höchst wahrscheinlich eine Discina vor. Leider enthalten die schwarzen Letten so viel fein eingesprengten Schwefel- kies, dass in wenigen Tagen durch die Verwitterung die Massen tausend Sprünge bekommen, sieh mit alaunartigen Efflorescenzen bedecken und zerfallen. Diese Gesteine haben Ähnlichkeit mit den Steinkohlen führenden Lias-Schiehten im St. Helenenthal, doch Pflanzen-Abdrücke sah ich nicht darin. Nach ihrer Paläontologie gehören sie unzweifelhaft zu den sogenannten Kössener Schichten des Herrn von Hauer, und Herr Custos Partsch bewahrt im k. k. Mineralien-Cabinete ganz ähnliche Gesteine und Petrefacten vom Tunnel im St. Helenenthal. Diese wahrscheinlich zum Lias gehörenden Schichten des Vöslauer Untergrundes würden die Verbindung zwischen den ähnlichen Gestei- nen in der Nähe von Gumpoldskirchen, Baden, Enzersfeld, Hörnstein und Piesting vorstellen. Westlich würde auf diesen Gesteinen der schon erwähnte Flötzkalkstein ruhen, der nach den Petrefaeten zu urtheilen, wohl zum Staremberg- und Dachstein-Lias-Kalke gehören wird, da die Haupt-Muschel darin eine grosse Bivalve ist, die wohl nichts anders als Megalodon trigueter Wülf. sein möchte; dasSynonym von 280 Boue. Isocardia grandicornis von Schafhäutl ist sehr charakteristisch für diese sogenannten Kuhtritte der Jäger. Diese gehörnte Muschel hat meistens ihre Schale verloren, so dass man nur den Kern ihres Innern vor sich hat. Ein feiner Kalkspath bildet letztern und sticht durch seine hellere Farbe von dem gräulichen oder bräunlichen Kalke ab. Viele Encriniten-Stengel so wie Trümmer von Muscheln und selbst von Korallen gesellen sich dazu, aber alles ist mit den Felsen sehr verwachsen und wird nur durch die Verwitterung recht deutlich. | Jetzt zu unsern Brunnen zurück. Nach der gemachten Erfahrung hat der Eigenthümer die weitere Arbeit eingestellt und hofft, diesen Gesteinen zum Trotze doch sein Wasser durch Ummauerung und Kalk- schotter rein erhalten zu können. Aus dieser Entdeckung, die der eigentliche Anlass zu meinem Vortrag ist, lässt sich auf manche interessante Verhältnisse mit Wahrscheinlichkeit schliessen. Erstlich überdeckt das Vöslauer tertiäre Conglomerat nur Flötz- kalk oder jene Lias-Schichten, die in wenig geneigten Schichten östlich von den steil einschiessenden Kalkschichten auftreten würden. Die gewöhnlichen Zwischen-Schichten von Tegel bis zum Leitha- Conglomerate fehlen hier gänzlich, so wie auch von hier längs dem Gebirge bis über Baden. Es ist ein geognostisches Verhältniss wie bei Piesting, wo die überstürzten Gosauer Schichten durch fast horizontale Leitha-Conglomerate bedeckt werden. Doch merkwürdiger Weise findet man diese fehlenden tertiären Schichten sowohl in der Hügel- Kette zwischen dem Gainfahrner Thale und demjenigen von Hirtenberg, als auch nördlich von Baden bei Gumpoldskirchen u. s.w. (Siehe Taf. 1.) Scheinbar müssen da an jenen Ufern des tertiären Meeres Umstände vorgewaltet haben, die dem Gebilde des tertiären Sandes, Sandsteines und Kalksteines stellenweise günstig oder nicht günstig waren, indem im Gegentheil sie sich durch Zuströmung von Landwässer mit Geröllen oder Conglomeraten bedeckten. Man möchte fast glauben, dass diese Geschiebe sich aus dem Gebirge hinter Baden bewegten und auf diese Weise die Anhäufung des Conglomerates im St. Helenen- thale längst dem Gebirge und zu Vöslau bedungen. Ein ähnlicher doch verschiedener Strom mag die Piestinger tertiären Aggregate erzeugt haben. Auf diese Weise wären alle diese nur sehr localen Gestein-Anhäufungen auf einem mehr oder weniger ausgedehnten Ufer, und nie hätten sie sich in der Ebene weit erstreckt. Bone. Bahnhof - ‘ Transversaler Durchschnitt des Vöslauer terträren Plateaus. S Kössener-Schuchlin. Lvias Brünne / / Thal F IN} /, j Alavium Konglomeralt Durchsehmitt des Gainfahrmer Thales. Aus d.kik.Hoku Staatsdruckarei Sitzungsh uk. Akad dWaath.natum C1.NVILBA2HEN 1855 hi; 4 ZERO Hi me z mw, 4 : “ y x ‘ J R N UFER ET E, L; nn RE EN Mn H } i \ N r X R% IR) 1 \ wur ! \ TENBN Mi tan ”r l } r ar ( De ‚B ul ee ee En WR \ A and nun AN \ Über die Quellen- und Brunnenwässer zu Vöslau und Gainfahrn, 281 Auf der andern Seite kann wohl die Abwesenheit des tertiären Sandes u.s.w. in der Vöslauer Gemeinde zu der Erhaltung der Con- glomerate daselbst, also auch zu derjenigen des kleinen Vöslauer Vorgebirges im älteren Alluvial-See beigetragen haben. Wären sie vorhanden gewesen, so wäre möglichst durch die Wasser- strömungen das Conglomerat unterwaschen und zerstört worden. Ausserdem, wenn man wirklich unter den Vöslauer tertiären Conglo- meraten einen Rücken von Lias-Schichten annehmen muss, so könn- ten wohl die Letten und Schwefelkiese dieser Gesteine die schlechte Gattung mancher Vöslauer Wässer bedingen, weil sie sich auf dem Wege der vom Gebirge herabfliessenden Wässer befinden würden. Was aber die Frage der Lias-Steinkohle betrifft, so scheint sie nur eine müssige, weil, wäre auch Steinkohle vorhanden, die Ausbeute unter einer tauben Decke von 23 Klaftern und selbst unter dem Thal- Niveau eine zu grosse Auslage, vorzüglich für eine so unregelmässig ausgetheilte Kohle, erfordern würde. DieErscheinung von schwarzen Gesteinen westlich von Gainfahrn erhöhet auch scheinbar nicht die Möglichkeit des Vorhandenseins der Kohle daselbst. Wenn man namentlich von Gainfahrn weiter westlich gegen den Hauerberg geht, so wandert man auf dem Fusse der auf dem kahlen südlichen Abhange des Gemeindeberges sowohl als ober dem Dorfe neu ent- standenen Weinberge. In einem von diesen wurde bei der Anlage ein sonderbares Gemisch von erdschlackenähnlichen Massen, Mergelbrec- cien und geschwärzte Kalkmassen in einer Tiefe von 11/, Klafter aufge- deekt, ohne den Grund zu erreichen. Die Überbleibsel dieser Gesteine liegen noch theilweise am Fusse der Weinberge-Mauer. Sie schei- nen mir nichts mit den Producten eines Kalkofens, einer Kohlen- brennerei, des Brandes eines Hauses oder eines Steinkohlen- Flötzes gemein zu haben, sondern viel eher von Eisen und vielleicht manganhaltigen wässerigen Niederschlägen herzurühren. Unfern dieses Ortes lehnt sich das Conglomerat an den älteren Liaskalk, der die Hauptmasse des Hauer-Berges bildet, in dessen südwestlichem Theile das tertiäre Gestein wieder eine bedeutende Mächtigkeit gewinnt. Sitzb. d. mathem.-naturw. Cl. XVII. Bd. II. Hft. 19 282 Mareus. Der Antigraph (Gegen- oder Verkehrtzeichner). Von Siegfried Marcus, Mechaniker am k. k. physicalischen Institute. Das umständliche Verfahren der Lithographen und Kupfer- stecher, eine gegebene Zeichnung auf Stein- oder eine Metallplatte verkehrt zu copiren, veranlasste mich, ein Instrument zu construiren, mittelst welchem man auf einfacherem Wege und mit grösserer Sicherheit denselben Zweck erreicht. Nach der bisherigen Methode zeichnet man zuerst auf soge- nanntem Pauspapier, welches auf das zu copirende Bild gelegt wird, dasselbe dureh; auf diese Weise erhält man, wenn anders die Arbeit mit Sorgfalt ausgeführt wird, eine dem Originale congruente Copie; wendet man nun das Blatt um, so zeigt sich auf der Rückseite der Pause das Bild verkehrt; denn die Durchsichtigkeit des Papiers lässt alle Linien und Punkte der auf der andern Seite gezeichneten Figur hindurchscheinen. Dieses verkehrte sogenannte negative oder Spiegelbild isi es, welches auf den Stein oder eine Metallplatte übertragen werden soll. Hierzu bieten sich zwei Verfahrungsarten dar, entweder man fährt mit dem Copirstift eines Pantographen wieder alle Linien des Spiegelbildes nach, während der Zeichenstift des Instrumentes auf der Platte alle Bewegungen des geführten Stiftes mitmacht; oder was gewöhnlich geschieht, man legt die Pause auf die zu gravirende Platte, sticht mit einer Nadel auf den von der Zeichnung vorge- schriebenen Linien eine Menge Punkte in die darunter befindliche Platte und verbindet endlich durch entsprechende Linien alle Punkte so wie das Spiegelbild es verlangt. Es ist wohl begreiflich, wenn durch das öftere Umzeichnen, wie es nicht selten vorkömmt, in das letzte Bild sich Fehler - einschleichen. | Schon 1820 hat der k. k. General-Major von Aurach in einem kleinen Hefte, welches bei Gerold erschien, ein sinnreiches Instru- ment angegeben, welches den Mängeln obiger Methode entgegen treten sollte; allein die nicht unbedeutenden Vorrichtungen, unter Anderem ein eigens dazu construirter Tisch, ferner eine Menge Der Antigraph (Gegen- oder Verkehrtzeichner). 283 Axenbewegungen, Schienen, Schrauben etc. liessen das Instrument zu complieirt und kostspielig werden, als dass ein allgemeiner Gebrauch die Bemühungen des Erfinders hätte lohnen können. Der von mir erdachte Antigraph bietet die Vortheile, bei äusserster Einfachheit der Construction und kaum nennenswerthem Kostenaufwande, die grösste Präcision im Verkehrtzeichnen zu ermöglichen. Er besteht in seinen Haupttheilen aus zwei Frietionsrollen, welche an ihrer Peripherie rauh sind und so dicht an einander liegen, dass bei Drehung einer derselben um ihre Axe auch die zweite diese Bewegung, nur jener entgegengesetzt, mitmacht; jede dieser Rollen ist mit einem Arm versehen, von denen der eine einen Führungs- stift, der andere eine Bleifeder oder sonst ein Schreib-Instrument trägt; beide Rollen aber sind mit ihren Axenunterlagen dermassen mit dem einen Schenkel eines Cirkels in Verbindung gebracht, dass sie ausser ihrer sich entgegengesetzten, auch noch eine gemein- schaftliche geradlinige Bewegung haben. Diese beiden Bewegungen sind unumgänglich nothwendig und bilden das Prineip des Instrumentes. Figur 1 wäre beispielsweise das Original; Figur 2 das Spiegelbild des- selben. Vergleicht man beide Figuren mit einander, so findet man, dass die Fig. 1. Fig. 2. entsprechenden horizontalen Linien ein- ander entgegengesetzt, hingegen die perpendieulären einander identisch sind. Also: ce, d und e liegen entgegengesetzt den Linien ec’, d’ und e; a und 5b aber haben dieselbe Lage wie a’ und b‘. Beim Gebrauche des Antigraphen fährt man, nachdem unter den Zeichenstift die Druckplatte gelegt worden, mit dem Führungsstift des Rollenarmes allen Linien des Originals nach; das Spiegelbild zeichnet der zweite Stift alsdann zugleich auf die zu gravirende Platte. b\v e 19* 28A .aluWi.ochklein: SITZUNG VOM 19. JULI 1855. Der Secretär zeigt an, dass der österreichische Reisende, Herr Dr. Karl Scherzer, welcher vor Kurzem aus Central - Amerika _ zurückgekehrt ist, von dort eine Sammlung von Naturalien mitge- bracht und der Akademie zum Geschenke gemacht hat. Er wünscht, dass die Mitglieder der Classe sich die in ihre respectiven Fächer einschlagenden Gegenstände zur wissenschaftlichen Untersuchung auswählen, das Übrige aber an die betreffenden k. k. Sammlungen abgegeben werde. Das e.M., Herr 'Telegraphen-Director Dr. W. Gintl übergibt der Classe ein versiegeltes Packet zur Wahrung seiner Prioritäts- und Eigenthumsrechte, welches die Beschreibung des von ihm erfun- denen Verfahrens enthält, um von einer Station aus, zwei Depeschen verschiedenen Inhalts zu gleicher Zeit auf demselben Leitungsdrathe nach einer oder zwei verschiedenen Stationen zu befördern. Eingesendete Abhandlungen. Analyse der Meteorsteine von Mezö-Madaras in Siebenbürgen. Von dem ce. M., Prof. F, Wöhler in Göttingen. Aus den Analysen von Fragmenten der Meteorsteine von Mezö- Madaras (gefallen den 4. September 1852), die ich gemeinschaftlich mit Dr. Atkinson vorgenommen habe, geht hervor, dass diese Steine wie auch schon die Beschaffenheit ihres Gefüges hinreichend zeigt und wie es bei den meisten Meteorsteinen der Fall ist, aus einem Gemenge von mehreren Mineralien bestehen. Analyse der Meteorsteine von Mezö-Madaras in Siebenbürgen. 285 Ein Hauptgemengtheilist gediegenes Eisen miteinem Gehalte von 7°4 Procent Niekel und 0'25 Procent Kobalt. Die Menge dieses Eisens variirt an einzelnen Stellen der Steine; im Mittel beträgt sie 19:60 Procent vom Gewichte des Steins. Es war nicht möglich dasselbe vermittelst des Magnetes aus dem gepulverten Stein scharf auszuziehen, sondern wir berechneten seine Menge aus dem Volumen von Wasserstoffgas, welches von einer abgewogenen Quantität Stein mit verdünnter Schwefelsäure entwickelt wurde. Wie alles Meteor- eisen, enthält dieses Eisen auch Phosphor, dessen Menge zu bestimmen aber, ohne grössere Massen von Stein zu opfern, unmöglich war. Es ist nicht passiv, sondern schlägt Kupfer auf sich nieder. Ein zweiter Gemengtheilist Einfach-Schwefeleisen, welches ebenfalls schon mit blossen Augen hie und da erkennbar ist, und wel- chessich ausserdem durch das Schwefelwasserstoffgas verräth, welches die Steine bei der Behandlung mit Salzsäure entwickeln. Wir hielten es nicht für wesentlich, die Menge diesesSchwefeleisens zu bestimmen, da es sichtlich sehr ungleich beigemengt vorkommt. Ein dritter Gemengtheil ist Graphit, der schon nach dem Aus- kochen des Steins mit Salzsäure in glänzenden Blättehen sichtbar wird. Wir fanden seine Menge zu 0:25 Procent. Die Hauptmasse der Steine besteht aus zweierlei Silieat-Arten, von denen die einen durch Salzsäure zersetzbar sind und- damit gelatiniren, die anderen nicht zersetzt werden. Wie eine mikroskopische Betrachtung zeigte, scheinen die meisten Mineralien, welche in rundliehen Partien in der dunkeln Grundmasse sitzen, aus den durch Säure unzersetzbaren Silieaten zu bestehen, während die Grundmasse hauptsächlich von den zersetz- baren Gemengtheilen ausgemacht wird. Abgesehen von der Bestimmung der Wasserstoffgasmenge, welche von dem nickelhältigen Eisen entwickelt wird, wurden von dem Stein dreierlei Analysen gemacht: Eine Analyse geschah durch Aufschliessen des Steins mit kohlensaurem Natron bei Glühhitze, _ wobei die Menge der Kieselsäure direet zu 41:62 Procent gefunden wurde. Eine zweite geschah durch Flusssäure, wodurch sich die Menge der Kieselsäure aus der Differenz indireet zu 43'94 Procent ergab. Das auf diese Weise erhaltene Plus von 2:02 Kieselsäure erklärt sich theils aus der ungleichen Gemengtheit des Steins, theils aus dem unvermeidlichen Verluste bei so vielen Bestandtheilen, welcher sich 286 Wöhler. der aus dem Verlust bestimmten Kieselsäuremenge hinzufügt , theils aus dem Schwefel, Phosphor- und Chromoxyd, deren Mengen nicht bestimmt werden konnten. Auf diese Weise wurden, nach den gewöhn- lichen bekannten Methoden, in 100 Gewichtstheilen Stein folgende Bestandtheile gefunden: Gediegen Eisen. . . . 18:10 Nickel 0 0 a a E 1°45 Kobalt m ra ns 0:05 Graplült en a: . 0:25 Macnesia meer 2383 Risenoxydull .!..... 4-61 Manganoxydul . . . . 0:28 Mhonerde ra 2. 0 . 315 Kalk ra EN 1-80 Natyonne sn ee. 2:34 Kal a nee er ee 0.50 Schwefel Phosphor Chromoxyd | Kieselsäure . .. . .43:64 10000 Der Versuch, die zweierlei Silicat-Arten von einander getrennt zu erhalten, wurde auf die übliche Weise gemacht, dass der sehr fein geriebene Stein längere Zeit mit starker Salzsäure erhitzt, der Rückstand vollkommen ausgewaschen, und darauf die von den auf- gelösten Silicaten frei gewordene Kieselsäure durch wiederholtes Auskochen mit einer Lösung von kohlensaurem Natron ausgezogen wurde, Der so erhaltene unlösliche Rückstand, also die Menge der durch Salzsäure unzersetzten Verbindungen, betrug 30:48 Procent. (Bei einem zweiten Versuch, wobei die Masse nicht so lange mit kohlen- saurem Natron behandelt worden war, wurden 36 Proc. erhalten.) Diese 3048 Gewichtstheile unzersetzter Rückstand gaben bei der Analyse mit Flusssäure: In 100 Theilen. Magnesia . . . #660. .15°29 Eisenoxydul 4643. .15°25 Kalk 10.9297, 93-05 Thonerde 1.9423 035562. ,1485 Natron 00-585. 1:91 Kalı Var 1-13 Graphit © 22202208 0-82 Chromoxyd Kieselsävre . .18502. .60°70 Analyse der Meteorsteine von Mezö-Madaras in Siebenbürgen. 287 Nach Abzug des 19-6 Proe. nickelhaltigen Eisens bleiben dem- nach für die dureh Salzsäure zersetzbaren Silieate 50:92 Procent vom Gewicht des Steins, bestehend aus: In 100 Theilen. Magnesia . . .19:170. . 37:64 Rhonerde .0..1225802.2.5208 Kalkf. aaa s#: 0.870. . 170 Natron. 3 0.2.1099... .2.2 Os Kalt 120% 219, 0:153. . 0-30 Kieselsäure . . 26°386. . 5184 50.920 Aus diesen Resultaten einen sicheren Schluss auf die wahre Zusammensetzung der dieser Meteorsteine constituirenden Silicate zu ziehen, scheint uns nicht möglich, zumal wenn man bedenkt, dass der unlösliche Theil Verbindungen enthalten kann, die durch die lange Einwirkung der Säure oder nachher des Alkalis doch partiell zersetzt werden. Vergleicht man die Sauerstoffmengen der beiden vorwaltenden Basen im unlöslichen Theil, nämlich der Magnesia und des Eisenoxyduls, mit der der Kieselsäure, so findet man, dass sie sich nahe wie 1:3 verhalten, so dass man vermuthen könnte, die Hauptverbindung des unlöslichen Theils sei nach der Formel 120 10, zusammengesetzt, während in dem an Magnesia so reichen löslichen Theil als vorwaltender Bestandtheil ein nach der Formel des Olivins zusammengesetztes Mineral 3MgO,SiO, anzunehmen wäre. Am wahr- scheinlichsten ist es, dass auch in diesen Steinen die Bestandtheile zu den Verbindungen unter einander vereinigt sind, wie sie nach seinen scharfsinnigen Berechnungen und Betrachtungen von Rammels- berg in verschiedenen anderen, ähnlichen Meteoriten angenommen werden '). Hiernach würde die Hauptmasse der Steine von Mezö- Madaras als ein Gemenge von Olivin, Augit und Labrador zu betrach- ten sein, enthaltend ausserdem nickelhaltiges gediegen Eisen, Schwe- feleisen, Graphit und eine kleine Menge Chromeisenstein. 1) Dessen Handwörterbuch der Mineral. 2. Supplement, p. 91. 288 Zeuschner. Über die Verbreitung des Löss Über die Verbreitung des Löss in den Karpathen zwischen Krakau und Rima-Szombat. Von Prof, Louis Zeusehner in Krakau. Der Löss ist in den Karpathen sehr allgemein verbreitet; er bedeckt die nördlichen und die südlichen Abhänge, wie auch die Mitte dieser 23—30 Meilen breiten Kette. Sowohl die plutonischen als die geschichteten und metamorphischen Gebirge bedeckt dieses Süsswassersediment. Hie und da trifft man darin Überreste von grossen Pachydermen, wie Elephas primigenius, Ihinoceros ticho- rinus, Bos primigenius und priscus und Landschnecken an. Alle diese vorweltlichen Überreste beweisen, dass der östliche Lehm ein gleichzeitiges Sediment mit dem rheinischen Löss ist. Fast alle Hügel, die Krakau umgeben, wie auch die Thalsohlen der Flüsse mit wenigen Ausnahmen, bedeckt Lehm. Ähnliche allge- meine Verbreitung findet sowohl auf den Höhen wie in den Ebenen und Thälern am südlichen Abhange bei Bartfeld und Eperies im Saroscher Comitate, am Sternad-Flusse, wie auch weiter westlich im Rima-Thale und den Umgebungen Statt. Es ist bekannt, dass die Karpathen aus verschiedenen Hebungen zusammengesetzt sind, die verschiedene Richtungen zeigen: in allen sind die Löss-Ablagerungen in bedeutender Entwickelung nachge- wiesen. Im vorigen Sommer habe ich eine Reise unternommen, haupt- sächlich um die Verbreitung des Löss zwischen Krakau und Rima- Szombat und Lossonez am südlichen Fusse dieses Gebirges zu ver- folgen: ich will die Thatsachen anführen und dann einige allgemeine Schlüsse hervorheben. Das ganze Weichselthal von Bochnia und Wieliezka gegen Spytkowice, Oswiecim, Grojee, Biala und Bielsko überziehen dicke Lehmschichten. Das ganze Hügelland nördlich vom Beskidengebirge zwischen Spytkowice und Inwald ist sehr stark mit Lehm bedeckt, so dass die unterliegenden Gesteine selbst dureh reissende Bäche selten aufgedeckt erscheinen; nähert man sich den Bieskiden, so zeigen sich nur hie und da Bruchstücke von ausgewaschenen in den Karpathen zwischen Krakau und Rima-Szombat. 289 Neocomien-Sandsteinen. Nördlich von Krakau kann man an den Abhängen seine ganze Mächtigkeit klar beobachten, bei Witkowice, Garlica Murowana erreicht dieses Sediment 50—100 Fuss Mächtig- keit und überlagert entweder Coralrag oder Kreidemergel mit hell- grauem Feuerstein. In den Bieskiden bedeckt ebenfalls Lehm den Neocomien-Sand- stein bis auf die erste Höhe der vorderen Rücken dieses Gebirges: unter anderm habe ich mächtige Lehmschiehten in folgenden Ge- senden beobachtet, namentlich auf der ersten Erhebung der Bieskiden bei Libtertöw, Mogilany, wo mächtige Schichten auf dem Neocomien- Sandstein liegen; auf dem hohen, waldigen Rücken Sahetnik ober- halb Inwald der ebenfalls aus Neoeomien-Sandstein besteht, sowohl auf der nördlichen wie südlichen Abdachung und weiter südlich in den tiefen Thälern des Ortes Kaczyna, gegen die hohen Berge Ganczar- zowa und Grapa Germatka, wo mächtige Schichten des Lehms den Sandstein bedecken. Entlang des Skawa-Thales, welches das Bies- kiden-Gebirge in die Quere durchschneidet, zwischen Wadowice und Sucha gibt der Löss der ganzen Oberfläche eine gelbe Farbe. Andem genannten Skawaflusse zwischen Porzba und Jaszezurowa überlagert Lehm die Karpathensandsteine die gegen W. unter 30° einfallen; östlich von Jaszezurowa herrscht Lehm auf allen Höhen und Thälern sehr vorwaltend vor; ebenfalls bedeckt das junge Sedi- ment alle Höhen von Stryszöw, wo der unterliegende Karpathensand- stein viele Lager von thonigem Sphärosiderit enthält, die wahr- scheinlich der Neocomien-Formation angehören, da die Eisenflötze gewöhnlich ältere Formationen charakterisiren und viele Ammoniten zu enthalten pflegen, wie in der Gegend von Bielsko, Ustron, am Berge Libotyn bei Stramberg in Mähren. Der Lehm bildet den Boden des schönen Ortes Sucha und alle angrenzenden Höhen wie südlich hinter der Kirche, er erstreckt sich gegen Westen nach Krzeszow, Kukow, Sleszowice, Tarnawa und weiter im Thale gegen Slemien. Auf allen Höhen, die diese Ort- schaften umgeben, ist Lehm sichtbar. Ebenfalls fand ich diese Ab- lagerung östlich von Sucha; eine mächtige Lehmschichte ist bei Maköw und Osieletz auf dem Sandsteine, so wie auf allen Höhen, die das grosse Dorf Sydzina umgeben, nahe am Fusse des Berges Babia Göra. Der Karpathensandstein bei Sydzina ist auf eine eigenthüm- liche Weise entwickelt; es sind graue, feste Sandsteine, die ganz 290 Zeuschner. Über die Verbreitung des Löss dicht aussehen wie eine homogene Hornsteinmasse, und mit har- ten, grauen Mergelschiefern wechsellagern; der diesen Ort durch- fliessende reissende Gebirgsbach hat sehr schön die Wechsel- lagerung dieser beiden Gesteine aufgedeckt. Man beobachtet hier sechsmal die Aufeinanderfolge des Sandsteins und Mergels, von denen jedes 40 bis 100 Fuss mächtig ist; alle diese Schichten fallen gegen Südwest 10 h. unter 40°. Ob die Sandsteine und Mergel von Sydzina rein Neocomien oder eocenen Gebilden angehören, wage ich nicht zu entscheiden; in der ganzen Umgebung hat sich auch nicht die mindeste Spur eines organischen Überrestes gefunden. Von Norden nach Süden habe ich das Arvaer Comitat durch- strichen; die ungemein mächtig entwickelte Lehmformation war hier mein stäter Begleiter; sie bedeckt sowohl den Karpathensandstein wie die Ammonitenkalke und die Nummulitengesteine. Von Podwiek, dem am meisten gegen Norden hingerückten Orte der Arvaer Ge- spannschaft am südlichen Abhange der Bieskiden zieht sich der Löss in einer continuirlichen Sehieht von bedeutender Mächtigkeit über Orawka, Jablunka nach Piekelnik, und weiter in Galizien am nörd- lichen Abhange des Tatra bis in die Gegend von Czorsztyn; bei Rogoznik haben sieh darin Backenzähne von Elephas primigenius gefunden; sehr mächtig findet er sich in den Bergen Cisowiee bei Biala, Obtazowa skala, am reissenden Dunaja bei Krempach. Von Jablunka erstreckt sich der Lehm im Arvaer Comitate weiter gegen Süden nach Terstena, wo er die Ammonitenkalke bedeckt und weiter südlieh in denselben Verhältnissen bei Podbiel, Dubowa, Lehota, Schloss Arva, Kubin erscheint. In der Liptau ist der Lehm an vielen Punkten zu beobachten, unter anderm bei dem Bade Luczki, wo er den Karpathensandstein, der aller Wahrscheinlichkeit nach der Nummulitenformation angehört, bedeckt. In dem Thale der Rewuca, welches vom Berge Sturetz sich zieht, ist Löss sehr bedeutend entwiekelt und überlagert Kalke und Dolomite der Liasformation. Vom Orte Osada im genannten Thale, nimmt er besonders an Mächtigkeit zu, bedeckt die Liasdolomite, die sich weiter gegen Süden zwischen den Ortschaften Unter- und Mittel-Rewuea erstrecken. Bei Ober-Rewuca ist die Lehmschichte sehr dünn, aber auffallenderweise auf dem hohen Rücken des Berges Sturetz wird dieselbe sehr mächtig, wo sie den Liaskalk überdeckt. Am südlichen Abhange des Berges Sturetz bis Altgebirge sind in den Karpathen zwischen Krakau und Rima-Szombat. 291 mächtige Lehmschichten in dem tief eingeschnittenen Thale von Herrengrund abgesetzt, vorzüglich aber am Berge Szpanu-Herbee herrscht er vor, und von da zieht er sich gegen Süden durch Neu- sohl dem Granflusse entlang, erfüllt die ganze Thalsohle und die Ab- hänge der Gebirge zwischen Radwany und Altsohl. Die Trachyte von Sliaez sind ebenfalls mit dieken Lehmschichten bedeckt, wie auch alle angrenzenden Hügel bis gegen Altsohl. Eine Ausnahme macht nur die mächtige Kalktuff-Schichte von Sliacz, welche die ausge- zeichnete Therme noch gegenwärtig absetzt. Von Neusohl wendete ich mich gegen die Quellen der Gran, gegen Pohorella und Telgand hin; in diesem Thale ist ebenfalls der Lehm an sehr vielen Punkten in bedeutenden Massen abgesetzt und gehoben worden. Von Neusohl angefangen gegen Rhonitz bedeckt er den Liaskalk: in der Gegend des grossen Kesselthales bei Briesen aber krystallinische Schiefer. An der Gran von Neusohl angefangen erscheint der Lehm an folgenden Örtern namentlich zu Mejer, Luezatyn, Mosteniz (sehr entwickelt), Swaty-Ondrej und Nemecka, Zamoscie, Predajna und Rhonitz. Als- dann verfolgte ich diese Süsswasserablagerung in dem Querthale von Bystra, welches sich an dem Gebirge Nizne-Tatry endigt und hier den Liaskalk, rothe Sandsteine, wie auch die Meiaphyr-Mandelsteine bedeckt. Ebenfalls findet sich Löss in dem Steinwasser - Thale, welches sich südlich von Rhonitz mitten zwischen Talkschieferge- birgen bei den Ortschaften Kram, Balog hinschlängelt. In einem zweiten Nebenthale, welches sich von Rhonitz gegen Dreiwasser oder Trywody zieht, ist der Lehm bis auf die Höhe des Berges Wepor gehoben. Das grosse Kesselthal von Briesen, welches aus Talk- schiefern besteht, bedecken mächtige Lehmschichten und das ganze Erdreich erhält davon eine gelbe Farbe. Verfolgt man von Briesen den Lauf der Gran, so begleitet uns stäts der Lehm; er findet sich auf dem Gneiss bei Gasparowce, auf tertiärem Thone mit Braunkohlen- lagern zwischen Polomka und Zawadka, auf Talkschiefer bei Helpa; bei Pohorella, Rothenstein, Telgard auf Liaskalk. Südlich von Zawadka ruht Lehm auf Talkschiefer und Talkgranite (Protogine) und dasselbe wiederholt sich auf den Talkschiefern der steilen Abhänge des Berges Brzescianki und im Czerniakower Thale, so wie auf dem Liaskalk an der Wiese am Berge Klak, am Hause des Wald- hüters und auf Granit; im Thale Hronezok auf den Abhängen Cho- dakow und Drazno. 292 Zeuschner. Über die Verbreitung des Löss Von dem öfters genannten Orte Rothenstein wandte ich mich gegen Süden; in allen tiefen Spalten-Thälern ist ebenfalls Lehm entwickelt und bedeckt den Liaskalk, bei den Ortschaften Hula Mu- ränska und Muran. Hier erhebt sich dieses neue Sediment bis an die hoch emporsteigenden Kalkwände. In dem Thale von der Joleva zwischen Muran und Rötze ist wieder Löss ungemein mächtig entwickelt; er bedeckt sowohl die Gneisse wie die Granite und erreicht selbst die ziemlich hohen Ab- hänge, auf denen er zwar nur eine 2—3 Fuss dicke Schichte bildet; unter anderm findet man ihn auf dem Granitabhange gegenüber Rötze, an der bekannten Rutilgrube genannt Paulusowa Banya. Viel mächtiger zeigt sich der Lehm in dem kleinen Nebenthale genannt Rudua Üzesta, welches gegen das berühmte Eisensteinbergwerk Zeleznik bei Syrk führt. Hier bedeekt Lehm sowohl die Höhe des genannten Berges Zele- znik, wie auch die angrenzenden Höhen von Syrk und Plosköw, dann zieht er sich auf das hohe Plateau der Zaychawa und Polom, wo aus dem Talkschiefergebirge eine mächtige Masse von Trachit hervorragt. Im ganzen Rimathale zwischen Theissholz und Rima Banya bedeckt ebenfalls Lehm die Gneisse zwischen Theissholz und Likiez und die Talkschiefer von da bis Rima Banya. Auch im Thale der Rimawiea einem Querthale des Rimathales, liegt eine mächtige Schichte von Lehm über dem Gneisse bei den Orten Rimawica und Kokowa. Auf dem Granitgebirge Chorepa zwischen Kokowa und Klenowce (Klenoc), ruht ebenfalls eine mehr weniger mächtige Lehmschichte. Je mehr man sich gegen Süden wendet, desto mächtiger wird der Lehm: im Thale von Zlatno, an den schönen Anlagen der Glas- hütte, bedeckt derselbe die mächtigen Granithöhen, so wie auch das ganze Thal zwischen Zlatno, Czech-Brezo und Poltar, wo die letzten Talkschieferhöhen und die daran anstossenden tertiären Sedimente sind, die durch ihre feuerfesten Thone in der Umgebung allgemein bekannt sind. | Auch in der ganzen Zips ist der Lehm sehr mächtig entwickelt; von dem südlichen Fusse der Tatra bis an das krystallinische Schiefer- gebirge bedeckt eine sehr dieke und continuirliche” Schichte die eocenen Karpathen-Sandsteine. Diese Formation nimmt an Mächtig- keit gegen Osten, gegen das Sarosser Comitat bedeutend zu. Selbst mitten in dem Gebirge der Zipser krystallinischen Schiefer erscheinen in den Karpathen zwischen Krakau und Rima-Szombat. 2953 ausgedehnte Ablagerungen in der Thalsohle und auf dem Abhange im Thale des Hnitetz-Flusses: bei Jaklowce (Jeckelsdorf) bedecken dieselben die Lias-Kalksteine und Serpentine, bei Gölnitz den Gabbro und Talkschiefer, bei Mathildenhütte, Prakendorf, Helemanowee den Talkschiefer. Am südlichen Abhange des Zipser Comitats, desselben Gebirges gegen Kaschau, tritt ebenfalls Lehm hervor und zieht sich ohne Zwischenräume in sehr bedeutender Masse bis an die grosse ungrische Ebene. Bei Tarezal und Tokay ist diese junge Ablagerung sehr entwickelt und überzieht den Pechsteinporphyr des Tokayer Berges fast bis zur höchsten Kuppe. Auf Löss gedeihen hier die köstlichen Tokayer Reben, und zugleich in diesem weichen Gestein wird dieser vortreffliche Saft in langen stallenartigen, 200— 300 Fuss langen Kellern aufbewahrt. Nur die bewaldete Kuppe des Tokayer Berges besteht aus plutonischer Felsart, die ebenfalls in der spätesten Zeit nach der Lehmbildung emporgestiegen ist. Die Lehmformation befindet sich also im Weichselthale zwischen Biala, Bielsko, Krakau und Bochnia, wie auch an den südlichen Ab- hängen beiBartfeld, Eperies, Kaschau, Tarezal, Tokay, Rima-Szombat u. s. w., und in den Karpathen auf allen Höhen des bezeichneten Durchschnittes. In dem beschriebenen Theile der breiten karpathischen Gebirge unterscheidet man deutlich an mehreren Punkten zwei unter sich verschiedene Hebungen die mit Löss überdeckt sind; die eine mit der Richtung von Ost-West, die zweite mit einer verschiedenen Rich- tung, nämlich von NW. 8 oder 9 h. Zu der ersten Hebungsrichtung gehören die höchsten Ketten, wie das hohe Tatra-Gebirge, das Gebirge Nizne Tatry zwischen der Liptau und dem Sokler Comitate. Auch nördlich von der Tatra in den Bieskiden sind einige mehr oder weniger hohe Rücken mit derselben Richtung; wie der Berg Lubou zwischen den Orten Rabka am Lubien, der lange, flach eingeschnittene Kotmi oberhalb Myslenice, und gegenüber von Krakau; der lange Rücken südlich von Wieliezka, auf dem die Ortschaften Siereza, Sygneszöw liegen, und weiter nördlich der Rücken von Tynire und der Rücken des Bielauer Klosters. Sehr verschiedene Gebirgsarten setzen die Gebirge zusammen, welche die Ost-West-Richtung zeigen, es sind Granit, Gneiss, Glimmer und Talkschiefer, rothe problematische Sandsteine, die die krystallinischen Felsarten bedecken (vielleicht bunter Sandstein), 294 Zeuschner. Über die Verbreitung des Löss in den Karpathen ete. Lias-Kalkstein, Nummuliten-Dolomite, eocene Karpathensandsteine, Neocomien -Karpathensandsteine, myocene Salz- und Gypsablage- rungen, Coralrag und Kreidemergel. Ausser diesen Felsarten unterliegt es keinem Zweifel, dass auch Melaphyr-Mandelstein nach dem Lehmgebilde gehoben wurden; sehr deutlich ist dies an dem malerischen Kloster Alwernia bei Poreba im Krakauischen zu beobachten. Die ganze Kuppe, auf dem das Städtchen Alwernia liegt und der nördliche Abhang des Berges wo die Fahrstrasse gegen Regulice führt, wird von einer mächtigen Lehmschichte bedeckt; nur am westlichen Abhange dieses kuppen- föormigen Berges unterhalb des Klosters, ragen Melaphyr-Mandel- steinfelsen heraus. Ebenfalls bedeckt gehobener Lehm Melaphyr-Mandelstein des nahen durch ein tiefes Thal getrennten Berges Regulicka skata, oberhalb dem Orte Brzezinki. Über dem steilen Melaphyrfelsen sieht man deutlich eine sich immer mehr verdünnende Masse von Lehm. Zwischen Krakau und Biala, Bielsko (Bielitz) erheben sich plötzlich aus dem hügeligen Lande sehr mächtige hohe Rücken der Bieskiden, die aller Wahrscheinliehkeit nach aus Neoeomien-Sand- stein zusammengesetzt sind, meistens bestehen sie aus einem kies- ligen Sandsteine oder Conglomerate, und an einigen Punkten wie bei Libiertöw, Mogilany, Kossice enthalten dieselben charakteristische Überreste dieser Sehieht, wie Ammonites recticostatus d’ Orb., Sub- fimbriatus d’Orb., Belemnites bipartitus, dilatatus u. s. W. Viele Ammoniten finden sich in den Sphärosiderit-Lagern hinter Bielitz. — Dieses Vorgebirge besteht nicht aus einem einzigen, son- dern aus mehreren getrennten Rücken, zwischen welchen Querthäler liegen und mehr oder weniger mächtige Flüsse hervorbrechen. Diese Rücken haben nicht eine gleiche Richtung; näher bei Krakau weichen diese wenig von der Ostwest-Richtung ab und zeigen die Richtung NW.7 h., zwischen Wadowice und Inwald NW. 8 h.; weiter west- lich aber gegen Biala Bielsko NW. 9 h. Alle diese langgestreckten Berge sowohl auf den südlichen und nördlichen Abhängen, so wie auch auf den Rücken sind mit Lehm überdeckt. Nach der Ablagerung des Lehms sind also zwei Gebirge mit verschiedenen Richtungen gehoben worden; darf man annehmen oder nicht, dass dieses in verschiedenen Zeiten geschah? Welche . von den Richtungen die frühere oder spätere war, lässt sich nicht Fitzinger. Vortrag über eine neue Katzen-Art (Felis Poliopardus). 295 ausmitteln. So viel aber ist bestimmt, dass der westliche Theil der karpathischen Kette, südlich von Krakau, in der spätesten Zeit nach dem letzten Niederschlag vor der Erschaflung des Menschen- geschlechtes gehoben wurde. Vorträge. Vortrag über eine neue Katzen-Art (Pelis Poliopardus). Von dem w. M., Dr. L. J. Fitzinger. (Mit 1 chromolithographirten Abbildung.) Die Mittheilung, welche ich der geehrten Classe zu machen habe, betrifft eine neue, noch unbeschriebene grosse Katzen-Art, die sich in der an schönen und seltenen Thieren so reichen Menagerie des Herrn Kre utzberg in zwei prachtvollen Exemplaren von beiden Geschlechtern befindet und durch längere Zeit zu Wien unter dem Namen „grauer Jaguar“ öffentlich zur Schau gestellt war. Dieses überaus ausgezeichnete, von allen bisher bekannten grossen gefleckten Katzen-Arten höchst bedeutend abweichende Thier bietet sowohl in seiner Form, wie auch in Farbe und Zeichnung so auffallende Unterschiede dar, dass eine Verwechslung desselben mit irgend einer andern Art wohl kaum möglich ist. Seine Gestalt hat im Allgemeinen allerdings einige Ähnlichkeit mit der des Jaguars (Felis Onca, Linn&) und insbesondere sind es der dieke Kopf und kräftige Bau, welche es demselben nähern. Dagegen ähnelt es in Bezug auf Form und Vertheilung der Flecken wieder mehr dem Panther (Felis Pardus, Linne), unterscheidet sich von beiden aber, welche die einzigen Arten sind, mit denen es verglichen werden kann, durch die kurzen Beine und die niedere Stellung, so wie vollends durch die Färbung, welche von jener aller seither bekannt gewordenen grossen gefleckten Katzen-Arten voll- kommen abweicht. Der rundliche, verhältnissmässig grosse, dieke Kopf, dessen Scheitel schmäler als beim Panther ist, hat eine breite Stirne, welche allmählich in den schwach gewölbten Nasenrücken übergeht, weit vorstehende, gleichsam angeschwollene Backen und eine ziem- lich kurze, stumpfe, stark aufgetriebene Schnauze, welche dem 296 Fitzinger. Thiere einen eigenthümlichen Ausdruck gibt und einigermassen an die Schnauze des Bullenbeissers erinnert. Die nicht besonders starken Schnurren stehen in vier Querreihen. Die kurzen, breiten, beinahe dreieckigen Ohren sind an der Spitze abgerundet und etwas breiter und länger als beim Panther. Die Augen sind von mittlerer Grösse, ziemlich lebhaft und mit einer runden Pupille versehen. Der Hals ist ziemlich kurz und dick, der Leib gestreckt und sehr stark untersetzt. Die Beine sind verhältnissmässig kurz, sehr dick und kräftig, die stark zurückziehbaren Krallen wie bei den verwandten Arten gross, spitz und scharf. Der nicht sehr dicke Schwanz, welcher viel schwächer als beim Jaguar und kaum stärker als beim Panther ist, reicht zurückgeschlagen nicht ganz bis zur Schulter und wird vom Thiere entweder in gerader Richtung nach abwärts hängend getragen, wo dessen stumpfe Spitze nur wenig auf dem Boden aufliegt, oder auch etwas nach aufwärts gekehrt und in seinem letzten Drittel schwach nach einwärts gerollt. Die Behaarung ist dicht, straff anliegend und ziemlich kurz. Nur längs der Mitte des Bauches ist das Haar etwas länger und lockerer. Der Schwanz ist stärker behaart und erscheint dadurch ziemlich diek. Am Innenrande der Ohren befindet sich ein Büschel längerer Haare. Die Grundfarbe ist dunkel fahlgrau, beinahe eisengrau, wird gegen den Rücken zu immer dunkler, gegen den Bauch hingegen heller, so dass die ganze Oberseite des Kopfes und des Rückens beinahe schwarz, der Bauch aber fast schmutzig weiss erscheint. Die Innenseite der Beine, die untere Hälfte der Unterarme und des Mittelfusses, sowie die Pfoten sind schwärzlieh, die Krallen weisslich hornfarben. Der Schwanz ist in der ersten Hälfte auf der Oberseite schwarz, an den Seiten fahlgrau und auf der Unterseite weisslich, wird aber in der zweiten Hälfte immer dunkler und gegen das Ende vollkommen schwarz. Alle Theile des Körpers sind mit ziemlich dicht stehenden schwarzen Flecken von verschiedener Gestalt und Grösse überdeckt, welche selbst an den dunkelsten, beinahe völlig schwarzen Stellen noch deutlich zu erkennen und mit Ausnahme jener an den Seiten durchgehends volle Flecken sind. So ist der ganze Kopf ziemlich dieht mit kleinen, rundlichen, vollen schwarzen Flecken besetzt, die nur gegen die Backen zu grösser werden. Ähn- liche, doch etwas grössere und minder dicht gestellte, rundliche, volle schwarze Flecken befinden sich auf den Schultern und den cc9yIPPHT, PIHAND AMBUyeu AP Ppeyy 3 p -qssumzyug "19.133 AIDS IND Son 127 pay ME N 7 'snp.wedorpo 7 SI ]) ATUIZRY oNHU sur] OHULZU, j ae ı v 1 u) 2 An nn a Re iv ‘ \ » \ aa ) - 2 f ‘ r / j v « . = Er Vortrag über eine neue Katzen-Art (Felis Poliopardus). 297% Beinen. Am grössten und weitesten von einander entfernt, sind die vollen schwarzen, mehr oder weniger gerundeten Flecken am Halse, auf demRücken, dem Bauche und dem Schwanze, und fehlen nur gegen das Ende desselben. Ringartige oder Rosetten-Flecken befinden sich nur an den Seiten des Leibes, wo sie jederseits in vier Längsreihen vertheilt sind. Diese Rosetten bestehen grösstentheils aus vier, einige aber auch aus fünf vollen schwarzen Flecken, die bisweilen vollkom- men von einander getrennt, häufig aber auch mit einander verschmol- zen sind, während einige wieder so gestellt sind, dass sie nur unvoll- ständige Ringe bilden. Das ziemlich grosse Mittelfeld oder der Hof dieser Rosetten, welches kleiner als beim Jaguar und grösser als beim Panther ist, ist von der Grundfarbe des Leibes und zeigt eben so wie beim Panther, dem Nimr, dem Leopard und dem Sunda-Pan- ther, keine Spur eines Punktfleckens in der Mitte. Die Schnauze ist schwärzlich, die nackte Nasenkuppe schwarz; nur unterhalb der- selben befindet sich zu beiden Seiten an der Oberlippe ein ziemlich kleiner weisser Flecken. Die Schnurren sind schwarz, die Iris ist licht grünliehbraun. Die Aussenseite der Ohren ist schwarz, die Innenseite hell fahlgrau, und der Haarbüschel, weleher sich im Innenrande derselben befindet, weisslich. AnderKehle steht ein fast dreieckiger, mit der Spitze nach vorne gegen das Kinn zu gekehrter, breiter schwarzer Flecken, und tiefer am Unterhalse befindet sich eine schmale schwarze Querbinde. Nach oberflächlicher Schätzung — denn eine Messung an leben- den Raubthieren ist wohl nicht möglich — beträgt die Länge des Körpers beim Männchen von der Schnauzenspitze bis zur Schwanz- wurzel ungefähr 5 Fuss, die Länge des Schwanzes 21/, Fuss, die Höhe am Widerrist 2 Fuss. Das Weibehen ist etwas kleiner, indem der Körper beiläufig 41/,, der Schwanz 21/, Fuss misst, während die Höhe am Widerrist nicht ganz 2 Fuss beträgt. Über das Vaterland dieser so höchst merkwürdigen neuen Katzen-Art vermag ich leider mit Bestimmtheit durchaus keine Aus- kunft zu geben. Herr Kreutzberg, welcher die beiden Exemplare durch seinen Commissionär in London am Bord eines Schiffes kaufte, das angeblich eben aus Süd-Afrika angekommen war, hält daher auch Süd-Afrika für die Heimath dieses Thieres. Jedenfalls scheint es afrikanischen Ursprungs zu sein, doch halte ich es für wahrschein- licher, dass es aus dem Westen des tropischen Afrika stamme. Sitzb. d. mathem.-naturw. Cl. XVII. Bd. II. Hft, 20 298 Wedı. Sowohl aus der gegebenen Beschreibung als der beigefügten Abbildung geht klar und deutlich hervor, dass diese neue Katzen-Art weder mit dem Jaguar, noch mit dem Panther, dem Nimr, dem Leo- pard, oder wohl gar mit dem Sunda-Panther verwechselt werden könne und sich als eine eigenthümliche, selbstständige Art heraus- stelle. An Melanismus ist hierbei wohl nieht zu denken, da sowohl die Gesammtform als die Zeichnung eine Vereinigung mit keiner der bekannten grossen gefleckten Katzen-Arten zulässt. Der Name, welchen ich für dieselbe in Vorschlag bringe, ist Felis Poliopardus oder Grau-Panther, da das auffallendste Merkmal dieser Art in der eigenthümlichen eisengrauen Grundfarbe liegt. Über das Nervensystem der Nematoden. „Von dem c. M., Prof. Dr. €. Wedl. (Mit 4 Tafel.) Rudolphi leugnete den Eingeweidewürmern ein Nervensystem ab mit den Worten: Cerebro et nervis entozois ergo non concessis principium nerveum religuae materiae nuplum etimmistum sensorü qualiscumque nervorumque functioni preesse supponamus. A. Otto trat in seinem Aufsatze: Über das Nervensystem der Eingeweide- würmer (Magazin der Gesellschaft naturforsch. Freunde zu Berlin 7. Jahrg. p. 223) diesem allgemeinen Ausspruche entgegen. Er fand in der mittleren Furche auf der Bauchseite des Strongylus gigas (Eustrongylus gigas Dies.) einen mit blossen Augen sehr sichtbaren knotigen Nervenstrang, der in derselben Furche vom Kopf bis zum Scehwanzende herabläuft, etwa die Dicke eines Haares hat und im frischen Zustande durch seine blendende Weisse gleich in die Augen fällt. Er beginnt, wie er sich wörtlich ausdrückt, dieht an der Mund- öffnung nicht über, sondern unter dem Anfange des Ösophagus mit einem beträchtlich grossen, länglichen Nervenknoten, der etwa eine Linie lang ist, allmählich in die viel feineren Nerven übergeht, im Allgemeinen gleichmässig dick, aber in unzählige kleine Knoten anschwellend bis zum Schwanzende herabläuft, wo er, wie am Kopf, mit einem unter dem Ende des Darmeanals gelegenen, länglichen eben so dicken Ganglion aufhört. Die kleinen Anschwellungen in diesem Nervenstrange sind so häufig, dass in dem Raume einer Über das Nervensystem der Nematoden. 299 Linie A—5 zu liegen pflegen. Zwischen ihnen ist der Nerv zuweilen sehr dünn, doch konnte er ihn immer mit unbewaffnetem Auge ver- folgen. Aus jedem dieser Ganglien entspringen sehr feine, jedoch deutlich wahrnehmbare Fädchen, die sich zur Seite in dieHaut bege- ben. Das Nervensystem vom Spulwurm ist nach A. Otto durch einen weissen Strang repräsentirt, der an der Dorsal- und Abdominallinie entlang verläuft und feine knotige Anschwellungen zeigt. Cloquet (Anatomie des vers intestinaux, 1824,p.24) beschreibt gleichfalls Stränge, welehe an der Innenseite der Längsmuskel- schichte liegen als Nerven, und bildet dieselben vom Spulwurm ab. La disposition, sagt er, de ces cordons longitudinaux, les renfle- ments successifs, qu'ils eprouvent, les filaments delies, quils donnent de part et d’autre, leur rdunion autour de la bouche, leur couleur constamment blanche et leur texture intime peuvent les faire considerer comme des nerfs munis de reflements ou de ganglions. Auch eitirt Cloquet eine Stelle aus Cuvier’s Regne animal, woraus sich ergibt, dass dieser berühmte Anatom seiner Ansicht in Bezug des Nervensystems der Nematoden beistimmt. C. Th. v. Siebold (Vergl. Anatomie der wirbellosen Thiere pag. 126) verficht die Ansicht A. Otto’s in Hinsicht des Nerven- systems von Strongylus gigas gegen Nitzsch und andere Hel- minthologen. Er sah einen einfachen Längsstrang innerhalb des Muskelschlauches auf der Bauchseite des Wurmes herablaufen und unterwegs eine zahllose Menge von Seitenästen abgeben, deren feinere Structur wesentlich von der der Quermuskelbündel verschieden sei. Ganglienanschwellungen, welche, wie oben angegeben wurde, Otto beschrieben hat, konnte v. Sieboid eben so wenig hier als an den Nervenstämmen der anderen Helminthen unterscheiden. E. Blanchard (Annales des sciences natur. 3. serie, tome XI, pag. 188) spricht von 2 Längssträngen an der Bauch- und Rückenlinie von Strongylus gigas, welche Stränge stellenweise sehr merkliche Anschwellungen, die man nur als Ganglienanschwellungen betrachten kann, zeigen. Von letzteren entspringen sehr zarte Fäden, die sich in den Muskeln, insbesondere den Quermuskelbündeln verthei- len. Überdies konnte er, wie er bei den Askariden es gethan, kleine medulläre Centralorgane um den Ösophagus gruppirt nachweisen. C.M. Diesing (Syst. helminthum Bd. Il, p. 328) hält gleichfalls das Gangliensystem bei Strongylus gigas für sehr ausgeprägt. 20* 300 Wwedi So schätzenswerth die vorliegenden Materialien sind, so erman- gelt doch noch stäts der histologische Beweis, dass die zarten Knötchen und Fäden, welche bei den Nematoden dem Nervensystem angehörig angesehen wurden, wirklich die Structur desselben haben oder mit anderen Worten die Existenz der Ganglienzellen und ihre Ausstrahlungen liegen noch nicht als erwiesen vor. Auch G. Meissner (Beiträge zur Anatomie und Physiologie von Mermis albicans in der Zeitschr. für wissensch. Zoologie von Siebold und Kölliker, Bd. V, pag. 236) spricht sich in einer ähnlichen Weise aus, namentlich über die Arbeiten von E. Blanchard: Da indessen jede genauere Untersuchung vermisst werde, so fehle damit auch der unumgängliche Nachweis, dass das nur als zarte Linien Abgebildete wirklich ein Nervensystem ist. Ich habe es daher unternommen, so weit mir bezügliches Material, das ich grösstentheils der Güte der Herren Directoren V. Kollar und H. Schott und dem Herrn Professor Bruckmüller verdanke, zugänglich war, den histologischen Nachweis für die Existenz des Nervensystems bei den Nematoden zu führen. In einer der hochverehrten math.-naturw. Classe der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften am 15. Febr. d. J. überreiehten Arbeit, betitelt: „Helminthologische Notizen“ habe ich mich schon bestimmt ausgesprochen, dass bei einer Ascaris, welche ich in dem Magen von Seyllium latulus gefunden und wegen dem an jeder der 3 Lippen vorfindlichen Paare von 2 zackigen Zähnen A. biscupis nannte, die gleich beim ersten Blicke ohne anderweitige Präparation auffälligen quer gelagerten, in bestimmten Abständen von einander entfernten Bündel von Fäden dem Nervensysteme angehören, da es mir nämlich gelang, die Ganglienzellen mit ihren ausstrahlenden Fortsätzen zur Anschauung zu bringen. Ich will hier eine nähere Beschreibung mit den dazu gehörigen Abbildungen folgen lassen. Es ünden sich bei Ascaris bicuspis, wie gewöhnlich, vier Längsfurchen an der äusseren Hautoberfläche vor; eine schwächere Rücken- und Bauchfurche (Medianfurchen) und zwei seitliche stärkere. An der inneren Oberfläche der beiden letzteren ist eine Doppelreihe von organischen Gebilden gelagert (Fig. 1 a, a), welche in einer moleculären Grundlage ovale, mit mehreren Körnern in ihrem Innern versehene Körper (Kerne?) eingebettet zeigen ( Fig. I b, b). Ich konnte nie eine Verbindung derselben mit den Nerven Über das Nervensystem der Nematoden. 301 gewahr werden und halte es daher nicht für wahrscheinlich, dass sie dem Nervensysteme angehören. Zu beiden Seiten der seitlichen Furchen stösst man schon auf Längsreihen von exquisiten Ganglien- zellen (Fig. 1 d), welche sich durch folgende Merkmale charakte- risiren. Sie besitzen eine oblonge Gestalt und sind mit ihrem längeren Durchmesser stäts parallel der Längenaxe des Thierkörpers gelagert. Von den beiden gegenständigen Enden des Längendurchmessers der Ganglienzelle entspringen stäts kurze, einfache, sich nie bifur- eirende Verbindungsäste zu der vor- und rückwärts gelegenen Ganglienzelle. Diejenigen Zellen (Fig. 1 d), welche zunächst der breiten Seitenfurche gelagert sind, scheinen mir über letztere keine querlaufenden Äste zu schieken; ich konnte wenigstens nie etwas Derartiges hier beobachten, während auf der entgegengesetzten Seite des Querdurchmessers der Ganglienzellen zunächst der Seiten- furchen stäts die von den Zellen ihren Ursprung nehmenden, in querer Richtung zur Längenaxe des Thierkörpers ziehenden Nerven wahrgenommen werden können. Die stäts an der Innenseite der Längsmuskelfaserschichte gele- genen Ganglienzellen haben in ihrer mittleren Grösse einen Längen- durchmesser von 0:072 Millim.; der einer derartigen Zelle angehörige, ovale Kern misst 0'024 Millim. , beträgt somit ein Drittel des Durch- messers der Zelle. Die Kerne enthalten ein, zwei oder mehrere Kernkörperchen von 0:0024—0:0036 Millim. Die kolossalen ovalen Kerne können selbst einen Durchmesser von 0:048 Millim. erlangen, wobei auch die Kernkörperchen an Zahl (zu 10— 12) zunehmen; die Zellen nehmen sodann ein entsprechend ansehnliches Volumen ein, wie in Fig. 2, wo a,a, «a die Verbindungsäste der Ganglien- zellenkette, d, db kürzere, kleinere Ausstrahlungspunkte, c, c diekere abgehende Nerven vorstellen. Die Nerven haben nahe ihrer Ursprungsstelle eine ungefähre Dicke von 0:012 Millim., verschmälern sich jedoch bald, so dass sie nur mehr !/,; und selbst weniger von ihrer ursprünglichen Dicke besitzen. Sie zeigen sehr häufig spindelartige Anschwellungen in ihrem Verlaufe (s. Fig. 3 a, c) und bifureiren sich, wobei der eine oder andere Zweig eine schief auf- oder absteigende Richtung nimmt (s. Fig. 1 f). Man unterscheidet anastomosirende Nerven, welche wie g in Fig. 1 eine quere Verbindungsbrücke zwischen zwei nach- barlichen Ganglienzellenketten herstellen und in ihrem Verlaufe 302 Wed. höchstens ganz kurze Nervenzweigchen abgeben, und solche Nerven, welche nach Art eines Trichters (s. Fig. 1 c, c, c) sich an die Mus- ceulatur anheften und zu einem Continuum mit derselben verschmelzen. G. Meissner nennt diese peripherische Endigungsweise das termi- nale Dreieck, und fand selbes nicht nur bei Mermis albicans, M. nigrescens, bei Gordius ete., sondern auch bei einigen Askariden A. mystax, triquetra und commutata (Zeitschr. für wiss. Zoologie VII, S.27). Ungefähr in dem vorderen Viertheile des Schlundkopfes . befindet sich das Schlundkopfganglion, aus dem ein Büschel von Nervenfäden, entsprechend der grösseren Anhäufung von Ganglien- zellen nach beiden Seiten von der Rücken- und Bauchseite ausstrahlt und auf diese Weise den Schlundkopf ringartig umgibt. Die Gang- lienzellen sind hier etwas kleiner, eben so wie sie an der Rücken- und Bauchfurche von geringerem Volumen sind, als gegen die Seitentheile des Thieres hin. In jüngeren Exemplaren von Ascaris bicuspis, welche kaum 1/, der Dieke von erwachsenen Individuen messen und an denen die Zähne der Mundlippen noch nicht entwickelt sind, haben auch die Ganglienzellen mit ihren Kernen und die Nervenfäden ein geringeres Volumen. An jüngeren, transparenteren Individuen lässt es sich um so leichter nachweisen, dass die quergelagerten Nervenbündel, welche aus zwei bis vier sich an einander lagernden und ihren Ursprung von den Ganglienzellen nehmenden Fäden bestehen, der ganzen Länge des Thieres nach, mit Ausnahme des Kopfes, des vordersten Theiles der Schlundröhre und der Schwanzspitze, sich vorfinden. Um nur einen annähernden Begriff von dem Nervenreichthum von A. bicuspis zu geben, will ich im Allgemeinen bei einem 16 Millim. langen, jungen Exemplare annehmen, dass der Abstand zwischen 2 Nervenbündeln 0-1 Millim. betrage, ein Abstand, welcher selbst im Durchschnitte eher zu gross ist, um so mehr, da gegen den Schlundkopf und am Sehwanztheile die Nervenbündel näher an einander gerückt sind; sodann haben wir schon bei der obbenannten Länge des Thieres 160 Nervenbündel, entsprechend dem einen Viertheile des Muskel- eylinders, also 640 Bündel, welche an der inneren Oberfläche des letzteren die Organe umgreifen. Auch bei Ascaris dispar (Schrank) aus den Blinddärmen von Anser cinereus lassen sich die quergelagerten Nerven ohne Ver- letzung des Thieres als in bestimmten Interstitien liegende Bündel Über das Nervensystem der Nematoden. 303 leicht unterscheiden, obwohl dieser Nematode zu den kleineren zu zählen ist, indem seine Länge nur auf 20 und einige Millim. sich erstreckt. Die Ganglienzellen des in dem vorderen Abschnitte des Schlund- kopfes gelegenen Ganglions sind wohl kleiner als bei Ascaris bieus- pis , immerhin jedoch noch verhältnissmässig gross, indem sie einen Längendurchmesser von 0'062 Millim. erreichen. Sie besitzen eine oblonge Gestalt (s. Fig. 4 a, a), einen feinmoleculären Inhalt, einen oder zwei excentrisch gelagerte Kerne (b) von einem Durchmesser von 0009 Millim. mit einem vortretenden Kernkörperchen; diese Zellen zeigen überdies Längs- und Querfortsätze und sind nach innen von der Längsmuskelschichte (Fig. 4 c) gelegen. Die Ganglienzellenketten, welehe der ganzen Länge des Thieres entlang von der Gruppe der Ganglienzellen am Schlundkopfe bis zum After hin verlaufen, bestehen aus quadripolaren Zellen, deren Längs- fortsätze die Verbindung mit der vor- und rückwärts gelagerten Zelle herstellen (s. Fig. 5 «, a und a’), während die Querfortsätze (d, 5, b, b) theils zur Anastomose mit parallel gelegenen Ganglienzellen (s. Fig. 5 d) dienen, theils in ihrem Verlaufe ganz kurze, spitz zulaufende Äste (ce, c, c) abgeben oder sich bifureirend als sehr zarte dreieckige Endtheile (e, e, e,e) dem Auge entschwinden und mit der Museulatur verschmolzen sind. Den breiteren, seitlichen Furchen des Wurmes entsprechend kommen an der Innenseite Reihen von kleinen, runden, meist 0:0072 Millim. im Durchmesser haltenden Kernen mit distinguirten Kernkörperchen in einer feinmoleeulären Masse eingebettet vor, welehe organische Elementargebilde,, jenen von Ascaris bicuspis (Fig. 1 a,a,d,b5) analog sind, und gleichfalls mit den Nerven in keine Verbindung treten. Ascaris vesicularis (Frölich) aus den Blinddärmen von Phasianus Gallus und Ph. nycethemerus hat bekanntlich nur eine Länge von 8&—11 Millim. bei einer Breite von kaum ?/, Millim., und dennoch gelingt es nicht schwer, das Nervensystem daselbst nachzu- weisen, nur bedarf es hiezu einer geeigneten Präparation. Ich pflege den Wurm in sehr verdünnte Chromsäure (mit einer weingelben Färbung) zu legen und sodann eine mehrfache, möglichst feine Spal- tung nach der Längenaxe des Thieres vorzunehmen. Diese Säure gewährt eines Theils den Vortheil einer leichteren Trennung der 304 Wedl. Längsmuskelfasern, da sie eine leichte Corrugirung derselben her- vorruft und bewirkt andern Theils ein deutlicheres Hervortreten der Nervenfasern durch die gelbliche Färbung. Es versteht sich hierbei von selbst, dass die Eingeweide, wie Darm, männliche oder weibliche Geschlechtstheile, sorgfältig wegpräparirt werden müssen, wozu man eine starke Loupenvergrösserung nöthig hat. Sind die Ganglienzellen nicht ganz oder theilweise isolirt, so erscheinen dieselben mit ihrem fein granulären Inhalt etwas deutlicher nach Behandlung mit verdünn- tem kohlensaurem Natron, indem das untergelagerte Muskelgewebe verhältnissmässig stärker erblasst. Man findet das Nervensystem nicht blos in dem vorderen Abschnitte des Wurmes, entsprechend der Partie ringsum die Schlundröhre, sondern auch in dem hinteren vertreten. Die Ganglienzellen sind in Bezug zur Grösse des Thieres gross, reihen sich kettenförmig an einander (s. Fig. 6) und zeigen einen blasigen Kern. Zu den an der einen Seite ausstrahlenden Ner- ven gesellen sich andere von anderen Zellen ihren Ursprung nehmende (Fig. 6 a, a) und bilden auf diese Weise kleine Nervenbündel. Es bleiben überdies am Schlundkopf bei dessen Trennung runde Kerne liegen, die ohne Zweifel den Ganglienzellen angehören. Bei Ascaris leptoptera (Rud.) = mystax (Zeder), welche in zahlreicher Menge mit den Fäcalmassen eines Löwen abgingen, wird sehr leicht an der Innenseite des Muskeleylinders ein System: von Fasern dargestellt, welche eine quere Richtung neh- men, von an manchen Stellen ganz deutlichen Längszellenreihen (Ganglienzellen mit einem ovalen, scharf contourirten Kerne und prägnanten Kernkörperchen) ihren Ursprung nehmen, zu zweien oder dreien sich bündelartig anreihen und häufig spindelartige Anschwel- lungen zeigen. Diese Nervenfasern dehnen sich nicht selten so bedeutend aus, dass, wenn es möglich wäre, Kerne in den vielge- staltigen, geschwellten Partien zu finden, man dieselben ihrer äusseren Form nach als multipolare Ganglienzellen erklären müsste. Dass die benannten Faserbündel, von denen zuweilen eine anastomosirende Faser zu dem nachbarlichen Bündel tritt, nicht etwa Muskelfasern seien, geht auch aus der Reaction mit kohlensaurem Natron hervor. Behandelt man nämlich die sorgfältig von der äusseren Bedeckung abgelösten und von der Schlundröhre getrennten Muskelpartien mit sehr verdünnter Chromsäure und lässt sodann kohlensaures Natron einwirken, so erblassen die Muskeln zu transparenten bandartigen Über das Nervensystem der Nematoden. 305 Längsstreifen, während die Nervenfasern ein zartes, wie fettkörniges Ansehen behalten und leichter in ihrem Verlaufe verfolgt werden können. Die terminalen Dreiecke der Nerven an der Museulatur sind verhältnissmässig breit, da auch, wie erwähnt, die Nerven diek sind. Letztere trifft man nach der ganzen Länge des Thieres, ebenso wie die Ganglienzellen, welche man jedoch nicht mit den kolbenförmigen gegen die Centralaxe des Wurmes gerichteten Gebilden verwechseln darf: dieselben sollen später bei Ascaris lumbricoides näher beschrie- ben werden. Auch die zerstreuten Kalkkörperehen könnten etwa zu einer Verwechselung und zwar mit Ganglienzellenkernen bei einer oberflächlichen Betrachtung führen. Ascaris compar (Schrank) aus dem Darme von Tetrao Urogallus besitzt ein sehr deutlich ausgeprägtes Nervensystem; es schienen mir vier Hauptreihen von Ganglienzellenin einer Kette entlang des Wurmes vorhanden zu sein. Die Endigungen der quer ausstrah- lenden Nerven sind wie gewöhnlich von dreieckiger Form und sehr voluminös. Bei Ascaris lumbricoides (Linne) aus dem Dünndarm vom Hausschwein beobachtet man um den vordersten Abschniti der Schlundröhre unter der Museulatur der Haut nur wenige ovale Zellen- kerne mit einem vorspringenden Kernkörperchen. Die diesen Kernen angehörigen mit quer laufenden Fortsätzen versehenen grossen Gang- lienzellen sind, wie es scheint, in geringerer Anzahl vorhanden, man hat nämlich mehr Schwierigkeiten, welche zu finden; eben so sind sich bifureirende Nervenfäden schwerer heraus zu präpariren. Einen grossen Theil der Schwierigkeit bereiten der ganzen Länge des Thieres nach gelegene, beutelförmige (kugelige, kolbige, cylindri- sche), verschieden grosse, mit einem dünnen Stiele aufsitzende, schon mittelst des unbewaffneten Auges wahrnehmbare Körper, welche mit ihrem freien breiten Ende gegen die Centralaxe des Wurmes gerichtet sind, eine scharfe Begrenzung, gegen ihre äussere Oberfläche hin ein aus zarten Fäden gesponnenes, grossmaschiges Netzwerk zeigen und eine theils hyaline, theils feinmoleeuläre oder feinkörnige Masse einschliessen. Ich konnte keine Verbindung mit einem anderen Organe, als mit den Muskelfasern nachweisen, zwischen welche sie sich mit ihren Stielen gleichsam einschieben, so zwar, dass es mir am wahrscheinlichsten ist, dass die benannten Körper Zellgewebstaschen vorstellen, die einen grossen Theil der limpiden , eigenthümlich 306 Wediı riechenden, den Leib mancher Askariden so auffällig durchtränken- den Flüssigkeit einschliessen. E. Blanchard (l. e. p. 143) bezeich- net diese Körper als weisse Bläschen, und meint, dass sie muthmass- lich einer Seeretion vorstehen. An feinen Querschnitten wird es klar, dass diese von mir als wahrscheinliche Zellgewebstaschen bezeichne- ten Körper (da die Textur mehr jener des Zellgewebes nahe kömmt) nach innen von dem Muskelschlauch strahlenförmig angeordnet sind, und dass netzförmige Fasern (ob Nerven?) zwischen den Taschen gegen die äussere Oberfläche des Darmeanals hinziehen. Diese organischen Gebilde sind nicht in allen Askariden anzu- treffen, ich habe sie am deutlichsten bei Ascaris lumbric. aus dem Dünndarme des Schweines, weniger ausgeprägt bei der gleichnamigen Ascaris des Menschen gefunden. Bei Ascaris megalocephala des Pferdes, A. leptoptera (Rud.) des Löwen, A. depressa von Falco ater sind sie gleichfalls stark entwickelt. E. Blanchard (l. ce. p. 144) hat das Nervensystem von Asca- ris megalocephala (Cloquet) des Pferdes, so weit jenes mit unbewaffnetem Auge zu verfolgen ist, sehr genau beobachtet und etwas hinter den 3 Wülsten des Kopfes an jeder Seite des Ösophagus zwei sehr kleine Ganglien nahe an einander gerückt, beschrieben, welche durch Commissuren mit jenen der entgegengesetzten Seite in Verbindung treten. In diesen Centralorganen des Nervensystems (Gehirn) fand ich kolossale Ganglienzellen, jenen von Ascaris bicus- pis an Grösse ähnlich, ihre ovalen Kerne sind jedoch verhältniss- mässig kleiner. Man trifft auch kleinere Ganglienzellen mit einem oder mehreren Fortsätzen. Gruppen von Ganglienzellen lassen sich auch an der Rückenseite des Hinterendes in dem sogenannten Schwanz- ganglion sehr leicht nachweisen. Die von den entlang dem Körper des Thieres an der inneren Oberfläche des museulösen Cylinders gelegenen Ganglienzellenketten entspringenden Nervenbündel ziehen, wie gewöhnlich, querüber und wurden von den Autoren gewöhnlich als Quermuskel beschrieben. Sie werden durch Einwirkung von verdünnter Chromsäure deutlicher. E. Blanehard räth zum Studium des Nervensystems, den Wurm eröffnet einige Zeit hindurch in Terpentinöl liegen zu lassen; die Nerven nehmen seiner Angabe zufolge mehr Consistenz und eine weissere undurchsichtigere Farbe an, wodurch man sie mitten in dem umgebenden Gewebe unterscheidet. Ich hatte bei meinen jetzigen Über das Nervensystem der Nematoden. 307 Untersuchungen keine Gelegenheit, frische Exemplare von Ascaris megaloc. zu erhalten, um das von E. Blanchard angegebene Hilfs- mittel zu prüfen. Filaria papillosa (Rud.) aus der Bauchhöhle des Pferdes zeigt an der inneren Oberfläche der Längsmuskeln ein leicht sicht- bares System von Faserzügen, welche in einem rechten Winkel zu dem Zuge der Muskelfasern gerichtet sind und von diesen sich durch ihre Conformation unterscheiden. Diese Querfasern entspringen von mit der Längenaxe des Thieres parallel verlaufenden Strängen (s. Fig. 7 a, a), welche wegen ihrer Zartheit mittelst des blossen Auges nicht mehr wahrgenommen werden können; in denselben liegen in ziemlich regelmässigen Distanzen ovale Kerne mit vorspringenden Kernkörperchen, umgeben von einer Gruppe von Molekülen. Die Nerven sind an ihrer Ursprungsstelle meist am breitesten, bilden nicht selten Anschwellungen (Fig. 7 d, 6), theilen sich in zwei und drei Äste, wobei sie beträchtlich an Volumen abnehmen. In ihrem Verlaufe beobachtet man oft kurze Seitenzweige. Präparirt man die Nerven derartig heraus, dass sie frei heraushängen, so erscheinen nach einigen Bifurcationen die gabeligen Endtheile, welche den terminalen Dreiecken entsprechen (s. Fig. 8 db, ec). Die Nerven haben häufig einen sehr kurzen Verlauf und nicht immer entspre- chend ihrer Ursprungsstelle einen ovalen in dem Längsstrang gelegenen ovalen Kern; es kommt oft auf 2—3 neben einander entspringende Nerven nur ein Kern (s. Fig. 8 a). Die Nerven sind um den Ösophagus diehter an einander gelagert und bilden ein engeres Netz, als dies an den übrigen Körperabschnitten der Fall ist. Als eine vortheilhafte Methode fand ich jene, die blossgelegte Muskelschichte mit den noch daran haftenden Nerven und Ganglien- zellen mit verdünnter Essigsäure an frischen Exemplaren von Fil. pap. zu behandeln. Um die Endigungen der Nerven herausziehen zu können, ist es sehr zweckmässig, in sehr verdünnter Chromsäure etwas erhärtete Längsmuskel nach der Länge sorgfältig zu spalten, wobei die Nerven mit ihren Verzweigungen leicht frei heraushängend gemacht werden können. E. Blanchard (l. e. p. 154) hat bei Fil. pap. einen nervösen Schlundring mit zwei seitlichen Ganglien und daraus entspringenden Nerven beschrieben und abgebildet (P. 6, Fig. 3 a, 3 6). Die in dem 308 Wed! Centralorgane des Nervensystems befindlichen Ganglienzellen sind mittlerer Grösse. Ganz auf eine analoge Weise wie bei der vorhergehenden Pilaria verhält sich das Nervensystem bei Filaria attenuata (Rud.) aus den Lungen und Muskeln von Falco lanarius, nur sind die Nerven dünner, dafür jedoch zahlreicher. Fig. 9 stellt einen Abschnitt eines solchen Wurmes einige Millim. vor dem Sehwanzende eines Männchens dar, nachdem der Darm und der Hode herausgezogen waren. Es entsprechen hierbei a, a der äusseren Hülle, 5, 5 und d der Längs- muskelfaserschichte, c, e den durch letztere scheinenden Nerven- bündeln. Wie gewöhnlich erscheinen an der Ursprungsstelle der letzteren kleine ovale Ganglienzellenkerne. Die Textur der Nerven erscheint streifig, ihre Verästelung tritt sehr auffällig hervor. Es sind die Querfaserzüge bei dieser Filaria, eben so wie bei mehreren anderen Nematoden v. Siebold (l. e. p. 118) nicht entgangen, nur hielt er sie zum Theil im Einklange mit anderen Helminthotomen für Quermuskelbündel. (Vergl. auch hierüber G. Meissner, Z.f. Zool. v. Siebold u. Köll. Bd. V, p. 235.) Bei Physaloptera clausa (Rud.) aus dem Magen von Erinaceus europaeus sind die mehrreihigen Ketten von Ganglien- zellen sehr auffällig. Sehr nahe dem Kopfe befindet sich sowohl an der Rücken- als Bauchlinie eine kleine Gruppe von Ganglienzellen (Gehirn), welche sich mehr der ovalen Form nähern, während die im weiteren Verlaufe der Kette liegenden Zellen gestreekter sind. Vor der Schwanzspitze eines Weibehens liegt eine Gruppe von Ganglienzellen (Afterganglion) und die daselbst entspringenden Ner- venbündel sind diehter an einander gereiht. Die Kerne der Ganglien- zellen haben meist einen Durchmesser von 0:009 Millim., ein stark ausgeprägtes Kernkörperchen, sind rund und dürfen nicht mit den in der recht- und linksseitigen Längenfurche eingelagerten, etwas gestreckteren Kernen verwechselt werden. Die von den Ganglienzellen entspringenden Nerven sind band- artig, nahean ihrer Ursprungsstelle 0-012—0:014Millim. breit, ziehen querüber und associiren sich mit nebenliegenden Nerven zu dreien bis vieren zu einem Bündel vereinigt; zuweilen nimmt der eine oder andere Nerv einen schief auf- oder absteigenden Verlauf und ver- bindet sich mit dem zunächst vor- oder rückwärts gelegenen Bündel. Man stösst auch auf quer über die Innenseite der beiden seit- Über das Nervensystem der Nematoden. 309 liehen Längsfurchen ziehende Nerven. In ihrem weiteren Verlaufe schmälern sie sich nicht selten zu, schwellen an und verlieren sich in der Muskelsubstanz mit dem schon öfters besprochenen, ziemlich grossen terminalen Dreieck. Bifurcationen eines Nerven sind bei weitem nicht so prägnant, wie z. B. bei den vorher ange- führten Filarien. Bei Spiroptera sanguinolenta (Rud.) aus dem Magen des Hundes gibt E. Blanchard (I. ec. 160) blos an, dass er das Nervensystem ganz ähnlich jenem der Filarien gefunden habe. Zieht man die ziemlich dicke äussere Bedeckung von dem Vordertheile des Thieres ab, so kommt an der äusseren Seite des Ösophagus, höchst wahrscheinlich der Rücken- oder Bauchseite entsprechend, eine bräunlichgelbe Molecularmasse zum Vorschein, welche blasige Kerne mit einem vorspringenden Kernkörperchen eingelagert enthält. Es lassen sich nach gehöriger Zerlegung ovale und längliche Zellen mit den entsprechenden zuweilen doppelten Kernen und granulärem Zelleninhalt nachweisen. Die Ganglien- masse trifft man auch an dem Schwanzende des Weibchens. Die Nerven verlaufen wie gewöhnlich quer über die Muskeln an deren Innenseite. An Spiroptera megastoma (Rud.) aus dem Magen des Pferdes lässt sich das Nervensystem an transparenteren Stellen von geeigneten Exemplaren ohne Verletzung des Thieres sehr schön wahrnehmen. In Hedrurisandrophora (Nitzsch) aus dem Magen von Triton eristatus ist das Nervensystem durch einen Schlundring ver- treten, der an der Rückenseite des Thieres in Form eines quer gelagerten Bandes zum Vorschein kömmt und beiderseits in je 3—4 sich spaltende Äste zerfällt (s. Fig. 10 a und d, 5). In der Seiten- lage des Wurmes kann man auch von der Bauchseite gegen die Rückenseite hinziehende zarte Fäden wahrnehmen. Dieser Nerven- sehlundring befindet sich an dem vorderen Viertheile des museulösen Ösophagus. Beim Männchen, das beträchtlich zarter gebaut ist als das Weibchen, sieht man den Nervenring gleichfalls. Weitere Beobachtungen erscheinen bei diesem Thiere nicht blos wegen seiner Kleinheit, sondern auch darum sehr schwierig, weil Reihen von glänzenden, zuweilen pigmentirten Molekülen an der Rücken- und Bauchseite etwaige Nervenfaserzüge undeutlich machen. 310 Wedı. Es lassen sich jedoch in gleiehmässigen Distanzen gelagerte, ein- zeln stehende, aus einer Reihe von Molekülen zusammengesetzte, 0:0024 Millim. dieke Streifen noch unterscheiden, welche quer über den Darmcanal laufen und muthmasslich dem Nervensysteme angehören. Bei Strongylus nodularis (Rud.) aus dem Duodenum von Anser cinereus sind in frischen und noch besser in mit ver- dünnter Chromsäure behandelten Exemplaren an transparenteren Partien sowohl gegen die Rücken- als Bauchseite Molecularmassen mit eingelagerten runden Kernen zu erkennen, welche Massen wahr- scheinlich den Ganglienzellenketten entsprechen. An der Rückenseite des Schwanztheiles vom Weibchen, wo ersteres anfängt in einen Fortsatz auszulaufen, bemerkt man auch eine feingranuläre Masse mit einigen Kernen (Schwanzganglion). Obwohl es sehr leicht angeht, von Körperabschnitten des Wurmes die Eingeweide aus- zudrücken, so dass nur mehr Haut und Muskelschichte übrig bleiben, ist es mir dennoch nicht gelungen, ausstrahlende Nerven beobachten zu können. Sucht man dasjenige, was hier speciell über das Nervensystem der Nematoden angegeben wurde, in allgemeine Formeln zu bringen, so ergibt sich Folgendes: Das Nervensystem ist bei den Nematoden nicht selten in einem hohen Masse entwickelt. Das Centralorgan des Nervensystems (Gehirn) liegt ausserhalb des vor- dersten Abschnittes des Ösophagus, tritt jedoch nie, so weit die jetzigen Untersuchungen reichen, mit einer so deutlichen Abgrenzung zu Tage, wie dies z. B. bei Mermis nigrescens (Duj.) aus der Ordnung der Gordiaceen der Fall ist. Es besteht jenes aus einem Agglomerate von uni-, bi- und multipolaren Ganglienzellen, von denen die Nerven nach einer oder verschiedenen Seiten ausstrahlen. In den meisten Fällen scheint das Gehirn nur durch ein um den vordersten Theil des Ösophagus gelagertes System von Ganglienzellen mit den seitlich ausstrahlenden Nerven repräsentirt zu sein. Das Schwanz- oder Afterganglion oberhalb des Afters gegen die Rückenseite hin ist bei den Weibchen nachzusuchen, konnte jedoch nicht stäts nach- gewiesen werden; es besteht aus einer Gruppe von Ganglienzellen, mit seitlich ausstrahlenden Bündeln von Nerven. Diese beiden Centralorgane des Nervensystems sind durch Ganglienzellenketten, welche der Längenaxe des Wurmes entlang Über das Nervensystem der Nematoden. 311 gelagert sind, mit einander verbunden. Sowohl das System von Ganglienzellen, welches an der Rückenseite des Thieres (Rücken- markstrang), als jeres, das an der Bauchseite (Bauchmarkstrang) sich befindet, liegt an der Innenseite des Längsmuskels (Muskel- eylinders) und besteht jedes aus mehrfachen Längsreihen von Ganglienzellen, die sogar bis an die seitlichen Furchen reichen können. Jede oblonge Ganglienzelle der beiden, strenge genommen nicht den Namen von Strängen verdienenden Centralorgane besitzt einen vorderen und hinteren Längsfortsatz, der sich durch seine Kürze auszeichnet und stäts nur dazu dient, die vorderen mit den hinteren Zellen und umgekehrt zu verbinden. Die sich peripherisch verzweigenden Nerven der beiden Stränge entspringen immer von der einen oder anderen (rechten oder linken) Seite der Ganglienzellen oder von beiden Seiten und nehmen einen zur Körperaxe queren Verlauf; zuweilen beobachtet man einen queren oder schief auf- oder absteigenden Verbindungsast zu einer nachbar- lichen, höher oder tiefer gelegenen Ganglienzelle. Die Nerven, welche von Ganglienzellen von ungefähr derselben Horizontalebene ent- springen, associiren sich (2—4 zu einem Bündel). Die Nerven sind bei verschiedenen Gattungen und Arten von verschiedener Dicke, und es steht letztere mit der Ausdehnung des (uerschnittes der Nematoden in keinem direeten Verhältnisse. Es zeigen die Nerven häufig in ihrem Verlaufe spindelartige Schwellun- gen, zerfallen bald sich bifureirend in Äste und Zweige oder geben eine längere Strecke weit keine oder nur ganz kurze Seitenzweige ab. Die Nerven enden peripherisch in Form eines Dreiecks und verschmelzen mit der Muskelsubstanz. In manchen kleinen Nematoden ist das Nervensystem nur mehr andeutungsweise zu ermitteln. Erklärung der Tafel. Fig. 1. Ganglienzellenketten von Ascaris bicuspis (Mihi) aus dem Magen von Lophius piscatorius; a, a der seitlichen, pigmentirten Längenfurche ent- sprechend; 5b, b ovale, eingelagerte Kerne; c, e, e terminale Dreieeke der Nerven; d, d, e Ganglienzellenketten; f schief verlaufender, g quer ver- laufender verbindender Nervenzweig; h Längsmuskelschichte. Fig. 2. Grosse Ganglienzellen von Ascaris bicuspis (Mihi) mit grossen ovalen Kernen und mehreren Kernkörperchen; a, «a, « parallel mit der Längen- 312 Wedl. Über das Nervensystem der Nematoden. axe des Wurmes verlaufende Verbindungsfortsätze; 5, b kurze Querfortsätze; €, €, €, € Ursprünge der quer verlaufenden Nerven. Fig. 3. Nerven von Ascaris bieuspis (Mihi); a spindelförmig geschwellte Nervenfaser; 5b eine Stelle, wo sich zwei Nervenfasern an einander lagern; ce sich zuschmälernde und wieder dieker werdende Nervenfaser. Fig. 4. Ganglienzellen aus dem Schlundkopfganglion von Ascaris dispar (Sehrank) aus den Blinddärmen von Anser einereus; a, a Ganglienzellen mit 3 Fortsätzen; db doppelter Kern in einer Ganglienzelle; e Längsmuskel- faserschichte, auf welcher die Ganglienzellen nach Wegnahme des Schlundkopfes hängen geblieben sind. Fig. 5. Ganglienzellen von Ascaris dispar; a, a, «' Längsfortsätze der Ganglienzellen zu ihrer kettenartigen Verbindung; db, b, b, b Querfortsätze als Ursprünge der Nerven; ce, c,c kurze Seitenäste der Nerven; d oblonge Ganglienzelle, welche mit dem querlaufenden Nerven in Verbindung steht; e, e, e, e peripherisches Ende der Nerven. Fig. 6. Drei Ganglienzellen von Ascaris vesicularis (Frölich) aus den Blinddärmen von Phasianus nyethemerus; a, a Nerven, welche von nachbar- lichen Ganglienzellen ihren Ursprung nehmend, sich an die gezeichneten lagern. Fig. 7. Nerven mit ihren Ursprüngen von Filaria papillosa (Rud.) aus der Bauchhöhle des Pferdes; a, a verschmolzene Ganglienzellenkette mit eingelagerten Kernen; db, b querlaufende dieke Nerven; e, e Längsmuskel- faserschichte. Fig. 8. Peripherisch verlaufende Nerven von Filaria papillosa (Rud.); a Ganglienzellenkern; db dünnere; e dickere Nerven mit sehr kurzem Verlaufe, sieh mehrfach spaltend mit gabeligen Endtheilen, welche aus ihrer Verbindung mit den Muskeln gerissen sind. Fig. 9. Körperabschnitt von Filaria attenuata (Rud.) aus den Lungen und Muskeln von Falco lanarius, nachdem die Geschlechtswerkzeuge und der Darm herausgezogen waren; a, a der Dicke der quer geringelten äusseren Haut entsprechend; 5, 5 Längsmuskelfaserschichte in ihrer Dieke; c, e Ursprungs- stellen der quer verlaufenden Bündel von Nerven, die sich oftmals bifureirend und ein Geflecht bildend unter der Längsmuskelfaserschichte (d) ausbreiten. Fig. 10. Kopfende von Hedruris androphora (Nitzsch) aus dem Magen von Triton cristatus; a, a bandartiger Streifen am Rücken; b, b sich theilende Nerven. Anmerkung. Sämmtliche Figuren mit Ausnahme von Fig. 1 und Fig. 9, welche bei mittelstarker Vergrösserung gezeichnet sind, sind bei starker Vergrösserung abgebildet. PS Nervensystem ler Nematoden,. Ans dk. k. Hof.u. Staatsäruckersi, Kner. Über ein neues Genus aus der Familie der Welse, Siluroidei. 313 Über ein neues Genus aus der Familie der Welse, Siluroidei. Von dem e. M., Prof, Dr. R. Kner. (Mit II Tafeln.) Unter den vom kais. Consul, Herrn Dr. Heuglin aus Chartum mitgebrachten, naturhistorischen Schätzen ist die Classe der Fische zwar nicht zahlreich, aber in äusserst interessanter Weise vertreten. Die gütige Mittheilung derselben durch meinen hochgeehrten Freund, des wirkl. Mitgliedes Prof. Dr. Hyrtl setzt mich in den Stand, der kais. Akademie heute vorerst die Beschreibung und Abbildung einer besonders ausgezeichneten Art vorzulegen. Sie gehört der grossen Familie der Welse Stiluroider an, ist aber ohne Zweifel als Reprä- sentant einer neuen Gattung anzusehen, die sich namentlich durch folgende zwei Merkmale charakterisirt: der behelmte Kopf von der Stirn gegen den endständigen Mund steil abfallend, die zweite Rückenflosse mit einem Stachel- und zahl- reichen Gliederstrahlen versehen (caput cataphractum a fronte ad os terminale valde declivum; pinna dorsalis 2° radio osseo et numerosis articulatis suffulta ; eirrhis 8, corpus nudum). Ich schlage für selbe als Gattungsname Clarotes oder Gonocephalus und zur Artbezeichnung den Namen des verdienstvollen Entdeckers Cl. Heuglini vor. beide Namen erschienen insoferne passend, als sie die eigenthümliche Kopfbildung andeuten '). Ersterer weist zugleich auf die Familienverwandtschaft mit der ebenfalls dem Nilgebiete an- gehörigen Gattung Clarias hin, letzterer dagegen auf jene mit der südamerikanischen Gattung Phractocephalus, die gleichfalls Andeu- tungen von Strahlen am oberen Rande der Fettflosse besitzt ?) und als deren Stellvertreter in Afrika unser Fisch erscheint. Die Totallänge beträgt 221/, Wiener Zoll, die grösste Höhe am Kopfbuge nahezu 7”, die grösste Breite vor den Brustflossen fast 6”, die Breite der Mundspalte 4 14, die kleinste Höhe am Schwanze hinter der zweiten Dorsale 2". Der Abstand des Schnauzenrandes vom Stütz- 1) Klaroten hiessen altgriechische Selaven, d. h. Leute mit gebeugtem Nacken. 2) „Filets osseux, qui semblent des vestiges de rayons“, siehe Hist. nat. des poiss. XV. p.15 et segq. Sitzb. d. mathem.-naturw. Cl. XVII, Bd. IT. Hft. 21 314 Konsea: gelenke der ersten Dorsale kommt in gerader Linie gerechnet, jenem vom Beginne der ersten bis zum Ende der zweiten Dorsale gleich, misst man aber über die Curve des Kopfbuges weg, so beträgt der Abstand des Schnauzenrandes von der ersten Dorsale genau die halbe Körperlänge. Denkt man sich die Mundwinkel durch eine gerade Querlinie verbunden, so verläuft diese dann gerade vor den Barteln der hinteren Narinen. Der Unterkiefer ist etwas länger als der obere, beide sind mit breiten Binden spitzer, schwach gekrümmter Bürstenzähne besetzt. Die Eck- barteln, die sich von den in einen dieken Bartelknochen umgewandelten Öberkiefern festsetzen, reichen zurückgelegt bis über die Basis der Brustflossen, fast bis zur halben Länge derselben. Von den vier Unter- kieferbarteln reicht das äussere, längere und dickere Paar bis unter das Auge, das innere und vordere bis über die halbe Länge des äusseren zurück. Die in einer Querlinie mit den Eekbarteln liegenden vorderen Narinen bilden ein kurzes Röhrchen, vor den hinteren und einander näher stehenden erhebt sieh ein dünnes Bartel, welches mit dem inneren Paare des Unterkiefers nahezu gleichlang ist. — Die seitlich und nur wenig schief gestellten Augen sind gross, ihr Durchmesser fast 1/; der Kopflänge (diese bis zum oberen Winkel der Kiemen- spalte gerechnet); sie stehen 3 Diameter vom Mundrande, 2 von der hinteren Narine und #'/, von einander ab. Genau über dem hinteren Augenrande macht der Kopf die merkwürdige Beuge, durch welche das Profil Ähnlichkeit mit jenem von Trygloiden erhält, indem das von der ersten Rückenflosse anfangende geradlinige Profil des Vorder- rückens und Hinterhauptes nunmehr unter einem stumpfen Winkel rasch gegen den Schnauzenrand abfällt. — Hinterhaupt und Stirn- gegend bis vor die Augen sind mit einem Helme rauhkörniger Knochen- schilder besetzt, zwischen denen eine lange Stirnfontanelle frei bleibt; Schnauze, Wangen und Seiten des Kopfes sind nackt und auch die Deckelstücke überhäutet, blos am Opereulum treten rauhe, ausstrah- lende Leisten vor. Der mediane Oceipilalfortsatz des Helmes ist durch eine dünne Hautbrücke von dem ebenfalls rauhkörnigen Schilde getrennt, das als zungen- oder spiessförmiges, schmales, dreieckiges Stück beiderseits bis unter den Beginn der Dorsale reicht. Das seit- liche hintere Ende des Helmes bildet ein ebenso rauhkörniges, einem Suprascapular-Schilde entsprechendes Knochenstück über der Kiemen- spalte. Ausserdem bildet die rauhkörnige Scapula nach auf- und rückwärts ein gegen das Suprascapulare sich erhebendes knöchernes Über ein neues Genus aus der Familie der Welse, Siluroidei. 315 Schild. Im Übrigen ist die Haut völlig nackt; der Seitencanal läuft namentlich am Schwanze in kurze, jedoch nur nach abwärts gerichtete Seitenröhrchen aus, dagegen zeigt die Haut hinter dem Helme und an den nackten Stellen des Kopfes zahlreiche Canalverzweigungen, die sogenannten Venen Valeneciennes. 1,:D.11% 2 Bed2 Ad, Iy..21 (nebst mehreren Pseudostrahlen beiderseits). Die zweite Dors. enthält einen fast geraden Stachel und einige zwanzig (24— 25) gegliederte Strahlen, die jedoch auf einer fett- flossenähnlichen Basis aufsitzen, ähnlich wie bei Phractocephalus, aber ungleich stärker entwickelt sind. Der starke, abgeplattete Stachelstrahl der P. ist am inneren Rande grob gesägt, am äusseren blos rauh, jener der ersten Dorsale sitzt auf einem langen, dicken Basaltstück auf, mit dem er durch ein Gelenk verbunden ist. Erwähnung verdienen noch die den meisten Siluroiden eigene tiefe Kehlfalte und die Weite der Kiemenspalte, die bis zum Isthmus offen ist und um so auffallender erscheint, als dieser Fisch, wie so- gleich erwähnt werden wird, bestimmt und befähigt ist, lange Zeit ausser Wasser sein Leben zu fristen. Als Zahl der Kiemenstrahlen, so weit ich sie ohne Verletzung des Exemplares ermitteln konnte, kann ich 9 angeben. Einen Porus lateralis vermochte ich nicht auf- zufinden und ich erwähne dies namentlich aus dem Grunde, da Phractocephalus einen solchen besitzt, wie schon Bloch und Agassiz bemerkten und welchen Valeneiennes (l. ce. XV, p. 5) „un petit orifice muqueux au-dessus de la base pectorale“ nennt. Die Untersuchung des inneren Baues hat sich Prof. Hyrtl, der sich im Besitze dieses Unicum befindet, selbst vorbehalten, daher ieh mich jeder vorläufigen Angabe hierüber enthalte. Die Färbung erscheint in der Rückenseite dunkelbraun, von den Seiten gegen den Bauch in helles Bleigrau übergehend, jede Spur einer Zeichnung durch Flecken, Punkte oder Streifen fehlt gänzlich. Die Art der Auffindung dieses Fisches ist nach Herrn Consuls Heuglin mündlicher Mittheilung nicht weniger interessant als er selbst. Er wurde nämlich im Februar 1854 bei Girf in der Nähe von Chartum, einige 1000 Schritte vom Flusse entfernt, bei Gelegenheit des Grabens eines Brunnens im Sande eingewühlt gefunden und dem Herrn Consul lebend überbracht, bei welchem er erst nach 3 Tagen die er noch im Trockenen liegend und zum Theile der Sonne ausge- 21% 316 Kner. Über ein neues Genus aus der Familie der Welse, Siluroidei. setzt, zugebracht hatte, verendete. Die Vermuthung, dass diese Fische nach Überschwemmungen zurückbleibend, sich allmählich tiefer in Sand eingraben und während der trockenen Jahreszeit eine Art Sommerschlaf halten, wird durch die angeführte Thatsache beinahe zur Gewissheit erhoben. Schliesslich glaube ich in dieser Beziehung noch folgende Angaben des Herrn Consuls wörtlich mittheilen zu dürfen. „Ähnliche Fische sollen häufig um Chartum bei Nachgra- bungen vorkommen. Ob aber dieser Clarotes identisch sei mit den Fischen, die auf der Halbinsel Sennaär längs des Sobat-Flusses im Sande der Steppe leben, dort weit vom Wasser entfernt, in der trockenen Jahreszeit nicht tief unter der Erde schlangenartig zu- sammengerollt und in einer Grube liegend gefunden wurden, über der sich der Fisch eine maulwurfshügelähnliche Anhäufung bildet, kann ich dermalen noch nicht angeben. Die umwohnenden Dinka - Neger sammeln dort die Thiere zur Nahrung. — In den sogenannten Fulen- Teichen (5). die nieht mit demNil eummunieiren und blos während der Regenzeit Nahrung erhalten, von Februar bis Juni aber gänz- lich trockene Oberfläche haben, — in Kordofän ebenfalls finden sich sehr häufig grosseFische, unter denen Heterobranchus- und Bagrus- Arten, die ich aber bis jetzt noch nicht acquiriren konnte.“ Taf.1. r. ide "oI else, Silırr ım.d.W 2 c jenus aus d.F Sr Ein neıre Krer. kerer vaatsaruc r ei a: | ‚Heft.1855. D 2 Sitzungsb.d.k.Akad.dW.math.naturw. C1.X\I Bd. Taf.IL j le aus d. Yam.d.Welse, Siluroic D q 5 TEL sl Ein neire Kner. gs, AT AR e {5 “r .)’ 2. EL re %% 7 Aut Ne a Re / « Sitzungssb.d.k.Akad.d.W.math.naturw. (1. XVIBAR Heft.185 2 De TORIR er b 0 N N Türck, Beobachtungen über Verminderung der Pulsfrequenz ete. SEZ Beobachtungen über Verminderung der Pulsfrequenz bei neu- ralgischen Anfällen und über den Rhythmus solcher Anfälle. Von Med. Dr. Ludwig Türck. Hinsichtlich des Verhältnisses zwischen Neuralgie und Pulsfre- quenz findet sich in der medieinischen Literatur nur ganz im Allge- meinen die auf Gesichtsneuralgie bezügliche Angabe vor, dass bei derselben der Puls nicht beschleunigt, ja dass er manchmal selbst langsamer wird. Valleix, welcher bei Gesichts- und anderen Neu- ralgien hierüber Untersuchungen anstellte, konnte durchaus keine Beziehung zwischen Neuralgie und Puls insbesondere nie eine Ver- langsamung des letztern auffinden, und er schliesst mit dem Aus- spruch, dass die Pulsfrequenz von der Neuralgie ganz unabhängig sei. (Siehe dessen Traite des neuralgies. Paris 1841, pag. 112, 383, 542, 677.) . Zwei auf meiner Abtheilung des k. k. allgemeinen Krankenhau- ses vorgekommene Fälle von Gesichtsschmerz gaben mir Gelegen- heit zu genauern, zahlreichen Untersuchungen, in welchen sich eine Verlangsamung des Pulses im Gefolge der Selmerzenfalle auf das Evidenteste zu erkennen gab. Der erste Fall, den ich in der Sitzung der k. k. Gesellschaft der Ärzte vom 25. November 1853 vorführte, betraf: eine 28jährige bei ihrer Aufnahme am 27. Oetober 1853 im”. Monate schwangere Magd Anna S. | Seit der vor drei Jahren vorgenommenen Entfernung des cariösen vorletzten rechten Backenzahnes am Unterkiefer hatte sie öfter Schmer- zen sowohl in der Gegend des entfernten Zahnes als auch in der rechten Hälfte der unteren Zahnreihe. Erst seit einem Jahre traten ‚sie im rechten Oberkiefer und in der rechten Stirngegend auf. Der Schmerzanfall begann stäts mit einem Stich im Zahnfleisch oder Zahn- fächerfortsatz des Augenzahnes oder zwischen ihm und dem ersten Backenzahn und verbreitete sich von hier über die ganze rechte Hälfte des Gesichts, in die rechte Hälfte beider Zahnreihen, mitunter in dierechte Zungenhälfte und die Wandungen der rechten Nasenhöhle. Erst seit Frühling oder Sommer 1853 trat mit dem Schmerz immer auch eine Empfindung von Schwere auf der Brust und von 31 8 Türck. Beobachtungen über Verminderung der Pulsfrequenz mangelndem Athem ein. Sie suchte sich die Schmerzen durch An- stemmen der Zunge an die beiden Zahnreihen zu erleichtern, wodurch bereits die noch übrigen Schneide-, Eck- und Backenzähne bedeutend gelockert worden waren, dabei drückte sie fest auf die schmerzhafte Gesichtshälfte, schloss den Muud, comprimirte meistens das rechte Nasenloch und stöhnte. | In den Anfällen, welche meist von grosser Heftigkeit und von nur kurzer Dauer waren, dabei jedoch sich in kurzen Zwischenräumen wiederholten, beobachtete ich eine eonstant verminderte Pulsfrequenz, und ein schwächer Werden des Puls- und Herzschlages. Am Placentargeräusch war die gleiche Verlangsamung, am Foetalpuls keine Veränderung bemerkbar. Am 10. December wurde sie von einem reifen Kinde snthihdetl Seitdem verschwand die früher bei den Schmerzanfällen eingetretene Empfindung von Druck auf der Brust und von Athemnoth, während die Verlangsamung des Pulses in gleicher Weise fortbestand. Am 14. December wurden zum ersten Mal Schmerzanfälle ohne Verlangsamung neben solchen mit Verlangsamung des Pulses beob- achtet. Der hauptsächlichste Sitz des Schmerzes war seit einigen Tagen die rechte Supraorbitalgegend geworden. Am 16. December wurde noch Verlangsamung, am 21. December zum ersten Mal eine Steigerung der Pulsfrequenz während der Schmerz- anfälle beobachtet. In den darauffolgenden Tagen bis zu dem am 3. Jänner erfolgten Austritt aus dem Krankenhause wurde bei öfter wiederholter Untersuchung stäts nur eine Steigerung, und nie mehr eineAbnahme der Pulsfrequenz in den Anfällen wahrgenommen, ob- gleich letztere mitunter so heftig als je waren; nur die unangenehme Empfindung auf der Brust und die Dyspnoe sind nicht wieder erschienen. Aus den beiliegenden zwei ersten Tabellen ist die Nebrkinderuee | der Pulsfrequenz in den frühern und aus der dritten die Steigerung in den späteren Anfällen ersichtlich. Aus den zwei ersten Tabellen ergibt sich, dass bei einer unge- fähren mittleren Frequenz von 12—13 und 16—17 Schlägen in zehn Seeunden der schmerzfreien Zeit eine durchschniftliche Verlang- samung um 2—3 Schläge in 10 Secunden stattfand. Sie erfolgte, mit seltenen Ausnahmen, nicht gleichzeitig mit Eintritt des Schmerzes, sondern erst später und erreichte ihr Maximum bei neuralgischen Anfällen und über den Rhythmus solcher Anfälle. 319 erst im ferneren Verlauf des Schmerzes; ja mitunter war die unmit- telbare Wirkung dieses letzteren eine vorübergehende Steigerung der Pulsfrequenz. Die Verlangsamung des Pulses verschwand nicht sogleich mit dem Aufhören des Schmerzes, sondern überdauerte dasselbe, jedoch war diese Nachwirkung des Schmerzanfalles auf die Pulsfrequenz minder constant als die verspätete Einwirkung desselben. | Über diese beiden Punkte können die vorliegenden Tabellen wegen der Methode,nach welcher sie entworfen wurden, keinen ganz genauen Aufschluss geben. Ä Es wurde nämlich mit Beginn der Schmerzen. ein Querstrich unter die letzte die Anzahl der Pulsschläge in 10 Secunden angebende Zahl gesetzt, welcher die obere Seite der den Paroxysmus bezeich- nenden Klammer zu bilden hatte. Die erste unter jenem Querstrich befindliche Zahl sollte aber fast nie ganz, sondern nur ein Theil von ihr innerhalb der Klammer stehen, weil der Paroxysmus unter 10 Fällen ueunmal nicht mit dem ersten der durch die Zahl angegebenen Puls- schläge, sondern mit einem späteren eintrat. Geschah dieser Eintritt erst recht spät, z. B. beim vorletzten Pulsschlag, so konnte, wenn er auch eine alsogleiche Verlangsamung bewirkt hätte, dieseletztere den- noch an der ersten innerhalb der Klammer befindlichen Zahl nicht ersichtlich werden, sondern erst an der zweiten, und es musste somit scheinen, als wäre die Verlangsamung erst 10 Secunden nach dem Schmerzeintritt erfolgt, während sie in der That zugleich mit dem Schmerz erfolgt wäre. Dieser Beobachtungsfehler ist jedoch nicht von grossem Belang, denn aufden Tabellen zeigt sich häufigauch die zweite der in der Klammer befindlichen Zahlen noch von gleichem Werth mit jenen des Intervalles und das Sinken tritt erst mit der dritten ein, zum Beweis, dass der Schmerz nicht alsogleich, sondern erst nach mehreren Secunden die Pulsfrequenz verminderte. Sicher wird jedoch wegen des angegebenen Beobachtungsfehlers die grösste Verlangsamung auf den vorliegenden Tabellen später erscheinen als sie wirklich stattfand. Ganz das Gleiche gilt hinsichtlich der Nachwirkung des Schmerzes. Wegen der Ungenauigkeit der entworfenen Tabellen hinsichtlich dieser beiden Punkte wurde einmal weiter nichts gezählt, als wie viele Secunden vom Beginne des Schmerzes bis zu der durch den zufühlenden Finger leicht erkennbaren Verlangsamung, und wie viele 320 Türcek. Beobachtungen über Verminderung der Pulsfrequenz von dem Aufhören des Schmerzes bis zur wieder eintretenden grösseren Pulsfrequenz vergingen. Als Zeitmass für den verspäteten Eintritt der Verlangsamung des Pulses ergaben sich 7, 5, 6, 3 — 4, 7—8, 10 Secunden. Nur dreimal wurde, jedoch, bei denselben Schmerzanfällen die Dauer der Nachwirkung bestimmt. Es ergaben sich dafür 5—6, 8—4 und 3 Secunden. Eine eben so verspätete Einwirkung und überdauernde Nach- wirkung zeigten dieSchmerzanfälle in der späteren Periode der Krank- heit der Anna S. auf Steigerung der Pulsfrequenz, wie dies aus der 3. Tabelle ersichtlich ist. Im April 1854 hatte ich Gelegenheit bei einem zweiten Falle von Gesichtsschmerz eine gleiche Verlangsamung des Pulses während der Paroxysmen zu beobachten. Er betraf einen 49jährigen Maurer- meister Leopold H. Der Schmerz sass im Gebiete des ersten und zweiten Astes vom rechten n. trigeminus und bestand seit ungefähr zwei Jahren nach länger vorausgegangener Verletzung des rechten Oberkiefers durch die Extraction einer alten Zahnwurzel, und einen Fall auf die Gegend des rechten Seitenwandbeines. Auch dieser Kranke bekam bei heftigen Anfällen Athembeschwerden, welche nicht etwa Folge von willkürlichem Anhalten des Athems waren. Die 4.—6. Tabelle zeigt die Verminderung der num während der Anfälle. Im Ganzen habe ich bei der Anna S. in der ersten Periode ihrer Krankheit 18 und bei Leopold H. 6 Untersuchungen vorgenommen, und dabei stäts die oben bemerkte Verlangsamung des Pulses beob- achtet. Über die spätere Steigerung der Pulsfrequenz bei Anna S. habe ich 7 übereinstimmende Beobachtungen gesammelt. Alle Zeit- bestimmungen wurden mittelst einer Uhr mit stehenden Secunden vorgenommen. Ganz eigenthümlich verhielt sich der Puls bei einem sehr erregbaren, 21jährigen Mann, welcher bereits öfter und neuerdings seit4 Tagen an einem sehr bald wieder geheilten, wahrscheinlich rheu- matischen Schmerz der Stirne und des Capillitiums litt. Während der heftigen Schmerzanfälle stieg der Puls, der in der Besserung 72 und nach der Heilung 56mal in der Minute schlug auf 92—96 Schläge, und wurde in der Weise ungleich, dass in 2—3 Seeunden 2—3 Schläge, in den nächstfolgenden 2—3 Secunden beinahe doppelt so viel Schläge bei neuralgischen Anfällen und über den Rhythmus solcher Anfälle. 321 ‘erfolgten, hierauf kamen in den nächsten 2—3 Secunden wieder 2—3 Schläge, in den nächstfolgenden ungefähr doppelt so viele u. ‘Ss. W. Hinsichtlich des Zustandekommens der geschilderten Verlang- samung und Schwächung des Herzschlages warf ich mir vor Allem die Frage auf, ob hier nicht derselbe Vorgang stattgefunden habe, wie in dem Weber’schen Experiment. Eduard Friedrich Weber hat bekanntlich ein Verfahren angegeben“, den Kreislauf des Blutes und die Function des Herzens willkürlieh zu unterbreehen,“ welches darin besteht, dass man den Athem anhält und zugleich einen Druck auf die Brust ausübt. (S. Müller’s Archiv,. Jahrgang 1851.) Nach Weber reicht, „wenn die Luftwege verschlossen sind, schon das geringste Zusammendrücken der Brusthöhle aus, auf den Puls und die Herzbe- wegungen einen sehr beträchtlichen Einfluss auszuüben, so dass schon ein mässiges Bestreben zum Ausathmen bei verschlossener Stimmritze sogleich Herzschlag und Herztöne verschwinden, den Puls aber wenig- stens klein und seltener macht“. (]. c. pag. 106.) Für ein Zustandekommen der Verlangsamung des Pulses wäh- rend der Schmerzanfälle auf dieselbe Weise wie in dem angege- benen Weber’schen Versuch schien Folgendes zu sprechen: Die erste Kranke, Anna S., verhielt in den Schmerzanfällen bei geschlossenem Munde das rechte Nasenloch mit der angepressten Hand oder mittelst eines Tuches während stöhnender foreirter Exspirationen. Da nun nach Weber das geringe Zusammendrücken der Brust, welches durch ein mässiges Bestreben zum Ausathmen bei verschlossener Stimmritze bewirkt wird, schon hinreicht den Puls kleiner und seltener zu machen, so hätte durch die Art der Exspiration der Anna $S. wohl auch der Puls verlangsamt werden können. Wirk- lich sank auch der Puls als ich diese Kranke in einem schmerz- freien Intervall blos durch das linke Nasenloch respiriren liess von 12—13 Schlägen, auf 11 Schläge in 10 Secunden, und ein Sinken um zwei Schläge hatte die Ausübung eines starken Nixus bei ihr schon nach 10 Secunden zur Folge. (Reihen von sehr foreir- ten stöhnenden Exspirationen, wobei jedoch Mund und Nase geöffnet blieben, hatten in den schmerzfreien Intervallen bei öfter wieder- holten Versuchen stäts eine Steigerung der Pulsfrequenz zur Folge.) Auch konnte es scheinen, dass die vorgerückte Schwangerschaft der Anna $. zur Behinderung der Respiration wesentlich beitrug, 322 Türck. Beobachtungen über Verminderung der Pulsfrequenz indem bald nach der Entbindung die Verlangsamung des Pulses in den Schmerzanfällen aufhörte. Diese Gründe werden jedoch durch die folgenden an beiden Kranken angestellten Beobachtungen und Versuche wiederlegt, aus denen sich ergibt, dass a) auch bei hinreichend erschwerten Exspi- rationen kein entsprechendes Sinken der Pulsfrequenz eintrat, und dass 5) während der Schmerzparoxysmen die Respiration völlig frei von Statten gehen konnte und sich demungeachtet die gewöhnliche Verlangsamung des Pulses einstellte. Ada) ist anzuführen, dass einige Zeit nach der Entbindung, d.i. am 21. und 30. December, die Kranke während der heftigen Anfälle ganz in derselben Weise den Mund und das rechte Nasenloch verschloss und stöhnend exspirirte wie vor der Entbindung, und dass demunge- achtet keine Verlangsamung, sondern im Gegentheil eine Beschleuni- gung des Pulses eintrat. Eine dabei vorgenommene starke, anhaltende Compression des Bauches um gewissermassen ein Äquivalent für den schwangeren Uterus zu setzen, änderte nichts an diesem Sach- verhalt; dagegen machte ein kräftiger Nixus den Puls von 12 auf 10—11 sinken. Es war also die Möglichkeit der Verlangsamung des Pulses durch Behinderung der Exspiration nach der Entbindung auch noch zugegen, und dennoch erfolgte statt der Verlangsamung Beschleunigung des Pulses in den Schmerzanfällen. Ad b) ist zu bemerken, dass es öfter gelang die Anna S. dahin zu bringen, dass sie während der Schmerzparoxysmen ganz gewöhn- lich ohne Stöhnen bei geöffneten Nasenlöchern und Mund respi- rirte, und dennoch die Verlangsamung des Pulses dieselbe blieb; dasselbe gilt auch von Leopold H., welcher nie stöhnte, und dessen Respiration während der Paroxysmen nie behindert, oft auch ganz frei von der Empfindung einer Beklemmung von Statten ging. Es war somit in den vorliegenden Fällen die Verlangsamung des Pulses nicht durch Compression des Brustkorbes bei erschwerter Exspiration bewirkt worden. Zur theilweisen Erklärung der Art und Weise des Zustande- kommens jener Verlangsamung dürfte eine Reihe von Versuchen dienen, welche ich vor einigen Jahren an Thieren vorgenommen habe. (S. Beobachtungen über den Einfluss des centralen Nervensystems und des Nervus vagus auf die Herzbewegung in der Zeitschrift der k. k. Gesellschaft der Ärzte, Jahrgang 1851, Juniheft.) Ich habe bei neuralgischen Anfällen und über den Rhythmus solcher Anfälle. 323 nämlich beobachtet, dass an Kaninchen durch verschiedene schmerz - hafte Eingriffe, so wie auch durch Verschluss der Luftwege der Herzschlag sehr auffallend verlangsamt wird, und habe nachge- wiesen, dass diese Verlangsamung auch hier eben so wie der Still- stand des Herzens in dem bekannten Experimente der Gebrüder Weber und Budge’s durch die im Vagusstamm verlaufenden Fasern vermittelt wird, denn sobald ich den Halstheil beider N. vagi getrennt hatte, trat keine Verlangsamung mehr ein, und wenn sich bei ungetrennten Nerv. vagıs in Folge der genannten Einwir- kungen eine Verlangsamung des Herzschlages eingestellt hatte, ver- schwand diese, ungeachtet jene Einwirkungen fortgesetzt wurden, alsogleich, so wie die vorläufig mit Fäden umschlungenen Halstheile der. N. vagi abgerissen wurden. Ich habe ferner gezeigt, dass die im Halstheile des N. vagus verlaufenden Accessorius-Fasern an der Verlangsamung des Herzschlages keinen Antheil haben, indem die Resultate der angegebenen Versuche ganz dieselben blieben, wenn auch vorläufig die Anfangsstücke beider N. accessori mit ihren sämmtlichen Wurzeln ausgerissen worden waren (l. ce. und Protokoll der Sectionssitzung für Physiologie und Pathologie vom 30. Mai 1851 im October- und Novemberheft desselben Jahrganges). Ein Umstand scheint noch Beachtung zu verdienen. Beide Kranke wurden während der Schmerzparoxysmen nicht stäts, aber öfter von: einer unangenehmen Empfindung auf der Brust, von Beklemmung oder der Empfindung des Luftmangels befallen. Obgleich nun, wenn auch diese Empfindungen gar nicht eintraten oder durch häufiges tiefes Athmen wieder vertrieben wurden, die gewohnte Verlang- samung des Pulses sich dennoch einstellte, so dürften diese Empfin- dungen vielleicht aus einer gewissen Mitleidenschaft der Centra der Respirationsthätigkeit zu erklären und dadurch die Betheiligung des Nervus vagus näher gelegt sein. Die Beobachtung dieser beiden Kranken führte noch zu einem weiteren auffallenden Ergebniss. Es zeigte sich nämlich innerhalb eines geringen Spielraumes und mit seltenen grösseren Abweichungen die Dauer der Schmerzanfälle sowohl als jene der Intervalle als eine so constante, dass man sagen kann, die Paro xysmen ver- liefen mit einem gewissen Rhythmus, und dies galt von ganzen Reihen von Anfällen, welche zwischen grösseren Pausen lagen. Die Dauer der Schmerzen und der Intervalle wurde den 324 Türck. Beobachtungen über Verminderung der Pulsfrequenz behufs der Bestimmung der Verlangsamung des Pulses entworfenen Tabellen entnommen. Da diese Tabellen, wie oben bemerkt, Anfang und Ende der Paroxysmen nicht genau angeben, so musste dieselbe Ungenauigkeit auf die von ihnen abgeleiteten Zeitbestimmungen über- tragen werden , jedoch musste die Fehlergrösse stäts nur eine so geringe sein, dass sie nicht wesentlich stören konnte. Da auf den zu dem ersten Falle der Anna S. gehörigen Tabellen jede Zahl anzeigt, wie viel Pulsschläge innerhalb 10 Secunden und auf den zu dem zweiten Falle des Leopold H. gehörigen, wie viel Pulsschläge innerhalb 5 Secunden erfolgten, so brauchte man nur die Anzahl der innerhalb oder ausserhalb der Klammern befindlichen Zah- len mit 10 oder 5 zu multiplieiren um die Zeitdauer der Paroxysmen und ihrer Intervalle in Seeunden ausgedrückt zu erhalten. Auf diese Weise wurden nicht nur aus den hier abgedruckten, sondern aus sämmtlichen vorhandenen Tabellen neue entworfen, welche hier fol- gen (VIL.—XVIl. Tabelle). Die VI. —X. Tabelle sind Beobachtungen bei der Anna S., während der früheren Periode, wo die Paroxysmen mit Verlangsamung des Pulses verbunden waren, entnommen; und zwar ist die VIII. Tabelle aus der l., die X. Tabelle aus der Il. abgeleitet. Die XI. Tabelle ist einer Beobachtung aus der letzteren Periode desselben Falles ent- nommen, wo die Schmerzanfälle eine Steigerung der Pulsfrequenz bewirkten. Sie ist von der Ill. Tabelle abgeleitet. Hier zeigen sich unter allen Beobachtungen die grössten und ungleichsten schmerz- freien Intervalle. Wenn sich nun aus den vorliegenden zu verschie- denen Tageszeiten und bei verschiedener mittlerer Pulsfrequenz angestellten Beobachtungen bei Anna S. eine auffallende Regelmässig- keit in dem Zeitmasse der Schmerzparoxysmen und ihrer Intervalle ergibt, so findet sich diese nicht minder im zweiten Falle des Leo- pold H. vor. (S. XIL.—XVI. Tabelle, wovon die XII. aus der IV., die XII. aus der V., die XVI. aus der VI. abgeleitet sind.) Bei ihm war die Dauer der Schmerzanfälle sowohl als der Intervalle eine viel geringere als in dem ersten Falle. Jedes der beiden kranken Individuen hatte sein bestimmtes constant bleiben-. des Zeitmass. bei neuralgischen Anfällen und über den Rhythmus solcher Anfälle. 325 l. Tabelle. AnnaS., 28/0. 1853, um 8%/, Uhr Morgens. (Die Zahlen geben die Anzahl der in je 10 Secunden erfolgten Pulsschläge. Die Klammern deuten auf allen Tabellen die Schmerzanfälle an.) 133742742: 712,7 12.2110 [12| 15 1322412 4a la) 22 13 EI | 1012 37% 5.2.13 2 a1 %» 3» 1 2 233 a». 12) 98 4 AR 8 13 13 2 40) 42 2 413 12.142 42 12 2 2 3 13 120 1on MH 13 2? 2 16 12 12 15 13,12 13 2 1 13 2? u 12 2 1 11 12 13 11 10 48 11 2? 2% 10 2 12 9 2 1% 10 2 2 10 12 13 12 13 12 12 44 12 9 13 10 12 10 13 11 13 10 12 9 12 9 12 10 12 11 12 2 13 13 12 15 12 14 12 13 12 11 326 Türck. Beobachtungen über Verminderung der Pulsfrequenz Il. Tabelle. Anna S., 30,10. 1853, um 4'/, Uhr Abends. 17 2. 132] 216, (18 16 aa 1er a ra 16015 36: du. Aa edel 1a 37 15 da, 10) 4 107° 118 16 17:15 16 J13| 16 16 wm \17| 18 17 113 16, 5 are alas as ar db 10 ion ee 16: el at. Ar’ dell) ds. al 7 a5 vw |si(flı % Ai ” h 16, a8 |. ter a il Al | N16 |) ler uns a I eee 15 198|,.26; 49 a aa an ar) else 15 .13| 17 47 46 1216 17 2° 16 ala 16.113. 30.07] 17 Nas 17,27, 16, 01510016 Ill. Tabelle. Anna S., 31.42. 1853. 11 113] a 41 41 1442| 42.41, 43 [16 92 44 412 a2 412 1 116) 512 ld 2? 2m] 2 2 soo »2%3 2% Aa aaa a ae em ae 2? 315|2 2931211 2% 41 2|8Bl®2ııı2ı1ı%07R%2 2% 2? ®2|83|2 29832141 1M1 144 1»2» 1 mvmu 2 1412. 4 1ı1®»2 3e ea 11» 1a 4a 4a 2? 2 3831| P ı 31 mm 4 2? 12|8|22» 112% 11 1 || 1 2 »2 10 1 1 %2 11, dA dA. A540. 2 141l|1 2% 11) |, dd da me Ad nei amliam am. al a anal ee a A Teil ok nal | es. a a a N a »s|2 u as 2 „ı 24 RR nn 11 [14 s»)| 4 1a 12 a 11 4 13 |12| 12 35 15| 12 11: 10 FR a2 43 a3 a. 31 46 s|®»2 2 »|s|ı 3 3|38| 1 14 1.4 33 1 41 1415| d2 42 12 da. wi bei neuralgischen Anfällen und über den Rhythmus solcher Anfälle. 327 IV. Tabelle. Leopold H., 10/4, 1854. ale emo eo wo wuwoano—o er) (er) KeEeDECH en Io a HJ 9 ha ala on e). en en en ed en Jana AH SaoaoaQloao aaanaule STIanananı.ıan SA ıimn Noaoo lo Saddam ot "5 au ee ss Während der Schmerzanfälle waren keine Brust- oder Athmungs- beschwerden zugegen. Diese Beobachtung wurde bei sitzender Stellung des Kranken gemacht. Auf dieser und der nächstfolgenden Tabelle geben die Ziffern die Anzahl der in je 5 Seeunden erfolgten Pulsschläge an. V, Tabelle. Leopold H. 10,4. 1854. SsSuwuwrnrau oa au uuno oruaunuoaummelumue eek eucelaoueo u eo vou«woaouw ax oaoaouwuoauw www aa © ware owo uno uuonuw Suoowawuwruemun ee uueeeleouruuooe eo uwoaoanw oo x un ekruauauuou How ouwawoauuwmanau wu waere unereueloo u rau our anauo wuuwoaueumumuuulo an Während der Schmerzen war keine Brust- oder Athembeschwerde zu- gegen. Beobachtung in liegender Stellung. 328 Türck. Beobachtungen über Verminderung der Pulsfrequenz VI. Tabelle. Leopold H. 13/. 1854. P. R. P. R. P. R. P. R Yo R. p2 R. ER NEE ee. © En in hagr m] na aez nes a Br 5 N a 9 a wa | samen ve ann a u a 4 5. 8 5 a ala Bd oe ER | 5unuibiBR hohe Modi wen A 5 Seal. al 2a Bi N ee a | 0 ala], ® 2, 50 Bun en an MINOR mamme nm ug ldlnapn "are Kan 4 5 5 5 6 5 ‘ 4 7 6 8 6 4 A 5 5 ee: Bo a oe 0 4 6 5 3 1A 9 4 20 A 8 5 a a: 5 ara oe a Ds, 5 Sue N RE; anne en... : 5 5 5 5 7 5 5 5 A 9 Sy lls 5 Bon 80, A Su yeah a a a „04 8. u el u. 6 2 nl } 50 a IE Hann || a 5 h 5 | 26 5 la 0 ee Akad A male Ba 0 Tan Ts er 5 5 AL + 5 7 4 5 5 5 8 ae | 1 IE al ‚8.0 Be | A 5 h ; Be jaja /6 ja am] .us 2 ul 2 5 5 2 Bee Sarg 6 u 35: 116 | Ss u 519 5. Kelle: BE Be ala Blu 2 7 Die Ziffern der ersten Colonne bezeiehnen die Anzahl der Pulsschläge in je5 Seeunden, die der zweiten die Anzahl der Seceunden, die zwischen dem Beginn zweier auf einander folgender Inspirationen verflossen. Das Zeichen + zeigt hier und auf späteren Tabellen ganz kurze Störungen der Beobachtung an. Anna S., ?7./ı0. 1853, 8 Uhr Abends, mittlere Pulsfrequenz von 13 — 14 Schmerzanf. Minut. Secund. 1' u 1’ 4’ 4’ 1' 47 1’ 1’ 1' 4' 7’ Anna S$., 28./i0. 1853, 8%/, Morgens, mittlere Pulsfrequenz 12—13. - bei neuralgischen Anfällen und über den Rhythmus solcher Anfälle. 329 VII. Tabelle. Schlägen in 10 Secunden. 30’ 10” 10” 20" 30 30" 30” 30’ 30” 20 20” 30’ 30” 30” 40’ 40’ 40" 30’ Schm. 1’ 1’ 1’ 1’ 7’ 30” 50’ 50" 40’ 40’ 40” 50’ 50” AO’ 30’ 50’ 40” » [21 40’ Beine leid en, an cell te ee tel, Keiner 8 elle ee [etiete,, all vord ıe elle aldi ae. erae es Teriie Ve ie ie. de ON BO RE O E er tell ern Aemeror die 2 we seine elnuregie ie Arie erenheizien .e/tefie:n.ke OEFDNTORNORE EEE Wu SI Heon Meran. at lei eh © Bungee, eselei.ne, ie | '@ er lneiiinieiniie, \ lewn.e 6 elaliei ner ihe ı ve: einen) ie er ne lei ie tie. ie, 0 oe eurehlienı.ner; e\. ei el ie Bieter, tert el tet k ie VII. Tabelle. ses leı"e „oe 0,8 ie wer ey 0: ‚el see, \ le Bee e \eruye, ne, .eriie eEeleriten Due: Faire, eis eine: | Fe). en liei ei yo Buken mie Tuer (ie: We, lensie wies, ee, ei, ei ne, ame inet een, elite elis tie |,e) (ode. 0, .e Gere. 0%, so |, 8. 88.0 elikie, 8), Lie; „or,r-s Nei.h ie ge fe. ine Vemthekie aber ie Zei. \alinesh 8.) ie Bauen ieh Heilen te). elle EV MN EB Meat a lai } Intervalle. Minut. Secund. 10’ 10" 30’ 40” 10 50’ 50’ 50’ 50" 50’ 30’ 10’ 10’ 40” 40’ 10 30” Interv. 10’ 10” 20 30" 10’ 40" 30’ 30’ 30’ 50” 30” 40’ IX, Tabelle. Anna S., 29/0. 1853, 8°/, Morgens, mittlere Pulsfrequenz über 14. Schm. Interv. 12.107, N 2’ 40" 2 MR | DB DE a NN ee 250% ZONE N 2’ 40” IR ae 9 — 15 108. N 2 50" 1 1OR TR en 3.204 1. 207 2 one: 3’ 20” RL ER 3 10" 1% 20685 ana 2’ 40" 1 2088. ehe 3 10” 14:20%.2) Una: 310% 1.10%. 1. urbia 3’ 20” 1 KA I 1 N a 3 40” VDE SR Ran Als 3’ 30" Ma aa 3.30% 1,10/7...20n. Kae 3’ 30’ 1’ 20” X. Tabelle. Anna $.,_ 30./j0. 1853, 4'/, Abends, mittlere Pulsfrequenz 16 — 17. Schm. Interv. VAOL re: I — E20 Nr 1’ 30” 1 RE RR BAR An Le 3 30” 1 0 Ne BE 34.102 4130 1 ER ae 3’ — 1 — X", Tabelle. Anna S., 31.2. 1853, mit Steigerung der Pulsfreq. während der Schmerzen. Schm. Interv. UPSrAlBer een BEN AG ERENE 3 30" . 10ARE Be ee 4’ 10” ONE ER 3’ 50” BE INNEN ...5 — I URR UNE SR 5’ 20” Ir nu rag Se 1,20% 1 NT ER. 1 2 5’ 50” DIR Be a 4 50" 50” Sitzb. d. mathemn.-naturw. Cl. XVII, Bd. II. Hft. 22 330 XII. Tabelle. Leopold .H., 10./4.1854, mittlere Frequenz über 6 Schläge in 5 Seeunden. Schm. Interv SEI eb Lar anal 1’ 50' DD an, 1’ 20” 11 HN a 1’ 45" XII. Tabelle. LeopoldH., 10./,. 1854. In liegender Stellung. ' Mittlere Pulsfrequenz 5—6 in 5 Secunden. Schm. Interv. 20T Rene. 1’ 20” SDLTANK Een ee 1’ 40” BDRHG. ee. ale 100257, RR 5 1 40 SU SR en. 1’ 35’ Bali ah. 74 BE 1’ 40” AO’ XIV. Tabelle. Leopold H., 11./.1854, ohne Brustbesehwerden in horizontalerLage.Mitt- lere Pulsfreq. von weniger als 5Schläg. in 5 Seeund. Schm. Interv. Bandit. 1025. SON: 1’ 20” ER 1’ 30" DOWN He. Aa’ 4 + Daum. Rue 1’ 50" EA 1’ 40" AU NE Re 1’ 40" a a 1’ 40" 2 Un. Pe Ra ER 1’ 30" MOSER et 1’ 50” XV. Tabelle, LeopoldH., 1?/4.1854, mittlere Pulsfrequenz beinahe 5 Schläge in 5 Secunden. Schm Interv. Bleu... v 25” N DR 1’ 30" BOT. v 25 DO a 1 35" BSR IE... u 38 BORN le. 1’ 40" NER 1 V’ 40" 2 ah. ı 108 .B.N.): 235” Be v 35" Bahn. 1 35" 30. 0 En v a5" I v 30" DRS. 17 357 Ba... v 20” ER 10 DR v 30" + E A a 1’ 30" 201 1’ 35 BB 1’ 20” BB ah. 1’ 40" 20 ee v’ 35 230 IR. nam. 1". 30” Ne 1’ 30" ER A v 15" OR aan) as, 1’ 40" BEA 1’ 30” 23" Türck. Beobachtungen über Verminderung der Pulsfrequenz ete. XVl. Tabelle. LeopoldH., 13./4. 1854, ohne Athmungsbe- Mittlere Pulsrequenz von weni- ger als 5 Schlägen in 5 Secunden. sehwerden. Schm. Interv. AO 12H. 307 a A BU 35” a en -- 354: 4072 alEman 10005 BB) 2 ER 1’ 10” 30 2 Te 1’ 10" au. A 1’ 20” 30. a ae a ll 30,1: 1.15% XVIl. Tabelle. LeopoldH., 15./.1854, mittlerePulsfrequenz von weniger als 5 Schlägen in 5 Seeunden. Schm Interv. an 1. 4’ 30" 30”, 1’ 30" ab N 1 20 air. 0 1’ 20" at u ats N. 0 y’ HB" 235 Hauer. Über neue Verbindungen des Chlorcadmiums mit basischen Chlormetallen. 331 Über neue Verbindungen des Chlorcadmiums mit basischen Chlormetallen. Von Karl Ritter v. Hauer. (Vorgelegt in der Sitzung vom 5. Juli 1855.) I. Ich habe in einer der letzten Sitzungen der hochverehrten Classe eine Abhandlung über eine neue Reihe von Doppelverbindun- gen des Chlorcadmiums mit anderen Chlormetallen vorgelegt. Es wurden in derselben nur die allgemeinen Eigenschaften dieser krystal- lisirten Verbindungen angedeutet, so wie eine eigene Nomenclatur vorgeschlagen, ähnlich jener, welche Bonsdorff für die Doppel- salze des Quecksilber- und Goldechlorides eingeführt hat, mit welchen sie, so wie mit den Chlorverbindungen des Antimons, Zinns ete. eine entschiedene Analogie erweisen. Ich wählte demnach für diese Ver- bindungen im Allgemeinen den Namen Chlorcadmiate, von der Ansicht ausgehend, dass dieselben Doppelsalze seien, in welchen Chloreadmium die Stelle des elektro-negativen Bestandtheiles einnimmt. Die Benennung der drei Gruppen, in welche die Salze vermöge ihrer chemischen Zusammensetzung zerfallen, welche in meinem früheren Aufsatze angeführt wurde, so wie jene der einzelnen Salze selbst, welche im Folgenden adoptirt erscheint, ergibt sich als eine nothwendige Consequenz der obigen Betrachtungsweise und bedarf somit keiner weiteren Motivirung. Im Sinne dieser Voraussetzun- gen wurden auch die chemischen Formeln der einzelnen Salze eonstruirt. Aus dem Gesagten geht hervor, dass die Constitution der nun im Folgenden näher zu beschreibenden Doppelverbindungen des Chloreadmiums, der Salztheorie gemäss aufgefasst wurde. Allein es liessen sich wohl auch noch andere Ansichten über die Constitution dieser Verbindungen und der mit ihnen analogen anderen Metalle aufstellen. Insbesondere fand ich Veranlassung, auf eine Betrachtungsweise zu refleetiren, welche A. Scehrötter für die theoretische Zusammensetzung der Doppeleyanüre einzuführen Ba 332 K.uv.Blamern: bemüht war 1), welche mit gleicher Berechtigung auf sämmtliche Doppelchloride ausgedehnt werden könnte, und welche in der That eine leichtfassliche Übersicht der grossen Reihe der Doppeleyanüre gestattet. Es sollen am Schlusse dieses Aufsatzes die Formeln der Chlor- eadmium-Verbindungen, wie sie aus der eben angeführten Betrach- tungsweise, so wie aus der Eingangs erwähnten Ansicht hervorgehen, zusammengestellt werden. Darstellung der Salze. In einem früheren Aufsatze über einige Cadmium-Verbindungen ?) wurde als Ausgangspunkt für ihre Darstellung kohlensaures Cadmium- oxyd angegeben. Im Verlaufe der vorliegenden Arbeit ergab sich jedoch als noch zweckmässiger das durch Glühen des kohlensauren Oxydes erhaltene reine Cadmiumoxyd, welches, besonders wenn es in fein gepulvertem Zustande ist, von Säuren leicht aufgenommen wird. Das zweite Metall, mit welchem die Doppelverbindung darzustellen war, wurde als kohlensaures Oxyd angewendet. War es ein Metall, wel- ches als kohlensaures Oxyd keine constante Zusammensetzung hat, so wurde durch Analyse der Gehalt an Oxyd bestimmt und sonach die abzuwägende Menge berechnet. Die Einwirkung der concentrirten Chlorwasserstoffsäure auf Cadmiumoxyd ist eine sehr heftige; es findet starke Erhitzung und ein lebhaftes Aufwallen Statt. Das braune Oxyd wird binnen wenigen Augenblicken in einen weissen Brei verwandelt, der von Wasser alsbald aufgelöst wird. Dieser Lösung einer abgewogenen Menge von Cadmiumoxyd wurde nur die entsprechende Menge des zweiten kohlensauren Oxydes hinzugefügt, zum Sieden erhitzt und so lange Chlorwasser- stoffsäure in kleinen Antheilen zugesetzt, bis alles gelöst war. Auf diese Art hat man es sehr in der Hand, jeden unnöthigen Überschuss von Säure, der bei einigen dieser Salze die Krystallisation erschwert, zu vermeiden. Die Lösung der beiden Chloride wurde, wenn nöthig, 1) Sitzungsberichte der kais. Akademie der Wissenschaften. Jahrgang 1849. Maiheft. 2) Sitzungsberichte der kais. Akademie der Wissenschaften. Bd. XV, S. 23. Über neue Verbindungen des Chloreadmiums mit basischen Chlormetallen. 333 abfiltrirt, eingedampft und dann der weiteren freiwilligen Verdunstung überlassen. Das bei sehr hoher Temperatur-erzeugte Cadmiumoxyd ist von dunkler Farbe und viel compaeter. Namentlich ist dies der Fall, wenn bei der ursprünglichen Darstellung des kohlensauren Oxydes, durch Auflösen des Metalles in Salpetersäure und Fällen mit kohlen- saurem Ammoniak, durch Auswaschen nicht die ganze Menge des gebildeten salpetersauren Ammoniaks entfernt worden war. Es bildet in diesem Falle sehr harte Stücke von fast schwarzer Farbe, welche etwas schwerer in Säuren löslich sind. Werden diese aber fein gepulvert, so lösen sie sich eben so leicht als das mehr lockere licht- braune Oxyd. Die bis nun näher untersuchten Salze sind folgende: I. Chlorbaryumbicadmiat. Vermengt man die Lösungen von zwei Äquivalenten Chlorbaryum und einem Äquivalente Chlorcadmium und dampft zur Krystallisation ein, so schiesst zuerst Chlorbaryum an; beim weiteren Verdunsten gibt die Lösung das schon früher beschriebene Monocadmiat: Ba CI-Cd CI-4H0. Es scheint demnach keine basische Verbindung mit Chlorbaryum zu existiren. Dasselbe Salz wird erhalten, wie bereits angegeben wurde, bei Vermengung der beiden Lösungen in gleichem Äquivalent- verhältnisse der Clormetalle. Bei der Mischung endlich von einem Äquivalente Chlorbaryum mit zwei Äquivalenten Chlorcadmium schiesst ebenfalls zuerst eine Quantität des Monocadmiates an, die Mutter- lauge gibt aber nach Entfernung dieser beim weiteren Verdunsten ein Salz, dessen Zusammensetzung der Formel: Ba CI-+2Cd Cl-+ 5H0, mithin der eines Bicadmiates entspricht. Dasselbe erfordert also zu seiner Bildung einen Überschuss von Chloreadmium. Es wird in der That nur unmittelbar rein erhalten, wenn man eine Lösung der Krystallisation überlässt, welche wenig- stens drei Äquivalente von diesem auf ein Äquivalent Chlorbaryum enthält. Das Salz bildet theils trübe, theils wasserhelle Oktaeder und Tetraeder. Die Krystalle sind hart und luftbeständig und lassen sich, wiewohl nur sehr langsam, zu beträchtlicher Grösse aufziehen. Manch- mal zeigen dieselben eine geringe Consistenz und zerbröckeln leicht 334 K. v. Hauer. in kleine harte Fragmente, Obwohl das Salz sich aus zwei sehr leicht löslichen Verbindungen bildet, ist es selbst ziemlich schwer löslich. Die Analyse desselben im lufttroekenen Zustande gab folgende Resultate. Um Wiederholungen zu vermeiden gilt die hier angegebene Methode der einzelnen Bestimmungen auch für die folgenden Salze. Chlor wurde durch salpetersaures Silberoxyd gefällt. Cadmium wurde durch Schwefelwasserstoff aus der angesäuerten Lösung von dem zweiten Metalle geschieden, nach der Filtration aber in Chlorwasser- stoffsäure gelöst und mit Kalihydrat präcipitirt. Da Schwefeleadmium in verdünnter Chlorwasserstoffsäure nicht löslich ist, so muss dieselbe in concentrirtem Zustande angewendet werden. Zu diesem Behufe kann das gefällteSchwefeleadmium zugleich mit dem Filter in noch feuchtem Zustande der Einwirkung der Säure ausgesetzt werden;. biebei ist es aber nöthig, hinlänglich lange bei geringer Wärme digeriren zu lassen, bis jede Spur des sich bildenden Schwefelwasserstoffes ver- jagt ist, widrigenfalls bei früherem Verdünnen mit Wasser wieder ein Theil des Cadmiums als Schwefelmetall gefällt wird, was ein Ab- dampfen der Lösung bis fast zur Trockne und eine neuerliche Behand- lung mit eoncentrirter Säure erfordern würde. Zur Trennung von dem macerirten Filter wird nunmehr filtrirt und das Filtrat mit Kali- hydrat versetzt. Die Bestimmung des Baryums geschah als schwefel- saurer Baryt. 1) 1'715 Gramm gaben 2'217 Gramm Chlorsilber = 31:88 Pro- cent Chlor. 1'475 Gramm gaben 0:524 Gramm schwefelsauren Baryt — 20:88 Procent Baryum. 1-983 Gramm verloren beim Erhitzen 0'266 Gramm an Gewicht = 13°41 Procent Wasser. 2) 1'709 Gramm gaben 0:604 Gramm schwefelsauren Baryt — 20:78 Procent Baryum und 0'666 Gramm Cadmium- oxyd = 34:09 Procent Cadmium. 3) Die tetraederförmigen Krystalle haben dieselbe Zusammen- setzung, denn 0°663 Gramm gaben 0'233 Gramm schwefel- sauren Baryt = 20:66 Procent Baryum und 0'260 Gramm Cadmiumoxyd = 3431 Procent Cadmium. Über neue Verbindungen des Chloreadmiums mit basischen Chlormetallen. 335 Theorie: Versuch: en RE en HE a —— mm Ne —__ = 1 2 3 1 Atom Ba 68:5 20:65 20:83 20:78 2066 a cal 133-716 7. 33.833 81:09 ) 3u- 31 Sol, Cl .106°2 32-01 31:88 .32°27 32:36 5225,77 HOWAAS 1356 13:41 12:86 12:67 Ba CI+2 CdCI+5HO 3317 99-98 100:00 100°00 100.00 Dampft man die Lösung nach dem oben angegebenen Äquiva- lenten-Verhältnisse bis zur beginnenden Krystallbildung rasch ein und lässt sie erkalten, so bilden sich zumeist sternförmige, glänzende Krystall-Aggregate. Es lässt sich das Salz nicht vollständig umkry- stallisiren. Dampft man nämlich die Lösung desselben bis zur begin- nenden Krystallbildung ein, so schiesst nur ein Theil unzersetzt an, während gleichzeitig auch Krystalle des Salzes BaCl + Cd Cl 4HO entstehen. Will man daher das Salz umkrystallisiren, so muss man der Lösung desselben noch etwas Chlorcadmium hinzufügen, weil, wie schon früher angegeben wurde, es sich nur bei einem Über- schusse von letzterem bildet. Wirft man die Krystalle in heisses Wasser, so werden sie undurchsichtig und sehen wie verwittert aus, eine Eigenschaft, welche alle folgende Salze unter gleichen Umständen zeigen. Die Lösung derselben erfolgt langsam. Beim Trocknen, bei 100° €. verlieren die Krystalle 6:59 Proc. Wasser oder nahe 2 Atome. Es erfordert viele Stunden, bis der -Gewichtsverlust bei dieser Trocknung constant bleibt. Zwischen 145 — 150° C. entweichen weitere 5°54 Proc. Wasser, also auch beinahe zwei Atome. Das letzte Atom Wasser wird erst nahe bei 160° C. ausgetrieben. Bei noch stärkerem Erhitzen schmilzt das Salz gleich dem Monocadmiate zu einer klaren farblosen Flüssigkeit, die beim Erkalten nicht krystallinisch erstarrt. Wird das noch nicht entwässerte Salz unmittelbar einer höheren Temperatur ausgesetzt, so geschieht das Entweichen des Wassers unter starkem Deecrepitiren der Krystalle, welche nicht in ihrem Krystallwasser schmelzen. Die bis zum Schmelzen erhitzten Kry- stalle entwickeln Dämpfe von Chlorcadmium. Die geschmolzene Masse ist in Wasser nicht mehr vollständig löslich, sondern hinter- lässt einen kleinen Rückstand, der aber nach Zusatz einiger Tropfen einer Säure wieder verschwindet. Das Salz verliert davon bei einer Temperatur, bei welcher es ins Schmelzen geräth, auch einen Theil 336 K. v. Hauer. seines Chlorgehaltes. Der Gewichtsverlust des so erhitzten Salzes betrug 13:70 Proc., daher um ein Geringes mehr als die darin ent- haltene Wassermenge. Wird das Salz langsam bis zum Verluste seines Wassers erhitzt, so entweicht dieses, ohne die Gestalt der Krystalle zu zerstören. 1I. Chlorstrontiumbicadmiat. Überlässt man ein Gemenge der Lösungen dieser beiden Chlor- Verbindungen in gleichem Äquivalenten-Verhältnisse der Krystallisa- tion, so schiesst ein Salz an, welches wasserhelle, mitunter gestreifte, lebhaft glänzende, sehr lange Säulen bildet, die an ihren Enden zuge- spitzt sind. Bei einem hinreichenden Volum der Flüssigkeit erreichen die Krystalle eine ansehnliche Grösse binnen kurzer Zeit. Die Zusam- mensetzung des Salzes entspricht jedoch nicht dem angegebenen Mischungsverhältnisse, sondern der eines Bicadmiates mit 7 Atomen Wasser nach der Formel: Sr CI+2Cd CI-+7HO. In gleicher Weise wird das Salz auch erhalten, wenn man ein dieser Formel entsprechendes Mischungsverhältniss zur Darstellung anwendet. Das Salz ist in trockener Luft vollkommen beständig, in feuchter aber etwas zerfliesslich. Die nachstehenden analytischen Resultate, erhalten mit aus diesen verschiedenen Darstellungsweisen hervorgegangenen Kıy- stallen, beziehen sich auf den lufttrockenen Zustand derselben. 1) 2:069 Gramm gaben 2:681 Gramm Chlorsilber = 32:08 Proe. Chlor. 2.117 Gramm gaben 0:603 Gramm schwefelsauren Strontian — 13:59 Proc. Strontium. 0:734 Gramm verloren beim Erhitzen 0-145 Gramm an Gewicht = 19:75 Proc. Wasser. 2) 1'428 Gramm gaben 1'872 Gramm Chlorsilber = 32:34 Proc. Chlor. 1-716 Gramm gaben 0:494 Gramm schwefelsauren Stron- tian = 1374 Proc. Strontium. 2:117 Gramm gaben 0'823 Gramm Cadmiumoxyd = 34 01 Proc. Cadmium. Über neue Verbindungen des Chloreadmiums mit basischen Chlormetallen. 337 3) 1103 Gramm gaben 1'436 Gramm Chlorsilber = 32:12 Proc. Chlor. 0911 Gramm verloren durch Erhitzen 0 -178 Gramm=19:53 Proc. Wasser. Theorie: Versuch: _ m No > m N 1 3 1 Atom Sr 43:8 13°47 13:59 Be 18-35 2 2 Cd 112 3446 34:63 34.01 3207, 3007106-2, 232.267 32.03 82:34 82-12 a ln: 19:38 1977902192910 2219253 Sr CI+2 Cd CI+7 HO 325°0 99-98 100:00 100°00 10000 Über Schwefelsäure, wie über Chlorealeium lässt sich das Salz nicht trocknen, da es hierbei verwittert. Aus seiner wässerigen Lösung krystallisirt es wieder unverändert. Beim Trocknen bei 100° C. verliert es 5:05 Procent Wasser oder zwei Äquivalente, zwischen 125—130° C. 2:68 Procent, also ein drittes Atom, bei fortgesetz- tem Erhitzen bis 170° C. weitere 6°43 Procent Wasser oder etwas mehr als zwei Atome; die letzten beiden Atome Wasser werden aber erst bei einer Temperatur von mehr als 180°C. ausgetrieben. Bei noch stärkerem Erhitzen schmilzt es, wie das vorhergehende Salz, zu einer klaren farblosen Flüssigkeit, die nach dem Erkalten eine perlmutter- glänzende Masse bildet. Es verliert hierbei ebenfalls einen Theil seines Chlors, da die geschmolzene Masse beim Auflösen in Wasser einen Rückstand hinterlässt, der auf einen Zusatz von Säure wieder verschwindet. Das bis zum Schmelzen erhitzte Salz gab im Mittel zweier Versuche einen Gewichtsverlust von 30:20 Procent, also um einige Zehntei-Procent mehr als sein Gehalt an Wasser beträgt. Während dem Schmelzen entwickelt es Dämpfe von Chlorcadmium, wird dieses daher länger fortgesetzt, so ist der Gewichtsverlust ent- sprechend höher. Erhitzt man das Salz nur bis zum Verluste seines Wassers, so behält es seine Krystallgestalt bei und zeigt starken Glanz auf seinen Flächen. Die so getrockneten Krystalle sind ohne Rückstand in Wasser löslich. III. Chlorcaleiumbieadmiat, Dieses Salz scheint zu seiner Bildung einen Überschuss von Chlorealeium zu erfordern. Es wird daher am besten erhalten, wenn man ungefähr die Lösung von 1'/, Äquivalenten mit der Lösung von 2 Äquivalenten Chlorcadmium vermengt und zur Krystallisation ein- 338 R.v. Hauer. dampft. Es bildet sternförmig gruppirte, glänzende, an den Enden zugeschärfte Säulen, welche mit dem früher angeführten Strontium- salze isomorph sein dürften. Das Salz ist ziemlich zerfliesslich und sehr leieht löslich. Aus diesen beiden Gründen gelingt es nur selten, durch freiwilliges Verdunsten der Lösung dasselbe zu erhalten. Con- centrirt man hingegen die Lösung in der Wärme und lässt sie dann erkalten, so gesteht die ganze Masse zumeist zu einem Krystallbrei, der aus lauter feinen Nadeln besteht, die nur schwierig von der anhaftenden Mutterlauge zu befreien sind. Es muss dann wiederholt zwischen Fliesspapier gepresst und dann über Chlorcaleium vollends getrocknet werden. Überlässt man aber eine ziemlich eingeengte Lösung der freiwilligen Verdunstung unter einer Glasglocke über Chlorealeium oder unter der Luftpumpe, so erhält man dasselbe in schönen, wohlausgebildeten Krystallen.. Wegen der Verschiedenheit des Aussehens schien es, als ob die nach diesen beiden Arten erhal- tenen Krystalle eine andere Zusammensetzung haben müssten, allein die Analyse ergab dieselben Resultate. Es zeigte sich nämlich für beide die Zusammensetzung analog der des Strontiumsalzes nach der Formel: Ca CI + 2Cd CI+7H0. Bei zu langem Verweilen über Chlorealeium scheinen die Kry- stalle etwas chemisch gebundenes Wasser zu verlieren, da sie an ihren Flächen matt werden. Zum Behufe der Analyse wurden daher die feinen Krystallnadeln zwischen Fliesspapier gepresst und dann über Ätzkalk getrocknet, die grösseren säulenförmigen Krystalle aber unmittelbar nach letzterer Art getrocknet. Sie behalten hierbei ihren Flächenglanz vollkommen. Die Trennung von Kalk und Cadmium geschah hier durch Schwefelammonium, die Bestimmung der Kalkerde durch oxalsaures Ammoniak. Analyse der säulenförmigen Krystalle: 1) 0:876 Gramm gaben 1'271 Gramm Chlorsilber = 35:79 Proc. Chlor. 0:902 Gramm gaben 0377 Gramm Cadmiumoxyd = 36:58 Proc. Cadmium und 0:154 Gramm kohlensauren Kalk — 6:83 Proc. Caleium. ; Über neue Verbindungen des Chlorcadmiums mit basischen Chlormetallen. 339 ‚Analyse der nadelförmigen Krystalle: | ' 2) 0:895 Gramm gaben 1'278 Gramm Chlorsilber = 35:22 Proc. Chlor. 1:066 Gramm gaben 0-186 Gramm .kohlensauren Kalk = 6:9% Proc. Caleium. 0:908 Gramm verloren beim Erhitzen 0:194 Gramm an Gewicht = 21:36 Proe. Wasser. Theorie: Versuch: N — m N 1% 2R 1 Atom Ca 20 6:64 6-83 6:97 2 22... Oder 412 37-18 36:58 36-45 3.5... € „106-2 35:26 35:79 3522 EN HO 63 20-91 20:80 21:36 Ca C1 +2 0dC1+7 HO 301:2 99:99 100:00 100.00 Bei 100° C. erhitzt, verliert das Salz nur eine unbedeutende Menge Wasser; um es vollends zu entwässern, bedarf es einer Tem- peratur, welche nahe der Glühhitze ist. Das entwässerte Salz löst sich gleich dem Chlorcaleium unter Wärmeentwickelung in Wasser, das Wasserhaltende hingegen unter Abkühlung. Während in dieser Beziehung sonach die charakteristischen Eigenschaften des Chlor- caleiums gewissermassen die dominirenden sind, ist das Salz be- züglich seines Verhaltens in der Wärme von diesem wesentlich differirend. Der krystallisirte salzsaure Kalk schmilzt nämlich noch unter 100° €. und verliert bei stärkerem Erhitzen sein Wasser unter starkem Aufschäumen. Beides findet bei dem Doppelsalze mit Chlorcadmium nicht Statt, dasselbe schmilzt nicht in seinem Kry- stallwasser und verliert sein Wasser vollends unter vollkommener Beibehaltung seiner Krystallgestalt. Die nach Entwässerung bis zum Glühen erhitzten Krystalle schmelzen unter Ausstossung von Chlor- cadmiumdämpfen. _Die geschmolzenen Krystalle erstarren zu einer grauen amorphen Masse, die wegen stattgehabter Zersetzung in Wasser nur wenig löslich ist. Das Salz lässt sich nicht gut umkry- stallisiren, sondern bleibt meistens als eine amorphe weisse Masse zurück. IV. Chlorcaleiumhemicadmiat. Eine in der Hitze eoncentrirte Lösung, welche 2 Äquivalente Chlorcadmium auf 1 Äquivalent Chlorcaleium enthält, setzt beim 340 :K. v. Hauer. Erkalten eine Quantität des so eben beschriebenen Bicadmiates in Form feiner Nadeln ab. Entfernt man diese aus der Mutterlauge und erhitzt neuerdings, so schiessen grosse vielflächige Krystalle an, deren Zusammensetzung der Formel: 2Ca ClL+Cd CI+ 12HO entspricht. Das Salz scheint zu seiner Bildung einen bedeutenden Überschuss von Chlorealeium zu erfordern, da selbst bei einem Mischungsverhältnisse von 3 Äquivalenten desselben auf 1 Äquivalent Chloreadmium sich noch immer eine kleine Menge des Bicadmiates zuerst ausscheidet. / Die Krystalle sind wegen ihres hohen Gehaltes an Chlorcaleium sehr zerfliesslich. Unter der Luftpumpe über Schwefelsäure ver- wittert es, doch erst nach längerer Zeit. Behufs der Analyse wurde dasselbe über Chlorcaleium unter einer Glasglocke getrocknet. 1) 0:953 Gramm gaben 1:309 Gramm Chlorsilber = 33:89 Proc. Chlor. 1.573 Gramm gaben 0'526 Gramm kohlensauren Kalk — 13:37 Proc. Caleium. 0-903 Gramm verloren beim Erhitzen 0:315 Gramm an Gewicht —= 34°88 Proc. Wasser. 2) 1'406 Gramm gaben 1920 Gramm Chlorsilber — 33:68 Proc. Chlor. 1.652 Gramm gaben 0'569 Gramm kohlensauren Kalk = 13:29 Proc. Calcium. 1°587 Gramm verloren beim Erhitzen 0°560 Gramm an Gewicht = 35:28 Proc. Wasser. Theorie: Versuch: „— mn N ——_ vo 1 2 2 Atome Ca 40 12-89 13:37 . 13-29 12%,.,,,0082.50 18:05 17:86 17-75 3. 2.20.022106227 3223 33:89 33:68 129°,2221102108 34:81 34:88 35:28 2CaCl+CdCl+12HO 310'2 99-98 100.00 100:00 Beim Trocknen bei 100° C., wobei es in seinem Krystallwasser schmilzt, welches übrigens auch bei einer noch niedrigeren Tempe- ratur schon stattfindet, verliert es 1795 Proc. Wasser = 6 Atome, zwischen 125--130° weitere 12-31 Procente oder 4 Atome, die letzten beiden aber zwischen 150—155°. Das Salz zeigt im Über neue Verbindungen des Chlorcadmiums mit basischen Chlormetallen. 341 Wesentlichen die Eigenschaften des Chlorealeiums, so das Bestreben, Wasseranzuziehen und damit zu zerfliessen, zu schmelzen im Krystall- wasser bei niedriger Temperatur, das Entweichen des Wassers unter starkem Aufschäumen, Erzeugung von Kälte beim Auflösen der gewässerten Krystalle, Entwickelung von Wärme aber beim Auf- lösen der entwässerten Masse. Bei stärkerem Erhitzen schmilzt es zum zweitenmale unter theilweiser Zersetzung, so wie die sämmt- lichen bisher angeführten Verbindungen. V. Chlormagniumbicadmiat. Diese Verbindung wird in gleicher Weise erhalten, sowohl wenn man die beiden Chlormetalle in gleichem Verhältnisse der Äquivalente vermengt, als wenn man zwei Äquivalente Chlorcadmium mit einem Äquivalente Chlormagnium zusammenbringt. Es bildet grosse wasserhelle Säulen, die mit Leichtigkeit zu einer Länge von mehr als 1 Zoll aufgezogen werden können. In trockener Luft sind die Krystalle beständig, in feuchter zerfliesslich. Beim Trock- nen über Schwefelsäure oder Chlorcaleium verlieren sie einen grossen Theil ihres Wassers und werden daher ganz undurchsichtig. Behufs der Analyse wurde das Salz auf Fliesspapier unter der Luft- pumpe getrocknet, wobei es keine Veränderung zeigt. Grössere Krystalle enthalten meistens mechanisch Wasser eingeschlossen, da das Anwachsen derselben sehr rasch erfolgt, und sind daher zur Analyse nicht geeignet. Die Trennung von Cadmium und Magnium geschah durch Schwefelwasserstoff. Magnium wurde als pyrophosphorsaure Mag- nesia gewogen. 1) 1'386 Gramm gaben 1-754 Gramm Chlorsilber = 31:22 Proc. Chlor. 2:156 Gramm gaben 0825 Gramm Cadmiumoxyd = 33:48 Proc. Cadmium. 1'656 Gramm gaben 0286 Gramm pyrophosphorsaure Mag- nesia — 3° 78 Proc. Magnium. 2) 1'258 Gramm gaben 1591 Gramm Chlorsilber = 30:64 Proc. Chlor. 1:897 Gramm gaben 0714 Gramm Cadmiumoxyd = 32:93 Proc. Cadmium und 0307 Gramm pyrophosphorsaure Magnesia = 3°50 Proc. Magnium. 342 K. v. Hauer. Die Zusammensetzung entsprieht demnach der Formel: Mg C1+2Cd Cl-+ 12HO. Theorie: Versuch: la 2. 1 Atom Mg 12 3.54 3:73 3:50 A Cd 112 33-11 33-48 32-93 BB us Cl 1062 31-40 31:22 30:64 127% HO 108 31°93 31:57 32:93 Mg Cl +2 Cd +12 HO 3385:2 99-98 100:00 100:00 Das Salz lässt sich unzersetzt umkrystallisiren. Es lösen sich die Krystalle gleich jenen von salzsaurer Magnesia unter Hervor- bringung von bedeutender Kälte. Die Krystallisation erfolgt erst bei starker Concentration der Flüssigkeit, da das Salz sehr leicht löslich ist. Namentlich ist seine Löslichkeit in der Wärme um ein Bedeu- tendes höher, so dass häufig eine in der Wärme eoncentrirte Auf- lösung, welche noch keine Spur einer Krystallbildung zeigt, beim Erkalten gänzlich zu einer festen Masse gesteht, welche aus lauter feinen Krystallnadeln besteht. Beim Trocknen bei 100° C. verliert es 16:01 Procent Wasser oder 6 Atome. Schon bei etwas stärkerem Erhitzen schmilzt es in seinem Krystallwasser, verliert dann dieses, verhält sich aber hiebei wie gewöhnliche salzsaure Bittererde, indem nebst Wasser gleich- zeitig ein Theil der Salzsäure entweicht, so dass die Menge des Wassers als Gewiehtsverlust durch Erhitzen nicht bestimmt werden kann. Die rückständige Masse ist daher auch wenig in Wasser löslich. VI. Chlormagniumhemicadmiat. Ein Gemenge von zwei Äquivalenten Chlormagnium und einem Äquivalente Chloreadmium in der wässerigen Lösung stark eingedampft setzt beim Erkalten grosse tafelförmige Krystalle ab. Während im Allgemeinen die in diese Gruppe gehörigen Salze zu ihrer Bildung stäts einen Überschuss der basischen Chlormetalle erfordern, ist dies hier nicht der Fall. Das Salz ist sehr leicht löslich und in trockener wie feuchter Luft stark zerfliesslich. In noch höherem Grade aber das entsprechende Caleiumsalz. Die Zusammensetzung desselben ergab sich nach der Formel: i 2MgCl +CdCl + 12H0. Für die Analyse wurde es über Chlorcaleium unter der Luft- pumpe getrocknet, da alle übrigen Trocknungsweisen nicht genügend erschienen. Über neue Verbindungen des Chlorcadmiums mit basischen Chlormetallen. JA 1-674 Gramm gaben 2404 Gramm Chlorsilber = 35°42 Procent Chlor, ferner 0:370 Gramm Cadmiumoxyd = 19-34 Procent Cadmium und 0'640 Gramm pyrophosphorsaure Magnesi — 8:26 Procent Magnium. Theorie: Ve N Versuch: 2 Atome NM %4 845 8:26 1, 20..,0d%, 2,56 19:03 19:34 37775 22C617%1062277230203 35:42 122792971077103 36:71 36:98 2 Mg Cl+Cd Cl +12 HO 2942 99-98 100.00 Die nach der oben angegebenen Art getrockneten Krystalle, einer Temperatur von 100°C. ausgesetzt, verlieren hierbei nur eine geringe Menge Wasser, circa ein Procent. Bei stärkerem Erhitzen verhalten sie sich wie salzsaure Bittererde. Überhaupt geben sich die charak- teristischen Eigenschaften von dieser noch vorwiegender zu erkennen als in dem Chlormagniumbicadmiate. Für die Krystallisation dieses, wie des vorhergehenden Salzes, scheint die Gegenwart freier Chlor- wasserstoffsäure etwas hinderlich zu sein. VII. Chlormanganbicadmiat. Dieses Salz wird gleich dem entsprechenden Magniumsalze erhalten durch Vermengen von einem Äquivalente Chlormangan mit zwei Äquivalenten Chlorcadmium. Da es sehr leicht löslich ist, so kry- stallisirt es etwas schwierig, fast erst bei Syrupdicke der Lösung. Am besten erfolgt die Krystallisation, wenn man die stark einge- dampfte Lösung vollkommener Ruhe und der weiteren freiwilligen Verdunstung überlässt. Es bildet blass rosenrothe, nach mehrmaligem Umkrystallisiren fast weisse Säulen, ähnlich jenen des auf gleiche Art entstandenen Magniumsalzes. Die Krystalle lassen sich zu bedeu- tender Grösse aufziehen. Sie verwittern oberflächlich an sehr trocke- ner Luft, daher auch beim Trocknen über Schwefelsäure und Chlor- ealeium, an feuchter Luft sind sie zerfliesslich. In wohl verschlossenen Gefässen lassen sie sich übrigens ohne eine Veränderung zu zeigen aufbewahren. Die Zusammensetzung ergab sich analog dem Magniumsalze nach der Formel: Mn Cl] +2CdC1+ 12H0. AA K. v. Hauer. Behufs der Analyse wurde es über Ätzkalk getrocknet, wobei es keine Veränderung zeigt. | Die Trennung von Mangan und Cadmium geschah in der früher angesäuerten Lösung durch Schwefelwasserstoff. Die Fällung des Mangans wurde nach Verjagung des Schwefelwasserstoffes durch Erhitzen mittelst kohlensaurem Natron bewerkstelliget. 1) 2:212 Gramm gaben 2669 Gramm Chlorsilber = 29: 76 Pro- cent Chlor, ferner 0808 Gramm Cadmiumoxyd = 81:96 Procent Cadmium und 0234 Gramm Mangan- oxydoxydul—=7-62 Procent Mangan. 2) 1°443 Gramm gaben 1754 Gramm Chlorsilber = 30 00 Pro- cent Chlor. 1:755 Gramm gaben 0 651 Gramm Cadmiumoxyd=32:A5 Pro- cent Cadmium und 0:182 Gramm Nanganda y) Sal En == 14% Procent Mangan. Theorie: Versuch: 1. 2. 1 Atom Mn 276 7-80 762 747 2 od 12 21:65 31:96 32-45 Das Cl 1062 30-01 29:76 30.00 422 „ HO 108 30-53 30:66 30-08 Mn C1+2Cd CI+12HO 353-8 99-99 1100-00 100-00 In heisses Wasser geworfen, zeigen die Krystalle dieselbe Eigen- schaft wie die meisten dieser Salze, undurchsichtig zu werden und wie verwittert auszusehen. Dampft man die Lösung zu erneuerter Krystallisation ab, so erfolgt diese nach dem Erkalten nicht, sondern es setzt sich eine gallertartige Masse ab; fügt man jedoch der Lösung einige Tropfen Chlorwasserstoffsäure hinzu, so schiesst das Salz wieder unverändert an. Indess scheint dies auf die Krystallisation weniger zu influen- eiren als vielmehr der Umstand, dass das Salz leichter krystallisirt, wenn die Lösung der freiwilligen langsamen Verdunstung überlassen wird, als wenn man es durch Erkalten einer in der Wärme concen- trirten Lösung zu erhalten sucht. Beim Trocknen bei 100° C. verlieren die Krystalle 24-79 Pro- cent Wasser oder nahe an 10 Atome, sie verhalten sich also auch hierbei genau wie das entsprechende Magniumsalz. Die letzten bei- den Atome verliert es bei etwas über 160° C. Bei unmittelbarem stärkeren Erhitzen verknistert es schwach, ohne in seinem Krystall- Über neue Verbindungen des Chlorcadmiums mit basischen Chlormetallen. 345 wasser zu schmelzen, schmilzt dann nach Verlust seines Wassers bei beginnender Glühhitze, und wird hierbei unter Luftzutritt braun, von sich bildendem Oxydoxydul, während theilweise Chlormangan und Cadmium sich verflüchtigen. Nach dem Erkalten bildet es eine kry- stallinische glänzende Masse. Vermengt man die Lösungen von zwei Äquivalenten Chlormangan und einem Äquivalente Chloreadmium, so krystallisirt nach dem Con- centriren der Flüssigkeit erstlich salzsaures Manganoxydul, dann beim weiteren Verdunsten das eben beschriebene Bicadmiat. Es scheint somit kein dem Magniumsalze analoges Hemicadmiat des Mangans zu existiren. VII. Chloreisenbicadmiat. Die Lösung der beiden Chlorverbindungen zu gleichen Äqui- valenten setzt säulenförmige grosse Krystalle ab, die höchst wahr- scheinlich mit den beiden Bicadmiaten von Magnium und Mangan isomorph sind, so wie ihre Zusammensetzung nach der Formel: FeCl—+ 2CdCl-+ 12H0 sich als die gleiche ergab. Zur Darstellung des Salzes wurde krystallisirtes salzsaures Eisen- oxydul angewendet. Dieses wurde erhalten nach dem gewöhnlichen Verfahren durch Kochen von überschüssigem metallischem Eisen mit Salzsäure bei möglichster Abhaltung der atmosphärischen Luft und Erkaltenlassen der hinlänglich gesättigten Lösung. Von den rasch getrockneten Krystallen wurde die entsprechende Menge in einer schon früher eingeengten heissen Lösung von Chlorcadmium aufge- löst und dann über Chlorcaleium unter eine Glasglocke gestellt und so der weiteren Verdunstung überlassen. Die grüne Flüssigkeit setzt Krystalle ab, welche beim Heraus- nehmen aus derselben fast farblos sind, dann aber bald grünlich und endlich gelb werden. Über Chlorcaleium und Schwefelsäure ver- wittern sie rasch. Bei gewöhnlicher Temperatur sind sie weder zerfliesslich noch verwitterbar, werden aber nach und nach inten- siv gelb. Zur Analyse wurde das Salz durch wiederholtes Pressen zwischen Fliesspapier möglichst rasch von der anhängenden Mutterlauge befreit und dann vollends über Ätzkalk getrocknet. Sitzb. d. mathem.-naturw. Cl. XVII. Bd. II. H£t. 23 3A6 K. v. Hauer. Die Trennung von Eisen und Cadmium geschah durch Schwefel- wasserstofl, die Fällung des Eisens aus der mit Salpetersäure erhitzten Lösung mit Ammoniak. 1) 1:562 Gramm gaben 1'899 Gramm Chlorsilber = 30 00 Pro- cent Chlor. 1'724 Gramm gaben 0:603 Gramm Cadmiumoxyd = 30:60 Procent Cadmium und 0°210 Gramm Eisenoxyd = 8-52 Procent Eisen. 2) 1:734 Gramm gaben 0°630 Gramm Cadmiumoxyd = 31:79 Procent Cadmium und 0°202 Gramm Eisenoxyd = 8:15 Procent Eisen. Theorie: Versuch: 1. 28 1 Atom Fe 28 7-90 8:52 8.15 an ed 2 33062 30:60 31-79 3.2.1.0, ,10672, 29.98 30:00 30-39 12 „.HO 108 30-49 30-83 30-47 Fe Cl +2 Cd CL +12 HO 3542 99-99 4100-00 100-00- Schon bei mässigem Erhitzen schmilzt das Salz in seinem Krystall- wasser, wird dann trocken und zeigt eine gelbe Farbe, bei wei- terem Erhitzen unter Zutritt der atmosphärischen Luft wird es roth von sich bildendem Eisenoxyd. Mit Ausnahme seiner geringeren Zerfliesslichkeit verhält es sich daher im Wesentlichen wie krystalli- sirtes salzsaures Eisenoxydul. | IX. Chlorkobaltbicadmiat. Dieses Salz scheint zu seiner Bildung die Gegenwart von über- schüssigem Kobaltchlorür zu erfordern. Es bildet sich am leich- testen, wenn man ungefähr 1'/, Äquivalente davon mit 2 Äquiva- lenten Chlorcadmium vermengt und die concentrirte Lösung des Gemisches an einem nicht zu warmen Orte der freiwilligen Ver- dunstung überlässt. Beim Erkalten einer in der Hitze concentrirten Lösung erfolgt selten eine Krystallisation. Das Salz krystallisirt in grossen schönen Säulen von der Farbe des Kobaltchlorürs und der Form der Magnium-, Mangan- und Eisenverbindungen mit 12 Atomen Wasser. Seine Zusammensetzung nach der Formel: Co Cl-+ 2CdC1 + 12HO ist ebenfalls gleich mit der jener Salze. Über neue Verbindungen des Chlorecadmiums mit basischen Chlormetallen. 347 In feuchter Luft ist es etwas zerfliesslich, in trockener beständig. Beim Trocknen über Schwefelsäure und Chlorealeium verwittert es, auch über Ätzkalk, wiewohl erst nach geraumer Zeit und nur oberflächlich. Für die Analyse geschah daher die Trocknung auf Fliesspapier unter der Luftpumpe, da es hierbei vollkommen trocken wird, ohne chemisch gebundenes Wasser zu verlieren. Die Trennung von Kobalt und Cadmium geschah in der stark angesäuerten Lösung durch Schwefelwasserstoff. Kobalt wurde nach Verjagung des letzteren mit Kalihydrat gefällt. 1) 1°429 Gramm gaben 1716 Gramm Chlorsilber = 2961 Pro- cent Chlor. | 1-415 Gramm gaben 0:510 Gramm Cadmiumoxyd = 31:54 Procent Cadmium. 2) 1145 Gramm gaben 1:376 Gramm Chlorsilber =29 64 Pro- cent Chlor. 1-415 Gramm gaben 0136 Gramm Kobaltoxydul= 7:56 Pro- cent Kobalt. 1:023 Gramm verloren durch Erhitzen 0- 310. Gramm = 30: 30 Procent Wasser. Theorie: Versuch: 1 Atom Co 29-5 8-30 8:22 7:56 2., 04 18 3-43 31-54 32-50 352.077 710622 729,85 29-61 29-64 12 „ . HO 108 30:36 30:63 30-30 Co Cl +2 Cd C1+12 HO 355°7 99-99 100:00 100.00 Beim Trocknen bei 100° C. verliert es 25°46 Procent Wasser oder 10 Atome, die letzten zwei Atome aber zwischen 150 — 155° und ist dann von blauer Farbe. Werden die Krystalle directe einer etwas höheren Temperatur ausgesetzt, so schmelzen sie theilweise in ihrem Krystallwasser unter dunkelvioleter Färbung, nach Verlust des Wassers wird die Masse dann fest und bildet eine lockere bläuliche Substanz, ähnlich dem zur Troekne abgedampften salzsauren Kobaltoxydul. Bei einer der Glüh- hitze nahen Temperatur schmilzt es dann noch einmal und sublimirt unter theilweiser Zersetzung, so dass die rückständige Masse wenig in Wasser löslich ist. 23” 348 K. v. Hauer. X. Chlornickelbicadmiat. Auch diese Verbindung erfordert gleich der vorigen einen Über- schuss von Chlornickel und wird am besten nach dem beim Kobaltsalze angegebenen Äquivalenten-Verhältnisse erhalten. Es bildet grosse dunkelgrüne Säulen von gleicher Form mit dem Kobaltsalze. Die Zusammensetzung ergab sich nach der Formel: NiCI + 2CdCl + 12H0. Es ist gleich dem Kobaltsalze leicht löslich, und wird wie dieses am besten erhalten, wenn man die Lösung bei gewöhnlicher Tempe- ratur freiwillig verdunsten lässt. Über Chlorcaleium verwittert es vollends und wird hierbei weiss. Für die Analyse wurden die Krystalle über Ätzkalk getrocknet. Das durch Schwefelwasserstoff vom Cadmium getrennte Nickel wurde mit Kalihydrat gefällt. 1) 1'207 Gramm gaben 1'452 Gramm Chlorsilber = 29:66 Procent Chlor. 1:779 Gramm gaben 0637 Gramm Cadmiumoxyd = 31:33 Procent Cadmium und 0'193 Gramm Nickeloxydul = 8:54 Procent Nickel. 2) 1:400 Gramm gaben 0:500 Gramm Cadmiumoxyd = 31:25 Procent Cadmium und 0155 Gramm Nickeloxydul = 8-71 Procent Nickel. 1:052 Gramm verloren beim Erhitzen 0 312 Gramm = 29: 65 Procent Wasser. Theorie: Versuch: UT En — | een mn on ls 2 1 Atom Ni 29:6 8:32 8:54 71 273.2, Cd, 112 31:47 31:33 31:25 3, 1.0.61 1400:2 029784 29:66 30-16 12’, mo 108° 30885 30-47 29-88 Ni C1+2 Cd C1+12 HO 355°8 99-98 100.00 100:00 Bei 100° C. verliert es 26:63 Procent, also eirca 10 Atome Wasser, die letzten beiden Atome aber zwischen 160 — 165° C., somit erst bei einer höheren Temperatur, als das analoge Kobaltsalz. Werden die Krystalle unmittelbar vor ihrer Entwässerung einer etwas höheren, Temperatur ausgesetzt, so schmelzen sie theilweise in ihrem Krystallwasser und bilden dann getrocknet eine schmutzig gelbe, erdige Masse, so wie das durch Abdampfen erhaltene Chlor- Über neue Verbindungen des Chlorcadmiums mit basischen Chlormetallen. 349 nickel, die sich nach und nach in Wasser wieder mit grüner Farbe löst. Wird die Erhitzung noch weiter getrieben, so findet, indem Chlor entweicht, eine theilweise Zersetzung Statt. Die erhaltenen Krystalle lassen sich nicht leicht umkrystallisiren, da sie zu ihrer Bildung, so wie das Kobaltsalz, die Gegenwart von überschüssigen Nickelchlorür erfordern, eben so ist es gleich diesem nicht gut durch Erkalten einer heiss gesättigten Lösung zu erhalten. Werden aber Krystalle in die gesättigte Lösung, welche kein über- schüssiges Nickelchlorür enthaltet, gegeben, so währen sie fort. XI. Chlorkupfermonocadmiat, Aus einer Lösung, welche die beiden Chlorverbindungen in gleichem Äquivalentenverhältnisse enthält, setzt sich ein Salz ab, welches feine, glänzende, büschelförmig vereinigte Säulen bildet, deren Zusammensetzung der Formel: CuCl + CdCl+ 4H0 entspricht. | Die Krystallisation erfolgt etwas schwierig, beim Abdampfen in der Wärme nicht, da es hierbei stark eflloreseirt. Es wird am besten erhalten aus einer Lösung, welche keine überschüssige Säure enthält durch freiwilliges Verdunsten bei gewöhnlicher Zimmer-Tem- peratur. Beim Herausnehmen der Krystalle aus der Mutterlauge und so lange sie in noch feuchtem Zustande sind, erscheinen sie von grüner, nach dem Trocknen aber von blauer Farbe. Über Chlorealeium lassen sie sich nicht trocknen, da sie hierbei verwittern, sonst erscheint das Salz luftbeständig. Für die Analyse wurde es über Ätzkalk getrocknet. Cadmium und Kupfer wurden durch kohlensaures Ammoniak getrennt. Aus der ammoniakalischen Lösung wurde Kupfer mitteist Schwefelammonium gefällt, in Königswasser gelöst und dann mit Kalihydrat präeipitirt. 1) 1:841 Gramm gaben 1219 Gramm Chlorsilber — 3575 Procent Chlor. 1456 Gramm gaben 0474 Gramm Cadmiumoxyd — 28'49 Procent Cadmium. 0:691 Gramm verloren durch Erhitzen 0.132 Gramm = 19:10 Procent Wasser. 350 K. v. Hauer. 2) 1:153 Gramm gaben 0386 Gramm Cadmiumoxyd = 29:29 Procent Cadmium. 1'053 Gramm verloren durch Erhitzen 0-198 Gramm —= 18:80 Procent Wasser und gaben 0-210 Gramm Kupferoxyd = 15:67 Procent Kupfer. Theorie: Versuch: ne a m N 9 1 1 Atom Cu 31:7 16:29 16:66 15:67 ER Cd 56 25:79 28:49 29:29 Zalg Cl 70-8 3640 35:75 36'24 Aue HO 36 18:51 19°10 ' 18:80 Cu CI+Cd Cl+4H0O 194-5 99-99 10000 100:00 Beim Erhitzen schmilzt das Salz nicht im Krystallwasser, das Wasser entweicht, ohne dass die Krystalle ihre Gestalt verlieren. Sie erscheinen nach Verlust des Wassers von brauner Farbe und sehen wie entwässertes Chlorkupfer aus. Erst bei starkem Erhitzen schmilzt es, nachdem das Wasser ausgetrieben, zu einer dunkelbraunen Flüssigkeit, welche theilweise verdampft. Die geschmolzene Masse erstarrt krystallinisch und hat eine graubraune Farbe. Schlüsslich sollen nunmehr sowohl die hier angeführten Verbin- dungen, als auch jene schon früher von mir beschriebenen Salze 1), welche in die Reihe der Chlorcadmiate gehören, mit den chemischen Formeln und ihrer procentischen Zusammensetzung zur Übersicht zusammengestellt werden. Erste Gruppe. Chior-Hemicadmiate. | Procentische Zusammensetzung. Chlorammonium-Hemieadmiat 2H,NCI+0Cd Cl Chlorkalium-Hemicadmiat 2K C1+0Cd Cl Chlorealeium-Hemieadmiat 2 Ca Cl+Cd C1+12 HO . ; 34:23 | 34-81 Chlormagnium-Hemicadmiat 2 Mg Cl + Cd Cl +12 HO 8:15 , 19:03 | 36:09 | 36-71 1) Sitzungsberichte der kais. Akademie der Wissenschaften. Bd. XIII, S. 450 und Bd. XV, S 32. Über neue Verbindungen des Chloreadmiums mit basischen Chlormetallen. 351 Zweite Gruppe. Chlor-Monocadmiate. | Procentische Zusammensetzung. Chlornatrium-Monocadmiat Cd Na Cl+ Cd Cl +3 HO 3163 Chlorbaryum-Monoeadmiat Ba CI+Cd Ci+4HO Chlorkupfer-Monocadmiat Cu C1 +Cd C1+4HO 36-40 | 18:51 Dritte Gruppe. Chlor-Bicadmiate. Procentische Zusammensetzung. Chlorammonium-Bieadmiat H, N Cd € HO H, N C1+2 Cd C1+HO 1:34 | 45.68 | 43:31 | 3-67 Chlorkalium-Bieadmiat Cl HO Ka C1-2 Cd CI+HO 14-71 . 39.86 | 337 Chlorbaryum-Bieadmiat Ba cl HO Ba Cl +2 CdC1+5HO 20 65 : 32:01 | 13-56 Chlorstrontium-Bieadmiat Sr HO SrC1l+2CdCl+7HO 13:47 | 34-46 | 32-67 | 19-38 Chlorealeium-Bieadmiat Ca Cd Cl Ca Cl +2 Cd C1 +7 HO 6:64 | 37-18 | 35-26 | 20-91 Chlormagnium-Bieadmiat Mg Cd Cl HO Mg C1 +2 Cd C1+12 HO 3:54 | 33-11 | 31°40 | 31:93 Chlormangan-Bieadmiat Mn Mn C1 +2 Cd Cl +12 HO 7:80 | 31:65 | 30:01 | 30:53 Chloreisen-Bieadmiat Fe Fe C1+2 Cd Cl + 12 HO 7-90 | 31.62 29:98 | 30-49 Chlorkobalt-Bieadmiat Co Cd cl HO Co C1 +2 Cd CI +12 HO 830 | 31-48 | 29-85 | 30-36 Chlorniekel-Bieadmiat Ni Cd Cl HO Ni C1+2 Cd Cl +12 HO 8:32 | 31-47 | 29-84 | 30-35 352 K.v. Hauer. Betrachtet man diese Anzahl von Verbindungen, so deuten dieselben wohl hinlänglich darauf hin, dass dem Metalle Cadmium oder respective seiner Chlorverbindung, ein eigenthümlicherCharakter inne wohne, welcher dasselbe in die Reihe der Chloride von Antimon, Zinn, Quecksilber, Gold, Platin, Palladium, stellt, welche ganz analoge Doppelverbindungen bilden, während die Chlorverbindungen von Kupfer, Mangan, Eisen ete. dieselben nicht eingehen. Auch Zink, ein Metall, welches gewöhnlich dem Cadmium als sehr nahe stehend bezeichnet wird, besitzt diese Eigenschaft nicht. Betrachtet man ferner die Art der Entstehung dieser Doppel- verbindungen, so zeigt sich, dass sie durch einfaches Vermengen jener Körper darstellbar sind, welche sich in den einzelnen Gliedern der obigen Formeln ausgedrückt finden. In den Doppelverbindungen selbst sind stäts alle wesentlichen Eigenschaften, dieser sie zusam- mensetzenden Körper zu erkennen, ja die neuen Doppelchloride zerfallen häufig wieder in dieselben beim Umkrystallisiren. Die einzelnen Glieder der Doppelchloride treten endlich in immer ganz bestimmten einfachen Äquivalentenverhältnissen auf. Dies schliesst aber den Begriff einer blossen Substitution des Cadmiums durch die, als basisch im obigen betrachteten Metalle, in der weiteren Bedeutung aus; und es macht jene nähere Gruppirung, welche in den angeführten Formeln erscheint, um so mehr wahr- scheinlich, als die Construction dieser Formeln zu keiner einzigen Verbindung führt, welche nicht für sich isolirt bekannt wäre. Es ercheint somit die Betrachtungsweise, welche für diese Doppelverbindungen angeführt wurde, wonach dieselben als Doppel- salze anzusehen sind, in welchen Chlorcadmium die Rolle des elektronegativen Gliedes vertritt, eben so wie Zinn, Antimon, Queck- silberchlorid ete. in ihren Doppelverbindungen, eine sehr nahe liegende, und eine diese eigenthümlichen Verbindungen schärfer charakterisirende. Im Sinne der von A.Schrötter 1) für die Doppelverbindungen des Cyans aufgestellten Betrachtungsweise, nach welcher dieselben in nachbestimmten Typen gebildeten Gruppen vereinigt erscheinen, wären hingegen die angeführten Doppelverbindungen des Chlor- 1) In der oben eitirten Abhandlung Über neue Verbindungen des Chlorcadmiums mit basischen Chlormetallen. 353 eadmiums in zwei solcher Gruppen zu unterscheiden, die beide nach dem allgemeinen Typus n M CIx HO gebildet sind, in welchem Ausdruck »= den Zahlen 2 und 3 ent- sprieht und wenigstens ein®M —= Üd ist. Die Glieder der ersten Gruppe, deren allgemeiner Ausdruck 2M Clx HO ist, entstehen daher, wenn die Hälfte von M durch die äquivalente Menge eines andern Metalles ersetzt ist, daher sie nach der Formel: M Cd Cl, x HO zusammengesetzt sind. Die hierher gehörigen Glieder von den obigen Salzen sind Na Cd Cl, 3HO Ba Cd Cl, 4HO Cu Cd Cl, 4HO Die Glieder der zweiten Gruppe, deren allgemeiner Ausdruck 3M Cilx HO ist, entstehen, wenn ein oder zwei M durch ein anderes Metall in äquivalenter Menge ersetzt sind, und die Glieder derselben können daher die Formen M Cd, Cl, x HO oder M, Cd Ci, x HO annehmen. Es gehören von den obigen Verbindungen folgende hierher: Erste Form: (H,N) Cd, Cl, HO K Cd, Cl, HO Ba Cd, Cl, 5 HO Sr Cd, Cl, 7HO Ca Cd, 01, 7H0 ZweiteForm: (H, N), Cd Cl, Kz .C0%Cl, Ca, Cd Cl, 12 HO Mg, Cd Cl, 12HO. SERIEN an N RN a Fi a | te ey f [ Man le, ENT, } { HN. IR 1 RUN We ve 1 Wr Dan Nun 1% UA Ran A, HUN RAR. IRRHAENDER RN TIRNG DREIER rm ; Ya ih x nl 1 uf KAREL N . . ” ” u Verzeichniss der eingegangenen Druckschriften. B) 55 VERZEICHNISS DER EINGEGANGENEN DRUCKSCHRIFTEN. (@ULI.) Acade&mie des seiences ete. de Dijon. Memoires 1854. Akademie, k.,v. Wetenschappen, Deel II, Amster- dam 1855; 4% » » Verslagen en Mededeelingen. Deel II, Nr. 1—3. » » Catalogus der Boekerij. Aflev. 1 Akademie, k., Vetenskaps, Handlingar. 1852, 1853. Stockholm 1854; 8°. 5 „ Öfversigt 1853. Anderson, N., Ars-Berättelser i Botanik. 1820—1838. Stockholm 1852; $% Annales des universites de Belgique. 1851, 1852. Bruxelles 1854; 8% Annali dell’ instituto di corrispondenza archeologica. Vol. 5, 6. Anne&e academique de l’Universit& de Liege. 1854. Archiv der Mathematik und Physik vonGrunert. Th. XXIV, H. 3. Bern, Universitätsschriften aus dem Jahre 1854. Bland, Miles, Algebraical problems, producing simple and quadratie equations with their solutions. 9. ed. London 1849; 8% — Mechanica: problems ete. London 1828; 8% — Geornetrieal problems ete. 4. ed. London 1842; 8% — The elements of Hydrostaties ete. 2. ed. Cambridge’ 1827; 8°. Boheman, C. H., Arsberättelse om framstegen i insekternas, Myria- podernas ete. Naturalhistoria. 1851—1852. Stockholm 1854: 8% Bullettino dell’ Instituto di corespond. archeolog. 1848, 1849- 356 Verzeichniss der Catalogo delle opere d’arte contenute nella sala delle sedute dell’ l. R. Accademia di Venezia. Venezia 1854; 8°. Cimento, il nuovo,. Giornale di fisiea, ete. Nr. 6, 7. Bosmos. Yol. & Nun I Edlund, C., Berättelse om framstegen i Fysik 1851. Stockholm 1854; 8% Flora, 1855. Nr. 13—26. Gesellschaft, antiquarische, in Zürich. Mittheilungen. Bd. VN. Heft 6—8. IX. Abtheil. I. Heft 2, 3. I. 1—AX. Gesellschaft, k. k. mähr.-schles., des Ackerbaues ete. Mitthei- lungen. 1855. Nr. 1—26. Gesellsehaft, naturforschende, in Danzig. Neueste Schriften, Bd. V, Heft 2. Gesellschaft, k. sächsische, d. Wissenschaften. Berichte über die Verhandlungen der math.-phys. Classe. 1854. Heft 1, 2. Gesellschaft, k. sächsische, der Wissenschaften. Abhandlungen der math.-phys. Olasse. Bd. IV, Bogen 31 — Ende. Goldenthal, Jak, Das Morgenland. Jahrg. I. Quart. 1. Wien 1855; 4% Jahrbuch, neues, für Pharmaeie ete. Bd. III, Heft 4. Jahresbericht über die Fortschritte der Chemie, von Liebig und Kopp. 1854. Abth. 1 und 2. Johnson, Manuel. Astronomieal and meteor. Observations made at the Radclife Observatory. Vol. 14. Oxford 1855; 8% Karsten. Die Fortschritte der Physik ete. Jahrg. 8. Magazin, neues laufisifches. Bd. 31. Lief. 3—9. Malacarne, Giamb., I rapporti che i poligoni regolari uno di un lato piü dell’ altro inseritti e eircoseritti hanno fra essi ed il cer- chio col mezzo dei quali si ottengono proporzioni che danno la soluzione geometrica di problemi tenuti per insolubili. Vicenza 1855; 8% Memorie dell’ Accademia di Bologna. Tom. 5. Monumenti inediti pubblieati dall’ instituto di corrispondenza archeolog. 1848, 1849. Mufeum Francidco-Garolinum. 15. Sahresbericht. Nachrichten, astronomische. 958 — 966. Notizia breve intorno alla origine della eonfraternita di S. Giovanni Evang. in Venezia. Venezia 1855; 8% eingegangenen Druckschriften. 3 5 7 Perrey, Alexis. Note sur les tremblements de terre, ressentis en 1853. (Bulletin de l!’Acade&mie de Belgique. T. 21.) Petrina, Franz, Mittheilungen aus dem Gebiete der Physik. Mit 3 Tafeln. Prag. 1855; 4% Phillips, Georg, Kirhenreht. Bd.I, 3. Aufl. Negensburg 1855 ; 8% Piercot, Etat de l’instruction supdrieure. Bruxelles 1853; 80- Rendiconto delle sessioni dell’ Accademia di Bologna. 1853/54. Scheerer, Th. Beiträge zur näheren Kenntniss des polymeren Isgomorphismus s. 1. et. d. Societe francaise pour la conservation des monuments historiques. Seances en 1854. SocieteR. des sciences de Liege, M&moires. Vol. 9. Society, Asiatie of Bengal, Journal. 1854, Nr. 7, 1855, Nr. 1. Society astronomical, of London, Memoirs. Vol. 23. » » Monthly notices. Vol. 14. Sunderval, C., Berättelse om framstegen i Vertebrerade djurens naturalhistoria ect. 1845—50. Stockholm 1853 ; 8% Berein, biftor., der Orte Lucern ze. Der Gefhichtsfreund. Lief. 11. Berein für hamburgifche Gefchichte,, Zeitfehrift. Neue Folge. Bd. 1, Lief. 1. Berein, hiftor., für Niederfachfen, Archiv. Sahrg. 1892, Heft 1. — Urfumdenbuh. Abth. 2, Heft. 1. — Sahresbericht 15. Berein, hiftor., von und für Oberbayern, Archiv. Bd. XV, Lief. 1. Weitenweber, Wilh., Über des Marsilius Fieinus Werk: De vita studiosorum etc. Prag 1855; 4% Wikström, Joh., Ars-Berättelser om Botaniska Arbeten ect. 1850. Stockholm 1854; 8% AN £ Ir, j Ru BL 6 SITZUNGSBERICHTE KAISERLICHEN AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN. MATHEMATISCH-NATURWISSENSCHAFTLICHE CLASSE. AVIT. BAND. IE HEFT. JAHRGANG 1855. — OCTOBER. 24 SITZUNG VOM 4. OCTOBER 1855. Eingesendete Abhandlungen. Über die Messung der Strom-Intensitüt mit der Tangenten- Boussole. Von W. Zenger, Lehrer der Physik zu Neusohl. (Vorgelegt in der Sitzung vom 19. April 1859.) 1. Als Messinstrument für die Intensität galvanischer Ströme hat die Tangenten-Boussole den unbestreitbaren Vorzug der Bequem- lichkeit der Beobachtung, und demselben verdankt sie auch ihre so allgemein verbreitete Verwendung, wiewohl sie der Sinus - Boussole in theoretischer Beziehung an Genauigkeit nachsteht. Der grösste Fehler dieses Messinstrumentes liegt bekanntlich darin, dass die Theorie desselben eine Voraussetzung macht, deren Erfüllung auch nicht angenähert genug in der Ausführung möglich ist, indem eine zu starke Verkürzung der Nadellänge, ebenso wie eine zu starke Vergrösserung des Kreisdurchmessers des Schliessungs- leiters die Empfindlichkeit beeinträchtigen, ohne bei bedeutenderem Ablenkungswinkel die Ungenauigkeiten der Beobachtungsresultate in hinreichender Weise zu beseitigen. Da die Construction des Apparates somit keine Mittel zur aus- reichenden Beseitigung des Fehlers des Messinstrumentes darbietet, so steht nur noch der Weg offen denselben bei Benützung der Tangenten-Boussole zu genauen Messungen in Rechnung zu ziehen. 24* 362 Zenger. Um dahin zu gelangen ist vorerst die Wirkung des durch den Strom hervorgerufenen Magnetismus des Schliessungsleiters auf den inner- halb der Ebene desselben sich befindenden magnetischen Punkt zu betrachten. Es sei (Fig. 1) AB ein Stück eines nach einer symmetrischen in sich zurüekkehrenden Curve gekrümmten Schliessungsleiters, M sei eine Axe desselben und in N befinde sieh ein magnetischer Punkt, der, mit O fix verbunden, sich um diesen Punkt frei bewegen kann. Ist M ein elementares Stückehen desLeiters, das in der Verlängerung der Geraden MO liegt, so wird dasselbe eine bestimmte, Fig. 1. der Strom-Intensität und dem Be Magnetismus des Punktes N ni | proportionale Wirkung her- vorbringen. Ist diese Wir- kung für die Einheit der Ent- fernung p, so wird für die Entfernung a die Wirkung p=pf(e) sein. Für ein anderes Theilchen M’ des Schliessungsleiters ändert sieh blos der Abstand, nieht aber die Grösse p, so dass p’—=pf(«) wird, folglich ist DaB — fla):fla) oder p" = p a Man kann sich daher auch die Sache so vorstellen, als ob das ‚f(@) Theilchen M’ von M aus jedoch mit der Intensität p wirkte, f(«) d. i. man kann die Wirkung jedes Stromtheilchens auf die Axe redueirt denken. Die Summe der Einzelwirkungen der magnetischen Strom- theilchen wird offenbar die Totalwirkung des Magnetismus des Schliessungsleiters auf den magnetischen Punkt darstellen; nennt man diese S, so ist dann: S=pfla)+pfla)+pfl@)+-- ‚+ pf(a,) = — p[f(a) + f(a) + fa) +: :+f(a.)]; Über die Messung der Strom-Intensität mit der Tangenten-Boussole. 363 hebt man f(«a) heraus, so erhält man die auf die Axe reducirte Total- wirkung: i f (@) | fa”) f(a) ee I- — 1 = pfa|t+ f (a) f@@) Setzen wir den von den Grössen in der Klammer gebildeten Ausdruck der Kürze wegen Zo (a), so ist $—=pf(a)ögp(a) ode S=pXol(a), wo p' die Wirkung des Elementar-Theilchens M in der Axe auf den magnetischen Punkt N aus der Entfernung a bedeutet. Die Wirkung des Stromleiters ist also dieselbe, wie die eines magnetischen Punktes M in der Axe, der mit dem redueirten Gesammt- magnetismus der einzelnen Stromelemente versehen ist. Hieraus folgt, dass sich die Totalwirkungen eines Stromes auf einen magne- tischen Punkt 5:8’ = p'2p(a):p’Zge (a) verhalten, d. h. $:$5’ = p’:p’. Diese Proportionalität zwischen der Totalwirkung des Stromes und der Stromelemente findet aber nur so lange Statt, als der Punkt N nicht aus der Ebene des Schliessungs- leiters heraustritt, daher die Tagenten-Boussole nie genaue Resultate geben kann, indem sich der Abstand des magnetischen Punktes vom Schliessungsleiter und mit ihm 29 (a) fortwährend ändert. 2. Da die Stromwirkung eine Ablenkung des magnetischen Punktes aus der Ebene des Schliessungsleiters hervorbringt, so wird sich die Entfernung des magnetischen Punktes von den einzelnen Stromtheil- chen mit dieser Ablenkung ändern und daher eine Function des Win- kels sein, den eine durch die Punkte O und N’ gelegte Ebene mit der Ebene des Schliessungsleiters bildet, welcher zugleich der Ab- lenkungswinkel der Geraden NO aus ihrer Lage NO ist. Um nun diese Function des Ablenkungswinkels « zu finden, dient die Betrachtung der beiden Dreiecke MNN’ und NN’O m Fig. 2. (1) (2) 364 Zenger Wir haben im Vorstehenden Fig. 2. gesehen, dass jedes Strom- Peui r theilchen so wirkend gedacht „EL werden kann, als ob es aus - dem Punkte M mit seinem / redueirten Magnetismus aus / der Entfernung «a wirken / würde, und daher die Total- mi. x vw Te wirkung des Stromes gleich- | ats: ee komme der Summe der redu- '5 ve eirten Einzelwirkungen der Stromtheilchen aus der Entfernung a=MN. Diese Entfernung ändert sich aber mit dem Heraustreten des Punktes N aus der Ebene des Schliessungsleiters. Die Erfah- 1 rung hat gelehrt, dass die f(a) = —. d.h. die Wirkung des Magne- (4 tismus mit dem Quadrate der Entfernungen abnimmt. Es wird somit die Wirkung aus der Entfernung a, welche der unabgelenkten Lage des Punktes N entspricht, gegen die aus der Entfernung a’ bei der Lage N’ im umgekehrten Verhältnisse der Quadrate der Entfernungen sich ändern. Ist p die Wirkung des Theilchens M aus der Entfer- nung MN=a und p die Wirkung aus der Entfernung MN'=a', so folgt: ! 1 / a® Dal ans zer woraus I re 2 sich ergibt. Es kömmt nur darauf an, das Verhältniss Bit als Fune- " 3 a tion des Ablenkungswinkels « darzustellen. Dazu dienen die erwähn- ten zwei Dreiecke. Setzt man MN—=a, MN —«a, NO=L MO=r und NANNTE so gibt das Dreieck MN N’ die Relation MN®—=MN:+ NN®+-2MN.NN'cosß, das Dreieck NN’'O: NN®=2N0? — 2 NO? cosa = ANO?sin? ia. Substituirt man obige Buchstaben, so ist: a?=a?+b?-+2abcosß und db? Al? sin? ia oder IA, Über die Messung der Strom-Intensität mit der Tangenten-Boussole. 365 nun ist aber [04 B = 90 Fame 3°’ also «== a? +b?+2ab sinia, substituirt man noch für 5 den Werth, so ist: a? = a? + Al?sin!x + Aalsin!a = a: + Alsin’ia(a-+ |): daher 12 l ——1+ 4 Isinzie, a da a+ti=MN+NO=r ist, so ist a+l r a (r—D?’ daher a’? Arl Zw dieser Ausdruck enthält ausser & nur noch die Constanten r und Z und somit ist a” Oo dargestellt. Aus ı% ; ; Arl re (+ om ie) ergibt sich somit der wahre Werth der Stromwirkung aus der Ent- fernung MN—=a, wenn die Wirkung p' aus der Entfernung UN = « bekannt ist. Da die Wirkung jedes Theilchens des Schliessungs- leiters in diesem Verhältnisse vermindert wird, also auch ihre Summe, so muss sich da $:S’ =» =D" _ 0 >:0> verhalten, ‚somit ist s-,85- u — sin? 4a a) S'; setzt man die Constante Aryl aD m so ist $=(1-+ esin?ia)S'. (8) 366 Zenger. Bisher wurde nur die Wirkung des Strommagnetismus auf den magnetischen Punkt in Betracht gezogen, aber wird nun die Ebene des Schliessungsleiters in die Meridianebene gebracht, fällt daher M mit der Richtung des magnetischen Meridians zusammen, und Fig. 8. denkt man sieh nun, es wirke auch die hori- zontale Componente des Erdmagnetismus auf den magnetischen Punkt, so ist, wenn man die Stromwirkung und die horizontale Componente in rechtwinkelige Compo- nenten zerlegt (Fig. 3) Nx, Ny, d.h. NE cos a=Nn sin «, woraus NE=Nmtg « folgt. Die Stromwirkung ist aber nicht die ungeschwächte, sondern die aus der Ent- fernung a’ wirkende verminderte Strom- kraft S’, daher NE cos —= $S’ cos & mit der s Componente Nn sin «& der horizontalen Intensität des Erdmagnetismus das Gleich- gewicht hält, also Ss / SH too — De ist; wo Nn= H der Intensität der horizontalen Componente des Erdmagnetismus gesetzt worden. Dieser Ausdruck gibt sonach die wahre Stromstärke als Func- tion des Ablenkungswinkels und einer vom Abstande des magnetischen Punktes vom Schliessungsleiter und Umdrehungspunkte O abhängigen Constanten. Die Stromschwächung nimmt somit mit dem Quadrate des Sinus des halben Ablenkungswinkels zu, und ist um so grösser, je grösser die Constante c ausfällt. Da Arl en mas ( (dr? (A . . I ® ® .. ist, so wird ce um so grösser, je näher ——1 wird, d. h. je grösser Tr C der Abstand des magnetischen Punktes N vom Umdrehungspunkte wird. Setzt man 7 ——N, I Über die Messung der Strom-Intensität mit der Tangenten-Boussole. 367 so ist FR 4n @ _—1)2 Ist Z verschwindend klein gegen r, d.h. fällt N in den Punkt O, so ist x. —0(0, dann wird auch e=0, und die Stromstärke bleibt für jede 25 Ablenkung der Nadel dieselbe, dann ist also S=Htg «, also genau der Tangente des Ablenkungswinkels proportional. Hat jedoch Z eine angebbare Grösse, so erhält man die Proportion S:S’=(1-+ecsin®tia) tga: (1-+c sin? ta) tg zur Vergleichung zweier Strom-Intensitäten bei derselben Anordnung des Schliessungsleiters und magnetischen Punktes. Da die Quadrate der Sinuse der halben Ablenkungswinkel immer nur kleine Grössen sind, wenn die Ablenkungswinkel nicht zu gross sind, so wird in dem Ausdrucke S 1-+esin’ia tiga S' A+esin: 1a’ tga’ a: . DO . .. . ° Tr . sein, wo 8 eine sehr kleine Grösse sein wird, wenn ce oder —- nicht zu 1+ esin?t« 1 + esin?1a' gross genommen wird; und daher findet näherungsweise das Gesetz der Tangenten für jede Tangenten-Boussole Statt, in der die Nadel- länge nicht zu gross und die Ablenkungswinkel gewisse Grenzen nicht übersteigen. Soll ce den unvermeidlichen Fehler nicht vergrössern, so 5 O .. . . . A N muss es wenigstens nicht grösser als 1 sein; dieses in ce = gesetzt gibt n — 5828426 oder ir ; wählt man sonach A 1 r 5:828426 die Länge der Magnetnadel, so dass der Abstand des Poles vom Punkte 1/, bis 1/, des Abstandes des Punktes M von O beträgt, so wird nahe genug S 1 + sin?’1a tgu Ss 4 + sin2ia iga!” sind die Winkel nicht zu gross, so kann man Se DE EI TE a a RD A nie LRIE Ss 1— sin* ta’ Lg a’ ig.’ I setzen, woraus {go 3 1 791 7 1 , sl + sin! (a + «)sin!(a— «')) tg a (n—1)° OF (5) > 3 Zengernr, f folgt, daher = sint(a— a)sint(a-+ «). Ist e nicht der Einheit gleich, oder sind’die Winkel zu gross, so dass die Näherungsformel nicht genau genug ist, so kann man sie auf logarithmische Form bringen, indem man 1-+cesin?zx —= c, 008? 3& seizt, woraus o—1=(1-+e) tg ı« folgt; man berechnet hiermit die Hilfsgrösse c, und hat dann Ss 6, co? La tga 2 Sl ER Ay Die Gleichung ey zeigt, dass der Werth der Constante viel rascher mit » wächst, als es mit demselben abnimmt, so dass man durch Verringerung der Grösse / keinesweges viel gewinnt ; will man I z.B. c=0°1 haben, so muss — — ——, also nahezu schon 1 r 20:98 n sein, während e=10 wird für ‚ also nahezu 1/,. Um I 1 r 1,850543 also ce zu 1/0 herabzubringen, muss man 2 viermal nahezu kleiner machen, um es aber zehnmal grösser werden zu lassen, genügt schon eine zwei- bis dreimalige Vergrösserung der Länge 1. ’ 1-e sin? 1a Der Quotient Aush er 1-+e sın? 4x der Einheit ab, d. i. 9 wird um so grösser, je mehr die Winkel « und «’ von einander verschieden sind, es ist daher vortheilhaft, bei den Tangenten-Boussolen nicht zu ungleiche Strom-Intensitäten zu — 1 + 9 weicht um so mehr von vergleichen, sondern entweder durch Einschaltung von zwischen- liegenden Strom-Intensitäten und gegenseitige Vergleichung weit abstehende Intensitäten genauer zu bestimmen oder aber die Empfind- lichkeit derselben nicht zu weit zu treiben, daher Multiplieatoren nur schwierig zu Messungen verwendbar sind. Zugleich ist ersicht- lich, dass die Fehler in der Vergleichung der Stromstärke nicht von dem absoluten Werthe der Ablenkungswinkel sondern vielmehr von ihrem Unterschiede abhängig ist, wie die Näherungsformel 1+ ec sin 23 (@—e) sinz(a+t«)=1-+9 zeigt, welche 8 selbst für « — 90° Null macht, wenn «& und «’ nicht weit abstehen und e nicht zu gross ist. Über die Messung der Strom-Intensität mit der Tangenten-Boussole. 369 A. Alles bisher Gesagte bezieht sich auf einen elementaren Ring ; da jedoch jeder Schliessungsleiter als ein System solcher elementaren Ringe zu betrachten ist, so muss ms — die Gesammtwirkung des Schlies- | ”—_ | sungsleiters als die Summe der ml a1 1... X Wirkungen der einzelnen Ele- mentarringe betrachtet werden. Die Wirkung jedes Elementarringes lässt sich auf die eines Punktes M, der mit N und Oin derselben Ebene liegt, redueiren, in welehem man den redueirten Gesammtmagnetismus der Stromelemente vereinigt denkt. Man wird somit ein System soleher mit N und O in einer Ebene liegenden Kraftpunkte erhalten, die zwar dieselbe Intensität besitzen, allein aus verschiedenen Entfernungen gegen den Punkt N wirken. Es lässt sich aber die Wirkung jedes solchen Kraftpunktes in zwei senkrechte Componenten zerlegen, wovon die eine parallel zur Richtung NO wirkend aufgehoben und nur die andere auf NO senkrecht wirkende thätig ist. Diese Componente aber nimmt ofien- bar um so mehr ab, je grösser der Winkel ist, den eine durch NO gelegte Verticalebene mit der durch O und einen dieser Punkte gelegten ebenfalls verticalen Ebene bildet, es muss diese Wirkung sonach irgend eine Function dieses Neigungswinkels sein. Nennt man die Intensität des in der durch NO gelegten Ebene liegenden Kraftpunktes M z.B. P, so wird die irgend eines andern Punktes M'=Pf(y) sein, wenn y der Neigungswinkel beider Ebenen ist. Die Summe aller Wirkungen der elementaren Ringe wird sonach IE MHAHLEFLFENT 2 PEOIMFPAZLFLN. Da nach Früherem P=pXf(e«), so ist S=p2fla)ZfO). welcher Ausdruck die redueirte Wirkung des magnetischen Schliessungsleiters für den in der Ebene MNO liegenden magne- tischen Punkt darstellt. Tritt er jedoch aus dieser Ebene heraus, so ändert sich die Entfernung des Punktes N von jedem der Kraftpunkte und ihre Wirkung, daher auch die Summe derselben und wird im oben Ku] 370 Aue nrgier. gefundenen Verhältnisse der Quadrate der Entfernungen geschwächt. Es findet sieh daher die wahre Intensität $S=pfL(a)ZfY)=S (1+csin?ic), wo 5, die Wirkung in der nun den Winkel & aus der Ebene MNO abgelenkten Lage des Punktes N bedeutet. Für dieselbe Anordnung des Schliessungsleiters und Punktes N bleibt aber sowohl Zf(«a) als f(y) ungeändert, daher $:$5' = Ss (1-e sin?ta): S’ (1-+ c sin?ie’) = — p2f(a) 2f(y):PZfla)2fG) = Pp:P: es verhalten sich die Totalwirkungen wie die Wirkungen der Strom- elemente. Da o=Htga, soist S=H(1l-+esin? ta) tiga auch für einen nicht elementaren Schliessungsleiter giltig. 5. Die Form des Schliessungsleiters ist in der Regel die kreis- förmige, doch lässt sich zeigen, dass die elliptische Form vorzu- ziehen ist, indem sie bei gleicher Weite, d. h. bei einer dem Durchmesser des Kreisleiters gleich grossen Axe, empfindlicher und dennoch compendiöser wird. Bezieht man beide Curven auf ihre Polarcoordinaten, so ist die Entfernung eines Stromelementes des Kreises « und einer Ellipse «a wenn man den Ursprung in den magnetischen Punkt legt, für zwei correspondirende Punkte r? —l? I + lcos op! ” wo r den Halbmesser oder die halbe grosse Axe und / die Länge NO vorstellt, die der Einfachheit wegen so angenommen wurde, dass N in den Brennpunkt fällt, also Z = e wird. Nennt man die Wirkung des elliptischen Stromtheilchens E und des Kreistheilchens X, so ist a=l1cosp +V r?— lesin®p 510 1 2 Be Da a? lecosp + Vr?— sin? r+lecoso)? E:K=—: We HEN TE re a a (ep Setzt man p—=0 und o—=90, so ist EV are KEN Nor Über die Messung der Strom-Intensität mit der Tangenten-Boussole. 3%1 weil hier die Abstände « = a’ sind, und TU 2] 12 1 — __ 2 —_ _ —_ —_ _ _,w —e Koo (r? — [?)? r? — 1? 1—.? r die Excentrieität ausdrückt, e also stäts < als die Einheit ist. Somit ist für jedes Theilchen des elliptischen Leiters die Wirkung grösser als für das correspondirende des Kreises; indem sie zwischen den Grenzen 1 und wächst, somit wird auch ihre Summe grösser sein. Allein da die Länge des elliptischen Leiters kleiner ist als die des Kreises bei derselben Axenlänge, so wird dieses Verhältniss dadurch verringert und zwar im Verhältniss des elliptischen Umfan- ges zum kreisförmigen, es verhalten sich aber diese Längen wie 2zr:2rr(1—f(e)), wo 123 2 ya 2 ae 2 BET lape. —— pP Ira lass ) +35 (oa ) a, Es wird sonach E 1-fl() , 1-4® K Be ER en EN wo demnach 1 — te? > 1—.e? ist, also dennoch ein Wachsthum für die elliptische Form des Leiters stattfindet und zwar um so grösseres, je kleiner e wird. Die Kreisform ist sonach nicht die vortheilhafteste für Schlies- sungsleiter an Tangenten-Boussolen, sondern die elliptische. Dies scheint auch der Grund zu sein, warum inP almieri’s Versuchen über erdmagnetische Induction, also im umgekehrten Falle, die elliptische Form der Drathspulen einen grösseren Effeet gab als die kreis- förmige. 6. Es erübrigt noch an einigen Versuchen die oben entwickelten Correctionsformeln zu bestätigen. Der verwendete Apparat war eine aus einem kreisförmig gebogenen Kupferdrathe von 1 Millim. Dicke gebildete Tangenten-Boussole, die Nadellänge betrug 78:5 Millim., der Kreisdurchmesser war 202-5 Millim., daher — —= 0'38766 ce = 4135; es war sonach die Nadellänge ungewöhnlich gross, und daher die Proportionalität der Intensitäten mit den Tangenten der Ablenkungswinkel so gut wie aufgehoben. 372 2 Sıspielm Nach den genauesten Versuchen ist das Verhältniss der elektro- motorischen Kräfte einer Grove’schen und Daniell’schen Kette 410:829. Es wurden nun auf das Sorgfältigste zwei ganz gleiche Elemente vorgerichtet und ihre Stromkräfte gemessen. Die Ablenkung betrug für das Daniell’sche Element 31029, für das Gro ve'sche 42041’, als Beispiel der Berechnung mögen nun diese zwei Beobach- tungen hier stehen. Es ist S 1+esin’tatga Sn esin? La tga’ und Ss ce, cos?1 atga o—-i=(l1+c)yia <——=- en Ss’ cycos?+atga’’ daher log ce = 061653 ; log (1+ec) = 071041 log (A+A) = 071041 071041 2log ty 1& — 8:89962 9:18372 log (c,—1) = 9:61003 i 9:89413 o—1 = 040741 078367 c, = 140741 178367 log ec, = 014841 0:25132 2log cos 1a& — 996680 9:93840 log ce, cos? 4& — 0:11521 0:18972 log ce, eos? 2& — 011521 log ey cos? 1& — 0.189712 log tg « —= 978704 log tg. — YI6A84 3 ine? 1 Cg €087 5% — 9-92549 TI ans? i Cyg 085” 2% Y log S 9:52220 on te _ 932220 I ya 992549 S log, — 974169 STE S, a , — — 053936 log 470 = 2:67210 470 log 829 — 2-91855 255 = 056695 Tr ED I 5 ‚ler — während der Fehler bei der Annahme, dass die Intensitäten den Tangenten proportional sind -+0:09710 nahezu 1Amal grösser ist. Der Widerstand im Leitungsbogen wurde so genommen, dass der wesent- liche Widerstand sehr klein wurde, und dieser blieb daher unberück- sichtigt, der kleine Fehler kann daher auch von diesem nicht berück- sichtigten Widerstande wenigstens theilweise herrühren. Über die Messung der Strom-Intensität mit der Tangenten-Boussole. 378 Um jedoch eine noch schärfere Probe vorzunehmen, wurden Strom-Intensitäten von bereits bekannter Intensität mit einander an derselben Boussole, jedoch bei einer Nadellänge die ganz nahe dem Kreisringdurchmesser gleichkam, also bei vollkommen aufgehobener Proportionalität der Tangenten verglichen. Strom. 1 De, SEE SCHE 0) Nord. 15°0 17,2% 20-0 22-5 240 Ablenkung. Süd. 195°5 1975 2004 2025 2045 Zweite Versuchsreihe. Nadellänge 190 Millim.; Kreisdurchmesser 202-5 Millim.; Mittel. 15° 17 20 22 2A 15 21 12 39 15 10 Ablenkung. Nord. Süd. 25°2 205°4 26°2 2067 275 2080 28°5 2090 29:8 2102 29 54 ce — 98553 _ — 0-93829; c+1 = 986:33. Die berechneten corrigirten und uncorrigirten, so wie das wahre Intensitätsverhältniss der verglichenen Ströme gibt die nachstehende Tabelle: Verglichene Ströme 2 3 4 5 6 7 8 g 0 3 A 5 6 7 8 9 0 . 4 5 6 7 8 9 ig & _8o ig as SS SSOSSSo9998°999590909059099 99 99965 Wahre Intensität Corrigirte Werthe Ss 95>999. 59a Verglich. Ströme RS = —_ Sm Iso os [2 o 230 MU oO RE S0) ig a So SS oaeaeaen 63985 92636 :88891 82970 79314 :76061 72569 92171 85619 80240 18339 66640 :90129 83666 78160 72300 92830 86720 80220 93419) 86416 92505 Wahre Intensität C SISISIFIIIEFSISIEISTISISISISIISISISISISISISEE orrigirte Werthe -30015 81235 71356 60444 -33638 48053 42409 87839 74405 66026 :59152 52205 84689 75170 67332 "59443 "88740 79500 70163 89589 79066 88256 374 Zenger. Über die Messung der Strom-Intensität mit der Tangenten-Boussole. Die vorstehende Übersicht zeigt, dass die Übereinstimmung der corrigirten Werthe bis auf die zweite und dritte Deceimale durchweg stattfindet, dass die Fehler am grössten sind, wo die Winkelablenkun- gen am verschiedensten waren; die nach dem Gesetze der Tangenten berechneten Werthe sind aber völlig unbrauchbar. Da die Mittel womit diese Versuche ausgeführt wurden, nur höchst unvollkommen waren, so konnte eine weitergehende Übereinstimmung nicht erzielt werden; doch ist nicht zu bezweifeln, dass eine genauer gearbeitete Boussole und weitergehende Kreisablesung eine viel vollkommenere Übereinstimmung mit der Theorie hervorbringen müsste. Durch diese Formel wird es möglich sein, selbst an Multiplieatoren genaue Messungen solcher Ströme noch vorzunehmen, bei denen man sich bisher begnügen musste ihr Vorhandensein constatirt zu haben. Ist bei einem Multiplicator oder einer Boussole » und daher auch ce sehr gross, wie im vorliegenden Fälle, so ist 1-+c sin za = ce sin’ 2a und dann wird i-esin® za sin? ya | 1-+e sin? 1a’ sin? 1a Man braueht dann also weder die Constante ce durch Versuche oder durch Messung auszumitteln, indem nahe genug ım2 1 Ss __.sm" za ig & Ss’ sin? 1a tg a sein wird. Hlasiwetz. Über Rutinsäure und Quereitrin. 375 Über Rutinsäure und Quercitrin. Von Dr. H. Hlasiwetz. (Vorgelegt in der Sitzung vom 5. Juli 1855.) Vor einiger Zeit haben Rochleder und ich eine Notiz über das Vorkommen der Rutinsäure in den Blüthenknospen von Capparis spinosa veröffentlicht 1). Seitdem hat Stein denselben Körper auch in einem Farbmateriale aus China aufgefunden ?), welches man unter dem Namen „chinesische Gelbbeeren“ in den Handel bringt, und welches derselbe als von einer strauchartigen Papilionacee abstam- mend, erklärt. Wenn man die Eigenschaften dieser Säure mit denen vergleicht, die in einer sehr sorgfältigen Untersuchung Rigaud von dem Quer- eitrin 3) oder der Quercitronsäure angegeben hat, so ist man über- rascht, zu finden, dass sie vollständig dieselben sind, und was die analy- tischen Resultate angeht, so zeigt ein einfacher Vergleich, dass es sich, sofern sie differiren, nur um eine Differenz im Wassergehalte handelt. Aus diesem Vergleiche drängt sich mir die Überzeugung auf, dass diese Körper geradezu identisch sind, und ich erlaube mir daher die Mittheilungen der verschiedenen Beobachter neben einander zu setzen, um diese Beurtheilung zu erleichtern. | Quercitrin | Rutinsäure nach Chevreul, Bolley*) und | nach Weiss ?°’), Bornträger®), Rigaud. R. und Hl. und Stein. Schwefel- bis chromgelber Verfilzte kleine Nadeln mit Körper, mikroskopische Krystalle | einem Stich ins Schwefelgelbe, 1) Sitzungsberichte der k. Akademie der Wissensch. zu Wien, Jännerheft 1852. 2) Programm der polytechnischen Schule zu Dresden, März 1853, und pharm. Central- blatt 1853, S. 193. 3) Annal. d. Ch. Bd. 90, S. 283. %) Annal. d. Ch. Bd. 37, S. 101. 5) Pharm. Centralblatt 1842, S. 903. 6) Ann. d. Ch. Bd. 53, S. 385. Sitzb. d. mathem.-naturw. Cl. XVII. Bd. II. H£t. 25 376 des gradrhombischen Systems. (R.) In 400 Theilen siedendem Wasser löslich. (Bolley.) In A25 Theilen siedendem Wasser löslich. (Rigaud.) Fast unlöslieh in kaltem Wasser. Löslieh in 4—5 Theilen Alkohol. (Bolley.) Hlasiwetz. wenn sie aus Wasser krystalli- sirt erhalten wurden; aus Alkohol etwas grössere Krystalle von blassschwefelgelber Farbe. Diese Farbe ist der Substanz eigen- thümlich. (R. u. Hl.) Die Farbe ist im getrockneten Zustande blassgelb mit einer ge- ringen Beimischung von Grün; unter dem Mikroskop bestehen die, aus kochend gesättigter wäss- riger Lösung sich abscheidenden Theilehen aus sehr feinen viersei- tigen Prismen, deren Endflächen man nicht zu erkennen im Stande war. (Stein.) Krystallinisches blassgrünli- ches Pulver; es besteht aus con- centrischen vereinigten Prismen, die verfilzt zu sein scheinen, und mit sehr spitz aufgesetzten End- flächen versehen sind. Diese Farbe istihm offenbar eigenthümlich.(B.) In kaltem Wasser sehr wenig löslich; selbst siedendes löst nur sehr wenig davon auf; beim Ab- kühlen fällt das Gelöste beinahe gänzlich nieder. (R. u. Hl.) In allen gewöhnlichen Lö- sungsmitteln, Wasser... . ete. wenig oder kaum löslich. (Stein.) In kaltem Wasser sehr wenig löslich, löslicher in heissem. (B.) Am löslichsten in kochendem Alkohol von 80 %/,. (St.) Alkohol löst mehr davon als | Wasser; die heiss gesättigte Lö- sung bleibt nach dem Erkalten Über Rutinsäure und Quereitrin. Wenig löslich in Äther. (R.) Bei erhöhter Temperatur lös- lich in Essigsäure. (R.) Sehr leicht löslich in ver- dünntem Ammoniak und Natron- lauge; die Lösung in Ammoniak färbt sich an der Luft dunkler und nimmt zuletzt eine dunkel- braune Farbe an. (R.) Die wässrige und alkoholische Lösung gibt mitEisenchlorid eine dunkelgrüne Färbung ohne Nie- derschlag, welche bis zur 4— 5000fachen Verdünnung noch be- merkbar ist. (R.) Concentrirte Salpetersäure zer- setzt das (uereitrin unter heftiger Gasentwicklung von Stickoxyd und Kohlensäure und Bildung von Oxal- 37% klar, die Substanz krystallisirt erst nach dem Verdunsten des Alkohols heraus. In Äther, selbst in siedendem unlöslich. (B.) Äther löst geringe Mengen dieses Körpers. (R. u. Hl.) In Äther wenig oder kaum löslich. (St.) In heisser Essigsäure in gros- ser Menge löslich; beim Erkalten fällt nur ein Theil des Gelösten nieder, der übrige Theil scheidet sich aus, wenn die Essigsäure verdunstet. (R. u. Hl.) Die Löslichkeit wird auffal- lend vergrössert durch Essig- säure. (Stein.) In alkalischen Flüssigkeiten, Kali, Natron, Ammoniak, Kalk oder Barytwasser mit Leichtigkeit löslich. An der Luft stehen ge- lassen absorbiren diese Lösungen Sauerstoff, und nehmen eine dun- kelbraune Farbe an. (R. u. Hl., B. u. St.) Eisenchlorid bringtin geringen Mengen nur gelbliehgrüne Fär- bung ohne Niederschlag hervor ; ähnlich wirkt schwefelsaures Eisenoxydul. (Stein.) Eine Lösung der Substanz in Wasser wird von Eisenchlorid intensiv grün gefärbt. (R. u.Hl.) Salpetersäure färbt den Kör- per in der Kälte gelb, beim Er- hitzen löst er sich mit rother Farbe unter Gasentwickelung auf. 25 * 318 säure. Nach stattgefundener Ein- wirkungist die Flüssigkeit klar und hat eine rothbraune Farbe. (R.) Wird Quereitrin miteiner, zur Auflösung hinlänglichen Quantität Wasser versetzt und zum Sieden erhitzt, so scheidet sich auf Zu- satz von verdünnter Schwefel- säure nach kurzer Zeit ein Körper von viel lebhafter gelber Farbe in Flocken ab, die bei näherer Beob- achtung aus feinen, kleinen ver- filzten Nadeln bestehen. (Quer- citrin Rigaud's.) Wasser, dem etwas Kalı oder Natron zugesetzt wurde, löst das Quereitrin mit Leichtigkeit auf, und zwar mit goldgelber Farbe. Auf Zusatz von Säure scheidet es sich in Flocken wieder ab, in- dem die Farbe hierbei ver- schwindet. (R.) Die von dem Quereitrin ab- filtrirte Flüssigkeit gibt nach dem Neutralisiren mit kohlensaurem Baryt „... eingedampft, einen süssen Syrup, der die Eigen- schaften eines Zuckers hat. (R.) | Hlasiwetz, Er kann aus dieser Lösung nicht mehr unverändert erhalten wer- den. (R. u. Hl.) Salpetersäure färbt ihn gold- gelb, dann dunkeloliven, endlich röthlichbraun. Die abgedampfte Flüssigkeit lieferte Krystalle von Pikrinsäure und Oxalsäure. (Stein. ) Mit mässig concentrirter Mi- neralsäure übergossen, färbt sich der Körper augenblicklich eitron- gelb und löst sich beim Erhitzen mit derselben Farbe. Es scheiden sich dann eitrongelbe Flocken aus, die unter dem Mikroskop als sternförmig gruppirte Prismen erscheinen. Löst man die durch Säure erhaltenen dunkelgelben Krystalle in Ammoniakflüssigkeit und schei- detdurch eine verdünnte Säure die Substanz wieder ab, so erscheint sie wieder mit ihren ursprüng- lichen Eigenschaften, die sie vor der Behandlung mit Säuren be- sessen hatte. Dieses Gelbwerden scheint auf einer Wasserentziehung zu beruhen. (R. u. Hl.) Der Caramelgeruch, welchen der Stoff beim Erhitzen verbreitet, deutet an, dass dieser Körper eine Zuckerverbindung sei. (Stein.) Nach dem Kochen mit ver- dünnter Schwefelsäure erfolgt auf Über Rutinsäure und Quereitrin. Das Quereitrin schmilzt bei der trockenen Destillation, wird dunkel gefärbt und grösstentheils zerstört. Im Rückstande bleibteine lockere Kohle, während man in der Vorlage eine geringe Menge eines, von den gewöhnlichen Pro- dueten der trockenen Destillation, wie brenzliche Öle, begleitetes Sublimat erhält. (R.) (Chevreul.) 319 Zusatz von Ätznatron und Kupfer- oxydlösung eine Zuckerreaction. (Stein.) Trocken erhitzt, erhöht sich die gelbe Farbe, indem sie zuerst eine Beimischung von Braun er- hält. — — — Findet das Erhitzen in einer Proberöhre Statt, so entwickeln sich gelbe Dämpfe und es bildet sich ein Sublimat, bestehend aus einer dieklichen Flüssigkeit, untermischt mit gelb- lichen Körnchen. (Stein.) Wird die Temperatur über den Schmelzpunkt erhöht, so tritt Zersetzung ein, die geschmolzene Masse wird braun, bläht sieh auf, und es bleibt eine voluminöse Kohle, während eine geringe Menge flüchtiger Producte über- destillirt. Wie man sieht, sind diese Angaben so übereinstimmend, dass es nur noch des Beweises der Gleichheit der Zusammensetzung bedarf, um die Identität festzustellen. Rigaud’s Formel C,,H,,0,, ist durch die quantitative Bestim- mung des Zuckers so festgestellt, dass sie unumstösslich erscheint. Theorie und Versuch verhalten sich wie folgt: berechnet gefunden im Mittel mn N — u ee) H, — #71 -— 505 0, — 4170 — 41:56 Dagegen liessen sich Bolley’s Analysen desselben Körpers mit dieser Formel nicht vereinen. Die Rutinsäure hatte den Analytikern ergeben : 380 Hlasiwetz. Bornträger R. u. Hl. Stein ne en —nn Ta N C 50:34 — 50:27 — 50:15 — 50:94 — 50:92 — 50:66 H 555 — 554 — 570 — 559 — 5:52 — 5:51 O0 44-11 — 44-19 — A415 — A346 — 43:54 — Ag8l und darauf hat zuerst Bornträger C,>H,0, berechnet. (Bolley nahm für Quereitrin C,H, O,, an, wofür sich fast eben so gut C,; Hı0 O1. setzen lässt. Es verhält sich aber 12:8 wie 16 : 10:06.) Mehrere Angaben weisen darauf hin, dass dieser Körper mit ungleichen Mengen Wassers erhalten werden kann, worüber schon Bornträger bemerkt: „Die Langsamkeit, womit sich die Rutinsäure aus ihren Lösungen „wieder absetzt, beruht vielleicht darauf, dass die Substanz in „ihren Auflösungen eine andere Zusammensetzung hat, als in „ihrem krystallisirten Zustande. Vielleicht enthält sie im letzteren „1 Atom Wasser mehr, welches sich bei der Einwirkung des „heissen Lösungsmittels von ihr trennt, aber nachher bei der „Krystallisation ganz allmählich wieder von ihr aufgenommen „wird.“ Dazu fand Stein für die aus Essigsäure krystallisirte Substanz: C 53:69 H 4:90 OA1Al, was mit Rigaud's Zahlen vollständig übereinstimmt. Die wasserhaltige Substanz ist dann: = (,,H450,ı + 3HO N Tr 7 efunden im Mittel perschuel 5 aller Analysen EEE EEE nn er Ser 0. 216 — 5025 2 750:5% Hy. -— 122, — 2.9:84 — 000 O,, — 192 — 4443 — 43:89 430 — 100:00 — 100:00 Rochleder und ich haben ferner eine Bleiverbindung untersucht, deren empyrischen Ausdruck wir damals nach der Über Rutinsäure und Quereitrin. 381 angenommenen Formel für die Rutinsäure deuteten. Auf die Formel des Quereitrins bezogen, stimmen die gefundenen Procente beinahe noch besser: berechnet gefunden (der: re 216 VER 28:93 SER 28:75 ERDE og lg. Nag O0. — 1716 — 2360 — 2354 PbO, — 3345 — 44850 — 44:62 7465 — 10000 — 10000 == G..4501 —- sPbO — HO a Een __ eG Schliesslich sei noch auf die Ähnlichkeit einiger Reaetionen des Quereitrins, von Rigaud und des Rhamno xanthins, das kürzlich Prof. Buchner beschrieb 1), aufmerksam gemacht. Die beiden Körper haben ihre äusseren Eigenschaften, ihre Unlöslichkeit in Wasser, Leichtlöslichkeit in Äther, die Löslichkeit und Färbung mit Ammoniak, die Geschmacklosigkeit und vielleicht auch das Ver- halten beim Erhitzen gemein. Die Angaben über die Färbung mit Schwefelsäure, mit Eisenchlorid, und die Löslichkeit in Äther und Essigsäure sind nicht von beiden der genannten Stoffe bekannt, auch fehlte es Buchner an Material um sein Rhamno xanthin analysiren zu können. Auf Rhamno xanthin passt ferner grösstentheils die Beschreibung der Euxanthinsäure oder Purreesäure nach Erdmann und Stenhouse, und das Sublimat, dessen Buchner gedenkt, könnte vielleicht Purrenon sein. Es wäre gewiss von sehr grossem Interesse, diese Daten vervollständigt zu sehen. 1) Annal. d. Ch. u. Ph. Bd. 87, S. 218. 382 Hlasiwetz. Über das Phloretin. Von Prof. Dr. H. Hlasiwetz in Innsbruck. (Vorgelegt in der Sitzung vom 5. Juli 1855.) Dieser interessante Körper hat sowohl für sich als auch in der Form seiner Zuckerverbindung als Phloridzin schon mehrfach die Aufmerksamkeit der Chemiker auf sich gezogen. Die letzten Mittheilungen hierüber verdanken wir Roser und Strecker), davon der letztere aus mehreren dafür vorgeschlagenen Formeln C,;, Hı, 0:0 als die richtige bezeichnete. Eine nähere Deutung dieser Formel ist noch nicht versucht worden. Vermuthet wurde jedoch mehrfach, es möchte das Phloretin eine chemische Ähnlichkeit mit dem Saligenin besitzen, das Phloridzin mit dem Saliein verwandt sein. ’ Dieser Ansicht widersprach schon in der eitirten Abhandlung Strecker; meine in der Absicht angestellten Versuche, durch das Studium der Zersetzungsproducte dieses Körpers seine eigentliche Natur kennen zu lernen, können, wie ich glaube, es vollkommen beweisen, dass wir es hier mit einem, in eine ganz andere Classe von Verbindungen gehörigen Körper zu thun haben, als der, die auch das Saligenin umschliesst. Die Zersetzung, die das Phloretin durch kaustisehe Alkalien erleidet, ist sehr geeignet hierüber aufzuklären. Ich habe durch Behandlung mit Kalilauge zwei neue Substanzen erhalten, eine Säure und einen indifferenten Körper, beide krystallisirt und sonst chemisch wohl charakterisirt, von denen ich in dem Folgenden Gewinnung und Eigenschaften mitzutheilen mir erlaube, die einen Schluss gestatten auf die wahre Formel des Phloretins sowohl, als auch über den Platz den man diesem Körper wird anweisen müssen. Phloretin wurde in Kalilauge (1'25 spec. Gew.) gelöst (2 Loth in etwa 400 CC.) und die gelbe Flüssigkeit in einer Silberschale kochend eingedampft, bis sie diek und breiig wurde und ein anfan- 1) Annal. d. Ch. u. Pharm. Bd. 74, S. 178 und 184. Über das Phloretin. 383 gendes Schmelzen statthatte. Erhitzt man weiter, so wird die braune Masse lichter und es hat eine tiefer eingreifende Zersetzung Statt, die man vermeiden muss, will man an den neuen Produeten nicht Verluste erleiden. Bis dahin bemerkt man keine Gasentwickelung, und ich habe es zweckmässig befunden, die Einwirkung der Wärme zu unterbrechen, wenn die Masse die erwähnte breiige Consistenz erreicht hatte, zumal mich andere Versuche gelehrt hatten, dass die Zersetzung schon durch blosses anhaltendes Kochen mit der Lauge zu Ende geführt werden kann. Bei meinen ersten Versuchen zersetzte ich nun die wiederauf- gelöste Kalimasse, die eine braune Farbe besitzt, mit verdünnter Schwefelsäure, brachte das Ganze auf dem Wasserbade zur Trockne und zog die rückständige Salzmasse mit Alkohol aus; den Alkohol destillirte ich ab, und behandelte den Rest wieder mit Wasser. Aus dieser Flüssigkeit erhielt ich bei passender Concentration zweierlei Krystalle, davon die einen zuerst anschossen und gelb oder bräunlich gefärbt waren, die letzteren in den Mutterlaugen sich befanden und aus diesen ziemlich farblos krystallisirten. Zuletzt war es aber sehr mühsam durch Krystallisation die beiden Körper zu trennen, Verluste durch das wiederholte Auflösen ete. waren unvermeidlich, die Krystalle mussten mechanisch gesondert werden, und das Missliche aller dieser Umstände veranlasste mich, nachdem ich mir über das Verhalten der neuen Substanzen mehrere Erfahrungen gesammelt hatte, einen andern Weg einzuschlagen, bei dem ich stehen blieb und den ich nunmehr als vollkommen befriedigend empfehlen kann. Es ist leicht, sieh nach der folgenden Methode in kurzer Zeit eine ansehnliche Menge der beiden merkwürdigen Körper zu verschaffen. Die breiige, nicht geschmolzene Kalimasse wird in Wasser gelöst und sofort ein Strom Kohlensäure hindurch geleitet, bis das überschüssige Ätzkali in kohlensaures verwandelt ist. Hierauf wird das Ganze im Wasserbade abgedampft, bis es zu erstarren anfängt. Diese noch sehr braune Masse wird nun mit starkem Alkohol 5 bis 6 Mal gut ausgekocht. Der Rückstand (a) wird aufbewahrt. Die rothbraunen filtrirten Tineturen bringt man in ein ver- schliessbares Gefäss, und setzt so lange Äther hinzu als man noch eine Ausscheidung bemerkt, wozu meistens etwa das doppelte Volumen des angewandten Weingeistes erforderlich ist. 38A Hlasiw etz. Auf den Ätherzusatz trübt sich sogleich das Ganze und es sondert sich in zwei Schichten, eine dicke ölige, schwere, die am Boden des Gefässes sich ansammelt, und darüber stehend das anfangs milchige Ätherweingeist-Gemisch. Über Nacht hat es sich ganz geklärt, es wird abgegossen und durch Destillation der Äther wiedergewonnen; hierbei gewinnt man meistens noch eine ganz kleine Menge desselben Körpers, der sich ausgeschieden hatte. Diese gefällte zweite Flüssigkeitsschichte ist nichts anderes als eine sehr concentrirte Lösung des Kalisalzes einer neuen Säure, das sich in Weingeist zwar leicht löst, in Äther aber ganz unlöslich ist und also gefällt wird. (Dass ich es überhaupt auf diese Weise und nicht durch hlosses Abdestilliren des Alkohols darstelle, geschieht darum, weil beim langen Sieden sich die Flüssigkeit etwas zersetzt, was man schon an dem Tiefbraunwerden derselben erkennt, und dann ein sehr gefärbtes unreines Produet gibt.) Man verdünnt diese Lösung mit etwas Wasser, verjagt durch Kochen die letzten Antheile von Äther und Alkohol, und nachdem sie wieder syrupsdiek geworden und erkaltet ist, zersetzt man sie sofort mit Salzsäure bis zur entschieden sauren Reaction. Alsbald erfüllt sich die Flüssigkeit mit Krystallen und nach kurzer Zeit ist sie zu einem Krystallbrei erstarrt, der die Säure mit etwas Chlorkalium gemischt enthält. Das Ganze lässt man auf einem Filter abtropfen, presst es zwischen Papier und trennt nun die Säure von dem Chlorkalium durch Ausziehen mit starkem Alkohol. Beim freiwilligen Verdunsten des Alkohols schiessen starke prismatische Krystalle an, die wiederholt umkrystallisirt werden. Am besten ist es, das Umkrystallisiren aus Wasser vorzunehmen, worin sie etwas weniger löslich sind als in Alkohol. Es war oft gar nicht nothwendig Entfärbungsmittel anzuwenden, denn nach drei- bis viermaligem Umkrystallisiren waren sie meist vollkommen farblos. Aber es kann sein, dass man beim langsamen Krystallisiren einige Krystalle anderer Art bemerkt, die sich in der Regel durch ihre dunkle Färbung verrathen, die einer zweiten Substanz ange- hören, deren Gewinnung ich sogleich beschreiben werde. In diesem Falle bringt man die Lösung durch Verdampfen zu stärkerer Concentration und stört die Krystallisation durch Umrühren Über das Phloretin. 3855 bis zum Erkalten der Masse. Der andere Körper bleibt in der Mutter- lauge. Den Krystallbrei presst man schnell zwischen Papier ab und krystallisirt dann um. Die so gereinigte Substanz ist, wie bemerkt, eine Säure, die ich als Phloretin-Säure weiter abhandeln werde. Der Kalirückstand (a) von den Auskochungen mit Alkohol enthält nun noch die grösste Menge eines anderen Körpers, der gleichzeitig gebildet wurde, der keine sauren Eigenschaften hat. Obwohl er im reinen Zustande in Alkohol leicht löslich ist, so geht er doch mit kohlensauren Alkalien eine Verbindung ein, die diesem Lösungsmittel widersteht, denn nur ganz kleine Mengen des- selben finden sich bei dem phloretinsauren Kali. Die Hauptmenge desselben erhält man erst, wenn man die mit Weingeist erschöpfte Kalimasse mit einer stärkeren Säure zersetzt. Zu dem Ende wird sie in Wasser gelöst und bis zur entschie- den sauren Reaction verdünnte Schwefelsäure hinzugetropft. Man kann sofort, ohne von dem herausfallenden schwefelsauren Kali abzuältriren, alles auf dem Wasserbade zur Trockne bringen und die Salzmasse mit starkem Alkohol oder besser mit Ätheralkohol auskochen, bis sie vollständig weiss erscheint. Die alkoholischen Flüssigkeiten destillirt man wieder ab, verjagt aus dem mit Wasser verdünnten Rückstand den Rest des Weingeistes durch Kochen und lässt nun krystallisiren. Sehr bald nach dem Erkal- ten wird man eine reichliche Krystallisation eines noch stark gefärbten Körpers finden, dessen hervorstechendste Eigenschaft ist, dass er sehr süss schmeckt, wesshalb er bis auf Weiteres Phlorogluein genannt sein mag. Die Mutterlaugen geben bei neuem Verdampfen noch ansehnliche Mengen desselben. Ausser diesen beiden Körpern bildet sich bei der angeführten Zersetzung des Phloretins kein weiteres Product. Ich habe mich davon mit grosser Sorgfalt zu überzeugen gesucht, und die Versuche vielfach und in verschiedener Weise wiederholt. Das Detail derselben übergehe ich jedoch, denn sie laufen schliesslich in das vorstehende Verfahren zusammen. Phloretinsäure. Ich glaube dem ersten der beiden gefundenen Körper keinen passenderen Namen geben zu können, wenn gleich unter diesem 386 Hlasiwetz. bis jetzt meistens ein stickstoffhaltiger amorpher brauner Körper verstanden wird, den Stass durch Einwirkung von Salpetersäure auf Phloridzin dargestellt hat, und für den doch im Grunde dieser Name nicht ganz bezeichnend ist. Dass er aber ein Nitrosubstitut der neuen Säure ist, die ich beschreiben will, bezweifle ieh mit Grund; seine Zusammensetzung gestattet wenigstens keine solche Beziehung zu derselben. Die reine Phloretinsäure krystallisirt aus Wasser in schönen, oft zolllangen glänzenden gebrechlichen Prismen, die meistens stern- förmig gruppirt sind. Aus Alkohol werden dieselben stärker erhalten, am schönsten aber aus Äther, worin die Säure am löslichsten ist. Wenn die ätherische Lösung durch freiwilliges Verdunsten syrupdick geworden ist, so erhält man bei grösseren Mengen Substanz, Krystalle von mehr als Zolllänge und bis nahezu 1/, Zoll Dieke. Sie halten sich an der Luft unverändert und reagiren stark sauer. Ihr Geschmack ist etwas herb, säuerlich adstringirend. Ihre wässerige Lösung zersetzt kohlensaure Salze leicht und gibt nur mit Bleiessig, salpetersaurem Quecksilberoxyd und Queck- silberoxydul Niederschläge. Die beiden letzteren sind krystallinisch. Eisenchlorid färbt dieselbe grün. | Mit Ammoniak versetzt und mit Luft geschüttelt, färbt sie sich roth. Silbersalpeter wird auf Zusatz von etwas Ammoniak beim Erwärmen redueirt. Bleichkalklösung färbt sie vorübergehend roth- braun. In kalter Salzsäure ist sie unlöslich, die erhitzte Lösung bräunt sich. Concentrirte Schwefelsäure löst sie, schwach erwärmt, farblos, beim weiteren Erhitzen wird die Flüssigkeit grünbraun. Braunstein bewirkt keine Farbenveränderung. In Salpetersäure ist sie sogleich mit rothbrauner Farbe löslich. Die wässerige Lösung kann ohne hemerkbare Zersetzung anhaltend gekocht werden. Zerrieben, mit Wasser befeuchtet und in einer Ammoniak-Atmosphäre stehen gelassen, zerfliesst sie und wird gelb- roth. Die Phloretinsäure erleidet weder beim Trocknen bei 100°, noch beim Schmelzen einen Gewichtsverlust. Sie schmilzt bei 128 bis 130°C. und erstarrt krystallinisch. Sie gibt beim weiteren Erhitzen einen stechenden Dampf, brennt, gibt sehr wenig Kohle und verschwindet ohne Rückstand. Über das Phloretin. 387 Die Analysen derselben haben ergeben '): I. 0'314 Gr. Substanz gaben 0'742 Gr. Kohlensäure und 0'185 Gr. Wasser 21.0.2912; 55 =. 0.688387, > „. 0.1662, “= "III. 03048 „ 33 20.020198, % = 011890, Br IV. 0256 ” ” ” 0.677 ” b2] E) 0.172 ” ” In 100 Theilen: berechnet gefunden I II. 1. IV. Cs — 108 — 64:66 — 64-44 — 6451 — 6440 — 64:52 H, — 1-—- 65—- 654- 634— 650 — 6:68 0, — 485 — 2876 — 29:02 — 29:15 — 29:10 — 28-80 162 — 100:00 — 100:00 — 100:60 — 100.00 — 100°00. (Zu jeder Analyse diente Substanz von neuer Bereitung.) Die Formel C,;H,ı 0,, die ich berechnet habe, ist aus den übereinstimmenden Analysen der Salze abgeleitet, die den besten Anhaltspunkt für ihre Feststellung abgeben, denn sie sind sämmtlich wohl krystallisirt und leicht rein zu erhalten. Der einfachste Weg sie zu gewinnen ist, dass man die kohlensauren Salze der betreffen- den Basen durch eine Lösung der Phloretinsäure zersetzt. Ralisalz. Aus kohlensaurem Kali und wässeriger Lösung der Phloretin- säure oder durch Mischen einer Lösung von Phloretinsäure mit Kali- lauge, Sättigen mit Kohlensäure, Abdampfen, Ausziehen der trockenen Masse mit starkem Alkohol. Ein Überschuss von Alkali verursacht dass sich die Lösung an der Luft braun färbt. Das Salz krystallisirt aus der freiwillig verdunsteten alkoholischen Lösung strahlig oder bei grösseren Mengen in prismatischen Blättern, die oft eine ansehnliche Grösse erreichen. Von den dieken Mutter- laugen wird es zwischen Papier abgepresst und wiederholt umkry- stallisirt. Es ist farblos, schmeckt erwärmend salzig, verwittert an der Luft und verliert beim Trocknen bei 100° C. sein Krystallwasser vollkommen. 2) Alle in dieser Untersuchung angeführten Analysen sind mit chromsaurem Bleioxyd und einer vorgelegten Schiehte Kupferoxyd gemacht worden. Die mit * bezeich- neten hat mein Assistent, Herr Fr. Bukeisen, ausgeführt. 388 ‚Hlasiwetz. Zur Analyse wurde das Salz im Wasserbade getrocknet. I. 0'287 Gr. Substanz gaben 0551 Gr. Kohlensäure und 0.127 Gr. Wasser Il. 0'323 „ „> » 0'136 sehwefelsaures Kali. In 100 Theilen:: berechnet gefunden Eee ns —n Cs — 108 — 52:68 — 52:36 Ho — 10 — #87 — #91 0, — 40 — 19:53 — 19:99 KO — A417 — 229% — 2274 205 — 10000 — 100:00. Die Formel des Salzes ist daher: C,;H,.0,; . KO. I m Natronsalz. Wie das Vorige dargestellt. Aus der sehr concentrirten Lösung, die sich leicht an der Luft röthlich färbt, krystallisirt es in strahligen Prismen, die beim Liegen an der Luft verwittern. Nach dem Trocknen bei 100° gaben: 0-516 Gr. Substanz, 0:191 Gr. schwefels. Natron. Berechnet Gefunden Fe EEE SEE ———n Cs — 108 — ” En „ Ho — 1-5 — 0, aan 40 Pr 99 FE ” NaO — 31 — 1640 — 1615 189 Formel: C,3H,,0; » NaO. " ee u en Magnesiasalz. Aus kohlensaurer Bittererde und Phloretinsäurelösung. Farblose, wavellitartige Krystallanhäufungen. Barytsalz. Durch Eintragen von kohlensaurem Baryt in eine erwärmte Lösung der Säure bis zum Aufhören des Aufbrausens erhalten. Kry- stallisirt in sehr schönen langen, durchsichtigen, flachen Prismen. Bei 100° werden sie opak. I. 0:3786 Gr. Substanz gaben (bei 100° getrocknet) 06258 Gr. CO, u. 0'141 Gr. HO. 1,.70:416 A a, 5 0205 „ Ba0.SO, "III. 02961 ” ” ” ” 0.1454 DE 2) Über das Phloretin. 389 Berechnet Gefunden En NET une I: I. I. GC, — 108 — 4603 — 4608 — „ — „ Ho — W—- 4236— Al4— „ — 9» 0, A UN er) ” Ba0 — 766— 32695 — ,„ — 32:37 — 32:26 234.6— 100'00 Formel: C,sH,,0,.BaO0. mn Linksalz. Dargestellt wie das Barytsalz.. Man muss jedoch die Lösung siedend filtriren, denn das Salz ist sehr schwer löslich und fällt sogleich aus der heissen Flüssigkeit in prächtigen glänzenden, flachen Prismen und Blättern heraus, die sich beim Abdampfen vermehren. Es ist nächst dem Barytsalze das schönste der untersuchten Salze; die atlasglänzenden Blätter haben ohngefähr das Aussehen des Chol- sterins. Es ist luftbeständig. * 0.2973 Gr. Subst. gaben (bei 100° getrocknet) 0:5938 Gr. CO,u. 01358 Gr.HO. Berechnet Gefunden E E vu Os — 108 — 5440 — 5447 Ho — 10 — 505 — 5:04 0, — Al — 39 LE umn 2 Ze — A0d5— „3 — » 1985 Formel: C,;H,00; - ZeO. m ——— Silbersalz. Man erhält dasselbe leicht durch Fällen einer reinen Lösung des Natronsalzes mit salpetersaurem Silberoxyd. Die Flüssigkeit erstarrt zu einem Krystallbrei blendendweisser Nadeln, der sogleich bei Lichtabschluss filtrirt und mit kaltem Wasser ausgewaschen werden muss. Zwischen Papier abgepresst lässt man ihn im Dunkeln luft- trocken werden, und hierauf kann er bei 100° weiter entwässert werden. Das Salz ist sehr empfindlich für den Lichteinfluss und daher trotz aller Vorsicht meistens etwas gefärbt. Ebenso färbt es sich, wenn das noch feuchte Salz ins Wasserbad gebracht wird. Es ist leicht löslich in Essigsäure und Ammoniak. *I. 0.3976 Gr. Substanz gaben 05638 Gr. Kohlensäure u. 0:1368 Gr. Wasser 120:312: 7, 5 0 RSulber II. 0.400 „ ss von anderer Bereitung gaben 0°156 Gr. Silber. 390 Hlasıwetz. In 100 Theilen: berechnet gefunden m N ME SE NE I. ll. II. Cs — 108 — 3941 — 3367 — » — » Ho — 10-— 365 —- 32 — „ 0, — 9 —- 1461 — ,„.— 093.070 9» AgO— 116 — 4233 — „ — 42:68 — 41:88 274 — 100:00. Formel: C,sH400; : AgO. ee N Quecksilbersalze. Sie entstehen schon beim Vermischen der Säurelösung mit sal- petersaurem Quecksilberoxydul und neutraler Oxydlösung. Es sind krystallinische Niederschläge. Der mit dem Oxydulsalz erzeugte bildet prismatische Nadeln, der mit dem Oxydsalz durchsichtige tafelförmige Krystalle. Die Äther-Verbindung der Phloretinsäure suchte ich durch Behandeln einer Lösung der Säure in absolutem Alkohol mit Salz- säuregas zu erhalten. Dabei wurde die Flüssigkeit braunroth, und als ich sie später im Wasserbade verdampfte, hinterblieb ein schön dunkelpurpurroth gefärbter Syrup, der spärlich kleine Krystalle ansetzte, die im reinen Zustande farblos sein mögen, deren Menge aber nicht hinreichte, weitere Versuche damit anzustellen. Die Salze der Phloretinsäure entwickeln beim Erhitzen einen reizenden Dampf, dessen Geruch an Phenylalkohol erinnert. Die Phloretinsäure ist dem Vorstehenden zufolge einbasisch, ihr entspricht die Formel C,sH,,0; .HO ‚m die ihrer Salze ist dann allgemein: C,;H,,0,.MO. ä ’ en, mn ! Ich wende mich nun zur Beschreibung des zweiten Zersetzungs- productes des Phloretins, welches weder saure noch basische Eigen- schaften zeigt, dessen ich anfangs unter dem Namen Phlorogluein gedacht habe. Ich will von vornherein bemerken, dass dieser Körper die grösste Ähnlichkeit mit dem Orcin hat. So lange ich keine Über das Phloretin. 391 Elementaranalyse desselben gemacht hatte, war ich in der That in Versuchung, ihn geradezu für dasselbe zu nehmen, so vieles hat er mit diesem Flechtenstoff gemein. Allein es gibt doch ausser dem Unterschied in der Zusammen- setzung einige besondere Kennzeichen für ihn, wie sich aus dem Folgenden ergeben wird. Vor Allem lässt er sich so wie das Orein nur schwierig farblos erhalten. Die, nach dem eingangs angegebenen Verfahren zunächst erhaltenen Krystalle sind immer stark gefärbt. Nach vielen Versuchen fand ich für das beste sie so zu reinigen, dass ich die wässerige Lösung derselben mit etwas Bleizuckerlösung versetzte (die keine Fällung hervorbringt) und sofort Schwefelwasserstoff durch die Flüssigkeit leitete. Das herausfallende Schwefelblei entfärbt bis zu einem gewissen Grade sehr schnell, die Flüssigkeit wird licht weingelb und gibt, nachdem sie wieder etwas eingedampft ist, den Körper in Krystallen, die, besonders wenn man die Operation einige Male wiederholt hatte, nur noch einen gelblichen Stich haben. Sie haben das Eigenthümliche, dass sie das Färbende einer wässerigen Lösung vollständig an sich ziehen, so dass diese, in dem Maasse als mehr herauskrystallisirt, immer farbloser wird. Das ist aber weniger der Fall bei einer Ätherlösung. Lässt man die schon möglichst entfärbte Substanz aus Äther, worin sie sich schon in der Kälte leicht löst, krystallisiren und giesst bei Zeiten die Mutterlauge ab, so sind die Krystalle fast farblos, die Lauge bleibt gefärbt und nunmehr können sie wie angegeben noch einmal aus Wasser umkrystallisirt werden und erscheinen dann ungefärbt. Es sind Krystalle des rhombischen Systems, die bei langsamem- Verdunsten leicht die Grösse einer Linse erreichen, meistens unregel- mässig entwickelte Prismenflächen zeigen, hart sind, zwischen den Zähnen knirschen und viel süsser schmecken als Zucker. Ihre Lösungen verändern Pflanzenpigmente nicht. Aus concen- trirten wässrigen Lösungen krystallisirt der Körper sehr schnell, langsamer aus Weingeist und Äther. In letzterem ist er am löslich- sten. Aus absolutem Äther werden die Krystalle wasserfrei erhalten, die aus wässeriger Lösung enthalten Krystallwasser. Die wässerige Lösung verhält sich gegen Reagentien in folgen- der Weise: Sitzb. d. mathem.-naturw. Cl. XVII. Bd. III. Hft. 26 392 Hlasiwetz. Von Metallsalzen wird sie, mit Ausnahme von Bleiessig, nicht gefällt. Salpetersaures Quecksilberoxydul wird redueirt, ebenso Silberlösung beim Erhitzen und besonders schnell auf Zusatz von etwas Ammoniak. Eisenchlorid bewirkt eine intensiv violetrothe Färbung; sie ist der des Phloridzins fast gleich. Bleiehkalklösung gibt eine rothgelbe Färbung. Sie verblasst aber sogleich, wenn etwas mehr davon zugesetzt wird. Die Trommer'sche Zuckerprobe wird mit einer Phloroglueinlösung leicht erhalten. Bringt man eine Lösung des Körpers in kohlensaurem Kali bis fast zur Trockne, so wird durch Alkohol oder Äther nur eine Spur desselben wieder ausgezogen; um so weniger, je wasserfreier diese Lösungsmittel sind. Dieses Verhalten gab mir die im Eingange beschriebene Methode der Trennung der Phloretinsäure von Phloroglucin durch Behandlung der kohlensauren Kalimasse mit Alkohol und Äther an die Hand. Die ammoniakalische Lösung des Phloroglueins wird mit Luft geschüttelt rothbraun, später ganz undurehsichtig. Die mit Wasser befeuchteten Krystalle zerfliessen in einer Ammoniak-Atmosphäre zu einer rothbraunen Flüssigkeit. Salpeter- säure löst die Krystalle mit brauner Farbe. Erhitzte Salzsäure färbt sich rothgelb, kalte zeigt keine Einwirkung. Wie man sieht, sind die meisten Reactionen des Phloroglueins denen des Oreins völlig gleich. Es unterscheidet sich jedoch von demselben dadurch, dass es nieht, wie vom Orcin bekannt ist, schon unter 100° schmilzt und dass es luftbeständig ist, d. h. seine Farbe beim Liegen nicht verändert, wie Orein. Die Krystalle des wasser- haltigen Phloroglueins verwittern in der Wärme, behalten aber ihre Gestalt und können bei 100° ohne Veränderung getrocknet werden. Nur wenige Grade weiter, erhitzt, werden sie etwas missfarbig, schmelzen aber erst bei eirca 220°. Über diese Temperatur erhitzt sublimirt ein Theil. Die geschmolzene Masse erstarrt krystallinisch. Der Geruch überhitzten Phloroglueins hat nichts besonders Auffal- lendes. Die Kohle verbrennt ohne Rückstand. (Beiläufig bemerkt, gibt die Hälfte der Summe der Schmelzpunkte des Phloroglucins und der Phloretinsäure ohngefähr den Schmelz- 4-17.) Die nun folgenden Analysen sind immer mit Proben von ver- schiedener Bereitung ausgeführt. punkt des Phloretins, das bei 1800 schmilzt. Über das Phloretin. 393 a) Wasserhaltige Substanz; lufttrocken. I. 0-350 Gr. Substanz gaben 0'570 Gr. CO, und 01926 Gr. HO. 1. 03078 „ P ” 0500 » » E23) 0:186 ee }) 1. 03132 5.5. »„ 0565, 5 02083 5 IV. 0:3266 en )) » 0531 % „ „ 0:190 BD) 9% In 100 Theilen: I. I. IM. IV. C— AA — AA30 — A459 — AL3A H— 611— 604— 657— 6%6 0 — 4945 — 49:66 — 48:84 — 49:20 100.00 — 100:00 — 100.00 — 10000. (I reinste Substanz, Il fast farblos, IV etwas gefärbt. Der Wasser- stoff in Ill ist in Folge eines kleinen Versehens etwas zu hoch.) b) Wasserfreie Substanz *]. 0-366 Gr. Substanz gaben 07565 Gr. CO, und 0:1674 Gr.HO. 11.:0:333:, 5 20:69 ont 520.155. 2 IN. .0:330 , $ BE LINE Ba BR a BL ee 20,336. „x , 0 ER u Od V. 0401 ,„ 3 ERS ST RD. Korn a In 100 Theilen: I. Il. II. IV. V. C— 56:37 — 57:24 — 5732 — 5719 — 56:92 H— 508 —- 517— 505 — 519 — . 498 0 — 38535 — 3759 — 37:63 — 37:62 — 3510 100:00 — 100:00 — 100.006 — 100:00 — 100:00. {I 24 Stunden bei 100— 108° getrocknet; dabei hatte sich das Pulver schwach gefärbt. II nach zwölfstündigem Trocknen im Wasserbade. III ebenso. IV war gelblich. V 2 Tage unter der Luftpumpe und 12 Stunden bei 80° getrocknet.) Diese Procentgehalte lassen als einfachsten Formelausdruck C,H, 0, für die wasserhaltige, C,H,0; für die getrocknete Substanz zu, dann aber natürlich alle Zahlen, welche im Verhältniss von 6:5 oder 6:3 stehen. Ich glaubte mich für die Formeln C,,H,,0,, und C,H,0, entscheiden zu müssen, nachdem ich gefunden hatte, dass das Phloro- gluein mit derselben Leichtigkeit wie das Orein ein Bromsubstitutions- product gibt, dessen analytische Resultate nur mit diesen beiden in Einklang zu bringen sind. 26* 394 Hlasiwetz. Die Ubereinstimmung der berechneten und der gefundenen Werthe für das Phlorogluein ergibt sich dann aus Folgendem: berechnet gef. im Mittel berechnet gef. im Mittel nn — N un Tr NETT — nn Ca — 12 — Aria — Abb 0, — 72 — 5713 — 57:00 Ho — 1—- 617— 629 H — 6— 476 — 5:08 0, — 50 — 4938 — 4926 0, — 48 — 3811 — 3792 162 — 100.00 — 100:00 126 — 100:00 — 109:00. Es hinterliess ferner: I. 0460 Gr. lufttroekene Subst. beim Trocknen 0'358 Gr. Subst.; Wasserverlust — 0'102 I. 0:5582 ” 2) ” ” ” 04305 ” » 5 ” — 0.122. Berechnet Gefunden DE ——— Le C,H,05 — 126 — TI — „ — 4H0’ 36 2222 —- 22:18 2232 162 — 100:00. (Unter der Luftpumpe war nach sechstägigem Stehen der Wasserverlust blos bis auf 21'7—21'9 pCt. erhalten worden. Es wurde daher hierauf bei circa 90° das Trocknen durch 12 Stunden beendigt.) Bromverbindung. Wenn man in eine ziemlich eoncentrirte Lösung des Phloroglu- eins Brom tröpfelt, so verschwindet dieses schnell beim Umschütteln und macht einer reichlichen Ausscheidung von kleinen prismatischen Krystallen Platz, während sich die Flüssigkeit ein wenig erwärmt. Fährt man mit dem Zusetzen von Brom so lange fort, bis die letzten Antheile desselben nieht mehr verschwinden, so ist schliesslich die Flüssigkeit in einen Krystallbrei dieses neuen Körpers verwandelt, von dem man auf einem Filter die rothgelbe bromwasserstoffhaltige Mutterlauge abtropfen lässt und mit kaltem Wasser etwas nach- wäscht. Bei der ganzen Operation bemerkt man den heftigen zu Thränen reizenden Geruch, dessen auch Stenhouse'') bei der Dar- stellung des Bromorceids gedenkt. Überhaupt passt Stenhouse’s Beschreibung der Bereitung dieses Körpers auch fast vollständig auf den in Rede stehenden aus dem Phlorogluein. Gegen Wasser ver- hält sich jedoch der letztere vom Bromorceid verschieden. Denn 1) Ann. d. Ch. u. Ph. Bd. 68, S. 96. Über das Phloretin. 395 während von diesem angegeben ist, dass es in kaltem und heissem Wasser fast gleich unlöslich ist, in heissem jedoch schmilzt und beim Erkalten krystallisirt, ist das Bromphlorogluein in kaltem Wasser nur sehr schwer löslich, löst sich aber in einer grösseren Menge kochen- den Wassers vollkommen auf, und die Flüssigkeit lässt es nach dem Erkalten in den schönsten, oft sehr langen Krystallnadeln wieder anschiessen, die jedoch meistens noch einen bräunlichen Stich haben. Durch Behandeln der heissen Flüssigkeit mit Thierkohle können sie, wenn auch mit Verlust, entfärbt werden, denn es scheint, als zersetze sich der Körper etwas beim Kochen mit Wasser. Sehr leicht löst sich derselbe auch in Alkohol und krystallisirt daraus in concentrisch gruppirten Prismen. Kohlensaure und ätzende Alkalien lösen ihn leicht mit brauner Farbe. Beim Liegen an warmer Luft werden die Krystalle matt und verlieren Wasser. Bei 100° können sie vollständig entwässert werden und zerfallen dann leicht zu Pulver. I. 0.5203 Gr. lufttroekene Subst. gaben 0'333 Gr. CO, und 0'108 Gr. HO. II. 05034 „ » ) »„. 0.322 „ » = 0.1018, 2, 1. 0.500, 5 > » 067% „Bromsilb.(mit Kalk geglüht). IV. 0.542 „ „ 9 E2) 07276 „ „ ” „ „ In 100 Theilen: berechnet gefunden mm N SEE nn IE N 0, — 2 — 1726 — 1745 — 174 — „ — 5, I N a BB es OÖ, == 96 SE 2328 GE DI Me e) Zar „ ANY E2) 41% — 10000. Die Analysen der getrockneten Substanz haben ferner ergeben: 1. 0.3473 Gr. Subst. gaben 0'267 Gr. CO, und 0'040 Gr. HO. 11. 04827 , z ER DK LEE N U II. 0540 „ Fr » 0'8286 „ Bromsilber. IV. 02436 „ > »„ 03804 „ 5 In 100 Theilen : berechnet gefunden ee nn U —— T. II. IH. IV. C. — R— 1983 — 2022 — 1985 — ,„ — , H — 3—- 032 -— 127 — 146 — a Br, — 240 — 6611 — „ — „.— 66:07 — 66:08 0, —_ in 13:24 — ee ” Tan ” ig ” 363 — 100.00. 396 Hlasiwetz. Bei den Versuchen, den Wasserverlust des krystallisirten Kör- pers direet zu bestimmen, wurde gefunden: I. 04028 Gr. Substanz verloren bei 100° 0'052 Gr. HO, 1. 05025 „ Br K N 0.065 „ Berechnet Gefunden a m C,,H,Br,;0, — 363 — 8706 — „ — , 6H0O — 54 — 12-94 — 12:90 — 12:93 "447 2 100:00. Wenn auch, wie ieh oben bemerkte, die Zusammensetzung des Phloroglueins eine Anzahl Formeln mit 6, 12, 16, 18, 28 Kohlen- stoff ete. zulässt, so ist doch auf die Bromverbindung keine auszu- rechnen, die so wie die mit C,, den gefundenen Mengen entspräche, und es scheint geboten, die empyrische Zusammensetzung dieser Körper demgemäss auszudrücken: C,. H, 0, = wasserfreies Phlorogluein, N T——t C,; H,;, 0, + 4HO = wasserhaltiges > N E) N nz > | nn O0, == wasserfreie Bromverbindung, Ca It 0; + 6H0 = wasserhaltige u Die letztere Verbindung enthält demnach 2 Äq. HO mehr als die ursprüngliche Substanz. Bleiverbindung des Phloroglueins. Wie das Orein wird das Phlorogluein auch durch Bleiessig gefällt. Der Vollständigkeit wegen habe ich diesen Niederschlag unter denselben Vorsichtsmassregeln wie Dumas 1) das Salz aus dem Orein darstellte, erzeugt und untersucht. Die Lösung des süssen Körpers wurde mit der Vorsicht mit Bleiessig versetzt, keinen Überschuss desselben hinein zu bringen, dann der weisse Niederschlag schnell mit destillirtem Wasser einige Male ausgewaschen, zwischen Papier abgepresst und unter die Luft- pumpe gebracht. Erst nachdem er dort ausgetrocknet war wurde er zerrieben und bei 100° weiter getrocknet. | 1) Ann. d. Ph. Bd. 27, S. 140. Über das Phloretin. 397 Das Salz ist nicht so unbeständig wie das aus Orein gewonnene und färbt sich nicht wie dieses beim Auswaschen und Trocknen roth. 0.6756 Gr. Substanz gaben 0'317 Gr. CO, und 0:069 Gr. HO. 059% , 45 » 04603 „ Bleioxyd. Bereehnet Gefunden mm N Fe ,.,— 17% — 1241 — 1279 HK, — 65- 1% —- 113 0, — 383 — 355 — 848 PbO, — 446 — 77:97 — 77:60 572 — 100:00 — 100:00. Die Zusammensetzung C,;H;0, 4+4PbO kommt also auch mit jener des Oreinbleioxyds überein, welche Laurent und Gerhard zu C,,H;0, + 4PbO umgerechnet haben. Es sei mir nun erlaubt, die Beschreibung dieser Zersetzungs- producte des Phloretins mit einigen Bemerkungen zu beschliessen. Was zunächst ihre Entstehung aus dem Phloretin angeht, so ergibt sich dieselbe sehr einfach aus folgender Gleichung: C,0H1,0;0 + KOHO = C,5H,005 - KO + C45H,0, wg m tn nt Phloretin Phloretinsäure Phlorogluein. Die Spaltung hat dann grosse Ähnlichkeit mit dem Zerfallen einer gepaarten Ätherverbindung durch Alkalien. Dieses Schema schliesst die Voraussetzung ein, dass die Formel des Phloretins —(,,H,;0,. sei, eine Formel, welche aus den directen Ergeb- nissen der verschiedenen Analytiker und zuletzt aus Roser's ent- scheidenden Versuchen ') gewonnen wurde. Sie wurde zuerst von Liebig?) aufgestellt, und würde ohne Zweifel allgemeine Geltung behalten haben, wenn nicht Strecker in einer die erste Abhandlung begleitenden Notiz statt derselben C;,H,,0,. in Vorschlag gebracht hätte, um die Bildung des Phloridzeins besser erklärbar zu machen. Wenn ich mich demohngeachtet für die ältere Formel entscheide, so geschieht es nur, weil mir die angeführten Thatsachen mehr als alles Andere für dieselbe zu sprechen scheinen, denn abgesehen davon, dass auch der früheren Erklärung der Bildung des Phloridzeins aus 1) Annal. d. Ph. Bd. 7A, S. 185. 2) Annal. d. Ph. Bd. 30, S. 217. 398 Hlasiwetz. C,,H,;0,0+Ci2H100:0 .4HO nichts widerspricht, müsste man für die Deutung der mitgetheilten Zersetzung doch zu sehr gezwungenen Voraussetzungen seine Zuflucht nehmen, da es nicht angeht, ein Äquivalent Wasserstoff aus den neuen Verbindungen herauszurechnen. Welchen Classen von Verbindungen die beiden Substanzen angehören, kann man im Allgemeinen wohl bestimmen. Ich glaube, dass diese Körper zu keinen anderen näher stehen, als zu den eigenthümlichen Bestandtheilen der Flechten. | Die Ähnlichkeit des Phloroglueins mit dem Orein ist in die Augen springend; es ahmt dasselbe in seinen hauptsächlichsten Ver- hältnissen so nach, dass man bei oberflächlicher Betrachtung es damit verwechseln könnte. Die Formeln geben bis jetzt wenig Aufschluss über diese Ähnlichkeit, da auch die des Orcins noch ganz empyrisch ist. CsH;,0, + C,H; — 0, = C,.H,0, Aber es lassen auch alle die übrigen indifferenten Flechten- körper, die ja höchst wahrscheinlich sehr nahe mit einander verwandt sind, aus ihren Formeln diese Beziehungen bis jetzt noch nicht erkennen. C,,H,s0, = Betaorein, C,,H,g0,,> Pieroerythrin, C,sH; 0, = Roccellinin, C,H; 0, = Orein, C,>H, 0, = Phlorogluein, C, H,.0; = Erythrogluein, und vielleicht C, H, O0, = Mamnit. Nicht ganz abzuweisen ist vielleicht der Gedanke, dass sie eine Art Alkohole sind, und es wäre zu versuchen, ob sich das nicht durch Darstellung der abgeleiteten Verbindungen beweisen liesse. Das Phlorogluein scheint dazu, da das Phloridzin nunmehr in beliebiger Menge im Handel zu haben ist, am leichtesten verwendbar. Die Phloretinsäure ihrerseits wüsste ich auch vorläufig nicht besser zu vergleichen als mit den Flechtensäuren. Sie ähnelt der Everninsäure, und unterscheidet sich empyrisch genommen von die- ser nur im Sauerstoffgehalt. C,sHı00; = Everninsäure, C,sH} 0; = Phloretinsäure. Anderntheils habe ich die Vermuthung, die es mir vielleicht glückt in der Folge zu bestätigen, dass diese Säure vermöge gewisser Zersetzungsproducte in einer Beziehung zur Phenylreihe steht. Über das Phloretin. 399 Ob die Phloretinsäure C,sH},0, und das Tyrosin C,H, NO, mit einander etwas gemein haben, muss directen Versuchen aufzu- klären überlassen bleiben. Die Vermuthung liegt übrigens nahe. Bekanntlich hat schon Städeler 1) geäussert, es könnte das Tyrosin in die Spiroylreihe gehören, und weist zur Stütze dieser Meinung auf die Reaction mit Eisensalzen, das Verhalten gegen chlorsaures Kali und Salzsäure und den an Anilin erinnernden Geruch hin, den man beim Schmelzen von Tyrosin mit Kali und Braunstein erhält. Diese Verdachtsgründe lassen sich auch für die Phloretinsäure geltend machen, und ich kann hinzufügen, dass auch diese, wenn man sie mit Salzsäure und chlorsaurem Kali behandelt, anfangs sich rothbraun färbt, dann beim Erwärmen reichlich Gas entwickelt, end- lich wieder gelb wird und getrübt ist von amorphen gelben Flocken. Den Geruch nach Phenylsäure beim Erhitzen der phloretinsauren Salze habe ich schon erwähnt. Um nun auf das Phloretin zurückzukommen, so scheint es mir am passendsten, es unter dieselben Gesichtspunkte zu bringen, wie die gepaarten Flechtensäuren, die auch mehr oder minder leicht in ähnliche Körper zerfallen. Wir hätten dann: C;, Hi 01; = 04,0; + CH, 0; N Tr N Tl Ne —t Betaorsellsäure Orsellinsäure Roceellinin C;, H,; 04, +2H0O =C,,H, 0; + Cs Hin 05 In —m—t Ne m IT mt Evernsäure Orsellinsäure Everninsäure Can Hay Oz0 +20 — OyulOs + Calls On Erythrinsäure Örsellinsäure Pieroerythrin C;, H,; 0,9, +2H0 = C,H, 0: + C5Hk 0% N — Ns mt en mt Phloretin Phloretinsäure Phlorogluein. Für physiologisch interessant halte ich schliesslich den Zusam- menhang der hier erzeugten, den Fleehtensubstanzen so verwandten Körper mit einem so verbreiteten Stoff phanerogamer Pflanzen wie das Phloridzin der Obstbäume. Das Allgemeine der Thatsache ist für sich klar. Es lässt uns ahnen, wie verhältnissmässig einfach die Bildung gewisser eigenthümlicher Substanzen in den parasitischen Pflanzen sein mag, und man darf wohl die Hoffnung hegen, dass man 1) Göttinger Nachrichten 1853, S. 122. A0O Hlasiwetz. Über das Phloretin. auch vielleicht noch die Paarlinge des Phloretins fertig gebildet in solchen Pflanzen antreffen wird. Fragen solcher Art aber auf ihre letzten Gründe zurückzuführen, wird wohl erst einer ferneren Zukunft vorbehalten sein. Der letzten Mittheilung über die Identität des Quereitrins und der Rutinsäure, die ich einer k. Akademie zu machen die Ehre hatte, erlaube ich mir durch die folgenden Zahlen noch eine Stütze mehr zu geben. Professor Rochleder hatte die Güte, mir zu einem Versuch eine kleine Menge Rutinsäure zu überlassen, die seiner Zeit aus Capparis sp. gewonnen worden war. 0255 Grm. dieser Substanz wurden in einem Kölbchen in etwa 50 CC. Wasser siedend gelöst und nach Zusatz von etwa 60 Tropfen verdünnter Schwefelsäure 4 Stunden lang im Kochen erhalten. Die Zersetzung war dann beendigt; die Flüssigkeit hatte sich mit kleinen eitrongelben zarten Krystallen erfüllt, und als diese abfiltrirt wurden, erschien die anfangs gelbe Lösung vollkommen farblos. Dieses saure Filtrat wurde mit Natronlauge alkalisch gemacht und auf 250 CC. verdünnt. 10 CC. Fehling’scher Kupferoxydlösung, welche 0:05 Zucker entsprechen, brauchten von dieser verdünnten Flüssigkeit 110 CC., um kochend vollständig redueirt zu werden. Hieraus berechnen sich 44:5 pCt. Zucker. Der rückständige gelbe Körper wurde bei 100° getrocknet und gewogen. Er betrug 0:148 Grm. = 58:03 pCt., und hatte alle Eigenschaften, die Rigaud vom Quercetin angegeben hat. Die Formel C,;H,, O;; für das Querecitrin verlangt: 44:6 pCt. Zucker und 59:8 pCt. Quercetin. (Die Bestimmung des Quercetins fällt immer nur annähernd aus; inRigaud's Versuchen schwanken die gefundenen Mengen bis zu 62-4 pCt.) Somit erscheint es bewiesen, dass „Quereitrin“ und „Rutin- säure“ wirklich eins und dasselbe sind. Glocker. Neue Beobachtungen über das Vorkommen des Stilpnomelans. 401 Neue Beobachtungen über das Vorkommen des Stilpnomelans. Von RE. F. Glocker. (Vorgelegt in der Sitzung vom 12. Juli 1855.) Zuerst ist der Stilpnomelan bekanntlich bei Obergrund unweit Zuckmantel und später bei Spachendorf unweit Bennesch im österreichischen Schlesien entdeckt worden. Diese Vorkommnisse habe ich in meinen Beiträgen zur mineralogischen Kenntniss der Sudetenländer (H. I, S. 68 ff.) beschrieben, und von dem Stilpnomelan von Zuckmantel hat Herr Prof. Dr. Rammelsberg (Poggend. Ann. Bd. XLII, S. 129 f.) einige Analysen mitgetheilt. Seit dieser Zeit habe ich den Stilpnomelan noch an mehreren anderen Orten und in derselben Gebirgsformation wie an den erstgenannten gefunden, zum Theil unter Erscheinungen, welche diese neuen Vorkommnisse aus- zeichnen und ihnen ein besonderes Interesse verleihen, daher ich hier einige Nachricht davon geben will. 1. Stilpnomelan von Seitendorf bei Troppau. Dieses Vorkommen ist wegen einiger eigenthümlichen Verhält- nisse so wie durch die dasselbe begleitenden Mineralien bemerkens- werth. Es war im Sommer 1852, als an einem kleinen Hügel dicht hinter einigen Häusern von Seitendorf zwischen Klein-Herrlitz und Bennesch, 21/, Meilen von Troppau, aus einer dort angelegten Magneteisenerzgrube (derWilhelminegrube) ein sehr schöner gross- und kleinblättriger, so wie auch kurzstrahliger Stilp- nomelan gefördert wurde. Der grossblättrige ist zuweilen krummblättrig und zugleich dünnschalig abgesondert, stark glän- zend und zeigt sehr glatte (aber nicht fettig anzufühlende) Flächen. Der kleinblättrige geht ins Feinschuppige und zugleich Feinkörnige, und dieser, wenn die Absonderung mikroskopisch- klein wird, allmählich ins Diehte über. Der dichte Stilpnomelan hat einen unebenen Bruch vom feinsten Korn, ist meistens zugleich dieksehiefrig, lässt sich zuweilen aber auch in dünnschiefrige A0O2 Glocker. Scheiben spalten und zeigt auf den schiefrigen Ablösungen oft glatte, stark glänzende Spiegelflächen, während er im Querbruche matt ist. Er hat, wie der blättrige, eine rabenschwarze Farbe und einen hellberggrünen Strich und enthält sehr häufig fein eingesprengtes Magneteisenerz. Beim ersten Anblicke könnte man diesen dichten schiefrigen Stilpnomelan oder Stilpnomelanschiefer für schwarzen Thonschiefer halten, er ist aber sogleich durch sein höheres Gewicht und seinen berggrünen Strich erkennbar. Übrigens zeigt mancher anscheinend dichte schiefrige Stilpnomelan unter einer starken Doppel- loupe noch deutlich eine sehr feinkrystallinisch-körnige Beschaffen- heit oder besteht aus den zartesten Stilpnomelanblättehen, ebenso wie mancher Thonschiefer aus Glimmerblättchen. Der Seitendorfer Stilpnomelan ist theils in unregelmässigen derben Partien mit weissem, grossblättrigem gemeinen Kalkspath verwachsen, welcher in grosse, höchst vollkommen rhomboedrische Stücke springt, oder auch mit weissem gemeinen Quarz, oft mit beiden zugleich, oder er ist auch in Kalkspath und Quarz eingesprengt; theils erscheint er in meistens schmalen Trümmern, besonders der strahlige, welcher den :klein- und feinschuppig-blättrigen oft auf diese Weise durchzieht. Ferner kommt der blättrige und strahlige Stilpnomelan auch mit derbem, feinkörnigem Magneteisenerz, welches in der oben genannten Grube gewonnen wird, verwachsen vor und durchsetzt es auch in 2? —5 Par. Lin. breiten Trümmern. In diesem derben, fein- körnigen Magneteisenerz, welches entweder rein oder mit fein- sehuppigem oder feinerdigem Chlorit durchdrungen ist, fand ich einen 3 — 6 Lin. starken Gang von ziemlich grossblättrigem Kalkspath, welcher mit sehr schmalen Sahlbändern von feinblättrigem Stilpno- melan eingefasst ist, der sich auch an einzelnen Stellen in das Innere des Ganges hineinzieht, — ein sehr niedliches Vorkommen. Nicht selten zeigt sich in diesem Stilpnomelan, ebenso wie auch in dem begleitenden Magneteisenerz, Schwefelkies eingesprengt,, in kleinen derben Partien und in 4 — 5 Zoll mächtigen Gängen und schmalen Trümmern. Viel seltener erscheint in Begleitung des Stilpnomelans gelblichbrauner und haarbrauner kleinblättriger Eisenspath, welcher ihn gangartig durchsetzt oder in unregelmässigen derben Partien mit ihm ebenso wie mit weissem blättrigen Kalkspath verwachsen ist, und auch selbst wieder eingemengten Stilpnomelan ebenso wie auch Schwefelkies theils eingesprengt, theils in kleinen Würfeln und Neue Beobachtungen über das Vorkommen des Stilpnomelans. A03 Kubo-Oktaedern enthält. Dieses ist ein ganz neues Vorkommen der Eisenspaths, und Seitendorf bis jetzt der einzige Fundort, wo der- selbe mit Stilpnomelan verwachsen vorkommt. Mitten in dem derben kleinblättrigen Eisenspath bemerkt man zuweilen auch sehr kleine Krystalle desselben in der Form des primitiven Rhomboeders und eben solche auch als grosse Seltenheit in dem blättrigen Kalkspath. Der kleinblättrige Eisenspath geht auch durch einen sehr feinblättrigen Zustand ins Dichte über. Endlich trifft man auf der Lagerstätte des Stilpnomelans bei Seitendorf auch sehr feinschuppigen dunkel-berggrünen Chlorit in kleinen Partien an, wie eben dieses auch beim Stilpnomelan von Obergrund der Fall ist, und Rammelsberg’s Vermuthung (Hand- wörterb. d. ch. Theils der Min. II. Abth., S. 186), dass die von ihm in vier Analysen gefundenen Differenzen der chemischen Bestandtheile dieses Stilpnomelaus von einer Einmengung von Chlorit herrühren mögen, ist wohl als ganz gegründet anzunehmen. Der feinschuppige Stilpnomelan ist auch anfangs selbst für Chlorit gehalten werden. Wenn beide mit einander verwachsen vorkommen, lässt sich jedoch der Chlorit, auch wenn seine grüne Farbe sich noch so sehr der schwarzen des Stilpnomelans nähern sollte, durch seine viel grössere Weichheit, seine Mildigkeit und sein fettiges Anfühlen leicht vom Stilpnomelan unterscheiden. 2. Stilpnomelan von Bärn. 1. In der Annagrube dicht bei Bärn, 2 Meilen von Sternberg in Mähren, fand ich Stilpnomelan von gleichem Vorkommen wie bei Seitendorf unweit Bennesch, nur nicht so grossblättrig, nicht so häufig und nicht in so grossen Partien. Er ist dort gewöhnlich kleinblättrig, zuweilen auch kurzstrahlig und sowohl mit Kalkspath als mit fein- körnigem Magneteisenerz verwachsen. In Verbindung mit dem ersteren zeigt er oft ganz unregelmässige Formen, auch durchsetzt er ihn in schmalen gangartigen Partien, oder er stellt die Sahlbänder von Kalk- spathgängen dar, oder er ist auch blos in Kalkspath eingesprengt. In dem feinkörnigen Magneteisenerz bildet er schmale (1 Linie bis fast 1 Zoll starke) Gänge und diese enthalten oft kleine und sehr kleine Kalkspatheinmengungen, ebenso wie das Magneteisenerz selbst; an den Rändern solcher Gänge bildet oft kurzstrahliger Stilpnomelan eine Einfassung des hlättrigen. A0A Glocker. Das Gestein der Annagrube, worin der Stilpnomelan mit dem Kalkspath und Magneteisenerz vorkommt, ist ein dunkelberggrüner oder graulichgrüner, matter oder schimmernder dickschiefriger dichter, im Bruche feinsplittriger Chloritsehiefer, worin jedoch unter der Loupe höchst feinschuppige Theilchen erkennbar sind. Dieser Chlorit- schiefer istoft mandelsteinartig durch eingemengte kugelige oder ellipsoidische Körner von weissem oder blassrothem blättrigen Kalk- spath, oder auch porphyrartig durch eingemengte bald regel- mässig- , bald unregelmässigeckige Krystalle oder krystallinische Körner von eben solchem Kalkspath. Bemerkenswerth ist, dass sich unter beiderlei Kalkspath-Einmengungen nicht selten solche finden, welche in ihrem Centrum einen sehr kleinen gleichgeformten Kern von demselben dichten oder mikroskopisch -feinschuppigen Chlorit einschliessen, wie derjenige der Grundmasse ist. (Fig. 1.) rl) OO GBOAU Die Kalkspath-Einmengungen von kreisrundem oder ovalem Um- risse haben im Bruche ein ganz ähnliches Ansehen wie manche aus blättrigem Kalkspath bestehende Enkrinitenstielglieder, welche be- kanntlich im Querbruche eine vollkommen blättrige Strueturfläche des Kalkspaths darbieten, und man könnte beim ersten Anblicke wirklich verleitet sein, sie für solche zu halten, wenn nicht unter jenen Ein- mengungen auch Formen von vier-, fünf- und sechsseitigem und auch von ganz unregelmässigem Umrisse vorkämen, welche Durchschnitte von regelmässigen oder verschobenen Kalkspathkrystallen darstellen. Diese eckigen Kalkspathformen, welche mit denkreisrunden und ovalen abwechseln, dienen zugleich zum Beweise, dass man bei der Erklärung der Bildung des mandelsteinartigen Chloritschiefers nicht an eine sogenannte plutonische Entstehung und an eine Durchdringung des Gesteins mit Dampfblasen denken darf, eine Bildungsweise, welcher ausserdem auch noch die vollkommene Schichtung dieses Chlorit- schiefers und seine parallele Lagerung mit dem ausgezeichneten blassgrauen Übergangsthonschiefer widersprieht, weleher das Lie- gende der Magneteisenerzlager bei Bärn bildet, während der Chlorit- schiefer im Hangenden vorkommt. Die kugeligen und ellipsoidischen Kalkspathkörner sind vielmehr nichts anderes als eben solche Aus- scheidungen wie der denselben Schiefer unter den verschiedensten Formen in grösseren und kleineren Partien ‚durchziehende und häufig Neue Beobachtungen über das Vorkommen des Stilpnomelans. AO5 auch ganz unregelmässig darin eingesprengte Kalkspath, welcher auf diese Art so allgemein in entschiedenen Wasserbildungen verbreitet ist. Überdies ist auch die mandelsteinartige so wie die porphyrartige Struetur des Bärner Chloritschiefers durchaus nichts Constantes, sondern findet nur stellenweise Statt, während dagegen auf grösseren Strecken hin der Chloritschiefer ohne alle Kalkspath-Einmengung ist, was gleichfalls gegen eine plutonische Bildung spricht. Gerade an den Chloritschiefermassen der Annagrube kann man sich vollkommen überzeugen, dass die Kalkspath-Einmengung oft nur auf ganz kleine Räume sich beschränkt, während die viel grössere Ausdehnung dieses Schiefers ohne alle solehe Eininengung ist !). 2. Ausser der Annagrube gibt es noch einen anderen Fundort von Stilpnomelan in der Nähe von Bärn, nämlich am Kieselberge bei Prockersdorf, , Stunde von dem ersteren Orte entfernt. Ich fand denselben dort ebenfalls in einer Eisenerzgrube, aber nur in kleinen und kleinblättrigen Partien, mit derbem gemeinen Quarz verwachsen, so wie auch als kurzstrahlige Einfassung von 1/, bis 1 Zoll mächigen Kalkspathgängen. 3. Stilpnomelan von Sternberg in Mähren. Das merkwürdigste Vorkommen des Stilpnomelans ist dasjenige in der Pauligrube auf dem Babitzberge?) dicht bei Sternberg im nördlichen Mähren, weil er hier bis jetzt allein krystallisirt gefunden worden ist. Die Krystalle sind sehr dünne, 1 — 2 Par.Lin. breite sechsseitige Tafeln, anscheinend dem rhomboedrischen oder hexagonalen Krystallsysteme angehörig, aber stets so undeutlich, dass sich ihre Form nicht genau bestimmen lässt, indem ihre Ränder 1) Der mandelsteinartige Chloritschiefer von Bärn, welcher in noch grösserer Aus- dehnung und zugleich mit mandelsteinartigem Thonschiefer und in diesen voll- kommen übergehend bei Sternberg (wo die Einmengungen statt aus Kalkspath häufig auch aus gelbem und braunem Eisenocher bestehen), in einem kleineren Distriete auch bei Seitendorf unweit Troppau vorkommt, ist identisch mit dem unter dem unpassenden Namen Schalstein bekannten Gestein aus dem Nassaui- schen und vom Harze , über dessen Natur und angebliche Entstehung durch plutonische Kräfte so verwirrende Ansichten verbreitet worden sind. ?) Die vordere, dicht hinter den Häusern der Sternberger Vorstadt sich erhebende Kuppe des Babitzberges, auf welcher die Pauligrube liegt, wird auch der W ein- berg genannt. A06 Glocker. nicht vollkommen ausgebildet, sondern wie zernagt oder rauh, und noch überdies gewöhnlich mit gelblichbraunem Eisenocher überzogen sind. Diese Tafelkrystalle finden sich in Gangtrümmern von ziemlich grossblättrigem Stilpnomelan, dessen blättrige Partien senkrecht oder beinahe senkrecht gegen die Gangränder stehen; eben diese Stellung hat auch ein grosser Theil der Tafelkrystalle, in welche die blättrigen Partien am freien Ende auslaufen, daher die Krystalle mit ihren scharfen Rändern emporstehen, auf ähnliche Weise wie die tafelartigen Labradorkrystalle in den Klüften des Dolerits von Liebenau bei Wahlstadt in Schlesien. Die Tafeln stehen aber in verschiedenen Richtungen und durchkreuzen einander mehrfach, so dass sie kleine drei-, vier- bis fünfseitige geradzellige Vertiefungen bilden, deren Wände gewöhnlich mit gelbem Eisenocher bedeckt sind. Die aller- meisten Krystalle sind auf diese Weise zellig gruppirt. Der krystallisirte Stilpnomelan ist jedoch nur in wenigen Gang- trümmern vorgekommen; die meisten sind ganz mit derbem, blättrigem oder strahligem Stilpnomelan und oft zugleich mit Chlorit ausgefüllt. Der blättrige Stilpnomelan geht aus dem Grossblättrigen ins Klein- und Feinblättrige bis ins Mikroskopisch-Feinschuppige über; der strahlige ist meistens parallelstrahlig, seltener sternförmig-strahlig. Alle diese Varietäten erscheinen oft in gangartigen Lagen von 1/, Lin. bis 5 Linien Dieke neben einander und zugleich oft neben oder zwischen sehr feinschuppigem, feinkörnigem oder diehtem Chlorit, welcher fein eingesprengtes Magneteisenerz enthält, ja zuweilen ganz damit durchdrungen ist. Der grossblättrige starkglänzende Stilpno- melan erscheint gewöhnlich in 1—2 Linien starken Trümmern im feinschuppig-blättrigen, welcher die Hauptmasse darstellt. Der derbe blättrige Stilpnomelan hat oft schmale Klüfte zwischen sich, deren Wände einen Anflug von gelbem Eisenoxydhydrat haben. Manche Stilpnomelantrümmer sind gebogen und keilen sich mitten im Chlorit aus. Zuweilen sind in dem letzteren auch’einzelne stark glänzende Blättehen von Stilpnomelan eingemengt. Beim strahligen Stilpnomelan, welcher häufig in parallelen Gangtrümmern neben dem blättrigen liegt, sind die strahligen Partien senkrecht gegen die Gangtrümmer gerichtet. In manchen Gängen zeigen sich zwischen dem Stilpnomelan und Chlorit dünne Lagen von Schwefelkies und dichtem Brauneisenstein, welcher letztere höchst wahrscheinlich durch Umwandlung des Neue Beobachtungen über das Vorkommen des Stilpnomelans. A0Y7 Schwefelkieses entstanden ist; denn dieser zieht sich auch mitten in den Brauneisenstein hinein, keilt sich darin aus und setzt sich nach soleher Unterbrechung wieder fort, so dass er die Form im Kleinen darstellt, welche die liegenden Stöcke im Grossen haben. Schreitet der Umwandlungsprocess weiter fort, so werden die unterbrochenen Schwefelkieslagen immer kleiner und zuletzt ganz durch den Braun- eisenstein verdrängt. Nicht selten sitzt der Stilpnomelan auch unmit- telbar auf dem dichten Brauneisenstein auf, welcher in derben Massen in der Pauligrube gebrochen wird. Schwefelkies findet man ausserdem auch eingesprengt und in scharf ausgebildeten kleinen Würfeln, die jedoch manchmal auch einen Durchmesser von 1—3 Linien erreichen, sowohl im Stilpno- melan als im Chlorit, in dem ersteren auch kleine Kalkspathpartien, sehr selten aber hellgrünen Pistazit als feinkörnig-krystallinischen Überzug. Der sehr feinschuppige Stilpnomelan ist stellenweise reich- lich mit Schwefelkies imprägnirt, welcher sich in der sehr feuchten Grube leicht zersetzt und in Brauneisenstein umwandelt, daher solcher Stilpnomelan an den der Luft ausgesetzten Stellen braun erscheint und für Brauneisenstein gehalten und als solcher verschmolzen worden ist. Vielleicht ist der grösste Theil des Brauneisensteins in der Pauligrube als umgewandelter Schwefelkies zu betrachten. Auf der Lagerstätte des Brauneisensteins selbst kommen derbe Schwefel- kiespartien vor, welche ganz von dichtem Brauneisenstein umgeben sind, was die angegebene Entstehungsweise des letzteren zu bestäti- gen scheint. Indessen können manche Partien des Brauneisensteins auch aus dem Magneteisenerz entstanden sein, welches mit dem Brauneisenstein vorkommt. Das Gestein, welches den Stilpnomelan in der Grube umgibt, befindet sich zuweilen in einem so aufgelösten Zustande, dass es ganz unkenntlich wird; am häufigsten ist es sehr feinschuppiger , innig mit Magneteisenerz durchmengter Chlorit, weleher durch Eisenoxydhydrat oft ganz entstellt ist. Die Masse dieses Chlorits liegt in der Grube neben einer Wand von mandel- steinartigem Chloritschiefer. 4. Stilpnomelan vom Liskowitz und von Wächtersdorf. 1. In dem mandelsteinartigen Thonschiefer im Walde Lisko- witz, eine Stunde nördlich von Sternberg, kommt auf einem Braun- eisensteinlager feinschuppig-blättriger Stilpnomelan, jedoch nur in Sitzb. d. mathem.-naturw. Cl. XVII. Bd. III. Hft. 27 A408 Glocker. sparsamen Partien vor. Das Brauneisensteinlager wird in zwei nahe beisammen liegenden Gruben bebaut, in der Hugogrube und Robert- grube. In beiden Gruben erscheint dieser Stilpnomelan meistens mit fein schuppigem Chlorit gemengt und enthält zum Theil auch mikro- skopischfein eingemengtes Magneteisenerz. Sein starker Glanz und seine schwarze Farbe unterscheiden ihn in diesem Gemenge deutlich vom Chlorit. Er kommt ebensowehl in sehr schmalen Klüften von weissem grossblättrigem Kalkspathe als in kleinen derben Partien vor. Der derbe enthält gewöhnlich fein eingesprengten weissen klein- blättrigen Kalkspath, welcher durch die ganze Masse verbreitet ist, oft in so feinen Theilchen,, dass sie für das blosse Auge kaum oder nicht sichtbar sind, sondern sich nur dureh Brausen mit Säuren zu erkennen geben. Grössere Kalkspatheinmengungen sind darin viel seltener. 2. In einiger Entfernung von dem zuvor erwähnten Fundorte, nämlich bei Wächtersdorf, ebenfalls eine Stunde nördlich von Sternberg, ist in den Jahren 1849 und 1850 in einem Stollen der Mathildegrube Stilpnomelan in allen seinen Zuständen in reichlicher Menge auf Gängen vorgekommen, der klein- und feinblättrige aber, wie gewöhnlich, häufiger als der grossblättrige. Der letztere ist oft krummblättrig und erscheint nur in 2 bis 6 Linien mächtigen Gängen, bald in weissem blättrigem Kalkspath, bald in feinschuppi- gem Stilpnomelan , bald in feinschuppigem und diehtem Chlorit, welcher stäts eingesprengtes Magneteisenerz enthält, bald selbst in sehr feinkörnigem Magneteisenerz; oder diese Gänge sind auch an der einen Seite von Kalkspath, an der andern von Magneteisenerz oder von feinschuppigem Stilpnomelan begrenzt. Andererseits schliesst aber der Stilpnomelan auch selbst wieder Kalkspath in kleinen Par- tien oder in schmalen Trümmern ein, eben so wie auch das Magnet- eisenerz, und solehe Trümmer ziehen sich zuweilen aus einer dieser Massen ununterbrochen in die andere hinein. Nur selten findet sich der Wächtersdorfer Stilpnomelan strahlig und zwar gerad- und parallelstrahlig, in Trümmern von nur 1 bis 2 Linien Breite, neben welchen gewöhnlich eine ebenfalls schmale Lage von schuppigem Stilpnomelan liegt. Ich fand den Stilpnomelan in der Wächtersdorfer Grube durch- aus mehr oder weniger eisenschüssig, zum Theil so stark, dass er ganz braun gefärbt erscheint und das Eisenoxydhydrat sich zwischen die Ablösungen der blättrigen Partien tief hineinzieht. Auch das Neue Beobachtungen über das Vorkommen des Stilpnomelans. A09 ganze Gestein, in und mit welchem er vorkommt, nimmt an dieser Färbung Theil. Es hat sich auch viel Eisenocher abgesetzt, welcher den Stilpnomelan und den Chlorit überzieht. Wahrscheinlich ist jedoch diese starke Eisenfärbung nicht ursprünglich, sondern erst nach und nach durch eindringendes Wasser in der an Magneteisenerz reichen Grube entstanden. 5. Stilpnomelan von Jessenetz. Ein nur eingeschränktes Vorkommen des Stilpnomelans ist das- jenige bei Jessenetz, seitwärts von der Strasse nach Kladeck, 2 Stunden von Gewitsch. Ich fand ihn dort an einem Hügel in einem Schachte im Thonschiefer und Chloritschiefer, welche beide mit Magneteisenerz durchmengt sind, zu dessen Gewinnung der Schacht angelegt worden ist. Er erscheint nur in kleinen und klein- und fein- blättrigen derben Partien, welche, wie an den anderen Localitäten, mit weissem blättrigem Kalkspath verwachsen sind. Allgemeine Bemerkungen über das Vorkommen des Stilpnomelans. Sämmtliche hier erwähnte, so wie die früher bekannten Stilpno- melane sind von Fundörtern in Mähren und im österreichischen Schlesien und aus einer und derselben Gebirgsformation, aus dem Thonschiefer des Grauwackengebirges und zwar der sogenannten devonischen Formation. Es war auffallend, dass dieses Mineral so lange nur im Bereiche der genannten Länder gefunden worden war, aber mit Grund war zu vermuthen, dass das Vorkommen desselben nieht auf diese Länder beschränkt sein, sondern dass es unter gleichen geognostischen Verhältnissen auch anderwärts werde auf- gefunden werden, was sich auch bestätigt hat. Ein klein- und fein- blättriger Stilpnomelan ist nämlich, ebenfalls mit weissem blättrigem Kalkspath verwachsen, wie der mährische und schlesische, bei Runkel an der Lahn vorgekommen; ein Exemplar desselben verdanke ich dem Herrn Dr. Krantz in Bonn. Bei genauerer Untersuchung der Eisen- erzlagerstätten im devonischen Thonschiefer wird man den Stilpno- melan wohl noch an manchen anderen Orten entdecken. Alle bis jetzt bekannten Vorkommnisse des Stilpnomelans haben das mit einander gemein, dass sie in Begleitung von Chlorit, Kalk- spath und Magneteisenerz erscheinen. Quarz zeigt sich an einigen Orten (besonders bei Seitendorf) ebenfalls als Begleiter desselben, Din AO Glocker. Neue Beobachtungen über das Vorkommen des Stilpnomelans. aber nicht so constant. Eben dieses gilt vom Schwefelkies und Braun- eisenstein. In der genauesten Beziehung zu einander stehen Chlorit und Stilpnomelan; es gibt keinen Stilpnomelan, mit welchem nicht Chlorit vorkäme. Die chemische Mischung beider Mineralien macht es auch ganz begreiflich, dass sie gleichzeitig mit einander und unter denselben Verhältnissen haben entstehen können. Ihre verschiedene physische Beschaffenheit hält sie aber von einander gesondert. In deutlichen blättrigen Partien ausgebildet können sie nieht mit ein- ander verwechselt werden, nur im sehr feinschuppigen Zustande kommen sie einander sehr nahe. Es ist aber schon darauf aufmerksam gemacht worden, dass sie auch in diesem Zustande wohl von einander unterschieden werden können, was nur dann schwierig ist, wenn sie innig mit einander gemengt vorkommen. Dass der Chlorit so reichlich Magneteisenerz einschliesst, scheint nicht zufällig zu sein; der Stilpno- melan enthält dergleichen zwar auch, aber nicht so häufig, lange nicht in solcher Menge und nur sehr fein eingesprengt. Bei der Bildung des Chlorits muss sich aus dem eisenreichen Medium viel mehr Eisen- oxydoxydul abgeschieden und als besonderes Mineral ausgebildet haben, als dieses bei der Bildung des Stilpnomelans der Fall war, daher jener viel weniger Eisen in seiner Mischung enthält als dieser. Alles, was über die Art des Zusammenvorkommens des Stilpno- melans mit dem Chlorit, Kalkspath, Magneteisenerz, Schwefelkies und Brauneisenstein thatsächlich bekannt ist, namentlich das wechsel- seitige Vorkommen je eines dieser Mineralien in einem der anderen, beweist ihre gleichzeitige Entstehung. Der auf Gängen vor- kommende Stilpnomelan kann nicht jünger sein als die ihn begleiten- den Mineralien, weil auch umgekehrt diese im Stilpnomelan selbst als Gänge erscheinen, überhaupt aber alle auf die mannigfaltigste Weise mit einander in Verbindung stehen. Dass auf den Lagerstätten des Stilpnomelans Umwandlungen der Gesteine sich ereignet haben, ist augenscheinlich. Es beweist dieses der sehr aufgelöste,, oft total veränderte Zustand dieser Gesteine, wie des Chlorits, des Stilpnomelans selbst, des Magnet- eisenerzes und besonders des Schwefelkieses, welcher, wie gezeigt wurde, oft ganz und, wie es scheint, selbst in grosser Ausdehnung in Brauneisenstein verwandelt ersheint. Littrow. Über den Zusammenhang von Flecken und Protuberanzen der Sonne. A141 Vorträge. Über den Zusammenhang von Flecken und Protuberanzen der Sonne. Von de M. Karl von Littrow. Bei meiner Beobachtung der totalen Sonnenfinsterniss vom 28. Juli 1851 zu Risthöft an der Ostsee hatte ich meine Aufmerk- samkeit besonders dem Gegenstande der Überschrift zugewandt. In dieser Absicht war nicht nur mein Fernrohr mit einem, Bessel’s Positionsmikrometern für Sternbedeckungen (Astr. Nachr. XV1. 8.161) nachgebildeten Apparate als derjenigen Vorrichtung versehen, welche für Messungen von Position und Grösse der Protuberanzen mir bei weitem die passendste schien, sondern suchte ich überdies durch Beobachtungen am Ringmikrometer die Lage der vor der Finsterniss siehtbaren Flecken, sobald es die Witterung zuliess, zu bestimmen, um so die Grundlagen zur Entscheidung der Frage zu erhalten, ob die Protuberanzen sich wirklich an den Orten der zur Zeit der Tota- lität dem Sonnenrande sehr nahen, also in der Regel an sich unsicht- baren Flecken befinden. Obgleich die Daten, welche ich so gesam- melt, zum Theile durch zufällige Umstände, zum Theile durch Un- kenntniss der Sache, über die es bisher nahezu an allen Erfahrungen fehlt, keineswegs den wünschenswerthen Grad von Sicherheit und Vollständigkeit erreichten, so glaube. ich doch die Art, wie ich die- selben von vornherein zu benützen mir vorgenommen hatte, um so mehr an diesem Beispiele erläutern zu dürfen, als, so viel mir bekannt, es nirgend sonst auch nur solche Elemente der Rechnung zu liefern gelang und bei keiner seitdem eingetretenen ähnlichen Gelegenheit dieser meiner Ansicht nach einzig richtige Weg beschritten wurde. Um den Gang der Untersuchung völlig anschaulich zu machen und manche am Ende zu gebende Bemerkungen zu begründen, werde ich, meine Arbeit umständlich mittheilen. Am 25. Juli hatte ich nachstehende Beobachtungen der drei gegen den westlichen Sonnenrand hin damals sichtbaren Flecken mit dem Ringmikrometer angestellt: 412 Mom. und Gestirn | Littrow. Ausserer Kreis Innerer Kreis Anmerkungen m mn gm nn nur Sm m mn or a m a m m aaa nm SE ES STR EEE BT DR m nr nn EEE nern Eintr. ” Austr. ” Eintr. ” Austr. Eintr. ” Austr. Sonne R.|.. Fleck I ” Sonne R. Il. Sonne R.l.. Fleck I. . . a seh Sonne R. II. Sonne R.|.. Fleck Il... ” 2 Sonne R. II. Sonne R.l.. Fleckl... . E2) ed Sonne R. Il. Sonne R.|.. Fleck II Sonne R. Il. Sonne R.l.. Fleck II .. ” Sonne R. Il. Sonne R.!.. Fleck II Sonne R. II. Ah 3 pm 2:0 17° 13° 36° 35" 35 36 38 : Garde- OÖbserv. Krille. 19: 36° 29° : Chron. Kessels Nr. 1267. : Chron. Kessels Nr. 1267. : Chron. Kessels Nr. 1267. Uhr : Garde-Obs.Krille. Die Zahlen 35 11-6 aus den drei anderen Momenten der Sonne interpolirt. Uhr: Garde -Observ. Krille. Uhr: Garde - Observ. Krille. Eintr. Sonne R.I.. | A 51 34° | 51 40°%A | Uhr: Garde - Observ. » Fleck II 51 5883| 5 1-2 Krille. Austr. ,„ Kap 52 A462 | 52 35.2 ». Sonne R. Il. 54 56-4 | 54 50-8 Eintr. Sonne R.IL..|5 6 188 6 244 | Uhr: Garde- Observ. „euRleckilIi); 9 6 49-6 7.2.0 Krille. Austin. n%, ch TARA 729-6 » Sonne R. II. 9 43-2 9 376 Über den Zusammenhang von Flecken und Protuberanzen der Sonne. 413 Kreis Anmerkungen ; Äusserer Innerer Mom. und Gestirn Kreis Eintr. Sonne R.1.. | 5" 12" 8:0 | 12” 12:6 | Uhr: Garde - Observ. » Fleck II . 12 39-2 | 12 51-2 Krille. INUSERS. 25 BE 13 30:0 | 13 18°0 » Sonne R. Il. 15 31-6 | 15 26-8 Eintr. Sonne R.l.. | 5 ? 16 8°%& | Uhr: Garde - Observ. » Flek IM. . 16 46°8 Krille. Austr. „ ae 17 12-0 » Sonne R. Il. 19 21°4 Die Flecken standen bei sämmtlichen Beobachtungen im umkeh- renden Fernrohre oben. : Die Correctionen und Gänge der Uhren gegen mittlere Zeit Rixthöft waren: Garde-Observ. Krille. Juli 25. 6" 43" 7:2 Uhrzeit. Corr. + 13” 48:2 Stündl. Gang — 3:47. Chron. Kessels Nr, 1267. Juli 25. 6° 56" 0:0 Uhrzeit. Corma. 3: +55:4 Stündl. Gang-+ 0:01. Die Halbmesser des gebrauchten Ringmikrometers betrugen: Äusserer Kreis 11’ 39'65 Innerer 55 10 33°05. Für die geographische Lage von Rixthöft hat man aus der preussischen Triangulirung: Breite = 540 49’ 53 Länge — 0" 19" 46:7 östlich von Berlin. Mit Deelination und scheinbarem Halbmesser der Sonne nach dem Berliner Jahrbuche findet man aus obigen Daten die Differenzen da und ddder Flecken und des Sonneneentrums in AR und Deelination : Mittl. Zeit Rixthöft. Fleck. da dd Juli25. 3 Ar 377 1 —1” 39 westlich + 0° 58” nördlich ) yom Son- a 458 198 IM. —0 529 35 +3 86 > nenmittel- RR UA ee punkte. Nennt man Z die Länge der Erde, e die Schiefe der Ekliptik, «den Winkel zwischen Breiten- und Deeclinationskreis, d die Decli- A1A Littrow. nation der Sonne, so findet man die Unterschiede 9X und 9x von Fleck und Sonnenmittelpunkt in geocentrischer Länge und Ekliptik- Poldistanz aus iu =—cosLtge 0% = da cosu cos d— Id .sin u or —= da sin u cos d—2d.cos u, wenn man es nicht vorzieht, diese Grössen unmittelbar aus den von Airy (Append. Greenw. Obss. 1836) dafür gegebenen Tafeln zu nehmen. In unserem Falle erhält man so für obige Beobachtungszeiten mit den Daten des Berliner Jahrbuches | Fleck. or AT. I. — 892'3 + 145'5 1. — 1764 — A429 TIL. — 664-1 — 46°2. Es ist aber geoc. Länge des Fleckes = 180° + L + & Eikl. Bold. “ z—= 0 + Or somit hier Fleck. A T Tau 2210 Aa al 900 2’ 26’ Il. 121 29 29 89 59 17 I. 121. 52. 29 89 59 14. Für den nun folgenden Theil der Arbeit, die Verwandlung der geocentrischen in heliocentrische Coordinaten hat Petersen (Astr. Nachr. Bd. XVII, p. 164) sehr bequeme Ausdrücke gegeben, deren wir uns bedienen wollen. Nennt man h den scheinbaren Halbmesser der Sonne in Secunden, © die Länge der Sonne, so findet man die heliocentrische Länge Z/ und Ekliptik-Poldistanz p des Fleckes durch die Gleichungen Hcosz =I—0© H sin z = W —r hsn(y+H)=H igv =igycosz != © — (u + 1800) cotg p = snvtgz, wobei v und 90°—p gleiche Zeichen haben mit X— © und 90°—x. Über den Zusammenhang von Flecken und Protuberanzen der Sonne. Ai 5 In unserem Beispiele hat man so Fleck. U p I. 14° 20° 21” 980 ,50/., 1" II. 357.0 233 87, 200 8 II. 3416 30 3 80, 13 28 Bezeichnet man weiter mit A und D die Rectascension und Declination des Fleckes in Bezug auf den Äquator der Sonne und dessen Durchschnitt mit der Ekliptik, mit %k die Länge des aufstei- senden Knotens des Sonnenäquators, endlich mit 2 die Neigung des Sonnenäquators gegen die Ekliptik, so finden folgende Relationen Statt: cos A cos D= cos (l—k) sin p sin A cos D = sin (I—k) sin p cosi+.cos p sin i sin D= — sin (I—k) sin p sin {+ cos p cos i oder für die Rechnung bequemer, nachstehende Formeln: ig m= tg p sin Kal tg (l— ig A= u sin (mi) h 00608 Pp \ snD= le (mi). Im vorliegenden Falle erhält man, wenn nach Petersen (l. e. p-. 158) E23 ”— 06 50.00 gesetzt wird, Fleck. A D 1. 3000 29’ 43 RIO GEL IRE 11. 2833 4 25 RO 5 AO II. Bra 3, 5% 1,9736 44. Heisst nun der Winkel im Äquator der Sonne, um welchen sich der Fleck in $ Tagen bewegt, und 7 die Rotationsdauer der Sonne, so ist 360°3 Reducirt man Kürze halber die obigen Grössen A und D alle auf die Zeit der Mitte der Finsterniss oder nach Fearnley (Astr. Nachr. Bd. XXXII, pag. 236) auf 4" 50” 52° mittlere Zeit Rixthöft, 416 Littrow. statt, wie eigentlich geschehen sollte, auf die hier ohnehin nieht genau bekannten Zeiten der Messung von Positionswinkeln der Protube- ranzen, so wird speciell in unserem Falle damit kein irgend merk- licher Fehler erzeugt, da der Positionswinkel derjenigen Protuberanz, um die es sich hier vorzugsweise handelt, nahe an 270° liegt. So findet man durch Vergleichung der eben angeführten Zeit der Mitte der Finsterniss mit obigen Beobachtungszeiten die jener Zeit der Mitte entsprechenden Grössen 4’ mit den früheren D, welche unverändert bleiben, Fleck. A' D I. 3440 13’ 47 — 20 56’ 42” 11. 326 17 46 915 0 II. 315 23 20 +9 36 44 wenn man wieder mit Petersen (Astr. Nachr., 1. ce. p. 158) die Rotationsdauer der Sonne T—= 25" 4" 30” nimmt. Es ergeben sich nun ferner aus den Gleichungen tgn = cotg D sin A U tg (U—k) = dan sin (n—i) die jener Mitte der Finsterniss zugehörigen heliocentrischen Längen und Ekliptik-Poldistanzen !’ und p’ der Flecken Fleck. (a p' I. 5300907324 940 46’ 54" II. 391.2. 5% 81 35 15 I. 28 15 35 8 13 24. Stellt man diese Zahlen mit den heliocentrischen Längen der Erde für dieselbe Zeit zusammen, so zeigt sich, dass wirklich, wie ich bereits zu Rixthöft vermuthete (Astr. Nachr. Bd. XXXII, p. 137), Fleck I und II sich zur Zeit der Finsterniss auf der von uns abge- kehrten Seite der Sonne befanden, Fleck I so weit (24°) über den Rand hinaus, dass von ihm hier weiter nicht die Rede sein kann. Fleck II hatte den Rand um 7° überschritten, Fleck III stand noch auf der uns zugekehrten Seite der Sonne, beiläufig 4° innerhalb des Randes. Im Folgenden werden also nur noch die Flecken II und II berücksichtigt. Über den Zusammenhang von Flecken und Protuberanzen der Sonne. 41% Bedeutet r den wirklichen Halbmesser des Sonnenkörpers, R' den Radius Vector, L’ die Länge der Erde, so erhielte man nun die geocentrische Länge und Ekliptik-Poldistanz A und x’ der Flecken für die Zeit der Mitte der Finsterniss aus ; —r sin p’ sin (U’—L') al) R'—r 5 p’ cos (l’—L') r cos p’ Got zu — VR’®—2R’r sin p! cos (l'—L!) + r? sin? p! oder kürzer aus / ER ae r . Re PaSB STEH x —L —= 180° Ara Sin p' sin (!’—L) z'— N — - 08 P". r R' sin 1" Setzen wir nach Hansen den mittleren Winkelhalbmesser der Sonne zu 16’ 0'9, so ist r = 0:0046586 in Theilen der halben Grossen Erdbahnaxe, und wir haben wieder mit den Daten des Berliner Jahrbuches Fleck. A re 1. 1240 37 47" 890 58’ 31 II. 124 37 50 8 58 41 oder vermöge N = X—L— 180° or = 7 — 90° die der Zeit der Mitte der Finsterniss entsprechenden Unterschiede von Flecken und Sonnenmittelpunkt in geocentrischer Länge und Ekliptik-Poldistanz Fleck, an’ er! II. — 940” — 89 II. — 937 — 7). Ist nun wieder « der Winkel zwischen Deelinations- und Brei- tenkreis, so findet man die zu M und dx’ gehörenden Differenzen %«, %d' in Rectaseension und Deelination aus ! 4 gu =—cosLtge da’ cos d’ = 3 cos u sin m’ + Irxı sin u 0d = M sin w sin rn — Ir’ cos w 418 Littrow. oder in unserem Falle Fleck. da! cos d' dd! 1. — 891" + 313” II. — 890 + 302 woraus sich nebenbei ergibt, dass Fleck III wirklich der am 28. Juli von mir als achttheilig bezeichnete, kurz vor der Finsterniss noch gesehene Fleck war (Astr. Nachr. XXX, p. 137). Nennt man weiter «&, 6, U, ©, die von den Tafelfehlern freie Rectascension und Deelination des Mondes und der Sonne, so sind dieselben Grössen mit Rücksicht auf Parallaxe: 2 cos p sin (A—L) Aid cos D DD — D— 2 (cos D sin — sin D cos p cos (E—X)) cotg Eh I cos 6 cos (L— 2 — sin @ c0s 9 cos ö sin (t—«) (sin 6 — sin @ sin o) sin (I—«‘) cos ö sin (E—«) ge = wo 8, ® die Horizontal-Äquatorial-Parallaxen von Sonne und Mond, o die geographische Breite des Beobachtungsortes, £ die Sternzeit bedeutet. Im vorliegenden Beispiele betragen die an die Sonnenephemeride des Berliner Jahrbuches anzubringenden Tafelfehler nach W ich- mann (Astr. Nachr. Bd. XXXII, p. 321) IX = 0:16 ID — 018, Daraus folgen die Fehler der Mondephemeride des Nautical Almanae nach Agardh (Obss. Eclips. Solis XXVII. Julii 1851 cal- eulatae. p. 26) 9a = —1°64 06 = +39 und man hat demnach hier nach dem Berliner Jahrbuche für die Sonne und nach Nautiecal Almänae für den Mond UL—a 12T EDS A a V=+19 3 2 oe 10 Über den Zusammenhang von Flecken und Protuberanzen der Sonne. A19 Mit diesen Grössen findet man endlich aus da cos d —(«— U) cos =Asinll Id — (DV) — A cosll den Positionswinkel II der Flecken an der Mondscheibe, gezählt von Nord über Ost, und den Winkelabstand A vom Mondmittel- punkte für die Zeit der Mitte der Finsterniss: Fleck. 1 A 1. 2890 20' 15’ 58” IM. 288 43 15 53. Diesen Positionen zunächst lag unter den von mir zu Rixthöft sesehenen Protuberanzen der viel besprochene Haken, den ich in meinem ersten Berichte (Astr. Nachr. XXXIV, p. 30) mit 3. bezeich- nete, allein die Beobachtung (282°) weicht von obigen Zahlen viel zu weit ab, als dass man hierauf ein Argument für die Identität von Flecken und Protuberanzen gründen könnte. Weit entfernt, diesem Resultate irgend welche Concludenz zuzuschreiben, wollte ich vielmehr wie gesagt mit Obigem nur ein Beispiel gegeben haben, wie meiner Ansicht nach die hier gestellte Aufgabe zu behandeln sei, statt der bisher üblichen ganz vagen Angaben der Lage von Flecken und Protuberanzen, wo man schon an sich die Positionswinkel durch sehr unverlässige Vorrichtungen zu bestimmen suchte, die Stellung der Flecken mehrere Tage vor der Finsterniss, also für eine von der Wahrnehmung der Protube- ranzen sehr abgelegene Epoche, oder auch nur am Tage der Finster- niss, also wieder für eine Zeit, zu der eben die hier wichtigsten, nämlich dem Rande nahen Flecken vielleicht gar nicht sichtbar sind, anzugeben sich begnügte, und wo man endlich kurzweg die auf den Sonnenumfang bezogenen Positionen der Flecken mit den noth- gedrungen auf die Peripherie des Mondes sich beziehenden ursprünglichen Angaben der Lage der Protuberanzen verglich. Der Wunsch, meine Wahrnehmungen durch Beobachtungen Anderer zu ergänzen und wo möglich eine Übersicht der Modalitäten jener Erscheinungen in grösseren Länderstrecken zu gewinnen, lag nahe; aber einerseits waren die nach der Finsterniss sichtbar gewordenen Flecken nur von Herrn Norman Pogson (Mem. Roy. Astr. Soc. XXI, p. 117) und zwar in einer Weise beobachtet, die aus unten A2O Littrow. von selbst erhellenden Gründen kein sichereres Ergebniss als das hier gewonnene versprach, andererseits waren hauptsächlich alle Angaben über die Position der Protuberanzen so schwankend, dass es zwecklos gewesen wäre, ziemlich weitläufige Rechnungen daran zu knüpfen; sonst hätte z. B. die parallactische Verschiebung der Pro- tuberanzen am Mondrand uns einen neuen Beweis dafür geliefert, dass diese Phänomene, wie man allerdings auch aus anderen Gründen nun nicht weiter zweifeln kann, der Sonne angehören. Die Unsicherheit der oben erhaltenen Resultate aber hat, wie man bei genauer Durchsicht der Rechnung bemerkt, vornehmlich drei Quelien: 1. Die Anwendung des Ringmikrometers zur Bestimmung der Stellung der Flecken, eines Instrumentes, das sich desshalb zu sol- chen Beobachtungen sehr wenig eignet, weil für die Declinations- bestimmungen zu grosse Sehnen der Flecken oft unvermeidlich sind. Vor Allem also wird man künftig diese Messungen mögliehst genau durch angemessen eingerichtete und an zweckmässigen Instrumenten befindliche Filarmikrometer vorzunehmen haben, was um so leichter geschehen kann, als diese Beobachtungen eigentlich ohnehin stän- digen Sternwarten und nicht den für die Finsterniss gewählten Stationen zukommen. 2. Der geringe Abstand vom Sonnenrande, in welchem sich die Flecken während dieser Beobachtungen befanden. In Zukunft wären also ähnliche Bestimmungen etwa eine Woche vor und nach der Finsterniss mehrere Tage hindurch anzustellen und dann hauptsäch- lich jene Flecken zu beobachten, welche sich zu dieser Zeit nahe in der Mitte der Sonnenscheibe befinden, und nur eben die weitere Entwickelung der Flecken bis zu ihrem Austritte möglichst zu über- wachen. 3. Die Unverlässigkeit der Hotations -Elemente des Sonnen- körpers. Da aus bekannten Ursachen ein bedeutender Fortschritt in diesem Theile unserer astronomischen Kenntnisse nicht zu hoffen steht, so schiene mir hier das richtige, freilich etwas umständliche Verfahren zu sein, dass man den Ort jedes Fleckes immer nur mit Elementen berechnete, die eigens zu diesem Zwecke eben aus Beob- achtungen dieses Fleckes selbst abgeleitet wären; denn so werden alle besonderen Einflüsse etwaiger Eigenbewegung des Fleckes mit berücksichtigt. Über den Zusammenhang von Flecken und Protuberanzen der Sonne 421 Ich benutze diese Gelegenheit, um für künftige Beobachtungen von totalen Sonnenfinsternissen einige Andeutungen zu geben, zu welehen mich der Zufall, welcher mich das seltene Phänomen nun sehon zweimal in tadelloser Reinheit sehen liess, vielleicht berechtigt. Da zwischen Protuberanzen und Fackeln wahrscheinlich ein näherer Zusammenhang stattfindet als zwischen jenen Erscheinungen und den Flecken , so wäre den Sonnenfackeln besondere Beachtung zu schenken. Weil es schwierig sein dürfte, dieselben unmittelbar zu beobachten, so wäre wenigstens für Bestimmung ihrer Lage in Bezug auf beobachtete Sonnenflecken möglichst Sorge zu tragen. Was die Erscheinungen während der Totalität betrifft, so kann gewiss Jeder, der erfahren hat, wie viel hier in der kürzesten Zeit gethan werden soll, Ausserachtlassung von Dingen, die eben so gut bei anderer Gelegenheit ausgeführt werden oder doch ganz unwichtig sind, und vor Allem Theilung der Arbeit nieht genug empfehlen. In ersterer Beziehung scheinen mir die Zeiten des Anfanges und Endes der totalen Verfinsterung, Ansicht der Gegend, Sichtbarkeit von Ster- nen etc. bisher viel zu viele Aufmerksamkeit in Anspruch genommen zu haben. In letzterer Hinsicht wäre überall dort, wo mehrere Beob- achter sich an einem Orte befinden, eine Zuweisung bestimmter Quadranten des Sonnenrandes an jeden einzelnen Beobachter sehr räthlich; nur so wird man entscheidende Wahrnehmungen zu sammeln im Stande sein. Rücksichtlich der Protuberanzen wären Position und Dimension jeder einzelnen mehrmals und immer mit Angabe der Zeit zu jeder Messung zu bestimmen. Sehr schwierig ist die richtige Wahl der Vergrösserung des Fernrohres; denn einerseits ist ein Über- sehen der ganzen Sonnenscheibe nöthig und sind gewisse Phänomene wie die Corona nur mit schwachen Vergrösserungen genau zu sehen, andererseits soll manches Detail der Erscheinung möglichst erforscht werden, das wie bei den Protuberanzen sich nur in starken In- strumenten zeigt. Wer diesem Bedürfnisse etwa mit zwei Fernröhren zu begegnen glaubt, wird sich getäuscht finden und entweder seine Zeit mit dem Wechseln der Instrumente verlieren oder im entschei- denden Augenblicke richtiger fühlen, dass er darauf verzichten muss. Desshalb erlaube ich mir ein Doppel-Ocular vorzuschlagen, von welchem ein Einsatz sehr wenig, der andere bedeutend vergrösserte, und das in Schuberform oder nach Art der Feldstecher eine schnelle Verwechslung zuliesse. Natürlich müsste die Einrichtung so getroffen LP Littrow. sein, dass jedes der beiden Oeculare auf das Auge bereits eingestellt ist, und wenn man es in Thätigkeit setzt, auch so bleibt. Für die Messung der Lage und Grösse aller Erscheinungen am Rande von Sonne und Mond gebe ich wie gesagt dem Bessel’schen peripherischen Positionsmikrometer in der (Astron. Nachr. XXXII, S. 129) erörterten Modifieation also mit einer netzförmig in Quadrate getheilten planen Glasplatte statt des Fadens entschieden den Vorzug vor allen anderen zu solchem Zwecke mir bekannt gewordenen Ein- richtungen, weil hier das lästige, die Messung gefährdende Centriren ganz wegfällt, und die nöthigen Daten unmittelbar sich ergeben, wo auch immer im Fernrohre sich ein zu messendes Phänomen zeigen mag. Sehr angemessen wäre es die Theilung des Positionskreises im Inneren des Fernrohres am Rande des Gesichtsfeldes und den Index auf die Glasplatte anzubringen, denn bei aussen liegendem Kreise kostet das Ablesen der Winkel, welches unter diesen Verhältnissen ‘nur mittelst einer Lampe zu bewerkstelligen ist, zu viele Zeit. Mit dieser Einrichtung würde sich auch das oben vorgeschlagene Doppel- Ocular am besten vereinigen. Die Lamelle am Rande des Gesichts- feldes, durch welehe jene Reihe von Linien der Glasscheibe, welche dem Äquator parallel gestellt wurden, bezeichnet ist, sollte wenigstens in dem schwachen, für die Beobachtung der Corona bestimmten Oculare etwa von fünf zu fünf Intervallen der auf dem Äquator senk- rechten Striche Zähne als Zähler haben. Für dasselbe schwache Ocular wäre es angemessen, auch diese zweite Folge von Linien durch eine ähnliche ebenfalls mit Zähnen besetzte Lamelle am Rande des Feldes abzublenden, da die hier zu messenden Grössen oft viele Theile des Mikrometers in dem einen wie im andern Sinne umfassen werden. Immer wird man dafür Sorge zu tragen haben, dass keine Verwechslung der Quadranten stattfindet, die leicht möglich ist, da bei gleicher Stellung der dem Äquator parallelen Linien zwei um 180° verschiedene Positionen genommen werden können, je nachdem die zur Messung bestimmte Linie der Glasplatte auf einer oder auf der anderen Seite des Sonnencentrums liegt. Das Sonnenglas übrigens ist schon geraume Zeit vor der Totalität abzuschrauben und nur los an das Ocular zu halten, etwa 20 Secunden vor der ersten inneren Berührung aber völlig zu entfernen, und nur wieder vorzu- nehmen, wenn die Phase der wieder erschienenen Sonne dem Auge anfängt unerträglich zu werden, was erst lang nach dem Ende der Über den Zusammenhang von Flecken und Protuberanzen der Sonne. A253 totalen Verfinsterung der Fall ist. Sehr zweckmässig ist es, von dem Schreiber, den man wo möglich vor der Uhr haben soll, alle 10 Secunden die Zeit notiren zu lassen, damit jede ihm dietirte Bemer- kung von selbst ihre chronologische Stelle findet. Ein von diesem Schreiber etwa 30° vor Wiederscheinen der Sonne gegebenes Signal wird die Nachtheile der sonst unvermeidlichen Überraschung bedeu- tend verringern. Ich kann diese meine letzte Beschäftigung mit der Finsterniss vom Jahre 1851 nicht schliessen ohne die merkwürdigen Verschie- denheiten des Eindruckes hervorzuheben, welche die Protuberanzen nach ihrer Farbe, Gestalt u. s. w. auf die verschiedenen Beobachter machten. In dieser Beziehung mag hier angeführt werden, dass die am Orte meiner Beobachtung gefertigte Zeichnung des Herrn Dr. Fearnley, so getreu sie auch das von ihm Gesehene wieder geben mag, meiner Erinnerung so gut wie gar nicht entspricht, was man schon aus der, wenn gleich rohen so doch meinem Eindrucke nach ziemlich vollständigen Zeichnung in der IV. Auflage der „Wunder des Himmels“ Taf. VII, Fig. 46, ersehen kann. Dass dies aber nicht etwa besondere individuelle Abweichungen sind, wird hinlänglich durch die Anzahl von Gewährsmännern für beide Anschauungen bewiesen: nahezu wie Dr. Fearnley zeichnen die Protuberanzen Carrington, Schmidt u.A.; mit mir stimmen in dieser Beziehung fast völlig überein Dawes, Good ete. Unter dem vielen Räthselhaften, was sich in solchen Gelegen- heiten bietet, gehören diese grellen Unterschiede der Auffassung eines und desselben Phänomenes an einem und demselben Orte durch nahe gleich gute und gleich starke Fernröhre wohl zu den unerklär- lichsten Dingen. Sitzb. d. mathem.-naturw. Cl. XVII. Bd. III. H£t. 28 \ A2A Diesing. Zwanzig Arten von Cephalocotyleen. Zwanzig Artenvon Cephalocotyleen. Von dem w. M. Karl M. Diesing. (Auszug aus einer für die Denkschriften bestimmten Abhandlung.) Ich überreiche hiermit für die Denkschriften der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften die auf sechs Tafeln vertheilten Abbildungen von zwanzig Arten Helminthen aus der Ordnung der Cephalocotyleen sammt dem entsprechenden Texte. Die dargestell- ten Arten sind: Dibothrium decipiens Felis Oncae — D. hians Phocae Monacht — D. Folium Herpestis leucuri — Tetrabothrium heteroclitum Procellariae capensis — T. emarginatum Phracto- cephali hemiliopteri — Solenophorus ovatus Pythonis hiero- glyphici — Anthocephalus giganteus Chorinemi salientis — Pte- robothrium erassicolle Pimelodi Gorijuba — P. interruptum Tri- chiuri lepturi — Bhynchobothrium Caryophyllum Scoliodontis Lalandii — Pentastomum recurvatum Felis Oncae — P. pusillum Acarae Coscudo — Taenia fimbriata Cervi simplieicornis — T. megastoma Cebi Belzebul — T. tetragonocephala Myrmecophagae Jubatae — T. decrescens Dicotyles torquati — T. globiceps Tapiri americani — T. macrophalla Cichlae Monoculi — T. Scolopendra Podicipedis dominicensis. In der Einleitung hebe ich noch besonders hervor eine Beob- achtung von Brull& über eine Vermehrung der geschlechtslosen Ligulen in ihrem ursprünglichen Aufenthalte, nämlich der Bauch- höhle des Alben. Auch die Arbeit von Oskar Schmidt über den Bandwurm der Frösche Taenia dispar und die geschlechtslose Fortpflanzung seiner Proglottiden wurde berührt und auf die Wichtigkeit beider Beobachtungen hingewiesen. Filipuzzi. Della Paraffina. 425 DellarBaraffuna di Francesco Filipuzzi. (Vorgelegt in der Sitzung vom 12. Juli 1855.) Fu nel 1830 che Reichenbach !) presentava per la prima volta ai naturalisti alemanni radunati in Amburgo la paraffına da lui sco- perta fra i prodotti della distillazione del legno. Vennero piü tardi le analisi di Ettling, di Lewy ed aleuni altri. Preziose qualita distinguevano tale sostanza che si presentava all’occhio bianca etrasparente; che, benche untuosa al tatto, pure non imbrattava di grassume; che era capace di resistere all’azione degli acidi concentrati, del potassio, degli alcali, coi quali la si poteva far bollire senza che pereiö ne venisse decomposta e per cui fu deno- minata paraffina (parum affinis); che distillava inalterata e che ardeva confiamma bianca senza fumo. Ad onta ditali preziose qualitä la paraffina non trovö in sul principio aleuna applicazione pratica e fu condannata per lungo tempo a giacersene infruttuosa nelle collezioni seientifiche. Prineipale ostacolo era la piccola quantita che se ne poteva ottenere dalla distillazione del legno e, sebbene il Reichenbach fin d’allora accennasse come la si potesse produrre anche dagli olii delle piante, dalle sostanze animali e per ultimo dalla carbonizzazione del carbon fossile, pure la produzione resto assai limitata, nullo il compenso. Di quando in quando furono qua e lä scoperte nel terreno, p. e. in Moldavia, in Galizia, in Germania, in Francia, in Inghilterra, nel Caucaso, etc., varie sostanze paraffinose dette comunemente seghi di montagna e che i mineralogi ed i chimiei distinsero coi nomi 1) Reichenbach, Journal für Chemie und Physik von Schweigger, LIX, 456; LXI, 273; LXI, 129; Dingler’s polytechnisches Journal, CXIV, 57; CXXXIV, 239; Ann. de Chim. et de Phys., L, 69; Jahrbuch der k. k. geologischen Reichsanstalt, III, Nr.2.— Jules Gay-Lussac, Ann. de Chim. et de Phys., L, 78. 28* A26 Filipuzzi. partieolari di ozockerite 1), di scheererite ?2), di fichte- lite 3), di hatehetina *), di hartite >), di koenlite ©), d’ixolyte ’). Il Dr. Meyer di Bucarest richiamava per il primo nel 1833 l’attenzione di quegli stessi naturalisti riuniti in Breslavia sopra una sostanza trovata a Slanik distretto di Packauer nella Moldavia e che Glocker chiamava ozockerite ossia eera di terra ®). Magnus che si fece ad indagare piu davvicino tale ozockerite °), trovo che essa non era una massa omogenea ma bensi un miscuglio di differenti materie. Non gli fu facile a primo aspetto l’aecorgersene, perche, sebbene l’ozockerite offrisse nella sua massa ora la struttura fibrosa dell’ amianto, ora la frattura concoide, ecio non pertanto ella sembrava omogenea. Ma esaminando isolatamente una delle piecole foglie che la componevano pote destinguervi dei piecoli punti piü oseuri. Fatta bollire una tale ozockerite eoll’etere o coll’ aleool anche assoluto non se ne scioglieva che una piccolissima parte, mentre la porzione prineipale rimasta inattaceata sembrava come rosiechiata. Da ciö egli conchiuse che tal massa si componeva di due sostanze, di ceui l’una era solubile, l’altra insolubile nell’ alcool. Esse perö erano cosi intimamente mescolate che sarebbe stato impossibile il separarle mediante processi meccaniei. Tale cera di terra si fondeva senza alterarsi a 82° C. quando la cera d’api si fonde a 62° C. La fusione non modificava il suo colore bruno-verdastro ne faceva svanire il suo particolare odore empireu- matico. Afline di spiegarne laformazione ed accertarsi se conteneva 0 no del nitrogeno, la brueiö coll’ossido di rame e pot& convincersi che 1) Malaguti. Ann. de Chim. et de Phys., LXIN, 390. — Schrötter, Baumgartner’s Zeitschrift, IV, Nr.2.— Walter, Ann. de Chim. et de Phys., LXXV, 214. — Johnston, Lond. and Edinb. Philos. Magaz., 1838, [3] XII. 389, et Journ. f. prakt. Chem., XIV, 226. ?2) Macaire Princep, Annalen der Physik und Chemie von Poggendorff, XV, 296. ?) Bromeis, Ann. von Poggend., XLIN, 141. — Trommsdorff, Ann. der Chem. und Pharm., XXXVII, 304. *) Johnston, Journal für prakt. Chemie, XIII, 438. °) Haidinger, Ann. von Poggend., LIV, 261. — Schrötter, ibid., LIX, 37. 6) Kraus, Ann. von Poggend., XLII, 141. 7) Haidinger, Ann. von. Poggend., LXI, 345. 8) Annales de Chimie et Physique par M. Gay LussacetArago, LV, 217. 9) Magnus, Extrait d’une lettre 4 M. Humboldt. Berlin. Decembre 1833. Della Paraffına. A2 T non eonteneva n& ossigeno, ne nitrogeno e che la sua composizione si avvieinava di molto a quella del gas oliofacente. : I professore Schrötter avendo del pari analizzata l’ozocke- rite di Slanik 1) vi riconobbe la composizione indicata da Magnus. La sostanza di Schrötter pero si fondeva alla temperatura medesima dalla cera (62°—63° C.), aveva un peso specifico—= 0'953 a + 15° e bolliva a 210° C. in vase chiuso. Avendo egli sottoposta tal cera fossile alla distillazione, ne ottenne un’ olio che dapprineipio era di color giallo-chiaro e che quindi si faceva piu cariro. Tale olio si solidifieava in una massa dicolerbruno sporco alquanto grassa e d’un odore disaggradevole che si avvicinava a quello del catrame di legno. Schrötter rilevava altresi il fenomeno di dieroismo che si presenta si nella massa della cera come nelle sue dissoluzioni. Egli analizzava anche la paraffina di Reichenbach ?). Malaguti che si fece a studiare la cera fossile delle montagne di Zietrisika in Moldavia ?) trovo che sottoposta ad una corrente di eloro secco perdeva la sua durezza, diveniva sensibilmente molle e com- pletamente solubile nell’ etere freddo. ÖOsservo che l’acido nitrico l’attaccava alquanto, giacche nel corso dell’ ebollizione vi aveva svi- luppo di vapori rossi rutilanti; ma gli sembroö che, finita l’ebollizione, la cera fossile non avesse perduto aleuno de’ suoi caratteri fisiei. L’ ozockerite di Zietrisika si fondeva a 84° C., bolliva a 3000 ela sua densitä era —= 0'946 a + 20:5. Mediante il trattamento aleoolico Malaguti pote rendere evidente nell’ ozockerite l’esistenza di due o piu materie di densitä e fusibi- litä ineguali, le quali analizzate offerivano perd la medesima com- posizione. Laurent*) analizzava una sostanza consimile proveniente dagli schisti bituminosi di Autun. Walter 5) esamino una cera fossile scoperta a Trouschkawietz nella Galizia, che si fondeva a+59°C. e bolliva sopra i 300°. 1) Schrötter, Bauingartner’s Zeitschrift: für Physik und verwandte Wissenschaften, IV, 173, Bibliotheque Universelle de Geneve. Mai, 1836. ?2) Schrötter, Annalen der Physik und Chemie, J. C.Poggend. Leipzig, 1843. S. 37. 3) Malaguti, Annales de Chimie et Physique, LXII, 390. 4) Laurent, Ann. de Chim. et de Phys., LIV, 392, 5) Walter, Ann. de Chim. et de Phys., LXXV, 214. A2S Filipuzzi. Il prof. Redtenbacher ricevette nel 1852 dal Sig. Seybel una sostanza eristallina supposta paraffina che nelle vieinanze di Bona era stata ottenuta insieme agli olii liquidi provenienti dalla distillazione di uno schisto bituminoso. Tale sostanza era stata depurata mediante la eompressione, l' acido solforico e l’aqua. Il suo punto di fusione era a 55°C. Nel gennajo 1854 il Sign. Roberto Doms di Lemberg inviava al prof. Redtenbacher circa due chilogrammi di una sostanza bruna analoga alla cera di terra od ozockerite accompagnondola col seguente scritto: „Ben sovente nelle vieinanze della nostra-formazione salina al piede dei Carpazii si presentano potenti masse d’argilla impregnate di pece minerale, la quale si compone di una soluzione di ozockerite, paraffina, resina ed asfalto nel petroleo. La raccolta di tal pece minerale per quindi produrne del petroleo, che si potesse ardere nelle lampade invece del canlino, mi determino a scavare un pozzo in Borystow presso Drohobietz sperando d’incontrare le stesse relazioni che a Backu presso al mar Caspio, dove sem- ‚pliei eisterne somministrano considerevoli quantitä di nafta. A pochi eolpi di vanga al disotto della superfieie comineiava l’argilla bitumi- nosa, la quale in un pozzo che io scavai, era per 7—8 Klafter per lo piu impregnata di pece minerale, alla quale profondita si presento l’ozockerite anche sola in pallottole imprigionate nell’argilla e con uno scavo di terra eguale a 3/, eubiei di Klafter ottenni 220 funti di ozockerite bruta fusa, mentre quella che le arriverä & nel perfetto suo stato naturale. Nei sottoposti Klafter l’argilla € meno ricea in bitume e con le perforazioni da me eseguite fino alla profonditäa di 16 Klafter non giunsi peranco a raggiungere il suo letto“. Tale cera di terra era piu molle della cera comune; del resto di eonsistenza analoga alla cera e si lasciava modellare a piacere fra le dita. Era di colore nero bruno carico, di lucentezza grassa, insipida ed aveva un’ odore evidente di nafta. Il suo peso specifico a 250 C. era —= 0'944, il suo punto di fusione era a 60° C. Intravvedendo l’importanza che tali sostanze stavano per assumere dall’ applicazione che ne verrebbe fatta nell’ industria e nelle arti, il prof.Redtenbacher nefece intraprendere l'analisidaHofstädter. Tali sostanze vennero confrontate colla paraffina che Reichen- baeh aveva ottenuta dal legno di faggio, il eui punto di fusione era a AT’5 C. ed il peso specifico — 0'862. Della Paraffına. A 2 9 E prima di tutto diseiolse !’Hofstetter !) la paraffina di Reichenbach in una suffieiente quantita d’aleool bollente, che raffreddandosi ne depose la maggior parte in eristalli, come il Rei- cehenbach aveva giä accennato. Rieonobbe in essa tre sorta di cristalli, cio& gli uni somiglianti ad aghi inerociechiati, gli altri a noc- eioli angolosi, i terzi erano fogliette madraperlacee. L’Hofstetter suddivise la paraffina che andava deponendosi durante il lento raffreddamento della soluzione aleooliea in piü por- zioni di diverso punto di fusione, La parte piü solubile nell’ aleool, aveva il suo punto di fusione a 45° C., le porzioni che vennero in seguito da 465 C. a 480 C. Nelle medesina guisa vennero da lui indagate le sostanze di Bona e di Galizia, ambedue si seiolsero eompletemente nell’ alcool adoperato in sufficiente quantitä, solo quella di Galizia lascio indietro un piecolo residuo di sabbia. Ambedue raffreddandosi diedero le medesime tre sorta di eristalli. Da ambedue pote, frazionando le eristallizzazioni, ottenere corpi di differente punto di fusione, quella di Bona cioe si suddivise in 5 porzioni con punti di fusione da 57°C. a 61°C. e quella di Galizia in 11 con punti di fusione da 60°C. fino a 65°5 C. In sul finire dell’ anno decorso ricevette il professore Redten- bacher dai signori White, Young e Compagnia di Glascovia una paraffina proveniente dalla distillazione di un’ eleantrace schistoide e che egli si compiaceva di affıdare alle mie investigazioni, le quali vennero eseguite nel suo laboratorio. Tale paraffına era bianca, cri- stallina, di lucentezza grassa, senza odore e sapore. Il suo peso speeifico a + 15° C. era—= 0861. Si fondeva a 55° €. in un liquido limpido ed incoloro come |’ aqua. Questa paraffina venne dapprineipio da me trattata con una sufli- eiente quantita d’aleool bollente fino a che si fosse eompletamente diseiolta. La soluzione, sebbene limpida e scolorata, pure venne fil- trata onde allontanare qualunque traecia d’impuritä, che la potesse imbrattare. Abbandonato il liquore aleoolico al raffreddamento ed al riposo di piü giorni esso depose la maggior parte della paraffına in eristalli, 1) Hofstetter, aus dem Julihefte des Jahrganges 1854 der Sitzungsberichte der mathem.-naturw. Classe der kais. Akademie der Wissenschaften. Wien 1854, Bd. XIII, S. 436. 430 BuiAhapru Zzizi che, esaminati sotto al mieroscopio, erano di tre sorta, eioe simili eli uni ad aghi infilzati, gli altri a noceioli angolosi, gli ultimi a fogliette madraperlacee. Il liquore aleoolico madre separato dalla porzione di paraflina, ‚che si era cosi eristallizzata, venne concentrato mediante la distilla- zione fino a piccolo residuo. Tale liquore depose raffreddandosi una sostanza cristallizzata in fogliette madraperlacee, il eui punto di fusione era a 45° C. Nella supposizione, che una tale sostanza potesse venire ancor suddivisa, la ridiseioglieva nell’aleool e la laseiava di nuovo cristal- lizzare. Ricomparvero i medesimi cristalli, il punto di fusione non si era mutato. Da eio eonchiusi doversi riguardare una tale sostanza, quale un carburo d’idrogeno particolare e sottoporre all’analisi ele- mentare. La paraffina, che si era deposta in cristalli per il semplice raf- freddamento della prima soluzione, venne di nuovo trattata eoll’alcool e di nuovo abbandonata alla eristallizzazione. Dal liquore madre di questo secondo trattamento alcoolico concentrato e raffreddato si separd anche questa volta una paraffina conformata in fogliette madra- perlacee, il cui punto di fusione era a 48° C. Tali trattamenti aleooliei vennero da me nella medesima guisa ripetuti fino a che giunsi ad ottenere per ultimo una paraffina, il eui punto di fusione era a58° C. e che rimase invariabile sebbene ancor una volta la trattassi coll’ aleool. Debbo far osservare che col secondo trattamento aleoolico i eristalli conformati in fogliette madraperlacee vennero completamente allontanati e che tutte le diverse porzioni nelle quali potei ancora suddividere la paraffina non offrirono che due sorta di eristalli eioe somiglianti gliuni ad aghi infilzati, gli altri a noccioli angolosi e che per quanto facessi non riuscii ad isolare gli uni daglı altri. Avverto ancora che l’ultima porzione di paraffina ottenuta dal liquor madre dell’ultimo trattamento alcoolico presentava delle traceie di petroleo. Dalle diverse porzioni, nelle quali riuscii a suddividere la paraf- fina ottenni 9 diversi punti di fusione, che dai 45° C. ascendono gradatamente fino ai 58° C. Ru 14. 1% MeV VRAMETHV IR RR ‚45° 48° 49° 49°5 51° 56°5 57° 57°5 58° C. Della Paraffina. 43 1 L’analisi elementare di aleune di tali porzioni indieö la compo- sizione medesima del gas oliofacente e dimoströ cosi, non essere la paraffina un’ individuo organico, unico, ma comporsi di varii carburi d’idrogeno isomeri e probabilmente di alto ma diverso equivalente. Le combustioni vennero eseguite coll’ ossido di rame ed una corrente d’ ossigeno. I. Porzione che si fondeva a 45° C. 0-223 grm. di sostanza diedero, 0.699 grm. acido carbonico, 0:287 grm. aqua. II. Porzione che si fondeva a 49°5 C. 0.233 grm. di sostanza diedero, 0731 grm. acido earbonico, 0:2983 grm. aqua. III. Porzione che si fondeva a 56°5 C. 0-222 grm. di sostanza diedero, 0°698 grm. acido carbonico, 0:286 grm. aqua. IV. Porzione che si fondeva a 57°5 C. 0201 grm. di sostanza diedero, 0.6322 grm. acido carbonico, 02570 grm. aqua. V. Porzione che si fondeva a 58° C. 0:254 grm. di sostanza diedero, 0:798 grm. acido earbonico, 0:3267 grm. aqua. Caleolato. 1. I. II. IV. V: =6 — 8571 — 8547 — 85:53 — 85:72 — 85:77 — 8569 H=1 — 1429 — 14-30 — 14:23 — 14:31 — 14:21 — 14:29 7 —100.00 Magnus Schrötter Malaguti Walter Hofstetter nn v—— nen TU urn on C — 85:75 — 86:20 — 85:22 — 8521 — 86:20 — 35.80 — 85:85 — 8616 — 84:94 — 85.78 H — 15:15 — 13:79 — 14:86 — 13:71 — 14:16 — 13-98 — 14:28 — 14:36 — 14:87 — 1429 Il punto d’ebollizione delle suddette sostanze non venne inda- gato, essendo eonoseiuto che i carburi d’idrogeno che possedono la medesima eomposizione del gas oliofacente, eambiano il ioro punto d’ ebollizione mediante la distillazione. Era noto come i carburi d’idrogeno volatili provenienti dalla distillazione del grasso, se trattati coll’ aeido nitrieco eoncentrato, si A432 Filipuzzi. ossidassero e dessero origine ad acidi grassi volatili. Era noto del pari come gli acidi grassi d’alto equivalente, se trattati pure con l’acido nitrico, producessero acido suceinico. Una tale esperienza determinavami a sottoporre la paraffina all’ azione ossidante dell’acido nitrico. Circa dieeci grammi di paraffına vennero a tale scopo digeriti con un’ eccesso d’acido nitrico concentrato ad una temperatura superiore di aleuni gradi a quella del punto di fusione della paraflina medesima. La reazione che dapprineipio si manifesto viva e con copioso sviluppo di vapori rutilanti ando grado grado seemando e per modo che dopo una digestione non interotta di quasi dieci giorni vi aveva uno sviluppo appena sensihile di vapori nitrosi, e la paraffına che prima si era veduta nuotare a guisa d’uno strato oleoso al disopra dell’acido, era gia del tutto scomparsa. La digestione venne ancor proseguita per alcun tempo firo a che una piccola porzione della soluzione acida diluita con un eccesso d’aqua non desse che un intorbidamento appena visibile. La soluzione oltre all’ odore dell’ acido nitrico in eccesso adoperato, diffondeva anche un altro odore che ricordava quello dell’ acido butirico. Distillai allora tale liquore acido fino a che nella storta si ridu- cesse ad un quarto del suo volume per separarne cosi l’acido volatile. I liquor distillato venne saturato con la potassa per eui l’odore dell’ acido butirico del tutto scomparve. Il nitrato di potassa venne allontanato mediante la cristallizzazione e quindi il butirato della stessa base decomposto mediante l’acido solforico; per eui l’odore dell’ acido butirico si fece di nuovo manifesto. Allontanato anche il solfato di potassa non saturai allora che una metä del liquore conte- nente l’acido butirico di nuovo con la potassa, l’aggiunsi all’ altra e distillai. Ripetei aleune volte di seguito un tale processo, detto anche di frazionamento, nell’intenzione di eoncentrare l’aeido butirico in una piccola parte del liquido; ma ad onta di tutte le precauzioni possibili la quantita, che per tal modo ne ottenni, fu si piecola da non bastare ad un’ analisi. | Neutralizzata allora nuovamente tale piecola quantita d’acido con la potassa evaporai a secchezza, versai sul residuo secco alquanto d’aleool poi dell’ acido solforieco ed immantinente il gradito e carat- teristico odore dell’ ananas si diffuse. Avendo quindi distillato un tale Della Paraffina. A 3 3 miscuglio in una piccola storta ne ottenni del butirato d’ossido d’etilo con le caratteristiche sue proprietä. La porzione del liquore acido rimasta indietro della prima distil- lazione venne evaporata onde liberarla dall’acido nitrico che ancor vi restava, ed il residuo solido disciolto in poca aqua bollente, depose raffreddandosi dei cristalli bianchi granulari, i quali depurati mediante ripetute soluzioni e eristallizzazioni presentarono tutti i caratteri dell’ acido succinico. L’analisi del sale d’argento offri i seguenti risultati: 0.4890 grm. di suceinato d’ossido d’argento diedero 0.3185 grm. d’argento. Caleolato: trovato: mn a RR u ) 0, — 3 — 1415 — — a RE EN 0, nee Ni en Ag, — 216 — 65:06 — 6513 E22 710000 Dal sopradetto si puö dedurre, che in origine la parafina derivi dai corpi grassi mediante un processo di riduzione. Il pro- cesso della distillazione, come quello della formazione dei carboni fossili e dei corpi analoghi non sono a vero dire che processi di riduzione. Presentemente che la produzione della paraffina e particolar- mente quella dell’ olio di paraffina (lubrieating-oil) sono salite ad un punto importante nelle arti e nell’ industria, eredo opportuno di aggiungere alecun che sopra il modo della loro fabbrieazione. La qualitä dei prodotti della decomposizione del carbone fossile dipende dal grado di temperatura alla quale essa viene effettuata, come pure dalla qualitä del carbon fossile adoperato. Si possono prineipalmente distinguere tre specie di prodotti eio@: gas e vapori che vanno confusi sotto il nome comune digasdelecarbonfossile: un liquido carico d’ammoniaca, detto aqua di gas, e finalmente un liquido nero oleoso, detto eatrame del carbon fossile. I residuo della distillazione del earbon fossile costituisee un carbone nero e compatto, conosciuto sotto il nome dicoak. Quando la decomposizione viene effettuata al color rosso-eirie- gia, come nella fabbrieazione del gas illuminante, si ottengono i seguenti prodotti cioe: A3A Filipuzzi. II gas del carbon fossile si compone prineipalmente di Gas oliofacente (idrogeno biearbonato), „ delle paludi (idrogeno protocarbonato o idruro di metilo), „ 0ssido di earbonio, „ acido earbonico, „ idrogeno, „ ldrogeno solforato, Vapori d’idrocarburi oleosi volatilissimi aventi per formola generale Cn Hn (tritileno , tetrileno) o Cn Hn — 6 (benzina, tolueno), » disolfuro di carbonio, quando il carbon fossile contiene della pirite, Acido eianidrico o eianidrato d’ammoniaca dovuti alla reazione dell’ ammoniaea sopra il carbone. La eosidetta aqua di gas & importante per l"ammoniaca in essa contenuta. Nel catrame del carbon fossile & contenuto: Idrogeno solforato, Ammoniaca, Acido eianidrico, „ acelico, » fenico Alecali oleosi (anilina, picolina, ehinoleina), Benzina, Idrocarburi oleosi (tolueno, C,,H;; eumeno, C,sH,, ; eimeno, C,.H,,, omologhi della benzina), n solidi (naftalina, eriseno, antraceno), Olio empireumatico bollente a 70° e che si resinifica a contatto dall’ aria. Quando invece la decomposizione viene effettuata ad una tempe- ratura piu bassa, i prodotti sono alquanto diversi e principalmente in luogo della naftalina, si ottiene un’ olio contenente paraflina (lubriea- ting-oil) e paraffina solida. Fu Young di Glascovia quegli che seoperse, che, distillando i carboni a bassa temperatura, si ottenevano prodotti diversi da quelli che si ottenevano allorch& essi venivano distillati ad un’ alta tempe- ratura, come nella fabbrieazione del gas illuminante. Della Paraffina. 435 Rees Reece chimico di Londra ottenne fino dal 1849 una pa- tente 1) pel trattamento della torba onde estrarne della paraflina. Gli studj di Young intorno ai carboni bituminosi ?) ebbero per iscopo prineipale la produzione dell’ olio di paraffına che viene adoperato solo o mescolato con altri grassi per ungere le macchine, come pure per ardere nelle lampade d’Argand. Fu Seligue quegli che introdusse nell’ industria francese :) la distillazione dei carboni schistosi. I carboni dei contorni di Autun gli somministrarono: 1) olii volatili od eterei; 2) oliüi fissi; 3) olü contenenti paraffina, ch’ egli adoperava nella composizione di grassi per carrozze e per macchine; 4) paraffina per fabbricare candele; 5) una materia colorante ed ammoniaca; 6) catrame; 7) un residuo secco,il quale poteva venire adoperato per scolorare i siroppi oppure per la disinfettazione. Mediante il vapor d’ aqua fortemente risealdato Brown riusci ad effettuare la distillazione del carbon fossile #) ad una temperatura assai bassa. Egli raceoglie a parte i prodotti piü volatili e quindi sotto- pone il carbone ad una seconda distillazione. A Beuel nei dintorni di Bona in Germania havvi presentemente un grande stabilimento di tal genere, diretto dall’ingegnere Wage- mann 5) nel quale vengono giornalmente sottoposti alla distillazione eirca 19,000 chilogrammi di carbone shistoso. I carboni vengono cola primieramente ridotti in pezzi della grossezza di una noce e nel caso che contengano dello zolfo, spruzzati con aqua di calce, e quindi trasportati in una stufa a disseccare. Tale stufa, della lun- ghezza di 200 piedi e della larghezza di 20 & intersecata da muri alti 2 piedi e distanti l’uno dall’ altro 4 piedi. Tali muri sono con- giunti fra di loro col mezzo di volte. Sopra queste volte si collocano 1) Rees Reece, The London Journal of Arts, Sciences and Manufactures, and Reper- tory of Patent-Inventions. 1849, 96; The Mechanie’s Magazine by R. A.Brooman, London 28. July 1849; Dingler’s polytechn. Journal, CXIII, 317. 2) Young, Technologiste ou Archives des Progres de l’Industrie Frangaise et Etran- gere de Malepeyre, Paris 1852, Aout; Dingler’s polytechn. Journal. CXXV, 453. 3) Polytechnisches Journal von Dingler, Stuttgart und Augsburg, CXXIX, 157. *#) Brown, Moniteur Industrielle. Paris 1854, Nr. 1860; Dingler’s polytechn. Journal, CXXXI, 431. 5) Wagemann, The Mechanie’s Magazine edited by R. A. Brooman, vol. LXI, London 1854, Saturday, December, Nr. 1634—35; Dingler’s polytechn. Journal, CXXXV, 138 und 384. 436 Filipuzzi. gli schisti a seccare mentre sotto di esse vengono distese le ceneri degli schisti che gia soggiaequero alla distillazione nelle storte. Le ceneri ancor calde trasmettono cosi il loro calorico alle volte e queste agli schisti sopra giacenti che per tal modo ne restano disseceati. Gli schisti eosi disseceati vengono sottoposti alla distillazione entro a storte, le quali differiseono da quelle del gas, in quanto che i prodotti della distillazione escono dalla parte opposta a quella in eui si trova la graticola. Sopra eiascun fuoco stanno adagiate due storte della lunghezza di S piedi, della larghezza di 2 e con un tubo adduttore di 5 polliei. Il fuoco vi passa al disotto e di la si rende nel cammino. Lo secopritore preferisce di collocare 8 fornelli con 16 storte all’intorno di uno stesso cammino, per eui la fiamma puo passare dall’ un fuoco all’altro e le storte venir cosı sottoposte ad una tem- peratura gradatamente erescente. I prodotti della distillazione delle 16 storte entrano in un tubo di ferro della lunghezza di 80 piedi e del diametro di 2 circondato esternamente d’ aqua fredda. I gas, dopo avere oltrepassato un tale tubo, entrano in un grande eilindro di ferro, il quale € riempiuto di coak; questo coak spoglia il gas delle ultime porzioni di catrame. Di la i gas arrivano in un cammino alto 40 piedi, la eui corrente viene moderata mediante un regolatore. I prodotti liquidi della distillazione vanno a raccogliersi in un grande serbatojo, che viene costantemente mantenuto ad una tempe- ratura di 30°C., il che favorisce la separazione dell’ aqua ammonia- cale. L’aqua ammoniacale viene mescolata con la cenere distillata ed offre cosiı un buon concime. Il eatrame viene fatto passare col mezzo di pompe nelle macckine di depurazione, ove 200 galloni del medesimo vengono mescolati con 10 galloni di soluzione di ferro ad una temperatura di 30° €. per lo spazio di 3, d’ora. Le macchine di depurazione sono grandi eilindri di ferro della capaeita di 500 galloni, nei quali dei tubi di ferro vengono messi in movimento mediante la forza di macchine. Il catrame cosi depurato dall’ idrosolfato d’ammoniaca viene tras- portato in appareechj distillatorii della capaeita di eirea 300 galloni e distillato col vapore d’aqua fortemente riscaldato. I prodotti della distillazione si condensano in un serpentino di piombo lungo 100 piedi e di 3 polliei di diametro. I prodotti della distillazione vengono quindi ripartiti nei tre seguenti: 1) essenza del peso specifico da 0700 fino a 0865; Deila Paraffina. 43 7 2) lubrieating-oil da 0865 a 0'900 3) paraffina da 0-900 fino 0:930 peso specifico. Questi tre diversi prodotti vengono eiascuno di per se per il corso di mezz’ ora mescolati colle relative quantita A, 6, 8 per %, d’acido solforico eoncentrato; 1, 11/,, 2 per %, d’acido eloridrico e 15, %,, 1 per °/, di bieromato di potassa, nelle mac- chine giacenti da mescolare. Dopo tre ore vengono i deiti prodotti separati dal residuo e mescolati in macchine di ferro con 2,8, 4 per % di soluzione di potassa caustica a 50° Baume. In seguito ciascun prodotto cosi depurato viene distillato col vapore d’aqua fortemente riscaldato. Dal n% 1 mescolato ;eon una parte del n% 2 si ottiene un olio del peso specifico = 0'820, il quale corre in commereio sotto il nome di fotogene od olio minerale che si arde in lampade apposi- tamente costruite. Una parte dei prodottidein‘ 2 delpeso specilico = 0:860 — 0:870 da il solar - oil, che si arde nelle lampade d’Argand e diÜarcel. Il resto del n% 2 misto con una parte del n® 3 da da aleuni anni lusitatissimo lubricating-oil per ingrassare le macchine. Il residuo del n® 3 viene trasportato in una gran cantina ove la temperatura & mantenuta piu bassa che sia possibile per favorire la eristallizzazione. In quattro o cinque settimane la paraffina si trova eristallizzata in grandi tavole e viene col mezzo di macchine centri- fughe, le quali fanno circa 2000 giri per minuto, separata dall’olio. Tale paraffina viene fusa, gettata in tavole e sottopposta ad una pres- sione di 168,000 chilogrammi in un torchio idraulico a freddo. Viene quindi nuovamente fusa e, quando la temperatura ha raggiunto i 180° C., mescolata con un 50 per °/, d’acido solforico eoncentrato. Trascorse due ore si separa la paraflina dall’ acido e la si mescola coll’ aqua. Viene quindi gettata in foccaccie ed entro a stacei di crine compressa in un torchio idraulico a caldo; poi fusa nuovamente, mista con un '/, per %, di stearina e mescolata a 150° C. con un 70 per % d’acido solforico nelle macchine da mescolare di piombo. Dopo un riposo di due ore viene separata dall’ acido e lavata coll’ aqua, poi un’ altra volta fusa con un %, per %, di stearina ed in seguito mescolata con 1 per %, di soluzione di potassa caustica a 40° di Baum&. Passate due ore tutte le impuritä si trovano giä deposte sul fondo e la paraffina limpida come l’aqua si getta in stampi rettango- ları o viene conformata in candele. 438 Filipnazzu. Gli sperimenti eseguiti dal prof. Karsten di Kiel 1) sopra la forza di luce delle candele di paraflina in paragone colle candele di altri materiali diedero i seguenti risultati: Candele di paraflina (4 per funto) 24 1:000 |4Y/,ore| 525 | 1:00 (30) | 1:00 Do = gr pr di spermaceti(6 „ „ )| 221/,| 0'922 id. 540 | 08264] 40 0:62 di cera ass: 161/,| 0:6875| id. 552 | 0-45 26 0519 distearina (A,„ „ ) di ceraart. (5 „ „ )| 23%| 0:964 id. 642 | 0:76 21 1:086 )| 221/,| 0'922 id. 822 | 0.543 16 1:018 ) di sego (6, ») 223/,| 0.932 | id. | 1020 [045 | 10 | 1-35 Distanza nella quale le fonti diluce hanno un’ eguale ehiarore illuminante ; valore relativo di d; eonseguente intensitä della fiamma; tempo in eui ardono in ore; peso del combustibile eonsumato in grani medieinali; chiarore per eguali quantita di combustibile econsumato, senza riguardo alla spesa — (v esprimerä anche il prezzo relativo, che i materiali gr combustibili aver potessero, onde ottenere eguali valori eombustibili v); prezzo di un funto in scellini diAmburgo eorrenti (1 scellino—=11 cent.) e il valore eombustibile, in relazione col prezzo, ossia il chiarore a ı e i.t ® prezzi eguali — — —., gr. pr pr Da ciö segue: 1) Fra le candele di lusso hanno quelle di paraffina il primo grado; esse vincono quelle di spermaceti e quelle di cera, come in v ed ancor piü in v, & dimostrato. I prezzi della paraffina, dello spermaceti e della cera dovrebbero presso a poco stare fra di loro nella relazione di 10:8: 5 se chiarore eguale egual prezzo avesse. 2) Le candele di paraffina hanno un valore combustile maggiore v delle migliori candele comuni, ma a motivo del basso prezzo delle ultime, arriva al prezzo relativo; per poter servirsi senza discapito delle candele di paraflina in confronto di quelle di stearina possono 1) Karsten, Mittheilungen des Gewerbe-Vereins für das Königreich Hannover, 1854; Dingler’s polytechnisches Journal, CXXXIV, 366. Della Paraffina. A39 stabilirsi i prezzi = 100 :76: 54. La paraffina: candela di cera art.: stearina ord. = 100 ::76 : 54. Il prezzo di 30 scellini per fanto (20 scellini al funto alla fabbrica, & scellini di dazio; restano 6 scellini per imballatura, trasporto e proiitto di vendita) esprimerä suffieientemente quel rapporto, mentre i valori combustibili v, ai prezzi di 30 scellini : 21 scell. : 16 scell. sono quasi eguali (1:1-09:: 1:02), a vantaggio pero delle candele di paraflina si presenta la eircostanza, che le medesime (somministrate da Wiesmann e Comp. in Bona) sono quasi di giusto peso, per il che l’apparente differenza del 9 o risp. 2 per °/, a favore delle candele di stearina verrebbe ad essere tolta. In conseguenza le candele di paraffina coi prezzi suindieati potrebbero sostenere la concorrenza colle comuni candele. 3) Fra tutte le candele & veramente quella di sego la piü a buon prezzo, non perö nella misura che il piü comunemente si erede in paragone di quelle di paraffina e delle buone di stearina. Se si considera che specialmente le vecchie candele scarseggiavano di molto nel peso e molto scolavano, cosi potrebbero i rel. 35 per %, ed i 24 per °/,, che il sego comparisce piü a buon prezzo in v, a confronto della paraffina o della cera artifieiale riuseire illusorii. Il bruciare candeie, anche delle piüu preferibili, riescee sempre piüu costoso dell’arder olio in una lampada ben costruita. Ma perche in aleuni casi alle candele non si possono sostituire le lampade, per- ciö le considerazioni sopra i valori relativi delle diverse sorta di can- dele riusceiranno sempre interessanti. Le nuove candele di paraffina si distiinguono per la loro bella apparenza ne reggono al confronto con esse quelle di spermaceti piü bianehe ma non cosi trasparenti come quelle di paraffina. Si deve solo in aleune di quest’ ultime meglio provvedere alla unifor- mita della massa (punti opachi nella massa trasparente). Le candele di paraffina si distinguono finalmente per una partieolare uniformitä nell’ardere, mentre sono meglio stabilite le proporzioni fra la potenza del lueignolo e la consumazione della paraffina, in modo che il luei- gnolo bruciando forma sempre una regolare scodella, si carbonizza regolarmente nella parte superiore e la candela non scola per nulla. Sitzb. d. mathem.-naturw. Cl. XVII. Bd. III. Hft. 29 AAO Filipuzzi. Analisi del carbone fossile di Cludinico in Carnia di Francesco Filipuzzi. (Vorgelegt in der Sitzung vom 12. Juli 1855.) Il carbon fossile di Cludinico viene seavato all’ imboccatura del R. Furioso fra Ovaro e Cludinico, non lungi dalla strada, La strato carbonifero ha uno spessore di metri 0:93 e giace in seno all arenarie grigie, le quali dal canto loro costituiscono un deposito subordinato nell’ arenaria variegata inferiore (Werfener Schiefer). Questo earbone adunque appartiene alla formazione del trias. Sopra alle arenarie grigie che rinchiudono questo combustibile giaceiono ancora potenti strati di arenaria variegata inferiore, i quali presso Amboluzza, Cludinico ed Entromarsa sono ricoperti dal caleare nero inferiore (Guttensteiner Kalk). II deposito carbonifero & eircoscritto alla parte piü bassa del R. Furioso. Sotto i medesimi rapporti rinven- gonsi delle arenarie grigie con traccie di carbon fossile anche nel R. Maggiore fra Lauco ed Avaglio al nord di Villa. Non si dovrebbe trascurare di far quivi delle ricerche piü dettagliate, giacche questo & l’unico luogo dove si potrebbe incontrare di nuovo il deposito car- bonifero di Cludinico. Una provenienza eonsimile offre anche il carbone di Raveo che si trova depositato nel calcare nero; per eui sebbene appartenente alla formazione del trias inferiore, pure esso non & identico a quello di Cludinico. Il carbone di Cludinico & molto compatto e duro, da un segno nero-bruno, ha una frattura piano-concoidea in eui strati sottili di carbone opaco si alternano con interotte sottili striscie di carbone compatto lucente. Questo carbon fossile si avvieina molto al carbon fossile vero della formazione carbonifera sı per le sue proprietä fisiche come per sua chimiea composizione. La sua gravitä speeificae = 1:58 a + 15°C. La quantita d’acqua igroscopiea in esso contenuta € —= 085 per %. Analisi del earbone fossile di Cludinieo in Carnia. AA1 Sottoposto il carbone alla caleinazione in vase chiuso sviluppa abbondante quantitä di prodotti gasosi, che accesi ardono con fiamma biancalucente, la quale e accompagnata dauna leggera colorazione in giallo. Il coak che rimane dopo terminata la caleinazione € ben agglu- tinato e poroso. Tale coak & d’aspetto metallico lucente, di color nero- plumbeo. La quantita che per tal modo ne ottenni risultöo = 79'52 per %. | Il potere calorifico assoluto di un tale carbone, determinato secondo il metodo di Berthier, corrisponde a 627647 unita calori- fiche, cio& a dire 1 chilogrammo di questo combustibile somministra una quantita di calorico tale da innalzare di 1° C. la temperatura di 627647 chilogrammi d’acqua. La proporzione della cenere somministrata dell’ esperienza € — 14'210 per %/, e contiene: RCIHONSTILCICO?F RE PIE N ee en Er ZNDD Berossido. dnterton ee er ee FOlluminaya Mau a le ie Re le Eu )2 990% Solatolmiellce Tan. ae, DOLLS Parbonatukdrrmarnesian. 2 mr. na. 10:61 AI REMBBHERNN. EUESUIEN DEN ee. 02021 14210. La quantitä totale dello zolfo che si trova presente nel carbone & = 5.687 per %. La porzione di zolfo combinato al ferro allo stato di bisolfuro di ferro & = 4432; quella dello zolfo eombinata alla ealce allo stato d’acido solforico € = 1'255 per %. Le zolfo eontenuto allo stato d’acido solforico & gia presente nella cenere — 14'210 per °/,, ma non giä lo zolfo combinato al ferro. Onde avere i dati della cenere eongiunta allo zolfo si deve sottrarre dal perossido di ferro tutto l’ossigeno ed al ferro cosi ridotto aggiungere lo zolfo necessario a convertirlo in bisolfuro il che riesce — 10.313. Cenere somministrata dall’ analisi . . - -» . . .14210 Ossigeno contenuto nel perossido di ferro . . . . 1663 Cenere meno l’ossigeno del perossido di ferro . . 12547 Zolfo combinato al ferro allo stato di bisolfuro di ferro A432 Totale della cenere collo zolo . . » » . ...16979 29° AA2 Filipuzzi. Analisi del carbone fossile di Cludinico in Carnia. Composizione elementare: Carbonio . .. ER A EN N N) Idrogeno 0.02 u N | Nıtinogenow. nn a an rt u 0-08 N Be we ÜSSICEND!.. a a er 2 Aeido silieieo. . Yan BE na N4:522 Bisolturo di ferro 0. 20.0088) Alluminal cv... aan eu OS iR Solfatoldılealee . amman sn 10128 Carbonato di Magnesia . . . . 0'691 Alealır ul. Bun Sarnen es en ) 100-000 100.000. Composizione elementare deduzione fatta delle ceneri e dello zolfo: Carbonio u... 22.020052 ,01:080 Idrogeno u... 20.0.0. 0050002002405 Nitroßeno nn Ossigeno. u 2 ....9'588 100-000. Dai dati somministrati dall’ analisi risulta ehe il earbone fossile di Cludinico offre un prezioso combustibile, il quale puö sostituire nella maggior parte dei casi il carbon fossile vero alla eui composi- zione, egli molto si avvicina. Solo, attesa la proporzione piuttosto significante di zolfo che contiene, non poträ sostituire quest’ ultimo nell’ industria del ferro. Osnaghi. Analyse des Mineralwassers zu Galdhof bei Seelowitz in Mähren. AAZ SITZUNG VOM 11. OCTOBER 1855. Vorträge. Analyse des Mineralwassers zu Galdhof bei Seelowitz in Mähren. Von Ferdinand Osnaghi. (Vorgelegt in der Sitzung vom 12. Juli 1855.) Das Wasser des Brunnens bei Galdhof gehört zu den Bitter- wässern, ist vollkommen klar und geruchlos, und hat einen salzig- bitteren Geschmack. Die Temperatur des Wassers im Brunnen ist 13° Cels. | An der Luft zeigt sich auch nach sehr langem Stehen eine kaum merkliche Veränderung. Ein mit Salpetersäure angesäuerter Theil des Wassers gab mit salpetersaurem Silberoxyd einen merklichen Niederschlag von Chlorsilber. Eine andere Probe des Wassers gab mit Chlorbariumlösung einen Niederschlag, welcher aus schwefelsaurem und kohlensaurem Baryt bestand. Ebenso gelang es, in dem Wasser noch Kalk- und Bittererde nachzuweisen; erstere erkannte man durch Zusatz von oxalsaurem Ammoniak als einen Niederschlag von oxalsaurer Kalkerde, und letz- tere indem man zu dem Filtrat noch phosphorsaures Natron setzte und die Bittererde als phosphorsaures Bittererde-Ammoniak herausfiel. Um Kieselsäure, Thonerde, Kali, Natron und Ammoniak nach- zuweisen, mussten grössere (Juantitäten Wassers eingedampft, und der Rückstand der Prüfung auf diese Substanzen unterzogen werden. AA Osnaghi. Ammoniak wurde durch Glühen eines Theiles des fixen Rückstan- des, vermischt mit Kalkerdehydrat in einer Glasröhre, auf die Weise bestimmt, dass man das entwickelte Gas durch eine Vorlage mit Chlorwasserstoffsäure streichen liess, wobei das Ammoniak absorbirt und Salmiak sich in Lösung befand. Auf Zusatz von Platinchlorid zur alkoholischen Lösung fiel das Doppelsalz von Platinchlorid-Chlor- ammonium als unlöslich nieder, und gab so das Vorhandensein von Ammoniak zu erkennen. Die Kohlensäure wurde auf folgende Weise bestimmt. Ein Heber, dessen Rauminhalt vorher genau ermittelt wurde, war mit dem Mineralwasser angefüllt und die Flüssigkeit in eine mit Ammoniak versetzte Chlorbariumlösung ausgegossen worden, wobei ein bedeu- tender Niederschlag von schwefelsaurem und kohlensaurem Baryt entstand; der gemengte Niederschlag wurde dureh Chlorwasserstoff- säure getrennt, wobei sich der kohlensaure Baryt in Chlorbarium verwandelte und im Filtrate wieder als schwefelsaurer Baryt nach- gewiesen werden konnte. Die direeten Ergebnisse der quantitativen Analyse, die ganz nach der gewöhnlichen Methode ausgeführt wurde, sind folgende: Speeifisches &ewicht. Ein Fläschehen mit Mineralwasser wog bei 19° Cels. . . 326753 Dasselbe Fläschehen mit destillirtem Wasser wog bei | 130Cels 0 De I A a mithin ist das specifische Gewicht N 1:014 In 1000 Gew.- Theilen Wasser NL_e— m? 326753 Grm. Wasser gaben als fixen Rückstand 4550 Grm. 13'925 326753 „ Wasser gaben 7:586 Grm. schwefelsauren Baryt; diesem entsprechen 2:699 Grm. Sehwefelsäure . . . »nelon Haan 826:758 „ Wasser gaben 0'246 a a dem entspreehen 0:060 Grm. Chlor . . . ... . 0.183 326753 ,„ Wasser gaben 0-28%7 Grm. A diesem entsprechen 0:1148 Grm. Kalkerde 0:351 826753 „ Wasser gaben 2263 Grm. phosphorsaure Bittererde; dieser entsprechen 0:8082 Grm. Bittererdent.JnR aasih Ian mund ob bunt anle2 Analyse des Mineralwassers zu Galdhof bei Seelowitz in Mähren. AA5 In 1000 Gew.- Theilen Wasser Ne 1307-014 Grm.Wasser gaben 0'059 Grm. Kieselsäure . . 0050 1307014 „ Wasser gaben 0:014 Grm. Thonerde mit Spuren von Eisenoxyd . . ... . ... 0:010 284699 „ Wasser gaben ein Gemenge von Elan und Chlornatrium = 1'2996 Grm. 284.699 „ Wasser gaben 0:193 Grm. Kaliumplatin- chlorid; dem entsprechen 0°059 Chlorkalium, und diesem 0:0373 Kali . . . 2... . 0131 Von den EChlormetallen . . . 2... =1'2996 Grm. abgezogen Chlorkalium . . . . . . 0.0590 „ bleiben als Chlornatrium . . . . . 1:2406 Grm. diesem entsprechen 0:6574 Grm. Natron . . . . 2'310 431-720 Grm. Wasser gaben 0:046 Grm. Yntoohinmpläftr: chlorid; dem entsprechen 0-0110 Grm. Chlor- ammonium, woraus 0°0035 Ammoniak folgt 0'005 204-928 „ Wasser gaben 0'292 Grm. schwefelsauren Baryt; diesem entsprechen 0:1917 Grm. Baryt; dem 0:1917 Grm, Baryt entsprechen aber 0-05511 Grm. Kohlensäure. . . . =0'269 Aus diesen Ergebnissen berechnen sich die Verbindungen der einzelnen Bestandtheile unter einander, folgendermassen: In 1000 Gew.- Theilen 1. Schwefelsaures Kali. 0:131 Gew.-Thl. Kali brauchen 0:110 Gew.-Thl. Schwe- felsäure und bilden schwefelsaures Kali . . . . . . 0241 2. Chlornatrium. 0:184 Gew.-Thl. Chlor brauchen 0:119 Gew.-Thl. Na- min um Chlornatrium zu bilden .......2272720:2303 3. Schwefelsaures Natron. Totaimenge des vorhandenen Natrons 2:310 Gew.-Thl., davon als Natrium an Chlor gebunden 0119 Gew.-Thl., welchem 0:160 Gew.-Thl. Natron entsprechen; der Rest 2'148 Gew.-Thl. Natron verbindet sich mit 2:713 Gew.-Thl. Schwefelsäure und bildet schwefel- SAULESE N AERO RER Le ee AAG Osnaghi. In 1000 Gew.- Theilen 4. Schwefelsaurer Kalk. 0:336 Gew.-I[hl. Kalkerde sättigen 0'480 Gew.-Thl. Schwefelsäure, und bilden schwefelsauren Kalk . . 0:816 5. Schwefelsaure Bittererde. 2-4A2 Gew.-Thl. Bittererde brauchen 4'884 Gew.-Thl. Schwefelsäure, und verbinden sich zu schwefelsaurer Bittererder. un en Annlasroten nad he 6. Schwefelsaures Ammoniak. 0:005 Gew.-Thl. Ammoniak sättigen 0'012 Gew.-Thl. | Schwefelsäure und bilden schwefelsaures Ammoniak 0°:01%7 7. Doppelt-kohlensaurer Kalk. 0:110 Kalkerde brauchen 0'086 Gew.-Thl. Kohlensäure und bilden einfach kohlensauren Kalk . . . 0.196 Dazu das 2. Äquivalent Kohlensäure . . . . 0.086 8. Doppelt-kohlensaure Bittererde. 0'282. 0:041 Bittererde brauchen 0'045 Gew.-Thl. Kohlen- säure, und bilden kohlensaure Bittererde . . 0'086 Dazu noch 1 Äquivalent Kohlensäure . . . . 0:045 0.131. Controlen der Analyse. Der gesammte fixe Rückstand betrug . . . . . . .13'925 Die Analyse gab: 1. Schwefelsaure Bittererde . ... . . 7'326 2. Schwefelsaures Natron . . . . 2... 4921 3. Schwefelsauren Kalk . . . . . ...0816 4. Schwefelsaures Kalı : ... .,. :,. ou 0:241 5. Schwefelsaures Ammoniak . . . . . 0'017 6... Chlornatrrum ae ı..°... 000.022... 0 0 7.,Kohlensauren Kalk... . 7... 702106 8. Kohlensaure Bittererde . . . . . ....0:086 9; »Kieselsaurei sn vu ee anna 0 RAR 10. Thonerde mit Spuren von Eisenoxyd und Phosphorsäune, . .... m. 0 ur. 0208 Zusammen . . 13'956 Analyse des Mineralwassers zu Galdhof bei Seelowitz in Mähren. AAT Zusammenstellung mehrerer neben einander ausgeführter Control- versuche. Mittelwerth Speeifisches Gewicht . 1.014 Fixe Bestandtheile . . 13-870 In Wasser löslich . . 13:626 In Chlorwasserstoffsäure löslich 0-329 Schwefelsäure. . . . 8259 Chlor 0.184 0.351 Bittererde 2483 Kohlensäure . . . . 0.269 Totalmenge der Schwefelsäure . davon gebunden an Bittenende,. In 1sreis ck \eeB0:31. 2.20 RES N alınom 9: anne: Phesatahıl Hn 0 3 le TS Kali seastlaiien. Ste al. 2A) orten Kalkan ti HB Winde a 1 RAEIRTAREEN DER Arnımonlakoe 908-0. 20833 Ki. 0012 8:259 8259 Totalmenge der Kohlensäure davon gebunden an Kalkerdessrss.nnalt:fh siscnrste deiltanisra. os 072, Bibleserded. wessadle iawıa SormBannlda aan OO 0:269 0.262 Die in destillirtem Wasser löslichen Bestandtheile — 13-626 davon schwefelsaure Bittererde . . . . ...=17396 schwefelsaures Natron . . . 2... 2.0 —=4#991 F Kaltı. 2 aner s Waase kelkirkr Kalkenisame te ROSE schwefelsaures Ammoniak . . . 2... —(0'017 Chlommatzium, ya .meiston unsean oc hlar lieite= 0308 13.624 AAS Osnaghi. Analyse des Mineralwassers zu Galdhof bei Seelowitz in Mähren. In Chlorwasserstoffsäure Lösliches . . . - - . . ...0:329 davon kohlensauter Kalkır „een... m.0.20 0.00.0710 kohlensaure Bittererde . . . -. . 2 2.0086 Kieselsäure Hr rer ar ...0:050 Thonerde mit Spuren von Eisenoxyd und Phosphorsäimwe „ll. kaneiue hl ea 0:332 Recapitulation der Analyse. In 7860 Gran | In 1 Wiener | In 1 Wiener In 1000 Gew.- e 1 Wien. Pfd. Mass Seitel Theilen Fixe Bestandtheile. Grane Schwefelsaures Kali . . . 0.241 1894 A787 1'196 „ Natron . . 4921 33.678 97750 24-437 Schwefelsaure Magnesia . 71-326 57'383 145:526 36381 Schwefelsaurer Kalk . . . 0816 6414 16211 4052 Schwefelsaures Ammoniak 0:017 0.133 0:338 0.084 Chlornatrium 20. 2a: 0:303 2.382 6:019 1'504 Doppelt-kohlens. Kalk . . 0.232 2'216 5602 1'400 " a Bittererde 0:131 1'029 2.602 0.650 Kieselsäure.., . mil a 0:050 0.393 0:993 0.248 Thonerde mit Spuren von Eisenoxydu.Phosphorsäure| 0.010 0:078 0.198 0:069 14-097 |110-300 | 280-026 | 70-021 Das untersuchte Wasser gehört also zu den Bitterwässern. Es enthält in Einem Handelspfunde oder 16 Unzen 110 Grane fixe Bestandtheile, darunter 57 Gran Bittersalz und 38 Gran Glaubersalz; es gehört also zu den ziemlich starken Bitterwässern. Geringer ist der Gehalt an freier Kohlensäure; zwei übereinstimmende Versuche gaben nur so viel Kohlensäure, um den Kalk und die Bittererde in Biearbonate zu verwandeln. Es ist wahrscheinlich, dass, wenn die Quelle neu und etwas tiefer gefasst wird, der Gehalt an freier Kohlensäure gesteigert wer- den würde. Diese Quelle gehört also zu einer sehr werthvollen Heilquelle, welcher ein ausgebreiteter Verbrauch zum Heile der leidenden Men- schen vorausgesagt werden kann. Scherfel. Analyse des Schmekser Mineralwassers. AA9 Analyse des Schmekser Mineralwassers. Von Aurel W. Scherfel. (Vorgelegt in der Sitzung vom 19. Juli 1855.) Die Mineralwasserquellen des Schmekser Bades liegen in einer Meereshöhe von 3000 Fuss desjenigen Gebirgsstockes der Zipser Centralkarpathen, dessen höchste Spitze unter dem Namen der „Schlagendorfer“ bekannt ist. Die Centralkarpathen bilden, von Westen nach Nord-Osten ziehend, eine halbmondförmige Keite, deren niederste Spitzen nicht unter 6000 Fuss hoch sind, die höchsten aber eine Seehöhe von 8000 Fuss erreichen. Sie begrenzen die ungefähr 5 Meilen im Umfange habende Zipser Ebene im Nordwesten und verflächen sich plötzlich in dieselbe ohne vorher Vorgebirge zu bilden. Der Haupt- stock der Centralkarpathen besteht aus Granit und Gneis und nur die letzten, sowohl westlichen als auch nord-östlichen Hauptäste derselben gehören der Übergangsformation an und sind aus Grauwacken oder Übergangskalke gebildet, der hie und da durch wenig mächtige Lager von Thonschiefer unterbrochen wird. Yon dem westlichen Hauptaste trennt sich im Liptauer Comitate ein zwar langer Zweig, aber von unbedeutender Höhe, der sieh über Hradek, Hibbe und Csorba in Liptau zieht, bei Luesivna in die Zipser Ebene eintritt, und die südliche Grenze derselben bildet. Bei Ganoez verflächt sich derselbe, und wird daselbst von Sandstein überlagert. Die niederen Berge, welche die Zipser Ebene im Osten einschliessen, sind eben- falls aus Sandstein gebildet. Die nordöstlichen Gebirgsäste der Centralkarpathen fallen in Hügelland, welches die Zipser Maggura bildet, ab, das sich dann weiter allmählich in die Neumarker Ebene verflächt. Das Schmekser Bad hat 4 Mineralwasserquellen, die in ihren wesentlichen Eigenschaften mit einander übereinzustimmen scheinen. Zwei davon liegen um etwa 40 Fuss höher, die dritte vor dem Cur- saale gelegene und am meisten gebrauchte lieferte das Wasser zur Analyse, die vierte ist einige Fuss von der dritten entfernt und A50 Scherfel. liegt mit ihr in einer Ebene. Das Wasser derselben wird beinahe gar nicht gebraucht und die Quelle ist jetzt ihrem Verfalle nahe. Die Quelle, deren Wasser analysirt wurde, wird durch die Terrasse des Cursaales bedeckt und ist daher vor dem Einflusse des atmosphärischen Wassers gänzlich geschützt. Sie ist in Holz gefasst, hat eine Tiefe von zwei ein halb Fuss; das Wasser ist vollkommen farb- und geruchlos, hat einen angenehmen, säuerlich erfrischenden Geschmack, Lakmuspapier wird von demselben nur vorübergehend geröthet. Die Temperatur der Quelle ist 6° Celsius. Ein Aufsteigen von Gasblasen in derselben wird nicht beobachtet. Qualitative Analyse des Schmekser Mineralwassers. Reaetion auf Chlor. Eine Portion gut ausgekochten Wassers wurde genommen, mit reiner Salpetersäure angesäuert, und mit einer Lösung von salpeter- saurem Silberoxyd versetzt; selbst nach längerem Stehen zeigte sich kaum ein schwaches Opalisiren der Flüssigkeit. Reaction auf Schwefelsäure. Eine zweite Portion desselben Wassers wurde mit reiner Chlor- wasserstoffsäure angesäuert und mit Chlorbaryumlösung versetzt, auch hier zeigte sich selbst nach langem Stehenlassen der Flüssig- keit kaum eine schwache Trübung. Ebenso verhielt es sich mit den Reactionen auf Kalk, Bittererde, Eisenoxyd, Kali und Natron, alle diese Körper konnten erst in sehr concentrirten Lösungen nach- gewiesen werden. Das Entweichen reichlicher Mengen eines geruch- losen Gases beim Kochen des Wassers zeigte schon die Kohlensäure an; die Trübung, welche Kalkwasser in dem Mineralwasser her- vorbrachte und die nach Zusatz eines Überschusses desselben ver- schwand, gab positive Gewissheit über ihre Gegenwart. Quantitative Analyse des Mineralwassers. Die quantitative Analyse des Wassers wurde nach der gewöhn- lich gebräuchlichen und bekannten Methode ausgeführt. Bestimmung des speeifisehen Gewichtes: Ein Fläschehen fasste an Mineralwasser bei 10% C. . 360:992. Dasselbe fasste an destillirtem Wasser bei 10° C. . 360:862. Mithin ist das specifische Gewicht des Mineralwassers—= 100036. Analyse des Schmekser Mineralwassers. A451 Directe Ergebnisse der quantitativen Analyse. In 100.000 Gewichtstheilen Wasser 10829760 Grm. Wasser gaben: Fixe Bestandtheile 0°730 Grm. . . . . — 67407 Sämmtliche fixe Bestandtheile lie gaben: 1. Kieselsäure . . . . . . 0'380 Grm. — 35089 2. Eisenoxyd mit Spuren von Thonerde :.. 1.23.20 782:0:009% % — 0.0831 3. Kohlensauren Kalk . . . 0127 „ — 11727 1:1727 Gewichtstheile kohlensauren Kalks enthalten: Ätzkalk . . : . . 0.6566 — und Kohlensäure . . . .0:5161 — 4. Pyrophosphors. Talkerde 0 017 N darin Talkerde . . . . 00072 , —_ 0:0665 5. Kalium-Platinehlorid . . 0:070 5 dem entsprechen 00135 Grm. Kalı . —_- 0:1246 6. Chlornatrium 0:178 Grm., diesem ent- sprechen 0:0945 Grm. Natron . . . — 0.8733 Ferner gaben 14439:680 Grm. Wasser: 7. Schwefelsauren Baryt . 0:133 Grm., darin Schwefelsäure .00457 „ —_ 03165 8..Chlorsilberm. 1.0. + 0043 5, | darmiehlor . ; . ... :0107E% ; — 0:0741 Die Kohlensäure des Wassers wurde dadurch bestimmt, dass sie an Baryt gebun- den und der erhaltene kohlensaure Baryt als schwefelsaurer Baryt gewogen wurde: 215806 Grm. Wasser gaben beim ersten Versuch an schwefelsaurem Baryt . . 2'051 Grm., beim zweiten Versuch . . .2:059 „ zusammen. ur 28. eTT0OFGEM. im Mittel u „ey. 2050 02 2.055 Grm. Efwefeliaur en Baryts ent- sprechen 17578 Grm. kohlensauren Baryts, welcher enthält 0:38%8 Grm. Kohlensäure . — 179-6983 45 2 Scherfel. Aus diesen Ergebnissen berechnen sich die in 100.000 Gewichts- und flüchtigen Bestandtheile wie folgt: 1. Schwefelsaures Kali. 0:1246 Gewichtstheile Kaliumoxydes sätligen: 0:1052 Gewichtstheile Seh werelsähk und geben zusammen schwefelsaures Kali . Schwefelsaures Kalen! Von der Schwefelsäure im Ganzen 0:3165 Gewichtstheile, die an Kali gebundenen 01052 Gewichtstheile ab- gezogen, bleiben noch 0-2113Gewichts- theile freier Schwefelsäure. Diese sät- tigen 0:1648 Gewichtstheile Natrons, und geben zusammen schwefelsaures Natron . Chlornatrium. 0:0741 Gewichtstheile Chlor sältigen 0:0483 x Natriums und geben Chiornatrium . Zweifach-kohlensaures Natron. 0:1648 Gewichtstheile Natron wurden gebunden von Schwefelsäure, 00483 Gewichtstheile Natrium, welche. sieh verbunden mit Chlor, entsprechen 0:0650 Gewichtstheile Natrons, es bleiben daher noch unverbunden 0°6435 Gewichtstheile Natron, welche mit 04540 Gewichtstheilen Kohlensäure bilden: kohlensaures Natron hiezu das entsprechende zweite Atom Kohlensäure so ergeben sich ddrgiik kohlnanes Natron: en ee ee theilen des Schmekser Wassers enthaltenen Verbindungen der fixen In 100.000 Gewichtstheilen Wasser 1:0975 0-4540 0:2298 0.3761 0:1224 15515 Analyse des Schmekser Mineralwassers. . Zweifach-kohlensaure Talkerde. 0:0665 Gewichtstheile reiner Talkerde geben mit 0-0718 Gewichtstheilen Kohlensäure einfach-kohlensaure Talk- erde ; 5 hiezu das ENT a ne Kohlensäure I somit doppelt- EU dhlahsfıne Talker di . Doppelt-kohlensaurer Kalk. Das Ergebniss der Analyse an einfach kohlensaurem Kalk war Ku. hiezu das zweite Äquivalent Kohlensäure gibt doppelt-kohlensauren Kalk . Zweifach-kohlensaures Eisenoxydul. 0:0831 Gewichtstheile Eisenoxydes entsprechen 0:0748 Gewichtstheilen Eisenoxyduls, welehe sich mit 0:0457 Gewichtstheilen Kohlensäure verbinden zu einfach-kohlensaurem Eisenoxydul . hiezu noch das zweite Atom Kohlensäure gibt zweifach-kohlensaures Eisenoxydul . Freie Kohlensäure. Die Gesammtmenge der Kohlensäure beträgt Nach Abzug der an die ac konlen- sauren Salze gebundenen Kohlensäure und zwar: 0:6435 Gewichtstheile Natron, ent- sprechend 0:4540 x 2 — 09080. 0-0665 Gewiehtstheile Bittererde, ent- sprechend 0:0718 x 2 = 0:1436. 0:6566 Gewichtstheile Kalkerde ent- sprechend 0.5161 <2 = 1:0322. 0:0748 Gewichtstheile Eisenoxydul, ent- sprechend 0:0457 <2 — 0.0914. Zusammen . Bieiben freie Köhlenedure 453 In 100.000 Gewichtstheilen Wasser Don Be mass n . 179-6983 2:1752 1:6888 177-5231 454 Scherfel. Die Kieselerde muss als solehe in dem Mineralwasser gelöst angenommen werden. Schwefelsaures Kali Chlornatrium Doppelt-kohlensaures Natron Kieselsäure Freie Kohlensäure . Controle: Die Summe aller fixen Bestandtheile war Die Analyse gab: Schwefelsaures Kali Bi Natron Chlornatrium Kohlensaures Natron Kohlensaure Bittererde I Talkerde . Eisenoxyd Kieselerde Zusammen 0.2298 03761 0-1224 1:0975 01383 11727 0:0831 3:3089 In 100.000 Gewichtstheilen Wasser 67407 67288 Recapitulation der Analyse des Schmekser Mineralwassers. In 100.000 Ge- wichtstheilen Fixe Bestandtheile : 0:2298 0-3761 01224 15515 02101 16888 Fi Natron kohlensaure Bittererde kohlensaurer Kalk . kohlensaures Eisenoxydul mit Thonerde 0.1662 33089 Flüchtige Bestandtheile: 1775231 Zusammen . | 1853769 In 7680 Gran — 1 Wiener Pfund 0:01764 0:02891 0:00940 0:11915 0:01613 012970 0:01276 0:26949 13:63380 1423692 In einer Maass die Gewichts- theile in Granen ausgedrückt 0:04413 0-07224 0:02350 029799 0:04035 032437 0:03191 0:67395 3419670 3370514 — Analyse des Schmekser Mineralwassers. A553 13:63380 Gewichtstheile Kohlensäure entsprechen bei der Temperatur der Quelle 6° Celsius und dem Normalbarometerstande 710862062 Raumtheilen. 71680 Gewicehtstheile vom Schmekser Wasser füllen entsprechend seiner Temperatur von 6° Celsius und dem speecifischen Gewichte 1:00036 nur 7677-4734 Volumtheile aus, somit kömmt auf ein Volu- men Wasser 0:-9231 Volumen Kohlensäure. Die Analyse des Mineralwassers wurde in dem Laboratorium des Herrn Professors Redtenbacher ausgeführt. Vermöge seiner Eigenschaften gehört das Wasser zu den reinen Kohlensäuerlingen. Obwohl das Wasser einen auffallend geringen Gehalt an fixen Bestandtheilen hat, so muss es doch wegen der reichlichen Menge Kohlensäure, die es enthält, als eine sehr schätzenswerthe Mineral- quelle betrachtet werden. Als Luxusgetränk ist es eben wegen des ‚sehr geringen Gehaltes an fixen Bestandtheilen besonders verwend- bar, und an der Quelle getrunken, dürfte es im Vereine mit der erfrischenden und kräftigenden Alpenluft auch in vielen Krankheiten von zu beachtendem Nutzen sein. Sitzb. d. mathem.-naturw. Cl. XVII. Bd. III. Hft. 30 A56 Haidinger. Vergleichung von Augit und Amphibol nach den Vergleichung von Augit und Amphibol nach den Hauptzügen ihrer krystallographischen und optischen Eigenschaften. Von dem w. M. W. Haidinger. I. Vorwort. Jeder Schritt bereitet einen zweiten vor, das sieht man so oft in wissenschaftlichen Untersuchungen bestätigt. Eine Frage wurde an die Natur gestellt, die Natur beantwortet dieselbe, oft nicht direct, aber man erhält Auskünfte aus derselben Veranlassung über Punkte, die gar nicht im Kreise der zuerst geführten Forschungen lagen. Wenn ich die heutige Mittheilung mit dieser allgemeinen Be- trachtung beginne, so möge mir dies der Überraschung wegen zu Gute gehalten werden, die sich mir darbot, als ich unerwartet eine so grosse Verschiedenheit in einer der optischen Eigenschaften zwischen zwei Gruppen von Krystallen bemerkte, deren regelmäs- sige Formen so sehr einander genähert sind, dass einer der aus- gezeichnetsten Mineralogen und Krystallographen in der That seiner Zeit den Versuch durchgeführt hat, sie hinlänglich in vollständige Übereinstimmung zu bringen, um sie innerhalb einer einzigen Species zu begreifen. Ich hatte mir zur Aufgabe gestellt, eine Anzahl von Beobach- tungen pleochromatischer Erscheinungen, die ich im Laufe mehrerer Jahre gesammelt, einmal als Abschluss zu ferneren Forschungen zusammenzustellen. Unter diesen waren beide Species von Krystallen, Amphibol und Augit. Aber anstatt sie nur als besondere Artikel in dem Verzeichnisse aufzuführen, erforderten sie selbst eine etwas mehr in das Einzelne gehende Bearbeitung. Beides wurde im verflossenen Jahre in den Sitzungen der kaiserlichen Akademie der Wissenschaf- ten am 23. Mai und am 30. Juni 1854 vorgetragen 1). Eigentlich 1) Pleochroismus einiger Augite und Amphibole, Sitzungsberichte der kais. Akademie der Wissenschaften 1854, Bd. 12, S. 1074. — Pleochroismus an einigen zweiaxigen Krystallen in neuerer Zeit beobachtet. Sitzungsberichte 1854, Bd. 13, S. 306. Hauptzügen ihrer krystallographischen und optischen Eigenschaften. 457 bezogen sich die etwas ausführlicheren Untersuchungen zuerst vor- züglich auf den Diopsid. Ganz am Ende, als ich schon sämmtliche Figuren für die Holzschnitte gezeichnet hatte und nur noch die letzte Redaetion durch eine Vergleichung der möglichst dunkelfarbigen Varietäten von Amphibol vervollständigen wollte, erhielt ich jene Platte von der bekannten basaltischen Hornblende, die ich aus einem Zwillingskrystall ganz dünn, etwa i/, Linie dick, senkrecht auf die Zwillingsfläche, parallel der Ebene der Axen hatte schleifen lassen, welche unzweifelhaft eine von der Orientirung am Diopsid so ver- schiedene optische Structur zeigte, dass ich damals noch auf die höchst merkwürdige Thatsache aufmerksam machen konnte, dass „bei möglichst paralleler Stellung der Individuen von Diopsid und von Amphibol die Elastieitätsaxen der einen ungefähr die Winkel halbiren, welche die Ela- stieitätsaxen der anderen einschliessen. Die gleiche Orientirung zeigte auch der Strahlstein vom Greiner. Nach der Axe und den Normalen gestellt hatten frühere Beobachtungen an anderen Augiten, Anthophylliten und am Hypersthen die Elastieitäts- axen gegeben, bevor ich die Lage im Diopsid verglich. Eine Revi- sion aller hierher gehörigen Thatsachen bezeichnete ich daher auch als sehr wünschenswerth. Einiges Nähere theilte ich kurze Zeit darauf Herrn Abbe M oigno mit, über das er in seinem Cosmos 1) Bericht erstattete. Nun bereitete ich einige weitere Untersuchungen vor, und hatte im November den Genuss, manche nicht unwichtige Thatsachen meinem hochverehrten Freunde Gustav Rose, als er einige mir unvergess- liche Tage bei mir in Wien verweilte, zu zeigen, diesem gründlichen Forscher, dem wir so viele Kenntniss in Bezug auf die eine und die andere der beiden Mineralspecies verdanken. Er sandte mir freund- lichst, bald nach seiner Rückkehr nach Berlin, einige Varietäten die ich noch zu untersuchen wünschte, darunter Stücke, die ihm selbst bei seinen früheren Arbeiten gedient. Längere Zeit ist seitdem ver- flossen. Hätte meine Kraft dem Wunsche entsprochen, so läge jetzt etwas Vollständiges vor. Aber der Tag gebietet, und die glänzende Veranlassung bei der bevorstehenden Versammlung im September so viele ausgezeichnete Forscher für den Gegenstand speciell zu interes- 1) Bd. V, S. 691. 3. Jahrg. 24. Hft. vom 22. December 1854. A58 Haidinger. Vergleichung von Augit und Amphibol nach den siren, erweckte in mir den Wunsch, selbst die wenigen Fragmente darzubieten, unvollkommen wie sie sind, die dennoch als eine Grund- lage für fernere Untersuchungen angesehen werden mögen, als Weg- weiser in Richtungen, die manches wissenswerthe Ergebniss ver- sprechen. Aber die Versammlung musste verschoben werden, und ich benütze also heute den ersten Tag der diesjährigen Sitzungen der hochverehrten Classe, um das, was bis jetzt vorliegt, der Veröffent- lichung entgegen zu führen. II, Analogie der Formen. Mein hochverehrter Freund Gustav Rose war es, der die so auffallenden Analogien der Formen bis in ihre letzten Beziehungen verfolgte, die sich insbesondere darin so deutlich aussprechen, dass obgleich die wirkliche Theilbarkeit in solcher Lage stattfindet, dass die zwei Flächen des Amphibols Winkel von 124° 30’ mit einander einschliessen, während die Spaltung der Krystalle am Augit unter einem Winkel von 87° 5’ erfolgt, doch die rhombischen Querschnitte dieser beiden Prismen in einer höchst einfachen Beziehung zu einander stehen. Setzt man nämlich die Brachydiagonale des Am- phibols gleich der Makrodiagonale des Augits, so verhält sich die Makrodiagonale des Amphibols zur Brachydiagonale des Augits —2:1, oder sie ist gerade noch einmal so gross als die letztere. Jedenfalls sind die Unterschiede von dem einen zu dem anderen lange nicht so gross als die Unterschiede, welche die Herren Brooke, v. Nordenskjöld, Breithaupt und andere an den Winkeln der Varietäten, jede der beiden Species einzeln genommen, gefunden haben. Die Ebene der Abweichung der Axen halbirt bekanntlich beim Amphibol den stumpferen, beim Augit den schärferen Winkel des oben erwähnten Prismas, die Fig. 1. Fig. 2. Abweichung der Axe beträgt beim Amphibol 14058’ ; beim Augit 16°1', also die Neigung der Basis gegen die Querfläche bei dem ersteren 104058, bei dem zweiten 106°’. Die beiden Projecetionen auf der Längsfläche Fig. 1 und 2 stellen ganz einfache Krystalle vor. Das Hauptzügen ihrer krystallographischen und optischen Eigenschaften. A59 Prisma ©9A des Amphibols Fig. 2 wäre —0042 des Augits Fig.1 und umgekehrt wäre ooA des Augits — 0042 des Amphibols, Aber die wahre Symmetrie streitet schon gegen diese Annahme; sie ist es, die sich vorzüglich in den Projeetionen auf einer Ebene zeigt, die senkrecht auf die Kanten des Hauptprismas &©A gelegt ‘wird. Hier mögen zwei Entwürfe dieser Art, mit den wichtigsten bisher beobachteten Krystallflächen, das Bild derselben mit grösserer Übersichtlichkeit darstellen als viele Worte vermöchten. Es scheint mir, dass eine schematische Darstellung dieser Art selbst manche Vortheile darbietet, wenn man sie mit anderen Methoden vergleicht, welche seit langer Zeit in der Entwickelung mineralogischer und krystallographischer Studien für den gleichen Zweck erdacht wor- den sind, von den idealen Darstellungen Phillips’ beginnend, die Methoden der Herren Weiss, Neumann, Miller und Quen- stedt, bis zu den so einfach zum Auge sprechenden Schematen des Herrn Dana. Die letzteren waren es, welche mich anregten, doch noch einen Schritt von der Methode weiter zu der wirklichen Form zurück zu gehen und Skizzen wie die oben stehenden zu ent- werfen, welche schon auf den ersten Anblick hindeuten, dass sie nicht Projeetionen wirklich bestehender Krystalle, sondern dass sie nur Bilder der Verhältnisse darstellen sollen. Bekanntlich sind Pro- jeetionen auf der Horizontalebene vielfach von den Krystallographen zur Erläuterung einiger Krystallvarietäten angewendet worden, gewiss würde eine Durchführung von Skizzen, wie die hier gegebenen, durch das ganze Reich der Krystalle höchst vortheilhaft für die Orientirung sein und manche anziehende Übersicht gewähren. Bei den Augit- krystallen würde sie speciell manche Verwechselung am oberen End- A60 Haidinger. Vergleichung von Augit und Amphibol nach den punkte der Axe diesseits und jenseits derselben gelegener Flächen verhindert haben, die man in mineralogischen Werken antrifft. In den Fig. 3 und Fig. 4 gegebenen Projectionen ist das O der Basis mit dem Zeichen der Schärfe u und der Breite — umgeben: — Ö— und v„Ov, um die Lage der scharfen und stumpfen Kanten des Querschnittes anzudeuten, ferner zeigt Plus und Minus, + und —, für diesseits und jenseits, die Lage des stumpfen und des spitzen Winkels mit der der Axe parallelen Querfläche an. Niemand wird in den zwei Bildern die ungemeine Analogie ver- kennen, aber sie beruht einzig darauf, dass das Prisma von 124030’ des Amphibols als gleichwerthig dem von 8705’ des Augites betrach- tet wird. Fast jedes einzelne Zeichen oder Symbol, nach was immer für einer Methode findet für die wichtigsten Flächen sein gleiches in beiden Species. Die grosse Übereinstimmung verschwindet, sobald man die Ableitung eintreten lässt. Herr Dana hat die Abweichung durch eine eigens berechnete Verhältnisstafel dargestellt. Auch G. Rose hatte schon den immer noch vorhandenen Unterschied.in in den beiderseitigen Krystallreihen hervorgehoben. III. Optische Eigenschaften. Bekanntlich zeigen Augit und Amphibol sehr nahe gleiche Reihen von Varietäten in Hinsicht der Farben, von weiss, durch mancherlei grüne Töne, bis zum Schwarzen, von vollkommener Klar- heit bis zum gänzlichen Mangel derselben. Für den ersteren dürften der Diopsid aus dem Pfitschthale und die bekannten schwarzen ein- gewachsenen Krystalle von Borislau bei Teplitz als genügend betrach- tet werden, um die ganze Reihe zu repräsentiren. Von dem zweiten gelten als feste Hauptpunkte der Tremolith von Gulsjö, der Strahl- stein vom Greiner, der Pargasit und der schwarze Amphibol von Pargas in Finnland, endlich die basaltische Hornblende von Sulletitz bei Leitmeritz und vom Wolfsberg bei Czernussin. In der Farbe der letzteren ist keine Spur mehr von Grün. IV. Augit. Die Fig. 5 ist in der Stellung übereinstimmend mit Fig. 1 mit solehen Grössenverhältnissen der Flächen gezeichnet, dass eine der optischen Elastieitätsaxen gerade durch die beiden Combinations- ecken B und B, geht, wo sich die Flächen der Augitoidhälfte —A Hauptzügen ihrer krystallographischen und optischen Eigenschaften. A61 und des Prismas 004 Fig. 5. treffen, 0 deutet die Lage der eigentlichen Basis an. Es ist dies die optische Haupt-Axe oder Mittel- linie, die resultirenden oder eigentlichen opti-" schen Axen mn und op machen mit einander Win- kel von 58° 56‘, gleich- geneigt unter 29028’ ge- gen diese Axe EE. Der Winkel EMD= 35°54' und der Winkel EUMN = 5106, oMD ist =9°26), mMN = 21° 38, alles nach den von Herrn Pro- fessor Miller, und nach der von Herrn Dr. Ewald und von dem- selben nachgewiesenen Orientirung der Axen am Diopsid, wie ich dies in mehreren Mittheilungen, nämlich in den oben angeführten, und in einer später über die konische Refraction am Diopsid 1) aus- führlicher besprach. In den bekannten schwarzen in den Basalten eingewachsenen Krystallen (Fig. 6) findet man die Lagen der Axen genau der vorigen entsprechend, wenn man ganz dünne Platten, etwa Fig. 6. 1/, Linie dick, aus denselben darstellt. Wie beim B Turmalin muss man übrigens erst eine Fläche anschleifen, darauf eine Glasplatte aufkleben und sodann erst die Platte vom Krystall trennen, welche endlich dünn geschliffen und polirt wird. So erhielt Herr Steinschneider Klement gute 9 Platten parallel der Querfläche und parallel der a! Längsfläche, also parallel und auch senkrecht auf die Zwillingsfläche. Senkrecht gegen die beiden vorhergehenden gelang es nicht, der grossen Zerbrechlichkeit der Krystalle wegen, hinlänglich dünne Platten zu gewinnen. Diese dünnen Platten zeigen 1) Sitzb. u. s. w. 1855. Bd. XVI, S. 113. A62 Haidinger. Vergleichung von Augit und Amphibol nach den dann einen grünlichgrauen Ton. Wenn auch stark zerklüftet und im Ganzen wenig Licht hindurchlassend, sind sie doch in den ein- zelnen Partien ganz klar, und man sieht in einer Herapathitzange sehr schön denjenigen der Ringe, welchen man auch so leicht beim Diopsid durch zwei Querflächen erkennt. Die Farbe der Krystalle selbst ist zwischen ölgrün und olivengrün, der in der Richtung der- Hauptaxe polarisirte Ton d, Fig. 6, ist etwas mehr in das letztere, der senkrecht auf die Hauptaxe polarisirte Ton « mehr in das erstere geneigt, oder « gelblicher als d, auch etwas mehr absorbirt, beim Diopsid ist a gleichfalls etwas dunkler als d, doch stimmen sie mit dem Babinet’schen Gesetz, dass bei positiven Krystallen der extraordinäre Strahl stärker absorbirt ist als der ordinäre, oder hier an einem zweiaxigen Krystall stärker als der dem ordinären analoge. V. Amphibol. Zur leichteren Orientirung der Formen beginne ich mit der dunkelsten Varietät, der basalti- oz schen Hornblende, die so oft die schönsten Krystallformen zeigt. Die Lage der Krystalle, Fig. 7, ist kry- stallographisch genommen wie beim Augit, Fig. 5, genau dieselbe, CD oder 0 die Projeetion der Basis, BA die Projection der Axenkante, des Augitoides —A. Die Neigungen der geneigten Linien gegen die Querfläche, deren Projection CA, sind nach Miller: DCA, DAB, für Augit... = 106° 1, 1040 36), „ Amphibol = 104° 58, 106° 2. Aber die Lage der Elastieitätsaxen zeigte sich bei der ersten Platte, die ich aus einem Zwillingskrystalle schneiden liess, ganz verschieden von der Lage am Augit. Anstatt dass sie die Richtung von dem Mittelpunkte M aus gegen B genommen hätten, lagen diese Axen vielmehr in der Richtung nach EZ, oder, um sie in der Projeetion Hauptzügen ihrer krystallographischen und optischen Eigenschaften. A63 des Zwillingskrystalles Fig. 8 mit dem Fig. 8. Zwillinge Fig. 6 zu vergleichen, es ehr] hatten die zwei KHlastieitätsaxen eine, & solche Lage, dass sie so weit als möglich S] von der Lage jener abweichen. Dabei zeigten sich in den der Axe parallel geschliffenen Platten folgende Far- bentöne: Axenfarben b) Längs-Diagonale ce) Quer-Diagonale Blutroth beinahe schwarz Honiggelb Blutroth Dunkelster Hellster Mittlerer Es gelang freilich überhaupt nicht, eine der Querfläche parallele Platte zu erhalten, aber doch liessen sich die Töne gut als die oben verzeichneten ableiten, wenn man die Krystalle in sehr schiefen Rich- tungen mit der dichroskopischen Loupe untersuchte. Aber diese Krystalle von Sulletitz bei Leitmeritz waren sehr zerklüftet, so dass es schwer hielt, Platten zu gewinnen. Herr Dr. Hochstetter war eben für die k. k. geologische Reichsanstalt in der Nähe des Wolfsberges bei Czernussin in Böhmen beschäftigt, der so bekannt ist als Fundort zahlreicher und schöner schwarzer Amphibolkrystalle. Dieser Umstand wurde zu Aufsammlungen der- selben benützt. In der That fanden sich nun auch unter denselben ziemlich homogene Individuen und Zwillinge vor, aus welchen ich Platten schneiden liess, welche genau die jenseits verzeichneten Farbentöne wahrnehmen liessen und zwar sowohl parallel der Längs- fläche, als auch parallel der Querfläche, doch nicht senkrecht auf die Axe des Prismas. Doch welche neue Verwicklung! Die Lage der Elastieitätsaxen war nicht dieselbe wie bei den Krystallen aus der Gegend von Leitmeritz, sondern sie war dergestalt orientirt, dass eine derselben parallel der Hauptaxe war, die beiden andern senkrecht auf dieselbe lagen, die letzteren zugleich senkrecht auf die Längs- Haidinzer. Vergleiechune von Aueit und Amphibol nach den 8 8 5 5 F fläche und senkrecht auf die Querfläche. Wenn man nämlich durch die dichroskopische Loupe eine aus einem Zwilling parallel der Längsfläche geschnittene Platte untersucht, so zeigen sich bei den Sulletitzer Krystallen die grössten Contraste von hell und dunkel, gelb und schwarz in den beiden Individuen in um etwa 12° = E'ME gegen einander geneigten Lagen a, b und «', b’, Fig. 8. Bei den Krystallen vom Wolfsberg ist keine solche geneigte Lage zu finden, die Linien der grössten Gegensätze sind in beiden aneinander gewach- senen Individuen einander vollkommen parallel, eben so wie sie in den einfachen Krystallen der Axe, oder den Durchschnitten der Längsflächen mit den Theilungsflächen parallel sind. Es ist wahr, die wirkliche Lage lässt sich nieht allzugenau durch die Beob- achtung des Minimums der Lichtintensität dem Winkel nach bestim- men, aber doch ist es unmöglich, die grosse Verschiedenheit zu verkennen, welche zwischen absolut erscheinender Übereinstimmung und dem sehr deutlich hervortretenden Unterschiede in der Lage stattfinden. Diese Thatsache ist wohl der grössten Aufmerksam- keit werth. Man hat bisher zwar in den Winkeln der Axen von einer Varietät zur anderen Unterschiede gekannt, wie dies bereits Brewster am Topas fand, oder bei den verschiedenen Glimmern, wo man die einzelnen Ausgangspunkte noch nicht festgestellt hat, oder bei den durch Zusammenkrystallisiren von Kalinatrontartarat mit Ammoniaknatrontartarat gewonnenen Krystallen, wie es de Senar- mont so schön nachgewiesen hat, ja selbst nach Mitscherlich bei einem und dem nämlichen Krystall durch Erwärmung wie beim Gyps, aber die Elastieitätsaxen blieben doch immer die nämlichen. Hier bleiben aber auch diese nicht in allen Varietäten dieselben. Es ist dies wohl ein Gegenstand, der weiter verfolgt zu werden verdient, als es mir bis jetzt möglich war, wo sich so viele neue Beziehungen darboten. Um die optischen Axen aufzusuchen, schienen aber namentlich die Platten parallel der Querfläche geschnitten, sehr günstig. Einmal nach der Analogie mit Augit, bei dem die optischen Axen in der Längsiläche liegen, also in Platten parallel der Querfläche und in Platten parallel der Basis sichtbar sind, dann aber auch nach der Anleitung der Farbentöne selbst, wo der mittlere, das dunkle Roth der Axe der mittleren Absorption, also aller Wahrscheinlichkeit nach dem Babinet’schen Gesetze entsprechend der Axe der mittleren Hauptzügen ihrer krystallographischen und optischen Eigenschaften. A65 Elastieität oder Brechbarkeit überhaupt angehört. In einem gewöhn- lichen Polarisationsapparate, in einer Turmalinzange sieht man frei- lich nichts, wohl aber wenn man die Platte in Öl untersucht. Ent- sprechend der vom Herrn Professor Miller t) gegebenen Anwei- sung wurde die Platte an dem unteren Ende der Axe eines Horizon- tal-Goniometers befestigt und in einem unter dasselbe gestellten mit Turmalinplatten beklebten Kästchen mit parallelen Glasseiten unter- sucht. Es kamen in der erwarteten Richtung in der That mit Schwarz in Roth gezeichnet die beiden Ringsysteme zum Vorscheine. Sie waren dem Anscheine nach gleich geneigt gegen die Ebene der Platte und machten mit einander einen Winkel von 93030’. Dies ist der Winkel der Axen in Oliven-Öl, dessen Breehkraft dureh den Exponenten 1'500 ausgedrückt ist. Um den wahren Winkel der Axen im Krystall zu finden, muss man den Sinus des Einfallswinkels 46°45’ mit nn multiplieiren und erhält dann den Sinus von 39042’ und den Winkel der Axen 79024’. Die senkrecht auf der Querfläche stehende Linie, welche diesen Winkel halbirt, ist dann die erste Mittellinie oder optische Hauptaxe. Den Exponenten 1'710 fand ich als annähernden Werth für den in der Richtung der Axe polarisirten Strahl durch die directe Messung der Abweichung bei einem feinen Splitter derselben Varietät vom Wolfsberg. Der brechende Winkel war also 55030’, die Abweichung b durch Spiegelung gemessen Ä sin (3 +) betrug 25°. Man hat also a = — — ——. sın 59 Eine vergleichende Messung eines durch zwei Theilungsflächen gebildeten Prismas von weissem Tremolith von Gulsjö, den ich Herrn Professor Gustav Rose verdanke, ebenfalls durch Spiegelung gemessen, gab die Abweichung der zwei Bilder 20° 51’ und 210 14, und zwar ersteres in der Richtung der Axe, letzteres senkrecht auf dieselbe polarisirt. Die entsprechenden Brechungs-Exponenten folgen daraus — 1611 und 1:620. Da aber auch beim Tremolith die opti- schen Axen in der Ebene der Abweichung oder in der Längsfläche liegen, so ist ersterer der mittlere, letzterer der grösste der drei dem Tremolith angehörigen Exponenten, und letzterer stimmt, wenn auch nicht in der Intensität, doch in der Lage mit dem in den schwarzen Amphibolen nahezu oder vollständig absorbirten Strahle 1) Elementary Introduction to Mineralogy, pag. 63. A66 Haidinger. Vergleichung von Augit und Amphibol nach den überein, was immerhin als gleichartige Erscheinung wichtig ist. Auch ist am Tremolith schon der weissen Farbe ungeachtet, das stärker gebrochene senkrecht auf die Axe polarisirte Bild bereits etwas mehr absorbirt, als das schwächer gebrochene in der Richtung der Axe polarisirte; das schwächer gebrochene Bild der Kerzentlamme ist nämlich heller als das stärker gebrochene. Die beifolgende Fig. 9 gibt ein Bild der Lage der Elastieitäts- axen und der optischen Axen gegen die Krystall-Individuen und gegen- einander im Tremolith und Fig. 9. im Strahlstein orientirt, we- nigstens nach den Hauptmo- menten, wenn ich auch für genauere numerische Daten gerne bessere Krystalle und Apparate anzuwenden ge- wünscht hätte. Ich fand in Öl den Winkel tt, B=22'V, den Winkel qq, A = 69°. Daraus folgt der Einfalls- winkel 7t, t= 68°, der Ein- fallswinkel Oq, g=2X°. Mit dem mittleren Brechungs- Exponenten 1611, wenn der von Öl =1'500 ist, redueirt . ist der Brechungswinkel Mt T, =59°A1’, der Brechungswinkel Mg, 0, = 250’. Der Winkel der Axen g’ Mt ist aber =N, My, + N, Mt =Mq 9 + Mt Tı, also = 250 459041’ = 84041. Wenn man die Winkel der optischen Axen Im Öl Im Krystall für Tremolith und Strahlstein 95° 840 41’ „ basaltischen Amphibol... 93° 307 790 24 vergleicht, so ist der Unterschied nieht grösser als man ihn wohl bei den übrigens bestehenden Abweichungen der Formen erwarten konnte, ja man wird fast überrascht durch die ungeachtet der letz- teren gefundenen Übereinstimmung. Denn auch die Lage der Elasti- eitätsaxen stimmt in den beiden nieht überein. Wenn man den Winkel Hauptzügen ihrer krystallographischen und optischen Eigenschaften. A6Y der Axen 84% A1’ halbirt, so ist 420 201/,' die Neigung jeder der- selben gegen die Mittellinie, oder optische Hauptaxe —=g, MF, und N,MF=END= , MF,— MN, = 420 201/,'— 25°= 170201),. Dieser Winkel stimmt sehr gut mit Herrn von Kobell's Angabe „für den Strahlstein 170 — 18%“. Für den Tremolith fand er 1501). Er setzt hinzu: „Die Winkel waren zwar nur annähernd zu bestimmen, ich führe sie aber an, weil man bis jetzt von dem optischen Verhalten des Amphibols fast nichts kennt.“ Die allerersten Angaben, welche mir überhaupt in Bezug auf diese Eigenschaften ausser den Farben selbst, bekannt sind, beschränken sich nämlich auf jene meine eigene Mittheilung im 12. Bande unserer Sitzungsberichte. Der Pargasit stimmt im Ganzen gut mit Tremolith und Strahl- stein. Wie der letztere besitzt er drei wenig verschiedene Farbentöne. Auf die obige Fig. 8 bezogen gilt folgendes Schema: Axenfarben a) Axe b) Längsaxe e) Queraxe Blaulich-lauchgrün Gelblieh-olivengrün Blaulieh-olivengrün Dunkelster Hellster Mittlerer Etwas grösseren Gegensatz bilden die grünen Farbentöne einiger Strahlsteine vom Greiner im Zillerthal in Tirol. Einer der Varietäten entnahm ich folgendes Schema : Axenfarben a) Axe b) Längsaxe c) Queraxe Zwischen smaragd- und Blass olivengrün Zwischen olivengrün und lauchgrün ölgrün Dunkelster Hellster Mittlerer 1) Stauroskopische Beobachtungen. Gelehrte Anzeigen der k. baierischen Akademie der Wissenschaften, Nr. 9, 20. Juli 1855, S. 76. A6S Haidinger. Vergleichung von Augit und Amphibol nach den Die schwarze Hornblende von Pargas ist in dünnen Platten ebenfalls ganz durchsichtig, nur sind die einzelnen Töne dunkler als bei dem eigentlichen Pargasit, und eigentlich mehr Grau zu nennen. Ein schwarzer Amphibol, gemeine Hornblende von Arendal, parallel der Längsfläche geschliffen, scheintin der That tief schwarz; die dünnsten Stellen gegen das direete Sonnenlicht gehalten, liessen dennoch die helle Scheibe der Sonne dunkel spangrün durchblicken. Das feinste Pulver der Krystalle, mit einem Achatpistill auf einer matt geschliffenen Bergkrystallplatte zerdrückt, ist grünlichgrau ziemlich gesättigt, während das Pulver der basaltischen Hornblende vom Wolfsberge eine blass isabellgelbe Farbe besitzt. VI. Augit verglichen mit Amphibol. Stellt man die zwei Figuren 5 und 7 neben einander, so erhält man die Vergleichung der Lage der Elasticitäts-Axen und der eigen- tlichen optischen Axen in parallel gestellten Individuen, je von Augit und Amphibol. Die beiden Figuren 6 und 8 beziehen sich in ähnlicher Weise auf Zwillinge von Augit und von Amphibol, ebenfalls in paral- leler Stellung der Krystalle. In einer weiteren Skizze Fig. 10 vereinigte ich die Angabe der nach den Krystall- flächen orientirten Fig. 10. optischen Linien der beiden Krystallspe- cies, und unterschied sie durch die Ausfüh- rung der Linien, die gestrichelten gehö- ren dem Augit, die punktirten dem Am- phibol an, und zwar der schwarzen basal- tischen Hornblende vom Wolfsberg, die gestrichelt - punktir- ten den heller farbi- gen Strahlstein- und Tremolithvarietälen. Hauptzügen ihrer krystallographisehen und optischen Eigenschaften. A69I Zwischen beiden liegen die entsprechenden Linien der basaltischen Hornblende von Sulletitz. Der Winkel m M N beträgt nach Herrn Prof. Miller 210 38 am Diopsid nach der oben erwähnten Neigung der optischen Axen, an dem schwarzen Amphibol von Wolfsberg beträgt der Winkel m M N = 39° 42%, der Winkel der beiden Axen m n und m, 2 daher 180 4’. Für die Neigung der beiden andern optischen Axen von Augit und Amphibol gegen einander ist der Winkel o M D nach Miller = 9°26’, der Winkel DM p, nach meiner obigen Schätzung — 50018’ daher o Mp = 59°44‘. Für die um 17° 20’ verschie- dene Lage der Rlastieitätsaxen bei den durchsichtigen Varietäten wie D, D, und N, N, würden entsprechende Winkelunterschiede in den optischen Axen, wobei der Winkel derselben — 84040’ genommen wird, von 38°2’ und 74° 26’ hervortreten. Zu anderen Betrachtungen gibt die Lage der BRlastieitätsaxen Anlass. Nach den vorläufigen Untersuchungen scheint diese inner- halb der Augite nicht zu variiren, während dies bei den Amphibolen allerdings der Fall ist. Aber das ist bemerkenswerth, dass bei den ersten von der Axe der Krystallsymmetrie ausgehend, die Abweichung der den kleinsten Winkel mit derselben einschliessenden Elastieitäts- axe gerade in entgegengesetzter Richtung stattfindet von derjenigen, welche man an den Amphibolvarietäten antrifft, wo überhaupt eine solche Abweichung vorkommt. Man nehme die Lage der Blastieitätsaxen am Augit als gegeben, EM Falso = 90°, und untersuche welchen Winkel die dazwischen liegende Elastieitätsaxe des Amphibols einnimmt. Für die basaltische Hornblende vom Wolfsberg ist diese D D,, EMD also = 38° 54 und folglich DM F= 50° 6’, welches übrigens begreiflich auch gleich ist dem Winkel E MN, welchen die erste Elastieitätsaxe des Augits E E, mit der andern Elastieitätsaxe des Amphibols N N, ein- schliesst. Für die durchsichtigen hellfarbigen Amphibole ist ZM D, — 56° 14 und D, M F als Complement = 33° 46’, also in einer entgegengesetzten Richtung der Winkelunterschiede zwischen den beiden. Die Lage einer zwischen D und D, durch M hindurchgehenden Axe wäre beiderseits gleich geneigt, brächte Winkel von 45° hervor, wenn der Winkel der Abweichung für den Amphibol 5°36’ betrüge, denn es istDMF— DME = 50° 6 — 38° 54 — 11'172. Der bei den Zwillingen von Sulletitz annähernd gefundene Winkel von 120 stimmt mit diesem Mittel fast vollständig überein. AO Haidinger. Vergleichung von Augit und Amphibol nach den VIl. Gruppirungen von Augit und Amphibol. Bekanntlich finden solche in sehr ausgedehntem Maasse Statt. Die Gruppirungen mit parallelen Krystallaxen hat namentlich Gustav Rose entdeckt, und gründlich erforscht 1) und sie gaben zuerst Ver- anlassung zu den genaueren Untersuchungen, ob man nicht Augit und Amphibol in eine Species vereinigen sollte, endeten aber in der viel fruchtbareren und seitdem so erfolgreich angenommenen Ansicht, dass die Amphibolbildung ein pseudomorpher Fortschritt in dem Bestehen- den der zuerst als Augit krystallisirten Massen ist. Meine eigenen ersten Versuche von Studien über den Smaragdit?) hatten sich zwar auf Gruppirungen von Amphibol und Augit bezogen, aber die Sache lange nicht in so helles Licht gestellt, namentlich wurde der eigent- liche Smaragdit als wirklicher Amphibol nachgewiesen, während doch auch ganz grüner Augit sich unter den Varietäten findet. Später, in meinem Handbuche der bestimmenden Mineralogie >), erwähnte ich einer andern Gruppirung an dem grasgrünen Fig. 11. Smaragdit von Bacher, aber nur summarisch, z wie es der Kürze wegen nothwendig erschien. Es ist dort in der That mit einer Skizze Fig. 11 die Erklärung gegeben. Ich benütze nun die Veranlassung, um das eigentliche höchst merkwürdige Stück in der Sammlung der k.k. geologischen Reichsanstalt ebenfalls durch eine Skizze Fig. 12 zu versinnlichen. Im Ganzen besteht dasselbe aus parallelen ungleichdicken Blättehen, welche durch die so auffallende glänzendste Folge paralleler Flä- chen von einander getrennt sind. Diese Blätt- | chen bestehen abwechselnd aus Augit und Amphibol. Die Augitblättchen ihrerseits befinden sich von einem Blatt zum andern in vollkommen paralleler Stellung, die Theilungs- richtungen derselben spiegeln gleichzeitig, 1) Poggendorff’s Annalen. Bd. 22, S. 321; Bd. 27, S.97; Bd. 31, S. 619. Reise nach dem Ural 2, 347. ?) On Diallage. Transactions of the Royal Society of Edinburgh, for the year 1824, Gilbert’s Annalen, Bd. 75, S. 367. 3) Seite 280. Hauptzügen ihrer krystallographischen und optischen Erscheinungen. 471 doch sind sie überhaupt nicht sehr vollkommen. Die glänzendste Zusammensetzungsfläche ist ihre Querfläche oo H oder r (Haüy). Die weit dünneren Amphibolblättchen sind nicht in einer solchen Stellung, dass ihre Krystallisationsaxe der Krystallisationsaxe des Augits ent- spräche. Selbst die Lage der Querfläche stimmt nicht einmal überein, sondern die Amphibolblättehen sind mit einer ihrer vollkommenen Theilungsflächen, einer Fläche des Prismas oo A = 124° 31’ oder M (Haüy) zwischen den Augitblättchen eingeschlossen; an den Rändern der Blättchen glänzen gleichzeitig, dem Bruche entlang, die kleinen Abschnitte der zweiten vollkommenen Theilungsfläche, und bringen dadurch den Eindruck fadenförmig, durch die Masse sich ziehender glänzender Linien hervor. Die Amphibolblätter sind aber auch nicht unter sich parallel, und diese fadenförmigen glänzenden Linien wechseln daher auch in ihrer Erscheinung, je nachdem man das Stück im Ganzen gegen eine helle Lichtquelle hält. Wenn die hier beschriebene Gruppirung auch eigentlich sich auf ganz verschiedene Varietäten von denen bezieht, dieim Vorhergehenden vorzugsweise betrachtet wurden, so erweitert sie doch überhaupt durchein höchst merkwürdiges Beispiel das Bild des Zusamnmenvorkom- mens der beiden Species, welches immer mannigfaltiger sich darstellt. Dünne Platten des schwarzen basaltischen Augits von Borislau bei Teplitz in Böhmen, parallel der Längsfläche geschnitten, zeigen ein anderes, ebenfalls sehr auffallendes Beispiel eines Zusammenvor- kommens dieser Art. Die Farbe der Platte ist ein Mittel zwischen ölgrün und olivengrün, und wie es oben bei Fig. 6 erwähnt wurde, ist der senkrecht auf die Hauptaxe polarisirte Ton « etwas mehr gelb- lich als d, auch um ein ganz Weniges stärker absorbirt. Die Platten sind wohl an sich schon sehr zerklüftet, aber sie enthalten auch zahl- reiche eingewachsene gelbeKrystalltheilchen, die sich sogleich durch ihre Farbe und Begrenzung von dem gleichförmigen Grunde abheben. Sie erscheinen deutlich parallel der Krystallaxe des Augits gestreift. Durch die diehroskopische Loupe zeigt sich alles Gelb in der Richtung dieser Axe polarisirt, senkrecht auf dieselbe ist der erste Eindruck schwarz, es ist nämlich das fast gänzlich absorbirte Roth der basal- tischen Hornblende. Basaltische Hornblende ist also in zahlreichen kleinen Theilchen in dem schwarzen basaltischen Augit eingewachsen, und zwar mit parallelen Krystallaxen. Es war mir nicht möglich zu unterscheiden, ob die optische Elastieitätsaxe des Amphibols, die Sitzb. d. mathem.-naturw. Cl. XVII. Bd. III. Hft. 31 A472 Haidinger. Vergleichung von Augit und Amphibol nach den Linie des grössten Contrastes genau der Krystallaxe entspricht, wie bei den Krystallen vom Wolfsberge, oder ob sie mit derselben einen Winkel einschliesst, aber das liess sieh sehr gut ausnehmen, dass sie alle vollkommen unter einander und mit dem einschliessenden Augit- krystalle eine parallele Stellung einnahmen, indem man ebenfalls senkrecht gegen die Längsfläche sah. Ganz ähnliche gelbe Krystallpartien findet man zuweilen auch in dünnen Platten des Hypersthens von Labrador, wenn diese senk- recht auf die Fläche des kupferrothen Schillers parallel der Axe geschnitten sind. Auch sie sind der Krystallaxe des Augitprismas parallel, welches die Theilbarkeit des Hypersthens ist. Meinem hochverehrten Freunde Gustav Rose Fig. 13. verdanke ich ein treffliches Stück dieses Hyper- sthens, aus dem ich nun bessere Platten schleifen lassen konnte, als die kleinen Rudimente auf welche sich meine früheren Beobachtungen und Angaben bezogen!). Wenn nämlich in Fig. 13 M die Fläche des kupferrothen Schillers: die Querfläche ist, so zeigten sich die drei Töne folgender- massen: Axenfarben b) Längs-Diagonale e) Quer-Diagonale Gelblichgrau bis oliven- Hyazinthroth grün Hellster Mittlerer Die Orientirung stellte sich in der That nach den drei krystallo- graphischen Axen des Prismas der Theilbarkeit, so wie es früher angegeben worden ist. Dennoch bleibt ein Weg übrig, um diese Verhältnisse mit der Axenlage in den Diopsiden in Zusammenhang zu bringen. Denn es besteht offenbar im Hypersthen eine mecha- nische Zusammensetzung von zahlreichen ungemein dünnen Blättchen, welche sich parallel der kupferrothen Fläche M berühren, so wie dies 1) Sitzungsberichte u. s. w. 1848, Bd. I, S. 311 und 1854, Bd. 12, S. 1074. Hauptzügen ihrer krystallographischen und optischen Erscheinungen. 4713 in Fig. 13 angedeutet ist. Diese ist gewiss keine Theilungsfläche, sondern blos Zusammensetzungsfläche, in welcher sich die Theilchen leicht trennen lassen. Wenn man eine dünne parallel der Längs- fläche 7 geschliffene Platte unmittelbar vor das Auge hält, und einen hellen Lichtpunkt betrachtet, so ist dieser oder sein Bild auf den zahlreichen Zusammensetzungsflächen im Innern von einem langen Lichtstreifen begleitet, der senkrecht auf der Axe des Prismas steht. Betrachtet man die Platte in der deutlichsten Seheweite durch die Loupe, so ist nur eine Lage, in der sie am hellsten ist. Wendet man sie rechts oder links, so nimmt die Helligkeit sehr schnell ab, gerade so, wie wenn man durch die Zähne eines Kammes hindurch- sieht, und auch aus einer analogen Ursache, weil nämlich hier die Zusammensetzungsfläche den freien Lichtdurchgang beeinträchtigen. Die gleiche Erscheinung zeigt sich an Platten, die parallel der Fläche ? Fig. 12 senkrecht auf die Axe des Prismas geschnitten sind. - Wenn nun aber die ganze Krystallmasse aus Platten zusammen- gesetzt ist, die feiner sind als dass jede für sich ihre individuelle optische Wirkung zeigt, so geben sie doch gemeinschaftlich eine Gesammtwirkung, und diese ist es, welche man wahrnimmt. Herrn Prof. Gustav Rose verdanke ich auch die schönen Hypersthene von Buchau bei Neurode in Schlesien, so wie Herrn Dr. Hochstetter die denselben ungemein ähnlichen Varietäten von Wonischen bei Ronsberg in Böhmen. Sie sind etwas heller an Farbe und mehr durchscheinend als die von Labrador, dabei ist die Farbe der der Längsfläche parallel geschnittenen Platten bei den letzteren beinahe ein blasses Nelkenbraun zu nennen, während die von Neu- rode sich wieder mehr grau an die von Labrador anschliessen. Aber in beiden ist die mechanische Zusammensetzung von feinen Lagen parallel der Querfiäche eben durch den beim Durchsehen erschei- nenden Lichtstreifen ganz unzweifelhaft. Es ist übrigens schwierig, von allen diesen Körpern Platten geschliffen zu erhalten, an welchen man entscheidende Wahrneh- mungen machen kann. Viele davon sind nahe undurchsichtig, es ist eine wahre Eroberung, die optischen Forschungen auch nur auf sie ausdehnen zu können, wie bei der basaltischen Hornblende, aber eben darum schien es mir, dass ich nicht abwarten sollte, bis ich selbst die Untersuchungen nach allen Richtungen noch mehr ausgeführt hätte, um noch genauere Ergebnisse zu erhalten. 31” ATA Haidinger. Vergleichung von Augit und Amphibol ete. So wie ich vorläufig mit Gegenständen und Apparaten versehen bin, aber auch über Kraft und Zeit disponiren kann, muss ich sehen, dass es mir in längerer Zeit nicht gelingen würde, einen festeren Grund zu legen, daher will ich lieber jetzt Alles hingeben, um viel- leicht besser vorbereitete oder unterstützte Forscher anzuregen, den Gegenstand aufzunehmen und weiter zu entwickeln. Herr Dr. Oschatz in Berlin erzielte durch sorgsame Arbeit sehr dünne Platten von Mineralkörpern zur mikroskopischen Untersuchung !). Die von einer Gebirgsart von Neurode, die bisher Melaphyr genannt wurde, haben kürzlich Herrn Dr. Gustav Jenzsch in den Stand gesetzt, als Grundlage bei der Berechnung seiner Analyse eine klare Über- sicht der mineralogischen Zusammensetzung dieses fast homogen erscheinenden Gesteines zu geben ?). Der Hypersthen verdiente wohl mit dem an denselben so innig anschliessenden Anhange, der Anthophyllite, Bronzite, Uralite bis zu den einfachen Krystallen der beiden Species Augit und Amphibol die grösste Aufmerksamkeit und würde einen würdigen Gegenstand von Bemühungen für die Darsteller jener dünnen Platten ausmachen. Eine der wichtigeren theoretischen Betrachtungen, welche mit dem merkwürdigen Unterschiede in der Lage der Elastieitätsaxen am Augit und Amphibol zusammenhängen, sollte, glaube ich, dahin zielen, zu untersuchen, wie eine ganz geringe Änderung in der Lage der letzten Theilchen — Stoff-Atome wenn man will — ein anderes körperliches Netz hervorbringt. Ist die Stellung der Theilchen gedrängt an einander, so entsteht Augit, der bei gleichem Flächen- inhalt des Querschnittes weniger Umfang hat, zugleich ein höheres specifisches Gewicht, grössere Dichte; ist die Stellung entfernter, so entsteht der weniger dichte Amphibol. Die Richtung der grösseren Entfernung wird man am ersten in der so sehr verlängerten Makro- diagonale des Amphibols zu suchen haben, aber während in dieser die neue Anordnung geschieht, schlagen, um mich so auszudrücken, auch die früher nach anderen Richtungen gespannten Theilchen in ihrer Lage um, neue Spannungsknoten entstehen und neue Elastiei- tätsaxen treten in den grössten Differenzrichtungen zwischen den Richtungen der früheren hervor. Wird es je gelingen, bei so compli- 1) Zeitschrift der deutschen geologischen Gesellschaft, 1854, Seite 261. ?) Poggendorff’s Annalen 1855. Band 95, Seite 418. Zwei Schreiben des Herrn Prof. Zejszner in Krakau an Herrn Dr.Boue. 475 eirten Verhältnissen der Formen einerseits und der chemischen Bestandtheile andererseits die geometrische Architektonik solcher Körpernetze nachzuweisen, wie man es wohl bei einfachen chemischen Stoffen und bei regelmässigeren Formen versucht hat? Der höchste Reiz liegt immer in den schwierigsten Aufgaben. SITZUNG VOM 18. OCTOBER 1855. Zwei Schreiben des Herrn Prof. Zejszner in Krakau an das w. M., Herrn Dr. Boue in Wien. Herrengrund, 11. September 1855. .... Den Lehm des Löss habe ich am ganzen nördlichen Abhange der Tatra beobachtet; angefangen vom Dorfe Zar (östlich) bis nach Zuberee (Arva), und weiter bis zum Chaez. Alle älteren Gebirgs- arten sind damit bedeckt. Dasselbe wiederholt sich am südlichen Abhange der Tatra zwischen Pribilina und dem Fusse des Kriwan. Mitten in der Tatra findet sich Löss nur an wenigen Punkten, aber sehr deutlich ist dieses Sediment nachzuweisen. Gegenüber des Bergwerkes Magora von Zakopane am Abhange Dziuramego genannt, erhebt er sich bis über die Baumgrenze, und bedeckt den Liaskalk; höher verschwindet er, und die schwarze Erde vertritt denselben. Noch höher zeigt er sich am Berge Jaworawa im Thale Wiereicha (Tyeha-Thal), wo auf Kalkstein der Gneissgranit ruht; im Thale von Koseielisko am Fusse des Berges Saturnus ist Löss am östlichen und westlichen Abhange des Berges Suwa, oberhalb Zuberee, der aus Liaskalk besteht. Von hier an wendet sich das Gebirge gegen Südwest, immer aber ruhen Nummuliten- Schichten auf Lias, und diese werden bis zu einer gewissen Höhe von mehr oder weniger mächtigen Löss-Schichten bedeckt. Durch diese Thatsachen ist ein neuer Beweis gefunden, dass die Tatra in neuester Zeit gehoben wurde. — Einen sehr interessanten Durchschnitt fand ich in Zuberee, Nummuliten-Dolomit ist da wie ein Keil im Granit eingeschlossen. In dem Berge, genannt Zuberee, bei dem Orte Zuberec, erhebt sich Liaskalk, der auf Granit ruht; fast an der Baumgrenze findet sich AT76 Zwei Schreiben des Herrn Prof. Zejszner in Krakau eine mächtige Kuppe beiläufig 500’ breit, ganz mit Nummüliten überfüllt, und dann wieder weiter zieht sich bis zum Kamm des Bobrowietzer Thales der Granit. Der Durchschnitt ist a Lias-Dolomit, b Granit, e Nummuliten-Dolomit. Obgleich ich mich sehr viel im Liaskalke bewegte, fanden sich dennoch wenige neue Fundorte von Petrefacten und diese sind unbe- stimmbar ; unter andern Belemniten am Berge Jaworawa, im Thale Wiereicha, ebenfalls Belemniten bei Czeremoezna, unfern Stubnya; undeutliche Korallen im Szutawer Thale bei Kralowany. Ein sehr schöner Durehschnitt findet sich an der gewaltigen Therme von Stubnya. Etwa his Mosaez erstreckt sich das Trachyt- Conglomerat und füllt ein 1—11/, Meile breites Thal aus; am östli- chen Abhange finden sich Dolomit-Mergel, die immer steiler erhoben sind. Am Fusse des Gebirges ist Dolomit in ein Gerölle zerfallen, weiter besteht er aus einer harten krystallinisch-körnigen Varietät, in welcher pulverförmiger Dolomit eingeschlossen ist; die harten Theile bilden krumme Formen und ragen in einzelnen Felsen aus den Hügeln hervor. Höher wird der Dolomit ganz körnig, von graulich-weisser Farbe, und wird durch unendlich viele Klüfte gespalten; theilweise zerfällt er in einen weissen Sand, der besonders in dem tief einge- schnittenen Wege hervorleuchtet. Diese Dolomite erinnern lebhaft an Val di Fassa; ich kenne in den Karpathen kein so ausgezeichnetes Dolomit-Vorkommen wie in Haj. Das Trachyt-Conglomerat und der Dolomit sind ebenfalls mit Lehm bedeckt. Stubnya a Lehm, b Trachyt-Conglomerat, ce Dolomit. an das w. M., Herrn Dr. Bou& in Wien. AT Der Contact des Dolomits und Trachyt ist nicht wahrnehmbar; aber so viel ist bestimmt, dass zwischen beiden Gebirgsarten keine fremde sich befindet. Kesmark, 12. October 1855. -... Die Gegend zwischen Neusohl und Theissholz (Tisowice) ist ausgezeichnet durch mehrere Durchbrüche von Trachyt durch die krystallinischen.Schiefer. Es ist bekannt, dass der Wepor (eigentlich darf er geschrieben werden Wieper) von Libethen ein Durchbruch des Trachyts durch Talkschiefer ist. Ähnliche Durchbrüche finden sich östlich, und zwar östlich von Balogh, ausgezeichnet durch Aukeritgänge und Talkschiefer. Es sind da drei mächtige Rücken, die sich gegen Bries fortziehen und durch zwei sehr tiefe Thäler geson- dert werden. Diesen Trachyt hat Herr Bergmeister Jurenak aus Rhonitz entdeckt. Als wir dieses Trachytgebirge zusammen besuchten, haben wir im Süden einen Berg erblickt, der ganz die Contouren des Wieper von Libethen hatte; es war der Wieper von Klenowec, auf dem kein Geolog vor uns war. Den andern Tag sind wir dahin gegangen. Er befindet sich am Ende des Thales, an dessen anderm Ende Rhonitz liegt. Nur Talkschiefer befindet sich entlang dieses langen Thales; hinter dem Orte Dobroez aber bricht mit einem Male Gneiss hervor, und dieses Gestein war unser Begleiter bis zu einer bedeutenden Höhe auf den Wieper, und es schien, dass er nur aus Gneiss besteht; aber indem wir auf die Höhen stiegen, zeigte sich Trachyt in vereinzelten Blöcken, die sich um so mehr häuften, je höher wir stiegen. Auf der Spitze des Klenowski-Wieper ragen mächtige Felsen auf eine Strecke, hervor, die beiläufig eine Viertelmeile beträgt. Auf den beiden Wiepern ist eine ausgezeichnete Vegetation, welche man an wenigen Orten findet; Bäume von fünf bis sechs Fuss im Durchmesser sind ganz sewöhnlich, öfters noch dieker, meistens sind es Tannen und Buchen, seltener Acer-Arten, die aber niemals die Schlankheit der ersteren erlangen. Auf der ausgezeichneten schwarzen Erde wuchern die prächtigsten Sträucher und Kräuter. Ich habe in den vorzüglichsten Gärten keine grösseren und wohlschmeekenderen Johannisbeeren gegessen als auf den beiden Wiepern. Noch ein dritter Trachytdurchbruch findet sich westlich vom Rimathal bei Potom, unfern von Syrk, wo die berühmten Eisenstein- gänge vorkommen; ebenfalls hat Trachyt den Talkschiefer durch- ATS Zwei Schreiben des Herrn Prof. Zejszner in Krakau an HerrnDr. Boue. brochen und bildet ein hohes Plateau. Unfern von diesem Orte bei Krokawa durchbricht ein serpentinartiges Gestein den Granit, Einige Zeit habe ich mich in der Gegend zwischen Gölnitz, Krompach und Kaschau aufgehalten, um die geognostischen Verhält- nisse des Gabro mit dem Talk- und Glimmerschiefer zu studiren und die Grenzen dieser höchst wandelbaren Gesteine kennen zu lernen. Von Dobschau bis Marguan erstreckt sich der Gabro mit seinen Um- wandlungen in Talkschiefer und der Schiefer ist nur eine plutonische Gebirgsart. Die Beweise dafür wären die Folgenden: Mitten in dem Flusse Hnilee bei Marguan befindet sich ein Felsen, der aus krystalli- nisch-körnigem Gabro zusammengesetzt ist und in diesem findet sich eine Schichtvon talkigem Glimmerschiefer, die kaum mehr als 8’ mäch- tig ist. An der Stadtmühle von Gölnitz, dicht am Hnilee, übergeht der dichte Gabro in eine Art von feinschuppigem Thonschiefer, der sich ein paar Schritte weiter in deutlichen Talkschiefer umwandelt. Am Stork- schen Hammer zwischen Jaklowce und Gölnitz finden sich im Gabro zwei Talkschiefer imLager, die 10—20' mächtig sind, und eine folgt nach der andern; im BergeKliperg, oberhalb Gölnitz, wandeltsich der dichte Gabro in einen schieferigen um; dasselbe findet Statt an der Hernad, bei dem Zuflusse des Czertowik;; der ganze südliche Abhang vom hohen Berge zwischen Folkmar und dem Kaschauer Hamor ist aus Talk- schiefer zusammengesetzt, der einen Übergang in dichten Gabro bildet. Aber die deutlichste Verbindung des Gabro mit Talkschiefer findet sich am rechten Abhange des Grellenseiffner Thales an seiner Mündung gegen Zakarowce; hier wechsellagert dreimal dichter Gabro mit Talkschiefer, der am Ende Oberhand nimmt. Aus diesen Thatsachen ist es klar, dass diese beiden Gebilde einen gleichen Ursprung haben; dass Talkschiefer nur eine Modification des Gabro ist. Die mächtig entwickelten Talkschiefer zwischen Marguan und Krompach, beinahe 2 Meilen lang, sind nichts anderes als eine plu- tonische Gebirgsart; es sind nur Glieder des Gabro. Weiter gegen Westen von Gölnitz, und besonders vom Thale Zenderling, ist unge- mein mächtig grauer und dann grüner Talkschiefer (Talk mit Quarz) entwickelt; dieses ganze Gebilde muss eonsequenter Weise als Gabro betrachtet werden. An vielen Orten in dieser Gegend erscheinen atlas- glänzende schwarze und rothe Schiefer, die ein talkiges Ansehen haben, und diese müssen auch als Glieder des Gabro betrachtet werden. Russegger. Bericht über das am 30. Sept. stattgefundene Erdbeben. AY79 . bericht über das am 30. September 1855 Abends gegen 9 Uhr stattgefundene Erdbeben. Von dem ce. M., Herrn Ministerialrath v. Russegger. Ungefähr um die neunte Abendstunde hörte Gefertigter und seine Familie, im ersten Stocke des Pacherstoliner Handlungshauses wohnend, in der zu ebener Erde liegenden, nun leer stehenden Wohnung des Kratzenfüllers einen Knall, als wenn die Zimmer- thüre etwas stärker wie gewöhnlich zugeschlagen worden wäre, mit kaum wahrnehmbarer Erschütterung. Um dieselbe Zeit hörte der Seilaufschneider Andreas Jentner im Glanzenberger Erbstollen, als er ungefähr 30 Klafter hinter der zweiten Wetterthüre war, denselben Knall, als wenn die Thüre sehr stark zugeschlagen worden wäre; daher blieb er stehen und wartete, ob Jemand nach ihm gehe; aber es kam Niemand. — Beim Aus- fahren um 1/4 Uhr früh fand er in zwei Punkten dieses Erbstollens am Gestäng frisch herabgefallene Berge. Als Gefertigter am 1. October aus der Grube nach Hause kam, fand er einen Zettel vom Herrn Bergrathe Landerer: „dass in ver- gangener Nacht unter dem Fritz’schen und Scharf’schen Hause eine leere Zeche eingegangen sein müsse; es hätten sich mit Getöse, Risse in die Erde gemacht: ob man in der Grube nichts gemerkt hätte? — und dass in jener Gegend nachgeforscht, das Resultat aber demselben berichtet werden soll. —“ Sogleich verfügte sich Unterzeichneter mit dem eben auch aus- gefahrenen k. k. Bergpraktikanten Porubszky und dem Hutmanne Harzer in die Grube. Das durch Jentner gezeigte Gestein auf der Sohle wurde wahr gefunden und die Strecke vom Kaufhaus- schächtehen bis zur nördlichen Michaelistollner Markstätte mit der grössten Aufmerksamkeit befahren, die durch den Stoss am 31. Jänner dieses Jahres verursachten Risse genau besichtigt, aber nicht erwei- tert gefunden, blos in der 27. Klafter vom Kreutzgestänge (beim Kaufhausschächtehen) unbedeutende neue Risse in der Mauer ent- deckt und etwas von dem Gewölbe herabgefallener Mörtel gefunden. ASO Russegger. Bericht über das am 30. Sept. stattgefundene Erdbeben. Am Dreifaltigkeits-Erbstollen wurde in dieser Gegend auch nichts Neues bemerkt und ebenso im Umbruche des neuen Laufes. Obiges hat Gefertigter obbenanntem Herrn Bergrathe und sodann auch Sr. Hochwohlgeboren dem Herrn k. k. Ministerialrathe mündlich berichtet, und sich hierauf im Fritz ’schen Hause beim Buchbinder Tomala — vor dessen Wohnung zwei parallele, 1—3 Linien breite Risse im Boden und ein dritter in schiefer Riehtung sich befinden — dann in dem nordwestlichen Zimmer im Seharf’schen nun Lukäts’- schen Hause um die Stunde der Erschütterung erkundigt, die aber um neun Uhr Abends bereits schliefen und nichts hörten; die Be- wohnerin des letzteren Zimmers aber soll um 11 Uhr ein Getöse unter ihrem Zimmer, gleich als wenn Erde herabrolle 1), wahrge- nommen haben und deutete auch auf einen Sprung in der Wand, der in der Nacht erfolgt sein soll. Indem der gehorsamste Berichtleger diese Anzeige an die löb- liche k. k.. Bergverwaltung pflichtschuldigst erstattet, bittet derselbe diesen Bericht, über ausdrücklichen Auftrag, dem Herrn k. k. Ministe- rialrathe zu unterbreiten, um die kais. Akademie der Wissenschaften von diesem sich wiederholenden Natur-Phänomen in Kenntniss zu setzen. Schemnitz, den 2. October 1855. Peter Kno pp Mm. P., k. k. Schichtenmeister. 1) Wahrscheinlich setzten sich in Folge des Erdstosses die Zechenberge eines uralten Verhaues, der sich gerade unter diesem Hause befindet, welches man höchst leichtsinnig einst an dieser Stelle gebaut hatte. In weiterer Folge der Bewegung der Zechenberge , setzte sich auch das brüchige Hangende des Spitaler Ganges und endlich stürzte dadurch bedingt ein Theil der Grundmauer des Hauses und damit auch ein darüber hinführender Canal ein, und es bildete sich eine Binge von ungefähr 30 Länge, 2° Breite und 10’ Tiefe. Letzterer Vorgang scheint endlich die Bewohner aus ihrem Schlafe aufgerüttelt zu haben. Russegger. Schauroth. Übersicht der geogn. Verhältnisse der Gegend von Recoaro. AS1 Eingesendete Abhandlungen. Übersicht der geognostischen Verhältnisse der Gegend von Recoaro im Vicentinischen. Von Dr. Karl Freiherrn v. Schauroth zu Koburg. (Mit I Karte und III Tafeln.) (Vorgelegt in der Sitzung vom 19. April 1855.) EINLEITUNG. Recoaro, ein im Vicentinischen am linken Ufer des Agsno- baches gelegenes, gegen 500 Einwohner zählendes Dorf, hat durch seine Heilquellen und die lehrreiche Entwickelung der in den Alpen unter einer etwas abweichenden Facies sich darstellenden triassi- schen Gebilde in neuerer Zeit einen weit verbreiteten Ruf erlangt. Während eines mehrwöchentlichen Aufenthaltes an den dortigen Quellen benützte ich die Gelegenheit, den schon längst gehegten Wunsch der Erlangung eines Überblickes der dortigen geognosti- schen Verhältnisse zu befriedigen, und unternahm zu diesem Ende mehrere Excursionen. Grosse Hilfe gewährten mir hierbei die Erfahrungen des dortigen hochgeschätzten Brunnenarztes, Herrn Dr. Bologna, dessen freundschaftliche Aufopferung mir es möglich gemacht hat, in so kurzer Zeit einen Überblick über ein verhältniss- mässig so ausgebreitetes Gebiet zu gewinnen. So viel mir bekannt ist, besitzen wir noch keine Karte, welche mit nur einiger Genauigkeit in grösserem Massstabe die geognostische Constitution der hier zu behandelnden Gegend veranschaulichte; mein Freund Bologna forderte mich daher auf, nicht nur im Inter- esse der geologischen Wissenschaft im Allgemeinen, sondern beson- ders im Interesse der Besucher der Heilquellen von Recoaro, die auf unseren meist gemeinschaftlich ausgeführten Exeursionen gemachten Beobachtungen durch Schrift und Bild zu weiterer Kenntniss zu bringen. Obgleich mir diese Beobachtungen noch nicht genügen und selbst lückenhaft erscheinen, so will ich doch versuchen, für AS2 Sehauroth. Übersicht der geognostischen Verhältnisse beide Theile ein Bild der geologischen Constitution dieses interes- santen Terrains zu entwerfen. Zu diesem Zwecke habe ich vorge- zogen, den Beobachtungen eine möglichst detaillirte Karte, die des k.k. Generalstabes, zu Grunde zu legen, und mich lieber dem Vor- wurfe einer gelegentlichen Ungenauigkeit in der Einzeichnung der geognostischen Grenzen auszusetzen, als durch Mangelhaftigkeit der Situation etwaige Ungenauigkeiten zu verbergen. Die detaillirtesten, mit Gewissenhaftigkeit und Sachkenntniss gesammelten Nachrichten über unser Terrain verdanken wir dem bei Recoaro gelebt habenden Geistlichen, Herrn Maraschini, dessen 1824 in Padua erschienene Schrift: „Sulle formazioni delle rocce del Vicentino“ von allen späteren Schriftstellern, welche sich über die Geognosie dieser Gegend ausgesprochen haben, immer benützt worden ist. Dass neuere Forschungen in unserem Distriete zur Öffentlichkeit gekommen sind, ist mir nicht bekannt, und ich nehme daher keinen Anstand, die eigenen Beobachtungen, so weit sie die älteren ergänzen oder berichtigen, mitzutheilen. I. Umfang des Terrains und dessen allgemeine. Physiognomie, Das hier in Betracht zu ziehende Gebiet umfasst die oberen Theile der Thäler des Chiampo, Agno, der Leogra und des Timon- chio. Im Norden wird es von den hohen Alpen, vom Monte Pasubio an bis zum Asticothale bei Caltrano, begrenzt und erstreckt sich bis Nogarole, so dass demselben Recoaro, Schio, Bolea, Monte Postale, Castelgomberto und andere dem Geognosten wohlbekannte Orte zufallen. Die Alpen bilden durch Verkettung einzelner Berggruppen ein Zackengebirge, dessen Streichlinie wir uns von Nizza ausgehend über den Mont-Blane, wo das Gebirge seine Gipfelhöhe von 14.800 Pariser Fuss erreicht und eine östliche Richtung annimmt, bis nach Ungern fortsetzen denken können. Der Kern dieses Gebirges besteht aus Gesteinen der primitiven Formationen, des Gneisses, der primi- tiven Schiefer und der eruptiven granitischen Bildungen, welche eine mächtige, hoch emporragende, bis in die Längenlage von Wien reichende mittlere Zone bilden. An diese mittlere Zone schliesst sieh eine zweite Zone an, welche gleichsam einen Vorwall jener ersten bildet. Dieser Vorwall wird im Allgemeinen von den Ebenen begrenzt der Gegend von Recoaro im Vicentinischen. AS3 und fast durchaus von Gesteinen jüngerer, secundärer und tertiärer Formationen constituirt. In den bezeichneten Vorwall, in die südlichsten Ausläufer der gegen Verona und Vicenza gerichteten Tiroler Bergketten, fällt unser Terrain, und zwar nicht weit von der Grenze, an welcher die von Osten herkommenden jüngeren Formationen am Lago maggiore ihr _ Ende erreichen und den primitiven Gesteinen die alleinige Herrschaft überlassen, so dass wir schon in unserem Terrain in den tiefen Thei- len oft die Grundlage der Nebenzone entblösst und von dort an west- lich die Diluvial-Gebilde unmittelbar die geognostische Mittelzone begrenzen sehen. Diese Verhältnisse beruhen auf der ungleichen Erhebung der vom Gebirgsbildungs - Processe ergriffen gewesenen Theile der Erdkruste, indem ein Theil unseres Terrains im Osten bei weitem mehr seiner ursprünglichen Lage entrückt erscheint, als gegen Westen hin, wo die neueren Formationen bald einerseits vom Diluvium der Ebene bedeckt und anderseits von der primitiven ‘ Formation begrenzt werden. Dieser Umstand bedingt auch das im Allgemeinen südwestliche Einfallen der Schichten oder Formations- glieder, welches im Detail der ausserordentlichen Zertrümmerung des Gebirges wegen nur selten beobachtet werden kann, und dess- halb auch hier keiner weiteren Berücksichtigung würdig erachtet worden ist. Aus dem Complexe der zahlreichen Längen- und Querthäler der Alpen kommen unserem Terrain nur einige Querthäler zu, welche von den beiden hohen, vom Monte Pasubio als Knotenpunkt östlich und südlich ausstrahlenden Gebirgskämmen in südöstlicher Richtung sich in die lombardische Ebene verlieren. Hierdurch wird zugleich die Reliefform unseres Terrains eharakterisirt. Wir sehen im Norden einen hohen, den Charakter der Alpen tragenden, zackig ausgeschnittenen und die Wasserscheide gegen das Thal der Posina und des Astico bildenden Gebirgsrücken mit den bedeutenden Höhen des Pasubio, Zollota, Volpiana und Sumano; ein gleich charakterisirter Rücken mit dem Cengio alto, Campo grosso und Cima tre croci erstreckt sich in südlicher Rich- tung, bedingt die Wasserscheide gegen das Etschthal und bildet die westliche Grenze unseres Terrains. Dieser zweite Gebirgskamm entsendet, ziemlich parallel dem ersten, zwei Zweige von geringerer Höhe, von welchen der eine vom Campo grosso, der andere von Cima ASA Sehauroth. Übersicht der geognostischen Verhältnisse tre eroei ausgeht, und welche beide für unser Gebiet die Haupt- thäler der Leogra, des Agno und des Chiampo hervorrufen. In den oberen Theilen werden diese in üppiger Vegetation prangenden » Thäler durch schmale Sohle mit anstossenden, durch Schluchten und Schrunden gefurchten steilen Gehängen charakterisirt, in ihren unteren Theilen erweitern sie sich jedoch bald, wie die Berge an Höhe abnehmen. { Il. Geognostische Constitution des Terrains im Allgemeinen. Zufolge der gewaltsamen, besonders am Anfange der vuleani- schen Periode stattgehabten Zertrümmerung des Gebirges vermissen wir im Detail einen stätigen Verlauf der Formationsgrenzen, können denselben aber, wie es auf der Karte geschehen ist, im Allgemeinen leicht nachweisen. Wie bereits angeführt worden ist, bildet hier die primitive Schieferformation, und zwar die des Glimmerschiefers, welche, wie überhaupt in den südöstlichen Alpen, als Talkschiefer modifieirt erscheint, das Grundgebirge, die Basis der folgenden Formationen. Da unsere Hauptthäler aus der Gebirgsmasse zum grössten Theile ausgeschnitten sind, so finden wir es bei dem südlichen Fallen der Schichten natürlich, dass im nördlichen, erhabeneren Theile die Basis zu Tage gelegt worden ist. Von der Pilastroschlucht bei Fachini im Agnothale und von Torre Belvieino im Leograthale an bis fast an die Quellen dieser Bäche, sehen wir daher das Schiefergebirge in den Thalsohlen und mehr oder minder hoch an den unteren Gehängen Platz nehmen. Ä Unmittelbar dem primitiven Gebirge aufgelagert folgen triassi- sche Gebilde. Maraschini und andere Geologen berichten zwar von paläozoischen Schichten, von Steinkohle führenden Sandsteinen; die hier auftretenden, mit Kohle, bisweilen mit deutlichen Pflanzen- resten erfüllten Sandsteine müssen aber als dem bunten Sandsteine äqui- valent und die Pflanzentheile selbst als triassische bezeichnet werden. Die Trias schliesst sich an den mittleren Gehängen des Agno- und Leograthales dem Schiefergebirge so an, dass zu unterst der bunte Sandstein Platz nimmt, während der Muschelkalk, je nach dem Relief des Terrains, schon die oberen Theile der Gehänge und selbst die Kammhöhen erreicht. So sehen wir den Muschelkalk von dem der Gegend von Recoaro im Vieentinischen. As, Auftauchen der Schiefer im Agnothale an, längs der Grenze der ihm aufgelagerten hoch emporgethürmten Juraformation unter dem Monte Spizze hinweg, an den Gehängen hinziehen, die Schluchten von Val diCreme, di Lora, di Rotolone, di Serraggere, das Leograthal übersehreiten und über den Monte Alba, an dem Monte Enna vorbei, bis in den Tretto nach Quartiere und S. Rocco mit wenigen Unter- brechungen sich verbreiten; der Bergrücken, welcher das Leogra- thal vom Agnothale trennt und nur in seinem östlichen Theile das Niveau des Muschelkalkes erreicht, besteht daher in diesem östlichen, dem Jura zunächst liegenden Theile auf den Höhen bei Rovegliana aus Muschelkalk, während der übrige Rücken und die oberen Ge- hänge dem bunten Sandsteine und Schiefer anheimfallen, so dass man von Recoaro durch den gewöhnlich auf dem Wege nach Valle dei Signori (Valli) benützt werdenden Pass, Xon genannt, bis Valli gehen kann, ohne den Schiefer zu verlassen. Die nächst folgende Formation, die des Jura, behauptet alle ‚ jene zackig geformten, die höchsten Berge bildenden Felsmassen, welche unserer Gegend den alpinischen Charakter verleihen. Ohne Unterbrechung zieht sich ein schmaler Streifen dieser Formation vom südlichen Gehänge des Leograthales, dem Städtchen Torre gegen- über, über den Monte Ennaro, setzt über das Agnothal, bildet die Berge M. Torrigi, C. dellaFratta, M. Laste, M. Spizze und setzt nun, nachdem sich die Grenzen der Formation bedeutend erweitert haben, nördlich über Cima tre ceroci, Campo grosso weit über den M. Pasubio fort, wendet sich hier östlich bis zum M. Sumano, sendet im M. Enna eine Zunge wie ein Vorgebirge fast bis an den Ausgangs- punkt bei Torre ab, und bildet so fast einen geschlossenen Kessel, welcher die triassischen und Schiefergebilde in sich schliesst. So einfach und normal der Verlauf der Formationsgrenzen in dem nordwestlichen Theile unseres Terrains, welches durch eine vom M. Sumano bis zum M. Spitz gezogene Diagonale abgeschnitten wird, sich darstellt, ebey so wenig stossen wir in dem anderen, süd- östlichen Theile auf Anomalien. Diese Diagonallinie beschreibt genau die Grenze zwischen den eben besprochenen Formationen (vom Schiefer bis zum Jura) und den südlich gelegenen, nun in Betracht zu ziehenden Formationen. Ä Da wir im nördlichen Theile an phantastisch ausgeschnittene Bergformen gewöhnt worden sind, so fällt uns im südlichen Theile, AS6 Sehauroth. Übersicht der geognostischen Verhältnisse diesseits der gegebenen Diagonale, ein viel sanfterer Charakter des Reliefs auf: die Berge erreichen nie wieder die frühere Höhe, wir haben die Alpen verlassen und treten zum Theil schon in die lombardische Ebene. Bei dieser absolut tieferen Lage sollten wir hier die Fortsetzung des Jura oder gar älterer Schichten erwarten, aber sonderbarer Weise stehen wir auf viel jüngerem Boden: Kreide- gesteine, Tertiärgebilde und Diluvium in normaler Folge bilden die Ausgehenden der Bergreihen und die Ebene. Diese Anomalie erklärt sich einfach aus der Anwesenheit einer weit fortsetzenden Disloca- tionsspalte, welehe durch die erwähnte Diagonale repräsentirt wird und durch welche allein die jüngeren Formationen in das Niveau der schon erwähnten älteren gebracht werden konnten. Interessant ist es, zu beobachten, wie in diesem südlichen Theile eine ähnliche Wiederholung im Auftauchen der Formationen stattfindet. Wie dort der Schiefer zum Grundgebirge diente, so ist hier die Kreideformation als Basis zu betrachten. Die Kreideformation zeigt sich daher hier, der Verwerfungslinie entlang, vom M. Sumano bis ins Chiampothal mehrfach in bedeutenden Bergen und tritt, im Chiampothale bis Chiampo die Sohle und unteren Gehänge des Thales bildend, unter dem tertiären Gebirge hervor; ebenso, nur durch die bedeutendere Weite des Thales einen grösseren Flächen- raum in Anspruch nehmend, ist sie im Agnothale bis fast nach Cornedo blossgelegt; im Tretto jedoch, jenseits der Leogra, von S. Roceo zum M. Sumano, haben vulcanische Eruptionen diese Regelmässig- keit gestört. Im südwestlichen Theile, gegen Verona hin fortsetzend, taucht das Kreidegebirge wieder auf. Auf die Kreide folgen Tertiärgebilde, die Nummulitenformation oder das Eocängebirge, welches sich bis in die Ebene verbreitet. Die ganze lombardische Ebene besteht aus Diluvium, und nur: wenige Berge älterer Gebilde erheben sich aus derselben. Die Grenze zwischen Diluvium und Eocän ist daher leicht zu erkennen: sie läuft von Carr& über Sant Orso, Schio, Isola di Malo und Costabissara dem Fusse des Gebirges entlang. Ausserordentliche Wichtigkeit erlangen in unserem Terrain die eruptiven Gebilde. So zahlreich auch bisher Arten von eruptiven Gesteinen angeführt worden sind, soglaubeich doch, dieselben auf zwei Formationen beschränken zu müssen. Alle diese verschieden benannten Gesteine stammen entweder aus der Familie des Trachyts, oder der der Gegend von Recoaro im Vicentinischen. ASY Familie desBasalts; es bleibt daher noch die Verbreitung dieser bei- den Formationen zu bezeichnen. Obgleich die Gesteine der einen Formation die der andern nicht ausschliessen, im Gegentheile in ihrem äusseren Habitus oft einander ähnlich werden, so können wir doch zweiRegionen unterscheiden, in welchen die basaltischen Gesteine einerseits und die trachytischen anderseits die Oberherrschaft behaupten. Als sichere Demarcationslinie zwischen diesen beiden Regionen dient uns die oben erwähnte Dis- locationsspalte. Nördlich von dieser Linie begegnen wir den vielen Varietäten trachytischer Massen, welche vielfach die Erscheinungen der verschiedenen Lagerungsformen und Structurverhältnisse, sowie der chemischen und gewaltsamen mechanischen Einwirkungen auf das Nebengestein, wie sie bei eruptiven Gesteinen vorzukommen pflegen, an lehrreichen Beispielen wiederholen. Südlich von der Verwerfungs- spalte spielen die Basalte die Rolle der Trachyte; während aber dort die Eruptionsepoche nach Vollendung der anwesenden Formations- glieder erfolgte und auf diese nur zerstörend einwirkte, so sehen wir hier den Basalt periodisch an der Bildung der Tertiärformation den thätigsten Antheil nehmen und oft zerstörend auf seine eigenen Schöpfungen eingreifen. Wenn es schon unmöglich erscheinen dürfte, die in Unzahl in unserem Terrain verstreuten trachytischen Massen und die vielen Basaltergüsse, mit welchen das Tertiärgebirge übersäet ist, auf eine Karte genau aufzutragen, so kann um so weniger erwartet werden, dass bei der für eine so umfassende Untersuchung so spärlich zuge- messenen Zeit alle Vorkommnisse mit Sicherheit verzeichnet zu finden seien. Ich beschränke mich daher auf Angabe der Vertheilung der Massen im Allgemeinen. Die Trachytformation ist am mächtigsten entwickelt in den triassischen Gebilden des sogenannten Tretto, nördlich von Schio, wo sie einen mächtigen Berg zwischen Righellini und Paludini zusammen- setzt, und weiter nördlich, imSüden von Sant’ Ulderieo ; ein zweites, riesenhaftes Depot liegt südlich von M. Spizze bei Recoaro, wo der Trachyt in bedeutender Mächtigkeit vom Chempele über Fongara fortsetzend den Alpenkalk durchbrochen hat. Erwähnenswerth sind auch die beiden im Schiefergebirge gelegenen Trachytberge von Staro und Cucco. Alle übrigen Vorkommnisse sind als mehr oder minder mächtige Gangmassen zu betrachten. Sitzb. d. mathem.-naturw. Cl. XVII. Bd. III. H£t. 32 ASS Sehauroth. Übersicht der geognostischen Verhältnisse Basalteruptionen, gewöhnlich mehr den Charakter reihenförmig gestellter Kegelberge tragend, bemerkt man bei Schio; zahlreicher werden sie weiter südlich, wo man, vom sogenannten Muchione an, eine Reihe von Basaltbergen im Osten des Agno, demselben folgend, auf dem Bergrücken entwickelt sieht. Eine zweite, noch regelmässi- ger gegliederte Reihe von Basaltbergen erscheint, von Tomba bis Nogarole hinab, auf dem Bergrücken, welcher das Agnothal vom Chiampothale trennt. Eine dritte solche Hügelkette, parallelden vorigen, lässt sich endlich von Durlo aus über Bolca weit gegen Süden ver- folgen. Wenn diese Reihen auch keine grosse Regelmässigkeit zu erkennen geben, so lässt ihre Stellung doch auf Eruptionen schlies- sen, welche mit Spaltenbildung in Verbindung gestanden haben. Leider kann ich diese Basaltvorkommnisse aus Mangel an hinreichender Beobachtung nieht mit der gewünschten Genauigkeit verzeichnen. Die Mineralquellen, mit welchen unser Terrain gesegnet ist, scheinen sich alle um Recoaro concentrirt zu haben, und sollen in einem besonderen Abschnitte vom geologischen Standpunkte aus betrachtet werden. IN. Specielle Verhältnisse der Formationen. A. Primitive Formation. Von den Gesteinen der primitiven Formation , welche den Kern oder die mittlere Zone der Alpen bildet, geht der Glimmerschiefer an mehren schon bezeichneten Orten zu Tage. Der Glimmerschiefer erscheint hier, wie in den südlichen Alpen überhaupt, meistens als Talkschiefer ausgebildet, an einigen Locali- täten aber auch Übergänge zu Chloritschiefer und selbst zu Thon- schiefer bildend. Seine Farbe ist weisslichgrau mit einer Neigung ins Grüne. Im Allgemeinen ist er fettig anzufühlen, schimmernd und durch die beigemengten Quarztheilchen ziemlich fest. Von accessorischen Bestandtheilen erscheinen nicht selten Eisen- kies, Kupferkies, Magneteisenerz, Kalkspath und Anthraeit. Ausser dem Quarz, welcher als wesentlicher Bestandtheil zu betrachten ist, kommen auch Eisenkies und Anthraeit in grösseren Massen vor; erste- rer z. B. bei Torre Belvieino, letzterer bei Recoaro gleich hinter der Königsquelle gegen le Vallette zu, an der Strasse nach Fonte Franca und bei Peserico. Das octaedrische Magneteisenerz scheint vorzüg- lich an die grünen, chloritschieferähnlichen Varietäten des Schiefers der Gegend von Recoaro im Vicentinischen. A89 gebunden zu sein, und findet sich häufig bei Fachini und an der neuen Strasse von Recoaro nach Rovegliana, welche kürzlich .in Angriff ge- nommen worden ist. Als eine dem Talkschiefer angehörige, aus der Verwitterung seiner Bestandtheile hervorgegangene Mineralspecies muss auch dasBittersalz angeführt werden, welches an mehren Orten, z. B. bei Georgetti und an der Strasse nach Valli die Felsen bedeckt. B. Sedimentformationen. Trias. Es mag auffallend erscheinen, dass hier sofort nach dem primitiven Schiefergebirge die Trias zur Sprache kommt, während bis auf den heutigen Tag aus jenen Gegenden noch ältere Formationen eitirt wer- den und italienische Geologen von arenaria antica (Rothliegendem), calcare alpino (Zechstein) und anderen geschichteten Gesteinen sprechen, welche älter sind als der bunte Sandstein. Da Recoaro den Ausgangspunkt sämmtlicher Exeursionen bildete und die triassischen Schichten, wie ein Blick auf die Karte lehrt, zum grössten Theile im Agnothale blossgelegt erscheinen , so musste diesen Gebilden die meiste Aufmerksamkeit zu Tbeil werden. Wenn ich hier von Trias spreche, so geschieht es nur des Her- kommens wegen; denn hätte man diese Formation zuerst hier in den Alpen studirt, so würde man sie sofort als ein petrographisch und paläontologisch charakterisirtes Ganze erkannt und als eine Monas behandelt haben. Am zweckmässigsten dürfte es sein, zuerst, unabhängig von den Abtheilungen, in welche man die Trias anderer Länder zerfällt hat, die einzelnen Gebirgsglieder rücksichtlich ihrer petrographischen und paläontologischen Merkmale, sowie ihrer Lagerungsfolge in Betracht zu ziehen, und dann das so erhaltene Resultat den ausseralpinischen Bildungen gleicher Periode gegenüber zu stellen und zu versuchen, in wie weit ein Synchronismus der einzelnen Gebirgsglieder vermuthet, welches Niveau in den Alpen den allgemein angenommenen Abtheilun- gen der gleichzeitigen Bildungen in Deutschland entsprechend gedacht werden kann. An Profilen, welehe wandernden Geognosten allein über den innern Bau der Erdkruste Aufschluss zu geben vermögen, fehlt es im Agnothale und im Tretto nicht; aber leider lassen sie sich gewöhn- lich nicht weit verfolgen, und dann ist es, wenn man das Gesetz der Aufeinanderfolge der Schichten erst suchen muss, schwer, bei der 32° A9O Schauroth. Übersicht der geognostischen Verhältnisse grossen petrographischen Verwandtschaft, welche vielen der dortigen Schichten eigen ist, sich ein Normalprofil zu construiren, und ohne ein solches die bathrologische Stellung an den verschiedenen Beob- achtungspunkten zu erkennen. Die sedimentären oder die triassischen Schichten werden hier, wie es beim Eingange einer neuen Periode öfters der Fall ist, mit einer Conglomeratbildung eröffnet. Dieses Conglomerat bildet kein vor- herrschendes Gebirgsglied, sondern nur eine gegen 1 Meter mächtige Lage, dessen unmittelbare Auflagerung auf dem Glimmerschiefer nur an wenigen Orten beobachtet werden kann. Am lehrreichsten ergibt sich in dieser Hinsicht und für die unteren Schichten über- haupt die Schlucht, welche vom Val dell’ Orco, wo neuerlich die Quelle Giuliana für das Militär -Etablissement gefasst worden ist, hinaufführt. Dieses psephitische Gestein ist bis jetzt nicht erwähnt worden, und dürfte die Ansicht, welche noch theilweise von italienischen Geologen vertreten wird, dass nämlich auch in unserem Terrain Repräsentanten paläozoischer Schichten vorhanden seien, noch unter- stützen, und für ein Glied des Rothliegenden gehalten werden können; allein während die klastischen Gesteine des Rothliegenden in der Regel ihr Material zum grösseren Theil von den Porphyren oder Melaphyren bezogen haben, und überall, wo die Formation des Rothliegenden entwickelt ist, die Betheiligung gleichzeitig erfolgter Porphyr-Eruptionen an den Bildungen der Schichten des Rothliegenden unverkennbar ausgeprägt ist, so vermissen wir hier durchaus diesen, die Formationsglieder des Rothliegenden charakterisirenden Causal- ‘zusammenhang und begegnen in unserem Conglomerate nur Frag- menten, welche dem unterliegenden Schiefergebirge entnommen sind. Solche Fragmente von Glimmerschiefer und Quarz, verbunden durch das zurBildung der untersten triassischen Schichten bestimmte Material, constituiren das nur wenig feste und dunkelgefärbte Con- glomerat. | Dieser psephitische Charakter macht sich jedoch nur auf eine Mächtigkeit von höchstens ?/, Meter geltend, und dieses vielleicht nur in ursprünglichen Vertiefungen abgelagerte gröbere Material wird von einem gegen 9 Meter mächtigen Gebilde dünnschichtigen Sand- steins bedeckt, welches in seiner unteren Hälfte grobkörnig ist und die dunkle, rothe Färbung beibehalten hat, während in der oberen der Gegend von Recoaro im: Vieentinischen. Ag91 ‚Hälfte feines Korn und gelblichgraue Färbung vorherrscht. Das obere Niveau erlangt durch das Vorkommen von Kohlenbrocken und meist nicht mehr bestimmbaren Pflanzenresten einiges Interesse, und ist dadurch überall leicht zu erkennen. Über diesem Sandsteine wird der Thon überwiegend ; auf 2 Meter Mächtigkeit folgen rothe, sandige, glimmerreiche Thone, wahrer Röth , mit einer eingeschal- teten, wenig glimmerreichen Thonschicht. Von nun an stellt sich die kohlensaure Kalkerde und kohlensaure Bittererde ein; man sieht zuerst die Thone von einem schiefrigen Sandstein überlagert, in welchem die erste, tiefste, fast 1 Meter starke, noch das Ansehen eines Sandsteins bewahrende dolomitische Schicht eingebettet ist. Schwache Lagen von mehr oder weniger roth gefärbtem Sandsteine im Wechsel mit blaulichgrauen mageren Thonen, in welche nur selten solche von rother Farbe eingeschaltet sind, folgen in buntem Wechsel, ganz wie sie im mittleren und oberen Keuper aufzutreten pflegen. Nach oben werden die Schichten des gelben Mergels oder Kalkes immer häufiger, behalten aber immer ihren dünnschichtigen Charakter bei. Den Schluss dieses Profils macht ein grobkörniger, heller, gelb- licher Sandstein, welcher von gelben, dichten, meist dünnschich- tigen dolomitischen Kalksteinen überlagert wird. Die Gesammtmächtigkeit dieser, über dem vorhin erwähn- ten rothen Thone lagernden Schichten dürfte wohl 50 Meter betragen. Gleicher Charakter kommt den Schichten zu, welche am rechten Agnoufer in der an der Leliaquelle vorbei zum Monte Spizze hinaufsteisenden Prechele-Schlucht und ‚besonders an der rechten, westlichen, Le Vallette genannten Seite derselben frei gelegt sind. Hier zeigt sich zuerst auf dem Schiefer ein Gang grünlichenDolerits, darauf ein fester Sandstein mit verkohlten Pflanzenresten, erst hell gelblich, dann roth und in rothe Thonmergel übergehend, welche selbst bald — im Wechsel mit grauem, gelblich verwitternden Schieferthone, den grünen Keupermergeln ähnlichen Schichten und sandigen Schiefern — feste, gelbe, wenig mächtige dolomitische Kalklagen aufnehmen, und von einer 2 Meter mächtigen grobkörnigen weissen Sandsteinbank überlagert werden. Diese letztere wird nach oben schiefrig und steht im Niveau , wo wir das Profil bei Sta. Giu- liana geschlossen haben. A92 Schauroth. Übersicht der geognostischen Verhältnisse Von nun an tritt kein echter Sandstein mehr auf, und die festen. gelben Mergel, ähnlich den festen Dolomiten der Lettenkohle, nehmen überhand. | Diese Mergel oder dolomitischen Kalksteine, welche auch zur Cementbereitung tauglich sind, erscheinen an der Oberfläche durch die Verwitterung immer gelblich oder gelblichgrau, im Innern oft blauliehgrau; sie sind schwer zersprengbar und erhalten auf ihrem splittrigen Bruch durch beigemengte Glimmertheilchen bisweilen ein schimmerndes Ansehen; nur selten bilden sie mächtige Bänke. In Le Vallette tritt dieses Gestein, zuerst über dem Sandsteine in dieken und dünnen Lagen wechselnd, gegen 15 Meter hoch auf, wo es dann schiefrig wird und in rothe schiefrige, glimmerreiche Thone, welche über 1 Meter mächtig abgelagert sind, übergeht. In diesem Niveau über dem Sandsteine, wo die dolomitischen Kalke die Ober- hand gewinnen, erscheint fast überall eine bisweilen selbst einige Meter Mächtigkeit erreichende Schicht, welche sich durch bedeu- tende Festigkeit, graulichweisse oder gelblichgraue Farbe und häufig, wie z. B. im Val dell’ Erbe, durch oolithische Struetur auszeichnet, und in welcher ich die ersten Versteinerungen, Turbonilla gra- cilior, Tapes subundata und unkenntliche, wahrscheinlich zu Natica turbilina gehörende Steinkerne gefunden habe. Auf dem glimmerreichen Thon liegt eine Mergel- oder Kalk- steinschicht, welche durch das erste und häufige Erscheinen der Posidonomya Clarae und Turbonilla dubia besondere Wichtigkeit erlangt und mit den aufliegenden harten, dünnschichtigen Mergeln eine Höhe von wenigstens 15 Meter in Anspruch nimmt. Hierauf tritt eine Wiederholung des rothen, schiefrigen, sandigen Mergels von 21/, Meter Mächtigkeit ein, der nun als Basis für die in ihren petro- graphischen Merkmalen sich ähnlich bleibenden und dem ganzen Schichtenbaue ein so einförmiges Ansehen verleihenden, bald dick-, bald dünnschiehtigen mergeligen Kalken dient, und deren Gesammt- mächtigkeit von hier an wieder auf 30—40 Meter geschätzt werden kann. Hier im Prechele findet man fast gar keine Versteinerungen; mehr schiefrig und reicher an Versteinerungen ergibt sich dieses Niveau im Val Serraggere, bei Pozzer, Lovati und Rovegliana. Myacites Fassaensis, Pleurophorus Goldfussi, Myophoria ovata, Natica turbilina und mehre andere Arten sind häufig, aber selten gut erhalten; auch in Kalkstein umgewandeltes Coniferenholz habe der Gegend von Recoaro im Vicentinischen. A953 ich hier gefunden. In diesem Niveau stehen, wenn ich auch das Gestein nicht anstehend gesehen habe, die Schichten bei Rovegliana, welche durch das häufige Vorkommen von Dadoerinus gracilis, Gervillia Albertü, Natica gregaria, Schlangenwülste u. s.w. ausge- zeichnet sind. So weit kann das Profil in Le Vallette verfolgt werden; die Fortsetzung müssen wir im Prechelegraben selbst suchen. Hier sehen wir eine oder einige gegen 1 Meter mächtige Bänke eines höchst festen hellgrauen oder gelblichgrauen, auf frischem Bruche blaulichgrauen Kalksteins ruhen, der durch eingesprengte Kohlen- theile und durch seinen Reichthum an Fossilien so bezeichnet ist, dass er mit keinem andern verwechselt werden kann. Im Prechele ist dieses Gestein nicht gut zugänglich ; bessere Gelegenheit zumSammeln der hier in grosser Menge niedergelegten Versteinerungen wird bei Rovegliana im Val Serraggere und in der Schlucht von Rotolone geboten. Zwischen dem letzten Sandsteine und diesem Muschelkalk treten an mehren Orten, z. B. im Val del Rotolone bei Rovegliana, Valli und im Tretto mächtige Lager und Stöcke von Gyps auf. Im Val dei Rotolone, zwischen Val Lora und Val del Campo grosso, folgt auf die mächtig entwickelten Lagen des bunten Sandsteins ein fester, dichter Kalkstein mit dünnen Lagen eines dunkelgrauen Thons, in welchen sich dünneLagen dichten Gypses einschieben, die wohl auf 15 Meter Mächtigkeit mit dünnen Lagen eines dichten, festen, hellen Kalksteins wechseln, und dann wohl auf eine Höhe von 30 Meter von einem Schichtenwechsel von schiefrigem Gyps, grauem Thon und Kalkstein bedeckt und von Muschelkalk überlagert werden, in welchem Spirigera trigonella, Spirifer fragilis, Chaetetes Recubariensis, Lima striata, Terebratula vulgaris und andere, später ausführlicher zu erwähnende Arten recht häufig vorkommen. Im Prechele erscheint ferner ein gleich mächtiger, fester dolo- mitischer Kalkstein mit Barytspath, durch knotige oder knollige Struetur dem thyringischen Wellenkalke ähnlich und mit dunkler Farbe verwitternd. Bemerkenswerth in diesem Niveau sind auch Ausscheidungen von Hornstein, welche von feinen Eisenkiestrümehen durchzogen sind, und sogleich an die ähnlichen Erscheinungen in den mittleren Schichten des deutschen Muschelkalkes erinnern. In den nun folgenden Kalkschichten, welche auf wohl 30 Meter Höhe sich zuerst als ein ausserordentlich festes, dichtes, gelblich- A9A Schauroth. Übersicht der geognostischen Verhältnisse weisses Gestein mit undeutlichen Schichtungsfugen, aber verticaler und transversaler Zerklüftung zu erkennen geben, konnte ich keine Versteinerungen weiter entdecken. Als die am weitesten reichenden Arten habe ich Natica turbilina und Terebratula vulgaris erkannt. Nach oben wird der genannte Felsen schiefrig, gewinnt mehr ein blauliches Ansehen und wird von einer fast 3 Meter mächtigen Bank eines massigen, blaulichgrauen, knotigen Kalksteins bedeckt, auf welehen sich wieder kalkige Gesteine schiefriger Natur einstellen. Die meisten der eben erwähnten Gesteine über dem eigentlichen fossilienreichen Musehelkalk sind in ihrem Äussern den versteine- rungsarmen, meist auch versteinerungsleeren Schichten des oberen Muschelkalks in Deutschland so ähnlich, dass sie in Handstücken nicht leicht von ihm unterschieden werden können. Hier im Prechele habe ich die kalkigen Gesteine viel fester als an andern Orten getroffen, und ich glaube, dass diese Eigenschaft der Einwirkung der mäch- tigen, am Chempele und bei Fongara eingekeilten Trachytmassen zugeschrieben werden muss, welche durch ihre Hitze eine Caleination der mergeligen Kalke eingeleitet und einen der Erhärtung des Cements analogen Process bewirkt haben dürften. Mit dem oben erwähnten neuesten Auftreten schiefriger. oder dünnschichtiger Gesteine macht sich auch ein Wechsel der Farbe und petrographischen Constitution geltend. Es erscheint die rothe Farbe und mit ihr ein Übergang, oder wenigstens eine Neigung zur Sandsteinbildung oder zu rothen Mergeln, gerade so wie sie im tieferen Niveau beim bunten Sandstein schon da gewesen ist. Diese schief- rigen, rothen, sandsteinähnlichen Gebilde nehmen überall an den Gehängen, auf eine Mächtigkeit von etwa 20 Meter, ihre Stelle über den gelb gefärbten Schichten des Muschelkalkes ein. Den Schluss dieses so vielfach über einander geschichteten, im Allgemeinen aber aus so wenig verschiedenartigem Material aufge- bauten Schichtensystems macht noch ein heller, gelblicher oder blaulichgrauer, bisweilen glimmerreicher, fester mergeliger, dünn- schichtiger Kalk von etwa 7 Meter Mächtigkeit. Hiermit schliessen die triassischen Gebilde, und überall, wo diese zuletzt genannten Schichten vorhanden sind, werden sie von gelblichen Dolomiten, weissen oder röthlichweissen Kalken bedeckt, deren Reinheit und Durchscheinenheit sie sofort als alpinisch-jurassisch bezeichnen. der Gegend von Recoaro im Vicentinischen. A95 Da eine detaillirte Aufzählung der Schichten eines Profils keinen bequemen Überblick gewährt, und ein soleher nur durch Autopsie richtig erfasst werden kann, so will ich in gedrängter Form den Bau dieser Schichtenreihe wiederholen, und dabei auf die Ansichten ein- sehen, welche von italienischen Geologen aufgestellt worden sind. Wirft man von einem erhabenen Puncte aus — als welcher der das Leogra- und Agnothal trennende Bergrücken, als einen voll- ständigen Überblick über das ganze triassische Territorium gewäh- rend, am geeignetsten erscheint — einen Blick auf die hohen, den Horizont begrenzenden Bergketten, so wird man von einer auffallen- den regelmässigen Vertheilung der Farben an den Gehängen über- rascht. Die Gipfel der Berge erscheinen hellgrau und zackig, dar- unter zieht sich horizontal an den Gehängen hin ein rothes Band, tiefer ein graues, welches wieder durch einen rothen Streifen von dem eultivirten Fusse der Gebirge und der Thalsohle gesondert ist. Die oberste Farbe gehört dem Jura-, die unterste dem Schiefer- gebirge, und die drei dazwischen liegenden repräsentiren die Trias. Durch diese Farbenzeichnung wird der Name Trias auch hier einiger- massen gerechtfertigt und eine Analogie mit der ausseralpinischen _ Trias vermittelt. Es zeigt sich nun, dass die mittlere, den Muschel- kalk repräsentirende Abtheilung an Breite und Mächtigkeit, durch die ausserordentliche Entwickelung der gelben Mergel, die beiden rothen Streifen oder die den bunten Sandstein und Keuper a tirenden Farben um etwas übertrifft. Behalten wir diesen Totaleindruck bei einer Betrachtung des Profils bei, so werden wir auch hier den Hauptcharakter leichter excerpiren können. Bei Ausschliessung des Gypses, als eines Gebirgsgliedes von untergeordnetem Range, redueiren sich sämmtliche vorkommende Gesteinsvarietäten auf Sandstein, keuperähnliche Mergel oder Röth und dolomitische Kalke oder feste Mergel von gelber Färbung. Auch in Deutschland charakterisirt sich die Trias im Allgemeinen als ein soleher Wechsel, und die Keuperformation kann füglich als eine Wiederholung des bunten Sandsteins betrachtet werden. Im Vicentinischen sehen wir nun die Trias mit echtem bunten Sandstein erscheinen; derselbe beginnt mit einer schwachen Con- glomeratschicht, auf welche Sandsteine mit triassischen Pflanzen- resten folgen, und welche nach Farbe und Korn einem ähnlichen A96 Schauroth. Übersicht der geognostischen Verhältnisse Wechsel wie in Deutschland unterworfen sind; auch die rothen Thone, der thyring’sche Röth, fehlt nieht. Diese untersten Schichten hat man für Steinkohlengebirge, auch für Rothliegendes angesprochen, und @Gres del carbon fossile, metassite, arenaria antica, arenaria rossa antica und primo gres rosso (Maraschini) genannt. Über diesen Sandsteinen beginnen die festen Mergel oder dolomitischen Kalksteine, oft noch stark mit Sandsteinmasse. oder glimmerreichem Röth vermengt. Durch diese Gesteine wird der Übergang zu dem folgenden Muschelkalk vermittelt. Die zuerst auftretenden mächtigen, festen, mergeligen, bisweilen oolithischen Kalkschichten hat man dem Zechsteine äquivalent erachtet und Calca- rea alpina, calcare alpino, prima calcarea grigia (Maraschini) bezeichnet. Unter dem letzteren Ausdrucke verstand Maraschini das untere Niveau dieser Schichten; das obere, in welehem rothe sandige Schiefer mit festen mergeligen Kalken wechseln, und der Gyps auftritt, nannte er secondo gres rosso, von Andern wird es auch als gres screziato und arenaria variegata bezeichnet. Wollen wir die drei Hauptabtheilungen der Trias auch für die hiesigen Verhältnisse beibehalten, so wären wir jetzt an der oberen Grenze des bunten Sandsteins angekommen. Mit dem Erscheinen reinerer, versteinerungsreicher Kalksteine mit spärlichen mergeligen Thonschichten beginnt nun der Muschel- kalk. Diese versteinerungsreichen Kalke mit einigen mächtigen, knotigen und dem deutschen Wellenkalke ähnlichen, auch mit Schlangenwülsten und Hornsteinausscheidungen versehenen Bänke bedeckt noch ein mächtiges System von dünnschichtigen Kalken, welche oft in Handstücken von dem oberen Muschelkalke Deutschlands nicht zu unterscheiden sind. Bis hieher rechnet Maraschini seine seconda calcarea grigia, welche die Italiener auch als calcare conchigliare oder als Muschelkalk anführen. Wollen wir noch Etwas für den Keuper übrig behalten, so müssen wir hier unsern Muschelkalk aufhören lassen. Die obersten der genannten Kalkplatten nehmen Sand und rothe Mergelmasse auf, werden glimmerreich und schiefrig und wieder- holen bald die rothen Gesteine der unteren Abtheilung, ohne jedoch reine Sandsteine zu bilden. Maraschini beschreibt diese Schichten als terzo gres rosso, und hielt sie für ein Äquivalent des Quadersand- steins; allein die ganze oberste Abtheilung, an deren Schluss noch der Gegend von Recoaro im Vieentinischen. A9Y einmal gelbe oder graue feste Kalkplatten erscheinen, bildet den Theil eines abgeschlossenen Ganzen und steht gewissen Schichten der unteren Abtheilung so nahe, dass sie zum Theil ihre Stelle gegenseitig vertauschen könnten, ohne dass wir dadurch eine wesent- liche Änderung im Profile bemerken würden. Die Frage, ob wir es hier überhaupt mit Keuper zu thun haben, lässt sich leicht beantworten, wenn wir in den rothen, sandigen, versteinerungsleeren Mergeln ein Äquivalent der Keuperformation finden wollen; allein auf diese Weise haben wir nur vom petrogra- phischen Standpunkte aus einen kleinen Theil des Materials der Keuperformation nachgewiesen; und berücksichtigen wir, dass von Sandsteinen, wie sie über dem Muschelkalke in Deutschland vor- kommen, von den so leicht zu erkennenden Sandsteinen der Letten- kohle, dem ihnen ähnlichen unteren Keupersandsteine, von dem durch seine Neigung zur Thonquarzbildung charakterisirten mittleren Keupersandsteine, von dem grobkörnigen oberen Keupersandsteine, von Gypsablagerungen und grauen thonigen Mergelschichten, sowie endlich von organischen Überresten keine Spur vorhanden ist, und die vorhandenen oberen rothen Mergelschichten in ihrem petrogra- phischen Habitus den unteren zum Verwechseln ähnlich sind: so müssen wir zu dem Schlusse gelangen, dass eben die Trias in den Alpen mit einer eigenthümlichen, jedoch keineswegs befremdenden Facies ausgebildet ist, an welcher die einzelnen in Deutschland und Frankreich hervortretenden Züge um so weniger ausgeprägt sind, je weiter wir uns von jenen Gegenden, in welchen die Gebilde als normale bezeichnet worden sind, in südlicher Richtung ent- fernen. Über die bei Recoaro vorkommenden Trias- Versteinerungen haben Catullo, v. Buch und Girard einige Nachrichten gegeben; allein dieselben beschränken sich theilweise auf die wenigen, an einigen bekannten Fundorten gesammelten, kaum ein Dutzend betra- genden häufigsten Arten, theils sind sie mit Unsicherheit oder falschen Namen aufgeführt, so dass ein Überbliek über den wahren paläontologischen Charakter jener Schichten aus ihnen nicht entnom- men werden kann. Ich will daher jetzt alle im Gebiete unserer Karte von mir gesammelten und sorgfältig untersuchten triassischen Versteinerungen mit Berücksichtigung ihres Vorkommens und ihrer nothwendigsten Synonymen aufzählen. | A9Ss Schauroth. Übersicht der geognostischen Verhältnisse A. Pflanzen Es ist bereits erwähnt worden, dass sich im bunten Sandsteine kohlige Schichten zeigen; allein ich habe diese Pflanzenreste fast durchgängig zu undeutlich gefunden, um sie benennen zu können. Nur im Val Prak bei Recoaro in einem Sandsteine, welehen die Italiener arenarea antica bezeichnen, kommen deutliche Coniferen- reste vor, welche ich zu den Abietineen rechne. Dieselben sind, so viel ich weiss, noch nieht bekannt, und ich will sie daher hier, zu Ehren des Professors Massalongo zu Verona, welcher sich um die fossile und lebende Pflanzenwelt des Vicentinischen grosses Verdienst erworben hat, als Palissya Massalongi beschreiben. 1. Palissya Massalongi m., n. sp. Taf. I, Fig. 1. Die Blätter dieser Art stehen nach zwei Seiten gewendet; sie sind schmal linealisch, etwas sichelförmig abwärts gebogen, einnervig, am Ende zugerundet, unten mit einer Kante, oben mit einer Furche versehen, und sitzen, wie an einigen Exemplaren zu erkennen ist, mit ihrer ganzen dreieckigen Basis auf einem etwas erhöhten, den Stängel zur Hälfte umfassenden, am Rande etwas erhabenen Polster. Diese Form erinnert zuvörderst an die endständigen Blätter der Voltzia heterophylla; allein die zweizeilige Anordnung, die meist sichelförmige Biegung und die zugerundete Form der Enden der schlanken Blätter, sowie die Abwesenheit kürzerer, anders gestalteter, die Voltzia heterophylla bezeichnender Blätter an Exemplaren dieser Art unterscheidet sie hinreichend von jener. Von der im Lias der Theta bei Baireuth vorkommenden Palissya Braunü Endl., der einzigen bis jetzt bekannten Art, weicht sie hauptsächlich durch die Zurundung der Blattspitzen ab. Noch mehr Ähnlichkeit zeigt diese Pflanze mit Chondrites Targionü und Ch. aequalis; allein das Alter des Sandsteins und die Dicke, Zeichnung und Form der schmalen Blätter, sowie der holzige Stamm sprechen gegen die Vereinigung mit den Algen und für die Verwandtschaft mit den Nadelhölzern. 2. Voltzia heterophylla Brong., var. brevifolia. Diese Pflanze habe ich bisweilen in dem knotigen Muschelkalke am rechten Gehänge des Agno und im Val del Rotolone angetroffen; auch bei Rovegliana kommt sie vor, von welcher Loealität sie Catullo der Gegend von Recoaro im Vicentinischen. A99 als Cistosevritis nutans (?) Sternb. in den Nuovi annali d. sec. nat. di Bologna, 1846, Tab. IV, Fig. 6 beschrieb und abbildete. Die Exemplare, welche ich gefunden habe, gleichen jenen von Schimperu.Mougeot in ihrer Monographie d. plant. fossil. ete. auf den Taf. VI bis IX gegebenen Abbildungen, oder den Varietäten mit kürzeren, eiförmigen, lanzetförmigen, meist aber konischen, an der Spitze eingekrümmten Blättern; die langblättrige Varietät habe ich nicht bemerkt. Diagnose und Abbildungen stecken dieser Art weite Grenzen, so dass ich mich gezwungen sehe, unsere Pflanzen- reste der Trias hier einzureihen; allein ich kann nicht verhehlen, dass ich sie ohne Kenntniss der V. heterophylla wohl zu Ullmannia gestellt haben würde, da die dicht beisammen stehenden, dicken, wenig spitzen, der Länge nach feingestreiften Blätter jenen von Ullmannia Bronni sehr nahe stehen. Nur deutliche Exemplare können weite- ren Aufschluss über diese muthmassliche Verwandtschaft mit Ul- mannia geben. B. Thiere I. POLYPEN. 3. Chaetetes Recubariensis m., n. sp. Taf. I, Fig. 2. Der Stock dieser kleinen Koralle ist unregelmässig knollig, frei oder inerustirend. Die Zellen sind polygonal, der Höhe nach durch horizontale Scheidewände getheilt und eng beisammenstehend. Die Zellenmündungen sind polygonal oder rund, stehen regellos nebenein- ander, haben glatte Ränder und zeigen nur gelegentlich kleine Knöt- chen in den Winkeln, wo mehre Zellen zusammentreffen; bisweilen lassen sie auch kleine dreieckige freie Räume zwischen sich. Diese Koralle steht der Calamopora Cnemidium Klipsteins aus den St. Cassianschichten sehr nahe, unterscheidet sich von ihr aber dadurch, dass sie nie die jener eigene Form von Onemidium annimmt. Im äusseren Habitus gleicht sie auch Geinitzens Alveolites Producti aus dem Zechsteine. An der Koralle des Muschelkalkes lässt sich wegen der festen Beschaffenheit der Gesteinsmasse zwar nicht viel von der innern Structur sehen, doch habe ich an einem auf Spirifer fragilis sitzenden Exemplare Scheidewände, nie aber Sternlamellen oder Durchbohrungen beobachtet. 5 0 0 Schauroth. Übersicht der geognostischen Verhältnisse Diese Koralle kommt ziemlich. häufig bei Recoaro, besonders im Val del Rotolone, in der Trigonellenschicht vor. Dieses Vorkom- mens wegen habe ich sie als Chaetetes Recubariensis angeführt. 4. Montlivaltia triasina Dunker. Taf. I, Fig. 3. Das Vorkommen einer triassischen Sternkoralle erwähnt zuerst Dunker aus dem Muschelkalke von Mikulschütz und Gleiwitz in Schlesien; später hat auch Emm erich, wie mir derselbe mittheilte, in der unteren Terebratelbank des Muschelkalks von Meiningen eine echte Sternkoralle gefunden. Von Montlivatia triasina habe ich ein einziges Exemplar in der Trigonellenschicht von Rotolone gefunden ; obgleich dasselbe nur zur Hälfte blossgelegt ist und keinen weiteren Aufschluss äls die schlesischen, gleichfalls nicht vollständig erhal- tenen Exemplare gibt, habe ich doch für gut gehalten, dasselbe abzubilden. II. STACHELHÄUTER. 5. Meloerinus triasinus m., n. sp. Taf. 1, Fig. 4. In den Schiehten mit Dadocrinus gracilis und Gervilleia Albertii findet man bisweilen kleine eylindrische Formen von etwa 1 Millimeter Durchmesser, welche an ihrer Peripherie durch hoch wellenförmig gebogene Linien der Länge nach in einzelne, an Höhe ihren Durchmesser nicht erreichende Glieder getheilt erscheinen. Ich war so glücklich, zwei solcher Ärmehen an einem Bruchstücke eines aus Täfelehen zusammengesetzt gewesenen sphäroidischen Körpers angewachsen zu finden, und dadurch wenigstens so viel Auf- schluss zu erhalten, dass diese gegliederten Formen Arme eines Krinoidenkörpers sind, welcher seiner Form nach dem Goldfuss’- schen Geschlechte Melocrinus beizuzählen sein dürfte. Es bedarf übrigens noch vollständigerer Exemplare, um mit Gewissheit behaup- ten zu können, dass dieses bisher nur bis in das Kohlengebirge reichende Geschlecht auch in der Trias vertreten sei. 6. Encrinus liliiformis Lam. Goldf. Petref. I, pag. 177, Taf. 54. Stielglieder dieser weit verbreiteten Art sind hier im Muschel- kalke in verschiedenen Höhen nicht selten, aber nicht so häufig wie ausser den Alpen. der Gegend von Recoaro im Vieentinischen. 501 7. Pentacrinus (?) dubius Goldf. Goldf. Petref. I, pag. 176, Taf. 53, Fig. 6; bei Catullo, 1. e. Pentacrinites scalaris, Taf. 3, Fig. 1. Einzelne Stielglieder dieser zweifelhaften Art habe ich auch bei Recoaro, z. B. im Muschelkalke von Rovegliana, gefunden. 8. Encrinus pentactinus Bronn. Taf. I, Fig. 5. Jahrbuch für Mineralogie, 1837, pag. 30, Taf. 2. In der Trigonellenschichte im Val del Rotolone bei Recoaro habe ich einzelne Stielglieder und Säulenstückcehen von etwas über ein Millimeter Durchmesser gefunden. Diese Säulchen zeigen aussen fünf gerundete, durch die Gliederung etwas knotig erscheinende Stäbe mit etwas flacheren dazwischen liegenden Furchen oder Hohl- kehlen. Die einzelnen Glieder sind weniger hoch als breit. Die Gelenkflächen sind so geformt, dass in den fünf die äusseren Stäbe bildenden Winkeln etwas erhöhte runde Knöpfe stehen, welche sich der gleichfalls etwas hervorstehe den Mitte anschliessen; jedes Blatt oder jeder Strahl des so enstiehenden Sternes ist auf jeder Seite mit etwa fünf Kerben versehen; die Flächen des Raumes zwischen den Strahlen liegen ein wenig tiefer. Einige mehr fünfseitige Exem lare haben die Erhabenheiten auf den Gelenkflächen weniger deutlich und erscheinen selbst oben mit undeutlicher Zeichnung der Blätter, so dass Übergänge zur vorigen Art oder Form entstehen. Obgleich die vorliegenden Exemplare von der Bronn’schen Abbildung darin abweichen, dass die Sculptur der Gelenkflächen kräftiger hervortritt und ein regelrechter Grössenunterschied unter den einzelnen beisammenstehenden Säulengliedern nicht zu bemerken ist, so glaube ich doch, dass sie hierher gerechnet werden müssen. Die Abbildung gibt das von der Bronn’schen Zeichnung am meisten abweichende Exemplar; andere stehen ihr viel näher; alle sind übrigens mit einem engen, runden, centralen Canal versehen. Im Muschelkalke des Tretto fand ich auch ein vierseitiges Säulenstückehen. Solche vierkantige Crinitensäulen bildete Catullo in den „Nuovi annali di Bologna, 1846,“ Taf. 3, Fig.5 ab, und machte daraus schon im Jahre 182% in seiner Zoologia fossile ein 502 Schauroth. Übersicht der geognostischen Verhältnisse neues Geschlecht, welches er Tefracrinites nannte. Schon früher sprach sieh Bronn dahin aus, dass diese vierkantigen Säulen nur als Monstrositäten zu betrachten seien, was Catullo widersprach, in der neuesten Auflage der Lethäa aber wiederholt wird. Das vor- liegende Exemplar zeigt keine Gelenkflächen, sondern den Bruch des Kalkspaths mit einem kleinen, runden, dunkelgefärbten Punkte in der Mitte (Canal), ganz wie bei Stielgliedern von Enerinus lilüformis; der Querschnitt dieses Säulenstückehens ist nicht rein quadratisch und die 5—6 Millim. messenden Seiten sind nach aussen etwas convex. Ich schliesse mich hier der Bronn’schen Ansicht an, halte diese Tetracriniten für Monstrositäten und rechne das vorliegende Exemplar seines grossen Durchmessers wegen zu E. liliiformis. 9. Dadoerinus gracilis Buch, sp. Palaeontogr. Bd. I, pag. 267, Taf. 31, Fig. 2; bei Catullo Pentacrinites subteres in den Nuovi annali di Bologna 1846, Taf. 3, Fig. 3. Solche Stielglieder und schlanke Säulenstücke finden sich in grosser Anzahl im Niveau der @Gervslleia Albertü. Diese Reste liegen hier meistens dicht in einer Lage angehäuft, so dass man an Handstücken gewöhnlich die eine Seite mit Bruchstücken dieser Art, die andere Seite mit Gervilleia Albertiü, Pecten discites, Euspira gregaria und anderen dieses Niveau bezeichnenden Couchylien, über welche sich gelegentlich die bekannten Schlangenwülste hinziehen, bedeckt sieht. Als die reichste Fundstätte dieser Art habe ich den Muschel- kalk bei Rovegliana kennen gelernt. 10. Cidaris sp.? Dass im alpinischen Muschelkalke auch Cidariten vorkommen, beweist eine kleine Warze, welche ich in der Trigonellenschichte von Rotolone gefunden habe. Diese Warze zeigt in der Mitte ein kleines kugelförmiges Gelenkknöpfehen, welches mit einem Kreise von Körnchen umgeben ist. Hiermit wird wohl die Anwesenheit. dieses Geschlechtes dargethan; über die Art, welcher dieser Schalen- rest angehöre, bleiben wir aber in Ungewissheit; doch vermuthe ich, dass sie eher der Cidaris transversa als Cidaris grandaevus angehören möge. der Gegend von Recoaro im Vicentinischen. 503 III. ANNELIDEN. 11. Spirorbis Valvata Goldf., sp. Goldf. Petref. I, pag. 225, Taf. 67, Fig. 4. Individuen dieser Art sitzen häufig auf anderen Conchylien, besonders auf Terebratula vulgaris und Spirigera trigonella, in den verschiedenen Versteinerungen führenden Schichten des Muschel- kalkes, z. B. bei Rovegliana. Von den Thyring'schen Exemplaren unterscheiden sich diese durch etwas geringere Grösse. IV. MUSCHELTHIERE. a. Braehiopoden. 12. Terebratula vulgaris Schloth. Schlotheim’s Petrefaetenkunde, pag. 275, Taf. 37, Fig. 5—9. Diese Terebratel geniesst überall in verticaler und horizontaler Richtung die weiteste Verbreitung. Sehr häufig und in allen von v. Schlotheim gegebenen Formen begegnen wir ihr zuerst in den tieferen Muschelkalklagen bis in die höchsten Schichten, welche noch Versteinerungen führen. Wie so viele in grosser Menge vorkommende Conchylien zeigt diese Art eine grosse Veränderlichkeit ihrer Form. Viele dieser Varietäten hat Schlotheim in seinen Beiträgen zur Petrefacten- kunde gut abgebildet. Auch die beiden folgenden Arten schliessen sich durch Übergangsformen der T. vulgaris so eng an, dass man, besonders wenn Exemplare von verschiedenen Fundorten zum Ver- gleichen zu Gebote stehen, sich leicht davon überzeugen dürfte, dass auch diese Formen füglich als Varietäten der 7. vulgaris betrachtet ' werden können. Rücksichtlich der Grösse sind dieser Art ebenfalls weite Grenzen gesteckt; im Coburg’schen Muschelkalke kommen sehr grosse Individuen vor (Dr. Berger daselbst besitzt ein Exem- plar von 45 Millim. Breite) und Terebratula macrocephala Catullo's aus dem Muschelkalke im Cadorino (nuovi annali di Bologna, 1846, Taf. 1, Fig. 5) dürfte nur ein grosses, so wie dessen T. amygdala (l.e. Taf. A, Fig. 2) ein verlängertes Individuum von T. vulgaris sein. Manche Exemplare sind durch radiale farbige Linien oder flacheKanten ausgezeichnet, welche v. Buch als Schlotheim’s Terebratulites radiatus erwähnt, aber von Scehlotheim in seiner Petrefaeten- kunde p. 285 aus dem Jurakalke eitirt werden. Sitzb. d. mathem.-naturw. Cl. XVII. Bd. III. Hft, 33 504 Schauroth. Übersicht der geognostischen Verhältnisse 13. Terebratula angusta Schloth. v. Schlotheim’s Petrefaetenkunde, pag. 285; Dunker in Palaeontograph. Vol. I, pag. 285, Taf. 34, Fig. 1. Hierher gehörige Formen findet man nicht selten in der Tri- gonellenschicht von Recoaro und Rotolone. Auch im Muschelkalke in Coburg finden sich, besonders in der oberen Terebratelschicht, Individuen mit schärferem Rücken, mit einer vom Wirbel der kleine- ren Schale ausgehenden Furche und einer Bucht in der Linie des vorderen Schalenrandes, welche Übergänge zur ausgesprochenen Form der T. angusta bilden. Wenn Terebratula vulgarıs die mehr flachen und furchen- losen Individuen mit ziemlich rundem Umrisse der Schalen ver- einigt, so bildet die folgende Form durch ihre Aufgetriebenheit und durch die wohlausgeprägten Furchen den Gegensatz zu dieser, und T. angusta steht in Bezug auf diese Eigenschaften in der Mitte. 14. Terebratula suleifera m., n. sp. Taf. I, Fig. 6. Diese Terebratel hat eine aufgeblasene, der Terebratula sufflata des Zechsteines ähnliche, etwas kugelige Gestalt, aus welcher der schön gewölbte, mit dem runden Loche versehene Schnabel der grossen Schale über die kleine Schale hinabreicht, so: dass nur ein geringer Zwischenraum zwischen dem Schnabel der ersteren und dem Wirbel der letzteren bleibt. Beide Schalen sind, ausser gelegentlichen feinen Zuwachsstreifen, glatt und durch _ eine wohlausgeprägte schmale Rinne ausgezeichnet, welche. vom Wirbel und vom Schnabelloche an in gleicher Breite über die Mitte der Schalen bis an den gegenüberliegenden Rand sich erstrecken. Während T. angusta eine weniger gewölbte kleine Schale ' mit einer vom Wirbel ausgehenden Furche und eine hohe, fast gekielte grosse Schale mit eingekrümmtem Schnabel hat, zeichnet sich diese Form durch mehr Aufgetriebenheit und die Rinne auf beiden Scha- len aus. Das hier abgebildete Exemplar misst 6 Millim. Übrigens gibt es auch grössere Individuen, an welchen die Rinne sich verflacht, und ein Übergang zu 7. vulgaris vermittelt wird. Auch lässt sich an manchen scharfrückigen Exemplaren der T. angusta eine feine der Gegend von Recoaro im Vicentinischen. 505 Rinne auf der Firste wahrnehmen, so dass man alle drei Arten in Verwandtschaft treten sieht, und zwar so, dass die letztere der T. angusta näher zu stehen kommt, als diese der T. vulgaris. Da diese beiden Extreme und 7. angusta als Übergangsform nicht vereinzelt stehende, sondern constante Formen bilden, habe ich vorgezogen, sie als Arten aufzuführen, und es einem Jeden zu überlassen, die beiden letzten Arten als solche oder als Varietäten zu betrachten. Über Catullo’s Spirifer integrus, den Girard im Neuen Jahrbuche für Mineralogie ete.1843, p. 474 als Terebratula integra anführt, kann ich aus Autopsie kein Urtheil fällen, kann aber nicht unterlassen, die Vermuthung auszusprechen , dass sie eine Varietät der Terebratula vulgaris sei. 15. Terebratula deeurtata Girard. Girard im Jahrb. für Min. 1843, pag. 474, Taf. 2, Fig. A. Diese Terebratel beschreibt Girard am bezeichneten Orte und erwähnt ihr Vorkommen von Tarnowitz in Schlesien und von Rovegliana; allein ich habe sie in unserem Terrain nicht finden können. 16. Spirigera trigonella Schloth., sp. Taf. 1, Fig. 7. Terebratulites trigonellus aus der Friedriehsgrube von Tarnowitz in Schlot- heim's Petrefactenkunde pag. 271. Terebratula aculeata, Catullo, Saggio di Zoologia fossile, pag. 129, Taf. 1, Fig. B und b; dessgl. in Nuovi annali delle seienze natur. di Bologna. Fasc. di Febraio 1846, Taf. 1, Fig. 6 a, b, e. Terebratula trigonella, Catullo am eitirten Orte, Taf. 1, Fig. 7 a, b, e. en bicostata, Catullo 1. e. Taf. 1, Fig. A, 1; und Catal. d. sp. org. foss. d. alpi venete, 1842. = trigonelloides Strombeck; v. Strombeck in der Zeitschrift der deutschen geologischen Gesellschaft, Band 2, pag. 186. Diese Form und eine sehr ähnliche aus dem Jura hat von Schlotheim als Terebratulites trigonellus zusammengeworfen. Auf diese Weise sind sie als eine Art betrachtet worden, bis von Strombeck an dem bereits angeführten Orte nachgewiesen hat, dass sich die Form des Muschelkalks durch verhältnissmässige grös- sere Breite und stumpferen Winkel am Schnabel von jener der Jura- formation unterscheidet. Wenn schon die äussere Gestalt die Richtig- keit der von Strombeck'schen Ansicht verbürgt, so wird dieselbe durch die Verschiedenheit der inneren Einrichtung der Schalen noch 33* ’ & - . . „ . 506 Scehauroth. Übersicht der geognostischen Verhältnisse bestätigt. Schon von Strombeck führt an, dass an jeder Seite der grossen Schale sich ein in die kleine Schale eingreifender Zahn be- finde; ausserdem stehen aber auch in der grossen Schale zwei Dental- platten, welche, vom Loche anfangend, eine in jede der mittleren Furchen, die den äusseren Rippen entsprechen, auf kurze Entfernung sich gegen den andern Rand hin erstrecken. Wenn nun von Strom- beck nichts von einem Gerüste entdecken konnte, so war ich so glücklich, bei Recoaro zwei Exemplare zu finden, an welchen zwei von der Mitte nach rechts und links konisch sich verjüngernde, aus 8 Windungen bestehende Spiralen deutlich zu unterscheiden sind. Hierdurch erfahren wir, dass unsere Muschel zu den Spiriferiden und zwar zu dem von d’Orbigny aufgestellten Geschlechte Sperigera gehört. | Der von v. Strombeck gegebenen ausführlichen Beschreibung dieser Art babe ich nur noch hinzuzufügen, dass das Loch in der Ventralschale durch ein Deltidium von der kleineren oder Dorsal- schale getrennt ist, wie es der unter a gegebenen Abbildung ent- nommen werden kann. Nach v. Strombeck gehört diese Art im nordwestlichen Deutschland den mittleren Lagen der mittleren Abtheilung an. Bei Tarnowitz liegt sie in den untersten Schichten des Muschelkalkes, dem über dem bunten Sandsteine liegenden Sohlensteine, und bei Recoaro charakterisirt sie ebenfalls die unteren Muschelkalklagen; wesshalb ihr also eine nieht unbedeutende verticale Verbreitung zukommt. 17. Spirifer fragilis Schloth., sp. Delthyris fragilis, Zenker im Jahrbuche für Mineral. 1834, Taf. 5, Fig.1—4, p- 391. Diese Art erscheint fast überall als Begleiter der Spirigera trigonella, aber nicht gleich häufig; am häufigsten im Val del Rotolone in den schon mehrfach erwähnten Schichten, wo sie gewöhnlich auf unebenen Platten zur Hälfte durch die Atmosphärilien frei gelegt, in allen Alterstufen von 2—20 Millim. Breite zu beobachten ist. Erwachsene Individuen lassen an der Bauchschale oder grösseren Klappe 14 Rippen zählen, während jüngere nicht so reich an Rippen sind und ihre Zahl sich nur auf 6, 8 oder 10 beläuft. Solche kleinere Individuen können, wenn die flachen Flügel noch im Gestein verborgen der Gegend von Recoaro im Vicentinischen. 507 sind, wo dann auch der gerade Schlossrand der Muschel verschwindet, leicht mit Terebratula decurtata. Gir. verwechselt werden; diese letztere Art habe ich jedoch hier nicht finden können. 18. Spirifer Mentzeli Dkr. Taf. I, Fig. 8. Dunker in Palaeontographiea, Bd. 1, pag. 287, Taf. 34, Fig. 17, 18, 19. Von dieser Muschel erhielt Dunker fünf nicht wohl erhaltene, zum Theil in verkieseltem Zustande befindliche Exemplare aus dem Muschelkalke von Tarnowitz. Auch beiRecoaro habe ich in der Trigo- nellenbank drei Exemplare dieser Art gefunden, welche zum Theil die Dunker’sche Beschreibung vervollständigen können. Das eine dieser Exemplare misst 6 Millim., die beiden andern messen 17 Millim. in der Breite; die Länge der letzteren beträgt 10 Millim. Am besten wird die Form der Muschel durch Fig. 17 der Dunker’schen Abbil- dungen veranschaulicht. In Rücksicht auf den inneren Bau der Schale lässt sich aus den vorliegenden Exemplaren entnehmen, dass von der dreiseitigen Öffnung der grossen Schale aus zu jeder Seite eine Platte gegen den Rücken der Schale sich erstreckt, und diese dort mit einer von der Spitze des Schnabels anfangenden und bis zur Mitte des Rückens fortsetzenden Medianplatte zusammentreffen; eine ähnliche aber minder erhabene Verstärkung kommt der kleinen Schale zu, so dass, wenn man das Geschlecht dieser Muschel genau bestimmen wollte, sie zu Martinia M’ Coy's gerechnet werden müsste. Dieses jedoch noch nicht hinreichend präeisirte Geschlecht bildet gleichsam einen Übergang von Spirifer zu Atrypa oder Athyris, indem es mit dem ersteren Form der Area und Spaltöffoung, mit dem letzteren allgemeine Form des Umrisses gemein hat, aber sich von ihm durch den nicht durehbohrten Schnabel unterscheidet. Ein anderes, noch nicht beachtetes Merkmal, welches diese Art vorzugsweise charakterisirt, sehen wir in der äusseren Bekleidung der Klappen, welche nämlich mit dicht stehenden, haarfeinen, an den grösseren Exemplaren eine Länge von 4 Millimeter erreichenden Stacheln, ähnlich dem Productus punctatus des Bergkalks oder der Martinia Winchiana des Zechsteins besetzt sind; die Stächelchen sind jedoch nur an der Grenze zwischen Schale und Nebengestein, hier aber deutlich zu bemerken. 508 Scehauroth. Übersicht der geognostischen Verhältnisse So lange das Geschlecht, welchem diese Art zugehört, noch nicht mit Sicherheit angegeben werden kann, dürfte es am besten sein, sie bei Spirifer stehen zu lassen. Hierher gehört auch Catullo's Terebratula cassideaD alm. in den Nuovi annali di Bologna, 1846, Taf. IV, Fig. 4 a—f, zum wenig- sten die Figuren «a, b und ec. Über 7. cassidea Dalmann’s konnte ich niehts Näheres erfahren; die Catullo’schen, 2 Arten umfassen- den Abbildungen sind zu undeutlich, auch ist der Dunker’sche Name schon allgemein so bekannt, dass dem Catullo’schen Namen nicht wohl die Priorität zukommen kann. b. Lamellibranchier. 19. Pecten diseites Schloth., sp. Pleuronecetites diseites, v. Schloth. Petref. p. 218, Taf. 35, Fig. 3. Diese an anderen Orten im unteren Muschelkalke häufig erschei- nende Art zeigt sich auch im Vicentinischen nicht selten im Niveau des Dadocrinus gracilis mit Gervilleia Albertü, Dentalium laeve, Terebrateln und andern schon mehrfach angeführten Versteinerungen besonders bei Rovegliana. Sie erreicht nie eine bedeutende Grösse. 20. Lima striata Schloth., sp. Chamites striatus, Schloth. Petref. p. 210, Taf. 34, Fig. 1. Diese Art habe ich bei Rotolone in Begleitung von Spirifer fragilis, Chuaetetes Recubariensis, Terebratula vulgaris ete., also in den unteren Lagen gefunden; auch aus dem Tretto habe ich sie erhalten. 21. Spondylus comtus G oldf. Ostraeites spondyloides, Schloth.Petref. p. 239, Taf. 36, Fig.1. Ostrea comta, Goldf. Petref. II, pag. 4, Taf. 72, Fig. 6. Spondylus comtus, Goldf. Petref. II, pag. 93, Taf. 105, Fig. 1. Mit voriger Art, aber seltener, findet sie sich bei Rotolone und im Tretto. 22. Ostrea sp.? Eine im Tretto gefundene, auf Spondylus comtus aufgewachsene kleine Austerschalemit undulirtem, aufrechtstehendem, scharfem Rande, das einzige mir vorgekommene Exemplar, beweiset, dass hier auch die Austern nicht fehlen. Die Art, welcher diese Schale angehört, lässt sich nicht mit Sicherheit angeben. 0 D .. . der Gegend von Recoaro im Viecentinischen. 509 23. @ervilleia costata Schloth., sp. Mytulites costatus, Sehloth. Petref. pag. 298, Taf. 37, Fig. 2. Diese Art erscheint bisweilen in den unteren Muschelkalklagen mit Schlangenwülsten, Gervilleia Albertü ete. im Tretto und bei Rovegliana. Die hier vorkommenden Exemplare habe ich aber nie von der Grösse gesehen, welche sie in Thüringen erreichen; während dort die enggerippten Varietäten mit 40 und mehr Lamellen vorherr- ‚schen, gehören diese hier zu den Seltenheiten, indem hier gewöhn- lieh 10—12 eoncentrische Lamellen zu zählen sind. Alle Individuen haben auch eine mehr in die Länge gezogene Form. 24. Gervilleia socialis Schloth., sp. Mytulites socialis, Sehlo th. Petref. pag. 294. Taf. 32, Fig. 1. Cfr. Avicula bipartita Mer. in Eseher v. d. Linth’s geol, Bemerkungen über das nördl. Vorarlberg, Taf. 4, Fig. 15—28. Diese Art, welehe mehr den höheren Lagen des Muschelkalks angehört, habe ich im Vicentinischen nur in wenigen deutlichen Exem- plaren gefunden; doch erwähnen sie v. Buch, Catullo und Girard, so dass an deren Anwesenheit nicht zu zweifeln sein dürfte. 25. &ervilleia Albertii Münst., sp. Taf. I, Fig. 1. Avieula Alberti,Münst. in Goldf. Petref. II, pag. 127, Taf. 116, Fig. 9, und Gervillia Albertii, Credner im Jahrbuch für Mineralogie1851, pag. 654, Taf. 6, Fig. 7. Diese Art kommt häufig in den unteren Lagen des Muschel- kalks mit Dadocrinus gracilis vor und erreicht hier eine Länge von höchstens 30 Millimeter. In den grössten Exemplaren erscheimt sie bisweilen etwas gewunden und wird dadurch der @ervilleia socialis ähnlich, so dass ich vermuthe, sie möchte für diese ange- sehen worden sein; auch mit Dunker’s, bis jetzt nur dem Namen nach bekannter Modiola Credneri entwickelt sie, besonders gegen das hintere Ende hin, nicht unbedeutende Ähnlichkeit, und eine rechte, die innere Seite zeigende Schale von Rovegliana lässt weder Schlosszähne noch Ligamentgruben, sondern nur eine dem geraden Schlossrande entlang laufende Rinne erkennen, so dass ich desshalb über das Geschlecht dieser Art zweifeln möchte, und auch schon glaubte, sie sei mit Modiola Credneri zu verbinden; allein an meh- reren mir von Herrn Dr. Berger gefälligst zur Ansicht mitgetheilten 510 Sehauroth. Übersicht der geognostischen Verhältnisse Exemplaren dieser Art konnte ich entnehmen, dass sich Gervilleia Albertii äusserlich von ihr besonders am vorderen Flügel, welcher hier immer spitzer, flacher und grösser ist, so wie durch die mehr ausgebuchte Hinterseite unterscheidet. 26. Posidonomya Clarae Emmrich. Emmrieh im Jahrbuche für Mineral., 1844, pag. 797 und 1849, pag. 441; abgebildet nBronn’s Lethaea, Taf. XI, Fig. 9. Bei Catullo: Posidonomya Bechert Bronn, in Nuovi annali d. se. n. di Bologna, tav. 2, fig. 4; und Posidonomya radiata Goldf., I. c. Taf. 2, Fig. 5. Diese bald über. dem Sandsteine oder dem eigentlichen bunten Sandsteine auftretende Muschel, welche als wahre Leitmuschel von der grössten Wichtigkeit ist, behauptet auch im Vicentinischen überall ihr festes, die ganzen Alpen durchgreifendes Niveau. Hier habe ich sie nicht wohlerhalten gefunden; in Form und Grösse weicht sie von den Exemplaren anderer Localitäten nicht ab. 27. Avicula Albertii Münst., sp. Pecten inaeqguistriatus Münst. in Go ldf. Petref. II, pag. 42, Taf. 89, Fig. 9. Diese Muschel in Begleitung von Terebratula vulgaris, Lima striata, Pecten discites u. s. w. habe ich aus dem Val Serraggere, von Rovegliana und dem Tretto. Sie erreicht hier eine bedeutendere Grösse, als wie ich sie aus Thüringen, Braunschweig und Baden ° kennen gelernt habe; auch lassen diese Exemplare in der Zeichnung der Schalen einige Abweichungen von den Beschreibungen erkennen, welche jedoch lediglich aus dem besseren Erhaltungszustande zu erklären sind. Während nämlich die deutschen Exemplare als mit dichtstehenden, abwechselnd stärkeren Rippen und mit concentrischen Anwachsstreifen am Rande versehen beschrieben worden sind, tritt hier der regelmässige Wechsel von stärkeren und schwächeren Rippen ganz zurück und machen sich die concentrischen Zuwachsstreifen als zierliche, eng gestellte scharfe Leistchen geltend, welche ohne Unterbrechung über die radialen Rippen fortsetzen. Dass die in Rede stehende Form mit der deutschen zu identifieiren sei, unterliegt keinem Zweifel, da die deutschen Exemplare, wenn sie gut erhalten sind, dieselbe Zeichnung erkennen lassen. der Gegend von Recoaro im Vicentinischen. 511 28. Modiola hirudiniformis m., n. sp. Taf. II, Fig. 2. In Begleitung von @ervilleia Albertii und der folgenden Art findet sich häufig eine ähnliche, aber kleinere und weniger constante Form. In Rücksicht ihres gemeinschaftlichen Vorkommens glaubte ich erst, sie für junge Individuen der @. Albertii halten zu müssen; allein, obgleich ich kleine Individuen dieser Art nicht erkannt habe, so fehlen die Grössenübergänge von @. Albertii zu unserer Art, indem die grössten Individuen dieser kleinen Art immer den Charakter der kleinsten Individuen bewahrt haben. Die Horizontalprojection dieser Muschel bildet ein Dreieck, dessen kleinster Winkel 20—30° misst. Dieses Dreieck ist in der Weise modifieirt, dass der am vorderen Ende der geraden Schloss- linie liegende Winkel oder die vordere Spitze zugerundet, bei einiger Verdeckung der Basis selbst abgestutzt ist und der Winkel, welchen der Bauchrand und der hintere Rand machen, in schönem hohen ‚Bogen zugerundet erscheint. Es erheben sich daher die Klappen von der Spitze an sehr schnell in einem dem Bauchrande parallelen, hohen und schmalen Rücken, welcher durch einen tiefliegenden, flachen, breiten Flügel mit dem Schlossrande in Verbindung tritt und etwa am Ende des ersten Drittels, vom Wirbel an, seine grösste Höhe erreicht. Die Schale ist aussen glatt, indem feine concentrische Linien oder Anwachsstreifen, wie an einigen Stellen der besseren Exemplare zu sehen ist, durch die Atmosphärilien verwischt sind; stärkere Wachsthumsstufen sind selten. Bei der Verwitterung macht sich bisweilen eine radialfaserige Structur der Schale bemerkbar, aber nie so charakteristisch, wie bei der folgenden Art. Da der flache Flügel meist durch die Gesteinsmasse verdeckt ist, so bleibt gewöhnlich nur der gerundete, lange, schmale Rücken sichtbar, so dass diese Form wie ein kleiner egelähnlicher, auf dem Gesteine liegender Wulst erscheint und daher nicht unpassend als hirudiniformis bezeichnet werden dürfte. Manche Individuen sind aber wirklien sehr schmal und dann der Modiola Credneri ähnlich, von welcher sie sich aber durch gewundeneren und höherenRücken unter- scheiden; die folgende Art hingegen ist immer aufgetriebener und breiter. Da sich an keinem dieser Exemplare der Schlossbau beobachten liess, so konnte ich natürlich nur nach der äusseren Form auf das 5 1 2 Sehauroth. Übersicht der geognostischen Verhältnisse Geschlecht dieser Muschel schliessen. Dass ich sie nicht zu den ähnlichen Formen von Gervilleia gestellt habe, dazu veranlasste mich die am vorderen Rande sich schnell erhebende Schale, die nicht ausgebuchtete hintere Seite, welcher zufolge die Zuwachsstreifen sich am Schlossrande nicht nach hinten wenden, und die gleiche oder doch fast gleiche Form der beiden Klappen. 29. Modiola substriata m., n. sp. Taf. II, Fig. 3. Im Trigonellenkalke bei Recoaro habe ich auch noch zwei nicht ganz frei liegende Exemplare einer Modiola gefunden. Der Umriss dieser Muscheln ist überall zugerundet, in die Länge gezogen eiförmig, der Bauchrand ist concav-geschwungen, der hintere Rand zugerundet, der Schlossrand wenig gerade und der vordere Rand oder die Wirbelgegend ebenso zugerundet wie der hintere, aber schmäler. Die Wirbel liegen fast ganz in der Spitze und sind wenig bemerkbar. Die ganze Muschel ist etwas gewölbt und aufgetrieben. Die Oberfläche ist etwas rauh (vielleicht nur durch die Verwitterung), mit wenigen Zuwachsstufen versehen, unter der Loupe aber erscheint sie mit feinen concentrischen und feinen radialen Linien geziert, welche letztere mit der Struetur der Schale im Zusammenhange stehen, bei der Verwitterung, besonders auf dem Rücken, deutlich hervortreten und sehr bezeichnend sind. Dr. Berger, welcher meine von Recoaro mitgebrachten Gegenstände öfters zu sehen Gelegenheit hatte, zeigte mir auch einige Exemplare aus dem Muschelkalke von Coburg, welche jeden- falls hierher zu rechnen sind. 30. Pleurophorus 6oldfussi Dkr., sp. Taf. IL, Fig. A. Modiola Goldfussi, Dunker’s Schulprogramm, Cassel 1849, pag. 11, und Palaeontographica, Bd. I, pag. 297. Modiola Gastrochaena, Dunker in: Arbeiten der schlesischen Gesellsch. für vaterl. Cultur, 1849, pag. 72, und Palaeontographica, Vol. I, pag. 296, Taf. 35, Fig. 13. Myophoria modiolina, Dunker’s Schulprogramm, 1849, pag. 15. Modiola Thilaui, v. Strombeck in der Zeitschrift der deutsch. geol. Gesellsch. Vol. II, pag. 90, Taf. 5, Fig. 1 und 2 (z. Th.?). Cfr. Cardinia sp.? in Escher v.d. Linth’s geolog. Bemerk. über das nördl. Vorarlberg, Taf. 4, Fig. 34—37. der Gegend von Recoaro im Vicentinischen. 513 Durch die Güte Herrn v. Strombeck’s war es mir vergönnt, . die Originale, nach welchen derselbe diese Muschel beschrieben hat, zu sehen. v. Strombeck führt schon an, dass der starke vordere Muskeleindruck und die dicke Schale der Muschel nicht recht in die Geschlechts - Diagnose von Modiola passen wollen. Die Dünne der Schale und der äusserliche Sitz des Schlossbandes der so nahe stehenden Cardiomorpha schliesst auch dieses Geschlecht aus; bringen wir aber die hinter dem Muskeleindrucke vom Wirbel rechtwinkelig ausgehende — doch einigen Abweichungen unterworfene — Leiste im Innern der Schale in Anschlag, und deuten wir die an Hohl- drücken sichtbaren kleinen Vertiefungen unter dem Wirbel als Schlosszähnchen — von welchen bei Pleurophorus zwei in jeder Schale sich befinden, die in einander eingreifen — und betrachten wir die längliche Furche am Ende des Schlossrandes als hinteren Zahn, so müssen wir diese Art dem King’schen Geschlechte Pleurophorus zurechnen. Ja, in der That stimmen diese Hohldrücke, wie auch die aus dem Muschelkalke des Coburg’schen, mit jenen des Pleurophorus costatus aus dem Zechsteine von Gera, welche ich Gelegenheit hatte zu vergleichen, vollkommen überein. Diese Zechstein - Form gleicht aber auch im ganzen äusseren Habitus und selbst in den Varietäten so sehr der Form des Muschel- kalks, dass man versucht sein möchte, beide für eine und dieselbe Art zu halten, wenn nicht Pleurophorus des Zechsteins in der Regel durch. einige vom Wirbel dem hinteren Rande zulaufende Rippen, welcher Charakter bei der Form des Muschelkalks bis jetzt noch nicht beobachtet worden ist, und Pleurophorus des Muschelkalks durch die meistens kräftig entwickelte vom Wirbel dem unteren Theile des hinteren Randes zulaufende Kante hinreichend ausge- zeichnet wäre. Desshalb habe ich diese Art zu Pleurophorus ver- setzt, und daDunker angibt, dass seine Modiola Gastrochaena nur junge Individuen von seiner Modiola Goldfussi und diese letzteren mit v. Strombeck’s Modiola Thilaui identisch seien, so habe ich sie nach dem Rechte der Priorität als Pleurophorus Goldfussi Dkr. sp. angeführt. Pleurophorus Goldfussi erscheint im Vicentinischen zuerst im Niveau der Posidonomya Clarae, z. B. im Val dell’Erbe und Val Serraggere, und geht bis in den eigentlichen Muschelkalk, z. B. bei Rovegliana, hinauf. 51A Scehauroth. Übersicht der geognostischen Verhältnisse Die grosse Formenverschiedenheit der Individuen dieser Art, mit welcher die verschiedenen Benennungen der Muschel im Zusam- _ menhange steht, ist auch im Vicentinischen bemerkbar: es gibt kleinere Exemplare von der Form der M. Gastrochaena, grössere, ähnlich der Modiola Thilaui, und andere mit mehr parallelen längeren Rändern, welche hauptsächlich als Steinkerne im eigentlichen Muschelkalke vorkommen und bis 30 Millim. Länge erreichen. 31. Mytilus eduliformis Schloth., sp. Taf. II, Fig. 5. Mytilus eduliformis, Sehloth. Petref. pag. 299, Taf. 32, Fig. 4. »„ vetustus, Goldf. Petref. II, pag. 169, Taf. 128, Fig. 7. Bei Catullo: @Gervillia augusta Münst., in den Nuovi annali d. se.n. d. Bologna, 1846, Taf. &, Fig. 1. Hierher gehörige Formen finden sich in den unteren, durch Posidonomya Clarae ausgezeichneten, und auch noch höheren Lagen häufig im Val Serraggere, im Tretto und an anderen Orten. 32. Myophoria vulgaris Schloth., sp. Trigonellites vulgaris, Schloth. Petref. pag. 192, Taf. 36, Fig. 5. Diese Art habe ich selten im eigentlichen Muschelkalke bei Rovegliana gefunden. 33. Myophoria simplex Schloth., sp. Trigonellites simplex, Schloth. Petref. pag. 192. Lyrodon simplex, Goldf. Petref. II, pag. 197, Tab. 135, Fig. 14. Ich bleibe hier bei den v. Schlotheim’schen Bestimmungen, nach welchen die Individuen mit zwei Rippen zu M. vulgaris und die mit einer Rippe zu M. simplex zu rechnen sind. Diese Myophoria simplex kommt auch im Coburg’schen im oberen Muschelkalk, wie im Braunschweig’schen mit Ceratites nodosus und im unteren Muschel- kalke in der Trigonienbank mit Modiola Credneri vor. Übrigens gehen beide Arten in einander über. Bei Rovegliana erscheint sie in Begleitung der Gervilleia Albertii u. s. w. 34. Myophoria cardissoides Bronn. Lethäa pag. 71, Taf. 13, Fig. 9. Diese Art unterscheidet sich von den übrigen Myophorien durch grössere Breite oder Verlängerung nach hinten , so dass der Winkel am Wirbel gegen 90° beträgt. Die Bronn’sche Abbildung stimmt mit den bei Rovegliana selten vorkommenden Exemplaren überein, der Gegend von Recoaro im Vicentinischen. 515 nicht aber mit Lyroadon deltoideum (Goldf. Taf. 135, Fig. 13) und Myophoria cardissoides (Alberti, Monogr. p. 55), welche mit Myophoria (nachGiebel Neoschizodus) laevigata vereinigt werden müssen; diese letztere darf aber nicht mit Nucula gregaria Münst. zusammengeworfen werden. 35. Myophoria (Neoschizodus 6iebel’s) ovata Goldf., sp. Lyrodon ovatum, Goldf. Petr. Germ. II, pag. 197, Taf. 135, Fig. 11. Findet sich meist in kleinen und undeutlichen Exemplaren, nicht selten in und über den Posidonomyen-Schichten. 86. Nucula (!) gregaria Münst. Goldfuss bildet in seinen Petref. Germ. Taf. 124, Fig. 12 unter diesem Namen eine Muschel ab, welche auch bei Coburg sehr häufig im oberen Muschelkalke zu finden, aber keinesfalls zu Nucula, sondern wahrscheinlich zu Isocardia gehört. Zu dieser Art rechne ich gleichgeformte 2—3 Millim. grosse Muscheln mit eoncentrischen Zuwachsstreifen, welche ich über dem Niveau der Posidonomya Clarae im Val Serraggere beobachtet habe. 37. Nucula speciosa Münst. Abgebildet in Goldf. Petref. Germ. Taf. 124, Fig. 10. Leider begegnen wir im Muschelkalke vielen zwar charakte- ristischen, aber doch sehr undeutlichen Formen; hierzu gehört auch ein Steinkern, den ich bei Rovegliana im Niveau des Dadocrinus gracilis gefunden habe, und der seiner allgemeinen Form und seines in der Mitte liegenden Wirbels wegen nur hierher gerechnet werden kann. 88. Myacites Fassaensis Wissm. Abgebildet in Münster’s Beiträgen, Heft IV, Taf. 16, Fig. 2. Die vielen Myacitenarten, die man unterschieden hat, stehen sich alle durch Übergangsformen sehr nahe, so dass von Strombeck alle triassischen in eine Art, M. musculoides, vereinigt hat. Auch im Vicentinischen kommen, von den Posidonomyen an auf- wärts, solehe Formen vor, und da man diesen Formen den Artnamen. Fassaensis gegeben hat, so mögen auch die Vicentinischen als solche gelten. 516 Schauroth. Übersicht der geognostischen Verhältnisse 89. Myacites inaequivalvis Zieten, sp. Taf. II, Fig. 6. Arca inaequivalvis, Zieten in den Verstein. Würtemb. Taf. 70, Fig. 3. Aus dem Muschelkalke der Monti del Tretto habe ich zwei 18 Millim. grosse Myaciten mit Schale erhalten. Der Umriss dieser Muscheln bildet ein stumpfwinkeliges Dreieck, in dessen etwa 120° messenden stumpfen Winkel der kleine, eingebogene Wirbel nahe an der Mitte liegt und dessen beide spitzen Winkel zugerundet sind. Die vordere Seite — aber nicht der Rand — ist etwas ausgebuchtet, der hintere Rand ziemlich gerade und der Bauchrand in der Mitte ausgebuchtet, welche Bucht sich im Relief bis fast an den Wirbel hin bemerkbar macht. Die Schale ist mit concentrischen Wachsthums- wellen und nur wenig sichtbaren radialen Linien bedeckt. Am nächsten steht diese der Arca inaequivalvis Zietens aus den Wellendolomiten des Schwarzwaldes, indem sie sich von dieser nur durch mehr ausgebuchteten Bauchrand und weniger deutliche Runzeln vor dem Wirbel unterscheidet. Da auch unsere Exemplare, wie die des Wellendolomits, verschoben sind, und es daher sehr wahrscheinlich ist, dass sie einer und derselben Art angehören, so habe ich, um die Namen für diese problematischen Formen nicht noch zu vermehren, dieselben als Myacites inaeguivalvis, wohin jene Schwarzwälder Form gewiss zu rechnen ist, aufgeführt. Ob Tellina Canalensis, welche Catullo in den „Nuovi annali d. se. n. di Bologna“, Taf. 4, Fig. 4 abgebildet hat, hierher gehört, lässt sich nach den ungenügenden Abbildungen nicht entscheiden. 40. Tapes subundata m., s. sp. Taf. II, Fig. 7. Eine ‚kleine, 5 Millim. breite Muschel habe ich im oolithischen Kalksteine, welcher zwischen dem bunten Sandsteine und den Posi- donomyen lagert, im Val dell’Erbe gefunden. Wie bei den meisten Versteinerungen der Trias ist der charakteristischste Theil nicht zugänglich, so dass ich in Ermangelung der Kenntniss der Schloss- bildung, diese Muschel nur zufolge des äusseren Habitus zu Tapes oder Pullastra, mit welchem Geschlechte sie äusserlich viele Ähn- liehkeit zeigt, stellen kann. Der allgemeine Umriss dieser Muschel ist elliptisch. Der kleine Wirbel steht nahe vor der Mitte, und die hintere Seite ist, in einem der Gegend von Recoaro im Vicentinischen. 517 Winkel von etwa 120° mit dem Schlossrande, abgestutzt, so dass nur einem Theile des Hinterrandes, dem Bauchrande und Vorderrande die unveränderte elliptische Form bleibt. Vom Wirbel an bis an die Extremitäten des Bauchrandes treten zwei stumpfe Kanten etwas hervor, von welchen jedoch nur die hintere deutlich ist. Die rauh erscheinende Oberfläche ist mit einigen dem Bauchrande parallelen Wellen, welche auf der hinteren Abdachung in Zuwachsstufen über- gehen, bedeckt. V. SCHNECKEN. 41. Dentalium laeve Schloth. Dentalites laevis Schloth., Petref. pag. 93, Taf. 32, Fig. 2. Von der Grösse der in Thüringen vorkommenden Individuen findet man diese Art nicht selten im Muschelkalke bei Rovegliana in Begleitung von Pecten discites, Spirifer fragilis, Terebratula vulgaris und anderen Arten. 42. Trochus Albertianus Goldf. Trochus Albertinus Goldf., Zieten, Verst. Würtemb., Taf. 68, Fig. 5. Hausmanni Goldf., Petref. III, pag. 52, Taf. 178, Fig. 12. Zwei Schneckchen, ganz von der Form des Trochus Hausmanni mit nur wenig veränderter Zeichnung auf der Schale, von welchen das eine die gewöhnliche Grösse des Tr. Albertianus erreicht, habe ich im Trigonellenkalke bei Recoaro gefunden und rechne sie zu dieser Art. An dem grösseren Exemplare befinden sich über dem _ Bande auf der Wölbung des letzten Umganges noch vier verchieden kräftige, aus einzelnen Knötchen bestehende Streifen, welche von feinen Zuwachslinien durchkreuzt werden, während bei der gewöhn- lichen Zeichnung von Tr. Albertianus (Hausmanni) nur zu oberst an der Nath eine Reihe von kräftigen, fast kurzen Dornen gleichenden Höckern zu sehen ist, und die spiralen Linien oder Längslinien mehr zurücktreten. Das kleinere Exemplar ist verhältnissmässig etwas niedriger, gleicht aber in der Zeichnung den deutschen Exemplaren. Berücksichtigt man, dass diese Art als in ihrer Form manchen Abweichungen unterworfen erkannt worden ist, so dürfte auch die erwähnte Abweichung an den italienischen Exemplaren nicht auffallen und an der Identität beider Formen nicht zu zweifeln sein. "» 5 18 Schauroth. Übersicht der geognostischen Verhältnisse 45. Natica turbilina Schloth., sp. Taf. II, Fig. 8. Helieites turbilinus Schl oth., Petref. pag. 107, Taf. 32, Fig. 5. Turbo helieites Münst. in Goldf. Petref. Germ. III, pag. 93, Taf. 193, Fig. 2. Die kleinen natica- und turboähnlichen Schnecken des Muschel- kalks sind unter sich schwer zu unterscheiden und bilden auch Über- gänge in grössere kugelige oder gestreckte Formen, wie zu Natica Gaillardoti und Turbonilla dubia, so dass v. Strombeek unter Natica Gaillardoti alle kurzen, mehr kugeligen Formen (Natica oolithica Zenk., N. pulla Ziet.) und unter Turbo helicites die Formen mit 3—4 Umgängen (Helicites turbilinus Schloth., Buc- cinum turbilinum Geinitz, Turbo socialis Münst.) vereinigt hat. In den oberen Lagen des Muschelkalks bei Recoaro und in den unteren im Val Serraggere trifft man nicht selten kleine kugelige Schnecken von etwa 2 Millim. Durchmesser, welche dem Turbo helicites Münst., wie ihn Goldfuss Taf. 193, Fig. 2 abgebildet hat, gleichen und an welchen meistens die Zuwachslinien, die an der Nath immer am deutlichsten sind, so kräftig hervortreten, -dass sie bisweilen wahre Leisten oder Rippen bilden und dann zu Naticella costata, die von St. Cassian (ob mit Recht?) und aus dem eigent- lichen Muschelkalke der Alpen mehrfach erwähnt wird, führen. Solche Formen hat auch der Muschelkalk im Coburg’schen aufzu- weisen, und ich habe mehrere Exemplare gefunden, welche nach Abwitterung der Schale kräftige, winkelige, von der Nath aus über die Wölbung der Umgänge hinweggehende Rinnen zum Vorschein kom- men lassen. Bezeichnend für diese Formen mag noch erscheinen, dass die ersten Windungen nie eine hohe Spira bilden, oft auch wie ver- schmolzen aussehen, die letzte sich aber schnell erweitert, wie es in der Goldfuss’schen Zeichnung gut dargestellt ist. Dieselben Formen finden sich auch im bunten Sandsteine von Sulzbad und zwar in Begleitung derselben Versteinerungen- wie im Vicentinischen, wie Gervilleia Albertü, Pleurophorus Goldfussi, so dass man hier mit Recht auf einen Synchronismus dieser Ablagerungen schliessen darf. Schon v. Sehlotheim führt bei seinem Helicites turbilinus an, dass er gut erhalten und dass die ziemlich grosse Mundöffnung mit einem saumartigen zurückgebogenen Rande versehen ist. Diese Kenn- zeichen charakterisiren aber auch die von verschiedenen Localitäten der Gegend von Recoaro im Vicentinischen. 5 19 angeführten Schneckchen, so dass ich nicht zweifle, dass dieselben zu dem v. Schlotheim’schen Helicites turbilinus gehören. Ob Naticella costata Münst. und Natica Gaillardoti Lefr. hierher zu rechnen sind, kann ich in Ermangelung hinreiehenden Materials nicht mit Gewissheit aussprechen, doch glaube ich, dass sämmtliche hier erwähnte Formen sich in der Weise ordnen, dass die kugeligen als Natica turbilina, die gestreckten, an wohl erhaltenen Exemplaren gegen die Spitze hin mit Rippen versehenen Formen dagegen als Turbonilla dubia am zweckmässigsten unterschieden werden. Für diese Ansicht sprechen mehrere Exemplare von Turbonilla dubia, die ich im Muschelkalke von Coburg gesammelt habe, welche in Individuen von 3—4 Windungen an (von der Form des Turbo gregarius Münst., beiGoldfuss III, pag. 93, Taf. 193, Fig. 3, den ich von Buceinites gregarius Sehloth. getrennt halte), Übergänge bis zur vollständigen mit 8 aus versehenen Form der Turbo- nilla dubia bilden. 44. Natica (Buspira) gregaria Schloth., sp. Taf. II, Fig. 9. Buceinites gregarius Schloth. Petref. pag. 127, Taf. 32, Fig. 6. Buceinum gregarium Gein. im Jahrb. für Mineral. 1842, Taf. 10, Fig. 8. Turbo incertus Catullo, Catal. d. sp. org. foss. d. alpi venete, 1842 und Zoolog foss. Taf. 1, Fig. A, A. Unter obigen Namen habe ich die am Harze und in Thüringen für die untere Abtheilung des Muschelkalks charakteristische Form gestellt, welche v. Schlotheim am genannten Orte kenntlich abgebildet hat und zu welchem die von Goldfuss als Turbo gregarius Münst. Tab. 193, Fig. 3 gegebene Abbildung nicht gezogen werden dürfte. Diese Art ist aussen glatt und von den andern ähnlichen durch ihre eiförmige Gestalt, sowie dadurch hinreichend unterschieden, dass die Umgänge an der Nath eine Kante bilden, welche bis an die ovale Mündung fortsetzt und der Spira ein treppenförmiges Ansehen verleiht. Schon die bei der vorigen Art angeführten Formen haben mehr den Charakter der Natica, und auch diese als Turbo und Buccinum aufgeführte Art halte ich für eine Natica, und zwar für eine dem Subgenus Euspira angehörige Form. Von den höheren, als Turbo helicites bei v.Strombeck vereinigten Individuen habe ich welche aus dem Muschelkalke von Coburg, welche Übergänge zu Turbonilla dubia bilden und von mir zu dieser gerechnet werden. - Sitzb. d. mathem.-naturw. Cl. XVII. Bd. III. H£t. 34 20 Sehauroth. Übersicht der geognostischen Verhältnisse ot 45. Turbonilla dubia Münst., sp. Taf. IT, Fig. 10. Turbinites dubius Münst. in litt. Turbonilla dubia Bronn in der Lethäa, Taf. XII, Fig. 10. Von Turbonilla hat Dunker in den Palaeontograph. Vol. |, mehre neue Formen beschrieben; fast alle dieselben finden sich auch Im Coburg’schen; allein wenn man viele Exemplare vor sich hat, ist es oft schwer, eine Grenze zwischen den einzelnen Arten zu ziehen. Ich erwähne hier nur, was sich auf unsere alpinischen Formen bezieht. Turbonilla dubia hat durch die Darstellung Bronn’s in . der Lethäa p. 76, Taf. XIT, Fig. 10 einige Sicherheit erhalten; sie umfasst nur die kleinen, aus 7 — 8 runden, glatten, gegen die Spitze hin meistens mit quergerippten Umgängen versehenen Individuen. Melania Schlotheimi (Quenstedt im Flötzgeb. Würtemb. pag. 31), wie sie v. Schlotheim in seinen Beiträgen zur Petre- faetenkunde, 2, Taf. 32, Fig. 7 abbildet, gehört nicht hierher; sie ist immer grösser, hat weniger aufgetriebene, mehr ansteigende und glatte Windungen mit scharfer, aber weniger tiefer Nath. Turbonilla dubia in der angegebenen Grenze geht einerseits in eine kürzere Form mit weniger, aber schneller anDicke zunehmenden Windungen über, anderseits wird dieForm schlanker mil —9 Win- dungen. Im ersten Falle gleicht sie Dunker's, in den Palaeont. Vol. I, Tab. 35, Fig. 16—18 als Turbonilla gregaria abgebildeten Art (Turbo gregarius Münst.), im zweiten Falle der eben dort Fig. 23 und 24 abgebildeten Turbonilla parvula, oder sie zeigt 8—9 an Stärke kaum verschiedene Windungen und kommt in dieser Hinsicht (um eineähnliche Form anzuführen), der Turritella Theodorü (welche Berger im Leonhard'schen Jahrbuche 1854, S. 413, Tab. VI, Fig. 6—8 beschrieben und abgebildet hat), am nächsten, unter- scheidet sich von derselben aber hauptsächlich durch vollkommene, nicht abgeschnittene Scheitel der Wölbung der Umgänge. Turbonilla dubia kommt bei Recoaro ziemlich häufig in dem Niveau der Posidonomya Clarae vor. 46. Turbonilla gracilior m., n. sp. Taf. II, Fig. 11. In den untersten kalkigen, den Sandstein überlagernden, oft oolithisehen Schichten habe ich bei Pozzer im Val dell’ Erbe eine a nun - R der Gegend von Recoaro im Vicentinischen. 521 Schnecke gefunden, die ganz glatt und so schlank ist, dass sie die Grenzen der Turbonilla dubia überschreiten dürfte. Ich will sie desshalb Turbonilla gracilior nennen. Das Gehäuse dieser Schnecke ist spitz-thurmförmig, ”—8 Millim. hoch, mit 8 gerundeten, glatten, durch eine ziemlich tiefe Nath von einander getrennten Umgängen, dessen letzterer etwa 11/, Millim. misst. Über die Mündung geben die vorliegenden Exemplare keinen Aufschluss. Von der ihr ähnlichen Turritella Theodorii aus dem Keuper von Coburg unterscheidet sie sich nur durch den Mangel des den Scheitel der Windungen abschärfenden Bandes und durch etwas weniger tiefe Nath. Sollten sich Exemplare finden, an welchen Rippchen an den ersten Umgängen zu erkennen sind, so würde sie nur als Varietät der Turbonilla dubia betrachtet werden müssen. Kleine Schneckchen von der Form der Turbonilla parvula Dunk. zeigen solche Rippchen, wesshalb ich sie zur 7. dubia rechne. 4%. Turritella Bolognae m., n. sp. Taf. II, Fig. 12. Im Trigonellenkalke von Recoaro habe ich Bruchstücke einer kleinen Schnecke gefunden, von welchen jedoch keines die Mündung zeigt, so dass das Geschlecht nieht mit Sicherheit angegeben werden kann. Die Form dieser Art ist sehr schlank ; sie hat muthmasslich acht Windungen, welche der Länge nach mit drei Reihen von Knötchen, von denen die mittelste die am stärksten entwickelte ist, so geziert sind, dass die drei über einander liegenden Knoten zwischen je zwei Näthen auf der Windung eine Art Rippe bilden. Obgleich die Exemplare etwas verwittert sind, so kann man trotz ihrer Kleinheit diese Anordnung deutlich unterscheiden. Sie ist jeden- falls als eine neue Art zu betrachten, wesshalb ich sie zu Ehren Dr. Bologna’s als Turritella Bolognae auszeichnen will. VI. CEPHALOPODEN. 48. Ceratites nodosus Brug. sp. Ammonites nodosa Br ug. Encykl. I, 43. Ceratites nodosus de H.; in der Lethäa, Taf. 11, Fig. 20. 34% 522 Schauroth, Übersicht der geognostischen Verhältnisse Das Vorkommen dieser Art in der alpinischen Trias wird von Catullo, v. Buch, Girard und Bologna erwähnt; ich selbst habe sie nicht gefunden. Tellina Recoarensis Cat. und Solenites mytiloides Sehloth. (Catullo), welche Girard anführt, sind nach dessen Aussage so undeutliche Formen, dass sie hier keiner weiteren Erörterung würdig sind. Rücksichtlich eines Vergleiches des paläontologischen Charak- ters der Trias in den Alpen mit jenem anderer Gegenden haben wir in dem eben gegebenen Verzeichnisse manche neue Anhaltspunkte erlangt. Der bunte Sandstein kann sich durch seine petrographischen Merkmale und das Vorkommen einiger, wenn auch undeutlicher Pflanzenreste hinreichend legitimiren; dasselbe gilt im Allgemeinen vom Muschelkalke, welcher überdies den grössten Theil der Fauna des deutschen Muschelkalks aufzuweisen hat. Mit dem Erscheinen des Muschelkalks werden wir durch eine zahlreiche Fauna überrascht; die Arten, welche hier und in Deutsch- land am häufigsten vorkommen und daher massgebend erscheinen, sind: Spirigera trigonella, Terebratula vulgaris, Gervilleia Albertii Pleurophorus Goldfussi, Enerinus llüformis. Diese Arten sind aber diejenigen, welche für den unteren Muschelkalk in Deutschland bezeichnend sind, während Nucula Goldfussi, Nucula Münsteri, Nau- tilus bidorsatus und andere dem oberen Muschelkalk eigenthümliche oder doch denselben vorzugsweise bewohnende Arten bis jetzt ganz vermisst werden. Abgesehen von den wenigen neuen Formen finden wir die Arten von Recoaro sowohl in den oberen Lagen des bunten Sandsteins von Sulzbad und Zweibrücken, als auch vorzugsweise oder ausschliesslich in der unteren Hälfte des deutschen Muschelkalks, im nordwestlichen Deutschland und bei Tarnowitz in Ober-Schlesien, so dass wir schliessen müssen, dass die untersten versteinerungsführen- den Schichten des Muschelkalks von Recoaro mit den Schichten von Sulzbad und Zweibrücken, die höheren (mit Gervilleia Albertü und Spirigera trigonella) mit dem Wellenkalke und Mehl- oder Schaum- kalke und also auch mit den Schichten von Tarnowitz auf ein Niveau zu stellen sind. Die folgenden Schichten in welchen ich nur noch Enerinus llüformis, Natica turbilina und Terebratula vulgaris gefunden habe, fallen dann der mittleren Abtheilung, und die verstei- der Gegend von Recoaro im Vicentinischen. 23 nerungsleeren oberen, plattenförmigen Kalke der oberen Abtheilung des Muschelkalks in Deutschland zu, so dass endlich die versteinerungs- leeren sandigen Mergel als Äquivalent des Keupers übrig bleiben. Sonach haben wir (wie aus dem Folgenden noch mehr erhellen dürfte) durchaus keine Veranlassung mehr, dem Muschelkalk Ober- Schlesiens mit den Sehichten von St. Cassian (besonders wenn man _ vorurtheilsfrei an die Bestimmung der Versteinerungen von St. Cassian geht) zu vergleichen. | Der Lias und Jura im Vicentinischen mit besonderer Berücksichtigung der geognostischen Verhältnisse von St. Cassian. In dem vorhin gegebenen Profile habe ich zuletzt von einer festen gelben, dünnschichtigen Mergelablagerung gesprochen, welche die obersten rothen, sandigen, dem Keuper äquivalenten Gesteine bedeckt. Von den unteren ähnlichen Mergeln unterscheidet sie sich durch eine Neigung zur Schieferung und durch aufgenommene Glimmerschüppchen und kohlige Theilchen. Obgleich ich in diesen Schichten hier keine Versteinerungen gefunden habe, so glaube ich doch, dass diese obersten Lagen schon dem Lias angehören, und da sie in ihren petrographischen Merkmalen mit manchen heller gefärbten Varietäten der Wengen-Schichten oder Halobienschiefer übereinstimmen, mit diesen in einem Niveau stehen. Zur Beobachtung der Grenzgebilde zwischen Trias und Jura ist der Monte Spizze überhaupt nicht zu empfehlen, und leider hat es meine Zeit nicht erlaubt, dieselben entfernter in den venetianer Alpen aufzusuchen. Professor Catullo in Padua erwähnt diese oberen Schichten ‚aus den venetianer Alpen als Keuper und führt an, dass sie häufig nicht leicht als Keuper erkannt werden könnten, wenn sie nicht durch die fast überall statthabende Überlagerung von liassischen Gebilden und durch die Anwesenheit gewisser Petrefacten bezeichnet wären. Diese petrefactenführenden Schichten sollen nach ihm einen sehr veränderlichen Charakter haben; bei Malgonerra im Agordino, eben so bei Pieve di Zoldo sollen sie schieferig und röthliehbraun sein, bei Duram hingegen einen sandigen, grünen Kalkstein bilden, welcher allmählich in einen harten, schwarzen, mit Säuren aufbrausenden Schiefer übergeht, vom Keuper unterteuft wird und vielleicht zum 524 Sehauroth. Übersicht der geognostischen Verhältnisse Lias gerechnet werden könnte; allein trotz allen petrographischen Verschiedenheiten sollen überall dieselben bezeiehnenden Petrefacten, nämlich Avicula pectiniformis und Posidonomya minuta vorkommen. Ich habe leider diese Gegenden nicht besuchen können; dagegen habe ich auf meiner Rückreise Wengen und St. Cassian berührt und glaube dadurh in den Stand gesetzt zu sein, den von Catullo eitirten Keuper des Agordinischenfür Wengenschichten oder Halobienschiefer, und die Abbildungen, welche Catullo von diesen beiden obgenann- ten Arten gegeben hat, für Halobia Lommeli und Posidonomya Wen- gensis mit Sicherheit ansprechen zu dürfen. Das Vorkommen dieser beiden Arten und also der Wengen-Schichten an den genannten Orten ist von grossem Interesse; desshalb erscheinen jene Gegenden beson- ders zu Untersuchungen geeignet, welche über die Grenzgebilde zwischen Trias und Jura Aufschluss geben können. Aus diesen Beobachtungen geht bereits hervor, dass an mehreren Orten der venetianer Alpen die Halobienschiefer über den rothen, sandigen Gebilden (unserem Keuper-Äquivalente) liegen. Dieselben Verhältnisse habe ich bei Wengen beobachtet. Geht man von Brunnecken nach St. Cassian, so wandelt man bis St. Martin auf Glimmerschiefer und stösst hier auf ein Profil, welches sich längs dem Bache auf eine weite Strecke verfolgen lässt und alle die Verhältnisse wiederholt, wie ich sie von Recoaro vom primitiven Schiefer bis zum Muschelkalke beschrieben habe. In der Schlucht nach Wengen hinauf stehen im Grunde die untersten Lagen des Muschelkalkes an, bei Wengen selbst liegen die Halobienschiefer ; von St. Leonhard bis St. Cassian findet man den oberen Muschelkalk, oberhalb St. Cassian erscheinen die Wengen-Schiefer wieder, darüber graue Thone, pelitische Gesteine von vulcano-neptunischem Ansehen mit eingeschalteten oolithischen dunklen Kalken, auf welche ähnliche Thone mit zwischengelagerten, wenig mächtigen, schwarzen Kalk- schichten und dünnen Lagen von faserigem Kalke, die eigentlichen Schiehten von St. Cassian, folgen. Die Profile der Seisser-Alp und des Gaderthals, weleheEmmrich im Jahrbuche für Mineralogie 1844, p. 791 gegeben hat, stimmen, so weit die Schichten von Recoaro repräsentirt sind, vollkommen mit diesen überein. Der unter 1. beschriebene bunte Sandstein, die mit 2. bezeichneten Posidonomyenschiefer, die unter 3. über diesen folgenden Mergel mit Kalkschiefer entsprechen bei Recoaro den der Gegend von Receoaro im Vicentinischen. 525 Schichten vom Schiefer bis zum Muschelkalk von Recoaro, und dieser selbst findet seinen Repräsentanten in dem unter 4. aufgeführten wellenkalk-ähnlichen Gestein, in welehem bereits die an Feuerstein reichen Kalke wiedererkannt und gewiss noch Spirigera trigonella, Terebratula vulgaris und andere dieses Niveau eharakterisirende Versteinerungen entdeckt werden können. Auf diesen Muschelkalk sollten nun die rothen, sandigen Gesteine (Keuper) folgen. während Emmrich sofort die Halobienschiefer anführt. Aus den angeführten Schiehtenfolgen geht hervor, dass die Wengenschiefer oder Halobienschiefer über den versteinerungsleeren rothen, sandigen Schiefern oder dem Äquivalente des Keupers liegen, und aus der Vergleiehung der Trias im Viecentinischen mit der in Tirol geht also auch hervor, dass die St. Cassian-Sehichten durchaus nieht zum Muschelkalk oder zur Trias überhaupt gehören können, sondern sich dem jurassischen Systeme anschliessen müssen. Dass die St. Cassian-Schiehten unter dem Jura und über den Halobienschiefern liegen, ist jetzt klar; es handelt sich nur noch darum, anzugeben, welcher Formation dieselben zugetheilt werden müssen. Zuerst muss erwähnt werden, dass Halobienschichten und St. Cassian-Schichten bathrologiseh , petregraphisch und paläontologisch sich so nahe stehen, dass sie als ein Schichtencomplex betrachtet ‚werden und auch systematisch vereinigt bleiben müssen. Wenn nun sehon die petrographischen Charaktere und die Lagerungsverhält- nisse uns auf den der Trias folgenden Lias hinweisen, so werden wir durch die völlig neue und nur einen jurassischen Charakter zeigende Fauna zu dem Schlusse genöthigt, dass mit dieser Veränderung der petrographischen und paläontologischen Verhältnisse überhaupt eine neue geologische Periode, und zwar die zunächst folgende Periode des Lias beginnen müsse. Nur eine solehe Einreihung dieser alpinischen Gebilde halte ich für eine natürliche. Wenn in den Alpen überhaupt die triassischen Gebilde richtig gedeutet werden, wobei die Posidonomyen-Schichten und die eigentlichen Muschelkalklagen — welche auch bei Abwesen- heit von Versteinerungen sich meistens durch grössere Schichten- mächtigkeit und wellig-knotige Structur oder Hornsteinausscheidun- gen auszeichnen — wohl immer als zur Orientirung passende Horizonte dienen können, dann wird man auch leicht in den Halobienschiefern einen sicheren Horizont für den Lias finden, und manche Schichten, 5 26 Sehauroth. Übersicht der geognostischen Verhältnisse deren bathrologische Stellung noch unsicher ist und die meistens der Trias zugerechnet worden sind, werden wir hier sich selbst einreihen sehen. Nur wenn wir auf die einfachste Weise die allerdings in mancher Hinsicht abweichenden Verhältnisse in den Alpen uns zu erklären suchen und uns nicht von den Lehren des Metamorphismus und dem Vorurtheile, dass den Alpen eine ausschliessliche, ihnen eigenthümliche Constitution zukomme, beirren lassen, werden wir esfür möglich halten, einzusehen, dass die alpinischen Gebirgsschichten den ausseralpinischen parallelisirt werden können, und werden uns überzeugen, dass wir nicht nöthig haben, für die Syntax der Alpen neue Regeln zu entwerfen. Dass hiernach der Lias in den Alpen selbst sich unter verschie- dener Faecies darstellt, darf uns nicht wundern, da ja auch in anderen Ländern, wie in Deutschland, Frankreich und England, die Überein- ‘stimmung, vorzüglich in der Vertheilung der Petrefacten nicht so hervortritt, wie bei anderen Formationen und fast jede Gegend ihr eigenthümliches Gepräge hat. Dass bei St. Cassian auch mehrere andere und besonders die Muschelkalkformation bezeichnende Arten, wie: Enerinus klüformis, Ceratites nodosus, Terebratula vulgaris, Tere- bratula sufflata und Naticella costata vorkommen, ist noch gar nicht festgestellt. Unter vielen von St.Cassian mitgebrachten Versteinerungen habe ich zwar ähnliche, aber durchaus nicht mit jenen identische Arten gefunden, so dass ich das Vorkommen von echten Muschelkalk-Petre- faeten in den St. Cassian-Schichten geradezu in Abrede stellen zu müssen glaube. Auf eine detaillirte Besprechung der St. Cassian-Schichten kann ich jetzt nicht eingehen; einen interessanten Körper, der bis jetzt noch gar nicht beobachtet worden ist, darf ich jedoch nicht uner- wähnt lassen. In den Thonen der oberen St. Cassian-Schichten finden sich nämlich kleine, flache, sehr dünne, rundliche Scheibehen, welche ganz das Ansehen der Orbituliten haben und gleich diesen in grösserer Menge eng beisammenliegend vorkommen, so dass ich sie trotz ihres befremdenden Vorkommens für Orbituliten halte. Es bleibt in der That ein denkwürdiger Umstand, dass wir in den St. Cassian- Schichten, wie in einer Modellkammer fast aus allen Perioden der Entwiekelungsgeschichte des Thierreiches irgend einen charakteristi- schen Typus vertreten sehen, ein Umstand, der wohl nur mit der Erweiterung der Kenntniss der Verbreitung der untergegangenen und lebenden Thierformen überhaupt seine Aufklärung finden dürfte. der Gegend von Recoaro im Vicentinischen. 527 Orbitulites Cassianicus m., n. sp. Taf. I, Fig. 13. Diese Form misst 1/, Millim. im Durchmesser, ist dünn wie gewöhnliches Schreibpapier, selten regelmässig rund, sondern meist etwas eckig, länglich und am Rande selbst stellenweise ausgezackt, aber nicht sattelförmig verbogen ; in der Mitte sind sie etwas stärker, am Rande an Stärke abnehmend, wie es bei den bekannten Orbituliten der Fall ist. Die Oberfläche ist rauh, unter dem Mikroskope mit kleinen, dieht beisammenstehenden, blasigen Erhabenheiten besetzt, von welchen die meisten geschlossen und gewöhnlich nur die nach dem Rande hin gelegenen, wie auch die abgeriebenen mit einem kleinen Loche versehen sind. Der Querbruch zeigt faserige Struetur und ist wie die Orbituliten scheinbar aus zwei Scheiben zusammen- gesetzt. Da ich bei einem Vergleiche dieser Körper mit den Orbituliten des Vicentinischen in der Structur und Form keine wesentlichen Ver- schiedenheiten entdecken konnte, so kann ich — obgleich Orbituliten unter der Kreide noch nicht vorgekommen sind — unsere Form nur zu den Orbituliten stellen, und da die von Orbitulites getrennten Geschlechter noch nieht hinreichend präeisirt sind und ich nicht angeben kann, ob unsere Form zu Hymenocyclus gerechnet werden muss, so begnüge ich mich, sie unter dem allgemeinen Namen Orbi- tulites aufzuführen. Hier dürfte auch die passendste Stelle sein, noch einige Ver- steinerungen anzuführen, welche im Val del Orco im Tretto in einem dunkelrauchgrauen, als Findlinge erscheinenden Gesteine vorkommen - und von welchen ich sowohl in Recoaro als auch von Hrn. Pasini in Schio einige Exemplare erhalten habe. Diese Gesteinsbrocken sind durch eine grosse Menge cylindrischer Bildungen, welche wie ein Relief auf denselben durch die Verwitterung heraustreten, aus- gezeichnet. Dieselben sind hier unter dem Namen „Eneriniten des Tretto* bekannt und gleichen in der That den Enerinitensäulen ausserordentlich; noch näher stehen sie aber in ihrer Struetur den von Schafhäutl in Leonhard's Jahrbuch 1853, p. 302, Taf. VI, Fig. 1 beschriebenen Formen, welche in einem weissen Kalksteine der Zugspitze, dessen bathrologische Stellung er jedoch nicht mit Gewissheit anzugeben vermag, eine gewöhnliche Erschei- nung sind. Ich bin eben so wenig im Stande mit Sicherheit die 528 Sehauroth. Übersicht der geognostischen Verhältnisse Formation anzugeben, aus welcher das Gestein aus dem Tretto her- rührt, und kann nur die Vermuthung aussprechen, dass es dem Niveau von St. Cassian angehöre. Schafhäutl nennt die Versteinerung von der Zugspitze Nulli- pora annulata. Es scheint mir, dass beide Arten nicht zu Nullipora, sondern vielleicht zu Chaetetes gehören, und da auch das Verhältniss derselben zu Ceriopora radieiformis noch nicht festgestellt ist, so will ich sie hier zwar ausführlich beschreiben, aber nicht speciell benennen. Unsere Art bildet einen eylindrischen, innen hohlen, oben kuppelartig zugewölbten Zellenstock von 2—4 Millim. Durchmesser. Die aus Zellen bestehende Wand des Rohres ist 1 bis höchstens 2 Millimeter stark, während seine Länge 70 und mehr Millimeter erreicht; der innere Raum ist mit der Masse des Muttergesteines erfüllt. Die Zellen stehen nicht rechtwinkelig auf der Axe, sondern streben aufwärts; ihre Kleinheit und die Festigkeit des Kalksteins gestatten keine deutliche Einsicht in das Innere derselben, doch lässt sich an abgewitterten Stellen erkennen, dass die röhrenförmige Colonie aus einzelnen Zellen gebaut ist, welche im Kreise neben. einander und über einander stehen, so dass die Wand der Röhre aus strahlenförmig gestellten Zellen zusammengesetzt ist und jeder solche Strahl aus mehreren, durch Querböden getrennten Einzel- zellen zu bestehen scheint, wie es bei C'haetetes der Fall ist und unsere Abbildungen Taf. Il, Fig. 4 d, e, i es veranschaulichen. An der inneren Seite erscheinen die Zellenanfänge als viereckige feine Löcher; an der Aussenseite bilden die Zellenmündungen entweder rundliche Löcher oder halbkugelige Erhöhungen. Diese letztere Verschiedenheit ist als ein verschiedenes Entwickelungsstadium zu betrachten, indem die Zellenwände der rundlichen Mündung bei fortschreitendem Wachsthum sich zuwölben und so den Boden der nächsten Zelle bilden. In demselben Gesteine habe ich noch ein interessantes Bruch- stück einer Versteinerung , welches nur einem Oyrtoceras angehören kann, und Cidaritenstacheln gefunden. Das Bruchstück von Cyrtoceras (Taf. Ill, Fig. 5) ist das letzte Stück der Schale, welches daher auch keinen Sipho und keine Scheidewände zeigt. Die Schale ist wohlerhalten, dünn und mit feinen eoncentrischen Linien geziert. a der Gegend von Recoaro im Vicentinischen. 529 Die Stacheln von Cidaris (Taf. II, Fig. 6) sind sehr klein, der Länge nach fein gestreift und mit einem verhältnissmässig grossen Gelenkkopf versehen. Ziehen wir (nach dieser Einschaltung auf die bathrologische Stellung der St. Cassian-Schiehten zurückkommend) auch noch die Structurverhältnisse, die manche Schichten bisweilen trefflich cha- rakterisiren — in unserem Falle die oolithische Struetur — als emen Beweis für die jurassische Natur der St. Cassian-Schichten in Betracht, so finden wir, dass dieses Merkmal gerade in denselben Formatio- nen, in denen es ausser den Alpen bezeichnend erscheint, auch hier ausgebildet ist. Schon in der Trias des Vieentinischen sehen wir die oolithische Struetur entwickelt, wenn auch in etwas höherem Niveau als dem Rogensteine im bunten Sandsteine des Harzes zusteht. Dann erscheint dieselbe wieder ausgezeichnet im mittleren oder braunen Jura, vorzugsweise in Franken und Schwaben in dem mehrfach mit einander wechselnden Eisensandsteine, Mergelschiefer und Eisen- *oolith; ebenso ausgezeichnet finden wir sie bei St. Cassian über den Halobien- und Posidonomyenschiefern — in welchen auch der den Lias so bezeichnende Ammonites costatus gefunden worden ist. Die Halobienschiefer würden dann dem schwarzen Jura (den Monotis- kalken Frankens und Schwabens im Besonderen) entsprechen, wäh- rend die höheren, oolithischen und Thon-Lagen mit den St. Cassian- Versteinerungen in das Niveau des Marlysandsteins und Eisenooliths gestellt werden müssten. Endlich zeigt sich die oolithische Struetur in Deutschland mit dem weissen Jura wieder, in den Alpen in dem die krystallinischen Kalke bedeckenden Kalke, welcher bald von dem Ammonitico rosso oder dem Äquivalent des Oxfordgebildes bedeckt wird. Durch die Güte meines Freundes Emmrich erhielt ich mit anderen Sachen Escher v. d. Linth's geologische Bemerkungen über das nördliche Vorarlberg mitgetheilt, nach deren Durchsicht ich nachträglich darauf aufmerksam mache, dass nach der entwickelten Ansicht über die Stellung der Trias zum St. Cassian-Gebilde von den von Escher v. d. Linth angeführten Schichten der Trias der Lombardei derselben nur folgende zuzurechnen sein dürften: Das Kalkgebirge des Mezzoldothales, der Kalk nordwestlich von Esino, die Schichten am Wege aus Val Sesina nach Regoledo, der Muschelkalk von Dossena und Oneta, der Muschelkalk im Val Brembana 530 Sehauroth. Übersicht der geognostischen Verhältnisse und der Muschelkalk (nördlich von Marcheno) des Val Trompia. Die anderen dort angeführten Localitäten und die höheren Schichten mancher hier gegebenen Localitäten gehören dann schon dem Lias an. Bei Recoaro werden die in unserem Profile zuletzt erwähnten schieferigen Kalke, die ich in das Niveau des Lias gestellt habe, von einem mächtigen Kalkgebirge überlagert, welches schon längst allge- mein dem Jura zugesprochen worden ist. Dieser Kalk dürfte in seinen unteren Theilen dem Lias angehören. Seine Beschaffenheit ist nach denLocalitäten sehr veränderlich; bisweilen, und so am Monte Spizze, erscheint er erst als ein gelblichweisser oder röthlichweisser, auch gefleckter, feinkörniger, reiner Kalkstein; an anderen Orten bildet er einen grobkörnigen oder krystallinischen weissen Kalkstein oder eben solchen gelblichen Dolomit, wie z.B. ausgezeichnet bei Laghetto im Norden des M. Enna und am Wege von Recoaro nach Valdagno, wo erst im Val del Pilastro die Trias und etwas weiter vor S. Quirico der Jura die Thalsohle erreicht und bis Marchesini fortsetzt. Es war mir unmöglich, das bisher aufgezeichnete Profil im Detail weiter zu verfolgen; ich kann es daher nur mit Benützung der Angaben italienischer Geologen fortsetzen. Die gründlichsten und gediegensten Arbeiten über den Schichtenbau der venetianer Alpen verdanken wir Herrn de Zigno, nach dessen Forschungen auf den krystallinischen Kalkbänken in den südöstlichen Alpen überall ein Oolith lagert, der oft mit einem dichten grauen Kalk und mit Kalkbreecien abwechselt. Diese Kalke führen mehrere Versteine- rungen, während die unteren Kalke fast versteinerungsleer zu nennen sind. Hierauf folgen nach de Zigno muschelführende Schiehten von grauer Farbe, welche er als dem unteren Oolith angehörig und als die Lagerstätte der Phytolithen von Rotzo betrachtet. Über dem Muschelmarmor erscheint endlich der rothe Ammonitenkalk, die viel- besprochene Calcarea ammonitica, ein rother, weisser oder grauer Kalkstein, der seinem Reiehthum an Ammoniten seinen Namen ver- dankt, ein Äquivalent der Oxfordsehichten ist und überall der Kreide zur Basis dient. Dieser Ammonitenmarmor bildet in den südlichen Alpen einen festen Horizont; in unserem Terrain habe ich ihn der oben erwähnten Verwerfungsspalte entlang, auf der Grenze zwischen Jura und Kreide oder jenem und Tertiärgebirge, kennen gelernt, wo er (bei Magr& und bei Tomba) in einzelnen kleinen Felsen erscheint, welche selbst vielleicht nur als Findlinge und aus der Tiefe mit der Gegend von Recoaro im Vicentinischen. 531 heraufgeförderten Fragmenten zu betrachten sind. Mehrfache Gelegen- heit zur Beobachtung dieses Gesteins bietet dem aus Deutschland kommenden Reisenden sich dar, wenn er von Roveredo direet über die Berge nach Recoaro geht. Kreideformation. Die Grenze zwischen Jura und Kreide ist in unserem Terrain weniger gut blossgelegt, als in den entfernten Thälern der Piave und Brenta. Im Süden der Juraberge stösst meistens sofort der Biancone oder das Tertiärgebirge an den Jurakalk. Über dem rothen Ammonitenkalke erscheint der Biancone der Italiener, ein meist fester, dichter, graulicher, gelblicher oder weisser dünnschichtiger Kalkstein, der besonders wegen seiner Cephalopoden- reste als ein Repräsentant der Neocomformation erkannt worden ist. Da ich aus dem Bianeone nur wenige Petrefacten und darunter nichts Neues erhalten habe, so ist es zwecklos, ein Verzeichniss der- selben zu wiederholen; nur eine sonderbare Bildung muss ich erwäh- nen, nämlich ganz regelmässige, wie mit einem Zirkel eingeschnittene Kreise auf den Schichtungsfugen, von welchen bisweilen einige con- centrisch in einander liegen. Diese Kreislinien sind nur auf der Oberfläche sichtbar und haben bisweilen ein kleines Stückchen Brauneisenstein oder zu solchem umgewandelten Eisenkies zum Mittelpunkte, mit welchem die Erscheinung im Zusammenhange zu stehen scheint. Der Biancone ist mächtig entwickelt bei Magre, zunächst Recoaro, südlich im Agnothale bei Marchesini in dem hohen Berge, welcher, wenn man von Recoaro im Agnothale abwärts geht, das Thal zu schliessen scheint und auf dessen Gipfel die Kirche Sta. Maria liegt, dann indem westlich von Maglio gelegenen spitzen Cucherla. Am linken Ufer des Agno sieht man hingegen den Jura in den Bergen Scandolara und Castrazzano, und den Basalt im Muchione aus dem Tertiärgebirge hervorragen. Thalabwärts erscheint dann die Scaglia bei Ponte di Nori. Den Forschungen de Zigno's ist es gelungen, in den südöst- lichen Alpen auch das Terrain albien oder den Gault und das Terrain turonien d’Orbigny's nachzuweisen; es war mir aber nicht vergönnt, diese Schichten kennen zu lernen oder über ihre Anwesenheit in unserem Terrain Untersuchungen anzustellen: eine 532 Sehauroth. Übersicht der geognostischen Verhältnisse Aufgabe, die nur durch die gründlichsten Untersuchungen gelöst werden kann, da es überhaupt schwer und meist unmöglich ist, die für eine Gegend gemachten Unterabtheilungen einem gleichalterigen Systeme in grosser Entfernung anzupassen. Grössere Verbreitung steht den oberen Kreideschiehten zu. Rothe und weisse Scaglia, mit welchen Namen die Italiener die mehr thonigen und weniger plattenförmig erscheinenden Kreidekalksteine bezeichnen, erscheinen an vielen Orten über dem Biancone von St. Orso, der Grenze des Jurakalkes entlang, und steigen in den Thälern des Agno und Chiampo weit an die Gehänge hinauf. Diese Schichten sind dem Terrain senonien oder den oberen Quader- mergeln zu parallelisiren. Tertiäre Bildungen. Am Ende der Kreideperiode stellten sich die Basalt-Eruptionen ein und erschienen die die folgenden Schichten charakterisirenden Nummuliten. Da die Natur die Abtheilungen, wie sie die Wissen- schaft macht, überhaupt nicht scharf bezeichnet, so stossen wir auch hier auf Gebilde, welche, mit dem Habitus der oberen Kreide, theils durch Aufnahme von Nummuliten in den unteren Nummulitenkalk, theils durch Aufnahme basaltischen Materials in die Basalttuffe oder Brecciole übergehen. Bis jetzt fehlt es uns noch an einer auf sorg- fältige Untersuchungen gegründete Schilderung dieser Gebilde, und leider sind auch meine eigenen Beobachtungen in diesem Terrain so lückenhaft, dass ich sie weder hier noch auf der Karte berücksichtigt haben würde, wenn ich nicht den Zweck im Auge gehabt hätte, den Besuchern von Reeoaro eine möglichst vollständige Übersicht der dortigen geologischen Verhältnisse und zugleich in der Karte ein Hilfsmittel zur Orientirung bei den gewöhnlich bis Bolca sich erstreckenden Exeursionen zu geben. Es war mir daher nicht möglich, die obere Grenze der Kreide sicher zu bestimmen; ich konnte die Grenze zwischen Kreide und Tertiärgebilden nur auf das Erscheinen der Nummulitenkalke beziehen und dieselbe nur zum geringeren Theile nach Beobachtungen an Ort und Stelle in die . Karte einzeichnen; eben so wenig konnte ich mich mit der Frage über die Verbreitung miocäner Schichten beschäftigen. Die in unserem Distriete verbreiteten tertiären Gebilde sind überhaupt als ein Theil der mächtigen Schichtenzone tertiärer der Gegend von Recoaro im Vicentinischen. 533 Gesteine zu betrachten, welche von Spanien und Marocco an bis nach China in nicht unbeträchtlicher Breitenerstreckung zu Tag liegt. Die Hauptmasse dieser Gebilde gehört zu den älteren, als eocän bezeich- neten Schichten oder zur unteren Abtheilung des Molassengebirges und entspricht d’Orbigny’s terrain suessonien; diese Gebilde schliessen sich der Kreide eng an und sind paläontologisch dadurch charakterisirt, dass sie noch eine namhafte Anzahl von Kreide- versteinerungen in Gemeinschaft von solchen der folgenden Perioden aufzuweisen haben. Die durch ihr beschränktes Vorkommen und durch ihre weite Verbreitung wichtigsten Versteinerungen sind die Nummuliten, welche der ganzen Formation auch den Namen Nummu- litenformation gegeben haben. Diese grosse Schichtenzone, als das Resultat einer Bildungs- periode, muss natürlich, wenn auch nicht petrographisch, doch paläontologisch im Allgemeinen, selbst in den entlegensten Theilen, eine Übereinstimmung zu erkennen geben, welche um so mehr in die Augen fallen wird, je mehr die vielen organischen Überreste gesichtet und identifieirt werden. Die verhältnissmässig ‘wenigen Versteinerungen, welche ich erlangen, aber aus Mangel an litera- rischen Hilfsmitteln nur zum Theil bestimmen konnte, lassen sehon den Charakter der Systeme der Pyrenäen von Biaritz, der Ostalpen von Kressenberg und der Karpathen in den Vordergrund treten. Unsere Tertiärgebilde zeigen sich als ein Complex von Schichten von Kalkstein, Thon und Tuffen oder Breceien mit Lagern von Braun- kohle und lassen sich kaum in einem detailirten Normalprofile auf- führen, da petrographisch bezeichnete Schichten kein sicheres Niveau beibehalten, und die Basalte, welche so vielfach in die Bildungsräume dieser Periode eingegriffen, die Schichten selbst vielfach modifieirt haben. Die Basalteruptionen haben besonders in unserem Terrain den grössten Einfluss auf den Habitus der Gesteine geäussert; fast in allen Gesteinen erscheinen basaltische Theile, und wir könnten eine Reihe von Stufen herstellen, in welehen die unmerklichsten Über- gänge von einem Kalksteine und Thone zum festen Basalte vertreten wären. Die Basalttuffe oder Breccien bilden einen mehr oder minder groben Basaltgrus, welcher mit feinem Basaltschlamm und Kalkschlamm ein bisweilen festes, meist aber ziemlich lockeres Gestein bildet. Natürlich trägt dieses Gestein in der Nähe grösserer Basalt- 53% Sehauroth. Übersicht der geognostischen Verhältnisse massen auch stets mehr den basaltischen oder breecienartigen Charakter, während es in grösseren Entfernungen mehr den Charakter kalkiger, thoniger oder tuffartiger Gesteine zeigt. Diese neptuno-plutonischen Schichten, welche auch Bruchstücke von Gesteinen älterer Formationen enthalten, nennt man hier Tufa, Peperite und Brecciola. Bei ihrer gleichzeitigen Entstehung findet man in ihnen dieselben Versteinerungen, wie in den anstossenden. Kalkschichten. Gleich dem Basalte sind die Tuffe und Breeeien in unserem Terrain ausserordentlich verbreitet und bilden einen ansehnlichen Theil des Tertiärgebirges. Von den vielen Orten ihres Vorkommens sind als die bekanntesten anzuführen die Schichten am Muchione, bei Tomba, bei Bolea, am Monte Grumi und Monte Castello bei Castel- gomberto, Montechio maggiore, la Trinita und St. Pietro bei Monteviale. Die Thone und Nummulitenkalke erscheinen schon über der Kreide mit Basalttuffen. Auf den Höhen zwischen Schio und Valdagno bei Magre, über Castelgomberto und Priabona, zwischen dem Agno und Chiampo bei Altissimo, jenseits des Chiampo bis Verona, überall sind diese Nummulitenkalke weit verbreitet. Dieselben sind meist fest, gelblichweiss, und bestehen oft fast zur Hälfte aus sphä- roidischen Nummuliten; sie wechseln in mehreren Lagen oft mit Basalttuffen an den eben erwähnten Orten. Nach oben werden sie ärmer an Nummuliten und treten auch mit korallenreichen Schichten, an anderen Orten mit den fischreichen Schiefern in Mei und werden von Braunkohlengebilden überlagert. Die Fischschiefer bilden keine besondere Formation, sondern sind nur als eigens modifieirte, dem oberen Niveau des Nummuliten- kalkes angehörige Kalke zu betrachten; mit ihnen treten schon mehr thonige, mergelige, schieferige Gebilde auf. Man kennt solche fisch- reiche Schiefer von Bolea, Novale und Saleedo; auch nördlich von Breganze sind neuerlich am Chiavon solche Schichten durch das Wasser blossgelegt und vom Grafen Piovene mit günstigem Erfolge Nachgrabungen unternommen worden. Die Fundstätte der Fische von Salcedo und Chiavon, welehe de Zigno für mioeän hält, habe ich nicht besucht. Am bekanntesten sind die Fische von Bolea Purga. Wenn schon die häring- und aalartigen Fische, welche hier vorkommen, als solche für tertiär erkannt werden müssen, so spricht noch mehr die Lagerung der Gegend von Recoaro im Vicentinischen. 535 des Gesteins selbst für ihr tertiäres, eocänes Alter. Man sieht hier die Fischschiefer in der Nähe grösserer Basaltmassen förmlich im Peperite eingelagert. Die Schiefer selbst haben eine geneigte Lage, während die Peperite zum Theil horizontal gelagert erscheinen und selbst von Basaltgängen durchsetzt werden. Über dem Peperite und den nummulitenführenden Schichten werden bei Bolca noch Braun- kohlen gefunden. Die Brüche in diesen Fischschiefern werden von wenigen Privaten betrieben und zwar nur in der Absicht, diese Fische zu erhalten. Desshalb und weil oft lang gearbeitet werden muss, bis schöne Exemplare gefunden werden, stehen diese Fische immer noch in hohem Preise. Die Steinbrüche liegen theils an dem südlichen Gehänge des gegen Osten ins Chiampothal mündenden Val Kerba am Monte Bolca, welcher veronesisch ist, theils am nördlichen Gehänge desselben, am Monte Postale, welcher ins Vicentinische gehört. Dass die Anhäufung dieser Fische mit den Basalt-Eruptionen in Verbindung steht, ist klar; der Wechsel von Kalkschichten und Peperit lässt auf zeitweise Unterbrechungen der vulcanischen Thätigkeit schliessen, wodurch sich auch erklärt, dass geneigte Kalkschichten von horizon- talen Peperitschichten überlagert werden können. Der Tod der Fische dürfte jedoch weniger der Hitze, welche die Eruption begleitete, als den Gasen, vorzüglich dem Schwefelwasserstoffgas, zuzuschreiben sein. Diese Gase konnten sowohl dem vuleanischen Herde entströmen, als auch sich aus den unten liegenden Peperitmassen entwickeln, denn wenn die Eruption selbst den Tod der Fische herbeigeführt hätte, könnten diese nicht nur in den feinen, durch vulcanisches Material wenig oder gar nicht verunreinigten Kalkschichten vorkommen, sondern müssten vielmehr in den Tuffsehichten selbst erwartet werden; auch würden wir in ihrer Begleitung mehr andere thierische Über- reste finden, wie es in den Tuff- oder Peperitschichten der Fall zu sein pflegt, wo vulcanische Asche und Lapilli alle lebende Wesen begrub. Die Hitze des sich ergiessenden Basalts kann jedoch die schnelle Erhärtung, die Bildung der schieferigen Struetur und die gute Erhaltung der organischen Überreste befördert haben. Aus dem Gesagten dürfte zu schliessen sein, dass solche Fisch- schiefer auch an anderen Orten im Vicentinischen, wo wir gleichen stratographischen Verhältnissen begegnen, entdeckt werden. Die Braunkohle ist an mehreren Orten aufgeschlossen und erscheint da in mehr oder minder bauwürdigen Flötzen. Sitzb. d. mathem.-naturw. Cl. XVII. Bd. III. Hft. 35 536 Scehauroth. Übersicht der geognostischen Verhältnisse Ein Beweis, dass die tertiäre Formation der südöstlichen Alpen noch wenig durchforscht ist, liegt schon darin, dass die bathro- \ logische Stellung der in nationalökonomischer Hinsicht besonders für die Lombardei so wichtigen Braunkohle noch nicht festgestellt ist. Nur mit Hilfe der Kenntniss der geologischen Verhältnisse in den südlichen Ausgängen der Alpen lässt sich die wichtige Frage über die Verbreitung der Braunkohle beantworten. Wie ich schon bemerkt habe, erlaubte es meine Zeit nicht, die Lagerungsverhältnisse der Tertiärbildungen bis ins Detail zu verfolgen; ich konnte daher nur die Braunkohlenformation von Bulli bei Valdagno sehen, welche Localität aber am wenigsten zur Beurtheilung der Lagerungsverhält- nisse der Kohle sich eignet, da sie durch plutonische Kräfte aus ihrer natürlichen Lage geworfen worden ist, und gerade dadurch zu Fehlschlüssen Veranlassung geben kann. Das Vorkommen der Braunkohle istim Vicentinischen an mehreren weit von einander entfernten Punkten bekannt; ihr Niveau ist nämlich aufgeschlossen bei Monteviale, Boleca, Monte del Pugnello zwischen Arzignano und Chiampo, auf der Calvarina, am Monte di Magre, bei Salcedo, Novale, Cornedo und Bulli. Hieraus können wir schliessen, dass auch das Tertiärgebirge ursprünglich mit einer stätig ausgebrei- teten, wenn auch nicht überall bauwürdigen Kohlenablagerung gesegnet gewesen sei, welche selbst aber durch die gewaltigen Kräfte, denen später die dortigen Schichten preisgegeben waren, aus ihrem Zusammenhang und zum Theil aus ihrem ursprünglichen Niveau gerissen oder durch Wasserkräfte entführt worden sind. Ich zweifle nicht, dass in den südlichen Alpen nur eine Koblen- formation bestehe, wenn deren auch von verschiedenem Alter erwähnt worden sind. Diese Formation nimmt ihre Stelle über den Nummulitenkalken und Fischschiefern ein. Die letzteren sowohl als auch die Peperite führen schon vegetabilische Überreste und kündigen die Nähe der Kohlenlager an. Es erscheinen nun zuerst bituminöse Schiefer mit Fischresten, dann thonige und mergelige Gesteine mitBlätterabdrücken sowohl im Liegenden als Hangenden der Braunkohle oder zwischen derselben, wenn mehrere Flötze vorhanden sind. Überlagert wird die Kohle von Basalttuffsehiehten, von muschelreichen, grobkalkähn- lichen Schichten, welchen, wie ich vermuthe, die jüngeren Schichten von Schio folgen. der Gegend von Recoaro im Vicentinischen. 537 Diese Lagerungsverhältnisse bleiben sich bei allen oben genann- ten Orten des Vorkommens gleich. Auch in Bezug auf ihre relative Lage stimmen, mit Ausnahme des Kohlenterrains von Bulli, alle Localitäten überein. Das Terrain von Bulli bei Valdagno liegt tiefer als die anstossenden Tertiärhügel und könnte daher älter als diese erscheinen; allein die ganze Tertiärlandschaft von Schio westwärts der Grenze des Jura entlang, liegt tiefer als der Jura und hat von ‚dem Gebirgsbildungsprocesse der nahen Alpen zu leiden gehabt; das Terrain von Bulli ist sonach als eine grosse Scholle zu.betrach- ten, welche bei der Hebung dieses Tertiärgebietes in einem tieferen Niveau geblieben ist. Um nun zu entscheiden, ob der Braunkohle in diesem Tertiär- gebiete eine weitere Verbreitung als an den oben genannten Orten zukomme und dieselbe zu Tage gefördert werden könne, ist. es noth- wendig, die Dislocationen, welche das Terrain getroffen haben, ins Auge zu fassen. Diese Verhältnisse gründlich zu erörtern, würde mehr Zeit in Anspruch nehmen, als mir zu Gebote stand; die Sache ist aber zu wichtig, als dass ich nicht meine, wenngleich nur durch oberflächliche Beobachtung gewonnene Ansicht als einen Wink für weitere Untersuchungen mittheilen sollte. Überblicken wir die Reliefform des Landstriches vom Eitsch- thale bis zum Golf von Venedig, so können wir in der Architektur des Gebirges drei Etagen unterscheiden, welche durch die Ebene, die meist tertiären Vorberge und die hohen, meist aus älteren : Gebirgsformationen bestehenden Alpen repräsentirt werden. Wäre die Erhebung eine gleichförmige in parallelen Linien gewesen, so müsste die erste, zunächst der oberen gelegene Stufe oder mittlere Etage regelmässig dem Streichen der Erhebungslinie folgen; dies ist aber nicht der Fall e Wir sehen vom Monte Pasubio, etwa in der Richtung des Etschthales, einen hohen Kamm herablaufen, welcher einer besonderen Erhebungslinie entspricht und südlich bis nach Verona fortsetzt; gegen Osten erstreckt sich aber die gebirgige Physiognomie bis nach Schio und Vicenza, während vom Norden her die Berge bis an eine Linie reichen, welche von Schio aus durch die Orte Piovene, Caltrano, Breganze, Marostica in nordöstlicher Richtung hinzieht. Auffallend wird dadurch die Bucht, in welche die lombardische Ebene bis Vicenza, Schio, Piovene und Breganze hereintritt. Nördlich von Carre bis Breganze erscheinen dieselben 35% 538 Schauroth. Übersicht der geognostischen Verhältnisse geognostischen Verhältnisse wieder, wie in dem Terrain westlich von der in der Natur scharf begrenzten Linie von Schio über Mald in der Richtung nach Vicenza. Wir können .nicht annehmen, dass diese beiden Territorien einst in ununterbrochenem Zusammen- hange gestanden haben und später die dazwischen gelegenen Berg- massen durch Erosion weggeführt worden seien: wir dürfen viel- mehr folgern, dass däs ganze dazwischen liegende Terrain, welches ich eben als eine Bucht der Ebene bezeichnet habe, in einem tieferen Niveau liege und die Linie von Schio über Malö eine Verwerfungs- linie repräsentire. Diese Annahme findet namhafte Unterstützung in dem Umstande, dass bei Schio sich jüngere tertiäre Schichten befinden, welche unter die Ebene fortzusetzen scheinen. Auf diese Weise würden wir bei Schio zwei grosse Verwerfungsklüfte sich schneiden sehen, was auch dadurch sehr wahrscheinlich gemacht wird, dass gerade die Gegend von Schio bis Sant’ Orso vorzugs- weise die Spuren gewaltsamer Zertrümmerung aufzuweisen hat. Unter dieser Voraussetzung (nach welcher die Schichten der Gegend südlich von Schio in einem tieferen Niveau liegen) ist es aber auch höchst wahrscheinlich, dass hier die im Hügellande nördlich von Vicenza an hoch gelegenen Orten zu Tage gehende Braunkoblen- formation in bauwürdiger Tiefe verborgen liege. Gründlichere geolo- sische Untersuchungen und bergmännische Versuchsarbeiten mit dem Erdbohrer würden diese wichtige Frage bald entscheiden können. Obgleich meine literarischen Hilfsmittel mich nieht in den Stand setzen, einen vollständigen Bericht über die von mir gesam- melten Tertiärversteinerungen zu erstatten, so glaube ich doch, sie nicht unerwähnt lassen zu dürfen, und halte es für zweckmässig, einige bezeichnende oder von hier noch nieht erwähnte Arten zu beschreiben und so weit durch Abbildungen zu veranschaulichen, dass sie hiernach leicht erkannt werden können. Aus den eocänen Kalken von Torricelle (Torreselle) habe ich mehrere Korallen erhalten, die ihres häufigen Vorkommens und guten Erhaltungszustandes wegen vorzugsweise erwähnt zu werden verdienen. Porites leiophylla Keuss. Haidinger’s naturw. Abhandl. Vol. II, Taf. V, Fig. A. Diese Art führt Reuss als nur seltenes Vorkommen im Wasch- berge bei Stockerau an. Die Structur der Zellen einiger hierher der Gegend von Recoaro im Vicentinischen. 539 gehörigen Formen stimmt mit der Reuss’schen Abbildung und Beschreibung überein. Reuss hebt die Ungleichheit und Unregel- mässigkeit, welche in der Bildung der Sterne waltet, hervor; ich rechne daher zu dieser Art einige mehr Stamm- und Astform nach- ahmende Exemplare, welche bei sonst gleich grossem Gewebe in der Bildung der Sterne dadurch von der erwähnten Art abweichen, dass die Lamellen entweder mehr zackig oder auch mehr körnig erscheinen, und nehme an, dass die Structur des Gewebes hier ein entscheidenderes Merkmal abgebe, als die Ausbildung der ohnedies undeutlichen und bei der geringsten Abnützung eine ganz andere Zeichnung annehmenden Zellen oder der Oberfläche überhaupt. Phyllocoenia sp. ? Taf. II, Fig. 14. Diese Art steht der tertiären Cladocora conferta und der Phyl- locoenia compressa der Kreide sehr nahe. Dieselben unterscheiden sich aber besonders durch die Form des Polypenstockes, welcher hier dick, kurz, knollig oder halbkugelig ist, während unsere Art nur unregelmässig gestaltete Platten bildet, welche bis zu 150 Millim. Durchmesser und 15 Millim. Dicke erreichen und dabei oft auf beiden Seiten mit Zellen besetzt sind; auch sind hier keine Pfählehen vor- handen, und die an der Aussenseite der etwas hervorstehenden Zellen herablaufenden Rippen zeigen in der Regel nur eine Reihe von Körnern oder Zäckchen oder sind ausnahmsweise über die ganze Rippe mit unregelmässiger Körnung besetzt, wie es bei Cladocora conferta angegeben wird. Diese Art wäre also folgendermassen zu diagnosiren: | Stock unregelmässig plattenförmig; die Kelche stehen sehr eng, unregelmässig und fast immer in geneigter Stellung beisammen; ihre Form ist ceylindrisch oder etwas konisch, meist mit scharfem, rundem oder ovalem, auch dreieckig zusammengedrücktem Rande mit mehr oder minder tiefer Kammer. Die Sternleisten sind dünn, auf den Seiten und an den etwas bogenförmig erhabenen Kanten gekörnt; sie bilden sechs Systeme, erscheinen aber selten vollständig entwickelt; die ersten zwölf Lamellen treffen sich in der Mitte, ohne eine Säule zu bilden, ausserdem erscheinen noch zwei Kreise von Lamellen, welche beide die Axe nicht erreichen. So vollständig sind die Zellen selten ausgebildet, indem gegen den Rand hin meistens, 540 Sehauroth. Übersicht der geognostischen Verhältnisse einzelne oder mehrere Lamellen fehlen, was an den feinen, meist einreihig gekörnten Rippen der Aussenseite, welche genau den Sep- ten entsprechen, zu erkennen ist. Die Rippen vereinigen sich im Grunde der zwischen den 2—3 Millim. hohen und durchSch na 3—4 Millim. breiten Zellen liegenden Thälern. Phylloeoenia irradians E. et H. Naumann’s Atlas zum Handb. d. Geogn. Taf. 61, Fig. 1 unterscheidet sich von voriger Art sofort durch kräftigeren Bau, mehr knollige Gestalt und entfernter stehende Zellen. Stylocoenia Taurinensis Michn., sp. Astraea Taurinensis Mich. Icon. p. 62, Taf. 13, Fig. 3 und Reuss in Haid. nat. Abh. Vol. II, pag. 27, Taf. 5, Fig. 2 bildet häufig Krusten auf anderen, grösseren, hier angeführten Polypenstöcken. Stylina sp.? Taf. II, Fig. 18. Lange, eylindrische, erst kriechende, dann aufgerichtete Zellen stehen ziemlich nahe büschelförmig beisammen und sind durch lappige Ausbreitungen der Dissepimente und Rippen mehrfach seitlich verbunden; aussen sind sie mit scharfen Rippen versehen, deren Zwischenräume durch die Dissepimente in kleine Zellen getheilt erscheinen. Auf der ziemlich ebenen oberen Seite der Colonie ragen die runden, konischen, dickwandigen, aussen gerippten, 3—4 Millim. breiten und unregelmässig gestellten Kelche 2—3 Millim. hoch empor. Die Rippen dieser Zellenenden sind scharfkantig und gekörnt. Die Zellen stehen isolirt, durch ein gekörntes, ebenes Cönenchym von einander getrennt. Die Sternlamellen zählen sechs grössere oder ersteren Ranges und eine verhältnissmässige Anzahl zweiten, dritten und vierten Ranges. Die Septen selbst sind an der Kante und an den Seiten gekörnt. Im Mittelpunkte steht eine einfache oder getheilte sriffelförmige Columella. Trochoseris distorta Michn., sp. a. Bronn’s Lethaea Tab. 35, Fig. 8. b. auf unserer Tab. III., Fig. 1. Aus den korallenreichen Kalken von Torricelle und Marostieca besitze ich mäandrinaähnliche Korallen ‚ die, wie ich vermuthe, der Gegend von Recoaro im Vicentinischen. 541 ‚ Catullo in seinem Verzeichnisse der Versteinerungen des Vicen- tinischen als Astraea confluens G oldf. aufgeführt hat. Die hier zur Sprache kommenden Korallen stehen sich: alle durch gewisse Charak- tere sehr nahe und bilden vielleicht nur eine Art, lassen sich aber doch auf zwei Formen zurückführen. | ; a) Die erste Form erscheint in einfachen oder zusammen- gesetzten Stöcken, welche etwas kreiselförmig, pilz- oder büschel- ähnlich, selbst walzig und unten mit einem Fusse oder Stiele ange- wachsen sind. Die untere Seite ist von der Anheftungsstelle an mit einer glatten Epithek überkleidet und mit engstehenden, den Septen entsprechenden, kantigen, auf der Kante mit einer Reihe scharfer Körner gezierten, abwechselnd stärkeren und sehwächeren Rippen versehen, die gegen den Fuss hin unter der Epithek verschwinden. Einfache Stöcke zeigen walzige bis enemidiumähnliche Form, zusam- mengesetzte hingegen lassen theils noch isolirte Kelche unterscheiden, theils sind sie auf der Oberfläche durch Aneinanderreihung mehrerer Individuen mit Kämmen und labyrinthischen Furchen bedeckt und gehen auf diese Weise in die folgende Form über. Die Septa sind zahlreich und stimmen in ihrer Ausbildung mit jenen der folgenden Form überein. An den tieferen Theilen verwitterter Exemplare habe ich Dissepimente oder schiefe Böden zwischen den Lamellen beob- achtet. Die Columella ist rudimentär oder nicht vorhanden. b) Die zweite Form kommt nur selten in einfachen Stöcken vor und bildet in der Regel plattenförmige Colonien bis zu 40 Millim. Höhe und 175 Millim. Durchmesser. Diese Platten tragen oben "mäandrisch gewundene Furchen, ähnlich der lebenden Olenophyllia maeandrites; unten, meistens ziemlich in der Mitte der Scheibe, erkennt man die Bruchfläche der kleinen Basis, mit welcher sie angewachsen war. Die ganze untere Seite, welche gleichsam den Boden der Colonie bildet, ist uneben, mit unregelmässigen Wachs- thumsstufen und radialen, abwechselnd stärkeren und schwächeren, kantigen, auf der Kante mit einer Reihe scharfer Körner gezierten, durch Interpolation sich mehrenden Rippen versehen. Eine Epithek, wie bei voriger Form, ist nicht vorhanden. Die obere Seite ist mit tiefen, mäandrisch gewundenen Gängen bedeckt, in welchen eine Tendenz zur Individualisation nicht hervortritt. Die Septa sind zahl- reich, entsprechen den äusseren Rippen und sind auf der Seite so wie auf der Kante gekörnt. Zwei in der Mitte der scharfen Kämme 5A2 Schauroth. Übersicht der geognostischen Verhältnisse sich treffende Reihen sind nur durch die gemeinschaftliche Wand getrennt; in diesen Kämmen wechseln dann immer eine grössere, unten sich etwas erhebende, und eine kleinere, weniger hervor- ragende Lamelle mit einander ab und stehen in der Regel so gegen einander, ‚dass die grössere und kleinere Lamelle der einen Reihe der grösseren und kleineren Lamelle der anstossenden Reihe ent- spricht, und die Lamellen der einen Reihe die Fortsetzungen der gleichgestalteten der anderen Reihe zu sein scheinen. Diese zweite Form unterscheidet sich demnach von der ersten nur durch die Plattenform des Polypenstockes, durch den Mangel der Tendenz zur Individualisation und der Epithek am untersten Theile, so wie durch etwas zartere Ausbildung der Lamellen und Rippen. Beide Formen gehen in einander über und gehören vielleicht zu Ctenophyllia. Dendraeis &ervillei E. et H. abgebildet in Bronn’s Lethäa, Taf. 35, Fig. 4, pag. 285. Diese im oberen Parisien von Hauteville häufige Art habe ich auch als häufiges Vorkommen bei Torricelle erhalten. Einige andere Korallen muss ich unberücksichtigt lassen. Nummulina lenticularis F. M., sp. Taf. III, Fig. 2. Trotz dem ausserordentlichen Reichthume an Nummulinen dürften wir es hier nur mit wenigen Arten zu thun haben. Bei der trostlosen Verwirrung, welche über die Namen dieser Körper noch herrscht, ist es nöthig, dass ich die hier vorkommenden Formen näher bezeichne. An gewissen Localitäten, z. B. in den Kalken, welche zwischen Malo und Valdagno und südlich von Tomba zwischen dem Chiampo und Agno über der Scaglia lagern, sind die aufgetriebenen, mehr kugeligen Nummulinen die vorherrschenden. Obgleich sie, von 1 bis 15 Millim. Durchmesser, nach Form und Zeichnung manche Abwei- ‘ chungen unter sich zu erkennen geben, so dürften sie doch, da allen ein gewisser specieller Charakter zukommt, als Individuen einer Art zu betrachten sein. | Die kleinsten Individuen dieser Art zeigen schmale, von der Seite gesehen nautilusartige S-förmige Mundseite, ziemlich scharfen Rücken, auf der Aussenseite etwas gebogen-radiale, den Kammern entsprechende, von einem Knötchen als Mittelpunkt ausgehende Falten der Gegend von Recoaro im Vicentinischen. Az oder Rippen und im Durchschnitte 3—4 rhombische, in einander geschachtelte reitende Umgänge, also die Charaktere von Nummulina globulus Leym. Mit Zunahme an Grösse und Umgängen verschwinden diese Falten, es zeigen sich sichelförmige Linien, welche endlich bei weiterem Wachsthume in eine Körnung übergehen, die jedoch an losen, abgescheuerten Exemplaren nicht mehr zu bemerken ist. Die Durehschnitte, rechtwinkelig auf die Scheibenfläche, lassen oft eine Abrundung des Rückens mit zunehmender Grösse bemerken; auch erscheinen auf den Durchschnittsflächen bisweilen mehre die Kammer- räume durchsetzende Kalkröhrehen der Scheidewände, oder vielmehr : die Durehschnitte der Scheidewände’ selbst, so dass sie theils zu N. spissa Defr., theils zu N. scabra Lam. gerechnet werden müssen. N. perforata von Klagenfurt und N. Biaritzana d’Arch. gehören auch hierher. Die Kammern selbst sind sehr kurz, schmal und niedrig. Merkwürdig ist der Umstand, dass die inneren Umgänge grosser Exemplare, wenn sie durch die Atmosphärilien blossgelegt sind, noch vollkommen den kleinen, als N. globulus beschriebenen Individuen gleichen. Dieser Typus allein mag Veranlassung zu einer grossen Anzahl von Arten gegeben haben. So dürften Lenticu- lites rotulata Lam., Rot. radiatus M. F. und Lent. nautiloides Scehloth. ebenfalls hierher gehören. In Begleitung dieser Art finden sich noch häufig Nummulina assilinoides Rüt. oder Assulina depressa d’Orb., auch manche als N. laevigata angeführte Formen. Assulina depressa bildetflache, ziemlich made Scheiben bis zu 25 Millim. Durchmesser und fast 3 Millim. Dicke. Ihre Aussenseite erscheint gekörnt, und da die kleinen Erhöhungen in ihrer Lage den Durchschnitten der Scheidewände mit der Scheibenfläche entsprechen, so lässt sich in ihrer Lage leicht eine spirale Anordnung erkennen. Die Kammern sind in ihrem Horizontaldurchschnitte etwas höher als breit, im Vertiealdurcehschnitte oben eonvex, unten eonceav und so spiral an einander gereiht, wie es die Abbildungen von Assulina depressa und Numm. laevigata hinreichend veranschaulichen. Über den Bau dieser Art geben die Steinkerne eines porösen, durch die Eruption von Basalt wahrscheinlich in diesen Zustand versetzten Nummulinengesteins von Novale erwünschten Aufschluss. In diesem Gesteine bildet dieselbe die vorherrschende Art, und wir sehen hier vortreffliehe Hohldrücke erhalten, welehe die sonst 5AA Schauroth. Übersicht der geognostischen Verhältnisse nirgends unversehrt erhaltene Oberflächenzeichnung treu aufbe- wahrt haben und die in den Ausgüssen der Kammern eine deutliche Ansicht des Innern derselben gestatten. Eine dritte, ebenfalls nicht seltene Art steht dem Nummulites assilinoides Rüt. nahe, wird aber noch grösser, bis 50. Millim. im Durchmesser. Sie unterscheidet sich von jener durch 'verbogene Form, durch schärferen stets verbogenen Rand und ihre, wenn auch nicht glatte, doch ungekörnte Oberfläche. Die Kammern sind sitzend, nichtsdestoweniger aber überziehen die Umgänge den ganzen Körper, jedoch in so dünnen Lagen, dass die Form dünn-scheibenförmig bleibt und die Schale bei der Verwitterung sich in dünnen Lamellen abblättert. Diese Art dürfte zu N. complanata Lam. oder N. maxıma Cat. gerechnet werden. Eine andere, aber ihrer Struetur wegen nicht zu Nummulina gehörige Art bildet die hier auch vorkommende N. polygyrata Rüt. An anderen Orten, z.B. im Val Sangonini und bei S. Orso zeigen sich die sogenannten Orbituliten und ersetzen gleichsam die Nummu- linen, welche hier nur in geringer Anzahl vorhanden sind. | Die Orbituliten bilden dünne, gerade,’ oder sattelförmig gebogene Scheiben mit scharfem Rande und rauher. Oberfläche von höchstens 1 Millim. Dieke und 5—20 Millim. Durchmesser. Die ebenen, oder in der Mitte nur wenig verdickten Individuen gehören zu Schlotheim’s Lenticulites ephippium, zuBronn’s Hymenocyclus papyraceus, und sind von Catullo. Discolites onychomorpha genannt worden; jene mit einem Knoten in der Mitte gehören zu Orbitulites submedia d’Arch., und eine Art mit einem Knopf in der Mitte und gegen 30 von demselben ausstrahlenden Rippen dürfte zu Orb. radians d’Ar ch. zu stellen sein. Der Erhaltungszustand dieser Körper gibt wenig Aufschluss über ihre räthselhafte Natur. Geräumige Kammern, wie bei Nummu- linen, sind bei ihnen nicht zu erkennen, und auf dem Querbruche haben sie das Ansehen, als wenn zwei gleich dicke Scheiben an einan- der gefügt wären, welche selbst aus senkrecht auf die Berührungs- fläche stehenden Säulchen zusammengesetzt erscheinen. Hierher gehört wohl auch die als Num. polygyrata (Taf. II, Fig. 3) angeführte Form. Wenn die Atmosphärilien zerstörend auf diese Körper eingewirkt haben, tritt die Structur deutlich hervor. Man unterscheidet dann deutlich zwei durch eine Fuge getrennte, der Gegend von Recoaro im Vicentinischen. 5A5 gleich dicke Scheiben, welche aus eylindrischen, sich nicht berühren- den, senkrecht neben einander stehenden, sich zuspitzenden Säulchen bestehen, deren Zwischenräume mit thierisch-kalkiger Masse erfüllt sind, so dass die Spitzen der Säulchen die Oberfläche der Scheibe _ überragen und im unverletzten Zustand die äusserliche Körnung hervorrufen, während die unteren Enden in eine Bäsalplatte eingefügt zu sein scheinen, bei weiter vorgeschrittener Verwitterung aber auch nach unten oder innen frei stehen und sich auch hier zugespitzt zeigen; die Oberfläche dieser Säulchen ist fein quergerunzelt,, und sie selbst scheinen in der Richtung der Axe durchbohrt zu sein. In dem Nummulitenkalke von Sant’ Orso und Valle Dangonini habe ich auch 3 Arten von Operculina bemerkt. Operenlina Boissyi d’Arch. Tab. III, Fig. 7. Der einzigen mir zugänglichen Abbildung in Naumann’s Atlas Taf. 61, Fig. 18 nach zu urtheilen, muss eine Form hieher gerechnet werden. Sie hat 5 Millim. Durchmesser, hervorstehenden glatten Kiel und gleiche, zuleizt etwas rückwärtsgebogen dem Kiele sich an- schliessende Rippen, ‚welche beide ebene, tiefer liegende Felder zwischen sich fassen. Opereulina erenato-costata m., n. sp. Taf. IH, Fig. 8. So will ich eine der Heterostegina costata d’Orb. im Äusseren ähnliche, aber keine Fächer in den Kammen zeigende Art nennen welche der vorigen ähnlich, bei etwa 5 Millim. Durchmesser und gleicher Lage der Rippen und des Kieles auf den Rippen mit einer Reihe zierlicher Kerben oder Perlen versehen ist, und welche letztere auch amKiele, aber weniger deutlich, zu bemerken sind. Opereulina semicostata m., n. sp. Taf. III, Fig. 9. bildet, wie ich vermuthe, auch eine neue Art. Die ersten 3 Um- gänge sind mit dicht aneinander stehenden, einer Schnur ähnlich gewundenen Wülsten versehen, welche wie grobe Rippen auf dem letzten Umgange nur die untere Hälfte des Umganges bedecken, 5A6 Sehauroth. Übersicht der geognostischen Verhältnisse während die obere, dem Rücken zu gelegene, etwas rinnenartig vertieft und körnig-rauh. erscheint. Von eoeänen Stachelhäutern finden sich nicht selten Conoclypus conoideus Ag., Conocl. Bouci Münst., Clypeaster grandiflorus Bronn, Eupatagus ornatus Ag., Scutella Faujasi Defr. und Spatangus Desmaresti Münst. Interessant ist das Vorkommen von Krinoidenstielgliedern bei Priabona. Sie gehören zu Bourguetocrinus, und ich will sie als ! Bourguetocrinus elliptieus Schloth., sp. Taf. II, Fig. 10 anführen. Von diesem artenarmen Geschlechte kennt man nur eine lebende von den Antillen ; als eocän werden 3 Arten erwähnt, nämlich, eine von Biaritz (B. oder Conocerinus Thorenti) eine (B. Lon- dinensis) aus dem Londonclay von Copenhagen-House und eine (Apioerinus ellipticus cornutus Schafh.) vom Kressenberge. Ausserdem hat die Kreide noch 3 und der untere Jura 4 Arten aufzuweisen. Unsere Exemplare stimmen — so viel ich den Beschreibungen entnehmen kann — am meisten mit dem Bourguetocrinus ellipticus der oberen Kreide überein. Schafhäutl hat eine Art vom Kressen- berge in v. Leonhard’s Jahrbuch 1846, p. 658, 1851, p. 420, Taf. VII, Fig. 13, und 1852, p. 151 beschrieben; da man sich aber weder aus den Beschreibungen dieser noch der anderen Arten eine hinreichend deutliche Vorstellung von der Zeichnung der Gelenk- flächen machen kann und ich vermuthe, dass die Art vom Kressenberge — wenn auch mehr gehörnt erscheinend — mit unserer identisch und mit dem B. ellipticus der oberen Kreide zu vereinigen sei, so will ich diese Form nicht unter neuem Namen aufführen, sondern lieber zu dem gegebenen Namen ein Fragezeichen stellen. Diese Stielglieder erreichen eineHöhe von —6 Millim. und eine grösste Breite von 7—11 Millim. Die elliptischen Gelenkflächen sind nur wenig concav, so dass die ziemlich spitzen Enden der grossen Axe nur wenig in die Höhe streben und sich dadurch von der Form des Kressenberges etwas unterscheiden. In der Richtung der grossen Axe läuft eine erhöhte Leiste, welche eine feine Längsfurche hat und an welche sich an beiden Enden, erst in der Richtung des Umfangs, die Anfänge einer vertieften Linie, dann, mehr der Mitte zu, eine der Gegend von Recoaro im Vicentinischen. BAY zweite, ununterbrochene, elliptische Furche anschliesst. -Die Mitte ist fein durehbohrt und so vertieft, dass die Grube durch den beider- seitigen Eintritt der in der Richtung der grossen Axe laufenden und in der Mitte unterbrochenen Leiste ein didymisches oder gedoppeltes Ansehen erhält. Die beiden Gelenkflächen stehen nieht rechtwinkelig auf einander, sondern gewöhnlich in einem Winkel von 120° gegen einander. Diese Verschiebung der beiden Gelenkflächen ist theils nach rechts, theils nach links, so dass an den Säulen die Kanten, welehe durch diese Verwendung an den Seiten entstanden, im Ziekzack laufen mussten. Die beigefügten Abbildungen werden hinreichen, um Ver- gleiche mit den anderen Arten anstellen zu können, und sollte sich diese Form als eine selbstständige erweisen, so könnte sie ihrer gedoppelten Vertiefung der Gelenkflächen wegen als didymus unter- schieden werden. VII. BRYOZOEN finden sich auch nicht selten in den eocänen Gesteinen des Vicen- tinischen. Cellepora pustulosa Münst. (Goldf. Petref. I, p. 102, Taf. 36, Fig. 15, aus dem Sandmergel von Astrupp, welche mit C. tristoma, ib. Fig. 12 und C. oder Escharoides pusilla Hag., Leth. p. 106, Taf. 29°, Fig. 16 grosse Verwandtschaft zu erkennen gibt) überzieht zuweilen Orbituliten im Kalke von Sant’ Orso. - Cellepora hexagonalis Münst. (Goldf. Petref. I, p. 102, Taf. 36, Fig. 15, aus dem chloritischen und eisenschüssigen Sand- steine der Glaueonie des Grobkalkes von Traunstein, wo sie Über- züge auf Austern und Nummuliten bildet) erscheint auch hier auf Nummuliten, Orbituliten und in lappenförmigen Colonien, welche letz- teren nur aus zwei durch eine Basaltplatte getrennten Zellenschichten bestehen. | Lunulites bimarginatus m., n. sp. Taf. Il, Fig.11 will ich eine Art nennen, welche dem Zunulites radiatus wohl am nächsten steht, sich von diesem aber hauptsächlich durch den doppel- ten Mundrand unterscheidet. Sie bildet einen sehr flach-trichter- förmigen, 1 Millim. dicken Stock, welcher, nach dem 30 Millim. grossen Bruchstücke zu urtheilen, einen Durchmesser von 40 Millim. 548 Schauroth. Übersicht der geognostischen Verhältnisse gehabt haben kann. Die Zellen sind etwas gebogen und münden auf der unteren, gewölbten Seite, liegen dachziegelförmig in radialen, durch Einschaltung vermehrten Reihen über einander und in eoncen- trischen Reihen neben einander. Die Anordnung der letzteren Reihen tritt besonders dadurch deutlich hervor, dass der obere Theil der einzelnen Zellen etwas überhängt und ringförmige Stufen bildet. Die Mündungen der Zellen sind etwas viereckig-elliptisch, glatt und mit einem doppelten Rande versehen, so dass es scheint, ‚als ob zwei Zellen in einander gesteckt wären, deren entsprechende concave und convexe Rückenseiten sich berühren. Der innere Ring der Mundansicht bildet die ausgehende Zellenwand, der äussere, jenen nur am Scheitel berührende und von ihm unten durch eine vertiefte halbmondförmige Fläche getrennte Ring ist nur als eine von der Zellenwand ausgehende, bis ins Niveau des Mundrandes reichende leistenartige Verdiekung zu betrachten. Durch die vom Rücken der Zellen in radialen Reihen erfolgende Sprossung kommen nun vier Zellen so neben einander zu stehen, dass die die Zellen- mündungen umfassenden Ringe ein rhombisches vertieftes Feld zwischen sich lassen und der ganzen Oberfläche ein sehr regel- mässiges und zierliches Ansehen verleihen. Die innere Seite erscheint, den Zellenreihen entsprechend, radial gefurcht, so dass man zwischen zwei Furchen die etwas vorstehenden Böden der Zellen bemerken kann. Stomatopora pachysioma m., n. sp. Taf. II, Fig. 12. Auf Orbitulites ephippium habe ich eine kleine Stomatopora gefunden, welche der Stomatopora divaricata Reuss sp. aus dem Leithakalke von Eisenstadt in Ungarn am nächsten steht, sich von ihr aber durch eine wulstigere Mündung und durch kürzere, aufgetrie- benere Form der Zellen hinreichend unterscheiden dürfte. Diese Art bildet aufgewachsene, diehotom-ästige Stämmcechen. Die Zellen erscheinen bei bedeutender Vergrösserung fein gerunzelt mit gelegentlichen schwachen Einschnürungen und Verengung gegen den wulstigen, schief aufgerichteten Mund hin; ihre Länge erreicht höchstens ihre dreifache Breite. Die neuen Zellen knospen unter der Mündung der Mutterzelle hervor; die seitlich abgehenden, diehotomirenden Zellen entspringen auch an der Seite der Zellen, von der Mündung entfernt. der Gegend von Reeoaro im Vicentinischen. 549 Cricopora tubiformis m., n. sp. Taf. III, Fig. 13. Bei einer Tubuliporiden-Art aus der Brecciola vom Valle San- gonini wiederholt sich der bei den Eschariden schon ausgesprochene Charakter der Aneinanderreihung der Zellen mit hohlen Achsen in dem Grade, dass wir hier die einzelnen Zellen zu einem förmlichen Rohr oder Schlauch zusammentreten sehen. Die Form und die Pullulation dieser Zellen gleicht ganz jenen der Stomatopora, und im Systeme kann ich diesen schlauchförmig aus einer einzigen Schichte gebauten Bryozoenstock nicht besser als bei Cricopora unterbringen. Die Zellen sind röhrenförmig, wohl fünfmal so lang als breit, ursprünglich rund, gegen die Mündung hin sehr wenig verjüngt; ihre Mündung ist rund oder auch etwas quer-eiförmig, mit etwas wulstigem Rande versehen. Solcher Zellen stehen 20—80 im Kreise in aufrechter Stellung dicht neben einander; im Nacken einer jeden Zelle entspringt eine neue, so dass ein neuer Cyklus von Zellen entsteht, dessen mehrmalige Wiederholung endlich ein eylindrisches Rohr bildet. In der so entstandenen Colonie erscheint die äussere Seite in der Weise, dass die Zellen in regelmässigen verticalen Reihen und die Zellenmündungen in Quincunx beisammen stehen. Die Zellenreihen selbst sind aber durch scharfe feine Leisten von einander getrennt, so dass jede Zelle genau umschrieben ist. Die Innenseite sieht aus, als ob feine Rundstäbe neben einander lägen, an welchen jede neue Zelle durch eine schwache Einschnürung angedeutet ist. Nun könnte ich noch viele Versteinerungen aus anderen Thier- classen anführen; allein da deren Vorkommen im Vicentinischen meistens schon bekannt ist und ich manche aus Mangel an literari- schen Hülfsmitteln nicht speciell bezeichnen kann und eine blosse Anführung von Genus-Namen für zwecklos halte, so will ich mich auf das oben Mitgetheilte beschränken. Die Diluvialgebilde sind durch Schichten von Mergel und Thon ausgezeichnet; ich konnte ihnen keine Aufmerksamkeit widmen. 550 Schauroth. Übersicht der geognostischen Verhältnisse Die Alluvialgebilde erscheinen in den Thälern durch die verschiedenen primitiven, neptunischen und vulcanischen Gebirgsarten vielfach modifieirt, und halte ich es für überflüssig, hier auf eine Beschreibung dieser minder wichtigen Gebilde einzugehen. . Eruptive Formationen. In vielfacher Hinsicht muss unsere Aufmerksamkeit durch die eruptiven Gebilde in Anspruch genommen werden. Ihre grosse Ver- breitung, ihre Mannigfaltigkeit, der Einfluss, welchen sie auf die geschichteten Gebirgsglieder ausübten, der Antheil, welchen sie an’ der Physiognomie unseres Terrains geltend machen, und die Bezie- hungen, welche sie zu den Mineralquellen zu erkennen geben, fordern zu mehrfachen Erörterungen auf. Die Alpen, zum wenigsten in ihrer gegenwärtigen vollendeten Form, gehören zu den jüngsten Gebirgen. Auf die frühesten Wirkungen granitischer Massen und auf die durch spätere Eruptionen von Por- phyren und Melaphyren vermehrte Erhebung der Alpenkette kann und will ich hier nicht eingehen; diese Katastrophen haben unser Terrain weniger berührt, indem wohl alle Spuren plutonischer Thätig- keit--auf eine spätere Periode hindeuten. Wir sehen nicht nur die älteren seeundären Bildungen aus ihrer ursprünglichen Lage gewor- fen, sondern auch die jüngeren, tertiären Gebilde einer gleichen gewaltsamen Einwirkung erlegen. Schon aus dem Mitgetheilten . geht hervor, dass die jüngeren tertiären Schichten von Schio in ihrem gegenwärtigen Niveau von jenem der primitiven Schiefer und anderen ihr Alter übersteigenden Formationen wenig differiren ; bringen wir nun noch die Beobachtung de Zigno’s in Anschlag, nach welcher beim Dorfe Galio in den Sette Comuni in 8000 Fuss Höhe Nummulitengesteine sich zeigen, so müssen wir daraus schlies- sen, dass diese Verwerfungen alle erst nach dem Absatze dieser tertiären Gebilde erfolgt sein musste. In vielleicht nur seltenen Fällen sehen wir die jüngeren Eruptiv- formationen in das Bereich der älteren, welche dem Gebirge. einen Kern gegeben und die frühere Wunde der Erdrinde gleichsam fest vernarbt haben, eingreifen. Es erscheint daher schon unwahr- ’ der Gegend von Recoaro im Vicentinischen. 551 scheinlich, wenn wir in unserem Terrain eine Menge von eruptiven Gesteinen aus verschiedenen, weit von einander entfernten Perioden, wie Porphyre, Melaphyre, Metassite, Pechstein, Trapp und andere Gesteinsarten, eitirt finden, während T ‚achyt und Basalt am wenig- sten genannt werden, und ich gerade glaube, dass wir es hier nur mit Gliedern aus den Familien des Trachyts und Basalts zu thun haben. Welchen anderen Formationen sollten wir auch diese in die Tertiärperiode fallenden grossartigen Wirkungen zuschreiben ? Es kann nicht auffallend erscheinen, eine solche Mannigfaltigkeit erup- tiver Gesteine, wie sie bei Recoaro die Gebirgsglieder durchsetzen, als das Resultat einer einzigen Periode zu bezeichnen, wenn wir bedenken, dass es gerade die Trachyte und Basalte sind, bei welchen man die meisten Varietäten — die oft anderen, älteren Gesteinen ähnlich sind — unterschieden hat. Trachyt, Basalt und Phonolith stehen sich in vieler Hinsicht sehr nahe, und noch sehen wir in unseren Vulcanen trachytische und basaltische Laven sich bilden. Es dürfte daher auch in unserem Gebiete oft schwer zu entscheiden sein, welche von beiden Forma- tionen die andere an Alter überbiete. Die Basalte haben schon an der Bildung der älteren tertiären Schichten Theil genommen, so dass ich glaube, dass die basaltische Eruption der trachytischen voraus- gegangen sei oder diese eingeleitet habe. Basaltformation. Basaltische Gesteine treffen wir ohne Rücksicht auf das Alter der geschichteten Gebirgsglieder. Da diese Gesteine, wesentlich aus Labrador, Augit und titanhaltigem Magneteisen bestehend, in ihrem ursprünglichen Zustande als identische oder homogene Massen zu betrachten und erst beim Übergange in ihren gegenwärtigen Aggre- gatzustand je nach den Verhältnissen verschieden modifieirt worden sind, so können wir erwarten, dass sie auch in unserem Terrain an verschiedenen Localitäten mit gleichem Habitus und an einer und derselben Localität mit verschiedenem Habitus auftreten. Unsere Gesteine sind nun Dolerit, Anamesit, eigentlicher Basalt und Wacke, und so vertheilt, dass der eigentliche Basalt vorzugsweise dem Ter- tiärgebirge zukommt, während anamesitische und doleritische Varie- täten mehr den älteren Formationen eigen sind. Sitzb. d. mathem.-naturw. C). XVII. Bd. III. Hft. 36 5 52 Schauroth. Übersicht der geognostischen Verhältnisse Ich habe nicht nöthig, die verschiedenen Varietäten des Basalts, welche hier vorkommen, anzuführen oder auf deren Mitwirkung am Bau des Tertiärgebirges zurückzukommen, und erwähne nur, dass unsere Basalte überhaupt meistens eigentlicher Basalt sind und sel- tener anamesitisch oder doleritisch sich zeigen. Die Dolerite bilden meistens kleinkörnige Aggregate der Ele- mentarbestandtheile. Erhalten sie durch viele eingesprengte Augit- krystalle ein porphyrartiges Ansehen, so erscheinen sie zugleich durch die Atmosphärilien mehr oder minder in ihren physicalischen und chemischen Eigenschaften verändert oder zersetzt. Solche Ge- steine hat man auch mit dem Namen Wacke (vachia) — ein Ausdruck der wegen der Inconsequenz in seinem Gebrauche mit Recht immer weniger in Anwendung gebracht wird — bezeichnet; man findet sie in Form von Gängen, z. B. zwischen der Brücke am Agno bei Recoaro und Rovegliana, so wie jenseits Rovegliana. Grössere Verbreitung kommt schon dem körnigen Dolerit zu. Dieser zeigt mehr dunkle, schwarzgrüne, selten helle, schmutziggrüne oder graugrüne Färbung und findet sich in der Nähe von Recoaro, im Prechele, im Agnobette, am Wege nach der Quelle Franco, im Val Zuecante, Val Calda, Val dell’ Erbe und an vielen anderen Orten. Gleiche Verbreitung haben jene Gesteinsvarietäten, in welchen die Dimensionsverhältnisse der mineralischen Bestandtheile des Dolerits so herabgesunken sind, dass sie durch das blosse Auge nicht mehr unterschieden werden können und dann als Anamesite bezeichnet werden müssen. Verliert sich endlich der krystallinisch-körnige Habitus, so werden wir in die eigentlichen Basalte übergeführt und begegnen selbst Varietäten, welchen eine Ähnlichkeit oder Verwandtschaft mit Phonolith nicht abgesprochen werden kann, wie ich es z. B. bei Valle dei Signori am Wege nach Recoaro beobachtet habe. Selbstverständlich dürfte wohl sein, dass alle diese basaltischen Gesteine häufig auch die bei ihnen gewöhnliche amygdaloidische Strucetur und die gleichen Arten der die ursprünglichen Cavitäten erfüllt habenden Mineralspecies aufzuweisen haben. Bemerkenswerth ist endlich noch das Vorkommen kugeliger oder sphäroidischer Coneretionsformen hinter der östlich von Sant’ Orso gelegenen Kirche (S. Vito), und ein ausgezeichnetes Beispiel der säulenförmigen Absonderung bei Stanghellini. Am ersteren Orte liegen in einem dem Trachyte sich anschliessenden, schon ziemlich der Gegend von Recoaro im Vieentinischen. 553 aufgelösten Basalt, der den Grohbkalk gangförmig durchbrochen und in seiner Masse viele, meist durch die Hitze des Basalts geröthete Fragmente aufgenommen hat, faust- bis kopfgrosse Kugeln und Sphäroide von Basalt, welche beim Zerschlagen in mehrere con- centrische Schalen zerfallen. Die Basaltsäulen von Stanghellini habe ich nicht selbst gesehen. Trachytformation. Die trachytischen Gebilde zeigen viel Analogie mit den Basalten. Noch in bei Weitem höheren Grade tritt hier die Mannigfaltigkeit in Bezug auf Structur und Färbung hervor. Die meisten Varietäten machen auf den ersten Anblick den Eindruck von Melaphyr und Porphyr, für welche sie auch häufig gehalten worden sind. Während die basaltischen Gesteine im Tertiärgebirge die Oberhand behaupten, haben in den secundären und primitiven Gebilden die trachytischen Gesteine ihren eigentlichen Sitz. Die alle Widerstände überwältigenden abyssodynamischen Kräfte haben besonders beim Erscheinen der Trachyte die Erd- kruste nach allen Richtungen aufgeschlitzt und zertrümmert, und die aufquellenden Massen haben diese Trümmer verkittet, so dass wir jetzt vorzugsweise den Trachyt in verschieden geformten Gebirgsgliedern den nördlichen Theil unseres Terrains durch- setzen sehen. Obgleich nun allen Vorkommnissen unseres Trachyts die Natur gangförmiger Gebirgsglieder zusteht, so können wir doch einige für unsere Verhältnisse grössere Massen als sphenoidische oder tryphonische Stöcke und Kuppen bezeichnen. Zu diesen gehören dann die Trachytmassen von Chempele bis Fongara, jene von Roccolo (Vogelherd) di Treitenero, am Stocheehe bei Cuceo, bei Staro, im Tretto bei Righellini und S. Ulderico. Es würde zu weit führen, noch viele kleinere Massen und Gänge zu bezeichnen; im Agnothale, im Val Calda, im Val di Creme, kurz überall bietet sich Gelegenheit, die Natur der Trachyte und massigen Gebirgsglieder überhaupt zu studiren. Nach diesen Vorkommnissen dürfte aber auch anzunehmen sein, dass die Trachyte und die vuleanischen Formationen überhaupt noch weit in den Alpen verbreitet und vielleicht nicht als solche erkannt worden seien. 554 Schauroth. Übersicht der geognostischen Verhältnisse Für Besucher von Reeoaro ist es höchst belohnend , einen Aus- flug über die Rasta, den Chempele und Fongara zur Spaccata und S. Quirico zu machen, von wo man dann auf der Hauptstrasse leicht wieder nach Recoaro gelangt. Auf diesem Wege kann man sich eine Einsicht in die geschichteten Formationen verschaffen, in dem mäch- tigen Trachytstocke, welcher, mit südwestlichem Streichen, im Süd- osten vom M. Spizze keilförmig eingeschoben ist, die verschiedenen Varietäten des Trachyts kennen lernen und dabei auch die merk- würdige Spaccata besuchen, welche als ein Trachytgang betrachtet werden darf, aus welchem durch spätere Ereignisse das Trachyt- gestein entfernt worden ist. Diese mächtige Bergspalte vergegen- wärtigt uns einen Theil des Bildes, welches die Erdkruste erhielt, als die Trachyte sich ihren Weg zum Tageslichte bahnten. Unser Trachyt gehört meistens zum quarzfreien Trachytporphyr. Vom Chempele bis Fongara begegnen wir fast allen Varietäten, wie sie sich an verschiedenen anderen Localitäten finden. Die verbrei- tetste Varietät charakterisirt sich als ein rauhes, selbst poröses Ge- stein, mit feldspathiger röthlicher, graulicher oder blaulicher Grund- masse, welche meist mit vielen schwarzen Glimmertafeln und Sanidin- körnern übermengt ist und nur selten titanhaltiges Magneteisen, Hornblende und grössere Sanidinkrystalle erkennen lässt. Ist unser Trachyt auch arm an accessorischen Bestandtheilen, so bietet er um so mehr Interesse durch seinen Wechsel in Farbe und Structur. Wir finden hier auch schwarze email- oder obsidianähnliche Partien, die man Pechstein genannt hat, Übergänge bis zum erdigen, thon- steinähnlichen Habitus und ganz aufgelöste, in Thon umgewandelte und zu technischen Zwecken verwendbare Massen. Plattenförmig abgesondert erscheint ein ziemlich aufgelöster, fast geschichtet erscheinender Trachyt am Monte Spizze in der Nähe der Rasta. Zwischen Fantoni und Fongara, auf der Grenze zwischen Trachyt und Jurakalk, trifft man auch schöne Reibungsbreeeien, aus Trümmern von Jurakalk bestehend, welche durch trachytisches Material zu einem festen Gesteine verbunden sind. Bei Nogare im Tretto habe ich den Glimmer ganz zurücktreten sehen, wo dann der Trachyt ein gelblichweisses krystallinisches Gemenge eines verwitterten Feld- spathes mit viel Sanidin darstellt. Ich halte es für überflüssig, noch mehr Varietäten zu charakte- risiren und gehe nun über zu Recoaro’s der Gegend von Reeoaro im Vicentinischen. 555 Mineralquellen. Ich habe bereits anfangs erwähnt, dass der Distriet von Recoaro reichlich mit Mineralquellen gesegnet sei. Mein Freund Dr. Bologna, der gründlichste Kenner derselben, hat mich mit allen bekannt gemacht. Es sind folgende: 1. Die am längsten bekannte, gehaltreichste und ergiebigste ist die Königsquelle oder Fonte Lelia im Prechele-Thale. Sie liefert in der Stunde 960 Medieinalpfund Wasser , ist mit einem Brunnen- hause überbaut und wird vorzugsweise zum Trinken an Ort und Stelle und zum Versenden benützt. Gleich unter dieser laufen 2. die Fonte Lorgna und 3. Fonte amara. Neben diesen unter der Brücke, welehe neben dem Brunnen- hause über den Prechele-Bach führt, wo dieser mit dem Valette- Bach zusammentrifft, sprudelt eine 4., und wenige Schritte davon im Valette-Bach selbst eine 5. und 6. Quelle. An demselben Gehänge, am rechten Agno-Ufer, befindet sich thalabwärts, nicht weit von der Fonte Lelia entfernt, die 7., Giausse- Quelle genannt, und eine 8. soll oben im Valle del Pilastro zwischen Trachyt und Schiefer in der Nähe der Juragrenze entspringen. Die 9. Quelle liegt thalaufwärts, oberhalb Asnicher, und ist unter dem Namen Asnicher-Quelle bekannt. Im Agno selbst sprudeln aber 10. mehrere Quellen an einer Stelle unterhalb der Brücke, über welche die Chaussee nach Valdagno führt. Am linken Gehänge liegen noch 11. die neue, von Dr. Bologna entdeckte und für das Militär-Etablissement benützte Orco-Quelle oder Fonte Giuliana im Val del’ Orco; 12. die Fonte Mariana oder del Capitello, und in geringer Entfernung davon gegen Osten 13. eine gleich kräftige Quelle; 14. die Quelle Prato di Crovole (die ich jedoch nicht gesehen habe); 15. die Fonte Franca ; 16. die Quellen bei Clochera und Spanevello; 17. die Quelle bei Staro; 18. die Catullo-Quelle und 19. die Fonte Felsinea bei Vegri, westlich von Valdagno. Die beiden letzteren Quellen sind anderer Natur als die übrigen, wesshalb die folgenden Betrachtungen auf sie keine Anwen- dung finden. Aus den mit vielen dieser (Quellen schon angestellten chemischen Analysen geht hervor, dass sie sämmtlich durch ihren Gehalt an 556 Scehauroth. Übersicht der geognostischen Verhältnisse Kohlensäure und Eisen zu den Eisensäuerlingen oder kohlensauren Eisenwässern gerechnet werden müssen. Wie es aber die Entstehungs- weise der Mineralwässer bedingt, so finden wir auch in den dasigen Wässern den Hauptbestandtheilen in höherem oder geringerem Grade noch andere Substanzen beigemischt, welehe in medieinischer und geologischer Hinsicht, gleich den wesentlichen Bestandtheilen, nicht unberücksichtigt bleiben dürfen. Dieselben sind ausser den kohlen- sauren Verbindungen schwefelsaure Verbindungen der Kalkerde, des Natrons und der Talkerde, so wie freie oder an Eisen gebundene Kieselsäure. Über die Heilwirkungen und den Gebrauch der Quellen haben Dr. Bologna und neuerlich Dr. Hofmann vortreffliche Arbeiten geliefert; weniger gründlich und umfassend sind die chemischen und geologischen Untersuchungen. Wenn schon die Beschreibung der geologischen Verhältnisse eines an Mineralquellen reichen Distriets auch diese nicht unberück- siehtigt lassen darf, so sehe ich mich um so mehr aufgefordert, hier einige Bemerkungen über die Natur unserer Mineralquellen beizufügen, als man Grund hat, sich über die Unzulänglichkeit der Königsquelle zu beklagen, welche nicht so viel Wasser liefert, um bei starkem Besuch des Brunnens das Bedürfniss der anwesenden Curgäste während der Morgenstunden zu befriedigen. Man wagt nun nicht, an der Quelle selbst eine Veränderung vorzunehmen, in der Furcht, es möchte hierdurch das Wasser in seinen Bestandtheilen oder Wirkun- gen eine Veränderung erleiden, oder die Quelle vielleicht gar ver- ' loren gehen und Recoaro dadurch aller Nahrung verlustig werden. Schon die grosse Anzahl der angeführten Quellen beweiset, wie ungegründet solche Befürchtungen sind, und noch weniger zulässig erscheinen sie, wenn wir uns die Entstehung der ÜbRuBE und der Mineralquellen überhaupt vergegenwärtigen. Unsere Eisensäuerlinge haben mit den gewöhnlichen Quellen gemein, dass sie ihr Wasser gleich jenen fördern und auf gleiche Weise wieder zugeführt erhalten. Das Wasser der Mineralquellen ist als ursprünglich reines, sogenanntes süsses Wasser zu betrachten, welches auf seinem in der Erdrinde zurückgelegten Wege mit den Stoffen geschwängert worden ist, welche die chemische Analyse in ihnen nachweist. Je nach den Stoffen, mit welehen das Wasser nun in Berührung gekommen ist, werden die dem Wasser beigemischten ä . ” . - we der Gegend von Recoaro im Vicentinischen. 55 fi Bestandtheile auch verschieden sein. Ein Hauptagens bei der Berei- tung natürlicher Mineralwässer bildet die Kohlensäure. Die Exhala- tionen von Kohlensäure, welche an so vielen Punkten der Erde und als stete Begleiter vuleanischer Eruptionen bekannt sind, machen sich auch in unserem Terrain als Gasquellen geltend; sie entströmen dem Innern der Erde und sind also auch für unseren Distriet als der letzte Nachhall vuleanischer Thätigkeit zu betrachten. Schon in beträcht- lichen Tiefen, allseitlich einem bedeutenden Drucke ausgesetzt, stossen die Gas- und Wasserquellen zusammen und bilden, indem das Wasser mit Kohlensäure überschwängert wird, reine Sauerquellen, welche als solche viel geeigneter sind, die Mineralien der Gesteine, mit welchen sie in Berührung kommen, anzugreifen, mit ihren Kräften zu ver- arbeiten und die aufgenommenen Stoffe als weitere eigenthümliche Bestandtheile zu Tage fördern. Wie aber die atmosphärischen Nie- derschläge von Wasser die Erdkruste von oben weit hinab durch- nässen, ebenso imprägnirt auch das mit grossem Drucke aus dem Innern der Erde aufsteigende Gas die Gebirgsmasse gerade an den Theilen, welche dem entgegenkommenden Wasser am zugänglichsten sind und befördert die Aufnahme fremder Substanzen. Bei Recoaro kommen wohl alle Mineralquellen aus Spalten, welche als Sahlbänder der vulcanischen Gesteine mit primitivem Schiefer oder triassischen Schichten zu betrachten sind. Diese Association der Mineralquellen mit den vulcanischen Gebilden hat sich bereits an allen Quellen, an welchen geschürft worden ist, ergeben. Diese Ansicht dürfte auch in einem Vergleiche der mineralischen Bestandtheile der Wässer mit jenen der von den Wässern durchwan- derten Gesteine oder Mineral-Aggregate ihre Aufklärung und Bestä- tigung finden. Im Wasser haben wir die Kohlensäure, das kohlensaure Eisen- oxydul, die Carbonate der Kalkerde und Talkerde, die schwefelsauren Salze von Kalkerde, Thonerde und Natron, sowie endlich Kieselsäure und Extraetivstoff. Die Kohlensäure ist uns in den Gasquellen, wie sie um Recoaro schon mehrfach, z. B. bei der Orco-Quelle und im Agno unterhalb der Brücke beobachtet worden sind, gegeben; in den basaltischen und trachytischen Gesteinen werden wir also die primitive Lagerstätte der übrigen im Mineralwasser befindlichen Substanzen suchen und finden müssen. Ich habe schon oben als bekannt ange- 558 Sehauroth. Übersicht der geognostischen Verhältnisse führt, dass Labrador, Augit und Magneteisenerz die wesentlichen Bestandtheile der basaltischen, glasiger Feldspath, Augit und Magnet- eisenerz jene der trachytischen Gesteine seien. In diesen Mineral- species, so wie auch in den der Grundmasse ja erst entnommenen aceessorischen meist zeolitischen Bestandtheilen finden wir nicht nur alle bis jetzt in den Wässern von Recoaro ausgeschiedenen Substanzen wieder, sondern sie geben auch der Vermuthung Raum, dass dureh scharfe chemische Analysen in denselben noch die Anwesenheit mancher in anderen ähnlichen Wässern vorkommenden Elemente, besonders Kali, Mangan, Fluor (des Glimmers und der Hornblende), Phosphors (welcher in der Asnicher-Quelle, sowie Jod in der Orco- Quelle bereits von Dr. Bologna erkannt worden ist), nachgewiesen werden können. Nach obigen Voraussetzungen und zufolge der Temperatur, welche bei diesen Mineralquellen sich nicht weit von 9° R. entfernt, können wir zwar nicht annehmen, dass wir es mit Wasser zu thun haben, welches aus einer aussergewöhnlichen Tiefe heraufkomme, können jedoch versichert sein, dass die Mineralisation in einer Tiefe stattgefunden habe, die hinreichende Sicherheit bietet, dass Beun- ruhigungen der Quellen an ihren Ausflusspunkten durchaus keinen nachtheiligen Einfluss auf die Constitution und Ergiebigkeit der- selben zur Folge haben. Will man auch die Königsquelle unange- tastet lassen, und fürchtet man, durch Nachgraben und Fassen der zunächst liegenden Quellen jener einen Abbruch zu thun (oder eigentlich nur einen andern Ausweg zu verschaffen), so dürfte die Quelle zunächst dem Capitello im Val d’Orco und die Asnicher-Quelle zu weiteren Nachforschungen als die geeignetsten erscheinen ; Säuerlinge (wie die Orco-Quelle) aber in Röhren zu leiten, ist durchaus unzulässig. Was endlich die Catullo-Quelle und die Fonte Felsinea bei Vegri betrifft, so verdanken diese ihre Mineralisation der Zersetzung von Eisenkiesen und sind als Sinterquellen zu betrachten. der Gegend von Recoaro im Vicentinischen. 559 Erklärung der Abbildungen. TAFEL 1. Fig. 1. Palissya Massalongi m., n.sp., aus dem bunten Sandsteine vomValPrak. 2” a ein Zweig in doppelter natürlicher Grösse; b ein anderer Zweig in natürlicher Grösse; e ein stärkeres Aststückehen in natürlicher Grösse; d ein Zweigstückehen, bei « die Gliederung der Blätter mit dem Stämmehen und bei ß den Durchschnitt der Blätter zeigend vergrössert. . Chaetetes Recubariensis m., n. sp.,ausdem Trigonellenkalke (Muschel- kalke) von Val del Rotolone bei Recoaro. a in natürlicher Grösse; b Zellenmündungen, stark vergrössert ; e Längsdurchschnitt der stark vergrösserten Zellen. . Montlivaltia triasina Dkr., aus dem Trigonellenkalke (Muschelkalke) von Val del Rotolone. a von oben, in natürlicher Grösse ; b von der Seite, vergrössert. . Meloerinus triasinus m., n. sp., aus dem unteren Muschelkalke von Rovegliana bei Recoaro. a in natürlicher Grösse ; b Theil eines Armes vergrössert. . Enerinus pentactinus Bronn, aus dem Trigonellenkalke und unteren Muschelkalke im Val del Rotolone. a vergrössertes Säulenstück ; b vergrösserte Gelenkfläche. . Terebratula suleifera m., n. sp., aus dem Trigonellenkalke im Val del Rotolone. a von der Seite, etwas vergrössert; b von oben, etwas vergrössert ; ce von der Rückseite in fast natürlicher Grösse. . Spirigera trigonella Schloth. sp., aus dem Trigonellenkalke von Recoaro, in natürlicher Grösse. a von der Schnabelseite ; b Ansicht der grossen Schale von oben, an der ausgebrochenen Stelle die Spiralen zeigend ; e Ansicht der inneren Seite der grossen Schale. . Spirifer (Martinia) Mentzeli Dkr., aus dem Trigonellenkalke von Recoaro, in natürlicher Grösse. a Ansicht der zum grössten Theile weggebrochenen grossen Schale von oben, die Medianleiste und die äussere stachelige Bekleidung zeigend ; Biest. ya „7 » 8 ” $) „10 „ 11. Mal „ 13. Sehauroth. Übersicht der geognostischen Verhältnisse b Ansicht von der Rückseite ; e Ansicht der kleinen Schale von unten; d verkieselte Oberfläche der Sehale. TAFEL II. Gervilleia Albertii Münst. sp., aus dem unteren Muschelkalke von Rovegliana, in natürlicher Grösse. a linke Klappe von oben; b rechte Klappe von der Innenseite. ? Modiola hirudiniformis m., n. sp., aus dem unteren Muschelkalke von Rovegliana, in natürlicher Grösse. a rechte Klappe, gewöhnliche Form ; b linke Klappe, ” I ce linke Klappe mit etwas mehr gewundenem und vom Rande entfernter liegendem Rücken; d schmälere Formen, auf dem Gesteine aufsitzend. . Modiola substriata m., n. sp., aus dem Trigonellenkalke von Recoaro. a in natürlicher Grösse; b ein vergrösserter Theil, die Zeichnung der Schale zeigend. . Pleurophorus Goldfussi Dkr., in natürlicher Grösse. a Steinkerne aus dem Muschelkalke von Rovegliana ; b ein jüngeres Exemplar aus den untersten Muschelkalkschichten im Val dell’ Erbe. Mytilus eduliformis Schloth., aus den untersten Kalkschichten im Val Serraggere, in natürlicher Grösse. . Myaeites inaequivalvis Zieten sp., aus dem Muscheikalke im Tretto, in natürlicher Grösse. . Tapes subundata m., n. sp., aus den untersten oolithischen Kalk- schichten im Val dell’ Erbe, vergrössert. . Natica turbilina Schloth. sp., aus dem unteren Muschelkalke von Rovegliana. . Natica (Euspira) gregaria Schloth.sp., Normalform vom Harze. . Turbonilla dubia Bronn, doppelt vergrössert. a Normalform aus dem Muschelkalke von Coburg; b eine kurze Form, ebendaher. Turbonilla gracilior m., n. sp., aus dem untersten Muschelkalke im Val dell’Erbe, in natürlicher Grösse. Turritella Bolognae m.,n. sp., aus dem Trigonellenkalke vonRecoaro. a in natürlicher Grösse; b stark vergrössert. Orbitulites Cassianicus m., n. sp., aus den Thonen des oberen St. Cassiangebildes. a in natürlicher Grösse, auf dem Gestein liegend; b vergrössert, von beiden Seiten; ce die stark vergrösserte Oberfläche. der Gegend von Recoaro im Vicentinischen. 561 Fig. 14. Phyllocoenia sp.? aus dem Nummulitengebirge von Torrieelle, in natürlicher Grösse. „ 15. Stylina sp.? ebendaher und in natürlicher Grösse. a von oben; b von der Seite. TAFEL IM. Fig. 1. Trochoseris distorta Miehn. sp.? (Ctenophyllia sp. ?) aus dem Nummulitengebirge von Torricelle. a in natürlicher Grösse ; b und ce etwas vergrösserter Theil, den Wechsel der grösseren und kleineren gekörnten Lamellen zeigend. » 2. Nummulina lentieularis F. M. sp., aus dem Nummulitenkalke des Vieentinischen. a, b Ansicht junger Individuen, vergrössert; e älteres Individuum, in natürlicher Grösse ; d dessgleichen mit körniger Oberfläche, an der aufgebrochenen Stelle die früheren Umgänge zeigend. » 3. Orbitulites? (Nummulina polygyrata Rüt.?), aus dem Nummuliten- kalke des Vicentinischen. a Quersehnitt, in natürlicher Grösse, verwittert; b Theil desselben, stark vergrössert; e Ansicht der unversehrten Oberfläche ; d Durchsehnitt eines verwitterten jüngeren Individuums. » %. Chaetetes? in Findlingen, welche wahrscheinlich einem Kalksteine des Niveau von St. Cassian angehören. a ein Theil aus der Mitte, in natürlicher Grösse; b ein geschlossenes Ende, in natürlicher Grösse; ce Theile der Aussenseite, vergrössert; d, e, f Horizontaldurehschnitte, vergrössert ; g9 Ansieht der inneren Seite, vergrössert; h ein Horizontaldurehsehnitt (°/,); i Durchschnitt eines vergrösserten Zellenstrahls ; % Vertiealdurehsehnitt, in natürlieher Grösse; l vergrösserte Zellenstrahlen. » 9. Cyrtoceras sp.? ebendaher. a in natürlicher Grösse ; b ein Stückchen Schale, vergrössert. » 6. Cidaris sp.? ebendaher. a ın natürlicher Grösse; b stark vergrössert. » 7. Operceulina Boissyi d’Ar ch., von Sant’ Orso. a in natürlicher Grösse, von der Seite; b ein stark vergrösserter Theil des letzten Umganges, 562 Schauroth. Übersicht der geogn. Verhältnisse der Gegend von Recoaro. Fig. 8. Opereulina erenato-costata m, N. sp., von Sant’ Orso. «a Ansicht in natürlicher Grösse; b ein stark vergrösserter Theil des letzten Umganges. » 9. Operculina semicostata m., n. sp., von Sant’ Orso. a in natürlicher Grösse, von der Seite; b ein Theil des letzten Umganges, stark vergrössert. „ 10. Bourguetocrinus ellipticus Sehloth. sp.? aus dem Eoeän Priabona, in natürlicher Grösse. a Stielglied, die Gelenkfläche zeigend; b dasselbe von der Seite; ce dasselbe von einer andern Seite; d ein anderes Glied mit entgegengesetzter Verschiebung Gelenkflächen. „» 11. Lunulites bimarginatus m., n. sp., von Sant’ Orso. a ein Bruchstück, in natürlicher Grösse von aussen; b die Zellenmündungen, stark vergrössert; e perspectivische Ansicht der Zellen; d Durchsehnitt vertieal dureh die Zellen. „ 12. Stomatopora pachystoma m., n. sp., von Sant’ Orso. a auf Orbitulites ephippium, in natürlicher Grösse; b stark vergrösserte Zellen. von der „ 13. ? Cricopora tubiformis m., n. sp., aus der Breceiola von Sangonini. a in natürlicher Grösse; b ein Theil der äusseren Seite mit den Zellenmündungen, stark vergrössert; c ein Theil der inneren Seite, die Rücken der Zellen zeigend, . ! " en n——panneg m —— 4 Meloerimus Irrasınus m. s. Surtter Mentzelt Dir. Sitzunash. d.k.Akad.d W. math. naturw. CI. XVIE. Bdö.lteft 1855. „nmuner > N v.Schauroth. Recoaro, (jeognostis C Abersichts Karte der Gegend von Recoaro „unter Altwirkung DZ Bolognasentworfen von D" Carl Freih.. v.Schauroth. Pe 3 GsureCabreite "Cuso‘, 9 Zooene „Vegre llanchiavella > “ „Sroxze Girande e m SZermg ro”, Marin: - Erktlärungder Karben. Ei Altisstmo BE Idealer Durchschnitt von bolca Purga durch dasChiampothalnach Valdagno im Agnothal und von hier über Reevaro zum Cengto alto. Aus Ik kHofır Staatsdruckerer, Sitzunssb.ik.Akad. N-math.naturw. CINVILBd.3.Heft. 1855. j M.Ee.f v. Schauroth: Recoaro. lafıl Inermus pentachnus Dronn 1. Lahssya Massalong m. ER 2. Ahactews RBeenbariensis m. : 6. Terebratuln suledera m. d. Wontlroalha trtasına Dkr. 7. Suerigera trigonella Schloth. 4. Meloerums trrasınus m. I. Surder Mentzelt Dir. ._ Nitzunosb. d.k.Akad.d W. math. naturw. CI.XVIL. Bdö.Heft. 1855. x ’ s k I “ h ‚ Ne ’ \ . h v ' E \ 8 LAN - ’ v , f} AH \ N . S N en x » Ku N N E N " , B War D n = ’ ) I \ Kur \ “L F Y r { ‚ . { I i ti E He i u h { a: = I RR n N 4 N ‘ y n \ ef ” % 4 N . h > \ B A hr r *. ri, y ’ f \ ee ae f . v ») ß ‚Fr r ’ Er R x ö N ö n rt % RN ' 2 } u ae ee R i \ \ EN e- j j Dh EN NER . 5 f 4 “x ie . [7 a hr | i ei % 0 er nn TroNnnaYyer it v.Schauroth. Recoaro. 7a. „LE Jlıdi 5-1.X. X. NOTE SE RAtsarlıeKReret Pr4. 1. Gerulleia Albertir Müinst. F1g6 Uyaeites rmaegutvalmsLieten, 19.41, Turbonilla gracklvor m. 2 „ ” „ 2." Hodidla hirndiniformism. pn B2 4 or 2 Abbdiola substrriala m. > Fleurophorus Goldfijsı Dhr. » . Mytdhus eduliformis Schloth, 7 Tapes subundata m. 8. Tatrea turbılina Schloth. I. Jatıca gregarın Schloth. /0Iurbonlla dubra Bronn, 22 ” w ” 72. Turritella Bolognae m, 73. DPrbitulttesCafsrartens m. 74 Phyllocoenta ‚spec. 13. Stylina spee ! Sitzungsb.d.k.Akad «N. matlı ‚naturw.C] AND. Bd.3. Heft. 1855. a len Kae N 2 A Kim v.Schauroth. Recoaro. 7z. era ver lit] Aus d.k.k Hof. Staatsarucckeret Fig. Trochoserts distorta Nhchn. Frgö. Cyrtoceras. Frg.9$Operculina serntcostata m. , 2. Iummultina lentieularıs „ 6.Gdarıs. „IM Bourgueto ertnus elljptcus Schlolh. » 3 Orbitultes ? , Lopereulina Boißyi dArch. „MW. Lsunulites bimarginatus m. » 4. (haetetes ! » 8. Operculina crenato.costatam., 12.Stomatopora pachystoma m. Frg.13.Crteopora tubiformts m. Sitzungsb. d.k.Akad.d.W.math.naturw. (1.XVI.Bd.d. Heft. 1855. Czermak. Physiologische Studien. 563 Physıologiısche Stadıen. Von Prof. Joh. Czermak in Gratz. (Mit I Tafel.) III. ABTHEILUNG t), 1. Weitere Beiträge zur Physiologie des Gesicentssinnes. $. 15. Zur Chromasie des Auges. Es ist bekannt, dass, wenn man einen leuchtenden Punkt, von dem weisses Licht ausstrahlt, nicht genau auf die Retina einstellt, sondern im Zerstreuungskreise ansieht, sein Bild farbig gesäumt erscheint, und zwar erscheint ein gelbrother Saum, wenn der Leuchtpunkt diesseits, ein bläulicher, wenn er jenseits des Accom- modationspunktes sich befindet. Diese Farbensäume sind jedoch für normale Augen so zart, dass sie der Aufmerksamkeit meist ganz entgehen und es dürfte daher nicht überflüssig erscheinen, dass ich hier einen Versuch angebe, welcher das fragliche Phänomen Jedermann leicht zugäng- lich macht, indem sich unter den durch ihn gesetzten Bedingungen die chromatische Abweichung mehrerer Leuchtpunkte summirt und eine in die Augen springende Wirkung hervorbringt. Mein Versuch empfiehlt sich namentlich den Lehrern der Physiologie und besteht in Folgendem: Ich steche einen 1'" bis 2”’ im Durchmesser haltenden Kreis von etwa 20 Löchelchen mit einer feinen Nadel in ein Kartenblatt und halte dasselbe gegen einen weiss erleuchteten Hintergrund, in einer solchen Entfernung vom Auge, dass sich die gelben oder blauen Säume der Zerstreuungskreise, welche die im Kreise stehen- den Löchelchen auf die Netzhaut werfen, im Mittelpunkte jenes Kreises decken und somit in ihrer Färbung verstärken. Es erscheint unter diesen Umständen an der angegebenen Stelle — je nachdem das Kartenblatt diesseits oder jenseits des 1) Vergl. diese Sitzungsberichte Bd. XII, 1854, pag. 322 und Bd. XV, 1855, pag. 425. 564 Czermak. Accommodationspunktes steht — ein Fleck von intensiver gelber bis orangerother oder blauer Färbung t). Fig. 1 erläutert den ganzen Vorgang. Dass Fernsichtige schwerer die blaue Färbung, welche überhaupt weniger leicht zu beobachten ist, weil der Löchelchen- kreis jenseits des Aceommodationspunktes für die meisten Augen in mehrfache störende Nebenbilder auseinandertritt, als die gelbe Färbung des Mittelpunktes des Löchelchenkreises sehen werden, im schlimmsten Falle sich aber durch eine Sammellinse zur Wahr- nehmung der blauen Färbung doch verhelfen können, versteht sich von selbst; so wie dass der Durchmesser des Löchelchenkreises und der Löchelehen selbst in einem bestimmten, tentando leicht zu ermittelnden Verhältniss zum Accommodationsvermögen des Beob- achters stehen muss. Noch will ich darauf aufmerksam machen, dass die farbigen Säume, welche bei falscher Accommodation entstehen, sowohl hin- sichtlich ihrer Breite und Intensität, als hinsichtlich ihrer Farben- nuancen (namentlich der rothen) nicht unbedeutend von jenen sich unterscheiden, welche bei Verdeckung der einen Pupillenhälfte auf- treten. Diese letzteren sind im Allgemeinen breiter, intensiver und lassen die rothen Töne deutlicher erkennen, als die ersteren. — Diese Differenzen dürften wohl in einer Complieation der chromati- schen Abweichung mit Beugungserscheinungen ihren Grund haben. Dass aber in beiden Fällen die rein rothen und namentlich die rein violetten Grenzen der Farbensäume gar keinen oder nur einen kaum wahrnehmbaren Eindruck machen, kann nieht befremden, wenn man erwägt, von welch’ geringer Breite und Intensität die einzelnen Speetren sind, in welche die weissen Lichtstrahlen zerlegt werden. Was übrigens die Färbung der Säume im Allgemeinen betrifft, so ist klar, dass, da die Spectren nach allen Richtungen stetig über einander hinausgreifen, gegen den freien Rand des Netzhaut- bildchens hin, aus der Mischung sämmtlicher Farbenstrahlen, welche Weiss oder neutrales Grau gibt, entweder zuerst die violetten, dann die blauen, die grünen, die gelben, die orangen Strahlen 1) Manchmal wollte es mir scheinen, dass die gelbe Färbung einen Stich ins Bräunliche, die blaue hingegen einen Stich ins Graue hatte. Vgl. Bruecke: Über das Wesen der braunen Farbe. Pogg. Ann. 1848, p. 461. Physiologische Studien. 565 allmählich herausfallen und die rothen den Rand begrenzen, — oder aber in entgegengesetzter Ordnung, zuerst die rothen, dann die orangen, die gelben ete. Strahlen ausgeschieden werden und die violetten die Grenze bilden müssen, — wie es die beiden folgen- den Schemen (A und B) deutlich erkennen lassen, in welchen die Farben der Kürze wegen nur mit Anfangsbuchstaben bezeichnet sind und die senkrechten Striche die Netzhaut im Durchschnitt bedeuten. A. B. roth | r violett | v or ah: iv orange Eur indig Do gelb | grgor blau | grbiv en Hassblau U ibgrgor oggrbiv weiss | vibgrgor weis | roggrbiv Diese Schemen veranschaulichen die Ordnung, in welcher die Farben in den Säumen auftreten, um sich zu mischen, ohne dass dabei auf die verschiedene Breite der Farbenstreifen des Speetrums Rücksicht genommen wäre; und man kann mit Hilfe der bekannten Helmholtz’schen Tabelle, nach welcher Gelb und Blau Weiss, Grün und Roth Mattgeib, Grün und Violett Blassblau, Violett und Blau Indigo ete. geben, nun leicht einsehen, dass sich dieselben in der That zu der durch die Erfahrung gegebenen Tinten mischen müssen. $. 16. Zur Theorie der zusammengesetzten Farben. Ich erlaube mir hier eine Reihe von Versuchen über zusammen- gesetzte Farben, zu deren Realisirung mir bisher Zeit und Gele- genheit mangelten, in Vorschlag zu bringen, welche meines Wissens nur in sehr unvollkommener Weise (von Volkmann) und zu einer Zeit ausgeführt wurden, wo durch die wichtigen Untersuchungen von Helmholtz !) über die „Theorie der zusammengesetzten Farben“ der Unterschied zwischen dem Vorgange bei der Mischung von Farbstoffen und dem bei der Zusammensetzung der reinen Farben noch nicht festgestellt war. Diese Versuche würden die Mischfarben zu vergleichen haben, welche durch unmittelbare Vermengung von Farbstoffen und durch 1) Müll. Arch. 1852, pag- 461. 566 Czermak. Mischung des von denselben ungemengten Farbstoffen kommen- den Lichtes entstehen. | i Zu diesem Zwecke wäre z. B. zuerst ein kleines Rähmchen mit verschiedenfarbigen feinen Fäden dicht, aber in einfacher Lage zu bespannen und ein Gemenge aus denselben nun fein zerschnittenen Fäden zu bereiten, und aus einer passenden grösseren Entfernung zu betrachten ; oder män könnte vermittelst Farbendruck eine Unzahl feiner dichtstehender Farbenpunkte auf weisses, farbiges oder matt- schwarzes Papier auftragen lassen und dann wieder die angewen- deten Farbstoffe direct mengen u. dgl. $. 17. Über das sogenannte Problem des „Aufrechtsehens“, Zur Zusammenstellung der folgenden Bemerkungen, welche ich im Wesentlichen bereits im Jahre 1850 in der würzburger Aula als quaestio promovendi öffentlich vorgetragen habe, bin ich durch eine kurze Notiz von Ludwig Fiek (Müll. Arch. 1854, pag. 220) veran- lasst worden; indem dieselbe den vorliegenden Gegenstand, anstatt ihn seiner endlichen Erledigung näher zu bringen, wieder in jene heillose Verwirrung zurückzuwerfen droht, welche die Bemühungen Volkmann’sundLotze’sfür alle Zukunft beseitigt zu haben scheinen. Fick begnügt sich nämlich nicht nur die alte Ansicht von der umgekehrten Einpflanzung der Retinalelemente in jenen Leibes- theil, in welchem die Seele wohnt, — allerdings mit anerkennens- werther Entschiedenheit und Schärfe — einfach aufzuwärmen; — und das ist doch kein Fortschritt! sondern er meint damit .(wofern ich ihn richtig verstanden habe), sogar auch den thatsächlichen Parallelismus des Gesichtssinnes und des Tastsinnes im Urtheil über die Lage der Objecte erschöpfend erklärt zu haben, was eben als ein gefährlicher Rückschritt bezeichnet werden muss und um so überraschender ist, als eine Erneuerung dieses Irrthums nach dem, was Volkmann) von der „Richtung der Gesichtsobjeete“ gelehrt hat, in der That unbegreiflich erscheint. Fiek ignorirt ganz und gar, dass die Vorstellung von der Richtung der Gesichtsobjeete erwiesenermassen wesentlich aus dem Bewusstsein der Muskelbewegung resultirt, welche die Augen 1) Handwörterbuch d. Phys. Art. „Sehen“ pag. 340— 346. Physiologische Studien. 567 auf das fixirte Objeet einstellt, und, dass wir dem Oben und Unten erst, nachdem wir die veränderlichen Lagen unseres eigenen Körpers beurtheilen gelernt haben, eine von unserer momentanen wirklichen Stellung unabhängige Bedeutung geben können, indem wir es auf die vorgestellte aufrechte Körperstellung redueiren ! — Übrigens ist es durchaus nicht meine Absicht im Folgenden die ganze Angelegen- heit von A bis @ noch einmal zu erörtern und das, was bereits an andern Orten und viel besser, als ich es vermöchte, gesagt ist, zu reprodueiren. Es genüge in diesem Bezug die Hinweisung auf Volkmann und Lotzet). Ich will hier nur einen dunklen Punkt, den Einzigen, der, wie ich glaube, noch immer nicht als erledigt betrachtet werden kann, aufzuhellen versuchen. Dieser Punkt bezieht sich auf den „Grund aller Irrthümer, “ als welchen Lotze das bekannte Vorurtheil bezeichnet „als läge in der wirklichen Stellung des Netzhautbildes für sich allein schon ein Motiv für die Seele, es in gleicher Richtung wahrzunehmen, * — in Folge dessen man sich einbildet „weil auf der Retina das Bild des Fusspunktes der Objeete der Stirn näher liege, müsse es auch im empfundenen Sehfeld ihr näher also oben erscheinen“ — und davon spricht, „dass das Netzhautbild umgekehrt ?) werden müsse, gleich als wäre seine wirkliche Lage durch ihr blosses Dasein schon für die Seele nicht nur von Bedeutung überhaupt, sondern als bildete sie sogar eine Art von Hinderniss für das Aufrechtsehen, das durch eine besondere Anstrengung der Seele hinweggeräumt werden müsse.“ | Lotze fertigt dieses Vorurtheil durch einige Bemerkungen, die sich aus seinen Grundprineipien ergeben, sehr kurz ab, während es Volkmann ganz umgeht; allein diese Behandlung eines Punktes, 1) Med. Psychologie 1852, pag. 362—369. . 2) Bei dieser Gelegenheit kann ich es nicht unterlassen, wie schon früher einmal, an die Bedeutung der „Vorstudien zur Topologie von J. B. Listing (abgedruckt aus den Göttinger Studien , 1847; Göttingen bei Vandenhoeck und Ruprecht 1848) für die naturwissenschaftliche Terminologie aufmerksam zu machen, indem sie wahrhaft unentbehrlich sind, um den Sinn gewisser topologischer Ausdrücke, wie „umge- kehrt,“ „verkehrt,“ „verkehrt und umgekehrt zugleich“ .. . ete., die in der Sprache des gemeinen Lebens der Präeision entbehren, und manchmal selbst von den Männern der Wissenschaft, wie z. B. von Fick a.a.0., und selbst von Lotze a. a. O., pag. 369, unrichtig angewendet werden, für den wissenschaftlichen Gebrauch fest- zustellen. Sitzb. d. mathem.-naturw. Cl. XVII. Bd, III. Hit. 37 568 Czermak. welcher als „Grund aller Irrthümer“ bezeichnet worden ist, rächt sich an den Erklärungsversuchen der beiden berühmten Forscher. Ich bin wenigstens überzeugt, dass es der oberflächlichen Behandlung dieses Punktes allein zuzuschreiben ist, dass die übrigens eben so klaren und scharfsinnigen,, als erschöpfenden und gründlichen Auseinandersetzungen Volkmann’s und Lotze's die Leser doch nicht ganz befriedigt haben und nicht befriedigen konnten, da es sich hier um ein allerdings nur halbverstandenes und unexact ausgedrücktes, aber vollkommen berechtigtes Moment handelt, das sich nicht bei Seite schieben, sondern nur durch ausdrückliche Anerkennung erledigen lässt. Diese dunkle Lücke in den von Volkmann und Lotze versuchten Lösungen des Problems will ich nun in den folgenden Zeilen ausfüllen, indem ich mich bemühen werde jenes Vorurtheil sammt seinen Consequenzen zu erklären und zu erledigen, d. h. aufzudecken, welches berechtigte Moment ihm versteckt zu Grunde liegt, zu zeigen wie es entsteht und endlich den Theil Wahrheit, den es enthält, in den Erklärungsversuchen für immer zur Geltung zu bringen. — Nach einem hinreichend allgemeinen von allen Physiologen „aller Farben“ zugegebenen Ausgangspunkt mich umsehend, fällt mir die folgende Stelle der vortreffichen Med. Psychologie von Lotze (pag. 362) in die Augen: „Man könnte behaupten, jede Netzhautfaser übe vermöge der Lage!) ihrer centralen Endigungs- stelle im Gehirn einen ihr ganz allein eigenthümlichen Einfluss auf die Seele aus, und erzwinge demgemäss auch die bestiinmte Locali- sirung ihrer Empfindung“. An diesen Satz, gegen den hoffentlich Niemand etwas einzu- _ wenden haben wird, will ich meine weiteren Bemerkungen anknüpfen und sogleich hervorheben, dass er mit gleicher Berechtigung und Sicherheit hinsichtlich der Nerven des Tastorgans und der durch diese vermittelten Empfindungen gilt. 1) Es ist kaum nöthig, um Missverständnisse zu verhüten, daran zu erinnern, dass hier unter „Lage“ ganz allgemein irgendwelche bestimmte organisch begründete Beziehungen und nicht etwa ausschliesslich nur einfach topologische (posi- torische) Beziehungen zu verstehen seien! Physiologische Studien. 569 Auch die centralen Endigungsstellen der Tastnerven müssen im Gehirn solche Lagen haben, dass sie vermöge derselben einen jeder von ihnen eigenthümlichen Einfluss auf die Seele ausüben und demgemäss auch die bestimmte Localisirung ihrer Empfindung erzwingen können. Da nun aber durch einen bekannten sehr einfachen Versuch 1) erwiesen werden kann, dass ein diametraler Gegensatz zwischen der Loecalisirung der durch die Retina und der durch das Tastorgan vermittelten Empfindungen existirt; so ergibt sich mit Nothwendig- keit die allgemeine Forderung, dass auch die „Lage“ der centralen Endigungsstellen der Seh- und der Tastnervenfasern einein dieser Beziehung entgegen- gesetzte sein müsse. Diese allgemeine und unbestreitbare Forderung ist es, welche nach meiner Meinung jenes vollkommen berechtigte, von Lotze und Volkmann nicht hinreichend gewürdigte Moment darstellt, welches in dem oben gerügten Vorurtheil enthalten ist. Wie nun diese Forderung in dem immer wiederkehrenden Gedanken an die Nothwendigkeit einer Umkehrung des Netzhautbildes ihren unexacten Ausdruck finden konnte, leuchtet sofort ein, wenn man bedenkt, dass wir gewohnt sind von den Wahrnehmungen des Tast- und Muskelgefühls anzunehmen, dass sie uns bei natürlicher Stellung der peripherischen Eindrücke, auch eine vollkommen rich- tige und entsprechende Auskunft über die wirklichen Lagenverhält- nisse der Dinge geben. Denn es muss uns, da wir das Gleichevon den Wahrnehmungen des Gesichtssinnes stillschwei- 1) Der Versuch, auf welchen ich mich hier beziehe, ist neuerlich in einem dickleibigen Werke von Serres d’Uzes (Sur les phosphenes, Paris, 1853) mit grosser Weitschwei- figkeit behandelt worden und besteht wesentlich darin, dass man mit einem festen Körper, einer stumpfen Bieistiftspitze z. B. durch die geschlossenen Lider hindurch einen mässigen und umschriebenen Druck auf das Auge ausübt, welcher sowohl die Lider als die Retina an gleicher Stelle trifft und demgemäss auch gleichzeitig zwei Empfindungen, eine Tastempfindung (Druckbild) und eine Lichtempfindung (Phosphen) erregt, welche eine Vergleichung ihrer gegenseitigen Position gestatten. Vergleicht man nun wirklich die Localisirung dieser Empfindungen, so überzeugt man sich leicht, dass beiderlei Bilder auf entgegengesetzten Seiten der Sehaxe liegen. Drückt man nämlich mit dem Bleistift im Dunkeln, das geschlossene Auge von oben, so fühlt man den Druck oben, während das Lichtbild unten erscheint , drückt man hingegen den unteren Theil der Lider und der Netzhaut, so fühlt man den Druck unten, das Lichtbild erscheint oben u. s. w. 37* 570 Czermak. send voraussetzen, zugleich aber mit Sicherheit wissen, dass die Netzhautbilder eineumgekehrte Lage haben, natürlicher Weise die umgekehrte Lage der Netzhautbilder in dieser Beziehung, als ein Hinderniss für das Aufrechtsehen erscheinen und zu dem Gedan- ken verleiten, dass in dem Bewusstsein eine „unmittelbare Nöthigung * liege, welche die Umkehrung der umgekehrten Netzhautbilder voll- bringt. Hiermit dürfte die Entstehung des gerügten Vorurtheiles hinrei- chend erklärt sein und — um die Aufgabe, welche ich mir gestellt habe, vollständig zu lösen — bleibt nur noch übrig der von mir for- mulirten und oben ausgesprochenen allgemeinen und berechtigten Forderung, welche jenem Vorurtheil versteckt zu Grunde liegt, in den Erklärungsversuchen des Problems Genüge zu leisten. Um diese Angelegenheit zu erledigen, bin ich gezwungen auf die beiden, schroff sich gegenüber stehenden Grundanschauungen über das Wesen der Seele einzugehen, da es mir nicht einfallen kann, die grosse Streitfrage der Zeit, welche von beiden Anschauun- gen die alleinseligmachende, einzig richtige sei? hier entscheiden zu wollen. 1. Ist man, wie Fick, überzeugt, dass die Seele, wenigstens in Beziehung auf ihre Empfindungsfähigkeit ein Raum sei, in welchen hinein sich die räumlichen Bilder begeben, um da Platz zu nehmen, und setzt man — (nicht stillschweigend wie bisher, sondern aus- drücklich) — voraus, dass die Bilder des Tastorgans in derselben Lage von der tastenden Fläche bis zur Seele fortrücken; so wird man auch, in Folge unserer allgemeinen Forderung, anzunehmen sich gezwungen sehen, dass das Netzhautbild im Verlauf des Sehnerven um 180° um seine Axe gedreht werden müsse, d. h. dass die Einpflanzung der Retinalelemente in den Leibestheil, in welchem die Seele wohnt, die umgekehrte als in der Retina sein müsse. Denn es ist nichts als wohlfeiler Spott, es plausibler oder „geist- reicher“ und durch seine „Ungewöhnlichkeit“ anziehender finden zu wollen, wenn man das Netzhautbild parallel mit sich zum Gehirn fort- schreiten liesse, dafür aber der Seele eine umgekehrte Stellung im Sehhirn gäbe oder wenn man das Tastbild statt des Retinabildes auf. dem Wege von der Peripherie zum Centrum eine Umkehrung erleiden liesse ! Physiologische Studien. 571 Unter den gemachten Voraussetzungen ist also Das, was oben (nach Lotze) als ein Vorurtheil bezeichnet wurde, gar kein Vor- urtheil, sondern eine nothwendige Consequenz, und ist man offenbar gezwungen die alte von Fick neuerdings vertretene Erklä- rung des „Aufrechtsehens“ der umgekehrten Netzhautbilder anzu- nehmen— ohne nochdesshalb, wieFick (vgl. den Eingang des $.), in jenen, ebenfalls alten Irrthum verfallen zu müssen, dass damit zugleich auch schon Das erklärt sei, was Einige „die Richtung des Sehens“ nennen. 2. Wenn man aber glaubt, dass es hinreicht „an die bodenlose Ungereimtheit erinnert zu haben, die noch immer ohne die mindeste Vorstellung von dem, was Empfinden oder Wahrnehmen heisst, sich in der Erklärung der psychischen Erscheinungen ergeht“, um die eben erörterten Vorstellungen über das Wesen der Seele zu besei- tigen; wenn man annimmt, dass, um überhaupt wahrgenommen werden zu können, jedes räumliche Bild, welches in den äusseren Sinnen ist, in eine Summe „intensiver Erregungszustände der Seele“ übergehen muss, „die weder relative Lagenverhältnisse unter einander mehr haben, noch zusammengenommen eine Lage gegen aussen ;“ dann kann man freilich auch von einer Umkehrung des Netzhautbildes, buchstäblich genommen, wie vorhin sub 1, nicht mehr sprechen, obschon diesen Worten nichts destoweniger ein gewisser Sinn bleibt, denn es gilt auch hier die Frage: Welche Beziehung existirt zwischen der objectiven Räumlichkeit der Retinafläche und der wahr- genommenen Räumlichkeit des Sehfeldes, oder anders ausgedrückt, welche Position nimmt das gesehene Bild zu dem objeetiven Bild oder Reiz auf der Netzhaut ein? Diese Frage darf gestellt werden, weil wir unsere Vorstel- lung von der wirklichen Lage der gereizten Netzhautpunkte, über welche uns sowohl das Tast- und Muskelgefühl, als gewisse physica- lische Betrachtungen sicheren Aufschluss geben, mit der Localisirung der durch. dieselben vermittelten Lichtempfindungen vergleichen können; und sie muss gestellt werden, weil wir zwischen zwei an sieh möglichen Beantwortungen zu entscheiden haben. Es kann nämlich jede Erregung eines diesseits der Sehaxe gele- genen Netzhautpunktes einen Einfluss auf die Seele ausüben, ver- möge dessen das durch sie erlangte Bild sich mit einem Raumpunkte assoeiirt, der im Raumbilde entweder jenseits oder ebenfalls 572 Czermak. diesseits der Scehaxe, deren Richtung uns immer genau bekannt ist, liegt. | Die Gelegenheit zur exacten Ermittelung dieser so zu sagen topologischen Beziehungen findet sich in jenem, oben eitirten bekann- ten Versuche, wo die unmittelbare Vergleichung der Localisation eines Drueck- und eines Lichtbildes, welehe dureh einen und denselben Ein- druck an Orten des Tastorgans und der Retina, die, gegenseitig sich deckend, beide auf derselben Seite der Sehaxe liegen, erregt werden, und ferner in dem folgenden ebenfalls bekannten Versuche. Man steche mit einer Nadel ein feines Löchelchen in ein Karten- blatt und halte dasselbe gegen einen hellen Hintergrund in solcher Entfernung vom Auge, dass es diesseits des Accommodationspunktes zu stehen kommt, so fällt die Vereinigungsweite der durch das Lö- chelehen hindurchtretenden Strahlen hinter die Netzhaut, auf die Netzhaut aber ein Zerstreuungskreis. (Vgl. Fig. 2.) Schiebt man nun ein zweites Kartenblatt ganz nahe am Auge von einer beliebigen Seite gegen die Mitte der Pupille vor, so wird der Zerstreuungskreis auf der Retina von derselben Seite her verdunkelt (vgl. Fig. 2), während der gesehene Zerstreuungskreis von der diametral entgegengesetzten Seite her sich verdunkelt. Befindet sich das Löchelchen jenseits des Accommodationspunk- tes, so fällt abermals ein Zerstreuungskreis auf die Netzhaut, in diesem Falle jedoch nicht weil die Lichtstrahlen hinter, sondern vor der Retina im Punkte 0 (Fig. 3) ihre Vereinigung finden. Schiebt man jetzt das zweite Kartenblatt wieder gegen die Pupille vor, so wird der Zerstreuungskreis auf der Retina, wie Fig. 3 lehrt, von der entge- gengesetzten Seite verdunkelt werden, während man nichts destowe- niger den Zerstreuungskreis im Sehfelde sich von derselben Seite her verdunkeln sieht, von welcher das zweite Kartenblatt gegen die Mitte der Pupille vorgeschoben wird. | Es unterliegt somit nicht dem leisesten Zweifel, dass von den beiden oben aufgestellten Möglichkeiten die erste wirklich rea- lisirt ist. Abgesehen von dieser experimentellen Beantwortung der Frage, kann man auch durch eine sehr einfache Überlegung, a priori zu der festen Überzeugung gelangen, dass bei der bestehenden Organisation unseres Auges und bei der beabsichtigten Harmonie der Localisation durch das Sehen mit der durchMuskel- undTastsinn die Herstellung der eben erörterten Physiologische Studien. 573 Beziehungen eben so nothwendig gewesen sei, als die te kehrte Lage des Netzhautbildes. Ä Was den letzten Punkt betrifft, so hat bereits Lotze (a. a. ©. | pag. 368) schlagend nachgewiesen, dass gewisse sinnlose’ Wider- sprüche und optische Zweckwidrigkeiten für unser Auge, in welchem sich die Bilder auf dem eoncaven Hintergrunde projieiren und dessen Drehpunkt vor dem Bilde, zwischen ihm und dem Objecte liegt, nur durch ein umgekehrtes Netzhautbild zu vermeiden waren. Was nun aber den ersten Punkt angeht, so hat Lotze's Dar- stellung eine Lücke, welche ich eben auszufüllen suche. 2 Setzen wir den Fall, dass die umgekehrten Bilder in dersel- ben Lage, welche sie auf der Netzhaut einnehmen, auch im Raume wahrgenommen oder localisirt würden; so ergäben sich trotz des um- gekehrten Netzhautbildes, sogleich wieder „sinnlose Widersprüche“. Denn dann würde nicht nur die Augenaxe sich heben müssen, um das Bild eines von uns unten gesehenen Objeetpunktes auf die Stelle des deutlichsten Sehens zu rücken, sondern auch die tastende Hand müsste eine Bewegung ausführen, die nach oben gerichtet wäre, um von dem Orte des Auges ausgehend denselben unten gesehenen Punkt zu erreichen. Ähnliche Disharmonien würden dann auch hin- siehtlich des Rechts und des Links unvermeidlich sein. Kurz also: die umgekehrte Lage des Netzhautbildes würde unter diesen Umständen, trotz ihrer sonstigen Nothwendigkeit, in der That ein Hinderniss sein, für das Aufreehtsehen, d. h. für die Har- monie unserer räumlichen Weltauffassung, — wenn die erregten Netzhautpunkte nicht zugleich die Fähigkeit besässen, die umgekehrte Localisation der dureh sie vermittel- ten Bilder zu erzwingen. Dass und in welehem Sinne wir daher auch bei den hier gemachten Voraussetzungen über das Wesen der Seele, von der Nothwendigkeit einer abermaligen Umkehrung des Netzhautbildes sprechen können, leuchtet wohl von selbst ein ! Was endlich das „Mechanische“ behufs der Herstellung und Erklärung der factischen und als nothwendig erkannten Bezie- hungen zwischen Gesichtssinn, Tast- und Muskelgefühk betrifft, so werden wir, wenn wir mit Lotze festhalten, dass „jede dieser Bezie- hungen nur durch eine bestimmt geordnete Verflechtung und Wechsel- wirkung einer sensiblen Netzhautfaser mit motorischen Nervenfäden 7A Czermak. hervorgebracht werden kann“, auch annehmen müssen, dass die unteren Punkte der Retina durch ihre Nervenfasern so mit jenen motorischen Elementen verbunden sind, dass sie im Raumbilde des Muskelgefühls oben, die oberen so, dass sie unten ete.... erscheinen, während bezüglich der Nervenfasern des Tastorgans, entsprechend unserer oben ausgesprochenen allgemeinen Forderung, nothwendig das Entgegengesetzte gelten wird. — Hiermit ist unsere Aufgabe gelöst. — Beiläufig will ich zuletzt noch an meine Versuche über das „Verkehrtfühlen“ (vgl. dieser Studien II. Abth. a. a. O. pag. 513) erinnern, und kann dabei die Bemerkung nicht unterdrücken, dass sich auf Grund dieser Versuche für den von Lotze verketzerien Gedanken an eine Drehung der Fasern um 180° im Verlaufe des Optieus auch hier ein Ausdruck finden lässt, der ihn über das Niveau einer „bodenlosen Ungereimtheit“ erhebt. Denn, da die ange- zogenen Versuche, welche freilich immer nur an einem schon geübten Tastorgan anzustellen sind, lehren, dass durch Verschie- bung oder eigentlich Verkehrung (Perversion) der Lage der sensiblen Hautpunkte auch die Objeete verkehrt wahrgenommen werden, so würden die durch die Erregung der sensiblen Hautpunkte wahr- genommenen Tastbilder umgekehrt erscheinen müssen, wie die Bilder auf der Retina, wenn, caeteris paribus, das Hautstück um 180° um seinen Mittelpunkt gedreht werden könnte oder wenn die betreffenden Nerven eine totale Kreuzung erfahren könnten, so dass die unteren sensiblen Punkte die oberen , die oberen die unteren .... ete. würden. Warum sollte es nun, selbst unter den Lotze’schen Voraus- setzungen, gar so ungereimt sein, einen dem Verlaufe dieser Tast- nerven ähnliehen Verlauf der Netzhautfasern anzunehmen ? — wir brauchen ja mit dieser Hypothese keine einzige der wesentlichen Forderungen , die sich aus Lotze’s Prineipien ergeben , über Bord zu werfen ! Man könnte höchstens einwenden , dass diese Annahme über- flüssig sei, obschon man, wenn man einmal darauf ausgeht die psychischen Erscheinungen physiologisch zu erklären und sich über die im Seelenorgan getroffenen Einriehtungen bestimmtere Vorstellungen zu bilden, keinen Gedanken, falls er nur an sich brauchbar ist, von der Hand weisen sollte, den spätere Erfahrungen leicht bestätigen könnten, Physiologische Studien. 575 8.18. Zu Volkmann's Lehre von der „Richtung der Gesichtsobjeete*, 1. Volkmann nennt (a. a. O. pag. 342) die an dem von Franz operirten Blinden gewonnene Erfahrung , dass der Blinde, der mit schielendem linken Auge sehen gelernt hatte, nachdem er durch eine zweite glückliche Operation vom Strabismus befreit worden war, Alles zu weit nach rechts sah !), eine kostbare. Die aus- drückliche Anerkennung des Werthes dieser Erfahrung hat mich endlich bestimmt einen längst (1848) von mir ersonnenen Versuch zu veröffentlichen, der Jeden in den Stand setzt, jene „kost- bare“ Erfahrung an sich selbst zu machen. Der Versuch ist so überaus einfach, dass ich nur desshalb und weil man in der Ophihalmiatrik seit Jahren prismatische Brillen ver- wendet und das Folgende ohne Zweifel schon bemerkt, wenn auch vielleicht nicht physiologisch gewürdiget hat, mit der Publication gezögert habe; und besteht darin, dass man ein Prisma, am besten ein achromatisches,, vor das eine geöffnete Auge nimmt und durch dieses hindurch die Objecte betrachtet, während man mit der Hand nach ihnen langt. Die Wirkung des Prisma ist nun genau dieselbe, welche bei dem Blinden die glücklich ausgeführte Schieloperation hervorbrachte, indem die Gesichtsobjecte , je nach der Lage des berechnenden Winkels des Prisma, weiter nach rechts, links, oben oder unten gesehen werden, als ohne Prisma und vor der Schiel- operation. Der hierbei eintretende Widerspruch zwischen der Locali- sation durch den Gesichtssinn und der durch Tast- und Muskelgefühl versetzt den Beobachter in eine eigenthümliche Verwirrung, welche sieh nieht beschreiben, sondern nur erfahren lässt, und welehe nament- lich dem Anfänger gewissermassen als ein argumentum ad homi- nem, besser zum Verständniss dessen verhilft, um was es sich hier handelt, als die klarsten theoretischen Auseinandersetzungen; wess- halb ich denn auch den simplen Versuch mit dem Prisma den Lehrern der Physiologie nicht dringend genug empfehlen kann. 1) „Vielleicht könnte man fragen, was das heissen solle? Offenbar dies: Der Operirte suchte die Gegenstände, welche er bei ruhendem Auge am deutlichsten sah, statt gerade vor sich, rechts neben sich. Natürlich fand er sie nun nicht, und es bestand also eine zeitlang ein Widerspruch zwischen den Raumvorstellungen (nicht Anschauungen!) des Auges und des Getastes“. 576 Czermak. Die Erklärungen der beiden Erfahrungen, der mit dem Prisma und der an dem operirten Blinden, stimmen mutatis mutandis vollkommen überein. Eine Disharmonie der Raumvorstellungen muss nämlich eintreten, sobald aus irgend einem Grunde die Lage der Bilder auf der Netzhaut eine andere ist, als sie sein würde, wenn unser Auge wirklich auf jenen Raumpunkt gerichtet wäre, auf welchen wir es erfahrungsgemäss gerichtet meinen, da das Mus- kelgefühl , welches die Vorstellung von der Richtung der Gesichts- objecete bedingt, nach wie vor dasselbe bleibt. Die Wirkung ist daher auch ganz gleich, mag man nun durch das Prisma oder, wie bei der Schieloperation, durch eine unbewusste Veränderung der Stellung des Auges bewerkstelligen, dass das Bild eines Objeetes auf die Netzhautstelle fällt, auf welche bei der zum Bewusstsein kom- menden Stellung des Auges erfahrungsgemäss dasBild eines in bestimmter Entfernung neben, unter oder über jenem liegendes Object fallen müsste; denn in beiden Fällen werden die durch die Erregung derselben Netzhautpunkte vermittelten Bilder, mögen sie auch ganz verschieden gelegenen Objeeten entsprechen, an demselben Punkte im Raume gesehen, weil eben das Muskelgefühl wesentlich die Vor- stellung der Richtung bedingt und nach wie vor dasselbe bleibt. 2. Die Harmonie unseres Urtheils über die Richtung der Gesichts- und der Tastobjeete kann nicht wohl eine absolute, unbegrenzte, ich möchte sagen atomistis.che sein. Und in der That wird diese Ver- muthung unter anderm auch durch die folgende Erfahrung beim Sticken (Tapisseriearbeit) bestätigt. Es ist leicht, an sich und an anderen die Beobachtung zu machen , dass die Nadel beim Zurück- stechen des Fadens unter 100 Fällen 99 Mal den gewünschten, vom Auge fixirten Punkt verfehlt; doch irrt die unter dem Canefass befindliche Hand, , welehe die Nadel führt, nie um mehr als ein bestimmtes Maximum und trifft auch sicher den einmal getroffenen Punkt mehrmal hinter einander , wenn sie dazwischen nicht etwa durch andere Bewegungen wieder desorientirt wurde. Ebenso ver- hält es sich natürlich auch, wenn wir versuchen die Augenaxen auf ‘einen ungesehenen, nur durch die stiekende Hand von unten fixirten Punkt einzustellen. Auf diese Erfahrungen liesse sich ein Verfahren gründen , die Breite der möglichen Schwankungen der Localisation durch das Muskelgefühl zu messen. Physiologische Studien. 577 2. Weitere Beiträge zur Physiologie des Tastsinnes. Das Folgende enthält die angezeigte 1) Fortsetzung jener Unter- suchungen, welche im 3. Abschnitt der II. Abtheilung der vorliegenden „Studien“ niedergelegt sind. Diese Fortsetzung ist das Resultat des Bestrebens das Gebäude meiner, die Ansichten Weber’s und Lotze’s vermittelnden Lehre zu befestigen und weiter auszubauen. Um das Folgende leichter anknüpfen zu können, sei mir hier eine kurze Revision jener Sätze gestattet, auf welche ich meine Hypothese gegründet habe. 1. Jede einzelne Nervenfaser hat ein gewisses Ver- ästelungsgebietin der Haut, d.h. geht in eine bestimmte Zaun (1, 2,9....2) sensibler Punkte aus. Dies können wir mit Sicherheit annehmen, müssen uns dagegen vorläufig jedes Ausspruchs über die Beschaffenheit und Anord- nung dieser sensiblen Punkte, so wie über das gegenseitige Verhält- niss der Verästelungsbezirke benachbarter Nervenfasern enthalten, da wir trotz aller Bemühungen der Mikroskopiker die eigentliche Endigungsweise der Nervenfasern in der Haut noch immer nicht genau genug kennen. E. H. Weber’s Annahme, nach welcher die Ver- breitungsbezirke der einzelnen Fibrillen scharf begrenzt neben einander liegen sollen, ist nicht hinreichend begründet. Eben so unbegründet und vielleicht noch unwahrscheinlicher war meine 1349 ausgesprochene Idee einer totalen Interferenz dieser Verbreitungsbezirke, zu welcher ich durch theoretische Gründe und durch die Existenz der Nervenplexus in der Froschhaut verleitet wurde. Ja selbst dieNegationder berührten W eber’schen Annahme, welche ich noch in meinen letzten Mittheilungen festhalten zu müssen glaubte, lasse ich hiermit als nicht hinreichend begründet und als unwesentlich für meine Theorie fallen ?). 1) Wiener med. Wochenschrift, 1855, pag. 471. 2) Durch das Gesagte und indem ich noch hinzufüge, dass ich den gereizten Ton, zu dem ich mich hinreissen liess, lebhaft bedaure, glaube ich ein in der II. Abtheilung dieser „Studien“ (pag. 509, Anmerkung), an dem grossen Physiologen begangenes Unrecht wieder gut gemacht zu haben. 578 Czermak. 2. Jeder sensible Punkt, welcherin Erregung ver- setzt wird, theilt derselben eine eigenthümliche Fär- bung — ein „Localzeichen“ mit, welches ein bestimmtes Glied eines stätig abgestuften Systems von Local- zeichen ist. Hierbei müssen wir es nun wieder völlig unentschieden lassen, worin diese Localzeichen eigentlich bestehen (vgl. Lotze, Med. Psy- chologie, Cap. 4, pag. 325) und halten nur fest, dass jeder sensible Punkt mit seinem Localzeichen ein einfaches Element unseres inneren Raumbildes repräsentirt. Es wäre freilich auch noch denkbar, dass selbst ein einzelner sensibler Punkt als ob er gleichsam aus mehreren zusammen- geschmolzen wäre — je nach der Richtung etwa, in welcher der Tastreiz auf ihn einwirkt, verschiedene Localzeichen vermitteln und demgemäss auch mehrere einfache Raumelemente repräsentiren könnte, oder dass im Gegentheile zur Herstellung eines Localzeichens die Erregung mehrerer Punkte nothwendig sei. Dies bleibe jedoch bei unserer gegenwärtigen Unkenntniss der Nervenprocesse völlig dahingestellt — so wie auch die Frage, ob die zu einer Stamm- faser gehörigen sensiblen Punkte ihrer Erregung nur absolut gleiche oder verschiedene Localzeichen mitzutheilen im Stande sind? 8. Die Feinheit der Abstufung des Systems der Localzeichen scheint mit der relativen Anzahl der sen- siblen Punkte und Nervenfibrillen in den verschiedenen Regionen der Haut correspondirend zu fallen und zu steigen; doch können wir jene mit dieser vorläufig in keine andere Beziehung bringen, als dass eben Beide (die Feinheit der Abstufung der Localzeichen, wie die relative Anzahl der sensiblen Punkte) wesentlich durch die nun einmal bestehenden, aber noch nicht näher erkennbaren und zu bezeichnenden, correspondirenden Verhältnisse des centralen und des peripherischen Nervensystems begründet sind. Denn die grössere Zahl der sensiblen Punkte an sich bedingt offenbar nicht nothwendig auch einen grösseren Unterschied zwi- schen den Localzeichen der einzelnen sensiblen Punkte et vice versa. Ja nicht einmal die Annahme erscheint hinreichend gerecht- fertigt, dass der Unterschied der Localzeichen unmittelbar benach- barter Punkte überall derselbe sei, obschon dann allerdings die Physiologische Studien. 579 Feinheit der Abstufung der Localzeichen mit der relativen Anzahl der sensiblen Punkte in direete Beziehung gebracht wäre. Damit soll jedoch die fragliche Beziehung, zu deren genaueren Constatirung zunächst noch direete Zählungen der sensiblen Elemente in den verschiedenen Hautregionen erforderlich wären, eben so wenig geleugnet, als angenommen werden — wenn sie auch im Allgemeinen schon nach den bereits vorliegenden Erfahrungen in gewissen Regionen zu existiren scheint. A. Je weiter zwei sensible Punkte einer Hautregion aus einander liegen, desto differenter müssen auch dieihnen eigenthümlichen Localzeichen sein, — wobei wir, wie gesagt, die Frage offen lassen, ob dies nur dann gilt, wenn die sensiblen Punkte mit verschiedenen Stammfasern zusammenhängen oder auch dann, wenn sie derselben Stammfaser angehören. 5. Bei der Einwirkung jedes Druckes, jedes Tast- reizes wird gewöhnlich ein Complex von sensiblen Punkten erregt (Meissner). | Allein trotz der Erregung mehrerer sensibler Punkte (so zu sagen eines Zerstreuungskreises) durch ein einfaches und punktförmig beschränktes Tastobjeet entsteht doch erfahrungsge- mäss auf keiner Hautstelle eine vielfache Empfindung, — ja selbst mehrere zeitlich und räumlich getrennte Tastreize fliessen inner- halb bestimmter und für die verschiedenen Hautregionen verschie- dener Grenzen zu einer räumlich einheitlichen, räumlich untrenn- baren Wahrnehmung zusammen. 6. Es existiren daher in der Haut Bezirke von be- stimmter Grösse und Gestalt, welehe eine Anzahl Bee) von!siensiblen .,imehrs oder smeniger gedrängt stehenden Punkten umfassen, deren Local- zeichen sich nur unmerklich von einander unter- scheiden, und innerhalb welcher somit eine Wahr- nehmung jedweder räumlichen Beziehungen der Ein- drücke nicht mehr möglich ist. Diese Bezirke nannte ich „Empfindungskreise“. Sie müssen als Raumeinheiten oder Raumelemente höherer Ordnung bezeichnet werden, wenn man jeden sensiblen Punkt mit seinem Localzeichen als ein einfaches Raumelement betrachtet. Ihr Durch- 580 Czermak. messer bedingt wesentlich die Schärfe des räumlichen Wahrneh- mungsvermögens. | In gewisser Beziehung hängt jedoch die Feinheit desselben auch von den so zu sagen mechanischen Verhältnissen der sensiblen Punkte an der Peripherie ab (s. unten über die „Irradia- tionskreise“ $&. 19, ad 2). 7. Die Anordnung der Empfindungskreise, welche, wie gesagt, je nach der Hautregion eine bestimmte Anzahl von mehr oder weniger gedrängt stehenden sensiblen Punkten umfassen, muss man sich erfahrungsgemäss unter dem Bilde von unendlich vielen Kreisen oder Ellipsen !) denken, welche sich so interferiren, dass ihre Mittelpunkte die ganze Hautoberfläche stätig erfüllen ?). Ich übersehe hierbei nicht, dass die sensiblen Punkte — soweit unsere histologi- schen Daten reichen — durch unempfindliches Gewebe getrennt sind. 8. Die durch die Empfindungskreise repräsentir- ten Raumeinheiten höherer Ordnung fallen insoweit zusammen, als sich die Empfindungskreise inter- feriren. Die Elemente unseres subjectiven Raumbildes eorrespondiren eben genau—-auf eine vorläufig unerklärbare Weise — mit den fixen, geometrischen Verhältnissen der sensiblen Punkte an der Peripherie: 9. Auf der Mosaik der sensiblen Hautpunkte und der Empfinäungskreise können sich die Gestalten, Entfernungen und Bewegungen der wahrzunehmen- den Tastobjecte gleichsam abbilden; und die Seele wird vermöge dieser bestehenden Einrichtung in den Stand gesetzt, die räumlichen Beziehungen der die Haut treffenden Reize aus einander zu halten und anzuschauen. 10. Concentration der Aufmerksamkeit und Übung des Tastorgans endlich können das Wahrnehmungs- vermögen für die Unterschiede der den sensiblen Punkten eigenthümlichen Localzeichen ansehnlieh sehärfen. Auch von der (durch Narcotica u. s.w.) variablen Disposition der Centralorgane ist die Feinheit der Abstufung des 1) Vielleicht auch unregelmässig begrenzten Flächen ? 2) Jeder sensible Punkt gehört daher vielen Empfindungskreisen an, nimmt aber in jeden derselben eine andere relative Lage zum Mittelpunkte ein. Physiologische Studien. 58i Systems der Localzeichen und somit die Grösse der Durchmesser der Empfindungskreise abhängig. Zum Beleg dafür lassen sich mancherlei Erfahrungen anführen. Bei vorurtheilsfreier Erwägung der mitgetheilten zehn Thesen wird man, wie ich glaube, bald zu der festen Überzeugung gelan- gen, dass meine Theorie des Raumsinnes der Haut auf einer siche- ren, unserem gegenwärtigen geringen Wissen allein vollkom- men entsprechenden und jede voreilige oder nicht hinreichend begründete Annahme streng ausschliessenden Basis ruhe, und sowohl Jenen, welehe die Wahrnehmung der räumlichen Beziehungen der äusseren Objecte auf dem Wege der „Auffassung,“ als Jenen, welche dieselbe nur auf dem Wege der „Wiedererzeugung der Räumlichkeit“ erklären zu können meinen, wesentlich genügen dürfte. Auch kenne ich keine Thatsache, welche sich nieht auf die ungezwungenste Weise mit meiner Theorie in Zusammen- hang bringen und deuten liesse. Wollte man aber einwerfen, dass meine Theorie Nichts eigentlich erkläre, indem sie gewissermassen nur eine Um- schreibung der Thatsachen sei, so könnte ich darauf hinweisen, dass Weber’s, Lotze's und Meissner’s Hypothesen durchaus Nichts besser erklären, dagegen aber zum Theil unbegründete Annahmen herbeiziehen, zum Theil mit gewissen Thatsachen nicht in Einklang zu bringen sind. Der von mir eingeschlagene Weg erscheint mir als der vor- läufig einzig mögliche und der besonnenen empirischen For- schung allein entsprechende. Übrigens halte ich meine Darstellung durchaus nicht für abge- schlossen, und es ist mir überhaupt nur um die Sache, nicht um das Rechthaben zu thun, wesshalb mir jeder fördernde Wider- spruch, jede freundliche Zurechtweisung willkommen sein wird. Die Fortbildung der Theorie und die Erforschung der That- sachen in anderen Richtungen auf eine spätere Zeit verschiebend, beschränke ich mich hier nur darauf, Einiges auszuführen und mitzutheilen, was sich hauptsächlich auf die Messung der Empfin- dungskreise, auf die Würdigung der von Lotze zusammengestellten Einwürfe gegen die Existenz der festen Empfindungskreise über- haupt, und auf die experimentelle Begründung dieser Annahme gegen- über der Lotze-Meissner’schen Hypothese bezieht. 582 Czermak. $. 19, Über Messung der Empfindungskreise. Es ist Lotze, welcher zuerst darauf aufmerksam gemacht hat, dass der nach Weber’s alter Methode als Einheit empfundene Raum, für ungleichzeitige Erregungen die Möglichkeit differen- ter Raum empfindung birgt. Aus dieser Thatsache ergibt sich, nach den voransgeschickten Begriffsbestimmungen, zunächst der Schluss, dass die wahren Em- pfindungskreise einen kleineren Durchmesser haben müssen, als jene Bezirke, innerhalb welcher zwei gleichzeitige Eindrücke nicht mehr räumlich unterschieden werden, und dann die doppelte Aufgabe: 1. den Grund der verschiedenen Feinheit des Wahrneh- mungsvermögens für Raumbeziehungen gleichzeitiger und ungleich- zeitiger Erregungen zu ermitteln, und 2. eine Methode aufzufinden, welche die Durchmesser der Empfindungskreise, wo möglich, direet und genau misst. Ad 1. Vor Allem haben wir uns zu erinnern, dass die Erre- gung der zu einem Empfindungskreise gehörigen sensiblen Punkte die Möglichkeit aller und jeder differenten Raum empfindung aus- schliesst, dass somit Empfindungen nicht eher irgend welche räum- liche Beziehungen zu einander erhalten können, als bis nicht der Abstand der erregten Punkte wenigstens etwas grösser ist, als der Durchmesser eines Empfindungskreises. Um einfach die Lage zweier auf einander folgender, zeitlich aus einander gehaltener Eindrücke zu beurtheilen, wird es daher — für den ersten Moment der späteren Berührung — im Allgemeinen genügen, dass der Abstand der erregten sensiblen Punkte den Durch- messer eines Empfindungskreises übersteigt (Fig. 4 a, b), während zwei gleichzeitige Erregungen bei demselben Abstande in eine (vielleicht etwas längliche, aber jedenfalls) räumlich untrenn- bare Empfindung unaufhaltsam zusammenfliessen müssen; da eine deutliche, totale, räumliche Unterscheidung und Tren- nung des gleichen oder verschiedenen qualitativen Inhalts gleich- zeitig erregter Empfindungen offenbar nur möglich ist, wenn wir eine Vorstellung von dem dieselben trennenden Zwischenraum bekommen. Diese Vorstellung beginnt, nach meiner Lehre von der Inter- ferenz der Empfindungskreise, zu enistehen, nachdem einmal der Physiologische Studien. 583 Abstand der gleichzeitig erregten sensiblen Punkte so gross gewor- den ist, dass sich keine der betreffenden Empfindungskreise mehr interferiren !) (Fig.4a, c), kann aber erst dann vollkommen deut- lich werden, wenn der fragliche Zwischenraum durch ein ganzes Raumelement höherer Ordnung repräsentirt wird, d.h. wenn zwischen die einander zugekehrten Grenzen der betreffenden Empfindungs- kreise ein ganzer Empfindungskreis zu liegen kommt (Fig. 4 a, d). Mit diesen Consequenzen, welche sich aus keiner der anderen Theorien so klar ableiten lassen, stimmt es nun auf eine erfreuliche und überraschende Weise zusammen, dass (wie mein der Wissen- schaft zu früh entrissener, ehemaliger Mitschüler R. Liehtenfels mit feiner Beobachtungsgabe hervorgehoben hat), „die Überschrei- tung jener Distanz, für welche zwei (gleichzeitige) Eindrücke als unzweifelhafte Einheit erscheinen, nicht sogleich mit dem vollen Bewusstsein einer Doppelempfindung sich verknüpft und ebenso umgekehrt.“ Ausser jenem Raume, in welchem ein Verschmelzen gleichzei- tiger Eindrücke stattfindet, und jenem an dessen Grenzen die bei- den Eindrücke völlig getrennt bleiben, existirt also wirklich noch ein mittlerer Raum, in dem die erzielten Empfindungen noch nicht entschieden getrennt, aber auch nicht mehr verschmolzen erscheinen. Die Breite dieses mittleren Raumes entspricht, beiläufig bemerkt, dem Durehmesser eines Empfindungskreises (Fig. 4 c, d) und beträgt immer weniger als den dritten Theil der Distanz zwischen a und d. Hiermit scheint nun der bisher kaum geahnte Grund des Wider- spruches der Beobachtungen über die Feinheit des Wahrnehmungs- vermögens für die räumlichen Beziehungen gleichzeitiger und ungleichzeitiger Eindrücke auf eine sehr einfache, naturgemässe, aus meiner Theorie von selbst sich ergebende Weise genügend erklärt zu sein. Schliesslich muss ich noch eines interessanten Umstandes gedenken, welcher uns auf ein bisher unberührtes, hier in Betracht - 1) Vgl. oben pag. 580 Anmerkung und Thesis Nr. 8. 2) Vgl. diese Sitzungsber. 1851, Bd. VI, pag. 341. Sitzb. d. mathem.-naturw. Cl. XVIT. Bd. III. Hft. 35 584 Czermak.: kommendes Moment hinweist. Ich meine die Bemerkung Lotze's!): „dass man oft, auch wenn die Zirkelspitzen gleichzeitig aufgesetzt werden, deutlich zwei Empfindungen erhält, die erst später zu einer einzigen verschmelzen“. Es dürfte nämlich, falls die Lotze’sche Beobachtung nicht etwa doch auf einer Täuschung in Folge ungleich- zeitigen Aufsetzens der Zirkelspitzen beruht, hieraus mit Nothwendig- keit auf eine analoge Erlahmung?) der sensiblen Elemente der Haut und auf eine Abstumpfung des Unterscheidungsvermögens des Raum- sinnes, wie eine solehe im Gebiete anderer Sinne in Folge andauern- der Erregung der Nervensubstanz längst eonstatirt ist, zu schliessen sein. Ad 2. Die alte Weber’sche Messungsmethode wird, nach den vorausgeschiekten Auseinandersetzungen, zwar neben ihrem histori- schen, immer noch auch einen praktischen Werth zur Bestimmung der Feinheitsverhältnisse des Raumsinnes der Haut und zur etwaigen Berechnung des Durchmessers der Empfindungskreise, welcher, wie oben beiläufig bemerkt wurde, stets weniger als den dritten Theil der nach Weber gemessenen Abstände betragen muss, behal- ten; allein sie taugt nur in jener sinnreichen Form, in welcher sie von R. Lichtenfels angewendet wurde, zu einer genaueren indireeten Messung dieser Diameter, und macht die neue Methode, welche ich auf die Beobachtung der, zur Unterscheidung räumlicher Beziehungen ungleichzeitiger Eindrücke, erforderlichen Distan- zen zu gründen gedenke, durchaus nicht überflüssig. \ R. Lichtenfels hat nämlich in Folge der oben eitirten Beob- achtung für nöthig erachtet, nicht nur den Abstand zu messen, bei welchem zwei gleichzeitige Eindrücke eine deutliche Doppel- empfindung zu veranlassen beginnen, sondern auch jenen, bei welchem die Verschmelzung der Eindrücke zu einer einfachen, räumlich untrennbaren Wahrnehmung ihre Grenze hat. Leider hat Lichtenfels seine Messungen nur an einer einzigen Stelle (an der Dorsalfläche des rechten Unterarmes), bei longitu- dinalem Ansetzen der Zirkelspitzen in der Mittellinie, ausgeführt und sechs derartige Versuchsreihen in der folgenden Tabelle zusammengestellt: 1) A. a. 0. pag. A403. 2) Vgl. Hoppe'sMed. Briefe XII. Heft, 1854. 47. Brief. Hop pe geht jedoch entschieden zu weit! Physiologische Studien. ; 5 8 5 Ereehniss d Grenze der einfachen Beginn der deutlichen ort Empfindung Doppelempfindung Versuchsreihe 25 Millim. 29 Millim. 28 34 26-5 325 26 de 2 3. A. 27 33 3 6 26 Mittel 26°4 Millim. Millim. Grösse d. Schwankung 3 Millim. Millim. Aus dieser Tabelle ergibt sich, dass, während die Grenze der einfachen Empfindung kaum variabel ist, indem die Schwankung von 3 Millim. auf Rechnung der Beobachtungsfehler kommt, das Urtheil über den Beginn der vollen Doppelempfindung um die kleine Grösse von 6 Millim. schwankt, und — was schon Lichtenfels nicht für zufällig ansieht — der Raum, in welchem das Urtheil sich zweifelhaft verhält: 32—26, dieselbe Grösse, nämlich 6 Millim. hat. Erscheint es schon an und für sich wünschenswerth, alle Regionen des Tastorgans nach dem Lichtenfels’schen Verfahren, soweit dasselbe anwendbar ist, zu prüfen, so dürfte doch die Wichtigkeit dieser Aufgabe erst in Erwägung der Deutung und Bedeutung, welche die, durch die angezogenen Messungen, ermittel- ten Thatsachen nach meiner Lehre von den Empfindungskreisen erhalten, recht deutlich in die Augen springen. Im Sinne dieser Lehre stellt es sich nämlich heraus, dass die von Lichtenfels gemessenen Abstände den Punkten «a, e und d meiner Schemen Fig.5, 6, 7 — und somit auch die Differenz 32—26 —= 6 Millim. der Differenz ad — ac= cd entsprechen. Nun ist aber cd (= 6 Millim. ) nahezu = dem Durchmesser eines Empfindungskreises; es diente also das Lichtenfels’sche Verfahren zur indireeten Messung der Empfindungs- kreise. In Übereinstimmung damit wäre es denn auch, dass der gefundene Durchmesser des Empfindungskreises, nämlich 6 Millim., in der That auch weniger als den dritten Theil von 32 Millim., d. i. vom Abstand ad, und weniger als die Hälfte von 26 Millim., d. i. vom Abstand ac beträgt. 35* 586 Czermak. Ich darf es hier beiläufg wohl als eine sprechende Bestätigung meiner Deutung anführen, dass unter den 32 von Lichtenfels a. a. Ö. mitgetheilten Messungen, welche zum Theil unter normalen Verhältnissen, zum Theil nach der Einnahme von Atropin, Daturin, Morphin, Strychnin, Alkohol u. s. w. angestellt wurden, nur zwei (überdies verdächtige) Fälle vorkommen, in welchen die Grösse ed mehr als den dritten Theil von ad und mehr als die Hälfte von ac beträgt. Aus meiner Deutung der Thatsachen ergibt sich ferner, dass: 2cd + x =ac, (12 Millim. + x = 26 Millim.) und dcd + x2=.ad, (18 Millim. + «= 32 Millim.). Dieses x wäre aber der doppelte Halbmesser jenes Zerstreuungs- kreises, welcher jeden auch noch so beschränkten Tastreiz umgibt; es diente also das Lichtenfels’sche Verfahren auch zur Bestimmung der Zerstreuungskreise. Ich habe schon oben in der 5. These darauf hingewiesen, „dass „bei der Einwirkung jedes Druckes, jedes Tastreizes ein Complex „von sensiblen Punkten erregt wird“. Hier ist es endlich am Orte, auf dieses wichtige Verhältniss näher — wenn auch nur andeutungs- weise — einzugehen. Schon Meissner sagt in seinen vortrefflichen Beiträgen zur Anatomie und Physiologie der Haut, Leipzig, 1853, pag. 44: „Ein „jeder Reiz, welcher die Haut an irgend einer Stelle trifft, wird „nothwendig, mag er noch so beschränkt und fein sein, mehr als „einen sensiblen Punkt treffen, da einerseits an vielen Hautstellen „die sensiblen Punkte so nahe an einander gerückt sind, dass schon „die Wirkung des Reizes in gerader, senkrechter Richtung ihrer „mehrere treffen muss, und da andererseits neben dieser Wirkung „auch eine in seitlicher Richtung, im Umkreise jener, stattfinden „muss, gewissermassen ein Zerstreuungskreis des Reizes gebildet WIE eds „und so ist es denkbar, dass vielleicht die „Erregung der Punkte, welehe dem Zerstreuungs - oder Irradiations- „kreise eines Reizes angehören, in irgend welcher Weise für die „Seele das Localzeichen des Reizes ausmacht, dessen eigener „qualitativer Inhalt dann durch die Wirkung in gerader Richtung, „durch die Erregung der Punkte, welche das Centrum des Irra- „diationskreises bilden, wahrgenommen würde“. Physiologische Studien. 587 Man kann in der That annehmen, dass die einzelnen Local- zeichen der sämmtlichen, durch die volle Wirkung des Tast- reizes erregien sensiblen Punkte für die erzielte Empfindung ein Localzeichen höherer Ordnung zusammensetzen würden, welches, gegenüber demrein physicalischen, als der physiolo- gische Irradiationskreis zu betrachten wäre, während der eigene qualitative Inhalt des Reizes durch die Erregung der Punkte im Centrum des Irradiationskreises zur Wahrnehmung käme. Von der Grösse des rein physicalischen Irradiationskreises, welehe vom Druck, von der Elastieität der Haut, von der Beschaffen- heit der Umgebung u. dgl. abhängt, bekommt man näherungsweise eine Vorstellung, wenn man darauf achtet, in welchem Umkreise um den Berührungspunkt herum die Haut, durch eine senkrecht auf- gesetzte stumpfe Bleistiftspitze z. B., in Bewegung geräth. Schon bei mässigem Drucke entsteht eine trichterförmige Vertiefung, nach deren Mittelpunkt hin die Haut gezerrt und angespannt wird. Eine momentane Berührung mag eine ähnliche kreisförmige Erregungs- welle zur Folge haben, wie eiwa ein ins Wasser geworfener Stein. Man überzeugt sich so, durch Beobachtung der Haut, leicht, dass der physicalische Irradiationskreis einen Durchmesser von einigen Linien bis zu mehreren Zollen haben kann! Es ist jedoch nicht anzunehmen, dass der rein physicalische Zerstreuungskreis, ‚dessen Wirkung gegen die Peripherie hin all- mählich erstirbt, in seiner ganzen Ausdehnung für den physiolo- gischen, d. h. für das Localzeichen höherer Ordnung, in der Art verwerthet werde, dass er gewissermassen ein Hinderniss für die räumliche Unterscheidung mehrerer Tastreize abgeben könnte. In welcher (möglicherweise sehr variablen) Ausdehnung er aber wirklich in dieser Beziehung als Hinderniss in Betracht kommt, ergibt sich eben durch das Liehtenfels’'sche Verfahren. So findet man aus den obigen Gleichungen x — 14 Millim., während der rein physicalische Zerstreuungskreis gewöhnlich einen weit grösseren Durchmesser besitzt. Dies Alles sind Andeutungen, welche in der Zukunft genau verfolgt und bestimmt formulirt werden müssen, und welche ich überhaupt nur vorbringe, um merken zu lassen, dass ich gewisse Consequenzen und Bedenken nicht übersehen habe, die man viel- leicht aus der Existenz der Irradiationskreise gegen meine Deutung 588 Czermak. der Thatsachen wird ziehen und dagegen wird erheben wollen, dass ich das, was oben ad 1 über die nothwendigen Abstände der erregten Punkte a, d, ce und d, sofern die durch dieselben vermittelten Empfindungen räumliche Beziehungen erhalten sollten, sich ergab, hier auch von den Abständen der (schattirten) Irradiationskreise aaa, Bbß, ycy und Odo (vergl. die Schemen Fig. 5, 6 und 7, welche die drei möglichen Fälle erläutern, wo der Durchmesser der Irradiationskreise kleiner, gleich und grösser ist als der Durchmesser der Empfindungskreise) behaupten möchte. In den, Schemen Fig. 5, 6 und 7 ist aa=bß =y-d-5, aa—=ßß=yy=6°—=r, und daher auch aa + cy=aa+ de= x, ac=?abI x, ada=3ab+ x, ab—=cd u. s. w. — Was nun die neue Messungsmethode betrifft, welche ich, wie gesagt, auf die Beobachtung ungleichzeitiger Eindrücke zu gründen gedenke, so besteht sie einfach darin, dass man die Spitzen eines Zirkels nach einander und in bestimmter Distanz von einan- der, mit der Haut in Berührung bringt und darauf achtet, bei welcher Distanz der Beobachter mit Sicherheit angeben kann, wo sich der spätere Eindruck, ob oben oder unten, rechts oder links von dem früheren, befindet. So lange der Beobachter über die Lage des späteren Eindruckes sich irren kann, so lange sind wir berechtigt anzunehmen, dass der gemessene Abstand nieht grösser ist, als der Durchmesser eines Empfindungskreises. Erst wenn der Beobachter die Lage des zweiten Eindruckes mit voller Sicherheit zu bestimmen beginnt, beträgt der gemessene Abstand wenigstens den Durchmesser eines Empfin- dungskreises, welcher somit den unteren Grenzwertli oder vielmehr den Nullpunkt der Scale darstellt. Dies gilt wahrscheinlich selbst dann, wenn die Irradiationskreise bedeutend grösser sind als die Empfindungskreise, weil sich die Localzeichen höherer Ordnung auch unter diesen Umständen nicht früher, als es dem Zweck der Messung entspricht, aus hinreiehend differenten Raumelementen zusammensetzen können; obschon hier die Möglichkeit einer beiläufigen Bestimmung der Richtung, in weleher der zweite Eindruck stattfindet, vielleicht auch schon dann gegeben sein könnte, wenn ab noch kleiner als der Durch- messer eines Empfindungskreises ist, da die äussersten der, durch Physiologische Studien. 589 beide Irradiationskreise erregten Punkte (x und ß, Fig. 8) jeden- falls bereits verschiedenen weit aus einander liegenden Empfindungs- kreisen angehören. | Nach dieser Methode würde also näherungsweise der Abstand ab gemessen, welcher —=.cd ist und somit ebenfalls stets weniger als den dritten Theil von «d und weniger als die Hälfte von ac betragen muss. (Fig. 5, 6, 7.) Man sieht leieht ein, wie die neue Methode und das Lichten- fels’sche Verfahren gegenseitig sich ergänzen und controliren können und müssen ). | Einige vorläufige Versuche, meine Methode praktisch in Anwen- dung zu bringen, haben mich gelehrt, dass ein gewöhnlicher Zirkel kein passendes Instrument dazu ist, indem die zu messenden Abstände meist so klein sind, dass man das Nacheinander der Berührungen durch Neigen des Zirkels nur sehr unbequem und unvollkommen bewerkstelligen kann. Ich habe mir daher zu meinen Messungen einen eigenen Stan- genzirkel machen lassen, dessen ein Schenkel kürzer und in verti- ealer Richtung beweglich ist, so dass er bei noch so geringem Ab- stande von dem andern horizontal verschiebbaren Schenkel beliebig wann mit dem Finger bis auf die Haut herabgedrückt werden kann. (Vergl. Fig. 9 und die Erklärung der Abbildungen.) Die folgenden Tabellen enthalten eine Anzahl von Bestimmungen der Grössen ab, ac und ad, aus welchen sich &, d.h. der in Betracht kommende Durchmesser desIrradiationskreises, leicht berechnen lässt. Die Spitzen des zu diesen Messungen gebrauchten Stangenzir- kels (Fig. 9) hatten einen Durchmesser von je 0°4”. Zur Unter- suchung sehr feinfühlender Hautstellen dürften feinere Spitzen nöthig sein. 1) Dem wahren Durchmesser der Empfindungskreise kann man sich offenbar oft noch mehr nähern, wenn man nicht nur die Differenz ad— ae, und die Distanz berück- sichtigt, welche nöthig ist, um ungleichzeitige Eindrücke hinsichtlich ihrer Lage zu beurtheilen, sondern auch noch die Grenzen jener Bezirke, innerhalb welcher die Lage ungleichzeitiger Eindrücke nicht mehr wahrgenommen werden kann. 590 Czermak. A. Versuche an einem weiblichen Individuum von 26 Jahren. Abstand der gleichzeiti- gen Eindrücke Abstand der Theil der Haut ungleichzei- tigen Ein- drücke =ab Beginn der 5 ad—ac=cd deutlichen Grenze der einfachen Empfindung ==tte Doppel- Empfindung — ad Handrücken 2-3W.L.|6:0OW.L. a zit 5 s 0’ “By 4.3" Mittel. % de 722 He Vorderarm, Mitte d. Rücken- |? fläche le 12-0" 135204 y-yr 5.231 9.7" 1-9"! 10:0" BIER 2 2 Bin! d _—— — Su 7.0”. ..)10-0% 3.09" | EZ IKERRS Mittel. Deus Mitte d. Rücken- Mittel. . Oberarm, Mitte der Rücken- 17-6" Die Resultate dieser Messungen, welche auf alle Hautregionen ausgedehnt und mit grösster Sorgfalt geprüft werden sollten, stimmen zwar mit den Forderungen meiner Lehre überraschend genau zusam- men, allein schliesslich muss ich doch hervorheben, dass es in der Natur derSache, d.h.unserer Empfindungen liegt, dass alle, durch derartige verhältnissmässig grobe Messungen gewonnenen Zahlen, nur mit der grössten Vorsicht und Zurückhaltung für oder gegen Physiologische Studien. 591 theoretische Forderungen und Hypothesen zu benutzen sind; indem mancherlei Beobachtungsfehler mit unterlaufen können, die sich zum Theil vielleicht nicht einmal durch Berechnung von Mittelwerthen, aus sehr zahlreichen Beobachtungen, ganz eliminiren lassen; wodurch in diesem Bezug die Möglichkeit, d. h. der wissenschaftliche Werth der Messungen freilich ganz in Frage gestellt würde. Dieses Bedenken erhebe ich nun natürlich auch gegen meine eigenen, in der zweiten Abtheilung dieser „Studien“ ($. 8, 9 und 10) mitgetheilten Messungen, welche ich überdies noch insofern als un- vollkommen bezeichnen muss, als sie nur nach einer (der alten Weber'schen) Methode ausgeführt wurden. $. 20. Beleuchtung der von Lotze!) zusammengestellten Einwürfe | segen die Existenz „fester‘‘ Empfindungskreise, Obsehon Lotze’s Einwürfe nur gegen die ältere, in der That „ingeniös gedachte Deutung der Thatsachen“ von Weber gerichtet sindund weder Weber’s neuere Fassung, welche gewisse allgemein getheilte Missverständnisse berichtigt hat, noch auch meine eigene Lehre von den Empfindungskreisen wesentlich berühren; so bringe ich dieselben doch noch einmal hier zur Sprache, erstens um zu zeigen, wie wenig Lotze berechtigt war am Schlusse seiner Auseinander- setzung den Satz: „die festen Empfindungskreise existiren daher nicht,“ ganz allgemein hinzustellen; und zweitens um eine passende Gelegenheit zu haben, einige auf diesen Gegenstand bezügliche Bemerkungen von allgemeiner Wichtigkeit anbringen zu können. Was zunächst den ersten Punkt betrifft, so konnte Lotze, nach meinem Dafürhalten, in Erwägung der von ihm zusammengestellten Bedenken, nur die Existenz solcher festen Empfindungskreise leugnen, wie sie im Sinne der älteren Weber’schen Lehre gewöhn- lich (aber irrthümlich) aufgefasst wurden, denn die Annahme gewis- ser Bezirke von bestimmter Gestalt und Grösse, welehe in der Haut die nächsten Elemente unseres Raumbildes repräsentirten und als „feste Empfindungskreise“ zu bezeichnen wären, ist im Allgemeinen durch jene Bedenken durchaus nicht widerlegt. 1) A. a. 0. pag. 204. 592 Czermak. Wenn wir auf die einzelnen Einwürfe Lotze’s näher eingehen, so erkennen wir nämlich bald, dass sie dem Wesen der festen Empfin- dungskreise gar nicht widersprechen. So sagt Lotze a. a. O. pag. 402: „Denken wir uns einen dieser Empfindungskreise, z. B. am Oberarm, wo er ja eine Ausdehnung von mehr als einem Zolle haben kann, aus den Raumpunkten a, db, c, d u. s. w. zusammengesetzt, so würde es eine Consequenz der Ansicht von Weber sein, dass nicht nur die gleichzeitige Berührung der Punkte a und d als eine Empfindung wahrgenommen würde, sondern die Empfindung würde auch dieselbe bleiben müssen, ob wir nun mit einer einzigen Zirkelspitze d oder a berühren. Wenn wir daher die Zirkelspitze nach mannigfachen Richtungen auf der Haut herumfüh- ren, ohne doch die Grenzen dieses Empfindungskreises zu verlassen, so könnten wir dadurch keine Wahrnehmung einer Bewegung erhal- ten, sondern Alles würde sich verhalten als würde beständig derselbe Punkt erregt“. Hieraus ist aber im besten Falle offenbar nichts weiter zu schliessen, als dass die festen und wahren Empfindungskreise eben einen kleineren Durchmesser haben müssen, als jene Bezirke, inner- halb welcher gleichzeitige Eindrücke zu einer räumlich untrenn- baren Wahrnehmung verschmelzen, nicht aber etwa, dass über- haupt keine festen Empündungskreise existiren. Denn mit dem wahren Begriff eines festen Empfindungskreises ist es gar nicht unvereinbar, dass Empfindungen, die durch Erregung der zu einem Empfindungskreise gehörigen sensiblen Punkte ent- stehen, qualitativ verschieden seien und von der Seele in inten- siver Weise auseinander gehalten und unterschieden werden könnten. Die Ununterscheidbarkeit der innerhalb eines Empfindungs- kreises erzielbaren Empfindungen bezieht sich nämlich lediglich auf ihre räumlichen Beziehungen, und so ist es denn so lange kein ' Widerspruch, dass wir es erlernen, eine ruhende Berührung von einer bewegten Berührung selbst innerhalb eines wahren Empfin- dungskreises wohl zu unterscheiden, so lange, sage ich, als dies nicht durch Wahrnehmung der Verschiedenheit irgend welcher räumlichen Beziehungen geschieht und wir nicht zugleich etwa eine Vorstellung von der Richtung dieser Bewegung bekommen. Dass es aber wirklich Bezirke in der Haut gibt, innerhalb welcher durch eine leise Berührung mit einem in bestimmter Rich- Physiologische Studien. 593 tung bewegten Körper — wenn sie ohne alle Hautverschie- bung erfolgt — die Vorstellung einer Bewegung ohne angeb- bare Richtung erweckt werden kann, ist eine Thatsache !). Man muss sich wohl hüten, die Vorstellungen, welche wir dem Raumsinn des Tastorgans verdanken, mit jenen Wahrnehmungen zu eonfundiren, welche der Tastsinn der Haut vermittelt. Ähnlich verhält es sich mit einem andern Bedenken, das Lotze pag. 404 vorbringt. Lotze findet es unvereinbar mit der Existenz fester Empfindungskreise, wenn man im Stande sein sollte, innerhalb eines solchen einen Kreis von einer Kreisfläche, einen Ring von einem gleichgrossen Petschaft zu unterscheiden; allein er hätte nur dann Recht, wenn er beweisen könnte, dass die Unterscheidung der beiden Eindrücke durch den Raumsinn in Folge der wirklich wahrgenommenen, verschiedenen Gestalt und räum- lichen Ausdehnung der gereizten Hautstelle geschieht, und wenn nicht überdies factisch Bezirke in der Haut existirten, innerhalb welcher eine solehe Unterscheidung ganz unmöglich ist. Hinsichtlich der durch die alte Weber’sche Methode direct gemessenen Bezirke, die aber freilich nicht für die wahren Empfin- dungskreise gelten können, mag Lotze in gewisser Beziehung nicht Unrecht haben, obschon selbst innerhalb dieser Bezirke die Wahr- nehmung der räumlichen Beziehungen der durch den Querschnitt eines soliden Stabes und einer gleichgestalteten Röhre erregten Em- pfindungen eine so vage ist, dass wir den Umriss und die verschie- dene Gestalt jener beiden Tastobjeete nicht zu erkennen im Stande sind, ihre etwaige Unterscheidbarkeit daher wesentlich nur auf unräumlichen Kennzeichen beruhen muss. 1) So fühlt man z. B. auch sehr deutlich, dass ein Haar irgend eines unterstützten Kör- pertheiles leise bewegt und hin und her gebogen wird, ohne eine Ahnung davon zu haben, in welcher Richtung dies geschieht. Beiläufig mache ich darauf noch auf- merksam, dass unser Wahrnehmungsvermögen, unter allen räumlichen Bezie- hungen, für die Richtung bewegter Eindrücke am schärfsten (an manchen Orten sogar fast unbegrenzt) zu sein scheint, indem wir dieselbe meist schon vor Über- schreitung eines jener Bezirke angeben können, innerhalb welcher uns noch nicht einmal die gegenseitige Lage ungleichzeitiger Eindrücke deutlich ist. Dies findet aber seine genügende Erklärung wesentlich darin, dass der rein physicalische Zerstreu- ungskreis eines bewegten Eindruckes keiner Kreiswelle vergleichbar ist, sondern etwa jener Welle, welche ein bewegter Kahn auf dem Wasserspiegel zieht, und überdies caeteris paribus (in Folge der Hautverschiebung) stets grösser ausfallen mag, als der eines unbewegten Eindruckes, 59A Czermak. Ein drittes Bedenken Lotze’s bezieht sich lediglich auf die, aus der alten, missverstandenen Weber’schen Ansicht fliessende Con- sequenz, dass die Empfindungskreise „von einer ganz schmalen Linie schärfster Unterscheidungsfähigkeit“ umzogen sein müssten. Damit hat es nun freilich seine volle Richtigkeit, allein dieser Einwurf ist nur gegen die alten Weber’schen, nicht gegen die Empfindungs- kreise überhaupt gerichtet. Viertens endlich weiss Lotze „der sonderbaren Folgerung nicht zu begegnen, welcheKölliker aus Weber’s Annahmen zieht. Es seien a, b. c, d, e auf einander folgende Punkte des Oberarms. Zwei Spitzen in a und Ö werden als eine empfunden, a und 5 mithin von derselben Primitivfaser versorgt; aber d und c gleichzeitig erregt, geben auch nur eine Empfindung; die Nervenfaser für c ist also die- selbe wie für 5, folglich auch wie für a; zwei Spitzen in ce und d, in d und e geben wieder nur eine Empfindung, also reichte dieselbe Faser auch bis e, und sofort über die ganze Körperoberfläche. Gleich- wohl ist es nach Weber’s vollkommen bestätigten Versuchen That- sache, dass wenn a und d, und dann D und c zusammengereizt nur eine Empfindung geben, doch die gleichzeitige Berührung von a und e deren zwei geben kann“. Auch dieser letzte Einwurf beweist nichts gegen die Existenz der „festen“ Empfindungskreise überhaupt, an welcher wir daher unbeirrt festhalten können; ob auch müssen, wird der.folgende Paragraph beleuchten. Hier will ich nur noch einen scheinbar gewichtigen, speciell gegen meine Lehre von den Empfindungskreisen gerichteten Einwurf, welcher einige Ähnlichkeit mit der zuletzt erwähnten „sonderbaren Folgerung“ Kölliker’s hat, im Voraus begegnen und damit vielleicht wesentlich zum richtigen Verständnisse meiner Auffassung der Empfin- dungskreise beitragen. Es seien a, b, c,d, e, f.... auf einander folgende sensible Haut- punkte. Je drei derselben mögen zu einem Empfindungskreise gehören; a, d, c fallen mithin in eine Raumeinheit höherer Ordnung zusammen; aberd, cundd gehören ebenfalls zu einem Empfindungs- kreise; d fällt also mit 5 und c, folglich auch mit « zusammen u.s.f. Auf diesem Wege würde man dazu kommen, dass sämmtliche sensiblen Punkte der Haut nur eine einzige, ungegliederte Raumein- heit repräsentirten, dass somit meine Annahme einer Interferenz der Physiologische Studien. 595 Empfindungskreise ad absurdum führe, und aus diesem Grunde unstatthaft sei. Zu demselben Endresultate würde man gelangen, wenn man jene Argumentation gewissermassen umkehrte; weil d einem andern Empfindungskreise angehört als a, so kann es nicht mit « zusammen- fallen, ce gehört aber zu einem Empfindungskreise mit d, also kann e (wie d) wiederum nicht mit « zusammenfallen, obschon es mit « ebenfalls zueinem Empfindungskreise gehört... quod est absurdum. Allein diese widerspruchsvollen Folgerungen, welche übrigens nicht exacter gedacht sind, als wenn man etwa beweisen wollte, dass 1000 Woaizenkörner keinen Haufen bilden können, weil ein Korn und noch eines keinen bilden, oder aber, dass schon ein Korn einen Haufen repräsentiren muss, weil 999 (d. h. 1000—1) Körner auch noch einen Haufen ausmachen, beruhen nur auf einem Missver- ständniss meiner Auffassung der Empfindungskreise und ihrer Inter- ferenz, und sind nicht zulässig. Denn die Localzeichen, «, ß, y... der sensiblen Punkte a, d, c..., welche einem Empfindungskreise angehören, sind durchaus nicht identisch an sich, sondern nur in so fern nahezü identisch für uns, als sie eben ein Raumelement höherer Ordnung repräsentiren. | Wir haben es hier mit verschwindend kleinen Differenzen zu thun, die aber darum noch nicht Null sind. Die Empfindungskreise sind nach meiner Auffassung eben nur ein, ich möchte sagen, graphischer Ausdruck der Feinheit der „fixen“ Gliederung des, an die sensiblen Punkte der Haut geknüpften Systems der Localzeichen. $, 21. Experimentum erucis. Lotze und Meissner leugnen zwar auf der einen Seite die Exi- stenz der „festen“ Empfindungskreise ganz und gar, und glauben alle Thatsachen, welche die Physiologie des Tastorgans festgestellt hat, befriedigend nach dem Satze deuten zu können, „dass zwei Empfin- dungen um so deutlicher geschieden werden je differenter, um so undeutlicher, je identischer ihr qualitativer Inhalt sammt den Local- gefühlen ist, die sich an ihn knüpfen“; allein auf der andern Seite sagen sie selbst: „es genügt nicht, dass jede Stelle der Haut dem sie treffenden Reiz ein besonderes ihr eigenthümliches Localzeichen verleiht, sondern alle dieseLocalzeichen müssenGlieder 596 Czermak. einer geordneten Reihe, eines abgestuften Systems vergleichbarer Elemente sein“, und geben also eigentlich denn doch zu, dass die Seele gewissermassen ein Bild von den geome- trischen Verhältnissen in der Anordnung der sensiblen Hautpunkte — eben durch jenes abgestufte System von Localzeichen — erhalte und im Stande sei, vermöge dieser bestehenden Einrichtung die die Haut treffenden Reize, hinsichtlich ihres Ortes, zu bestimmen. Damit ist aber zugleich auch wieder die Existenz der „festen“ Empfindungskreise wenigstens nach meiner Auffassung, nach welcher sie, so zu sagen, nichts anderes sind, als der graphische Ausdruck der Feinheit der fixen Gliederung jenes Systems der Localzeichen, zugestanden! | In der That, behufs einer allseitig befriedigenden Deutung der Thatsachen ist es nicht nur (vergl. $. 20) erlaubt, sondern, so weit ich sehe, unumgänglich nothwendig, an diesen „festen“ Empfindungskreisen festzuhalten. Denn wie wollte man sonst die folgenden Erfahrungen erklären ? 1. Vergrössert man stetig den Abstand zweier gleichzeitiger Eindrücke, die bereits so weit von einander entfernt sind, dass sie eine deutliche Doppelempfindung geben, so wächst auch stetig der zwischen den beiden erzielten Empfindungen wahrgenommene Zwischenraum. Meissner sagt: „Ist die Erregung von a sensiblen Punkten erforderlich, um einen in obigem (Meissner’s) Sinne als physiologische Einheit functionirenden Irradiationskreis zu bilden, so werden die Irradiationskreise zweier Reize, welche innerhalb einer Hautstrecke erfolgen, wo nur a sensible Punkte sind, aus denselben sensiblen Punkten sich zusammensetzen, und somit ein und dasselbe Localzeichen für beide Reize vermitteln, welche also nicht gesondert empfunden werden; sie werden erst gesondert wahrgenommen wer- den, wenn sie so weit von einander gerückt sind, dass ihre Irradia- tionskreise sich jeder aus a verschiedenen Punkten zusammensetzt, oder vielleicht einen Theil der sie bildenden sensiblen Punkte ver- schieden haben“. Allein es ist nicht einzusehen, wie damit die, mit der wach- senden Entfernung der Tastreize correspondirende Vergrösserung des wahrgenommenen Zwischenraumes, welcher die beiden Empfin- dungen trennt, erklärt werden soll, da ja schon vom Beginn der deutlichen Doppelempfindung an, die „Irradiationskreise sich jeder Physiologische Studien. 597 aus a verschiedenen Punkten zusammensetzt“, ausser man nimmt an, dass eben die Localzeichen der sensiblen Punkte, in Folge der beste- henden Einrichtung des Tastorgans, einem stetig abgestuften, mit den geometrischen Verhältnissen correspondirenden Systeme von fixer Gliederung angehören. 2. Nehmen wir an, es seien zwei Zirkelspitzen in solcher Ent- fernung von einander und gleichzeitig auf eine beliebige dehnbare Hautstelle (z. B. die Lippe) aufgesetzt worden, dass sie als zwei räumlich gesonderte Eindrücke wahrgenommen werden, so erklärt sich dies nach Meissner, dass bei diesem Abstande jede der beiden Zirkelspitzen „a“ verschiedene sensible Punkte, deren Erregung eben erforderlich ist, um „einen als physiologische Einheit funetionirenden Irradiationskreis zu bilden“, erregen kann und wirklich erregt, wäh- rend wir nach unserem Prineipe der festen Empfindungskreise den Grund der Erscheinung darin finden werden ,® dass die Zirkelspitzen sensible Punkte treffen, welehe wahrscheinlich um mehr als das Dreifache des Durchmessers eines Empfindungskreises von einander abstehen. Dehnen wir nun das betreffende Hautstück aus (wodurch die sensiblen Punkte desselben auf eine grössere Fläche zerstreut wer- den), und setzen die Zirkelspitzen in derselben Entfernung, wie vor der Dehnung wieder auf, so werden dieselben, wie der Versuch lehrt, entweder gar nicht mehr oder doch, durch einen geringeren Zwischenraum getrennt, wahrgenommen. Auch diese Erfahrung erklärt sich noch fast gleich gut nach beiden Hypothesen; nach Meissner, indem sich die relative Zahl der sensiblen Punkte, in Folge der Dehnung, dermassen verringert hat, dass die Zirkelspitzen nun nicht mehr die erforderliche Anzahl von je „a“ sensiblen Punkten erregen können; nach meiner Auffassung, indem die Zirkelspitzen, in Folge der ein- oder allseitigen Vergrös- serung des Durchmessers der festen Empfindungskreise , sensible Punkte treffen, welche Empfindungskreisen angehören, die um weniger Durchmesserweiten von einander entfernt liegen als jene Empfindungskreise, welchen die vor der Dehnung erregten Punkte angehörten. Der Versuch lehrt aber weiter, dass, wenn man unter den angeführten Umständen den Abstand der beiden Zirkelspitzen um ein Bestimmtes, das ein gewisses Minimum überschreiten muss, = 598 Czermak. vergrössert, dieselbe räumliche Unterscheidung der Eindrücke, wie vor der Dehnung der Haut, auch wieder eintritt, trotz der Zer- streuung der sensiblen Punkte und trotz der durch die Spannung etwas veränderten Färbung der Tastempfindung. Dieses leicht zu constatirende Faetum lässt sich, wie mir scheint, nur durch die Annahme „fester“ Empfindungskreise in der Haut auf ungezwungene Weise erklären, indem es dann von selbst einleuchtet, wie durch die Vergrösserung des Abstandes der Zirkel- spitzen von einander wieder die Berührung jener Emptindungskreise, zwischen denen die erforderliche Anzahl unberührter Raumelemente liegt und mithin die frühere räumliche Trennung der Eindrücke ermög- licht wird; während man nach Meissner’s Hypothese durchaus nicht begreift, was das Auseinanderrücken der Zirkelspitzen nützen soll und kann, da ja die Zirkelspitzen bei der durch die Hautausdehnung gesetzten Zerstreuung.der sensiblen Punkte, trotz der Vergrösserung ihres gegenseitigen Abstandes, doch niemals wieder, wie vor der Dehnung, die erforderlichen „a“ sensiblen Punkte zu erregen im Stande sein werden, man möchte denn der Annahme der festen Empfindungskreise, nach welcher Alles so einfach sich deuten lässt, die Ausflucht vorzuziehen geneigt sein, dass unter den durch die Dehnungeintretenden Verhältnissen entweder eine geringere Anzahl von sensiblen Punkten als „a“ schon hinreichend sei, „um einen als physiologische Einheit funetionirenden Irradiationskreis zu bilden“, oder die Zirkelspitzen sich mit grösseren Irradiationskreisen umgeben würden, durch welche abermals jene früher „erforderlichen“ „a“ sensiblen Punkte erregt werden könnten. Meines Erachtens jedoch scheitert an der Erklärung dieser ein- fachen Versuche und der sub 1 angeführten Erfahrungen, welche uns zur Annahme „fester“ Empfindungskreise in der Haut zu zwingen scheinen, die von Meissner gegebene, sonst eben so sinnreiche, als elegante Ausführung der Lotze’schen Prineipien. Ich schliesse mit dem Satze: die festen Empfindungs- kreise existiren daher gewiss, und mit der kurzen Erklä- rung: Die sensiblen Punkte bilden in der Haut eine Art von Mosaik, von der die Seele durch das, mit der Erregung der sensiblen Punkte verknüpfte, stetig, aber mit verschiedener Feinheit abgestufte System von Localzeichen, gewissermassen ein Bild erhält, Physiologische Studien. . 599 zusammengesetzt aus einer Vielheit von einfachen Raumelementen, welche in verschiedener, aber be- stimmter Anzahl zu Raumeinheiten höherer Ordnung, den sogenannten festen Empfindungskreisen, zusam- menfliessen, so dass die Seele im Standeist, vermöge dieser bestehenden Einrichtung die die Haut tref- fenden Reize hinsichtlich ihres Ortes zu bestimmen. Erklärung der Abbildungen. _ Fig. 1 erläutert den in $. 15 angegebenen neuen Versuch zur Demonstration Fig. fr 0) e e} der Chromasie des Auges, welche sich bei falscher Aeeommodation geltend macht. Kist der Durehschnitt des Kartenblattes, in das der Löcherchenkreis gestochen ist; « und b sind zwei vom Schnitte getroffene Löchelchen, ade und bed die durch dieselben ins Auge fallenden Lichtkegel; ev, dv die violette er, dr die rothe Grenze der chromatischen Abweichung. Die erstere bildet nach, die letztere vor der Durchkreuzung der Strahlen im zusammengebrochenen Lichtkegel den äusseren Mantel des Kegels und ist, so weit dies der Fall, durch volle Linien angedeutet, übrigens nur punktirt. Die sechs Ovale repräsentiren die, je nach dem Stande des Aceommodationspunktes aufdie Netzhaut (R, R’, R'’) fallenden Zerstreuungskreise der Leuchtpunkte @ und b. Steht der Aecommodations- punkt jenseits des Kartenblattes (R’), so bilden die rothen Strahlen die äusserste Grenze der Zerstreuungskreise, steht er diesseits desselben (.R’')— die blauen. Ist das Auge für die Entfernung von « und 5b accom- modirt (R), so ist auch die chromatische Abweichung fast Null. Es versteht sich von selbst dass sich dort, wo sich die Zerstreuungskreise (auf der Linie AX) berühren, die Intensität der Farbensäume erheblich verstärken muss. und 3 zeigen, dass und warum der Zerstreuungskreis eines Leuchtpunktes, a, durch ein von beliebiger Seite her gegen die Mitte der Pupille vor- geschobenes Kartenblatt (X) von derselben oder von der ent- gegengesetzten Seite her auf der Netzhaut verdunkelt werde, je nachdem in Folge des Accommodationszustandes der Vereinigungspunkt der Strahlen o, hinter (Fig. 2) oder vor (Fig. 3) die Netzhaut fällt. . %, 5, 6, 7 und 8. Schematische Darstellungen der Empfindungskreise in der Haut, welehe die Erörterungen des $. 19 erläutern. Fig. 4 ist ein idealer Grenzfall. is. 9. Neuer Stangenzirkel zu Tastversuchen in natürlicher Grösse. Der kürzere Schenkel (A) kann, durch Druck des Fingers auf die Platte d, nach unten verschoben werden und kehrt dureh die Wirkung der Feder e, von Sitzb. d. mathem.-naturw. Cl. XVII. Bd, III, Hft. 39 600 en Czermak. Physiologische Studien. selbst in seine frühere Lage zurück. Der längere Schenkel () ist an der Hülse (H) befestigt, welche an der Stange (S) läuft und ein viereckiges Fenster hat, dessen zugeschärfter unterer Rand mit einem Nonius ver- sehen ist, so dass man an der Stangentheilung den Abstand der Zirkel- spitzen bis auf Zehntel einer Wiener Linie genau ablesen kann. Da der senkrecht bewegliche kürzere Schenkel (A) durch die Schraube e in beliebiger Höhe festgestellt werden kann, so dient der Stangenzirkel eben so gut zur Erzielung gleichzeitiger als ungleichzeitiger Eindrücke. Vgl. $. 19, ad 2. Czermak. Physiolosische d ? der. IT J it Re & Et, 4 a D Me j EM REN AN: nie in Hornstein. Opposition der Calliope vom Jahre 1856. 601 Vorträge. Opposition der Calliope im Jahre 1856. Von Dr. Karl Hornstein, Adjunct der k. k. Sternwarte in Wien. Ich habe schon bei einer früheren Gelegenheit (siehe Sitzungs- berichte der math.-naturw. Classe, Jännerheft und Märzheft 1855) die Bahnbestimmung des Planeten Calliope aus den sämmtlichen Beobachtungen der zwei ersten Erscheinungen (1852 bis 1854) mitgetheilt, und zugleich die Mittel beigefügt, die gefundene Bahn mit Hilfe der Beobachtungen während der dritten Erscheinung ohne bedeutende Mühe und ohne erheblichen Zeitaufwand verbessern zu können. Diese Verbesserung durchzuführen und die Ephemeride für die nächste Opposition im August 1856 zu liefern, ist der Zweck der folgenden Blätter. Die Vergleichung der während der dritten Er- scheinung im Mai und Juni dieses Jahres angestellten Beobachtungen mit der im Jännerhefte mitgetheilten Ephemeride hat folgende Ab- weichungen der Ephemeride von den Beobachtungen gegeben: Beob. — Rechnung Anmerkungen da | do Beobachtungsort ME tye lese ce 5: —25'0 RT ER RO A: 25-1 nn 2remberlin. . ..... . 5.17 314 akıı Wiens. 2...” 5-33 268 abe Berlin. : W305: % 5:00 307 LT RE er lee Ra 4:76 30-3 „2 SRBUIRELTET 534 272 Juni 5 | Göttingen 5:95 16-9 | Ist im Mittel ausge- BD. WIEN. ua. ers 5-01 29-4 schlossen. » 6 | Göttingen 5:02 335 A | a 526 23.0 de Berlin u.“ nut 5.10 335 „13 a 478 36°8 „ 14 | Göttingen 5:75 2A? ehe Dberhn. „= 2%. A:59 31-1 Der Fehler der Ephemeride ist sonach im Mittel: 1855. Juni 30 de—=135:09, di — 2914. 39* 602 : Hornstein Man hat also nach Sitzungsberichte Jännerheft, wenn man den Grössen x und y die dort gegebene Bedeutung lässt, folgende zwei Gleichungen : 0352 —- 19 y—= + 5:09 +45 © --665 y—= — 29:14, (*) aus denen x und y zu bestimmen wären. Man überzeugt sich aber sehr leicht, dass die zweite Gleichung mit der ersten nahezu identisch ist, sonach beide zusammen nicht genügen, um « und y mit Sicherheit zu finden, sondern nur eine Unbekannte bestimmen. Ich habe daher die eine Unbekannte gleich Null gesetzt, und day nicht Null sein kann, weil sonst aus den vorhergehenden Gleichungen ein zu grosser Werth von x foigen würde, durch den die XII Normalorte der eben erwähnten Abhandlung nicht mehr gut darstellbar wären, so habe ich = 0 gesetzt. Es folgt dann aus den beiden Gleichungen (*) y—= — 0.4513 und y= — 0'433. Berücksichtigt man aber den Umstand, dass der Fehler der Ephemeride in Rectascension nahe °/, des Fehlers in Deelination beträgt, und nimmt aus den beiden Werthen von y das Mittel, indem man ihnen respective die Gewichte 5 und 2 gibt, so findet man endlich y— — 04476, und damit die Verbesserungen der Elemente: IM—— 16,14Ay—=- 74° OR — er Or gt "ıly=— 041 Do u, so NUR olga)—=+ 33 y—= — 370 dee ey nt Einheiten d. 7. Deeim. Diese Verbesserungen, an die wahrscheinlichsten Elemente der | erwähnten Abhandlung angebracht, geben dann folgendes neue Ele- mentensysiem: Wahrscheinlichste Elemente aus den Beobachtungen von 1852 bis 1855. 1853 Jänner 0, 0" mittlere Berliner Zeit. M = 18° 48 23'6 © — 58.11 19-41 2=66 36 55°5 i—=13 44 51°3 mittl. Äquin. 1853-0 605 Opposition der Calliope im Jahre 1856. log « — 04638004 .e —= 0:1035895 log u. = 28543060 o — 5° 56’ 45'327. (». = 7150000) Die Normalorte, den 3. Juni 1855 mit eingeschlossen, zeigen nach diesen folgende Unterschiede zwischen Beobachtung und Rechnung: Beob.—Rechnung. Datum, Normalort. a 1852. Nov. 25 T. 0'0 0'0 Dee. 10 1. — 0'3 + 1:9 Ss 18 11. — 1:3 == 0.25 1853. Jänner 0 IV. — 11 + 1:2 | v% + 12 — 10 Febr. 14 v1. + 37 + 0:3 März 26 vn. + 31 + 16 1854. Febr. 5 vn. — 0°5 — 24 März 5 IX. — 29 — 23 Mu. 2ı X. — 1°5 — 2:3 April 18 XI. — 68 — 5°9 Mai 20 XI. 0:0 0-0 1855. Juni 3 XII. + 0:7 + 0:6. Mit diesen Elementen wurden die Störungen durch Jupiter und Saturn bis zur Erscheinung 1856 fortgeführt, und dafür folgende Werthe gefunden, welche die Variationen der rechtwinkeligen Coor- dinaten der Calliope vom 0. Jänner 1855 bis zum beigesetzten Datum, in Einheiten der siebenten Decimale, vorstellen. 1853. 1856. Nov, Dee. Jänner Febr. März April Mai Juni Juli Aug. Sept. Oct. Nov. 1 1 0 30 29 30 29 29 28 I++++4+++4+++++ | l Sr +++++4+++ l ++++ öy 34124 38898 44193 49999 56290 63020 70116 77479 84979 92453 99704 106508 112612 117748 ++ t+4+4++4+H+H+H+H+H4 0% 11667 13984 16701 19846 23440 27497 32014 36978 42355 48089 54102 60286 66510 72612 604 Hornstein. Unter Berücksichtigung dieser Störungen entstand nach obigen Elementen die folgende genäherte Jahres- und die’ genaue Oppo- sitions - Ephemeride. Jahres - Ephemeride der Calliope für 1856. Oh mittl. Berl. Zeit Logar. d. Entfernung Calliope im Meridian Seheinbare Scheinbare AR. Deelination von der Sonne von der Erde -6090 6082 4907 4896 "4885 "4874 486% 4849 4837 4824 4811 4797 A784 -ATTO 4756 4741 AT2T 4712 4697 468% 4667 4651 4636 4620 4604 4589 4573 4557 4541 4525 4509 "4493 AUT 4462 "AAAG ‚4431 4416 4400 4386 4571 0: 2174 23 57° 23 34° 23 12° 2% 50° 22 27° 22 4 21 40° 21 16° 20 52° 20 26° 208.08 19 33° 19:98 18 36° 18, 67 17 34° 17. 5:0: 16 24° 15 46° 415 WB Jänner 1 ne! 21 Aa Febr. 10 20 März 1 Na 2 ot April 10 »..20 „30 Maı 10 ». 20 830 Juni 9 N) 29 19%, 2. 31%) 2299146 1977197729 29 nl 19 37 6 28 AR: 19 54 15 28 19: 20 11 2 2 ai. 20 27 32 27 20° 20 4 9 26 46° 23:0: 00 26 11° 21 15 20 23 36° 21730 55 ZEN 21 44 10 24 30° 21 57 30 2A 3 22 20:90:58 23 Al’ 22.2 2 23 26° 22 31 48 23 20° 22 AU 52 23 25° 22 AB 26 23 AR 22 54 16 24 12° BROT 24 56° 22 59 43 25 54° 22 58 56 Zr 5 22 55 38 28, 18, 22. : 50:70 29 33° 22 A2 28 30 42° 22 33 48 31 35° 22 24 59 ag BR EDS DH Dr BAU TWADO BFUQHm wonw 00 ©0000 so000 soo00 So00090 soo0o0 ooo00 soooo 00 0909009 9090098 © 909909 so0o00 © oo00090 o90900090 oo000 BOO ROMAN LATS Bomaır SGammOo Faunman SJmum WAS FG EIS RX OD Se) w Opposition der Calliope im Jahre 1856. Oppositions-Ephemeride der Calliope für 1856. 605 oO" mittl. Berl. Zeit „41 2112 on .19 „ 14 ae in) = 16 re >31:18 19 20 et » 22 »„ 23 » 24 »„ 28 » 26 ae Scheinbare AR. 41 54 47 11: 46 26° 45 40° AA 53° 4A 6 43 17° 42 28° 41 38 40 48: 39 57- 39 5 35 13° 37 21 36 28° 35 35° 34 AR: 33 48° 32 54° 32 41 Sb 7. 30 29 28 27 26 23 24 24 8 23 22 Ze 97 20751 205 3: 19 18 31 17 14.3; 16 21 15 39: 14 14 13 43° 2329 26: . 10 |22° 48m 37:72 89 02 17 38 70 17 82 73 95 50 A6 89 85 38 56 44 11 60 99 "34 713 "22 89 78) 00 58 59 -10 16 83 17 24 08 75 3 80 "26 75 31 98 81 "82 08 60 Scheinbare Declination —290 48 —29 55 —30 2 ) 16 22 29 35 4% A8 54 —30 59 —31 5 10 16 21 26 30 35 39 43 AT 50 53 57 — 31 —32 2 —32 7 194 26° 26° 21° 8° 49- 21- A5° 9m SS o© [>14 Be Do. oO TC 90 IIOoTD >-V,’vDVvr er SI OT DUIUTSOo VTRVDX m 9 m vo Iw ow 0 0 0 0 0 0 0 0: 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0: 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 Logar. d. Entfernung von der Erde "2850377 2842026 "2834245 2827009 2820334 "2814224 28508684 2803719 2799332 "2799328 2792308 2789676 2787633 2786183 "2783325 2785061 2785389 2786311 2787826 2789933 2792629 2795910 2799770 2804204 2509204 2814768 2820889 2827560 2834772 2842516 2850785 2559571 2868365 "2878655 2888935 2399693 2910919 2922603 2934737 2947310 2960312 2973732 2987560 -3001788 -3016405 oOoOOO0O090 SOoOo90!909 © S0009 ©©°-90090 ©0099 9090909 990909 Soo9o9H OOOO0O von der Sonne "4601298 "4599716 "4598133 "4596551 "4594968 "4593384 4591799 4590215 "4588630 4587044 "4585457 "4583871 "4582284 4580695 || 4579106 4577517 4575928 4574338 "ASTaT747 4571157 4569566 4567975 "4566384 4564793 "4563202 || "4561609 4560016 "4558423 "4556830 "4595237 4553644 || -4552051 | -4550458 -A548865 -4557272 "45535679 "4544086 "4542493 4540900 4539306 "4537712 4536119 "4534526 4532933 4531340 606 Hornstein. Opposition am 21. August um 20" 16”6. Ich werde nun noch das Nöthige vorbereiten, um aus der Oppo- sition 1856 die Unbekannte x finden zu können. Multiplieirt man von den zwei Gleichungen für & und y, so wie sie oben angeführt sind, die erste mit 15, um alles in Bogen umzusetzen, so hat man dann: — 11'25 x — 169'35 y= + 76"42 + 4+5 2 + 665 y= — 29:14. Sucht man aus diesen den wahrscheinlichsten Werth für y, indem man & als unbestimmt betrachtet, so findet man y= — 0:4495 — 0:0666 «. Mit diesem Werthe von y wären die übrigbleibenden Fehler am 3. Juni 1855: da = + 0'3 — 0'011 x de —= + 0:7 10:08 x, woraus man sehr deutlich sieht, welch geringen Einfluss das x auf die Beobachtungen in der letzten Opposition hat, und wie wenig Sicherheit es bieten würde, den Werth dieser Unbekannten aus obigen Gleichungen zu suchen. Man kann daher einstweilen 2 = 0 annehmen, woraus „= —0'4495 folgt. Substituirt man diese Werthe in den Schlussformeln meiner ersten Arbeit über Calliope (Sitzungs- berichte 1855, Jännerheft), so erhält man dadurch die Correctionen der dort gegebenen wahrscheinlichsten Elemente. Die so erhaltenen Elemente, so wie das eben gefundene y stimmen aber fast vollkommen mit den oben gefundenen Werthen derselben Grössen überein, und dasselbe müsste auch mit den Ephemeriden der Fall sein, die nach beiden Systemen von Elementen gerechnet würden. In der That könnte das Argument der Breite für die Opposition 1856 nur etwa 1/, Secunde verschieden sein, und da auch die Länge des auf- steigenden Knotens und die Neigung der Bahn in beiden Fällen nahe gleichen Werth haben, so könnten auch die heliocentrischen, rechtwinkeligen Coordinaten, so wie der geocentrische Ort des Pla- neten kaum beträchtlich grössere Abweichungen zeigen. Da nun die oben gegebene Ephemeride bereits;gerechnet war, ehe.ich die Ablei- tung des y bei unbestimmt gelassenem x vorgenommen, so habe ich es dem eben Gesagten zufolge, für überflüssig erachtet, eine zweite Ephemeride zu rechnen, und ich lasse die erste ohne weiters für y= — 04495 gelten. Opposition der Calliope im Jahre 1856. 607 Sollte nun diese Ephemeride (1856) noch eine Abweichung von einigen Bogenseceunden zeigen (eine grössere Abweichung möchte ich kaum für möglich halten), so wird dieser Fehler geeignet sein, die Grösse x zu bestimmen. Um dies zu leisten, und so die Elemente im Jännerhefte 1855 noch an die vierte Opposition anzuschliessen, folgen hier die Correetionen der Ephemeride, wenn & von Null ver- schieden wäre. Tafel zur Correction der Ephemeride. 1856 in AR. in Decl. August 8 — 11:47 x — 51'5 18, — 11:91 & — 489 x 28 — 12:01 x — 42x Sept. 7 — 1185 & — 39 2 x 17 — 1147 — 352 2 27 — 10:9 & — 321. Hat man durch Vergleichung mit den Beobachtungen die Fehler der Ephemeride gefunden, die in dem Sinne „Beobachtung weniger Rechnung“ genommen d« und dö heissen sollen, und nennt man die Coefficienten von x aus dieser Tafel für das entsprechende Datum A und „, so hat man zur Auffindung von x die beiden Gleichungen Node, ne 000. Mit dem hieraus resultirenden & erhält man dann y aus y= — 0:4495 — 0:0666 & und mit beiden dann die Verbesserungen der Elemente aus: oM—= — 22065 x — 166"14y ou — 1 272-237 2 + 178.09, = + 06%za + 0%y i—=— (1er + 0:56 y ö (log a) = + 574 = + 828 „ Einheiten der de = — 398 x + 1564 y) 7. Deeimale welche Correctionen an die folgenden Elemente anzubringen sind: 1853 Jänner 0, 0® mittlere Berl. Zeit. M = 18° 47' 9'2 G —- 58 1127 38-8 | mittl. Aquin. 2% =66 36 55°6 1853-0 ve — 13 AD log a —= 0:'4638374 e —= 0'1036595 BR 5 714'9083. (S. Sitzungsb. 1855, Jännerh.) 608 Hornstein. Man sieht aus dem Vorhergehenden, dass ich es versuchte, die bisher bei Calliope in Anwendung gebrachte Methode, die Verbesse- rung nur zweier Unbekannten, nämlich zweier schicklich gewählter Distanzen von der Erde, zur Correetion der Elemente zu benützen, noch auf die vierte Opposition auszudehnen. Sollte sich dieses Ver- fahren durch die gute Übereinstimmung der Ephemeride und durch eine entsprechende Sicherheit, mit der die Unbekannte & aus dieser vierten Opposition resultiren wird, als zweckmässig her- ausstellen, so werde ich es noch weiter gebrauchen, indem dadurch die für diesen Planeten nöthige Mühe auf ein Kleinstes gebracht ist. | Dieselbe Methode könnte nach meiner Meinung auch in anderen Fällen grossen Nutzen stiften und insbesondere sehr häufig zur Be- quemlichkeit der Beobachter beitragen, was bei einem Andrange von neuentdeckten Himmelskörpern ein sehr schätzenswerther Vortheil ist. Zugleich würde sich dadurch nicht selten die lästige Wieder- holung erster genäherter Bahnbestimmungen vermeiden lassen, die doch meistens nothwendig ist, indem die erste Ephemeride, sowohl bei Planeten als bei Cometen, in der Regel in kürzester Zeit schon beträchtliche Abweichungen zu erkennen gibt. Wäre nun dieser ersten Ephemeride sogleich ein Täfelchen beigegeben, wodurch eineVerbesserung derselben ermöglicht wird, wie die oben gegebene Tafel für Calliope, so könnte jeder Beobachter mit einem Zeitaufwande von nur wenigen Minuten sich die Ephemeride auf längere Zeit im Vorhinein selbst eorrigiren, sobald er nur Eine Beobachtung zu Gebote stehen hat, die ihm die Abweichung der Ephemeride für irgend einen Beobachtungstag liefert. Vielleicht könnte in vielen Fällen das erste Elementensystem, bei welchem die zu Grunde liegenden Beobachtungen kaum ein Zeitintervall von einigen Wochen umfassen, genügen, um einen Planeten, während seiner ganzen ersten Erscheinung zu verfolgen, indem für den Beobachter ein mässiger Grad von Genauigkeit hinreicht den Planeten zu finden. Und gerade dieser letzte Umstand wird die Anwendung der Methode selbst dann erlauben, wenn der von dem Himmelskörper zurück- gelegte Bogen noch klein ist, was nicht mehr gut anginge, wenn die grösste Schärfe verlangt würde. Ich werde dies an dem zweiten Cometen von 1854 (dem grossen Cometen vom April) zeigen. Aus den vier Wiener Beobachtungen vom 1., 2., 4. und 5. April, die also Opposition der Calliope im Jahre 1836. 609 ein Intervall von nur vier Tagen umschliessen, fand ich die folgenden parabolischen Elemente (Astron. Nachr., 38. Band): T = 1854 März 24°06022 mittlere Berliner Zeit. ww — 2130 47 53'4 scheinb. Äquin. 2315 26 49:8) 1854, 3. April U — 82 22. 240°9 () log g = 94425344 Helioe. Bew. retrograd. Zugleich fand sich während der Rechnung, dass eine gewisse Änderung des Verhältnisses der Distanzen des Cometen von der Erde am 1. und 5. April folgende Änderungen in den Elementen hervorbringt: oT = — 002551 own + 10 7027927 ö6%= +0 29 4861 üi= +3 13 39 ö(logg) = — 37340. (Einheiten der 7. Deeim.) Ändert man also dieses Verhältniss um das zfache, so hat man folgende gleichzeitige Variationen der Elemente: oT = — 0:02551 x ow — + 4047'27 x 6 —= + 178861 x (1) Gt = + 1158391 x 6 (log y) = — 37340 x. (Einheiten der 7. Deeim.) Berechnet man nun mit den Elementen (1) die Ephemeride und sucht zugleich die Änderungen, welche die geocentrische Reect- ascension und Declination durch die unter (II) angeführten Variationen der Elemente erfährt, so erhält die Ephemeride die folgende Form: Scheinbare Correction Scheinbare Correetion 1854 ” WR Bun der £ der AR. eelination Deeiaatan 31 44m 30:0 | + 23:2 2] + 12038’ 10” 24 412-7 | + 3482| +11 37 44 33 17-1 | 46-92) +10 37 32 4 45:9 | + 59:6%|-+ 9 39 14 49 42:0 | + 7272| + 842 20 3 57.830| 1 86-Aa| ı 7a7 32 A 4% 6:3 | 4410002) + 65545 10 39-0 | t113-42| 16 Aus 16 48-7 | 1126-3=| + 5 16 20 22 36-9 | +139-3x| + 4 29 57 23 6-3 |+151-72| t 345 36 33 18-4 | 41163 52| + 3 34 38 13-3 | 1174. 52| + 2 22 40 610 Hornstein. Alles ist nur mit fünfstelligen Tafeln gerechnet, und die Epheme- ride liesse sich in dieser Weise noch weiter fortsetzen. Vergleicht man diese Ephemeride mit den auf der Wiener Sternwarte gemachten Beobachtungen (Astr. Nachr., 38. Band), so erhält man (ohne Berücksichtigung der Aberration und Parallaxe, da die Elemente auch in derselben Weise abgeleitet sind): Beob.—Rechnung. 1854 da dö April 8324 14:2 Er 9-326 SE 1199 8 10:325 Aula — 146 11-332 + 2-0 As 13-342 1 2-8 — 8 14-333 + 3-5 2,38 15340 + 42 2 18-344 + 5-0 2 19-338 SMS ONE BEL Aus jeder dieser Beobachtungen, besonders dort wo die Abwei- chungen schon grösser werden, geht hervor, dass x nahe = + Ya; gesetzt, die Fehler sowohl in Reetaseension als in Deelination ziemlich entfernt !). Aus allen Beobachtungen findet sich der wahrscheinlichste Werth von x 2 = + 0:'0373. Mit diesem ‚werden die verbesserten Elemente: T —= 1854 März 2405926 mittlere Berl. Zeit @ —= 213% 507 24° 2 = 315 27 36-5 scheinbares Aquin. 1854, 3. April 2. 4,82 2995350 log g = 9:4423952 Helioc. Bew. retrograd, wobei noch folgende Abweichungen von den Beobachtungen bleiben: 1854 de do April 8 + 0:2 + 6° 9 +01 — 1 10 — 0.1 — 6 11 — 0:3 — 3 1) Vielleieht ist es etwas zu weit gegangen, immerhin aber möglich, in dem Umstande dass die Rectascensionsfehler das © nahezu — t/,, , die Declinationsfehler aber nahe — 1/,, verlangen, eine schwache Andeutung einer Abweichung von der Parabel zu erkennen. Opposition der Calliope im Jahre 1856. 611 13 — 0:5 — 5 14 — 0°3 — 14 15 — 0°2 — 14 18 — 08 — 13 us, TION Nimmt man anf den Umstand Rücksicht, dass die Elemente (I) nur aus einem Intervalle von 4 Tagen abgeleitet sind, so kann man ‘mit diesen Abweichungen wohl zufrieden sein. Vergleicht man die letzten Elemente mit denen von Ch. Mathieu (Astr. Nachr., 38. Bd., S. 347), die aus 42 Beobachtungen (6 Normalorten) abgeleitet sind, so findet man folgende höchst geringe Unterschiede: ST —= + 0:00768 mir wm = +0 30 kn N Lane ö (log q) = — 00001599, welche anMathieu’sElemente angebracht, die meinigen geben. Mehr dürfte man von einer ersten Bahnbestimmung kaum verlangen können. Bedenkt man, wie wenig Zeit es kostet, bei Planetenbahnen mit einer Hypothese über zwei Distanzen von der Erde, Elemente zu erhalten, — eine Rechnung die nicht viel mehr als eine Octavseite in Anspruch nimmt — so wird man kein Bedenken tragen, auch bei den Asteroiden den ersten genäherten Ephemeriden die betreffenden Mittel zur Verbesserung derselben und der Elemente beizufügen, und so häufig einer wiederholten Rechnung der Elemente auszuweichen. 612 Hörnes. Über einige neue Gastropoden aus den östlichen Alpen. Über einige neue Gastropoden aus den östlichen Alpen. Von Dr. M. Hörnes. (Eine für die Denkschriften bestimmte Abhandlung.) Diese Abhandlung schliesst sich an die im IX. Bande der Denkschriften enthaltene Mittheilung von Dr. Hörnes „Über die Molluskenfauna der Hallstätter Schichten“ an, und enthält die Beschreibung und Abbildung mehrerer neuer sehr charakteristischer Formen, nämlich erstens aus dem dolomitischen Kalkstein vom Wildanger im Issthal bei Hall in Tirol, ferner aus dem erzführenden Kalke des Bergbaues bei Unterpetzen nächst Schwarzenbach in Kärnten, endlich anhangsweise zweier neuer bemerkenswerther Gastropoden aus der Gosauformation. Über Auftreibung und Bersten der Haare, eine eigenthümliche Erkrankung des Haarschaftes. Von Hermann Beigel, Mitglied der kais,. kön. Leopoldinisch-Carolinischen Akademie der Naturforscher, (Mit I Tafel.) (Vorgetragen in der Sitzung vom A. October 1855.) Es gibt gewiss eine grosse Anzahl von Erkrankungen, besonders der Haut, Nägel und Haare des menschlichen Körpers, welche gar nicht zur Beobachtung kommen, weil sie entweder keine, oder nur äusserst geringe Unbequemlichkeiten oder Schmerzen mit sich führen, so dass es sich in der That kaum lohnt, dieserhalb ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen. Daher kann nur der Zufall derlei Erkrankungen der wissenschaftlichen Beobachtung und Untersuchung überliefern, und dieser muss dann um so freudiger begrüsst werden. Es sei mir darum gestattet, einige Notizen über eine ganz eigenthümliche, meines Wissens noch nicht beobachtete, wenigstens noch nicht beschriebene, Erkrankung des Haarschaftes mitzutheilen, die mir der Zufall zunächst dadurch in die Hände spielte, dass er sie an meinem eigenen Barte hat vor sich gehen lassen. Über Auftreibung und Bersten der Haare. 613 Es handelt sich um eine selbstständige Erkrankung des Haar- schaftes, während die Haarzwiebel sowohl als die Umgebung derselben vollkommen intaet geblieben sind. — Selbstständige Erkrankungen des Haarschaftes sind bisher noch nicht eonstatirt. Die von Willan als Porrigo decalvans, von Gruby als Phyto-Alopecia, von anderen Autoren als Alopecia circumscripta beschriebene Krankheit kann hier nicht mitzählen , weil dabei das Ausfallen und Abbrechen der Haare, nach Gruby, auf eine Entwickelung von kryptogamischen Gewächsen, welche sich scheidenartig um das Haar über der Haut- oberfläche bilden, beruht. Auch der Weichselzopf kann nicht in Betracht kommen, denn dieser ist eine durchaus constitutionelle Krankheit; alle anderen Erkrankungen der Haare aber haben entweder in der Erkrankung der Haarzwiebel oder ihrer Umgegend ihren Grund. Was nun das Objeet meiner vorliegenden Untersuchung betrifft, so stellt sich dasselbe in folgender Weise dar. Ich habe die Erkran- kung zweimal, einmal, wie bereits bemerkt, bei mir selbst und dann bei einem jungen Italiener beobachtet, beide Male beschränkte sie sich auf die Haare des Bartes, und hier war wieder vorzugsweise der Schnurr- und Kinnbart am stärksten ergriffen. Die Haare des Kopfes, des Regio pubis und der anderen Körperstellen sind durchaus ver- schont geblieben. Der Bart sieht an den befallenen Stellen glanzlos, matt, struppig aus; ist trocken auzufühlen, erscheint wie gerupft, _ oder so wie Hebra das Aussehen der Haare beim Herpes tonsurans beschreibt, als wenn sie ein des Haarschneidens unkundiges Individuum geschnitten und sogenannte Stufen gemacht hätte. Betrachtet man eines dieser Haare mit blossem Auge, dann bemerkt man an ihm Nichts weiter, als dass sich der Haarschaft durch einige weisse Punkte, die . perlschnurartig an einander gereiht sind, auszeichnet. Das Ausreissen der Haare mittelst einer Pinzette geht nicht leichter als bei gesunden. Bringt man ein so punktirtes Haar unter das Mikroskop, dann präsen- tirt sich das durch Fig. 1 dargestellte Bild. Hat man nämlich ein günstiges Object gefasst, was bei dem reichen Materiale nicht schwer hält, so kann man die verschiedenen Entwickelungsstufen der Erkran- kung genau sehen. Sie beginnt damit, dass das Pigment der Mark- zellen an vielen Stellen des Haares schwindet und die Marksubstanz selber nur durch schwache, blasse Contouren erkenntlich ist, welehe auf Einwirkung von Kalilösung ganz schwinden. Wo ein solcher, mit 614 Beigel. blossem Auge sichtbarer Punkt vorhanden ist, erscheint das Haar unter dem Mikroskope bald mehr, bald minder stark aufgetrieben, so dass die Stelle das Ansehen einer Zwiebel gewinnt, die nach beiden Rich- tungen hin Fortsätze hat. Die aufgetriebene Stelle erscheint dunkel, undurchsichtig, wird aber auf Einwirkung von Kalilösung durch- sichtiger. Im Verfolge drängt sich die Ansicht auf, dass innerhalb des Haares Etwas vorhanden sein müsse, welches einen allseitigen Druck nach aussen hin ausübt und die Corticalsubstanz der Haare allseitig auseinandertreibt. In geringem Grade, so dass sie kaum bemerkbar, ist die Auftreibung nur selten anzutreffen. Meist ist dieselbe sehr beträchtlich und erreicht die Spannung einen sehr hohen Grad, dann beginnen sich einzelne Fasern an der Peripherie des Haares, welche die Spannung nicht aushalien können, abzulösen (Fig. 1 c), bis endlich der Druck von innen so stark wird, dass das Haar an der aufgetriebenen Stelle in seinem ganzen Umfange berstet (Fig. 1 d), dann steckten die einzelnen Haar- elemente borstenartig nach allen Seiten heraus; ihre Contouren sind rauh, uneben und in ihrem Innern sieht man kleine, dunkle Körnchen, die meist aus Fett bestehen und durch Alkalien oder Äther verschwin- den. Eine solche geberstete Stelle hat das charakteristische Ansehen von zwei Besen, die mit ihren dicken Enden in einander gestellt sind. Manche dieser Stellen sind ganz zerrissen, an den Rändern defecet und lassen auf eine relativ bedeutende Gewalt schliessen, welche das Bersten zu Stande gebracht hat. An vielen Haaren habe ich bis zehn soleher Punkte von der verschiedensten Entwiekelung gezählt. Dieselben befinden sich aber niemals am unteren Theile des Haares, in der Nähe der Haarzwiebel, sondern meist, und wenn nur wenige vorhanden sind immer, am oberen Drittel, höchstens an der oberen Hälfte des Haares. Erwähnenswerth ist, dass sich nur äusserst selten eine auf- getriebene Stelle unter einer ganz gebersteten findet, meist umge- kehrt. Jedes affieirte Haar ist an einem solchen Punkte abgebrochen, so dass das Ende besenartig erscheint (Fig. 1 «). | Übt man an einem erkrankten Haare einen gelinden Zug aus, dann reisst es leicht und immer an einem affıcirten Punkte ab. Wie bereits bemerkt, ist der untere Theil des Haares stets intact, auch am Bulbus habe ich niemals etwas Krankhaftes entdecken können. Die Entwiekelung des Processes beginnt unbedingt im Innern des Haares und zwar in der Marksubstanz, die zuerst aufgetrieben Über Auftreibung und Bersten der Haare. 615 wird, berstet und zu zerfallen scheint. Manchmal findet man, dass nur die Marksubstanz an verschiedenen Stellen und in verschiedenen Graden spindelförmig aufgetrieben ist, ohne dass hierzu eine entspre- chende Auftreibung auch der umgebenden Cortiealsubstanz vorhanden wäre, in vielen Fällen hingegen correspondirt die Auftreibung des Markes mit der der Rindensubstanz des Haares (Fig. 2). Das ist aber der seltenere Fall, denn in der überwiegenden Mehrzahl ist, wo bereits eine Auftreibung des Haares vorhanden, die Marksubstanz schon verloren gegangen, und nur hin und wieder sind noch einzelne Über- reste derselben anzutreffen. Was nun die Ursache dieser Erkrankung sein mag, hat bisher nicht mit Bestimmtheit festgestellt werden können. Man könnte leicht geneigt sein zu glauben, dass man es auch hier mit einer Pilzbildung zu thun habe, allein selbst mit den stärksten Vergrösse- rungen habe ich nichts Pilzartiges, weder innerhalb noch in der Umgebung der Haare, oder im Haarbalge entdecken können. Wenn Hypothesen überhaupt bei derartigen Untersuchungen zulässig sind, dann dürfte vielleicht die Annahme einer im Innern, in Folge Zersetzung der Marksubstanz , stattfindenden Gasentwickelung die meiste Wahrscheinlichkeit für sich haben. Wenigstens machen die angeführten Erscheinungen die Ansicht nicht geradezu verwerflich. Aber noch ein anderes Moment tritt dieser Hypothese zur Seite. Behandelt man nämlich gesunde Haare und solche, die von der Erkrankung ergriffen sind, unter dem Mikroskope mit concentrirter Säure, namentlich mit Salzsäure oder mit Salpetersäure, dann erscheinen unter dem Deckgläschen beim gesunden Haare eine Menge kleiner Luftbläschen, während aus dem kranken eine weit grössere Zahl sehr grosser Blasen aufsteigen. Dies scheint nicht allein davon herzukommen, dass beim erkrankten Haare aus den gebersteten Haarelementen durch die Säure mehr Luft ausgetrieben wird als beim gesunden, denn die Erscheinung tritt auch dann noch in einer 'auffallenden Weise ein, wenn man das erkrankte Haar, vor der Behandlung mit Säure, unter die Luftpumpe gebracht hat. Da wir indessen keine Mittel besitzen, um Gasarten unter dem Mikroskope zu erkennen, so lege ich auf diese Erscheinung, die ich anführen zu müssen glaubte, auch keinen besonderen Werth. Wenngleich die Erkrankung in dem an mir selbst beobachteten Falle so unbedeutend war, dass sie weder irgend eine Unannehm- Sitzb. d. mathem.-naturw. Cl. XVII. Bd. II. Hft. 40 616 Beigel. lichkeit, noch Unbequemlichkeit mit sich führte, so scheint es mir doch als könnte sie durch ihre Ausbreitung einen Grad erreichen, der allerdings unangenehm und dann Gegenstand der Praxis werden kann. So hatte z. B. schon in dem zweiten von mir beobachteten Falle der Bart ein so unangenehmes Aussehen, dass Mancher die vielen weissen Punkte für sogenannte Nisse hielt, was dem jungen Manne in der That nicht gerade angenehm sein konnte. Mit diesen Nissen könnte, bei der Erkennung der Krankheit noch der Herpes tonsurans coneurriren, der mit derselben aller- dings in der äusseren Erscheinung eine grosse Ähnlichkeit dar- bietet. — An behaarten Hautstellen, sagt Hebra, äussert sich der Herpes tonsurans hauptsächlich dadurch, dass einzelne um- schriebene Stellen mit glanzlosen, trocken anzufühlenden, strup- pigen Haaren von ungleicher Länge als ob sie ein des Haar- schneidens unkundiges Individuum geschnitten und sogenannte Treppen gemacht hätte — bedeckt erscheinen, welche öfters auch theilweise schon ausgefallen sind und dann die die Epidermis bedeckende, weissgelb bis braungelben, papierdünnen, trockenen, kleienförmigen Schüppchen zeigen, die oft an derlei Stellen ein bis mehrere Linien hoch angehäuft, fest auf einander sitzend vor- kommen und dann, wenn man will, eine Ähnlichkeit mit einem Schildchen (scufulum) haben , woher der Name Porrigo scutellata Willani seine Erklärung findet. Beim Vorkommen des Herpes tonsurans am behaarten Kopfe oder an anderen behaarten Theilen des Körpers geben also diese Erscheinungen, die Beschaffenheit der Haare, die an umschriebenen Stellen von verschiedener Länge, glanzlos, weniger pigmentreich erscheinen, so wie die angesammel- ten Schuppen, Schuppengrinde und Schörfehen den gewünschten Aufschluss. Innerhalb der Haare und zwischen den Epidermis- Schuppen findet constant eine Entwickelung von Pilzen Statt. Dieses constante Vorkommen von Pilzen beim Herpes tonsurans einerseits, die Auftreibungen, die gebersteten Stellen und die gänz- liche Abwesenheit von Pilzen bei der von mir beobachteten Krankheit andererseits würde die Diagnose sichern. Alle anderen Symptome können auf beide Zustände passen. Denn auch die kleienförmigen Schüppchen waren, bei mir wenigstens, vorhanden, aber schon seit Jahren, während die Erkrankung der Haare seit etwa vier Monaten datirt, und kleine Schörfehen könnten ja auch leicht aus andern Y = = - 2 r > 7 * x » ©, NG . r = r 4 I Pi » 2 — x » a 1 . > p : s P », vn s ® . “ n x . 2 4 - % 2" ‚ re * Er r —e A ; + 7 k 2 x 2 y £ 3 . z - I B E Bier» N . \ , I} l =. \ Fi = x \ > N = “ 58 = 2 - Esn IE: me! Sitzungsb.ik Akad dlWnath natur. CLNVIE BES Meßt 1855. Über Auftreibung und Bersten der Haare. 617 Gründen vorhanden sein. Unbedingte Gewissheit gibt also in beiden Fällen nur das Mikroskop. Auch über die Therapie kann ich schon einige Worte anfüh- ren. In dem zweiten von mir beobachteten Falle sind nämlich, bevor er zu meiner Beobachtung kam, kaustische Waschungen und andere Mittel, natürlich ohne Erfolg, angewendet worden, und da dem jungen Mann später das Aussehen seines Bartes wirklich genirte, so musste er sich dazu entschliessen, ihn zu rasiren und vertrauensvoll dem Wachsthume eines neuen Bartes entgegenzusehen. Der Erfolg war ein günstiger, denn an dem neuen Barte, dessen Wuchs stark und voll ist, hat sich bisher keine krankhafte Erscheinung weiter einge- stellt und die Haare sind wieder geschmeidig und glanzvoll wie sie im weiland Barte vor der Erkrankung gewesen sind. 10* 6 1 8 Gesammmt-Sitzung. AUS DER GESAMMT-SITZUNG VOM 26. MAI 1855. In der Gesammt-Sitzung der kaiserl. Akademie am 26. Mai d. J. zu welcher auch die auswärtigen wirklichen Mitglieder einberufen worden waren, hat dieselbe die zur Wiederbesetzung der erledigten Stellen nöthigen Wahlen vorgenommen, und durch ihren hohen Curator Sr. k. k. Apost. Majestät zur Genehmigung allerunterthänigst unterbreitet. | Mit allerhöchster Entschliessung vom 18. October d. J. erfolgten sonach die Ernennungen: I. in der mathematisch-naturwissenschaftlichen Classe des correspondirenden Mitgliedes, Herrn Professors Franz Leydolt, zum wirklichen; des Direetors der kaiserl. russischen Haupt- Sternwarte zu Pulkawa, Herrn F. G. W.v. Struve, zum ausländischen Ehrenmit- gliede; des Herrn Professors J. Gottlieb in Gratz, zum inländischen und des Herrn Professors Joh. Hausmann in Göttingen, zum ausländi- schen correspondirenden Mitgliede. II. In der philosophisch-historischen Classe des correspondirenden Mitgliedes, Herrn Gottlieb Freiherrn von Ankershofen zu Klagenfurt, zum wirklichen Mitgliede; des Herrn Professors August Boeckh in Berlin, zum ausländischen Ehrenmitgliede; des Herrn Professors Joseph Aschbach in Wien, zum inländischen correspondirenden Mitgliede; dann der Herren Wilhelm Wattenbach in Berlin und Ede&lestand du Meril in Paris, zu ausländischen correspondirenden Mit- gliedern. Verzeichniss der eingegangenen Druckschriften. 619 VERZEICHNISS EINGEGANGENEN DRUCKSCHRIFTEN. (AUGUST, SEPTEMBER, OCTOBER.) Acade&mie d’Archeologie de Belgique. Annales, Vol. XI, livr. 1, 2. Acade&mie nationale de Medecine. Memoires, T. 18, 19. Bulletin, Vol. 1—4A, 6—9, 14—16. Academie des sciences ete. de Lyon. Memoires. Classe des scien- ces, Vol. III; elasse des lettres, Vol. II. Aichhorn, Sigmund, das Mineralien - Cabinet am steiermärkisch- ständischen Joanneum zu Gratz. Gratz 1855; 8° — Einleitung in das Studium der Naturgeschichte. Gratz 1855; 8% — Anleitung zur Flächenzeichnung einfacher Krystallgestalten. Wien 1855; 8% Akademie der Wissenschaften zu Berlin. Abhandlungen. 1854. Monatsberichte, Juli, August. Akademie, kön. bayerische. Almanach 1855. Gelehrte Anzeigen. Vol. 39. Almanacco Reale del regno delle due Sicilie per I’ anno 1854. Napoli; 8% Altertbums-DBerein in Lüneburg, Die Alterthümer der Stadt Line- burg und des Klofters Lüne. Lief. 1, 2. Lüneburg 1892 —54. Fol. Annalen der Chemie und Pharmaeie. Bd. 95, Hft. 1—3. Annales des mines. 1854. livr. 6. Annales de l’Observatoire physique centrale de Russie 1852. St. Petersbourg 1854; 4% Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit. 1855. Nr. 7, 8, 9. Archiv der Mathematik und Physik von Grunert. Bd. XXIV, Hft. 4. 6 2 0 Verzeichniss Archives des missions seientifiques et litt6raires ete. Vol.IV, cah. 3. Ateneo veneto, Vol. I—V, VI, fase. 2; VII, fase. 1. Balling, KUlI.N., Die Gährungschemie, wiffenfchaftlich begründet und in ihrer Anwendung auf die Bierbrauerei.2 Bde. Prag 1854; 80 Beders, Hubert, Denfrede auf Friede. Wilh. Sof. v. Schelling. ünchen 1855, 4% Beigel, Hermann, Untersuchungen über Harn- und Harnstoff- mengen, welche von Gesunden ausgeschieden werden etc. Gekrönte Preisschrift. Breslau 1854; 4% Beobadtungen, magnetifche und meteorologifche, zu Prag. Heraus- gegeben von Böhm und Kunes. 13. Sahrgang, Bericht der Direction der Gentral= Gefellfchaft für Flah3- und Hanf- Cultur. 1855; 8% Bizio, B., Circa il modo onde sono da vedersi i fenomeni capillari in rispetto alla costituzione dinamica de’ liquidi. Venezia 1852; 8% Brunius, C.G., Nordens äldsta Metropolitankyrka eller historik och arkitektonisk Beskrifning om Lunds Domkyrka. Lund 1854; 8% Brünnow, S., Tafeln der Flora, mit Berücksichtigung der Störungen durch Jupiter und Saturn. Berlin 1855; 4% Bulletin du eomite de la langue de I!’ histoire et des arts de la France. T. HM, No. 4,5. Bulletin des societes savants, missions, scientifiques et litteraires. T. I, Nr. 4,5. ; Buys-Ballot, C. H. D., Meteorologische Waarnemingen in Neder- land ete. Jahrg. 1853 und 54. Utrecht; 4% Cimento, il nuovo, Juni — August. Cittadella-Vigodarzere (Grafv.), Rapporto sulle memorie pre- sentate al concorso per la soluzione di un quesito di letteratura proposto dall’I. R. Istituto Veneto. Venezia 1855; 8% Cooke, Josiah, On new cerystalline compounds of Zine and Anti- mony. Cambridge 1855; 4°. Cosmos, Vol. VI, No. 7—18. Droßbah, M., Das Wefen der Naturdinge und die Naturgefeße der individuellen Unfterblichfeit. Olmit 1855, 8% Elvert, Ehriftian d’, Gefchichte der Verfehrs-Anftalten in Mähren und Ofterreihifh-Schlefien. Brünn 1855; 8% der eingegangenen Druckschriften. 621 D’Escayrae de Lauture, Memoire sur le Ragle. Paris 1855; 8% — Memoire sur le Soudan. Cah. I. Paris 1855; 8% — De l’influence que le canal des 2 mers exercera sur le com- merce en generale et sur celui de la mer rouge en particulier. Paris 1855; 8% | Faraday, One some points of magnetic philosophy. London 1852; 8°- Förftemann, E., Altdeutfche3 namenbuh. Bd. I, Lief. 6, 7. Frapporti, Giuseppi, Sugli intendimenti di Nicolö Macchiavelli nello serivere il Prineipe. Vicenza 1855; 8% (A Exemplare.) Geinitz, H. B., Darstellung der Flora des Hainischen, Ebersdorfer u. Floehaer Kohlenbassins. Gekrönte Preisschrift. Leipz. 1854; 8% Gesellschaft, k. k., der Ärzte. Zeitschrift, Jahrg. XI, Hft. 7 —10. Gesellschaft, deutsche morgenländische, Zeitschrift der. Bd. IX, Hft. 3, 4. Gesellschaft für Beförderung der Naturwissenschaften zu Freiburg i. B., Berichte über die Verhandlungen derselben, Nr. 1—11. Gefellfägaft, gefhihts- und altertbumsforfhende, des Ofterlandez zu Altenburg. Mittheilungen, Bd. I, I. Gesellschaft, k. k. mähr.-schles., des Ackerbaues, der Natur- und Landeskunde. Schriften der historisch-statist. Seetion, Hft. 8. Gesellschaft, k. böhmische, der Wissenschaften. Abhandlungen, V. Feige. Bd. 8. | Gesellschaft, physiealisch - medieinische, in Würzburg. Ver- handlungen. Bd. VI. Gesellschaft, naturforschende, in Zürich. Mittheilungen. Hft. 8, 9. Giesen, Universitätsschriften aus dem Jahre 1854. Gruber, Wenzel, Anatomie der Eingeweide des Leoparden, mit vergleichenden Bemerkungen über andere Felis - Arten. St. Petersburg 1855; 4% Hanus, Ignaz Jan, Zivot a püsobeni Frantiska L. Celakowskeho. Prag 1855; 4% — Über die alterthümliche Sitte der Angebinde bei den Deutschen, Slaven und Litauern. Prag 1855; 8% — Bibliotheka slovansk&ho prislovnietvi. Svaz. 1. Prag 1853; 80 Hummel, Karl, Phyfifhe Geographie. Grab 1855; 8% Istituto di correspondenza archeologicea. Bullettino 1848, 1849. —. Annali. Vol. 5» 6. — Monumenti inediti. 1354. 6 ) 2 Verzeichniss u Istituto I. R. Lombardo di scienze. Giornale. Fase. 39, 40, 41. Istituto Veneto I. R. di scienze, atti delle Adunanze. T. Ill, punt. 5, IV, 1-4; V. 1.2; VL 1—7. Jahresbericht über die wissenschaftlichen Leistungen des Doe- toren -Collegiums der medieinischen Facultät in Wien. Jahrg. V. (5 Exemplare.) Fena, Univerfitätsfchriften aus dem Sahre 1854. Jiredek, Hermenegild, Über Eigenthumsverletzungen und deren Rechtfolge nach dem altböhmischen Reehte. Wien 1855; 8% Journal, The astronomieal. Vol. IV, No. 12, 13. Kiel, Univerfitätsfchriften aus dem Sahre 1855. Kopebfy, Benedikt, Überficht der Mineralwäffer und einfachen Mine- ralien Steiermarfd. Grab 1855; 4% Kopp, Gefhichtsblätter au der Schweiz. Bd. 1, Hft. 6. (2 Eremplare,) Kraus, Soh., Sahrbuh für den Berg: und Hüttenmann des dvfter- reichifchen KRaiferftaates. Sahrgang 1855. Lamont, Denfrede auf die Akademiker Siber und Ohm. München 1855; 4% Leonhardi, Freih. H. v., Einige Nachrichten über Dr. Karl Fried- rich Schimper. (Lotos 1855, Juli.) 3 Exemplare. Louvain, Univerfitätsfchriften aus dem Sahre 1855. Lund, Univerfitätsfchriften aus dem Sahre 1854. Maury, M.F., Letter concerning lanes for the steamers erossing the atlantie. New-York 1855; 4% * Melloni, Macedonio, Blettroscopio di. (3. Expl.) Napoli 1854; 40 Mittheilungen aus dem Gebiete der Statistik. Jahrg. IV, Hft. 2. M one, Fridegarius, C. Plinii Secundi, naturae histor. Lib.1, 11—15; fragmenta e codice rescripto biblioth. monasterii ad S. Paulum in Carinthia. Gothae 1855; 8% Münfter, Akademifhe Schriften aus den Sahren 1854 und 1855. Nachrichten, astronomische, 973—984, 986, 988—992. National-Museum, germanisches. Jahresbericht II. Nürnberg 1855; Ar Nobile, Ant., Elogio storieo di Melloni Maced. Napoli 1855; 4% Patellani, Luigi, sullo stato attuale dello studio ed istruzione veterinaria in Italia. Milano 1855; 8% Paucker, M. G., Die Gestalt der Erde. s. ]l. et d.; 8% Programm des Ef. Gymnaftums zu Brunn für das Sahr 1855. der eingegangenen Druckschriften. 623 Pullich, Giorg., Propedeutica ülosofica ad uso dei Ginnasi. Trieste 1855; 8% Rafn, Charles Christ., Antiquit&s americaines d’apres des monu- ments hist. des Islandais et des anciens Sceandinaves. Copenhague 1845; 40% — Bemerkninger om en Steenöxe med Runeindskrift, tilhörende Hs. Majest@t Kongen. Kjöbenhavn 1854; 8% — Remarks on a Danish Runie stone from the eleventh century found in the central Part of London. Copenh. 1855; 8% Hau, Karl Heinr., Orundfage der Volkswirthfchaftsiehre. 6. Aufl., Leipzig 1855; 8% Regesta, sive rerum Boicarum autographa e Regni scriniis fideliter in summas eontraeta. Vol. XIII. Monae. 1854; 4% Reichardt, E., Über die chemischen Bestandtheile der Chinarinden. Gekrönte Preisschrift. Braunschweig 1855; 8% Keihenbah, Karl Freiherr, Köhlerglaube und Afterweisheit. Dem 9. &. Vogt in Senf zur Aniwort. Wien 1855; 8% — Dpdifd-magnetifche Briefe. Stuttgart 1852; 8% — Bhyfifal.phyfiolog. Unterfuhungen über die Dynamide de3 Magne- tiömus, der Eleftricität, der Wärme, des Lichtes, der Kryftallifation, des Chemismus in ihren Beziehungen zur Lebenskraft. 2. Aufl., 2. Theil. Braunfhweig 1849; 8% — Der jenfitive Menfh und’ fein Verhalten zum Ode. 2 Bde. Stutt- gart 1854; 80 — Physico-physiolog. researches on the dynamies of Magnetism, Blectrieity Heat ete. in their relations to vital force. With a preface and crit. notes by John Ashburner. London 1851; 8% — Researches on Magnetism, Electrieity ete.in their relations to the vital force. TranslatedbyGregory Will. 2 Vol. London 1850; 8% Reichsanstalt, k.k. geologische. Jahrbuch, Jahrgang VI, V. 1. Abhandlungen. Bd. I. Resume des observations recueilldes en 1852 et 1853 dans le bassin de la Saöne par les soins de la Commission hydrometrique de Lyon. Kitter, Karl, Die Erdfunde im Verhaltniß zur Natur und zur Gefchichte des Menfchen. Thl. 17, Abth. 1, 2. Berlin 1854; 8% — Über die wiffenfhaftliche Reife der drei Gebrüder Schlagintweit in Indien. (Zeitfchrift für Erdfunde, Bd.V, ©. 2.) (3 Exemplare.) 40° * 624 Verzeichniss Ritter, Karl, Abhandlung über einige verschiedenartige charakteri- stische Denkmale des nördlichen Syriens. Berlin 1855; 4% Romanin, S., Storia documentata di Venezia. T. Ill, p. 3. Roneoni, G. B., Osservazioni sopra la concelusione della relazione 16 febbrajo 1855 intorno alla malattia. dell’uva nell’ anno 1854. Milano 1855; 8% Sachse, Karl, Zur Pflanzengeographie des Erzgebirges. Dresden 1855; 8% Sacken, Ed. Freih. v., Die k. k. Ambraser Sammlung. Th. II. Wien 1855; 8% Saga Jätvardar Konüngshins Helga, udgiven efter islandske Oldböger. Kjöbenhavn 1852; 8% Scheerer, Th., Über eine auf metallurgifhem Wege gebildete, eigen- thbumliche Art von Magneteifen-Kryftallen und über dad VBorfommen ahnlicher Kryftallgebilde in der Natur. (Nachrichten v. d. Univerf. Göttingen 1855. Nr. A.) — Nachtrag über polymeren Isomorphismus. s. 1. etd.; 8° Schwellengrebel, J. G. H., Analytisch - geometrische Untersu- chungen über allgemeine Verwandtschafts - Verhältnisse von Coordinaten-Systemen. Bonn 1855; 4% Selskabs k. danske Videnskabernes, Oversigt over det Forhand- linger. 1854. Smith, Archib, Supplement to the practical rules for ascertaining the deviations of the compass which are caused by the ships iron ete. London 1855; 8% Societä R. Borboniea. Rendiconto delle adunanze, 1854. Fogl. 11—26; Anno II, Fogl. 1—10. Soeiete des Antiquaires du Nord. Memoires, 1848/49. — Antiquarisk Tidskrift. 1849—51. — Annaler for Nordisk Oldkyndighed ete. 1851—53. Societe R. d’Agrieulture de Lyon. Annales, Serie II, T. 1,2, 4,5. Societe geologique de France, Bulletin, 1854, Nr. 19—50. Societe Imp. des Naturalistes de Moscou. Bulletins, 1855, Nr. 2. Society chemical. Quarterly journal, Nr. 30, Society Royal of London. Transaction, Vol. 145, part. 1. Procee- dings, Vol. VII, No. 8, 9, 10, 14. Society of Antiquaries of London. Miscellaneous Tracts. Vol. 36. Proceedings Vol. 41, 43. der eingegangenen Druckschriften. 625 Society Asiatie of Bengal. Journal, 1855, No. 2. Society R. of Edinburgh. Proceedings Vol. 44, 45. Transactions Vol. XXI, p. 2. Society Royal geographieal. Journal. Vol. 24. Society, R., Geographical, Adress, by the Earl of Ellesmere. London 1855; 8% Steiner, Codex inseriptionum romanorum Danubii et Rheni. Theil III. Seligenstadt 1854; 8% Thierarznei-Institut, k. k. Vierteljahrsschrift, Bd. VI, 2. Berein, allgemeiner deutfher Apothefer-. Jahrbuch für Pharmacte. Bd. IN, Hft. 6; IV, 1,2. . Berein für Kunft und Altertum in Mm. 9., 10. Veröffentlichung. Verein für nassauische Alterthumskunde ete. Annalen, Hft. 3. Verein für vaterländische Naturkunde in Würtemberg. Jahreshefte. Bd. VII, Hft. 2, 3. Berein, biftorifcher, für Krain. Mittheilungen, Sahrgang 9. Vereeniging natuurkund. in Nederlandsch Indie. Tijdschrift. Deel VI, Afler. 1, 2; VII. 1, 2. Vestiges d’Assembo et de Söborg d&couverts par S. M. Frederie VII. Copenhague 1855; 8% Weber, Albr., Indische Studien. Bd. II, Hft. 2, 3. MWolny, Gregor, Kichlihe Topographie von Mähren. Bd. I. Brünn 1855; 8% (2 Eremplare.) Zurich, Univerfitätsfchriften aus dem Sahre 1854. Ar" bi un f u Inka a ET ‚Ni Kunak h | An nah f ih N. Fattug: var a ” im Galızien Jaslo 32X7R Klagenfurt | nstadi V/4 74 378.50 NN 5 © $tMagdalena (bei Idria) 304.06 Venedig DA I3I.09 [AL P | PEEEeH au Z E w \ I Ar Zaxyae IH EEE aa Adele ia e7 > wert (am Oetschthaler Ferner.) ia ä 26 Gang der Wärme und des Luftdruckes im Mai 1655. | Die punetirten Linien stellen die Wärme, die ausgezogenen den Luftdruck dar. Die beigeschriebenen ‚Zahlen sind Monatmittel, denen die stärkeren Horizontallinien entsprechen. Ein Netztheil entspricht bei der Wärme einem Grad Reaumur, beim Luftdrucke einer Pariser Linie. VE 2 0 23 0/27 7217207,25 2ER 252709 NY, RE EEE LEE EN SE IE BETZ [1 IE D 2 | HH Eee - (m Galzien) Jaslol | - 3 "EEE EINER LA LE REET CH 1 /L]Lemberg 32772 NH, AN Ace ] AERHMT SALE 32HI6 | | H GENE 4 = SH San Pürglitz H3 JE By N ; ze Eye, al | Kronstadt 322.57 LHLEEFEL SEES \ ELLI NEEZRE AR 11 [10]9749% Rlageufurt “ ke aErmN 1 = 2 i Debreczin m AR 376.50 Et I EIAVYSHTZERE ERSNEEIRWVLRDESSERN ER [ 331.27 StMagdalena E | [1 EAEIGE \ AR IM do TE] Plan fam Vetschtiler Ferner) (bei Idria) Mi & B a 3 E 3 S RZIEIT 204.06 y Venedig TAINE EIRTEBIEZ| IN aR“ eb E $t.Maria BESTEN ne ER ORAL 21226 Yalona FF Mailand u, [1133972 intw. vA.U Burkhardt: Aus d’Ek Hok-u Staatsdruckerei Sitzungsb. d. k. Akad. d. W. math. naturw. OLXVILBd. 1.Heft. 1855. en Re © 0 A SL EEE) he h MR, r ER t RL Y 2 Ian Kir, N iR Ki WR ana 0 ld 75 scan Kt f Yai TER REEL EN nr 2 en \ | {ur a LEDER ARE PUR Kanpik gp DRM GO.‘ K ARCHE TUR) He Ba \ N “s NT u PR", An up ar BR Er FR EN | 22 \ 1 ee Takte mu ehe a bArıa ei N et 4 E y Er Fu | AR, AUTO 1 13. HART: \ KröHik ualts RR TR ad LE TEE LDLRTE. nun nn SSR 25 FEN CN SER Lara WEITET #0 Lug, Be l h | I b Bu TZ, u ken r re Au Ar Ein dm ji aa UM, " ‘ ei er ar rd Ye BEN 4 AR ir; v x Dr] i DB “ H Mi! \ ie m Mh \ ; 3 \ ’ Dr a | \ N 2 * y i } Ä u in ll Kr} 3 By ORAL RE By a a aa IR hehe u { y BR , . Pre 3 BURLL an = Eu > Le A d { v N u i Au 0) 4 A f ‚ dom \ en ih 1 LURE, N ri RE ya r | fi a‘ 3 1 1 \ N FEN di ne ji 4, k- vr { ur i N \ au R Mi 6 ur T N Br EN ir en N A # RA, ) 4 IR u y N u N ha Wa B 40a I h Maik \ sn f 2 \ N Be ward I 2 N r. f ( j 1 7 EN Ta en De r y\ Sn I k .; en SE eine Gang der Feuchtigkeit und des Ozongehaltes der Luft im Mai 1855. Die punktirten Linien stellen die Feuchtigkeit, die ausgezogenen den Ozongehalt dar. Die am Rande befindlichen Zahlen sind die Monatmittel der Feuchtigkeit, jene zwischen den Curven die Monatmittel des Ozongehaltes. Den Monatmitteln eutsprechen die stärkeren Horizentallinien. Fin Netztheil beträgt für die Feuchtigkeit 5Procente, für den Ozongehalt einen Theil der Far, benscala,welehe vom völligen Weis bis zum tiefsten Blau zehn Abtheilungen enthält. FH ME] | EFEHFESSFE EIER 1 a] Der a ae Aeeajein al: ANZ een EN Drra% VEHERN: BE ENESESEuEn &c RERnaznE & w - = IN N 1% = (zasl EEnnEr Lu r NER Set 20 = si N N i . am2N. = as NN EEE ee aa nannEN EEE EERERSEEBNE E Einer 5 2 aan = SSESHneeH Seh = 5 nn \ -—= HER B = /\ KINN METTEN = 2 Wi FALHEHELRSEHEREPESEFRFGRER Rn 6483|) AN, LE NEE BRNERE/Z 3 BERIVAR ZRIEDSENIIEEDND = AR ae Ei DuaelRreNVeReN 5 Are Karaseanearsnaee $ Drake ER TEE een ee 2 ZInzeRTIemeEe | Sue En Z Dass ID Zr 2 FH HF] BESeCEN use B= Klagenfurt [II N SI LI AT FEN N Elan = EEIERRT SAN. DEHERSAD REIT I = 74.0 da EEuagEE Aa Senden \- 3.33 = Sa zZ BE une E Sg Be ee oe 2 2 Bazar na, Bela = 5 Beeisalzaee je azlalzenjen gan —- © = BER’ SV EENEPGBEN ZEIG RR S Sry VEREp KUN ESBLN anne] = Kremsmünster | 4 | NEINVHTR TH TTV I T3 Dlzizl TAN I jam 18. = ZRIERENANE ATTRT ANTTENNFSwENEINENN E 27, Baker EIN JENSEN Bea Be BESzEnan BENdE eanNall ask ma | gEREarHEND, = DO aim ER = = Dozaenede = = Se ERS FLED = a Ve Eee ea Aue E BER SEGEHBURER = Venedig [1A FNFEINI ZT £ | BE ABER GBFIEE, 4 = 72.0 wu nella x SOSaraube en ei B= Basar El BES el or Ele a Auaseleelzelal einle)e alas = lbNzEmeNmEIEERd ei SUENENB EEE Ai St. Maria IN IX II I/II N] am3i. ZBSERANANDEM: KERNE“ Anneraananen 112272 SEES ® SRzBERHEN B Saas DR id Sazun Be az DermeEe a en SS eeeeeeeeenn a NSS an aee Eu Eintw: v A.U. Burkhardt. Aus d k.k. Hof-w Staatsdruckere; Sitzungsb. d. k. Akat. d. W. math. naturw. CLXVIBA Allelt. 1855. Di Buy Ni le a EEE \ \ ı WAGNE EN dh uDı bh | 1 Balair® NEE ER. RAN j j \ { A NEL PER HRONN ar 4 FR THE DR TE RE KO RT 2 “ a En N ’ M RN N r ' h DA ’ | x A a DAN “iA Ba In, u ah A A Be jv Ad in LE KA Er v a N akt Bi K F IE We r EA Er ee N Re = Mn Prugise® ee a re ne Vene E 5 F Br er 7 Ir are kr wa x A N up ER) erartined ficken Beobachtwkungen. Valona. . \-Wind u. +24°. Curzola . , am 18. aus NW. Semlin . Ragusa !). ı 19. Blitze, am 18. Erdstoss. Szegedin.. ,a. NW. Triest . Haraııı . Ro Gran . . 17.18.19. Hagel. Parma?) . 'auf19. Blitze, am 9. 13.14.16. Fünfkirchen h 28.29. mitHagel. [Wetterl. Wallendorf 34.19.28.29.30.Gew.,a. 6.12.27. Venedig*) ],am5.u.26.Gew.,18.19.Blitze. Czernowitz 5, Wetterl., am 10. Sturm a.N. Udine . . },18. 31. Gewitter. Debreezin [Stürme am 17. u.18.a.S. Kronstadt°)], am 6. 18.26.29, Hagel am 14, Mailand . |2. u. 4. mit Hagel. Meran . . Jagel u. Gussregen bis 8" Ab. Jolsva . . yitter, am 10. Sturm. Zavalje. . _31. stürmisch a. SW. Gilli . Lemberg ®) ım1.Nachts Regen mit Schnee. Wien‘) . am 12.12" Sturm a. NW. Rsnau 2. .| [n.0. u. SO., am 31. n.S. Olmütz. . 'NW., am 16. n.N., am26. u. 27. Korneuburg | 8. u. 10. Reif. Rzeszow . Sturm mit Gewitter a. SW. Jaslo: .ı. ', am 12. Blitze, am 6. Hagel. Brünn . . 49. Sturm a. NW. StPaul=..], Krakau. . 46. Blitze im SO. Klagenfurt ®,.N. [a. SSW. Prag. . . im 5. mit Hagel, am 22. Sturm Czaslau?) 7. 31. Gewitter. j Neusohl !0}4, Ab. Wetterleuchten. Laibach . | Lienz im Tirt Hagel, am 27. Wetterl., am Innsbruck . [18. 28. Sturm. Agordo. . +w., am 31. mit Sturm u. Hagel, Adelsberg . lam 16. Schnee. 1) Ragusa,nds bis 14. 9h Morgens. Bei dem Gewitter hlagsmenge 145.00' war aber nur auf den IErdstoss von NO. nach SO. durch 2 bis 3° 1 2) Parma. \jnen Sturm aus NW. Am 13. 15. 19. 26. w 3) Wallen 4) Venedil,ch im Laufe des Vormittags fiel noch Reg; 5) Kronst 6) Lember ?) Wien. Alpen fast durchwegs am 31. den höchsten (yon einem &ewissen Punete (Pol) nach vers 8) Klagen 9) Czaslau 10) Neusoh 11) Lienz. und um r) In Neusoterm 4804447” nördl. Breite und 36°: Sitzb. d. guebruche, um Sh folgte ein zweites um Minimum uftdr.| Tag | Luftd 3788 13:9 310% 26-38 | 16°6 |321°3 2697| 16-3 1319-2 15:67| 16-3 |310-3 14:96| 15°9 |309-2 24-71| 15:9 |315 € 2651| 16°3 |319°: 32.415116 2132628 1584| 16:6 1309-8 2296| 16-5 |315 7 10-17| 16-3 |305° 1416| 16-6 [307-1 2646| 16-3 1318: 1493| 16° 1301 -50| 16° 300°‘ 21116283105 296°: 6 6:6 1292-! "6 |283:: Linz Hagel; in Wels: auch Fröste. Erst nac Male auf 0. von bed«ckt wurde. Ä esengebirge trat der A: ssion hat sich hievon ül »rab, am 20. war die 9 »n, am 27. sind die Bäc Intensität mit haselnus 'e, beide mit Hagel, un atur erst Abends das M Regen, Schnee und Sel Magnetische Störu Im 9R8: ige zu den früher 313°93| 22:9 |302- 304-985] 10:6 |294* 315°99| 10:8 |305° Übersicht der Witterung in Österreich im Mai 1855. Entworfen von A. U. Burkhardt, Assistenten an der k. k. Central-Anstalt. > Maximum Minimum en Maximum Minimum Dunst- |Nieder-| perr- Beobachtungsort. eat irach. dbuLIs dSchlgen unkng Anmerkungen. Reaumur | lag | Temp. | Tag Par.Lin.| Tag | Luftdr. | Tag | Luftdr. | Par. Lin. | Par. Lin. Valonaı. = sr. a. | 3452681 81-6) | -+22°5| 4379) +10°0) — — En _ — | 6"61 | 29”83) NW. | Am 17. Mittags starker S0.-Wind u. +24°. Curzola . 0. 1#+15-33| 31-6 | +22°411 3-37) +11r0 = _ —_ — — 5-63 | 46°90|nw.so.| Am 17. stürmisch aus SO,, am 18. aus NW. Semlin. =» 2... |+14:59| 31-6 | +25-4| 10-3 | + 6-01332°76| 21-3 |335”17| 15-9 |329”"53| — | 6-20) NO. | Am 6. u. 27. Gewitter. Ragusat). 2. . |+14°47| 31:6 | +21°7| 2-3) +10:0/334°99| 22:6 133783] 9-6 1331-18) 4-98 |145-00| SO. | Am 1. 13.14. Gewitter, am 19. Blitze, am 18. Erdstoss. Szegedin. . . .. |+13°98| 31:6 | +26°4| 25:3 | + 6°0/332-48| 22-9 1335-69) 9:9 1330-701 — 25:20) N.SO. | Am 5. Sturm a. W., am 25. a. NW. Triest 2 2 2 2... |+413°75| 31:6 | +23-5| 10-3 | + 8-51334-41) 22-3 1339-29) 15-9 |331-65| — 61-00) so. oxo. : Tara 2... 0. [+13-61| 31:6 1 +21>°0| 14-9 | + 9:21336°22| 21°9 1338-45) 9-6 1332-62] 5-65 | 36-82) S. | Am 31. stürmisch am Meere. Gran = 2... 1+43°29) 31-6 | #220) 1-3) + 20| — — _ — — — 37.18) sw. sw. | Am 13. 16. 27. Gewitter. [17. 18.19. Hagel. Parma?) . . .. . |+13:27| 26° +22:0| 15° |-+ 6°11332:22| 22: 1334:97| 15° 1328°21\76- 15:66] 0.x0.s0.| Am5.12.stürm., am 12.18. auf 19. Blitze, am 9, 13. 14.16. Fünfkirchen. - . . |+13:01| 31:6 | +27-1| 10-3 | + 6°0/330-06| 22:3 1332-64) 16-3 |327:08| — 43-01] NW. | Am 6.9.19.25.29. Sturm. am 28.29. mitHagel. |Wetterl. Wallendorf®) . . . 1 +12:93| 31:6 | +25°0| 20:9 |+ 5 -6/321-84| 31-3 [32472] 9-9 |319-01| 4-57 9-23] SW. Am 10.19.28.Stürme, am 6.14.19.28.29.30.Gew., a. 6.12.27. Venedige®) . . . . |+12-80| 27:6 | +22°4| 10:3 |+ 7:3|335°69| 21:9 1338-82] 15°9 33134) 4-44 | 4369| SSO. | Am5.8t.,am 12.14.15. Hagel, am 5.u.26.Gew., 13.19.Blitze. Czernowitz ». » » „. |+12:78| 31:6 | +24-2| 1-3 |+ 3-0/325-93| 31:3 1328-78] 12-3 |323-51| — 10:15] NW. | Am 2.24.Gew., am 12. 14.15. Wetterl., am 10. Sturm a.N. Udine . . 2... | +12:77| 27.6 | +21°2| 16-3 | + 6:3) — —_ — —_ — —_ —_ 0. Am 30. +21°1, am 3. 6. 12. 18. 31. Gewitter. Debreezin . . . . |+12°56| 31:6 | +24°0) 20-3 |+ 5°21331:27| 31:3 1334-06) 16:3 1328-7111 — 5594| °S. Am 3. 5. 6. Gewitter. [Stürme am 17. u. 18. a. S. Kronstadt5). . . . |+12:38| 31:5 | +22:6| 8:3 |+ 5°0,314-34| 31:3 |317:24) 9-9 [31119 6649| — Am 14.25.26. Gew., Wetterl. am 6. 18. 26. 29, Hagel um 14, Mailand . . . . . |+11:98| 27- +21:6| 12: |+ 4'3|330-02|) 23: |332-50| 15:9 |326-32| 3-83 | 35-30| NO. Am 2.3.4.5. Gewitter, am 2. u. 4. mit Hagel. Meran. 2 2...... /+11:92| 28-6 | +22-5| 15:3 |+ 6°0|323°83| 24-6 1328°27| 15-9 1320-13) — | 26:89) S. | Am 31. Mitt. Gewitter mit Hagel u. Gussregen bis 8" Ab. Jolsva -. » 2... !+11:67| 31:6 | +26-0) 21:3 |+ 3:0) — _ _ _ _ = — W. Am 3. 5. 16. 27. 23. 29. Gewitter, am 10. Sturm. Zavalje- » » .. . |+11-61| 31-6 |+23:0| 1:34 5.2) — _ W. Am 16. Gewitter, vom 28.— 31. stürmisch a. SW. Cili 22 22.20. 0. |#+41-30| 31-6 | +23-0| 11-3 | + 1:81326°73| 25:3 |329-47| 16-3 |323-24) 3-77 | 22-95] NW. | Am 28. 22°3. Lemberg®) . . . . [+11:30| 31 :6| +23-4| 1:3 |+ 1:5|324-96| 25:6 132740] 19-6 |321-97| 3-81 | 42-711 W. Am 3. 6.14. 15.18.30.Gew.. um1. Nachts Regen mit Schnee. Wien?) 2... 1+14:28| 31° 1424-01 1-3 |+ 2-5/328-23| 23-4 |331-43| 16-3 |323-99) — | 4172| 050. | Am 5.16.26. 28. Gewitter, am 12. 12° Sturm a. NW. Tirmau. 2» 2... |+14:09| 31:6 | +20-4| 2-4 |+ 2:6 33013] 254 1333-08] 16-4 |326-65| 4:58 | 22-09) NW. [n.0. u. SO,, am 31. n.8. Olmütz. : 2 2... .|#+10:91| 31:6 | +24°2| 3-3 |+ 2-01327-38| 25-3 |330-57| 16-3 |323-64| — = W. Am 3.29.30, Wetterl. nach NW., am 16. n.N., am26. u. 27. Korneuburg. . . . |+10-70| 31:6 | +21-°3| 2:3 25) — — _ _ = _ = W. Am 5. starkes Gewitter, am 8. u. 10. Reif. Rzeszow . » » . . |+10-60| 31-6 |+23-4| 1:3 |+ 4:0|328-17| 24:9 [33143] 16-6 |324°65| 3:72 | 33-33] SW. | Am 5. Ab. 8" Wetterl., 10" Sturm mit Gewitter a. SW. Jaslo. » 22... )+10:57| 31-6 | +24°0, 1-3 |+ 3-0,327:12| 25-3 [330-17| 15-6 [324°03| 3:90 | 35-86] SO. | Am 3.5.6. 29. 30. Gewitter, am 12. Blitze, am 6. Hagel. Brünn»... 2... 1+40-442| 31- |+22-1) 6- |— 0:3/327:49 25°3 1330-57) 16-3 |323-92| 3-50 | 2497| NW. | Am. 23. Gewitter, am 11.19. Sturm a. NW. St.Paul . . . . . |+10-42| 31-6 | +22-0| 10-3 |+ 1-4|319-13! 25-3 1322-23) — |315°33| 3-43 | 14-90| SO. Am 31. Gewitter mit Hagel. Krakau. >... 1+10-36| 31: \+25-7| 3° |-+ 1°51327°89| 25-4 \331 26) 16-6 |324-47| 3:64 | 25:07) 0. Am 5.29. 30. Gewitter, am 16. Blitze im SO. Klagenfurt 8) . . . /+10-32| 31- |+25°7| 10- |— 0-31318°59| 25-3 |321:46| 16-3 |314-80| 3-41 | 24:23] SW. | Am 5. Gewitter mit Sturm u. N. [a. SSW. Praa. 2» 2 22.2. |+10:26| 31° )+23°3) 3° | + 1:91327°37) 18° |330°58) 16° [323-01| 3:28 | 30-14) SW. | Am 5.17. 22.28. 31. Gew., am 5. mit llagel, am 22. Sturm Czaslaud) .... /+10-03| 31-6 | +22°4| 10-3 | + 1 6325.54 25:3 1328-53] 16°3 |321°40| 3-54 | 41:95) SW. | Am 12. (um 6" Morg.) 14. 27. 31. Gewitter. -+Neusohl 10) . . » |+10-00| 31-6 | +20:8| 2:3 |+ 2-9|321:87| 25:4 |325°66| 16-7 |313:84| 3:47 ' 67:99| NW. | Am5. Gewitter, am 26. u. 31. Ab. Wetterleuchten. Laibach . . . . . | +10-00| 31-6 | +20°%| 10:3 |+ 32132476) 24:9 |327-37| 16-3 |321:06| 3:81 | 87:90| SO, Am 5. 20. 25. Gewitter. Lienz im Tirol *!) . |+ 9:86 27:6 | + 19-6) 10-3 | + 3-0/310-46| 25-3 [31354] 16°6 |306°68| 2-91 | 34-981 W. Am 5. Gewitter, am 31. mit Hagel, am 27. Wetterl., am Innsbruck . : « . |+ 9-83) 31:6 )+20°6| 15:5 |+ 4°1/312-62 (91:6 1316-61) 16-9 |308:65| — 1726| SW.S. 18. 28. Sturm. Agordo. . I+ 9751| 27:6 | +20°7| 16-3 | + 1:6/312-58| 22-5 131538) 16:3 1308-67) — 4922| SO. Am 5. 9. Ab. u. 31. Nachts Gew., am 31. mit Sturm u. Hagel, Adelsberg + 9-74| 31-6 |+21°2| 9-9 | + 2-2|314-95| 22-9 |317:39| 16-3 |310-85| — _ _ Am 9. stürmisch a. NO. [am 16. Schnee.) . [} 1 | | | | | | 1) Ragusa. Bei dem Gewitter am 1. um 3 Uhr Morg. fiel auch Hagel. Der Niederschlag an Regen betrug bei dem Gewilter am 13. Ab. 6" 48°, und »war vom 13. 8" Ahends bis 14. 0b Morgens. Bei dem Gewitter am 14 fiel ebenfalls Hagel, am 16. den ganzen Tag Regen (20"%). am 17. 29”, am 19. regnete es von 3%sh bis 11h Morgens wieder 27”. Die grosse Niederschlagsmenge 145.00 war aber nur auf den 1. Mai mit 14 und vom 13. bis 19. mit 131.0“ vertheilt, an den übrigen Tagen im Monate fiel kein Regen. Am 18. um 3%31' Morg. wurde ein wellenförmiger Erdstoss von NO. nach 50. durch 2 bis 3” wahrgenommen, welchem nach ö' ein zweiter schwächerer folgte. Auch in Ragusa vechia wurde der Erdstoss verspürt. 2) Parma. Den genauen Aufzeichnungen an der Sternwarte entnehmen wir noch die Sichtbarkeit eines Lichtmeteores am 7. Abends, von der Grösse der Venus. Am 12, einen Siurm aus NW. Am 13. 15. 19. 26. waren die Alpen wegen grosser Reinheit der Athmosphäre sichtbar. Die Beobachtung der Mondesfinsterniss am 2. Morgens war durch heiteren Himme] begünstigt, 3) Wallendorf. Am 31. um 2630‘ die höchste bis jetzt daselbst beobachtete Temperatur : 25-40. 4) Venedig. Am 5. war ein schr stürmischer Tag, um öl Morgens schon Gewitter mit starkem SO., später fiel durch 20' Hagel, in ®; Stunden firlen 9:44“ Wasser, auch im Lanfe des Vormitlags fiel noch Regen bei Blitz und Donner und starkem SO.-Winde; das Canalwasser war sehr hoch. — Bei der Mondesfinsterniss am 2. Morgens war heiterer Himmel. 5) Kronstadt. Der Niederschlag vom 10. um 12" bis 11. um 125 betrug 32:06"'. 6) Lemberg. Bei dem Gewitter am 14. fand in der Nähe eine verheerende Windhose und ein Wolkenbruch Stalt. 7) Wien. Am 21. Morgens ungewöhnlich dichter und tiefziehender Höhennehel. Die ungewöhnlich warmen Tage in den letzten Tagen des Monats erreichten diesseits der Alpen fast durchwegs am 31. den höchsten Grad, während die Orte jenseits der Alpen in Italien und Dalmatien das Maximum der Wärme schon früher (am 27.) hatten, wodurch die Verbreitung der Wärme von #inem gewissen Puncte (Pol) nach verschiedenen Richtungen wahrscheinlich wird. 8) Klagenfurt. Am 9. Abends stürmisch a. N. mit etwas Schnee, am 10. und 11. starker Reif; der Schnee liegt bis 2200' herab. 9) Czaslau. Vom 18. bis 20. häufige Regen und Überschwemmungen. 10) Neusohl. Um den 7. d. M. fiel auf dem Liptauer Gebirge neuer Schnee, der ers! zu Ende des Monats ganz aufgelöst wurde. : 1) Lienz. Am 9. fiel Schnee bis auf 3700' herab, am 10. nach Aufheiterung starker Reif im Thale. Das Gewitter am 31. kam hier um 5" Abends zuerst mit Hagel zum Aushruche, um &% folgle ein „weites und um 9b ein drittes gegen das Möllthal zu. (Vergl. Gastein.) +) In Neusohl beobachtet Herr Professor W. Zenger. Die Vegetations-Beobachtungen werden von Herrn Dr. Varecka ausgeführt. Neusohl liext unterm 4804417" nördl. Breite und 3604850” östl. Länge. Sitzb. d. mathem.-naturw. Ol. XVII. Bd. I. Heft. Dunst- |Nieder- druck | schlag |schender Anmerkungen. Herr- n Wind U. | Par.Lin. | Par. Lin. 0| 3"28 | 51"90| W. Am5 12.16.29. ferne Gew., am 25.27.Wetterl., am 8. 10.14. 2 — 39:65| SW. | Am5.6.16.Gew., 21.Reif, am 9. Sturm a.NNW. [21.Reif. — 3405| NW. | Am 17. Gewitter a. W. 2 — 29:03) W. | Am 14.22. 31. Ab. Gewitter, am 22. stürmisch. 9° — 77:36) NW. | Am5. u. 27. Gewitter, am 27. mit starkem Hagel. I SERSIN ;S. Am 5. um 8" Ab. heftiges Gewitter. I — 36:77 S. Am 29. 31. Gewitter. [10. Reif. \ en 42:37| SW. | Am5. 12.14. 22. 28. Gew., am 22. mit starkem Hagel, am 3 = 36°20| sw. xo.|*Am 19-6 332”13, am 12.14.17. 22.28. 29. 31. Gewitter. >8| 3:19 | 63:10) SW. | Am 31. Gewitter mit Hagel. , = 7046| W. | Am 15. 23. 28. 31. Gewitter, am 15. stark. 1) 2:67 | 18:00) W. )3| 2:92 | 27:70| SW. Inoch Reif, am 22. Wetterl. 381 3:73 | 2547| W. |*Am 25-3 325”91, am. 12. 16. 28. 31. Gewitter, am 21. | —_ 16-58| w a 5.11.12.22.23. Gew., dann v. 31. auf 1. Nachts, am 10. ! Frost und Eis. [SO., am 23. a. SW. — 1486| SO. Am 5.11. 12. 14. 23. 25. 27.28. Gew., am 5. mit Sturm a. 15| 3:09 108°97| SW. |*Bei Schneefall am 20. Gewitter, am 12. 14.17. 18. kleiner - — [Hagel. 24\| 3-33 | 2511| SW. Am 18. Sturm a. NO., am 22. Ab. Wetterl., am 2. 3.10.Reif. 301 2:86 | 33:49] SW — 15-55) SW. | Am9. u. 13. Regen mit Schnee, am 31. Gew. mit Hagel, am 3 — — — Am 31. starker Hagel mit Gewitter. [14. Weiterl. im S. 1022. |2[$Am 1. u. 46. noch 0°, am 15—1°, Schnee am 9.13.14.15. \ 16, am31. Gew. mit Sturm, am 9. 18. 19. stürmisch. GA — 60-56] NW. |*Am 31°6 nur +64, am 31. Gew. mit Hagel u. Sturm a. — — | N. |*Am 27. +10, am 1. A. 12. Schneefälle. INW. | 60 99 2? Am 5. 11. 31. Stürme, am 31. Gewitter mit Hagel. schlug der Blitz ohne zu zünden ein. In den kalten Tagen um den 9. waren die Vorberge frisch h dem letzten Reife am 21. begann eine höhere Temperatur vorzuherrschen. Alle Gewitter waren m 19. und 27. wurden (im Cirrus) grosse Sonnenhöfe beobachtet. llerfluss oft und anhaltend aus. Die Anwohner der nördlichen Gebirgskoppen haben den Anbau yerzeugt und den Schnee noch 4 Ellen tief auf den Feldern und in einer Gebirgsschlucht sogar bis )00 Fuss hohe Wetterwand zum ersten Male ganz rein sichtbar, am 22. häufige Lawinen im Nass- he in Folge Schneethauens stark angeschwollen. Am 31.61 30' Gewitter mit erbsengrossem Hagel, sgrossem Hagel und Gussregen, worauf grosses Anschwellen der Ache erfolgte. ı 8h Ab. heftiger Sturm aus NW.; so ein stürmisches Wetter ist in den letzten sieben Jahren auf 'aximum —- 11%, Morgens 7% waren 6°, 2 Abends -+ 7°. ıauer (Hagel?) bis 75h Abends; die Temperatur war während des Tages zwischen + 1° und 2-6". ngen. 'en Monaten. 01| 2-46 | 12-29] NW. | Stürme am 22. a. NO.,spätera. SW..am 25.a.W., am 28.a.N. 16| 2-10 | 83:35] W. | Am 17. + 11°2. 00) — 4459| W. Beoba Anmerkungen. LU PRESSE ER PARSE 1ENBEBISE N RNBBRNENNE REDEN N ANANERRER LESE MEERE. Curzola m 20. starker Hagel. [8. Donner allein. Ragusa m 4. 5. 7. 18. 20. 21. Blitze, am 4. u. 5. mit Donner, am Szegediim 17. Nachts Sturm aus N. Am 19. heftiger Sturm. Valona i Debreezim 13. 19. Gewitter. Semlin m 8. 19. 20. 30. Gewitter. Udine . m 8. u. 13. Gewitter. Fünfkirdn 11. 18. Gewitter, 6. Blitze, 18. 24. 26. Stürme. Gran . m 4. 19. 21. Gewitter. [Donner. Venedigm 1. 8. 10. 12. 20. 22. 23. 25. u, am 3. 8. 12. mit Parma ®n 2. 8. 9.11.12. 13. 22. 23. 24. 23. 30. Blitze, *Die Pressbum 4. 21. fewitter. [m. Feuchtigkeit ist 76 Proc. Lemberin 1. 2. 11. 14. 20. 22. Gewitter. Czernown 1. 12. 17. 18. Gewitter, am 12. Hagel, am 20. Blitze. Tirnau®n 20. 21. 25. Gewitter. Am 25. Sturm. Olmütz m 4. 14. 19. Gewitter. Triest n 8. u. 24. Gewitter. Mailandn 2. Ab. Gewitter. [25. u. 26. Sturm a. NW. Brünn n 1.4.10. 11.14. Gewitter, am 5. 9. 14. Ab. Blitze, am Hermanm 12.18. 20. ‚Gewitter, a. 12.mit Hagel, a.19. Sturm a. S. Meran ®]m 30.+23°8. Am 8. Gewitter mit Hagel. Jaslo . n 4. 10. 12. 14. 19. 24. Gewitter, am 20. Ab. Wetterl. Rzeszowm 4. 14. 19. Gewitter, am &. mit Sturm a. NW. Nenn 12.2.024..22..29: Gewitter, 9. 10. 13. Wetterleuchten. Kronstah 11. 18. 20. 25. Gewitter, 6. 11. 20. Wetterl. am 18. -Jolsvan 19. starkes Gewitter. [30. Hagel. Cilli 8) |ch am 9. 12.13. über + 22°6. Am 3. u. 6. Gewitter. Krakau 11.4.10.12.13.14.19. 21. @ewitt., am 16. heis. Wind a.S. Laibachyn 2. Ab. starkes Gew. mit Hagel. [16. Stürme a. S W. Zavalje n 4. 5. 6. 18. 21. Gewitter, am 8. u. 9. Blitze, am 15. Korneuhı 1. a 9. 10.14.19. 21. Gew., 20. Sturm a. W. Prag . 19.13. 14. 15. Gewitter, am 13. 13. mit Hagel, am 11. Lets 4.410. 14. 22. Gewitter. [Wetterl. Leutschh 10. 11. 12. 13. 18. 19. 20. 22. Gewitter, am 10. u. 19. Czaslaun 1.2. 13. 16. Gewitter. [Hagel, a. 25. Sturm a..N. Klagenfh 7. Wetterleuchten im S., am 15. Ab. Sturm a. SW. Naklebel Kesmarh 16. heft. Sturm, am 19. Ab. starkes Gewitter. 1) Ciltend sich gestaltete wie in höheren Breiten, gleiches gilt F Pıhme (Wettersturz) vom 1.—2., dann vom 15. bis 22.; am ı Mercur und Venus, letztere bei Tage mit unbewafinetem 6) Nitter. 7) des Observatoriums (Vorstadt Wieden) wurden mehrere 8) drage vertheilt und oft nur um Zehntheile eines Grades 9) Iesek,, schlug der Blitz 3mal, jedoch ohne zu zünden, ein, + Die Br Si Mittlere c Sr Mittlerer n onlioatangsandn Mem- Maximum Minimum Luft- Maximum Minimum Dunst- |Nieder- Here peratur r = druck. druck | schlag | schender Anmerkungen Reaumur Temp. Tag | Temp. |Par.Lin.| Tag | Luftdr. Tag Luftdr.| Par.Lin. | Par. Lin. Wind Dr Kremsmünster). +9°269 |31:6 | +24°1 14-2 ° "o3| 7: ag" Ä w " m DARK: en )- ae aka ii Es u N De 18 a3 Be a Am35 12.16.29. ferne Gew., am 25.27.Wetterl., am 8.10.14, Oderberg. . . . . | +9-64 |30-6 |+20-6 20-6 |+ 7-3| — |. Sie Am 5.6.16.Gew., 21.Reif, am9. Sturm a.NNW. [21.Reif, Pilsen... ...... | +9:02 31-6 [421-0] 3-3 |+ 4-9/323-33)19 3 |326:07| 16:3 310722] — | 29.08] w. | am az aewikter a W. ärmi Schemnitz 4.9258. 131.62 [3 2053121°3; | + 2r2)313-011la5-3 315.67] 16-2) arme) mrcscl mw. | Ans er dena lter, um D2. Stürmiseh, Kesmarkh .. | +9-430131:6 |+21-8| 3-3 |+ 1-81312-06125-3 |314-96| 13-9 [309-351 —_ leere . md.u. 27. Gewitter, am 27. mit starkem Hagel. Bregenz 0 0 0. | 39222131461 19:0l47°9. |. 2.91920-03| 7-4 s2eeral ano laser = Den si Am 5. um 8 Ab. heftiges Gewitter. Schössl2) . . . . | +9-15 131-6 |+21-2140-3 |+ 1-4|323-22|19-3 |326-B1| 16-3 1319-338 —_ | 28.37 sw. | 129.31 Gewitter. : Rat Bodenbach . . . . | 19-13 |31-6 |+22-5| 7-3 |+ 0-6[330-31\25-3° 332-153 16- |326-39| —_ 36:20 nes nn ee 22. 28. Gew., am 22. mit starkem Hagel, am Tröpelach +9-11 |26: |4+419-010:3 |4 4:0[313-47|25-3 |315-84| 16-6 .1369-88| 3-19 | 63.101 SW. | Am a1, Genitte ne 14.17. 22.28. 29.31. Gewitter. Trautenau +9:00 | 31:3. |+16°0|) 9-4 |+ 2-2/319-42|25-5 1322-96) 16-5 |315:26| — 70-46| W. An 15. aaner a ” Althofen . ... » . | +8:99 [31:6 |+20-440-3 |+ 1-0|308-00125-3 |310-47| 16-3 [308-351] 2.07 | d8-00| w 31. Gewitter, um 15. stark. Öbervellach. . . . | +8:67 127-6 |+20-6|10-3 |+ 0:21311:40125-3 |314-16! 16-6 |307-93| 2:92 | 27:70| sw. [noch Reif, am 22. Wetterl Pureliz )- +8:63 |31:6 |+21-3 3 + 0:4|322:57|19-3° \326-46| 16-3 1318-28] 3:73 | 25:47) W. |"Am 25-3 325”91, am 5. 12. 16. 28. 31. Gewitter, am 21. Reichenau) . . 18-49 131-6 |+18-0| 3:3 0:0) — 125-3 |314-93| 16- |so1 77 — 16:55) W. a ns ne Gew., dann v. 31. auf1. Nachts, am10. Deutschbrod . . . | +8:39 [31-6 |+20-6| 2:3 |+ 0-2 Aanee| 50% | Ansı LIND IE 23vas amnal RS St. Magdalena®). . | +8:21 |31:6 |+19-0| 9-9°|+ 0-11304:06 22-3 |306-50) 16- 1300-15] 3:09 |108:97| sw. |»Rei Schneefall am 20. Gewitter, auıa. 14 Im 10 Ka Weissbriach. . « . | +8-14 [31-6 |+18-8110-3 | 0:0 Be =R 3 I 06), ., 18: 31: A . . AL R “1 BP . oo ‚9n| 2. 9% = [Hagel. a 2; Ba abs ie + 1) 319.19 25:3 192221] 16-3 [315°24| 3-33 | 25-11] SW. | Am 18. Sturm a. NO., am22. Ab. Wetterl., am2.3.10.Reif. St. Jakob (Gurk) +7:95 131-6 |+18°0|) 9:9 | + 0.8) — —_ —_ — — = ea Rp St. Jakob. . . - . | +7:84 |31:6 |+14°7\10:3 + 2:0/300-33 [23-3 |302-38| 16-6 |296:80| 2-86 | 33:49| SW. Saifnitz . . ....)+759| — +18-6/10:3 |+ 1:0 = - Bad Gastein‘). . . | -#7:32 27:6 |+18:6|10-4 |+ 2:8/296-35|18-8 |298°89| 16-6 1292-95) — 15-55] SW Am 9. u. 13. Regen mit Schnee, am 31. Gew. mit Hagel. am Ne Ken ns 12 3r a al U 26-3 1289-91 | 16-6 1283-55) — — — Am 31. starker Hagel mit Gewitter. 11%. Wetterlins. Mallnitz +5:68 27:6 |+18:0/10:3 |+ 0:5 — er ir Alkus +3-6% |97:6* | +16-5 10-3 |+ 3-8 Bi Ar 3 a (Am 11. u. 16. noch 0°, am 15—1°, Schnee am 9.13.14.15. * las 0e a \ 16, am 31. Gew. mit Sturm, am 9. 18. 19. stürmisch. Plan®).. "DS +4:63 27-6° | +13°4 10-3 | + 2:0 276-17|22-9 |279-27| 16-3 127164 — 60-56| NW. |” Am 31:6 nur +6°4, am 31. Gew. mit Hagel u. Sturm a. Stilfserjoch ?) B +1:65 | 35:5 | +41-0/10-3 |+ 6:0) — ii = R | N. |*Am 27. +10, am 1. &. 12. Schneefälle. [INW. St. Maria 10) —1:50 127-6 |+ 5.0] 18:3 |-+ 70247-261259 |250-35| 16:3 1243-19) — 60 99 2 Am 5. 11. 31. Stürme, am 31. Gewitter mit Hagel. 1) Kremsmünster. Bei dem Gewitter am 12. um 2145’ Abends fiel bei Wels beschneit. 2) Schössl. In dieser Gegend dauerte die kalte rauhe Witterung bis 21. 3) Pürglitz. Auch hier, besonders am 2. 3. 14. kalte Witterung, an diesen Tagen auch Fröste. Erst nach dem letzten Reife am 21. begann eine höhere Temperatur vorzuherrschen. Alle Gewitter waren zwischen 1" und 8" Abends, nur das Gewitter am 27. war um 1145‘ Morgens, 4) Reichenau. Bis 21. stieg die Temperatur nicht über + 12 und fiel noch einige Male auf 0. 5) St. Magdalena. Am 17. war der Hagel besonders dicht, so dass der Boden davon bed«ckt wurde, Am 19. und 27. wurden (im Cirrus) grosse Sonnenhöfe beobachtet. 6) Senftenberg. In Folge des Schmelzens der bedentenden Schneemassen im Riesengebirge trat der Adlerfluss oft und anhaltend aus. Die Anwohner der nördlichen Gebirgskoppen haben den Anbau ihrer Felder des noch (am 20.) liegenden Schnees wegen aufgegeben. Eine Commission hat sich hievon überzeugt und den Schnee noch 4 Ellen tief auf den Feldern und in einer Gebirgsschlucht sogar bis 18 Ellen tief gefunden. 7) Gastein. Am 9. und 13. reichte der neu gefallene Schnee ganz an den Bergen herab, am 20. war die 9000 Fuss hohe Wetterwand zum ersten Male ganz rein sichtbar, am 22. häufige Lawinen im Nass- felde, am 24. war der Schnee his 6000/ auf der Westseite, am 29. bis 7800° angegriffen, am 27. sind die Bäche in Folge Schneelhauens stark angeschwollen. Am 31. bl 30' Gewitter mit erbsengrossem Hagel, bis 2 Morgens waren 4 Gewitter, das letzte war das stärkste, von ungewöhnlicher Intensität mit haselnussgrossem Hagel und Gussregen, worauf grosses Anschwellen der Ache erfolgte. 8) Plan. Am 31, 12: Mittags das erste Gewitter, um 1%, das zweite, um 3\ das dritte, beide mit Hagel, um 8\ Ab. heftiger Sturm aus NW.; so ein stürmisches Wetter ist in den letzten sieben Jahren auf dieser Höhe nicht beobachtet worden. a 9) Stilfserjoch. Am 31., dem Gewittertage, erreichte in dieser Höhe die Temperatur erst Abends das Maximum -+ 11%, Morgens 7" waren + 60, 2 Abends +70. £ a A 10) St. Maria. Am 31. war auch hier Mittags und Nachmittags Gewitter mit Sturm, Regen, Schnee und Schauer (Hagel?) bis 7/sh Abends; die Temperatur war während des Tages zwischen + 10 und 2’6). und Linz Hagel; in Wels schlug der Blitz ohne zu zünden ein. In den kalten Tagen um den 9. waren die Vorberge frisch Magnetische Störungen. 15. 28. Nachträge zu den früheren Monaten. Admont, März . . | +1:90 125-6 |+ 9-2|12:3 |--10-7|508-68|31:3 313-93| 22:9 30201] 2:46 | 12:29] NW. | Stürme am 22, a. NO, spätera. SW..am 25:a.W., am 2B.a.N- Alt-Aussee. April 2 | -+2:79 |14°6 +41:8123-8 |— 3:81300-84|16°6 1504-98] 10:6 [294716 2-10 | 83:35| W. Am 17. + 1192. Markt Aussee . 3:61 120-6 | +16:0|23-8 |— 2-0|311:76|16°6 |315°99]| 10-3 305.00] — 44.59 W. Übersicht der Witterung in Österreich im Juni 1855. Entworfen von A. U. Burkhardt, Assistenten an der k. k. Central-Anstalt. ler > Maximum Minimum | Mittlerer| Maximum Minimum | Dunst- |Nieder- nz Luft- Herr- Beobachtungsort. er En druck | schlag |schender A Reaumur | Tag | Temp. | Tag Ban in Tag | Luftdr.| Tag | Luftdr. | Par. Lin.| Par. Lin, nmerkungen. Curzolat).. ....... |+18°89| 3-6 |+24°3| 24-3 | 1125| — et nl Ir nase Ragusa » . . 2. |+18-83| 18-6 | +22-0| 26:3 |+13-61338”50| 22-6 [387°85| 28-3 [as2tos| 2-96 a0-eo| SE lan Aal [8. Donner allein, Szegedin Be +18-31| 16:6 | +27:0| 26:3 |+ 7-6|334-41| 28-9 1336-54) 19-6 |331-89| — 50-10 N. Al et am A. u. 5, mit Donner, am Valona in Albanien . |+18-11| 18-6 | +26-4| 26-9 | +13-3 6:01 | 16-39) W. ; urm aus N. Am 19. heftiger Sturm. Debreezin . ... . . |+18:40| 16-6 | +-26:6| 26:9 | + 9-6)332-92| 10-3 |335-05| 25-3 [329-801 — | 30-34 N. [An13. 19, Gewitt Semlin ... ..» ... |+418:08| 16:6 | +a002| 28-3 | + 7.0 | = | —_ | | 22 | 7.001 SO. [Ame.ı9,20.80 Es ht Udine. © 2.2... |H1277| 8-6 |+423-0| 18-9 | 412-6 zer Se] Sale ee Fünfkirchen®) . . . \+17-74| 15-6 | +26-1| 25:9 | +10-3|331-42| 10-3 1333-79] 24:6 |a28-71| — | 22-54] % lAmti. 18. Gewitter 6. Blitze 18.24.06. st5 Gran. 2.2.0. #172 08 |+27-0| 25-3 + 9,5) — — [82:80] &, Ama 20 a Gewitten s Suärmeı Venedig. - . . . . |+17-10| 8-5 | +23-8| 19:9 | +10-6|337:17| 29-3 |339-64| 20-3 |334-02| 5:9 | 38:04) SSO. |Am 1. 8. 10. 12, 20, 22, 29.23 Biitzeerant (Donner. Parma®) . ......|+17-07| 8 |+28-3/20- |+ 9-0|333-77|27- |336-47| 20- 1330-69) —» | 35:38] W. |Am2.8.0. 11,12, 18.000090 Da ano um 88. 12, mit Pressburg . . . . » |+16-63| 14:6 |4+24:3| 25-9 | + 9-0/331-75| 10-3 |335-24| 19-3 1328-201 — | 2-822| ©; lAma.21. Gewitter Tu kenne Blitze. “Die Lemberg . » . . . |+46:52| 16-6 | +26-6| 26:3 | + 7-2]326:60| 10-3 1328-78] 24-6 [323-09| 5-24 | 37-14] 3%: lAm1.2. 11.14, 20:22, Gewitter tigkeit ist 76 Proc, Czernowitz®) . . . |+16:50| 18-6 | 425-8 26-9 |+ 8-81327-42| 10-3 329-69| 24:6 [323-39| — | 62:55] NW. |Aml. 12.47. 18. Gewitter an 12. Hagel. am 20. Bl Timaus) „0. |+16-32| 14-6 |+24-8| 25:4 | + 9-41331-78| 10-4 |334-18| 24-6 1329-40, 6:40 | 16:58) N. [Am 20.21.25. Gewitter Amps. anne» 1m 20: Blitze, Olmätz . . . 0... |+16-29| 9-6|+25-6| 23 |+ 8-41329-48| 28-3 [332-22| 16-6 1325-401 — | — | sw. |Am4.14.19, Gewitter, en Triest 2.2.2... |+16:26| 9-6 |+24-6| 23-3 |+12-3)336:82| 28-3 |339-56| 20-3 1332-00) — | 64-50| SSO. |Ans.u. 24. Gewitter Mailand... .... |+16-45| 8 |+25-1119- |+ 8:01331-34| 28-0 |334-76| 16:6 |327-79| 5-03 | 56-73] SW. |Am2. Ab, Gewitter [25. u. 26. St NW Brünn 2.2... |#15-98| 9: |+24:0| 25: |+ 6:0/329-47| 28-3 |332-46| 16-6 |324-72| 4-97 | 20-301 N. |Ami.a. 10, 11.14. Gewitter am 8, 9, 1A. Al Blitz: \ Hermannstadt . . . | +15-85| 16-6 | 4273| 3 | + 7°21321:34| 10-3 [323-81| 33 |317-16| 4:57 | 47-25) NW. |Am12.18.20. Gewitter, a. 12. mitHagel, a.19. Stunma.S- Meran®) . 2... |+18-83| 13:6*| +24-0| 48-3 | +10-4[325-32| 27-3 |328-26| 16:6 1321°64| — | 48-92] mw. |*Am30.423°8. Am 8. Gewitter nt Hagel nd. S. Jaslo . ........... |415-69| 3-6 |+26-2| 26-3 | + 8-01328:72| 28-6 1331-01| 24-6 |325-50| 6:09 | 29-80! SO. |AmA. 10. 12. 14. 19, 24, Gewitter, am 20. Ab. Wetter] Rzeszow. 2 0... |+18-66| 16:6 | +24-9| 28-9 |+ 6-2)329-65| 11-6 [8333-80] 17:6 |323-82| 5-42 | 20-60|WNW. |Am4. 14. 19. Gewitter, am 4 mit Stumm u. my ol Wien?) . . ....... |+18:26| 14° |+26:9|25: |+ 7-5|330-01| 28-4 1333-43] 16:2 |325-31| 4-82 | 45-59| 90. Am. 4.21.22. 29. Gewitter, 9. 10. 18. Wetterleucht Kronstadt . . . . . |+18:24| 17:5 |+28-1| &, |+ 8-8[815-57| 10° [317.94] 20-25 [311-17| — | 75:43) "Amt. 18.20. 25. Gewitter, 6. 41. 20. Wette] nenn: Holsva. 000. (1828| 28 |+2802127.3 14 6:0) a) W. |Am 19, starkes Gewitter, [30. Hagel. GN)... . |+18:20| 16:6° 423-3] 26-3 + 8-0[328-35| 28-3 |331-51| 20-3 [325-68| 5-49 | 32-591 SW. |Auch am 9. 12, 13, über + 22°6. Am 3, u. 6. Gwittee Krakau. 0.2.00. |+15-48| 3 [426-4] 28- |+ 7-11329-63| 28-5 |332-51| 16-7 |325-62! 5-31 | 72-19) 80 |Amt.4.10.12.13.14.19.21.Gewitt, an16.heis Wink S Laibach. . ..... . |+18-13| 12:6 |-22-1| 20° |+ 8-3/326:25| 29-3 |328-73| 20-3 [322-57| 5-06 |132-72! NW. |Am2. Ab. sturkos Gew. mit Hagel. " [16. Stürme u SW. Zavalje . © 2... |+14:94| 16:6 |+24-6| 26-3 |+ 8-8!321-82| 27-3 1323-75 20- [318-142 — | — | mw. [Am4.5.6.18. 21. Gewitter, am 8. u. 9, Blitze am IK Korneuburg . . . . \+14-67| 16:6 \+23-1| 2 |+ 8-5 4148| N. |Aml. 4.9. 10. 14.19, 21. Gew., 20. Sturm a. W. s Prag. 02.00. . |+14:02| 3: |+24-3|25- |+ 7-01329-40] 28: 1332-08] 16- |324-86) 4-87 | 33-291WSW. |Am0.13. 14. 15. Gewitter, um 13. 15. mit Hagel, am t1. Oderberge .. ... |+44-54| 1-6 | +26-4| 28-3 |-+ 6-3 30:79| SW. | Am4.10. 14. 22. Gewitter, [Wetterl. Leutschau®) . . . . |+14'40| 3-6 | +23-8| 25:9 |+ 6-8/325.56) 11-9 |327-76| 24-6 1322-47) — 47:09) So. |Am410.11. 12. 13. 18. 19. 20. 22. Gewitter, am 10, u. 19 Caaslau.. 2.2.2... |+#14:26| 9-6 | +28-6| 25-3 |4 7:0)327:34| 28-3 |330-90| 16-6 |322-93| 4-66 | 29-47| © |Amt.2. 13. 16. Gewitter. [Hagel,a. 25. Sturma. N. Klagenfurt. . . . . |+44-24| 1- |+26-9|26- |-+ 3-81320-40| 28- 1323:04|16- 1317-413, 5-16 | 39-87| SW. |Am7. Wetterleuchten im S., am 13. Ab. Sturm a. SW. Adelsberg . . . . . |+14:14| 12-6 | +24:4| 19-9 |+ 7-0 1316-66] 28-3 \318-99| 20-3 1313-29) — Be Kesmark . 2... |+14:09| 3-6 | +24-6| 25-9 |-+ 6-6 314-85| 11-3 1316-06 | 24-6 310-501 — | 29-92] N. |Am6. heft. Sturm, am 19, Ab. starkes Gewitter. 1) Curzola. Am 19. erfolgte hier erst eine bedeutende Wärmeabnahme (Wettersturz) bei WNW. Wind, welche aber nicht so anhallend sich gestaltete wie in höheren Breiten, gleiches gilt von Ragusa, Szegedin, Valona. 2) Fünfkirchen. Bei dem Gewittersturm a. SO. am 18. Ab. fiel in der Nähe starker Hagel. 3) Parma. Am 12. Morg. Erdbeben, vom 1.—2. und 3., dann am 8. stürmisch, am 19. und 20. Hagel. Starke Wärmeabnahme (Wettersturz) vom 1.—2., dann vom 15. bis 22,; aın 11. Magnetische Störung. Grosse Reinheit der Luft (Sichtbarkeit der Alpen) am 5. 20. 26., auch am %. waren die Planeten Mereur und Venus, letztere bei Tage mit unbewaflnetem Auge sichtbar. 4) Czernowitz. In dem nahen Dorfe Horecza wurden am 6. die Wanderheuschrecken bemerkt. 5) Tirnau. Wetterleuchten (Blitze) wurde beobachtet am 3. 4. 5. 6. 9. 10, 11. 12. 13. 14. 15. 20. 30. 6) Meran. Vom 2. auf den 3. regnete es 27" 26, die ausgetretenen Wildbäche richteten grossen Schaden an, am 9. Ah. heftiges Gewitter. 7) Wien. Am 10, von 2" 8° — 3% 07 20" 45 Niederschlag während eines Gewitters und wolkenbruchartigen Gussregens, im Bereiche des Observatoriums (Vorstadt Wieden) wurden mehrere Erdgeschosse der Häuser unter Wasser gesetzt. 8) Cilli. Hier wie an den meisten Stationen waren die Temperatur-Maxima in der ersten Hälfte des Monats auf mehrere Tage vertheilt und oft nur um Zebntheile eines Grades verschieden. 9) Leutschau. Das Gewitter am 19. um 3" 15/ Ab. war das heftigste; in der Nähe der Wohnung des Herrn Beobachters, Dr. Hlavacsek, schlug der Blitz 3mal, jedoch ohne zu zünden, ein, Der Sturm am 25. Morgens aus Nord war sehr stark. Die Beobachtungen in Jolsva hören wegen Ableben des Herrn Beobachters, Predigers Dr. Ferientsik, auf. Sitzb. d. mathem.-naturw. Cl. XVII. Bd. Il. Hit. der- Herr- ılag | schender Anm FR sen. > | Wind Inge . Lin. "41! NW. |Am 4. 10. 12. 13. 19. Gewitier, am 19. mit Hagel. -18| SW. |Am 2. Gewitter mit Hagel. -72| NW. |Am 1.10. 16. Gewitter, v. 19.—20. grosser Sturm a. NNO. "2535| W. |Am1.Morg.,9.10.12.13.14. Gew., a.7.9.11.15. Ab. Wetterl. -60/| %. |Am 12.13. 15. Gewitter, am 8. Blitze, am 3. stürmisch. 051 NW. |Am 9. 12. 14. Gewitter. -13| NW. |Am 1.3.9. 12. 14. Gew., 13. Ab. Blitze, 20. 24. stürm. 1-68) W. |Am 1.9.14. 15. Gewitter, am 1. mit Hagel, am 13. Blitze, -44| S. |Am 3.u. 11. Gewitter. [am 3. Sturm a. SW. 44! NW. |Am 8. 9. 13. Gew., 1. 24. Wetterl., 18. 19. 20. 25. Sturm) — | WSW. | Am 1. 8. 9. Gew., am 15. stürm.aus S. [im Hochgebirge. 65! NW. |Am 1.9. 10. 14. 16. Gewitter. )-60| NW. 04| W. |Am 13. 15. Stürme. 361 NO. |Am 12. Ab. Wetterleuchten, am 13. u. 17. Morg. Gewitter. SO cn '.70| ©. |Am 16. starkes Gewitter mit Hagel u. Sturm a. SW. 04 NO. | Am1.2.10.12 13.14. Gew.,a. 9. Weiterl., a. 19. Sturm a. NO. -87| °%%. |Am 4.9. 10. 11. 12. Gew., 14. Wetterleuchten. 56! 0. -50| SO. S. |Am 8.9. 12. 13. 25. Gewitter, am 8. mit Hagel. 8381| NO. |Am1.u.8. Gew., am 25. Schneegestöb., am 26. Sturm a. N. 2 — |Am 3. Morg. Gewitter. An Am $. Gewitter m. Sturm a. NW., am 16. Sturm a. NO. -93| — |Am 17. Ab. Gewitter mit Hagel, am 23. Schnee. ‚30 IN. Er os N [am 9. 15. Gew., am 3. Hagel. 611 — |*Am 25. Morg. — 2°5, am 3. 13. 14. 15. 16. Stürme, Honaten. -s£| NW. |*Am 31.—17°1, am 1. Orkan, am 25. stürmisch a. NW. -37| 0. |*Am 17.—20°1, am 15. stürm. a. NW. 00 | ONO. |*Am 23.+3°7, a. 11. v.5’—7"M. Gew. m. Regen u. Schnee bei Sturm a. NO., am 23. Ab. w. Schnee. 97. bedeutende Wärmeabnahme mit Schneefall in den Hoch- und Vorbergen 8. und 10. geschah dies wiederholt im grösseren Masstabe, so dass (am 10.) nahezu die Gesammtmenge (139"93) des ganzen Monats. Zu Ende dieses er ersten Hälfte des Juni zu geschehen pflegt. Der Gletscher (Oetschthaler welehe auf die Besehirmung der Thermometer zur Zeit der Beobachtung AL, Sr], WEL uw SOSETUDSADPOIN SOp Ua 9SS018 ap WUupTazag Ualyez uapuayajs Ss] y99I IDUEy me arı — Biol +13-53| 3-6 |+22- Bregenz. . . . . . |»r13-50| 13-6 | +23- 16-4 \318-:66| — /107-44| S. |Am3.u. 11. Gewitter. [am 3. Sturm a. SW. Lienz. ...... |+#13-19] 8-6 |-+21- =» 1309-20| 4:44 | 56-14) NW. |Am 8. 9. 13. Gew., 1.24. Wetterl., 18.19. 20. 25. Sturm re Maximum Minimum erg Maximum Minimum Dunst- |Nieder-| perr- Beobachtungsort. Borat druck. SE ER | Kara Anmerkungen, Reannur Tag Temp. Tag | Temp. [Par. Lin.| Tag | Luftdr.| Tag | Luftdr. | Par, Lin. | Par. Lin, Y Schemnitz = 2. I 414204] 3-6 | zer°glag-8 314”83| 10-3 |317"22| 24-6 1312”04| — | 57”41| NW. |Am 4. 10. 12. 13. 19. Gewitter, am 19. mit Hagel. St. Paul... .. ... |+13:99| 8-6 | +22-4|26-3 321-14| 28° 1323.91) 16° 1318-01) 4°84 | 56-18) SW. Am 2. Gewitter mit Hagel. Trautenau. » 2... + 13:89 3:5 |+23:4125 4 _ — — ee — 39:72 NW. Am 1.10. 16. Gewitter, v. 19.—20. grosser Sturm a. NNO. Kremsmünster 1) . . [+13:59| 14-6 | +23-3|18-2 -3 16-5 |318-87| 4-40 52:25 W. |Am1. Morg.,9.10.12.13.14. Gew.. a.7.9.11.15. Ab. Wetterl. Bilsens 4.20. 2. (6 13:59 12-6 | -+22-8|28-3 3: 16-3 321 301 — 51:60 Yo. Am 12.13. 15. Gewitter, am 8. Blitze, am 3. stürmisch. Bodenbach. . . . . |-++13°57| 13:6 | +23-8|23-3 3 16-6 |1327:79| — 26-05) NW. |Am 9. 12. 14. Gewitter, Schössl®) ... . . . |+13:57) 13-6 | +22-6|125-3 -9 16* > 321 ‚10 Fe 23-13) NW. |Am 1. 3.9.12. 14. Gew., 13. Ab. Blitze, 20. 24. stürm. 25°3 ir : 16-5 1320-05) 5-26 | 2968| W. |Am 1.9.14. 15. Gewitter, am 1. mit Hagel, am 13. Blitze, ale 318 Wilten®) ..... [+13:04| 7.6 | +23- 16-3 |310-63 — | WSW. |Am 1. 8. 9. Gew., am 15. stürm.aus S [im Hochgebirge. Deutschbrod . . . . |+12:92| 13:6 | +21 34-65| NW. |Am 1.9. 10. 14. 16. Gewitter. PrReoon iv S = + 6° + 8-3 eh + 6-1|32 + 7'2|8 + 6-3|3 + 63132 + 7.4 |& + 5013 Fr 6:0: + 60 + Althofen . » » . . | +12-91| 8-6 | +21-4126 Ir 6-81 312-81| 16- |307:31| 4:06 | 39:60) NW Innsbruck © ©... |+12:80| 8:6 |+24-9| ma | 3-41: 319-35| 16-3 |312-45| — | 30:04| W. |Am 43. 15. Stürme. St. Magdalena . . . |+12:69| 2-6 | +19-7119-3 |+ 721: 308.16) 20-3 1302.67| 4:27 | 58°36| NO. |Am 12. Ab. Wetterleuchten, am 13. u. 17. More. Gewitter Saifnitz.. . . . . . |+12:59| 8: |+20-7|25- TE — == - — — 72-.04| — \ = N Tröpelach. ©... . | +12:39| 7:6 |+21-1/26- |+ 7-21314-94| 28: [317-348] 16: [311-25| 4-56 | 97:70| 0. |Am 16. starkes Gewitter mit Hagel u. Sturm a. SW. Senftenberg) . . . |+12°44| 3: |+21:3)18: + 4:0,321:22| 28:5 132435 | 16-7 |316°35| 4:72 | 31-04) NO. | Am1.2.10.12 13.14. Gew.,a.9. Wetterl., a. 19. Sturm a.NO. Reichenau, . . » „| +12-20| 14-6 | +20-0|25-3 | + 6-0|314°76| 28:3 1318-17| 16-6 1309-76) — | 21-87) %,. |Am 4.9. 10. 11. 12. Gew., 14. Wetterleuchten. St. Jakob (bei Gurk). |+12:01|) 8: |+19-0/19 +61 — —_ _ = — — &- > 2 Obervellach . |) +11:93| 9-6 | +20-4126- + 7:3[312°65| 28: |315°29) 16: |309:64| 4-14 | 61:56) O0. Steinbüchel . . . . |+411:89| 9-8 | +19-0/20° |+ 6-0 — — Am er St. Jakob... . . | +11:84| 8-9 |+17-0/24- |+ 7:7302:35| 28- |304-68| 16: |299-41| 4-20 | 75-50| SO. Weissbriach . . . . |+10:74| 8° |+21°:5120- |+ 7:0) — — — —_ _ — 2_ 4 Gastein®) ... .. |+10°44| sa |+21-0/19-6 |+ 2:7|298°46| 27:3 )301°56| 16- |294:86| — 55:60 S. |Am8.9. 12. 13.25. Gewitter, am 8. mit Hagel. Sipboteri ner... +10:29| 7:9 | +17:4|22- |+ 4:01292-00|28- |294:18| 20- |289:29| 3-44 | 78-811 NO. |Am1.u.8. Gew., am 25. Schneegestöb. am 26. Sturm a. N. Malnitz ©... . .. |+10°:05| 9- | +18-0|20 ol) - — — E $: s Obrl 2 2... 0.014 9:86 11- |+23-0|20- 2 elle — = zw Heiligenblut . . ... |+ 9765| 8 |+18-7125- |+ 4-11290-61128- |291-85| 20. 288-101 — | — | — [Am 3. More. Gewitter. Alkus) . .... |+ 9:64) 8-6 |+19-0| 35 |+ 3:0) — =S = == — = — — [Am 8. Gewitter m. Sturm a. NW., am 16. Sturm a. NO Plan?) „2. ...|-+ 8:00) 8 |+18-4119:3 |+ 4:1/278-00| 25:9 |280-46| 16:9 |275-80| — |139-93| — |Am 17. Ab. Gewitter mit Hagel, am 23. Schnee, Luschariberg . + 7751 8: |-++415-2)19- |+ 1:6 N Stilfserjoch - . . . |+ 5:72) 35 |-++13°0/18-3 0:0| — —_ = — — — 72:30 N : Obril ».. 2. (+ 5.34] 12 -+16°0,26° — 1:5 = — F— = = — _ [am 9. 15. Gew., am 3. Hagel. S. Maria®) . . |+ 3:37) 8-6 |-+ 9-3117-9°/— 2:9|249-98| 9-3 25212) 17-3 246-411) — [202-61)| — |*Am 25. Morg. — 2°5, am 3. 13. 14. 15. 16. Stürme, Magnetische Störungen, Am 6., 30. Nachträge und Verbesserungen zu den früheren Monaten. 16° °—17°2]321:16| 7-5 |327°29| 2-3 |312-06] 1-44 | 42-84 | NW. |*Am 31.—17°1, am 1. Orkan, am 25. stürmisch a. NW. 3:3°/—20.3[318-08| 2-9 |323°48| 14-7 1309-19] 1-14 | 28-37 0. |"Am 17.—20°1, am 15. stürm. a. NW. 11:3°| + 3°6|335°09| 17:3 1339-40] 11:3 1328-58] — 16-00 | ONO. |°Am23.+3°7, a. 11. v.5°—7"M. Gew. m. Regen u. Schnee bei Sturm a. NO.,am 23. Ab. w. Schnee. ArAk| 8614 2 5:76) 44. |-+ 5- 0:00| 18-6 | +17: I Senftenberg, Januar. |— Februar | — Triest, April ... [+1 17 Res 1) Kremsmünster, Bei dem Gewitter am 1. Morg, wurde ein schöner Mondregenbogen beobachtet, Vom 15.—27, bedeutende Wärmeabnahme mit Schneefall in den Hoch- und Vorbergen vom 19.—20., und Graupenhagel am 25. 2) Schössl. Bei dem Gewitter am 1. Ab. zwischen 2" — 3" fiel in der Nähe verderblicher Hagel. 3) Wilten. Häufige Regengüsse, besonders am 16. u. 17., daher Ueberschwemmungen. 4) Senftenberg, Bei dem Gewitter am 14. wurden in der Nähe Bäume und Menschen vom Blitze getroffen. 5) Gastein. Durch die vielen Regengüsse Ende Mai häufige Ueberschwemmungen der Wildbäche (siehe Mai). Am 8. und 10. geschah dies wiederholt im grösseren Masstabe, so dass (am 10.) Brücken und Häuser zerstört wurden, 6) Alkus. Auch hier häufige Regengüsse, besonders am 2, 3. 10. 12. 15. 16. 19. 20. 21. 23. 7) Plan. Vom 15. Ab. bis 16. Ab, vegnete es 42°62. Vom 2,— 18. 7" früh betrug der Niederschlag 130”82, nahezu die Gesammtmenge (139"93) des ganzen Monats. Zu Ende dieses Monats (Juni) konnten die höheren Alpen noch nicht bezogen werden, welches in andern Jahren schon in der ersten Hälfte des Juni zu geschehen pilegt, Der Gletscher (Oetschthaler Ferner) hatte über Winter an Umfang und Höhe bedeutend zugenommen, 8) S. Maria, Oft Schnee, besonders vom 17.— 20. Anmerkung: Die hohen Extreme der Temperatur scheinen bei manchen Stationen unter dem Einflusse der Sonne, welche auf die Besehirmung der Thermometer zur Zeit der Beobachtung schien, entstanden zu sein. Dis ee HR Fe Br. le Gang der Wärme und des Luftdruckes im Juni 1855. Die punetirten Linien stellen die Wärme, die ausgezogenen den Luftdruck dar. Die beigeschriebenen Zahlen sind Monatmittel, denen die stärkeren Horizontallinien entsprechen. Ein Netztheil entsprieht bei der Wärme einem Grad Reaumur, beim Luftdrucke’einer Pariser Linie. VEIT HIELTEN LEITET REST NUN LE EZ INH RE RBEEUTRE NZ AN RNT (Ei - 1 | - | 1 | SESgRnza irn [ FERN | Kronstadt 119437 u FF [ 7 [ +11] [1 ai u ji [ T 7 E LL Nr ge = EZ Jadlo STFEFELN ArE ;= L Debreczin SEETE are] SF 1 Y Pürglitz. - | : ; | | 3 Wien I2ETS al | Tirnau Am h SEE = E E Gill Zum KEN, 1@ 4 a TILL 122835 T Klagenfurt 2200 | Wilten | Cbei Innsbruck) 3450 Venedig h 3 i E | IB Ele a Zst ENG 1 Ai lienz Br | Er Y SCH Gnfira) Valona intw vA.U. Burkhardt. Aus d k.k. Hof-w Stastsdruckerei Sitzungsb. d. k. Akad. d. W. malh. naturw. OXVI.Bd. %. Heft. 1855. a A ; | Ko N en DIEr we Gang der Feuchtigkeit und des: Ozongehaltes der Luft im Juni 1855. Die punktirten Linien stellen die Feuchtigkeit, die ausgezogenen den Ozongehalt dar. Die am Rande befindlichen Zahlen sind die Monatmittel der Feuchtigkeit, jene zwischen den Curven die Monatmittel des Ozongehaltes. N Den Monatmitteln entsprechen die stärkeren Horizontallinien. Ein Netztheil beträgt für die Feuchtigkeit 5Procente, für den Ozongehalt einen Theil der Far, benscala, welche- vom völligen Weis bis zum tiefsten Blau zehn Abtheilungen enthält. 20 280.2%: »|.| EE TITEL IDET 19 ala ee a a] 7:9 SIRADERZENBER DZ SRa SE KEANE BEnEN BERMENEENRDAETEEN Die am Rande rechts stehenden Zahlen bezeichnen die grösste Menge des Niederschlages an einem Tage. EEFTERAR Wien] | ATIN | FUN RAT EETAÄLFTE TSF TI amii. EENIEEN IF IIN TTANZEELTVNDETS SHNol ee NP SSUERNVERRIETFEREEPEI Eee BE 2 Se dEE® a 2 BEEESSESSSBGSBERESASSESEEEBEEERE EaRge Sesz ENBEEBESESELOENE ih ZIZEEDDRNDFTREETTANI EN N | E EIEiDeerenNgar SZ an Bene Klagenfurt | FI SAN I I LIVNI YVES IT TALLLCCLLI am 16: BELNANEENBEENVEUERE EHEN AI II 78.0 HR 5: IM INI 112.00 Be] Seal reelle ERZaEmerreare BET a a] a a | je a] ErEn a) as Bl i aa ee viena NN IN 7 BEER aa REN ea DEE E EEHEEFEE a ESESuNEBS euuaEm Venedig _ ZN /N I VI ZEBZBZ==A EN 2, BBRERSANEE en InERsereze -] -{ a ea BEN a FERHERFEFEEESESEFFERRESEER za2ansernar gear sale Entw: vA.U. Burkhardt. Aus d k.k. Hof-tr. Staatsdruckerei Sitzungsb. d. k. Akad. d. W. math. naturw. CLXVILBA 2. Heft. 1855. u F ı Ak n a u: a a am sd, ' A. N 4 a Kin) Bay ANCOEN RN Kay N Ba iR Kite, Er ERADISUR.UN 1 gt N en FAR, a FR ‘ ETRTR ERTL O EUER NEN Bun N hRRl | Ar oh Den ve ER Ta ER {% ER KR Me OR RL BoMEN Ban u sh # . \ { ig; ie la ; A . BR Kan IE, AElmaty \ 7 PILBNDBLE nn. & 07 Der B2 en y 1 ' s As | N Bi a ) ö Pr R N = a 4 re Br RS { Br ir A ae R Hirte N x FT, " ! v A BIN 4 f ‚2 u f e N Ei 3 MEN] fi AR vet, { \ \ ] mo “ ’ Er r ur En, IM. Er N s LaR Mit Beobachtungsort. Ma ie Rea C am 31. Erdstösse. uezola,,. „arms Hi Bawzusa elsa ns As, Valna ..:» - +8,16. 17. u. 27. Gewitter. [Proe. Mriesb ia 0... Tisch. *Die m. Feuchtigkeit ist 71 | Parma !) - | Fir, am 3. 45.16. 17. 21. 29. Blitze. Venedig?) iu [Sturm a. N. Udneni..- - + 7 \m 17. 21. sehr stark, am 18. Morg. Senlin ... - - +7, am 17. Sturm, später Hagel. Mailand?) . - +» - +47. 20. 24. Gewitter. Era ce Se +76. 11. 18. 20. Stürme, 9. u. 17. Fünfkirchen®) - - | *ih Gewitter. [Blitze. Debreezin . » » » | #NO.,am 12. Ab.a.N. Szegedin +1 47. Morg. v. 2'—3" 30’ starkes Tirnau®) . tt: am 7. 17. 20. [Gewitter. Olmütz . - - 7.u.25. Hagel, am 8. Mittags Sturm. Czernowitz +). ) Gew.,am12.stürm.a.S., am 26. Zavalje » -» +» Ze, am 11.9°30’Ab. Lichtm.i.SSO. Dale...» +, Am 11.12. Blitze, am 26.Höhenr. Lemberg . » -» - | + [17. 24. 26. Blitze. Wen. Heike‘. "Gewitter, am 26. mit Hagel, am 7. Hermannstadi . - ),2.2.3.4.7.17.18.20.26.6.,2.4.17. Laibach . . + - 4.47.m.Hgl., a.17.$t.a.NW. [m.$t. Klagenfurt®). - - 7. 17. Gewitter, am 16. Blitze. Brünnssl 1.0... & +ewitter, am 4. mit Hagel. Adelsberg . - - - m 12. u. 31. = EEE Korneuburg - - - 11. Mittags Sturm, am 16. Nachts + Kaltenleutgeben ı am 26. stürmisch. bei Wien ) Gewitter, am 8. mit Sturm. Rzeszow ”). - Am 6.10.11.12.15.16.17.20.28. @. Lienz. . -» -» » » | 1.20.26.m.8t.,a.12.81,a.17.23.27.B. Krakau -. . - -» « | $,17.25. stürm., am 25. 30. Blitze. Bun... ® 4.26.27.28. Gew.,am 7. 9.22. 25. Kronstadt . . . - | W. [26. 27. Wetterl. Bi a Gewitter. Baslo. » |). - - 6.27. Gew., am 12. m. St.,am 20.m. Neusohl . . . . - r,am 4.18. stürmisch. [Hagel. Bilsen;,.. . 0%. [Blitze. Czaslau . . . . » 7.21.%3.28. Gew., am 4.5.6.7.Ab. Kremsmünster sy. | ht. Am 25. schwache Erdstösse von 1) Parma. Am 1 N.—S., am 28 lief einen Raum von 30 Klaftern. 2) Venedig. Am), um 22% 12’ 40’ (10" Vormittags) 3) Mailand. Am %. durch 11/,". Alle in der Richtung ein etwas schw von 0.—W,, d 4) Fünfkirchen. 5) Tirnau. Am3 6) Klagenfurt. 7) Rzeszow. Amlorüberzog, wurden in einer Länge 8) Kremsmünstdnit wolkenbruchartigem Regen und von 4 Stunden|. Wolken berührten fast den Boden, starkem Hagelfe, Hagel war am zweiten Tage nach zweimal entlu dem Gewitter Liesingbache, von starkbewaldeten + In Kaltenleutgeben be bis 2000’ hohen Sitzb. d. mathem.-nat mum Minin Luftdr,| Tag |1 324°72| 10-7 31897141029 327-70| 11°9 324-01| 17-6 334'86| 11°3 327:82| 11-3 317-10| 11-3 SITZT 31627 31742 32850 08:34 31713 [ERST ERGESERGETER GENE, (Sb) SO SD 31552 fs Als 304:92 31312 16:89 Pr - fe | a [36 [er 801:38| 11:3 |2€ 294.52) 11-3 128 Magnetische Stöı Am 19., 20 erbesserungen zı 325°25| 12-6 32633] 11°9 322-935] 9-9 326:23| 24-7 328°05| 159 m DC CH ı 11° 15’ M. von S.- mit Hagel. Am 13. ‚ch, Senftenberg, ( ‚eigte es sich, dass | 'n Übersichten die » Übersicht für Juli Übersicht der Witterung in Österreich im Juli 1855. Entworfen von A. U. Burkhardt, Assistenten an der k. k. Central-Anstalt. Mittlere M "- i } Er Maximum Minimum Mittlerer| Maximum Minimum | Dunst- |Nieder- Tem- Luft- Herr- Beobachtungsort. orEAIS ürdck BEE druck | schlag |sohender Anmerkungen. Reaumur | Tag | Temp. | Tag | Temp. |Par. Lin.) Tag | Luftdr. ee re N 246 m‘ = +18°0 Am 6. Blitze aus ONO., am 31. Erdstösse. SE "92 | 2:5 |+23°7| 4-3 | +16-8 |335° 2:3 |338"7 °20 Tage wa yolkenlos. Aloe 042000 +20.56 | 11:6 |+30:0| 4:9 | +15-9 2 — —_ 5 Nur ERS u. 25, bewölkt, ERST 6 +20°41 | 17:6 | +24:6 20:9 +16-4 133632] 2°6 |339-43 : |Am 7.9. Gewitter, am 15. 16. 17. u. 27. Gewitter. [Proe. Par 2. )) +19-82 | 15 +26°5| 50: +16-0 |333-35| 2° [33635 -| Am 3. 8. 19. 26. 29. stürmisch. °Die m, Feuchtigkeit ist 71 Venedig*). - en 2 2 I Ye ER 336:73| 2°3 1339-78 Am 3. A. 6.8.9. Gewitter, am 3. 15. 16. 17. 21. 29. Blitze. Doro lomazan = ">| 15°3 | +15: — = _ Am 1. 6. 20. Gewitter. [Sturm a. N. San St el 16 +30:5| 1:3 | +11-9[336-43| 2-3 1338-15 Am 7. 22. 28. Gewitter, am 17. 21. sehr stark, am 18. Morg. Haan No ao on Den a Im + u 331:18| 2-4 1334-42 Am 3. 6. 12. 17. 26. &ew., am 17. Sturm, später Hagel. ae - . +10: Per ni er D 94° 20. 24, j \ Fünfkirchen®) . . | +18:33 | 11-6 | +27-2| 18-3 | 412-1 [331-06| 2-6 [333-735 Am a 018. 20.28 dew, B, Ah, 18, 80, Stürme, OA Debreezin . . . . | +18-23 | 11-6. |+25-0| 1-3 | 412-4 [332-04| 15-3 [332.98 Am 7. 12. %6., am 10. früh Gewitter. — '[Blitze. Szegedin . . . . | +18-14| 11-6 |+27-0| 18-3 | 412-0 |383-77| 12-9 1336-05 Am 5. Mittags Sturm a. NO, am 12. Ab. a. N. | a) Tr eh A Ba Er + ne sn 2:4 334-32 °Um 6° früh +8°0. Am 17. Morg. v. 2"—3" 30’ starkes Er wall = a + an 2acıl 2:3 al 69 Gewitter sind angemerkt: am 7. 17. 20. „[Gewitter. en ee IE J 326.57) 14:9 32900 Am 13.22. 24. Gew., am 9.u.25. Hagel, am 8. Mittags Sturm. ee He Me Arosa oe „a b Bau - "5 . "24 . 25: 5 e m5.9.30.Gew. itze, am 11.9"30’Ab. Lichtm. i.SSO. Bmeie a: Fi 0 Kt a a an 2 Dr a gen: a 44-72 | N. |Amb. 11.17.25. 26.Gew. Am ADS, Ama BOnRE, HER T. 2 9- . : 3 1325- . = = 7. 24. 26. | Hermannstadt . . | +15°64 | 11:6 | +26-0| 1:3 | + 9-0 |321-08| 15-3 |323-30| 11:9 |318-89| 5-00 | 38-56 | NW. |Am 9.17. 22. 26. 27. 28. Gewitter, am 26. mit Hagel, Se Laibach . . . » » | +15:63 | 16:6 | +24°0| 19-3 | +10-2 1326-36] 2-3 1329-16| 14-3 |323-51| 5-19 | 66-92 | NO. AALYA.Lm.(vel.Zavalje),a.2.3.4.7.17.18.20.26.6.,0.4.17. Klagenfurt®). . . | +15°52 | 15° |+28:0| 25° + 5:3 |320:07| 2:3 1323-16] 17-6 |316-74| 5:36 | 59-51 | SW. |Am2.5.7:9.12.17.18. G,, 0.4.17. m.Hgl., a.17.St.a.NW. [m.St. Brünn. . 2... | +45:50| 3% |-+26°0| 21: + 6:3 1328-76) 1-9 \331-61| 411-3 \324:66| 4-90 | 20-45 | NW. |Am 11. stürmisch, am 6. 7. 17. Gewitter, am 16. Blitze. Adelsberg Er: I ni a 1:3 ei 316:39| 2-3 |319-32) 17-9 |313-45| — == — | Am 6. 7. 8. 12. 17.21. Gewitter, am 4. mit Hagel. orneuburg . . . ; :6+22:5| 135 | +10: _ _ — — _ — [20:66 | W. |Gewitter sind bemerkt am 12. u. 31. a a sehen \ 1415-24 | 15-6 | 25:0 Fe 140-0 | — ei W Am 7. Morg. Has am 11. Mittags Sturm, am 16. Nachts ei Wien ö ni Gewitter, am 26. stürmisch. Rzeszow”). . . . | +15:21 24-6 |+25-1| 2:3 | 410-0 |328-68| 183 1331-88] 11:6 |325-32| 5-71 | 46-31 w |Am 7. 8. 11. 24. (Morg.) Gewitter, am 8, mit Sturm. Lienz... 2.0.0) +15:16 | 15:6 | 4225| 33 | + 9:0*|311-99| 2-3 1315-08| 11:3 1308-64] 4-96 | 41-30 | NW. |*Am 27. 4" Morg. +7°0. Am 6.10.11.12.15.16.17. 20.28. @. un Erd En er ar A on 328-81| 14-5 1331-99] 11:7 |324:52| 5-38 | 27:59 W. ee a ya 5. 606 ® 0 71 27: o —_ _ _ _ — |. — [28-21 | W. |Am 6.10.21. Gew., am 15.17.25. stürm,, am 25. 30. Blitze. Kronstadt +15-09 | 24-5 | +23:5| 1:3 | + 9-8 1315-16| 14-9 1317-15| 31:3 |313-06| — 54:87 — |Am5.6.9.12. 17.18.22. 24.26.27.28. Gew. am?.d 22.25. Braga. +15:08 | 15 +23-2| 18- -+40:0 |328-60| 2: 1331:97| 14: |322-39| 5-13 | 18-40 | SW. |Am 11. 15. Gewitter a. W. [26. 27. Wetterl. Jaslo +15-01 | 26:6) +24°8| 53 | + 9-8 1328-01) 14-9 |330-88| 11-6 |324-33| 5-75 | 65:58 | SW. |Am. 8. 11. 16. 24. 26. Gewitter. Neusohl. . . . . +14:79 | 25:6 | +21:7) 23-3 | +10-4 |323-48| 14-5 |32590| 11-3 1320.77) — 52:84 | NW. |Am6.7.9.11.12. 17.20. 26.27. Gew., am12.m. St.,am20.m. Pilsen. . 2»... +14:74 | 15:6 | +23°1| 9-3 | + 9-1 |325.69| 2-3 |328-07| 10-9 1321-80) — 34:60 W. |Am3. 15.16. 17. Gewitter, am 4. 18. stürmisch. [Hagel. Ozaslau .... » +14:63 | 25:6 | +22:7| 18:3 | + 9-5 1326-83] 2-3 |330-80) 11-3 |322-42| 4-91 | 38-38 | NW. |Am 11. 20. Gewitter. [Blitze. Kremsmünster8) . | +14:61 | 10:6 | +22:5| 27:2 | + 8:2 1322-69] 2-9 |325-97| 10-9 |318-54| 4-62 | 97-45 W. |Am3.6.7.10. 12.15.16. 17.21.23.28. Gew., am 4.5.6.7.Ab. 1) Parma. Am 11. Lichtmeteor so hell wie Venus. Am 28. Nebenmond. Blitze am 3. %., 5. auf 6., 6 auf 7., 8. 9. 10, 11., vom 15, bis 22, jede Nacht. Am 25. schwache Erdstösse von N.—S,, am 28. ein sehr schwacher. , 2) Venedig. Am 6. um 5"Ab. beobachtete man eine Erdtrombe (Windhose) gegen N., sie lief mit Schnelligkeit gegen Osten, dauerte 10 Minuten und durchlief einen Raum von 30 Klaftern, 3) Mailand. Am 25. Juli um 0" 56’ 20” W. Z., 1" Mittags wurde durch 5’ ein Erdstoss wahrgenommen in der Richtung von 0. nach W. Auch am 26. war um 22" 12’ 40" (10" Vormittags) ein etwas schwächerer Erdstoss verspürt, ebenso um 2" 25’ 40” (Ab.) durch 3” etwas stärker, und am 27. um 23" 0’ 31’”’ (11 Uhr M.) ein wellenförmiger durch 11/,''. Alle in der Richtung von 0.—W., der letztere von N.—O. 4) Fünfkirchen. Bei dem Gewitter am 26. Ab. fiel in der Nähe Hagel, gegen 11" Ab, Sturm. 5) Tirnau. Am3. 8.9.12. 24. 25. Wetterleuchten. Vom 17. auf 18. heftiger Sturm a. SW. mit Regen und häufigem Blitzen. 6) Klagenfurt. Der bei dem Gewitter am 17. Morg, 3" gefallene Hagel lag noch um 8", 7)Rzeszow. Am 12. und 22. Nachm, 3° wurden hier an den Telegrafen-Apparaten heftige elektrische Entladungen bemerkt. 8) Kremsmünster. Am 12. Juli waren die Hochgebirge bis auf die Schluchten schneefrei. Bei dem Gewitter am 10. um 5: 30’, welches im SW. u. S. vorüberzog, wurden in einer Länge von 4 Stunden viermal Gebäude vom Blitz getroffen und eingeäschert. Am 16. um 7" 15’ Ab. brach aus SW. und W. eines der heftigsten Gewitter los, mit wolkenbruchartigem Regen und starkem Hagel, welcher sich 3 Meilen in die Länge und 2% Meile in die Breite erstreckte, die Dunkelheit während dem Gewitter hinderte das Lesen, die Wolken berührten fast den Boden, zweimal entlud sich der Blitz in der Nähe des Observatoriums, es fielen 48:00” (P. M.); der nahe Bach stieg in einer halben Stunde um 6 Fuss; der Hagel war am zweiten Tage nach dem Gewitter noch nicht vollends geschmolzen. + InKaltenleutgeben beobachtet Herr Michael Götz. Dasselbe liegt 21/, Meilen südwestlich von Wien in einem von W. nach O. ausmündendem Thale am dürren Liesingbache, von starkbewaldeten bis 2000’ hohen Kalk-Bergen gegen S. umgeben. Wein wird hier nicht mehr gebaut. Sitzb. d. mathem,-naturw. Cl. XVII. Bd. II. Hft. ıum Dunst- |Nieder- Herr- druck | schlag | schender Anmerkungen. suftdr. | Par. Lin. | Par. Lin. RR 1720) — 1115”97|) S. |Am 2. 6. 16. 17. Gewitter, am 11. 17. Stürme. 1123| — 23:79| NW. |Am 9. 15. 17. Gewitter, am 17. heftiger Sturm. 2190| — 55-02! NW. |Am3.4.6.8.12.20.25.26.. Gewitt. am 8. heftig m. Hagel. 17-41) #°85 | 43-43] SO. |Am 18. mehrere Gewitter mit Sturm, am 12. 26. mit Hagel. 27:16 48-59) NW. |Am 3. 15. 27. 28. Gewitter. [am 17. stürmisch. 20:74) 4:69 | 57:57| SW. |Am2.3.10.11.15.16.17.23.27. 28.29. 30. Gew., a. 25. Blitze, 11:62] 4:94 | 69-40| SO. |Viele Gewitter, am 7. waren 5, am 11.7. 6 9 -- -- 68:90| SW. er — 21:90) W. |*Vom 4.—11. mangeln die Beobachtungen. 9-97 — 3591| N. |Am 11. Morg. Gewitter. 10.57) — 44-96) SW. |Am 9. 12. 15. 17. (Nachts) Gewitter. 20-60] 5°34 | 48-83] W. |!Am 15. 16. 20. Gewitter, am 18. stürmisch. )2:85) 4:74 | 67:68) NO. |Am2.3.6.7.9.11.12,18. 20.26. Gew., am 5. u. 17. m. Hagel. 11:68] — 36-001 W. 1|A.8.9.17.20.25. 26.6. ‚am®.Bl.,a.17. fr.sehr heft.,a.15.16.17. — [104-94| W. |*Am 9.6" Fr. +5°4. Am 4.20.26. Gew., am 4.17. st. [st.Wtl. 62 | 61:64| ©. |Viele Gewitter, am 11. u. 16. mit Sturm. Ü 3 ) )863| 4: -70 | 38-95] SW. |Viele Gewitter, am 7. mit Hagel. -38 | 53-70) NW. |Am 6. u. 30. Gewitter mit Hagel, am 17. Sturm. 4087| WNW. | Am 3. &. 16. 20. 27. Gewitter, am 17. Ab. Sturm a. W. 17:86) W. |Am 7”. 16. 25. 27. 30. 31. Gewitter, am 3. Wetterl. wi S. |Am 9. 11. 15. 20. 26. 28. Gewitter, am 15. mit Hagel, am er — [9. Alpenglühen. :91 | 8134| SO. |Viele Gewitter mit heftigem Platzregen. un == jam 18. Alpenglühen. Am 10.11. 15. stürm., am 2. 6.15.16. 17. 20. 26. 28. Gew., Eu en I, N. 6.14 — E— SW. [Viele Gewitter, am 17. früh mit Hagel. 515) — | 4197| — |Am 1b. heftiges Gewitter. 7-27) — 1235-01) W. |Am 15. +9°8, am 23. +10°1. rungen. ), ı den früheren Monaten. 12°46| 1:98 | 17-49] "VW [Am 4. Sturm a. SO., am 23. a. SW., am 25. 26. a. S. 12-49| 2-23 | 45-83| ©. |Am8S.u.18.@w.,a.1.u.2.$t.a.S.,a.10.a.NW.,a. 24.Schnee. 17-23) 3-81 | 29:37| „&. |Am 18.28.29. 31.Gew., am 29. 31. m. Hagel, am5. Weiter!. 20:19). — 26:74) NW. |Am 4. 5. 10. 11. 21. Gewitter, am 25. Sturm. 20, Aa BZ Inn BE Anand 16. 22. Gew.,am 412. m. Hagel, am 29. kurzer $t. — —_ 18-27) 3%: |*Am 2.6.+23°2. Am 1. 9.10. Gew., am 1. starker Sturm. —N. (s. Mailand) wahrgenommen. Nachts Schnee, vom 25. auf 26. ebenfalls, weicher bis 26. Mittags liegen blieb. )bir I, Alkus, Plan, Stilfserjoch und S. Maria bei den Temperatur-Minimis die Zeichen — in Plan seit Juli 1854 und in $. Maria seit August 1854 die Temperatur an einem hundert- auf Reaumur-Grade redueirten Stände angegeben. — In Stilfserjoch ist die Temperatur ist dies bereits geschehen. Schössl 324.49” Tirnau 331.33” Klagenfurt 320.07" St.Magdalena 205.76” Bregenz 32190” Valona Eaz BZUE HER IE BRISIE EEE GER FRE ETF 357 ee | ya Mittlere Maximum Minimum Mittlerer) Maximum Minimum | Dunst- |Nieder-| yerr- Yon 4, | Tom- a druck | schlag | schender Anmerkungen. Beobnchtungsort, | peratur |7., Temp. | mas | Temp. Isar tz] Tas [tutar.| wog [horn |oar.ti.|pwr.nie |" ü 1 «5 |+24°7| 26- 922 2-3 |324°72| 10-7 |317”20| — 1|115”97| S. |Am 2. 6. 16. 17. Gewitter, am 11. 17. Stürme. De ea 10:6 Bo ai 185 2-3 \318-97| 10-9 [311-283] — | 23:79| NW. |Am 9. 15. 17. Gewitter, am 17. heftiger Sturm. Leutschau - . - - | +14:13 | 25-6 |+21'8| 18°3 | + 9-3 15-3 |327°70| 11:9 |321-90 — 55-02| NW. |Am3.4.6.8.12.20. 25. 26.. Gewitt. am 8. heftig m. Hagel. EEE 10:6 | +22°9| 28-3 | + 9:3 2-3 [324-01| 17:6 1317-41) 4”85 | 43-43| SO. |Am 18. mehrere Gewitter mit Sturm, am 12. 26. mit Hagel. Bodenbach Eh ; . | +414-09 | 15-6 )+22-4| 1°3| + 87 2-3 |334-86| 11-3 1327.16| — 48-59| NW. |Am 3. 15. 27. 28. Gewitter. [am 17. stürmisch. Sen +44:03 | 15-6 | +22-0| 18-3 | + 9-2 2.3 [327:82| 11-3 |320-74| 4-69 | 37:57| SW. |Am2.3.10.11.15.16.17.23.27. 28.29. 30. Gew., a. 25. Blitze, Tröpelach. . . . | +13:87 |10-6 \+21-5) 26° | + 5'4 1-3 |317-10) 11-3 |311:62| 4-92 | 69-40) SO. |Viele Gewitter, am 7. waren 5, am 11. 7. SITE +13-85 | 16-6 | +20-8| 31:3 | +10-4 _ — — == — 63-90] SW. £ Oderberg . . . . | +13:82°| 23-6 | +24°9| 21:3 | + 9-5 — — —_ = _ 21:90) W. |*Vom 4.—11. mangeln die Beobachtungen, Kesmark . . . . | +13-81 | 11-6 |+21-9| 22-3 | + 8-4 14-9 \316-27| 11-6 |309-97) — | 35-91] N. |Am 11. More. Gewitter. | Willen m 143:81 | 0 |+23-0| 18:3 | + 8:0 2-3 [317-42| 10-9 |310-57| — | 44:96] SW. |Am 9. 12. 15. 17. (Nachts) Gewitter. _ Pürglitz. ... . +13-80 | 15-6 | +22:6| 24:3 | + 9-6 2:3 1328-50) 10:8 |320-60| 5-32 | 48-83] W. |Am 15. 16. 20. Gewitter, am 18. stürmisch. St. Magdalena . . | +13:78 | 16°6 |+20:8| 21:6 | + 3:6 2:3 |308-34) 17-9 [302-85| 4:74 | 67:68) NO. |Am2.3.6.7.9.11.12,18. 20.26. Gew., am5. u. 17. m. Hagel, Schemnitz.. . . . | +13-71.|11:6 | +20-0| 18:3 | + 8:2 14:6 |317-13) 11-6 |311-68) — 36-00) W. A.8.9.17.20.25.26.6.,am9.Bl., a.17. fr.sehr heft.,a.15.16.17. Trautenau . . . . | +13:70 | 14:5 | +23-8| 22-4°| + 9-8 — — — — — |104-92| W. |*Am 9.6" Fr. +5°4. Am 4.20.26. Gew., am 4.17. St. [st.Wtl. Obervellach . . . | +13-65 | 14-6 |+21:8| 21:3 | + 6-0 2-3 1315-52] 11-3 [30863 4:62 | 61:64| ©. |Viele Gewitter, am 11. u. 16. mit Sturm. Weissbriach . . . | +13:59 | 2:6 |+20-:8| 22:3 | + 7-7 — _ — == = _ — Steinbüchel . . . | +13-52 |15°6 | +19-8|) 7:9 | + 8:6 — = — gi = = == St. Jakob. . . . | +13-48 | 10:6 | +19-8| 26-3 | + 7:6 |302:27 | 1:3 |302-92| 11-3 |299-29| 4:70 | 38-95) SW. |Viele Gewitter, am 7. mit Hagel. Althofen . ... | +13-46 | 10-6 | +22-0| 31:3 | + 8-2 |310-14 | 2-3 |313-12| 17-6 |307:15| 4-38 | 53-70) NW. |Am 6. u. 30. Gewitter mit Hagel, am 17. Sturm. Deutschbrod . . . | +13-13 |10-6 |+21:0| 13) + 77 —_ — —_ —_ — —_ 40-87| WNW. | Am 3. 4. 16. 20. 27. Gewitter, am 17. Ab. Sturm a. W. b. Reichenau. . . | +12:66 | 10-6 | +22-0| 24-3 | + 7:0 1314-77 | 2:3 |316-89| 11-3 [310-12| — 17:86| W. |Am 7. 16. 25. 27. 30. 31. Gewitter, am 3. Wetterl. St. Jakob (beiGurk) | +12:30 | 10:6 | +18-8| 12-3 | + 8:0 —_ —_— _ Bad Gastein ... . | +11:69 | 10-6 | +22-7| 18-3 | + 6-2 |300-10 | 2-3 1301-38) 11:3 1296-63] — —_ S. Am 9. 11. 15. 20. 26. 28. Gewitter, am 15. mit Hagel, am INTRO EN; 19-6 |+22-5|118:3| + 45) — —_ —_ [9. Alpenglühen. St. Peter . . . . | +11:36 |16°6 | +18-6| 21:3 | + 6:4 |291-93 | 1-3 1294-52) 11:3 |289-11| 3-91 | 81-82] SO. |Viele Gewitter mit heftigem Platzregen. Mahitz ..... +11-35 | 14-6 |+19-0| 24-3 | + 6°5 — — — — — [am 18. Alpenglühen. an +11 2:6 |+19-0| 33 | + 40 2 — |Am 10.11. 15. stürm., am 2. 6.15. 16.17. 20. 26. 28. Gew., Stifserjoch . . . | +10-70.| 8-6. |+17:0| 23 | + 5-0 N. Heiligenblut . . . | +10-63 |) 15:6 | #187 30-3 | + 4:8 411-3 |286-.14| — — SW. |Viele Gewitter, am 17. früh mit Hagel. HEN oo. ara +10-04 | 1:6 | +15°2| 26:9 | + 5°6 11:6 275.15) — 41:97) — |Am 1b. heftiges Gewitter. Luschariberg . . | + 9-82 | 14-6 | +16:0| 29:0 70 — —_ — Obir II. . ... | + 8-19 [16:6 | +19-0| 18-3 0-0 = — _ = — S. Maria?). . . . | + 4:93 | 29-6 | +10'2 26°3 0:2 11-3 1247-47) — 1235-01) W. |Am 15. -19°8, am 23. 10°. Magnetische Störungen. Am 19., 20. Nachträge und Verbesserungen zu den früheren Monaten. Hermannstadt, März | + #19 | 26-5 |-+162| 13-3 | — 6-7 [318-60| 31-9 1325-25] 12-6 |312-46| 1-98 | 17-49] N” |[Am4. Sturm a. SO., am 23. a. SW., am 25. 26. a. S. April | + 6:39 | 6:6 |+15°6| 1-3 | — 0-4 |319-72| 1-6 |326-33) 11-9 |312-49| 2-23 | 45-83 xw. |Am8.u. 18. @w.,a.1.u.2. $t.a.S.,a.10.a.NW.,a.24.Schnee. Mai. | +12:36 | 5-6 |+22-6| 2-3 | + 3-6 |320-15| 22-3 1322-93| 9-9 |317-23| 3-81 | 29-37 sit. |Am 18.28.29. 31.Gew., am 29. 31. m.Hagel, am5. Wetterl. Neusohl, Juni . . | +14:83 | 3-6 | +23-6) 29:3 | + 6-4 1323-72] 10-4 |326-23| 24-7 |320-19| — 26:74| NW. |Am 4. 5. 10. 11. 21. Gewitter, am 25. Sturm. Linz, Mai - 2.2.1 +10:69 | 31-3 | +23-6| 10-3 | + 2-6 |325-46| 25-3 |328-05| 15-9 1320-43) — 31-47 % |Am5.11.12.16.22. Gew., an 12. m. Hagel, am 29. kurzer $t. Juni. . ... | +15-80 | 9:6* | +23-6) 19-9) + 90| — 18:27) 2; |*Am 2.6.+23°2. Am 1.9.10. Gew., am1. starker Sturm, 1) Bregenz, Am 25. um 1" Ab. wurde auch hier ein Erdstoss und am 26. um 11® 15’ M. von $.—N. (s. Mailand) wahrgenommen. 2)S. Maria. Am 8. 11, 15. Gewitter. Am 9. 10. 11. Stürme. Am 9. und 11. mit Hagel. Am 13. Nachts Schnee, vom 25. auf 26. ebenfalls, welcher bis 26. Mittags liegen blieb. Verbesserung: In der Übersicht für Mai 1855 sind bei den Stationen Obervellach, Senftenberg, Obir I, Alkus, Plan, Stilfserjoch und S. Maria bei den Temperatur-Minimis die Zeichen — statt + zu setzen. = Bei Gelegenheit der Bereisung einiger meteorologischen Stationen zeigte es sich, dass in Plan seit Juli 1854 und in S. Maria seit August 185% die Temperatur an einem hundert- heiligen Thermometer beobachtet wird. — Vom Juli 1853 an werden in den Übersichten die auf Reaumur-Grade redueirten Stände angegeben. — In Stilfserjoch ist die Temperatur um 1°) zu vermehren, ebenso der Luftdruck in Gastein um +2”. — In der Übersicht für Juli ist dies bereits geschehen. Schössl 324.49” Tirnau 337.33” Wien 329.63” Rlagenturt Mm 320.07" StMagdalena 305.76” Bregenz 321.90 Valona Die beigeschriebenen Zahlen sind Monatmittel, denen die stärkeren Hor Ein Netztheil entspricht bei der Wärme einem Grad Reaumur, Gang der Wärme und des Luftdruckes im Juli Die punetirten Linien stellen die Wärme, die ausgezogenen den Luftdruck dar. 1855. izontallinien entsprechen. beim Luftdrucke einer Pariser Linie, NEE RE EINEN SE EZ IHR BET BU BE 2 | Im Ei ı a | EBNEBENEBEBERE | | = 7 11 1 -1 ii el EZ L. ZZ aa i | | T Hi Aaaei J \ — EN - - ph BE BEE at H 4 1 11 ezieeale { + 1 | 11 = ai [ [ #780) all , (OoGE BL as) SICH BZW u E Ba = 2 1 nneemkYals | | | | 1 | [ | ji IL u i im Eli | EZ ajmlal TIER) | SE [% N jmiR \ | HERAEREEE FE REEFEERE It I ale] 1 T B jeaaeı] 7 44 - ; ze i [ E + raler IE = ms ll || | Toml Immi | [ IE F +2. a] I + IE 1 Ar + - OE I] IIJaL Ir . ala r E + 78.40 IE - ii zei Zr I! aaa ii Ed JE] + a5 [u SE En i wa: EISEN Ft re BE Pa LE © BEnunE 2 2 E | (i | | a = - H BR | H Er IL 1 I | Eintw; v AU. Bur&hardt. Sitzungsb. d. k. Akad. d. W. math. naturw. O.XVILB3.Helt, 1855. Aus d’kk. Holle Staatsdruckerei. Raeszow 328.68" Lemb erg 325.78" Debreezin. 332.04 Venedig 26.73 Parma we 333.35 Mailand ErZZA $t. Maria 250.00 gu, a BT VE ee 5 A Rh RR AR Re MIETE), ER BE SA Nee: | Be EEE NORA DR Als AD WRONER Ye RE a VEN T, ir BET. 9379 ie Ha. LE ix Bar N a weh AS, RE EEE BEER HEN TE “N Kal EL DERTSIHHE LAUN Ah Y Y ri MRS Hack tn N TI NL JE 2 in Saba Kine ner x ERBEN ni Ka Pe a * Fran CR & BERN Ve RER ? j De | i RE 4 En NA N TUR) SR “ PR EA RN a Ar 2 Ü SR: ne ra j } et oe CHEN ER IR SABRNN Ar ’ h er I Sr » \ } \ ug = ' ; . a - NL, u, 3 } br Ye ER N AN Pan h Ye {eh f \ r br A \ Y \ 5 a ne He Ar x BER) va A a HR, ; Ir EP DI a ul dr ‚ | Sana R Ei Dt s L > ie dr) N Aut ARTS Be ho Mt KERN ns 2 AR ö ’ \ 1 ) k 9 r ie 0 2 ! drin #\ [ae Een EN s Be \ - DE AG Y j DE, ae t N. y>r keins we, " 3 ° u. Er F ; . eh van 1% ' u a Be j i ] wi! Pa oo Pr dr f N j ! fi: j AR N : - be, «Me i ' „ee Br ii m f SE, en r A ’ We ' ur i } b i' ö 27 Ra Mn BE Vi Kat De ae RT, '% " r N L ı l 7 Dur “ N La Rs { 2 gone f 3 ER u a a a “ a | & ' i ra { * -r A » Ede By) | Niro), Ar u a 2 N ER 0 m ’ HR N N " 1‘ \ Wire h “ } f vr +2 R n yet R REN h A 1 a un ar { s St En ? ner 1,7 j RU : Ye $ irn TE, ' Ur h . is Ati % t ? Fun ar: I r \ Y x } '* eu) ’ ’ 7 18 N Mr, * 2 ’ DER N j j r r + ver wg 1 Sr Di f ee a Ar wer } 2 Gang der Feuchtigkeit und des Ozongehaltes der Luft im Juli 1855. Die punktirten Linien stellen die Feuchtigkeit, die ausgezogenen den Ozongehalt dar. Die am Rande befindlichen Zahlen sind die Monatmittel der Feuchtigkeit, jene zwischen den €urven die Monatmittel des Ozengehaltes. Den Menatmitieln entsprechen die stärkeren Horizentallinien. Ein Netztheil beträgt für die Feuchtigkeit 5Procente, für den Ozongehalt einen Theil der Far, benscala, welche vom völligen Weis bis zum tiefsten Blau zehn Abtheilungen enthält. IL 5 By Lemberg Eat am 31 8.64” E en & = = Jaslo = amd. a Bd En 78.02 = amd. = 440 5 = .< = Czaslau. = ef SL a E HE = = = 77) Bi u 10) = h \ .& Kremsmünster N AN ZN LATS > EIN WHEN | = am1b. 2 = 46.0 E B= = = Wien | || B= amt = MM. z Z40 5 a IE = Da, Y\ 5 Kaltenleutgeben [IA 1 Y1 IV 1] LI 17 es Er Bar = (bei Wien) = = Venedig am. 158 BEESHESSEEERE Base ı ae ee TE RATE LE REES 155 Eintw. v. A. U. Burkhardt, Ausd &.k. Hok-ır staatsdruckeren. Nitzungsb, d. k. Akad. d. W. math. naturw. OLXVI.Bd 3. Heft. 1855. KORAN VIREN Baal NUN Nah A Pr SA) BAR Jr & j { ir R Roh) hd N Er 1 MA FM N '$ Pe # ur N Ride x > eh f Na, Di PR iR Yu BEN TERN vr pi 6 u All } j v \ } Elan virahi Ts y . j x i Hg NE 1 Pe wu Ne Ha ka i nr LAN $ a W De \ 1 {8 ur 4 va wa a f i ER: | y% N i Pt | N i ! ehe ie hr { Pr oe } N f ) a De | f f BREN Ion N b Be $; N Kar ’ y | | l De h 3 N ne A N ’ m v { \ N j A GE» RG i N ' de, N I “ . Bu y ’ 1 N U! nme. SH { RER BR 4 ; v A + s ‘ ı \ ! br x N u f e 2 R\ h Dr . he j ? $ iu \ “ Y . [ v) f' l % 8 rt N r ed De ) Rate RN n \ i | ij y \ Ye ir amt I } E2 yf H 3 * ht } " n -. ’ ih 4 “ / Y 4 Di i x j fl » 9 { a H * 2 5 k u - Me Er 5 i x Pr ; won x n Key Dr s I Bader AN EN une PAR Mae ' n f h 2 , j kart’ nt ae ee w; j j en bh mee % ‘ { a N Beobachtungsert. Rasusaı.....2. Curzola . IE PN Valona (inAlbanien) Muiestar,.. 2... Parma?) Meran. . - -: ZAta u. drd Venedie 2)... . Mailand:. ... Semlin Dimmer... ... Fünfkirchen . . . Debreezin . . . Szegedin Pressburg . . Re, | Olmütz.. NIE RR Laibach®).. . Wien . Pemhern>) |... . adelsbere ... . . Gilli Hermannstadt EEE a ÜCzernowitz . Korneuburg”) . . -" Mauer bei Wien. Rzeszow he, Klagenfurt ®). . . CUzaslau . 2 Bregenz. oo Kronstadt . . A Siabaulet: .. . Oderberg . Mrautenau.'...". Kaltenleutgeben . Krakau)... .. 1) Ragusa. 2) Parma. 3) Venedig. 4) Laibach. 5) Lemberg. 6) Lienz, 9) Krakau. 7) In Mauer bei Wien beobacht iegt 1Y/, Mittlere Tem- peratur herkungen. Reaumur u ag ® +20.66 +20: +20: +19: H r a [am 24. diehter Nebel. 48-80 heft. Gew., am 6. Sturm a. NNO,, 14.75 pm 5. Gewitterstiurm. +18-31 +18:24[" +17-65 + 17.317 en ewitter, am 13. Ab. sehr stark. 16-61 31. Gewitter. 2 10°» am 26. mit Sturm u. Hagel. +45- 07" 330’ Sturm, am10. 11. Blitze. +15:03 +15°02 +14°96 nr 24. Blitze. 144-8 ‚30. Gewitter. 1414-81 tter, am 9. 12. 13. 25. Wetterl. +14:75|° NM.» | Tn.05 Sturm, 25. Blitze. rn gyait Hagel (sonst wie in Wien). .y43% 6. Morg. stürmisch a. NW. .9g,M 4. 26. Wetterl.,am 4.5.Sturm. .oyetterl., vom 26—27. Gewitter. s.gj ewitter, am 5. mit Sturm. ‚75,27. Weitrl., am 31. Gewst. a. N. 70 26, vom 10.—14. täglich + 26°, sed 27. stürmisch. ‚59, 'n 5. mit zündendem Blitze. ie! 9. mit Hagel. „oo Nit $t., am 14. $t., am 26. Wetl. .3g 0, am 5. 27. 8t., am 9.11. Blitz. .ag'" 13. 28. Weiterl. Jon Gewitter, am 6. u. 9. Wetterl. am 5. Blitze. ou; Blitze. go| (Saussüre). [3737 s.) Gew., am 3. 12.13. Wetterl. | Am 6. Ab. hi Am 8. Ab. und 14 Bei dem Ge, _.. der Sättigung, der Dur Bei dem Ge Gewitter auch die Extreme des In Folge des h oder weniger Lagersch 7) Korneuburg, 8) Klagenfurt, i stieg von 27.3 auf 89-9 Proc., ‚nen in der Zeit abweichen, sind ungewöhnliche Kühle herrschte. 00’, die in anderen Jahren mehr Das 6 Das Ge In der Nach Meile südwestlich von Wien, auf den östlichen Sitzb. d. mathem.-naturw. Maximum N ıg | Luftdr.| Ta -9 1327”74| 9°: -3131792]| At «A 1325-61) 4-1 3 1317°.03| Art :3 1315°46| 9° 9 1331 .55| 5% ‚9 1328-74| 5°; ‚3 1308:24| 51 )-3.1334-171 22% 3-3.:314-13 | 52 J:6 13283 -15| 5-1 9-3 1317-30| 9-1 1:3 1304-74| 9-! 9-3 |317-:18| 5 9-3 1316 -76| 5° 8:8 1328-00| 4° 8:9 1316-62| 5° 18-6 1305°35| 8 18:6 1314: 76| 4A: 21:9 1291 -75| 5 21:3 1293 -74| 5 18-4 |304-50| 5° 3:3 |280:72| 9» 19:3 |1252-88| 9- Magnetisch: Am lachträge zu den 25:4 1314 -48| 15 27:3 1315-74! 16 1:8 |315-65| 10 25-4 |302-60| 15 285 °4 1305 °09| 16 1:8 |304-52] 10 28-6 1340-551 24 1:9 |339-84| 17 10°A 1326 °23| 24 14-5 |325.90| 11 e » bis in die Schlucht ın es rings im Horize jewitter um 11" Aben ‚® Abends). monstratenser Stifte e eine Darstellung de Entworfen Mittlere : Er Mittlerer Maximum Minimum 2 Maxi une er Beobachtungsort. | yeratı ee ua Tuck. s ‚de: Reaumur | Tag Temp Tag Temp. Par.Lin.| Tag | Luftar, Tag | Luftdr. | Par.Lin. | Par.Lin. Man Anmerkungen. Ragusa!) . . . . |+21°05 28-6 |- 25°0 | 12-3 | 16° "14 | 20- " : w I Ran) en Be 1 +16" Sail 2036 33809 5-9 33363] 615 NO. |Am 11. 12. 13. 14. 28. 29. Gewitter, am 6. u. 9. Wetterl. a H15"5[336-92| 19:9 1339-15 | 5-9 1332-09 6-71 NW. [Am 9. und 12, Gewi i Br Valona (inAlbanien) | +20-11| 5°6|+26-5 | 17:9 |+16-01336-90| 20-3 |338:72| 3:9 1335-43] 7-47 | nal BowittongananBiliee: sten. +20-07| 27:6 | 225-0 | 12-9 | +15-3[337:05| 19-3 1238-90 5-6 Baar &; er . Am T. u. 8. stürmisch. 5 Parma?) . .... )+19-90| 3: |+27-5 |11- |+43.2/334-418|19- |336-21| 5- 13 r » Se ERTL, an 5. 9. Gewitter, am 21, Blitze. HE a engl = ES A|: 31-19| —* | 13:43 | SW. |°Mittlere Feuchtigkeit 70° (Saussüre). OTD e 18-97| 3:6° Y: ‚ A 5 ® SR: ER Ti a am 24. diehter Nebel, Venedig?). . . . 48180 En en A +14'2 Sal 80 dem) 339.93 53, 30728 8:34 29-74 NW. "Am 28. +23°8. Am 3.9. hett, Gew [um 6 Sturm. NNOn Mletland Kaas) 3: | ara lao- Ir 5 En sr 15 3 aan % : s = ss ER 31:65 | SSO. |Am 9. 16. 27. 31. Blitze, am 5. Gewittersturm. land. 8:7) 3: | 427-4 :91331:94| 19-5 |334:24| 4-3 [328-85| 5-88 | 6-51 | NO. -|Am 8. Ab. Gewitter. an I: wo N In .uel 33515) 19:6 1338-69) 5:6 [331-566 — | 9-40 | NW. |Am 5.9. 10. 12. Gewitter. Fünfkirchen . >. | +17-65| 8-6 428-0 | 18-9 | +11-0/331:03! 10:6 |332:07| 5-6 32804] — | 3244| sw. jam 8.0.1236. Gewitt Debreezin ..... . |+47-31| 4-6 | 424-6 |47-3.|+ 8-81333-05| 19-6 1333-73] 8:9 1328.29 — |33.70| N. lAmB! Ab. stürmischa 8. Szegedin . ... +17:06| 5:6|+27-8 | 16-6 |+10:0[334-57| 19:3 1337-48| 3-9 1331-59) .— |74:56| N. lAm 12. More, und Mitt. Gewitt 13. A 0 2 en I, 3 |+11:0[332-30| 19-3 1334-90) 4-9 [328:40| — |13:832| NW. |Am 5. Sturm a. NW., am willen elle OT Ne \+16°6 :6|+27°: 203 I + 9-51 — — ES — =; — . ', itte, ©. stürmi Olmütz.. .. 2. 1 +16:43| 25-6 |+29-22| 20-3 | + 8-61328-62| 19-3 |332-07| 2-6 326.15) — nn a an en An "sin ee +16-28| 3-6.|426-2 | 16-9 |410-8[332:34| 18:9 [33432] 3-6 1329-19| — | 32-56 | mW. |Am 4.9. 10.13. 20. 21. Wetterl, vo ann Daibacht) . [4416-40 4-6 |424:8 | #5 |x 9,2 1320:00| 10-3 [320.85 8:0) 99.50) sro» | 68:87 NO: [AmB9 17.20 ar. ai Beaitten am mi tue Wen +4B-81| 3- |+427-8 |48-3 |+ 7-41330-33| 48-9 [392:98| 5-8 1327.70] 3-35 | 81-57 |NW. 0.|Vom 4.5. Gew., am 8.26. 27. Wettrl, am 31. Gewst. a. N Lemberg®) . . . |+18+75| 11:6°| 427-2 | 48-3 |+ 7-0[326-74! 30-6 1320-51, 14:8 [323-48| 5:74 | 11-75 | W. |*Am 5. +26°9, am 26. +26, vom 10,14, tüglieh 426° Adelsberg.. . . . |+13-70| 3:6 | 420-42| 9-9 |411-31317-13| 19:3 1319.31) 8:0 |3la-31| = | — | — |Amd. Gewitter, am 26. und 27. stürmisch. | NM 5 So ae |+15-58| .33 |-+24-4 | 16-3 |+ 9-81328-60| 19-3 |331-37| 5-6 [325-10| 5:80 | 92-29 | NO. |Am 5. 30. 31 Gewitter, am 3. mit zündendem Blitze Bann \+15:58| 3° |427:0 |18- |+ 6-0[329-50| 19-3 1331-53) 5:6 |3253-80| 5-84 | 36-16 | N. ; i er | +15-44| 4-6 | 426-0 | 16-3 |+ 8-6|322-09| 19-3 1384-69) 5-6 |318:58| — | — | NW. [Am 5. 9.29. Gewitter, am 9. mit Hagel TkenzÖ). u. | +15-40| 24:6. |+23:2 | 15-3 |+ 8-2|312-88| 21-3 |314-82| 5-3 1310-241 4-62 | 16-37 | NW. |Am 3. (Morg.) 27. Gew. mit St., am 14. St., am 26. Wetl Neusohl. . ... » +15:33| 4:6 |+23-8 | 19-3 |+ 8-4[324-51| 20-3 1327-02) 57 320:601 — |24-63 | NW. |Am 5.10.12.27. (heft.) Gew., am 5. 27. St., am 9.11. Blitz. Hermannstadt . . +15-30| 27:6 |+24:9 | 20:3 |+ 6-7321-94| 20-3 1324-41) 5:9 [319:07| 4-83 | 27-67 | NW. |Am 6. 13. Gew., am 10. 12. 13. 28. Wetterl. ne ı+15:29| 3° |+27:3 |19- |+ 7-0)329-73| 18- 1331-98] 5° 1327-03) 5:38 |30-9%| W. |Am4. (Morg.) 25. 26. Gew., am 26. mit Sturm u. Hagel. Czernowitz . . . +15:10| 24:6 |+24:5 | 19-3 |+ 6-8/327:88| 31-3 [329-42| 14-9 1322-59) — | 8:03) NW. |Am16. Gewsturm., am6. um 3"30'Sturm, am10. 11. Blitze. Be ae et 38 +25-3 | 19-3 7:0 _ — |46-11 | NW. |Am 5. 20. 26. Gewitter. --Mauer bei Wien. | +15: 3:6|+26-5 118-9 | + 77 — — — — = = — — |Gewitter wie in Wien, Rzeszow 2... +48:02| 5-6 |+25-7 | 19-9 |4 9-7[329-70| 19-5 |332-90| 5-8 [3253-81 — |a7-88| W. |Am 1A. 26. Gewitter. Klagenfurt ®). . . | +14:96| 4 |+29-4 |15- |+ 5-71320-86| 18-9 |323-02) 5-3 1317-82| 5-41 | 52:99 | SO. |Am 5.27. Gewitter: Czaslau. 0... 1+14:94| 3-6 |+26°2 | 19-3 |+ 8-01327-87) 18:9 |330-42| 5-3 1325-17| 5-14 | 32-50 | ww. so. |Am 4. 8. 9. 27. Gewitter, am 24. Blitze. Bregenz. - . .. +14-93| 24-5 |+23-0 | 9-2 |+ 9-6 — [38-32 | S. |Am 4. 5. Sturm, am A. 26. 30. Gewitter. Kronstadt . . ... | +14:83| 13-5 | +22-2 | 20-3 |+ 7-31315-99| 30-9 |318-32| 6-5 1313-02) — |16-32| — |Am 6.10.13.25. 28. Gewitter, am 9. 12. 13. 25. Wetterl. St.Paul. .... '+14-81| 4-6 |+24-0 | 15-3 | 8-01321-90) 18-9 |323-23| 3-3 |318-13| 5-39 |42-95 | SO. |Am 27. Gewitter mit Hagel. Oderberg . .. . +1475| 3-6 426-2 | 83 |+ 7.6 — _ [35-55 | SO. |Am 5. Gewitter. Trautenau. . . . !+14:72| 25-5 | +24°6 | 16-4 | + 9-8 — — [77:26 | W. |Am3. 26. Gewitter, 3. 26. Sturm, 25. Blitze. Kaltenleutgeben . +14:68| 2:6 | +26°5 73|+ 9:0 Am 26. Mittags Gewitter mit Hagel (sonst wie in Wien). Krakau®) 0... +1a6z| % [426-8 | 31° |+ 77133004] 19-3 |332-70| 5:7 |826-01| 5:36 |38-69 | W. Am 5. 10.11.26. 27. (Morg.) Gew., am 3. 12.13. Wetterl. 1) Ragusa. Am 6. Ab. häufige Blitze, Sturm in Spalato, 2) Parma, Am 8. Ab. und in der Nacht vom 9. auf den 10. viele Sternschnuppen, am 3. 4. 7. 8. 10. 16. 30. 31. Blitz; die Alpen waren sichtbar am 6, 7. 13. 14, 3) Venedig. Bei dem Gewittersturme a. NNW. am 5. fiel die Temperatur von 11" 30/ Morgens bis 1" Ab, von +25°0 auf +14°4, die Feuchtigkeit der Lult stieg von 27:3 auf 89:9 Proc., der Sättigung, der Dunstdruck von 5”59 auf 6”10, die Schwankung des Luftdruckes betrug 1’. 4) Laibach, Bei dem Gewitter am 5. Ab. war ein Wolkenbruch in der Nähe. 5) Lemberg. Gewitter am 14. Ab. Wetterleuchten am 4. 5. 10. 14. 24. 26. Den Temperatur-Extremen entsprechend, welche hier von allen übrigen Stationen in der Zeit abweichen, sind auch die Extreme des Luftdruckes. Die Tage vom 8.—14. zeichnen sich durch grosse Hitze aus, während in allen westlichen Orten (Linz, Kremsmünster) ungewöhnliche Kühle herrschte, 6) Lienz. In Folge des heissen August sind Firn und Gletscher sehr angegriflen worden, wie der hohe Wasserstand der Isel zeigt. Die Berge von 8000—9000', die in anderen Jahren mehr oder weniger Lagerschnee in ihren Schluchten zeigten, sind fast ganz schneefrei, so z. B. die Schleinitz bei Lienz mit 9176’ Höhe. 7) Korneuburg. Das Gewitter am 26. Ab. war von einem Wolkenbruche mit Hagel begleitet. 8) Klagenfurt. Das Gewitter am 5. Mittags war von einem Sturme aus NW. begleitet, und wurde an allen Stationen in Kärnten beobachtet, 9) Krakau. Inder Nacht vom 26.— 27. Sturm aus NW. Am 5. grosse Hagelkörner, Sternsohnuppen. Am 2. 3. grosser Mondhof. ++) In Mauer bei Wien beobachteten in den Sommermonaten die Herren Car] und Emil Haecker; seit Oetober d. J. aber Herr Jakob Fischer. Mauer liegt 1'/, Meile südwestlich von Wien, auf den östlichen Ausläufern des Wienerwaldes in einer vegetationsreichen Gegend (Weinbau). Sitzb. d. mathem.-naturw. Cl. XVII. Bd. III. Heft. linimum Dunst- |Nieder- Herr- druck | schlag |schender Anmerkungen. Wind Par. Lin. | Par. Lin. g | Luftdr. Er 94”10| W. |Am 3. 21. 25. 26. Gewitter, am 26. mit Hagel. > |314-02| — 12:842| W. |Gewitter sind angemerkt am 4. 7. 26. ) 1320-94| 5"00 | 6515| W. |Am 4.5. 20. 26. 31. Gewitter, 3. 8. 28. 30. Blitze. ; 1312 71| — 62:68) WSW.| Am 4. 7. 20. 26. heftiges Gewitter, am 28. 30. Wetterl. 3 3810-31) 4:56 | 41:08! NO. 3 1325°74| 5°36 | 22:86) W. |Am 5. um 7" Ab. Gewitter mit Sturm. 3 1323-53] 5:00 | 4253| ww. sw.| Am 2. 3. 4. 10. 25. 29. Gew., am 2. 7. 20. Blitze, am 15. _ — _ — |Am 5. Gewitter. [16. 17. 21. stürmisch. 3 1303-62] 5:04 | 33-51) NO. |Am 26. 6+22°1. Am 5. 27.31. Gew., am 9.16. 26. Wetterl. 3 1330.93] — 20°49| NW. |Am 3. 4. (Morg.) 20. 24. 25. Gewitter. 3 13807-51| 4-42 | 31:50) NO. |Am 27. Gewitter mit Hagel. er 2 u — |Am 5. Gewitter. 5 1323-211] — 43:85) NW. |Am 5. 11. 12. 13. 27. Gewitter, am 11. u. 31. Wetterl. 5 1313-11| 5-02 | 39-40) SO. |Amb. Gewitter, am 27. mit Sturm aus NW. und Hagel. 5 1299-92] 4:79 | 1770| SO. |Am 5. Gewitter, am 27. Gewitter mit Hagel. — — 61-101 — |Am 5. Gewitter. u — | 40:07) W. |Am3.4. 8. 20. 26. Gewitter. 3 1312-35| — | 36°95| W. |Am 10. 11. 12. 27. (Morg.) Gewitter, am 9. 26. Wetterl. 5 1313-85] — | 51:66) N. |Am 27. Gewitter. 3 1323:37| 5-51 | 4515| W. |Am 4. (Morg.) 25. 26. Gewitter, am 15. 21. Sturm. . — _ — |Am5. Orkan, am 27. Hagel. 3 1312.35] — 2723| W. |Am25. +22°. Am4&.(Morg.) 8. 26. Gew., am 26. m. Sturm. j ee au au — |Am 5. Gewitter. _ u —_ — |Am 5. 27. Gew., am 5. 9. 15. Sturm, am 6. 10. Schnee. 6 1301.62) — — S. |Am4.5.9. Gewitter, am 5. mit Hagel, am 3. u. 25 +24°, 8 1311.60| — 56°:27| SW. |Am 4. 5. 26. Gewitter. jam 20. 26. 28. Blitze. 3 1286-641) — -- — |AmB. Gewitter. 6 |290-05| 3:7% | 36-82] NO. |Am 5. Gewitter. - — = — — |Am 5. Gewitter. | 4 1300-4) — | %:70| 0. |Am 26. (heftig) 28. 29. Wetterleuchten. - — — 47-00) W 21270750 7 | 27:32| ©. Am 2.26.2776. 6 |248:46| — 146.24) 0. |Am8. Gewitter, am 5. Sturm, am 9. Regen und Schnee. » Störungen. 10. . früheren Monaten. :6 |306-98]| — 59-45| W. |Am 5. 11. 28. 29. 31. Gewitter. 4 1308:68| — 153-72| W. |Am 8. Gewitter. :8 1309-27| — 18:71| SW. |Am 3. 6. 7.9.10. 15. 16. 28. Gewitter. 7129799) 2:58 | 90-66) W. |Am 9. 13.18. 19. Regen mit Schnee, am 28. Nachts Gew. :6 1298-51] 3:79 | 72-26) SW. |Vom 17.—27. täglich Regen. 8 1299-29| 4-11 | 83-76) O0. W. |Am 3. um 5" Ab. aus SO. starkes Gew., im Sarstein-Gebirge 6 1335-15| 7:20 | 26-47) N. |Am 20. Gewitter. [Wolkenbruch. :9 1334 :46| 8:26 6:15I| NW. |Am 6. Wetterli. :71320:19| — 126°74| NW. |Am 4. 10. 11. 21. Gewitter, am 25. Sturm. 3 1320.77| — 52-84| NW. |Am 6.7. 9.11.12. 17. 20.26. 27. Gew., am 12. mit Sturm, == — |Gewitter wie in Wien. [am 20. mit Hagel. ‚en mit ewigem Schnee, schneefrei, auch hier waren die Tage vom 22—26. sehr heiss, am 23. noch ınte ununterbrochen zu blitzen, die Intervalle zwischen je zwei Blitzen betrugen kaum 1 Sec., die ds in SW. berührte Kremsmünster nicht. Dieses Gewitter war das blitzreichste im Jahre. . Wilten liegt 1890 P. F. über dem Meere, !/, Meile südlich von Innsbruck. r geographischen Lage der Stationen wird der Jahresübersieht der Witterung beigegeben werden. Tirnan. 332.34 Wien || 330.55 Cıllı. 328.60 IE Venedig 33251 Mikulore Maximum Minimum en Maximum Minimum Dunst- |Nieder- re Beobachtungsont-n ensn, er ee -| druck | schlag | schender Anmerkungen, ns Tag Temp. | Tag | Temp. |Par.Lin.) Tag | Luftdr.| Tag | Luftar.| par.nin. Par. Din, Bilsen. Kt. ce zn. +14°57) 25:6 | +24°6 | 19:3 | +6°1 1325”26| 18-9 |327"74| 9-3 |323"97| — | 9210 ww. |Am3.21. 25. 26. Gewitter, am 26. mit Hagel. Innsbruck . . . » | +14:538| 3-6 | +24-2 | 9-3 | +8-0 |315-93| 17:3 |317-92| 4-6 |312:02) — 12:84?) W. |Gewitter sind angemerkt am 4. 7. 26. Kremsmünster 2) . | +-14-51| 3:7 | +24: |19-2 | +7-1 |323-60| 18-4 |325-61) 4-9 |320-92| 5”00 | 65-15] W. |Am&. 5.20.26. 31. Gewitter, 3. 8.28. 30. Blitze, De +14:51| 3:6) +25:0 | 7°3 | +8-1 [315.25] 17°3 |317-03) 4-6 |312-71| — | 62-68] WSW.| Am 4.7. 20. 26. heitiges Gewitter, am 28. 30. Wetter]. Obervellach . . . | +14-46| 4:6 | +23:2 | 30:3 | +8°5 [312:39| 19-3 [315-46| 9-3 |310-31| 4-56 | #1-08| NO. I aSIOmeaEgEE +14:41| 5:6 | +24°9 | 31-3 | +46 |329:20| 30-9 1331-55| 55 |325-7&| 5-36 | 22-861 W. |Am 5. um 7% Ab. Gewitter mit Sturm. SCHOSS IgSgE RE +14°29| 3:6 | +25:0| 7:3 | +92 |325°80| 18-9 |328:74| 5-3 1323-53) 5-00 | 42-53) sw. sw.| Am 2, 3. 4. 10. 25. 29. Gew., am 2.7. 20. Blitze, am 15, Weissbriach . . . |+14:25| 4:6 | +23:0| 63 | +8:8| — —_ —_ — _ — _ — |Am 5. Gewitter. 16. 17. 21. stürmisch, St.Magdalenan.taria | +14-17| 3:6 | +22-2 | 16-3 | +94 |306°57| 19-3 \308-24| 5:6 |303-62| 3-04 | 33-51 NO. | Am 26. 6-+22°1. Am 5. 27.31. Gew-., am 9.16. 26. Wetterl. Bodenbach. . . . |+14-15| 3:6 | +25-8 | 19-3 | +7-4 |332-70| 19:3 1334-17) 4-3 |330-93| — 20-49| NW. |Am 3. 4. (More.) 20. 24. 25. Gewitter. Althofen. ..». . +14-10| 4:6 | +23°4 [15-3 | +8:1 [310:12) 3-3 1314-413] 5-3 1307-81) 4-42 | 31-50) NO. |Am 27. Gewitter mit Hagel. Steinbüchel . . . | +14-04| 24:6 | +21:2 | 10:3 | 49-4 — — —_ _ — — — — [Am 5. Gewitter, Leutschau.. . . . |+13:99| 3-6 | +23-2 | 18:3 | +7-4 \325-99| 19-6 |328-15) 5-6 |323-21| — 43:85] NW. |Am 5. 11. 12. 13. 27. Gewitter, am 11. u. 31. Wetterl. Tröpelach . . . . 1 +13-91| 4-6 | +23°2 | 15-3 | +7:7 \315-39| 19-3 |317-30| 9-6 |313-14| 5-02 | 39-401 SO. Am, Gewitter, am 27. mit Sturm aus NW. und Hagel. St. Jakob . . . . |+413:87| 4:6 | +22-6 [18-3 | +92 |303-09| 21-3 |302-72| 9-6 |299-92| 4-79 | 17-70| SO. Am 5. Gewitter, am 27. Gewitter mit Hagel. Salnıtze I 2: +13-78| 4:6 | +23:8 [16-3 | +9-8| — —_ — _ —_ _ 61:10) — |Am5. Gewitter. Deutsehbrod . . . | +13:58| 3:6 | +24-4 19:3 | +49 = —_ 40:07| W. |Am 3. 4. 8. 20. 26. Gewitter. Schemnitz . . . . | +13-57| 25:6 | +22-5 118-3 | +6-5 |315-33| 19-3 |317-18| 3-8 |312-35| — 36:98| W. |Am 10. 11. 12. 27. (Morg.) Gewitter, am 9. 26. Wetterl. Kesmark. . . . . |+13-48| 26:6 | +24:5 119-3 | 46-0 |314-36| 19-3 |316-76| 5-6 |313-35| — 51:66| N. |Am 27. Gewitter. Pürelitza, ı 2. +13-42| 3:6 | +24°2 | 19-3 | +72 |325-66| 18-8 |328.00| 4-8 1323-37| 3-51 | 25-15 'W. |Am 4. (More.) 25. 26. Gewitter, am 15. 21. Sturm. St. Jakob (b. Gurk) | +13-38| 24:6 | +21-5 | 10-3 | +8:0| — _ —_ _ — _ —_ — |Am 5. Orkan, am 27. Hagel. b. Reichenau. . . |+42:98| 3:6 | +24-0 | 19-3 | +50 1314-77| 18-9 |316-62| 3-3 |s12-38| — 2723| W. |Am25. +22°. AmA. (Morg.) 8.26. Gew., am 26. m. Sturm, Obi rneene +12-91) 46 | +21°5 [15-3 | +50 = _ —_ —_ _ —_ — — |Am 5. Gewitter. Alkus. . . . .. |+42-32| 25-6 | +21:0%| „Ei, | 46:01 — _ _ _ — _ — Am 5. 27. Gew., am 5. 9. 15. Sturm, am 6. 10. Schnee. Bad Gastein?) . . | +42-18| 23:6 | +24-0 | 5- + 6:7 |303-05| 18-6 |305-35| 8-6 1301-62) — — S. [Am A. 5.9. Gewitter, am 5. mit Hagel, am 3. u. 25 + 240, Markt Ausee . . . | +412-10| 25:6 | +22-6 | 5-8 | +8-0 |312-89| 18-6 |314:76| 4-8 |311-60| — 56:27) SW. |Am 4. 5. 26. Gewitter. [am 20. 26. 28. Blitze. Heiligenblut . . . |-+11-83| 4:6 | +19-5 | 21-3 | +7:2 1289-85] 21-9 1291-75) 5-3 loge-61| — —_ — |Am 5. Gewitter. St. Peter . . . . [+11:79| 24-6 | +20-4 | 21-3 | +82 |292-77| 21-3 1293-72) 5:6 |290-05| 3-74 | 36-82 NO. | Am 5. Gewitter. Mallnitz. . . » . -+11-73| 24:6 | +23 1 | 10-3 | +94 — —_ — — — —_ — — Am 5. Gewitter. Alt Aussee. . . . |+11:60) 3:6 | +23-6 | 5-6 | +72 [303-01| 18-4 |304-50| 5-4 |300-4% 9-70) 0 Am 26. (heftig) 28. 29. Wetterleuchten. Stilfserjoch . . . |+11:33) 19-6 | +19-0 | 11-3 | +6:0| — — —_ — —_ u 47.001 W An 020.0 8- mo +10.57| 25:6 | +17:8 | 9-3 | +4:0 |279-07| 3-3 |280-72| 9-3 \277-50| — 27:32) — |Am2. 6. +17°6. Luschariberg. . . | +10:01| 4-6 | +26-3 [10-3 | +4:0| — _ _ —_ _ _ _ _ U DI Der: + 9:67) #6 | +24:0 | 15-3 | +2-0 — —_ = — _ — — — St. Maria . . ... + 5°44| 3-6 | +11:8 | 9-3 | —0-3 |251:03| 19-3 1252-88) 9-6 218-161 — 146:24| 0. |Am8. Gewitter, am 5. Sturm, am 9. Regen und Schnee. Magnetische Störungen. Am 3. 10. Nachträge zu den früheren Monaten. Markt Aussee Mai |+ 7:67| 31°6| +21-4 | 10-4 |+ 2-41310-70| 25-4 |314-48| 15-6 |306-98| — |59-45) W. |Am 5.41.28. 29. 31. Gewitter. Juni | +11-81| 14:6 | +22:6 | 21-8 )+ 5-8|312-68! 27-8 [315-724] 16-2 |308-68| — |53-72| W. |Am 8. Gewitter. Juli | +12-21| 10-6 | +22:4 | 26-8 | + 7-2[312-63| 1-8 |315-65| 10-8 [1309-27 | — 18:71) SW. |Am 3. 6. 7. 9. 10. 15. 16. 28. Gewitter. Alt-Aussee Mai |-+ 5°99| 31:6 | +20:6) 9-4 |+ 0-1/300-15| 25-4 |302-60| 15:7 |297-99| 2-58 | 90-66 W. |Am 9. 13.18. 19. Regen mit Schnee, am 28. Nachts Gew. Juni | +10-20) 14:6 | +21-1 | 24-8 | + 2-8/302-20| 28-4 |305:09| 16-6 |298-51| 3-79 | 72-26 SW. |Vom 17.27. täglich Regen. Juli | +11:02| 10:6 | +21-6 | 22:4 | + 7:2|302-06) 1:8 |304-52| 10-8 |299-29| 4-14 | 83-76 0. W. [Am 3. um 5" Ab. aus SO. starkes Gew., im Sarstein-Gebirge Zara Juni | +17-63| 8:6 | +22:1 | 20:3 | +12:6|337-59| 28-6 1340-55] 24-6 [1335-15 7-20 | 26-47 N. Am 20. Gewitter. [Wolkenbruch. Juli | +20:17| 20:6 | +23:8 | 1-3 |+17-0|337-19) 1-9:1339-84| 17-9 |332-16| 8-26 | 6-15 NW. |Am 6. Wetterl. Neusohl Juni | +15°26) 3-6 | +23°6 | 29-3 |+ 6:41323-72| 10-4 |326-23| 24-7 1220-19| — | 26:74 NW. |Am 4. 10. 11. 21. Gewitter, am 25. Sturm. Juli | +14-96| 25-6 | +21:7 | 23:3 | +10-4|323-48| 14-5 |325-90| 11-3 |320-77| — |52 84| NW. |Am 6.7. 9.11. 12.17. 20.26. 27. Gew., am 12, mit Sturm, Mauer Juli | +15-28) 15-6 | +25°2 18-3 | 410-0) — — = = Gewitter wie in Wien. [am 20. mit Hagel. Meran Juli |+18-80) — _ = — —_ _ — 1) Kremsm ünster. Anfangs August waren die nahen Hochgebirge bis in die Schluchten mit ewigem Schnee, schneefrei, auch hier waren die Tage vom 22—26. sehr heiss, am 23. noch +23°1, am 26. +22°5. An diesem Tage Abends 7" 307 begann es rings im Horizonte ununterbrochen zu blitzen, die Intervalle zwischen je zwei Blitzen betrugen kaum 1 Sec., die elektrischen Entladungen waren jedoch nicht heftig, ein zweites Gewitter um 11" Abends in SW. berührte Kremsmünster nicht. Dieses Gewitter war das blitzreichste im Jahre. 2) Gastein. Das Gewitter am 5. war schr heftig (von Morgens bis 5! Abends). 1) In Wilten beobachtet Herr Stephanus Prantner, Subprior im Prämonstratenser Stifte, Wilten liegt 1890 P. F. über dem Meere, %, Meile südlich von Innsbruck. Anmerkung. Ein vollständiges Verzeichniss der Herren Beobachter, sowie eine Darstellung der geographischen Lage der Stationen wird der Jahresübersicht der Witterung beigegeben werden. } Die pu Die beigeschrieh Ein Netztheil 6ang der Wärme und des Luftdruckes im August 1855. netirten Linien stellen die Wärme, die ausgezogenen den Luftdruck dar. enen Zahlen sind Monatmittel, denen die stärkeren Horizontalli Wärme einem Grad Reaumur, beim Luftdrucke ein entspricht bei der nien entsprechen. er. Pariser Linie. et 2 RE DE 3 8 7 IIURBETHV BB m DH Ei j + — m +178|7 H EIN Ei \ Lemberg. Air B 3 i ; - Ä 74 Ä - h : Z 326 - : | | E +4 - I - n f ir B + +34 Jaslo ll \ : A £ 329,20 i 5 H E Le 4 4 Zi ED) 2] WEIGHT) E EZ SHE 1 ZUER Tirnan ws ; 332.34 { 22 1 = FH I BuRı Een FE EEE HH IEEarE A SPA: Wien A u je ! Ba > 330.55 ER > SEIEE 1 f: h = efalaı 11 Boom ra = 4 . im) T EiBiL mine] | ji =] name] = i = : et EI I EG ech ] Haba E = ET Cilli al: gm Let Ih 328/60 TR Se ee H \ LE 1 I EEEBCHEERSHESSEEEH Eu 2 SE | TEL ER Eu EINEISSEIDE SE Si a: II H a ZIEL] - ER + = Venedig = ne S Gm F 7272 Tall | 2 > 208 IE = ale] OagE | + I = - H H 1 jet 1 vale IT Valona NE ef e = \ 336.90 E B5 125 FEN FEB: 5 FH IND ONSENEEDEEN SE SERIE I ala] Entw: vAD Burkhardt, Sitzungsb. d. k. Akad. d. W. math. naturw. OL.XVITBA3 Heft. 1855. Audkk Hokı Staatsdruckerei Hermanstadt 321.9 Debreezin 333.05 Laibach 326.90 Klagenfurt 32086 Lienz in Tird), 312.88 Alt-Aussee 07 303.07 St. Maria 251.03 1) Da PET EI EEE 22 v # r N A KM Ion ! 4 . = > EEE E = Fa £ = = r I = = 3 Kg 3 Ein 2 & ; Bet Br | cn € % RU 1% “4 Ir i Wr \ A ng“ f }' ARARR SER en ee ee Bo -. = . : ! ur EA Eu ae | : - Er" 2 o | = | | | ; ee RE | | = Ye a: en _ | | A . E # ” In e - . 2 \ £ . a | 2 | | > 2 E > EEE an = en eh . + . Er - 3 > >» N & Mi Zeil 5 EN PL 14 j Dr Mi Gang der Feuchtigkeit und des Ozongehaltes der Luft im August 1855. Die punklirten Linien stellen die Feuchtigkeit, die ausgezogenen den Ozongehalt dar. Die am Rande befindlichen Zahlen sind die Monatmittel der Feuchtigkeit, jene zwischen den Curven die Monatmittel des Ozongehaltes. Den Monatmitteln entsprechen die stärkeren Horizontallinien. Ein Netztheil beträgt für die Feuchtigkeit 5Procente, für den Ozongehalt einen Theil der Far,, . benscala, welche vom völligen Weis bis zum tiefsten Blau zehn Abtheilungen enthält. TEN HM 202.708 - am 6. \ v2 3.97 ® SEO 22 Ei | ER I Bea Zea N gie RN N IN Mauer (bei Wien) mu je | N | BEZ eoaeı NEE ANZ Er AmEEEONS == Kaltenleutgeben (bei Wien) Eu 4 m zZ ER N Klagenfurt | || | AS DANDZANZAVEBETBRERAREF: 0 NINVi | } ZABRZR ER | Die am Rande rechts stehenden Zahlen bezeichnen die grösste Menge des Niederschlages an einem Tage. ala eh > AERO ü T-Jam10, |) zZ BarrmEEmz Ei ul! za Eu RaeaBı DS Kremsmünster N TR | IT I T/ Tam 12 SaNaruNa N Bis Es a Sa Dress Ss 94 & 8 IN al] ON - EREENAaBRNy.ER erlzeals] ee INEARBAEN ARTNET" AUTZERERARBHANTERREE Eintw. v. A. U. Burkhardt. Aus ikk Hof $ Sitzungsb. d. k. Akad. d. W. math. naturw. CI. XVIEBA.5. Heft. 1855 a } N a Wa u? Bu Im XVII. Bande, I. Heft soll es heissen : Seite 170, Zeile 13 von oben: Hippocastanum. RIO ar N Ede N u) dr v UraDE) A N N DE ee D IT 3 9088 01303 6884